Montag, 30. Juli 2018

Star gazing

In den vergangenen Jahren waren wir immer mal wieder im nahgelegenen Mokolodi Nature Reserve. Wir sind dort schon Mountainbike gefahren, besuchen oft unser Lieblingsrestaurant, ich habe dort Tagungen abgehalten und auch sonst werden manchmal nette Veranstaltungen angeboten (wie z.B. das Weihnachtsliedersingen).
Für vergangenen Freitag hatten wir uns zu einem "star gazing" angemeldet. (Klingt "star gazing" nicht viel netter als "Sterne gucken"?) Zugegeben, wir meldeten uns erst zwei Tage vorher an, obwohl das Event schon eine Weile beworben wurde. Sonst sind kurzfristige Anmeldungen kein Problem in Mokolodi - diesmal waren sie es schon. Nur weil andere abgesagt hatten, bekamen wir überhaupt noch einen Platz. Wir hatten uns unwissentlich zu einem der größten Fundraising Events des privaten Naturschutzgebiets angemeldet.
Mit Safarifahrzeugen wurden wir in Gruppen in den Busch gefahren - außer uns noch ca. 250 weitere Gäste! Dort waren auf einer Lichtung Tische und Stühle aufgebaut, außerdem ein Beamer und eine Leinwand. Wir kamen kurz vor Einbruch der Dunkelheit an, d.h. um kurz vor 18 Uhr.


Dann gab es erst einmal etwas zu essen. Ein nicht mehr ganz junges britisches Ehepaar führte durch den Abend und erklärte die Sterne. Sie machen das wohl regelmäßig in Mokolodi, d.h. mindestens einmal jährlich. Sonst findet das "star gazing" allerdings nicht an einem Vollmondabend statt, sondern nur, wenn kein Mond zu sehen ist. Dank der klaren Luft und der nur geringen Luftverschmutzung aus Richtung Gaborone (ca. 10 km hinter Hügeln) konnten wir jedoch trotz des Vollmonds immerhin fünf Planeten erkennen: Venus, Jupiter, Saturn, Mars und Zwergplaneten Pluto. Merkur hätten wir wohl auch noch sehen können, wenn man ihn uns rechtzeitig gezeigt hätte, doch er war zum Zeitpunkt des Vortrags bereits untergegangen. Aufgrund des hellen Mondes waren viele weitere Sterne noch nicht zu sehen.
Nach einiger Zeit begann dann die angekündigte Mondfinsternis mit ihrem Blutmond: Zunächst ahnten wir nur, dass eine Ecke sich verdunkelte, dann wurde die Verdunklung immer deutlicher, schließlich blieb nur eine Sichel des Mondes - und dann war er ganz rot. Begleitet wurde die Mondfinsternis von dem sich an diesem Abend ganz in der Nähe des Mondes befindenden Mars, der auch der Erde derzeit so nah wie zuletzt vor 15 Jahren steht.


Spätestens jetzt war der Sternhimmel in seiner vollen Pracht zu sehen: Die Milchstraße durchzog den Himmel wie ein Band, und weitere Sternzeichen wurden uns gezeigt. Praktischerweise verwendeten unsere Präsentatoren einen lichtstarken Laserpointer. Hier zeigen sie übrigens gerade auf das "Kreuz des Südens" (liegend):


Manche Sternbilder oder Nebel waren trotz des fantastischen Sternhimmels schwer zu erkennen und viele der astronomischen Erklärungen auch nicht einfach nachzuvollziehen. Ein Astronom einer britischen Uni, der gerade in Botswana weilt, hielt noch einen kurzen Fachvortag. Man will in den nächsten Jahren offenbar eine Sternwarte für wissenschaftliche Forschung in Botswana bauen, schon jetzt wurde ein astronomischer Verein gegründet, für den Mitglieder gesucht werden (ob dessen Mitgliedsbeiträge auch astronomisch sind? - sorry, konnte ich mir nicht verkneifen).


Nach Eintritt der vollen Verdunklung blieben wir noch kurz, während die meisten anderen Gäste schon wieder mit den Safariautos zum Ausgang gebracht wurden. Walli stellte sich ans gerade entzündete Lagerfeuer, während ich noch ein wenig fotografierte.


Doch mehr als viereinhalb Stunden in der winterlichen Kälte forderten ihren Tribut. Glücklicherweise war es in den letzten Tagen schon wieder ein bis zwei Grad wärmer als zuvor. Wir waren ja vorbereitet mit Strumpfhosen, Winterstiefeln, dicker Winterjacke und Mütze, aber irgendwann wurde es uns dennoch zu kalt und auch wir fuhren zurück. Noch ein schneller letzter Blick aus dem Garten unseres Hauses auf die MoFi und den Mars, dann befüllten wir unsere Wärmflaschen mit heißem Wasser und vertrauten darauf, dass der Mond auch ohne unser Beisein wieder aus dem Erdschatten hervortreten würde.

Donnerstag, 26. Juli 2018

Vom Elefanten geküsst

Kürzlich hatten wir ein verlängertes Wochenende - "President's Day" -, und das nutzten wir für einen Ausflug. Hier ist weiterhin Winter, und unser nicht isoliertes und de facto nicht heizbares Haus war uns einfach zu kalt. Was lag da näher als ein kleiner Ausflug nach Südafrika? 
Eines unserer Ziele war ein "Elephant Sanctuary". Das nimmt wohl Elefanten auf, die nicht dort bleiben können, wo sie sind, und päppelt sie dann auf, um sie anschließend wieder in privaten Game Reserves auszuwildern. Das vermuten wir zumindest, denn wirklich viel zum eigentlich Schutzgebiet wurde uns leider nicht erzählt. Wir waren anfangs auch nur wenig begeistert, als wir vier Elefanten auf zwei Koppeln herumstehen sahen - ein etwas deprimierendes Bild. 
In diesem Schutzgebiet wird mit den Elefanten "gearbeitet", d.h. man versucht sie mit Futter zu belohnen und so gewünschtes Verhalten herzustellen. Da Elefanten am Tag 16 bis 20 Stunden mit Fressen beschäftigt sind und dabei 200 bis 300 kg Futter aufnehmen, sind sie immer an Essbarem interessiert. Bei manchen klappt das Trainieren schneller als bei anderen, häufig davon abhängig, wie traumatisiert die Elefanten dort ankommen.
Zwei der Elefanten wurden schließlich auf einen kleinen Platz bzw. eine Lichtung geführt, bekamen Futter auf den Boden gestreut - und dann durften wir Touris zu ihnen und sie anfassen, jeweils in Zweiergruppen und unter Aufsicht und Anleitung eines Elefantenpflegers.


Die lederige Elefenatenhaut war toll anzufassen - und anders als ich erwartet hatte auch recht warm. Die Borsten des Schwanzes fühlten sich richtiggehend drahtig an. Und als unser Elefant dann den Rüssel hochnehmen sollte, durften wir auch in sein Maul schauen.


Sechs Mal erneuern sich die Kauleisten eines Elefanten während seines Lebens. Wenn die sechste Kauleiste verbraucht ist, verbringen die Elefanten - sofern ihr Lebensraum das möglich macht - viel Zeit am Ufer von Flüssen und Seen, wo sie weichere, leichter verdaubare Gräser fressen. Irgendwann sterben sie dann, weil sie letztlich keine Nahrung mehr kauen können und so verhungern. Dieser Elefant war allerdings erst 17 Jahre alt und hat hoffentlich noch ein langes Leben vor sich!
Schließlich wurden wir auch noch vom Elefanten geküsst. Eine feucht-fröhliche Erfahrung. Glücklicherweise war ein Waschbecken mit Wasser nicht weit ... Aus Diskretionsgründen wurde wohl bei diesem Bild nicht weiter herangezoomt: 


Ein wenig später durften wir noch die zwei anderen Elefanten füttern: Mit beiden Händen eine Schüssel formen, in einem Eimer voll Futterpellets die Hände voll machen, dann über dem Rüssel ausschütten. Die Elefanten hat's sichtlich gefreut, sie waren richtige Nimmersatts. 


Zum Abschluss gingen wir dann noch je mit einem Elefanten auf der Koppel spazieren. Mit der Hand am Rüssel ließen sich die Elefanten herumführen und wurden anschließend mit einer Möhre oder Orange belohnt. 


Es ist eine irre Erfahrung, so auf Tuchfühlung mit diesen riesigen, sanften Tieren zu gehen, sie anzufassen, zu streicheln und zu füttern. Wir hatten natürlich eine Menge Respekt vor ihnen - was hätte ein Rüsselschlag oder ein Tritt mit ihren Füßen anrichten können! Es war auf jeden Fall noch einmal ein ganz anderes Erlebnis als das Beobachten der Tiere während einer Safari. Wie das "Elephant Sanctuary" nun wirklich arbeitet, hat sich uns nicht erschlossen. Deutlich wurde, dass sie sich stark über die Eintrittsgelder der Touristen finanzieren - wenn sie dadurch einerseits ein paar Elefanten aus prekärem Umfeld retten können und andererseits Touristen die Lebewesen Elefanten näher bringen können, dann kann es doch keine ganz schlechte Einrichtung sein?

Montag, 23. Juli 2018

Der Bank-run

Eine Alltagsfrage, die uns monatlich beschäftigt, ist wie wir das Geld für unsere Miete zusammenkratzen. Das liegt nicht (nur) daran, dass wir hier gelegentlich Ausflüge / Urlaube machen. Ich bekomme mein Gehalt in Deutschland auf mein deutsches Konto; die Miete, das Fitnessstudio, die Gartenabfallentsorgung etc. wollen aber in Pula gezahlt werden. Dafür eröffnete ich bereits zu Beginn unserer Zeit hier ein Bankkonto. Das kostet umgerechnet ca. 22,60 EUR "Managementgebühr" pro Monat, Überweisungsgebühren noch nicht eingerechnet.
 
Um Teile meines Gehalts nach Botswana zu bekommen, könnte ich gelegentlich Geld von unserem deutschen Konto hierher überweisen. Das macht allerdings wenig Spaß. Zunächst muss ich ein Formular der deutschen Bank ausfüllen (online geht eine solche Überweisung nicht), dieses an die Bank mailen und dann dauert es ca. eine Woche, bis das Geld auf dem botswanischen Konto ist. Die Überweisungskosten betragen ca. 24 EUR pro Überweisung, außerdem gibt es einen unverschämt schlechten Wechselkurs; es heißt, dass das Geld von Euro zunächst in südafrikanische Rand umgerechnet wird, dann in botswanische Pula - jeweils mit Marge für die Bank. 
Mir war schnell klar, dass ich das möglichst nicht regelmäßig machen möchte. Immerhin: Im Alltag ist das Bezahlen in Botswana stärker digitalisiert als in Deutschland, auch kleine Beträge werden hier selbstverständlich mit Kreditkarte abgerechnet. (Auf einem Markt in Südafrika konnte man sogar gleich per App bezahlt, das hatten wir in Deutschland vor unserer Ausreise so auch noch nicht gesehen.) Dank der günstigen deutschen Bank zahlen wir auch kein Auslandseinsatzentgelt, wenn wir unsere Kreditkarten hier nutzen. Und so brauchen wir Bargeld fast nur für Trinkgelder, um Sam und Patricia monatlich zu bezahlen und für die Gartenwasserbestellung.

Um Geld auf unser botswanisches Konto zu schaufeln, heben wir Geld am Geldautomaten ab und zahlen es anschließend in unserer hiesigen Hausbank ein. Das war bis vor ein paar Monaten relativ einfach, wir wussten, dass der Geldautomat unserer Bank vergleichsweise hohe Beträge ausspuckte, so dass wir vor dem Gebäude abheben und dann ins Gebäude zur Einzahlung gehen konnten. Zu berücksichtigen war (und ist) nur, dass vor fast allen Geldautomaten in Gaborone um den Monatswechsel (also nach dem "pay day") lange Schlangen sind, wenn sich viele Angestellte ihr Gehalt (teilweise) auszahlen lassen wollen. So machen wir unseren "Bank-run" meist schon Mitte des Monats, an einem Samstagmorgen. 
Mittlerweile schlägt unsere Bank - wie zunehmend auch andere Banken - jedoch auf Abhebungen mit Kreditkarten anderer Banken eigene Gebühren drauf, die wir gerne vermeiden würden. Wir suchen uns nun also Geldautomaten, bei denen keine Gebühren aufgeschlagen werden - diese geben leider jedoch nicht so viel auf einmal aus bzw. in kleineren Stückelungen. Wenn wir jetzt also wissen, dass wir samstags unseren bank-run machen wollen, beginnen wir häufig schon unter der Woche, Geld abzuheben. 
Am Samstagmorgen wird dann zu Hause das Geld sortiert und gezählt - und für einen Moment können wir uns dann ein wenig wie Dagobert Duck fühlen. Der größte Geldschein in Botswana hat einen Wert von 200 Pula, das sind derzeitig ca. 16,60 EUR. Oft spucken die Automaten auch noch kleinere Scheine aus - wenn wir das Geld für die Miete etc. abheben müssen, kommen also eine ganze Menge Geldscheine zusammen ...


Meine gefühlte Sicherheitslage sieht dann doch so aus, dass ich mich jedes Mal erleichtert fühle, wenn das Geld endlich auf dem hiesigen Konto eingezahlt ist. Vielleicht sollten wir doch einmal überlegen, ob es das ganze Gebühren-Vermeiden wert ist, dass wir einmal monatlich samstagmorgens unseren Bank-run machen. 

Freitag, 20. Juli 2018

Das hätte ich jetzt nicht noch gebraucht.

Eine Kollegin von Philip, mit deren siebenjähriger Tochter ich einmal pro Woche unter anderem Schreibschrift übe, sagte gestern diesen Satz zu mir: "Das hätte ich jetzt nicht noch gebraucht". Sie bereitet momentan ihre Ausreise nach Deutschland vor und versucht, vorher einiges an Möbeln sowie ihr Auto zu verkaufen. Ein Kaufinteressent war vor ein paar Tagen bei ihr und als er wieder abfahren wollte, schloss sich ihr elektrisches Tor ungeplant, gleich nachdem es aufgegangen war - und rammte dabei sein Auto. Sarah wird den Schaden wohl bezahlen - und hätte das jetzt eben nicht auch noch gebraucht, was ich bestens nachvollziehen konnte.

Mindestens gedacht hatte ich diesen Satz gestern aber auch schon. Unser Elektrozaun wurde vormittags repariert. Die Firma Manase ("the best erections in Botswana") war seit Mitte letzter Woche bereits zum dritten Mal da, was bedeutet, dass ich nicht nur mit den Mitarbeitern schon mehrere Telefonate geführt und Mailwechsel getätigt hatte, sondern auch mit unserem Vermieter in Whats App-Kontakt stand, wir außerdem zwei Vorauszahlungen machen mussten und ich drei halbe Tage zwangsläufig zu Hause geblieben war. Kurz: Es war nervig, aber seit der gestrigen Reparatur scheint der Elektrozaun wieder planmäßig seinen Dienst zu tun. Die Freude währte nur kurz - nachdem ich die Handwerker verabschiedet hatte, stellte ich fest, dass unser Internet nicht mehr ging. Das kann ja mal vorkommen und meist funktioniert es irgendwann von alleine wieder (den hier nachzulesenden Ausnahmefall versuche ich erfolgreich aus meinem Gedächtnis zu verdrängen). Als nächstes rief mich unser Gärtner in den Garten, da er den begründeten Verdacht hat, dass unser Pool mal wieder leckt und nun auch nasse Erde entdeckt hatte. Und spätestens da war es dann Zeit für mein gedankliches "Das hätte ich jetzt nicht noch gebraucht."

Kurz überlegte ich, Thomas zu WhatsAppen, dem Mann einer ehemaligen Botschaftsmitarbeiterin. Er und seine Familie sind diese Woche nach drei Jahren Botswana zurück nach Deutschland ausgereist. In Sachen Reparaturen konnte man eigentlich darauf vertrauen, dass Thomas immer noch eine schlimmere Geschichte auf Lager hatte. Ein paar Tage nachdem seine Familie 2015 ihr Haus hier bezogen hatte, schlug der Blitz dort ein und zerstörte gleich mehrere elektrische Geräte und Einrichtungen und so erlebte er gleich zu Beginn seiner Zeit hier mit allen möglichen Handwerkern alles Mögliche. Andererseits hätte mir Thomas aus der Ferne vermutlich nur die drei Buchstaben TiB zur Aufmunterung zugeworfen - "This is Botswana". Ich habe das Pool-Problem nun erstmal auf nächste Woche verschoben. Vertagen und aufschieben ist immerhin auch ziemlich botswanisch, so gesehen passe ich mich damit ganz gut an die hiesigen Gegebenheiten an.

Freitag, 13. Juli 2018

Gefühlt unsicher

Die Umfragefirma Gallup hat kürzlich eine Umfrage in 182 Ländern durchgeführt und nach der "gefühlten Sicherheit" gefragt: Traut man sich z.B., nachts alleine über die Straße zu gehen?, Wurde man im letzten Jahr überfallen?, etc.
Botswana hat in dieser Umfrage, nun ja, nicht allzu gut abgeschnitten. Es landete unter den zehn Ländern mit dem schlechtesten Ergebnis weltweit (genauer gesagt auf dem neuntletzten Platz). In Afrika fühlen sich die Leute nur noch in Südafrika, Gabon und im Südsudan unsicherer.
Das ist schon ein bemerkenswertes Ergebnis. Es ist wohl so, dass die Kriminalitätsrate hier in den letzten Jahren angestiegen ist, und Botswana zählt neben Südafrika zu einem der Länder mit der weltweit höchsten Ungleichheit (gemessen am Gini-Koeffizienten). Klar wurde uns schon zu Beginn unserer Zeit hier gesagt, dass wir bei Dunkelheit nicht mehr zu Fuß unterwegs sein sollten; meines Wissens nach gibt es hier allerdings trotzdem nicht so viele Überfälle wie in anderen (afrikanischen) Ländern.
So sagt der Index auch weniger etwas über die tatsächliche Kriminalitätsrate aus, als vielmehr über die gefühlte Kriminalitätsrate. Und die ist in Botswana offenbar sehr hoch. Mich wundert es nicht, dass das Gefühl so stark ist. Hatte ich schon einmal geschrieben, dass der typische Batswana die AFD wählen würde, wenn er oder sie könnte? Hier herrscht jedenfalls häufig eine rechtspopulistische Stimmung - und eines der Merkmale rechtspopulistischer Parteien ist ja das Schüren von gefühlten Sicherheitsrisiken. Kein Wunder, dass man sich dann hier irgendwann unsicher fühlt.
Das gefühlt unsicherste Land der Welt ist offenbar übrigens Venezuela, dicht gefolgt von Afghanistan. Und Deutschland fühlt sich auf Platz 31 - von oben. Das gefühlt sicherste Land ist Singapur.

Dienstag, 10. Juli 2018

Happy Holidays

In Deutschland gibt es neun bundeseinheitliche Feiertage, die meisten Bundesländer haben jedoch mehr. Spitzenreiter ist Bayern mit 14 Feiertagen im Jahr. Botswana kann auf den ersten Blick nicht mit den Bajuwaren mithalten, hier gibt es elf Feiertage im Jahr. Allerdings hat Botswana einen sehr arbeitnehmerfreundlichen Vorteil: Feiertage, die auf einen Sonntag fallen, haben einen freien Montag zur Folge. So war zum Beispiel am Sonntag, den 1. Juli, der Sir Seretse Khama Day zum Gedenken an den Geburtstag des ersten botswanischen Präsidenten, was uns ein langes Wochenende bescherte.


Das nächste Wochenende ist sogar noch länger, wobei mir nicht ganz klar ist, wieso: Am Montag, den 16. Juli ist President's Day, an den sich am 17. Juli noch ein namenloser "public holiday" anschließt. Auf meiner Recherche, wieso das so ist, fand ich folgende Erklärung: Wenn bestimmte Feiertage auf einen Montag fallen, ist der Dienstag auch noch frei. Den Sinn hinter dieser Regel versuche ich noch zu verstehen, aber in jedem Fall profitieren wir Anfang nächster Woche davon und haben gerade unseren nächsten Kurztrip nach Südafrika geplant. Mit all diesen extra freien Tagen im Nachklapp zu den richtigen Feiertagen kommt Botswana dieses Jahr auf insgesamt 17 sogenannte "public holidays" - womit es auch die Bayern überholt hat.

Die meisten Feiertage hat Botswana mit Deutschland gemein: Neujahr, Karfreitag, Ostermontag, Tag der Arbeit, Christi Himmelfahrt sowie den Ersten und Zweiten Weihnachtsfeiertag. Hinzu kommen neben dem Sir Seretse Khama Day noch der allgemeine President's Day und der 30. September als Nationalfeiertag bzw. Independence Day - am 30. September 1966 wurde aus dem britischen Protektorat Bechuanaland die unabhängige Republik Botswana. Dieses Jahr gab es außerdem einen spontanen Feiertag: Zum Amtswechsel von Präsident Ian Khama und seinem Nachfolger Mokgweetsi Masisi wurde der Bevölkerung ein extra Urlaubstag beschert. Masisi ist seit dem 1. April im Amt - Ostersonntag. Irgendwann im März wurde dann angekündigt, dass zur Feier des Ganzen nicht nur der reguläre Ostermontag, sondern auch der Osterdienstag ein freier Tag sei. Man muss die Feste feiern, wie sie fallen!

Dienstag, 3. Juli 2018

Im Archiv

Bereits letztes Jahr war ich von GIZ-Seite für einen Minijob engagiert worden: Im September 2017 habe ich den firmeninternen Mietspiegel für Gaborone aktualisiert und neu organisiert. Meine Version wird inzwischen sogar von der Deutschen Botschaft hier verwendet - ein schöner Erfolg. Und so reagierte ich ganz aufgeschlossen, als mir ein neuer Minijob angeboten wurde: Das Sortieren des hiesigen Firmenarchivs, das gleichzeitig zu großen Teilen für den Versand nach Deutschland vorbereitet werden soll.
Als ich zusagte, war ich noch mit den Vorbereitungen des Kunsthandwerksmarkts beschäftigt und ständig mit irgendwelchen Leuten in Kontakt, die Stände buchen wollten. Eine einsame Beschäftigung mit Akten - und ohne Menschen - kam mir damals ganz reizvoll vor. Ich habe außerdem die Bedingung gestellt, nicht im Archiv selbst arbeiten zu müssen - das sogenannte Archiv ist nämlich ein schlauchartiger Raum mit Schummerlicht in der Tiefgarage, der neben Akten u.a. mit kaputten Möbeln, leeren Tonerpatronen und verstaubter Weihnachtsdeko vollgerümpelt ist. Statt mich dorthin zu setzen, darf ich den Konferenzraum in Beschlag nehmen (sofern keine Meetings anberaumt sind) und zwei der GIZ-Fahrer tragen mir die Kartons mit den Akten nach Wunsch aus dem Archiv in den Konferenzraum und wieder zurück. Die Rezeptionistin ist gebeten worden, mir behilflich zu sein und druckt und schneidet die neuen Aktenlabel aus, die ich ihr maile. Es läuft alles ganz gut - nur leider langsamer als gedacht. Meine Aufgabe besteht darin, jeden einzelnen Ordner zu sichten und ihm ein neues Etikett zu verpassen, sofern das alte ungenügend ist. Die Akten sollen nämlich ins GIZ-Zentralarchiv nach Eschborn geschickt werden. Die Mitarbeiter des Zentralarchivs scheinen zum Teil ungute Erfahrungen mit ihren Auslandskollegen gemacht zu haben, sie haben unter anderem einen Imagefilm gedreht, in dem genaustens erklärt wird, welche "Do's and Don'ts" bei Aktenvorbereitung und -versand zu beachten sind. Und sie wollen vorab Fotos der Akten, die ihnen geschickt werden sollen. Unter anderem wird kontrolliert, dass das Land, aus dem die Akten kommen auf dem jeweiligen Ordnerlabel vermerkt ist. Wenn man bedenkt, in wie vielen Ländern die GIZ tätig ist, ist das auch sehr sinnvoll. Andererseits kann man auch nachvollziehen, dass die GIZ-Mitarbeiter in Botswana offensichtlich keinen Drang verspüren, "Botswana" auf ihre Ordner zu schreiben - ihnen ist ja klar, dass sie hier sind. Was das bedeutet: Bisher war auf genau sechs Ordnern das Land vermerkt. Auf den übrigen ca. 250 dagegen nicht. Daher muss ich so gut wie sämtliche Labels neu schreiben. Einige kann ich einfach abtippen und "Botswana" ergänzen, auf anderen fehlen aber noch mehr der erforderlichen Informationen. Einige Ordner müssen außerdem umsortiert werden, weil sie Informationen zu mehr als einem Projekt beinhalten. Kurz: Das Ganze ist zeitaufwändig.

Geplant war eigentlich, dass ich im Laufe des Junis um die fünf komplette Arbeitstage ins Archiv stecken würde und dann alles fertig wäre. Inzwischen bin ich bei bald neun Tagen (was in der Realität bedeutet, das ich ungefähr 18 halbe Tage da war), der Juni ist rum und versandfertig ist noch gar nichts. Mein Vertrag wurde daher kurzerhand bis Ende Juli verlängert. Außerdem machte man mir ein Angebot, das ich angesichts der Lage im Archiv nicht wirklich ablehnen konnte: Eine Schülerpraktikantin. Jasmine ist die Tochter eines Deutschen und einer Motswana. Sie ist in Gaborone aufgewachsen und wird ab September ein Freiwilliges Soziales Jahr in Deutschland beginnen. Ihr Vater hat den Wunsch, dass sie bis dahin mehr deutsch spricht und hatte kurzerhand die Idee, sie bei der GIZ unterzubringen, wo sich jemand dachte "Walli spricht deutsch und braucht Hilfe - win-win!". So sehr "win-win" ist es allerdings doch nicht, denn Jasmine versteht auf Deutsch vieles nicht und antwortet mir meist auf Englisch, und wenn ich sichergehen will, dass sie mich versteht, spreche ich auch englisch und so unterhalten wir uns nur selten auf Deutsch. Labels zu beschriften ist außerdem nicht ihre Stärke - sie scheint eine Rechtschreibschwäche zu haben. Vergangene Woche war ich trotzdem sehr froh, dass ich sie habe, denn da haben wir das Kellerarchiv systematisch auf den Kopf gestellt, um auch den letzten zu beschriftenden Ordner in den dunklen Ecken zu finden. Im Gegensatz zu mir hatte Jasmine an diesen Bergungsarbeiten sogar Spaß und zu zweit ging es wesentlich schneller. Das gemeinsame Sichten von verschimmelten Akten schweißt außerdem zusammen - wir haben Ordner gefunden, deren braun-schwarze Pilzkulturen es eventuell in den nächsten Imagefilm des Zentralarchivs schaffen könnten, Rubrik "Don't".


Auch im Umgang mit Kakerlaken ist Jasmine deutlich beherzter als ich und als sie mich von einer angeschimmelten Kiste zurückhielt und mich - auf Deutsch! - fragte "Bist Du sicher, dass Du es anfassen willst?" war ich fast gerührt. Nun sind wir bereits dabei, die Ordner fürs Zentralarchiv in Eschborn zu fotografieren. Da das Licht im Archiv nicht besonders gut ist, beleuchtet Jasmin die Ordner mit meiner Stirnlampe, während ich mit dem Handy Fotos mache. Außerdem schreiben wir Packlisten und hoffen, Ende dieser Woche fertigzuwerden.  Ich kann das allerdings noch nicht so recht glauben. Letzte Woche stolperten gleich mehrere GIZ-Mitarbeiter zu uns in den Konferenzraum und fragten, wann wir in ihre Abteilung kämen, sie hätten auch noch soooo viele Aktenordner. Diese sollen sie aber eigentlich selbst beschriften und für den Versand vorbereiten, ich bin nur für die Altlasten im Archiv zuständig. Und werde mit diesen hoffentlich fertig, bevor jemand auf die Idee kommt, noch heimlich etwas dazuzustellen ...