Donnerstag, 27. September 2018

Bierfest statt Buchfest

In Gaborone fand dieses Jahr erstmals ein Buchfestival statt! Wie toll ist das denn, in einer Stadt, in der gerade der einzige, noch dazu recht kleine Buchladen geschlossen hat. Klar, dass passionierte Buchblogger dort hingehen müssen!

Oder? Na ja, es gab am gleichen Tag auch eine Konkurrenzveranstaltung, von der wir - leider? - bereits vor dem Buchfestival erfahren hatten, denn die deutsche Botschaft machte ordentlich Werbung dafür und behauptete auch gefühlt wochenlang, die Tickets wären bereits fast ausverkauft ... Erstmalig fand am vergangenen Samstag ein Bierfest statt, und zwar auf dem Gelände des Golfclubs, wohin die deutsche Botschaft dieses Jahr auch schon für die (wenigen) deutschen WM-Spiele zum Public Viewing eingeladen hatte. Nachdem wir letztes Jahr schon das größte Oktoberfest Afrikas in Windhoek besucht hatten, zog es uns also dieses Jahr zum größten Oktoberfest Gaborones (ein weiteres ist uns hier allerdings auch nicht bekannt), schlicht Bierfest genannt. Immerhin startete das hiesige Bierfest am gleichen Tag wie das Münchner Original. Über Freunde an der Botschaft kauften wir sündhaft teure Tickets - tatsächlich stellten wir erst am Tag vor der Veranstaltung fest, dass für uns die doppelt so teuren VIP-Tickets besorgt worden waren. Man gönnt sich ja sonst nichts. Leider konnten wir uns nicht VIP-mäßig anziehen, da uns doch tatsächlich Dirndl und Lederhose fehlten. Bei anderen Familien kamen jeweils Vater-Söhne und Mutter-Töchter im jeweiligen Einheitslook mit gleichen Hemden zur Lederhose bzw. gleichem Dirndl. Für den nächsten Auslandsaufenthalt sollten wir uns wohl besser vorbereiten. Über die Dirndl- und Lederhosendichte der Besucher waren wir doch überrascht, umso mehr, als wir viele der Besucher gar nicht kannten (und so vermuteten, dass nicht nur Deutsche die bayerische Traditionskleidung trugen). Zwei Besucher kamen sogar mit Robin Hood-Kappen inklusiver langer Federn und einigen reichte es auch, sich einen Bierkrug aus Schaumstoff auf den Kopf zu setzen.



Das Bierfest an sich war, nun ja, nicht sonderlich spektakulär. Auffällig war, dass man am Eingang wählen konnte, ob man ein Weinglas oder ein Bierglas haben wollte. Wir entschieden uns für Weingläser. Der Wein war jedoch ungekühlt und in der Sonne gelagert; auf den wohl sehr süßen warmen Weißwein verzichteten wir, aber auch der Rotwein war deutlich über Genusstemperatur. Wer kommt eigentlich auf die Idee, auf einem Bierfest Wein zu konsumieren? An Bieren gab es eine größere Auswahl als an Weinen, Craft Bier wurde ebenso angeboten wie "Kölsch-like Beer". Und zum Essen gab es neben Leberkäse auch Weißwürste, Brezeln und Sauerkraut - eben fast alles, was man sich bei einem Bierfest so vorstellen kann (oder auch nicht).


Die Musik - glücklicherweise nicht die klassische Oktoberfestmusik - war etwas laut; zumindest, wenn man sein Gegenüber noch verstehen wollte. Ein Spaziergang über die Greens des Golfplatzes war leider nicht vorgesehen. So unterhielten wir uns, so gut es ging, an unserem VIP-Tisch mit Freunden und Bekannten, bis wir schließlich beschlossen, wieder nach Hause zu fahren.


Mal schauen, welches Oktoberfest wir nächstes Jahr besuchen! (Oder wird es statt einem Bierfest doch die Frankfurter Buchmesse? Anmerkung Walli: Auf jeden Fall!!!)

Montag, 24. September 2018

Sieben auf einen Streich

Vor einer guten Woche landeten Philip und ich wieder in Botswana. Ich ungefähr ein Stündchen vor ihm, und da in meinem Flieger zwei von Philips GIZ-Kollegen saßen und es so eine Mitfahrgelegenheit für mich gab, wartete ich nicht am Flughafen auf ihn, sondern fuhr schon einmal nach Hause.
Kaum vor der Haustür angekommen, realisierte ich, dass ich nicht alleine war. Etwas raschelte, etwas huschte durchs Gebüsch. Vier oder fünf junge Katzen versteckten sich vor mir und krochen tief in unseren Christusdorn. Vier oder fünf! Wir haben hier schon einmal ein Katzenbaby aufgepäppelt, bevor wir es weggegeben haben. Die kleine Gollum war total niedlich und ist mir in kurzer Zeit sehr ans Herz gewachsen, aber wir sind einfach nicht der richtige Hauhalt für ein Katzen-Haustier. Und für vier oder fünf erst recht nicht.

Ich stellte den Kätzchen also etwas Wasser hin und klärte sie darüber auf, dass von mir nicht viel mehr zu erwarten sei. Irgendwann kam auch Philip. Am nächsten Tag waren die Kätzchen weg, als ich nach Hause kam, traf ich nur eine größere graue Katze vor der Haustür an, die mich irritiert bis konsterniert betrachtete. Offensichtlich die Mutter - am nächsten Tag saßen ihre Kinder wieder im Christusdorn und irgendwann kam sie und säugte sie. Bei der Gelegenheit habe ich nochmal nachgezählt - es sind sogar sechs Kätzchen. (Philips Kommentar: "Das werden ja immer mehr!") So geht es seitdem, mal sitzen die Kätzchen vor dem Haus, mal lassen sie sich einen Tag lang gar nicht blicken, mal sind sie allein, mal kommt die Mutter vorbei. Gestern Abend tollten alle sieben über den Kunstrasen, während wir zu Abend aßen. Die Katzenmutter guckt uns immer noch an, als würde sie sich fragen, was wir eigentlich in ihrem Garten machen, aber ansonsten gewöhnen wir uns langsam aneinander. Und süß sind sie ja schon allesamt.



Samstag, 22. September 2018

Ein Koffer voller Klopapier

Naturgemäß muss man im Ausland auf einige Produkte aus der Heimat verzichten. Es ist ja allgemein bekannt, dass Deutsche oft die heimische Brotauswahl vermissen, manche sehnen sich auch nach deutschem Bier. Auch Philip und ich kaufen immer eine ganze Reihe von Dingen ein, die wir in Botwana entweder gar nicht oder nur sehr viel teurer bekommen. Meine Gesichtscreme von Nivea gibt es hier zum Beispiel in den meisten Supermärkten, sie kostet aber fast das Doppelte. Bei Shampoo und Conditioner verhält es sich so ähnlich, von Zahnpasta oder Haarfärbemittel will ich gar nicht erst anfangen. Zu meinen Deutschland-Besuchen gehört daher immer ein ausgiebiger dm- oder Rossmann-Einkauf.

Für Außenstehende mögen unsere Einkäufe mitunter seltsam aussehen. Am dritten Tag meines Aufenthaltes kaufte ich zwei Packungen Ameisengift, dreimal zartbitteren Schokoguss und 34 Rollen Klopapier. Klopapier gibt es natürlich auch in Botswana (Ameisengift übrigens auch, aber ich wollte mal was anderes testen - vielleicht gelingt es mir mit fremdländischem Gift eher, die botswanischen Ameisen in unserer Küche zu überraschen und auszurotten ...). Meine Mutter hat einst festgestellt, dass sogar im ganzen Land vornehmlich eine Sorte verwendet wird: Die, auf der kleine Hündchen eingestanzt sind. Optisch ist gegen das Klopapier nichts zu sagen, aber es ist nur zweilagig. (Wird in Deutschland überhaupt zweilagiges Toilettenpapier verkauft? Ich glaube nicht.) Zwei Lagen sind nicht viel. Man gewöhnt sich zwar dran, aber drei sind schöner. Glaubt mir einfach.

Man kann auch mit zweilagigem Klopapier auskommen, aber Philip und ich hatten in einem unserer Koffer sehr viel Platz. Wir waren nämlich mit drei Koffern nach Deutschland gereist, wobei der dritte in erster Linie unsere Winterklamotten enthielt. Da nicht davon auszugehen ist, dass wir im nächsten botswanischen Winter (der im Mai beginnen wird) noch hier sind, haben wir schon einmal einen Teil unserer warmen Sachen zurück nach Deutschland geschafft. Den Koffer wollten wir aber gerne wieder mitnehmen. Einen leeren oder fast leeren Koffer im Flugzeug zu transportieren, ist allerdings nicht ratsam, der ist instabil und kann leicht kaputtgehen. Und so kam Philip auf die Idee, unsere hiesige Klopapier-Situation zu verbessern.

Ein paar schwere Teile kamen auch noch in den Klopapier-Koffer. Zum Beispiel Ersatzteile für unseren Schluckspecht (zu den jüngsten Reparatur-Erfahrungen siehe Teil 1 und Teil 2), die mir die Volvo-Werkstatt in Euskirchen innerhalb eines halben Tages bestellte. Nachdem ich anfangs noch souverän aufgetreten war ("ich habe einen XC90, der steht allerdings in Afrika"), verlor ich angesichts dieser sensationell kurzen Lieferzeit doch meine Coolness. Mein Vater meinte, er hätte mich schon lange nicht mehr so glücklich gesehen.

Und so sind Philip und ich nach einem kurzen, aber erfüllten Deutschland-Aufenthalt am letzten Samstag wieder zurück nach Gaborone geflogen - unter anderem mit einem Koffer voller Klopapier. Ich war ganz dankbar, dass Philip diesen dabei hatte (wir flogen zwar am gleichen Abend, aber in getrennten Flugzeugen). Hier kann es ja immer passieren, dass man mit dem Zoll über den Inhalt seines Koffers diskutieren muss und dass wir jetzt neben dem üblichen Brot, Käse und Drogeriekram auch Klopapier und Autoersatzteile mit uns mitschleppten, hätte sicher Fragen aufgeworfen. Aber der Zoll verschonte uns. Vermutlich sind wir jetzt der Haushalt mit der größten Klopapier-Auswahl Botswanas!

Sonntag, 9. September 2018

Der Herr Minister fliegt ein

Für Arbeitsverweigerer im Auslandseinsatz gibt es kaum eine größere Drohung als "Der Minister kommt" (je nach Besuchsprogramm ungefähr gleichzusetzen mit "Die Bundeskanzlerin kommt" oder "Der Bundespräsident kommt").
Wenn mein Chef, der GIZ Landesdirektor, im Urlaub oder auf Dienstreise ist, dann darf ich ihn vertreten. Das fand ich bisher immer interessant, weil man so noch einmal Einblicke in andere Aufgaben bekommt - und bisher hielten sich die dringenden oder kritischen Anfragen in seiner Abwesenheit meist in Grenzen.
Während der Abwesenheit meines Chefs bin ich nicht nur Chef, sondern auch mein Chef. Doch als er im Juli in Urlaub war, kam es knüppeldick: absehbare Budgetkürzungen, kritische Abfragen, und schließlich: Der Minister kommt. Zunächst sollte ich es noch nicht groß weitertragen, dann kam die Anfrage, innerhalb von 48 Stunden Dokumente zu erstellen, der Druck ging los.
Glücklicherweise wird solch ein Ministerbesuch nicht von der GIZ koordiniert, für so etwas gibt es ja die deutsche Botschaft. Dort fand allerdings im Zeitraum Juni bis August ein Wechsel von drei der sechs Mitarbeiter/innen statt, wobei zu dem Zeitpunkt noch keine/r der neuen Mitarbeiter/innen eingereist war. Der deutsche Botschafter war zwar noch da, machte jedoch deutlich, dass er seinen Urlaub im August - während des Ministerbesuchs - durchaus anzutreten gedenke. Interessant, was man sich als Botschafter alles erlauben kann...
Glücklicherweise kam mein Chef kurze Zeit später aus dem Urlaub zurück und konnte wieder übernehmen. Mit den verbliebenen Mitarbeiter/innen an der Botschaft sowie dem Protokoll des Ministers wurde ein Ablaufplan ausgearbeitet, Besuchstermine angefragt und die Logistik ausgetüftelt. Projektfahrzeuge mit Fahrer wurden ausgewählt, um die Delegation des Ministers durch die Stadt zu kutschieren, ein Mitarbeiter als "Gepäckmeister" auserkoren, der sich am Flughafen um das Gepäck der Delegation kümmern sollte.
Für die Projekte kam - glücklicherweise? - keine weitere dringende Anfrage. Wir haben überhaupt sehr wenig vom Ministerbesuch mitbekommen: Ich habe ihn noch nicht einmal gesehen. Schade eigentlich. Obwohl, doch, live habe ich gesehen, facebook-live, denn die botswanische Regierung hat dort die ersten 25 Minuten des Besuchs von Herrn Müller bei Präsident Masisi live bei Facebook gestreamt. Auch eine Art von "open Government". Wann wir wohl mal ein Gespräch von Frau Merkel oder Herrn Steinmeier mit einem ausländischen Politiker live online verfolgen können? Oder wollen wir das vielleicht gar nicht?
Apropos mitbekommen: Wenn ich den Minister schon nicht gesehen habe, so haben wenigstens Walli und ihre Eltern das Flugzeug der Flugbereitschaft am Flughafen aufgesucht und ein Foto gemacht - für unsere Blogleser machen wir doch (fast) alles - und am Flughafen Gaborones fühlen sich Walli und ihre Eltern ja mittlerweile auch recht heimisch dank gewisser Koffersuchaktionen...


Es war der erste Besuch von Herrn Müller im südlichen Afrika überhaupt, von Botswana und seinem Präsidenten zeigte er sich sehr beeindruckt - man brauche in Deutschland solche Beispiele aus Afrika von Staaten mit funktionierender Demokratie, und gutem Wirtschaftswachstum. Auch der Besuch bei SADC verlief im Großen und Ganzen wohl zur Zufriedenheit des Ministers. Beim anschließenden Stopp in Kasane im Norden Botswanas ließ sich Herr Müller noch die Kooperation mehrerer Staaten im Naturschutz erklären - u.a. während einer Boots-Safari auf dem Chobe-Fluß und während einer Safari zu Land. Sicherlich eindrücklich! Frisches Geld brachte Herr Müller leider keines mit; wir wären ja schon dankbar, wenn die angekündigten Kürzungen nächstes Jahr etwas weniger stark ausfielen.

Mittwoch, 5. September 2018

Die unendliche Autoreparaturgeschichte - Teil 2

Hier eine kurze Zusammenfassung des ersten Teils der unendlichen Autoreparaturgeschichte: Der Volvo war unter den in der Vergangenheit zumindest halbwegs hilfreichen Händen unseres serbischen Mechanikers Goran von "größtenteils repariert" zur invaliden Klapperkiste mutiert. Unser Golf hatte nach zweieinhalb Monaten des Wartens und Nachhakens vom malawischen Mechaniker Gabriel zwar erfolgreich einen neuen Zahnriemen verpasst bekommen, dafür war jetzt jedoch ein Display kaputt. Gabriel holte das Auto also nochmal ab - bzw. schlug ich ihm einen Abholtermin vor, den er bestätigte; an dem Nachmittag, den wir vereinbart hatten, schrieb ich ihm nochmal, dass ich jetzt zu Hause sei, er antwortete nicht, nach vergeblichem Warten rief ich ihn schließlich an und wir vereinbarten einen neuen Termin ... egal, irgendwann war das Auto bei Gabriel.

Und da blieb es auch. Es war ein Donnerstagmorgen, als Gabriel das Auto abholte. Der Deal war eigentlich, dass ich es bis Freitagmittag zurückbekommen sollte, aber das klappte nicht. Freitagnachmittag rief ich also an. Gabriel war sehr zuversichtlich, dass er das Display am Samstag zum Laufen bekommen würde und bot uns übergangsweise sein eigenes Auto als Ersatzwagen an. Am Wochenende kommen Philip und ich in der Regel ganz gut mit einem Auto aus, ich vereinbarte aber trotzdem mit ihm, dass wir bis Samstagnachmittag entweder unser Auto zurück- oder seines bekommen würden. Ich nahm an, das würde Anreize bei ihm setzen, die Reparatur zu erledigen. Na ja, ging so.
Am späten Samstagnachmittag fragte ich per WhatsApp nach. Gabriels Antwort: "There is a small part am waiting for I might get it by tomorrow." Das Ersatzauto würden wir sonst auf jeden Fall morgen bekommen, er müsste es nur noch sauber machen.

Am Sonntag (dem besagten tomorrow) tat sich dann halb-erwartungsgemäß gar nichts. Wir bekamen den Golf nicht zurück, kein Ersatzauto und auch keinen neuen Zwischenstand von Gabriel. Wer sich immer schon mal gefragt hat, was mich so richtig auf die Palme bringt - hier ist die Antwort: Unzuverlässigkeit und leere Versprechungen. Am Montag rief ich Gabriel an. Auf sein übliches "Hi, how are you?" brachte ich das obligatorische "I am fine, how are you?" nicht über die Lippen, sondern brummte etwas Undefinierbares in den Hörer, worauf Gabriel immerhin einlenkte: "I know you are not happy." Na immerhin. Gabriel schien dagegen guter Dinge. Zwar war das Display-Problem noch nicht gelöst, aber morgen wäre das Auto ganz sicher repariert! Und heute noch bekämen wir einen Ersatzwagen. Und den brachte er dann tatsächlich - sein eigenes Auto, einen weißen Mercedes.

Abends standen Philip und ich vor dem Wagen, den ich aufgrund meiner ersten Assoziation liebevoll "Zuhälterkarre" getauft hatte. Wir wollten ihn beide nicht fahren; aus unterschiedlichen Gründen. Mir war er zu groß und zu fremd, Philip mutmaßte, dass er wahrscheinlich nicht versichert war.
Am Dienstag wurde dann jedoch unser Volvo mal wieder von Goran abgeholt. Die von ihm bestellten Ersatzteile waren endlich angekommen, was auch höchste Zeit war - am Sonntag wollten wir bereits mit ihm (dem Volvo, nicht Goran) in den Urlaub fahren. Meine Eltern würden am Freitag ankommen und wir hatten eine einwöchige Reise in Botswana und Südafrika geplant. Zu viert und auf ungeteerten Pisten wollten wir doch gerne mit dem Volvo statt mit dem Golf fahren.

Nun waren also Volvo und Golf bei ihren jeweiligen Mechanikern - was uns blieb, war die Zuhälterkarre, mit der Philip dann aus Mangel an Alternativen am nächsten Morgen zur Arbeit fuhr.


Er amüsierte sich noch über das - immerhin funktionierende - Display im weißen Mercedes; dieses meldete Probleme und empfahl einen Werkstattbesuch.


Natürlich erkannte auch ich eine gewisse Ironie darin, dass das Privatauto unseres Mechanikers sich nach einem Werkstattbesuch sehnte, allerdings waren mir sowohl das Lachen als auch das Vertrauen in Gabriels Fähigkeiten bereits völlig vergangen. Tatsächlich zeigte sich, dass der Mercedes Probleme hatte: Lief Philips Fahrt zur Arbeit noch ganz passabel, fiel auf dem Rückweg die Lenkung aus, das Auto ließ sich kaum noch um Kurven manövrieren. Nicht so richtig praktisch in der Gaboroner Rush Hour, er kam gerade so eben noch nach Hause. Am Donnerstag ließen wir das einzige Auto, das wir nach wie vor hatten, stehen. Philip nahm sich ein Taxi zur Arbeit, ich fuhr mit dem Fahrrad zu meinen serbischen Deutschlern-Mädels (nicht verwandt mit Goran). Meine allererste Fahrradtour in Gaborone! Fahrradfahrer sind in der botswanischen Hauptstadt generell eine Seltenheit, weiße Fahrradfahrer noch mehr. Jugendliche starrten mich an, Bauarbeiter winkten mir zu und die Maid, die für die Familie der serbischen Mädchen arbeitet, verliebte sich spontan in mein Fahrrad und bot an es mir abzukaufen. Und dann geschah auch noch ein Wunder: Gabriel rief an, der Golf sei repariert. Er würde ihn abends noch vorbeibringen. Und das tat er dann tatsächlich; nach einer Woche bekam ich das Auto endlich wieder. (Zum Vergleich: Das Auswechseln des Zahnriemens hatte nur dreieinhalb Tage gedauert.) Nachdem ich ihn im Laufe der vergangenen Tage mehrmals verflucht hatte (nicht den Golf, sondern Gabriel), war ich nun so glücklich, ihn zu sehen, dass ich übersprungshandlungsmäßig zu meinem eigenen Erstaunen tatsächlich behauptete, ihn bei zukünftigen Autoproblemen wieder konsultieren zu wollen. Leere Versprechungen kann ich offensichlich auch machen ...

Am Freitag konnten Philip und ich meine Eltern dann immerhin mit dem Golf statt mit dem Taxi vom Flughafen abholen. Und am Freitagabend geschah das zweite Wunder: Wir bekamen den Volvo repariert und auf Herz und Nieren getestet zurück! Wobei Goran gleich bekannte, dass er ihn nach dem Urlaub gerne nochmal holen würde - er hatte vergessen, irgendein Teil einzubauen, das würde auf die Fahrtüchtigkeit jedoch keinerlei Einfluss haben. (Kurzer Spoiler: Während unseres Urlaubs stellten wir noch ein paar weitere "Kinkerlitzchen" fest ... Warum klackert die Radaufhängung links so? Ist das neu oder war das schon? Warum ist das vordere Licht auf einmal so verstellt, dass es nur noch den einen Meter vor dem Auto ausleuchtet? Warum leuchten weiterhin zwei Warnleuchten am Armaturenbrett, die doch schon längst abgeschaltet bzw. deren Probleme behoben sein sollten?)
Dennoch: Wir standen so immerhin 36 Stunden vor Urlaubsbeginn tatsächlich wieder mit zwei Autos da - zwischenzeitlich hatten weder Philip noch ich das zu hoffen gewagt und schon überlegt, Freunde zu fragen, ob die uns einen ihrer Wagen leihen würden. Was uns dagegen fehlte, waren die Koffer meiner Eltern. Aber das war ja bereits eine andere Geschichte ...

Montag, 3. September 2018

Die unendliche Autoreparaturgeschichte - Teil 1

Dass wir unseren Volvo-Schluckspecht nicht unbedingt schonen, dürfte in vergangenen Blogbeiträgen bereits deutlich geworden sein. Er hat sich immer noch nicht komplett von unserem Roadtrip ins Okavango Delta erholt. Zwar war er danach in der Reparatur (gebrochene Feder hinten, neue extra-starke Safari-Stoßdämpfer, neuer Auspuff, etc.), ist aber immer noch nicht vollständig wiederhergestellt. Zunächst merkte Philip, dass die Lenkung einen unguten Rechtsdrall hatte, auch ein quietschendes Geräusch beim um die Kurve fahren machte uns nicht glücklich. Der serbische Mechaniker unseres Vertrauens, Goran, bekam das Auto also wieder. Und behielt es fast eine Woche. Ein verlängertes Wochenende, das wir in Südafrika verbringen wollten, rückte derweil näher. Als Philip Goran an Mittwochabend mit der Frage anschrieb, ob wir mit dem Auto am Samstag einen Kurztrip antreten könnten, lautete die so knappe wie eindeutige Antwort: "No." Nach einem klärenden Telefonat schlug Goran vor, das Auto für unseren Wochenendausflug wieder zusammenzubauen, fahrtüchtig sei es ja und er müsste eh noch auf eine Ersatzteillieferung aus Südafrika warten, bevor er es weiter reparieren könnte. Und so bekamen wir es am Freitag wieder - allerdings nicht in dem Zustand, in dem wir es abgegeben hatten. Rechtsdrall und Pfeifen waren nun die geringste Probleme, mehr beunruhigte uns das Klappern und Zittern, vor allem bei Bremsvorgängen. Kurz: Das Auto schien für längere Fahrten unbrauchbar. Aber wir haben ja noch ein anderes.

Unser Golf (den wir liebevoll "das kleine Auto" nennen) ist ein Stadtauto, das noch nie irgendwelche Zicken gemacht hat. Anfang Mai hatte ich es zur Jahresinspektion gegeben - nicht bei Goran, sondern bei einem malawischen Mechaniker namens Gabriel, der uns ebenfalls empfohlen worden war. Es schien mir eine Art Risikoverteilung zu sein, den Golf zu jemand anderem zu geben und mein Ersteindruck von Gabriel war super: Wir vereinbarten einen Termin, er holte das Auto morgens ab und brachte es abends zurück. Der Preis war vernünftig und das Auto immerhin zu 80% okay, wie Gabriel mir mitteilte. Eine Sache war ihm allerdings aufgefallen: Der Zahnriemen hätte bereits bei 75.000 km gewechselt werden sollen, inzwischen hatte er schon über 100.000 km auf dem Buckel. Und feine Risse. Er müsste ersetzt werden, denn wenn ein Zahnriemen reißen würde, würde ein meist irreparabler Motorschaden entstehen. Ich fragte Gabriel nach den Kosten, die er mir spontan nicht nennen konnte, er wollte sich aber erkundigen und mir einen Kostenvoranschlag schicken, um dann das Ersatzteil zu bestellen. Inzwischen könnte ich ruhig noch einige Wochen kurze Strecken mit dem Auto zurücklegen.

Ende Mai fragte ich das erste Mal nach. Gabriel versicherte mir per WhatsApp, den Zahnriemen zu bestellen und mich über die Kosten zu informieren. Ein paar Tage später bat er mich um die Fahrzeugnummer, um auch das richtige Teil zu ordern. Dann passierte - nichts. Ende Juni fragte ich wieder nach. Die Antwort lautete, dass der Zahnriemen nächsten Dienstag geliefert werden würde. Dann hörte ich wieder - nichts. Und das war so ungefähr der Zeitpunkt, an dem wir feststellten, dass wir mit dem Golf nach Südafrika fahren müssten, weil der Volvo ein Sicherheitsrisiko war.

Inzwischen machte ich mir doch langsam Sorgen, dass der Zahnriemen reißen könnte. Und stellte fest, dass Autoprobleme googeln ähnlich empfehlenswert ist wie die Online-Recherche nach Krankheitssymptomen: Man kann sich damit bestens verrückt machen. Es gibt diverse deutschsprachige Autoforen in denen Leute die feinen Risse in ihren Zahnriemen beschreiben, die Antworten von anderen Autofahrern sind stets die gleichen: "Mit dem Wagen würde ich maximal noch bis zur nächsten Werkstatt fahren!" In Botswana brachten mich derartige Tipps aber nicht weiter - Werkstätte gibt es zwar auch hier in Hülle und Fülle, aber die haben höchstens die allergängigsten Ersatzteile da. Alles andere muss in Südafrika bestellt werden, und das kann dauern, wie wir bereits aus leidvoller Erfahrung von Goran wussten. Also beschlossen wir, dass der Zahnriemen schon noch durchhalten würde und hatten auch Glück: Unser kleines Stadtauto fuhr uns einwandfrei durch Südafrika. Und als wir wieder in Gaborone waren und ich Gabriel anrief, war der Zahnriemen tatsächlich da! Wir vereinbarten einen Termin für die Reparatur, das Auto war dreieinhalb Tage in der Werkstatt, dann bekam ich es wieder. Mein Glück, dass diese Sache geklärt war, währte leider nur kurz. Dass mein Auto extrem blumig nach Politur roch und ich einen Bierdeckel in der Seitentasche fand, konnte ich noch tolerieren, aber dass ein Display über dem Lenkrad nicht mehr funktionierte, war dann doch blöd. Dieses Display zeigt normalererweise verschiedene Informationen an: z.B. den Spritverbrauch, die Außentemperatur, in welchem Gang das Auto gerade fährt etc. Fahren lässt es sich auch ohne diese Informationen prima, aber dennoch: Bis zum Austausch des Zahnriemens hatte das Display funktioniert, nun funktionierte es nicht mehr. Ich informierte Gabriel darüber und wir vereinbarten, dass er das Auto noch einmal abholen würde. Fortsetzung folgt.