Freitag, 30. September 2016

50 Jahre Botswana! Pula!

Wie ich in den letzten Tagen verschiedenen Anzeigen und facebook-Posts entnehmen konnte, ist "Pula" ein Ausdruck der Freude - neben seinen anderen Bedeutungen (es ist außerdem das Wort für "Regen" und der Name der hiesigen Währung). Momentan wird es verstärkt als Jubel benutzt, denn es gibt hier etwas zu feiern: Die unabhängige Republik Botswana ist heute 50 Jahre alt geworden! Am 30.09.1966 wurde das bisherige Protektorat von den Engländern nach jahrelanger Vorbereitung in die Unabhängigkeit entlassen.

Die letzten 50 Jahre waren eine Erfolgsgeschichte für Botswana: Nach Diamentenfunden (praktischerweise erst ab 1967, da waren die Engländer schon weg) begann der wirtschaftliche Aufstieg, der zum heutigen relativen Wohlstand inklusive kostenlosem Schulsystem, Krankenversorgung und gut ausgebauter Infrastruktur geführt hat. Zudem hat die Republik Botswana weder Kriege geführt, noch ließ sie sich in welche verwickeln. Da können die Botswaner schon stolz drauf sein!
Und das sind sie auch. Schon bei meiner Ankunft im April fielen mir die "50 Jahre Botswana"-Aufsteller auf, die zum Beispiel die Kreisverkehre dekorieren. Noch mehr ins Auge fallen die T-Shirts in den botswanischen Farben (hellblau, weiß und schwarz) und mit dem Logo der diesjährigen Feierlichkeit. Heute Mittag waren Philip und ich essen und wurden von der Kellnerin darauf angesprochen, dass wir eigentlich auch solche T-Shirts bräuchten - sie und ihre Kollegen trugen selbstverständlich alle welche, auch in anderen Restaurants gehören sie seit ein paar Wochen zum Standard. Außerdem kann man in den Supermärkten Unabhängigkeits-Cremetorten (auch diese mit sehr viel hellblauer Speisefarbe), -Tassen, und -Fahnen kaufen und selbst Coca Cola hat eine Sonderedition Coladosen mit der botswanischen Flagge auf den Markt gebracht.

Im Stadion von Gaborone gab es letztes Wochenende, gestern und heute (beides Feiertage) eine Festveranstaltung nach der anderen. Ich meine irgendwo gelesen zu haben, dass der Präsident bei einer der Veranstaltungen sogar auf einem Zebra (dem Nationaltier Botswanas) ins Stadion reiten sollte und war eigentlich fest entschlossen, dass wir uns zumindest das mal ansehen müssten, aber wir haben die Feierlichkeiten dann doch nicht besucht. Kollegen von Philip hatten von Sanitätern gehört, dass diese davon abraten würden, zu den Veranstaltungen zu gehen - wenn irgendwas passiert wäre (Massenpanik o.ä.) wäre schnelle ärztliche Versorgung wohl ein Problem gewesen; auf Großveranstaltungen ist Gaborone nicht vorbereitet. Es ist aber wohl alles friedlich über die Bühne gegangen und wir haben immerhin den Festumzug auf dem Weg ins Stadion gesehen. Die mehr oder weniger geschmückten Wagen konnten jetzt nicht unbedingt mit dem Kölner Karneval mithalten, waren aber trotzdem schön anzuschauen. Fotos konnten wir leider keine machen - wir haben die Parade mehr zufällig gesehen, als wir in einem durch sie ausgelösten Stau feststeckten ... genau wie die Ausläufer der kleinen Flugshow, unter anderem mit Hubschraubern, an denen die botswanische Flagge hing.
Tja Botswana, dann auf die nächsten 50 Jahre! Pula!

Montag, 26. September 2016

How are you?

In englischsprachigen Ländern gehört die Frage "How are you?" quasi zur Begrüßungsformel dazu. Egal, ob wir hier ein Restaurant betreten oder im Supermarkt an der Kasse stehen - überall werden wir gefragt, wie es uns geht. Daran gewöhnt man sich recht schnell. Trotzdem hatte ich in Kapstadt meinen Englischlehrer darauf angesprochen, denn ab und an bin ich mir doch unsicher: Wenn ein Kellner uns im Restaurant mit "Hi, how are you?" begrüßt und wir antworten: "Hello, fine, thank you, and how are you?" antwortet er in der Regel nicht auf letztere Frage, sondern ist schon beim nächsten Thema: "Table for two?" Oder er wirkt kurz irritiert, bevor er antwortet ("I'm fine, table for two?").
In Restaurants oder Läden habe ich daher immer das Gefühl, dass die Gegenfrage dem Gegenüber nur Zeit klaut. Nicht zurückzufragen, wie es dem anderen geht, erscheint mir aber auf der anderen Seite unhöflich. Wobei ja eigentlich beide Seiten kein echtes Interesse am Befinden des anderen haben - es ist halt mehr eine Begrüßungsformel.
Mein Englischlehrer verstand das Problem (nach dem ersten ungläubigen Staunen, dass wir in Deutschland Fremde nicht unbedingt fragen, wie es ihnen geht). Eine Patentlösung hatte er aber auch nicht. Mit dem Zurückfragen handhabt man es halt nach Gefühl - der vielbeschäftigte Kellner muss nicht unbedingt gefragt werden, die Kassiererin im Supermarkt freut sich aber nach meiner Erfahrung auch mal über die Frage und hat ja auch Zeit, während sie die Waren übers Band zieht ...

So weit, so gut. Trotzdem gibt es Situationen, in denen ich das Ganze noch nicht verinnerlicht habe. Am Freitag war ich im Reisebüro unseres Vertrauens und hatte da einen Termin bei meiner Ansprechpartnerin. Ich ging also an die Rezeption, sagte hallo, stellte mich vor und erklärte, dass ich einen Termin hätte - erst danach fiel mir auf, dass ich die Frage "How are you?" da nicht mehr untergebracht hatte. Ich hatte sie einfach vergessen. Da kommt dann wieder die deutsche Direktheit in mir durch.
Wirklich irritiert mich die Frage "How are you?", wenn es bei uns klingelt. Es ist immer dasselbe: Ich gehe an die Gegensprechanlage, frage "Hello?" und mein Gegenüber fragt zurück: "Hello, how are you?" Und das auch, wenn wir uns noch nie gesehen haben und ich niemanden erwarte. Da steht also jemand Fremdes, der offenkundig etwas von uns will, und statt zu sagen, wer er und was das ist, fragt er erst einmal, wie es mir geht. Ich frage dann höflichkeitshalber auch zurück, wie es ihm geht, und schon hat man ein paar Sätze gewechselt, ohne auch nur einen Schritt weiter zu sein.

Mein Englischlehrer konnte sich dagegen nicht so recht vorstellen, wie es ohne "How are you?" klappen soll mit der erfolgreichen Begrüßung. Ein paar Tage nach unserem Gespräch zum Thema hielt er mir fröhlich folgendes Bild unter die Nase:


Zu seiner Erheiterung trug offensichtlich die Idee bei, dass man sich auch gleich so ein Schild umhängen könnte, wenn man auf den üblichen Smalltalk verzichten will. Ich fragte mich kurz, welches Bild von Deutschland ich ihm da vermittelt hatte. Völkerverständigung ist halt immer so eine Sache ...

Samstag, 24. September 2016

Hundsnächte

Ich mag Hunde sehr gerne - besonders gegrillt oder gebraten.
Doch von vorne: Die Tatsache, dass ich hier viel mit Hunden zu tun haben könnte, hätte mir schon während meiner Dienstreise nach Botswana im Januar bewusst werden können. Denn schon da erfuhr ich, dass eine meiner Mitarbeiterinnen wegen ihrer fünf Hunde an den (entgegengesetzten) Stadtrand gezogen ist - und damit 50 min Fahrtstrecke ins Büro auf sich nimmt. Sie engagiert sich auch in einer Nichtregierungsorganisation, die ein Tierheim für Hunde betreibt. So wurde mir quasi schon im Januar gesagt, dass wir ja wohl auch Hunde aus dem Tierheim zu uns nehmen würden.
So weit ist es bisher noch nicht gekommen. Viele Leute haben Hunde hier, sie gelten auch als eine gute Abschreckung gegen Einbrecher. Wenn Handwerker zu uns kamen, ist häufig die erste Frage "Do you have dogs?" - worauf ich meistens sage "I locked them away for the moment". Auch viele meiner GIZ-Kollegen haben Hunde, manche haben ihre Hunde nicht aus besagtem Tierheim, sondern haben sie bereits von früheren Einsatzorten, wie z.B. Laos oder Tadschikistan mitgebracht - und erzählen, dass die Hunde ursprünglich aus Tansania stammen. Tierliebe eben.
Entlang den Straßen sieht man dagegen kaum Hunde.

Ungefähr Mitte August scheinen auf dem Nachbargrundstück neue Mieter eingezogen zu sein (wir hatten schon bei unserer Nachbars-Einladung gehört, dass das Haus irgendwann vermietet werden soll). Sie haben ihre Hunde mitgebracht. Hunde kommen hier offenbar nicht ins Haus, also laufen sie frei auf den umfriedeten Grundstücken herum. Wobei "umfriedet" wohl nicht von "friedlich" zu kommen scheint, denn so verhalten sich die Hunde ganz und gar nicht. Sie haben sich wohl noch nicht an ihre neue Umgebung gewöhnt. Sie bellen und heulen gerne - was dann natürlich von anderen Hunden der weiteren Nachbarschaft aufgegriffen wird. Bevorzugt machen sie dies nachts. Ich hatte die Hoffnung, dass sie bis nach unseren Deutschland- bzw. Kapstadt-Aufenthalten etwas mehr eingewöhnt seien, aber so richtig viel besser ist es noch nicht geworden. Zugegeben, nachts bellen sie jetzt vielleicht nur noch alle zwei Stunden - aber spätestens mit Sonnenaufgang geht es dann richtig los.
So habe ich schon in mancher Nacht fantasiert: Würde Rattengift in einem leckeren Stück Fleisch, über die Mauer geworfen, helfen? Oder kommen dann bald neue Hunde und die Eingewöhnung geht von vorne los? Vielleicht sollte ich mir doch etwas anderes ausdenken? Zunächst könnte ich ja mal nach leckeren Hunderezepten schauen; bei Chefkoch.de habe ich zu Hundefleisch bisher noch nichts gefunden, und "kalter Hund" ist eben nicht das Gleiche wie toter Hund. Kennt jemand ein Rezeptportal mit chinesischer Küche?



P.S.: Liebe Hundehalter unter unseren mitlesenden Freunden und Familie: Wir lieben Eure Hunde auch, sie sind natürlich total wohlerzogen und wir kämen niemals auf die Idee, sie zu essen. Gerne bringen wir aber mal bei einem unserer nächsten Besuche ein gutes Rezept mit, sobald wir es hier erproben konnten.

Donnerstag, 22. September 2016

Zwischen Tafelberg und Pinguinen

Seit Sonntagabend bin ich wieder in Botswana und schon von verschiedenen Seiten gefragt worden, ob es nicht noch einen Blogbeitrag zu Kapstadt geben würde. Bisher habe ich mich ein bisschen davor gedrückt - ich weiß gar nicht, ob es für andere so nachvollziehbar ist, wieso ich Kapstadt so toll fand. Das lag nämlich gar nicht so sehr an Tafelberg und Waterfront, auch wenn diese beiden Wahrzeichen natürlich toll sind. Die Stadt hat Flair. Und Museen. Gleich mehrere Fußgängerzonen und Marktplätze. Richtige Buchhandlungen. Parks. Vieles davon sucht man in Gaborone vergebens. Und wie es mir fehlt, wurde mir erst bewusst, als ich es plötzlich wieder hatte (wobei, dass ich hier eine richtige Buchhandlung vermisse, wusste ich schon vorher). Mir war von Anfang an klar, dass man Botswana und Deutschland gar nicht vergleichen kann. Botswana und Südafrika dagegen liegen so dicht beieinander, dass ich auf diesen Riesenkontrast nicht vorbereitet war. Ich war einfach nicht darauf gefasst, dass mir Kapstadt SO gut gefallen würde.

Was diesen Eindruck zusätzlich verstärkt hat, war die Sprachschule. Abgesehen davon, dass mir der Unterricht sowohl Spaß gemacht als auch etwas gebracht hat, hat es mir gut getan, so viel unter Menschen zu sein. Und an so einer Sprachschule mit Leuten aus allen möglichen Ländern kommt man dermaßen leicht und unkompliziert in Kontakt - das war ich gar nicht mehr gewohnt. Hier in Gaborone ist es etwas mühsam. Trotz diverser Einladungen haben sich noch keine richtigen Freundschaften ergeben. Nun brauchen Freundschaften natürlich auch Zeit; in Kapstadt haben allerdings ein paar Tage ausgereicht, um sich mal zum Abendessen oder Kaffeetrinken zu verabreden. Die meisten von uns waren nur wenige Wochen in der Stadt und man kannte ja sonst kaum jemanden. Hier in Gaborone sind unsere Bekannten wie wir für Monate bzw. Jahre hier. Allerdings sind die meisten von ihnen ebenfalls hierher gekommen, ohne jemanden zu kennen und daher auf neue Kontake angewiesen - sollte man meinen. Trotzdem gestaltet es sich eher schwierig, Leute näher kennenzulernen. Warum? Eine schweizer Freundin schrieb mir, dass Deutsche ihrer Erfahrung nach auch nicht immer so offen für neue Kontakte wären - da hat sie offensichtlich Recht. Schade ist das halt, wenn man selbst Kontakte sucht - außerhalb des Golfplatzes, dem verweigere ich mich nach wie vor ...

Außerdem habe ich in Kapstadt eine Freundin wiedergetroffen, die ich 16 Jahre nicht gesehen hatte. Auch das war sehr schön und hat dazu beigetragen, dass ich Kapstadt einfach nur genossen habe. Da der geneigte Blogleser anhand meines Berichts jetzt aber vermutlich immer noch nicht weiß, ob sich die Stadt touristisch für ihn lohnt, hier zum Abschluss ein paar Sightseeing-Highlights:


Das Wahrzeichen von Kapstadt: Der Tafelberg! Eins der sieben Weltwunder, wie ich zu meiner Verblüffung erfuhr. Neben den "alten" sieben Weltwundern wurden vor ein paar Jahren nämlich neue gewählt - und im Rahmen dieser Wahl wurden zusätzlich die "Weltwunder der Natur" festgelegt. So gesehen ist der Tafelberg eigentlich nur eins von 21 Weltwundern ... was seine Schönheit nicht schmälert! Ich habe die Seilbahn genommen und bin oben rumgelaufen - die Aussicht in alle Richtungen ist großartig.


Machen wir mit den Superlativen gleich weiter: Der Botanische Garten in Kirstenbosch gilt sicher völlig zu recht als einer der Schönsten Botanischen Gärten der Welt. Die Anlage ist teils Park, teils Garten, am Hang gelegen und mit einem schönen Blick auf Kapstadt und den Tafelberg, zu dessen Fuß der Botanische Garten liegt. Absolut wunderschön!


Wunderschön ist auch ein Spaziergang an der Strandpromenade des Kapstädter Stadtteils Sea Point. Neben dem Blick aufs Meer gibt es eine Parkanlage mit ein paar Kunstwerken, Spielplätzen, Eisverkäufern ... und zwischendurch tatsächlich auch ein paar kleine Sandstrände.


Dieser Sandstrand ist allerdings woanders - nämlich am Boulders Beach, gute 40 km südlich der Stadt. Hier lebt eine Kolonie von Brillenpinguinen. Safari mal anders - am Strand watschelnde und in den Wellen planschende Pinguine sind ein toller Anblick!


Ebenfalls ein toller Anblick, selbst hier bei trübem Regenwetter, sind die bunten Häuser in Bo-Kaap, dem alten islamischen Viertel Kapstadts. Sie strahlen bei Wind und Wetter.

So viel als Kurzeindruck. Ganz ehrlich: Es dürfte auch unter anderen Voraussetzungen schwer fallen, sich nicht in diese Stadt zu verlieben. Es sage also niemand, ich hätte ihn nicht gewarnt ...

Samstag, 17. September 2016

Koffergeschichten

Zwei Wochen in Deutschland liegen hinter mir - etwas dominiert durch Koffergeschichten. Ich habe schöne Koffer, denn ich reise viel und habe mir daher mal solche gegönnt; sie rollen recht leicht, das ist angenehm. Doch von vorne.
Anlass meiner Deutschlandreise waren Gespräche im Ministerium, eine Konferenz sowie eine Fortbildung. Als braver Auslandsmitarbeiter (AMA) bin ich auch gleich nach der Landung in die GIZ-Zentrale nach Eschborn gefahren, um dort erste Gespräche zu führen, Kollegen wiederzutreffen etc. Wobei, ich bin nicht ganz gleich nach Eschborn gefahren. Zuerst schloss ich meinen großen Koffer am Bahnhof in ein Schließfach ein.
Als ich später an dem Tag gen Rheinland weiterfuhr, merkte ich im Zug kurz hinter dem Frankfurter Flughafen, dass ich doch mit recht leichtem Gepäck unterwegs war. Besser gesagt: Mein großer Koffer befand sich noch sicher verstaut am Frankfurter Hauptbahnhof. Die nette Schaffnerin hatte Mitleid mit mir und entwertete mein Ticket nicht. Nächster Stopp war Köln-Deutz.

Einen Tag später - nun hatte ich meinen kleinen Koffer in ein Schließfach gepackt, diesmal in Bonn vor einem Besuch im Ministerium - dachte ich sogar vor Abfahrt an mein Gepäck und kam nicht umhin, mich ein klein wenig stolz zu fühlen. Dafür hatte ich in der Zwischenzeit noch eine extra Tasche von meinen Schwiegereltern bekommen, mit ersten Einkäufen für Botswana. Vor der Weiterfahrt zu meinen Eltern für den Wochenend-Besuch machte ich noch einen kleinen Umweg zum Frankfurter Hauptbahnhof, ein Koffer wollte noch im Schließfach-Vergesslichkeitsland abgeholt werden.
Nach dem Wochenend-Besuch im Rheinland beschloss ich, nur mit dem großen Koffer weiterzureisen und den kleineren Koffer vorerst zu parken, so dass ich ihn nicht mehr vergessen konnte. Doch zurück von der Woche in Bad Neuenahr (Konferenz) und Eschborn (Fortbildung) stellte ich - wiederum im Rheinland - am Freitagabend fest, dass sich der große Koffer nicht mehr öffnen ließ, das Zahlenschloss war defekt. Edle Koffer haben ja einen Vorteil: Es gibt für sie Reparaturwerkstätten in Deutschland (alternativ: Johannesburg), doch die haben überwiegend nur unter der Woche auf. Deutschlandweit hat nur eine einzige Reparaturwerkstatt dieses Kofferherstellers samstags geöffnet, in Düsseldorf gelegen. So kam ich zu einem kleinen Ausflug nach Düsseldorf (und anschließend auch wieder an den Kofferinhalt).
Mit komplettem Gepäck ging's weiter in den Süden Deutschlands, Fortbildung zweiter Teil. Die Koffer waren bereits nicht mehr ganz leer. Am letzten Tag meines Deutschland-Aufenthalts kaufte ich noch einmal im Supermarkt ein. Ich war sicher, dass ich meine Einkäufe nicht mehr alle in die Koffer bekommen würde. Und es klappte doch.
Ja, man bekommt fast alles in Botswana - aber alles konnten wir dann bisher doch nicht finden, und manche Dinge sind auch günstiger in Deutschland. So füllte sich in Deutschland der Koffer langsam aber sicher von Stopp zu Stopp: ein paar Bücher, DVDs, CDs, aktuelle Zeitungen und Zeitschriften, ein neuer Computer für Walli, Goretex-Waschmittel, Schnürsenkel, gute Adapterstecker, allerlei weiterer Kleinkram, und schließlich noch Risottoreis, Brotgewürz und Sauerteig (zum Brotbacken), 2 Laibe Frankenbrot (schmeckt doch noch besser als selbstgebacken!) und 12 Stücke Käse. Der große Koffer wog am Ende 32 kg, den kleinen fürs Handgepäck habe ich vorsichtshalber nicht gewogen.
Insbesondere zu Wallis Erleichterung bin ich mit sämtlichen Gepäckstücken in Botswana eingetroffen. Willkommen zurück in Gaborone!

Sonntag, 4. September 2016

Kapstadt - alles eine Frage der Erwartungen

Ein heute geführtes Gespräch:
V.: "Und, wie gefällt Dir Kapstadt?"
Ich: "Ich finde es soooo toll! Das Flair, die kulturellen Möglichkeiten, es gibt dermaßen viel zu entdecken und man kann sich in der Stadt problemlos von a nach b bewegen, auch zu Fuß oder mit öffentlichen Verkehrsmitteln!"
V.: "Ja, ich war doch etwas enttäuscht, als ich hier ankam. Es kam mir gar nicht so afrikanisch vor."

Tja, zwei Deutsche, ein Eindruck von Kapstadt ... nur, dass wir ihn unterschiedlich bewertet haben. Es kommt eben immer auf die Erwartungshaltung an: V. (die ich in meiner Sprachschule kennengelernt habe) kam auf der Suche nach afrikanischer Exotik, während ich mir hier (neben  meinem Englischkurs) Kultur, Stadtbummel-Möglichkeiten und eine neue Batterie für meine Armbanduhr erhofft habe. (Das mag jetzt so klingen, als hätte ich keine hohen Ansprüche - aber findet mal in Gaborone einen Laden, der Uhrenbatterien wechselt!)

Insgesamt drei Wochen werde ich hier sein, die erste ist bereits vorbei. Kapstadt fühlt sich tatsächlich ziemlich europäisch an - und das nicht nur wegen des deutschen Feinkostgeschäfts, in das ich an meinem zweiten Tag hier gestolpert bin und dessen Regale mit Grafschafter Goldsirup, Brandt-Zwieback und der aktuellen BUNTEN mich doch etwas verstört haben. Es gibt historische Bauten, alte Kirchen, Bäckereien (!) und ein tadellos funktionierendes Nahverkehrssystem. Als Fußgänger ist man nur einer von vielen und auch wenn vor Taschendieben gewarnt wird, kann man hier problemlos mit dezentem Schmuck und Armbanduhr durch die Gegend laufen, ohne groß aufzufallen. Mein Studentenwohnheim ist in der Parallelstraße zur Partymeile Long Street (es GIBT hier eine Partymeile!) und der Hafen an der Waterfront ist einfach hübsch hergerichtet, inkl. kleinem Leuchtturm. Na ja, und Tafelberg und Meerblick geben der ganzen Stadt natürlich eine besondere Atmosphäre. Das ist schon sehr schön hier!

Weil die südafrikanische Währung "Rand" gerade besonders schwach ist, sind mindestens Essen und Getränke auch noch günstiger als in Botswana - und das im direkten Vergleich: Sowohl Supermarkt- als auch Restaurantketten kenne ich zum Teil aus Gaborone, auch die Produkte sind zum Teil die gleichen - Botswana importiert ja viel von hier, was natürlich auch dazu beiträgt, dass das Angebot dort etwas teurer ist.

Negativ ist zu erwähnen, dass hier in Kapstadt wirklich viele Bettler rumlaufen. Einige von ihnen sehen so abgerissen aus, dass sie sogar im Frankfurter Bahnhofsviertel auffallen würden. In Gaborone wird man sehr selten nach Geld oder Essen gefragt. Dort gibt es sicher auch Armut, aber keine Siedlungen, die ich als Township-ähnlich bezeichnen würde. Die Kontraste in Kapstadt sind schon extrem.
Das nur einen zweistündigen Direktflug entfernte Gaborone bietet ein ganz anderes Bild. Die Gründe sind vielfältig und in der Geschichte und Entwicklung zu suchen; nicht vergessen sollte man allerdings, dass die Metropolgemeinde Kapstadt über eine Million mehr Einwohner hat als ganz Botswana. Vergleiche hinken somit eh irgendwie.

Kapstadt ist in jedem Fall eine Reise wert! Botswana natürlich auch. Abgesehen davon, dass ich mir nicht vorstellen kann, dass irgendeine südafrikanische Region an das Okavango Delta herankommt, kann man in Gaborone schließlich Philip und mich besuchen ...