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Mittwoch, 28. November 2018

Alles für die Kultur

Ich wollte diesen Blogbeitrag über das Programm der deutschen Kulturdelegation bereits am vergangenen Dienstag beginnen. Der aufmerksame Blogleser wird sich vielleicht erinnern, dass der deutsche Bundespräsident - mit genannter Delegation - erst einen Tag später in Gaborone gelandet ist, doch Material hatte ich bereits genug, bevor das Regierungsflugzeug auch nur im Anflug war. Selbst einen Titel hatte ich schon: "Einmal mit Profis arbeiten". Aber Philip meinte - zu Recht -, dass ich nicht schon vor dem eigentlichen Event darüber schreiben sollte, und dieses stellte die Vorbereitungen dann zum Glück auch schnell in den Schatten. Daher hier so kurz, wie es mir möglich ist, die Vorgeschichte:

Die deutsche Botschaft hatte mich gebeten, die den Bundespräsidenten begleitende dreiköpfige Kulturdelegation während ihres Gaborone-Besuchs zu betreuen und außerdem ein kurzes Nachmittagsprogramm für sie zusammenzustellen. Die Kulturdelegation bestand aus der deutsch-südafrikanischen Schauspielerin Thandi Sebe, dem Regisseur und Produzenten Sönke Wortmann und Thomas Krüger, dem Präsidenten der Bundeszentrale für politische Bildung. Mein Ansprechpartner von der Botschaft bat mich, den Besuchern das Thapong Center for Visual Arts zu zeigen. Danach sollte noch ein Gespräch mit botswanischen Kulturschaffenden im anliegenden Café stattfinden. Ich besprach die Details mit dem tiefenentspannten Center-Koordinator und fragte den Theaterleiter Gaborones, eine Schauspielerin und zwei Filmproduzenten an. Nach einigem Hin und Her lagen mir dann irgendwann alle vier Zusagen vor. Am Montag, zwei Tage vor dem eigentlichen Event, reservierte ich im Café einen Tisch für die Diskussion und hatte danach noch einmal einen Termin beim Center-Koordinator, dem ich meinen finalen Ablaufplan vorlegen wollte (an meine ehemaligen Kollegen: Ich hatte quasi die fertige Checkliste dabei!). Meine Vorbereitungen waren abgeschlossen - dachte ich. Beim Center-Koordinator hatten sich allerdings just an diesem Morgen drei Damen vom Ministerium für Jugend, Sport und Kultur gemeldet, die dann plötzlich auch alle zu unserem Termin auftauchten. Sie waren im Vorfeld mehrmals von der deutschen Botschaft kontaktiert worden, in der Hoffnung, dass auch vom botswanischen Ministerium noch ein Gesprächspartner zur Diskussion kommen könnte. Da die Botschaft aber nie eine Antwort erhalten hatte, hatten mein Ansprechpartner und ich daraus geschlossen, das kein Interesse bestünde. Das Ministerium hatte jedoch still und heimlich weitere Gäste zu MEINER Diskussion eingeladen, die inzwischen auch alle zugesagt hatten - zehn Leute, allein sieben davon weitere Filmregisseure! (Wer hätte gedacht, dass es in Botswana so viele Filmregisseure gibt?) Drei Deutsche und vierzehn Botswaner - würde (in der einen dafür vorgesehen Stunde) überhaupt ein richtiges Gespräch zustande kommen können? Die Ministeriumsdamen waren zwar betrübt über den "communication breakdown" (ein schöner Euphemismus dafür, dass sie nie auf Mails reagiert hatten), hatten aber sonst keine größeren Bedenken, sie interessierten sich vielmehr für meine Person und Funktion, die ich - schon aus Ermangelung einer Arbeitserlaubnis - möglichst runterspielte. Die größten Bedenken meines Center-Koordinators waren, ob die deutsche Botschaft wohl auch für 20 Leute Kaffee und Kuchen sponsorn würde. Er und ich diskutierten während der folgenden 48 Stunden noch mehrmals telefonisch und per WhatsApp, ob das Gespräch mit so vielen Leuten überhaupt noch im Café stattfinden könnte. Ich war nicht glücklich. Mein Ansprechpartner bei der Botschaft übrigens auch nicht, aber trotz seiner Versuche von offizieller Seite ließen sich die Ministeriumsgäste nicht mehr ausladen.

Tja, und dann war der Mittwoch da. Wie Philip bereits beschrieben hat, fuhren wir in einer Minibus- und Limousinen-Kolonne zum Flughafen. Die Kulturdelegation hatte einen eigenen Bus mit Fahrer, in den ich sie nach Landung und Nationalhymnen schnellstmöglich lotste. Meine drei Gäste wirkten bereits auf den ersten Blick sehr nett und umgänglich und waren es auch, obwohl ich sie gleich nach ihrer Ankunft schon enttäuschen musste: So ziemlich ihre erste Frage galt dem WLAN, das es in unserem Delegationsbus aber nicht gab. Beim Staatsbankett war immerhin welches empfangbar, einer meiner Gäste hatte jedoch kein Tischkärtchen (wodurch wir seinen Platz erst einmal nicht fanden) und vergaß später seine Brille, die ich aber noch schnell holen konnte. Noch vor dem Nachtisch verließen die Präsidenten und damit auch wir das Staatsbankett, kamen jedoch trotzdem eine halbe Stunde zu spät zum Thapong Visual Arts Centre - der Zeitplan war einfach viel zu eng (und vor den Präsidenten hatte natürlich auch niemand den Saal zu verlassen). Und so waren wir zu spät, während alle Diskussionsteilnehmer tatsächlich pünktlich vor Ort waren - in den Tagen vor der Veranstaltung hatte ich stets befürchtet, dass es umgekehrt sein würde. Wir wurden herzlich begrüßt, durch die Ausstellung geführt und ich staunte, dass das Center viel geschäftsmäßiger und lebendiger wirkte als sonst - der mir sonst unbeeindruckte und tiefenentspannte erscheinende Korrdinator hatte kurz vor dem Event offensichtlich mehr Ehrgeiz entwickelt, als ich es während unserer Gespräche für möglich gehalten hätte.



Auch das Café war bestens vorbereitet und exklusiv für uns geöffnet. Ich stellte fest, dass wir jetzt sogar 25 statt 20 Leute waren, ergab mich meinem Schicksal, zahlte im Vorfeld und gab auch noch stattliche 200 Pula Trinkgeld (ca. 16,- €) - eine lohnende Investition: Die Cafémitarbeiter waren wahnsinnig aufmerksam und sehr bemüht, alles zu meiner Zufriedenheit zu regeln. Wie auch mein Center-Koordinator, der mir vorschlug, dass er einen Moderator aussuchen könnte, der seine Sache - vom traditionellen Anfangsgebet bis hin zum Schlusswort - ganz großartig machte. Die drei Damen vom Ministerium waren nicht anwesend. Sie hatten zwar Kollegen geschickt, diese hielten sich jedoch angenehmerweise im Hintergrund, nachdem sie mich begrüßt hatten.
Wie schon beim Staatsbankett hatten sich Teile meiner Delegation auch hier erstmal das WLAN-Passwort von mir besorgen lassen, aber ihre Handynutzung mussten sie nun doch reduzieren, denn jetzt waren alle 22 Augenpaare auf die drei gerichtet. Nachdem Thandi Sebe als quasi-einheimische Schwester sehr lieb begrüßt wurde (obwohl sie noch nie in ihrem Leben in Botswana gewesen war), gingen die Fragen zu deutscher Filmförderung, Finanzierung etc. los. Es war weniger Dialog als mehr ein Hilfeersuchen an die deutschen Gäste, aber die kamen so immerhin mal richtig mit Land und Leuten in Kontakt und ließen sich zu meiner Begeisterung und Erleichterung auch komplett auf die Diskussion ein.


Da sie kaum zu Atem kamen, versorgte ich die drei nach pantomimischer Rücksprache mit Kaffee und Kuchen, schaute schließlich, ob unser Bus bereit stand, gab dem Center-Koordinator ein Zeichen, sprach ein paar Dankesworte, empfahl, auf Kosten der Botschaft das Kuchenbüffet weiter zu genießen, wurde von den botswanischen Diskussionsteilnehmern gebeten, für den nächsten Kulturdelegationsbesuch doch besser zwei Tage als nur eineinhalb Stunden einzuplanen ... und dann verschwanden wir schon wieder. Diesmal ging es zum Hotel, wo meine Delegationsmitglieder eincheckten und ich einmal tief durchatmete und realisierte: Es hatte alles geklappt!

Meine Kulturdelegation und ich blieben auch während des restlichen Staatsbesuchs noch zusammen, es gab jedoch kein weiteres Extraprogramm. An diesem Nachmittag brausten wir noch mit der gesamten Kolonne, Polizei und Blaulicht durch die Gaboroner Rush Hour (wobei unser Minibus der letzte war, der - mit ca. 90 Sachen innerstädtisch - noch mit der restlichen Kolonne mithielt; Wi1 und Wi2 - die Busse der Wirtschaftsdelegation, in einem davon saß Philip - hängten wir gnadenlos ab). Die am Delegationsabend in Mokolodi spielende Marimba-Band begeisterte einen meiner Gäste so sehr, dass ich den Bandleader ansprach und für den nächsten Morgen noch zwei CDs ins Hotel organisieren konnte. Ich bekam zwei Kino-Freikarten, die ich hoffentlich bei unserem Weihnachtsurlaub in Deutschland noch einlösen kann und auch sonst lief alles prima. Einen kleinen Nervenkitzel gab es noch, als der Shuttle für Thandi Sebe nicht wie erwartet bereitstand - sie flog nicht mit der Regierungsmaschine nach Berlin, sondern zwei Stunden später zurück nach Südafrika - aber auch das ließ sich noch so schnell lösen, dass ich in letzter Sekunde zu meiner verbleibenden Delegation in den Bus hüpfen konnte, bevor es zum Flughafen ging. 24 Stunden, die extrem schnell vorbeigingen - am Abend danach war ich um 20 Uhr im Bett. Aber im Nachhinein kann ich sagen: Dieses Erlebnis war jeglichen Stress im Vorfeld wert. Wie cool, dass ich dabei sein dürfte!

Samstag, 17. November 2018

Von Elands und Giraffen und Teetassen und Hubschraubern

Letzten Montag erhielt ich morgens eine Einladung für eine Ausstellungseröffnung am gleichen Abend. Man muss hier spontan sein, wenn man an einem der eher seltenen kulturellen Events teilnehmen möchte! Glücklicherweise hatten wir noch nichts vor und so fanden wir uns gegen 18:00 Uhr am nach wie vor geschlossenen Nationalmuseum ein, genauer gesagt an der dortigen - geöffneten - Gallerie. Wir hatten vor gut eineinhalb Jahren schon einmal eine Ausstellungseröffnung besucht, dies war nun also unsere zweite. Diesmal gab es "San-Art" zu sehen, also Kunstwerke, die von Buschleuten aus der Kalahari erstellt wurden. Wir hatten ja schon das ein oder andere Mal Felsmalereien der San gesehen, z.B. bei einem Ausflug in der Nähe von Gaborone; und bei unserem Aufenthalt im Central Kalahari Game Reserve Ende September hatten wir einen "Bush Walk" mit San gemacht, so dass wir nun einen guten Bezug zur Thematik hatten.


Die ausgestellten Werke wurden von San aus einer Gemeinde am Rande der Kalahari erstellt, gefördert durch eine lokale Stiftung. Am spektakulärsten waren sicherlich die grell-bunten Gemälde auf Leinwand, teils großformatig, die z.B. Antilopen, Giraffen, aber eben auch Hubschrauber oder Teetassen zeigten. Darüber hinaus gab es auch zahlreiche Linoleum-Drucke.


Wichtig war für uns sicherlich der Hinweis aus dem Ausstellungsprospekt, dass ein Bild von einer Antilope in der Regel nicht nur ein Bild von einer Antilope ist, sondern die abgebildete Figur meist eine tiefgründigere Bedeutung hat, z.B. mit einem Ereignis verknüpft wird. Oder dass manche Tiere eben in der Mystik der San eine festgelegte Bedeutung haben.


Auch ohne nun für jedes Symbol eine tiefere Erklärung zu haben, half uns diese Information doch im Verständnis der Gemälde und Linoleum-Drucke. Denn wenn man so manches Gemälde sonst anschaute, war es zwar schön bunt, aber manchmal fragte man sich doch, ob es in diesem Stil nicht auch ein Kind ähnlich hätte malen können.


Wir waren dennoch begeistert, bei dieser Ausstellungseröffnung dabei sein zu können. Die Schweizer Botschaft in Südafrika (die auch für Botswana zuständig ist,) hatte die Ausstellung wohl durch Sponsoring erheblich unterstützt. Toll war, dass mehrere der Künstler anwesend waren. Sie stellten sich nacheinander vor und ihre Sprache mit Klick-Lauten wurde dankenswerter Weise auf Englisch übersetzt.


Letztlich waren wir so mitgerissen von der Stimmung, dass wir uns sogar hinreißen ließen, ein Bild zu kaufen. Nein, ein Foto zeigen wir hier im Blog nicht - das Bild könnt Ihr ja vielleicht demnächst mal bei einem Besuch bei uns in Deutschland anschauen.

Freitag, 19. Oktober 2018

Ungewohnte Klänge

Ein klassisches Konzert in Gaborone zu besuchen - das ist nur alle Jubeljahre möglich. Olga, die Mutter meiner serbischen Deutschschülerinnen, die inzwischen ebenfalls Deutschunterricht bei mir nimmt, ist Pianistin und erzählte mir wehmütig, dass sie früher in Serbien fast jeden Abend ein Konzert besucht hat (wenn sie nicht selbst auftrat). Und so war sie es auch, die mir Ende September ein Programmheft WhatsAppte, mit den Terminen der Konzerte, die das Landesjugendorchester Rheinland-Pfalz im Oktober im südlichen Afrika geben würde - unter anderem in Gaborone! Philip hatte auch schon davon gehört - generell sprach sich der geplante Auftritt vor allem in der deutschen Community natürlich schnell rum. Und so saßen am 6.10. insgesamt vermutlich mehr Deutsche als Botswaner im Maitisong Theatre, der Schulaula der Maruapula Schule, die für Auftritte aller Art genutzt wird.

Die Bühne war fast zu klein für das Landesjugendorchester mit 65 Musikanten, die Zuschauerreihen aber nur locker gefüllt, wobei es eine für hiesige Verhältnisse trotzdem recht gut besuchte Veranstaltung war. Wie immer gab es freie Platzwahl und wir erwischten mühelos gute Plätze in den vorderen Reihen, von denen wir einen grandiosen Blick hatten. Und grandios war dann auch das Konzert, vor allem zu Beginn hatte ich Gänsehaut. Nach der Begrüßung wurden wir gebeten, für die Nationalhymne Botswanas aufzustehen - und dann wurde diese vom Landesjugendorchester Rheinland-Pfalz gespielt, während die Gaborone Youth Singers, ein über dreißigstimmiger Chor, dazu sangen. Im Anschluss erklang dann die deutsche Hymne, die der botswanische Chor, von dem sicherlich niemand deutsch spricht, tatsächlich auswendig gelernt hatte. Dieses botswanisch-deutsche Zusammenspiel fand ich sehr bewegend, es war etwas ganz Einzigartiges. Der Chor, der nur für die beiden Hymnen gekommen war, verließ anschließend die Bühne und das eigentliche Konzert begann. Hofmeyr, Rachmaninov, Beethoven - ich bin eigentlich eine Klassik-Banausin, aber dieses Konzert war ein besonderes Erlebnis. Das Orchester spielte wunderschön, wir saßen so nah, dass wir den jungen Musikerinnen und Musikern quasi auf die Finger schauen konnten und es waren für Botswana einfach sehr ungewohnte Klänge.




Ein großartiger Abend!

Dienstag, 22. Mai 2018

Lang gekocht und schnell gegessen

... das sagt meine Mutter manchmal am Ende eines Mittagessens. Kochen dauert in der Regel ja länger als Essen. Dass Gleiches auch für die meisten Veranstaltungen gilt - die Planung dauert länger als die Durchführung - war mir bekannt, wurde mir aber beim lange vorbereiteten Arts & Crafts Market am vergangenen Samstag noch einmal deutlich vor Augen geführt.
Dabei begann die Veranstaltung für mich ganz schön früh: Um kurz vor 7 Uhr war ich bereit am Ort des Geschehens, aber trotzdem nicht die allererste. Ein einsames Auto stand schon da, meine ersten "stall holder", die ihren Stand aufbauen wollten. Wenige Tage vorher hatte ich allen Ausstellern auf einem Kommunikationsweg ihrer Wahl (E-Mail, WhatsApp, SMS) noch einmal letzte Details zukommen lassen, unter anderem die Aufbauzeit: ab 7 Uhr, bis 9:30 Uhr könne auf dem Gelände geparkt werden, um 10 Uhr ginge es dann los. Da wir die Standplätze schon im Vorfeld verteilt hatten, hatte ich nicht wirklich schon um 7 Uhr morgens mit jemandem gerechnet und nehme auch immer noch an, dass Lorato nur so früh da war, weil sie "first come, first serve" vermutete - aber das tat ihrer guten Laune keinen Abbruch und ich freute mich, den ersten Haken auf meiner Standliste mit insgesamt 31 Ständen machen zu können.
Eine Stunde später hatte ich bereits die erste Lektion der Marktorganisation gelernt: Entweder, Du stellst den Leuten Tische für ihre Stände zur Verfügung, oder Du akzeptierst, dass Du Deine Vorstellungen von der Standgröße nicht durchsetzen können wirst. An unserem Veranstaltungsort Lady Masire Youth Center waren Tische wie Stühle Mangelware; wir mieteten zwar für den Markt Mobiliar an, hatten aber den Ausstellern gesagt, dass sie für ihre jeweiligen Stände alles selbst mitbringen müssten. Und dass ein Stand nicht breiter als zwei Meter sein sollte, sonst müsste ein Doppelstand gebucht werden (der dann die doppelte Standgebühr kostete). Zum Glück hatte niemand seinen Tisch vergessen, aber die zwei Meter Vorgabe wurde doch äußerst flexibel ausgelegt.


Eigentlich kein Problem, denn wir hatten genug Platz - aber es war so nicht mehr möglich, jedem den versprochenen Platz zu geben (die meisten Standbesitzer hatten sich im Vorfeld ausgesucht, wo sie ihren Stand aufbauen wollten). Statt sechs Stände passten zum Teil nur noch vier in eine Reihe, aber es gelang mir, das so umzupuzzlen, dass sich niemand groß beschwerte. Eine weitere Herausforderung war, die Leute dazu zu bringen, nach ihrem Standaufbau nicht neben ihrem Stand zu parken, sondern am Rande des Geländes vor einem Zaun. Mein Plan, nach 9:30 Uhr niemanden mehr auf dem Gelände parken zu lassen, ging leider nicht auf - unter anderem die Leute mit dem Catering kamen weitaus später und ich konnte sie ihr Zeug ja kaum von den außerhalb liegenden Besucherparkplätzen tragen lassen. Allerdings bemerkte ich gegen 10 Uhr, dass die Township-Boys, die als Parkplatzwächter engagiert worden waren, so gut wie jedes Auto aufs Gelände ließen, weswegen ich mich dann mal zu ihnen an den Eingang gesellte.
Die gastgebende NGO machte meiner "Das Tor bleibt zu"-Politik allerdings einen Strich durch die Rechnung - mehreren VIPs musste erlaubt werden, auf dem Gelände zu parken. Mitarbeitern der amerikanischen Botschaft (mögliche Sponsoren der gastgebenden NGO) sowie der kubanischen Botschafterin wollte man nicht zumuten, drei Meter weiter als nötig zu laufen. Wobei letztere das mit Sicherheit mitgemacht hätte, sie war auch sonst ganz cool und ließ sich nach ihrer Ankunft zunächst in unserer Kinderecke mit einem facepainting verzieren.



Der Markt hatte begonnen, eine Marimbaband spielte zur Begrüßung, es fuhren nach wie vor Autos rein und raus und die erste auftretende Tanzgruppe, das Mophato Dance Theatre, hatte ein Transportproblem und daher größere Verspätung. Es lief also nicht total ideal, aber auch nicht schlecht. Und spätestens als das Mophato Dance Theatre auftrat und den Platz füllte, um den die Stände gruppiert waren, kam Stimmung auf.


Alle meine Freunde waren tatsächlich gekommen - außer denen, die krankheitsbedingt absagen mussten. Oder denen, die die Royal Wedding im Fernsehen verfolgten. Tatsächlich hörten wir an diesem Wochenende mehrmals, dass Leute sich gegen den Markt und für Harry und Meghan entschieden hatten. Ich weiß nicht genau, ob das britische Königshaus hier generell so einen hohen Stellenwert genießt oder ob es daran liegt, dass selbst die Facebookseite BW government nicht müde wird, die Verbindung des Paares zu Botswana zu preisen (gemeinsamer Urlaub hier, der Diamant am Verlobungsring ist aus Botswana etc.). Überdies war es recht windig - das seien die Winterwinde, sagte mir eine Ausstellerin. Sie brachten Bewölkung mit sich, was gar nicht so verkehrt war, denn auf dem Gelände ist sonst nur wenig Schatten. Trotzdem wirkte das Wetter auf einige potentielle Marktbesucher eventuell abschreckend. Ich denke, es hatte mit diesen zwei Faktoren zu tun, dass die Besucherzahlen hinter unseren Erwartungen zurückblieben - und vielleicht auch damit, dass es die erste Großveranstaltung auf einem ziemlich unbekannten Gelände war.

Für unser gutes advertisement waren wir von den Ausstellern zum Teil gelobt worden. Zumindest für eine Tanzgruppe war es jedoch nicht gut genug, die hat ihren Auftritt glatt verpasst, weil die Leiterin dachte, der Markt wäre erst eine Woche später. Meine Kollegin Wally, die den Auftritt organisiert hatte, war fassungslos, hatte sie doch erst ein paar Tage vorher die letzten Fragen mit eben jener Leiterin geklärt.

Aber sonst hat eigentlich alles recht gut geklappt. Obwohl wir mit mehr Besuchern gerechnet hatten, wurde der Essensstand komplett leergekauft. Einige Aussteller machten kein gutes Geschäft, dafür aber neue Bekanntschaften, aus denen sie sich Folgeverträge erhoffen. Der erfolgreichste Stand neben dem warmen Essen war wohl der mit Popcornmaschine und Zuckerwatte. Ich habe gestern noch einmal alle Aussteller kontaktiert und mich bedankt - die häufigste Reaktion war die Bitte, beim nächsten Markt doch wieder eingeladen zu werden. Das hat mich sehr gefreut, auch wenn ich nicht denke, dass ich einen weiteren Markt mitorganisieren werde. Da das Event jährlich stattfinden soll, stellt sich die Frage für mich vermutlich eh nicht.


Mir gegenüber hat sich eigentlich nur Samosa-Eva unzufrieden geäußert, was aber keine Überraschung war - ich habe Samosa-Eva bislang eigentlich immer nur unzufrieden erlebt. Eva verkauft auf den hiesigen Farmer's Markets warme Samosas und war schon im Vorfeld nicht glücklich, weil Wally und ich ihr das auf unserem Markt nicht erlauben wollten. Warme Speisen sowie Kuchen wurden bei uns exklusiv vom "Thapelong Empowerment Trust" angeboten, weitere Stände mit essfertigen Snacks etc. sollte es daher nicht geben, Popcorn und Zuckerwatte waren hierbei unsere einzige Ausnahme. Eva tat ihren Unmut sowohl persönlich als auch telefonisch mehrmals kund und beschloss dann murrend, einen Kunsthandwerksstand zu machen. Ein paar Tage vor dem Markt rief sie mich dann an, weil sie sich überlegt hatte, neben dem Kunsthandwerk gefrorene Samosas zum Mitnehmen anzubieten. Die Marktbesucher wären sonst sicher traurig, wenn sie ohne Samosas dastünde. Mein Einwand, dass ich das für keine gute Idee hielte, weil am Essensstand schon warme Samosas verkauft werden würden, kam nicht gut an: Eva witterte eine Verschwörung gegen ihre Samosas. Ich lenkte ein. Eva war halbwegs versöhnt - bis zum Markt, auf dem sie keine einzige gefrorene Samosa verkauft hat, was in ihren Augen nun auch wieder irgendwie meine Schuld ist. Zum Abschied beschwor sie mich, ihr beim nächsten Event den Verkauf warmer Samosas zu erlauben. Im Hinblick auf Samosa-Eva wünsche ich mir wirklich, bis dahin außer Landes zu sein ...

Alles in allem war der Arts & Crafts Market doch recht vorbereitungsintensiv - in den Tagen vorher habe ich in Supermärkten Plakate aufgehangen, bin auf der Suche nach Einwegtischdecken in mir völlig unbekannte Gegenden Gaborones gefahren und habe mit Hilfe einer zufälligen Passantin Getränkespenden abgeholt. Nebenbei waren zig Anrufe zu führen und Nachrichten zu schreiben. Und ich habe noch nicht mal den Großteil der Arbeit gemacht: Meine Namensvetterin Wally organisierte neben Essensspenden noch die Verlosung, holte die Preise bei ihren Spendern ab, informierte den Moderator über die Veranstaltungsdetails und spannte ihren Gärtner ein, um Sachen vom Tierheim zum Veranstaltungsort zu bringen. (Ihr Gärtner besitzt zum Glück einen Pick-up - unserer hat nur ein Fahrrad ...) An das Tierheim fließen jetzt auch die Veranstaltungserlöse aus Eintrittsgeldern, Standgebühren und Losverkauf - genaugenommen war der Arts & Crafts Market ja auch eine Veranstaltung des Tierheims. Nachdem ich im Vorfeld gehört hatte, dass das Tierheim so viele ehrenamtliche Helfer hat, dass sie sich untereinander gar nicht mehr kennen, hatte ich angenommen, dass aus dieser Richtung eine gewisse manpower zu erwarten sei. Am Veranstaltungstag selbst waren auch durchaus Helfer zugegen, im Vorfeld hielten sie sich aber extrem zurück. Für das nächste Mal würde ich schon empfehlen, so eine Marktorganisation auf mehr als zwei Schultern zu verteilen. So wurde eben lang von zweien gekocht und dann schnell gegessen ...

Mittwoch, 9. Mai 2018

Arts & Crafts

Vor ungefähr einem Jahr lernte ich eine Namensvetterin kennen, die ebenfalls aus Deutschland kommt. Sie hat bereits in verschiedenen afrikanischen Ländern gearbeitet, unter anderem in Botswana, wo es ihr sehr gefallen hat - so gut, dass sie beschlossen hat, ihren Ruhestand hier zu verbringen. Wally engagiert sich ehrenamtlich im einzigen Tierheim des Landes und erzählte mir, dass es bis 2014 einen jährlich stattfindenden Kunsthandwerksmarkt in Gaborone gegeben hätte, dessen Erlöse dorthin geflossen seien. Danach hätte das Event nicht mehr stattgefunden, weil der frühere Veranstaltungsort nicht mehr zur Verfügung gestanden hätte. Sie wollte es nun aber wiederbeleben und nachdem ich doch lange als Veranstaltungsmanagerin gearbeitet hätte, könnte ich doch vielleicht helfen ...
Getreu meines Mottos hier in Botswana, das sich mit "Why not?" zusammenfassen lässt, sagte ich zu. Besagter Kunsthandwerksmarkt findet nun nächste Woche Samstag statt, als Fundraising-Veranstaltung für das Tierheim und auf dem Gelände einer in Botswana neuen NGO, die sich damit erstmals der hiesigen Öffentlichkeit präsentiert. Nichtsdestotrotz liegt die Organisation des Ganzen vor allem bei Wally und mir, weswegen wir schon öfters mit "Hello Wallis" begrüßt wurden. Ich wurde auch schon gefragt, ob Walli ein besonders häufiger deutscher Vorname sei. Wir vermitteln einen völlig falschen Eindruck.

Auf dem Kunsthandwerksmarkt wird es neben verschiedenen Musik-, Tanz- und Theateraufführungen auch jede Menge Stände geben. Die angebotenen Produkte sollen in Botswana hergestellt worden sein bzw. "made and sold by the people in Botswana" wie es in unserem Einladungsbrief heißt. Vor zwei Wochen besuchten Wally und ich mal wieder den hier regelmäßig stattfindenden Farmer's Market und versuchten dort, eine Verkäuferin von Lederwaren für unseren Markt zu gewinnen. Nach einigen vagen Bermerkungen erzählte sie schließlich, sie käme ursprünglich aus Simbabwe und hielt das aufgrund unserer Einladung für ein Ausschlusskriterium. Wir wollen aber keine Ausländer ausschließen, sondern nur ausländische Produkte (in Botswana wird ja generell wahnsinnig viel aus Südafrika verkauft, das soll auf unserem Markt anders sein und ist damit auch eins seiner Alleinstellungsmerkmale). Als wir ihr sagten, es käme nur darauf an, dass sie ihre Taschen in Botswana produziere und ich hinzufügte, wir seien ja selbst Ausländer, drückte die Frau kurz meinen Arm. Ich kann es schwer beschreiben, aber irgendwie bedeutete es ihr etwas, dass ich sie und uns so gleichgesetzt hatte, und das rührte wiederum mich.

Generell hat das an der Marktorganisaton bisher den größten Spaß gemacht: Mit Leuten in Kontakt zu kommen, bei denen man sich sonst maximal nach dem Preis ihrer Waren erkundigt hätte. Zum Teil ist das in Kontakt kommen aber auch etwas mühsam. Wally und ich haben einige Marktleute von den Farmer's Markets angesprochen, aber unser Kunsthandwerksmarkt soll ja nicht nur ein müder Abklatsch davon sein. Es existierte noch eine alte Liste mit Kontaktdaten von Leuten, die an den früheren Kunsthandwerksmarkten teilgenommen haben. Diese haben wir angeschrieben bzw. angerufen. Einige Emailadressen fehlten, andere waren falsch und längst nicht jeder Botswaner hat überhaupt eine. Manche der Angerufenen baten mich, ihnen alle Infos per WhatsApp zu schicken. Andere hatten kein WhatsApp-fähiges Handy, gaben mir aber die Telefonnummern von Verwandten, die WhatsApp hatten und denen ich Nachrichten an sie schicken könnte. Bei einigen blieb nur SMS. Gerade letzte Woche sprach ich nochmal mit einer Künstlerin, die ich im Februar kennengelernt hatte. Im März hatte ich sie dann wegen des Marktes angerufen, sie hatte mir die WhatsApp-Nummer ihrer Tante gegeben, die Nachricht an diese war jedoch nie übermittelt worden ... wie dem auch sei, ich wollte Puni, die sich selbst als "Recyclist" bezeichnet, wirklich gerne dabei haben und erzählte ihr vor ein paar Tagen noch einmal alle bisher feststehenden Details zum Markt am Telefon. Sie war Feuer und Flamme; auch, als ich anbot, ihr die Eckdaten nochmal per SMS zu schicken, was ich dann auch gleich tat. Um so verwunderter war ich, als diese Woche die Absage kam: Sie würde es nicht schaffen, beim Markt dabei zu sein, da sie in dieser Zeit ein Baby erwarten würde. Zweifellos ein guter Grund für eine Absage, dennoch kam das für mich sehr überraschend, nachdem sie bis letzte Woche doch noch hatte teilnehmen wollen. Dass sie in einer guten Woche ein Kind erwartet, muss da doch eigentlich bereits absehbar gewesen sein ...
Aber es ist scheinbar auch etwas Kulturelles, dass man sich in jedem Fall höflich-interessiert bis begeistert gibt, wenn eine Idee an einen herangetragen wird. Bei meinen Akquisegesprächen war ich angenehm überrascht, wie freundlich die meisten auf mich unbekannte Anruferin reagierten. Die Kehrseite der Medaille: Nur weil jemand euphorisch die Marktidee lobt und sein Interesse bekundet, bedeutet das noch nicht, dass er wirklich dabei sein will. Es kann auch gut sein, dass er sich nie wieder meldet. Schon gar nicht um abzusagen.

Eine weitere Erfahrung: Langfristige Planung scheint hier unüblich. Nicht nur ein Ansprechpartner zeigte sich im März verwirrt, dass wir ihn jetzt schon kontaktierten, obwohl das Event erst zwei Monate später stattfinden sollte. Als ich Mitte April ein Marktplakat bei einer teilnehmenden Töpferei vorbeibrachte und dem Töpfer gleich auch noch auf einem Lageplan zeigte, wo wir seinen Stand positionieren wollten, meinte er hingerissen, das Ganze würde den Eindruck vermitteln, das Event sei übermorgen. Dieses Gespräch macht mir inzwischen Hoffnung, denn gefühlt ist der Markt jetzt langsam wirklich übermorgen und es gibt noch viel, viel zu tun. Nicht zuletzt auf dem Gelände, auf dem er stattfindet. Die Startschwierigkeiten der hochmotivierten NGO-Mitarbeiter darzulegen, würde hier viel zu weit führen, daher in aller Kürze: Als im Januar die Entscheidung fiel, den Markt auf ihrem Grundstück zu veranstalten, gab es dort viel Brachland, ein paar leere Gebäude, die zum Teil baufällig waren und jede Menge Pläne.


Wir sahen das Potential - und sehen es noch immer, quasi unverändert. Aus der hier gezeigten Perspektive hat sich seit Februar eigentlich gar nichts getan - außer, dass inzwischen stellenweise hohes Gras gewachsen ist, was irgendjemand noch mähen muss, bevor der Markt dort stattfinden kann (worüber sich alle Beteiligten einig sind - darüber, wer mäht und wer das bezahlt, herrscht dagegen leider Uneinigkeit). Dass längst nicht so viel passiert ist wie angedacht, liegt nicht an der Arbeit der NGO, sondern vor allem an den botswanischen Bürokratie-Mühlen, die sehr langsam mahlen. Auf diesem Foto sieht man sowohl die meisten Standplätze als auch die Außenbühne - Standplätze am Rand vor den Gebäuden, die Bühne als Freifläche in der Mitte. Ich habe heute Leute über das Gelände geführt, die auf dem Markt Kunst ausstellen wollen bzw. Chor-, Tanz- und Theaterauftritte planen. Enthusiastisch unsere Pläne darzulegen, während einem "Wie Sie sehen, sehen Sie nichts" im Kopf herumgeht, ist gar nicht so einfach.

Noch ist viel zu tun und zumindest bei uns Wallis wächst die Nervosität. Gefühlt gibt es viele Unwägbarkeiten und ich habe noch nie an einer Veranstaltung mitgeplant, bei der ich so viele Faktoren nicht beeinflussen konnte. Vor allem werde ich das blöde Gefühl nicht los, dass wir irgendwelche landestypischen Risiken aus Unwissenheit komplett vernachlässigen. Andererseits sind fünf Stunden Kunsthandwerksmarkt hoffentlich ein so kurzer Zeitraum, dass da gar nicht so viel schiefgehen kann. Oder doch? Ich werde in zwei Wochen berichten ...

Sonntag, 18. Februar 2018

Valentinstag in Moll

Die Botswaner scheinen den Valentinstag zu mögen. Sie haben ihn sogar zum Anlass genommen, ihre Kreisverkehre zu schmücken, was sonst nur an Weihnachten und zum Nationalfeiertag passiert. Ob die mannsgroßen Herzaufsteller mit der blinkenden Lichterkette drum herum eine Verschönerung darstellen, lasse ich mal dahin gestellt. Auch in den Geschäften wurden Pralinen zum Valentinstag angepriesen, in den Malls waren extra Blumenstände aufgebaut und Restaurants hatten spezielle Menüs (mit Überraschungsgeschenk für die Damen etc.).


Wir entschieden uns gegen einen Besuch in einem überfüllten Restaurant und stattdessen für eine Kulturveranstaltung, bei der es noch vor Beginn eine rote Rose für jeden weiblichen Gast gab. Organisiert worden war der Abend von der Deutschen Botschaft. Unsere Botschaft als Veranstalter, das kennen wir hier eigentlich nur vom Tag der Deutschen Einheit und vom Public EM-Viewing 2016. Am Valentinstag standen allerdings weder Patriotismus noch Fußball auf dem Programm. Stattdessen: ein klassisches Konzert. Das Karlsruher Konzert-Duo - sie am Flügel, er am Cello -  genoss hier bereit eine gewisse Bekanntheit, hatte die Deutsche Botschaft sie doch anscheinend bereits vor zwei Jahren nach Gaborone eingeladen.Und auch sonst scheinen die beiden Musiker dem Besuch ferner Länder nicht abgeneigt zu sein, der Tourplan liest sich auf jeden Fall eindrucksvoll: Im Februar sind sie innerhalb einer Woche in Angola, Namibia, Botswana und Äthiopien aufgetreten, in der Terminauflistung des letzten Jahres lassen sich auch Rio de Janeiro, Barbados, Nicaragua und New York finden.


Während ich mir noch Gedanken über das Verhältnis von Gage und Reisekosten machte, begrüßte auch schon der Botschafter das - längst nicht nur deutsche, aber überwiegend weiße - Publikum. Dann spielten die beiden los - klassische Stücke von Haydn bis Shostakovich. Wir konnten die Titel auf einem Programmblatt mitverfolgen, dennoch vermisste ich eine Begrüßung und Einordnung der Musiker. Wieso sie die Stücke so ausgewählt hatten, erschloss sich mir nicht. Gemeinsam hatten sie eine gewisse Schwermütigkeit, die insbesondere eine neben mir sitzende Freundin störte, die schließlich begann, immer öfter etwas von "Valentinstag" zu murmeln und dass sie jetzt lieber etwas fürs Herz hören würde als diese traurigen Weisen. Nach ca. einer Stunde verschwanden die Musiker hinter der Bühne und das Licht ging kurz an, aber noch bevor man sich zur Pause erhoben hatte, waren sie schon wieder da - ca. 15 Sekunden später, was das sollte, blieb unklar. Sie spielten dann noch eine halbe Stunde weiter - 90 Minuten in Moll ohne Pause fand ich schon grenzwertig (meine Freundin war inzwischen dazu übergegangen, bei jedem neuen Stück "Ach, Du großer Gott!" zu zischen). Nachdem das letzte Stück verklungen war, eilte der Botschafter auf die Bühne, um den Musikern zu danken und allen anderen einen Ausklang mit Getränken anzukündigen. Doch nun ergriff der Cellist erstmals das Wort und kündigte - angesichts des Valentinstages! - noch eine Zugabe an - "Dream of love". "Von den Scorpions?" flüsterte mir meine Freundin hoffnungsvoll zu, ich musste sie allerdings darauf hinweisen, dass die Scorpions nicht "Dream of love" sondern "Wind of change" gesungen hatten - ersteres war von Franz Liszt, wie sich dann herausstellte. Und in Moll, wie alles andere an diesem Abend.
Danach erfreuten wir uns an Riesling, Wasser und Studentenfutter und blieben nicht mehr allzu lange.


Donnerstag, 30. November 2017

Kulturkontraste

Wir sagen ja immer wieder, in Gaborone sei nichts los. Stimmt ja auch. Oder liegt es nur daran, dass es nicht ganz einfach ist, herauszufinden, was gerade los ist? Wir stellten jedenfalls am vergangenen Freitag fest, dass es selten ist, dass wir bei einer abendlichen Veranstaltung sind, die kein Essen involviert. (Freitag war also ein ereignisreicher Tag hier, wenn man die Vereidigung des neuen simbabwischen Präsidenten und den Black Friday mitzählt.)
Für diesen Abend hatten wir Karten für "The President's Concert" im Maitisong Theater (quasi der Kulturinstitution hier). Der Veranstaltungsort war die Aula / das Theater einer internationalen Schule.
Schon die Ankunft auf dem Gelände fühlte sich besonders an und brachte gute Laune: Auf Treppenaufgängen, Dächern etc. standen an verschiedenen Stellen mehrere Musiker, die einfach auf ihren Instrumenten (Saxophon, Geige, Trompete) vor sich hinspielten und so die Zuschauer auf das Konzert einstimmten. Welch eine klasse Idee, den Veranstaltungsgästen nach einer langen Arbeitswoche die Möglichkeit zu geben, sich so langsam einzuhören!
Uns erwartete ein Abend der Kontraste:


Es spielten
  • eine Jazz-Combo, teils mit Gesang ("It has to be Jazz")
  • ein klassischer Chor ("Gaborone Youth Singers")
  • ein Saxophon-Ensemble mit mehr als sieben Saxophonisten ("Botswana Society for Jazz Education")
  • eine Marimba-Gruppe mit bis zu 12 Marimbas unterschiedlicher Größe ("Maru-a-Pula Marimba Band")
  • eine traditionelle Tanzgruppe ("Mogwana Traditional Songa and Dance Group"). 

Das war eine unglaubliche Abwechslung an Klängen und Darbietungen: Kaum hörten wir smoothen Jazz, spielte als nächstes die Marimba-Band und gab alles:


Zwischen den einzelnen Performances trugen zwei Rezitatoren Lyrik vor - die auch fast wie Musik klang, uns jedoch nicht wirklich in Erinnerung blieb.
In der ersten Hälfte hörten wir den klassischen Chor noch stimmgewaltig hinter einer Leinwand - es ertönte eine bekannte Passage aus Carmina Burana von Orff. In Afrika erwartet man so etwas nicht unbedingt. Nach der Pause sang ein Tenor eine Arie aus einer italienischen Oper (die wir leider nicht identifizieren konnten) und wurde schließlich noch vom Chor unterstützt.
Dazwischen performte immer wieder die traditionelle Tanzgruppe - selbst in der Pause gab sie auf dem Hof eine veritable Show ab. Wir sind uns recht sicher, dass wir sie im September schon einmal beim Dithubaruba Festival gesehen haben - umso schöner, dass wir hier noch einmal die Gelegenheit hatten. Wilde akrobatische Tanzeinlagen wechselten sich mit rythmischen Teilen ab: Da wurde gestampft, gesprungen, getanzt - mit kassettenartigen Manschetten an den Beinen, die beim Auftreten scharrend klangen, mit anderen Manschetten an den Beinen, die als Trommeln verwendet wurden - es war ein Fest!


In der zweiten Hälfte waren dann fast alle Gruppen gleichzeitig auf der Bühne, reihum traten sie auf, zum Finale dann auch mehrere Gruppen zusammen, wie z.B. die Marimba-Gruppe mit der Tanzgruppe.


Wir kamen sehr beschwingt aus dem Konzert, waren ein wenig stolz, dass wir es entdeckt hatten (und auch noch drei befreundete Paare zum Mitkommen überreden konnten), und waren glücklich über diesen eindrucksvollen Start in ein erholsames Wochenende.

Donnerstag, 23. November 2017

Der Trend geht zum Zweitblog ... und der heißt: Das Romanregal

Heute habe ich mit einer Freundin telefoniert, die mir am Ende des Gesprächs noch mehrere Bücher empfohlen hat, die sie in letzter Zeit begeistert haben oder aber noch vielversprechend klingend ungelesen bei ihr zu Hause liegen. Vermutlich hätten die meisten meiner Freunde kein Problem damit, aus dem Stehgreif ein paar Bücher zu empfehlen. Sie lesen nämlich eigentlich alle sehr gerne - wie ich auch. Mein Leseverhalten hat sich allerdings verändert, seit wir in Botswana leben. Vor der Ausreise hatte ich mir glücklicherweise noch einen E-Book-Reader zugelegt und inzwischen lese ich vermutlich um die zwei Drittel meiner Bücher in digitaler Form - zwangsläufig, der Buchmarkt in Gaborone ist nämlich überschaubar. Wenn man die Schreibwarenkette, die auch ein paar Bestseller verkauft, nicht mitzählt, gibt es genau eine Buchhandlung in der botswanischen Hauptstadt. Und deren Angebot ist hochpreisig - eine Buchpreisbindung gibt es nicht und so gut wie alle Bücher werden aus Südafrika oder anderen englischsprachigen Ländern importiert. Schlechte Zeiten für Vielleser - gäbe es nicht das Internet. Es tut mir zwar leid, dass ich den stationären Buchhandel hier nur selten unterstütze, aber um an deutschsprachige Lektüre zu kommen, bleibt mir eh nur das World Wide Web. Und bei den englischsprachigen Titeln ist die preisliche Diskrepanz zwischen gedrucktem Buch in Gaborone und E-Book im Internet dermaßen groß, dass ich zu letzterem greife und mir so einiges mehr leiste, als es sonst der Fall wäre.

Allerdings bekomme ich auch viele meiner E-Books umsonst. Ich bin innerhalb des letzten Jahres mehreren Buchcommunities im Internet beigetreten, die beständig Bücher verlosen. Klingt die Leseprobe eines Buchs interessant und wird es als E-Book angeboten, bewerbe ich mich und komme so regelmäßig an neuen Lesestoff. In den Buchcommunites verpflichtet man sich schon bei der Bewerbung, das Buch im Gewinnfall auch zu rezensieren. Zum Teil gehört außerdem noch eine sogenannte "Leserunde" zu den Verlosungen, das heißt, man diskutiert online mit den anderen Gewinnern des Buchs über den Inhalt. Sowohl die Diskussionen als auch das Schreiben der Rezensionen machen mir Spaß und so bin ich auf mehreren Portalen ein recht aktives Mitglied geworden.

Seit einigen Monaten schreibe ich also regelmäßig Rezensionen - vor allem für Literatur und Unterhaltungsromane, ab und an aber auch Krimis und Thriller und manchmal verirrt sich außerdem ein Sach- oder Jugendbuch in meinen virtuellen Bücherstapel. Meine Rezensionen sind auf den Seiten der besagten Buchcommunities zu finden, ich stelle sie aber auch bei diversen Online-Buchhandlungen ein. Seit Neuestem gibt es außerdem einen zentralen Ort, an dem ich die besten von ihnen und meine absoluten Empfehlungen sammle. Darf ich vorstellen - mein neuer Blog: www.romanregal.de

Seit der diesjährigen Buchmesse ist Das Romanregal online - bisher inkognito, mein neuer Blog und ich mussten uns erstmal akklimatisieren. Philip hat mir geholfen, ihn einzurichten, es mussten Fotos gemacht, Texte geschrieben und Entscheidungen getroffen werden. Aber nun ist Das Romanregal bereit für Besucher und ich würde mich freuen, wenn Ihr mal reinschaut, einen Kommentar hinterlasst oder ihn sogar abonniert. Viel Spaß beim Stöbern!

Montag, 4. September 2017

Dithubaruba!

Bevor wir nach Botswana gegangen sind, soll es ja Leute in unserem Bekanntenkreis gegeben haben, die davon ausgingen, dass die Menschen hier halbnackt im Kreis tanzen. Wir haben darüber gelächelt, ahnten wir doch, dass es nicht so sein würde. Immerhin hat es nun tatsächlich eineinhalb Jahre gedauert, bis wir halbnackte Leute im Kreis tanzen haben sehen. Und das kam so:

Am vorletzten Wochenende nahmen wir ja an einer Wanderung bei Molepolole teil; die Einnahmen aus den Startgeldern wurden für die Organisation des Dithubaruba-Festivals gespendet, das an diesem Samstag stattfand. Das Dithubaruba-Festival ist ein Kulturfestival für die Bevölkerung, bei dem Chöre und Tanzgruppen auftreten. Es soll die botswanische Kultur unterstützen und wurde nicht für ausländische Touristen ins Leben gerufen; so waren außer uns fast keine anderen Weißen da. Das Festival, das 2007 erstmals stattfand, will die Traditionen verschiedener Ethnien aus dem Distrikt um Molepolole darstellen und auf diesem Weg die "Völkerverständigung" bzw. das gegenseitige Verständnis der Botswaner für einander erhöhen.
Wie es hier nun einmal ist, fiel es uns erst nicht leicht, den Ort des Festivals zu finden. Wir wussten, dass er südöstlich von Molepolole liegen sollte (ca. 40 km nördlich von Gaborone), an einer Stelle, wo einst ein wichtiger Häuptling der Bakwena, eines der größten Stämme in Botswana, eine Siedlung gegründet hatte. "Dithubaruba", der Name des Festivals, ist nach dem Hügel benannt, der sich hinter diesem Ort erhebt.
Nachdem wir vergeblich irgendeine Ausschilderung suchend durch das sehr langgezogene Molepolole gefahren waren, hielten wir an einem SPAR-Supermarkt, in dem wir uns den Weg beschreiben ließen und gleich auch noch die Eintrittskarten kauften. Dank der Beschreibung fanden wir den Ort des Geschehens: Am Eingangstor des Areals wurden unsere Eintrittskarten eingesammelt und wir bekamen ein Bändchen ans Handgelenk - da kam gleich Festival-Feeling auf.
Der eigentliche Festivalplatz bestand aus zwei VIP-Zelten und zwei größeren Tribünen, die zusammen einen ungefähr quadratischen und staubigen Platz einrahmten. Daneben war noch eine traditionelle botswanische Rundhütte und eine Kgotla, ein traditioneller Versammlungsort aufgebaut, im Umkreis außerdem einige Zelte für Verpflegung und Souvenirs.
Als wir ankamen, spielte gerade ein Alleinunterhalter auf dem Platz, einzelne Leute tanzten zur Musik. Wir schauten uns erst einmal in Ruhe um und setzten uns schließlich auf ein Mäuerchen. Es machte Spaß, die Festivalbesucher zu beobachten: Einige gehörten ganz klar zu Gruppen, die noch auftreten würden und hatten eine einheitliche Tracht oder gar traditionelle Kleidung an. Der Großteil der nicht zu den Akteuren gehörenden Besucher hatte sich jedoch ebenfalls schick gemacht, sei es mit einem farbenfrohen Kleid, Kopfschmuck oder traditionelle Kleidung.



Eine ganze Weile passierte nicht allzu viel, was uns Zeit gab, eine Kleinigkeit zu essen (Hähnchen und irgendein spinatähnliches Gemüse - mit den Fingern!) und die Leute zu beobachten. Dann ging es schließlich los: Verschiedene Tanzgruppen und Chöre traten nacheinander auf, performten auf dem Platz und hatten Spaß. Häufig waren es auch sowohl Tanzgruppen als auch Chöre, d.h. wir fragten uns, ob sie mehr tanzten oder mehr sangen.
Und da gab es dann auch die oben erwähnte Gruppe, die "halbnackt" tanzte:





Eine andere Gruppe beeindruckte uns jedoch mindestens ebenso sehr: Tänzer aus einer Provinz in Südafrika, die an Botswana grenzt, sie führten eine Polka vor, weil das der Tanz ihrer Region ist.


Es machte den Gruppen ganz offensichtlich Spaß, ihre Künste zu zeigen, manche traten auch mehrfach auf. Immer wieder ertönte der Name des Festivals als Jubelruf: "Dithubaruba!"
Gelegentlich gab es Pausen, in denen nur Musik gespielt wurde und einzelne Festivalbesucher auf dem Platz tanzten. Und dann wurde auch Walli aufgefordert - so wurde sie zum Star des Tages!


Wir kamen uns allerdings eh schon fast wie Promis vor. Da außer uns nur noch drei andere Weiße vor Ort waren, fielen wir auf und bemerkten mehrmals, dass wir fotografiert oder sogar gefilmt wurden. Zum Teil legten uns Leute ohne Ankündigung ihren Arm um die Schulter, riefen "Selfie, please!" und schon wurde eine Handykamera auf uns gerichtet.

Der Tanz, auf den wohl alle Besucher warteten, kam am späten Nachmittag. Als die ersten Töne erklangen, sprang ein Großteil der Festivalbesucher auf und tanzte mit - alle kannten ihn, denn es war der lokale Tanz von Molepolole.


Gegen 17:30 Uhr machten wir uns ein wenig schweren Herzens auf den Heimweg. Das Festival würde noch bis in die Nacht dauern, doch wir wollten bis Einbruch der Dunkelheit wieder in der Nähe Gaborones sein. Es wird hier derzeit gegen 18:15 Uhr dunkel - und anschließend ist es aus Verkehrssicherheitsgründen nicht wirklich ratsam, über Land zu fahren.
Das Dithubaruba-Festival war für uns das bisher größte kulturelle Highlight in Botswana. Wir waren sehr froh, an diesem Samstag dabeigewesen zu sein!

Samstag, 8. April 2017

Kunst!

Kulturveranstaltungen stehen in Gaborone nicht unbedingt auf der Tagesordnung. Es gibt kein Theater, kein Opernhaus oder ähnliches, was man in einer Hauptstadt vermuten würde - gelegentliche Aufführungen finden in Schulaulen oder im Kongresszentrum statt. Auch was Museen angeht, hat Gabs nicht viel zu bieten. Das Nationalmuseum ist seit fast einem Jahr wegen Renovierung geschlossen und die anwesenden Mitarbeiter, die trotzdem täglich an der Rezeption sitzen, können keinerlei Auskunft geben, wann es wieder öffnen wird. Ansonsten ist mir nur noch ein Philateliemuseum bekannt, und auch das nur von außen. Denn obwohl es an dem Gebäude dransteht, kann ich nicht so recht glauben, dass sich hinter den Mauern wirklich eine Briefmarkenausstellung verbirgt – in einem Land, in dem auf ein funktionierendes Postsystem nicht wirklich Wert gelegt wird … aber eines Tages werde ich herausfinden, ob es dort wirklich etwas anzuschauen gibt. Hier geht man halt auch nicht unbedingt nach Interesse, sondern nimmt mit, was angeboten wird.

Über den GIZ-Verteiler erreichte uns dann vor zwei Wochen eine Einladung zu einer Vernissage, die uns spontan interessierte. In der zum Nationalmuseum gehörenden (und eigentlich ebenfalls geschlossenen) Nationalgalerie wurde eine dreiwöchige Ausstellung eines botswanischen Künstlers namens Botho David angekündigt: "BOKA - Batswana Of Known Appearances". Die Vernissage war ein öffentliches Event, das an einem Dienstagabend stattfand. Also machten wir uns mit unseren Gästen auf den Weg. Das „Opening Event Programme“ fand open air vor dem Museum statt. Es wurden noch Plastikstühle gerückt und verteilt, als wir kamen und man begrüßte uns sogar persönlich, was eventuell daran lag, dass Philip direkt von der Arbeit gekommen war und mit Anzug doch relativ offiziell aussah. Die Veranstaltung begann mit einem Eröffnungsgebet, für das ein Pastor eingeladen worden war. Anschließend gab es verschiedene Reden, in mittelmäßigem bis sehr gutem Englisch. So war zum Beispiel der Managing Director der Botswana Development Corporation Limited  (BDC) zu Gast. Das BDC fördert im Auftrag der Regierung unter anderem Start-Ups und der Direktor rief in seiner Rede zu mehr Engagement und Eigeninitiative von Künstlern auf – sie hätten zum Beispiel gerade erst ein neues Geschäftshaus errichtet und er hätte es großartig gefunden, wenn Künstler auf ihn oder seine Mitarbeiter zugekommen wären und ihnen angeboten hätten, ihre Kunst dort an die Wände zu hängen. Das war offensichtlich nicht geschehen und hätte mich auch eher gewundert, denn diese Denke passt für mich nicht zum eher gemächlichen Gang, den die Dinge in Botswana zu gehen. Aber der Managing Director des BDC forderte auf, auch mal anders und quer zu denken, und das fand ich gut und inspirierend. So etwas hatte ich hier noch nicht gehört.
Anschließend trug die Schwester des Künstlers, eine Dichterin, zwei kurze Texte vor, die in Richtung Poetry Slam gingen – auch so etwas war uns hier noch nicht begegnet. Botho David selbst meldete sich nur sehr kurz zu Wort, aber insgesamt dauerten die Reden ungefähr eine Stunde. Dann wurden wir in den Ausstellungsraum gebeten und begutachteten die zwanzig bis dreißig Portraits. Der Künstler hatte verschiedenste prominente Batswana portraitiert: Sportler, Fernsehmoderatoren, Schönheitsköniginnen … uns waren sie sämtlich unbekannt, aber die Bilder haben uns gefallen.



Dennoch wurden wir nach kurzer Zeit schon wieder herauskomplimentiert, da inzwischen ein kostenloses Buffet aufgebaut worden war. Wir aßen, tranken und unterhielten uns mit anderen Gästen und ich hatte das Gefühl, unter lauter kulturinteressierten, weltoffenen Menschen gelandet zu sein – ebenfalls eine in Gaborone so noch nicht gemachte Erfahrung. Was für eine schöne Überraschung!

Dienstag, 28. März 2017

Kinostart: "A United Kingdom" jetzt auch in Deutschland

Vor fast einem halben Jahr habe ich über die Ankündigung eines Films berichtet, der die Liebesgeschichte zwischen Botswanas späterem ersten Präsidenten Sir Seretse Khama und seiner englischen, weißen Frau Ruth Williams erzählt: A United Kingdom.

In Botswana kam der Film im Dezember in die Kinos, am 30.03. läuft er nun auch in Deutschland an. Zwar habe ich nicht "die halbe Zeit geheult", wie eine deutsche Bekannte es mir von ihrem Kinobesuch erzählte, dennoch können Philip und ich den Film nur empfehlen: Er bringt ein bewegendes Stück botswanischer Geschichte weltweit in die Kinos. Denn die Liebe zwischen dem botswanischen Thronfolger Khama und der Sekretärin Williams war keine Privatsache, sondern ein Politikum. 1947 lernten sie sich in London kennen, wo beide zu diesem Zeitpunkt lebten; Khama studierte dort, um besser auf seine zukünftigen Herrscherpflichten (und insbesondere die Verhandlungen mit Weißen) vorbereitet zu sein. 1948 wurden die Hochzeitspläne der beiden bekannt, und spätestens da wandte sich fast ihr gesamtes Umfeld gegen sie: Khamas Onkel, dessen Nachfolger er werden sollte, versuchte die Heirat ebenso zu verbieten wie die südafrikanische Regierung, die gerade ihre Apartheitsgesetze verschärfte. Sie übte Druck auf die Regierung in London aus, die es sich vor allem wirtschaftlich nicht mit Südafrika verscherzen wollte und deswegen ebenso gegen die Eheschließung intervenierte. Eine sogenannte Mischehe zwischen einem zukünftigen botswanischen Regenten und einer weißen Engländerin in unmittelbarer Nachbarschaft zu Südafrika - das dürfte einfach nicht sein. Der Film erzählt, wie die Khamas sich gegen alle Widerstände auflehnten und sämtlichem ihnen begegnenden Rassismus trotzten - und das ist sehenswert! An dieser Stelle seien die Schauspieler erwähnt, die ihre Rollen super verkörpern: David Oyelowo (z.B. "The Help" und "Der Butler") spielt Seretse Khama und Rosamund Pike (z.B. "Gone Girl") Ruth Williams Khama.

Kleinigkeiten haben mich etwas gestört: Wie so oft in Filmen wurde auch hier die wahre Geschichte leicht verändert - im Großen und Ganzen stimmt alles, aber die historischen Fakten was wann wo geschah werden nicht immer korrekt wiedergegeben. Einige tolle geschichtlich überlieferte Anekdoten fehlen, obwohl sie gezeigt hätten, dass Ruth Williams Khama nicht nur eine starke, sondern auch extrem starrköpfige Frau war - dabei dürfte der Ausgang der Geschichte zu großen Teilen auch ihrem Sturkopf zu verdanken sein. Ich hätte es außerdem spannend gefunden, wenn die Rolle der internationalen Presse im Film noch weiter thematisiert worden hätte - die Journalisten hatten die Khamas, vor allem Ruth, zu Beginn ihrer Ehe in einer Art und Weise verfolgt, die heutigen Paparazzis in nichts nachsteht. Ruth war es dann auch, die - natürlich ohne jeden PR-Agenten, Manager oder andere Hilfe - schließlich lernte, diese Aufmerksamkeit für ihre Zwecke zu nutzen.
Das alles hätte den Film aber wohl gesprengt und vermutlich hätte ich nichts von dem Genannten vermisst, wenn ich nicht bereits ein (Sach-)Buch über die Khamas gelesen hätte. Also, liebe Blogleser, macht Euch doch einfach selbst einen Eindruck. Wann läuft in deutschen Kinos schon mal ein Film, der zu großen Teilen in Botswana spielt? Hier nochmal der Trailer, diesmal auf deutsch:

Montag, 23. Januar 2017

Eine Missionarsstation

Missionare in Afrika - davon hört man häufiger, und mittlerweile haben wir auch ein oder zwei Familien kennengelernt, die als Missionare nach Botswana kamen und hier "hängengeblieben" sind. Nicht mehr persönlich getroffen haben wir David Livingstone, einen der ersten Missionare in Botswana bzw. im südlichen Afrika, und westlicher "Entdecker" der Victoria-Fälle. Berühmt ist der Ausspruch von Henry Morgan Stanley, der ihm nachreiste, den verschollen Geglaubten in Tansania aufspürte und mit den Worten ansprach: "Dr. Livingstone, I presume?"
Eben dieser Dr. Livingstone lebte von 1847 bis 1852 ganz in der Nähe des heutigen Gaborones. Und so machten wir uns kürzlich auf zu einer Besichtigung des Ortes, an dem er lebte, der "Kolobeng Mission". Am Eingang trafen wir einen Ranger, der zu uns ins Auto stieg und uns zu den Ruinenresten der Siedlung lotste, wo er uns alles Mögliche erklärte.
Zunächst gab es das Fundament der Kirche zu besichtigen, in der Livingstone predigte. (Anmerkung Walli: "Fundament" ist für die paar Steine ein großes Wort!) Bis in die 1990er Jahre standen zumindest noch die Außenmauern der Kirche, inzwischen ist von ihnen aber leider nichts mehr übrig.


Dann fuhren wir ca. 200m weiter zum Friedhof, der ebenfalls kaum als solcher zu erkennen war. Hier liegt neben einem Gefährten Livingstones auch seine Tochter begraben; ihr Grab ist unter der derzeit recht grünen Vegetation kaum auszumachen; es wird hier vor allem durch zwei Ameisenbauten gekennzeichnet.

Schließlich fuhren wir noch einmal 100m und kamen zum Wohn- und Arbeitshaus der Familie Livingstone, wo u.a. ein Raum als Arztpraxis verwendet wurde. Auch hier sind nur die Fundamente übrig.


Es war ordentlich heiß, wenn man so in der Sonne herumstand. Unser Führer erzählte unglaublich viel in hohem Tempo und nuschelte dabei ziemlich. Das meiste davon vergaßen wir so wohl schnell wieder.
Insgesamt fanden wir den Besuch etwas ernüchternd: Für die Geschichte Botswanas ist das sicherlich ein wichtiger und schützenswerter Ort - aber als Tourismusziel taugt er derzeit nicht so wirklich, denn zu sehen gibt es kaum etwas. Im Logbuch wurden wir dann auch als die ersten Gäste seit zwei Tagen vermerkt. Die vorgetragenen Geschichten zu Livingstone und seiner Zeit könnte man besser nachlesen (wenn man es denn täte). Hier werden wir wohl eher nicht noch einmal hinkommen.

Donnerstag, 8. Dezember 2016

Jingle bells, jingle bells ...

Wie kommt man eigentlich bei durchschnittlich 35 Grad in Weihnachtsstimmung? Wissen wir auch nicht so richtig. Und so nutzen wir hoffnungsvoll die Gelegenheiten, die sich hier bieten - und hatten uns zum gestrigen Event "Christmas Carols in Mokolodi" angemeldet. Wir sind dann allerdings nicht in das Tierreservat gefahren und haben den Kudus und Giraffen vorgesungen; das Ganze fand im Open Air-Café hinter der Rezeption statt. Die Tische waren weihnachtlich-rot eingedeckt und fast alle reserviert, weswegen wir uns zu einem älteren Ehepaar setzten, das ursprünglich aus Simbabwe kam, aber schon seit über 30 Jahren in Botswana lebt. ("Mit einem zwei Jahres-Vertrag gekommen und über 30 Jahre geblieben!" erklärte uns der Mann stolz. Wow. Philip und ich planen das bislang allerdings nicht.)

Auch eine Kollegin von Philip fand sich mit Tochter und Au Pair ein, es gab Wein, Bier, Hotdogs und Käseplatten und schließlich trat eine Sängerin namens Liesl auf, die wir schon mal auf dem ein oder anderen Markt auftreten gesehen hatten. Auf den Tischen lagen Liedblätter und so sangen wir mehr oder weniger gemeinsam mit ihr "Jingle bells", "I saw Mommy kissing Santa Claus" und "Silent night". Es war ein stimmungsvoller Abend!

Dienstag, 29. November 2016

Comedy in Gaborone

Wenn man sich informieren will, was in Gaborone so los ist, ist facebook das Mittel der Wahl. Darüber wurden wir auch auf Riaad Moosa aufmerksam, einen südafrikanischen Comedian, der am ersten Advent in Gaborone auftreten sollte. Er war mit zwei Kollegen als "Vorgruppen" angekündigt und wurde als ursprünglich aus der Zauberei kommender, studierter Mediziner präsentiert, der Standup-Comedy machen würde und gerade dabei wäre, die erste Comedy-Show der Welt mit medizinischen Themen vorzubereiten ... ich hatte ein enormes Déjà-vu und es war klar: Da mussten wir hin!
Beim Kartenkauf fragten wir uns allerdings, wer da wohl sonst hingehen würde: Eine Karte kostete 350,- BWP (Botswana Pula) - 30,- €; für hiesige Verhältnisse sehr viel Geld. Als wir gestern Nachmittag im hiesigen Kongresszentrum ankamen, bekamen wir die Antwort: Die Anzahl von Indern und Muslimen (oder indischen Muslimen?) im Publikum war riesig - eigentlich stellten sie das Publikum und viele schienen sich auch untereinander zu kennen. Das war ja mal spannend! Normalerweise sieht man hier kaum Inder und/oder Muslime. Wir fingen dann mal an, Riaad Moosa zu googeln - das hatten wir vor dem Kartenkauf tatsächlich nicht getan. So ist das, wenn man ausgehungert nach Kultur ist ... Es stellte sich heraus, dass Riaad Moosa in Indien geboren worden war und zu seinen Themen auch Islamfeindlichkeit, Rassismus etc. gehörten. Das war ja spannend!

In dem sehr großzügig bestuhlten und ziemlich runtergekühlten Kongresszentrum war freie Platzwahl. Auf jedem Platz lag ein KitKat, eine kleine Flasche Wasser sowie Werbeflyer der Sponsoren, dafür gab es keine Pause. Als erstes stellte sich ein Gaboroner Comedian dem Publikum, er nannte sich "Phenyo the Master". Nachdem er auf englisch gar nicht ankam, wechselte er zu Setswana, worauf immerhin mehr Leute lachten. Nach seinen englischen Witzen hatten wir allerdings nicht das Gefühl, was zu verpassen, und er war dann auch recht schnell und eigentlich kommentarlos wieder weg. Der zweite Comedian kam aus Südafrika, kokettierte mit seinem Twen- und Single-Dasein, übte Warm-Upper-mäßig die Appläuse mit uns (wir lernten, dass ein muslimisches Publikum wohl weder besonders gerne klatscht noch lacht - der Künstler, der das verkündete, war ebenfalls Muslim und musste es eigentlich wissen) und kündigte schließlich seinen Kollegen Riaad Moosa an. Der war auf jeden Fall der lustigste von den dreien - erfreulicherweise, er trat ja dann auch fast eineinhalb Stunden auf ... wie schon sein Vorgänger machte er übrigens auch ein, zwei Hitler-Witze. Die scheinen in diesem Teil der Erde immer noch in Mode zu sein. Medizinische Themen riss er eigentlich nicht an, sondern erklärte freimütig, dass von sechs Jahren Medizinstudium nicht so besonders viel hängen geblieben sei - sollte es im Saal zu einer Situation kommen, in der ein Arzt gebraucht werden würde, könnte er den Patienten allenfalls bespaßen, während dieser wegdämmerte ...
Dann erzählte er tatsächlich vor allem aus seinem Leben als Muslim, und das war schon stellenweise lustig. Wie seine Sitznachbarin im Flugzeug aufschreckt, weil er eine Mahlzeit bestellt hat, die halal ist und er zu ihr sagt: "Hallo? Ich bin noch viel aufgeregter als Sie - das ist meine letzte Mahlzeit!" Außerdem übte er sich in Trump-Parodien und erzählte einiges von seinen zwei Kindern. Ein größerer Kontext ließ sich nicht finden, aber wir fühlten uns insgesamt ganz gut unterhalten - vielleicht nicht so gut wie der Rest des Publikums, der aus Fans zu bestehen schien, aber es war okay. Und am Ende ging Riaad Moosa dann einfach - ohne Applaus, ohne Zugabe, ohne irgendwas - und eine Frau trat auf die Bühne und dankte den Sponsoren der Show - einer erstaunlichen Anzahl. Warum waren die Karten denn dann eigentlich so teuer? Statt Merchandising und Autogrammen gab es im Foyer einen Fotobooth, auf den Philip und ich aber verzichteten. Ich klaute dafür zwei Kitkats von den leeren Stühlen und dann fuhren wir nach Hause. Tja, das war also unser erster Eindruck von Comedy im südlichen Afrika. Wie sagte Philip? Speziell wir sind von Deutschland aus halt ziemlich verwöhnt.

Sonntag, 23. Oktober 2016

Summer of '79

1979 - mein Geburtsjahr! - da schaut man doch gleich mal hin. Vor ein paar Wochen wurden wir auf eine Veranstaltung aufmerksam mit dem Titel "Summer of '79". War sie als Musical oder doch als Konzert angekündigt? Egal, Kulturprogramm, und das in Gaborone, das mussten wir ausnutzen und sicherten uns die gefühlt eher teuren Eintrittskarten.
Open Air sollte die Veranstaltung sein, an zwei Wochenenden jeweils freitags und samstags wiederholt werden. Wir buchten Karten für den ersten Samstag. Ich hatte schon gehört, dass Kolleginnen am Freitag hingehen wollten. Als Walli gerade ihren jüngsten Blogeintrag veröffentlichte, und diesen mit den Worten beendete "Während ich diesen Blogbeitrag fertigstelle, ist bereits das nächste Gewitter heraufgezogen", war es eben jenes Gewitter, das heftig niederging und diese Veranstaltung zum Abbruch zwang. Als wir mit dem Auto samstags zum Veranstaltungsort fuhren, setzte das fünfte Gewitter am fünften Tag hintereinander pünktlich mit unserer Ankunft auf dem Parkplatz ein, begleitet von Hagel. Nach wenigen Minuten des Ausharrens im Auto ließen Hagel und Regen etwas nach und wir liefen die restlichen Meter zum Veranstaltungsort. Die Veranstalter hatten glücklicherweise umdisponiert und die Veranstaltung fand nun nicht mehr open air, sondern in einem größeren Zelt statt. Da es auch später noch geregnet und gewittert hat, war dies sicher eine gute Entscheidung - andererseits hatte dieses Zelt in etwa "den Charme einer Mehrzweckhalle" (laut Walli), was der Atmosphäre nicht wirklich zuträglich war.
Im Zelt bekamen wir dann vier Stunden lang live Musik mit Songs aus dem Jahr 1979 - das war toll. Einen Großteil der Songs kannte ich, es sind bekannte Partysongs - von keinem war mir allerdings bewusst, dass sie aus dem Jahr 1979 stammten. Da war mein Geburtsjahr wohl doch ein musikalisch produktives!
Ein wenig laut war es, teils hätten die Mikrofone besser eingestellt gewesen sein können, aber die Band war super; nur ein David-Bowie-Verschnitt wäre noch besser angekommen, wenn er nicht nur seine Tanz-Choreografie geübt hätte, sondern auch seinen Gesang einstudiert hätte... Die Töne zu treffen ist offenbar doch eine Kunst.
Sonderlich voll war das Zelt nicht - ob wohl manche Gäste durch das neuerliche Gewitter abgeschreckt waren? Wir hatten jedenfalls einen vergnüglichen Abend.
Hier noch ein kleiner Eindruck:

Sonntag, 12. Juni 2016

Glühwein zum EM-Auftakt

Im Auswärtigen Amt, so hörte ich einmal, ist es quasi Pflicht, fußballinteressiert zu sein und die Bundesliga zu verfolgen. Soll praktisch sein für Smalltalk.
Smalltalk bzw. Leute kennenlernen war auch unser Ziel - und Fußball sollte der Anlass sein. Praktischerweise hat die "Alliance Francaise", das französische Kulturinstitut, für Freitagabend zum EM-Auftakt eingeladen. Nachdem wir uns zunächst angemeldet hatten, beschlossen wir dann doch kurzfristig, nicht hinzugehen. Denn wir hatten glücklicherweise vorher noch erfahren, dass Eröffnungsfeier und Spiel open air übertragen werden sollten. Und da hier so langsam der Winter einkehrt und Walli noch die letzten Reste einer ordentlichen Erkältung auskurierte, entschlossen wir uns dann doch, nicht hinzugehen.
So planten wir unseren EM-Auftakt also für das heutige erste Deutschlandspiel. Der deutsche Botschafter hatte (selektiv) eingeladen, in einem Hotel wurde das Spiel gezeigt und es gab Getränke dazu.
Zur Begrüßung wurde uns erst einmal Glühwein angeboten. Der war auch recht willkommen, nachdem heute ausnahmsweise die Sonne nicht geschienen hat, es windig war und es so doch so kühl blieb, dass wir erstmals den Kamin im Wohnzimmer angeschmissen hatten - der die Temperaturen zeitweise um 1-2 Grad aufzuwärmen vermochte.
Wir kamen recht pünktlich, unterhielten uns noch kurz mit ein paar Leuten, dann ging das Spiel los. Ein paar Tische standen vor der Beamer-Leinwand, auf den vorderen beiden war eine Deutschland-Fahne drapiert. Wir waren eher schlecht mit Accessoires ausgestattet: Papiergirlanden, Fähnchen, oder auch der Deutschlandfahnenhut durften nicht fehlen (außer bei uns). Ach ja, Tipps wurden ausgetauscht - und wir lernten, dass statistisch gesehen das häufigste Ergebnis 2:1 sei und daher immer gut für einen Tipp. Nun ja, ein Glück, dass sich die Experten nicht auf statistische Langzeitmittelwerte zu verlassen brauchen - Fußballexperte Philip tippt "natürlich" auch so das richtige Ergebnis!
Ein wenig gewöhnungsbedürftig war es schon, den Kommentator die Spielernamen in Englisch aussprechen zu hören - aber letztlich war der Ton eher leise eingestellt, so dass das nicht groß störte. Der Stammtisch am Nachbartisch interessierte sich eh mehr für die Flüchtlinge in Deutschland; schade, dass man offenbar selbst durch Auslandserfahrung nicht einen anderen Blick darauf gewinnen kann. Wir versuchten, uns aufs Spiel zu konzentrieren, nutzten die Halbzeitpause, um die Buffetschlange kennenzulernen - und spätestens das 2:0 brachte auch den ganzen Raum zum gemeinsamen Jubeln.