Nachdem wir am Freitagmorgen um 5 Uhr aufgebrochen waren, war ca. dreieinhalb Stunden (250 km) später die letzte Tankstelle bis zur Rückfahrt erreicht und nach weiteren 80 km verließen wir schließlich die Teerstraße. Die noch fehlenden ungefähr 140 km bis zum Parkeingang legten wir auf einer ziemlich unebenen Piste zurück, mit einer Maximalgeschwindigkeit von 50 Stundenkilometern und zwei Stopps wegen vermeintlicher Reifenpannen, die sich zum Glück beide als Fehlalarme herausstellten. Wir wurden ordentlich durchgeschüttelt und waren glücklich, als wir am frühen Nachmittag das Eingangstor zum Nationalpark erreichten. Im Park waren die Straßen sandiger, aber nicht ganz so hubbelig. Nach insgesamt zehn Stunden Fahrt erreichten wir schließlich unseren Campingplatz für die erste Nacht. Unser Stellplatz war riesig, aber Platzmangel ist ja generell kein Problem in Botswana. Ausgestattet war er mit einem "A-Frame", einem auf einer Betonplatte stehenden Holzdach, unter dem man im Schatten sitzen konnte, einer Feuerstelle, einem Plumpsklo und sogar einer Duschvorrichtung, die ohne den zugehörigen Eimer und ohne fließendes Wasser allerdings überflüssig war. Wir bauten unsere Zelte auf - unsere beiden Mitreisenden waren jeweils mit Dachzelt unterwegs, während wir uns im Bodenzeltaufbau übten. Über Feuer und Gaskocher wurden Nudeln mit Tomatensoße gekocht und an diesem Tag waren wir dann ziemlich schnell in unseren Schlafsäcken - ohne größere Tiersichtungen; von ein paar Vögeln abgesehen. Philips Kollegin Doris hatte sogar eine Plastikschüssel als Vogeltränke aufgestellt, die die Vögel jedoch links liegen ließen. Mich wunderte das nicht, denn die Schüssel war leuchtend orange und hatte einen schwarzen Boden, weswegen das Wasser darin wie kalter Kaffee aussah. Nach der ersten Nacht waren wir dann allerdings sehr verblüfft: Die Schüssel war weg; auch im Umkreis des Stellplatzes fanden wir sie nicht mehr. Mitten in der Einsamkeit kann sie nur ein Tier mitgenommen haben. Welches es war, werden wir aber nie herausfinden ...
Von unserem Campingplatz aus hatten wir einen schönen Blick auf eine Salzpfanne, durch die ab und an vereinzelte Oryxantilopen zogen.
Gegen Mittag machten auch wir uns wieder auf den Weg und fuhren zum nächsten Campingplatz - die drei Nächte verbrachten wir jeweils an anderen Orten und hatten so immer wieder neue Ausblicke. Der Grund für die täglichen Ortswechsel war ursprünglich gewesen, dass der mittlere Campingplatz nur noch für diese eine Nacht verfügbar war. Wir wollten ihn jedoch nicht verpassen, weil er der am Schönsten gelegene sein UND außerdem über fließend Wasser verfügen sollte - letzteres war leider nicht der Fall, womit klar war, dass es vor unserer Rückkehr nach Gaborone nichts mehr mit einer Dusche werden würde. Immerhin konnten wir so mal meinen für das namibische Elefantenschutzprojekt angeschafften Feuchttücher-Vorrat aufbrauchen.
Auf unserem zweiten Stellplatz bekamen wir schnell Gesellschaft. Nach ein paar neugierigen Frankolinen-Hühnchen erschienen mehrere Fuchsmangusten aus ihren Bauten, gefolgt von Erdhörnchen. Einige yellow-billed hornbills (südliche Gelbschnabeltokos) suchten ebenfalls unsere Nähe. Sie alle erhofften sich offensichtlich Futter, was wir ihnen allerdings verwehrten. Gegen Abend, als ich gerade ein paar Teller abgewaschen hatte, klaute dann eine Fuchsmanguste meinen Spülschwamm - ich sah sie noch mit dem Ding im Maul und machte ein paar schnelle Schritte auf sie zu, damit sie flüchten und den Schwamm fallen lassen würde. Sie flüchtete auch, nahm ihn allerdings mit und entwischte schließlich in ein Erdloch. Am nächsten Tag fanden wir den Schwamm vor dem Baueingang wieder; er war inzwischen mehr braun als gelb und wies einige Bissspuren auf.
Wir brieten abends Steaks über dem Feuer und hatten in einer Kühlbox außerdem einen Nudelsalat dabei. Es war ein sehr schöner Abend, wir saßen lange zusammen und der Vollmond erhellte die Salzpfanne.
Nachts hörten wir die Löwen brüllen, aber aus weiter Ferne. Und am nächsten Vormittag ging es dann wieder weiter.
Auf unserem dritten Campingstellplatz standen schon drei Autos als wir ankamen; vier südafrikanische Touristen waren gerade beim Mittagessen. Es stellte sich raus, dass der Platz für die folgende Nacht doppelt vergeben worden war. Nachdem wir ankündigten, auf jeden Fall bleiben zu wollen, den Platz aber gerne mit ihnen zu teilen, beschlossen die Südafrikaner, weiterzuziehen - die hatten auf Teilen noch weniger Lust als wir. Dabei gab es auf diesem Stellplatz sogar zwei Feuerstellen. Auf der einen kochte Philips Chef abends einen legendären Eintopf, der unter anderem Suppengemüse, Chakalaka, Kartoffeln, Corned Beef und Hähnchenfleisch enthielt und wider Erwarten grandios schmeckte. Beim Abendessen bekamen wir dann sogar Gesellschaft: Plötzlich saß ein Schakal unweit hinter uns. Er hätte sich da wohl gerne gemütlich eingerichtet, aber wir verscheuchten ihn durch Geschirrklappern. Vor dem Schlafengehen verstauten wir unser Hab und Gut in Kisten und Kofferräumen, aber eine halbe Plastikflasche, die ich als neue Vogeltränke aufgeschnitten hatte, wurde nachts geräuschvoll von einem Tier auseinandergenommen. Ob es der Schakal war? Wir wissen es nicht.
Am nächsten Morgen - wir hatten gerade die Eintopfreste als Frühstück über dem Feuer erhitzt und aufgegessen, das war schön warm nach einer sehr kalten Nacht um den Gefrierpunkt - sahen wir den Schakal noch mal wieder, als wir beim Zusammenpacken waren. Er war durchaus neugierig auf alles, was noch rumlag, hielt aber doch einen gewissen Abstand zu uns und ließ sich schließlich verscheuchen.
Ein letztes Wiedersehen gab es, als wir auf dem Rückweg am
Wasserloch unweit des Camps hielten, um eine Gruppe Steinböcke zu
beobachten. Der Schakal stieß zu ihnen und sie störten sich nicht an
ihm, nach einem Scheinangriff Richtung Wasser stoben die Antilopen dann
aber doch weit auseinander.
Und damit ging unser Campingwochenende auch schon zuende. Die Löwen haben uns also nicht gefressen und auch nicht an unserem Zelt geleckt. Nachdem wir auf dem Weg zum Parkausgang noch richtig schön im Sand steckenblieben, machten wir uns auf den Rückweg - Hubbelpiste, Teerstraße, Tankstelle und abends waren wir schließlich in Gaborone und freuten uns sehr auf Dusche und Bett. Abgesehen von der Fahrerei war das ein sehr entspannter Ausflug und trotz fehlendem Wasser und nächtlicher Kälte haben wir ihn rundum genossen.







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