Die Kleine tritt inzwischen halbwegs selbstbewusst auf, aber am Sonntagabend war sie ein zitterndes, miauendes-schreiendes Bündel vor unserer Haustür, das eilig in die Dunkelheit huschte, als es uns sah. Wir dachten uns wenig dabei - hier war ja schon einmal eine Katzenmutter mit ihren Jungen im Garten. Aber am Montagmorgen war die Kleine wieder laut maunzend vor der Tür. Sie lief immer weg, wenn man sich ihr zu dicht näherte. Ich stellte ihr schließlich was zu trinken hin und eine gepolsterte Auflaufform (wir sind nicht so richtig gut ausgestattet für Katzenbesuch), in die sie sich dann auch hineinkuschelte, als ich wieder weg war.
Da blieb sie dann - von der Katzenmutter keine Spur. Mittags lief das Kätzchen dann in ein Beet und als ich nach ihr schaute, bekam ich einen ziemlichen Schreck: Ihr tropfte Speichel runter, sie
blinzelte heftig, miaute und zitterte, schien mich aber gar nicht mehr
wahrzunehmen. Ein Telefonat später packte ich sie in einen Schuhkarton
(was sie willenlos mit sich machen ließ) und dann fuhren wir zu einer Tierarztpraxis, die mir empfohlen worden war.
Ich guckte ab und zu in den Karton, ob das Kätzchen noch lebte, aber es
schlief nun ganz friedlich. Die Tierärztin stellte Unterkühlung und
Mangelernährung fest und außerdem die Vermutung auf, dass das Kätzchen
ein Mädchen ist. Sie bekam gleich noch eine Entwurmungstablette und dann
fuhren wir wieder nach Hause, wo ich sie in einen dicken Pulli
kuschelte und ihr das soeben erworbene Whiskas für Kätzchen ab zwei Monate
vorsetzte. (Wie alt die Kleine ist, wissen wir nicht - die Tierärztin
meint, sie ist vermutlich etwas älter, als sie aussieht, wegen der
Mangelernährung ... Katzenfutter ab zwei Monate frisst sie auf jeden Fall
mit Begeisterung.)
Abends war sie dann schon wieder einigermaßen fit und wollte viel gestreichelt werden. Das war schon eine schnelle Entwicklung von Angst zu Apathie und schließlich Anhänglichkeit ...
Inzwischen ist sie sehr neugierig, verspielt und unternehmungslustig. Sie lebt nun auf unserer Terrasse, was sie nicht so ganz einsieht - tastächlich stemmt sie ihre Pfötchen ab und an anklagend gegen unsere Terrassentür und maunzt, als wäre es ihr Geburtsrecht, unser Wohnzimmer zu betreten. Sie ist schon sehr, sehr süß.
Aber wir werden sie trotzdem nicht behalten. Ich habe nämlich eine Tierhaarallergie (und das bedeutet in meinem Fall nicht nur ein bisschen Naselaufen). Katzenbilder können Menschen ja echt emotionalisieren, das kennt man von den Internetvideos. Ich habe das dann auch gleich im Selbstversuch erfahren - nicht, weil die Katze mich so niedlich anschnurrte, sondern weil ich unter anderem die Nachricht bekam, wenn ich sie weggeben würde, käme das einer Abtreibung gleich ... (Liebe Frankfurter, ich hoffe Ihr beruhigt Euch wieder! Und verzeiht mir, dass ich das Kätzchen nicht behalte - ich sehe dafür auch über Eure emotionale Erpressung hinweg ;-)) Ganz ehrlich: Ich sehe es ja eher so, dass wir dieses Katzenbaby gerettet haben und gerade aufpäppeln und ihr so eine Chance auf ein hoffentlich langes Katzenleben geben, wenn auch nicht bei uns. Das nur mal so als meine Perspektive ...
Ich habe gestern also eine Anzeige erstellt, die GIZ-intern rumgemailt wurde und nun hoffen wir, dass wir ein schönes Zuhause für die Kleine finden und sie nicht ins Tierheim geben müssen. (Wobei sich eine ehemalige Mitarbeiterin von Philip im hiesigen Tierheim sehr engagiert - ich bin mir daher relativ sicher, dass es nicht mit der Vorhölle gleichzusetzen ist!). Bis nächste Woche muss eine Lösung her, denn dann fliegt Philip nach Deutschland und ich nach Namibia. Aber bis dahin wird noch gekuschelt, gespielt und aufgepäppelt.

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