Unsere Zeit in Botswana nähert sich dem Ende - immer schneller und schneller. Und so liegen inzwischen bereits zwei von drei Abschiedspartys hinter uns. Letzte Woche Dienstag hatten wir Philips Mitarbeiter mit Partnern zu uns eingeladen. Philip grillte, ich hatte Salate gemacht und es war ein sehr vergnügter Abend, bei dem vor allem der Projektfahrer ungeahnte Entertainer-Qualitäten bewies.
Insgesamt waren wir zu elft, eine sehr gut händelbare Anzahl von Gästen. Abschiedsparty Nummer zwei sollte jedoch größer sein, war sie doch als unsere "richtige" Abschiedsparty geplant, zu der wir unsere Freunde einladen wollten. Da wir mit um die 30 Gästen rechneten, entschieden wir uns hier erstmals, ein Catering zu bestellen. Wir waren letztes Jahr auf einer Party bei Freunden, die sich das Büffet von einer Deutschen namens Heidi hatten liefern lassen. Heidi betreibt ca. 20 km außerhalb von Gaborone einen Ponyhof mit angeschlossenem Café und ist gerade dabei, ihren Restaurantbetrieb auszubauen. Sie richtet auch Kindergeburtstage dort aus und als wir vor fast drei Wochen zu einem eingeladen waren, engagierte ich sie für unsere Abschiedsparty. Schließlich stellten wir auch noch fest, dass sie Rheinbacherin ist (dort bin ich aufs Gymnasium gegangen) und ihr Ex-Mann der Sohn meiner alten Schulsekretärin, die im gleichen Dorf wie ich wohnte ... die Welt ist klein! Wenn ich in Rheinbach jemanden aus Rheinbach treffe, ist da keine größere Verbundenheit. In Botswana hingegen fühlt es sich schon fast nach Verwandtschaft an.
Also fuhr ich ein paar Tage später wieder nach Notwane, um mit Heidi das Büffet durchzusprechen. Im Gepäck hatte ich einen Eimer mit vier Fröschen, die Philip aus unserem Swimmingpool und unser Nachbar aus seinem Teich gefischt hatte, wegen akuter Lärmbelästigung. Ich setzte sie - mit Heidis Einverständnis - in deren Teich aus, dann planten wir mit ihrem neuen, indischstämmigen Koch das Essen. Heidi bot für das Büffet unterschiedlich gefüllte Wraps an sowie Kartoffelsalat und Frikadellen, er schlug zusätzlich indisch zubereiteten Blumenkohl und Brokkoli vor, Chicken Wings in Barbecuesauce sowie indische Kartoffelbällchen. Als Nachtisch beschlossen wir Obstspieße und Tiramisu und schon stand das deutsch-indische Büffet. Heidi bot noch an, mir Wassergläser und Tische auszuleihen, die sie dann auch schon vorab vorbeibrachte. Unter anderem lieh sie uns zwei sogenannte "Bierkreuze" aus, kreuzförmige Stehtische, die zum Erfolg unserer Party tatsächlich maßgeblich beitrugen.
Heidi hatte mir auch geraten, zwei Maids für den Abend zu engagieren; eine sollte abspülen, eine leere Flaschen, Gläser und Teller einsammeln. Da unsere Maid Patricia sehr weit außerhalb wohnt, engagierte ich die von Freunden mit ihrer Mutter. Sie sollten gegen 17:30 Uhr da sein - auch ein Tipp von Heidi, damit sie in jedem Fall vor Ort wären, wenn das Essen gegen 18 Uhr geliefert werden würde. Die Maids waren dann auch sehr pünktlich, das Essen weniger - es kam erst kurz nach 19 Uhr und damit nach den ersten Gästen. Es wird mir im Gedächtnis bleiben, wie die beiden Helferinnen vorab arbeitslos in unserem Wohnzimmer saßen und die Ältere anfing, mit den Armen zu Totos "Africa" mitzugrooven, das natürlich auf unserer Abschieds-Playlist stand.
Da wir die Tische bereits im Vorfeld aufgebaut hatten und auch Teller und Besteck schon bereitlegen konnten (wir hatten uns von einer Freundin zusätzliches ausgeliehen), musste das Essen nur noch im Wohnzimmer bereitgestellt werden, während sich die ersten Gäste schon im Garten unterhielten. Die Getränke hatten wir selbst besorgt und in Kühlboxen auf die Terrasse gestellt. Unser Gärtner Sam fungierte als Parkplatzwächter und saß in einem unserer Campingstühle vor dem Haus. Jetzt konnte die Party beginnen - und das tat sie! Unsere Gäste saßen auf der Terrasse oder standen an den Bierkreuzen auf unserem Kunstrasen, die sehr halfen, dass sich die Leute mischten. Wir hatten den Eindruck, dass sich sämtliche Konstellationen bestens unterhielten. Die einzigen, die eher gelangweilt wirkten, waren meine 11- und 13-jährigen serbischen Deutschschülerinnen, was aber abzusehen gewesen war. Sie hatten mich im Vorfeld gefragt gehabt, ob es Süßigkeiten geben würde, und nachdem ich ihnen ein Tellerchen vorbereitet und sie außerdem mit dem WLAN-Passwort versorgt hatte, wurde der Abend für sie einigermaßen erträglich. Ihre Mutter hatte eigentlich gar nicht vorgehabt, lange zu bleiben, zumal ihr Mann krank zu Hause geblieben war, war aber dann immens gefragt: Da Olga Pianistin ist, hatte ich schon einen Freund von uns auf sie angesetzt, der sein Klavier verkaufen wollte; überdies vermietet ihre Familie ein Haus, an dem eventuell ein anderer Kollege von Philip Interesse hat. Auch die Freundin, die den Deutschunterricht von mir übernehmen wird, war mit Verlobtem und Eltern zugegen - unser einziger Gast, der außer Philip und mir eigentlich niemanden kannte, war also fast der Gefragteste! Aber auch sonst wurden neue Bekanntschaften geschlossen, eine Schnapsflasche leergetrunken und sogar eine Schildkröte weitervermittelt.
Philip und ich wurden reich beschenkt mit Kissenbezügen und einer Tischdecke, die wir uns zuvor bei Botswana Craft ausgesucht hatten. Es gab auch eine kleine Rede und ein Gruppenfoto und ich erinnerte mich an unsere Einweihungsparty, die zwar nett gewesen war, auf der ich aber so gut wie niemanden gekannt hatte, weil wir ja noch ziemlich neu im Land gewesen waren. Der Unterschied hätte kaum größer sein können. Von den Gästen unserer Einweihungsparty war tatsächlich kein einziger auf unserer Abschiedsparty: Mit einigen ergab sich später kaum Kontakt, andere, die wir sonst gerne eingeladen hätten, haben inzwischen das Land verlassen. Aber auf unserer Abschiedsparty waren auch viele "Neuankömmlinge", also Freunde, die in den letzten drei Jahren erst nach uns in Gaborone angekommen sind. Unser Start in Botswana war nicht ganz einfach und der Abschied wird es leider auch nicht werden, denn viele liebe Menschen werden uns fehlen.
Apropos fehlen: Was an diesem Abend in keinster Weise fehlte, war das Essen! Vom Kartoffelsalat, den Chicken Wings und dem Tiramisu wurde maximal ein Drittel gegessen. Ich bot den Maids an, sich Carepakete einzupacken und versorgte nicht nur unseren Gärtner mit Essen, sondern auch den Wachmann von gegenüber, mit dem er sich im Laufe des Abends angefreundet hatte (die Essensversorgung war eventuell eine ungeahnte Investition in die Zukunft - dazu mehr im nächsten Blogeintrag). Gegen Mitternacht rief ich für Sam und die beiden Damen noch Taxen, dann saßen wir mit den letzten Freunden noch bis nach 1 Uhr zusammen - für Gaboroner Verhältnisse ist das krass lang!

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