Mittwoch, 19. Dezember 2018

Ohne Strom nix los

Das liebe Wetter in Botswana: In Deutschland mag das derzeit schwer vorstellbar sein, aber wenn wir morgens das Fenster aufmachen und die 25°C-warme Luft ins Haus strömt, dann wirkt das wie eine Erfrischung. Es ist relativ heiß zur Zeit, bei der Arbeit funktioniert die Klimaanlage nur eingeschränkt, und ganz Botswana wartet auf Regen: Seit Oktober sollte hier Regenzeit sein, geregnet hat es bisher aber kaum, höchstens mal 1-2mm, also auch für hiesige Verhältnisse wenig.
Vorvergangene Woche in der Nacht von Donnerstag auf Freitag gab es dann mal ein Gewitter - wieder mit fast keinem Regen - dafür fiel der Strom aus, und das gleich von 1 Uhr bis 8 Uhr morgens. Und nein, der Stromausfall lag nicht daran, dass wir unseren Strom nicht bezahlt hatten (wir haben ja Prepaid-Strom).
Bevor ich zur Arbeit ging, fuhr ich erst einmal zu einem (wegen Stromausfalls geschlossenen) Supermarkt, schließlich zu einer Tankstelle, wo ich einen Eisklotz besorgte, den wir in den Gefrierschrank legten. Erfreulicherweise kam der Strom kurz darauf wieder, doch der Eisklotz sollte sich trotzdem schon bald als nützlich erweisen.
Am Samstagnachmittag gab es nämlich wieder ein Gewitter, diesmal mit 8mm Regen innerhalb von 10 Minuten, ein ziemlich heftiger Guss. Und dann war der Strom weg, kurz darauf auch das Mobilfunknetz. Das war so gegen 17:30 Uhr. Gegen 18:30 Uhr wurde es langsam dunkel: Wir zündeten Kerzen an, holten eine Stirnlampe. Der Strom blieb weg. Und wir merkten wieder einmal, wie abhängig wir doch von Strom sind - vielleicht nicht ständig physisch, aber doch psychisch, denn irgendwann drehten sich die Gespräche nur noch darum. Bis wir ins Bett gingen, tat sich nichts. Nachts ging irgendwann unser Elektrozaun los - er hatte wieder Strom! Ich tigerte also durchs Haus, stellte den Elektrozaun aus und machte Lichtschalter aus. Nach 15 Minuten war der Strom wieder weg. Später muss er noch einmal wieder gekommen sein, die Klimaanlage im Schlafzimmer kühlte den Raum kurzzeitig und auch mein Handyakku lud ein Stück weit auf. Doch morgens wachten wir auf, weil es im Raum warm war, es gab keinen Strom.
Wir frühstückten, stellten dabei fest, dass der Käse aus dem Kühlschrank nach mehr als 12 Stunden bereits etwas warm war, hörten bei Kollegen in anderen Teilen Gaborones nach, die auch "stromlos" waren, und flüchteten schließlich ins Fitnessstudio. Wer hätte gedacht, dass wir dort einmal freudig erregt hingehen würden?! Ein Anruf hatte uns die Gewissheit beschert, dass sie Strom und geöffnet hatten; an der Rezeption gibt es Schließfächer mit Steckdose zum Handyladen, WLAN, Laufband, Klimaanlage und Warmwasser funktionierten. Wir sind also quasi im doppelten Sinne zum Akkus aufladen ins Fitnessstudio gegangen, auch das eine neue Erfahrung.
Für Sonntagmittag hatten wir Freunde zum Mittagessen eingeladen. Punkt 12 Uhr ging der Strom an, war aber schon nach einer halben Minute wieder weg. Glücklicherweise hat unser Herd neben zwei elektrischen Platten auch vier Gasflammen - und das gewählte Gericht ließ sich ohne weiteren Zusatz elektrischer Energie zubereiten. Die große Frage war nur: Wie länge hält sich rohes Hackfleisch in einem Kühlschrank ohne Strom? Unsere Antwort: Wenn man es brät, dann ist es auch noch nach 19 Stunden zu verwenden (bisher hörten wir noch von keinen diesbezüglichen Magen-Darm-Geschichten). 22 Stunden nach dem Stromausfall gingen unsere Freunde nach Hause, sie boten uns an, die Nacht bei ihnen zu verbringen, denn sie hatten Strom. Wir gaben ihnen fünf Stücke unseres guten, aus Deutschland importierten Käses aus dem Gefrierschrank mit, denn der war mittlerweile halbwegs auftaut. Unsere Freunde fanden, dass der Stromausfall durchaus auch positive Seiten hat ...
Nach ziemlich genau 24 Stunden kam der Strom wieder. Wir konnten es zunächst gar nicht glauben und gingen davon aus, dass er gleich wieder weg sein würde. Nach 15 Minuten fing die Hoffnung an zu keimen, dass er uns doch etwas länger erhalten bleiben würde, und so war es auch. Wir feierten den Strom. Kaum zu glauben, wie glücklich uns das machte. Für uns beide dürfte das der längste Stromausfall gewesen sein, an den wir uns erinnern (und ich schließe da auch meine Ghana-Erfahrungen ein, wo es häufig zu geplanten Stromabschaltungen kam, die jedoch meiner Erinnerung nach nie länger als 24 Stunden waren).
Mit etwas Abstand kann ich jetzt übrigens sagen, dass wir Glück gehabt haben. Eine Mitarbeiterin von mir hatte auch fünf Tage nach Beginn des Ausfalls noch keinen Strom. Der Stromversorger wartelefonisch so gut wie unerreichbar, wenn sie mal durchkam, wurde ihr gesagt, dass morgen jemand käme, was dann am nächsten Tag doch wieder nicht eintritt. Keine wirklich gute Erfahrung!

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