Sonntag, 30. Dezember 2018

Ein Jahresrückblick in Bildern (2018)

Wie schon in den letzten Jahren (2017, 2016) haben wir auch dieses Jahr wieder 13 (Tier-) Bilder aus 2018 ausgesucht, aus denen wir einen Kalender gestaltet haben. Hier unsere Auswahl an Bildern:

Eine Elefantenherde trampelt ganz leise auf einer Straße im Addo Elephant National Park, Südafrika:


Ein neugieriger Klippschliefer (auch Klippdachs oder Dassie genannt) auf dem Tafelberg in Kapstadt, Südafrika. Er ist eng verwant mit dem Elefanten.


Afrikanische Pinguine bei Simonstown auf der Kaphalbinsel in Südafrika:


Ein "yellow-billed hornbill" im Moremi Game Reserve in Botswana, von Safari-Guides auch "flying banana" genannt:


Ein Steenbok (Steinböckchen), die kleinste Antilope in Botswana, im trockenen Savannengras des Central Kalahari Game Reserve, Botswana:


Ein Zebra schaut sich unser Auto an im Addo Elephant National Park, Südafrika:


Ein Gepard im Madikwe Game Reserve, Südafrika:


Ein Elefant schabt die wasserführende Borke eines Baobab-Baums ab im Mapungubwe Nationalpark, Südafrika:


Ein Pavian pflückt Blüten im Cape Point Nationalpark, Südafrika:


Eine Leopardin springt von einem Baum im Central Kalahari Game Reserve, Botswana:


Eine Oryxantilope im Mountain Zebra National Park, Südafrika:


Eine Gabelracke (engl.: lilac-breasted roller) im Madikwe Nationalpark, Südafrika:


Eine Klippspringer-Antilope in der Abenddämmerung im Mapungubwe Nationalpark, Südafrika:

Donnerstag, 27. Dezember 2018

Kulinarische Überraschungen

Mit der Weihnachtszeit werden ja auch immer kulinarische Exzesse assoziiert. Walli las kürzlich einen Weihnachtsroman mit dem Titel "Sieben Kilo in drei Tagen" (nicht empfehlenswert, daher auch nicht auf Romanregal.de besprochen). Also dachten wir uns, dass jetzt, zwischen den Jahren, eine kleine Story zum Thema Essen gut passen könnte:

Eine kulinarische Spezialität in Botswana sind frittierte Mopane-Würmer. Nein, wir haben noch keine probiert, und haben das eigentlich auch nicht vor. Beinahe hätte (habe?) ich jedoch kürzlich gebratene Insekten gegessen. Doch von vorne.

Ein echter Vorteil meines neuen Büros ist, dass es in Laufentfernung mehrere gute Mittagessenslokale gibt. Das war bei den letzten beiden Büros leider nicht der Fall. Und so nehme ich mir zwar manchmal etwas von zu Hause mit, aber häufig gönne ich mir auch, das Büro zu verlassen, ein paar Schritte zu gehen und in einem der Restaurants etwas zu essen.
Letzte Woche Donnerstag traf ich einen Kollegen und seine botswanische Frau im chinesischen Restaurant, das direkt über meinem Büro liegt. Dort gibt es sogar - wenn man nachfragt - eine Mittagskarte, die deutlich günstiger ist als die normale Speisekarte. Wir bestellten alle drei das gleiche Gericht von eben dieser Mittagskarte. Als ich meinen Teller schon fast aufgegessen hatte, fand Thandi, die Frau meines Kollegen, mitten in ihrem Gemüse eine gebratene Schabe. Nun ist sie zwar eine Motswana, aber sie mag auch keine Mopane-Würmer, ebenso wenig andere Insekten. Und erst recht mag sie keine Insekten, wenn sie diese nicht bestellt hat, sondern sie sich in ihrem Gemüse verstecken. Wir reklamierten, und immerhin ging der Kellner halbwegs gut mit der Reklamation um: Er besprach sich mit dem Chefkoch, entschuldigte sich dann bei uns und sagte uns, dass wir für das Mittagessen alle drei nicht zahlen müssten. So waren wir halbwegs versöhnt.
Allerdings hatte Walli schon vorher beschlossen, das Restaurant zu boykottieren, denn ein paar ihrer Aflateen-Schüler hatten dort ein Praktikum gemacht, und sie hatte zu hören bekommen, dass diese dort zu absoluten Hungerlöhnen ziemlich ausgebeutet wurden. So haben wir jetzt neben dem moralischen auch noch einen hygienischen Grund, dieses Restaurant nicht mehr zu besuchen.

Am darauffolgenden Tag, einem Freitag, der es aus verschiedenen anderen Gründen in sich hatte, besuchte mich Walli zum gemeinsamen Mittagessen (ein Lichtblick). Wir wählten ein relativ neues italienisches Restaurant, das uns halbwegs gefiel. Dort hatte ich schon mal eher schlechte Service-Erfahrungen gemacht, aber keine, die uns davon abgehalten hätten, dort noch einmal hinzugehen. Um den Tag etwas zu verbessern, gönnten wir uns beide Nudeln mit Lachs in einer Tomatensauce. Wir aßen und sprachen, und irgendwann fiel uns auf, dass das, was wir da aßen, eher nicht nach Lachs schmeckte, sondern nach dem Dosenfisch, den Walli gelegentlich mal isst, der jedoch erheblich günstiger als Lachs ist. Oder waren es gar Sardellen? So richtig dolle war es auf jeden Fall nicht, und auch, wenn der Fisch ganz klein zerfasert war, waren wir uns doch immer sicherer, dass er mit einem Lachs nicht besonders viel gemeinsam hatte. Wir fragten daher die Bedienung, die uns versicherte, dass in dem Gericht Lachs sei, aber versprach, den Koch noch einmal zu fragen. Sie kam nicht zurück, und das hätte uns schon etwas sagen müssen. Als eine andere Bedienung kam und uns nach unserem Wohlbefinden fragte, erklärten wir auch ihr, dass das wohl kein Lachs sei, was wir da gegessen hätten. Auch sie wollte sich erkundigen, außerdem baten wir sie um die Rechnung. Sie kam zurück und sagte uns, dass tatsächlich kein Lachs in unserem Essen gewesen sei, wodurch er stillschweigend ersetzt worden war, wusste sie jedoch auch nicht. Dass wir unter diesen Umständen nicht die Rechnung in voller Höhe bezahlen wollten, schien sie zu verstehen - die Lachsnudeln waren aufgrund des teuren Fisches schließlich eher hochpreisig. Und so bekamen wir von ihrer Kollegin eine neue Rechnung mit einem Discount, jedoch in lächerlicher Höhe (ca. 1,20 pro Gericht). Langsam kamen wir uns für blöd verkauft vor und bestellten den Manager, der mich schon ein paar Mal gesehen hatte. Er hatte von dem Lachs-Debakel bislang nichts mitbekommen, schien von unserer Empörung über den Fake-Fisch aber dennoch betroffen. Wir boten an, die Getränke zu zahlen, für das Mittagessen wollten wir aber so langsam kein Geld mehr ausgeben - insbesondere, weil uns nach wie vor niemand aufklären wollte oder konnte, was uns da eigentlich vorgesetzt worden war.
So war das der zweite Tag in Folge, an dem ich ein Mittagessen umsonst bekam. Ich hätte allerdings durchaus gerne an beiden Tagen auf das jeweilige Erlebnis verzichtet.

Montag, 24. Dezember 2018

Weihnachtsgruß und Jahresrückblick 2018

Weihnachtsstimmung – die kam bei uns in diesem Dezember etwas kurz. Das hatte ganz verschiedene Gründe: den heißen Gaboroner Dezember, fast ohne nennenswerten Regen und Abkühlung, einen Krankenhausaufenthalt von Philips Vater und die damit verbundenen Sorgen, ein wunderschöner Kurzurlaub in Südafrika bis zum 21.12. ... die letzten drei Wochen waren von ganz unterschiedlichen Emotionen geprägt, aber keine hatte einen größeren Weihnachtsbezug. Geschmückte Plastikweihnachtsbäume, hier und da etwas Weihnachtsbeleuchtung sowie das gespannte tägliche Türchen-Öffnen bei Adventskalendern sind kein vollständiger Ersatz für deutsches Dezemberwetter, Weihnachtsmärkte und Plätzchenbacken. Aber wir planen, nächstes Jahr wieder das komplette Programm zu genießen – und wer weiß, vielleicht werden wir im Dezember 2019 sehnsüchtig an die gleißende Sonne im südlichen Afrika zurückdenken?

Aber der Reihe nach: 2018 war ein erlebnisreiches Jahr. Obwohl Philip seit Jahresanfang ein Auge auf in Deutschland ausgeschriebene GIZ-Stellen hatte, versuchten wir, es nicht im Zeichen des Abschieds von Botswana zu sehen, sondern ganz im Jetzt zu leben. Das ist uns auch meistens gut gelungen. Wenn unser Internet mal wieder völlig erlahmte, der Strom für ungewisse Zeit abgeschaltet wurde, unser Einfahrtstor aus ungeklärten Gründen nicht richtig schloss und Ameisen durch unseren Kühlschrank spazierten, dachten wir nicht nostalgisch an unseren irgendwann bevorstehenden Umzug, sondern wünschten Provider, Handwerkern und Insekten die Pest an den Hals – ganz im Jetzt eben. Und auch beruflich merkte Philip wenig von seinem geplanten Abschied, und das wird wohl auch bis zu seinem letzten Arbeitstag in Gaborone so bleiben. Sein Team, 2017 noch zu großen Teilen neu eingestellt, ist nun eingearbeitet und versucht weitgehend selbstständig, Handel und Industrialisierung im südlichen Afrika voranzubringen. Die Vertretung der EU in Gaborone will Philips Projekt kofinanzieren, d.h. mit erheblichen Mitteln aufstocken, auch das will vorbereitet werden, und dann steht noch die Fusion mit einem anderen Projekt an – so gesehen ist gerade richtig viel los und Philips Abschied wird für das Projekt ein paar Monate zu früh kommen, war aber von uns nicht besser steuerbar. Ein Nachfolger ist gefunden, er kommt ab Mai, ab März muss vorübergehend ein Mitarbeiter übernehmen.

Walli organisierte in der ersten Jahreshälfte 2018 mit einer anderen Wally einen Kunsthandwerksmarkt, der sie Land und Leute noch besser kennenlernen ließ, ein paar Nerven kostete und letztendlich zwar nicht berauschend besucht war (Harry und Meghan heirateten dummerweise am gleichen Tag), aber dennoch erfolgreich. Sie hat zwei weitere NGO-Klassen unterrichtet und versucht, ihnen Spar- und Businesspläne und den Unterschied zwischen Gleichheit und Gerechtigkeit näherzubringen. Und als die Schüler in einem anderen Unterrichtsfach eine Powerpoint-Präsentation über ihr Heimatdorf machen sollten, hat sie nachgezogen und ebenfalls eine über Odendorf gehalten.

Im Zeichen des interkulturellen Austauschs stand auch der Besuch des deutschen Bundespräsidenten Frank-Walter Steinmeier in Gaborone. Es waren ca. 24 Stunden, die für uns hochspannend waren. Mittendrin statt nur dabei betreuten wir die Kultur- und die Wirtschaftsdelegation und waren komplett begeistert, einen Blick hinter die Kulissen so eines Staatsbesuchs zu bekommen. Ein absolutes Highlight! Und die anderen Highlights dieses Jahres? Waren, wie immer, unsere Reisen – zum Teil mit liebem Besuch im südlichen Afrika: Wir haben Geno und Ali in Kapstadt getroffen, mit Philips Mutter die Garden Route bereist und mit Wallis Eltern das nordöstliche Südafrika unsicher gemacht. Auch sonst waren wir wieder viel, viel unterwegs, mit Freunden und allein, im Auto mit Dachzelt, aber auch in der ein oder anderen Lodge. Wir sind immer noch nicht nach Mauritius oder auf die Seychellen geflogen, sondern haben uns nach wie vor voll und ganz den Safaris verschrieben, die uns immer noch begeistern und faszinieren. Ihre indirekte Auswirkung war ein Fotobuch-Produktions-Marathon, den Philip von Oktober bis November absolviert hat – wer gerne mal „ein paar Fotos“ von unserem Leben und Reisen im südlichen Afrika sehen will, sollte einiges an Zeit einplanen …

Walli hat im Laufe des Jahres mehr und mehr Kinderbücher vorgelesen, Deutsch unterrichtet und sich als Schreibschrifttrainerin betätigt. Das war oft spaßig, manchmal anstrengend und vor allem sind ihr all diese Kinder ans Herz gewachsen. Sie freut sich, dass sie einige hoffentlich nicht völlig aus den Augen verlieren wird – einen Teil von ihnen werden wir im Laufe des nächsten Jahres in Frankfurt und Umgebung wiedersehen. Die größte Entscheidung dieses Jahres: Ende Februar 2019 wird es zurück nach Deutschland gehen! Philip wird ab März wieder in Eschborn bei der GIZ arbeiten, in einer Stabsstelle, wo er zu Grundsatzfragen und unternehmenspolitischen Fragen arbeiten soll – so ziemlich das Gegenteil dessen, was er jetzt macht, aber die jetzige Arbeit wird ihm (hoffentlich) für den neuen Job weiterhelfen.

Und was macht Walli? Das wurde in unseren Anfangsmonaten in Botswana oft gefragt und scheint nun wieder ein Thema, seitdem unser Rückkehrzeitpunkt feststeht. Für sie ist es das noch nicht: Im Moment schlägt sie sich mit Umzugsfirmen herum, rezensiert auf ihrem Bücherblog www.romanregal.de und kümmert sich weiter um deutsche Kinder, serbische Teenager und botswanische junge Erwachsene. Zwischendurch ist sie mit neu zugezogenen Freundinnen unterwegs und zeigt ihnen ihre Entdeckungen der letzten zweieinhalb Jahre in Gaborone und Umgebung. Ab März ist dann volle Konzentration auf den deutschen Arbeitsmarkt angesagt. Aber bis dahin: Alles zu seiner Zeit.

Und jetzt ist es erstmal an der Zeit, Weihnachten zu feiern. Wir freuen uns sehr, dass auch dieses Jahr wieder mit Familie und Freunden zu können. Und dass die Abschiede am Ende dieses Deutschlandbesuchs nicht ganz so groß ausfallen werden wie sonst – wir kommen ja bald wieder! Dafür wird dann der nächste Februar unser Monat der Abschiede. Wer verfolgen will, wie es uns damit und mit unserem Umzug ergeht, kann das nach wie vor hier auf unserem Blog tun. Doch nun genießen wir erstmal die Feiertage.
Frohe Weihnachten und ein glückliches und gesundes Jahr 2019!

Samstag, 22. Dezember 2018

Am Boden statt in der Luft

Manchmal gibt es Geschichten, die sind zu skurril, um sie sich selbst auszudenken. Viele Länder haben ja eine eigene nationale Airline, so auch Botswana - der Stolz Botswanas. Mit Air Botswana kann man nicht nur von Gaborone in die anderen größeren Städte des Landes fliegen (u.a. Maun, Francistown, Kasane), sondern es gibt auch mehrfach am Tag eine Verbindung nach Johannesburg. Wir waren betrübt, als Anfang diesen Jahres, kurz nach unserem Kapstadt-Besuch von Ende Januar, die direkte Verbindung nach Kapstadt eingestellt wurde. Hintergrund war, dass Air Botswana eine südafrikanische Airline für diese Verbindung engagiert hatte, die auf dieser Strecke unter Air Botswanas Flagge flog - und eben dieser Airline wurde von Südafrika aus Sicherheitsgründen die Lizenz entzogen. Im November hat Air Botswana die Flüge nach Kapstadt unter eigenem Betrieb wohl wieder aufgenommen, eine schöne Nachricht für uns Passagiere (ob wir es noch einmal nach Kapstadt schaffen?).
Die Sicherheit von Air Botswana gilt glücklicherweise als halbwegs gut. Leider scheint die Fluglinie jedoch nicht komplett profitabel zu sein, die botswanische Regierung sucht daher nach einem privaten Investor. Doch dafür wollte man die Airline erst einmal "aufhübschen" und bestellte drei neue, modernere Flugzeuge. Diese wurden im November ausgeliefert, und damit man nicht auf zu vielen Flugzeugen sitzt, wurden gleichzeitig drei ältere Flugzeuge verkauft. Die Flotte bestand nun also aus zwei älteren und drei neueren Flugzeugen.
Schade nur, dass man ein kleines Detail übersehen hatte: Die Piloten von Air Botswana hatten kein Training - und somit auch keine Lizenz - für die neueren Maschinen erhalten... und so ist seit einigen Wochen der Flugplan der Airline ziemlich ausgedünnt, denn drei Flugzeuge sind verkauft, und mit zwei (älteren) Flugzeugen kann man den Betrieb eines Streckennetzes, das für fünf Flugzeuge ausgelegt ist, nicht mehr aufrecht erhalten.
Außer Air Botswana fliegt glücklicherweise noch eine andere Airline, SA Express, nach Johannesburg - dieser Airline war jedoch von ca. April bis Ende August ebenfalls die Lizenz der südafrikanischen Behörden entzogen worden; mittlerweile soll sie aber wieder in Ordnung sein. Und für unseren Flug nach Deutschland in den Weihnachtsurlaub haben wir eine ganz andere Verbindung gebucht, mit der wir weder Air Botswana noch einen anderen Flug nach Johannesburg benötigen - wir fliegen mit Air Namibia via Windhoek nach Frankfurt. Mal schauen, ob das so hinhaut, wie wir uns das wünschen...

Mittwoch, 19. Dezember 2018

Ohne Strom nix los

Das liebe Wetter in Botswana: In Deutschland mag das derzeit schwer vorstellbar sein, aber wenn wir morgens das Fenster aufmachen und die 25°C-warme Luft ins Haus strömt, dann wirkt das wie eine Erfrischung. Es ist relativ heiß zur Zeit, bei der Arbeit funktioniert die Klimaanlage nur eingeschränkt, und ganz Botswana wartet auf Regen: Seit Oktober sollte hier Regenzeit sein, geregnet hat es bisher aber kaum, höchstens mal 1-2mm, also auch für hiesige Verhältnisse wenig.
Vorvergangene Woche in der Nacht von Donnerstag auf Freitag gab es dann mal ein Gewitter - wieder mit fast keinem Regen - dafür fiel der Strom aus, und das gleich von 1 Uhr bis 8 Uhr morgens. Und nein, der Stromausfall lag nicht daran, dass wir unseren Strom nicht bezahlt hatten (wir haben ja Prepaid-Strom).
Bevor ich zur Arbeit ging, fuhr ich erst einmal zu einem (wegen Stromausfalls geschlossenen) Supermarkt, schließlich zu einer Tankstelle, wo ich einen Eisklotz besorgte, den wir in den Gefrierschrank legten. Erfreulicherweise kam der Strom kurz darauf wieder, doch der Eisklotz sollte sich trotzdem schon bald als nützlich erweisen.
Am Samstagnachmittag gab es nämlich wieder ein Gewitter, diesmal mit 8mm Regen innerhalb von 10 Minuten, ein ziemlich heftiger Guss. Und dann war der Strom weg, kurz darauf auch das Mobilfunknetz. Das war so gegen 17:30 Uhr. Gegen 18:30 Uhr wurde es langsam dunkel: Wir zündeten Kerzen an, holten eine Stirnlampe. Der Strom blieb weg. Und wir merkten wieder einmal, wie abhängig wir doch von Strom sind - vielleicht nicht ständig physisch, aber doch psychisch, denn irgendwann drehten sich die Gespräche nur noch darum. Bis wir ins Bett gingen, tat sich nichts. Nachts ging irgendwann unser Elektrozaun los - er hatte wieder Strom! Ich tigerte also durchs Haus, stellte den Elektrozaun aus und machte Lichtschalter aus. Nach 15 Minuten war der Strom wieder weg. Später muss er noch einmal wieder gekommen sein, die Klimaanlage im Schlafzimmer kühlte den Raum kurzzeitig und auch mein Handyakku lud ein Stück weit auf. Doch morgens wachten wir auf, weil es im Raum warm war, es gab keinen Strom.
Wir frühstückten, stellten dabei fest, dass der Käse aus dem Kühlschrank nach mehr als 12 Stunden bereits etwas warm war, hörten bei Kollegen in anderen Teilen Gaborones nach, die auch "stromlos" waren, und flüchteten schließlich ins Fitnessstudio. Wer hätte gedacht, dass wir dort einmal freudig erregt hingehen würden?! Ein Anruf hatte uns die Gewissheit beschert, dass sie Strom und geöffnet hatten; an der Rezeption gibt es Schließfächer mit Steckdose zum Handyladen, WLAN, Laufband, Klimaanlage und Warmwasser funktionierten. Wir sind also quasi im doppelten Sinne zum Akkus aufladen ins Fitnessstudio gegangen, auch das eine neue Erfahrung.
Für Sonntagmittag hatten wir Freunde zum Mittagessen eingeladen. Punkt 12 Uhr ging der Strom an, war aber schon nach einer halben Minute wieder weg. Glücklicherweise hat unser Herd neben zwei elektrischen Platten auch vier Gasflammen - und das gewählte Gericht ließ sich ohne weiteren Zusatz elektrischer Energie zubereiten. Die große Frage war nur: Wie länge hält sich rohes Hackfleisch in einem Kühlschrank ohne Strom? Unsere Antwort: Wenn man es brät, dann ist es auch noch nach 19 Stunden zu verwenden (bisher hörten wir noch von keinen diesbezüglichen Magen-Darm-Geschichten). 22 Stunden nach dem Stromausfall gingen unsere Freunde nach Hause, sie boten uns an, die Nacht bei ihnen zu verbringen, denn sie hatten Strom. Wir gaben ihnen fünf Stücke unseres guten, aus Deutschland importierten Käses aus dem Gefrierschrank mit, denn der war mittlerweile halbwegs auftaut. Unsere Freunde fanden, dass der Stromausfall durchaus auch positive Seiten hat ...
Nach ziemlich genau 24 Stunden kam der Strom wieder. Wir konnten es zunächst gar nicht glauben und gingen davon aus, dass er gleich wieder weg sein würde. Nach 15 Minuten fing die Hoffnung an zu keimen, dass er uns doch etwas länger erhalten bleiben würde, und so war es auch. Wir feierten den Strom. Kaum zu glauben, wie glücklich uns das machte. Für uns beide dürfte das der längste Stromausfall gewesen sein, an den wir uns erinnern (und ich schließe da auch meine Ghana-Erfahrungen ein, wo es häufig zu geplanten Stromabschaltungen kam, die jedoch meiner Erinnerung nach nie länger als 24 Stunden waren).
Mit etwas Abstand kann ich jetzt übrigens sagen, dass wir Glück gehabt haben. Eine Mitarbeiterin von mir hatte auch fünf Tage nach Beginn des Ausfalls noch keinen Strom. Der Stromversorger wartelefonisch so gut wie unerreichbar, wenn sie mal durchkam, wurde ihr gesagt, dass morgen jemand käme, was dann am nächsten Tag doch wieder nicht eintritt. Keine wirklich gute Erfahrung!

Sonntag, 16. Dezember 2018

Ungeplanter Garage Sale

Ganz, ganz langsam beginnen unsere Umzugsvorbereitungen. Dass wir mit dem Verkauf von ersten Möbeln bereits begonnen haben, hatte ich ja schon geschildert. Diese Woche habe ich nun bislang vier Umzugsunternehmen kontaktiert, damit sie unseren Hausstand in Augenschein nehmen. Die ersten drei haben jeweils am darauffolgenden Tag gleich jemanden vorbeigeschickt. Am Dienstag empfing ich zunächst Pelo von Umzugsfirma Nummer 1, der sogleich mit seinem Tablet los fotografierte.

Philip und ich planen, die Mehrzahl unserer Möbel zu verkaufen. Einige Verkäufe sind schon fix vereinbart, eine Liste mit allem Übrigen wollen wir ab Mitte Januar über den GIZ-Verteiler jagen. Insofern musste ich in jedem Raum erklären, was bereits verkauft ist, was wir bestimmt verkaufen werden, was wir vermutlich und was auf jeden Fall nach Deutschland mitnehmen. An dieser Stelle möchte ich kurz betonen, dass das ungefähr so klang: "Dieses Regal hier ist verkauft, das Fahrrad will ich noch verkaufen und die leeren Blumenkübel nehmen wir mit nach Deutschland." Ich sagte also NICHT: "Dieses Regal hier ist verkauft, aber dieses formschöne Retro-Rad mit bequemem Sattel, neuwertiger Klingel und einem entzückenden Fahrradkörbchen, das jedem Radfahrer schmeicheln würde und pfeilschnell über die Straßen gleitet, ist für schlappe 400 Pula - nur heute! im Sonderangebot ..." Also, das sagte ich nicht. Trotzdem verlud Pelo mein Fahrrad nach einem sehr kurzen Verkaufsgespräch in seinen Kofferraum. Für seine Frau. Davor war er Probe gefahren und es hatte hinten einen Platten, den wir auf die Schnelle auch nicht erfolgreich aufgepumpt bekamen, aber das störte ihn nicht. Ich dagegen fand, dass ich ein gutes Geschäft gemacht hatte - vor sechs oder sieben Jahren habe ich für das Rad auf dem Flohmarkt 40,- € gezahlt und es jetzt für 32,- € weiterverkauft. Pelo hätte auch noch großes Interesse an Philips Rad gehabt, aber so spontan wusste ich nicht, was Philip dafür haben wollte. Ich habe ihm dann später wie vereinbart den Preis gewhatsappt - ca. das Zehnfache von meinem Rad, aber Philip hat eben auch kein altes Damenrad vom Flohmarkt ... seitdem habe ich nichts mehr von Pelo gehört. Ob er mir wohl noch ein Umzugsangebot schickt?

In meinem früheren Job habe ich gelernt, dass es bei Auftritten wichtig ist, dass der Künstler in seiner Rolle bleiben kann. Wenn er als Moderator gebucht ist, sollte er nicht zwischendurch noch eine halbe Stunde Standup-Comedy machen müssen. Sowas funktioniert in der Regel nicht wirklich gut und verwirrt das Publikum. In diesem Fall war ich tatsächlich verwirrt als potentielle Umzugskundin, die plötzlich zur Verkäuferin wurde. Es ist natürlich ganz nett, das alte Fahrrad schon losgeworden zu sein, aber irgendwie waren Pelo und ich so ziemlich vom Umzugsthema abgekommen. Zumindest war ich am nächsten Nachmittag schon etwas routinierter: Lebo von Umzugsfirma Nummer 3 fand zunächst Gefallen an einem alten Klappstuhl in unserem Gästezimmer und dann noch an unserem Campingtisch. Dessen Plastikoberfläche hatte auf unseren letzten Touren etwas gelitten und war nicht mehr sauber zu bekommen. Sie fragte, ob ich es mit dem hiesigen Putzmittel "Handy Andy" probiert hätte (ich hatte allerdings bislang nur mit Spüli geschrubbt). Und so wischten wir schließlich beide mit "Handy Andy" an dem Tisch herum (der tatsächlich sauberer wurde!) während sie mir erzählte, dass dieser eine gute Größe für ihr geplantes mobiles Nagelstudio hätte. Tja. Vielleicht kauft Lebo uns am Freitag auch noch meinen alten Ikea-Schrank mit Nachttisch ab, ich habe ihr auf jeden Fall Fotos gewhatsAppt, damit sie sie ihrem Mann zeigen kann. Später schrieb sie mir noch, was eigentlich die Zieladresse für unseren Umzug sei - stimmt, das hatten wir gar nicht mehr besprochen. Mir fiel dafür später auf, dass Philip und ich den Campingtisch für die nächste Woche (wir machen Campingurlaub in Südafrika) noch ziemlich gut hätten brauchen können. Aber jetzt leiht uns Philips Chef seinen. Und falls er schmutzig wird, schrubbe ich ihn danach mit "Handy Andy" sauber ...

Vermutlich werden wir mit Umzugsfirma Nummer zwei umziehen. Herr Henriksen, der skandinavische Wurzeln hat und sich mir als der letzte Rhodesier vorstellte, brachte mir einen Folder mit Informationen mit und erklärte mir erstmal eine Viertelstunde, wie sein Unternehmen arbeitet, bevor wir einen Hausdurchgang machten. Kaufinteresse hatte er keinerlei, dafür war er der einzige, der unserem Beiladungswunsch nicht völlig hilflos gegenüberstand und dem "Austria" immerhin etwas sagte (wir wollen für einen von Philips Kollegen eine Kiste mitumziehen, die dann nach Salzburg weitergeschickt werden soll). Vermutlich wird seine Firma die teuerste sein, aber er hat einen meilenweit besseren Eindruck bei mir hinterlassen. In der Hoffnung, vielleicht noch ein ähnlich professionelles Unternehmen zum Vergleich zu finden, habe ich gestern dann noch eine vierte Umzugsfirma kontaktiert. Falls sie doch nicht in Frage kommen sollten, kaufen sie mir vielleicht zumindest noch etwas ab!

Donnerstag, 13. Dezember 2018

Von drauß' von Gaborone komm ich her ...

... und ja, auch hier weihnachtet es sehr! Obwohl sich die Adventszeit bei 38 Grad natürlich auch schön ausblenden lässt. Unser namibischer Adventskranz schmückt zwar unseren Esstisch, die Kerzen waren aber noch nicht an - es ist uns einfach zu warm.
Nichtsdestotrotz ist auch der Gaboroner Dezember voller Weihnachtsfeiern. Unsere erste in diesem Jahr besuchten wir im Garten der Residenz des neuen EU-Botschafters hier. Im Gegensatz zu seinem Vorgänger schmiss er eine richtig große Party, die abends stattfand, auf seinem Grundstück und zu der die Gäste sogar ihre Partner mitbringen konnten. Das ließ sich fast niemand entgehen - die Party sollte um 18:30 Uhr losgehen und tatsächlich waren um diese Zeit schon einige Leute da (uns eingeschlossen). Aber wenn eine Party laut Einladung nur zwei Stunden gehen soll, ist man eben auch pünktlich.


Empfangen wurden wir mit einem Tässchen Glühwein, auf den wir schnell ein kühles Bier folgen ließen. Nach den Begrüßungsreden gab es eine Überraschung: Es wurden Weihnachtslieder gesungen! Die Mitarbeiter der EU-Botschaft hatten es sich nicht nehmen lassen, extra einige Weihnachtslieder landestypisch umzudichten, u.a. "The twelve days of Christmas". Ein Beamer warf sogar den Liedtext an die Hauswand, damit alle mitsingen konnten.

Nach den Gesangs- gab es auch noch Tanzdarbietungen (einige der EU-Mitarbeiter kommen aus Skandinavien und ließen es sich nicht nehmen, zu ABBA zu performen). Nach den Vorführungen ließ die EU mit Hilfe des Beamers für den Rest des abends den Schnee rieseln.


Auch das Büffet konnte sich sehen lassen: Neben botswanischem Essen (Pap (Maisbrei), Seswaa (zerkochtes Rindfleisch), Sorghum (Getreidebrei) etc.) gab es italienischen Schinken und italienische Salami, außerdem Käse (vermutlich auch aus Italien). Das war sehr lecker. Am nächsten Tag ging es mir leider dennoch nicht so gut, was weder an dem Mini-Tässchen Glühwein noch am alkoholfreien Bier gelegen haben kann. Glücklicherweise war ich freitags wieder fit, zur nächsten Weihnachtsfeier, diesmal von der GIZ.

Die GIZ feierte im No. 1 Ladies Restaurant, wo ich neulich erst mit der deutschen Kulturdelegation war und auch sonst gerne mal Freundinnen zum Mittagessen treffe - dementsprechend herzlich war die Begrüßung. Und auch sonst war es ein schöner Abend: Wir hatten nämlich Glück bei der Hotellotterie! Jeder Gast bekam bei Ankunft ein Los und vor dem Abendessen wurden dann Hotelübernachtungen verlost, die die GIZ-Partnerhotels in Gaborone gestiftet hatten (für jeweils eine Übernachtung zu zweit). Relativ am Anfang schon gehörte mein Los zu den Gewinnern, was mir ein bisschen unangenehm war, da ich ja keine Mitarbeiterin bin. Auf der anderen Seite mussten Ehepartner bei der GIZ-Weihnachtsfeier Eintritt zahlen (ich habe also nicht auf Kosten Eurer Steuergelder gefeiert), insofern fühlte ich mich dennoch irgendwie als rechtmäßige Gewinnerin. Und dann  gewann Philips Los auch noch! Wir waren bereits das dritte Paar, das zwei Nächte gewonnen hatte; in diesen Fällen war die zweite Nacht an einen anderen Gast weiterzugeben. Philip dürfte wählen, stellte fest, dass er ganz plötzlich viele neue Freunde hatte und gab seinen Gewinn schließlich an seinen Projektfahrer weiter, der komplett überrascht und glücklich war. Danach wurde noch gegessen und getanzt.

Und am Morgen darauf trafen wir dann noch den Weihnachtsmann persönlich! Wo man sich eben so trifft in Gaborone: in einer Shopping Mall. Er stand vor dem Drogeriemarkt und war sofort bereit, ein Foto mit mir zu machen. Davor öffnete er eine große Blechdose und ich nahm schon an, dass er eine Spende wollte - aber es waren tatsächlich Kekse drin und er bot mir einen an! Na dann: noch eine schöne Adventszeit!

Mittwoch, 28. November 2018

Alles für die Kultur

Ich wollte diesen Blogbeitrag über das Programm der deutschen Kulturdelegation bereits am vergangenen Dienstag beginnen. Der aufmerksame Blogleser wird sich vielleicht erinnern, dass der deutsche Bundespräsident - mit genannter Delegation - erst einen Tag später in Gaborone gelandet ist, doch Material hatte ich bereits genug, bevor das Regierungsflugzeug auch nur im Anflug war. Selbst einen Titel hatte ich schon: "Einmal mit Profis arbeiten". Aber Philip meinte - zu Recht -, dass ich nicht schon vor dem eigentlichen Event darüber schreiben sollte, und dieses stellte die Vorbereitungen dann zum Glück auch schnell in den Schatten. Daher hier so kurz, wie es mir möglich ist, die Vorgeschichte:

Die deutsche Botschaft hatte mich gebeten, die den Bundespräsidenten begleitende dreiköpfige Kulturdelegation während ihres Gaborone-Besuchs zu betreuen und außerdem ein kurzes Nachmittagsprogramm für sie zusammenzustellen. Die Kulturdelegation bestand aus der deutsch-südafrikanischen Schauspielerin Thandi Sebe, dem Regisseur und Produzenten Sönke Wortmann und Thomas Krüger, dem Präsidenten der Bundeszentrale für politische Bildung. Mein Ansprechpartner von der Botschaft bat mich, den Besuchern das Thapong Center for Visual Arts zu zeigen. Danach sollte noch ein Gespräch mit botswanischen Kulturschaffenden im anliegenden Café stattfinden. Ich besprach die Details mit dem tiefenentspannten Center-Koordinator und fragte den Theaterleiter Gaborones, eine Schauspielerin und zwei Filmproduzenten an. Nach einigem Hin und Her lagen mir dann irgendwann alle vier Zusagen vor. Am Montag, zwei Tage vor dem eigentlichen Event, reservierte ich im Café einen Tisch für die Diskussion und hatte danach noch einmal einen Termin beim Center-Koordinator, dem ich meinen finalen Ablaufplan vorlegen wollte (an meine ehemaligen Kollegen: Ich hatte quasi die fertige Checkliste dabei!). Meine Vorbereitungen waren abgeschlossen - dachte ich. Beim Center-Koordinator hatten sich allerdings just an diesem Morgen drei Damen vom Ministerium für Jugend, Sport und Kultur gemeldet, die dann plötzlich auch alle zu unserem Termin auftauchten. Sie waren im Vorfeld mehrmals von der deutschen Botschaft kontaktiert worden, in der Hoffnung, dass auch vom botswanischen Ministerium noch ein Gesprächspartner zur Diskussion kommen könnte. Da die Botschaft aber nie eine Antwort erhalten hatte, hatten mein Ansprechpartner und ich daraus geschlossen, das kein Interesse bestünde. Das Ministerium hatte jedoch still und heimlich weitere Gäste zu MEINER Diskussion eingeladen, die inzwischen auch alle zugesagt hatten - zehn Leute, allein sieben davon weitere Filmregisseure! (Wer hätte gedacht, dass es in Botswana so viele Filmregisseure gibt?) Drei Deutsche und vierzehn Botswaner - würde (in der einen dafür vorgesehen Stunde) überhaupt ein richtiges Gespräch zustande kommen können? Die Ministeriumsdamen waren zwar betrübt über den "communication breakdown" (ein schöner Euphemismus dafür, dass sie nie auf Mails reagiert hatten), hatten aber sonst keine größeren Bedenken, sie interessierten sich vielmehr für meine Person und Funktion, die ich - schon aus Ermangelung einer Arbeitserlaubnis - möglichst runterspielte. Die größten Bedenken meines Center-Koordinators waren, ob die deutsche Botschaft wohl auch für 20 Leute Kaffee und Kuchen sponsorn würde. Er und ich diskutierten während der folgenden 48 Stunden noch mehrmals telefonisch und per WhatsApp, ob das Gespräch mit so vielen Leuten überhaupt noch im Café stattfinden könnte. Ich war nicht glücklich. Mein Ansprechpartner bei der Botschaft übrigens auch nicht, aber trotz seiner Versuche von offizieller Seite ließen sich die Ministeriumsgäste nicht mehr ausladen.

Tja, und dann war der Mittwoch da. Wie Philip bereits beschrieben hat, fuhren wir in einer Minibus- und Limousinen-Kolonne zum Flughafen. Die Kulturdelegation hatte einen eigenen Bus mit Fahrer, in den ich sie nach Landung und Nationalhymnen schnellstmöglich lotste. Meine drei Gäste wirkten bereits auf den ersten Blick sehr nett und umgänglich und waren es auch, obwohl ich sie gleich nach ihrer Ankunft schon enttäuschen musste: So ziemlich ihre erste Frage galt dem WLAN, das es in unserem Delegationsbus aber nicht gab. Beim Staatsbankett war immerhin welches empfangbar, einer meiner Gäste hatte jedoch kein Tischkärtchen (wodurch wir seinen Platz erst einmal nicht fanden) und vergaß später seine Brille, die ich aber noch schnell holen konnte. Noch vor dem Nachtisch verließen die Präsidenten und damit auch wir das Staatsbankett, kamen jedoch trotzdem eine halbe Stunde zu spät zum Thapong Visual Arts Centre - der Zeitplan war einfach viel zu eng (und vor den Präsidenten hatte natürlich auch niemand den Saal zu verlassen). Und so waren wir zu spät, während alle Diskussionsteilnehmer tatsächlich pünktlich vor Ort waren - in den Tagen vor der Veranstaltung hatte ich stets befürchtet, dass es umgekehrt sein würde. Wir wurden herzlich begrüßt, durch die Ausstellung geführt und ich staunte, dass das Center viel geschäftsmäßiger und lebendiger wirkte als sonst - der mir sonst unbeeindruckte und tiefenentspannte erscheinende Korrdinator hatte kurz vor dem Event offensichtlich mehr Ehrgeiz entwickelt, als ich es während unserer Gespräche für möglich gehalten hätte.



Auch das Café war bestens vorbereitet und exklusiv für uns geöffnet. Ich stellte fest, dass wir jetzt sogar 25 statt 20 Leute waren, ergab mich meinem Schicksal, zahlte im Vorfeld und gab auch noch stattliche 200 Pula Trinkgeld (ca. 16,- €) - eine lohnende Investition: Die Cafémitarbeiter waren wahnsinnig aufmerksam und sehr bemüht, alles zu meiner Zufriedenheit zu regeln. Wie auch mein Center-Koordinator, der mir vorschlug, dass er einen Moderator aussuchen könnte, der seine Sache - vom traditionellen Anfangsgebet bis hin zum Schlusswort - ganz großartig machte. Die drei Damen vom Ministerium waren nicht anwesend. Sie hatten zwar Kollegen geschickt, diese hielten sich jedoch angenehmerweise im Hintergrund, nachdem sie mich begrüßt hatten.
Wie schon beim Staatsbankett hatten sich Teile meiner Delegation auch hier erstmal das WLAN-Passwort von mir besorgen lassen, aber ihre Handynutzung mussten sie nun doch reduzieren, denn jetzt waren alle 22 Augenpaare auf die drei gerichtet. Nachdem Thandi Sebe als quasi-einheimische Schwester sehr lieb begrüßt wurde (obwohl sie noch nie in ihrem Leben in Botswana gewesen war), gingen die Fragen zu deutscher Filmförderung, Finanzierung etc. los. Es war weniger Dialog als mehr ein Hilfeersuchen an die deutschen Gäste, aber die kamen so immerhin mal richtig mit Land und Leuten in Kontakt und ließen sich zu meiner Begeisterung und Erleichterung auch komplett auf die Diskussion ein.


Da sie kaum zu Atem kamen, versorgte ich die drei nach pantomimischer Rücksprache mit Kaffee und Kuchen, schaute schließlich, ob unser Bus bereit stand, gab dem Center-Koordinator ein Zeichen, sprach ein paar Dankesworte, empfahl, auf Kosten der Botschaft das Kuchenbüffet weiter zu genießen, wurde von den botswanischen Diskussionsteilnehmern gebeten, für den nächsten Kulturdelegationsbesuch doch besser zwei Tage als nur eineinhalb Stunden einzuplanen ... und dann verschwanden wir schon wieder. Diesmal ging es zum Hotel, wo meine Delegationsmitglieder eincheckten und ich einmal tief durchatmete und realisierte: Es hatte alles geklappt!

Meine Kulturdelegation und ich blieben auch während des restlichen Staatsbesuchs noch zusammen, es gab jedoch kein weiteres Extraprogramm. An diesem Nachmittag brausten wir noch mit der gesamten Kolonne, Polizei und Blaulicht durch die Gaboroner Rush Hour (wobei unser Minibus der letzte war, der - mit ca. 90 Sachen innerstädtisch - noch mit der restlichen Kolonne mithielt; Wi1 und Wi2 - die Busse der Wirtschaftsdelegation, in einem davon saß Philip - hängten wir gnadenlos ab). Die am Delegationsabend in Mokolodi spielende Marimba-Band begeisterte einen meiner Gäste so sehr, dass ich den Bandleader ansprach und für den nächsten Morgen noch zwei CDs ins Hotel organisieren konnte. Ich bekam zwei Kino-Freikarten, die ich hoffentlich bei unserem Weihnachtsurlaub in Deutschland noch einlösen kann und auch sonst lief alles prima. Einen kleinen Nervenkitzel gab es noch, als der Shuttle für Thandi Sebe nicht wie erwartet bereitstand - sie flog nicht mit der Regierungsmaschine nach Berlin, sondern zwei Stunden später zurück nach Südafrika - aber auch das ließ sich noch so schnell lösen, dass ich in letzter Sekunde zu meiner verbleibenden Delegation in den Bus hüpfen konnte, bevor es zum Flughafen ging. 24 Stunden, die extrem schnell vorbeigingen - am Abend danach war ich um 20 Uhr im Bett. Aber im Nachhinein kann ich sagen: Dieses Erlebnis war jeglichen Stress im Vorfeld wert. Wie cool, dass ich dabei sein dürfte!

Montag, 26. November 2018

Wir machen Staatsbesuch

Man könnte meinen, dass sich bei uns nun alles um den bevorstehenden Abschied dreht, doch dem ist nicht so, im Gegenteil: In der vergangenen Woche hatten wir wohl eines der Highlights unserer gesamten Zeit hier. Der deutsche Bundespräsident kam zum Staatsbesuch nach Botswana, und wir waren mittendrin statt nur dabei. Dieser Staatsbesuch war doch etwas größer als der Arbeitsbesuch des BMZ-Ministers Müller Ende August. Herr Steinmeier kam mit einer Delegation von ca. 60 Leuten, Walli organisierte die Kulturdelegation ganz allein, ich hatte die Wirtschaftsdelegation an der Backe (letzteres immerhin zusammen mit einem Kollegen aus der Botschaft). Der Hochzeitsanzug wurde aus dem Schrank geholt!
Mit den Mitarbeitern der deutschen Botschaft trafen wir uns letzten Mittwochmorgen um 8 Uhr am Hotel, in dem die Delegation später eincheckte, trafen letzte Absprachen, teilten die Busse ein, etc. Der Fahrer "meines" Busses erschien nicht nur zu spät, sondern auch in Unterhemd und Flipflops; ihn schickten wir erst einmal zum Umziehen. Dann ging es frühzeitig zum Flughafen - nein, nicht zu dem Teil für Normalsterbliche, den wir mittlerweile gut kennen, sondern zum VIP-Terminal daneben. In diesem warteten wir zwei Stunden, bis die Delegation aus Südafrika eingeflogen kam. Eigentlich besteht Gaborones VIP-Terminal nur aus einer Lounge mit schweren Sesseln bzw. Couchgarnituren. Während wir dort saßen, lief nach und nach die Prominenz auf: Einige Militärs in Ausgehuniform, später die botswanischen Minister, dann auch Teile des "diplomatischen Korps", sprich die Botschafter anderer Länder oder ihrer Stellvertreter. Schließlich entstiegen auch der botswanische Präsident Masisi und seine Frau einer Limousine. Wir fühlten uns jetzt schon wichtig.


Der Flieger der deutschen Flugbereitschaft, ein A340 (solche große Flugzeuge sieht man an unserem Flughafen sonst eigentlich nicht), landete gegen 11:45 Uhr, der rote Teppich wurde ausgerollt (bzw. die letzten Meter zur Treppe gerollt), wir hasteten zur hinteren Treppe, nahmen die Mitglieder "unserer" Delegationen in Empfang und führten sie zum Rand des Rollfelds.



In der Zwischenzeit starteten die militärischen Ehren: 21 Kanonenschüsse, das Abschreiten der Formation, eine Militärkapelle spielte die botswanische und die deutsche Nationalhymne. Wir schauten noch kurz zu, hasteten jedoch aufgrund des engen Zeitplans noch vor dem Auftritt der traditionellen Tanzgruppe zu den Bussen und stiegen ein (gemäß eines genauen Plans, wer in welchen Bus mit wem!), damit alle Wagen abfahrtsbereit sein würde, sobald die Präsidenten mit der Zeremonie fertig sein wären. Mit Blaulicht in langer Kolonne ging es durch die Stadt, überall stand der Verkehr still, bis wir durch waren. So schnell sind wir selten von einem Ort zum anderen gekommen!
Erster Programmpunkt war ein Staatsbankett, man macht so etwas ja nicht jeden Tag mit, insofern eine spannende Angelegenheit für uns: 330 Plätze an runden Tischen im größten Saal des Kongresszentrums Gaborones, in der Mitte die Präsidenten mit Ehefrauen. Nationalhymnen, Rede des botswanischen Vizepräsidenten (Präsident Masisi ließ sich wegen erkältungsbedingter Heiserkeit als Redner entschuldigen), Rede des deutschen Präsidenten (in exzellentem Englisch!), dann wurde das Essen serviert.


Unser Tisch war leider halb leer, was die Konversation etwas erschwerte. Im Hintergrund spielte eine botswanische Blaskappelle Stücke wie "An der blauen Donau" oder den "Radetzky-Marsch" (letzteren assoziiert Walli mit einer Bonduelle-Werbung von 1985, das war wohl musikalische Früherziehung!). Waren wir noch in Botswana? Nein, wir waren auf Staatsbesuch!
Nachmittags begleiteten wir unsere Delegationen zu ihren Terminen, abends trafen wir uns in im Mokolodi Game Reserve wieder. Dort wurden wir zum Konferenzzentrum World's View geshuttelt, wo uns eine Marimba-Band begrüßte. Es war der interne Delegationsabend, dem wir (jetzt als Delegationsmitglieder) beiwohnen durften. Die Stimmung war gut, Herr Steinmeier sprach mit meiner Wirtschaftsdelegation über eine Stunde lang, so dass die Delegationsmitglieder anschließend sehr glücklich waren.


Tag 2 begann wieder mit einem Termin der Wirtschaftsdelegation, dann fuhren wir zum Hauptprogramm mit Herrn Steinmeier, der ein Berufsbildungsprojekt einweihen sollte. Wir waren planmäßig etwas früher dort, und es zeigte sich, dass Delegationsbegleitung durchaus aus mehr besteht, als die Bespaßung der Delegationsmitglieder. In letzter Minute entdeckten wir z.B. noch diese deutsche Fahne, die etwas Korrektur bedurfte.


Von dort ging es wieder mit Blaulicht durch die Stadt zurück zum Flughafen: Salutschüsse, Nationalhymnen, die Delegationen Richtung Hintereingang des Flugzeugs bugsieren. Atem anhalten: Das Flugzeug hatte bereits in Südafrika Startprobleme, man hatte kurzfristig über die Landgrenze noch technisches Equipment geholt, Botschaftsmitarbeiter mussten noch morgens schnell zur Grenze eilen, um mit der Entzollung zu helfen. Und dann ging doch alles gut: Die Türen schlossen sich, die Maschine wurde startklar gemacht, fing langsam an zu rollen bis ans eine Ende der Startbahn, nahm lange Anlauf und entschwebte über dem Himmel von Gaborone. Wir blieben zurück, und hatten als Abschiedsgeschenk einen ordentlichen Sonnenbrand im Gesicht bekommen. 24 Stunden lagen hinter uns, intensiv waren sie, und wir dürften uns wichtig fühlen, waren wir doch nah "an der Macht" und mittendrin als Teil der Delegation des Staatsbesuchs. Spannend!


Freitag, 23. November 2018

Der Ausverkauf hat begonnen

Ausverkauf - was für ein passendes Blogthema für den Black Friday, der ja auch in Botswana ziemlich gehypt wird; wie schrieben bereits vor einem Jahr einen Beitrag dazu. Ich habe am heutigen Freitag keinen einzigen Cent ausgegeben, unser Ausverkauf fing dafür aber auch schon letztes Wochenende an. Allerdings unter umgekehrten Vorzeichen, denn wir generieren gerade Einnahmen: Kaum stand der Anfang vom Ende fest, haben wir schon damit begonnen, unser Haus aufzulösen. Ziemlich verfrüht, könnte man meinen, schließlich werden wir noch gute drei Monate hier wohnen. Von einigen Möbeln haben wir uns trotzdem bereits getrennt. Vor eineinhalb Monaten ist ein neuer Kollege von Philip mit seiner Frau eingereist. Elke und Dieter haben die ersten Wochen in einem möblierten Appartment verbracht und ziehen jetzt in das Haus seines GIZ-Vorgängers ein. Sie wollten und konnten seine Möbel übernehmen, was für alle Beteiligten recht praktisch war: Sie reisen ohne Container ein, der Vorgänger ohne Container aus. Allerdings sind viele seiner Sachen - wie er auch angekündigt hatte - etwas oll, da er alleine lebte, hatte er sich außerdem eher spartanisch eingerichtet. Kurzum: Die beiden brauchen Möbel - wir dagegen wollen in absehbarer Zeit einige loswerden. Es wäre schön (und auch billiger), für unseren Rückumzug nach Deutschland nicht wieder einen großen, sondern diesmal nur einen kleinen Container zu benötigen. Außerdem werden Möbel durch einen Container-Transport nicht unbedingt besser, der Großteil unserer Einrichtung ist zudem von IKEA und - falls wir das wollen - in Deutschland problemlos wiederzubeschaffen.

Hier ist der Möbelkauf dagegen gar nicht so einfach. Natürlich gibt es Möbelgeschäfte, aber das meiste dürfte importiert sein und ist nicht zuletzt dadurch teuer. Billigmöbel wie von IKEA sucht man hier vergebens (wenn man sich nicht etwas von den Paletten-Schreinern am Straßenrand schreinern lässt, deren Möglichkeiten jedoch begrenzt sind), zudem sind die Möbel, die man hier zu kaufen kriegt, vom Stil eher wuchtig. Und so sind unsere Möbel hier attraktiver, als sie es in Deutschland wären und wir kriegen tatsächlich noch Geld für Sachen, die wir in Frankfurt vermutlich nur noch zum Sperrmüll stellen könnten. Zum Beispiel für die alte Korbsessel-Garnitur, die mir meine Eltern vor über 20 Jahren für mein Jugendzimmer gekauft haben. Oder für das alte Badezimmerregal, das ich von ihnen geerbt habe. Philips Nachttischlampe haben wir ebenso verkauft wie einen Satz Handtücher, den wir nicht nutzen. Und auch der praktische weiße Klapptisch, den ich meiner lieben Kollegin Sarah vor fast 10 Jahren abkaufte, wird in Botswana bleiben. Von all diesen Sachen haben wir uns am Sonntag bereits getrennt - sie waren hier nicht in ständiger Benutzung, Elke und Dieter können sie daher gerade besser brauchen als wir. Und so wurden Teile unseres Hausstandes schon durch Gaborone gefahren, teils sogar auf dem Autodach.


Was außerdem seit dem letzten Besuch meiner Eltern nicht mehr in Benutzung war: Unser Gästezimmer mit dem Bett, das Philip in seiner ersten Woche in Gaborone im März 2016 kaufte. Wir schliefen darin, bis unser Container ankam und hatten danach den Luxus, unseren Gästen statt einer Schlafcouch ein richtiges Bett anbieten zu können. Für ein Gästebett werden wir aber in Frankfurt nicht mehr ausreichend Platz haben, da wird es wohl wieder eine Schlafcouch werden - und auch jetzt haben wir hier noch eine stehen, falls also doch noch kurzentschlossener Besuch vorbeikäme, könnten wir auch den noch unterbringen. Und so beschlossen wir, unser Gätsezimmer schon mal aufzulösen - was weg ist, ist weg. Abends wurde also schon die zweite Ladung mit einem etwas größeren Auto abgeholt.

  

Unser Gästezimmer wirkt jetzt ziemlich verwaist - neben Bett und Regal haben wir auch gleich die Vorhänge weggegeben, denn was sollen diese noch in einem leeren Zimmer?


Trotz all dieser guten Argumente sieht das fast leere Gästezimmer nun doch etwas traurig aus und ganz kalt gelassen hat uns der Anfang von unserem Ausverkauf auch nicht. Aber fortgesetzt wird er erst Mitte/Ende Februar. Elke und Dieter haben schon weitere unserer Möbel reserviert, die wir aber noch so lange wie möglich behalten werden - unter anderem unser Bett. Was ich sehr lieb fand: Die beiden haben uns bereits jetzt angeboten, die allerletzten Tage bei ihnen zu wohnen, wenn unser Container schon weg sein wird und unser Haus leer. Und vermutlich werden wir uns bei ihnen auch gleich halbwegs heimisch fühlen, einen Großteil der Möbel kennen wir dann schließlich ziemlich gut.

Dienstag, 20. November 2018

Der Anfang vom Ende - oder vom Anfang?

Schon Anfang des Jahres hatte ich meinen Chef informiert, dass wir mittelfristig wieder nach Deutschland zurückgehen wollten. Er schrieb daraufhin meine Stelle neu aus, noch bevor ich überhaupt eine Bewerbung abgeschickt hatte.
Eine erste Bewerbung von mir war nicht erfolgreich, dann kamen lange Zeit keine passenden GIZ-Stellenausschreibungen in Deutschland. Ein Nachfolger für mich wurde gefunden und eingestellt - anders als in der Stellenausschreibung angegeben, hat er nun nicht zum 1.11. begonnen, sondern wird erst am 1.5. hier starten. Im September/Oktober wurden dann auch mal wieder ein paar für mich interessante Stellen ausgeschrieben und mit einer davon hat es jetzt geklappt. Zum 1.03.2019 soll es für mich wieder in Eschborn losgehen. Ich werde dann in einer Stabsstelle nahe am Vorstand zu unternehmenspolitischen und Grundsatzfragen arbeiten. Das wird mit Sicherheit eine ganz andere Arbeit als hier in Botswana, und ich freue mich darauf.
Und wir freuen uns darauf, wieder zurückzukehren, in der Nähe von Freunden und Familie zu sein und das Leben in Deutschland zu genießen! Einige Annehmlichkeiten haben wir hier schon vermisst - was nicht bedeutet, dass wir Botswana nicht vermissen werden.

Seit ca. zwei Wochen habe ich die Zusage für die neue Stelle, seit knapp einer Woche kenne ich das geplante Umsetzungsdatum. Auch wenn wir es selbst angestrebt haben, um diese Zeit wieder in Deutschland sesshaft zu werden, so macht es doch einen Unterschied, jetzt tatsächlich ein konkretes Datum zu kennen. Es fühlt sich nun an wie der Anfang vom Ende. Oder eben von einem neuen Anfang für uns in Deutschland.
Wir hatten uns über die letzten Monate bewusst entschieden, dass wir hier nicht wie "auf Abruf" leben wollten und daher nicht zu viel an die Rückkehr gedacht. Mit dem konkreten Datum fällt uns das nun jedoch zunehmend schwerer.
Dass bereits (sehr liebenswerte!) Geier über uns kreisen, haben wir recht schnell gemerkt: Neu eingereiste Kollegen waren letztes Wochenende schon zur Möbel-Besichtigung bei uns ... sollten wir das Gästebett eigentlich behalten, will noch jemand zu Besuch kommen? (Anmerkung Walli: zu spät ...)
Es beginnt nun die letzte Phase unseres Aufenthalts in Botswana, es hat sich bereits etwas Nostalgie eingeschlichen, bei dem ein oder anderen Erlebnis stellen wir uns schon die Frage, ob das nun schon das letzte Mal sein wird.
Gleichzeitig ist es schön, hier jetzt schreiben zu können: Bis bald!

Samstag, 17. November 2018

Von Elands und Giraffen und Teetassen und Hubschraubern

Letzten Montag erhielt ich morgens eine Einladung für eine Ausstellungseröffnung am gleichen Abend. Man muss hier spontan sein, wenn man an einem der eher seltenen kulturellen Events teilnehmen möchte! Glücklicherweise hatten wir noch nichts vor und so fanden wir uns gegen 18:00 Uhr am nach wie vor geschlossenen Nationalmuseum ein, genauer gesagt an der dortigen - geöffneten - Gallerie. Wir hatten vor gut eineinhalb Jahren schon einmal eine Ausstellungseröffnung besucht, dies war nun also unsere zweite. Diesmal gab es "San-Art" zu sehen, also Kunstwerke, die von Buschleuten aus der Kalahari erstellt wurden. Wir hatten ja schon das ein oder andere Mal Felsmalereien der San gesehen, z.B. bei einem Ausflug in der Nähe von Gaborone; und bei unserem Aufenthalt im Central Kalahari Game Reserve Ende September hatten wir einen "Bush Walk" mit San gemacht, so dass wir nun einen guten Bezug zur Thematik hatten.


Die ausgestellten Werke wurden von San aus einer Gemeinde am Rande der Kalahari erstellt, gefördert durch eine lokale Stiftung. Am spektakulärsten waren sicherlich die grell-bunten Gemälde auf Leinwand, teils großformatig, die z.B. Antilopen, Giraffen, aber eben auch Hubschrauber oder Teetassen zeigten. Darüber hinaus gab es auch zahlreiche Linoleum-Drucke.


Wichtig war für uns sicherlich der Hinweis aus dem Ausstellungsprospekt, dass ein Bild von einer Antilope in der Regel nicht nur ein Bild von einer Antilope ist, sondern die abgebildete Figur meist eine tiefgründigere Bedeutung hat, z.B. mit einem Ereignis verknüpft wird. Oder dass manche Tiere eben in der Mystik der San eine festgelegte Bedeutung haben.


Auch ohne nun für jedes Symbol eine tiefere Erklärung zu haben, half uns diese Information doch im Verständnis der Gemälde und Linoleum-Drucke. Denn wenn man so manches Gemälde sonst anschaute, war es zwar schön bunt, aber manchmal fragte man sich doch, ob es in diesem Stil nicht auch ein Kind ähnlich hätte malen können.


Wir waren dennoch begeistert, bei dieser Ausstellungseröffnung dabei sein zu können. Die Schweizer Botschaft in Südafrika (die auch für Botswana zuständig ist,) hatte die Ausstellung wohl durch Sponsoring erheblich unterstützt. Toll war, dass mehrere der Künstler anwesend waren. Sie stellten sich nacheinander vor und ihre Sprache mit Klick-Lauten wurde dankenswerter Weise auf Englisch übersetzt.


Letztlich waren wir so mitgerissen von der Stimmung, dass wir uns sogar hinreißen ließen, ein Bild zu kaufen. Nein, ein Foto zeigen wir hier im Blog nicht - das Bild könnt Ihr ja vielleicht demnächst mal bei einem Besuch bei uns in Deutschland anschauen.

Mittwoch, 7. November 2018

Von Wunderwaffen, Übersetzungen und einer Häkelraupe

Ein Freund von uns beschrieb mich neulich als Wunderwaffe. Einer der Gründe dafür war mein neuester Minijob für die GIZ: Nachdem ich innerhalb der letzten eineinhalb Jahre den unternehmensinternen Mietspiegel aktualisiert und das Firmenarchiv geordnet habe, übersetze ich gerade ein für die Öffentlichkeitsarbeit bestimmtes, mehrseitiges Dokument vom Englischen ins Deutsche. Wie die übrigen Aufgaben fällt es unter die Kategorie "einer muss es machen, aber niemand hat Zeit" und wie so oft, wenn ich gefragt werde, habe ich einfach mal ja gesagt. Deutsch beherrsche ich schließlich ziemlich gut.

Im Zuge der Übersetzung habe ich einiges gelernt - vor allem, mich in Demut zu üben. Ich habe mal mit einer Halbfranzösin zusammengewohnt, die freiberuflich als Übersetzerin arbeitete. Das Online-Wörterbuch Leo war dabei ihr ständiger Begleiter, was ich als Laie insgeheim nicht so recht verstand: Sie war zweisprachig aufgewachsen, ihr Deutsch war annähernd perfekt - und ihr Französisch vermutlich noch besser, das konnte ich nur nicht so gut beurteilen. Wieso musste sie nur so viel nachschlagen? Zehn Jahre später leiste ich innerlich Abbitte, ich habe nämlich in den letzten Tagen auch dauernd alles nachgeschlagen, obwohl mir die meisten Wörter bekannt waren. Aber dann machte ihre mir geläufige Bedeutung im jeweiligen Syntax / Kontext etc. plötzlich keinen rechten Sinn mehr und dann begann die große Recherche ...

Als ersten Übersetzungsauftrag gleich einen Fachtext anzunehmen, war allerdings auch ziemlich ambitioniert. Einige unternehmensinterne Begrifflichkeiten sind mir schlicht unbekannt. Zum Glück konnte ich abends immer einen Fachmann konsultieren: Philip las meine Übersetzung gegen, brachte die Fachbegriffe unter, die ich eher umschrieben hatte und glättete sprachlich. Tatsächlich begann er irgendwann, auch noch den englischen Originaltext weiterzuverbessern. Und ich bekam mehr und mehr den Eindruck, dass niemand mehr ernsthaft glaube könnte, dass ich die Übersetzung ganz allein gemacht hätte - das jetzige Ergebnis trägt die klare Handschrift eines GIZ-Insiders, ich hätte es niemals so anfertigen können. Gestern fühlte ich mich unvermittelt an ein Erlebnis aus meiner Grundschulzeit erinnert: Im Fach "Textil" (das hieß meiner Erinnerung nach damals wirklich so) lernten wir häkeln und häkelten schließlich eine Raupe - bzw. vermutlich eher ein Rechteck, was dann zusammengenäht, ausgestopft und mit Knopfaugen versehen wurde. Ich war keine besonders begabte Häklerin und ziemlich langsam, aber die meisten von uns häkelten langsam und so hatten wir die Aufgabe, die Raupe zu Hause fertigzustellen. Ich erinnere mich noch, wie meine Klassenlehrerin, die ich sehr gerne mochte, die fertigen Raupen in der Schule begutachtete. Sie guckte mir in die Augen und fragte mich, ob mir meine Mutter sehr viel geholfen hätte und in dem Moment schaute ich mir die Raupe erstmals genauer an und musste objektiv anerkennen, dass der Unterschied zwischen meinen paar schiefen Maschen und den vielen gleichmäßigen meiner Mutter schon ziemlich offensichtlich war. Ich kann mich nicht erinnern, dass das irgendwelche Konsequenzen gehabt hätte, aber gemerkt habe ich mir das Ganze dennoch. Und so fiel es mir wieder ein, als Philip meine Übersetzung verbesserte. Ich nehme an, seine Kollegin, für die ich die Übersetzung vornehme, wird kein Problem damit haben, dass ich Hilfe hatte, im Gegenteil. Dennoch bleibt ein etwas unbefriedigendes Gefühl zurück. Merke: Häkeln und Übersetzen ist beides schwieriger, als man vielleicht auf den ersten Blick glaubt!

Donnerstag, 25. Oktober 2018

Niedrig im Hohen

Im August letzten Jahres erfuhren wir, dass unsere Partnerorganisation SADC unser Projektbüro umziehen wollte. Ich mochte mein altes Büro eigentlich, das zwar in einem baufälligen Gebäude lag, dafür jedoch riesig war und einen tollen Blick hatte.
Als ich von dem geplanten Umzug erfuhr, vertrat ich gerade meinen Chef, den Landesdirektor und bekam daher mit, dass Großraumbüros mit mehr als 40 Arbeitsplätzen geplant wurden. Da wurde ich dann doch recht deutlich, denn unsere eher konzeptionelle Arbeit stellte ich mir in einer solchen Arbeitsumgebung schwierig vor. (In Deutschland plant man in der GIZ dagegen "neue Arbeitswelten", in der man nicht mehr seinen festen Arbeitsplatz hat - das hat allerdings auch etwas andere Voraussetzungen als ein Großraumbüro in Botswana ...).
Zunächst ging es dann ganz knapp vor Weihnachten letzten Jahres in ein Übergangsbüro. Wir erfuhren von dem Umzug immerhin eine Woche vorher, im neuen Büro gab's dann erst einmal Chaos. Wir sollten dort nur drei Monate bleiben. Drei Monate vergingen, wir hatten nichts gehört. Dann hieß es, im Juni sollte der Umzug passieren. Im Juni war von Juli die Rede. Und dann schließlich September. Zunächst erste Septemberwoche, dann zweite Septemberwoche. In der letzten Septemberwoche wurde uns mitgeteilt, dass SADC mit dem Vermieter verhandelt hätte, dass wir noch eine Woche länger in unserer Übergangsbleibe residieren dürften. Dann hörten wir wieder nichts zum Umzug. Dienstags in der fraglichen Woche kamen Umzugsfirmen vorbei, um die zu transportierenden Möbel etc. anzuschauen und zu taxieren. Donnerstags gegen 10:30 Uhr, wir saßen gerade in einer Besprechung, zeigte mir ein Kollege eine Mail, die jemand aus seinem Team gegen 9:30 Uhr erhalten hatte: Um 10:00 kämen die Möbelspeditionen um den Umzug durchzuführen. Das sorgte wohl auf den Fluren unserer drei betroffenen Projekte für etwas Hektik... Nachmittags ließen sich die Möbelpacker dann mal sehen, packten aber zunächst andere Büros, einen Stock höher.
Freitags ging es dann auch für uns los - nach gut neun Monaten, die wir nun doch in unserem Übergangsbüro gewesen waren. Ausgeladen wurde am neuen Büro von den Sub-Sub-Subunternehmern (ja, wir haben gezählt!) direkt an der Bordsteinkante, denn für mehr wurden sie nicht bezahlt. Auch Samstag und Sonntag ging der Umzug noch weiter, dann jedoch ohne meine Beteiligung und wohl nicht mehr mit ganz so vielen Subs, dafür Lieferung direkt in die Büros.


Nun sind wir also in unserem neuen - und hoffentlich endgültigen! -  Projektbüro: Mitten im "Central Business District", in den "itowers", dem höchsten Gebäude der Stadt. Mit der Aussicht hat es leider nicht ganz so geklappt - wir sind im Erdgeschoss, direkt über unserem Büro liegt ein Chinarestaurant (immerhin mit Mittagstisch).


Es ist ein Erstbezug, wir haben neue Möbel bekommen, und sind in Laufdistanz (!) zu unserer Partnerorganisation SADC sowie zum GIZ-Landesbüro. Und die meisten unserer Büros haben sogar Tageslicht. Wir haben auch nicht - wie anfangs "angedroht" - riesige Großraumbüros erhalten, sondern sind zu zweit in Büros, bzw. alleine. Als Chef war ein Einzelbüro für mich vorgesehen, den Rest meines Teams habe ich nach Konsultationen zugeteilt. Am Tag des Einzugs sagten mir allerdings meine beiden simbabwischen Mitarbeiter, dass ich mein Einzelbüro nicht behalten könne - es sei schlicht zu klein für einen Chef. Als Chef bräuchte ich ein größeres Büro, und zwar ein Eckbüro. Ich wollte mich ja nicht über meine Bürogröße oder -lage definieren, musste dann aber feststellen, dass ich im Vergleich zu den anderen beiden Projektleitern wirklich ein winziges Büro hatte. Also verteilte ich die Räume wieder neu: Ich bekam ein Eckzimmer, das für zwei Personen ausgelegt war, wir trugen einen Schreibtisch wieder heraus. So ist mein Büro nun kulturell angepasster.


Jetzt haben wir also unser schönes neues Büro, auf das wir so lange gewartet haben. Das Internet umzustellen hat "nur" eine Woche gedauert, es ist ist allerdings etwas sehr langsam, Festnetztelefon haben die meisten von uns nach zweieinhalb Wochen wieder erhalten - jetzt fehlt eigentlich (fast) nur noch, dass die Klimaanlage funktioniert. Im beginnenden Sommer (manche sagen, der Oktober könne der heißeste Monat des Jahres sein) ist es insbesondere in jenen Büros, die nachmittags direkte Sonnenstrahlen abbekommen, doch sehr warm. Auch das wird sich hoffentlich lösen lassen, die Wetten stehen gerade darauf, dass es bis Weihnachten erledigt sein könnte. Die Arbeit geht weiter!

Freitag, 19. Oktober 2018

Ungewohnte Klänge

Ein klassisches Konzert in Gaborone zu besuchen - das ist nur alle Jubeljahre möglich. Olga, die Mutter meiner serbischen Deutschschülerinnen, die inzwischen ebenfalls Deutschunterricht bei mir nimmt, ist Pianistin und erzählte mir wehmütig, dass sie früher in Serbien fast jeden Abend ein Konzert besucht hat (wenn sie nicht selbst auftrat). Und so war sie es auch, die mir Ende September ein Programmheft WhatsAppte, mit den Terminen der Konzerte, die das Landesjugendorchester Rheinland-Pfalz im Oktober im südlichen Afrika geben würde - unter anderem in Gaborone! Philip hatte auch schon davon gehört - generell sprach sich der geplante Auftritt vor allem in der deutschen Community natürlich schnell rum. Und so saßen am 6.10. insgesamt vermutlich mehr Deutsche als Botswaner im Maitisong Theatre, der Schulaula der Maruapula Schule, die für Auftritte aller Art genutzt wird.

Die Bühne war fast zu klein für das Landesjugendorchester mit 65 Musikanten, die Zuschauerreihen aber nur locker gefüllt, wobei es eine für hiesige Verhältnisse trotzdem recht gut besuchte Veranstaltung war. Wie immer gab es freie Platzwahl und wir erwischten mühelos gute Plätze in den vorderen Reihen, von denen wir einen grandiosen Blick hatten. Und grandios war dann auch das Konzert, vor allem zu Beginn hatte ich Gänsehaut. Nach der Begrüßung wurden wir gebeten, für die Nationalhymne Botswanas aufzustehen - und dann wurde diese vom Landesjugendorchester Rheinland-Pfalz gespielt, während die Gaborone Youth Singers, ein über dreißigstimmiger Chor, dazu sangen. Im Anschluss erklang dann die deutsche Hymne, die der botswanische Chor, von dem sicherlich niemand deutsch spricht, tatsächlich auswendig gelernt hatte. Dieses botswanisch-deutsche Zusammenspiel fand ich sehr bewegend, es war etwas ganz Einzigartiges. Der Chor, der nur für die beiden Hymnen gekommen war, verließ anschließend die Bühne und das eigentliche Konzert begann. Hofmeyr, Rachmaninov, Beethoven - ich bin eigentlich eine Klassik-Banausin, aber dieses Konzert war ein besonderes Erlebnis. Das Orchester spielte wunderschön, wir saßen so nah, dass wir den jungen Musikerinnen und Musikern quasi auf die Finger schauen konnten und es waren für Botswana einfach sehr ungewohnte Klänge.




Ein großartiger Abend!