In Gaborone gibt es wenig für Touristen zu sehen - heißt es immer. Aber irgendwie entdecken wir doch immer wieder neue Attraktionen, die wir bisher noch nicht kannten. Gut, "Attraktion" ist natürlich ein relativer Begriff, aber wir haben kürzlich neue Ziele in der Umgebung entdeckt. Von der Schluchtenwanderung hatte ich ja schon geschrieben. Auf dem gleichen Ausflug, nicht weit entfernt von der Schlucht, machten wir einen weiteren Stopp, diesmal im Dorf Manyana. Laut Reiseführer sollten wir dort gleich zwei Sehenswürdigkeiten besichtigen können. Wir hatten mal wieder die Hoffnung, dass sie eventuell ausgeschildert sein könnten, aber nachdem wir einige Zeit erfolglos suchend herumgefahren waren, fragten wir einen Mann am Straßenrand, der sofort ein kleines Mädchen herbeirief, das zu uns ins Auto stieg und uns nacheinander zu den von uns gewünschten Punkten navigierte.
Der erste Stopp war an einem über 400 Jahre alten Feigenbaum. Hier soll schon David Livingstone (ja genau, die Ruinen seiner Missionarsstation in der Nähe von Gaborone hatten wir schon besichtigt) gepredigt, gelehrt und Patienten behandelt haben. Vor ca. 20 Jahren ist der Baum wohl in drei Teile zerfallen, was seinen Anblick aber nicht weniger imposant macht.
Nach einem kurzen Spaziergang um den Baum fuhren wir weiter und wurden zu den versteckt liegenden Felsmalereien am Rande des Dorfes gelotst.
Die Felsmalereien sollen ca. 1500 Jahre alt sein. Dankenswerter Weise stehen sie unter Naturschutz und eine Führerin stand bereit, um sie uns zu zeigen. Das war entscheidend - denn die Malereien sind teils doch deutlich ausgeblichen (und nicht besonders zahlreich), so dass sie nicht einfach zu finden waren.
Wir sahen u.a. das Bild einer Oryx-Antilope:
Malereien von insgesamt vier Giraffen:
Und ein Stückchen entfernt von den anderen Malereien - nun ja, ein Strichmännchen. Ob das wohl ähnlich alt ist wie die anderen Abbildungen?
Freitag, 30. Juni 2017
Mittwoch, 28. Juni 2017
Projekt-Meilensteine
Die letzten Monate in Botswana waren für mich doch sehr von meiner Arbeit dominiert. Es begann damit, dass drei meiner fünf fachlich arbeitenden Mitarbeiter/-innen aus ganz unterschiedlichen Gründen aus dem Unternehmen ausgeschieden sind, die letzte von ihnen verließ mein Projekt Mitte März diesen Jahres. Da die weitere Ausrichtung des Projekts nicht immer ganz klar war, hatte ich die Besetzung der ersten beiden Stellen erst einmal aufgeschoben. Und dann stand ich plötzlich fast allein da. Ab April kamen nach und nach wieder drei neue Mitarbeiter/-innen, die ich fortan einarbeiten musste. Und Mitte Juni stand mir eine Projektevaluierung ins Haus. Ein Standardprozess, der ca. sechs bis zehn Monate vor Projektende stattfindet - der aber auch vorbereitet sein will. Viele der Vorbereitungen konnten die neuen Mitarbeiter/-innen noch nicht machen, die verbliebenen zwei Mitarbeiter/-innen hatten ganz andere Themen bearbeitet - so blieb die Vorbereitung hauptsächlich an mir hängen.
Seit ein paar Tagen habe ich die Evaluierung hinter mir und kann mit spürbarer Erleichterung sagen, dass sie soweit gut gelaufen ist. Und die neuen Mitarbeiter/-innen werden auch immer selbstständiger. Ein Mitarbeiter, der bereits seit 2013 im Projekt bzw. Vorgängerprojekt ist, sagte mir kürzlich, dass die Stimmung im Team noch nie so gut wie jetzt gewesen sei - das hat mich natürlich gefreut. Ich kann nun also optimistisch nach vorne schauen: Ein paar letzte Aufräumarbeiten, dann: Urlaub und hoffentlich möglichst viel an andere Dinge denken.
Seit ein paar Tagen habe ich die Evaluierung hinter mir und kann mit spürbarer Erleichterung sagen, dass sie soweit gut gelaufen ist. Und die neuen Mitarbeiter/-innen werden auch immer selbstständiger. Ein Mitarbeiter, der bereits seit 2013 im Projekt bzw. Vorgängerprojekt ist, sagte mir kürzlich, dass die Stimmung im Team noch nie so gut wie jetzt gewesen sei - das hat mich natürlich gefreut. Ich kann nun also optimistisch nach vorne schauen: Ein paar letzte Aufräumarbeiten, dann: Urlaub und hoffentlich möglichst viel an andere Dinge denken.
Montag, 26. Juni 2017
Ein Staatsmann ist gestorben
In der letzten Woche ist ein großer Staatsmann gestorben. Er regierte sein Land von 1980 bis 1998 - viele Einwohner seines Landes sind also aufgewachsen, ohne jemand anderen an der Regierungsspitze zu kennen. Nun berichten alle Medien ausführlich über ihn und sein Werk. Er führte sein Land in Zeiten diffiziler Politik, im Nachbarland herrschte durch die 1980er Jahre hindurch ein Unrechtsregime, von dem es sich zu distanzieren galt.
Sir Ketumile Masire war der zweite Präsident Botswanas, also direkt nach Sir Seretse Khama, dessen Geschichte kürzlich verfilmt wurde. Als Kind war er ein Viehhirte, ging erst mit 13 Jahren in eine Grundschule und kam über seine Tätigkeit bei einer Zeitung zur Politik - was für eine Karriere. In seiner Amtszeit als Präsident war ihm wohl wichtig, die demokratischen Institutionen des noch jungen Botswanas zu stärken. Er trat international als Vermittler auf und brachte sich in die Aufarbeitung des Genozids in Ruanda ein. Bis zuletzt war er in der Bevölkerung hoch angesehen.
Auch in Deutschland ist in der vorletzten Woche ein Staatsmann gestorben, der zu einer ähnlichen Zeit regierte. Wie häufig mögen sie sich wohl getroffen haben?
Sir Ketumile Masire war der zweite Präsident Botswanas, also direkt nach Sir Seretse Khama, dessen Geschichte kürzlich verfilmt wurde. Als Kind war er ein Viehhirte, ging erst mit 13 Jahren in eine Grundschule und kam über seine Tätigkeit bei einer Zeitung zur Politik - was für eine Karriere. In seiner Amtszeit als Präsident war ihm wohl wichtig, die demokratischen Institutionen des noch jungen Botswanas zu stärken. Er trat international als Vermittler auf und brachte sich in die Aufarbeitung des Genozids in Ruanda ein. Bis zuletzt war er in der Bevölkerung hoch angesehen.
Auch in Deutschland ist in der vorletzten Woche ein Staatsmann gestorben, der zu einer ähnlichen Zeit regierte. Wie häufig mögen sie sich wohl getroffen haben?
Donnerstag, 22. Juni 2017
Schluchtenwanderung
Kürzlich entdeckten wir zusammen mit Besuch eine uns bisher unbekannte Sehenswürdigkeit im Umkreis von Gaborone: Wir machten eine geführte Wanderung in der Mmamotshwane-Schlucht bei Mogonye. Nach dem Zahlen der Eintrittsgebühr und Registrierung stieg unsere Führerin zu uns ins Auto - wir mussten noch 5 km fahren bis zum Einstieg in die Schlucht. Diese 5 km hatten es stellenweise in sich - ich sag mal so: Wie gut, dass das Auto a) Vierradantrieb besitzt und b) dass es zusätzlich ein paar PS hat, denn beides war gelegentlich nötig. Wir überholten immerhin eine botswanische Wandergruppe, die die Strecke lief (laufen war uns gar nicht als Option angeboten worden, das wäre wohl zu ungewöhnlich gewesen). Vermutlich kannten sie sie schon, denn Ortsunkundige kann man da eigentlich nicht alleine rumlaufen lassen: Es gab immer wieder Abzweigungen und so gut wie keine Ausschilderungen. Schon während der Hinfahrt wurden wir dankbar, dass die Führerin uns gleich ungefragt begleitet hatte.
Am Eingang der Schlucht stellten wir das Auto ab, dann liefen wir los, zunächst durch bewaldetes Gebiet, dann waren wir plötzlich in der Schlucht und sahen die steilen und hohen Wände. Anders als angekündigt führte die Schlucht offenbar doch nicht ganzjährig Wasser (vor der Dürre, d.h. vor einigen Jahren, war das wohl noch anders). Einmal mussten wir eine eher wackelige Holztreppe hochsteigen ...
... dann ging es mit etwas Kraxelei über Felsen, zwischendurch überquerten wir eine nicht mehr ganz frische Brücke über ein Wasserloch ...
... und schließlich kamen wir an eine Stelle, an der die Schlucht enger wurde und wo an einer Seite ein Seil befestigt war. Zunächst war das Seil angenehm zum Festhalten, dann kamen wir plötzlich an eine steile Felsstufe.
Mit Hilfe des Seils zogen/kletterten wir die Stufe hoch, dann liefen wir noch ein Stück und kamen schließlich ans Ende der Schlucht. Dort ging es nur noch steil nach oben, von wo aus uns ein Schimpanse interessiert beobachtete.
Weitere Schimpansen konnten wir nur hören, sie brüllten. Unsere Führerin behauptete, sie würden uns begrüßen, aber richtig glücklich klangen sie nicht. Schließlich machten wir uns auf den Rückweg.
Für uns ein gelungener Ausflug und ein nettes neues Ziel nicht weit von Gaborone: Etwas Bewegung, etwas Natur, wir waren zufrieden!
Am Eingang der Schlucht stellten wir das Auto ab, dann liefen wir los, zunächst durch bewaldetes Gebiet, dann waren wir plötzlich in der Schlucht und sahen die steilen und hohen Wände. Anders als angekündigt führte die Schlucht offenbar doch nicht ganzjährig Wasser (vor der Dürre, d.h. vor einigen Jahren, war das wohl noch anders). Einmal mussten wir eine eher wackelige Holztreppe hochsteigen ...
... und schließlich kamen wir an eine Stelle, an der die Schlucht enger wurde und wo an einer Seite ein Seil befestigt war. Zunächst war das Seil angenehm zum Festhalten, dann kamen wir plötzlich an eine steile Felsstufe.
Mit Hilfe des Seils zogen/kletterten wir die Stufe hoch, dann liefen wir noch ein Stück und kamen schließlich ans Ende der Schlucht. Dort ging es nur noch steil nach oben, von wo aus uns ein Schimpanse interessiert beobachtete.
Weitere Schimpansen konnten wir nur hören, sie brüllten. Unsere Führerin behauptete, sie würden uns begrüßen, aber richtig glücklich klangen sie nicht. Schließlich machten wir uns auf den Rückweg.
Für uns ein gelungener Ausflug und ein nettes neues Ziel nicht weit von Gaborone: Etwas Bewegung, etwas Natur, wir waren zufrieden!
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Montag, 19. Juni 2017
Montagmorgen in Gaborone
Manchmal werde ich gefragt, was ich in Gaborone denn eigentlich den ganzen Tag so mache. Und manchmal frage ich mich das sogar auch. Dieser Montagmorgen zum Beispiel wird mir nicht länger im Gedächtnis bleiben und ich habe auch nicht das Gefühl, dass er so wahnsinnig erfolgreich war. Dennoch fühlte ich mich durchaus beschäftigt ... hier eine Schilderung der (Nicht-)Ereignisse:
Heute klingelt der Wecker bereits um 6:15 Uhr, da für 8 Uhr ein Meeting in der NGO angesetzt ist, in der ich mithelfe. Ich fahre extra früh los, da insbesondere zwischen 6 und 8 Uhr mit starkem Berufsverkehr zu rechnen ist. Auf halber (oder eher: dreiviertel) Strecke ruft mich dann meine Kollegin Christina an, kein gutes Zeichen, wie mein Rückruf bestätigt: Das Meeting ist in letzter Minute gecancelt worden. Zum Trost lädt sie mich zu einer Tasse Kaffee ein (sie wohnt unweit der NGO) und eröffnet mir dabei, dass sie versucht ist, die Arbeit hinzuschmeißen - wobei sie in fünf Wochen eh wegzieht, aber bisher waren wir beide davon ausgegangen, dass sie den Unterricht noch bis zu meiner Rückkehr aus Deutschland übernehmen wird. Nun ist sie allerdings gerade so gefrustet, dass ich es durchaus verstehen könnte, wenn sie ab morgen nicht mehr kommt.
Während wir zusammensitzen, ruft mich unsere Haushaltshilfe Patricia an: Sie hat Probleme mit ihrem Schlüssel und kann unsere Haustür nicht öffnen. Ich rufe Philip an, der vom Büro aus wesentlich schneller zu Hause sein kann als ich von der Innenstadt aus. Zum Glück kann er es gerade einrichten, schnell heimzufahren.
Ich dagegen fahre wie geplant zum Wertstoffhof weiter, wo ich ab und an unser Altglas hinbringe und der im Dumont-Reiseführer tatsächlich als Sehenswürdigkeit genannt ist. Wir könnten zwar alles in den normalen Mülleimer schmeißen, aber zumindest Glas kann man zum Recyclen bringen und das wollen wir gerne unterstützen. Früher dürfte man auch Papier abgeben, aber das hat seit ein paar Monaten ein Ende, weil der Recyclinghof es nicht mehr zum Recyclen weitergeben kann - warum auch immer. Mit einem Blick auf die überquellenden Glastonnen fürchte ich, dass auch das Glas-Recycling bald ein Ende haben könnte und schnappe mir einen der herumstehenden Pappkartons, in den ich unser Altglas staple. Anschließend mache ich mir eine Notiz, unsere leeren Batterien nach Deutschland mitzunehmen.
Als nächstes fahre ich zur Sicherheitsfirma, um unsere Mai-Rechnung zu bezahlen und auch gleich nach der für Juni zu fragen, die längst ankommen hätte sollen. Hier habe ich das erste wirkliche Erfolgserlebnis des Tages: Die Juni-Rechnung kann mir sofort ausgedruckt werden, so dass ich gleich beide Rechnungen begleichen kann und weder Philip noch ich vor unserem Heimaturlaub noch einmal zur Sicherheitsfirma fahren müssen. Dinge, die dazu führen, dass wir was bezahlen müssen, klappen hier allerdings zugegebenermaßen meistens recht gut.
Auf dem Rückweg zum Auto spricht mich ein Mitarbeiter der Sicherheitsfirma an und teilt mir mit, dass ihm kalt sei. Ich stimme ihm zu, mir ist auch kalt - das scheint allerdings nicht die Antwort zu sein, die er sich erhofft hat. Als nächstes behauptet er, auf mein Auto aufgepasst zu haben. Da ich es maximal eine Viertelstunde alleine gelassen habe und er nirgends zu sehen war, als ich parkte, halte ich das für ein Gerücht. Abgesehen davon arbeitet er laut seines ihm um den Hals hängenden Ausweises ja bei der Sicherheitsfirma, bei der ich gerade viel Geld gelassen habe, und nicht als Parkwächter. Er fragt schließlich, ob ich nicht ein paar fatcakes für ihn hätte, aber abgesehen davon, dass ich gar nicht weiß, welche Art von Gebäck das überhaupt ist, habe ich gar nichts zu essen bei mir. Enttäuscht zieht er von dannen.
Ich dagegen fahre weiter zu meinem nächsten Anlaufpunkt, einem Einkaufszentrum. Beim Geldautomaten unserer Bank hebe ich die zweite Hälfte unserer Miete ab. Wir überweisen sie von unserem botswanischen Konto, müssen dafür aber immer Geld von unserem deutschen Konto abheben, das wir dann auf das botswanische einzahlen. Es ist kompliziert (vor allem, da das Geld für die Miete immer an zwei verschiedenen Tagen abgehoben werden muss - es ist zu viel, um es komplett an einem Tag abheben zu können ...), aber so kostet das Ganze immerhin keine Gebühren.
Ich kaufe gleich noch ein paar Lebensmittel ein und fahre dann nach Hause, wo ich gerade noch unseren Gärtner antreffe, bevor er geht. Sam macht mich darauf aufmerksam, dass der Gartenwasser-Tank ausgelaufen ist. Immerhin hat einer der Obstbäume davon profitiert, unter dem das Schlauchende zufälllig lag ... er hat so viel Wasser abbekommen, dass er laut Sam ungewohnt "happy" ausschaut und vermutlich zwei Jahre nicht mehr gegossen werden müsse. Ich versuche, diese positive Sichtweise zu teilen und verspreche, für Donnerstag neues Gartenwasser zu ordern.
Als ich dann das Haus betrete, sehe ich gerade noch, wie Patricia unser Kunstledersofa mit Möbelpolitur einsprüht. Sie sagt mir, dass diese auch da prima wirken würde, was ich bezweifle, aber jetzt ist es eh zu spät. Patricia führt mir außerdem vor, dass nur ihr Haustürschlüssel für das untere Schloss funktioniert - der für das obere Schloss lässt sich nicht drehen und sie meint, ich hätte das bei der Schlüsselübergabe vor einem halben Jahr auch gewusst und mich darum kümmern wollen. Das kann durchaus sein, ich habe allerdings keinerlei Erinnerung daran. Heute ist das Ganze erstmals aufgefallen, da niemand da war, als sie kam - meistens ist sie sonst so früh, dass wir noch beim Frühstück sitzen oder mindestens ich noch zu Hause bin. Dass sie beim Verlassen des Hauses das obere Schloss noch nie abgeschlossen hat, ist mir tatsächlich nicht aufgefallen, da man es auch "aufschließen" kann, wenn es gar nicht abgeschlossen ist ... Dennoch frage ich mich, warum ich ihr vor einem halben Jahr überhaupt einen nicht funktionierenden Schlüssel gegeben habe. Darauf haben wir beide keine Antwort. Mysterien des Alltags. Und damit geht dieser Montagvormittag in Gaborone auch schon zuende. Mal schauen, was der Montagnachmittag bringt ...
Heute klingelt der Wecker bereits um 6:15 Uhr, da für 8 Uhr ein Meeting in der NGO angesetzt ist, in der ich mithelfe. Ich fahre extra früh los, da insbesondere zwischen 6 und 8 Uhr mit starkem Berufsverkehr zu rechnen ist. Auf halber (oder eher: dreiviertel) Strecke ruft mich dann meine Kollegin Christina an, kein gutes Zeichen, wie mein Rückruf bestätigt: Das Meeting ist in letzter Minute gecancelt worden. Zum Trost lädt sie mich zu einer Tasse Kaffee ein (sie wohnt unweit der NGO) und eröffnet mir dabei, dass sie versucht ist, die Arbeit hinzuschmeißen - wobei sie in fünf Wochen eh wegzieht, aber bisher waren wir beide davon ausgegangen, dass sie den Unterricht noch bis zu meiner Rückkehr aus Deutschland übernehmen wird. Nun ist sie allerdings gerade so gefrustet, dass ich es durchaus verstehen könnte, wenn sie ab morgen nicht mehr kommt.
Während wir zusammensitzen, ruft mich unsere Haushaltshilfe Patricia an: Sie hat Probleme mit ihrem Schlüssel und kann unsere Haustür nicht öffnen. Ich rufe Philip an, der vom Büro aus wesentlich schneller zu Hause sein kann als ich von der Innenstadt aus. Zum Glück kann er es gerade einrichten, schnell heimzufahren.
Ich dagegen fahre wie geplant zum Wertstoffhof weiter, wo ich ab und an unser Altglas hinbringe und der im Dumont-Reiseführer tatsächlich als Sehenswürdigkeit genannt ist. Wir könnten zwar alles in den normalen Mülleimer schmeißen, aber zumindest Glas kann man zum Recyclen bringen und das wollen wir gerne unterstützen. Früher dürfte man auch Papier abgeben, aber das hat seit ein paar Monaten ein Ende, weil der Recyclinghof es nicht mehr zum Recyclen weitergeben kann - warum auch immer. Mit einem Blick auf die überquellenden Glastonnen fürchte ich, dass auch das Glas-Recycling bald ein Ende haben könnte und schnappe mir einen der herumstehenden Pappkartons, in den ich unser Altglas staple. Anschließend mache ich mir eine Notiz, unsere leeren Batterien nach Deutschland mitzunehmen.
Als nächstes fahre ich zur Sicherheitsfirma, um unsere Mai-Rechnung zu bezahlen und auch gleich nach der für Juni zu fragen, die längst ankommen hätte sollen. Hier habe ich das erste wirkliche Erfolgserlebnis des Tages: Die Juni-Rechnung kann mir sofort ausgedruckt werden, so dass ich gleich beide Rechnungen begleichen kann und weder Philip noch ich vor unserem Heimaturlaub noch einmal zur Sicherheitsfirma fahren müssen. Dinge, die dazu führen, dass wir was bezahlen müssen, klappen hier allerdings zugegebenermaßen meistens recht gut.
Auf dem Rückweg zum Auto spricht mich ein Mitarbeiter der Sicherheitsfirma an und teilt mir mit, dass ihm kalt sei. Ich stimme ihm zu, mir ist auch kalt - das scheint allerdings nicht die Antwort zu sein, die er sich erhofft hat. Als nächstes behauptet er, auf mein Auto aufgepasst zu haben. Da ich es maximal eine Viertelstunde alleine gelassen habe und er nirgends zu sehen war, als ich parkte, halte ich das für ein Gerücht. Abgesehen davon arbeitet er laut seines ihm um den Hals hängenden Ausweises ja bei der Sicherheitsfirma, bei der ich gerade viel Geld gelassen habe, und nicht als Parkwächter. Er fragt schließlich, ob ich nicht ein paar fatcakes für ihn hätte, aber abgesehen davon, dass ich gar nicht weiß, welche Art von Gebäck das überhaupt ist, habe ich gar nichts zu essen bei mir. Enttäuscht zieht er von dannen.
Ich dagegen fahre weiter zu meinem nächsten Anlaufpunkt, einem Einkaufszentrum. Beim Geldautomaten unserer Bank hebe ich die zweite Hälfte unserer Miete ab. Wir überweisen sie von unserem botswanischen Konto, müssen dafür aber immer Geld von unserem deutschen Konto abheben, das wir dann auf das botswanische einzahlen. Es ist kompliziert (vor allem, da das Geld für die Miete immer an zwei verschiedenen Tagen abgehoben werden muss - es ist zu viel, um es komplett an einem Tag abheben zu können ...), aber so kostet das Ganze immerhin keine Gebühren.
Ich kaufe gleich noch ein paar Lebensmittel ein und fahre dann nach Hause, wo ich gerade noch unseren Gärtner antreffe, bevor er geht. Sam macht mich darauf aufmerksam, dass der Gartenwasser-Tank ausgelaufen ist. Immerhin hat einer der Obstbäume davon profitiert, unter dem das Schlauchende zufälllig lag ... er hat so viel Wasser abbekommen, dass er laut Sam ungewohnt "happy" ausschaut und vermutlich zwei Jahre nicht mehr gegossen werden müsse. Ich versuche, diese positive Sichtweise zu teilen und verspreche, für Donnerstag neues Gartenwasser zu ordern.
Als ich dann das Haus betrete, sehe ich gerade noch, wie Patricia unser Kunstledersofa mit Möbelpolitur einsprüht. Sie sagt mir, dass diese auch da prima wirken würde, was ich bezweifle, aber jetzt ist es eh zu spät. Patricia führt mir außerdem vor, dass nur ihr Haustürschlüssel für das untere Schloss funktioniert - der für das obere Schloss lässt sich nicht drehen und sie meint, ich hätte das bei der Schlüsselübergabe vor einem halben Jahr auch gewusst und mich darum kümmern wollen. Das kann durchaus sein, ich habe allerdings keinerlei Erinnerung daran. Heute ist das Ganze erstmals aufgefallen, da niemand da war, als sie kam - meistens ist sie sonst so früh, dass wir noch beim Frühstück sitzen oder mindestens ich noch zu Hause bin. Dass sie beim Verlassen des Hauses das obere Schloss noch nie abgeschlossen hat, ist mir tatsächlich nicht aufgefallen, da man es auch "aufschließen" kann, wenn es gar nicht abgeschlossen ist ... Dennoch frage ich mich, warum ich ihr vor einem halben Jahr überhaupt einen nicht funktionierenden Schlüssel gegeben habe. Darauf haben wir beide keine Antwort. Mysterien des Alltags. Und damit geht dieser Montagvormittag in Gaborone auch schon zuende. Mal schauen, was der Montagnachmittag bringt ...
Montag, 12. Juni 2017
Mandarinen
Aus der Reihe unserer Gartenfrüchte: Letztes Jahr hatten wir um diese Jahreszeit einige Grapefruits - dieses Jahr konnten wir leider keine einzige ernten. Dafür trägt dieses Jahr ein anderer Baum, der letztes Jahr keine Früchte hatte. Unser Gärtner Sam nennt diese Früchte "Natschis", wir finden diesen Namen jedoch online nicht. Es ist offenbar eine Zitrusfrucht (tragen Zitrusfrüchte nur jedes zweite Jahr?), allerdings fast ein wenig wie eine Birne geformt. Innen ist sie nach Aussehen und Geschmack eindeutig eine Mandarine. Lecker!
Dienstag, 6. Juni 2017
Verweichlicht
Der astronomische Winter beginnt auf der Südhalbkugel am 21. Juni. Bald geht's also los - und das merken wir! Ich plane diesen Blogbeitrag auch schon seit ein paar Tagen - seit ich letzte Woche gesehen habe, dass die botswanische Regierung auf ihrer Facebookseite einen Eintrag zu den Tiefsttemperaturen gepostet hat. Am 31.05. um 7:50h verkündete sie den "Forecast minimum temperatures for today" mit "Gaborone 6", was mich sehr beeindruckt hat. Das muss allerdings entweder die Prognose für einen anderen Teil der Stadt und/oder mitten in der Nacht gewesen sein, denn unser Außenthermometer hat bisher noch nicht weniger als 12 Grad angezeigt - zumindest, wenn wir gerade mal draufgeschaut haben ...
Für deutsche Verhältnisse erscheint es nicht so kalt, aber in unserem Wohnzimmer sind es morgens und abends gerade frische 16 Grad. Tendenz sinkend. Der in der Regel sehr strahlende Sonnenschein tagsüber macht das zwar immer wieder wett, aber morgens und abends frieren wir hier doch schon etwas vor uns hin. Unser neuerworbenes Heizöfchen haben wir trotzdem noch nicht in Betrieb genommen und auch unseren Kamin hatten wir - im Gegensatz zu den meisten unserer Freunde hier - noch nicht an. Man muss ja noch Steigerungsmöglichkeiten haben und wie gesagt, der Winter beginnt erst noch ...
So hätte dieser Blogbeitrag geendet, wenn ich ihn letzte Woche online gestellt hätte. Denn inzwischen sind Philip und mir Zweifel gekommen: Sind wir vielleicht nach über einem Jahr Gaborone einfach etwas verweichlicht? Gerade haben wir Besuch aus Deutschland, der sich vielleicht mal ein paar Socken oder etwas Langärmeliges anzieht, während wir uns abends auf der Terrasse in Decken hüllen. (Ohne den Besuch würden wir vermutlich auch gar nicht mehr abends auf der Terrasse sitzen, sondern in unserem kleinen Fernsehzimmer die Klimaanlage auf "warm" stellen.) Immerhin fanden wir es bei unserem letzten Deutschlandbesuch von Mitte Dezember bis Anfang Januar gar nicht so kalt, von daher hat die Verweichlichung vielleicht noch nicht so lange eingesetzt ... Der botswanische Winter ist auf jeden Fall nicht unbedingt unsere Lieblingsjahreszeit hier, obwohl es tagsüber sehr angenehm ist.
Für deutsche Verhältnisse erscheint es nicht so kalt, aber in unserem Wohnzimmer sind es morgens und abends gerade frische 16 Grad. Tendenz sinkend. Der in der Regel sehr strahlende Sonnenschein tagsüber macht das zwar immer wieder wett, aber morgens und abends frieren wir hier doch schon etwas vor uns hin. Unser neuerworbenes Heizöfchen haben wir trotzdem noch nicht in Betrieb genommen und auch unseren Kamin hatten wir - im Gegensatz zu den meisten unserer Freunde hier - noch nicht an. Man muss ja noch Steigerungsmöglichkeiten haben und wie gesagt, der Winter beginnt erst noch ...
So hätte dieser Blogbeitrag geendet, wenn ich ihn letzte Woche online gestellt hätte. Denn inzwischen sind Philip und mir Zweifel gekommen: Sind wir vielleicht nach über einem Jahr Gaborone einfach etwas verweichlicht? Gerade haben wir Besuch aus Deutschland, der sich vielleicht mal ein paar Socken oder etwas Langärmeliges anzieht, während wir uns abends auf der Terrasse in Decken hüllen. (Ohne den Besuch würden wir vermutlich auch gar nicht mehr abends auf der Terrasse sitzen, sondern in unserem kleinen Fernsehzimmer die Klimaanlage auf "warm" stellen.) Immerhin fanden wir es bei unserem letzten Deutschlandbesuch von Mitte Dezember bis Anfang Januar gar nicht so kalt, von daher hat die Verweichlichung vielleicht noch nicht so lange eingesetzt ... Der botswanische Winter ist auf jeden Fall nicht unbedingt unsere Lieblingsjahreszeit hier, obwohl es tagsüber sehr angenehm ist.
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