Montag, 29. Mai 2017

Fensterlos durch Swakopmund

Der Mann einer hiesigen Freundin stellt mir zuverlässig immer die gleiche Frage, wenn wir uns treffen: "Verreist Du schon wieder?" Und tatsächlich kann ich dann auch immer von einer anstehenden Reise berichten, so auch beim Grillen am vorletzten Freitag, als wir uns zum letzten Mal sahen. Da flog ich nämlich bereits ein paar Stunden später über Johannesburg ins namibische Swakopmund. Meine zweite Namibia-Reise - und schon wieder ohne Philip! Wenn wir nächstes Mal hoffentlich gemeinsam dorthin reisen, eigne ich mich dann immerhin als Städteguide ...

Diese Gelegenheit musste ich aber einfach wahrnehmen: Freunde reisen gerade durchs südliche Afrika und in einem ihrer zwei Dachzelte war sogar noch ein Platz für mich frei. Und so hatte ich mich mit Geno, Ali und Christiane an einem sonnigen Samstagnachmittag im idyllisch-altmodischen Swakopmunder Café Anton verabredet, wo ich bereits im Februar ein Stück Schwarzwälder Kirschtorte gegessen hatte. Wir freuten uns über das Wiedersehen und tranken da erst einmal Kaffee.
Der gemütliche Teil des Nachmittags fand jedoch ein jähes Ende. Christiane war schon einmal zum Auto zurückgegangen, um den Camping-Kühlschrank auszuschalten. Und musste entdecken, dass eines der beiden hinteren Seitenfenster eingeschlagen worden war. Bald darauf wurde uns auch klar, warum: Ali hatte seinen Rucksack auf der Rückbank gelassen. Und der war nun weg.

Swakopmund - die vermutlich deutscheste afrikanische Stadt der Welt - macht eigentlich einen sehr friedlichen Eindruck. Schnuckelige Häuser, breite Straßen, Fußgängerzonen ... und der Parkplatz war eigentlich in einer der Hauptstraßen. Allerdings ist Swakopmund auch etwas verschlafen, das Auto parkte an diesem Nachmittag ganz alleine auf diesem Parkplatz. Und weit und breit war kein Parkplatzwächter zu sehen, die sonst ja oft rumstehen und sich über ein Trinkgeld freuen. Wir hatten wohl einfach Pech.

Im Café Anton konnte man uns zwar nicht die Telefonnummer der örtlichen Polizei geben, dafür aber den Weg beschreiben: Die Station war keine zehn Minuten entfernt. Wir waren fast die einzigen, die sich an diesem Nachmittag dort einfanden und die Polizistin, die unseren Bericht aufnahm, hatte von dem Auto mit der eingeschlagenen Scheibe sogar bereits gehört; Kollegen von ihr waren schon auf der Suche nach uns gewesen. Geno und Christiane schrieben auf, was im Rucksack war, brauchten dann aber Ali, der allerdings beim Auto geblieben war, woraufhin Geno dorthin zurücklief ... die Polizistinnen und ihr männlicher Kollege, der die ganze Zeit im Unterhemd rumlief, hatten die Ruhe weg und warteten eh auf ihren Chef, der kommen sollte, um die Sache zu klären. Ich ging irgendwann zur Bank und leistete dann Geno Gesellschaft, die das Auto inzwischen vor der Polizeistation geparkt hatte und von den Glassplittern säuberte. Schließlich näherten sich uns zwei Männer, von denen der eine etwas abgerissen aussah. Sie erkundigten sich, was passiert war und der etwas Abgerissene stellte den anderen als den zuständigen Polizisten vor, der nochmal wissen wollte, was geklaut worden wäre etc. - alles Fragen, die wir auf der Polizeistation schon mehrmals beantwortet hatten. Schließlich wunderte er sich, dass wir immer noch auf den Bericht für die Versicherung warteteten und kündigte an, mal im Gebäude nach dem Rechten zu sehen. Wir sahen ihm nach und ich sagte zu Geno: "Ich war mir bis zuletzt nicht sicher, ob der Typ uns nicht doch verarscht." Daraufhin schaltete sich der andere ein: "No, no, he really is a police officer." Ja, das bin ich aus Botswana einfach nicht gewohnt: Gefühlt versteht jeder Zweite in Namibia deutsch ...
Der etwas abgerissene Typ entpuppte sich als Schlüsselanhängerverkäufer, der aber relativ schnell verstand, dass wir aktuell nicht in der Stimmung waren, ihm etwas abzukaufen. Sein Polizeifreund in Zivil verfasste derweil selbst handschriftlich den Bericht und wir konnten schließlich gehen. Festzuhalten bleibt, dass Swakopmund alles in allem doch ein ziemlich sicheres Pflaster sein muss - nicht nur war auf der Polizeistation so gut wie nichts los, wir wurden am nächsten Tag auch noch anderswo von einem Parkplatzwächter angesprochen, ob wir diejenigen gewesen wären, denen die Scheibe am Vortag eingeschlagen worden wäre ... wir waren Gesprächsthema!

Da es bereits auf den Samstagabend zuging, mussten wir am Wochenende erstmal ohne die Scheibe klarkommen und behalfen uns schließlich mit einer Mülltütenkonstruktion, die erstaunlich haltbar war. In Botswana sieht man manchmal mit Frischhaltefolie umwickelte Autotüren, in denen die Fenster fehlen. Unsere Konstruktion war eleganter, aber auch weniger durchsichtig.


Zum Glück ließ die Autovermietung die Scheibe am Montag ersetzen und wir konnten die Reise wie geplant fortsetzen. Nur schade um Rucksack und Inhalt, die bislang nicht wieder aufgetaucht sind.

Donnerstag, 18. Mai 2017

Plötzlich Referendarin

Seit Anfang April helfe ich bei der NGO "Stepping Stones". Sie hat ihren Hauptsitz im ca. 40 km entfernten Mochudi, hier in Gaborone jedoch einen Ableger in den Räumen der amerikanischen Kinderklinik Baylor. Dort absolvieren mehrheitlich HIV-infizierte Jugendliche im Alter von 17 Jahren bis Anfang 20 ein ca. zehnmonatiges Programm, das sie auf ein erfolgreicheres Berufsleben vorbereiten soll. In erster Linie soll es ihnen wohl einen Vorsprung verschaffen, damit sie trotz der hohen Arbeitslosigkeit in Botswana einen Job finden.

Bei Baylor/Stepping Stones findet immer von dienstags bis freitags Unterricht statt, jeweils von 9 bis 12 Uhr. Ich helfe immer dienstags und mittwochs. Am Dienstag wird "Aflateen" unterrichtet, das ist ein speziell für Teenager entwickelter Wirtschaftsunterricht auf eher niedrigem Niveau. Ich weiß gar nicht genau, in welchem Land "Aflateen" entwickelt wurde, aber es wird inzwischen wohl in ca. 50 (Entwicklungs-?)Ländern gelehrt. Wir haben ein sehr ausgearbeitetes Programm vorliegen. Im Moment beschäftigen wir uns in Aflateen mit dem Umgang mit Geld, gucken uns an, wie ein Sparplan aussehen könnte, reden über Bankkonten (die hier auch viele Erwachsene nicht haben) und darüber, wie eine Kreditkarte funktioniert.
Der Unterricht am Mittwoch nennt sich "Leadership", wobei das inhaltlich nicht zu eng zu sehen ist. Es wird zwar immer so getan, als sollte der Unterricht bei Baylor/Stepping Stones die Jugendlichen auch auf eine Führungstätigkeit vorbereiten, aber bis dahin haben sie definitiv noch einen weiteren Weg vor sich als dieses zehnmonatige Programm mit ihnen gehen kann. Diese Woche haben wir in Leadership über Gender-Rollen und HIV gesprochen.

Ich bin über eine Bekannte zu Baylor/Stepping Stones gekommen. Sie ist eine deutsche Lehrerin und lehrt seit anderthalb Jahren diese beiden Fächer, wird Botswana im Juli jedoch verlassen. Im Moment unterstütze ich ihren Unterricht, ab Juli soll ich alleine übernehmen. Wobei wir meist nicht ganz alleine sind - es gibt auch immer wieder botswanische Studenten, die beim Unterricht mithelfen. Diese kommen und gehen allerdings sehr unzuverlässig - manchmal sind fünf von ihnen da, manchmal keiner.

Und die Schüler? Momentan sind es noch über 30, aber demnächst soll etwas ausgesiebt werden - wer mehr als 10% des Unterrichts unentschuldigt verpasst, darf nicht mehr kommen. Es dürften ungefähr gleich viele Mädchen und Jungs sein. Einige haben den niedrigsten Schulabschluss, andere könnten zumindest in Botswana studieren, das macht den Unterricht für uns nicht leicht. Mit einer weiteren Erschwernis hatte ich gar nicht gerechnet: Einige sprechen nur sehr schlecht Englisch. An botswanischen Schulen sollen die Lehrer zwar ab der ersten Klasse auf Englisch unterrichten, aber es halten sich anscheinend viele nicht daran - aus Bequemlichkeit, heißt es. Und auch Schüler, die besser Englisch sprechen, tun sich mit dem Schreiben teils erschreckend schwer.
Insgesamt ist das Ganze mühsamer, als ich mir das vorher vorgestellt hätte. Aber auf der anderen Seite auch spannend. Ich bekomme so noch einmal ein anderes Botswana mit. Im Unterricht versuchen wir, viel zu diskutieren - manchmal kommt gar nichts von den Schülern, aber häufig bekommt man auch interessante Perspektiven zu hören. Ab und an kommen sie mir noch recht kindlich vor und ich wundere mich über das Fehlen von Ironie und Sarkasmus, den deutsche Altersgenossen sicher das ein oder andere Mal an den Tag legen würden. So zum Beispiel vorletzten Mittwoch in "Leadership" - nachdem die Schüler gebrainstormt hatten, was Werte sind und welche Werte es so gibt, sollten sie sich ihre drei Lieblingswerte überlegen (oft genannt wurde so etwas wie "love", "peace" und "honesty"). Damit nicht genug - meine deutsche Kollegin hatte sich überlegt, dass sie sich eine Kette mit ihren drei Lieblingswerten basteln sollten. Ich hatte dafür die ganze Stunde lang im Hintergrund Herzen, Dreiecke und Kreise aus bunten Pappen ausgeschnitten sowie Schnüre abgemessen - ich kam mir vor wie eine Grundschulreferendarin. Und hätte man uns damals in der Oberstufe gebeten, Pappsymbole auf eine Schnur aufzufädeln, diese noch mit unseren Lieblingswerten zu beschriften und um den Hals zu hängen - ich hätte vermutlich am Geisteszustand des Lehrers gezweifelt. Aber hier kam die Aktion bei den Schülern sehr gut an. Ich muss noch viel lernen.

Laut meiner deutschen Kollegin kommen die Jugendlichen aus sehr unterschiedlichen Elternhäusern - einige aus gutsituierten, andere aus sehr ärmlichen Verhältnissen. Handys haben sie natürlich trotzdem alle, aber dafür fehlt es oft an Kugelschreibern. Manchmal fahre ich mit mehr Fragen im Kopf nach Hause, als ich gekommen bin. Manchmal ist es frustrierend. Aber insgesamt denke ich, dass die meisten der Schüler irgendetwas aus dem Unterricht mitnehmen - und das ist ja erst einmal eine gute Sache.

Dienstag, 16. Mai 2017

Leben als Ausländer (2)

Im letzten Blogbeitrag hat Walli beschrieben, dass die Batswana auf sie als weiße Ausländerin in der Regel freundlich reagieren. Meine Erfahrungen sind da zum Teil andere.
Eine Kleinigkeit fiel mir schon recht früh nach meiner Ankunft hier auf: Wenn ich an der Supermarktkasse die Kassiererinnen in Englisch grüßte, gaben sie sich meist recht reserviert. Sagte ich aber ein botswanisches "Dumela ma", dann waren sie gleich viel freundlicher zu mir. Das könnte man eigentlich schon allein darauf schieben, dass ich sie in ihrer eigenen Sprache Setswana angeredet habe. Eine Batswana erklärte mir jedoch einmal, dass das auch damit zu tun haben könne, dass die Kassiererinnen mich zunächst für einen weißen Südafrikaner gehalten hätten (die schlimmsten!), und deshalb reserviert reagiert hätten; da ein weißer Südafrikaner aber keine Begrüßung auf Setswana von sich geben würde, ist mit einer solchen geklärt, dass ich eben keiner bin - und man kann mir freundlicher gegenübertreten.
Wenn man Zeitung liest, Facebook-Kommentare oder auch wenn man sich einfach mit Einheimischen unterhält, dann erzählt einem fast jeder, dass Ausländer den armen Batswana die Jobs wegnähmen. Arbeitsgenehmigungen für Ausländer sind daher wohl auch nur noch in hochspezialisierten Berufen zu erhalten. Einerseits mag es ja verständlich sein, dass man in einem Land mit solch hoher Arbeitslosigkeit (über 20%) versuchen will, möglichst viele Batswana in Lohn und Brot zu bekommen. Gleichzeitig führt das meines Erachtens jedoch auch zu Härtefällen und Entscheidungen, die für die wirtschaftliche Entwicklung Botswanas nicht förderlich sind.

Da ist z.B. der Sohn unseres Vermieters. Unsere Vermieter sind Schweden (mit deutscher Mutter), zum Teil in Botswana aufgewachsen und haben den Großteil ihres Lebens hier verbacht. Sie führen mit einem Gartenbaumarkt mit angeschlossenem Cafe und Konferenzzentrum ein vergleichsweise großes Unternehmen, das vor 47 Jahren von ihrem Vater gegründet wurde. Der Sohn unseres Vermieters musste allerdings das Land verlassen, als er 18 Jahre alt wurde. Heute darf er wie jeder EU-Bürger für maximal 90 Tage im Jahr zurückkommen.
Ich hörte einmal, dass beim botswanischen Personal der GIZ immer wieder größere Unzufriedenheit herrsche, weil so viele Deutsche herkämen (in einem Unternehmen, das der deutschen Regierung gehört, wäre ich da an ihrer Stelle jedoch nicht so überrascht); ein oder zwei der "mitausreisenden Partner" haben es geschafft, botswanische Verträge bei der GIZ zu erhalten - das muss fast zu einer Revolte im GIZ-Büro geführt haben, weil die einheimischen Mitarbeiter eigentlich alle Stellen an Batswana vergeben sehen wollen.
Botswana hatte wohl früher recht gute internationale Schulen. Allerdings hat die Regierung beschlossen, dass ausländische Lehrer keine Arbeitsgenehmigungen mehr bekommen, bzw. dass an Schulen maximal 7% Ausländer unterrichten dürfen. Ich habe hier noch keinen Schulunterricht erlebt - es ist allerdings zu beobachten, dass nur wenige deutsche GIZler mit Kindern im schulpflichtigen Alter hier sind. Dem deutschen Schulleiter einer hiesigen Schule wurde nach Differenzen mit dem Schulvorstand (Eltern) die Aufenthaltsgenehmigung mit sofortiger Wirkung entzogen, er musste innerhalb von zwei Tagen ausreisen.
Bei einer Party, zu der wir letzten September eingeladen waren, kam das Catering aus einem Foodtruck mit dem Namen "Berlin Currywurst". Ein Deutscher hat mit seiner botswanischen Frau und mehreren botswanischen Angestellten dieses Business aufgezogen. Später sah ich das Unternehmen noch einmal auf einem Empfang des Botschafters. Mittlerweile hörte ich, dass der deutsche Eigentümer schon einige Zeit keine Arbeitsgenehmigung mehr hatte und daher seine Frau das Unternehmen offiziell führte. Dann wurde wohl auch seine Aufenthaltsgenehmigung nicht mehr verlängert. Nun haben die beiden das Unternehmen geschlossen und sind nach Deutschland gegangen; die zuvor geschaffenen Arbeitsplätze sind verloren. Ob wohl bei früheren Konkurrenten entsprechend neue Arbeitsplätze entstanden sind? Ich bezweifle es.

Ich frage mich einfach, ob sich das Land einen Gefallen tut, wenn es eine solche harte Einwanderungspolitik verfolgt. Sollte man nicht versuchen, über Lehrer, die eine gute Ausbildung haben, den eigenen Bürgern über gute Bildung neue Chancen zu ermöglichen? Und sollte man nicht dankbar sein für jeden Ausländer, der Jobs in Botswana schafft - anstatt seiner Familie das Leben schwer zu machen und seine Arbeitsgenehmigung nicht mehr zu verlängern? Ich habe Zweifel an den hiesigen Vorgehensweisen, aber offenbar wird eine solch differenzierte Argumentation bei diesem Thema derzeit in Botswana eher nicht geführt.

Sonntag, 14. Mai 2017

Leben als Ausländer

Seit über einem Jahr leben wir nun schon als Ausländer in Botswana. Dass wir welche sind, ist durch unsere Hautfarbe deutlich erkennbar. Man hört ja immer mal wieder, dass sich vor allem südländisch aussehende junge Männer in Deutschland aufgrund ihres nichtdeutschen Aussehens diskriminiert und häufigen Polizeikontrollen ausgesetzt fühlen. Hier ist es paradoxerweise genau umgekehrt.

Vergangegenen Donnerstag fuhr ich an drei Polizeikontrollen vorbei; zwei Polizisten schienen mich zunächst rauswinken zu wollen, bedeuteten mir aber, ich als ich näher kam, dass ich doch weiterfahren könnte. Was war denn da los? Aufklärung brachte unsere Haushaltshilfe Patricia, die mir am nächsten Tag erzählte, dass es gerade wieder verstärkte Kontrollen gäbe, um illegale Einwanderer  - beispielsweise aus ihrer Heimat Simbabwe - aus dem Verkehr zu ziehen. Werden Ausländer ohne gültige Aufenthaltsgenehmigung kontrolliert, kommen sie für zwei Wochen ins Gefängnis und werden dann abgeschoben.
Ich erzählte, dass mich am Vortag bereits zwei Kontrollen durchgewunken hatten, was Patricia nicht wunderte: "They know that white people aren't able to fake their papers." Das klang ein bisschen nach halbwegs positiver Diskriminierung - Weiße werden von der Polizei nicht angehalten, weil sie zu blöd sind, sich gefälschte Dokumente zu besorgen - und ließ mich schmunzeln. Allerdings weiß ich, welche Mühen Patricia damit hat, sich eine neue Aufenthaltsgenehmigung zu besorgen. Ihre Erzählungen darüber, wer wen kennt, dem man einem Vorschuss in welcher Höhe zahlen muss, damit jemand anders sagt, man würde da und da arbeiten ... sie sind für mich quasi nicht nachvollziehbar, aber ich habe begriffen, dass es für sie eigentlich nur halbseidene Wege gibt, an gültige Papiere zu kommen. Und dass diese wohl gang und gäbe sind.
Die illegalen Einwanderer in Botswana sind in der Regel das, was wir in Deutschland momentan als "Wirtschaftsflüchtlinge" bezeichnen - sie kommen größtenteils aus Simbabwe und suchen Arbeit und Bezahlung, die sie zu Hause nicht erhalten. Weiße Wirtschaftsflüchtlinge gibt es hier sicher nicht, weswegen sich die Polizei gar nicht damit aufhält, mich zu kontrollieren und stattdessen Autos mit einheimisch aussehenden Insassen anhält.

Und sonst? Die meisten Einheimischen sind freundlich zu uns. Als Weißer wird man natürlich auch mit Geld in Verbindung gebracht, mich sprachen schon öfters Leute auf der Straße an, die mir entweder etwas verkaufen oder - und das passiert am häufigsten - gleich für uns arbeiten wollten. Selbst die Kellnerin eines Fast Food-Restaurants bot mir neulich an, dass sie sehr gerne kündigen würde, um bei uns oder anderen Weißen als full-time-maid angestellt zu werden.

Patricia, die hier ebenfalls als Ausländerin lebt, macht natürlich andere Erfahrungen. Sie hat sich von botswanischen Arbeitgebern schon manchmal schlecht behandelt und schlecht bezahlt gefühlt. In Johannesburg erzählte uns einer ihrer vielen dort taxifahrenden Landsmänner, dass südafrikanische Unternehmen kein Problem damit hätten, illegale Einwanderer wie ihn einzustellen - sie würden sie dann aber eben zu Dumpingpreisen beschäftigen.
Patricia legte aber auch Wert auf die Feststellung, dass es natürlich auch botswanische Arbeitgeber gäbe, die sie gut behandeln würden. Man kann nicht generalisieren. Am Ende bleibt mir also nur die wenig überraschende Feststellung, dass man es als Ausländer mit Geld leichter hat als als Ausländer ohne Geld - egal ob in Botswana oder in Deutschland.

Freitag, 12. Mai 2017

Mit Spinnrad und Webschiffchen

Die Touristenattraktionen in und um Gaborone sind endlich. Umso schöner ist es, wenn man unverhofft noch etwas Neues entdeckt. Den Ausflug zur Weberei in Oodi hatte ich unserem letzten Besuch zu verdanken - Angelika und Friedemann hatten im Reiseführer davon gelesen und wollten gerne hinfahren. Ich war leicht skeptisch, weil ich von der Weberei noch nie gehört hatte und im Reiseführer ab und an auch Sehenswürdigkeiten genannt sind, die einfach nicht (mehr?) auffindbar sind - aber einen Versuch war es allemal wert und die Fahrtzeit von ca. einer Dreiviertelstunde war auch überschaubar.

Die "Oodi Weavers" waren dann zu meiner Überraschung nicht nur existent, sondern auch relativ gut ausgeschildert. Wir fuhren auf Staubstraßen und fanden schließlich noch einen Ortskundigen, der uns weiterhalf. Glück gehabt! Inzwischen erzähle ich fleißig rum, dass die Weberei in Oodi ganz empfehlenswert ist und da kam auch schon mal die Rückfrage: "Ach, Ihr habt die gefunden? Wir nicht ..."

Das Weben hat in Botswana keine größere Tradition. Die Oodi Weavers sind eine Weberkooperative, die 1973 von einem schwedischen Ehepaar als Entwicklungshilfeprojekt gegründet wurde. Zu meiner Freude gab es nicht nur einen Laden, in dem die Weberzeugnisse verkauft wurden, sondern man konnte auch die Arbeitsstätten besichtigen. In einem aus einem einzigen großen Raum bestehenden Gebäude standen unterschiedlichste Webstühle sowie einige Spinnräder. Um die zehn ältere Frauen waren hier am Werk und webten und knüpften vor allem Wandteppiche mit ländlichen Szenen.


Kunsthandwerk begegnen wir hier in Botswana eher selten, und so hat mir diese Weberei sehr gefallen. Gleichzeitig empfand ich den Anblick als ziemlich anrührend: Die älteren Damen, die uns bereitswillig ihre Arbeiten zeigten, an diesen sehr einfachen, alten Webstühlen ...


Vor eineinhalb Wochen bin ich nochmal nach Oodi gefahren und habe zwei Freundinnen die Weberei gezeigt. Ihre Meinungen dazu waren gemischt. Zwar gefielen ihnen die Arbeiten, sie haben auch beide etwas gekauft, allerdings war eine der beiden schon erschüttert, dass die Frauen an dermaßen einfachen Webstühlen arbeiten und sich seit den 1970er Jahren wenig getan zu haben scheint. Ich dagegen fand es faszinierend, dass dieses Projekt immer noch existiert. Klar gibt es vieles, was man verbessern könnte: die Ausschilderung zum Beispiel. Sie müssten Werbung machen. Marketing! Vielleicht auch Auftragsarbeiten anbieten. Und es wäre vorteilhaft, wenn mindestens eine der Frauen so gut Englisch spräche, dass sie Kundenfragen beantworten könnte.

Oodi ist dennoch von Gaborone aus allemal eine Reise wert. Die Weberei ist ein toller Gegensatz zu den großen Shoppingmalls der Hauptstadt. Gut zu wissen, dass auch das Umland von Gaborone manchmal noch für eine Überraschung gut ist. Vielen Dank an Angelika für die Bilder!

Montag, 8. Mai 2017

Walli spielt immer noch kein Golf

Meine werte Frau braucht manchmal schon etwas länger. Eigentlich wurde ihr schon vor einem Jahr gesagt, dass man hier nicht viel anderes machen kann als Golf spielen. Und trotzdem hat sie noch immer nicht damit angefangen. Dem "First Expat Husband's Golf Club" wollte sie irgendwie auch nicht beitreten - unverständlich! Und zahlreiche andere Hinweise aufs Golfspielen hat sie auch ignoriert. Wie soll das jetzt noch etwas werden?
Der jüngste Hinweis aufs Golfspielen kam letzten Freitag. Ich war noch nicht mal zu Hause. Walli telefonierte gerade mit ihren Eltern. Plötzlich hat es wohl auf unserem Wellblechdach ziemlich gescheppert. Das ist nicht komplett ungewöhnlich, das Dach verstärkt Geräusche, z.B. von Vögeln, die darauf landen. Und so dachte Walli wohl auch, dass eventuell eine der lästigen Tauben, die sonst gurrend auf den Regenrinnen sitzen, aus irgendwelchen Gründen gegen das Dach geknallt sei - besonders intelligent wirken die Tiere auf uns nicht. Kurz darauf schaute sie jedoch in den Garten und fand auf unserem Kunstrasen drei Golfbälle, mindestens einer war offenbar am Dach abgeprallt.

 

Wie skurril ist das denn? Hat da jemand seinen Abschlag geübt? Womöglich vom Kgale Hill aus?
Die Golfbälle sind dem Logo nach übrigens von Nike. "Just do it" ist deren Slogan. Aber selbst dieser Aufforderung will Walli nicht nachkommen. Obwohl sie nun ja eine Grundausstattung hätte. Immerhin habe ich sie jetzt soweit, dass sie sagt, wenn auch noch Golfschläger in unserem Garten landen, werde sie anfangen mit dem Golf spielen. Soll ich welche dort platzieren?

Samstag, 6. Mai 2017

Bilder aus dem Flieger: Ich bin Copilot!

Seit ein paar Wochen überlege ich, den Job zu wechseln. Vielleicht werde ich doch noch Pilot. Pilot über dem Okavango-Delta, das muss doch ein Traumjob sein.
Als wir im März im Delta waren, flogen wir (nach der Safari im Chobe Nationalpark und dem Ausflug zu den Victoriafällen) zunächst mit einer Maschine von Kasane (inkl. einem Zwischenstopp) zu unserem Camp. Das Flugzeug hatte eine Kapazität für geschätzt 12 Passagiere - und ich war schon etwas enttäuscht. Denn ich wusste, da geht noch was - nach unten. Waren wir doch letztes Jahr schon einmal in einer kleineren Maschine geflogen. Na ja, wir hatten trotzdem alle einen Fensterplatz und wunderschöne Sicht (ein paar der Fotos unten entstanden auf diesem Flug).
Als wir nach drei Nächten wieder am "airstrip" des Camps abgeholt wurden, um nach Maun, die nächstgrößere Stadt zu fliegen, bekamen wir dann tatsächlich ein kleineres Flugzeug. Wir waren zu viert - und das Flugzeug hatte eine Kapazität für drei Passagiere. Doch neben dem Pilot war noch der Sitz des Copiloten frei. Die anderen konnten gar nicht so schnell ja sagen wie ich schon versuchte, in den Sitz zu gelangen. Dafür musste ich erst einmal über den Pilotensitz drüberklettern. Ich habe mir sagen lassen, dass auch das Einsteigen für die Passagiere auf den billigen Plätzen nur mit Verrenkungen möglich gewesen ist. Es war interessant, das Fliegen so "live" mitzubekommen.


Vorsichtshalber habe ich meine Hände vom Steuerknüppel gelassen. Ich brauchte sie schließlich auch zum Fotografieren der Landschaft unter uns...






Donnerstag, 4. Mai 2017

Bilder aus dem Delta: Löwen, Löwen, Löwen

Und es ging noch weiter (wie im Gästeblog berichtet): Nach Chobe Nationalpark und Victoriafällen war der nächste (und letzte) Stopp der Reise im Okavango Delta, genauer im Chitabe Camp (im Juli letzten Jahres waren wir in zwei anderen Camps). Derzeit herrscht Niedrigwasser in diesem weltgrößten Binnendelta; das Wasser aus Namibia wird aufgrund des geringen Gefälles erst ab Juni erwartet. Ein wenig Wasser bleibt immer zurück, aber das Camp, das für uns ausgesucht war, bot ohnehin keine Wasseraktivitäten an; die Game Drives waren spektakulär genug. Unser Guide schaffte es tatsächlich auf jedem einzelnen der insgesamt sechs Game Drives Löwen zu finden (zugegeben, häufig war es das gleiche Rudel), das fanden wir eine besondere Leistung. Und neben Löwen gab es auch jede Menge anderer toller Tiere zu bestaunen. Eine Besonderheit hier war, dass die Lodge (wie die meisten anderen Lodges im Delta) nicht in einem Nationalpark liegt, sondern in einer riesigen privaten Konzession; dort fahren täglich nur drei bis vier Safarifahrzeuge umher, die sich per Funk verständigen können; und da sie sich nicht in einem Naturschutzgebiet befinden, dürfen sie auch abseits der Pisten fahren und können so den Spuren der Tiere folgen.
Das Aussortieren der Fotos fiel mal wieder schwer, aber schaut selbst:
















Dienstag, 2. Mai 2017

Bilder aus Vic Falls: Regen aus blauem Himmel

Im Gästeblog war es schon zu lesen: Nach dem Besuch im Chobe Nationalpark ging es weiter zu einem Tagesausflug zu den Victoriafällen in Simbabwe. Auch hier waren wir schon einmal im November. Damals waren wir dort quasi zum Höhepunkt der Trockenzeit, so dass auf der Hälfte der Fälle kein Wasser floss. Diesmal waren wir ca. einen Monat vor dem Wasserhöchststand dort. Daher wurde uns schon am Parkplatz empfohlen, Regenmäntel zu leihen. Wirklich geschützt haben sie uns kaum. Die Gischt spritzte so hoch, dass wir stellenweise die Wasserfälle gar nicht mehr ausmachen konnten - von fotografieren konnte gar nicht die Rede sein. Mit der Unterwasserhülle für meinen kleinen Fotoapparat versuchte ich, ein paar Fotos zu machen, das Ergebnis war "interessant". Ein beeindruckendes Spektakel - aber bei niedrigerem Wasserstand sieht man mehr von den Fällen...