Wie wird man nach einem fantastischen Urlaub wieder in den Alltag zurückgeholt? Philip geht arbeiten. Ich habe die Handwerker da.
Tatsächlich kamen die Handwerker allerdings bereits vor unserem Urlaub. Am Montag vor vier Wochen stellten wir fest, dass der "Pool-Staubsauger", ein Poolroboter, der Laub und Staub vom Poolboden absaugt und den Pool so sauber hält, nicht mehr funktionierte: Er bewegte sich maximal einen Meter und gab dann auf. Auch unser Gärtner Sam wusste keinen Rat. Am Donnerstag wollten wir in den Urlaub fahren. Also rief ich die Poolfirma an, deren Kontaktdaten uns unsere Vermieter gegeben hatten und war angenehm überrascht: Schon Dienstag würde ein Handwerker namens Morris vorbeikommen. Das tat er auch, mit einem Lehrling, und beide guckten sich Poolroboter und Poolpumpe an, schraubten Dinge auseinander und schließlich präsentierte Morris mir drei Teile, die offensichtlich altersbedingt verschlissen waren: eine Halterung, die nicht mehr fixierte, was sie fixieren sollte, und einen Kompressor, der Löcher hatte, wo keine sein sollten, außerdem ein weiteres Plastikteil, das spröde war. Es war selbst für mich als Laien alles sehr nachvollziehbar. Am nächsten Tag wollten sie wiederkommen und die Teile ersetzen. Das taten sie auch - ich war begeistert von dieser Zuverlässigkeit. Der Poolroboter lief ein paar Meter, dann machten wir ihn aus, die beiden tranken noch einen Tee, ich gab ihnen Trinkgeld, freute mich über die aufleuchtenden Augen des bisher sehr teilnahmslosen Lehrlings und wir gingen fröhlich auseinander.
Es war ein Anfängerfehler. Ich hätte darauf bestehen sollen, den Poolroboter weiter laufen zu lassen, während die beiden noch Tee tranken. Dann hätte ich nämlich nicht erst mittags bemerkt, dass das Ding immer noch nicht richtig funktionierte.
Tatsächlich funktionierte es nur noch sehr kurz und dann gar nicht mehr. Ich schrieb der Poolfirma eine SMS, ob Morris nachmittags nochmal kommen könnte, aber niemand meldete sich. Donnerstags stand er dann wohl unangekündigt vor unserer Tür, wie mir die Poolfirma smste, aber da waren wir bereits auf dem Weg in den Urlaub.
Am Montag nach unserer Rückkehr schrieb ich morgens eine Nachricht, dass ich wieder in Gaborone sei und noch vormittags kam Morris vorbei. Er und ein weiterer Arbeiter begutachteten die Poolpumpe und den Poolroboter-Anschluss neben dem Pool und kamen zu dem Schluss, dass der Druck zu niedrig war - irgendwie ging er zwischen Anschluss und Pumpe verloren. Sie liehen sich von unserem Gärtner eine Spitzhacke und begannen, den Boden aufzuklopfen. Schließlich diagnostizierten sie ein Loch im eimergroßen Pool-Anschluss. Er musste ausgetauscht werden. Dafür müssten sie das Wasserlevel des Pools fast einen halben Meter absenken und die Poolwand ein Stück einreißen. Teile des Poolmosaiks würden dabei zu Bruch gehen. Es wäre etwas Größeres. Sie würden morgen wiederkommen.
Sie kamen dann am Dienstag aber nicht wieder. Am Mittwoch auch nicht. Am Donnerstag fragte ich per SMS nach - keine Reaktion. Freitag rief ich an. Morris sei krank gewesen, käme aber heute vorbei. Tatsächlich tat er das, diesmal alleine, und humpelte mit schmerzverzerrtem Gesicht und einer Krücke um den Pool rum. Ich holte ihm einen Stuhl. Dann begann er, das Wasser rauszulassen. Als er sich über den Poolpumpenanschluss beugte, fiel sein Handy aus der Brusttasche - in den Pool. Während Morris leise anfing "Jesus! Jesus! Jesus!" zu murmeln, erwartete ich von dieser Stelle in dem Moment keine Hilfe und war kurz davor, in den Pool zu steigen, als Morris mich dankenswerterweise auf den Kescher hinwies, mit dem er das Handy schließlich rausangelte. Ich legte es in Reis, damit der die Feuchtigkeit rausziehen würde, während Morris traurig was von "communication breakdown" murmelte. Dann saßen wir zu zweit schweigend am Pool und warteten, bis der Wasserstand irgendwann ausreichend tief war. Morris verabschiedete sich. Er würde am Montag wiederkommen, dann würde man den neuen Container einsetzen und dann wäre der Pool wieder in Ordnung.
Am Montag war zumindest Morris wieder in Ordnung, er kam ohne Krücke (und ohne Handy, es war tot, wie er mir mitteilte) mit einem neuen Kollegen wieder. Der neue Kollege konnte kaum Englisch; sein Wortschatz umfasste nicht viel mehr als "coffee" und "okay". Tatsächlich rief er mir in den nächsten Tagen bei Ankunft, zur Verabschiedung und wenn ich Kaffee in den Garten brachte, jedesmal strahlend "okay!" zu.
Wie an den folgenden Morgen wünschten sich beide Kaffee und kippten größere Mengen Zucker rein. Mich verwundert ja schon immer, wie viel Zucker unser diabeteskranker Gärtner in den Tee kippt, aber nach dieser Woche habe ich den Eindruck, dass er sich doch zurückhält - Morris und sein Kollege dürften in vier Tagen ca. 500 g verbraucht haben. Sie vergrößerten gemeinsam das Loch neben dem Poolroboteranschluss, entfernten Steine und schließlich den alten Poolroboteranschluss und Morris zeigte dem Kollegen, wie er den neuen Anschluss einbetonieren sollte. Dann ging er, sein Kollege würde die Arbeit alleine verrichten und das Ganze müsste dann härten. Sie würden morgen wiederkommen und die Reparaturen zuende bringen. Zwei bis drei Stunden später rief der Kollege mir dann fröhlich "okay!" zu und verabschiedete sich damit.
Am nächsten Morgen kamen die beiden wieder und begannen sofort lautstark auf Setswana zu diskutieren. Ich kochte den gewünschten Kaffee, füllte das Zuckerglas auf und als ich eine Stunde später mal wieder nach den beiden schaute, hackten sie gerade alles auf, was der Kollege gestern einbetoniert hatte. Auf Nachfrage teilte Morris mir mit, dass sein Kollege es falsch gemacht hätte. Diesmal arbeiteten sie stundenlang zu zweit und gingen am frühen Nachmittag wieder. Es musste wieder härten - sie kämen morgen wieder. (Meine Mutter mutmaßte an diesem Tag bereits, dass die beiden sich so gut mit Getränken verpflegt fühlen würden, dass das die Arbeiten in die Länge zöge. Ich war da schon nicht mehr in der Stimmung, darüber zu lachen.)
Am Mittwoch war Morris ganz zufrieden, sie befüllten das Loch wieder mit Erde, setzten Steine drauf und dann ging Morris, während sein Kollege das Pool-Mosaik, das bei den Bauarbeiten zum Teil abgeklopft worden war, wieder rekonstruieren sollte - mit neuen, größeren Mosaiksteinen, das alte Mosaik, das sich um den gesamten Pool zieht, war wohl nicht mehr zu bekommen gewesen. Sagen wir so: Ein Kunsthandwerker ist an Morris' Kollegen nicht verloren gegangen. (Als ich mir das Ergebnis seiner Arbeit anschaute und dabei etwas unglücklich wurde, rief er fröhlich: "Okay?", worauf ich ihm vermutlich übersprungshandlungsmäßig einen Kaffee anbot.)
Dann saß er noch gute zwei Stunden im Garten, spazierte ab und zu um den Pool und und wartete offensichtlich auf Morris, der angekündigt hatte, wiederzukommen. In Botswana ist Zeit nicht unbedingt Geld. Ich überlegte, ob ich ihn irgendwie pantomimisch ermuntern könnte, den in den Pool gefallenen Bauschutt rauszuholen, beschloss dann aber, die Lage nicht zu verkomplizieren.
Als Morris kam, entnahm ich seinem Tonfall in Setswana, dass er das neue Mosaik auch nicht für eine Meisterleistung hielt, aber so war es jetzt nun mal. Es stellte sich raus, dass er eigentlich nur gekommen war, um den Kollegen abzuholen. Sie würden morgen wiederkommen. Kraftlos schlug ich vor, dass man doch dann vielleicht auch den Schutt aus dem Pool holen könnte, was Morris offensichtlich so nicht geplant hatte, aber andererseits für keine schlechte Idee hielt.
Und so kam der Donnerstag. Während Philip und ich morgens noch in der Küche standen, betrat Morris' Kollege bereits unseren Garten, sah uns durchs Fenster und rief fröhlich "okay!" - unser Gärtner Sam hatte ihn reingelassen. Eigentlich hatte ich noch irgendwas anderes tun wollen, jetzt brauchte ich erstmal unser letztes Kaffeepulver auf. Morris und sein Kollege fischten tatsächlich mit dem Kescher den Schutt aus dem Pool, während ich den Wasserschlauch reinhing und das Ding sich sehr langsam wieder füllte.
Und dann? Dann kündigte Morris an, ich könnte die Poolpumpe in Betrieb nehmen, wenn der Pool wieder voll sei. Sie wären fertig.
Man lernt ja. Ich stoppte ihn. Ließ mir zeigen, mit welchen Programmen ich die Poolpumpe anfangs laufen lassen sollte. Sam und ich ließen uns den neuen Poolpumpenanschluss erklären. Ich entdeckte ein fast ein Meter langes Rohrteil auf dem Poolboden und regte an, es da vielleicht noch rauszuholen, weil es doch offensichtlich Müll sei?
Nach all diesen Arbeiten befand Morris, inzwischen sei eventuell doch genügend Wasser im Pool, um uns zu demonstrieren, das jetzt alles funktionierte. Er stellte die Pumpe an. Es geschah - nichts. Der Poolroboter bewegte sich keinen Milimeter. Morris fing an "oh god, oh god, oh god" zu murmeln und ließ mich einen Eimer holen, mit dem er Wasser auf den Anschluss kippte, damit dieser bedeckt sei. Ich kippte ebenfalls Wasser auf den Anschluss. Sam sah sich das ein paar Minuten an, nahm aber offensichtlich nicht an, dass noch Bahnbrechendes passieren würde - er ließ uns am Pool knien und kehrte weiter die Einfahrt. Morris lobte den neuen Wasserdruck und wunderte sich, dass der Poolroboter nicht arbeitete. Ich fühlte mich sehr müde. Nach 10 Minuten beschloss Morris, nun doch zu gehen und prophezeite mir, dass heute Nachmittag alles funktionieren würde, wenn erstmal der Wasserstand wieder hoch genug wäre. Ich kündigte an, ihn sonst anzurufen. Wir verabschiedeten uns. Morris schien kurz auf ein Trinkgeld zu warten, aber ich war nicht überzeugt, dass wir uns heute wirklich zum letzten Mal sehen würden. Trotz aller Bauarbeiten war das Ergebnis ja nun momentan - wie vor den Bauarbeiten.
Inzwischen ist wieder ein Tag vergangen. Der Poolroboter hat tatsächlich sicher eine halbe Stunde funktioniert, nachdem der Pool ausreichend gefüllt war. Nachmittags habe ich den Garten dann einfach nicht mehr betreten - ich brauchte mal eine Pause. Abends, als Philip heimkam, lief der Poolroboter nicht mehr und nach an- und ausschalten auch jetzt nur noch ein paar Meter, dann gibt er auf. Ich habe heute Morgen die Poolfirma angerufen. Morris ist beim Arzt. Er wird am Montag wiederkommen.
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