Posts mit dem Label admin werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label admin werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Montag, 30. Dezember 2019

Ein Jahresrückblick in Bildern (2019)

Wie schon die letzten Jahre (2018, 2017, 2016) möchten wir auch dieses Jahr mit einem Blogeintrag mit unseren schönsten Bildern des (Safari-)Jahres beschließen. Dies wird wohl leider auch unser letzter Botswana-Blogeintrag sein - vielen Dank Euch allen fürs treue Mitlesen und Eure vielen Reaktionen auf unseren Blog! 



Giraffen bei spielerischen Trainingskämpfen im Madikwe Game Reserve, Südafrika:


Ein Erdmännchen hält Ausschau im Kalahari Meercat Project, Südafrika:




Ein sonnenbadender Gecko im Kgalagadi Transfrontier Park, Südafrika


Zwei Elefanten begrüßen sich im Madikwe Game Reserve, Südafrika:


Ein Löffelfuchs (bat-eared fox) im Kgalagadi Transfrontier Park, Südafrika


Im Augrabies Falls Nationalpark, Südafrika:




Ein Sekretär im Kgalagadi Transfrontier Park, Südafrika:


Abschiedsabend von Gaborone:

Dienstag, 24. Dezember 2019

Weihnachtsgruß und Jahresrückblick 2019

Glühwein, Nieselregen und eine Schneemannlampe von IKEA – der deutsche Dezember hat uns wieder! Zum ersten Mal seit 2015 erleben wir ihn in voller Länge und haben sogar eine kleine Vorweihnachtsparty veranstaltet, nachdem wir es bisher versäumt hatten, Geburts­tage, Einzug oder neue Jobs zu feiern.

Im Januar und Februar hatten wir in Gaborone gefühlt eine Abschiedsparty nach der nächsten. Zwischendurch haben wir Autos, Möbel und Deko verkauft und die Reste ein­packen lassen … es war eine intensive, schöne und manchmal auch schmerzliche Abschiedszeit. Am 26.02. ging unser Aufenthalt im südlichen Afrika zu Ende, als wir im Ethiopian Airlines-Flieger saßen, aus dem Fenster auf den schnuckeligen Gaboroner Flughafen guckten und es immer noch nicht richtig glauben konnten. Keine 24 Stunden später fanden wir uns mit sechs Koffern, zwei Kisten und zwei kleinen Rucksäcken in Frankfurt wieder. Neustart!

Und der lief recht gut an, allerdings auch ohne Pause, zumindest für Philip: Zwei Tage später saß er bereits an seinem neuen Arbeitsplatz. Fernab von der Projektumsetzung des süd­lichen Afrikas arbeitet er nun in einer Stabsstelle und macht sich Gedanken zu Wirtschaft­lichkeit, Gesellschaftsvertrag, künftigen Geschäftsmodellen der GIZ und weiteren solcher schwer verdaulichen Grundsatzfragen. Er lernt die GIZ noch einmal ganz anders kennen und der neue Job macht ihm trotz der manchmal mühseligen Abstimmungsrunden im Haus Spaß.

Walli hatte etwas mehr Zeit, sich zu akklimatisieren, genoss das Leben in Frankfurt-Bocken­heim (rumlaufen! Kulturveranstaltungen! Wochenmarkt!) und meldete sich beim Arbeitsamt. Ein prima Bewerbungstraining, ein kleiner Übergangsnebenjob bei ihren früheren Büronach­barn, Besuch verpasster Kabarettprogramme – Langeweile kam keine auf. Und seit 20. Mai steht oben in ihrem Lebenslauf auch wieder ein Vollzeitjob: Kundenmanagerin bei der Frank­furter Buchmesse – das hätte sie von Botswana aus nicht mal zu hoffen gewagt. Zum ersten Mal in unseren Berufsleben ist Wallis Job durch die Betreuung ausländischer Aussteller nun internationaler als Philips, der derzeit höchstens mal mit dem Bonner Ministerium kommuni­ziert. Der entscheidende Tipp für Wallis Jobsuche kam übrigens von zwei früheren Kommili­toninnen. So ein totaler Neustart war unser neues Frankfurter Leben nämlich doch nicht – wir konnten an so einiges anknüpfen. Das war schön und machte es einfacher.

Ende Juni folgte dann der nächste Umzug: Von unserer Zwischenmiete-Bleibe in unsere alte Wohnung. Dort gab’s dann auch ein schnelles, freudiges, vollständiges und fast unbe­schädigtes Wiedersehen mit unserem Umzugsgut und bald zogen auch unsere neuen Möbel bei uns ein, die wir seit Ende April bei zahlreichen Möbelhaustouren zusammengestellt hatten. Es dauerte dann allerdings doch bis Mitte Oktober, bis die Wohnung einigermaßen komplett war – da wurden die Bücherregale geliefert, passenderweise während der Frankfurter Buchmesse.

Und dann hat sich der Zustand von Philips Vater im Laufe des Jahres immer weiter ver­schlechtert. Jede Verschlechterung war belastend, und bevor man sich irgendwie daran gewöhnen konnte, setzte schon die nächste ein. Man ist dem schutzlos ausgeliefert – als Erkrankter wie auch als Angehöriger.
Am 27. September ist Philips Vater gestorben.
Auch wenn er schwer erkrankt war, so hatten wir noch nicht so schnell mit seinem Tod gerechnet. Es ist ein schöner Gedanke, dass wir ihn am Wochenende zuvor noch erleben durften und ihn an seinen letzten Tagen begleiten konnten. Er fehlt uns.

Uns haben viele gute Freunde durch dieses Jahr begleitet, die da waren, zugehört haben, Hilfe angeboten haben. Das hat sehr gutgetan! Dazu kommt großes Glück mit den neuen Kollegen. Und nach drei Auslandsjahren haben wir 2019 auch ganz ungewohnt viele Familienmitglieder wiedergesehen – wenn auch nicht nur zu schönen Anlässen.

2019 sind wir auch gereist, wenngleich weniger als in den letzten Jahren. Die Ziele waren toll: Zum Jahresanfang noch eine Abschieds-Safari in Madikwe / Südafrika, später Boden­see, Wien, Ägypten. Zwar gibt es auch am Bodensee einen Affenberg, in Wien den Schön­brunner Zoo (den wir ausgelassen haben) und in Ägypten viele Fische beim Schnorcheln und ein paar Delfine – aber die Großwild-Safaris vermissen wir doch. Und unser Dachzelt. Und die Weite des südlichen Afrikas. Aber wenn Walli nostalgisch wird, erinnert Philip sie immer daran, was wir nicht vermissen: Internetprobleme, botswanische Handwerker, beunruhigende Autogeräusche, Ameisen in der Küche, Termiten an den Palmen sowie Elektrozäune und Alarmanlagen.

In der Frankenallee 25 in Frankfurt haben wir zwar deutlich weniger Platz als im Duo Close in Gaborone, aber dennoch auch hier ein Gästesofa mit Schlafcouch. Bisher wurde das von Wallis Eltern, Philips Mutter und Geno und Ali ausprobiert, die uns lustigerweise auch alle in Botswana besucht hatten. Gaborone-Erfahrung ist aber keine Voraussetzung für einen Besuch bei uns – kommt ruhig mal vorbei!

2020 haben wir bislang folgendes geplant: Keine Umzüge, keine Jobwechsel und weniger Möbelhausbesuche. Wir freuen uns darauf – und wünschen Euch jetzt wunderschöne Weihnachten!


PS: Für alle, die sich noch nicht unsere teils alten, teils neuen Adressdaten notiert haben, hier noch einmal der Überblick:

Frankenallee 25
60327 Frankfurt

waltraut@madelung-online.de
mobil: 0163 5112408 (altbekannt)

philip@madelung-online.de
mobil: 0178 1024177 (neu)

Sonntag, 30. Dezember 2018

Ein Jahresrückblick in Bildern (2018)

Wie schon in den letzten Jahren (2017, 2016) haben wir auch dieses Jahr wieder 13 (Tier-) Bilder aus 2018 ausgesucht, aus denen wir einen Kalender gestaltet haben. Hier unsere Auswahl an Bildern:

Eine Elefantenherde trampelt ganz leise auf einer Straße im Addo Elephant National Park, Südafrika:


Ein neugieriger Klippschliefer (auch Klippdachs oder Dassie genannt) auf dem Tafelberg in Kapstadt, Südafrika. Er ist eng verwant mit dem Elefanten.


Afrikanische Pinguine bei Simonstown auf der Kaphalbinsel in Südafrika:


Ein "yellow-billed hornbill" im Moremi Game Reserve in Botswana, von Safari-Guides auch "flying banana" genannt:


Ein Steenbok (Steinböckchen), die kleinste Antilope in Botswana, im trockenen Savannengras des Central Kalahari Game Reserve, Botswana:


Ein Zebra schaut sich unser Auto an im Addo Elephant National Park, Südafrika:


Ein Gepard im Madikwe Game Reserve, Südafrika:


Ein Elefant schabt die wasserführende Borke eines Baobab-Baums ab im Mapungubwe Nationalpark, Südafrika:


Ein Pavian pflückt Blüten im Cape Point Nationalpark, Südafrika:


Eine Leopardin springt von einem Baum im Central Kalahari Game Reserve, Botswana:


Eine Oryxantilope im Mountain Zebra National Park, Südafrika:


Eine Gabelracke (engl.: lilac-breasted roller) im Madikwe Nationalpark, Südafrika:


Eine Klippspringer-Antilope in der Abenddämmerung im Mapungubwe Nationalpark, Südafrika:

Montag, 24. Dezember 2018

Weihnachtsgruß und Jahresrückblick 2018

Weihnachtsstimmung – die kam bei uns in diesem Dezember etwas kurz. Das hatte ganz verschiedene Gründe: den heißen Gaboroner Dezember, fast ohne nennenswerten Regen und Abkühlung, einen Krankenhausaufenthalt von Philips Vater und die damit verbundenen Sorgen, ein wunderschöner Kurzurlaub in Südafrika bis zum 21.12. ... die letzten drei Wochen waren von ganz unterschiedlichen Emotionen geprägt, aber keine hatte einen größeren Weihnachtsbezug. Geschmückte Plastikweihnachtsbäume, hier und da etwas Weihnachtsbeleuchtung sowie das gespannte tägliche Türchen-Öffnen bei Adventskalendern sind kein vollständiger Ersatz für deutsches Dezemberwetter, Weihnachtsmärkte und Plätzchenbacken. Aber wir planen, nächstes Jahr wieder das komplette Programm zu genießen – und wer weiß, vielleicht werden wir im Dezember 2019 sehnsüchtig an die gleißende Sonne im südlichen Afrika zurückdenken?

Aber der Reihe nach: 2018 war ein erlebnisreiches Jahr. Obwohl Philip seit Jahresanfang ein Auge auf in Deutschland ausgeschriebene GIZ-Stellen hatte, versuchten wir, es nicht im Zeichen des Abschieds von Botswana zu sehen, sondern ganz im Jetzt zu leben. Das ist uns auch meistens gut gelungen. Wenn unser Internet mal wieder völlig erlahmte, der Strom für ungewisse Zeit abgeschaltet wurde, unser Einfahrtstor aus ungeklärten Gründen nicht richtig schloss und Ameisen durch unseren Kühlschrank spazierten, dachten wir nicht nostalgisch an unseren irgendwann bevorstehenden Umzug, sondern wünschten Provider, Handwerkern und Insekten die Pest an den Hals – ganz im Jetzt eben. Und auch beruflich merkte Philip wenig von seinem geplanten Abschied, und das wird wohl auch bis zu seinem letzten Arbeitstag in Gaborone so bleiben. Sein Team, 2017 noch zu großen Teilen neu eingestellt, ist nun eingearbeitet und versucht weitgehend selbstständig, Handel und Industrialisierung im südlichen Afrika voranzubringen. Die Vertretung der EU in Gaborone will Philips Projekt kofinanzieren, d.h. mit erheblichen Mitteln aufstocken, auch das will vorbereitet werden, und dann steht noch die Fusion mit einem anderen Projekt an – so gesehen ist gerade richtig viel los und Philips Abschied wird für das Projekt ein paar Monate zu früh kommen, war aber von uns nicht besser steuerbar. Ein Nachfolger ist gefunden, er kommt ab Mai, ab März muss vorübergehend ein Mitarbeiter übernehmen.

Walli organisierte in der ersten Jahreshälfte 2018 mit einer anderen Wally einen Kunsthandwerksmarkt, der sie Land und Leute noch besser kennenlernen ließ, ein paar Nerven kostete und letztendlich zwar nicht berauschend besucht war (Harry und Meghan heirateten dummerweise am gleichen Tag), aber dennoch erfolgreich. Sie hat zwei weitere NGO-Klassen unterrichtet und versucht, ihnen Spar- und Businesspläne und den Unterschied zwischen Gleichheit und Gerechtigkeit näherzubringen. Und als die Schüler in einem anderen Unterrichtsfach eine Powerpoint-Präsentation über ihr Heimatdorf machen sollten, hat sie nachgezogen und ebenfalls eine über Odendorf gehalten.

Im Zeichen des interkulturellen Austauschs stand auch der Besuch des deutschen Bundespräsidenten Frank-Walter Steinmeier in Gaborone. Es waren ca. 24 Stunden, die für uns hochspannend waren. Mittendrin statt nur dabei betreuten wir die Kultur- und die Wirtschaftsdelegation und waren komplett begeistert, einen Blick hinter die Kulissen so eines Staatsbesuchs zu bekommen. Ein absolutes Highlight! Und die anderen Highlights dieses Jahres? Waren, wie immer, unsere Reisen – zum Teil mit liebem Besuch im südlichen Afrika: Wir haben Geno und Ali in Kapstadt getroffen, mit Philips Mutter die Garden Route bereist und mit Wallis Eltern das nordöstliche Südafrika unsicher gemacht. Auch sonst waren wir wieder viel, viel unterwegs, mit Freunden und allein, im Auto mit Dachzelt, aber auch in der ein oder anderen Lodge. Wir sind immer noch nicht nach Mauritius oder auf die Seychellen geflogen, sondern haben uns nach wie vor voll und ganz den Safaris verschrieben, die uns immer noch begeistern und faszinieren. Ihre indirekte Auswirkung war ein Fotobuch-Produktions-Marathon, den Philip von Oktober bis November absolviert hat – wer gerne mal „ein paar Fotos“ von unserem Leben und Reisen im südlichen Afrika sehen will, sollte einiges an Zeit einplanen …

Walli hat im Laufe des Jahres mehr und mehr Kinderbücher vorgelesen, Deutsch unterrichtet und sich als Schreibschrifttrainerin betätigt. Das war oft spaßig, manchmal anstrengend und vor allem sind ihr all diese Kinder ans Herz gewachsen. Sie freut sich, dass sie einige hoffentlich nicht völlig aus den Augen verlieren wird – einen Teil von ihnen werden wir im Laufe des nächsten Jahres in Frankfurt und Umgebung wiedersehen. Die größte Entscheidung dieses Jahres: Ende Februar 2019 wird es zurück nach Deutschland gehen! Philip wird ab März wieder in Eschborn bei der GIZ arbeiten, in einer Stabsstelle, wo er zu Grundsatzfragen und unternehmenspolitischen Fragen arbeiten soll – so ziemlich das Gegenteil dessen, was er jetzt macht, aber die jetzige Arbeit wird ihm (hoffentlich) für den neuen Job weiterhelfen.

Und was macht Walli? Das wurde in unseren Anfangsmonaten in Botswana oft gefragt und scheint nun wieder ein Thema, seitdem unser Rückkehrzeitpunkt feststeht. Für sie ist es das noch nicht: Im Moment schlägt sie sich mit Umzugsfirmen herum, rezensiert auf ihrem Bücherblog www.romanregal.de und kümmert sich weiter um deutsche Kinder, serbische Teenager und botswanische junge Erwachsene. Zwischendurch ist sie mit neu zugezogenen Freundinnen unterwegs und zeigt ihnen ihre Entdeckungen der letzten zweieinhalb Jahre in Gaborone und Umgebung. Ab März ist dann volle Konzentration auf den deutschen Arbeitsmarkt angesagt. Aber bis dahin: Alles zu seiner Zeit.

Und jetzt ist es erstmal an der Zeit, Weihnachten zu feiern. Wir freuen uns sehr, dass auch dieses Jahr wieder mit Familie und Freunden zu können. Und dass die Abschiede am Ende dieses Deutschlandbesuchs nicht ganz so groß ausfallen werden wie sonst – wir kommen ja bald wieder! Dafür wird dann der nächste Februar unser Monat der Abschiede. Wer verfolgen will, wie es uns damit und mit unserem Umzug ergeht, kann das nach wie vor hier auf unserem Blog tun. Doch nun genießen wir erstmal die Feiertage.
Frohe Weihnachten und ein glückliches und gesundes Jahr 2019!

Montag, 23. April 2018

Der zweite Jahrestag - Vol. 2

Sechs Wochen nach Philip war gestern auch ich dran: Zweijähriges in Gaborone! Kommt es mir länger vor? Oder kürzer? Ich erinnere mich noch genau, wie mich meine Kollegen vor zwei Jahren im Büro und am Frankfurter Flughafen verabschiedeten. Die Einfindungsschwierigkeiten, die vor allem ich anfangs hatte, kommen mir allerdings inzwischen fast unwirklich vor.

Nachdem es bis ungefähr Ende 2016 dauerte, bis auch ich das Gefühl hatte, in Gaborone angekommen zu sein, waren Philip und ich ab 2017 ziemlich oft im Aufbruch. Es war vor allem mein Reisejahr. Philip und ich waren viel zusammen auf Achse, ich aber auch öfters alleine - viel Zeit für Reisen ist quasi DER Vorteil meines "Sabbaticals".
Tatsächlich haben wir seit letztem Jahr den Ruf weg, ständig zu verreisen und "Madelungs sind schon wieder unterwegs" ist anscheinend kein seltenes Gesprächsthema in der hiesigen deutschen Community. ("Wir haben ein bisschen über Euch gelästert, weil Ihr schon wieder wegfahrt. Aber nur ganz leicht!") Tatsächlich dürfte ich in unserem Freundes- und Bekanntenkreis die MaP (Mitausreisende Partnerin) sein, die momentan am meisten im südlichen Afrika rumkommt. Meine hiesigen MaP-Freundinnen haben alle unterschiedliche Modelle für sich gefunden: Es gibt die, die in der Regel alle zwei bis sechs Wochen mal für ein bis drei Wochen nach Deutschland fliegt. Es gibt die, die zweimal pro Jahr drei Monate am Stück in der Heimat verbringt. Es gibt die, die hier bleibt und keine größeren Reiseambitionen hat. Und es gibt mich.

Ich habe allerdings den Eindruck, dass wir 2018 bislang noch nicht ganz so viel reisen (den allerdings - abgesehen von Philip - sonst wohl niemand teilt - ist der Ruf erst ruiniert, reist es sich ganz ungeniert. Tatsächlich waren wir nun auch gerade wieder fast drei Wochen unterwegs, daher auch die Funkstille hier.). Solotouren ohne Philip habe ich dieses Jahr noch gar nicht unternommen. Mein Terminplan in Gaborone ist innerhalb der letzten zwölf Monate deutlich voller geworden. Nicht, dass er auch nur im Entferntesten mit einer 40-Stunden-Woche vergleichbar wäre, aber mir wird nicht langweilig. Wobei Langeweile hier von Anfang an kein Problem war. Schon die Organisation des täglichen Lebens nimmt  mehr Zeit in Anspruch als in Deutschland, auch wenn sie in einigen anderen afrikanischen Ländern noch wesentlich aufwändiger wäre.

Seit April letzten Jahres unterrichte ich einmal die Woche bei Baylor. Seit Dezember lese ich den Kindern von Freunden einmal pro Woche vor, soweit sie mich lassen (manchmal müssen auch erst alle 30 Kuscheltiere gefüttert und schlafen gelegt werden). Ab diesem Monat wird noch einmal die Woche Deutschnachhilfe für zwei serbische Mädchen dazukommen. Zusätzlich helfe ich einer Bekannten bei der Organisation eines Arts & Crafts-Markets im Mai. Nachdem ich letztes Jahr den unternehmensinternen Mietspiegel für die GIZ in Botswana aktualisiert habe, habe ich einen weiteren kleinen Auftrag erhalten und werde mich in der nächsten Zeit um die Sortierung des Archivs kümmern. Es tut sich was - je mehr Leute ich kenne, desto mehr passiert. Eigentlich nicht verwunderlich, aber für mich war es dennoch eine Lernerfahrung: Gut Ding will Weile haben. Und alles steht und fällt damit, dass man Leute kennt und kennenlernt, sich vertraut macht - das braucht einfach seine Zeit. "Slowly, but surely", wie es hier heißt. Inzwischen fühlen wir uns hier heimisch, wobei uns natürlich immer bewusst bleibt, dass der Aufenthalt hier zeitlich begrenzt sein wird. Heute traf ich mich mit einer Serbin, die seit 20 Jahren in Gaborone lebt - das könnte ich mir nun doch nicht vorstellen. Über einiges, was mich im Alltag stört, kann ich großzügiger hinwegsehen, eben weil ich sicher bin, dass ich mich nicht noch mehrere Jahre lang damit herumschlagen werden muss. Auf Dauer keinen richtigen Job zu haben, könnte ich mir auch nicht vorstellen, aber momentan ist die Situation für mich okay, weil ich das Gefühl habe, die Zeit hier zu nutzen. Gleichzeitig hilft dieses Bewusstsein der Endlichkeit, sehr im Jetzt zu leben, nichts lange aufzuschieben und die Zeit hier zu genießen - zum Beispiel reisend, lesend, bloggend.

Als wir Weihnachten in Deutschland waren, fragte uns meine Schwiegermutter, ob es uns wohl schwerfallen wird, Gaborone irgendwann wieder zu verlassen. Ich musste an den Spruch denken, den mir eine ehemalige Kollegin vor zwei Jahren zum Abschied mitgegeben hat: "Wer nach Frankfurt kommt, weint zweimal: Wenn er kommt und wenn er geht." Frankfurt und Gaborone lassen sich absolut nicht vergleichen - könnte trotzdem sein, dass es auf beide Städte zutrifft. Ich denke schon, dass ich hier irgendwann mit einem lachenden und einem weinenden Auge wieder aufbrechen werde. Nach zwei Jahren ist das doch keine schlechte Bilanz, oder?

Dienstag, 13. März 2018

Zweijähriges

Es ist kaum zu glauben: Nun bin ich schon zwei Jahre hier in Gaborone (hatte ich nicht gerade erst über mein einjähriges Jubiläum geschrieben?). Da kann ich wohl nicht mehr sagen, dass ich hier noch ein Frischling bin.

Hat mich die Zeit verändert? Bestimmt. Veränderungen an sich selbst entdeckt man ja eher seltener - daher müssten eigentlich andere diese Frage beantworten. Wie ich das sehe: Ich bin sicherlich noch einmal aufmerksamer für interkulturelle Begebenheiten geworden, verstehe besser, was mir jemand sagen will, wenn er/sie eigentlich nichts sagt (indirekte Kommunikation ist nicht nur in Asien wichtig, auch hier sind wir Deutschen eigentlich per se viel zu direkt, siehe auch "How are you?"). Im Job habe ich viel gelernt, mit Höhen und Tiefen, Führung und Finanzen, Projektmanagement und Aufbau von Partnerbeziehungen - hat mich das auch verändert? Ich glaube, dass ich mich weiterhin im Spiegel anschauen kann und mich wiedererkenne, mich nicht allzu sehr verbogen habe. Eine eher unerwartete Veränderung: Mein deutsches Sprachgefühl ist vielleicht noch einmal ein wenig feiner geworden (diesem Blog und Wallis häufig streng-präzisem Lektorat sei Dank!).

Habe ich denn umgekehrt Gaborone oder SADC verändert? Das wäre wohl etwas groß gedacht. Schade eigentlich. Dass es mit einer Veränderung der Autofahrer durch uns hier bisher nicht geklappt hat, habe ich ja kürzlich schon geschrieben. Ich würde gerne sagen, dass ich durch mein Handeln zumindest einigen botswanischen Mitarbeiter/innen im Büro ein Vorbild gewesen bin. Doch da sollte ich wohl eher vorsichtig sein: Mir wird zwar effizientes Handeln bescheinigt, doch vielleicht gibt es hier auch einfach interkulturelle Grenzen, sprich ein gewisses gegenseitiges Unverständnis über den (nicht-)Einsatz im Job. Mit dem von mir geleiteten Projekt haben wir bisher unsere Ziele weitgehend erreicht - und damit haben wir dann eben doch etwas bewirkt. Und, worüber ich mich besonders freue: Einer meiner "assoziierten Mitarbeiter" (gibt es das? Nicht direkte Führung durch mich, aber Teil des Teams), der schon seit 2013 im Projekt mitarbeitet, hat mir bereits mehrfach bescheinigt, dass die Stimmung im Team derzeit so gut sei wie er sie noch nie zuvor erlebt hat.

Auch abseits des Jobs haben wir uns recht gut eingelebt. Walli muss sich quasi schon Termine blocken, um noch Zeit zum Lesen zu finden (ihr Belletristik-Blog Romanregal.de erhält aber weiterhin regelmäßig Updates!) - und gerade im letzten Jahr konnten wir Botswana, Namibia und kleine Teile Südafrikas ein wenig erkunden. Diese Wochenendausflüge bis hin zu längeren Urlauben waren teils wirklich fantastisch; an die oft langen Autofahrten haben wir uns schon fast gewöhnt (11,5 Std. nach Windhoek? Geht doch an einem Tag.).
Unsere Freundschaften hier gestalten sich anders als wir es aus Deutschland kennen, einige waren auch für uns unerwartet. Wer hätte zu Beginn unserer Zeit in Gaborone schon gedacht, dass ich hier mittlerweile mehrfach mit meinem knapp 20 Jahre älteren Chef campen gehen würde (ok, zu Beginn unserer Zeit hier war es auch noch ein anderer Chef)? Wir haben jedenfalls bereits viele Ideen für weitere Ausflüge im Kopf - und mit unserem Dachzelt werden diese hoffentlich auch finanzier- und realisierbar (während ich diesen Blogeintrag schreibe stellt Walli bereits die nächste Route zusammen).
Zwei Jahre ist es also her, dass ich in Gaborone angekommen bin, und es ist viel passiert - sowohl hier wie auch in Deutschland. Es fühlt sich manchmal an, als ob ich schon viel länger in Botswana wäre. Auch hier habe ich gerade unter der Woche so etwas wie einen "Alltag" - er erscheint mir häufig wenig spektakulär und wenig erzählenswert. Erst in Gesprächen mit Freunden und Bekannten, stellen wir gelegentlich fest, dass manches, was wir hier mittlerweile als "normal" empfinden, vielleicht doch erzählenswert ist. Und dann ist mein erster Gedanke natürlich, wie daraus ein Blogeintrag werden kann... Bis zum nächsten Eintrag also!

Samstag, 30. Dezember 2017

Ein Jahresrückblick in Bildern (2017)

Schon letztes Jahr um diese Zeit habe ich einen Jahresrückblick in Bildern veröffentlicht. Auch dieses Jahr haben wir wieder 13 Bilder (Deckblatt!) ausgesucht und daraus einen Monatskalender gestaltet. Eine Auswahl zu treffen, war mal wieder nicht ganz leicht. Hier die ausgewählten Bilder des Jahres 2017:

Ein relaxender Löwe im Okavango Delta:


Landschaft im Okavango Delta:


Ein Schakal auf unserem Campingplatz im Mabuasehube Nationalpark:


Ein Elefant im Madikwe Game Reserve:


Eine Fuchsmanguste im Mabuasehube Nationalpark:


Zwei Geparden im Madikwe Game Reserve:


Im "Dead Vlei" im Sossusvlei Nationalpark in Namibia:


Ein Gecko in der Nähe unseres Campingplatzes in Hauchabfontein, Namibia:


Ein Löwenrudel im Okavango Delta:


Flug übers Okavango Delta:


Ein "Roller" im Okavango Delta:


Eine Leopardin im Okonjima Game Reserve, Namibia:


Sonntag, 24. Dezember 2017

Weihnachtsgruß und Jahresrückblick 2017

In diesem Jahr haben wir viel erlebt. Von einigen Erlebnissen haben wir in diesem Blog bereits erzählt, möchten 2017 zum Jahresende hin aber trotzdem noch ein wenig Revue passieren lassen.

Nachdem 2016 im Zeichen des Umzugs nach und der Eingewöhnung in Botswana stand, sind wir dieses Jahr so richtig in Gaborone angekommen, wissen inzwischen, wie unser botswanisches Leben funktioniert und konnten uns einen Freundeskreis aufbauen. Und wir haben uns Zeit genommen, zu reisen und Botswana bzw. das südliche Afrika zu erkunden – ziemlich oft sogar. Mehrmals konnten wir das mit liebem Besuch tun: Angelika und Friedemann, Geno und Ali, Petra sowie Brigitte und Franz (letztere bereits zum zweiten Mal!) haben sich Zeit genommen, bei uns in Gaborone vorbeizuschauen, was uns immens gefreut hat! (Und wir freuen uns natürlich immer über weiteren Besuch!) Aber auch zu zweit und mit hiesigen Freunden waren wir gelegentlich unterwegs und sogar allein sind wir ab und an gereist. Walli hat im Februar im namibischen Damaraland im Rahmen eines Freiwilligenprojekts eine Mauer gebaut, um Wassertanks vor durstigen Wüstenelefanten zu schützen, Philip führten seine Dienstreisen u.a. nach Johannesburg (oft), Windhoek und Eschborn/Feldafing. Er bedauert es, dass sich noch keine Dienstreise nach Mauritius oder die Seychellen ergeben hat – aber auch bei den bisherigen Zielen konnte Walli ihn ein paar Mal begleiten und etwas „First Lady“-Programm absolvieren (allein und selbstorganisiert). Die Stempelsammlung in unseren Pässen wächst (ja ja, als „Expat“ achtet man auf so etwas). Wenn wir mit dem Auto reisen, haben wir seit September nun auch immer einen bequemen Schlafplatz dabei: Nach langem Abwägen haben wir uns ein Dachzelt geleistet, mit dem wir die einsamen Ecken des Landes überhaupt erst bereisen können – und mit dem wir an der ein oder anderen Stelle auch nicht mehr in teuren Lodges übernachten müssen. Neben dem sehr schnellen und einfachen Aufbau hat solch ein Dachzelt eine richtige Matratze und der Nervenkitzel ist, verglichen mit dem Camping in einem Bodenzelt, etwas geringer: Falls ein Raubtier nachts auf dem Campingplatz umherstreift, fühlt man sich doch sicherer. (Dies ist uns jedoch leider(?!) noch nicht passiert.) Apropos Auto fahren: Dass Walli erst 2016 nach vielen Jahren der Abstinenz wieder mit dem Autofahren angefangen hat, merkt man heute gar nicht mehr, sie düst jetzt durch Gaborone und weite Fahrtstrecken können wir uns teilen, das macht die Urlaube deutlich angenehmer (mindestens für Philip).

2017 wurde aber auch gearbeitet. Vor allem von Philip. Er hat mehrere neue Mitarbeiter eingestellt, sich dem Teambuilding gewidmet und zu hören bekommen, dass die Atmosphäre in seinem Projekt mindestens seit 2013 nicht mehr so angenehm gewesen sei. Nachdem er in den letzten Jahren in alle möglichen Länder gereist ist, um Projektfortschrittskontrollen durchzuführen, war er in diesem Jahr erstmals Leiter eines Projekts, das einer Projektfortschrittskontrolle unterzogen wurde. Neue Erfahrungen, die gut gelaufen sind, aber Zeit, Kraft und Mühe gekostet haben. Glücklicherweise war er mit dem Ergebnis recht zufrieden, hat sich aber auch in Demut geübt, denn es ist doch leichter, ein Projekt zu evaluieren als es zu managen ...

Auch Walli hat neue Erfahrungen gesammelt: Von April bis Ende September hat sie bei einer NGO Wirtschaftsunterricht für benachteiligte botswanische Jugendliche und junge Erwachsene gegeben, was ebenfalls mit Herausforderungen verbunden war. Sie hat dabei vermutlich ebenso viel gelernt wie die Jugendlichen (allerdings mehr über die botswanische Denkweise als über Wirtschaft) und hofft, den Unterricht im Februar 2018 mit einer neuen Gruppe fortsetzen zu können. Von August bis September hat sie sich außerdem mit dem Gaboroner Immobilienmarkt beschäftigt und den firmeninternen Mietspiegel der GIZ aktualisiert. Seit Oktober bloggt sie noch mehr als vorher und schreibt unter www.romanregal.de über Literatur – denn ein Tag ohne mindestens ein halbes Buch gelesen zu haben ist für sie mittlerweile ein schlechter Tag. Ansonsten frischt sie ihr Französisch in einem Kurs beim französischen Kulturinstitut auf und widmet sich der Organisation des alltäglichen Lebens, von A wie Automechaniker rufen bis Z wie Zahltag von Haushaltshilfe und Gärtner. Über Langeweile können wir uns also beide nach wie vor nicht beklagen und gehen davon aus, dass das auch 2018 so bleiben wird.

Nicht immer ist es einfach, so weit weg von Deutschland im Ausland zu leben. Das gilt nicht nur (aber natürlich auch), wenn wir uns wie so häufig mal wieder wünschen würden, Euch, unsere Freunde und Familie, öfters sehen zu können. Dieses Jahr war die große Entfernung für uns besonders schwierig, als es Philips Vater gesundheitlich sehr schlecht ging; wir sind froh, dass sein Zustand inzwischen stabiler ist und er sich zumindest etwas Lebensqualität zurückerobern konnte.

Was wird wohl im nächsten Jahr passieren? Philip wird sein momentanes Projekt zu Ende bringen und ein Folgeprojekt starten. Walli plant, Vorlesepatin für zwei Kinder von Philips Kollegen zu werden, damit diese mehr deutsch hören und sprechen. Ein verlängertes Wochenende in Kapstadt ist für Januar geplant, die südafrikanische Garden Route wird hoffentlich im März erkundet. Kleine Berichte aus unserem Alltag, Bilder von unseren Reisen und was es sonst noch Neues gibt, werdet Ihr weiterhin hier auf unserem Blog finden.

Wir wünschen Euch frohe Weihnachten und einen guten Rutsch in ein glückliches und gesundes 2018! Und freuen uns, die Feiertage in Deutschland zu verbringen – auch wenn die Zeit mal wieder zu schnell vergehen wird, aber das tun Urlaube ja meistens und Heimaturlaube sind da keine Ausnahme, im Gegenteil. Wie schon bei den letzten Heimaturlauben werden wir wohl auch diesmal leider nicht genügend Zeit haben, alle lieben Menschen zu sehen, die wir gerne sehen würden; müssen dafür aber Besuche bei Zahnarzt, Optiker und Friseur einplanen … Wir hoffen dennoch auf ein baldiges Wiedersehen mit möglichst vielen von Euch – oder dass wir zumindest mal wieder mit Euch sprechen können, sei es via Telefon, Skype oder WhatsApp. Nur die Post von und nach Botswana können wir Euch als Kommunikationsmittel mit uns weiterhin nicht ans Herz legen, denn die befördert Postkarten, Briefe oder Päckchen auch gerne mal länger als sechs Monate.

Schöne Feiertage und alles Liebe!

Samstag, 22. April 2017

Der erste Jahrestag - Vol. 2

Als wir am Ostermontag am Johannesburger Flughafen waren, um unsere Rückreise nach Gaborone anzutreten, wurde mir für einen kurzen Moment ganz nostalgisch zumute. Als wir nämlich die Abflughalle mit den Gates für die Flüge in die afrikanischen Nachbarländer betraten, fiel mir wieder ein, dass ich da am 22.04.2016 schon einmal mehrere Stunden gesessen hatte. Dass dann allerdings unser Flug nach Gaborone gestrichen wurde – genau wie damals – hätte es nicht gebraucht, Nostalgie hin oder her.

Nachdem Philips Jahrestag nun schon fast sechs Wochen zurückliegt, bin ich heute auf den Tag genau ein Jahr in Gaborone. Wahnsinn! Insbesondere die letzten paar Monate sind schnell vergangen. Überhaupt stellte der Jahreswechsel 2016/2017 für mich eine Zäsur dar: Ich nahm an, nach unserem schönen Heimaturlaub in Deutschland würde die Wiedereingewöhnung in Gaborone schwierig werden, aber das Gegenteil war der Fall. Irgendwie war Gaborone doch „Zuhause“ geworden, ohne dass mir das zuvor so richtig bewusst geworden wäre.

In den letzten zwölf Monaten gab es einige Höhen und Tiefen. Zu letzteren gehörte der (inzwischen eingeschlafene) „Deutsche Stammtisch“, bei dem mir nach meiner ersten Woche in Gaborone von zwei anderen MAPs Fitnessstudio oder Golfspiel als meine zwei einzigen Beschäftigungsalternativen vorgestellt wurden. (Ich spiele übrigens nach wie vor kein Golf. Mitglieder im Fitnessstudio sind wir allerdings geworden.) Da war der Stromausfall im Juni oder Juli, als Philip in Swasiland auf Dienstreise war und mir klar wurde, dass ich in diesem Land niemanden so gut kannte, dass ich ihn um Hilfe hätte bitten können. Und auch sonst gab es immer wieder Momente, in denen ich mir ziemlich alleingelassen vorkam.
Aber dann ging es langsam aufwärts. Ein Meilenstein war sicher, als ich auf dem Botschafts-Empfang zum Tag der Deutschen Einheit Heidi kennenlernte, mit der ich mich dann recht schnell anfreundete und die viele Erfahrungen mit mir teilte. Ein paar Wochen später lernte ich mit Ruth eine zweite MAP kennen, mit der ich mich sehr gut verstand, traf mich ab und zu mit unserer Nachbarin, bekam jemanden vorgestellt, der bei einer NGO arbeitete – plötzlich flutschte es. Anfangs hatte ich das Gefühl, dass wir uns viel Mühe gaben, Leute kennenzulernen, ohne dass sich daraus irgendetwas ergeben hätte – und irgendwann gaben wir uns dann nicht mehr so viel Mühe und es funktionierte plötzlich.

Highlights waren und sind natürlich immer unsere Reisen (auch gerne mit Besuchern - auch unsere Besuche aus Deutschland waren für mich Höhepunkte!). Ich habe das südliche Afrika liebgewonnen - nicht nur Botswana, auch Südafrika und Namibia, obwohl ich von beiden Ländern bislang nur Bruchteile gesehen habe. An fast immer blauen Himmel mit Sonnenschein kann man sich ebenfalls gut gewöhnen.
Ansonsten hat sich mein Englisch in diesem Jahr sehr verbessert. Ich habe Autofahren gelernt, organisiere unser tägliches Leben und bin in mehreren Internet-Buchcommunities aktiv. Was ich nach wie vor vermisse sind Familie, Freunde, Kollegen und meine Arbeit. Aber Kontakte lassen sich dank E-Mails, Skype, WhatsApp und Threema auch über 10.000 km hinweg pflegen - das hat mich in den ersten Wochen hier gerettet. Ich habe nie das Gefühl gehabt, dass Philip und ich „aus den Augen, aus dem Sinn“ sind; viele Freundschaften ließen sich trotz der Entfernung ganz unkompliziert weiterführen. Ich bin immens dankbar dafür. Und unsere Eltern hatten und haben sowieso immer ein offenes Ohr.

Und so kann ich sagen: Nach einem etwas holprigen Start bin ich inzwischen ganz zufrieden hier. Wir wissen noch nicht, wie lange wir insgesamt in Gaborone bleiben werden. Aber ich kann die Zeit hier im Großen und Ganzen genießen und sehe es bereits kommen, dass ich Gaborone irgendwann einmal vermissen werde. Carpe diem!

Mittwoch, 15. März 2017

Schon wieder ein Rückblick: Jahrestag

Es ist kaum zu glauben - nun bin ich schon ein Jahr hier. Dabei fühlt es sich doch fast an, als ob ich erst gestern den Eintrag zu einem Monat in Botswana geschrieben hätte.

Es fällt mir schwer, ein (Zwischen-)Fazit aufzuschreiben. Erwartungsgemäß ist vieles, was anfangs ungewohnt war, mittlerweile Alltag und so normal, dass ich es hier schon gar nicht mehr für erwähnenswert halte (wie z.B. der Linksverkehr); an andere Dinge werde ich mich dagegen nicht so schnell gewöhnen (wie z.B. wirklich alles mit dem Auto zu machen und so wenig Bewegung zu bekommen).

Es hat lange gedauert, bis ich das Gefühl hatte, hier angekommen zu sein. Die ersten fünf Wochen war ich ohne Walli hier, dann hat es noch weitere zwei bis drei Wochen gedauert, bis der Container angekommen ist und unser Häuschen eingerichtet war. Es ist uns für mich überraschend schwer gefallen, hier Leute kennenzulernen. Eine deutsche "Community", wie ich sie aus Ghana kannte, gab und gibt es hier eher nicht - warum, das habe ich bis heute nicht richtig herausgefunden (zu wenig Deutsche im Land? Irgendwelche Vorfälle unter den Kollegen in der Vergangenheit?). Es hat eine Weile gedauert, aber mittlerweile haben wir hier gute Bekannte, mit denen wir uns gelegentlich treffen. Und in der Zwischenzeit haben wir abends viele Serien und Filme geschaut, sind gelegentlich ins Kino gegangen - und haben eifrig Blogeinträge geschrieben.
Ansonsten lässt es sich hier eigentlich recht gut leben. Durch die Nähe zur Grenze mit Südafrika sind viele südafrikanische Supermarktketten hier (auch eine botswanische Kette gibt es) und die Versorgungslage mit Lebensmitteln und anderen Artikeln des täglichen Bedarfs ist gut - ungleich besser als sie es bei meinem Aufenthalt in Ghana 2006 bis 2008 war. Und mehrere Kinos des gleichen Betreibers gibt es auch, in denen wir zwar kein Programmkino sehen können, aber doch einige Hollywoodfilme (wobei sie sich hier auf Science Fiction und Horror spezialisiert zu haben scheinen, was nicht wirklich unser Genre ist). Unsere Wohnsituation ist für unsere Verhältnisse luxuriös, um unser gut geschnittenes Haus mit seinem hübschen, pflegeleichten Garten werden wir von manchen Kollegen (bzw. der Frau meines Chefs!) beneidet. Unsere Frankfurter Wohnung, die wir so geliebt haben, wird uns möglicherweise irgendwann beengt vorkommen.

Nicht zu vergessen sind natürlich auch unsere Urlaube: Wir hatten das Privileg, hier schon fantastische Reisen machen zu können, an die wir gerne zurückdenken. Wenn die schönsten Destinationen nur nicht so weit weg wären! Ein paar mehr Ziele für Wochenend-Trips wären noch schön zu entdecken.

Im Job bin ich anfangs ziemlich ins kalte Wasser geworfen worden, es gab einiges aufzuarbeiten und für mich zu lernen. Bis heute würde ich sagen, dass ich (im Guten wie im Schlechten) noch keine Routine habe: (fast) jeder Tag ist aufs Neue spannend. Mein Chef scheint zufrieden mit meiner Arbeit zu sein, das Projekt ist auf einem halbwegs guten Weg, seine Ziele zu erreichen - was will man mehr?

Manchmal war es im vergangenen Jahr einfach nur doof, so weit weg von Deutschland und damit von Familie und Freunden zu sein; umso schöner, dass ich das ein oder andere Mal Gelegenheit hatte, dienstlich (und über Weihnachten privat) die Heimat zu besuchen und so den einen oder anderen zu sehen (leider nicht alle!).

Nun bin ich gespannt, was Jahr zwei in Botswana bringen mag. Auf geht's!

Freitag, 30. Dezember 2016

Ein Jahresrückblick in Bildern

2016 neigt sich seinem Ende zu und überall sieht, liest und hört man Jahresrückblicke. Bei uns hat sich in den letzten 12 Monaten auch viel getan - zuviel, um es nochmal schriftlich Revue passieren zu lassen. Deswegen haben wir uns für eine andere Form des Rückblicks entschieden. Ein paar Familienmitgliedern haben wir zu Weihnachten einen Kalender für 2017 geschenkt mit unseren schönsten Bildern des letzten Jahres. Diesen "Jahresrückblick in Bildern" veröffentlichen wir für Euch auch hier. Bei der Fülle an Fotos war es extrem schwierig, 13 Bilder auszuwählen (eins pro Monat und noch ein zusätzliches für das Kalender-Titelblatt). Die treuen Leser unseres Blogs werden das ein oder andere vermutlich wiedererkennen.

Ein Baobab-Baum an der Planet Baobab Lodge:


Ein Pavian im Tuli-Block im Osten Botswanas (Teil 1, Teil 2):


Eine Leopardin im Okavango-Delta:


Antilopen an einem Wasserloch im Khama Rhino Sanctuary:


Büffel im Chobe-Nationalpark:


Zebras im Okavango-Delta:


Junge neugierige Hyänen im Tuli-Block im Osten Botswanas (Teil 1, Teil 2):


Blick aus einem Kleinstflugzeug über dem Okavango-Delta:


Eine Löwin im Okavango-Delta:


Ein Erdmännchen am Rande der Makgadikgadi Pans:


Ein Elefant im Chobe Nationalpark:


Ein Spitzmaulnashorn trinkt lässig aus dem Pool im Khama Rhino Sanctuary:


Die Victoriafälle:


Damit bleibt uns nur noch, Euch alles Gute für 2017 zu wünschen!

Montag, 5. Dezember 2016

Wir wünschen einen frohen Nikolaus!

Wir denken an unsere frierenden Leser zu diesem Nikolaus! Der Pool hat bei 40°C tatsächlich Abkühlung gebracht! Und wir versuchen, uns schon einmal ein wenig in Weihnachtsstimmung zu bringen.

Viele Grüße
Walli und Philip