Am Montag vor einer Woche war ein Auto offensichtlich nicht gerade langsam in unser elektrisches Tor gefahren. Dieses war nun kaputt, seine Verankerung inkl. Betonpfeiler umgestürzt und auch das Fußgängertörchen daneben verbeult und unbenutzbar. Bei dieser Bilanz war es klar, dass die Behebung des Ganzen etwas dauern würde. Am Dienstagvormittag kamen erst einmal die Handwerker von Power Gate (der Torfirma) und Manase (der Elektrozaunfirma). Sie alle guckten, staunten, fragten "What happened?", wollten Fotos des Unfallautos sehen und fuhren dann wieder. Auch unser Freundeskreis nahm großen Anteil. Interessant war, dass insbesondere Leute, die schon länger hier bzw. generell schon länger im Ausland lebten, erstmal die Befürchtung äußerten, das Auto wäre mit Absicht in unser Tor gefahren, als Einbruchsversuch. Ich war mir allerdings sehr sicher, dass das nicht die Intention der Unfallverursacherin gewesen war.
Am Dienstagmittag kam ein Herr von der Gebäudeversicherung, dem unser Vermieter ziemlich hinterher telefoniert hatte, damit er sich schnellstmöglich blicken ließ - erst, nachdem seine Begutachtung erfolgt war, würden die Reparaturen beginnen können. Der Versicherungsmensch sah mich schon bei der Begrüßung strafend an und fragte ebenfalls: "What happened here?" Nachdem ich nochmal wiederholte, was er ja eh längst wusste ("A car crashed in our gate") fragte er noch strafender: "YOUR car?" Als ich diesen Verdacht aus der Welt räumen konnte und er die Fotos gesehen hatte, wollte er noch einmal mit mir ums Haus laufen, fragte, ob die Bewegungsmelder und Alarmanlage funktionieren würden und ob wir Hunde hätten. Er sah nicht aus wie ein potentieller Einbrecher, stellte aber die Fragen, die ich von einem solchen erwartet hätte. Nachdem er wieder weg war, kam bald darauf ein Elektriker, der die Stromleitungen aus dem alten Pfosten zog. Er begrüßte mich grinsend mit "You remember me?" und tatsächlich hatte er schon mal vor Jahren einen Lichtschalter bei uns repariert. Nachdem ich an diesem Tag bereits die mir nur allzugut bekannten Handwerker der Tor- und der Elektrozaunfirma begrüßt hatte, erschien es mir langsam, als würde kurz vor unserem Auszug nochmal das "Who is who" der Gaboroner Handwerkerszene abspannmäßig hier vorbeiflanieren. Irgendwie nett. Dennoch hätte ich gerne darauf verzichtet.
Als nächstes zerschlugen zwei Mitarbeiter des Gartenbaumarkts unserer Vermieter in mühsamer Kleinarbeit den umgestürzten Betonpfosten und gossen schließlich noch das Fundament für einen neuen.
Abends kam wieder ein von unserem Vermieter gebuchter Wachmann. Tagsüber war ich positiv überrascht gewesen: Von der Müllabfuhr über die Handwerker bis hin zu einem Vertreter für Küchenwaren hatten alle geklingelt und waren vor dem kautten Tor stehen geblieben, obwohl sie problemlos bis zu unserer Hautür hätten marschieren können. Trotzdem war es nach wie vor ein seltsames Gefühl, dass das Gundstück so öffentlich zugänglich war und zumindest während der Dunkelheit war es doch beruhigend, den Wachmann vor dem Haus zu wissen. Es war ein junger Typ mit einem anscheinend unerschöpfbaren Handyakku, auf dem er sich den gesamten Abend lang Videos anguckte. Immerhin kam er nicht wie sein Kollege vom Unfallabend gleich mit einem Kopfkissen an. Er bleib uns einige Tage erhalten und ich begann schließlich aus alter Gewohnheit, ihn wie unseren Gärtner Sam und unsere Maid Patricia mit Käsebroten, Keksen und Obst zu versorgen.
Mittwoch kamen wieder zwei Mitarbeiter des Gartenbaumarktes und mauerten einen neuen Pfosten, was tatsächlich beinahe den ganzen Tag dauerte. Als unser (deutscher) Nachbar nachmittags zum Wäsche waschen vorbeikam, konstatierte er, dass der neue Pfosten bei einer erneuten Kollision vermutlich sofort wieder umkippen würde und sein Maurer-Onkel in der Zeit ein komplettes Haus gemauert hätte. Da wir allerdings hoffentlich nicht das Pech haben würden, noch einen weiteren Torunfall hier erleben zu dürfen und auch kein gemauertes Haus brauchten, fand ich das nicht so tragisch.
Am Donnerstag passierte dann - nichts. Das war schade. Denn so langsam wollte ich eigentlich mal wieder das Haus verlassen, was aus mehreren Gründen nicht ging: Ich wollte das offene Grundstück ungern alleine lassen und hätte auch das angelehnte Eisentor irgendwie wegbewegen müssen, um mein Auto rauszufahren. Seit dem Unfall am Montagnachmittag war ich nur Mittwochmittag mal mit einer Freundin Mittagessen gewesen, währen Patricia und die Pfostenbauer hier gewesen waren. Ich hatte zwar viel lieben Besuch bekommen, aber trotzdem - so langsam reichte es mir mit dem unfreiwillifen Hausarrest.
Das verstand unser Vermieter und machte Tor- und Elektrozaunfirma nochmal Druck. Und siehe da: Freitagmorgen tat sich was: Erst bekamen wir ein "temporary gate" für den Übergang, das neue Tor wird nämlich maßgefertigt, und das dauert. Und dann wurde auch noch der Elektrozaun gerichtet und sogar auf dem temporären Tor angeschweißt. Das war so nicht geplant gewesen und kam mir auch fragwürdig vor, da dieses Tor ja nur geliehen war und von der Schweißaktion sicher Spuren zurückbleiben würden, aber ich beschloss, die Mitarbeiter der Elektrozaunfirma nicht aufzuhalten - ein lückenloser Zaun gehört hier zu den Sicherheitsstandards. Und die waren bei uns dann Freitagmittag wieder hergestellt!
Weil unser Vermieter im Vorfeld nicht wirklich daran geglaubt hatte, hatte er den Wachmann nochmal bis Montag verlängert, was den Nachteil hatte, dass jeden Morgen um 5:45h einer von uns aufstehen musste, um ihn rauszulassen. Dafür waren wir an diesem Wochenende durch Tor UND Elektrozaun UND Wachmann besser gesichert als je zuvor. Als der Wachmann am Dienstag gegen 18h nochmal auftauchte, war ich verblüfft, aber gegen 20h wurde er dann wieder abgeholt - noch bevor er sein Käsebrot bekommen hatte. Und so war dann wieder alles halbwegs normal - bis Mittwoch. Da kam dann nämlich schon die Umzugsfirma ...
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Freitag, 22. Februar 2019
Montag, 18. Februar 2019
Umgefahren
Philip und ich haben uns in den letzten Jahren einigermaßen mit den hier empfohlenen Sicherheitsvorkehrungen engagiert. Vor unseren Fenstern sind Gitter, um unser Haus ist eine Mauer, auf der Mauer ein Elektrozaun. Wenn wir gehen, aktivieren wir die Alarmanlage. Löst diese aus, ruft uns die Sicherheitsfirma, bei der wir unter Vertrag sind, an und/oder kommt vorbei.
Das alles ist uns inzwischen in Fleisch und Blut übergegangen. Wann immer wir in Deutschland sind, genießen wir jedoch, dass eine solche Sicherheitsausstattung dort nicht nötig ist. Aber ist sie hier nötig?
Philip und ich hatten - im Gegensatz zu einigen seiner Kollegen - noch nie einen Einbruch oder Einbruchsversuch in unser Haus. Allerdings ist die Schere zwischen Arm und Rech in Botswana besonders hoch und gerade Weiße gelten als reich. Häuser nach westlichem Standard haben daher in der Regel alle genannten Vorrichtungen, an die wir uns, wie beschrieben, inzwischen auch gewöhnt haben. Wenn dann ein Teil dieser Sicherheitsvorkehrungen von einem Moment auf den anderen dahin ist, ist das daher schon ein seltsames Gefühl.
Es war letzte Woche Montagnachmittag. Ich saß im Wohnzimmer und hörte plötzlich einen enormen Schlag - und dann gleich noch einen zweiten. Einen Sekundenbruchteil dachte ich an den Steinbruch im Kgale Hill, aus dem man manchmal Sprengungen hört, die auch die Fenster erzittern lassen. Aber das hier war anders und nach dem Sekundenbruchteil, in dem ich das dachte, ging auch schon der Alarm unseres Elektrozauns los.
Ich rannte zur Haustür und schaute heraus. Mein erster Gedanke war "Unser Tor steht offen!", aber dann sah ich, dass das nicht ganz stimmte ... hier die Ansicht von der Straße aus.
Es stand also nicht offen, sondern lag vielmehr auf dem Boden. Neben einem Betonpfeiler, der ebenso umgestürtzt war.
Ein Auto hatte unser Tor gerammt, offensichtlich mit Tempo. Neben einer jungen Frau standen bereits drei Männer. Es stellte sich heraus, dass sie die Fahrerin war, allein im Auto gesessen hatte und es ihr den Umständen entsprechend gut ging. Wobei sie erstmal nicht sprach, also zumindest nicht mit mir. Ich schaltete dann erst einmal unseren Elektrozaun aus, um den Alarm abzustellen. Als nächstes rief ich unseren Vermieter Kent an. Ich war selbst etwas geschockt und er bat mich, Fotos zu schicken. Nachdem er sie bekommen hatte, wurde er dann glücklicherweise sehr schnell sehr aktiv.
Die drei Männer, offensichtlich Passanten, empfahlen mir, die Polizei zu rufen, und verabschiedeten sich dann nach und nach. Ich holte Campingstühle für die Unfallverursacherin und mich und dann saßen wir zu zweit vor dem umgestürtzten Tor. Inzwischen hatte sie ihre Sprache wieder gefunden und es stellte sich heraus, dass sie in unserer Straße wohnt und sogar mit einem Deutschen verheiratet ist, der aber zur Zeit in Hannover weilt (und im Übrigen mindestens doppelt so alt ist wie sie, aber das nur am Rande). Ihre größte Sorge war die Polizei und dass sie eine Geldstrafe bekommen würde (wobei ich annehme, dass die Kosten für das Tor diese um ein Vielfaches überschreitet), ihre zweitgrößte ihr Ehemann, der aber immerhin auf die ihm gesendeten Fotos nur mit einem "Thank god you are fine" reagierte. Mein Ehemann rief dagegen postwendend an, nachdem ich ihm ein paar Fotos schickte, was aber auch daran lag, dass sie auf seinem Handy nur teilweise runtergeladen wurden und der Golf der Unfallverursacherin auch noch die gleiche Farbe hatte wie meiner ...
Irgendwann kam Mattias, der Bruder unseres Vermieters, bestaunte den Schaden und befragte meine Sitznachbarin - durchaus nicht unfreundlich, aber er mutmaßte schon, dass sie doch vermutlich am Steuer mit ihrem Handy gespielt und deswegen die Kontrolle verloren hätte. Sie sagte "Don't say that" - das lässt sich jetzt interpretieren, wie man will. Mattias fuhr dann mal sein Handy aufladen, ich rief erneut bei der Polizei an. Es begann, leicht zu regnen. Ab und zu fuhr ein Polizeiauto auf der Querstraße vorbei, wir winkten auch, aber offensichtlich wollte niemand zu uns. Irgendwann rief die Polizei tatsächlich mich an, um sich zu erkundigen, ob schon jemand da gewesen wäre. Inzwischen waren mehr als zwei Stunden vergangen.
Immer wieder hielten Autos vor unserem Haus an, mit Insassen, die mit offenem Mund fragten "What happened?", was zunehmend langweilte, zumal die Unfallverursacherin verständlicherweise keinen Lust hatte, jedem Passanten den Unfallhergang zu schildern. Nach und nach bekamen wir außerdem Verstärkung: Die Cousine der Frau leistete uns Gesellschaft (wollte aber natürlich auch als erstes wissen, wie das denn hatte passieren können), dann kam Mattias wieder, schließlich Philip und unsere Nachbarin und dann auch unser Vermieter Kent, der inzwischen schon mit seiner Versicherung, der Firma, die für das elektrische Tor zuständig ist, der Elektrozaunfirma und einem weiteren Elektriker gesprochen hatte. Ich hatte zwischenzeitlich nochmal mit der Polizei telefoniert, die schließlich auch auftauchte - nach drei Stunden. Endlich kam Bewegung in die Sache: Die Polizei befragte die Unfallverursacherin und unseren Vermieter als Geschädigten; unser Vermieter, dessen Bruder und sein Sohn richteten unser Tor auf und lehnten es gegen die Mauer, so dass es zumindest teilweise als Sichtschutz diente. Kent hatte außerdem bei unserer Sicherheitsfirma einen Wachmann für die Nacht bestellt, der um 18 Uhr da sein sollte. Inzwischen war es allerdings fast 19 Uhr und dunkel. Kent schickte mich schließlich ins Haus und sagte, ich hätte jetzt genug draußen gewartet, er würde übernehmen und hier sitzenbleiben, bis der Wachmann käme. Was war ich ihm dankbar in diesem Moment.
Philip war seit seiner Ankunft noch mit einem Notfall anderer Natur beschäftigt gewesen, der jetzt aber halbwegs gelöst schien. Er leistete Kent schließlich Gesellschaft, beide saßen in unserem Carport auf den Campingstühlen. Es muss ausgesehen haben wie ein Schichtwechsel, nachdem die Unfallverursacherin und ich schon stundenlang vor dem Haus gesessen hatten. Philip und Kent unterhielten sich wesentlich angeregter als wir beide, was aber daran gelegen haben mag, dass keiner von ihnen gerade einen noch relativ neugekauften (und vermutlich unversicherten) Golf gegen ein Tor gesteuert hatte. Sie saßen da schließlich auch nochmal zwei Stunden, bis der Wachmann eintraf, der sich im übrigen ein Kissen mitgebracht hatte (quasi seine einzige Ausstattung). Philip gab ihm für die Nacht noch seinen "panic button", der die Sicherheitsfirma in einem Notfall ruft, den er aber zum Glück nicht drücken musste. Wir fielen dann beide ziemlich fertig ins Bett. Es war ein ungewohntes Gefühl, so ein offenes Grundstück zu haben, das nun ein Wachmann bewachen sollte, zumindest bis 6 Uhr morgens. Und dann würden hoffentlich möglichst schnell die Handwerker kommen ...
Das alles ist uns inzwischen in Fleisch und Blut übergegangen. Wann immer wir in Deutschland sind, genießen wir jedoch, dass eine solche Sicherheitsausstattung dort nicht nötig ist. Aber ist sie hier nötig?
Philip und ich hatten - im Gegensatz zu einigen seiner Kollegen - noch nie einen Einbruch oder Einbruchsversuch in unser Haus. Allerdings ist die Schere zwischen Arm und Rech in Botswana besonders hoch und gerade Weiße gelten als reich. Häuser nach westlichem Standard haben daher in der Regel alle genannten Vorrichtungen, an die wir uns, wie beschrieben, inzwischen auch gewöhnt haben. Wenn dann ein Teil dieser Sicherheitsvorkehrungen von einem Moment auf den anderen dahin ist, ist das daher schon ein seltsames Gefühl.
Es war letzte Woche Montagnachmittag. Ich saß im Wohnzimmer und hörte plötzlich einen enormen Schlag - und dann gleich noch einen zweiten. Einen Sekundenbruchteil dachte ich an den Steinbruch im Kgale Hill, aus dem man manchmal Sprengungen hört, die auch die Fenster erzittern lassen. Aber das hier war anders und nach dem Sekundenbruchteil, in dem ich das dachte, ging auch schon der Alarm unseres Elektrozauns los.
Ich rannte zur Haustür und schaute heraus. Mein erster Gedanke war "Unser Tor steht offen!", aber dann sah ich, dass das nicht ganz stimmte ... hier die Ansicht von der Straße aus.
Es stand also nicht offen, sondern lag vielmehr auf dem Boden. Neben einem Betonpfeiler, der ebenso umgestürtzt war.
Ein Auto hatte unser Tor gerammt, offensichtlich mit Tempo. Neben einer jungen Frau standen bereits drei Männer. Es stellte sich heraus, dass sie die Fahrerin war, allein im Auto gesessen hatte und es ihr den Umständen entsprechend gut ging. Wobei sie erstmal nicht sprach, also zumindest nicht mit mir. Ich schaltete dann erst einmal unseren Elektrozaun aus, um den Alarm abzustellen. Als nächstes rief ich unseren Vermieter Kent an. Ich war selbst etwas geschockt und er bat mich, Fotos zu schicken. Nachdem er sie bekommen hatte, wurde er dann glücklicherweise sehr schnell sehr aktiv.
Die drei Männer, offensichtlich Passanten, empfahlen mir, die Polizei zu rufen, und verabschiedeten sich dann nach und nach. Ich holte Campingstühle für die Unfallverursacherin und mich und dann saßen wir zu zweit vor dem umgestürtzten Tor. Inzwischen hatte sie ihre Sprache wieder gefunden und es stellte sich heraus, dass sie in unserer Straße wohnt und sogar mit einem Deutschen verheiratet ist, der aber zur Zeit in Hannover weilt (und im Übrigen mindestens doppelt so alt ist wie sie, aber das nur am Rande). Ihre größte Sorge war die Polizei und dass sie eine Geldstrafe bekommen würde (wobei ich annehme, dass die Kosten für das Tor diese um ein Vielfaches überschreitet), ihre zweitgrößte ihr Ehemann, der aber immerhin auf die ihm gesendeten Fotos nur mit einem "Thank god you are fine" reagierte. Mein Ehemann rief dagegen postwendend an, nachdem ich ihm ein paar Fotos schickte, was aber auch daran lag, dass sie auf seinem Handy nur teilweise runtergeladen wurden und der Golf der Unfallverursacherin auch noch die gleiche Farbe hatte wie meiner ...
Irgendwann kam Mattias, der Bruder unseres Vermieters, bestaunte den Schaden und befragte meine Sitznachbarin - durchaus nicht unfreundlich, aber er mutmaßte schon, dass sie doch vermutlich am Steuer mit ihrem Handy gespielt und deswegen die Kontrolle verloren hätte. Sie sagte "Don't say that" - das lässt sich jetzt interpretieren, wie man will. Mattias fuhr dann mal sein Handy aufladen, ich rief erneut bei der Polizei an. Es begann, leicht zu regnen. Ab und zu fuhr ein Polizeiauto auf der Querstraße vorbei, wir winkten auch, aber offensichtlich wollte niemand zu uns. Irgendwann rief die Polizei tatsächlich mich an, um sich zu erkundigen, ob schon jemand da gewesen wäre. Inzwischen waren mehr als zwei Stunden vergangen.
Immer wieder hielten Autos vor unserem Haus an, mit Insassen, die mit offenem Mund fragten "What happened?", was zunehmend langweilte, zumal die Unfallverursacherin verständlicherweise keinen Lust hatte, jedem Passanten den Unfallhergang zu schildern. Nach und nach bekamen wir außerdem Verstärkung: Die Cousine der Frau leistete uns Gesellschaft (wollte aber natürlich auch als erstes wissen, wie das denn hatte passieren können), dann kam Mattias wieder, schließlich Philip und unsere Nachbarin und dann auch unser Vermieter Kent, der inzwischen schon mit seiner Versicherung, der Firma, die für das elektrische Tor zuständig ist, der Elektrozaunfirma und einem weiteren Elektriker gesprochen hatte. Ich hatte zwischenzeitlich nochmal mit der Polizei telefoniert, die schließlich auch auftauchte - nach drei Stunden. Endlich kam Bewegung in die Sache: Die Polizei befragte die Unfallverursacherin und unseren Vermieter als Geschädigten; unser Vermieter, dessen Bruder und sein Sohn richteten unser Tor auf und lehnten es gegen die Mauer, so dass es zumindest teilweise als Sichtschutz diente. Kent hatte außerdem bei unserer Sicherheitsfirma einen Wachmann für die Nacht bestellt, der um 18 Uhr da sein sollte. Inzwischen war es allerdings fast 19 Uhr und dunkel. Kent schickte mich schließlich ins Haus und sagte, ich hätte jetzt genug draußen gewartet, er würde übernehmen und hier sitzenbleiben, bis der Wachmann käme. Was war ich ihm dankbar in diesem Moment.
Philip war seit seiner Ankunft noch mit einem Notfall anderer Natur beschäftigt gewesen, der jetzt aber halbwegs gelöst schien. Er leistete Kent schließlich Gesellschaft, beide saßen in unserem Carport auf den Campingstühlen. Es muss ausgesehen haben wie ein Schichtwechsel, nachdem die Unfallverursacherin und ich schon stundenlang vor dem Haus gesessen hatten. Philip und Kent unterhielten sich wesentlich angeregter als wir beide, was aber daran gelegen haben mag, dass keiner von ihnen gerade einen noch relativ neugekauften (und vermutlich unversicherten) Golf gegen ein Tor gesteuert hatte. Sie saßen da schließlich auch nochmal zwei Stunden, bis der Wachmann eintraf, der sich im übrigen ein Kissen mitgebracht hatte (quasi seine einzige Ausstattung). Philip gab ihm für die Nacht noch seinen "panic button", der die Sicherheitsfirma in einem Notfall ruft, den er aber zum Glück nicht drücken musste. Wir fielen dann beide ziemlich fertig ins Bett. Es war ein ungewohntes Gefühl, so ein offenes Grundstück zu haben, das nun ein Wachmann bewachen sollte, zumindest bis 6 Uhr morgens. Und dann würden hoffentlich möglichst schnell die Handwerker kommen ...
Donnerstag, 14. Februar 2019
Abschiedsparty
Unsere Zeit in Botswana nähert sich dem Ende - immer schneller und schneller. Und so liegen inzwischen bereits zwei von drei Abschiedspartys hinter uns. Letzte Woche Dienstag hatten wir Philips Mitarbeiter mit Partnern zu uns eingeladen. Philip grillte, ich hatte Salate gemacht und es war ein sehr vergnügter Abend, bei dem vor allem der Projektfahrer ungeahnte Entertainer-Qualitäten bewies.
Insgesamt waren wir zu elft, eine sehr gut händelbare Anzahl von Gästen. Abschiedsparty Nummer zwei sollte jedoch größer sein, war sie doch als unsere "richtige" Abschiedsparty geplant, zu der wir unsere Freunde einladen wollten. Da wir mit um die 30 Gästen rechneten, entschieden wir uns hier erstmals, ein Catering zu bestellen. Wir waren letztes Jahr auf einer Party bei Freunden, die sich das Büffet von einer Deutschen namens Heidi hatten liefern lassen. Heidi betreibt ca. 20 km außerhalb von Gaborone einen Ponyhof mit angeschlossenem Café und ist gerade dabei, ihren Restaurantbetrieb auszubauen. Sie richtet auch Kindergeburtstage dort aus und als wir vor fast drei Wochen zu einem eingeladen waren, engagierte ich sie für unsere Abschiedsparty. Schließlich stellten wir auch noch fest, dass sie Rheinbacherin ist (dort bin ich aufs Gymnasium gegangen) und ihr Ex-Mann der Sohn meiner alten Schulsekretärin, die im gleichen Dorf wie ich wohnte ... die Welt ist klein! Wenn ich in Rheinbach jemanden aus Rheinbach treffe, ist da keine größere Verbundenheit. In Botswana hingegen fühlt es sich schon fast nach Verwandtschaft an.
Also fuhr ich ein paar Tage später wieder nach Notwane, um mit Heidi das Büffet durchzusprechen. Im Gepäck hatte ich einen Eimer mit vier Fröschen, die Philip aus unserem Swimmingpool und unser Nachbar aus seinem Teich gefischt hatte, wegen akuter Lärmbelästigung. Ich setzte sie - mit Heidis Einverständnis - in deren Teich aus, dann planten wir mit ihrem neuen, indischstämmigen Koch das Essen. Heidi bot für das Büffet unterschiedlich gefüllte Wraps an sowie Kartoffelsalat und Frikadellen, er schlug zusätzlich indisch zubereiteten Blumenkohl und Brokkoli vor, Chicken Wings in Barbecuesauce sowie indische Kartoffelbällchen. Als Nachtisch beschlossen wir Obstspieße und Tiramisu und schon stand das deutsch-indische Büffet. Heidi bot noch an, mir Wassergläser und Tische auszuleihen, die sie dann auch schon vorab vorbeibrachte. Unter anderem lieh sie uns zwei sogenannte "Bierkreuze" aus, kreuzförmige Stehtische, die zum Erfolg unserer Party tatsächlich maßgeblich beitrugen.
Heidi hatte mir auch geraten, zwei Maids für den Abend zu engagieren; eine sollte abspülen, eine leere Flaschen, Gläser und Teller einsammeln. Da unsere Maid Patricia sehr weit außerhalb wohnt, engagierte ich die von Freunden mit ihrer Mutter. Sie sollten gegen 17:30 Uhr da sein - auch ein Tipp von Heidi, damit sie in jedem Fall vor Ort wären, wenn das Essen gegen 18 Uhr geliefert werden würde. Die Maids waren dann auch sehr pünktlich, das Essen weniger - es kam erst kurz nach 19 Uhr und damit nach den ersten Gästen. Es wird mir im Gedächtnis bleiben, wie die beiden Helferinnen vorab arbeitslos in unserem Wohnzimmer saßen und die Ältere anfing, mit den Armen zu Totos "Africa" mitzugrooven, das natürlich auf unserer Abschieds-Playlist stand.
Da wir die Tische bereits im Vorfeld aufgebaut hatten und auch Teller und Besteck schon bereitlegen konnten (wir hatten uns von einer Freundin zusätzliches ausgeliehen), musste das Essen nur noch im Wohnzimmer bereitgestellt werden, während sich die ersten Gäste schon im Garten unterhielten. Die Getränke hatten wir selbst besorgt und in Kühlboxen auf die Terrasse gestellt. Unser Gärtner Sam fungierte als Parkplatzwächter und saß in einem unserer Campingstühle vor dem Haus. Jetzt konnte die Party beginnen - und das tat sie! Unsere Gäste saßen auf der Terrasse oder standen an den Bierkreuzen auf unserem Kunstrasen, die sehr halfen, dass sich die Leute mischten. Wir hatten den Eindruck, dass sich sämtliche Konstellationen bestens unterhielten. Die einzigen, die eher gelangweilt wirkten, waren meine 11- und 13-jährigen serbischen Deutschschülerinnen, was aber abzusehen gewesen war. Sie hatten mich im Vorfeld gefragt gehabt, ob es Süßigkeiten geben würde, und nachdem ich ihnen ein Tellerchen vorbereitet und sie außerdem mit dem WLAN-Passwort versorgt hatte, wurde der Abend für sie einigermaßen erträglich. Ihre Mutter hatte eigentlich gar nicht vorgehabt, lange zu bleiben, zumal ihr Mann krank zu Hause geblieben war, war aber dann immens gefragt: Da Olga Pianistin ist, hatte ich schon einen Freund von uns auf sie angesetzt, der sein Klavier verkaufen wollte; überdies vermietet ihre Familie ein Haus, an dem eventuell ein anderer Kollege von Philip Interesse hat. Auch die Freundin, die den Deutschunterricht von mir übernehmen wird, war mit Verlobtem und Eltern zugegen - unser einziger Gast, der außer Philip und mir eigentlich niemanden kannte, war also fast der Gefragteste! Aber auch sonst wurden neue Bekanntschaften geschlossen, eine Schnapsflasche leergetrunken und sogar eine Schildkröte weitervermittelt.
Philip und ich wurden reich beschenkt mit Kissenbezügen und einer Tischdecke, die wir uns zuvor bei Botswana Craft ausgesucht hatten. Es gab auch eine kleine Rede und ein Gruppenfoto und ich erinnerte mich an unsere Einweihungsparty, die zwar nett gewesen war, auf der ich aber so gut wie niemanden gekannt hatte, weil wir ja noch ziemlich neu im Land gewesen waren. Der Unterschied hätte kaum größer sein können. Von den Gästen unserer Einweihungsparty war tatsächlich kein einziger auf unserer Abschiedsparty: Mit einigen ergab sich später kaum Kontakt, andere, die wir sonst gerne eingeladen hätten, haben inzwischen das Land verlassen. Aber auf unserer Abschiedsparty waren auch viele "Neuankömmlinge", also Freunde, die in den letzten drei Jahren erst nach uns in Gaborone angekommen sind. Unser Start in Botswana war nicht ganz einfach und der Abschied wird es leider auch nicht werden, denn viele liebe Menschen werden uns fehlen.
Apropos fehlen: Was an diesem Abend in keinster Weise fehlte, war das Essen! Vom Kartoffelsalat, den Chicken Wings und dem Tiramisu wurde maximal ein Drittel gegessen. Ich bot den Maids an, sich Carepakete einzupacken und versorgte nicht nur unseren Gärtner mit Essen, sondern auch den Wachmann von gegenüber, mit dem er sich im Laufe des Abends angefreundet hatte (die Essensversorgung war eventuell eine ungeahnte Investition in die Zukunft - dazu mehr im nächsten Blogeintrag). Gegen Mitternacht rief ich für Sam und die beiden Damen noch Taxen, dann saßen wir mit den letzten Freunden noch bis nach 1 Uhr zusammen - für Gaboroner Verhältnisse ist das krass lang!
Insgesamt waren wir zu elft, eine sehr gut händelbare Anzahl von Gästen. Abschiedsparty Nummer zwei sollte jedoch größer sein, war sie doch als unsere "richtige" Abschiedsparty geplant, zu der wir unsere Freunde einladen wollten. Da wir mit um die 30 Gästen rechneten, entschieden wir uns hier erstmals, ein Catering zu bestellen. Wir waren letztes Jahr auf einer Party bei Freunden, die sich das Büffet von einer Deutschen namens Heidi hatten liefern lassen. Heidi betreibt ca. 20 km außerhalb von Gaborone einen Ponyhof mit angeschlossenem Café und ist gerade dabei, ihren Restaurantbetrieb auszubauen. Sie richtet auch Kindergeburtstage dort aus und als wir vor fast drei Wochen zu einem eingeladen waren, engagierte ich sie für unsere Abschiedsparty. Schließlich stellten wir auch noch fest, dass sie Rheinbacherin ist (dort bin ich aufs Gymnasium gegangen) und ihr Ex-Mann der Sohn meiner alten Schulsekretärin, die im gleichen Dorf wie ich wohnte ... die Welt ist klein! Wenn ich in Rheinbach jemanden aus Rheinbach treffe, ist da keine größere Verbundenheit. In Botswana hingegen fühlt es sich schon fast nach Verwandtschaft an.
Also fuhr ich ein paar Tage später wieder nach Notwane, um mit Heidi das Büffet durchzusprechen. Im Gepäck hatte ich einen Eimer mit vier Fröschen, die Philip aus unserem Swimmingpool und unser Nachbar aus seinem Teich gefischt hatte, wegen akuter Lärmbelästigung. Ich setzte sie - mit Heidis Einverständnis - in deren Teich aus, dann planten wir mit ihrem neuen, indischstämmigen Koch das Essen. Heidi bot für das Büffet unterschiedlich gefüllte Wraps an sowie Kartoffelsalat und Frikadellen, er schlug zusätzlich indisch zubereiteten Blumenkohl und Brokkoli vor, Chicken Wings in Barbecuesauce sowie indische Kartoffelbällchen. Als Nachtisch beschlossen wir Obstspieße und Tiramisu und schon stand das deutsch-indische Büffet. Heidi bot noch an, mir Wassergläser und Tische auszuleihen, die sie dann auch schon vorab vorbeibrachte. Unter anderem lieh sie uns zwei sogenannte "Bierkreuze" aus, kreuzförmige Stehtische, die zum Erfolg unserer Party tatsächlich maßgeblich beitrugen.
Heidi hatte mir auch geraten, zwei Maids für den Abend zu engagieren; eine sollte abspülen, eine leere Flaschen, Gläser und Teller einsammeln. Da unsere Maid Patricia sehr weit außerhalb wohnt, engagierte ich die von Freunden mit ihrer Mutter. Sie sollten gegen 17:30 Uhr da sein - auch ein Tipp von Heidi, damit sie in jedem Fall vor Ort wären, wenn das Essen gegen 18 Uhr geliefert werden würde. Die Maids waren dann auch sehr pünktlich, das Essen weniger - es kam erst kurz nach 19 Uhr und damit nach den ersten Gästen. Es wird mir im Gedächtnis bleiben, wie die beiden Helferinnen vorab arbeitslos in unserem Wohnzimmer saßen und die Ältere anfing, mit den Armen zu Totos "Africa" mitzugrooven, das natürlich auf unserer Abschieds-Playlist stand.
Da wir die Tische bereits im Vorfeld aufgebaut hatten und auch Teller und Besteck schon bereitlegen konnten (wir hatten uns von einer Freundin zusätzliches ausgeliehen), musste das Essen nur noch im Wohnzimmer bereitgestellt werden, während sich die ersten Gäste schon im Garten unterhielten. Die Getränke hatten wir selbst besorgt und in Kühlboxen auf die Terrasse gestellt. Unser Gärtner Sam fungierte als Parkplatzwächter und saß in einem unserer Campingstühle vor dem Haus. Jetzt konnte die Party beginnen - und das tat sie! Unsere Gäste saßen auf der Terrasse oder standen an den Bierkreuzen auf unserem Kunstrasen, die sehr halfen, dass sich die Leute mischten. Wir hatten den Eindruck, dass sich sämtliche Konstellationen bestens unterhielten. Die einzigen, die eher gelangweilt wirkten, waren meine 11- und 13-jährigen serbischen Deutschschülerinnen, was aber abzusehen gewesen war. Sie hatten mich im Vorfeld gefragt gehabt, ob es Süßigkeiten geben würde, und nachdem ich ihnen ein Tellerchen vorbereitet und sie außerdem mit dem WLAN-Passwort versorgt hatte, wurde der Abend für sie einigermaßen erträglich. Ihre Mutter hatte eigentlich gar nicht vorgehabt, lange zu bleiben, zumal ihr Mann krank zu Hause geblieben war, war aber dann immens gefragt: Da Olga Pianistin ist, hatte ich schon einen Freund von uns auf sie angesetzt, der sein Klavier verkaufen wollte; überdies vermietet ihre Familie ein Haus, an dem eventuell ein anderer Kollege von Philip Interesse hat. Auch die Freundin, die den Deutschunterricht von mir übernehmen wird, war mit Verlobtem und Eltern zugegen - unser einziger Gast, der außer Philip und mir eigentlich niemanden kannte, war also fast der Gefragteste! Aber auch sonst wurden neue Bekanntschaften geschlossen, eine Schnapsflasche leergetrunken und sogar eine Schildkröte weitervermittelt.
Philip und ich wurden reich beschenkt mit Kissenbezügen und einer Tischdecke, die wir uns zuvor bei Botswana Craft ausgesucht hatten. Es gab auch eine kleine Rede und ein Gruppenfoto und ich erinnerte mich an unsere Einweihungsparty, die zwar nett gewesen war, auf der ich aber so gut wie niemanden gekannt hatte, weil wir ja noch ziemlich neu im Land gewesen waren. Der Unterschied hätte kaum größer sein können. Von den Gästen unserer Einweihungsparty war tatsächlich kein einziger auf unserer Abschiedsparty: Mit einigen ergab sich später kaum Kontakt, andere, die wir sonst gerne eingeladen hätten, haben inzwischen das Land verlassen. Aber auf unserer Abschiedsparty waren auch viele "Neuankömmlinge", also Freunde, die in den letzten drei Jahren erst nach uns in Gaborone angekommen sind. Unser Start in Botswana war nicht ganz einfach und der Abschied wird es leider auch nicht werden, denn viele liebe Menschen werden uns fehlen.
Apropos fehlen: Was an diesem Abend in keinster Weise fehlte, war das Essen! Vom Kartoffelsalat, den Chicken Wings und dem Tiramisu wurde maximal ein Drittel gegessen. Ich bot den Maids an, sich Carepakete einzupacken und versorgte nicht nur unseren Gärtner mit Essen, sondern auch den Wachmann von gegenüber, mit dem er sich im Laufe des Abends angefreundet hatte (die Essensversorgung war eventuell eine ungeahnte Investition in die Zukunft - dazu mehr im nächsten Blogeintrag). Gegen Mitternacht rief ich für Sam und die beiden Damen noch Taxen, dann saßen wir mit den letzten Freunden noch bis nach 1 Uhr zusammen - für Gaboroner Verhältnisse ist das krass lang!
Dienstag, 29. Januar 2019
Verschnitten
Als wir aus unserem diesjährigen Heimaturlaub zurückkamen, waren wir gerade auf dem Rückweg vom Flughafen, als mich die SMS von einem unserer Vermieter erreichte: "Hi, are you guys back yet?" Waren wir ja noch nicht ganz, aber kurz darauf und sahen ihn dann auch gleich: Mattias und sein Sohn hatten vor unserem Tor geparkt und schnitten gerade die Büsche an der Außenmauer zurück. Das war super - unser Gärtner hatte mich bereits Anfang Dezember angesprochen, dass das mal wieder in Angriff genommen werden müsste. Hier gibt es zwar keinen Bürgersteig, auf dem Leute laufen könnten, aber trotzdem versuchen Fußgänger natürlich, nicht auf der Straße zu gehen und so war bei den Bougainvilléen, anderen Büschen und Bäumen schon öfters etwas abgeknickt worden. Ich hatte unseren Vermietern allerdings noch gar nicht Bescheid gegeben - wie schön, dass sie das gerade von selbst erledigten!
Die Freude währte nur kurz - einen Tag später kam Philip von der Arbeit nach Hause und stellte fest, dass da nochmal jemand am Werk gewesen war, der sich wesentlich grobmotorischer als unser Vermieter angestellt hatte. Der ziemlich traurige Anblick passte zu Philips etwas verkorkstem Start nach unserem Heimaturlaub.
Ich hatte morgens noch eine SMS unseres Stromanbieters bekommen, dass von 9 bis 16h der Strom abgeschaltet werden würde, da in der Zeit Bäume in der Nähe von Strommasten beschnitten werden sollten. Prinzipiell machte das Sinn - momentan ist ja Regenzeit, Gewitter gehen hier oft mit Sturm einher, ab und an stürzen Bäume dabei um und in Stromleitungen. Was folgt, sind Stromausfälle, denn in Botswana sind sämtliche Stromleitungen oberirdisch verlaufend und dadurch ziemlich störungsanfällig. Als ich die SMS bekam, hatte ich also durchaus Verständnis und freute mich noch über das gute Timing, war ich an diesem Tag doch eh von früh morgens bis spät abends unterwegs. Dass bei uns so ein Kahlschlag erfolgen würde, hatte ich allerdings nicht erwartet. Die Botswana Power Corporation hatte sich ohne Rücksicht auf Verluste ausgetobt - ein Teil der nicht gerade kleinen gekappten Äste war in unseren Elektrozaun gefallen. Dass dieser nicht weiter beschädigt worden war, war reines Glück.
Unser Vermieter nahm es gelassen. Er hatte entlang der Straße schon Bäume gesehen, die sich von dem rabiaten Schnitt vermutlich nicht mehr erholen, während unsere hoffentlich nachwachsen werden. Wir waren uns allerdings einig, dass einen das Stromunternehmen in einer perfekten Welt eine Woche vorher informiert hätte, damit man selbst zur Säge hätte greifen können, bevor es jemand tut, der einfach nur absäbelt ... aber wo ist die Welt schon perfekt? In den Tagen danach holte die Botswana Power Corporation immerhin den Großteil der Zweige ab.
Ich hatte morgens noch eine SMS unseres Stromanbieters bekommen, dass von 9 bis 16h der Strom abgeschaltet werden würde, da in der Zeit Bäume in der Nähe von Strommasten beschnitten werden sollten. Prinzipiell machte das Sinn - momentan ist ja Regenzeit, Gewitter gehen hier oft mit Sturm einher, ab und an stürzen Bäume dabei um und in Stromleitungen. Was folgt, sind Stromausfälle, denn in Botswana sind sämtliche Stromleitungen oberirdisch verlaufend und dadurch ziemlich störungsanfällig. Als ich die SMS bekam, hatte ich also durchaus Verständnis und freute mich noch über das gute Timing, war ich an diesem Tag doch eh von früh morgens bis spät abends unterwegs. Dass bei uns so ein Kahlschlag erfolgen würde, hatte ich allerdings nicht erwartet. Die Botswana Power Corporation hatte sich ohne Rücksicht auf Verluste ausgetobt - ein Teil der nicht gerade kleinen gekappten Äste war in unseren Elektrozaun gefallen. Dass dieser nicht weiter beschädigt worden war, war reines Glück.
Unser Vermieter nahm es gelassen. Er hatte entlang der Straße schon Bäume gesehen, die sich von dem rabiaten Schnitt vermutlich nicht mehr erholen, während unsere hoffentlich nachwachsen werden. Wir waren uns allerdings einig, dass einen das Stromunternehmen in einer perfekten Welt eine Woche vorher informiert hätte, damit man selbst zur Säge hätte greifen können, bevor es jemand tut, der einfach nur absäbelt ... aber wo ist die Welt schon perfekt? In den Tagen danach holte die Botswana Power Corporation immerhin den Großteil der Zweige ab.
Mittwoch, 19. Dezember 2018
Ohne Strom nix los
Das liebe Wetter in Botswana: In Deutschland mag das derzeit schwer vorstellbar sein, aber wenn wir morgens das Fenster aufmachen und die 25°C-warme Luft ins Haus strömt, dann wirkt das wie eine Erfrischung. Es ist relativ heiß zur Zeit, bei der Arbeit funktioniert die Klimaanlage nur eingeschränkt, und ganz Botswana wartet auf Regen: Seit Oktober sollte hier Regenzeit sein, geregnet hat es bisher aber kaum, höchstens mal 1-2mm, also auch für hiesige Verhältnisse wenig.
Vorvergangene Woche in der Nacht von Donnerstag auf Freitag gab es dann mal ein Gewitter - wieder mit fast keinem Regen - dafür fiel der Strom aus, und das gleich von 1 Uhr bis 8 Uhr morgens. Und nein, der Stromausfall lag nicht daran, dass wir unseren Strom nicht bezahlt hatten (wir haben ja Prepaid-Strom).
Bevor ich zur Arbeit ging, fuhr ich erst einmal zu einem (wegen Stromausfalls geschlossenen) Supermarkt, schließlich zu einer Tankstelle, wo ich einen Eisklotz besorgte, den wir in den Gefrierschrank legten. Erfreulicherweise kam der Strom kurz darauf wieder, doch der Eisklotz sollte sich trotzdem schon bald als nützlich erweisen.
Am Samstagnachmittag gab es nämlich wieder ein Gewitter, diesmal mit 8mm Regen innerhalb von 10 Minuten, ein ziemlich heftiger Guss. Und dann war der Strom weg, kurz darauf auch das Mobilfunknetz. Das war so gegen 17:30 Uhr. Gegen 18:30 Uhr wurde es langsam dunkel: Wir zündeten Kerzen an, holten eine Stirnlampe. Der Strom blieb weg. Und wir merkten wieder einmal, wie abhängig wir doch von Strom sind - vielleicht nicht ständig physisch, aber doch psychisch, denn irgendwann drehten sich die Gespräche nur noch darum. Bis wir ins Bett gingen, tat sich nichts. Nachts ging irgendwann unser Elektrozaun los - er hatte wieder Strom! Ich tigerte also durchs Haus, stellte den Elektrozaun aus und machte Lichtschalter aus. Nach 15 Minuten war der Strom wieder weg. Später muss er noch einmal wieder gekommen sein, die Klimaanlage im Schlafzimmer kühlte den Raum kurzzeitig und auch mein Handyakku lud ein Stück weit auf. Doch morgens wachten wir auf, weil es im Raum warm war, es gab keinen Strom.
Wir frühstückten, stellten dabei fest, dass der Käse aus dem Kühlschrank nach mehr als 12 Stunden bereits etwas warm war, hörten bei Kollegen in anderen Teilen Gaborones nach, die auch "stromlos" waren, und flüchteten schließlich ins Fitnessstudio. Wer hätte gedacht, dass wir dort einmal freudig erregt hingehen würden?! Ein Anruf hatte uns die Gewissheit beschert, dass sie Strom und geöffnet hatten; an der Rezeption gibt es Schließfächer mit Steckdose zum Handyladen, WLAN, Laufband, Klimaanlage und Warmwasser funktionierten. Wir sind also quasi im doppelten Sinne zum Akkus aufladen ins Fitnessstudio gegangen, auch das eine neue Erfahrung.
Für Sonntagmittag hatten wir Freunde zum Mittagessen eingeladen. Punkt 12 Uhr ging der Strom an, war aber schon nach einer halben Minute wieder weg. Glücklicherweise hat unser Herd neben zwei elektrischen Platten auch vier Gasflammen - und das gewählte Gericht ließ sich ohne weiteren Zusatz elektrischer Energie zubereiten. Die große Frage war nur: Wie länge hält sich rohes Hackfleisch in einem Kühlschrank ohne Strom? Unsere Antwort: Wenn man es brät, dann ist es auch noch nach 19 Stunden zu verwenden (bisher hörten wir noch von keinen diesbezüglichen Magen-Darm-Geschichten). 22 Stunden nach dem Stromausfall gingen unsere Freunde nach Hause, sie boten uns an, die Nacht bei ihnen zu verbringen, denn sie hatten Strom. Wir gaben ihnen fünf Stücke unseres guten, aus Deutschland importierten Käses aus dem Gefrierschrank mit, denn der war mittlerweile halbwegs auftaut. Unsere Freunde fanden, dass der Stromausfall durchaus auch positive Seiten hat ...
Nach ziemlich genau 24 Stunden kam der Strom wieder. Wir konnten es zunächst gar nicht glauben und gingen davon aus, dass er gleich wieder weg sein würde. Nach 15 Minuten fing die Hoffnung an zu keimen, dass er uns doch etwas länger erhalten bleiben würde, und so war es auch. Wir feierten den Strom. Kaum zu glauben, wie glücklich uns das machte. Für uns beide dürfte das der längste Stromausfall gewesen sein, an den wir uns erinnern (und ich schließe da auch meine Ghana-Erfahrungen ein, wo es häufig zu geplanten Stromabschaltungen kam, die jedoch meiner Erinnerung nach nie länger als 24 Stunden waren).
Mit etwas Abstand kann ich jetzt übrigens sagen, dass wir Glück gehabt haben. Eine Mitarbeiterin von mir hatte auch fünf Tage nach Beginn des Ausfalls noch keinen Strom. Der Stromversorger wartelefonisch so gut wie unerreichbar, wenn sie mal durchkam, wurde ihr gesagt, dass morgen jemand käme, was dann am nächsten Tag doch wieder nicht eintritt. Keine wirklich gute Erfahrung!
Vorvergangene Woche in der Nacht von Donnerstag auf Freitag gab es dann mal ein Gewitter - wieder mit fast keinem Regen - dafür fiel der Strom aus, und das gleich von 1 Uhr bis 8 Uhr morgens. Und nein, der Stromausfall lag nicht daran, dass wir unseren Strom nicht bezahlt hatten (wir haben ja Prepaid-Strom).
Bevor ich zur Arbeit ging, fuhr ich erst einmal zu einem (wegen Stromausfalls geschlossenen) Supermarkt, schließlich zu einer Tankstelle, wo ich einen Eisklotz besorgte, den wir in den Gefrierschrank legten. Erfreulicherweise kam der Strom kurz darauf wieder, doch der Eisklotz sollte sich trotzdem schon bald als nützlich erweisen.
Am Samstagnachmittag gab es nämlich wieder ein Gewitter, diesmal mit 8mm Regen innerhalb von 10 Minuten, ein ziemlich heftiger Guss. Und dann war der Strom weg, kurz darauf auch das Mobilfunknetz. Das war so gegen 17:30 Uhr. Gegen 18:30 Uhr wurde es langsam dunkel: Wir zündeten Kerzen an, holten eine Stirnlampe. Der Strom blieb weg. Und wir merkten wieder einmal, wie abhängig wir doch von Strom sind - vielleicht nicht ständig physisch, aber doch psychisch, denn irgendwann drehten sich die Gespräche nur noch darum. Bis wir ins Bett gingen, tat sich nichts. Nachts ging irgendwann unser Elektrozaun los - er hatte wieder Strom! Ich tigerte also durchs Haus, stellte den Elektrozaun aus und machte Lichtschalter aus. Nach 15 Minuten war der Strom wieder weg. Später muss er noch einmal wieder gekommen sein, die Klimaanlage im Schlafzimmer kühlte den Raum kurzzeitig und auch mein Handyakku lud ein Stück weit auf. Doch morgens wachten wir auf, weil es im Raum warm war, es gab keinen Strom.
Wir frühstückten, stellten dabei fest, dass der Käse aus dem Kühlschrank nach mehr als 12 Stunden bereits etwas warm war, hörten bei Kollegen in anderen Teilen Gaborones nach, die auch "stromlos" waren, und flüchteten schließlich ins Fitnessstudio. Wer hätte gedacht, dass wir dort einmal freudig erregt hingehen würden?! Ein Anruf hatte uns die Gewissheit beschert, dass sie Strom und geöffnet hatten; an der Rezeption gibt es Schließfächer mit Steckdose zum Handyladen, WLAN, Laufband, Klimaanlage und Warmwasser funktionierten. Wir sind also quasi im doppelten Sinne zum Akkus aufladen ins Fitnessstudio gegangen, auch das eine neue Erfahrung.
Für Sonntagmittag hatten wir Freunde zum Mittagessen eingeladen. Punkt 12 Uhr ging der Strom an, war aber schon nach einer halben Minute wieder weg. Glücklicherweise hat unser Herd neben zwei elektrischen Platten auch vier Gasflammen - und das gewählte Gericht ließ sich ohne weiteren Zusatz elektrischer Energie zubereiten. Die große Frage war nur: Wie länge hält sich rohes Hackfleisch in einem Kühlschrank ohne Strom? Unsere Antwort: Wenn man es brät, dann ist es auch noch nach 19 Stunden zu verwenden (bisher hörten wir noch von keinen diesbezüglichen Magen-Darm-Geschichten). 22 Stunden nach dem Stromausfall gingen unsere Freunde nach Hause, sie boten uns an, die Nacht bei ihnen zu verbringen, denn sie hatten Strom. Wir gaben ihnen fünf Stücke unseres guten, aus Deutschland importierten Käses aus dem Gefrierschrank mit, denn der war mittlerweile halbwegs auftaut. Unsere Freunde fanden, dass der Stromausfall durchaus auch positive Seiten hat ...
Nach ziemlich genau 24 Stunden kam der Strom wieder. Wir konnten es zunächst gar nicht glauben und gingen davon aus, dass er gleich wieder weg sein würde. Nach 15 Minuten fing die Hoffnung an zu keimen, dass er uns doch etwas länger erhalten bleiben würde, und so war es auch. Wir feierten den Strom. Kaum zu glauben, wie glücklich uns das machte. Für uns beide dürfte das der längste Stromausfall gewesen sein, an den wir uns erinnern (und ich schließe da auch meine Ghana-Erfahrungen ein, wo es häufig zu geplanten Stromabschaltungen kam, die jedoch meiner Erinnerung nach nie länger als 24 Stunden waren).
Mit etwas Abstand kann ich jetzt übrigens sagen, dass wir Glück gehabt haben. Eine Mitarbeiterin von mir hatte auch fünf Tage nach Beginn des Ausfalls noch keinen Strom. Der Stromversorger wartelefonisch so gut wie unerreichbar, wenn sie mal durchkam, wurde ihr gesagt, dass morgen jemand käme, was dann am nächsten Tag doch wieder nicht eintritt. Keine wirklich gute Erfahrung!
Freitag, 23. November 2018
Der Ausverkauf hat begonnen
Ausverkauf - was für ein passendes Blogthema für den Black Friday, der ja auch in Botswana ziemlich gehypt wird; wie schrieben bereits vor einem Jahr einen Beitrag dazu. Ich habe am heutigen Freitag keinen einzigen Cent ausgegeben, unser Ausverkauf fing dafür aber auch schon letztes Wochenende an. Allerdings unter umgekehrten Vorzeichen, denn wir generieren gerade Einnahmen: Kaum stand der Anfang vom Ende fest, haben wir schon damit begonnen, unser Haus aufzulösen. Ziemlich verfrüht, könnte man meinen, schließlich werden wir noch gute drei Monate hier wohnen. Von einigen Möbeln haben wir uns trotzdem bereits getrennt. Vor eineinhalb Monaten ist ein neuer Kollege von Philip mit seiner Frau eingereist. Elke und Dieter haben die ersten Wochen in einem möblierten Appartment verbracht und ziehen jetzt in das Haus seines GIZ-Vorgängers ein. Sie wollten und konnten seine Möbel übernehmen, was für alle Beteiligten recht praktisch war: Sie reisen ohne Container ein, der Vorgänger ohne Container aus. Allerdings sind viele seiner Sachen - wie er auch angekündigt hatte - etwas oll, da er alleine lebte, hatte er sich außerdem eher spartanisch eingerichtet. Kurzum: Die beiden brauchen Möbel - wir dagegen wollen in absehbarer Zeit einige loswerden. Es wäre schön (und auch billiger), für unseren Rückumzug nach Deutschland nicht wieder einen
großen, sondern diesmal nur einen kleinen Container zu benötigen. Außerdem werden Möbel durch einen Container-Transport nicht unbedingt besser, der Großteil unserer Einrichtung ist zudem von IKEA und - falls wir das wollen - in Deutschland problemlos wiederzubeschaffen.
Hier ist der Möbelkauf dagegen gar nicht so einfach. Natürlich gibt es Möbelgeschäfte, aber das meiste dürfte importiert sein und ist nicht zuletzt dadurch teuer. Billigmöbel wie von IKEA sucht man hier vergebens (wenn man sich nicht etwas von den Paletten-Schreinern am Straßenrand schreinern lässt, deren Möglichkeiten jedoch begrenzt sind), zudem sind die Möbel, die man hier zu kaufen kriegt, vom Stil eher wuchtig. Und so sind unsere Möbel hier attraktiver, als sie es in Deutschland wären und wir kriegen tatsächlich noch Geld für Sachen, die wir in Frankfurt vermutlich nur noch zum Sperrmüll stellen könnten. Zum Beispiel für die alte Korbsessel-Garnitur, die mir meine Eltern vor über 20 Jahren für mein Jugendzimmer gekauft haben. Oder für das alte Badezimmerregal, das ich von ihnen geerbt habe. Philips Nachttischlampe haben wir ebenso verkauft wie einen Satz Handtücher, den wir nicht nutzen. Und auch der praktische weiße Klapptisch, den ich meiner lieben Kollegin Sarah vor fast 10 Jahren abkaufte, wird in Botswana bleiben. Von all diesen Sachen haben wir uns am Sonntag bereits getrennt - sie waren hier nicht in ständiger Benutzung, Elke und Dieter können sie daher gerade besser brauchen als wir. Und so wurden Teile unseres Hausstandes schon durch Gaborone gefahren, teils sogar auf dem Autodach.
Was außerdem seit dem letzten Besuch meiner Eltern nicht mehr in Benutzung war: Unser Gästezimmer mit dem Bett, das Philip in seiner ersten Woche in Gaborone im März 2016 kaufte. Wir schliefen darin, bis unser Container ankam und hatten danach den Luxus, unseren Gästen statt einer Schlafcouch ein richtiges Bett anbieten zu können. Für ein Gästebett werden wir aber in Frankfurt nicht mehr ausreichend Platz haben, da wird es wohl wieder eine Schlafcouch werden - und auch jetzt haben wir hier noch eine stehen, falls also doch noch kurzentschlossener Besuch vorbeikäme, könnten wir auch den noch unterbringen. Und so beschlossen wir, unser Gätsezimmer schon mal aufzulösen - was weg ist, ist weg. Abends wurde also schon die zweite Ladung mit einem etwas größeren Auto abgeholt.
Hier ist der Möbelkauf dagegen gar nicht so einfach. Natürlich gibt es Möbelgeschäfte, aber das meiste dürfte importiert sein und ist nicht zuletzt dadurch teuer. Billigmöbel wie von IKEA sucht man hier vergebens (wenn man sich nicht etwas von den Paletten-Schreinern am Straßenrand schreinern lässt, deren Möglichkeiten jedoch begrenzt sind), zudem sind die Möbel, die man hier zu kaufen kriegt, vom Stil eher wuchtig. Und so sind unsere Möbel hier attraktiver, als sie es in Deutschland wären und wir kriegen tatsächlich noch Geld für Sachen, die wir in Frankfurt vermutlich nur noch zum Sperrmüll stellen könnten. Zum Beispiel für die alte Korbsessel-Garnitur, die mir meine Eltern vor über 20 Jahren für mein Jugendzimmer gekauft haben. Oder für das alte Badezimmerregal, das ich von ihnen geerbt habe. Philips Nachttischlampe haben wir ebenso verkauft wie einen Satz Handtücher, den wir nicht nutzen. Und auch der praktische weiße Klapptisch, den ich meiner lieben Kollegin Sarah vor fast 10 Jahren abkaufte, wird in Botswana bleiben. Von all diesen Sachen haben wir uns am Sonntag bereits getrennt - sie waren hier nicht in ständiger Benutzung, Elke und Dieter können sie daher gerade besser brauchen als wir. Und so wurden Teile unseres Hausstandes schon durch Gaborone gefahren, teils sogar auf dem Autodach.
Was außerdem seit dem letzten Besuch meiner Eltern nicht mehr in Benutzung war: Unser Gästezimmer mit dem Bett, das Philip in seiner ersten Woche in Gaborone im März 2016 kaufte. Wir schliefen darin, bis unser Container ankam und hatten danach den Luxus, unseren Gästen statt einer Schlafcouch ein richtiges Bett anbieten zu können. Für ein Gästebett werden wir aber in Frankfurt nicht mehr ausreichend Platz haben, da wird es wohl wieder eine Schlafcouch werden - und auch jetzt haben wir hier noch eine stehen, falls also doch noch kurzentschlossener Besuch vorbeikäme, könnten wir auch den noch unterbringen. Und so beschlossen wir, unser Gätsezimmer schon mal aufzulösen - was weg ist, ist weg. Abends wurde also schon die zweite Ladung mit einem etwas größeren Auto abgeholt.
Unser Gästezimmer wirkt jetzt ziemlich verwaist - neben Bett und Regal haben wir auch gleich die Vorhänge weggegeben, denn was sollen diese noch in einem leeren Zimmer?
Trotz all dieser guten Argumente sieht das fast leere Gästezimmer nun doch etwas traurig aus und ganz kalt gelassen hat uns der Anfang von unserem Ausverkauf auch nicht. Aber fortgesetzt wird er erst Mitte/Ende Februar. Elke und Dieter haben schon weitere unserer Möbel reserviert, die wir aber noch so lange wie möglich behalten werden - unter anderem unser Bett. Was ich sehr lieb fand: Die beiden haben uns bereits jetzt angeboten, die allerletzten Tage bei ihnen zu wohnen, wenn unser Container schon weg sein wird und unser Haus leer. Und vermutlich werden wir uns bei ihnen auch gleich halbwegs heimisch fühlen, einen Großteil der Möbel kennen wir dann schließlich ziemlich gut.
Dienstag, 16. Oktober 2018
Der Eindringling
Dass sich manchmal Paviane in unseren Garten verirren, haben wir schon geschildert. Wirklich dort gesehen habe ich sie allerdings erst einmal, als zwei der Viecher im Februar über unsere Terrasse schlenderten. Drei Monate später verwüsteten sie ein Obstbäumchen in unserem Garten und auch die Mülltonne war einmal ausgeräumt. Vor Kurzem entdeckte Philip auf dem Dachfirst der Nachbarn, die schräg hinter uns wohnen, einen Pavian, der da saß wie eine Galionsfigur.
Und so war ich zwar nicht begeistert, aber auch nicht übermäßig erstaunt, als ich vergangenen Freitag plötzliche einen Pavian sah, während ich gerade mit meinen Eltern telefonierte. Zwischen unserem und dem Nachbargrundstück steht eine Mauer mit dem obligatorischen Elektrozaun. Damit die Büsche und Bäume in unserem Garten nicht ständig zwischen die elektrischen Drähte wachsen, haben unsere Vermieter eine Holzkonstruktion errichtet, die den Zaun abschirmt. Und darauf spazierte ein Pavian, der dann in unseren Garten kletterte und erstmal aus der Vogeltränke trank. Diese war in den letzten Wochen eher zur Katzentränke mutiert, aber dass jetzt selbst Affen zum Trinken kommen, fand ich doch etwas übertrieben. Ich schloss erstmal die Terrassentüren und zeigte unserer Maid Patricia den Pavian, der inzwischen auf die Terrasse spaziert war, aber wieder umkehrte, als er uns innen sah. Er wanderte ums Haus, bediente sich an unserem Naartjie-Baum und lief schließlich in Richtung Tor, während wir aus der Haustür traten und ich noch ein Foto machte. Als das Tier probeweise auf uns zukam, täuschte Patricia einen Steinwurf in seine Richtung an, worauf der Affe machte, dass er wegkam.
So weit, so gut. Ich rief meine Eltern zurück, doch auch dieses Gespräch unterbrach ich nach einigen Minuten, als ich plötzlich ein lautes Kreischen hörte. Bis ich an der Haustür war, war schon alles vorbei und da ich nicht selbst dabei war, beschreibe ich hier, was Patricia mir erzählte:
Sie war gerade dabei, das abgetrocknete Besteck in die Besteckschublade einzuräumen, als sie mutmaßlich mich in der Küche hörte. Es irritierte sie etwas, dass ich in der Küche umherging, ohne etwas zu sagen, sie fand es wohl auch etwas unhöflich, dachte sich aber nichts weiter dabei. Erst als ich begann zu essen, beschloss sie, nun könnten wir ja schon mal ein paar Worte wechseln und drehte sich um. Und dann saß da der Pavian auf unserem Stehtisch und bediente sich gerade an den Bananen in der Obstschale.
Patricia schrie, der Pavian floh durch die Haustür - versuchte allerdings dann auch gleich wieder, hineinzukommen, hatte er doch auf seiner Flucht nur eine der Bananen mitgenommen. Unsere Haustür (mit Klinke auf beiden Seiten) geht ziemlich leicht auf und der Affe haute zweimal dagegen, während Patrica die Tür zuhielt und ich sie abschloss. Während wir anschließend in der Küche standen und sie mir beschrieb, wie der Pavian auf dem Tisch gesessen hatte, erschien der doch tatsächlich noch einmal auf der Terrasse und schlug auch mal probeweise gegen die Tür. Was ein freches Vieh! Patrica und ich waren doch beide etwas geschockt. Dass ein Affe durch offene Türen in ein Haus spazieren könnte, war uns bewusst gewesen, dass er aber aktiv versuchen würde, Türen zu öffnen, hatten wir nicht erwartet. Später entdeckte ich sogar einen schmutzigen Abdruck am Schrank, in dem wir Gläser und Tassen aufbewahren. Bevor Patricia ihn entdeckte, hatte der Pavian die Küche offensichtlich schon einmal inspiziert - und wir hatten großes Glück gehabt, dass er dabei nichts kapput gemacht hatte.
Ich sah unseren ungebetenen Besucher schließlich über einen Baum aufs Nachbargrundstück türmen. Aber nachdem der Pavian nun unsere Obstschale kennt, wird er uns vielleicht bald wieder einen Besuch abstatten. Die Haustür wird jetzt bis auf Weiteres von innen abgeschlossen.
Und so war ich zwar nicht begeistert, aber auch nicht übermäßig erstaunt, als ich vergangenen Freitag plötzliche einen Pavian sah, während ich gerade mit meinen Eltern telefonierte. Zwischen unserem und dem Nachbargrundstück steht eine Mauer mit dem obligatorischen Elektrozaun. Damit die Büsche und Bäume in unserem Garten nicht ständig zwischen die elektrischen Drähte wachsen, haben unsere Vermieter eine Holzkonstruktion errichtet, die den Zaun abschirmt. Und darauf spazierte ein Pavian, der dann in unseren Garten kletterte und erstmal aus der Vogeltränke trank. Diese war in den letzten Wochen eher zur Katzentränke mutiert, aber dass jetzt selbst Affen zum Trinken kommen, fand ich doch etwas übertrieben. Ich schloss erstmal die Terrassentüren und zeigte unserer Maid Patricia den Pavian, der inzwischen auf die Terrasse spaziert war, aber wieder umkehrte, als er uns innen sah. Er wanderte ums Haus, bediente sich an unserem Naartjie-Baum und lief schließlich in Richtung Tor, während wir aus der Haustür traten und ich noch ein Foto machte. Als das Tier probeweise auf uns zukam, täuschte Patricia einen Steinwurf in seine Richtung an, worauf der Affe machte, dass er wegkam.
So weit, so gut. Ich rief meine Eltern zurück, doch auch dieses Gespräch unterbrach ich nach einigen Minuten, als ich plötzlich ein lautes Kreischen hörte. Bis ich an der Haustür war, war schon alles vorbei und da ich nicht selbst dabei war, beschreibe ich hier, was Patricia mir erzählte:
Sie war gerade dabei, das abgetrocknete Besteck in die Besteckschublade einzuräumen, als sie mutmaßlich mich in der Küche hörte. Es irritierte sie etwas, dass ich in der Küche umherging, ohne etwas zu sagen, sie fand es wohl auch etwas unhöflich, dachte sich aber nichts weiter dabei. Erst als ich begann zu essen, beschloss sie, nun könnten wir ja schon mal ein paar Worte wechseln und drehte sich um. Und dann saß da der Pavian auf unserem Stehtisch und bediente sich gerade an den Bananen in der Obstschale.
Ich sah unseren ungebetenen Besucher schließlich über einen Baum aufs Nachbargrundstück türmen. Aber nachdem der Pavian nun unsere Obstschale kennt, wird er uns vielleicht bald wieder einen Besuch abstatten. Die Haustür wird jetzt bis auf Weiteres von innen abgeschlossen.
Montag, 24. September 2018
Sieben auf einen Streich
Vor einer guten Woche landeten Philip und ich wieder in Botswana. Ich ungefähr ein Stündchen vor ihm, und da in meinem Flieger zwei von Philips GIZ-Kollegen saßen und es so eine Mitfahrgelegenheit für mich gab, wartete ich nicht am Flughafen auf ihn, sondern fuhr schon einmal nach Hause.
Kaum vor der Haustür angekommen, realisierte ich, dass ich nicht alleine war. Etwas raschelte, etwas huschte durchs Gebüsch. Vier oder fünf junge Katzen versteckten sich vor mir und krochen tief in unseren Christusdorn. Vier oder fünf! Wir haben hier schon einmal ein Katzenbaby aufgepäppelt, bevor wir es weggegeben haben. Die kleine Gollum war total niedlich und ist mir in kurzer Zeit sehr ans Herz gewachsen, aber wir sind einfach nicht der richtige Hauhalt für ein Katzen-Haustier. Und für vier oder fünf erst recht nicht.
Ich stellte den Kätzchen also etwas Wasser hin und klärte sie darüber auf, dass von mir nicht viel mehr zu erwarten sei. Irgendwann kam auch Philip. Am nächsten Tag waren die Kätzchen weg, als ich nach Hause kam, traf ich nur eine größere graue Katze vor der Haustür an, die mich irritiert bis konsterniert betrachtete. Offensichtlich die Mutter - am nächsten Tag saßen ihre Kinder wieder im Christusdorn und irgendwann kam sie und säugte sie. Bei der Gelegenheit habe ich nochmal nachgezählt - es sind sogar sechs Kätzchen. (Philips Kommentar: "Das werden ja immer mehr!") So geht es seitdem, mal sitzen die Kätzchen vor dem Haus, mal lassen sie sich einen Tag lang gar nicht blicken, mal sind sie allein, mal kommt die Mutter vorbei. Gestern Abend tollten alle sieben über den Kunstrasen, während wir zu Abend aßen. Die Katzenmutter guckt uns immer noch an, als würde sie sich fragen, was wir eigentlich in ihrem Garten machen, aber ansonsten gewöhnen wir uns langsam aneinander. Und süß sind sie ja schon allesamt.
Kaum vor der Haustür angekommen, realisierte ich, dass ich nicht alleine war. Etwas raschelte, etwas huschte durchs Gebüsch. Vier oder fünf junge Katzen versteckten sich vor mir und krochen tief in unseren Christusdorn. Vier oder fünf! Wir haben hier schon einmal ein Katzenbaby aufgepäppelt, bevor wir es weggegeben haben. Die kleine Gollum war total niedlich und ist mir in kurzer Zeit sehr ans Herz gewachsen, aber wir sind einfach nicht der richtige Hauhalt für ein Katzen-Haustier. Und für vier oder fünf erst recht nicht.
Ich stellte den Kätzchen also etwas Wasser hin und klärte sie darüber auf, dass von mir nicht viel mehr zu erwarten sei. Irgendwann kam auch Philip. Am nächsten Tag waren die Kätzchen weg, als ich nach Hause kam, traf ich nur eine größere graue Katze vor der Haustür an, die mich irritiert bis konsterniert betrachtete. Offensichtlich die Mutter - am nächsten Tag saßen ihre Kinder wieder im Christusdorn und irgendwann kam sie und säugte sie. Bei der Gelegenheit habe ich nochmal nachgezählt - es sind sogar sechs Kätzchen. (Philips Kommentar: "Das werden ja immer mehr!") So geht es seitdem, mal sitzen die Kätzchen vor dem Haus, mal lassen sie sich einen Tag lang gar nicht blicken, mal sind sie allein, mal kommt die Mutter vorbei. Gestern Abend tollten alle sieben über den Kunstrasen, während wir zu Abend aßen. Die Katzenmutter guckt uns immer noch an, als würde sie sich fragen, was wir eigentlich in ihrem Garten machen, aber ansonsten gewöhnen wir uns langsam aneinander. Und süß sind sie ja schon allesamt.
Samstag, 22. September 2018
Ein Koffer voller Klopapier
Naturgemäß muss man im Ausland auf einige Produkte aus der Heimat verzichten. Es ist ja allgemein bekannt, dass Deutsche oft die heimische Brotauswahl vermissen, manche sehnen sich auch nach deutschem Bier. Auch Philip und ich kaufen immer eine ganze Reihe von Dingen ein, die wir in Botwana entweder gar nicht oder nur sehr viel teurer bekommen. Meine Gesichtscreme von Nivea gibt es hier zum Beispiel in den meisten Supermärkten, sie kostet aber fast das Doppelte. Bei Shampoo und Conditioner verhält es sich so ähnlich, von Zahnpasta oder Haarfärbemittel will ich gar nicht erst anfangen. Zu meinen Deutschland-Besuchen gehört daher immer ein ausgiebiger dm- oder Rossmann-Einkauf.
Für Außenstehende mögen unsere Einkäufe mitunter seltsam aussehen. Am dritten Tag meines Aufenthaltes kaufte ich zwei Packungen Ameisengift, dreimal zartbitteren Schokoguss und 34 Rollen Klopapier. Klopapier gibt es natürlich auch in Botswana (Ameisengift übrigens auch, aber ich wollte mal was anderes testen - vielleicht gelingt es mir mit fremdländischem Gift eher, die botswanischen Ameisen in unserer Küche zu überraschen und auszurotten ...). Meine Mutter hat einst festgestellt, dass sogar im ganzen Land vornehmlich eine Sorte verwendet wird: Die, auf der kleine Hündchen eingestanzt sind. Optisch ist gegen das Klopapier nichts zu sagen, aber es ist nur zweilagig. (Wird in Deutschland überhaupt zweilagiges Toilettenpapier verkauft? Ich glaube nicht.) Zwei Lagen sind nicht viel. Man gewöhnt sich zwar dran, aber drei sind schöner. Glaubt mir einfach.
Man kann auch mit zweilagigem Klopapier auskommen, aber Philip und ich hatten in einem unserer Koffer sehr viel Platz. Wir waren nämlich mit drei Koffern nach Deutschland gereist, wobei der dritte in erster Linie unsere Winterklamotten enthielt. Da nicht davon auszugehen ist, dass wir im nächsten botswanischen Winter (der im Mai beginnen wird) noch hier sind, haben wir schon einmal einen Teil unserer warmen Sachen zurück nach Deutschland geschafft. Den Koffer wollten wir aber gerne wieder mitnehmen. Einen leeren oder fast leeren Koffer im Flugzeug zu transportieren, ist allerdings nicht ratsam, der ist instabil und kann leicht kaputtgehen. Und so kam Philip auf die Idee, unsere hiesige Klopapier-Situation zu verbessern.
Ein paar schwere Teile kamen auch noch in den Klopapier-Koffer. Zum Beispiel Ersatzteile für unseren Schluckspecht (zu den jüngsten Reparatur-Erfahrungen siehe Teil 1 und Teil 2), die mir die Volvo-Werkstatt in Euskirchen innerhalb eines halben Tages bestellte. Nachdem ich anfangs noch souverän aufgetreten war ("ich habe einen XC90, der steht allerdings in Afrika"), verlor ich angesichts dieser sensationell kurzen Lieferzeit doch meine Coolness. Mein Vater meinte, er hätte mich schon lange nicht mehr so glücklich gesehen.
Und so sind Philip und ich nach einem kurzen, aber erfüllten Deutschland-Aufenthalt am letzten Samstag wieder zurück nach Gaborone geflogen - unter anderem mit einem Koffer voller Klopapier. Ich war ganz dankbar, dass Philip diesen dabei hatte (wir flogen zwar am gleichen Abend, aber in getrennten Flugzeugen). Hier kann es ja immer passieren, dass man mit dem Zoll über den Inhalt seines Koffers diskutieren muss und dass wir jetzt neben dem üblichen Brot, Käse und Drogeriekram auch Klopapier und Autoersatzteile mit uns mitschleppten, hätte sicher Fragen aufgeworfen. Aber der Zoll verschonte uns. Vermutlich sind wir jetzt der Haushalt mit der größten Klopapier-Auswahl Botswanas!
Für Außenstehende mögen unsere Einkäufe mitunter seltsam aussehen. Am dritten Tag meines Aufenthaltes kaufte ich zwei Packungen Ameisengift, dreimal zartbitteren Schokoguss und 34 Rollen Klopapier. Klopapier gibt es natürlich auch in Botswana (Ameisengift übrigens auch, aber ich wollte mal was anderes testen - vielleicht gelingt es mir mit fremdländischem Gift eher, die botswanischen Ameisen in unserer Küche zu überraschen und auszurotten ...). Meine Mutter hat einst festgestellt, dass sogar im ganzen Land vornehmlich eine Sorte verwendet wird: Die, auf der kleine Hündchen eingestanzt sind. Optisch ist gegen das Klopapier nichts zu sagen, aber es ist nur zweilagig. (Wird in Deutschland überhaupt zweilagiges Toilettenpapier verkauft? Ich glaube nicht.) Zwei Lagen sind nicht viel. Man gewöhnt sich zwar dran, aber drei sind schöner. Glaubt mir einfach.
Man kann auch mit zweilagigem Klopapier auskommen, aber Philip und ich hatten in einem unserer Koffer sehr viel Platz. Wir waren nämlich mit drei Koffern nach Deutschland gereist, wobei der dritte in erster Linie unsere Winterklamotten enthielt. Da nicht davon auszugehen ist, dass wir im nächsten botswanischen Winter (der im Mai beginnen wird) noch hier sind, haben wir schon einmal einen Teil unserer warmen Sachen zurück nach Deutschland geschafft. Den Koffer wollten wir aber gerne wieder mitnehmen. Einen leeren oder fast leeren Koffer im Flugzeug zu transportieren, ist allerdings nicht ratsam, der ist instabil und kann leicht kaputtgehen. Und so kam Philip auf die Idee, unsere hiesige Klopapier-Situation zu verbessern.
Ein paar schwere Teile kamen auch noch in den Klopapier-Koffer. Zum Beispiel Ersatzteile für unseren Schluckspecht (zu den jüngsten Reparatur-Erfahrungen siehe Teil 1 und Teil 2), die mir die Volvo-Werkstatt in Euskirchen innerhalb eines halben Tages bestellte. Nachdem ich anfangs noch souverän aufgetreten war ("ich habe einen XC90, der steht allerdings in Afrika"), verlor ich angesichts dieser sensationell kurzen Lieferzeit doch meine Coolness. Mein Vater meinte, er hätte mich schon lange nicht mehr so glücklich gesehen.
Und so sind Philip und ich nach einem kurzen, aber erfüllten Deutschland-Aufenthalt am letzten Samstag wieder zurück nach Gaborone geflogen - unter anderem mit einem Koffer voller Klopapier. Ich war ganz dankbar, dass Philip diesen dabei hatte (wir flogen zwar am gleichen Abend, aber in getrennten Flugzeugen). Hier kann es ja immer passieren, dass man mit dem Zoll über den Inhalt seines Koffers diskutieren muss und dass wir jetzt neben dem üblichen Brot, Käse und Drogeriekram auch Klopapier und Autoersatzteile mit uns mitschleppten, hätte sicher Fragen aufgeworfen. Aber der Zoll verschonte uns. Vermutlich sind wir jetzt der Haushalt mit der größten Klopapier-Auswahl Botswanas!
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Mittwoch, 5. September 2018
Die unendliche Autoreparaturgeschichte - Teil 2
Hier eine kurze Zusammenfassung des ersten Teils der unendlichen Autoreparaturgeschichte: Der Volvo war unter den in der Vergangenheit zumindest halbwegs hilfreichen Händen unseres serbischen Mechanikers Goran von "größtenteils repariert" zur invaliden Klapperkiste mutiert. Unser Golf hatte nach zweieinhalb Monaten des Wartens und Nachhakens vom malawischen Mechaniker Gabriel zwar erfolgreich einen neuen Zahnriemen verpasst bekommen, dafür war jetzt jedoch ein Display kaputt. Gabriel holte das Auto also nochmal ab - bzw. schlug ich ihm einen Abholtermin vor, den er bestätigte; an dem Nachmittag, den wir vereinbart hatten, schrieb ich ihm nochmal, dass ich jetzt zu Hause sei, er antwortete nicht, nach vergeblichem Warten rief ich ihn schließlich an und wir vereinbarten einen neuen Termin ... egal, irgendwann war das Auto bei Gabriel.
Und da blieb es auch. Es war ein Donnerstagmorgen, als Gabriel das Auto abholte. Der Deal war eigentlich, dass ich es bis Freitagmittag zurückbekommen sollte, aber das klappte nicht. Freitagnachmittag rief ich also an. Gabriel war sehr zuversichtlich, dass er das Display am Samstag zum Laufen bekommen würde und bot uns übergangsweise sein eigenes Auto als Ersatzwagen an. Am Wochenende kommen Philip und ich in der Regel ganz gut mit einem Auto aus, ich vereinbarte aber trotzdem mit ihm, dass wir bis Samstagnachmittag entweder unser Auto zurück- oder seines bekommen würden. Ich nahm an, das würde Anreize bei ihm setzen, die Reparatur zu erledigen. Na ja, ging so.
Am späten Samstagnachmittag fragte ich per WhatsApp nach. Gabriels Antwort: "There is a small part am waiting for I might get it by tomorrow." Das Ersatzauto würden wir sonst auf jeden Fall morgen bekommen, er müsste es nur noch sauber machen.
Am Sonntag (dem besagten tomorrow) tat sich dann halb-erwartungsgemäß gar nichts. Wir bekamen den Golf nicht zurück, kein Ersatzauto und auch keinen neuen Zwischenstand von Gabriel. Wer sich immer schon mal gefragt hat, was mich so richtig auf die Palme bringt - hier ist die Antwort: Unzuverlässigkeit und leere Versprechungen. Am Montag rief ich Gabriel an. Auf sein übliches "Hi, how are you?" brachte ich das obligatorische "I am fine, how are you?" nicht über die Lippen, sondern brummte etwas Undefinierbares in den Hörer, worauf Gabriel immerhin einlenkte: "I know you are not happy." Na immerhin. Gabriel schien dagegen guter Dinge. Zwar war das Display-Problem noch nicht gelöst, aber morgen wäre das Auto ganz sicher repariert! Und heute noch bekämen wir einen Ersatzwagen. Und den brachte er dann tatsächlich - sein eigenes Auto, einen weißen Mercedes.
Abends standen Philip und ich vor dem Wagen, den ich aufgrund meiner ersten Assoziation liebevoll "Zuhälterkarre" getauft hatte. Wir wollten ihn beide nicht fahren; aus unterschiedlichen Gründen. Mir war er zu groß und zu fremd, Philip mutmaßte, dass er wahrscheinlich nicht versichert war.
Am Dienstag wurde dann jedoch unser Volvo mal wieder von Goran abgeholt. Die von ihm bestellten Ersatzteile waren endlich angekommen, was auch höchste Zeit war - am Sonntag wollten wir bereits mit ihm (dem Volvo, nicht Goran) in den Urlaub fahren. Meine Eltern würden am Freitag ankommen und wir hatten eine einwöchige Reise in Botswana und Südafrika geplant. Zu viert und auf ungeteerten Pisten wollten wir doch gerne mit dem Volvo statt mit dem Golf fahren.
Nun waren also Volvo und Golf bei ihren jeweiligen Mechanikern - was uns blieb, war die Zuhälterkarre, mit der Philip dann aus Mangel an Alternativen am nächsten Morgen zur Arbeit fuhr.
Er amüsierte sich noch über das - immerhin funktionierende - Display im weißen Mercedes; dieses meldete Probleme und empfahl einen Werkstattbesuch.
Natürlich erkannte auch ich eine gewisse Ironie darin, dass das Privatauto unseres Mechanikers sich nach einem Werkstattbesuch sehnte, allerdings waren mir sowohl das Lachen als auch das Vertrauen in Gabriels Fähigkeiten bereits völlig vergangen. Tatsächlich zeigte sich, dass der Mercedes Probleme hatte: Lief Philips Fahrt zur Arbeit noch ganz passabel, fiel auf dem Rückweg die Lenkung aus, das Auto ließ sich kaum noch um Kurven manövrieren. Nicht so richtig praktisch in der Gaboroner Rush Hour, er kam gerade so eben noch nach Hause. Am Donnerstag ließen wir das einzige Auto, das wir nach wie vor hatten, stehen. Philip nahm sich ein Taxi zur Arbeit, ich fuhr mit dem Fahrrad zu meinen serbischen Deutschlern-Mädels (nicht verwandt mit Goran). Meine allererste Fahrradtour in Gaborone! Fahrradfahrer sind in der botswanischen Hauptstadt generell eine Seltenheit, weiße Fahrradfahrer noch mehr. Jugendliche starrten mich an, Bauarbeiter winkten mir zu und die Maid, die für die Familie der serbischen Mädchen arbeitet, verliebte sich spontan in mein Fahrrad und bot an es mir abzukaufen. Und dann geschah auch noch ein Wunder: Gabriel rief an, der Golf sei repariert. Er würde ihn abends noch vorbeibringen. Und das tat er dann tatsächlich; nach einer Woche bekam ich das Auto endlich wieder. (Zum Vergleich: Das Auswechseln des Zahnriemens hatte nur dreieinhalb Tage gedauert.) Nachdem ich ihn im Laufe der vergangenen Tage mehrmals verflucht hatte (nicht den Golf, sondern Gabriel), war ich nun so glücklich, ihn zu sehen, dass ich übersprungshandlungsmäßig zu meinem eigenen Erstaunen tatsächlich behauptete, ihn bei zukünftigen Autoproblemen wieder konsultieren zu wollen. Leere Versprechungen kann ich offensichlich auch machen ...
Am Freitag konnten Philip und ich meine Eltern dann immerhin mit dem Golf statt mit dem Taxi vom Flughafen abholen. Und am Freitagabend geschah das zweite Wunder: Wir bekamen den Volvo repariert und auf Herz und Nieren getestet zurück! Wobei Goran gleich bekannte, dass er ihn nach dem Urlaub gerne nochmal holen würde - er hatte vergessen, irgendein Teil einzubauen, das würde auf die Fahrtüchtigkeit jedoch keinerlei Einfluss haben. (Kurzer Spoiler: Während unseres Urlaubs stellten wir noch ein paar weitere "Kinkerlitzchen" fest ... Warum klackert die Radaufhängung links so? Ist das neu oder war das schon? Warum ist das vordere Licht auf einmal so verstellt, dass es nur noch den einen Meter vor dem Auto ausleuchtet? Warum leuchten weiterhin zwei Warnleuchten am Armaturenbrett, die doch schon längst abgeschaltet bzw. deren Probleme behoben sein sollten?)
Dennoch: Wir standen so immerhin 36 Stunden vor Urlaubsbeginn tatsächlich wieder mit zwei Autos da - zwischenzeitlich hatten weder Philip noch ich das zu hoffen gewagt und schon überlegt, Freunde zu fragen, ob die uns einen ihrer Wagen leihen würden. Was uns dagegen fehlte, waren die Koffer meiner Eltern. Aber das war ja bereits eine andere Geschichte ...
Und da blieb es auch. Es war ein Donnerstagmorgen, als Gabriel das Auto abholte. Der Deal war eigentlich, dass ich es bis Freitagmittag zurückbekommen sollte, aber das klappte nicht. Freitagnachmittag rief ich also an. Gabriel war sehr zuversichtlich, dass er das Display am Samstag zum Laufen bekommen würde und bot uns übergangsweise sein eigenes Auto als Ersatzwagen an. Am Wochenende kommen Philip und ich in der Regel ganz gut mit einem Auto aus, ich vereinbarte aber trotzdem mit ihm, dass wir bis Samstagnachmittag entweder unser Auto zurück- oder seines bekommen würden. Ich nahm an, das würde Anreize bei ihm setzen, die Reparatur zu erledigen. Na ja, ging so.
Am späten Samstagnachmittag fragte ich per WhatsApp nach. Gabriels Antwort: "There is a small part am waiting for I might get it by tomorrow." Das Ersatzauto würden wir sonst auf jeden Fall morgen bekommen, er müsste es nur noch sauber machen.
Abends standen Philip und ich vor dem Wagen, den ich aufgrund meiner ersten Assoziation liebevoll "Zuhälterkarre" getauft hatte. Wir wollten ihn beide nicht fahren; aus unterschiedlichen Gründen. Mir war er zu groß und zu fremd, Philip mutmaßte, dass er wahrscheinlich nicht versichert war.
Am Dienstag wurde dann jedoch unser Volvo mal wieder von Goran abgeholt. Die von ihm bestellten Ersatzteile waren endlich angekommen, was auch höchste Zeit war - am Sonntag wollten wir bereits mit ihm (dem Volvo, nicht Goran) in den Urlaub fahren. Meine Eltern würden am Freitag ankommen und wir hatten eine einwöchige Reise in Botswana und Südafrika geplant. Zu viert und auf ungeteerten Pisten wollten wir doch gerne mit dem Volvo statt mit dem Golf fahren.
Er amüsierte sich noch über das - immerhin funktionierende - Display im weißen Mercedes; dieses meldete Probleme und empfahl einen Werkstattbesuch.
Natürlich erkannte auch ich eine gewisse Ironie darin, dass das Privatauto unseres Mechanikers sich nach einem Werkstattbesuch sehnte, allerdings waren mir sowohl das Lachen als auch das Vertrauen in Gabriels Fähigkeiten bereits völlig vergangen. Tatsächlich zeigte sich, dass der Mercedes Probleme hatte: Lief Philips Fahrt zur Arbeit noch ganz passabel, fiel auf dem Rückweg die Lenkung aus, das Auto ließ sich kaum noch um Kurven manövrieren. Nicht so richtig praktisch in der Gaboroner Rush Hour, er kam gerade so eben noch nach Hause. Am Donnerstag ließen wir das einzige Auto, das wir nach wie vor hatten, stehen. Philip nahm sich ein Taxi zur Arbeit, ich fuhr mit dem Fahrrad zu meinen serbischen Deutschlern-Mädels (nicht verwandt mit Goran). Meine allererste Fahrradtour in Gaborone! Fahrradfahrer sind in der botswanischen Hauptstadt generell eine Seltenheit, weiße Fahrradfahrer noch mehr. Jugendliche starrten mich an, Bauarbeiter winkten mir zu und die Maid, die für die Familie der serbischen Mädchen arbeitet, verliebte sich spontan in mein Fahrrad und bot an es mir abzukaufen. Und dann geschah auch noch ein Wunder: Gabriel rief an, der Golf sei repariert. Er würde ihn abends noch vorbeibringen. Und das tat er dann tatsächlich; nach einer Woche bekam ich das Auto endlich wieder. (Zum Vergleich: Das Auswechseln des Zahnriemens hatte nur dreieinhalb Tage gedauert.) Nachdem ich ihn im Laufe der vergangenen Tage mehrmals verflucht hatte (nicht den Golf, sondern Gabriel), war ich nun so glücklich, ihn zu sehen, dass ich übersprungshandlungsmäßig zu meinem eigenen Erstaunen tatsächlich behauptete, ihn bei zukünftigen Autoproblemen wieder konsultieren zu wollen. Leere Versprechungen kann ich offensichlich auch machen ...
Am Freitag konnten Philip und ich meine Eltern dann immerhin mit dem Golf statt mit dem Taxi vom Flughafen abholen. Und am Freitagabend geschah das zweite Wunder: Wir bekamen den Volvo repariert und auf Herz und Nieren getestet zurück! Wobei Goran gleich bekannte, dass er ihn nach dem Urlaub gerne nochmal holen würde - er hatte vergessen, irgendein Teil einzubauen, das würde auf die Fahrtüchtigkeit jedoch keinerlei Einfluss haben. (Kurzer Spoiler: Während unseres Urlaubs stellten wir noch ein paar weitere "Kinkerlitzchen" fest ... Warum klackert die Radaufhängung links so? Ist das neu oder war das schon? Warum ist das vordere Licht auf einmal so verstellt, dass es nur noch den einen Meter vor dem Auto ausleuchtet? Warum leuchten weiterhin zwei Warnleuchten am Armaturenbrett, die doch schon längst abgeschaltet bzw. deren Probleme behoben sein sollten?)
Dennoch: Wir standen so immerhin 36 Stunden vor Urlaubsbeginn tatsächlich wieder mit zwei Autos da - zwischenzeitlich hatten weder Philip noch ich das zu hoffen gewagt und schon überlegt, Freunde zu fragen, ob die uns einen ihrer Wagen leihen würden. Was uns dagegen fehlte, waren die Koffer meiner Eltern. Aber das war ja bereits eine andere Geschichte ...
Montag, 3. September 2018
Die unendliche Autoreparaturgeschichte - Teil 1
Dass wir unseren Volvo-Schluckspecht nicht unbedingt schonen, dürfte in vergangenen Blogbeiträgen bereits deutlich geworden sein. Er hat sich immer noch nicht komplett von unserem Roadtrip ins Okavango Delta erholt. Zwar war er danach in der Reparatur (gebrochene Feder hinten, neue extra-starke Safari-Stoßdämpfer, neuer Auspuff, etc.), ist aber immer noch nicht vollständig wiederhergestellt. Zunächst merkte Philip, dass die Lenkung einen unguten Rechtsdrall hatte, auch ein quietschendes Geräusch beim um die Kurve fahren machte uns nicht glücklich. Der serbische Mechaniker unseres Vertrauens, Goran, bekam das Auto also wieder. Und behielt es fast eine Woche. Ein verlängertes Wochenende, das wir in Südafrika verbringen wollten, rückte derweil näher. Als Philip Goran an Mittwochabend mit der Frage anschrieb, ob wir mit dem Auto am Samstag einen Kurztrip antreten könnten, lautete die so knappe wie eindeutige Antwort: "No." Nach einem klärenden Telefonat schlug Goran vor, das Auto für unseren Wochenendausflug wieder zusammenzubauen, fahrtüchtig sei es ja und er müsste eh noch auf eine Ersatzteillieferung aus Südafrika warten, bevor er es weiter reparieren könnte. Und so bekamen wir es am Freitag wieder - allerdings nicht in dem Zustand, in dem wir es abgegeben hatten. Rechtsdrall und Pfeifen waren nun die geringste Probleme, mehr beunruhigte uns das Klappern und Zittern, vor allem bei Bremsvorgängen. Kurz: Das Auto schien für längere Fahrten unbrauchbar. Aber wir haben ja noch ein anderes.
Unser Golf (den wir liebevoll "das kleine Auto" nennen) ist ein Stadtauto, das noch nie irgendwelche Zicken gemacht hat. Anfang Mai hatte ich es zur Jahresinspektion gegeben - nicht bei Goran, sondern bei einem malawischen Mechaniker namens Gabriel, der uns ebenfalls empfohlen worden war. Es schien mir eine Art Risikoverteilung zu sein, den Golf zu jemand anderem zu geben und mein Ersteindruck von Gabriel war super: Wir vereinbarten einen Termin, er holte das Auto morgens ab und brachte es abends zurück. Der Preis war vernünftig und das Auto immerhin zu 80% okay, wie Gabriel mir mitteilte. Eine Sache war ihm allerdings aufgefallen: Der Zahnriemen hätte bereits bei 75.000 km gewechselt werden sollen, inzwischen hatte er schon über 100.000 km auf dem Buckel. Und feine Risse. Er müsste ersetzt werden, denn wenn ein Zahnriemen reißen würde, würde ein meist irreparabler Motorschaden entstehen. Ich fragte Gabriel nach den Kosten, die er mir spontan nicht nennen konnte, er wollte sich aber erkundigen und mir einen Kostenvoranschlag schicken, um dann das Ersatzteil zu bestellen. Inzwischen könnte ich ruhig noch einige Wochen kurze Strecken mit dem Auto zurücklegen.
Ende Mai fragte ich das erste Mal nach. Gabriel versicherte mir per WhatsApp, den Zahnriemen zu bestellen und mich über die Kosten zu informieren. Ein paar Tage später bat er mich um die Fahrzeugnummer, um auch das richtige Teil zu ordern. Dann passierte - nichts. Ende Juni fragte ich wieder nach. Die Antwort lautete, dass der Zahnriemen nächsten Dienstag geliefert werden würde. Dann hörte ich wieder - nichts. Und das war so ungefähr der Zeitpunkt, an dem wir feststellten, dass wir mit dem Golf nach Südafrika fahren müssten, weil der Volvo ein Sicherheitsrisiko war.
Inzwischen machte ich mir doch langsam Sorgen, dass der Zahnriemen reißen könnte. Und stellte fest, dass Autoprobleme googeln ähnlich empfehlenswert ist wie die Online-Recherche nach Krankheitssymptomen: Man kann sich damit bestens verrückt machen. Es gibt diverse deutschsprachige Autoforen in denen Leute die feinen Risse in ihren Zahnriemen beschreiben, die Antworten von anderen Autofahrern sind stets die gleichen: "Mit dem Wagen würde ich maximal noch bis zur nächsten Werkstatt fahren!" In Botswana brachten mich derartige Tipps aber nicht weiter - Werkstätte gibt es zwar auch hier in Hülle und Fülle, aber die haben höchstens die allergängigsten Ersatzteile da. Alles andere muss in Südafrika bestellt werden, und das kann dauern, wie wir bereits aus leidvoller Erfahrung von Goran wussten. Also beschlossen wir, dass der Zahnriemen schon noch durchhalten würde und hatten auch Glück: Unser kleines Stadtauto fuhr uns einwandfrei durch Südafrika. Und als wir wieder in Gaborone waren und ich Gabriel anrief, war der Zahnriemen tatsächlich da! Wir vereinbarten einen Termin für die Reparatur, das Auto war dreieinhalb Tage in der Werkstatt, dann bekam ich es wieder. Mein Glück, dass diese Sache geklärt war, währte leider nur kurz. Dass mein Auto extrem blumig nach Politur roch und ich einen Bierdeckel in der Seitentasche fand, konnte ich noch tolerieren, aber dass ein Display über dem Lenkrad nicht mehr funktionierte, war dann doch blöd. Dieses Display zeigt normalererweise verschiedene Informationen an: z.B. den Spritverbrauch, die Außentemperatur, in welchem Gang das Auto gerade fährt etc. Fahren lässt es sich auch ohne diese Informationen prima, aber dennoch: Bis zum Austausch des Zahnriemens hatte das Display funktioniert, nun funktionierte es nicht mehr. Ich informierte Gabriel darüber und wir vereinbarten, dass er das Auto noch einmal abholen würde. Fortsetzung folgt.
Unser Golf (den wir liebevoll "das kleine Auto" nennen) ist ein Stadtauto, das noch nie irgendwelche Zicken gemacht hat. Anfang Mai hatte ich es zur Jahresinspektion gegeben - nicht bei Goran, sondern bei einem malawischen Mechaniker namens Gabriel, der uns ebenfalls empfohlen worden war. Es schien mir eine Art Risikoverteilung zu sein, den Golf zu jemand anderem zu geben und mein Ersteindruck von Gabriel war super: Wir vereinbarten einen Termin, er holte das Auto morgens ab und brachte es abends zurück. Der Preis war vernünftig und das Auto immerhin zu 80% okay, wie Gabriel mir mitteilte. Eine Sache war ihm allerdings aufgefallen: Der Zahnriemen hätte bereits bei 75.000 km gewechselt werden sollen, inzwischen hatte er schon über 100.000 km auf dem Buckel. Und feine Risse. Er müsste ersetzt werden, denn wenn ein Zahnriemen reißen würde, würde ein meist irreparabler Motorschaden entstehen. Ich fragte Gabriel nach den Kosten, die er mir spontan nicht nennen konnte, er wollte sich aber erkundigen und mir einen Kostenvoranschlag schicken, um dann das Ersatzteil zu bestellen. Inzwischen könnte ich ruhig noch einige Wochen kurze Strecken mit dem Auto zurücklegen.
Ende Mai fragte ich das erste Mal nach. Gabriel versicherte mir per WhatsApp, den Zahnriemen zu bestellen und mich über die Kosten zu informieren. Ein paar Tage später bat er mich um die Fahrzeugnummer, um auch das richtige Teil zu ordern. Dann passierte - nichts. Ende Juni fragte ich wieder nach. Die Antwort lautete, dass der Zahnriemen nächsten Dienstag geliefert werden würde. Dann hörte ich wieder - nichts. Und das war so ungefähr der Zeitpunkt, an dem wir feststellten, dass wir mit dem Golf nach Südafrika fahren müssten, weil der Volvo ein Sicherheitsrisiko war.
Inzwischen machte ich mir doch langsam Sorgen, dass der Zahnriemen reißen könnte. Und stellte fest, dass Autoprobleme googeln ähnlich empfehlenswert ist wie die Online-Recherche nach Krankheitssymptomen: Man kann sich damit bestens verrückt machen. Es gibt diverse deutschsprachige Autoforen in denen Leute die feinen Risse in ihren Zahnriemen beschreiben, die Antworten von anderen Autofahrern sind stets die gleichen: "Mit dem Wagen würde ich maximal noch bis zur nächsten Werkstatt fahren!" In Botswana brachten mich derartige Tipps aber nicht weiter - Werkstätte gibt es zwar auch hier in Hülle und Fülle, aber die haben höchstens die allergängigsten Ersatzteile da. Alles andere muss in Südafrika bestellt werden, und das kann dauern, wie wir bereits aus leidvoller Erfahrung von Goran wussten. Also beschlossen wir, dass der Zahnriemen schon noch durchhalten würde und hatten auch Glück: Unser kleines Stadtauto fuhr uns einwandfrei durch Südafrika. Und als wir wieder in Gaborone waren und ich Gabriel anrief, war der Zahnriemen tatsächlich da! Wir vereinbarten einen Termin für die Reparatur, das Auto war dreieinhalb Tage in der Werkstatt, dann bekam ich es wieder. Mein Glück, dass diese Sache geklärt war, währte leider nur kurz. Dass mein Auto extrem blumig nach Politur roch und ich einen Bierdeckel in der Seitentasche fand, konnte ich noch tolerieren, aber dass ein Display über dem Lenkrad nicht mehr funktionierte, war dann doch blöd. Dieses Display zeigt normalererweise verschiedene Informationen an: z.B. den Spritverbrauch, die Außentemperatur, in welchem Gang das Auto gerade fährt etc. Fahren lässt es sich auch ohne diese Informationen prima, aber dennoch: Bis zum Austausch des Zahnriemens hatte das Display funktioniert, nun funktionierte es nicht mehr. Ich informierte Gabriel darüber und wir vereinbarten, dass er das Auto noch einmal abholen würde. Fortsetzung folgt.
Sonntag, 5. August 2018
So we say good-bye-bye-bye-bye-bye ...
Nein, wir verlassen Botswana noch nicht - das hätten wir unseren lieben Bloglesern doch nicht verschwiegen! Trotzdem verabschieden wir uns momentan ganz schön oft - von Freunden und guten Bekannten, die ausreisen. Ein ständiger Wechsel gehört zum Expat-Leben dazu, jeder weiß das. Die Frage "Und wie lange seid Ihr schon hier?" gehört zu jedem neuen Kennenlernen, die Frage "Und wie lange bleibt Ihr noch?" stellt man sich hier gegenseitig immer mal wieder. Die Mitarbeiter der Deutschen Botschaft wissen in der Regel schon bei der Einreise, in welchem Monat welchen Jahres sie das Land final verlassen werden, bei der GIZ ist man nicht so festgelegt. Und so versuchen wir alle irgendwie, den Überblick zu behalten - mit wem kann man wann noch rechnen?
Dass wir uns von anderen Expats gelegentlich verabschieden müssen, ist also nichts Neues. Aber dieses Jahr sind mehrere Leute dabei, denen wir freundschaftlich verbunden waren, mit denen wir schon mal in den Urlaub gefahren sind (z.B. in den Kgalagadi Transfrontier Park), unsere Nachbarin und auch eins meiner Deutschlernkinder. Der erste Abschied, der ein größerer Verlust für uns war, war im Februar, dann war ein paar Monate Ruhe, doch in den letzten Wochen ging es Schlag auf Schlag. Wir haben geholfen Möbel auseinanderzuschrauben, Geschenke besorgt und waren auf drei Abschiedspartys, um Leute zu verabschieden, die irgendwie alle Teil unseres hiesigen Lebens geworden waren und nun nach Bonn, Eschborn und Genf veschwinden. Wie stark wir in Kontakt bleiben und wie sehr wir doch eher Zweckgemeinschaften fernab der Heimat gebildet haben, wird sich zeigen. Doch in jedem Fall stimmt es etwas wehmütig, feste Größen unseres botswanischen Lebens zu verlieren.
Und wann wird es nun bei uns soweit sein? Das wissen wir noch nicht. Eine Freundin sagte mir gestern am Telefon: "Ich bin froh um jeden Monat, den Du länger bleibst!" Das ist natürlich auch schön zu hören. Wir Hierbleibenden werden vielleicht etwas enger zusammenrücken, um die entstandenen Lücken zu füllen. Und, auch das gehört zum Expat-Leben: Für fast jeden, der geht, kommt jemand Neues. Und auch unter den Neuankömmlingen sind hoffentlich nette Leute.
Dass wir uns von anderen Expats gelegentlich verabschieden müssen, ist also nichts Neues. Aber dieses Jahr sind mehrere Leute dabei, denen wir freundschaftlich verbunden waren, mit denen wir schon mal in den Urlaub gefahren sind (z.B. in den Kgalagadi Transfrontier Park), unsere Nachbarin und auch eins meiner Deutschlernkinder. Der erste Abschied, der ein größerer Verlust für uns war, war im Februar, dann war ein paar Monate Ruhe, doch in den letzten Wochen ging es Schlag auf Schlag. Wir haben geholfen Möbel auseinanderzuschrauben, Geschenke besorgt und waren auf drei Abschiedspartys, um Leute zu verabschieden, die irgendwie alle Teil unseres hiesigen Lebens geworden waren und nun nach Bonn, Eschborn und Genf veschwinden. Wie stark wir in Kontakt bleiben und wie sehr wir doch eher Zweckgemeinschaften fernab der Heimat gebildet haben, wird sich zeigen. Doch in jedem Fall stimmt es etwas wehmütig, feste Größen unseres botswanischen Lebens zu verlieren.
Und wann wird es nun bei uns soweit sein? Das wissen wir noch nicht. Eine Freundin sagte mir gestern am Telefon: "Ich bin froh um jeden Monat, den Du länger bleibst!" Das ist natürlich auch schön zu hören. Wir Hierbleibenden werden vielleicht etwas enger zusammenrücken, um die entstandenen Lücken zu füllen. Und, auch das gehört zum Expat-Leben: Für fast jeden, der geht, kommt jemand Neues. Und auch unter den Neuankömmlingen sind hoffentlich nette Leute.
Montag, 23. Juli 2018
Der Bank-run
Eine Alltagsfrage, die uns monatlich beschäftigt, ist wie wir das Geld für unsere Miete zusammenkratzen. Das liegt nicht (nur) daran, dass wir hier gelegentlich Ausflüge / Urlaube machen. Ich bekomme mein Gehalt in Deutschland auf mein deutsches Konto; die Miete, das Fitnessstudio, die Gartenabfallentsorgung etc. wollen aber in Pula gezahlt werden. Dafür eröffnete ich bereits zu Beginn unserer Zeit hier ein Bankkonto. Das kostet umgerechnet ca. 22,60 EUR "Managementgebühr" pro Monat, Überweisungsgebühren noch nicht eingerechnet.
Um Teile meines Gehalts nach Botswana zu bekommen, könnte ich gelegentlich Geld von unserem deutschen Konto hierher überweisen. Das macht allerdings wenig Spaß. Zunächst muss ich ein Formular der deutschen Bank ausfüllen (online geht eine solche Überweisung nicht), dieses an die Bank mailen und dann dauert es ca. eine Woche, bis das Geld auf dem botswanischen Konto ist. Die Überweisungskosten betragen ca. 24 EUR pro Überweisung, außerdem gibt es einen unverschämt schlechten Wechselkurs; es heißt, dass das Geld von Euro zunächst in südafrikanische Rand umgerechnet wird, dann in botswanische Pula - jeweils mit Marge für die Bank.
Mir war schnell klar, dass ich das möglichst nicht regelmäßig machen möchte. Immerhin: Im Alltag ist das Bezahlen in Botswana stärker digitalisiert als in Deutschland, auch kleine Beträge werden hier selbstverständlich mit Kreditkarte abgerechnet. (Auf einem Markt in Südafrika konnte man sogar gleich per App bezahlt, das hatten wir in Deutschland vor unserer Ausreise so auch noch nicht gesehen.) Dank der günstigen deutschen Bank zahlen wir auch kein Auslandseinsatzentgelt, wenn wir unsere Kreditkarten hier nutzen. Und so brauchen wir Bargeld fast nur für Trinkgelder, um Sam und Patricia monatlich zu bezahlen und für die Gartenwasserbestellung.
Um Geld auf unser botswanisches Konto zu schaufeln, heben wir Geld am Geldautomaten ab und zahlen es anschließend in unserer hiesigen Hausbank ein. Das war bis vor ein paar Monaten relativ einfach, wir wussten, dass der Geldautomat unserer Bank vergleichsweise hohe Beträge ausspuckte, so dass wir vor dem Gebäude abheben und dann ins Gebäude zur Einzahlung gehen konnten. Zu berücksichtigen war (und ist) nur, dass vor fast allen Geldautomaten in Gaborone um den Monatswechsel (also nach dem "pay day") lange Schlangen sind, wenn sich viele Angestellte ihr Gehalt (teilweise) auszahlen lassen wollen. So machen wir unseren "Bank-run" meist schon Mitte des Monats, an einem Samstagmorgen.
Mittlerweile schlägt unsere Bank - wie zunehmend auch andere Banken - jedoch auf Abhebungen mit Kreditkarten anderer Banken eigene Gebühren drauf, die wir gerne vermeiden würden. Wir suchen uns nun also Geldautomaten, bei denen keine Gebühren aufgeschlagen werden - diese geben leider jedoch nicht so viel auf einmal aus bzw. in kleineren Stückelungen. Wenn wir jetzt also wissen, dass wir samstags unseren bank-run machen wollen, beginnen wir häufig schon unter der Woche, Geld abzuheben.
Am Samstagmorgen wird dann zu Hause das Geld sortiert und gezählt - und für einen Moment können wir uns dann ein wenig wie Dagobert Duck fühlen. Der größte Geldschein in Botswana hat einen Wert von 200 Pula, das sind derzeitig ca. 16,60 EUR. Oft spucken die Automaten auch noch kleinere Scheine aus - wenn wir das Geld für die Miete etc. abheben müssen, kommen also eine ganze Menge Geldscheine zusammen ...
Meine gefühlte Sicherheitslage sieht dann doch so aus, dass ich mich jedes Mal erleichtert fühle, wenn das Geld endlich auf dem hiesigen Konto eingezahlt ist. Vielleicht sollten wir doch einmal überlegen, ob es das ganze Gebühren-Vermeiden wert ist, dass wir einmal monatlich samstagmorgens unseren Bank-run machen.
Freitag, 20. Juli 2018
Das hätte ich jetzt nicht noch gebraucht.
Eine Kollegin von Philip, mit deren siebenjähriger Tochter ich einmal pro Woche unter anderem Schreibschrift übe, sagte gestern diesen Satz zu mir: "Das hätte ich jetzt nicht noch gebraucht". Sie bereitet momentan ihre Ausreise nach Deutschland vor und versucht, vorher einiges an Möbeln sowie ihr Auto zu verkaufen. Ein Kaufinteressent war vor ein paar Tagen bei ihr und als er wieder abfahren wollte, schloss sich ihr elektrisches Tor ungeplant, gleich nachdem es aufgegangen war - und rammte dabei sein Auto. Sarah wird den Schaden wohl bezahlen - und hätte das jetzt eben nicht auch noch gebraucht, was ich bestens nachvollziehen konnte.
Mindestens gedacht hatte ich diesen Satz gestern aber auch schon. Unser Elektrozaun wurde vormittags repariert. Die Firma Manase ("the best erections in Botswana") war seit Mitte letzter Woche bereits zum dritten Mal da, was bedeutet, dass ich nicht nur mit den Mitarbeitern schon mehrere Telefonate geführt und Mailwechsel getätigt hatte, sondern auch mit unserem Vermieter in Whats App-Kontakt stand, wir außerdem zwei Vorauszahlungen machen mussten und ich drei halbe Tage zwangsläufig zu Hause geblieben war. Kurz: Es war nervig, aber seit der gestrigen Reparatur scheint der Elektrozaun wieder planmäßig seinen Dienst zu tun. Die Freude währte nur kurz - nachdem ich die Handwerker verabschiedet hatte, stellte ich fest, dass unser Internet nicht mehr ging. Das kann ja mal vorkommen und meist funktioniert es irgendwann von alleine wieder (den hier nachzulesenden Ausnahmefall versuche ich erfolgreich aus meinem Gedächtnis zu verdrängen). Als nächstes rief mich unser Gärtner in den Garten, da er den begründeten Verdacht hat, dass unser Pool mal wieder leckt und nun auch nasse Erde entdeckt hatte. Und spätestens da war es dann Zeit für mein gedankliches "Das hätte ich jetzt nicht noch gebraucht."
Kurz überlegte ich, Thomas zu WhatsAppen, dem Mann einer ehemaligen Botschaftsmitarbeiterin. Er und seine Familie sind diese Woche nach drei Jahren Botswana zurück nach Deutschland ausgereist. In Sachen Reparaturen konnte man eigentlich darauf vertrauen, dass Thomas immer noch eine schlimmere Geschichte auf Lager hatte. Ein paar Tage nachdem seine Familie 2015 ihr Haus hier bezogen hatte, schlug der Blitz dort ein und zerstörte gleich mehrere elektrische Geräte und Einrichtungen und so erlebte er gleich zu Beginn seiner Zeit hier mit allen möglichen Handwerkern alles Mögliche. Andererseits hätte mir Thomas aus der Ferne vermutlich nur die drei Buchstaben TiB zur Aufmunterung zugeworfen - "This is Botswana". Ich habe das Pool-Problem nun erstmal auf nächste Woche verschoben. Vertagen und aufschieben ist immerhin auch ziemlich botswanisch, so gesehen passe ich mich damit ganz gut an die hiesigen Gegebenheiten an.
Mindestens gedacht hatte ich diesen Satz gestern aber auch schon. Unser Elektrozaun wurde vormittags repariert. Die Firma Manase ("the best erections in Botswana") war seit Mitte letzter Woche bereits zum dritten Mal da, was bedeutet, dass ich nicht nur mit den Mitarbeitern schon mehrere Telefonate geführt und Mailwechsel getätigt hatte, sondern auch mit unserem Vermieter in Whats App-Kontakt stand, wir außerdem zwei Vorauszahlungen machen mussten und ich drei halbe Tage zwangsläufig zu Hause geblieben war. Kurz: Es war nervig, aber seit der gestrigen Reparatur scheint der Elektrozaun wieder planmäßig seinen Dienst zu tun. Die Freude währte nur kurz - nachdem ich die Handwerker verabschiedet hatte, stellte ich fest, dass unser Internet nicht mehr ging. Das kann ja mal vorkommen und meist funktioniert es irgendwann von alleine wieder (den hier nachzulesenden Ausnahmefall versuche ich erfolgreich aus meinem Gedächtnis zu verdrängen). Als nächstes rief mich unser Gärtner in den Garten, da er den begründeten Verdacht hat, dass unser Pool mal wieder leckt und nun auch nasse Erde entdeckt hatte. Und spätestens da war es dann Zeit für mein gedankliches "Das hätte ich jetzt nicht noch gebraucht."
Kurz überlegte ich, Thomas zu WhatsAppen, dem Mann einer ehemaligen Botschaftsmitarbeiterin. Er und seine Familie sind diese Woche nach drei Jahren Botswana zurück nach Deutschland ausgereist. In Sachen Reparaturen konnte man eigentlich darauf vertrauen, dass Thomas immer noch eine schlimmere Geschichte auf Lager hatte. Ein paar Tage nachdem seine Familie 2015 ihr Haus hier bezogen hatte, schlug der Blitz dort ein und zerstörte gleich mehrere elektrische Geräte und Einrichtungen und so erlebte er gleich zu Beginn seiner Zeit hier mit allen möglichen Handwerkern alles Mögliche. Andererseits hätte mir Thomas aus der Ferne vermutlich nur die drei Buchstaben TiB zur Aufmunterung zugeworfen - "This is Botswana". Ich habe das Pool-Problem nun erstmal auf nächste Woche verschoben. Vertagen und aufschieben ist immerhin auch ziemlich botswanisch, so gesehen passe ich mich damit ganz gut an die hiesigen Gegebenheiten an.
Dienstag, 12. Juni 2018
Wenn die Klimaanlage heizen muss
Es ist Winter. Und da Gaborone nicht in den Tropen liegt, wird es hier kalt. Es gibt Leute, die sagen, dass sie noch nie so gefroren haben wie in Afrika.
Wenn die Sonne untergegangen ist, wird es derzeit ca. 6 bis 8°C. Da unser Haus - wie die meisten Häuser hier - nicht isoliert ist, haben wir innen dann leider auch keine T-Shirt Temperaturen mehr. Stattdessen haben nun die Wochen begonnen, in denen wir uns abends nicht mehr ins Wohnzimmer setzen (wollen). Unser Wohnzimmer hat eine recht große Fläche und hohe Decken, es lässt sich so kaum heizen - daher hat es auch keine Heizung, nur einen großen offenen Kamin, der jedoch den Raum auch nicht ausreichend wärmt. So ziehen wir uns nun häufig in ein anderes Zimmer zurück, in dem eine Klimaanlage eingebaut ist. Die können wir nämlich auch so einstellen, dass sie heizt.
Im Schlafzimmer haben wir auch eine solche Klimaanlage, sie ist jedoch etwas eigenwillig und laut - bisher haben wir sie noch nicht über Nacht laufen lassen, die Bettdecke wärmt ja. Mittlerweile haben wir zusätzlich zur Bettdecke auch zwei Wärmflaschen. Die, so finden wir, sind auch wirklich nötig.
Immerhin wird es tagsüber noch über 20°C warm, und bei Sonnenschein und in der Regel wolkenlos blauem Himmel lässt sich der Winter dann wieder kurzzeitig vergessen. Für hiesige Verhältnisse ist es zwar so kühl, dass die Batswana gerne mit dicken Jacken und Wollmützen herumlaufen, aber wir wollen uns da nicht zu sehr beschweren.
Es ist der dritte Winter, den wir hier mitbekommen. Aus unserem ersten Winter hier haben wir glücklicherweise schon etwas Übung (und Wärmflaschen); letztes Jahr waren wir im Juli eine Zeit lang in Deutschland und in den restlichen Winterwochen hier war es nicht allzu kalt. Dieses Jahr scheint uns nun noch einmal das große Bibbern bevorzustehen; ab Mitte August haben wir evtl. Chancen, dass es wieder etwas wärmer wird. Dann können wir auch die Klimaanlage wieder auf "kühlen" stellen.
Wenn die Sonne untergegangen ist, wird es derzeit ca. 6 bis 8°C. Da unser Haus - wie die meisten Häuser hier - nicht isoliert ist, haben wir innen dann leider auch keine T-Shirt Temperaturen mehr. Stattdessen haben nun die Wochen begonnen, in denen wir uns abends nicht mehr ins Wohnzimmer setzen (wollen). Unser Wohnzimmer hat eine recht große Fläche und hohe Decken, es lässt sich so kaum heizen - daher hat es auch keine Heizung, nur einen großen offenen Kamin, der jedoch den Raum auch nicht ausreichend wärmt. So ziehen wir uns nun häufig in ein anderes Zimmer zurück, in dem eine Klimaanlage eingebaut ist. Die können wir nämlich auch so einstellen, dass sie heizt.
Im Schlafzimmer haben wir auch eine solche Klimaanlage, sie ist jedoch etwas eigenwillig und laut - bisher haben wir sie noch nicht über Nacht laufen lassen, die Bettdecke wärmt ja. Mittlerweile haben wir zusätzlich zur Bettdecke auch zwei Wärmflaschen. Die, so finden wir, sind auch wirklich nötig.
Immerhin wird es tagsüber noch über 20°C warm, und bei Sonnenschein und in der Regel wolkenlos blauem Himmel lässt sich der Winter dann wieder kurzzeitig vergessen. Für hiesige Verhältnisse ist es zwar so kühl, dass die Batswana gerne mit dicken Jacken und Wollmützen herumlaufen, aber wir wollen uns da nicht zu sehr beschweren.
Es ist der dritte Winter, den wir hier mitbekommen. Aus unserem ersten Winter hier haben wir glücklicherweise schon etwas Übung (und Wärmflaschen); letztes Jahr waren wir im Juli eine Zeit lang in Deutschland und in den restlichen Winterwochen hier war es nicht allzu kalt. Dieses Jahr scheint uns nun noch einmal das große Bibbern bevorzustehen; ab Mitte August haben wir evtl. Chancen, dass es wieder etwas wärmer wird. Dann können wir auch die Klimaanlage wieder auf "kühlen" stellen.
Mittwoch, 6. Juni 2018
Vitamin D gesucht
"Vitamin B" kann mir helfen, eine spannende Stelle in Deutschland zu finden. Doch nun wurde mir bescheinigt, dass ich auch noch Vitamin D brauche. Das generiert der Körper insbesondere aus Sonnenlicht.
Einen solchen Vitamin D-Mangel fand ich zunächst einigermaßen überraschend: Botswana ist doch ein Land, in dem quasi an 365 Tagen im Jahr die Sonne zu sehen ist. Da sollte man ja denken, dass ich genügend Sonnenlicht abbekomme. Unter der Woche bin ich allerdings tagsüber im Büro und bekomme von der Sonne kaum etwas mit. Ich lege selten Strecken zu Fuß zurück, teils aus Sicherheitsgründen, teils weil die Distanzen zu weit sind und zu einem großen Teil auch weil es einfach keine Fußgängerwege gibt. Und am Wochenende oder im Urlaub versuchte ich bisher eigentlich, die Sonne zu vermeiden oder zumindest Sonnencreme zu verwenden. Denn die UV-Strahlung - und damit die Sonnenbrandgefahr - ist hier sehr hoch. Und so bin ich insgesamt kaum dem Sonnenlicht ausgesetzt.
Nun soll ich also eine Zeitlang Vitamin D-Pillen schlucken. Kein Problem, dachte ich. Mittlerweile war ich in drei verschiedenen Apotheken hier und musste feststellen, dass es doch eines ist: Man kennt zwar den Wirkstoff fast überall, aber besorgen kann ihn mir niemand. Vitamin D mag nicht das kritischste aller Medikamente sein, aber wenn sie schon so etwas nicht bestellen können, wie mag dann erst die Versorgungslage mit wichtigeren Medikamenten aussehen? Ich werde nun wohl versuchen, mir Tabletten aus Deutschland zu besorgen. Vielleicht finde ich demnächst ja eine/n Kolleg/in, der/die/das nach Botswana reist und sie mir mitbringen kann. Oder eine/r von Euch kommt uns besuchen?
In der Zwischenzeit versuche ich es mit kleinen Maßnahmen. Mal ein paar Minuten auf der Sonnenliege in der Sonne liegen - ohne Sonnencreme. Oder - wie kürzlich an einem Sonntag - Verlagerung der Frühstücks von der überdachten Terrasse in die Sonne.
Da wir nun Winter haben, ist die Sonneneinstrahlung glücklicherweise nicht ganz so stark, und zumindest in den Morgen- und Nachmittagsstunden ist es in der Sonne auch nicht so heiß.
Mal schauen, ob ich in meinem nächsten Blogeintrag dann von meinem Sonnenbrand erzähle...
P.S.: Bisher mussten wir das Frühstück im Garten übrigens noch nicht mit den Pavianen teilen!
Einen solchen Vitamin D-Mangel fand ich zunächst einigermaßen überraschend: Botswana ist doch ein Land, in dem quasi an 365 Tagen im Jahr die Sonne zu sehen ist. Da sollte man ja denken, dass ich genügend Sonnenlicht abbekomme. Unter der Woche bin ich allerdings tagsüber im Büro und bekomme von der Sonne kaum etwas mit. Ich lege selten Strecken zu Fuß zurück, teils aus Sicherheitsgründen, teils weil die Distanzen zu weit sind und zu einem großen Teil auch weil es einfach keine Fußgängerwege gibt. Und am Wochenende oder im Urlaub versuchte ich bisher eigentlich, die Sonne zu vermeiden oder zumindest Sonnencreme zu verwenden. Denn die UV-Strahlung - und damit die Sonnenbrandgefahr - ist hier sehr hoch. Und so bin ich insgesamt kaum dem Sonnenlicht ausgesetzt.
Nun soll ich also eine Zeitlang Vitamin D-Pillen schlucken. Kein Problem, dachte ich. Mittlerweile war ich in drei verschiedenen Apotheken hier und musste feststellen, dass es doch eines ist: Man kennt zwar den Wirkstoff fast überall, aber besorgen kann ihn mir niemand. Vitamin D mag nicht das kritischste aller Medikamente sein, aber wenn sie schon so etwas nicht bestellen können, wie mag dann erst die Versorgungslage mit wichtigeren Medikamenten aussehen? Ich werde nun wohl versuchen, mir Tabletten aus Deutschland zu besorgen. Vielleicht finde ich demnächst ja eine/n Kolleg/in, der/die/das nach Botswana reist und sie mir mitbringen kann. Oder eine/r von Euch kommt uns besuchen?
In der Zwischenzeit versuche ich es mit kleinen Maßnahmen. Mal ein paar Minuten auf der Sonnenliege in der Sonne liegen - ohne Sonnencreme. Oder - wie kürzlich an einem Sonntag - Verlagerung der Frühstücks von der überdachten Terrasse in die Sonne.
Da wir nun Winter haben, ist die Sonneneinstrahlung glücklicherweise nicht ganz so stark, und zumindest in den Morgen- und Nachmittagsstunden ist es in der Sonne auch nicht so heiß.
Mal schauen, ob ich in meinem nächsten Blogeintrag dann von meinem Sonnenbrand erzähle...
P.S.: Bisher mussten wir das Frühstück im Garten übrigens noch nicht mit den Pavianen teilen!
Dienstag, 29. Mai 2018
Mundraub
Vor einiger Zeit hatten wir tierischen Besuch, über den Philip bereits berichtet hat. Seitdem wurde ich ab und an gefragt, ob wir nochmal Paviane im Garten gehabt hätten, was ich verneinen konnte - bis jetzt. Zwar haben wir keine Tiere mehr gesehen, aber unser Gärtner zeigte mir letzte Woche, dass welche im Garten gewesen sein mussten. Tatsächlich war es auch ohne Fährtenlese-Kenntnisse ganz eindeutig ...
Die Viecher hatten wohl die Früchte an unserem Naartjie-Bäumchen entdeckt und sich dann offensichtlich auf es gestürzt - anders lassen sich die Schäden kaum erklären. Naartjies sind Mandarinen-/Clementinen-ähnliche Zitruspflanzen, die sich einfach schälen lassen - wie das am Boden liegende Schalenhäufchen eindrucksvoll illustrierte.
Unser Vermieter kam heute wegen eines tropfenden Rohrs vorbei und ich erzählte ihm von den Pavianen. Er berichtete daraufhin, dass sein Bruder vor ein paar Jahren eine wahre Pavianplage gehabt hätte: Diese kamen regelmäßig in seinen Garten und tranken dort aus dem Pool - sechs, sieben ausgewachsene Tiere, die sich um den Swimmingpool scharrten wie Antilopen um ein Wasserloch. Das würde uns hier gerade noch fehlen ... Ich erkundigte mich, wie Mattias die Tiere wieder losgeworden war - einfach verscheuchen kann man Paviane kaum, sie können durchaus aggressiv werden. Und so war Mattias subtiler vorgegangen: Er hatte einen großen, aufblasbaren Hai in seinen Swimmingpool gesetzt. Dieser schaukelte im Wind auf dem Pool hin und her und war den Pavianen nicht geheuer - sie trollten sich. Noch wirkungsvoller ist laut unserem Vermieter vermutlich ein aufblasbarer Leopard, da Paviane Leoparden fürchten. Falls unsere Obstbäume weiter geplündert werden, sollten Philip und ich wohl mal in Schwimm- oder Plüschtiere investieren - die kann man sicher auch in Bäume setzen ...
Die Viecher hatten wohl die Früchte an unserem Naartjie-Bäumchen entdeckt und sich dann offensichtlich auf es gestürzt - anders lassen sich die Schäden kaum erklären. Naartjies sind Mandarinen-/Clementinen-ähnliche Zitruspflanzen, die sich einfach schälen lassen - wie das am Boden liegende Schalenhäufchen eindrucksvoll illustrierte.
Unser Vermieter kam heute wegen eines tropfenden Rohrs vorbei und ich erzählte ihm von den Pavianen. Er berichtete daraufhin, dass sein Bruder vor ein paar Jahren eine wahre Pavianplage gehabt hätte: Diese kamen regelmäßig in seinen Garten und tranken dort aus dem Pool - sechs, sieben ausgewachsene Tiere, die sich um den Swimmingpool scharrten wie Antilopen um ein Wasserloch. Das würde uns hier gerade noch fehlen ... Ich erkundigte mich, wie Mattias die Tiere wieder losgeworden war - einfach verscheuchen kann man Paviane kaum, sie können durchaus aggressiv werden. Und so war Mattias subtiler vorgegangen: Er hatte einen großen, aufblasbaren Hai in seinen Swimmingpool gesetzt. Dieser schaukelte im Wind auf dem Pool hin und her und war den Pavianen nicht geheuer - sie trollten sich. Noch wirkungsvoller ist laut unserem Vermieter vermutlich ein aufblasbarer Leopard, da Paviane Leoparden fürchten. Falls unsere Obstbäume weiter geplündert werden, sollten Philip und ich wohl mal in Schwimm- oder Plüschtiere investieren - die kann man sicher auch in Bäume setzen ...
Freitag, 23. März 2018
Grundbesitz in Botswana
Nein, wir haben nicht beschlossen, Ländereien zu erwerben. Allgemein ist der Hausbau für Ausländer hier wohl nicht ohne; während ihres Urlaubs in Botswana las meine Schwiegermutter den Erlebnisbericht einer verbitterten Deutschen, die hier anscheinend von sämtlichen Behörden und Handwerkern über den Tisch gezogen wurde (allerdings wohl auch etwas blauäugig an diese Unternehmung herangegangen war).
Wenn man aber Motswana ist, gestaltet sich das Unternehmen Grundbesitz ganz anders. Unser Gärtner Sam eröffnete mir am vergangenen Montagmorgen, dass er es in den nächsten Jahren angehen wird. Er hat nämlich ein Grundstück von der Regierung bekommen, drei Jahre, nachdem er sich darauf beworben hat. Sam ist darüber sehr glücklich: Er sagte mir, er würde langsam alt werden, wäre aber jetzt noch in der Lage, das Grundstück zu erschließen und selbst zu bauen. Na super, jetzt fühlte ich mich auch alt. Sam ist übrigens 42.
Wir hatten schon einmal gehört, dass Botswana kostenlose Grundstücke an seine Bürger vergibt. Diese müssen sich dafür bewerben und bekommen dann ein Stückchen Land zugewiesen. Sam steht wohl bereits seit 12 Jahren auf einer Warteliste für die Grundstücksvergabe in und um Gaborone. Vor drei Jahren hat er einen weiteren Antrag gestellt und in diesem alle möglichen Dörfer genannt, in denen er sich ein Leben vorstellen könnte. Und in einem dieser Dörfer, unweit von Mahalapye, hat er nun ein Grundstück zugewiesen bekommen. Es ist ungefähr 35x40 m groß - früher waren die Grundstücke, die die Regierung vergab, wohl um einiges größer, aber das hat sich in den letzten Jahren geändert. Sam sagt, das läge an der hohen Nachfrage, aber Philip und mir war auch schon einmal erzählt worden, dass viele Botswaner größere Grundstücke nicht wirklich nutzen, weil sie zum Leben doch nur kleine Hütten bauen, und dass daher inzwischen keine größeren Grundstücke mehr vergeben werden würden.
Was passiert nun? Sam überlegt, über Ostern zu seinem Grundstück zu fahren. Als erstes möchte er die darauf wachsenden Büsche entfernen und es dann einzäunen. Im Laufe der nächsten Monate will er außerdem eine Art Schuppen bauen, in dem man anfangs auch mal übernachten kann. Und dann soll nach und nach ein Häuschen gebaut werden. Zaun und Schuppen sind das Minimum, das ein von der Regierung vergebenes Grundstück aufweisen muss; spätestens nach drei Jahren müssen sie installiert sein. Sonst nimmt die Regierung dem Besitzer das Grundstück wieder weg und vergibt es anderweitig.
Ansonsten ist das Grundstück aber tatsächlich ein Geschenk, das dem Beschenkten komplett gehört. Ich fragte ungläubig nach, ob Sam wirklich keinerlei Geld dafür zahlen müsse. Er sagte mir, für ein Grundstück in Gaborone müsse man eventuell 20, 30 Pula pro Monat zahlen (was dann wohl auch mehr als ein symbolischer Betrag zu sehen ist - es handelt sich um ca. 1,80-2,60 €). Aber für ein Grundstück auf einem der Dörfer des Landes würden keinerlei Gebühren anfallen. Stromleitungen gibt es in Sams Dorf, außerdem eine Wasserpumpe.
Ich versuchte, mich online über das Landvergabesystem in Botswana schlau zu machen. Wenn man aus Deutschland kommt, erscheint es einem doch recht kurios, dass die Batswana Grundstücke vom Staat geschenkt bekommen! Ich fand eine Kolumne von 2014 aus der botswanischen Zeitung "The Patriot on Sunday", die mir quasi direkt darauf antwortete: "Land allocation is no favour". Der Autor des Artikels beschreibt den Besitz von Land als elementares Menschenrecht, das in der Verantwortung des Staates liegt. Gleichzeitig beklagt er, dass in Botswana einiges schief laufen würde: Es könne gut und gern 20 Jahre dauern, bis man ein Stück Land in Gaborone bekäme. Das Prinzip der Landvergabe wäre schwer zu verstehen und den Bürgern des Landes würden ihre Grundrechte nirgends wirklich vermittelt - eigentlich müsste die Schule die botswanischen Kindern zu mündigen Bürgern erziehen, aber das würde nicht passieren. Auch mir hat meine Google Recherche das Prinzip der Landvergabe nicht wirklich nähergebracht. Es wird anscheinend zwischen "State Land" und "Tribal Land" unterschieden, je nach Bewerbung muss sich an unterschiedliche Stellen gewandt werden. Grundvoraussetzungen für die Bewerbungen sind ein botswanischer Personalausweis ("Omang") und dass der Bewerber mindestens 18 ist. Nach welchem Prinzip Land vergeben wird, scheint undurchsichtig zu sein, es hängt wohl doch öfters vom Wohlwollen der vergebenden Behörde ab ...
Aber wie dem auch sei, Sam hat sein Stück Land bekommen. Wir sind gespannt, was er in der nächsten Zeit daraus macht!
Wenn man aber Motswana ist, gestaltet sich das Unternehmen Grundbesitz ganz anders. Unser Gärtner Sam eröffnete mir am vergangenen Montagmorgen, dass er es in den nächsten Jahren angehen wird. Er hat nämlich ein Grundstück von der Regierung bekommen, drei Jahre, nachdem er sich darauf beworben hat. Sam ist darüber sehr glücklich: Er sagte mir, er würde langsam alt werden, wäre aber jetzt noch in der Lage, das Grundstück zu erschließen und selbst zu bauen. Na super, jetzt fühlte ich mich auch alt. Sam ist übrigens 42.
Wir hatten schon einmal gehört, dass Botswana kostenlose Grundstücke an seine Bürger vergibt. Diese müssen sich dafür bewerben und bekommen dann ein Stückchen Land zugewiesen. Sam steht wohl bereits seit 12 Jahren auf einer Warteliste für die Grundstücksvergabe in und um Gaborone. Vor drei Jahren hat er einen weiteren Antrag gestellt und in diesem alle möglichen Dörfer genannt, in denen er sich ein Leben vorstellen könnte. Und in einem dieser Dörfer, unweit von Mahalapye, hat er nun ein Grundstück zugewiesen bekommen. Es ist ungefähr 35x40 m groß - früher waren die Grundstücke, die die Regierung vergab, wohl um einiges größer, aber das hat sich in den letzten Jahren geändert. Sam sagt, das läge an der hohen Nachfrage, aber Philip und mir war auch schon einmal erzählt worden, dass viele Botswaner größere Grundstücke nicht wirklich nutzen, weil sie zum Leben doch nur kleine Hütten bauen, und dass daher inzwischen keine größeren Grundstücke mehr vergeben werden würden.
Was passiert nun? Sam überlegt, über Ostern zu seinem Grundstück zu fahren. Als erstes möchte er die darauf wachsenden Büsche entfernen und es dann einzäunen. Im Laufe der nächsten Monate will er außerdem eine Art Schuppen bauen, in dem man anfangs auch mal übernachten kann. Und dann soll nach und nach ein Häuschen gebaut werden. Zaun und Schuppen sind das Minimum, das ein von der Regierung vergebenes Grundstück aufweisen muss; spätestens nach drei Jahren müssen sie installiert sein. Sonst nimmt die Regierung dem Besitzer das Grundstück wieder weg und vergibt es anderweitig.
Ansonsten ist das Grundstück aber tatsächlich ein Geschenk, das dem Beschenkten komplett gehört. Ich fragte ungläubig nach, ob Sam wirklich keinerlei Geld dafür zahlen müsse. Er sagte mir, für ein Grundstück in Gaborone müsse man eventuell 20, 30 Pula pro Monat zahlen (was dann wohl auch mehr als ein symbolischer Betrag zu sehen ist - es handelt sich um ca. 1,80-2,60 €). Aber für ein Grundstück auf einem der Dörfer des Landes würden keinerlei Gebühren anfallen. Stromleitungen gibt es in Sams Dorf, außerdem eine Wasserpumpe.
Ich versuchte, mich online über das Landvergabesystem in Botswana schlau zu machen. Wenn man aus Deutschland kommt, erscheint es einem doch recht kurios, dass die Batswana Grundstücke vom Staat geschenkt bekommen! Ich fand eine Kolumne von 2014 aus der botswanischen Zeitung "The Patriot on Sunday", die mir quasi direkt darauf antwortete: "Land allocation is no favour". Der Autor des Artikels beschreibt den Besitz von Land als elementares Menschenrecht, das in der Verantwortung des Staates liegt. Gleichzeitig beklagt er, dass in Botswana einiges schief laufen würde: Es könne gut und gern 20 Jahre dauern, bis man ein Stück Land in Gaborone bekäme. Das Prinzip der Landvergabe wäre schwer zu verstehen und den Bürgern des Landes würden ihre Grundrechte nirgends wirklich vermittelt - eigentlich müsste die Schule die botswanischen Kindern zu mündigen Bürgern erziehen, aber das würde nicht passieren. Auch mir hat meine Google Recherche das Prinzip der Landvergabe nicht wirklich nähergebracht. Es wird anscheinend zwischen "State Land" und "Tribal Land" unterschieden, je nach Bewerbung muss sich an unterschiedliche Stellen gewandt werden. Grundvoraussetzungen für die Bewerbungen sind ein botswanischer Personalausweis ("Omang") und dass der Bewerber mindestens 18 ist. Nach welchem Prinzip Land vergeben wird, scheint undurchsichtig zu sein, es hängt wohl doch öfters vom Wohlwollen der vergebenden Behörde ab ...
Aber wie dem auch sei, Sam hat sein Stück Land bekommen. Wir sind gespannt, was er in der nächsten Zeit daraus macht!
Montag, 26. Februar 2018
Regenfreude, Regenschäden
Auch letzten Mittwochnachmittag waren Heidi und ich verabredet und hatten Glück: Wir kamen beide im Fitnessstudio an, bevor ein kräftiges Gewitter runterging. Als wir uns umzogen, hörten wir bereits den Regen aufs Dach trommeln. Recht bald ging auch das Licht aus, es war nur noch eine Art Notbeleuchtung an, was aber nicht so schlimm war, trotz düsterem Himmel war es schließlich hell. Als wir die Umkleide verließen, sahen wir, dass sich im Foyer eine große Menschentraube gebildet hatte, die sich durch die Glaswand am Regen erfreute - dachten wir auf den ersten Blick, Pula wird hier schließlich immer sehnlichst erwartet. Tatsächlich beobachteten die Leute auch den Regen, allerdings nicht draußen, sondern drinnen. Am Rand des Poolbereichs regnete es an einigen Stellen augenscheinlich völlig ungehindert durch die Decke. Ab und zu fielen Stücke der die Decke verkleidenden Rigipsplatten hinunter - entweder direkt in den Pool oder sie zerbrachen daneben.
(Oben an der Decke sind nicht etwa geplante Lüftungsschächte zu sehen - bevor es regnete, war dort eine durchgängig weiße Deckenverkleidung ... Die Fotos habe ich erst gemacht, bevor ich gegangen bin, sonst würde man es durch die Schächte regnen sehen.)
Da das Ganze nur den äußersten Poolbereich zu betreffen schien (der längst geräumt worden war), gingen Heidi und ich in den ersten Stock, wo wir feststellen mussten, dass Laufbänder, Fahrräder und Crosswalker - also alle Fitnessgeräte mit elektronischen Anzeigen - ausgeschaltet worden waren. An mehreren Stellen standen Eimer, hier tropfte es durch die Decke - kein Vergleich zu dem wahren Regen am Rand des Poolbereichs; so richtig schön war es allerdings trotzdem nicht. Die elektrischen Fitnessgeräte wurden zwar bald wieder angeschaltet, was uns aber aufgrund der Nässe im Gebäude nicht ganz geheuer war. Wir entschieden uns schließlich für etwas Krafttraining, wurden unserem Ruf aber sonst gerecht und machten an diesem Tag wirklich kaum Sport. Wenn ein paar Meter weiter Teile der Decke runterkommen, ist man einfach nicht so motiviert ...
So war ich etwas früher zu Hause, was ziemlich gut war. Es hatte zwar nicht reingeregnet - was bei starkem Regen immer mal passieren kann; eine nicht repräsentative Umfrage in unserem Freundeskreis hat ergeben, dass es eigentlich bei jedem mal mehr oder weniger reinregnet ...
Dafür stand unser elektrisches Tor offen. Sperrangelweit. Wenn man hinter einer hohen Mauer lebt, auf der ein Elektrozaun installiert ist, ist ein wer-weiß-wie-lange-schon offenstehendes Tor kein besonders vertrauenserweckender Anblick. Auf der anderen Seite war ich vorgewarnt: Vor ein paar Monaten, bei einem anderen schweren Gewitter, hatte Philip plötzlich gemerkt, dass unser Tor ohne unser Zutun aufging. Und zu. Und auf. Und zu. Es war wie Tennis. Wir standen beide in der Küche und sahen unserem offensichtlich kurzschlussbedingt verrücktspielenden Tor zu und mich tröstete alleine der Gedanke, dass bei dem Sauwetter nicht unbedingt mit einem Einbruch zu rechnen sei. Schließlich reagierte das Tor wieder auf die Fernbedienung an Philips Schlüssel und blieb zu. Nun hatte es offensichtlich in unserer Abwesenheit wieder Tennis gespielt - und war dann einfach offen stehen geblieben. Großartig. Immerhin konnte ich es mit meiner Fernbedienung nach mehrmaligem Draufdrücken doch noch schließen. Nachdem Philip heimkam, gab es dann allerdings völlig den Geist auf. Inzwischen ist klar, dass der Motor des Tores komplett ersetzt werden muss - an einem sonnigen Tag, denn nass werden sollte der neue Motor nicht während des Einbaus.
Starkregen in Botswana - ein seltenes und aufgrund der hiesigen Dürre sehr willkommenes Ereignis, auf das Häuser, Tore und Fitnessstudios aber trotzdem nicht gut genug vorbereitet sind ...
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