Posts mit dem Label Gästeblog werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Gästeblog werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Freitag, 31. August 2018

Gästeblog: Wenn einer eine Reise tut ...

Nach einer unter anderem reisebedingten Blogpause präsentieren wir erfreut einen neuen Eintrag in unserer Rubrik "Gästeblog statt Gästebuch". In diesem beweist mein Vater, dass nicht nur das Leben und Reisen im südlichen Afrika viel Stoff für Anekdoten bietet - schon das Hinkommen kann es in sich haben ...


Reisefieber, der Nachbar und Hausbeschließer fährt die Reisenden mit Gepäck zum Bahnhof, die Regionalbahn auf die Minute pünktlich, der Regionalexpress schwächelt etwas, bleibt aber im Fünf-Minuten-Fenster. Köln, Boarding-Time des Zuges ist 17.53 Uhr, wir haben viel Zeit, noch volle Wasserflaschen, vier Wochen Hitzeperiode (30-38 Grad Celsius) gehen zu Ende, von Nordwest soll Kühlung kommen - und die kommt mit Starkregen, Hagel und Sturmböen: "Der ICE aus Berlin fällt aus, ein Baum liegt auf der Oberleitung und den Gleisen, der ICE aus Hamburg wird mit 40 Minuten Verspätung erwartet."
17.40 Uhr läuft ein total überfüllter ICE ein, der über Frankfurt weiterfährt: "Ja, den können sie nehmen, wenn sie noch Platz finden, die Platzkarten sind dann aber verfallen. Ihr ICE kommt, wird aber ein paar Minuten Verspätung haben."
Kaum war der ICE gestartet, wurde unser Zug angezeigt, mit einer kleinen "60" auf weißem Grund, der Lautsprecher erläutete "voraussichtlich 60 Minuten Verspätung"!
Er kam, sah etwas schmutzig und durchfeuchtet aus, die reservierten Plätze waren frei! Start mit 63 Minuten Verspätung, der Lokführer gab sich alle Mühe und holte drei Minuten auf. Halt in Frankfurt, Flughafenbahnhof, 19.49 Uhr - 1:31 Stunde vor Boardingtime.
Die Lufthansa hatte geschrieben: Gepäck bis 45 Minuten vor Abflug ihres Anschlussfluges im Fernbahnhof Frankfurt im AIRail-Terminal abzugeben. Dieser war schnell gefunden, sechs Schalter, alle besetzt, kaum Betrieb - aber eine Xantippe, uniformiert, deutlich übergewichtig, verteidigte mit erhobenen Händen den Eingang: "Wir haben geschlossen. Gehen Sie zur Halle A." Da half kein Argument.
Halle A gab es nicht im Schilderwald, wohl aber das Terminal 1A und das könnte gemeint sein. Dorthin im Geschwindeschritt mit Koffern und Rucksäcken. Von oben, beim Einschweben auf der Rolltreppe ergab sich folgendes Bild der Schalterhalle: Rechts vier Schalter besetzt für erste Klasse und Business-Klasse, kaum Betrieb, gelangweiltes Personal. Links vier Schalter besetzt, davor etwa 100m Schlangen von Koffernbesitzern, in der Mitte ein Gewusel von Kofferträgern vor vielen unbesetzten Schaltern und zwei Angestellte, die versuchten, die Fragen von jeweils einer Traube von Menschen zu beantworten.
Die unbesetzten Schalter waren SB-Schalter: Ein Herr vor uns drückte sein Handy auf ein bestimmtes Fenster, der Apparat spuckte das Kofferklebeband aus, auf Knopfdruck noch einen Beleg, der Koffer verschwand, fertig. Dieser nette Herr zeigte sein Können auch zwei Damen vor uns. Und, learning by watching: Koffer auf die Waage, QR-Code auf das Fenster im Automaten, Kofferklebeband am Koffer befestigt, Beleg entnommen, fertig - nach 30 Sekunden war auch der zweite Koffer auf dem Weg.
Sicherheitskontrolle, zur Boarding-Time am Gate, geschafft.

Johannesburg, im Transitbereich zur Schalterhalle für Transitflüge, ein Lufthansa-Schalter war nicht vorhanden, aber einer von Air Botswana. Eine reizende Dame prüfte die Unterlagen, stellte Boardingpässe aus, prüfte die Kofferbelege unterstützt von ihrem Computer und verkündete okay, die Koffer gehen nach Gaborone.

In Gaborones Flughafen kreiste das Kofferkarussell mit nur noch wenig Gepäckstücken, die Gesichter von zehn Wartenden wurden länger, routiniert begann das Personal mit dem Ausfüllen von Gepäcksuchmeldungen und beruhigenden Formeln: Keine Sorge, die Koffer kommen bestimmt mit dem nächsten Flugzeug, wir rufen sie an!
Die nicht restlos begeisterte Wiedersehensfreude hielt an. Nach dem Freitagnachmittagflug ein erfolgloser Anruf vom Flughafen, nach dem 21 Uhr-Flug nahm keiner mehr ab.
Samstag, nach dem Frühstück zum Flughafen - 18 km entfernt - Wir trinken im Flughafenrestaurant einen Kaffee, Brigitte wird in Begleitung einer Flughafenangestellten eingecheckt: Einlass im Abflugterminal, Sicherheitskontrolle, Passkontrolle, Gang über das Rollfeld zum Ankunftsterminal, Passkontrolle, Besichtigung der nicht abgeholten Koffer, Ausgang - erfolglos. Ein kompetenter Beamter ruft in Johannesburg an, stellt fest, dass das Gepäck dort ist, bekommt die Auskunft "kommt mit der nächsten Maschine". Jetzt muss es klappen, wir fahren zum Mittagessen in die Stadt. Um 15 Uhr wieder am Flughafen. Die Nachmittagsmaschine ist da, wir trinken wiederum Kaffee, während Brigitte (steht auf der Verlustmeldung oben!) die zweite Runde zwischen Abflug- und Ankunftsterminal startet und nach 25 Minuten erfolglos erscheint, einzige Änderung: Die uniformierte Begleitperson musste bei der Sicherheitskontrolle die Schuhe ausziehen! Nun telefoniert eine ranghöhere Flughafenangestellte mit Johannesburg, lässt uns mithören und wird sehr deutlich. Aus Johannesburg tönt es jawohl, der dortige Mitarbeiter wird dafür sorgen, dass die Gepäckstücke in der nächsten Maschine sind, nach 20 Uhr sollen wir telefonisch über den Erfolg dieser Maßnahme informiert werden.
Wir fahren zum Abendessen in die nächstgelegene Mall, der Anruf bleibt aus und wir sind um 21 Uhr wieder am Flughafen; Kaffee erübrigt sich, da das Restaurant schon geschlossen ist, Brigitte beginnt in Begleitung die dritte Runde am Abflugterminal - nur noch für sie geöffnet. Wir warten, mustern jeden Reisenden, jeden Koffer, und warten ... Da, gegen 21.30 Uhr öffnet sich der Ankunftsterminal noch einmal, es erscheint ein Gepäckwagen, darauf ein großer Koffer mit grünem Gurtband, dahinter der zweite Koffer, dann strahlend Brigitte - alles sinkt sich freudig in die Arme, der Urlaub kann beginnen.

Donnerstag, 26. April 2018

Gästeblog: Genussreisen in Südafrika

Aus der Reihe "Gästeblog statt Gästebuch" hier ein neuer Eintrag, verfasst von meiner Mutter:
         
Ein Gastbeitrag, obwohl ich nicht in Gaborone war? Ja doch! Philip und Walli waren trotzdem meine Gastgeber, meine Reisegastgeber. Oder in anderen Worten: Ich hatte ab Kapstadt pauschal gebucht. Wenn man individuell reisen und sich doch um nichts kümmern möchte, kann ich  nur eine Reise mit den beiden empfehlen. Wünsche werden jederzeit berücksichtigt, die Quartiere sind sehr schön ausgesucht, mögliche Aktivitäten und das geeignete Lokal vor Ort schnell recherchiert, der Weg ist dank App und südafrikanischer SIM-Karte auch in unwegsamstem Gelände und auch bei Nacht (nur ausnahmsweise!) nie ein Problem.

Kapstadt und die Garden Route:
Kapstadt war zumindest für mich als Kapstadt-Neuling gleich zu Beginn der Höhepunkt schlechthin. Tafelberg bei Sonnenschein und tollem Licht, die Fahrt an der Atlantikküste entlang bis zu den Pinguinen, denen man aus nächster Nähe beim Brüten zusehen kann, das neue Museum an der Waterfront, das architektonisch großartig ist, etc. Aber es gab auch in den folgenden Tagen täglich einen Höhepunkt - oft ganz unerwarteter Art. Das wine and food pairing in Franschhoek an der südafrikanischen Weinstraße, die beeindruckende Tropfsteinhöhle in Oudtshoorn, der Swartbergpass in der Klein Karoo (mit Philips sichtlichem Vergnügen am Pass- und Pistenfahren), der Sandstrand in den Buchten des Indischen Ozeans, als wir dann bei George auf die eigentliche Garden Route stießen, der Moment, als am sogenannten Dolphin Viewpoint  bei Wilderness wirklich gerade eine Schule Delphine vorbeizog, das kleine „normannische“ Kirchlein mit der großen Ausstrahlung in Belvidere, das einen kurz nach England zu beamen schien, die netten Gespräche mit den Gastgeber/innen in unseren Quartieren, die durchweg schön und manchmal (auf den Farmen ) mit viel Liebe zu Stil und Detail gestaltet waren, die Wanderung zur Hängebrücke im Tsitsikamma-Teil des Nationalparks und nicht zuletzt am letzten Tag die Elefanten mit den vielen Jungtieren im Addo Elephant Park, die sich mit großer Gelassenheit aus allernächster Nähe betrachten ließen … und wieder „etc.“
Ein Regentag bei zehn Reisetagen ist auch ein sehr fairer Deal des Wettergottes. Nachdem die Nachosterwoche vorbei war, begann hier die Nachsaison mit sehr angenehmen Temperaturen von 20 bis maximal 30 Grad, abends fing es an merklich kühler zu werden.

Nur dieses Land zu verstehen, ist uns sicherlich nicht gelungen. Wir haben uns auf einer „weißen“ Reiseroute bewegt. Unsere  diversen Reiselektüren haben den Blick geöffnet für ganz andere Perspektiven. Aber ob und wie das Land funktioniert, funktionieren kann und  auf dem geschichtlichen Hintergrund funktionieren wird, haben wir immer wieder diskutiert, uns einer Antwort jedoch kaum angenähert.

Ein ganz, ganz großes Dankeschön an meine Reisegastgeber, dass sie mir diese Reise ermöglicht haben. Es hat gut getan und es war eine schöne Erfahrung, dass unser Reiserhythmus so gut zusammengepasst hat.

Donnerstag, 28. Dezember 2017

Gästeblog: Nachgereicht

Wir haben ein Weihnachtsgeschenk bekommen! Einen Blogbeitrag, geschrieben von Geno. Sie und ihr Mann Ali haben uns Ende Mai/Anfang Juni besucht. Die Freude ist groß, wir wollen sie gleich mit Euch teilen, hier der neueste Beitrag aus der Serie "Gästeblog statt Gästebuch" (wir hoffen, diese Serie wirkt nicht abschreckend auf potentielle Besucher, wie Ihr seht akzeptieren wir auch noch späte Einsendungen!):


Mittlerweile ist es bereits einige Monate her, dass wir Walli und Philip in Botswana besucht haben. Na ja, wir hatten uns eher einquartiert mit der Option auf unbestimmte Verlängerung und die beiden waren so höflich, sich auf das Abenteuer einzulassen.
Aber nun von vorne mit der Geschichte: Ich kenne Walli bereits seit dem Kindergarten und als sie erzählte, dass sie mit Philip nach Botswana geht, war klar, dass ich die Möglichkeit für einen Besuch nutzen wollte. So war ich im Mai dieses Jahres für insgesamt vier Wochen mit meiner Schwester Christiane und meinem Mann Ali im südlichen Afrika unterwegs. Namibia, Botswana und Zimbabwe lagen auf unserer Reiseroute. Nun ist eine Reise durch Afrika vieles, vor allem eine Lektion in Geduld und Gelassenheit und wir haben unsere Lektion gelernt. Trotz monatelanger Reisevorbereitung waren unsere Probleme nicht etwa der Begegnung mit wilden Tieren beim Camping oder der Sorge um unsere Malariaprophylaxe geschuldet, sondern eher bürokratischer Natur. In Swakopmund war uns das Auto aufgebrochen worden. Der Dieb hatte dabei nicht nur einen Gebetsteppich ergattert, sondern auch Alis Aufenthaltstitel für die Bundesrepublik Deutschland, ohne die er nicht mehr nach Hause einreisen konnte. Der Versuch, bis zum Ende unserer geplanten Reise irgendwie Ersatz für die verloren gegangen Papiere zu beschaffen, war gescheitert und so setzten wir unsere geplante Reise durch Namibia, Botswana und Zimbabwe fort. Unser Plan B war in Gaborone bei der deutschen Botschaft ein neues Visum zu beantragen. Über Plan C – D, die ich noch als Alternative ausgearbeitet hatte, wollen wir nicht weiter reden.


Man hatte uns mittlerweile darüber aufgeklärt, dass das Unterfangen nicht kurzfristig zu erledigen wäre, und so hatten wir uns von den bereits gebuchten Rückflügen verabschiedet und uns auf unbestimmte Zeit bei Walli und Philip einquartiert. Wie gesagt, Afrika lehrt einen Geduld und Gelassenheit. Und die deutsche Botschaft trägt noch ihr übriges dazu bei, da sie es mit Feiertagen und Öffnungszeiten sehr genau nimmt, so dass uns gar nichts anderes übrig blieb, als einfach der Dinge zu harren und die Zeit bei unseren Gastgebern zu genießen. Und das haben wir auch getan. Walli und Philip hatten nichts (wirksames) dagegen, dass wir Gäste ohne Rückflugticket waren und so haben sich beide sehr viel Mühe gegeben uns die schönen Seiten von Gaborone zu zeigen. Zugegeben, ein schwieriges Unterfangen, aber nicht gänzlich umsonst.

Tag 1 – frische Wäsche!
Wir waren zu dem Zeitpunkt ja bereits fast drei Wochen als Camper im südlichen Afrika unterwegs gewesen. Daher wurde der Umstand, in einem bequemen Bett mit eigenen Bad und fertigem Frühstück am Morgen aufzuwachen nur noch von der Waschmaschine getoppt, mit der wir unsere Garderobe stadtfein machen konnten. Was will man eigentlich mehr im Urlaub! Gut, man muss sich erst einmal an Elektrozäune im Garten, blinkende Alarmanlagen, Bewegungsmelder und Panikknöpfe gewöhnen, aber danach stellt sich schnell ein Gefühl der Gemütlichkeit ein.

Tag 2 – Der Yachtclub
Als Tagesprogramm stand ein Besuch im Yachtclub von Gaborone an. Noch nicht so viel über die Hauptstadt wissend, dachten wir uns, dass hier vielleicht neben Hausangestellten auch ein Liegeplatz im Yachtclub zur normalen Ausstattung gehört. Wir konnten uns leider keinen eigenen Eindruck der Anlage verschaffen, der Weg dorthin war überflutet, der Fährverkehr zeitlich beschränkt und während wir da im Matsch am Rande des Stausees standen und auf eine unspektakuläre kleine Insel hinaussahen, überkam mich das Gefühl, dass die Wörter 'mondän' und 'Yachtclub' in Gaborone doch anders verstanden werden.

Tag 3 – Shopping in der Mall
Walli hatte es schon angedeutet, nach dem Studieren der Broschüre des Tourismusbüros Gaborone hatte ich es dann auch verstanden: Zu den Sehenswürdigkeiten in Gaborone gehören die großen Shopping Malls, allen voran Game City, die Mall, die nur fußläufig von unserem Quartier entfernt lag. Da meinem Mann ja seit dem Diebstahl in Namibia noch ein paar Ausrüstungsgegenstände fehlten, nahm er die Gelegenheit gern wahr. Dass er sich direkt zwei Jogginghosen zugelegt hat, hätte Walli als Zeichen unseres Willens, noch etwas länger zu bleiben, interpretieren können. Wer die Zeichen zu deuten weiß ...
Tatsächlich fanden wir das Wetter im Juni in Gaborone noch richtig sommerlich und haben gerne in der Sonne auf der Terrasse oder am Pool gesessen. Uns zuliebe hatten Walli und Philip an einem Abend sogar den Grill rausgeholt, um uns danach zu versichern, dass eigentlich kein Einheimischer mehr bei diesen Temperaturen grillen würde. Was man nicht alles macht für diese Touristen!

Tag 4 – Glühwein am Pfingstmontag
Da eine deutsche diplomatische Vertretung im Ausland sich an alle verfügbaren deutschen sowie landestypischen Feiertage des Gastlandes halten muss, hatten wir uns einfach eine schlechte Woche ausgesucht, um dort etwas erledigen zu wollen. Es musste also ein weiterer Tag mit alternativem Unterhaltungsprogramm in Gaborone verbracht werden. Der erste Versuch galt dem Nationalmuseum. Was immer die Ausstellung eigentlich zu bieten hat, es muss unfassbar aufwendig zu restaurieren sein, da dieser Vorgang nun schon alle Besucher von Walli und Philip vor verschlossenen Türen hat stehen lassen. Gaborone zeigt sich von seiner komplizierten Seite: kulturell eher dürftig, aber wettertechnisch ok.
Da musste eine Alternative her, die sich uns tatsächlich in einer Abendveranstaltung auftat, bei der wir auch Kollegen von Philip kennen lernen dürften: Gulasch und Glühwein in Mokolodi, dem hauseigenen Nature Reserve von Gaborone.

Tag 5 – Die Welt ist ein Dorf
Endlich hatten wir es geschafft, die Visa-Beantragung auf den Weg zu bringen. Da Walli anschließend noch etwas zu erledigen hatte und der Versuch, sich in der Innenstadt von Gaborone die Zeit zu vertreiben kläglich gescheitert war, hatten wir uns kurzerhand für den Besuch einer weiteren, als Sehenswürdigkeit gekennzeichneten Shopping Mall, entschieden. Diese Auszeichnung hat sie nach Walli durchaus zu Recht, da sie über die Rarität einer Buchhandlung verfügt. Das wir aber wirklich an einem der beliebtesten Places-to-be abgesetzt worden waren, bestätigte sich doch tatsächlich kurz darauf: Uns liefen zwei Mitglieder der Reisegruppe über den Weg, mit der wir eine Woche lang durch Botswana gereist waren und die wir fünf Tage zuvor in Victoria Fall/Simbabwe verlassen hatten. Unglaublich, nach fünf Tagen hatten wir also schon unsere ersten Bekannten in Gaborone! Beim obligatorischen Austausch von weiteren möglichen Sehenswürdigkeiten in der Umgebung hatten die beiden folgende Antwort: Wart ihr schon in Johannesburg?

Tag 6 – Entspannung
Ich war ja noch gewillt, Gaborone einen versteckten Charme und unbekannte, interessante Seiten zu unterstellen. Daher war ich beim Stöbern im Internet auf einen interessanten Artikel gestoßen. Besonders ein Satz aus dem Artikel hat es mir angetan, da ich selber in Bonn wohne und dies sehr gerne tue:
„Finanzdienstleister haben sich in ihr [Gaborone] eingerichtet, Konferenzmanager, Behörden, internationale Organisationen. Wer Bonn oder Brasilia mag, wird Gaborone lieben.“
Ich mag Bonn und kenne Brasilia nicht. Aber das ist doch ein Argument, um der Stadt eine Chance zu geben!

Tag 7 – Kommunikation
Da sich bezüglich unserer Rückreise sowieso nichts beschleunigen ließ, warteten wir weiterhin geduldig auf Antwort aus der Botschaft. In der Zwischenzeit musste ein wenig Kontakt mit meinem Arbeitgeber gehalten werden, der das Problem sehr entspannt hinnahm und meinen Urlaub auf ungewisse Zeit verlängerte. Auch bei Freunden und Familie ließ ich wieder einmal von uns hören. Da die Kommunikation in den letzten Wochen eher dürftig ausgefallen war, konnte ich nun in einer Whatsapp-Gruppe lesen: „... und das ist Geno, die hängt gerade in Afrika fest und antwortet eher selten“. Immerhin erinnerte man sich noch an mich.

Tag 8 – Rhinos
Wir besannen uns auf die wichtigen Dinge in Botswana: Mit Walli fuhren wir ins Khama Rhino Sanctuary, um uns dort auf die Jagd nach spektakulären Tierbeobachtungen zu begeben. Und tatsächlich konnten wir Nashörner aus direkter Nähe betrachten. Mit solchen Erlebnissen im Gepäck ärgert man sich auch nicht mehr über all die Unplanmäßigkeiten, die unsere eigentliche Urlaubsplanung durchkreuzt hatten.

Tag 9 – Verluste
Am nächsten Tag brachen wir wieder Richtung Gaborone auf. Irgendwo auf der Heimfahrt merkte Ali dann, dass er wohl sein Handyladekabel im Hotel liegen gelassen hatte. In aller Stille setzte ich dieses auf unsere immer länger werdende Verlustliste: Tagesrucksack, Gebetsteppich, Jogginghose, Regenjacke, Taschenlampe, Portemonnaie, Krankenversicherungskarte, Aufenthaltstitel, Hausschlüssel, Ehering, ein Küchenmesser (das nun irgendwo in der Wüste der Namib liegt) und ein Handyladekabel. Na gut, positives an der Situation: Immerhin habe ich meinen Mann nicht verloren. Obwohl er aufgrund des fehlenden Eherings nicht mehr offensichtlich als solcher zu identifizieren ist.

Tag 10 – Abschied
Beim Frühstück mussten wir feststellen, dass die Kaffeevorräte der Gastgeber langsam zur Neige gingen, es wurde Zeit zu gehen. Zudem hatte sich die Botschaft gemeldet: Mein Mann verfügte wieder über ein gültiges Visum und konnte in Deutschland einreisen. Nach über einer Woche Urlaubsverlängerung konnten wir als also wieder nach Haus aufbrechen, auch wenn es uns schwer fiel, da wir eine echte tolle Zeit in Gaborone hatten.
Den letzten Abend verbrachten wir noch gemeinsam mit Walli und Philip in einer Skylounge, in der man zu seinem Getränk eine tolle Übersicht über Gaborone hatte. Da wir uns ja noch immer mitten im Ramadan befanden, rollte Ali in einer Ecke der Skylounge seinen Gebetsteppich aus, während wir anderen den Sonnenuntergang über der Stadt genossen. Aus der Irritation des Kellners war zu schließen, dass eine solche Szenerie nicht häufig vorkommt, aber anscheinend ungefragt bei Touristen geduldet wird. Den Abend haben wir anschließend in einem Restaurant ausklingen lassen, um uns am nächsten Tag mit unserem Gepäck und unseren Erinnerungen auf zum Flughafen zu machen und uns ins nächste Abenteuer zu stürzen: der Einreise nach Europa mit einem Tunesier, der nur ein vorläufiges Visum aus der deutschen Botschaft aus Gaborone besitzt ...

Epilog
Nach unvergesslichen Wochen unserer abenteuerlichen Afrikareise konnten wir noch richtig entspannte und erholsame Tage bei Walli und Philip genießen. Was die Stadt Gaborone nicht an Erwartungen erfüllen kann, machen die beiden als Gastgeber mehr als wieder wett.
In einer Stadt, in der ein Gartencenter ein touristisches Highlight darstellt, freut man sich über alle kleinen Highlights. Und davon haben wir mit unseren Gastgebern doch sehr viele zusammentragen können. Am Anfang war Gaborone etwas verstörend, doch am Ende hat sich ein Bild zusammengefügt. Ich will nicht sagen, dass ich Gabs als Urlaubsdomizil ins Herz geschlossen hätte, nein, das nicht, aber der Urlaub dort war wunderbar!

Samstag, 18. November 2017

Gästeblog: Tiere im südlichen Afrika (Teil 2)

Aus der Serie Gästeblog statt Gästebuch: Hier der zweite Eintrag von Wallis Eltern, die uns kürzlich drei Wochen lang besucht haben bzw. mit uns gereist sind (zu Teil 1 geht's hier):

Der südafrikanische Nationalpark Madikwe mit dem Thakadu River Camp war die letzte Station der Wildbeobachtung. Bereits die Anfahrt zur Lodge mit Philip am Steuer seines Geländewagens wurde zum Game Drive. Über 40km sahen wir beinahe alles, was Afrikas Tierwelt zu bieten hatte, und zwar in erstaunlichen Mengen, meist um die Wasserlöcher versammelt, denn es wollte einfach nicht regnen: Impalas, Giraffen, Kudus, Gnus, Zebras, und die grauen Riesen, Elefanten allein, in Gruppen, in einer Herde, teilweise neben der Straße, oft weiter weg, aber meist in Fotografiernähe, der vierte Treffer.




Die Tour am Nachmittag mit Geparden in Fotopose auf ihrem Beobachtungssitz, einem mächtigen Termitenhügel, zeigte auch den Büffel. Sechs dieser trutzigen Gesellen waren neben bzw. in einem Wasserloch, was nur noch aus Schlamm bestand.



„The Big Five“ waren im Kasten, ein Schluck Rotwein besiegelte das nicht alltägliche Ereignis. Der morgendliche Game Drive, nach zartem Weckruf um fünf Uhr und einer Tasse Kaffee, erschloss uns noch ein seltenes Drama: ein großes Löwenrudel, etwa 15 Tiere stark, hatte den Anführer gewechselt. Das Rudel zog langsam weiter, der neue Chef markierte wie besessen alle Bäume und Büsche in seiner Nähe, der alte blieb auf seinem Platz, ob nur erschöpft oder schwer verletzt war nicht zu erkennen. So vollzieht sich der Generationenwechsel, aber auch der Nachwuchs ließ sich sehen bei Nashorn, Löwen, Zebra, Giraffe, Gnu und Kudu.




Zukunft und Vielfalt dieser einmaligen Tierwelt ist auch von den Besucherzahlen abhängig, die sich für sie begeistern, und z.B. „the Big Five“ ehrgeizig erfüllen wollen. 

Mittwoch, 15. November 2017

Gästeblog: Tiere im südlichen Afrika (Teil 1)

Aus der Serie Gästeblog statt Gästebuch: Hier der erste Eintrag von Wallis Eltern, die uns kürzlich drei Wochen lang besucht haben bzw. mit uns gereist sind (zu Teil 2 geht's hier):


Von Windhoek in Namibia auf der Fahrt nach Norden kommt es zu ersten Begegnungen: Pferde, Rinder, Esel, Ziegen, Schafe, aber auch Warzenschweine, Kudus, Perlhühner sind auf und neben der Autobahn zu sehen. Am imposanten, geschichtsträchtigen Waterberg dominieren Warzenschweine, Vögel, Wildhühner und Dikdiks, die Mini-Antilopen.


Der Traum aller Safari-Jünger, „the Big Five“, beginnt am Etosha-Nationalpark Realität zu werden. Reger Betrieb am Wasserloch vor dem Zentralgebäude unserer Lodge: Impala, Springbock, Elen-Antilope, Oryx, Zebra, Gnu. Nachts noch ein White Rhino, ein Breitmaulnashorn.



Zwischendurch eine geführte Geländefahrt: Wasserbock, Giraffen, Kudu, Gnu, Zebra, und dabei zwei Treffer: ein Löwenrudel, 12 Tiere geführt von einem jungen Brüderpaar, eine Löwin mit zwei Jungen – und drei Nashörner, zwei davon auf dem Weg zum Wasserloch, da kommt Freude und Zufriedenheit auf.



Dann – allen Tieren sei es gegönnt – kam der große Regen, nachts 40mm, der Guss ging in eine Art Landregen über, überall war plötzlich reichlich Wasser, die Tiere verteilten sich und waren nur noch schwer zu finden. Ein Springbock, fröhlich, verspielt, bis vier Meter hochspringend, sieht bei Regen so aus: gekrümmter Rücken wie eine Katze, Schwanz heruntergeklappt bis in die Kniekehlen, Kopf gesenkt bis auf Kniehöhe – ein Bild des Jammers!


Weiter südlich, in der Okonjima Lodge, die Raubtiere pflegt, heilt, aufzieht und auswildert, war es noch trocken. In der Ebene vor den Unterkünften waren immer Böcke und Antilopen unterwegs, dazu auch Schakal und Warzenschwein.
Der Game Drive galt der Suche nach Geparden, die durch Halsbandsender gekennzeichnet waren. Der Ranger, ein hervorragender Tierkenner, hatte nach 45 Minuten mit Hilfe virtuoser Handhabung seiner Suchantenne das Ziel erreicht: Ein Gepardenbrüderpaar, ganz in der Nähe. Nun ging es zu Fuß in den Busch: Ranger, sechs Gäste, Hilfsranger mit Knüppel! So geschützt vor den Gefahren der Savanne erreichen wir unbeschädigt nach etwa 600 m den Rast- und Beobachtungsplatz der Tiere, erleben einen Jagdversuch, bei dem die Geparden mit Blitzstart verschwinden und sehen sie nach 500 m ohne Beute völlig außer Puste hechelnd am Boden liegen.



Danach die Überraschung durch den Ranger: „Hier in der Nähe ist ein Leopard“, das seltenste Tier der „Big Five“. Geländewagen und Fahrer leisten erstaunliches, querbeet durch den Busch, trockene Flussbetten und überall dort, wo nie ein Weg war. Weiter geht die Suche im Wettbewerb mit einem zweiten Fahrzeug, welches das gleiche Ziel hatte, und da war er schließlich, wälzte sich am Boden, kaute an etwas herum und hatte an uns Fotojägern nicht das geringste Interesse, der dritte Treffer.


10 Tage später setzten wir die Suche nach den "Big Five" in Südafrika fort. Fortsetzung hier!

Mittwoch, 8. November 2017

Ein neues Haustier

Ich hatte mir nun schon seit einiger Zeit ein neues Haustier gewünscht. Gollum, das kleine Kätzchen, das uns Anfang des Jahres zugelaufen war, mussten wir ja leider abgeben, obwohl sie uns sehr ans Herz gewachsen war. Wallis Tierhaarallergie und unsere häufigen Ausflüge waren keine gute Kombination, um ein solches Haustier langfristig glücklich zu machen.
Ich wünschte mir also eine Ergänzung zu unserem Elefanten und den Nilpferden, und zwar in Form einer Giraffe. Ja, einer Holzgiraffe - und ganz klein sollte sie auch nicht sein. So hielt ich immer wieder die Augen offen. In Botswana sucht man solches Kunsthandwerk leider vergebens. Im September sahen wir in Namibia ein paar Holzgiraffen, doch die waren mir in der Regel deutlich zu teuer.
Bei einem Kollegen entdeckte ich kürzlich recht schöne Exemplare und fragte ihn, wo er sie herhabe. Der Johannesburger Flughafen scheint eine gute Quelle zu sein - nur steht gerade keine (Dienst-) Reise dorthin an. Als wir letzte Woche nun wieder in Namiba unterwegs waren, ergab sich eine günstige Gelegenheit, als wir an einem Markt mit Holz-Kunsthandwerk vorbeikamen. Und in der Tat fanden wir dort ein preislich akzeptables Modell, das uns beiden gefiel. Hier wurde es gerade eingepackt:


Als nächstes mussten wir es über die Grenze nach Botswana bringen. Grenzübergänge sind hier doch häufig etwas "komplex" (über einen Grenzübertritt nach Südafrika hatten wir hier schon einmal geschrieben). Und so bibberten wir auch dieses Mal, ob wir die Giraffe durch den Zoll bringen würden - immerhin war sie ja nicht zu übersehen. Nach fast allen Formalitäten auf namibischer Seite hielt uns im Niemandsland zwischen den Grenzposten ein namibischer Polizist an, schaute ins Fahrzeug und fragte mich dann, wer denn der "große da hinten" sei. Ich antwortete: "Das ist mein Schwiegervater!" (der auf der Rückbank saß, mit der Giraffe zwischen ihm und meiner Schwiegermutter). Es stellte sich heraus, dass der Polizist eher das liegende Exemplar der Giraffe meinte ...
Wir kamen schließlich einfacher als befürchtet über die Grenze, und nach langer Fahrt über den Trans-Kalahari-Highway auch wieder in unserem Heim in Gaborone an. Noch nicht ausgewickelt, lehnte ich die Giraffe vor der Haustür an; leider wurde sie gleich von einer Windböe umgeblasen und verletzte sich im Gesicht. So mussten wir mit Holzleim kurz darauf eine Schönheitsoperation durchführen.


Sie sieht jetzt wieder aus wie (fast) neu und schmückt unser Wohnzimmer. Bisher wollte sie noch nicht so viel gestreichelt werden wie Gollum...

Sonntag, 5. November 2017

Oktoberfest!

Manche Leute gehen bis Anfang Oktober aufs Oktoberfest, wir dagegen erst Ende Oktober.
Kürzlich durften wir eine weitere Reise nach Namibia machen, und auf der Fahrt über den Trans-Kalahari-Highway stellten wir fest, dass just an dem Wochenende unseres Windhoek-Aufenthalts ein Oktoberfest veranstaltet werden würde. Eine in Namibia vermutlich etwas skurrile Abend-Unterhaltung, so dachten wir. Und beschlossen, uns das nicht entgehen zu lassen.

Es sei das größte Oktoberfest Afrikas, so verkündete ein Ansager, als wir das größte der Festzelte betraten; gut, das ist vermutlich nicht schwer - und ich kann zumindest bezeugen, dass es tatsächlich deutlich größer war als das Oktoberfest, das ich in Accra ca. 2007 miterlebt habe.


Immerhin haben die Organisatoren auch eine echte Oktoberfestband aus München einfliegen lassen, die "Kirchdorfer". Die spielten dann auch das, was man sich als typische Oktoberfest-Musik vorstellt (wir hatten noch Tage später einen "Atemlos"-Ohrwurm) und riefen in regelmäßigen Abständen "Zicke zacke zicke zacke", worauf ein begeistertes Publikum "Hoi hoi hoi" zurückbrüllte. Ein wenig verrückt ist es schon, das in Afrika zu hören, dazu in einem geschmückten Festzelt, in dem mehr Menschen mit Dirndl oder Lederhosen waren als ohne - ein wenig "underdressed" fühlten wir uns da schon in unseren Freizeit-Safari-Outfits. Da kamen uns die Namibianer doch irgendwie deutscher vor als wir uns selbst ... und dann wurde auch noch vor der Bühne Schuhplattler getanzt.


Festbier gab es, wohl auch aus München importiert, dazu lokales Bier aus Windhoek. Wir sprachen beidem reichlich zu, da uns etwas spät auffiel, dass die gekauften Bons nur für Getränke, aber nicht für Speisen eingelöst werden konnten ... Echte Oktoberfestbedienungen waren nicht mit eingeflogen worden, so dass wir zur Beschaffung von Getränken und Speisen viel auf dem Festgelände unterwegs waren. Auch die Speisekarte war übrigens durchaus bayrisch geprägt:


Wir bekamen also das volle Programm ab. Na ja, fast - was wir verpassten: Am nächsten Tag hätte es auch noch ein paar Jahrmarkt-Attraktionen gegeben, wie "Hau-den-Lukas" und mechanisches Bullenreiten. Vielleicht dann nächstes Mal?

Freitag, 20. Oktober 2017

Bilder aus dem Delta: Katzen und mehr

Nein, wir hatten nicht vor, unseren Blog in "Wallis und Philips Urlaubs-Blog" umzubenennen. Zugegeben, in letzter Zeit gab es einige Einträge, die in diese Richtung deuten könnten. Wir haben ein paar Wochenenden verlängert für kleinere und größere Ausflüge.
So haben wir uns z.B. im September mit meiner Mutter drei Tage im Okavango Delta gegönnt (Bericht meiner Mutter dazu hier). Der Vollständigkeit halber wollen wir noch ein paar Bilder dieses Ausflugs veröffentlichen (ja, ich gebe es zu, die Auswahl fiel mir schwer, daher sind es eigentlich zu viele Bilder für einen Blogeintrag). Auf einem der Fotos hat sich tatsächlich eine ganze Elefantenherde versteckt. Findet Ihr sie?

















Samstag, 16. September 2017

Gastbeitrag: Schwieger-/Mutter zu Besuch oder Reisen de luxe

Aus der Reihe "Gästeblog statt Gästebuch" hier ein neuer Eintrag:

Zwischen Botsuana, “der Diamant im Süden Afrikas”, und Botsuana, “ein gescheitertes Projekt”, kann man im Vorfeld alles lesen, aber ich bin einfach nur hierher gekommen, um mit eigenen Augen zu sehen, wie Philip und Walli leben, und um mit ihnen das Highlight von Botsuana zu genießen, das sie für mich ausgesucht haben.

Und da fing der Luxus im Vorfeld schon an. Das botsuanische Reisebüro hat drei Lodges vorgeschlagen und Philip und Walli kennen inzwischen „das Delta“ gut genug, um eine Auswahl treffen zu können. Aber soweit bin ich noch gar nicht, sondern sitze im Flughafenbus in Johannesburg, um zu der Maschine nach Gaborone gebracht zu werden. Als ich hochblicke, sitzt mein Sohn neben mir! Von der folgenden Szene habe ich vor allem die amüsieren Gesichter des Publikums im Kopf.  Die von nun an verwöhnte Reisende muss also noch nicht einmal den (allerdings ziemlich käse- und brotbeschwerten) Koffer vom Band heben.

Sie darf als nächstes und für die nächsten 10 Tage staunen über die Großzügigkeit von Haus und Gastfreundschaft. Der Geburtstagsgutschein für High Tea im Victoria Falls Hotel, der im März nicht eingelöst werden konnte, kommt gleich am zweiten Abend zum Einsatz, als wir zum Sonnenuntergang im 28. Stock des höchsten Gebäudes von Gaborone zu Abend essen (ja doch, Gaborone hat zwei richtige Hochhäuser).

Dass ein Ausflug in eine Lodge im Okavango Delta Verwöhnprogramm pur ist, ahnt man, aber wenn dann auch noch das Glück dazu kommt! Die Seba Lodge liegt besonders schön an einer Lagune und zum Mittagsprogramm gehört die Beobachtung von Elefanten, Nilpferden, Büffeln, Impalas, Kudus und einer Affenfamilie, die so über die „Hütte“ tobt, dass man nicht ganz sicher ist, ob sie standhält. Womit man aber nicht rechnen kann, ist, dass man bei den morgendlichen und abendlichen game drives einen Geparden, zwei Leopardinnen (eine davon mit zwei Jungen), zwei Löwinnen ebenfalls mit Jungen, eine riesige Büffelherde und und und … sieht. Ein wunderbar ruhiger und entspannter (naja, von der Bequemlichkeit des Sitzes abgesehen) Abschluss war die Fahrt im Einbaum, dem Mokoro. Nein, man muss auch hier nicht etwa selber staken, aber bedarf das der Erwähnung? Allerdings erwähnenswert sind die Flüge von Maun ins Delta mit ganz winzigen Maschinen mit dem Blick auf die großartige Landschaft.

Alles was Gaborone zu bieten hat, packt Walli dann in ein Zweitagesprogramm. Die Sammlung mag nicht ganz überzeugend klingen: kleinere, größere, ältere, modernere Einkaufsmalls (Gaborone ist die Stadt mit der höchsten Dichten von Malls pro Einwohner in Afrika), zwei Denkmäler (das des Staatsgründers Seretse Khama sehr sympathisch-menschlich, des der drei Chiefs aus Nordkorea stammend und entsprechend), Nationalmuseum (geschlossen), eine Töpferei und eine Weberei, jeweils schon ländlich gelegen, ein Gartencenter mit einem sehr hübschen Café, aber mir vermittelt sich der Eindruck, dass Philip und Walli hier gut leben können und das auch tun.

Nach dem Delta noch eine Safari – muss das nicht zu einer Enttäuschung führen, wenn man noch dazu selber hinfahren (immerhin 4 Stunden), selber durchfahren, selber grillen muss? Nach der Rückkehr kann ich nur sagen: Muss es nicht! Wir waren im Khama Rhino Sanctuary bei Serowe und konnten die geschützten Tiere aus allernächster Nähe beobachten. Die schönste Szene haben wir kurz vor Sonnenuntergang erlebt, als an einem Tümpel ein großes Treffen verschiedener Tiere stattfand. Man trank, rangelte ein wenig, suhlte sich im Schlamm und trottete wieder davon – und kümmerte sich gar nicht um die beobachtenden Menschen.

Tagesausklang: Lagerfeuer und Grillen (köstliches botswanisches Rindfleisch) unter dem Kreuz des Südens und einem Sternenhimmel, wie man ihn nur fernab jeder Stadt sehen kann.

Es gäbe noch so vieles zu berichten: vom stolzen Mutterherz, wenn ich Philips Büro mit Blick über die Stadt gezeigt bekomme (dass das Gebäude etwas baufällig sein soll, sehe ich gar nicht), vom Spaß an Wallis selbstverständlichem Navigieren durch Gaborone und ihren umwerfenden Kenntnissen über die Fauna des Landes … ich kann nur sagen,  dass es eine Freude ist zu sehen, wie die beiden sich in ihrem afrikanischen Leben zurecht gefunden und eingerichtet haben.

Montag, 3. April 2017

Gastbeitrag: Drittes Drittel: Home sweet home – oder: All you can see in Gabs

Wir hatten Besuch! Friedemann und Angelika waren 2,5 Wochen in Botswana, sind mit uns gereist und haben unseren Alltag in Gaborone erlebt. Gästeblog statt Gästebuch ist nun angesagt! Hier das zweite Drittel (zur Einleitung und dem ersten Drittel geht es hier, zum zweiten Drittel geht es hier):

Drittes Drittel: Home sweet home – oder: All you can see in Gabs
Wir sind sehr dankbar für die Fantasie, die Walli und Philip entwickeln, um jeden Tag noch einen besonderen Programmpunkt hervorzuzaubern. Sie schöpfen ja gewissermaßen aus dem Leeren. Das schließt noch den kleinen Ecological Park (Leergutsammelstelle plus Restaurant plus Kinderspielplatz: ein Stern), ein gepflegtes Gartencenter (ohne Stern, aber mit Gartenrestaurant!) und mit dem Glück der Tüchtigen auch die erste Vernissage ein, von der sie in Gabs überhaupt hören, mit kleinen Einblicken in die hiesige Kunstszene. Museen sind selten, aber geschlossen, die sehenswerten Malls arbeiten wir exemplarisch ab, aber die Main Mall ist ein Must: 500 m bummeln unter freiem Himmel zwischen Nationalversammlung und Nationalmuseum vorbei an Ständen mit Geflochtenem, Gewebtem, Geschnitztem vor mehrstöckigen Häuserzeilen. Typisch auch der nationale Botanische Garten: unbesucht und liebenswert bescheiden. Die drei Chiefs in sozialistisch uninspirierter Umgebung zwischen Busch und Business brüsten sich ein bisschen sehr, aber nicht grundlos: Politisch weitsichtige und mutige Könige, für die nationale Identität von höchster Bedeutung. Zwei Höhepunkte buchstäblich: Der Kgale Hill, 300 m felsiger Aufstieg, bei schönem, also bedecktem Wetter, zuletzt auf allen Vieren zum sehr lohnenden Rundblick; Sundowner in der Sky Lounge, 19. Stock, Business District, absoluter Geheimtipp.

Und drumherum: das Mokolodi Nature-Reserve, keine halbe Stunde entfernt. Der Tierbestand scheint absichtlich soweit ausgedünnt, dass man im Norden über diesen Appetizer nicht das Staunen verlernt. Positiv denken: Schöne Landschaft, beste Pizza in Town.

Die stattliche Missionskirche von 1907 in Molepolole hat mit den Museen gemeinsam, dass sie geschlossen ist. Der Glockenturm gleicht dem Flughafen: Maßstabsgetreu verkleinert. Er ist mit seinem Glöckchen in 4 m Höhe leicht zu übersehen. Dafür ist die Ein-Sterne-Töpferei in Thamaga findbar und offen. Und auch die Weberei in Oodi ist gerade in ihrer ländlichen Schlichtheit beeindruckend.

Ende einer harmonischen Mehrgenerationen-WG, Philip zu einer Tagung, Walli, A & F zu einem Kapstadt-Trip.

„Es wandelt niemand ungestraft unter Palmen, und die Gesinnungen ändern sich gewiss in einem Lande, wo Elefanten und Tiger zu Hause sind.“ Wie weit Goethes dichterische Intention trägt, das warten wir ab, die Besucher und erst recht unsere lieben Gastgeber, die Residents.

Samstag, 1. April 2017

Gastbeitrag: Zweites Drittel: Heia, Safari! Oder: Elefanten, Löwen und Co.

Wir hatten Besuch! Friedemann und Angelika waren 2,5 Wochen in Botswana, sind mit uns gereist und haben unseren Alltag in Gaborone erlebt. Gästeblog statt Gästebuch ist nun angesagt! Hier das zweite Drittel (zur Einleitung und dem ersten Drittel geht es hier, zum dritten Drittel geht es hier):

Zweites Drittel: Heia, Safari! Oder: Elefanten, Löwen und Co.
Um es gleich objektiv und mit der Autorität von WDR 5 klarzustellen: „Es gibt keine bessere Safari-Destination als das Okavango Delta.“

Massentierhaltung im Chobe Nationalpark. Zur Freude der Touristen zehnfach überbucht von Elefanten-Immigranten, denen es hier nicht an die Stoßzähne geht. Im Privatboot auf dem Chobe-Fluss, mit einer Rilke-Variation, dem Metrum zuliebe im Singular: „Und dann und wann ein grauer Elefant“. Panther gab’s keine und das Zitat zu Krokodil ist des Reimes wegen nur in Ägypten brauchbar. Fauna reichlich. Und Weite, Wasser, Wild, zum Alliterieren schön. Die meistgebrauchten Wörter auf Safaris: rechts, links, Impala.

Kurze Reise ins Nachbarland Simbabwe. Victoriafälle, am Ende der Regenzeit schleierhaft grandios. Schleierhaft? Wolkenloser Himmel, und von den Fällen her bis auf die Haut eingesprüht. Philips Unterwasserkamera schießt Tröpfchenfotos. Lunch im berühmten Hotel mit Blick auf „die“ Brücke, das Symbol für den Kap-Kairo-Traum der Engländer. Jeder Raum, alle Flure, der Park: von kolonialem Flair.

Afrikanische Sonnenuntergänge? Die Bar am Chobe ist zum Sundowner erste Wahl. Jeden Abend anders-gleich. Und immer zum Sitzenbleiben und Schwer-Losreißen.

In der Chitabe Lodge zwei Flughopser weiter südwestlich fällt man für drei Tage aus der Welt, bei strengem Zeitregime: 5 Uhr wecken, Frühstück, Game Drive, Brunch, Mittagsruhe, Teatime, Game Drive, Sundowner, Dinner. Quer durch den Busch und fröhlich amphibisch durch den See, immer den Predators hinterher (unser englischer Wortschatz wächst), alle Antilopenvariationen und was sonst alles sich von Grün ernährt als Beifang. Wenn wir steckenbleiben: Kollege kommt gleich. Und auf einmal liegt er neben Dir, der Löwe, in neunfacher Ausfertigung. Unser Guide ist im Spurenlesen lebensgefährlich gut. Dass ein Löwe aus dem hohen Gras aufspringt, nachdem der Guide gerade erst ausgestiegen war, um dessen Fährte zu lesen, geht ihm doch zu nahe.

Face-to-face im offenen Landrover. Die schöne deutsche Metapher von den Berührungsängsten (unbedingt im Plural) gewinnt neue Bedeutung. Wenn die Hyäne den Weg versperrt und wenn man bei der Umfahrung mit gebrochener Lenkstange im Busch festsitzt und wenn rechts die Löwen grollen und wenn es dämmert und dunkelt: dann ist man nicht unglücklich, wenn die Mechaniker in zwei Wagen ankommen und man behutsam umsteigen kann.

Vögel nach Bestimmungsbuch, Nummern 1 bis 173, die Nummern 31, 68, 105 … (Ihr wollt das so genau gar nicht wissen). Bei Nummer 108 stimme ich verhalten das Deutschlandlied an (schwarz, rot, gold).

Zur Lodge nur so viel: Wenn die Zahl der Gäste (außer uns noch zwei oder drei) zu der des Personals (80, allerdings rollierend), in so günstigem Verhältnis steht, ist man gut bedient. Zu unseren Wohnbereichen gelangen wir auf Stegen (im Dunkeln bitte nur in Begleitung!). Sie „Zelte“ zu nennen (es gibt acht davon), ist das perfekteste Understatement ever. Dass auf all unseren Hotelzimmern bisher Yogamatten und Hanteln und Erwachsenenmalbücher gefehlt haben, ist mir seither schmerzlich bewusst. Schwere Entscheidungen dann doch immer wieder: Rotwein oder Weißwein, Außendusche oder Innendusche, Terrasse/Sessel/Sternenhimmel oder Kingsize-Bett (hatten wir „losreißen“ schon?). Zum Geld nur so viel: Alles hat seinen Preis, und auch die Richterskala ist nach oben offen.

Zurück in die Welt. Am Airstrip. Die Giraffen sind von der Landebahn verscheucht. In der Abfertigungshalle (dreimal drei Meter, wandlos, aber überdacht) halten wir den Daumen raus für die kleinste Cessna, die gerade Platz für uns vier hat. Philip ersetzt den Co-Piloten gern, und Walli auf dem Notsitz sucht einen Ersatz-Beruhigungsarm. Ankunft in Gaborone (vergleiche erstes Drittel): verwirrend viele Menschen, alles stählern, gläsern, groß.

Donnerstag, 30. März 2017

Gastbeitrag: Ausgerechnet Botswana!, Erstes Drittel: Warm Up

Wir hatten Besuch! Friedemann und Angelika waren 2,5 Wochen in Botswana, sind mit uns gereist und haben unseren Alltag in Gaborone erlebt. Gästeblog statt Gästebuch ist nun angesagt! Hier die Einleitung und das erste Drittel:

Ausgerechnet Botswana! Nicht zu viert besuchen wir Walli und Philip, den Sohn unserer engsten Freunde, wie seit Monaten mit größter Vorfreude geplant. Philips Vater ist plötzlich erkrankt, und so landen an diesem Montagmittag nur A und F in Gaborone, ein Paar nicht mehr in den besten, sondern in den allerbesten Jahren. Dass in dieser Hauptstadt einiges anders werden dürfte, als es den erfahrenen Travellern bekannt ist, wird ihnen schon klar, als sie aus der Maschine aus Johannesburg steigen, über das Rollfeld schlendern und noch ein Foto schießen: ich und der Flieger. Ansonsten alles wie auf einem richtigen Flughafen: Arrival, Gepäckband, Zoll, ein Parkplatz, der sogar seit Kurzem gebührenpflichtig ist, alles maßstabsgetreu verkleinert und verwirrend übersichtlich.

Dann im Auto: Vier Spuren, Mittelstreifen, breite, rotsandige Seitenstreifen, Buschland mit locker stehenden Bäumen, dazwischen hier und da kleine Steinhäuser, einzelne höhere Geschäftsgebäude, eine gated community. Anfängerfrage: Ist das hier schon die Stadt? Das automatische Rolltor zum Grundstück öffnet sich, Botswana bleibt hinter elektrozaun-bekränzter Mauer, wie sie der Arbeitgeber vorschreibt, zurück.

Bei den beiden in Gabs, wie wir Kenner sagen, dann gemeinsam auf einer Reise in den Norden, schließlich noch ein paar Tage bei ihnen zu Hause. Das Eishockeyspiel drängt sich bei diesen Temperaturen zur metaphorischen Strukturierung geradezu auf, drei Drittel also.

Erstes Drittel: Warm Up Von fünf Grad in Köln auf 31 Grad in Gaborone in 21 Stunden. Durchs Haus geführt werden und Thomas Mann zitieren ist für die Germanisten eins: „ein paar artige Zimmerchen“. Durch den Flur in den Wohnraum, der zählt nach Länge, Breite, Höhe (!) dreifach, in einen zweiten langen Flur mit Türen rechts und links (merken: Toilette erste rechts!), der in je einen Stutzflügel rechts und links mit weiteren Zimmern mündet; zurück in die doppelte Küche, mit ihren 17 Oberschränken ein Memory (wo habe ich zuletzt die Obstschälchen gesehen?), die Wirtschafts- und Personalräume bleiben außen vor. Zimmer zählen ist uncool, also nur so viel: rundherum 11 Außentüren und 25 Fenster; Palme, Pool, Kunstrasen.

Vorsichtiges Herantasten an das Draußen. Vergiss alles, was Du mit Stadtbild verbindest: Gaborone zu lieben ist nicht einfach, wenn man hier nicht geboren ist. Aber man sollte auch nicht in der Mittagshitze auf staubigen Seitenstreifen zur nahegelegenen Mall laufen, die aussieht wie in Köln, Seoul oder Boston, und bei SPAR oder Woolworth einkaufen. Aber wo sonst? Ich vermute, KFC ist um die Ecke. Heimweg, Halsgymnastik: Die Autos fahren auf der verkehrten Seite. Das so relativ wenige Menschen so lange Staus produzieren können! Rückzug auf die Basis.

Hier geht's zum zweiten Drittel: Heia Safari! Oder: Elefanten, Löwen und Co.
Und hier geht's zum dritten Drittel: Home sweet home – oder: All you can see in Gabs

Freitag, 4. November 2016

Die zweite Nashorn-Safari - ein Interview

Unser erster kleiner Urlaub in Botswana hat Philip und mich im Mai ins Khama Rhino Sanctuary geführt, wo wir uns drei Tage auf Nashorn-Safari begeben haben. Weil's so schön war und dieses Safarigebiet von Gaborone aus nur 3:45h entfernt ist, haben wir es letztes Wochenende noch einmal besucht - mit unserem ersten Besuch aus der Heimat, meinen Eltern. Die erste Safarierfahrung in Botswana - wie war's denn? "Wallis und Philips Botswana-Blog" präsentiert ein exklusives Interview ...

Walli: Letztes Wochenende wart Ihr das erste Mal in Botswana auf Safari! Wie würdet Ihr dieses Erlebnis in drei Worten beschreiben?
Brigitte: Grandios und kolossal!
Franz: Aufregend und einmalig!
W: Das waren jetzt jeweils zwei Wörter.
B: Dann noch "wunderbar"!

W: Was hat Euch denn am besten gefallen?
F: Mit den Nashörnern auf Du und Du zu sein. Die Vielzahl der Nashörner, an einem Tag haben wir 30 gesehen! Die Begegnungen, wenn diese Giganten praktisch bis ans Fahrzeug kommen.
B: Die Beobachtung der Wasserstellen Malema und Serwe Pan - einmal sahen wir gleichzeitig mindestens acht sitzende Geier, Nashörner (einige sich suhlend), eine einzelne Giraffe, Warzenschweine, Thompson-Gazellen, Impalas ... wir hatten Zeit zur Beobachtung und saßen still im Auto und schauten. Das war schön. Trotz der Hitze. Und die erste Begegnung mit den Nashörnern, die aus der Nähe so urzeitlich aussehen, einen ebenfalls beobachten, den Weg sichern und weiterschreiten ...


W: Gab es etwas, was Euch nicht gefallen hat?
F: Nein. Selbst die Schlange in Eurem Chalet hat mich nicht aufgeregt. (Anmerkung der Interviewerin: Na ja, sie saß halt auch in UNSEREM Chalet, nicht in dem meiner Eltern ... dazu mehr im nächsten Blogbeitrag.) Man könnte höchstens anmerken, dass drei Tage ein bisschen kurz waren. Und die (fehlende) Geschwindigkeit des Personals in dem Restaurant, in dem wir gefrühstückt haben, könnte man erwähnen, wenn man unbedingt etwas nennen will.
B: Wobei das vielleicht zu Afrika dazu gehört. Es gab nichts, was mir nicht gefallen hätte. Auch die Hitze gehört hier dazu, es gab nichts zu bemängeln.

W: Was war der erschreckendste/unheimliche Moment?
F: Als unvorbereitet beim Frühstück Noodi vor dem Restaurant auftauchte, ein ausgewachsener Spitzmaulnashornbulle (Anmerkung B: mit hervorstehender Oberlippe!). Mit einem imposanten Doppelnashorn!
B: Als ich meine Tochter in Gefahr glaubte. Und meinen Schwiegersohn natürlich auch! (Anmerkung der Interviewerin: Es geht wieder um die eben schon erwähnte Schlange!)


W: Safari lieber bei Tag oder bei Dunkelheit?
F: Der gebuchte Evening Game Drive hat eigentlich wenig gebracht; die Buschbabys waren zu weit entfernt, um sie richtig zu sehen und so war das Spektakulärste die Sicht auf den nachtaktiven Afrikanischen Springhasen, ein putziges Tierchen zwischen Osterhasen und Känguruh ...
B: Die nachtaktiven Vögel (zum Teil mit Küken) waren schon auch sehr niedlich. Aber ich bin lieber bei Helligkeit auf Safari, da hat man mehr Zeit zum Schauen und zum Suchen. Bei Dunkelheit leuchtet ein Ranger während der Fahrt die Büsche ab, man ist ganz auf ihn und das, was er entdeckt, angewiesen.

W: Welches von den Tieren war Euer Lieblingstier?
F: Schwierig. Mein Traum war es die Nashörner aus der Nähe zu sehen - und die haben wir gesehen! Das gibt's nie wieder, so viele Nashörner auf einem Fleck.
B: Ach, ich bin doch ein Fan von Warzenschweinen! Einem Warzenschwein hätte ich auch gerne mal ins Auge geblickt ... Obwohl die Steinböckchen (Anmerkung der Interviewerin: das ist die kleinste Antilopenart in Botswana) auch putzig sind ...


W: Als nächstes geht's in Chobe auf Safari ...
B: Willst Du schon aufhören? Ich möchte noch sagen, dass mir unser Picknick unter dem Sternenzelt wunderbar gefallen hat ... und den Hornbill-Vogel habe ich vergessen!
F: Überhaupt die Vögel, die wir beobachten konnten! Die Go-away-birds, die Hühnchen, die zum Schlafen auf den Baum vor unserem Chalet geflogen sind ...
B: Die Beobachtungen vom Bird Hide aus am ersten Tag, da haben wir so viele Tiere gesehen ...
[- Die Interviewerin kommt nicht mehr mit und pausiert daher kurz. -]

W: Zurück zu Chobe. Was wollt Ihr da unbedingt erleben bzw. welche Tiere wollt Ihr dort auf jeden Fall sehen?
B: Tiere, die ich bisher nicht gesehen habe! Krokodile. Und Warzenschweine aus der Nähe. Elefanten.
F: Ja, da soll es die größten Elefantenherden geben.
B: Wir haben die Vogel Strauße im Khama Rhino Sanctuary vergessen ...
F: Ich möchte gerne eine große Elefantenherde sehen. Mit 20 oder 40 Tieren. Und dann natürlich Raubtiere, da haben wir ja noch keine gesehen.

W: Zum Schluss noch eine Frage nach der ersten Woche Botswana: Was hat Euch am meisten überrascht?
B: Die Hitze! 37 Grad ... man muss Wasser trinken bis zum Umfallen.
F: 42 Grad hatten wir hier schon!
B: Die intensiven Farben ... nicht nur der Erde, sondern auch der Kleidung der jungen Leute ... und wie groß Euer Haus ist! Und das Schwimmen Spaß macht!
F: Ich habe in dieser Woche keinen einzigen Bettler gesehen. Und einen stolzen Staat kennengelernt, der weitgehend ohne Straßennamen und Post auskommt! Und sich orientiert an Hausnummern, die quer durch die Stadt vergeben wird. Wir leben in der Hausnummer 51459 und hoffen, dass im Ernstfall Polizei, Feuerwehr und ähnliche Dienste etwas damit anfangen können.

W: Wallis und Philips Botswana-Blog dankt für dieses Interview!

(Die Interviewten diskutieren währenddessen weiter, ob die Nashörner sich für die Safarifahrzeuge interessiert haben und ob sie stumpfsinnig wirkten oder urzeitlich oder ob das kein Widerspruch ist ...)