Hier eine kurze Zusammenfassung des
ersten Teils der unendlichen Autoreparaturgeschichte: Der Volvo war unter den in der Vergangenheit zumindest halbwegs hilfreichen Händen unseres serbischen Mechanikers Goran von "größtenteils repariert" zur invaliden Klapperkiste mutiert. Unser Golf hatte nach zweieinhalb Monaten des Wartens und Nachhakens vom malawischen Mechaniker Gabriel zwar erfolgreich einen neuen Zahnriemen verpasst bekommen, dafür war jetzt jedoch ein Display kaputt. Gabriel holte das Auto also nochmal ab - bzw. schlug ich ihm einen Abholtermin vor, den er bestätigte; an dem Nachmittag, den wir vereinbart hatten, schrieb ich ihm nochmal, dass ich jetzt zu Hause sei, er antwortete nicht, nach vergeblichem Warten rief ich ihn schließlich an und wir vereinbarten einen neuen Termin ... egal, irgendwann war das Auto bei Gabriel.
Und da blieb es auch. Es war ein Donnerstagmorgen, als Gabriel das Auto abholte. Der Deal war eigentlich, dass ich es bis Freitagmittag zurückbekommen sollte, aber das klappte nicht. Freitagnachmittag rief ich also an. Gabriel war sehr zuversichtlich, dass er das Display am Samstag zum Laufen bekommen würde und bot uns übergangsweise sein eigenes Auto als Ersatzwagen an. Am Wochenende kommen Philip und ich in der Regel ganz gut mit einem Auto aus, ich vereinbarte aber trotzdem mit ihm, dass wir bis Samstagnachmittag entweder unser Auto zurück- oder seines bekommen würden. Ich nahm an, das würde Anreize bei ihm setzen, die Reparatur zu erledigen. Na ja, ging so.
Am späten Samstagnachmittag fragte ich per WhatsApp nach. Gabriels Antwort: "There is a small part am waiting for I might get it by tomorrow." Das Ersatzauto würden wir sonst auf jeden Fall morgen bekommen, er müsste es nur noch sauber machen.
Am Sonntag (dem besagten tomorrow) tat sich dann halb-erwartungsgemäß gar nichts. Wir bekamen den Golf nicht zurück, kein Ersatzauto und auch keinen neuen Zwischenstand von Gabriel. Wer sich immer schon mal gefragt hat, was mich so richtig auf die Palme bringt - hier ist die Antwort: Unzuverlässigkeit und leere Versprechungen. Am Montag rief ich Gabriel an. Auf sein übliches "Hi, how are you?" brachte ich
das obligatorische "I am fine, how are you?" nicht über die Lippen, sondern brummte etwas Undefinierbares in den Hörer, worauf Gabriel immerhin einlenkte: "I know you are not happy." Na immerhin. Gabriel schien dagegen guter Dinge. Zwar war das Display-Problem noch nicht gelöst, aber morgen wäre das Auto ganz sicher repariert! Und heute noch bekämen wir einen Ersatzwagen. Und den brachte er dann tatsächlich - sein eigenes Auto, einen weißen Mercedes.
Abends standen Philip und ich vor dem Wagen, den ich aufgrund meiner ersten Assoziation liebevoll "Zuhälterkarre" getauft hatte. Wir wollten ihn beide nicht fahren; aus unterschiedlichen Gründen. Mir war er zu groß und zu fremd, Philip mutmaßte, dass er wahrscheinlich nicht versichert war.
Am Dienstag wurde dann jedoch unser Volvo mal wieder von Goran abgeholt. Die von ihm bestellten Ersatzteile waren endlich angekommen, was auch höchste Zeit war - am Sonntag wollten wir bereits mit ihm (dem Volvo, nicht Goran) in den Urlaub fahren. Meine Eltern würden am Freitag ankommen und wir hatten eine einwöchige Reise in Botswana und Südafrika geplant. Zu viert und auf ungeteerten Pisten wollten wir doch gerne mit dem Volvo statt mit dem Golf fahren.
Nun waren also Volvo und Golf bei ihren jeweiligen Mechanikern - was uns blieb, war die Zuhälterkarre, mit der Philip dann aus Mangel an Alternativen am nächsten Morgen zur Arbeit fuhr.
Er amüsierte sich noch über das - immerhin funktionierende - Display im weißen Mercedes; dieses meldete Probleme und empfahl einen Werkstattbesuch.
Natürlich erkannte auch ich eine gewisse Ironie darin, dass das Privatauto unseres Mechanikers sich nach einem Werkstattbesuch sehnte, allerdings waren mir sowohl das Lachen als auch das Vertrauen in Gabriels Fähigkeiten bereits völlig vergangen. Tatsächlich zeigte sich, dass der Mercedes Probleme hatte: Lief Philips Fahrt zur Arbeit noch ganz passabel, fiel auf dem Rückweg die Lenkung aus, das Auto ließ sich kaum noch um Kurven manövrieren. Nicht so richtig praktisch in der Gaboroner Rush Hour, er kam gerade so eben noch nach Hause. Am Donnerstag ließen wir das einzige Auto, das wir nach wie vor hatten, stehen. Philip nahm sich ein Taxi zur Arbeit, ich fuhr mit dem Fahrrad zu meinen
serbischen Deutschlern-Mädels (nicht verwandt mit Goran). Meine allererste Fahrradtour in Gaborone! Fahrradfahrer sind in der botswanischen Hauptstadt generell eine Seltenheit, weiße Fahrradfahrer noch mehr. Jugendliche starrten mich an, Bauarbeiter winkten mir zu und die Maid, die für die Familie der serbischen Mädchen arbeitet, verliebte sich spontan in mein Fahrrad und bot an es mir abzukaufen. Und dann geschah auch noch ein Wunder: Gabriel rief an, der Golf sei repariert. Er würde ihn abends noch vorbeibringen. Und das tat er dann tatsächlich; nach einer Woche bekam ich das Auto endlich wieder. (Zum Vergleich: Das Auswechseln des Zahnriemens hatte nur dreieinhalb Tage gedauert.) Nachdem ich ihn im Laufe der vergangenen Tage mehrmals verflucht hatte (nicht den Golf, sondern Gabriel), war ich nun so glücklich, ihn zu sehen, dass ich übersprungshandlungsmäßig zu meinem eigenen Erstaunen tatsächlich behauptete, ihn bei zukünftigen Autoproblemen wieder konsultieren zu wollen. Leere Versprechungen kann ich offensichlich auch machen ...
Am Freitag konnten Philip und ich meine Eltern dann immerhin mit dem Golf statt mit dem Taxi vom Flughafen abholen. Und am Freitagabend geschah das zweite Wunder: Wir bekamen den Volvo repariert und auf Herz und Nieren getestet zurück! Wobei Goran gleich bekannte, dass er ihn nach dem Urlaub gerne nochmal holen würde - er hatte vergessen, irgendein Teil einzubauen, das würde auf die Fahrtüchtigkeit jedoch keinerlei Einfluss haben. (Kurzer Spoiler: Während unseres Urlaubs stellten wir noch ein paar weitere "Kinkerlitzchen" fest ... Warum klackert die Radaufhängung links so? Ist das neu oder war das schon? Warum ist das vordere Licht auf einmal so verstellt, dass es nur noch den einen Meter vor dem Auto ausleuchtet? Warum leuchten weiterhin zwei Warnleuchten am Armaturenbrett, die doch schon längst abgeschaltet bzw. deren Probleme behoben sein sollten?)
Dennoch: Wir standen so immerhin 36 Stunden vor Urlaubsbeginn tatsächlich wieder mit zwei Autos da - zwischenzeitlich hatten weder Philip noch ich das zu hoffen gewagt und schon überlegt, Freunde zu fragen, ob die uns einen ihrer Wagen leihen würden. Was uns dagegen fehlte, waren
die Koffer meiner Eltern. Aber das war ja bereits eine andere Geschichte ...