Glühwein, Nieselregen und eine Schneemannlampe von IKEA – der deutsche Dezember hat uns wieder! Zum ersten Mal seit 2015 erleben wir ihn in voller Länge und haben sogar eine kleine Vorweihnachtsparty veranstaltet, nachdem wir es bisher versäumt hatten, Geburtstage, Einzug oder neue Jobs zu feiern.
Im Januar und Februar hatten wir in Gaborone gefühlt eine Abschiedsparty nach der nächsten. Zwischendurch haben wir Autos, Möbel und Deko verkauft und die Reste einpacken lassen … es war eine intensive, schöne und manchmal auch schmerzliche Abschiedszeit. Am 26.02. ging unser Aufenthalt im südlichen Afrika zu Ende, als wir im Ethiopian Airlines-Flieger saßen, aus dem Fenster auf den schnuckeligen Gaboroner Flughafen guckten und es immer noch nicht richtig glauben konnten. Keine 24 Stunden später fanden wir uns mit sechs Koffern, zwei Kisten und zwei kleinen Rucksäcken in Frankfurt wieder. Neustart!
Und der lief recht gut an, allerdings auch ohne Pause, zumindest für Philip: Zwei Tage später saß er bereits an seinem neuen Arbeitsplatz. Fernab von der Projektumsetzung des südlichen Afrikas arbeitet er nun in einer Stabsstelle und macht sich Gedanken zu Wirtschaftlichkeit, Gesellschaftsvertrag, künftigen Geschäftsmodellen der GIZ und weiteren solcher schwer verdaulichen Grundsatzfragen. Er lernt die GIZ noch einmal ganz anders kennen und der neue Job macht ihm trotz der manchmal mühseligen Abstimmungsrunden im Haus Spaß.
Walli hatte etwas mehr Zeit, sich zu akklimatisieren, genoss das Leben in Frankfurt-Bockenheim (rumlaufen! Kulturveranstaltungen! Wochenmarkt!) und meldete sich beim Arbeitsamt. Ein prima Bewerbungstraining, ein kleiner Übergangsnebenjob bei ihren früheren Büronachbarn, Besuch verpasster Kabarettprogramme – Langeweile kam keine auf. Und seit 20. Mai steht oben in ihrem Lebenslauf auch wieder ein Vollzeitjob: Kundenmanagerin bei der Frankfurter Buchmesse – das hätte sie von Botswana aus nicht mal zu hoffen gewagt. Zum ersten Mal in unseren Berufsleben ist Wallis Job durch die Betreuung ausländischer Aussteller nun internationaler als Philips, der derzeit höchstens mal mit dem Bonner Ministerium kommuniziert. Der entscheidende Tipp für Wallis Jobsuche kam übrigens von zwei früheren Kommilitoninnen. So ein totaler Neustart war unser neues Frankfurter Leben nämlich doch nicht – wir konnten an so einiges anknüpfen. Das war schön und machte es einfacher.
Ende Juni folgte dann der nächste Umzug: Von unserer Zwischenmiete-Bleibe in unsere alte Wohnung. Dort gab’s dann auch ein schnelles, freudiges, vollständiges und fast unbeschädigtes Wiedersehen mit unserem Umzugsgut und bald zogen auch unsere neuen Möbel bei uns ein, die wir seit Ende April bei zahlreichen Möbelhaustouren zusammengestellt hatten. Es dauerte dann allerdings doch bis Mitte Oktober, bis die Wohnung einigermaßen komplett war – da wurden die Bücherregale geliefert, passenderweise während der Frankfurter Buchmesse.
Und dann hat sich der Zustand von Philips Vater im Laufe des Jahres immer weiter verschlechtert. Jede Verschlechterung war belastend, und bevor man sich irgendwie daran gewöhnen konnte, setzte schon die nächste ein. Man ist dem schutzlos ausgeliefert – als Erkrankter wie auch als Angehöriger.
Am 27. September ist Philips Vater gestorben.
Auch wenn er schwer erkrankt war, so hatten wir noch nicht so schnell mit seinem Tod gerechnet. Es ist ein schöner Gedanke, dass wir ihn am Wochenende zuvor noch erleben durften und ihn an seinen letzten Tagen begleiten konnten. Er fehlt uns.
Uns haben viele gute Freunde durch dieses Jahr begleitet, die da waren, zugehört haben, Hilfe angeboten haben. Das hat sehr gutgetan! Dazu kommt großes Glück mit den neuen Kollegen. Und nach drei Auslandsjahren haben wir 2019 auch ganz ungewohnt viele Familienmitglieder wiedergesehen – wenn auch nicht nur zu schönen Anlässen.
2019 sind wir auch gereist, wenngleich weniger als in den letzten Jahren. Die Ziele waren toll: Zum Jahresanfang noch eine Abschieds-Safari in Madikwe / Südafrika, später Bodensee, Wien, Ägypten. Zwar gibt es auch am Bodensee einen Affenberg, in Wien den Schönbrunner Zoo (den wir ausgelassen haben) und in Ägypten viele Fische beim Schnorcheln und ein paar Delfine – aber die Großwild-Safaris vermissen wir doch. Und unser Dachzelt. Und die Weite des südlichen Afrikas. Aber wenn Walli nostalgisch wird, erinnert Philip sie immer daran, was wir nicht vermissen: Internetprobleme, botswanische Handwerker, beunruhigende Autogeräusche, Ameisen in der Küche, Termiten an den Palmen sowie Elektrozäune und Alarmanlagen.
In der Frankenallee 25 in Frankfurt haben wir zwar deutlich weniger Platz als im Duo Close in Gaborone, aber dennoch auch hier ein Gästesofa mit Schlafcouch. Bisher wurde das von Wallis Eltern, Philips Mutter und Geno und Ali ausprobiert, die uns lustigerweise auch alle in Botswana besucht hatten. Gaborone-Erfahrung ist aber keine Voraussetzung für einen Besuch bei uns – kommt ruhig mal vorbei!
2020 haben wir bislang folgendes geplant: Keine Umzüge, keine Jobwechsel und weniger Möbelhausbesuche. Wir freuen uns darauf – und wünschen Euch jetzt wunderschöne Weihnachten!
PS: Für alle, die sich noch nicht unsere teils alten, teils neuen Adressdaten notiert haben, hier noch einmal der Überblick:
Frankenallee 25
60327 Frankfurt
waltraut@madelung-online.de
mobil: 0163 5112408 (altbekannt)
philip@madelung-online.de
mobil: 0178 1024177 (neu)