Freitag, 31. August 2018

Gästeblog: Wenn einer eine Reise tut ...

Nach einer unter anderem reisebedingten Blogpause präsentieren wir erfreut einen neuen Eintrag in unserer Rubrik "Gästeblog statt Gästebuch". In diesem beweist mein Vater, dass nicht nur das Leben und Reisen im südlichen Afrika viel Stoff für Anekdoten bietet - schon das Hinkommen kann es in sich haben ...


Reisefieber, der Nachbar und Hausbeschließer fährt die Reisenden mit Gepäck zum Bahnhof, die Regionalbahn auf die Minute pünktlich, der Regionalexpress schwächelt etwas, bleibt aber im Fünf-Minuten-Fenster. Köln, Boarding-Time des Zuges ist 17.53 Uhr, wir haben viel Zeit, noch volle Wasserflaschen, vier Wochen Hitzeperiode (30-38 Grad Celsius) gehen zu Ende, von Nordwest soll Kühlung kommen - und die kommt mit Starkregen, Hagel und Sturmböen: "Der ICE aus Berlin fällt aus, ein Baum liegt auf der Oberleitung und den Gleisen, der ICE aus Hamburg wird mit 40 Minuten Verspätung erwartet."
17.40 Uhr läuft ein total überfüllter ICE ein, der über Frankfurt weiterfährt: "Ja, den können sie nehmen, wenn sie noch Platz finden, die Platzkarten sind dann aber verfallen. Ihr ICE kommt, wird aber ein paar Minuten Verspätung haben."
Kaum war der ICE gestartet, wurde unser Zug angezeigt, mit einer kleinen "60" auf weißem Grund, der Lautsprecher erläutete "voraussichtlich 60 Minuten Verspätung"!
Er kam, sah etwas schmutzig und durchfeuchtet aus, die reservierten Plätze waren frei! Start mit 63 Minuten Verspätung, der Lokführer gab sich alle Mühe und holte drei Minuten auf. Halt in Frankfurt, Flughafenbahnhof, 19.49 Uhr - 1:31 Stunde vor Boardingtime.
Die Lufthansa hatte geschrieben: Gepäck bis 45 Minuten vor Abflug ihres Anschlussfluges im Fernbahnhof Frankfurt im AIRail-Terminal abzugeben. Dieser war schnell gefunden, sechs Schalter, alle besetzt, kaum Betrieb - aber eine Xantippe, uniformiert, deutlich übergewichtig, verteidigte mit erhobenen Händen den Eingang: "Wir haben geschlossen. Gehen Sie zur Halle A." Da half kein Argument.
Halle A gab es nicht im Schilderwald, wohl aber das Terminal 1A und das könnte gemeint sein. Dorthin im Geschwindeschritt mit Koffern und Rucksäcken. Von oben, beim Einschweben auf der Rolltreppe ergab sich folgendes Bild der Schalterhalle: Rechts vier Schalter besetzt für erste Klasse und Business-Klasse, kaum Betrieb, gelangweiltes Personal. Links vier Schalter besetzt, davor etwa 100m Schlangen von Koffernbesitzern, in der Mitte ein Gewusel von Kofferträgern vor vielen unbesetzten Schaltern und zwei Angestellte, die versuchten, die Fragen von jeweils einer Traube von Menschen zu beantworten.
Die unbesetzten Schalter waren SB-Schalter: Ein Herr vor uns drückte sein Handy auf ein bestimmtes Fenster, der Apparat spuckte das Kofferklebeband aus, auf Knopfdruck noch einen Beleg, der Koffer verschwand, fertig. Dieser nette Herr zeigte sein Können auch zwei Damen vor uns. Und, learning by watching: Koffer auf die Waage, QR-Code auf das Fenster im Automaten, Kofferklebeband am Koffer befestigt, Beleg entnommen, fertig - nach 30 Sekunden war auch der zweite Koffer auf dem Weg.
Sicherheitskontrolle, zur Boarding-Time am Gate, geschafft.

Johannesburg, im Transitbereich zur Schalterhalle für Transitflüge, ein Lufthansa-Schalter war nicht vorhanden, aber einer von Air Botswana. Eine reizende Dame prüfte die Unterlagen, stellte Boardingpässe aus, prüfte die Kofferbelege unterstützt von ihrem Computer und verkündete okay, die Koffer gehen nach Gaborone.

In Gaborones Flughafen kreiste das Kofferkarussell mit nur noch wenig Gepäckstücken, die Gesichter von zehn Wartenden wurden länger, routiniert begann das Personal mit dem Ausfüllen von Gepäcksuchmeldungen und beruhigenden Formeln: Keine Sorge, die Koffer kommen bestimmt mit dem nächsten Flugzeug, wir rufen sie an!
Die nicht restlos begeisterte Wiedersehensfreude hielt an. Nach dem Freitagnachmittagflug ein erfolgloser Anruf vom Flughafen, nach dem 21 Uhr-Flug nahm keiner mehr ab.
Samstag, nach dem Frühstück zum Flughafen - 18 km entfernt - Wir trinken im Flughafenrestaurant einen Kaffee, Brigitte wird in Begleitung einer Flughafenangestellten eingecheckt: Einlass im Abflugterminal, Sicherheitskontrolle, Passkontrolle, Gang über das Rollfeld zum Ankunftsterminal, Passkontrolle, Besichtigung der nicht abgeholten Koffer, Ausgang - erfolglos. Ein kompetenter Beamter ruft in Johannesburg an, stellt fest, dass das Gepäck dort ist, bekommt die Auskunft "kommt mit der nächsten Maschine". Jetzt muss es klappen, wir fahren zum Mittagessen in die Stadt. Um 15 Uhr wieder am Flughafen. Die Nachmittagsmaschine ist da, wir trinken wiederum Kaffee, während Brigitte (steht auf der Verlustmeldung oben!) die zweite Runde zwischen Abflug- und Ankunftsterminal startet und nach 25 Minuten erfolglos erscheint, einzige Änderung: Die uniformierte Begleitperson musste bei der Sicherheitskontrolle die Schuhe ausziehen! Nun telefoniert eine ranghöhere Flughafenangestellte mit Johannesburg, lässt uns mithören und wird sehr deutlich. Aus Johannesburg tönt es jawohl, der dortige Mitarbeiter wird dafür sorgen, dass die Gepäckstücke in der nächsten Maschine sind, nach 20 Uhr sollen wir telefonisch über den Erfolg dieser Maßnahme informiert werden.
Wir fahren zum Abendessen in die nächstgelegene Mall, der Anruf bleibt aus und wir sind um 21 Uhr wieder am Flughafen; Kaffee erübrigt sich, da das Restaurant schon geschlossen ist, Brigitte beginnt in Begleitung die dritte Runde am Abflugterminal - nur noch für sie geöffnet. Wir warten, mustern jeden Reisenden, jeden Koffer, und warten ... Da, gegen 21.30 Uhr öffnet sich der Ankunftsterminal noch einmal, es erscheint ein Gepäckwagen, darauf ein großer Koffer mit grünem Gurtband, dahinter der zweite Koffer, dann strahlend Brigitte - alles sinkt sich freudig in die Arme, der Urlaub kann beginnen.

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