Manchmal gibt es Geschichten, die sind zu skurril, um sie sich selbst auszudenken. Viele Länder haben ja eine eigene nationale Airline, so auch Botswana - der Stolz Botswanas. Mit Air Botswana kann man nicht nur von Gaborone in die anderen größeren Städte des Landes fliegen (u.a. Maun, Francistown, Kasane), sondern es gibt auch mehrfach am Tag eine Verbindung nach Johannesburg. Wir waren betrübt, als Anfang diesen Jahres, kurz nach unserem Kapstadt-Besuch von Ende Januar, die direkte Verbindung nach Kapstadt eingestellt wurde. Hintergrund war, dass Air Botswana eine südafrikanische Airline für diese Verbindung engagiert hatte, die auf dieser Strecke unter Air Botswanas Flagge flog - und eben dieser Airline wurde von Südafrika aus Sicherheitsgründen die Lizenz entzogen. Im November hat Air Botswana die Flüge nach Kapstadt unter eigenem Betrieb wohl wieder aufgenommen, eine schöne Nachricht für uns Passagiere (ob wir es noch einmal nach Kapstadt schaffen?).
Die Sicherheit von Air Botswana gilt glücklicherweise als halbwegs gut. Leider scheint die Fluglinie jedoch nicht komplett profitabel zu sein, die botswanische Regierung sucht daher nach einem privaten Investor. Doch dafür wollte man die Airline erst einmal "aufhübschen" und bestellte drei neue, modernere Flugzeuge. Diese wurden im November ausgeliefert, und damit man nicht auf zu vielen Flugzeugen sitzt, wurden gleichzeitig drei ältere Flugzeuge verkauft. Die Flotte bestand nun also aus zwei älteren und drei neueren Flugzeugen.
Schade nur, dass man ein kleines Detail übersehen hatte: Die Piloten von Air Botswana hatten kein Training - und somit auch keine Lizenz - für die neueren Maschinen erhalten... und so ist seit einigen Wochen der Flugplan der Airline ziemlich ausgedünnt, denn drei Flugzeuge sind verkauft, und mit zwei (älteren) Flugzeugen kann man den Betrieb eines Streckennetzes, das für fünf Flugzeuge ausgelegt ist, nicht mehr aufrecht erhalten.
Außer Air Botswana fliegt glücklicherweise noch eine andere Airline, SA Express, nach Johannesburg - dieser Airline war jedoch von ca. April bis Ende August ebenfalls die Lizenz der südafrikanischen Behörden entzogen worden; mittlerweile soll sie aber wieder in Ordnung sein. Und für unseren Flug nach Deutschland in den Weihnachtsurlaub haben wir eine ganz andere Verbindung gebucht, mit der wir weder Air Botswana noch einen anderen Flug nach Johannesburg benötigen - wir fliegen mit Air Namibia via Windhoek nach Frankfurt. Mal schauen, ob das so hinhaut, wie wir uns das wünschen...
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Samstag, 22. Dezember 2018
Sonntag, 16. Dezember 2018
Ungeplanter Garage Sale
Ganz, ganz langsam beginnen unsere Umzugsvorbereitungen. Dass wir mit dem Verkauf von ersten Möbeln bereits begonnen haben, hatte ich ja schon geschildert. Diese Woche habe ich nun bislang vier Umzugsunternehmen kontaktiert, damit sie unseren Hausstand in Augenschein nehmen. Die ersten drei haben jeweils am darauffolgenden Tag gleich jemanden vorbeigeschickt. Am Dienstag empfing ich zunächst Pelo von Umzugsfirma Nummer 1, der sogleich mit seinem Tablet los fotografierte.
Philip und ich planen, die Mehrzahl unserer Möbel zu verkaufen. Einige Verkäufe sind schon fix vereinbart, eine Liste mit allem Übrigen wollen wir ab Mitte Januar über den GIZ-Verteiler jagen. Insofern musste ich in jedem Raum erklären, was bereits verkauft ist, was wir bestimmt verkaufen werden, was wir vermutlich und was auf jeden Fall nach Deutschland mitnehmen. An dieser Stelle möchte ich kurz betonen, dass das ungefähr so klang: "Dieses Regal hier ist verkauft, das Fahrrad will ich noch verkaufen und die leeren Blumenkübel nehmen wir mit nach Deutschland." Ich sagte also NICHT: "Dieses Regal hier ist verkauft, aber dieses formschöne Retro-Rad mit bequemem Sattel, neuwertiger Klingel und einem entzückenden Fahrradkörbchen, das jedem Radfahrer schmeicheln würde und pfeilschnell über die Straßen gleitet, ist für schlappe 400 Pula - nur heute! im Sonderangebot ..." Also, das sagte ich nicht. Trotzdem verlud Pelo mein Fahrrad nach einem sehr kurzen Verkaufsgespräch in seinen Kofferraum. Für seine Frau. Davor war er Probe gefahren und es hatte hinten einen Platten, den wir auf die Schnelle auch nicht erfolgreich aufgepumpt bekamen, aber das störte ihn nicht. Ich dagegen fand, dass ich ein gutes Geschäft gemacht hatte - vor sechs oder sieben Jahren habe ich für das Rad auf dem Flohmarkt 40,- € gezahlt und es jetzt für 32,- € weiterverkauft. Pelo hätte auch noch großes Interesse an Philips Rad gehabt, aber so spontan wusste ich nicht, was Philip dafür haben wollte. Ich habe ihm dann später wie vereinbart den Preis gewhatsappt - ca. das Zehnfache von meinem Rad, aber Philip hat eben auch kein altes Damenrad vom Flohmarkt ... seitdem habe ich nichts mehr von Pelo gehört. Ob er mir wohl noch ein Umzugsangebot schickt?
In meinem früheren Job habe ich gelernt, dass es bei Auftritten wichtig ist, dass der Künstler in seiner Rolle bleiben kann. Wenn er als Moderator gebucht ist, sollte er nicht zwischendurch noch eine halbe Stunde Standup-Comedy machen müssen. Sowas funktioniert in der Regel nicht wirklich gut und verwirrt das Publikum. In diesem Fall war ich tatsächlich verwirrt als potentielle Umzugskundin, die plötzlich zur Verkäuferin wurde. Es ist natürlich ganz nett, das alte Fahrrad schon losgeworden zu sein, aber irgendwie waren Pelo und ich so ziemlich vom Umzugsthema abgekommen. Zumindest war ich am nächsten Nachmittag schon etwas routinierter: Lebo von Umzugsfirma Nummer 3 fand zunächst Gefallen an einem alten Klappstuhl in unserem Gästezimmer und dann noch an unserem Campingtisch. Dessen Plastikoberfläche hatte auf unseren letzten Touren etwas gelitten und war nicht mehr sauber zu bekommen. Sie fragte, ob ich es mit dem hiesigen Putzmittel "Handy Andy" probiert hätte (ich hatte allerdings bislang nur mit Spüli geschrubbt). Und so wischten wir schließlich beide mit "Handy Andy" an dem Tisch herum (der tatsächlich sauberer wurde!) während sie mir erzählte, dass dieser eine gute Größe für ihr geplantes mobiles Nagelstudio hätte. Tja. Vielleicht kauft Lebo uns am Freitag auch noch meinen alten Ikea-Schrank mit Nachttisch ab, ich habe ihr auf jeden Fall Fotos gewhatsAppt, damit sie sie ihrem Mann zeigen kann. Später schrieb sie mir noch, was eigentlich die Zieladresse für unseren Umzug sei - stimmt, das hatten wir gar nicht mehr besprochen. Mir fiel dafür später auf, dass Philip und ich den Campingtisch für die nächste Woche (wir machen Campingurlaub in Südafrika) noch ziemlich gut hätten brauchen können. Aber jetzt leiht uns Philips Chef seinen. Und falls er schmutzig wird, schrubbe ich ihn danach mit "Handy Andy" sauber ...
Vermutlich werden wir mit Umzugsfirma Nummer zwei umziehen. Herr Henriksen, der skandinavische Wurzeln hat und sich mir als der letzte Rhodesier vorstellte, brachte mir einen Folder mit Informationen mit und erklärte mir erstmal eine Viertelstunde, wie sein Unternehmen arbeitet, bevor wir einen Hausdurchgang machten. Kaufinteresse hatte er keinerlei, dafür war er der einzige, der unserem Beiladungswunsch nicht völlig hilflos gegenüberstand und dem "Austria" immerhin etwas sagte (wir wollen für einen von Philips Kollegen eine Kiste mitumziehen, die dann nach Salzburg weitergeschickt werden soll). Vermutlich wird seine Firma die teuerste sein, aber er hat einen meilenweit besseren Eindruck bei mir hinterlassen. In der Hoffnung, vielleicht noch ein ähnlich professionelles Unternehmen zum Vergleich zu finden, habe ich gestern dann noch eine vierte Umzugsfirma kontaktiert. Falls sie doch nicht in Frage kommen sollten, kaufen sie mir vielleicht zumindest noch etwas ab!
Philip und ich planen, die Mehrzahl unserer Möbel zu verkaufen. Einige Verkäufe sind schon fix vereinbart, eine Liste mit allem Übrigen wollen wir ab Mitte Januar über den GIZ-Verteiler jagen. Insofern musste ich in jedem Raum erklären, was bereits verkauft ist, was wir bestimmt verkaufen werden, was wir vermutlich und was auf jeden Fall nach Deutschland mitnehmen. An dieser Stelle möchte ich kurz betonen, dass das ungefähr so klang: "Dieses Regal hier ist verkauft, das Fahrrad will ich noch verkaufen und die leeren Blumenkübel nehmen wir mit nach Deutschland." Ich sagte also NICHT: "Dieses Regal hier ist verkauft, aber dieses formschöne Retro-Rad mit bequemem Sattel, neuwertiger Klingel und einem entzückenden Fahrradkörbchen, das jedem Radfahrer schmeicheln würde und pfeilschnell über die Straßen gleitet, ist für schlappe 400 Pula - nur heute! im Sonderangebot ..." Also, das sagte ich nicht. Trotzdem verlud Pelo mein Fahrrad nach einem sehr kurzen Verkaufsgespräch in seinen Kofferraum. Für seine Frau. Davor war er Probe gefahren und es hatte hinten einen Platten, den wir auf die Schnelle auch nicht erfolgreich aufgepumpt bekamen, aber das störte ihn nicht. Ich dagegen fand, dass ich ein gutes Geschäft gemacht hatte - vor sechs oder sieben Jahren habe ich für das Rad auf dem Flohmarkt 40,- € gezahlt und es jetzt für 32,- € weiterverkauft. Pelo hätte auch noch großes Interesse an Philips Rad gehabt, aber so spontan wusste ich nicht, was Philip dafür haben wollte. Ich habe ihm dann später wie vereinbart den Preis gewhatsappt - ca. das Zehnfache von meinem Rad, aber Philip hat eben auch kein altes Damenrad vom Flohmarkt ... seitdem habe ich nichts mehr von Pelo gehört. Ob er mir wohl noch ein Umzugsangebot schickt?
In meinem früheren Job habe ich gelernt, dass es bei Auftritten wichtig ist, dass der Künstler in seiner Rolle bleiben kann. Wenn er als Moderator gebucht ist, sollte er nicht zwischendurch noch eine halbe Stunde Standup-Comedy machen müssen. Sowas funktioniert in der Regel nicht wirklich gut und verwirrt das Publikum. In diesem Fall war ich tatsächlich verwirrt als potentielle Umzugskundin, die plötzlich zur Verkäuferin wurde. Es ist natürlich ganz nett, das alte Fahrrad schon losgeworden zu sein, aber irgendwie waren Pelo und ich so ziemlich vom Umzugsthema abgekommen. Zumindest war ich am nächsten Nachmittag schon etwas routinierter: Lebo von Umzugsfirma Nummer 3 fand zunächst Gefallen an einem alten Klappstuhl in unserem Gästezimmer und dann noch an unserem Campingtisch. Dessen Plastikoberfläche hatte auf unseren letzten Touren etwas gelitten und war nicht mehr sauber zu bekommen. Sie fragte, ob ich es mit dem hiesigen Putzmittel "Handy Andy" probiert hätte (ich hatte allerdings bislang nur mit Spüli geschrubbt). Und so wischten wir schließlich beide mit "Handy Andy" an dem Tisch herum (der tatsächlich sauberer wurde!) während sie mir erzählte, dass dieser eine gute Größe für ihr geplantes mobiles Nagelstudio hätte. Tja. Vielleicht kauft Lebo uns am Freitag auch noch meinen alten Ikea-Schrank mit Nachttisch ab, ich habe ihr auf jeden Fall Fotos gewhatsAppt, damit sie sie ihrem Mann zeigen kann. Später schrieb sie mir noch, was eigentlich die Zieladresse für unseren Umzug sei - stimmt, das hatten wir gar nicht mehr besprochen. Mir fiel dafür später auf, dass Philip und ich den Campingtisch für die nächste Woche (wir machen Campingurlaub in Südafrika) noch ziemlich gut hätten brauchen können. Aber jetzt leiht uns Philips Chef seinen. Und falls er schmutzig wird, schrubbe ich ihn danach mit "Handy Andy" sauber ...
Vermutlich werden wir mit Umzugsfirma Nummer zwei umziehen. Herr Henriksen, der skandinavische Wurzeln hat und sich mir als der letzte Rhodesier vorstellte, brachte mir einen Folder mit Informationen mit und erklärte mir erstmal eine Viertelstunde, wie sein Unternehmen arbeitet, bevor wir einen Hausdurchgang machten. Kaufinteresse hatte er keinerlei, dafür war er der einzige, der unserem Beiladungswunsch nicht völlig hilflos gegenüberstand und dem "Austria" immerhin etwas sagte (wir wollen für einen von Philips Kollegen eine Kiste mitumziehen, die dann nach Salzburg weitergeschickt werden soll). Vermutlich wird seine Firma die teuerste sein, aber er hat einen meilenweit besseren Eindruck bei mir hinterlassen. In der Hoffnung, vielleicht noch ein ähnlich professionelles Unternehmen zum Vergleich zu finden, habe ich gestern dann noch eine vierte Umzugsfirma kontaktiert. Falls sie doch nicht in Frage kommen sollten, kaufen sie mir vielleicht zumindest noch etwas ab!
Donnerstag, 27. September 2018
Bierfest statt Buchfest
In Gaborone fand dieses Jahr erstmals ein Buchfestival statt! Wie toll ist das denn, in einer Stadt, in der gerade der einzige, noch dazu recht kleine Buchladen geschlossen hat. Klar, dass passionierte Buchblogger dort hingehen müssen!
Oder? Na ja, es gab am gleichen Tag auch eine Konkurrenzveranstaltung, von der wir - leider? - bereits vor dem Buchfestival erfahren hatten, denn die deutsche Botschaft machte ordentlich Werbung dafür und behauptete auch gefühlt wochenlang, die Tickets wären bereits fast ausverkauft ... Erstmalig fand am vergangenen Samstag ein Bierfest statt, und zwar auf dem Gelände des Golfclubs, wohin die deutsche Botschaft dieses Jahr auch schon für die (wenigen) deutschen WM-Spiele zum Public Viewing eingeladen hatte. Nachdem wir letztes Jahr schon das größte Oktoberfest Afrikas in Windhoek besucht hatten, zog es uns also dieses Jahr zum größten Oktoberfest Gaborones (ein weiteres ist uns hier allerdings auch nicht bekannt), schlicht Bierfest genannt. Immerhin startete das hiesige Bierfest am gleichen Tag wie das Münchner Original. Über Freunde an der Botschaft kauften wir sündhaft teure Tickets - tatsächlich stellten wir erst am Tag vor der Veranstaltung fest, dass für uns die doppelt so teuren VIP-Tickets besorgt worden waren. Man gönnt sich ja sonst nichts. Leider konnten wir uns nicht VIP-mäßig anziehen, da uns doch tatsächlich Dirndl und Lederhose fehlten. Bei anderen Familien kamen jeweils Vater-Söhne und Mutter-Töchter im jeweiligen Einheitslook mit gleichen Hemden zur Lederhose bzw. gleichem Dirndl. Für den nächsten Auslandsaufenthalt sollten wir uns wohl besser vorbereiten. Über die Dirndl- und Lederhosendichte der Besucher waren wir doch überrascht, umso mehr, als wir viele der Besucher gar nicht kannten (und so vermuteten, dass nicht nur Deutsche die bayerische Traditionskleidung trugen). Zwei Besucher kamen sogar mit Robin Hood-Kappen inklusiver langer Federn und einigen reichte es auch, sich einen Bierkrug aus Schaumstoff auf den Kopf zu setzen.
Das Bierfest an sich war, nun ja, nicht sonderlich spektakulär. Auffällig war, dass man am Eingang wählen konnte, ob man ein Weinglas oder ein Bierglas haben wollte. Wir entschieden uns für Weingläser. Der Wein war jedoch ungekühlt und in der Sonne gelagert; auf den wohl sehr süßen warmen Weißwein verzichteten wir, aber auch der Rotwein war deutlich über Genusstemperatur. Wer kommt eigentlich auf die Idee, auf einem Bierfest Wein zu konsumieren? An Bieren gab es eine größere Auswahl als an Weinen, Craft Bier wurde ebenso angeboten wie "Kölsch-like Beer". Und zum Essen gab es neben Leberkäse auch Weißwürste, Brezeln und Sauerkraut - eben fast alles, was man sich bei einem Bierfest so vorstellen kann (oder auch nicht).
Die Musik - glücklicherweise nicht die klassische Oktoberfestmusik - war etwas laut; zumindest, wenn man sein Gegenüber noch verstehen wollte. Ein Spaziergang über die Greens des Golfplatzes war leider nicht vorgesehen. So unterhielten wir uns, so gut es ging, an unserem VIP-Tisch mit Freunden und Bekannten, bis wir schließlich beschlossen, wieder nach Hause zu fahren.
Mal schauen, welches Oktoberfest wir nächstes Jahr besuchen! (Oder wird es statt einem Bierfest doch die Frankfurter Buchmesse? Anmerkung Walli: Auf jeden Fall!!!)
Oder? Na ja, es gab am gleichen Tag auch eine Konkurrenzveranstaltung, von der wir - leider? - bereits vor dem Buchfestival erfahren hatten, denn die deutsche Botschaft machte ordentlich Werbung dafür und behauptete auch gefühlt wochenlang, die Tickets wären bereits fast ausverkauft ... Erstmalig fand am vergangenen Samstag ein Bierfest statt, und zwar auf dem Gelände des Golfclubs, wohin die deutsche Botschaft dieses Jahr auch schon für die (wenigen) deutschen WM-Spiele zum Public Viewing eingeladen hatte. Nachdem wir letztes Jahr schon das größte Oktoberfest Afrikas in Windhoek besucht hatten, zog es uns also dieses Jahr zum größten Oktoberfest Gaborones (ein weiteres ist uns hier allerdings auch nicht bekannt), schlicht Bierfest genannt. Immerhin startete das hiesige Bierfest am gleichen Tag wie das Münchner Original. Über Freunde an der Botschaft kauften wir sündhaft teure Tickets - tatsächlich stellten wir erst am Tag vor der Veranstaltung fest, dass für uns die doppelt so teuren VIP-Tickets besorgt worden waren. Man gönnt sich ja sonst nichts. Leider konnten wir uns nicht VIP-mäßig anziehen, da uns doch tatsächlich Dirndl und Lederhose fehlten. Bei anderen Familien kamen jeweils Vater-Söhne und Mutter-Töchter im jeweiligen Einheitslook mit gleichen Hemden zur Lederhose bzw. gleichem Dirndl. Für den nächsten Auslandsaufenthalt sollten wir uns wohl besser vorbereiten. Über die Dirndl- und Lederhosendichte der Besucher waren wir doch überrascht, umso mehr, als wir viele der Besucher gar nicht kannten (und so vermuteten, dass nicht nur Deutsche die bayerische Traditionskleidung trugen). Zwei Besucher kamen sogar mit Robin Hood-Kappen inklusiver langer Federn und einigen reichte es auch, sich einen Bierkrug aus Schaumstoff auf den Kopf zu setzen.
Das Bierfest an sich war, nun ja, nicht sonderlich spektakulär. Auffällig war, dass man am Eingang wählen konnte, ob man ein Weinglas oder ein Bierglas haben wollte. Wir entschieden uns für Weingläser. Der Wein war jedoch ungekühlt und in der Sonne gelagert; auf den wohl sehr süßen warmen Weißwein verzichteten wir, aber auch der Rotwein war deutlich über Genusstemperatur. Wer kommt eigentlich auf die Idee, auf einem Bierfest Wein zu konsumieren? An Bieren gab es eine größere Auswahl als an Weinen, Craft Bier wurde ebenso angeboten wie "Kölsch-like Beer". Und zum Essen gab es neben Leberkäse auch Weißwürste, Brezeln und Sauerkraut - eben fast alles, was man sich bei einem Bierfest so vorstellen kann (oder auch nicht).
Die Musik - glücklicherweise nicht die klassische Oktoberfestmusik - war etwas laut; zumindest, wenn man sein Gegenüber noch verstehen wollte. Ein Spaziergang über die Greens des Golfplatzes war leider nicht vorgesehen. So unterhielten wir uns, so gut es ging, an unserem VIP-Tisch mit Freunden und Bekannten, bis wir schließlich beschlossen, wieder nach Hause zu fahren.
Mal schauen, welches Oktoberfest wir nächstes Jahr besuchen! (Oder wird es statt einem Bierfest doch die Frankfurter Buchmesse? Anmerkung Walli: Auf jeden Fall!!!)
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Samstag, 22. September 2018
Ein Koffer voller Klopapier
Naturgemäß muss man im Ausland auf einige Produkte aus der Heimat verzichten. Es ist ja allgemein bekannt, dass Deutsche oft die heimische Brotauswahl vermissen, manche sehnen sich auch nach deutschem Bier. Auch Philip und ich kaufen immer eine ganze Reihe von Dingen ein, die wir in Botwana entweder gar nicht oder nur sehr viel teurer bekommen. Meine Gesichtscreme von Nivea gibt es hier zum Beispiel in den meisten Supermärkten, sie kostet aber fast das Doppelte. Bei Shampoo und Conditioner verhält es sich so ähnlich, von Zahnpasta oder Haarfärbemittel will ich gar nicht erst anfangen. Zu meinen Deutschland-Besuchen gehört daher immer ein ausgiebiger dm- oder Rossmann-Einkauf.
Für Außenstehende mögen unsere Einkäufe mitunter seltsam aussehen. Am dritten Tag meines Aufenthaltes kaufte ich zwei Packungen Ameisengift, dreimal zartbitteren Schokoguss und 34 Rollen Klopapier. Klopapier gibt es natürlich auch in Botswana (Ameisengift übrigens auch, aber ich wollte mal was anderes testen - vielleicht gelingt es mir mit fremdländischem Gift eher, die botswanischen Ameisen in unserer Küche zu überraschen und auszurotten ...). Meine Mutter hat einst festgestellt, dass sogar im ganzen Land vornehmlich eine Sorte verwendet wird: Die, auf der kleine Hündchen eingestanzt sind. Optisch ist gegen das Klopapier nichts zu sagen, aber es ist nur zweilagig. (Wird in Deutschland überhaupt zweilagiges Toilettenpapier verkauft? Ich glaube nicht.) Zwei Lagen sind nicht viel. Man gewöhnt sich zwar dran, aber drei sind schöner. Glaubt mir einfach.
Man kann auch mit zweilagigem Klopapier auskommen, aber Philip und ich hatten in einem unserer Koffer sehr viel Platz. Wir waren nämlich mit drei Koffern nach Deutschland gereist, wobei der dritte in erster Linie unsere Winterklamotten enthielt. Da nicht davon auszugehen ist, dass wir im nächsten botswanischen Winter (der im Mai beginnen wird) noch hier sind, haben wir schon einmal einen Teil unserer warmen Sachen zurück nach Deutschland geschafft. Den Koffer wollten wir aber gerne wieder mitnehmen. Einen leeren oder fast leeren Koffer im Flugzeug zu transportieren, ist allerdings nicht ratsam, der ist instabil und kann leicht kaputtgehen. Und so kam Philip auf die Idee, unsere hiesige Klopapier-Situation zu verbessern.
Ein paar schwere Teile kamen auch noch in den Klopapier-Koffer. Zum Beispiel Ersatzteile für unseren Schluckspecht (zu den jüngsten Reparatur-Erfahrungen siehe Teil 1 und Teil 2), die mir die Volvo-Werkstatt in Euskirchen innerhalb eines halben Tages bestellte. Nachdem ich anfangs noch souverän aufgetreten war ("ich habe einen XC90, der steht allerdings in Afrika"), verlor ich angesichts dieser sensationell kurzen Lieferzeit doch meine Coolness. Mein Vater meinte, er hätte mich schon lange nicht mehr so glücklich gesehen.
Und so sind Philip und ich nach einem kurzen, aber erfüllten Deutschland-Aufenthalt am letzten Samstag wieder zurück nach Gaborone geflogen - unter anderem mit einem Koffer voller Klopapier. Ich war ganz dankbar, dass Philip diesen dabei hatte (wir flogen zwar am gleichen Abend, aber in getrennten Flugzeugen). Hier kann es ja immer passieren, dass man mit dem Zoll über den Inhalt seines Koffers diskutieren muss und dass wir jetzt neben dem üblichen Brot, Käse und Drogeriekram auch Klopapier und Autoersatzteile mit uns mitschleppten, hätte sicher Fragen aufgeworfen. Aber der Zoll verschonte uns. Vermutlich sind wir jetzt der Haushalt mit der größten Klopapier-Auswahl Botswanas!
Für Außenstehende mögen unsere Einkäufe mitunter seltsam aussehen. Am dritten Tag meines Aufenthaltes kaufte ich zwei Packungen Ameisengift, dreimal zartbitteren Schokoguss und 34 Rollen Klopapier. Klopapier gibt es natürlich auch in Botswana (Ameisengift übrigens auch, aber ich wollte mal was anderes testen - vielleicht gelingt es mir mit fremdländischem Gift eher, die botswanischen Ameisen in unserer Küche zu überraschen und auszurotten ...). Meine Mutter hat einst festgestellt, dass sogar im ganzen Land vornehmlich eine Sorte verwendet wird: Die, auf der kleine Hündchen eingestanzt sind. Optisch ist gegen das Klopapier nichts zu sagen, aber es ist nur zweilagig. (Wird in Deutschland überhaupt zweilagiges Toilettenpapier verkauft? Ich glaube nicht.) Zwei Lagen sind nicht viel. Man gewöhnt sich zwar dran, aber drei sind schöner. Glaubt mir einfach.
Man kann auch mit zweilagigem Klopapier auskommen, aber Philip und ich hatten in einem unserer Koffer sehr viel Platz. Wir waren nämlich mit drei Koffern nach Deutschland gereist, wobei der dritte in erster Linie unsere Winterklamotten enthielt. Da nicht davon auszugehen ist, dass wir im nächsten botswanischen Winter (der im Mai beginnen wird) noch hier sind, haben wir schon einmal einen Teil unserer warmen Sachen zurück nach Deutschland geschafft. Den Koffer wollten wir aber gerne wieder mitnehmen. Einen leeren oder fast leeren Koffer im Flugzeug zu transportieren, ist allerdings nicht ratsam, der ist instabil und kann leicht kaputtgehen. Und so kam Philip auf die Idee, unsere hiesige Klopapier-Situation zu verbessern.
Ein paar schwere Teile kamen auch noch in den Klopapier-Koffer. Zum Beispiel Ersatzteile für unseren Schluckspecht (zu den jüngsten Reparatur-Erfahrungen siehe Teil 1 und Teil 2), die mir die Volvo-Werkstatt in Euskirchen innerhalb eines halben Tages bestellte. Nachdem ich anfangs noch souverän aufgetreten war ("ich habe einen XC90, der steht allerdings in Afrika"), verlor ich angesichts dieser sensationell kurzen Lieferzeit doch meine Coolness. Mein Vater meinte, er hätte mich schon lange nicht mehr so glücklich gesehen.
Und so sind Philip und ich nach einem kurzen, aber erfüllten Deutschland-Aufenthalt am letzten Samstag wieder zurück nach Gaborone geflogen - unter anderem mit einem Koffer voller Klopapier. Ich war ganz dankbar, dass Philip diesen dabei hatte (wir flogen zwar am gleichen Abend, aber in getrennten Flugzeugen). Hier kann es ja immer passieren, dass man mit dem Zoll über den Inhalt seines Koffers diskutieren muss und dass wir jetzt neben dem üblichen Brot, Käse und Drogeriekram auch Klopapier und Autoersatzteile mit uns mitschleppten, hätte sicher Fragen aufgeworfen. Aber der Zoll verschonte uns. Vermutlich sind wir jetzt der Haushalt mit der größten Klopapier-Auswahl Botswanas!
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Freitag, 23. Februar 2018
Pre-paid Ampeln
Von pre-paid Handys haben sicherlich viele schon einmal gehört. Das war (und ist?) in Deutschland weit verbreitet; in Afrika gibt es kaum etwas anderes. Mein Diensthandy ist ein post-paid-Handy, d.h. mit Vertrag und Rechnung und man zahlt nach Rechnungserhalt (falls man sie denn erhält) - aber der Service des (internationalen!) Mobilfunkanbieters Orange ist so schlecht, dass wir demnächst auch wieder auf pre-paid umsteigen werden. So sieht das also aus hier in Afrika.
Neben den pre-paid Handys gibt es hier auch noch pre-paid Strom. Für mich ist das nicht wirklich überraschend, denn das hatte ich bei meinem Auslandsaufenthalt in Ghana auch schon (darum haben wir wohl bisher auch hier nicht davon geschrieben). Im Carport hängt der Stromzähler, an dem können wir sehen, wieviel Guthaben wir noch haben. Wenn das Guthaben auf Null absinkt, dann wird der Strom im Haus abgeschaltet. Das ist uns glücklicherweise bisher nur einmal passiert, dummerweise allerdings während des Brotbackens. Dann denkt man erst einmal, das sei ein normaler Stromausfall des Stromanbieters hier (obwohl die mittlerweile gar nicht mehr so häufig sind). Und irgendwann schaut man dann nach und stellt fest, dass man kein Guthaben mehr hat. Wenn man pre-paid Strom kaufen will, geht man in den Supermarkt: "Ich hätte gerne für 200 Pula Strom." Dann erhält man eine Quittung, auf der ein 18-stelliger Code aufgedruckt ist. Diesen Code gibt man - möglichst ohne sich zu vertippen - in den Stromzähler im Carport ein. Und schon bekommt man ein fröhliches Smiley angezeigt, das Lämpchen am Zähler blinkt grün und der Strom fließt wieder.
So weit, so normal. Die botswanische Stromfirma hat so jedenfalls keinen Aufwand, Rechnungen einzutreiben und erhält das Geld für den Strom im Voraus - für die Firma auf jeden Fall praktisch, aber auch für uns als Bewohner mit relativ wenig Aufwand verbunden.
Letztes Wochenende waren wir auf einer Party eingeladen, auf der wir auch den deutschen Chef der botswanischen Stromfirma kennenlernten. Er hat seinen Job vor einem Jahr angetreten - und erst einmal feststellen müssen, dass der botswanische Staat enorme Zahlungsrückstände für unbeglichene Stromrechnungen hat, Geld, das die Firma wohl kaum noch erhalten wird. Und so begann das Unternehmen, im vergangenen Jahr auch in staatlichen Einrichtungen pre-paid Stromzähler zu installieren. Das führt durchaus auch mal zu unguten Situationen, wenn im Krankenhaus das Licht ausgeht - aber auf einmal wird auch von offizieller Stelle für Strom gezahlt. Und der Chef der Stromfirma erhält gelegentlich Einladungen auf einen (nicht ganz freundlichen) Plausch mit dem Präsidenten. In den letzten Monaten hat das Unternehmen nun begonnen, an jeder einzelnen Ampel in Gaborone einen pre-paid Stromzähler zu installieren. Man wundert sich schon gelegentlich, dass manche Ampeln nicht funktionieren - nun erfuhren wir, dass dies vor allem am Ende des Monats der Fall ist, wenn die Polizei mal wieder nicht genügend Geld hat, Strom für die Ampeln zu kaufen. Klingt nach Satire? Ist es aber nicht. Immerhin, die Stromfirma kommt so an ihr Geld ... Und bei den vielen Ampeln in Gaborone schadet es doch nicht, wenn einzelne mal nicht funktionieren, oder? Sind doch noch genügend andere da!
Neben den pre-paid Handys gibt es hier auch noch pre-paid Strom. Für mich ist das nicht wirklich überraschend, denn das hatte ich bei meinem Auslandsaufenthalt in Ghana auch schon (darum haben wir wohl bisher auch hier nicht davon geschrieben). Im Carport hängt der Stromzähler, an dem können wir sehen, wieviel Guthaben wir noch haben. Wenn das Guthaben auf Null absinkt, dann wird der Strom im Haus abgeschaltet. Das ist uns glücklicherweise bisher nur einmal passiert, dummerweise allerdings während des Brotbackens. Dann denkt man erst einmal, das sei ein normaler Stromausfall des Stromanbieters hier (obwohl die mittlerweile gar nicht mehr so häufig sind). Und irgendwann schaut man dann nach und stellt fest, dass man kein Guthaben mehr hat. Wenn man pre-paid Strom kaufen will, geht man in den Supermarkt: "Ich hätte gerne für 200 Pula Strom." Dann erhält man eine Quittung, auf der ein 18-stelliger Code aufgedruckt ist. Diesen Code gibt man - möglichst ohne sich zu vertippen - in den Stromzähler im Carport ein. Und schon bekommt man ein fröhliches Smiley angezeigt, das Lämpchen am Zähler blinkt grün und der Strom fließt wieder.
So weit, so normal. Die botswanische Stromfirma hat so jedenfalls keinen Aufwand, Rechnungen einzutreiben und erhält das Geld für den Strom im Voraus - für die Firma auf jeden Fall praktisch, aber auch für uns als Bewohner mit relativ wenig Aufwand verbunden.
Letztes Wochenende waren wir auf einer Party eingeladen, auf der wir auch den deutschen Chef der botswanischen Stromfirma kennenlernten. Er hat seinen Job vor einem Jahr angetreten - und erst einmal feststellen müssen, dass der botswanische Staat enorme Zahlungsrückstände für unbeglichene Stromrechnungen hat, Geld, das die Firma wohl kaum noch erhalten wird. Und so begann das Unternehmen, im vergangenen Jahr auch in staatlichen Einrichtungen pre-paid Stromzähler zu installieren. Das führt durchaus auch mal zu unguten Situationen, wenn im Krankenhaus das Licht ausgeht - aber auf einmal wird auch von offizieller Stelle für Strom gezahlt. Und der Chef der Stromfirma erhält gelegentlich Einladungen auf einen (nicht ganz freundlichen) Plausch mit dem Präsidenten. In den letzten Monaten hat das Unternehmen nun begonnen, an jeder einzelnen Ampel in Gaborone einen pre-paid Stromzähler zu installieren. Man wundert sich schon gelegentlich, dass manche Ampeln nicht funktionieren - nun erfuhren wir, dass dies vor allem am Ende des Monats der Fall ist, wenn die Polizei mal wieder nicht genügend Geld hat, Strom für die Ampeln zu kaufen. Klingt nach Satire? Ist es aber nicht. Immerhin, die Stromfirma kommt so an ihr Geld ... Und bei den vielen Ampeln in Gaborone schadet es doch nicht, wenn einzelne mal nicht funktionieren, oder? Sind doch noch genügend andere da!
Donnerstag, 25. Januar 2018
Deutsche Landeskunde zum Frühstück
Zu Weihnachten 2016 bekamen Philip und ich von meiner Mutter einen Tagesabreisskalender geschenkt: "Der große Deutschland-Test 2017" vom Harenberg Verlag war als Gag für uns "Auswanderer" gemeint, wuchs uns jedoch schnell ans Herz. Jeden Morgen beim Frühstück widmeten wir uns einer Deutschland-Frage, einige davon stammten sogar aus dem Einbürgerungstest. Diese konnten wir glücklicherweise immer beantworten, mit anderen Fragen waren wir aber nicht so erfolgreich. Skurrile Volksfeste, maximal regional bekannte Denkmäler, nie gehörte Dialekte - nichts blieb uns erspart! Von Joachim Gaucks Geburtsort über die giftigste Pflanze Europas bis hin zu Ludwig van Beethovens einziger Oper - wir wussten, rieten und lernten. Ab und an gab es immerhin drei Auswahlmöglichkeiten, so dass wir manchmal auch bloße Zufallstreffer landeten.
Am Ende des Kalenders gab es eine Ankreuztabelle, in die ich jeden Morgen gewissenhaft eintrug, ob einer von uns (oder sogar beide) die richtige Antwort gewusst hatte(n). Waren wir auf Reisen, kam der Kalender nicht zum Einsatz - um so schöner war es dann, bei späteren Frühstücken gleich mehrere Fragen auf einmal beantworten zu können. Und da sich auf der Rückseite des jeweiligen Kalenderblattes immer eine ausführliche Erklärung zur Auflösung befand, lernten wir hier und da auch noch etwas dazu. (Wobei ich zugegebenermaßen auch vieles gleich wieder vergessen habe. Gaucks Geburtsort ist übrigens Rostock, die giftigste Pflanze Europas Eisenhut und Beethovens einzige Oper Fidelio.)
Anfang diesen Jahres, als wir nach unserem Heimaturlaub zurück nach Botswana kamen, schlug dann die Stunde der Wahrheit: Ich zählte die Summe unserer richtigen Antworten zur Jahresauswertung zusammen. Das Ergebnis war - ernüchternd. Philip hatte ein paar Treffer mehr als ich gelandet, aber wir fanden uns in der selben Kategorie wieder, deren Text mit den Worten: "Schade! Das können Sie bestimmt noch besser!" begann. Im Weiteren wurde uns der Kauf des 2018er Kalender ans Herz gelegt, den wir uns natürlich schon zu Weihnachten hatten schenken lassen. Und so sitzen wir auch dieses Jahr wieder rätselnd beim Frühstück. Gestern wurde übrigens nach dem Wahlspruch der deutschen Turner gefragt. Während Philip "Hoch auf den Barren" mutmaßte, meinte ich, "Turne bis zur Urne" zumindest schon mal gehört zu haben. Er lautete dann allerdings "Frisch, fromm, fröhlich, frei". Heute konnten wir dann aber wieder beide einen Punkt landen. Neuer Morgen, neues Glück - und das Jahr ist ja noch jung ...
Am Ende des Kalenders gab es eine Ankreuztabelle, in die ich jeden Morgen gewissenhaft eintrug, ob einer von uns (oder sogar beide) die richtige Antwort gewusst hatte(n). Waren wir auf Reisen, kam der Kalender nicht zum Einsatz - um so schöner war es dann, bei späteren Frühstücken gleich mehrere Fragen auf einmal beantworten zu können. Und da sich auf der Rückseite des jeweiligen Kalenderblattes immer eine ausführliche Erklärung zur Auflösung befand, lernten wir hier und da auch noch etwas dazu. (Wobei ich zugegebenermaßen auch vieles gleich wieder vergessen habe. Gaucks Geburtsort ist übrigens Rostock, die giftigste Pflanze Europas Eisenhut und Beethovens einzige Oper Fidelio.)
Anfang diesen Jahres, als wir nach unserem Heimaturlaub zurück nach Botswana kamen, schlug dann die Stunde der Wahrheit: Ich zählte die Summe unserer richtigen Antworten zur Jahresauswertung zusammen. Das Ergebnis war - ernüchternd. Philip hatte ein paar Treffer mehr als ich gelandet, aber wir fanden uns in der selben Kategorie wieder, deren Text mit den Worten: "Schade! Das können Sie bestimmt noch besser!" begann. Im Weiteren wurde uns der Kauf des 2018er Kalender ans Herz gelegt, den wir uns natürlich schon zu Weihnachten hatten schenken lassen. Und so sitzen wir auch dieses Jahr wieder rätselnd beim Frühstück. Gestern wurde übrigens nach dem Wahlspruch der deutschen Turner gefragt. Während Philip "Hoch auf den Barren" mutmaßte, meinte ich, "Turne bis zur Urne" zumindest schon mal gehört zu haben. Er lautete dann allerdings "Frisch, fromm, fröhlich, frei". Heute konnten wir dann aber wieder beide einen Punkt landen. Neuer Morgen, neues Glück - und das Jahr ist ja noch jung ...
Donnerstag, 4. Januar 2018
Safari-Sandalen?
Unser Deutschland-Aufenthalt neigt sich schon wieder dem Ende zu. Zwei bzw. drei Wochen sind seit unserer Ankunft vergangen, nun steht der Rückflug an. Wir sind dankbar für die Zeit in Deutschland, es war sehr schön, zumindest einige von Euch wiedersehen zu können, deutsches Essen zu genießen, etc.
Allerdings müssen wir auch vermelden, dass wir an der ein oder anderen Stelle einen kleinen Kulturschock hatten. Wer hätte das gedacht - fremd im eigenen Land? Man denkt ja immer, man wüsste alles über Deutschland. Und dann: Der Versand eines am Frankfurter Flughafen gestrandeten Koffers dauert eine gute Woche (das hätte ich doch vorurteilsbeladen eher in Afrika erwartet?).
Interessant aber auch, dass Afrika in Deutschland gerade in Mode zu sein scheint. Walli wünschte sich u.a. neue Hausschuhe von Birkenstock zu Weihnachten. Weil wir ohnehin fast in der Nähe waren, fuhren wir im Outlet in Bad Honnef vorbei - und waren erst einmal beeindruckt von der dort gebotenen Auswahl. Besonders auffällig präsentiert wurden Sandalen mit Zebrafell-Optik und -Haptik, ebenso mit Leopardenfell-Imitat ...
Etwas verstörend fanden wir das ja schon - ist das die neue Mode in Deutschland? Und sollte Walli solche Schuhe vielleicht eher auf Safari als zu Hause anziehen? Wie würden wohl unsere botswanischen Landsleute auf die Treter reagieren, wo doch die Jagd dort generell verboten ist? (Anmerkung Walli: Wir werden es nie erfahren, ich habe mich stattdessen für schwarze Lack-Birkenstocks entschieden.)
An unserem letzten Tag in Deutschland in der Frankfurter Filiale von Kaufhof (last-Minute Konsumrausch!) sah ich dann auch noch eine Handtasche in Zebrafell-Optik und -Haptik (und nein, diese war nicht von Birkenstock).
Es gibt also nicht nur Skurriles in Afrika, sondern auch in Deutschland ...
Montag, 27. November 2017
Schwarzer Freitag
Woran denkst Du, wenn Du Schwarzer Freitag liest?
- An Karfreitag
- Das wird wohl ein Freitag der 13. sein
- An die Zeiten des Sklavenhandels, als es dunkelhäutige Sklaven am Schwarzen Freitag zum halben Preis gab
- Shopping
- Den Börsencrash von 1929
Wenn Du genauso verdorben bist wie ich, denkst Du wohl ans Einkaufen (nein, nicht von Sklaven). Gaborone hat, so hörte ich einmal, die höchste Dichte an Einkaufszentren pro Einwohner in Afrika. Eigentlich schon erstaunlich für ein Land, dem es zwar vergleichsweise besser geht als vielen anderen Ländern auf diesem Kontinent, aber in dem doch noch ein größerer Teil der Bevölkerung nicht wirklich als wohlhabend bezeichnet werden kann. Und es werden bereits noch weitere Einkaufszentren gebaut.
Am letzten Freitag war "Black Friday", der Tag nach dem amerikanischen Thanksgiving (das hier nicht gefeiert wird), den viele Amerikaner als Brückentag nehmen, und an dem Geschäfte hohe Rabatte einräumen. Seit 2005 ist es in den USA wohl der Tag im Jahr mit dem höchsten Umsatz im Einzelhandel; er gilt als Indikator fürs anstehende Weihnachtsgeschäft.
Am letzten Freitag war "Black Friday", der Tag nach dem amerikanischen Thanksgiving (das hier nicht gefeiert wird), den viele Amerikaner als Brückentag nehmen, und an dem Geschäfte hohe Rabatte einräumen. Seit 2005 ist es in den USA wohl der Tag im Jahr mit dem höchsten Umsatz im Einzelhandel; er gilt als Indikator fürs anstehende Weihnachtsgeschäft.
Ich hätte also eine Ahnung haben können, dass der "Black Friday" dank der Shopping-Wut der Batswana auch hier eine gewisse Rolle spielen könnte. Und dennoch wurde ich überrascht. Als ich morgens um 8 Uhr ins Büro fuhr, waren die riesigen Parkplätze des nahe gelegenen Shoppingcenters Game City bereits voll, das hatte ich noch nie gesehen. Abends entdeckte ich dann im Internet Bilder des "Game", eines großen Kaufhauses (Mischung aus real und Obi) im Game City Einkaufszentrum.
Dieser Laden öffnete offenbar am Freitag bereits um Mitternacht - und so sah die Schlange vor der Mitternachts-Öffnung aus:
Dieser Laden öffnete offenbar am Freitag bereits um Mitternacht - und so sah die Schlange vor der Mitternachts-Öffnung aus:
Nach dem Ansturm wurde dann dieses Foto aufgenommen:
Eine botswanische Mitarbeiterin von mir hatte sich übrigens kurzfristig den Freitag freigenommen, sie sagte, sie müsse dringende Behördengänge erledigen. Vielleicht kann ich sie damit ein wenig aufziehen, wenn ich sie wiedersehe?
Den "Black Friday" als Einkaufstag hatte ich in Deutschland in den letzten Jahren nicht ganz so stark wahrgenommen - hat sich da etwas geändert, seit wir in Botswana sind? Es heißt, dass Amazon und Apple den Black Friday mittlerweile über den Onlinehandel nach Deutschland gebracht hätten. (Ach ja, liebe Eltern, da müsste demnächst übrigens ein entsprechendes Paket für mich zu Hause ankommen, bitte bewahrt es doch auf ...)
Quelle aller Bilder diesen Eintrags: hier.
Den "Black Friday" als Einkaufstag hatte ich in Deutschland in den letzten Jahren nicht ganz so stark wahrgenommen - hat sich da etwas geändert, seit wir in Botswana sind? Es heißt, dass Amazon und Apple den Black Friday mittlerweile über den Onlinehandel nach Deutschland gebracht hätten. (Ach ja, liebe Eltern, da müsste demnächst übrigens ein entsprechendes Paket für mich zu Hause ankommen, bitte bewahrt es doch auf ...)
Sonntag, 5. November 2017
Oktoberfest!
Manche Leute gehen bis Anfang Oktober aufs Oktoberfest, wir dagegen erst Ende Oktober.
Kürzlich durften wir eine weitere Reise nach Namibia machen, und auf der Fahrt über den Trans-Kalahari-Highway stellten wir fest, dass just an dem Wochenende unseres Windhoek-Aufenthalts ein Oktoberfest veranstaltet werden würde. Eine in Namibia vermutlich etwas skurrile Abend-Unterhaltung, so dachten wir. Und beschlossen, uns das nicht entgehen zu lassen.
Es sei das größte Oktoberfest Afrikas, so verkündete ein Ansager, als wir das größte der Festzelte betraten; gut, das ist vermutlich nicht schwer - und ich kann zumindest bezeugen, dass es tatsächlich deutlich größer war als das Oktoberfest, das ich in Accra ca. 2007 miterlebt habe.
Immerhin haben die Organisatoren auch eine echte Oktoberfestband aus München einfliegen lassen, die "Kirchdorfer". Die spielten dann auch das, was man sich als typische Oktoberfest-Musik vorstellt (wir hatten noch Tage später einen "Atemlos"-Ohrwurm) und riefen in regelmäßigen Abständen "Zicke zacke zicke zacke", worauf ein begeistertes Publikum "Hoi hoi hoi" zurückbrüllte. Ein wenig verrückt ist es schon, das in Afrika zu hören, dazu in einem geschmückten Festzelt, in dem mehr Menschen mit Dirndl oder Lederhosen waren als ohne - ein wenig "underdressed" fühlten wir uns da schon in unseren Freizeit-Safari-Outfits. Da kamen uns die Namibianer doch irgendwie deutscher vor als wir uns selbst ... und dann wurde auch noch vor der Bühne Schuhplattler getanzt.
Festbier gab es, wohl auch aus München importiert, dazu lokales Bier aus Windhoek. Wir sprachen beidem reichlich zu, da uns etwas spät auffiel, dass die gekauften Bons nur für Getränke, aber nicht für Speisen eingelöst werden konnten ... Echte Oktoberfestbedienungen waren nicht mit eingeflogen worden, so dass wir zur Beschaffung von Getränken und Speisen viel auf dem Festgelände unterwegs waren. Auch die Speisekarte war übrigens durchaus bayrisch geprägt:
Wir bekamen also das volle Programm ab. Na ja, fast - was wir verpassten: Am nächsten Tag hätte es auch noch ein paar Jahrmarkt-Attraktionen gegeben, wie "Hau-den-Lukas" und mechanisches Bullenreiten. Vielleicht dann nächstes Mal?
Kürzlich durften wir eine weitere Reise nach Namibia machen, und auf der Fahrt über den Trans-Kalahari-Highway stellten wir fest, dass just an dem Wochenende unseres Windhoek-Aufenthalts ein Oktoberfest veranstaltet werden würde. Eine in Namibia vermutlich etwas skurrile Abend-Unterhaltung, so dachten wir. Und beschlossen, uns das nicht entgehen zu lassen.
Es sei das größte Oktoberfest Afrikas, so verkündete ein Ansager, als wir das größte der Festzelte betraten; gut, das ist vermutlich nicht schwer - und ich kann zumindest bezeugen, dass es tatsächlich deutlich größer war als das Oktoberfest, das ich in Accra ca. 2007 miterlebt habe.
Immerhin haben die Organisatoren auch eine echte Oktoberfestband aus München einfliegen lassen, die "Kirchdorfer". Die spielten dann auch das, was man sich als typische Oktoberfest-Musik vorstellt (wir hatten noch Tage später einen "Atemlos"-Ohrwurm) und riefen in regelmäßigen Abständen "Zicke zacke zicke zacke", worauf ein begeistertes Publikum "Hoi hoi hoi" zurückbrüllte. Ein wenig verrückt ist es schon, das in Afrika zu hören, dazu in einem geschmückten Festzelt, in dem mehr Menschen mit Dirndl oder Lederhosen waren als ohne - ein wenig "underdressed" fühlten wir uns da schon in unseren Freizeit-Safari-Outfits. Da kamen uns die Namibianer doch irgendwie deutscher vor als wir uns selbst ... und dann wurde auch noch vor der Bühne Schuhplattler getanzt.
Festbier gab es, wohl auch aus München importiert, dazu lokales Bier aus Windhoek. Wir sprachen beidem reichlich zu, da uns etwas spät auffiel, dass die gekauften Bons nur für Getränke, aber nicht für Speisen eingelöst werden konnten ... Echte Oktoberfestbedienungen waren nicht mit eingeflogen worden, so dass wir zur Beschaffung von Getränken und Speisen viel auf dem Festgelände unterwegs waren. Auch die Speisekarte war übrigens durchaus bayrisch geprägt:
Wir bekamen also das volle Programm ab. Na ja, fast - was wir verpassten: Am nächsten Tag hätte es auch noch ein paar Jahrmarkt-Attraktionen gegeben, wie "Hau-den-Lukas" und mechanisches Bullenreiten. Vielleicht dann nächstes Mal?
Dienstag, 24. Oktober 2017
Wenn der Müllmann gar nicht klingelt
Es ist ein gutes Jahr her, dass ich beschrieben habe, wie das mit der Müllabfuhr in Botswana so läuft. Damals kam die Müllabfuhr oft am Wochenende und ihr morgendliches Klingeln riss uns regelmäßig aus dem Schlaf. Mich hatte gerade das erste Mal ein Müllmann nach Geld gefragt und ich hatte ihm aus Prinzip keins gegeben.
Wie sich die Zeiten ändern ...
Wir haben inzwischen einen recht guten Kontakt zu unserer Nachbarin, was nicht zuletzt an einem Evergreen liegt, über den wir uns jedes Mal angeregt unterhalten, wenn wir uns sehen: "War die Müllabfuhr eigentlich mal wieder da?" Da sie berufstätig und alleinstehend ist, befürchtet sie, sie ständig zu verpassen. Manchmal stellt sie Müllsäcke auf Verdacht raus, aber das ist auch eine Wissenschaft für sich: In den Säcken sollten dann keine Essensreste, Fleischverpackungen etc. sein, diese werden sonst eventuell von Straßenhunden aufgebissen, die den Müll dann in der ganzen Nachbarschaft verteilen. Die ganze Mülltonne auf Verdacht rauszustellen, ist aber auch so eine Sache - einer Kollegin unserer Nachbarin wurde sie tatsächlich geklaut. Tja.
Da ich öfters zu Hause bin, sollte man meinen, dass wir die Müllabfuhr relativ regelmäßig mitbekommen, was aber leider auch nicht der Fall ist. Tatsächlich hatten wir sie fast drei Monate nicht gesehen, bis sie letzte Woche mal wieder kam. Der ein oder andere Blogleser wird sich jetzt denken "Kein Wunder, so oft wie die verreisen!" und tatsächlich waren wir auch immer mal wieder nicht da, aber insbesondere unter der Woche waren wir in den letzten drei Monaten doch meistens in Gaborone. Und die Müllabfuhr hat sich auch abgewöhnt, am Wochenende zu kommen, was unsere Chancen, sie mal abzupassen, doch deutlich hätte erhöhen sollen. Aber irgendwie wart sie nicht mehr gesehen - meine Freundin Ruth vermutete, sie würde vielleicht einfach nicht mehr bei uns klingeln, weil wir so gut wie nie Trinkgeld gegeben hätten. Sie selbst steckt den Müllmännern ab und an 100 Pula zu (ca. 8,30 €), was mir dagegen wieder ziemlich krass vorkommt - so viel verdienen botswanische Hausangestellte in der Regel als Halbtagslohn.
Leider gibt es keinen Ort, an den man seinen Müll selbst hinbringen könnte. Ich fahre ab und an zu einem Recyclinghof, der Glas und Dosen nimmt, aber mehr Möglichkeiten existieren einfach nicht.
Bei meiner Freundin Ruth kommt die Müllabfuhr jeden Dienstag - ein Luxus, der sich nur so erklären lässt, dass sie um die Ecke vom Präsidentenpalast wohnt. Aber auch unser Gärtner Sam - ebenfalls Innenstadt-näher als wir - berichtete, dass die Müllabfuhr in seiner Gegend seit neuestem sogar zweimal die Woche käme! Vielleicht ließen sie unser Viertel dafür einfach aus? Sam litt auf jeden Fall so mit, dass er die Müllabfuhr eines morgens für mich anhielt, als er sie mal zufällig in unserer Straße sah. Leider war es nicht DIE Müllabfuhr, sondern ein privates Entsorgungsunternehmen, das Gartenabfälle mitnimmt. So sind wir jetzt zu einer kostenpflichtigen grünen Tonne gekommen (die allerdings blau ist). Das brachte uns allerdings in Bezug auf den Hausmüll immer noch nicht weiter.
Aber dann, letzten Dienstag, klingelte es. Ich schaute durch die Kamera der Gegensprechanlage und sah - einen Müllmann durch die Straße laufen! Hurra! Ich rannte hinaus, der Müllmann, schon dabei weiterzuziehen, kam zurück und fragte ob ich viel Müll hätte - allerdings, nach drei Monaten - und lud dann die Tonnen aus, die ich auf die Straßen rollte. Ich bat ihn zu warten und suchte nach Kleingeld - soweit ist es gekommen, ich gebe den Müllmännern jetzt schon Geld, ohne dass sie danach fragen müssen. Dummerweise hatte ich nur 9 Pula und gab ihm dafür noch eine kleine Tüte Salzcracker mit (auch eine botswanische Lektion: Was zu essen geht immer). Er zog erfreut von dannen - so erfreut, dass er hoffentlich das nächste Mal wieder klingelt, wenn die Müllabfuhr in der Gegend ist ...
Wie sich die Zeiten ändern ...
Wir haben inzwischen einen recht guten Kontakt zu unserer Nachbarin, was nicht zuletzt an einem Evergreen liegt, über den wir uns jedes Mal angeregt unterhalten, wenn wir uns sehen: "War die Müllabfuhr eigentlich mal wieder da?" Da sie berufstätig und alleinstehend ist, befürchtet sie, sie ständig zu verpassen. Manchmal stellt sie Müllsäcke auf Verdacht raus, aber das ist auch eine Wissenschaft für sich: In den Säcken sollten dann keine Essensreste, Fleischverpackungen etc. sein, diese werden sonst eventuell von Straßenhunden aufgebissen, die den Müll dann in der ganzen Nachbarschaft verteilen. Die ganze Mülltonne auf Verdacht rauszustellen, ist aber auch so eine Sache - einer Kollegin unserer Nachbarin wurde sie tatsächlich geklaut. Tja.
Da ich öfters zu Hause bin, sollte man meinen, dass wir die Müllabfuhr relativ regelmäßig mitbekommen, was aber leider auch nicht der Fall ist. Tatsächlich hatten wir sie fast drei Monate nicht gesehen, bis sie letzte Woche mal wieder kam. Der ein oder andere Blogleser wird sich jetzt denken "Kein Wunder, so oft wie die verreisen!" und tatsächlich waren wir auch immer mal wieder nicht da, aber insbesondere unter der Woche waren wir in den letzten drei Monaten doch meistens in Gaborone. Und die Müllabfuhr hat sich auch abgewöhnt, am Wochenende zu kommen, was unsere Chancen, sie mal abzupassen, doch deutlich hätte erhöhen sollen. Aber irgendwie wart sie nicht mehr gesehen - meine Freundin Ruth vermutete, sie würde vielleicht einfach nicht mehr bei uns klingeln, weil wir so gut wie nie Trinkgeld gegeben hätten. Sie selbst steckt den Müllmännern ab und an 100 Pula zu (ca. 8,30 €), was mir dagegen wieder ziemlich krass vorkommt - so viel verdienen botswanische Hausangestellte in der Regel als Halbtagslohn.
Leider gibt es keinen Ort, an den man seinen Müll selbst hinbringen könnte. Ich fahre ab und an zu einem Recyclinghof, der Glas und Dosen nimmt, aber mehr Möglichkeiten existieren einfach nicht.
Bei meiner Freundin Ruth kommt die Müllabfuhr jeden Dienstag - ein Luxus, der sich nur so erklären lässt, dass sie um die Ecke vom Präsidentenpalast wohnt. Aber auch unser Gärtner Sam - ebenfalls Innenstadt-näher als wir - berichtete, dass die Müllabfuhr in seiner Gegend seit neuestem sogar zweimal die Woche käme! Vielleicht ließen sie unser Viertel dafür einfach aus? Sam litt auf jeden Fall so mit, dass er die Müllabfuhr eines morgens für mich anhielt, als er sie mal zufällig in unserer Straße sah. Leider war es nicht DIE Müllabfuhr, sondern ein privates Entsorgungsunternehmen, das Gartenabfälle mitnimmt. So sind wir jetzt zu einer kostenpflichtigen grünen Tonne gekommen (die allerdings blau ist). Das brachte uns allerdings in Bezug auf den Hausmüll immer noch nicht weiter.
Aber dann, letzten Dienstag, klingelte es. Ich schaute durch die Kamera der Gegensprechanlage und sah - einen Müllmann durch die Straße laufen! Hurra! Ich rannte hinaus, der Müllmann, schon dabei weiterzuziehen, kam zurück und fragte ob ich viel Müll hätte - allerdings, nach drei Monaten - und lud dann die Tonnen aus, die ich auf die Straßen rollte. Ich bat ihn zu warten und suchte nach Kleingeld - soweit ist es gekommen, ich gebe den Müllmännern jetzt schon Geld, ohne dass sie danach fragen müssen. Dummerweise hatte ich nur 9 Pula und gab ihm dafür noch eine kleine Tüte Salzcracker mit (auch eine botswanische Lektion: Was zu essen geht immer). Er zog erfreut von dannen - so erfreut, dass er hoffentlich das nächste Mal wieder klingelt, wenn die Müllabfuhr in der Gegend ist ...
Freitag, 13. Oktober 2017
Verhaftet
Botswanische Autos müssen eine kreisförmige Lizenz hinter der Windschutzscheibe kleben haben. Diese ist immer ein Jahr gültig und muss dann verlängert werden. Für unseren Golf brauchten wir ab Oktober eine neue. Philip entschied sich, die online Verlängerung auszuprobieren, die über die Botswana Post lief. Er scherzte noch, denn unsere Erfahrungen mit der hiesigen Post sind ja eher bescheiden. Allerdings hatten wir bislang auch nur versucht, Briefmarken zu kaufen und Briefe zu verschicken - vielleicht würden sich die Botswana Post ja in Bezug auf andere Dinge als kompetenter erweisen ...
Philip bezahlte das Geld für die neue Jahreslizenz (196 Pula, ca. 16 €) online per Kreditkarte, als wir in Windhoek waren. Nach unserer Rückkehr hofften wir, sie vorzufinden. Waren dann aber beide nicht wirklich überrascht, dass dem nicht so war.
Inzwischen war es schon Oktober. Und am 4. Oktober bin ich dann mit dem Golf in die Innenstadt gefahren, wie ich es öfters tue. Philip fragte noch, ob ich nicht lieber das große Auto mit gültiger Lizenz nehmen wollte, aber ganz ehrlich: Ich war in Gaborone bislang vielleicht zweimal kontrolliert worden. Was sollte schon passieren?
Es war ein typischer Fall von Murphy's Law: Kurz vor meinem Ziel kam ich in eine Straßensperre, in der die Lizenz jedes einzelnen Autos kontrolliert wurde - so eine innerstädtische Kontrolle hatte ich noch nie erlebt. Na ja, und dann ging alles seinen Gang: Ich musste aussteigen, meinen Autoschlüssel abgeben und wurde dann von einem Polizisten in meinem eigenen Auto zur Polizeistation im Stadtteil Broadhurst gefahren. Immerhin war der Polizist recht freundlich. Was eventuell auch daran lag, dass er nebenbei versuchte, Geld für sein Mittagessen von mir zu erschnorren. War das schon ein Bestechungsversuch - wollte er bestochen werden und wie sollte ich reagieren? Allerdings war klar, dass er nur derjenige war, der mich beim zuständigen Revier abliefern sollte - ihm Geld für ein Mittagessen zu geben, hätte mich wohl kaum weitergebracht. Ich wollte allerdings auch nicht ablehnen und ihn verärgern. Außerdem wollte er nur 20 Pula, umgerechnet ca. 1,65 € ... aber ich hatte doch gerade andere Sorgen. Also sagte ich, ich würde erstmal abwarten, welche Strafe ich zahlen müsste - mal schauen, ob ich dann noch Geld übrig hätte. Das sah er dann sogar ein.
Beim Polizeirevier in Broadhurst wurde ich in ein Büro mit ca. acht Polizisten geführt; alle saßen um zwei Tische herum und unterhielten sich angeregt. Mir wurde der einzige freie Stuhl angeboten, ich schilderte dem offensichtlich ranghöchsten Polizisten unsere online Lizenzbestellung, auf die mit Unverständnis reagiert wurde (warum man so etwas denn online bestellen würde?) und sollte mich dann zu einer Polizistin setzen, die handschriftlich ein Protokoll aufnahm. Von Germany hatte sie noch nie etwas gehört und konnte mit der beglaubigten Kopie meines Dienstpasses nur wenig anfangen. (Wir tragen hier standardmäßig eine von der Deutschen Botschaft beglaubigte Passkopie mit uns herum - diese reicht, um sich auszuweisen, und sollten wir doch mal beklaut werden, ist nicht gleich der Originalpass weg.) Das Gespräch war für uns beide mühsam, darüber hinaus schrieb sie sehr langsam. Mich hatten sie vor einen alten Computer gesetzt, der plötzlich ansprang. Auf der geöffneten youtube-Seite erklangen Lobpreislieder. Ich fühlte mich wie im falschen Film, und dann kam auch noch der Polizist, der mich gefahren hatte, ein letztes Mal vorbei, erinnerte mich an sein Mittagessen und schrieb sich meine Telefonnummer auf. Einziger Lichtblick war, dass Philip irgendwann zurückrief und mir dann seine Unterlagen zur Onlinebestelltung der Lizenz mailte. [Einschub Philip: Wenn man aus einer Besprechung kommt und auf seinem auf lautlos gestellten Handy zwölf entgangene Anrufe seiner Frau sieht, weiß man, was man als nächstes zu tun hat: zurückrufen.]
Der zuständige Polizist, der mir die online Lizenzbestellung bislang nicht wirklich abgenommen hatte, schickte mich daraufhin zur nächsten Post, um die Sache zu klären - mein Autoschlüssel, Führerschein und Passkopie wurden allerdings einbehalten. Die Postfiliale war nur gute fünf Minuten entfernt, ein weiterer Mitarbeiter der Behörde zeigte mir den Weg. Nachdem ich erst einmal 20 Minuten Schlange stand, schilderte ich mein Anliegen. Die Dame hinterm Schalter wollte mich zu einer anderen Post in die Innenstadt schicken, auf der Main Mall, mit dem Auto zehn bis 15 Minuten entfernt. Ich machte die Dringlichkeit des Ganzen deutlich, worauf sie sich gute zehn Minuten zum Telefonieren zurückzog. Das Ergebnis: Ich müsste wirklich zur Post auf der Main Mall. Aber immerhin schrieb sie mir noch den Namen einer Person auf, die dort mein Ansprechpartner wäre.
Ich ging erst einmal wieder bei der Polizei vorbei, um diesen Zwischenstand mitzuteilen. Der wortführende Polizist ließ mich ziehen. Ich bat ihn um meine Passkopie, falls ich mich auf der Post ausweisen müsse - er gab sie mir, wies mich aber an, auf jeden Fall wiederzukommen. Sah er tatsächlich Fluchtgefahr? Wegen einer fehlenden Lizenz? Hätte ich die Stadt verlassen wollen, hätte ich ihn vermutlich nicht um die Passkopie gebeten, sondern wäre nach Hause gefahren, wo das Original lag ... das nur am Rande, ich habe es ihm natürlich nicht auseinandergesetzt. Etwas fassungslos, ansatzweise auch ein kleines bisschen amüsiert und vor allem langsam fertig mit den Nerven forderte ich nun doch mal moralische Unterstützung in Form von Philip an, der daraufhin versprach, zur Post auf der Main Mall zu kommen. Dann suchte ich mir ein Taxi.
In Broadhurst lief außer mir niemand Weißes rum, was immerhin den Vorteil hatte, dass schon der erste Taxifahrer bei meinem Anblick spontan beschloss, den Kunden, auf den er eigentlich wartete, zu versetzen - ich war die lohnendere Fahrt und der Preis, den er mir nannte, immerhin nicht unverschämt.
Inzwischen wurde Philip von meinem Ansprechpartner bei der Main Mall-Post angerufen, der anscheinend von der Post in Broadhurst aufgescheut worden war. Er wartete dann tatsächlich auch mit der Lizenz auf Philip, als ich eintraf. Da die Registrierung auf Philip lief und ihm offensichtlich nicht erzählt worden war, dass nicht Philip selbst, sondern dessen Frau in Broadhurst auf der Post gewesen war, wollte er mir die Unterlagen nicht aushändigen, sondern lieber auf Philip warten. Unter anderen Umständen hätte ich das ziemlich albern gefunden, so überwog die positive Überraschung, dass wir die Lizenz jetzt wirklich bekommen würden. Ich verkürzte mir die Wartezeit, in dem ich dem Postmenschen mitteilte, dass uns die Polizei für verrückt hielt, weil wir versucht hätten, die Lizenz online bei der botswanischen Post zu verlängern ... etwas lahm antwortete er, es sei eigentlich ein gutes System, aber bei fünf Prozent der Kunden sei ihnen nicht angezeigt worden, dass diese bezahlt hätten und dann wären die Lizenzen nicht ausgestellt worden. Ach so. Was sollte ich dazu noch sagen? Neben Postzustellung, -beförderung, Auskünften zur Portohöhe und Briefmarkenverkauf gehört offensichtlich auch der Onlinehandel nicht zu den Stärken der Botswana Post.
Nach ein paar Minuten kam Philip, wir erhielten das Dokument und fuhren dann zusammen zurück zur Broadhurster Polizei, wo wir dem diensthabenden Polizisten die Lizenz präsentierten. Darauf kam es zu meiner Lieblingsszene: Er fragte Philip, ob Philip die jetzt schnell besorgt hätte, nachdem ich "arrested" worden wäre, oder ob er sie wirklich schon vorher bestellt hätte. Arrested - wer hätte gedacht, dass ich mal verhaftet werden würde ... Philip konnte einen Zahlungsbeleg vom 23.09. vorweisen. Daraufhin wurde meine Strafe verringert - es waren nun nicht mehr 500 Pula fällig, die Strafe für Fahren ohne gültige Lizenz, sondern nur noch 200 Pula für das Vergehen, die Lizenz nicht dabei gehabt zu haben. Eigentlich war nun also alles geklärt. Es gab nur noch ein letztes verbleibendes Problem: Auf der Polizeistation in Broadhurst hatte man keinen Quittungsblock. Wir mussten daher zur Polizeistation an der Main Mall (die übrigens drei Gehminuten von der Main Mall-Post entfernt ist, von der wir gerade kamen). Eine Polizistin begleitete uns. Immerhin dürften wir nun wieder mit dem Golf fahren.
Nachdem ich 200 Pula gezahlt hatte, brachten wir die Polizistin wieder nach Broadhurst zurück (wobei sie uns einen Umweg fahren ließ - sie wollte nur mal zwei Minuten zu Hause bei ihren Kindern nach dem Rechten schauen). Zwischendurch fragte sie noch, ob wir das Auto verkaufen wollten, sie sei auf der Suche nach einem billigen Wagen.
Zum Abschied schärfte sie mir ein, die neue Plakette sofort an die Windschutzscheibe zu kleben - selbst, wenn sie vorne im Auto lag, würde das so nicht gelten, ich könnte sofort wieder für das gleiche Vergehen verhaftet werden. Ich hatte nun allerdings keine Schere bei mir, um die runde Plakette aus dem DIN A4-Dokument auszuschneiden, von Tesafilm ganz zu schweigen ... also fragte ich sie, ob ich nochmal ins Büro kommen sollte. Sie sagte mir, sie hätten da auch keine Schere. Aber an meinem nächsten Ziel sollte ich mich unbedingt um das Aufkleben der Plakette kümmern. Habe ich dann auch gemacht.
Dieses ganze Hin und Her hat dreieinhalb Stunden gekostet - und mich jede Menge Nerven. Die Meinungen zu meinem Erlebnis, das sich in der deutschen Community faszinierend schnell rumgesprochen hat, sind geteilt. Volker, ein schon fast 20 Jahre hier lebender deutscher Elektriker, tröstete mich damit, dass ihm schon einmal genau das Gleiche passiert sei. Thomas, ein Bekannter, befand, dass das Ganze nach einem typischen Botswana-Erlebnis klang. Philips Chef stellte fest, dass seine Plakette auch abgelaufen war und kümmerte sich direkt am nächsten Tag um eine neue. Meine Freundin Ruth vermutete Schikane, weil ich weiß bin. So nervig das Ganze für mich war, war aber immerhin niemand unfreundlich zu mir - schikaniert fühlte ich mich eigentlich nicht. Ich teile daher Philips Einschätzung: Vermutlich wollten alle ganz besonders korrekt sein, weil ich weiß bin. Unsere simbabwische Haushaltshilfe Patricia meint, ich hätte den Polizeibeamten einfach 50 Pula geben sollen, dann wäre die Sache vergessen gewesen - so würde das zumindest laufen, wenn sie ohne Aufenthaltserlaubnis geschnappt werden würde o.ä. Philip und ich nehmen allerdings an, dass das bei mir nicht ganz so gut funktioniert hätte. Aber wer weiß?
Mittlerweile liegt dieser Vorfall über eine Woche zurück. Und ist das Ganze nun erledigt? Fast; irgendwo läuft noch ein Polizist rum, der gerne 20 Pula für ein Mittagessen von mir hätte. Mal schauen, ob der sich nochmal meldet. Vielleicht schmiere ich ihm dann ein Käsebrot ...
Philip bezahlte das Geld für die neue Jahreslizenz (196 Pula, ca. 16 €) online per Kreditkarte, als wir in Windhoek waren. Nach unserer Rückkehr hofften wir, sie vorzufinden. Waren dann aber beide nicht wirklich überrascht, dass dem nicht so war.
Inzwischen war es schon Oktober. Und am 4. Oktober bin ich dann mit dem Golf in die Innenstadt gefahren, wie ich es öfters tue. Philip fragte noch, ob ich nicht lieber das große Auto mit gültiger Lizenz nehmen wollte, aber ganz ehrlich: Ich war in Gaborone bislang vielleicht zweimal kontrolliert worden. Was sollte schon passieren?
Es war ein typischer Fall von Murphy's Law: Kurz vor meinem Ziel kam ich in eine Straßensperre, in der die Lizenz jedes einzelnen Autos kontrolliert wurde - so eine innerstädtische Kontrolle hatte ich noch nie erlebt. Na ja, und dann ging alles seinen Gang: Ich musste aussteigen, meinen Autoschlüssel abgeben und wurde dann von einem Polizisten in meinem eigenen Auto zur Polizeistation im Stadtteil Broadhurst gefahren. Immerhin war der Polizist recht freundlich. Was eventuell auch daran lag, dass er nebenbei versuchte, Geld für sein Mittagessen von mir zu erschnorren. War das schon ein Bestechungsversuch - wollte er bestochen werden und wie sollte ich reagieren? Allerdings war klar, dass er nur derjenige war, der mich beim zuständigen Revier abliefern sollte - ihm Geld für ein Mittagessen zu geben, hätte mich wohl kaum weitergebracht. Ich wollte allerdings auch nicht ablehnen und ihn verärgern. Außerdem wollte er nur 20 Pula, umgerechnet ca. 1,65 € ... aber ich hatte doch gerade andere Sorgen. Also sagte ich, ich würde erstmal abwarten, welche Strafe ich zahlen müsste - mal schauen, ob ich dann noch Geld übrig hätte. Das sah er dann sogar ein.
Beim Polizeirevier in Broadhurst wurde ich in ein Büro mit ca. acht Polizisten geführt; alle saßen um zwei Tische herum und unterhielten sich angeregt. Mir wurde der einzige freie Stuhl angeboten, ich schilderte dem offensichtlich ranghöchsten Polizisten unsere online Lizenzbestellung, auf die mit Unverständnis reagiert wurde (warum man so etwas denn online bestellen würde?) und sollte mich dann zu einer Polizistin setzen, die handschriftlich ein Protokoll aufnahm. Von Germany hatte sie noch nie etwas gehört und konnte mit der beglaubigten Kopie meines Dienstpasses nur wenig anfangen. (Wir tragen hier standardmäßig eine von der Deutschen Botschaft beglaubigte Passkopie mit uns herum - diese reicht, um sich auszuweisen, und sollten wir doch mal beklaut werden, ist nicht gleich der Originalpass weg.) Das Gespräch war für uns beide mühsam, darüber hinaus schrieb sie sehr langsam. Mich hatten sie vor einen alten Computer gesetzt, der plötzlich ansprang. Auf der geöffneten youtube-Seite erklangen Lobpreislieder. Ich fühlte mich wie im falschen Film, und dann kam auch noch der Polizist, der mich gefahren hatte, ein letztes Mal vorbei, erinnerte mich an sein Mittagessen und schrieb sich meine Telefonnummer auf. Einziger Lichtblick war, dass Philip irgendwann zurückrief und mir dann seine Unterlagen zur Onlinebestelltung der Lizenz mailte. [Einschub Philip: Wenn man aus einer Besprechung kommt und auf seinem auf lautlos gestellten Handy zwölf entgangene Anrufe seiner Frau sieht, weiß man, was man als nächstes zu tun hat: zurückrufen.]
Der zuständige Polizist, der mir die online Lizenzbestellung bislang nicht wirklich abgenommen hatte, schickte mich daraufhin zur nächsten Post, um die Sache zu klären - mein Autoschlüssel, Führerschein und Passkopie wurden allerdings einbehalten. Die Postfiliale war nur gute fünf Minuten entfernt, ein weiterer Mitarbeiter der Behörde zeigte mir den Weg. Nachdem ich erst einmal 20 Minuten Schlange stand, schilderte ich mein Anliegen. Die Dame hinterm Schalter wollte mich zu einer anderen Post in die Innenstadt schicken, auf der Main Mall, mit dem Auto zehn bis 15 Minuten entfernt. Ich machte die Dringlichkeit des Ganzen deutlich, worauf sie sich gute zehn Minuten zum Telefonieren zurückzog. Das Ergebnis: Ich müsste wirklich zur Post auf der Main Mall. Aber immerhin schrieb sie mir noch den Namen einer Person auf, die dort mein Ansprechpartner wäre.
Ich ging erst einmal wieder bei der Polizei vorbei, um diesen Zwischenstand mitzuteilen. Der wortführende Polizist ließ mich ziehen. Ich bat ihn um meine Passkopie, falls ich mich auf der Post ausweisen müsse - er gab sie mir, wies mich aber an, auf jeden Fall wiederzukommen. Sah er tatsächlich Fluchtgefahr? Wegen einer fehlenden Lizenz? Hätte ich die Stadt verlassen wollen, hätte ich ihn vermutlich nicht um die Passkopie gebeten, sondern wäre nach Hause gefahren, wo das Original lag ... das nur am Rande, ich habe es ihm natürlich nicht auseinandergesetzt. Etwas fassungslos, ansatzweise auch ein kleines bisschen amüsiert und vor allem langsam fertig mit den Nerven forderte ich nun doch mal moralische Unterstützung in Form von Philip an, der daraufhin versprach, zur Post auf der Main Mall zu kommen. Dann suchte ich mir ein Taxi.
In Broadhurst lief außer mir niemand Weißes rum, was immerhin den Vorteil hatte, dass schon der erste Taxifahrer bei meinem Anblick spontan beschloss, den Kunden, auf den er eigentlich wartete, zu versetzen - ich war die lohnendere Fahrt und der Preis, den er mir nannte, immerhin nicht unverschämt.
Inzwischen wurde Philip von meinem Ansprechpartner bei der Main Mall-Post angerufen, der anscheinend von der Post in Broadhurst aufgescheut worden war. Er wartete dann tatsächlich auch mit der Lizenz auf Philip, als ich eintraf. Da die Registrierung auf Philip lief und ihm offensichtlich nicht erzählt worden war, dass nicht Philip selbst, sondern dessen Frau in Broadhurst auf der Post gewesen war, wollte er mir die Unterlagen nicht aushändigen, sondern lieber auf Philip warten. Unter anderen Umständen hätte ich das ziemlich albern gefunden, so überwog die positive Überraschung, dass wir die Lizenz jetzt wirklich bekommen würden. Ich verkürzte mir die Wartezeit, in dem ich dem Postmenschen mitteilte, dass uns die Polizei für verrückt hielt, weil wir versucht hätten, die Lizenz online bei der botswanischen Post zu verlängern ... etwas lahm antwortete er, es sei eigentlich ein gutes System, aber bei fünf Prozent der Kunden sei ihnen nicht angezeigt worden, dass diese bezahlt hätten und dann wären die Lizenzen nicht ausgestellt worden. Ach so. Was sollte ich dazu noch sagen? Neben Postzustellung, -beförderung, Auskünften zur Portohöhe und Briefmarkenverkauf gehört offensichtlich auch der Onlinehandel nicht zu den Stärken der Botswana Post.
Nach ein paar Minuten kam Philip, wir erhielten das Dokument und fuhren dann zusammen zurück zur Broadhurster Polizei, wo wir dem diensthabenden Polizisten die Lizenz präsentierten. Darauf kam es zu meiner Lieblingsszene: Er fragte Philip, ob Philip die jetzt schnell besorgt hätte, nachdem ich "arrested" worden wäre, oder ob er sie wirklich schon vorher bestellt hätte. Arrested - wer hätte gedacht, dass ich mal verhaftet werden würde ... Philip konnte einen Zahlungsbeleg vom 23.09. vorweisen. Daraufhin wurde meine Strafe verringert - es waren nun nicht mehr 500 Pula fällig, die Strafe für Fahren ohne gültige Lizenz, sondern nur noch 200 Pula für das Vergehen, die Lizenz nicht dabei gehabt zu haben. Eigentlich war nun also alles geklärt. Es gab nur noch ein letztes verbleibendes Problem: Auf der Polizeistation in Broadhurst hatte man keinen Quittungsblock. Wir mussten daher zur Polizeistation an der Main Mall (die übrigens drei Gehminuten von der Main Mall-Post entfernt ist, von der wir gerade kamen). Eine Polizistin begleitete uns. Immerhin dürften wir nun wieder mit dem Golf fahren.
Nachdem ich 200 Pula gezahlt hatte, brachten wir die Polizistin wieder nach Broadhurst zurück (wobei sie uns einen Umweg fahren ließ - sie wollte nur mal zwei Minuten zu Hause bei ihren Kindern nach dem Rechten schauen). Zwischendurch fragte sie noch, ob wir das Auto verkaufen wollten, sie sei auf der Suche nach einem billigen Wagen.
Zum Abschied schärfte sie mir ein, die neue Plakette sofort an die Windschutzscheibe zu kleben - selbst, wenn sie vorne im Auto lag, würde das so nicht gelten, ich könnte sofort wieder für das gleiche Vergehen verhaftet werden. Ich hatte nun allerdings keine Schere bei mir, um die runde Plakette aus dem DIN A4-Dokument auszuschneiden, von Tesafilm ganz zu schweigen ... also fragte ich sie, ob ich nochmal ins Büro kommen sollte. Sie sagte mir, sie hätten da auch keine Schere. Aber an meinem nächsten Ziel sollte ich mich unbedingt um das Aufkleben der Plakette kümmern. Habe ich dann auch gemacht.
Dieses ganze Hin und Her hat dreieinhalb Stunden gekostet - und mich jede Menge Nerven. Die Meinungen zu meinem Erlebnis, das sich in der deutschen Community faszinierend schnell rumgesprochen hat, sind geteilt. Volker, ein schon fast 20 Jahre hier lebender deutscher Elektriker, tröstete mich damit, dass ihm schon einmal genau das Gleiche passiert sei. Thomas, ein Bekannter, befand, dass das Ganze nach einem typischen Botswana-Erlebnis klang. Philips Chef stellte fest, dass seine Plakette auch abgelaufen war und kümmerte sich direkt am nächsten Tag um eine neue. Meine Freundin Ruth vermutete Schikane, weil ich weiß bin. So nervig das Ganze für mich war, war aber immerhin niemand unfreundlich zu mir - schikaniert fühlte ich mich eigentlich nicht. Ich teile daher Philips Einschätzung: Vermutlich wollten alle ganz besonders korrekt sein, weil ich weiß bin. Unsere simbabwische Haushaltshilfe Patricia meint, ich hätte den Polizeibeamten einfach 50 Pula geben sollen, dann wäre die Sache vergessen gewesen - so würde das zumindest laufen, wenn sie ohne Aufenthaltserlaubnis geschnappt werden würde o.ä. Philip und ich nehmen allerdings an, dass das bei mir nicht ganz so gut funktioniert hätte. Aber wer weiß?
Mittlerweile liegt dieser Vorfall über eine Woche zurück. Und ist das Ganze nun erledigt? Fast; irgendwo läuft noch ein Polizist rum, der gerne 20 Pula für ein Mittagessen von mir hätte. Mal schauen, ob der sich nochmal meldet. Vielleicht schmiere ich ihm dann ein Käsebrot ...
Donnerstag, 21. September 2017
Elektroschock
Botswana hat es in den letzten Tagen wieder einmal selbst in deutsche Medien geschafft - leider mit einer traurigen Nachricht.
Elefanten waren auf dem Weg zu einer leckenden Wasserpipeline. Gegen Ende der Trockenzeit (seit Ostern hat es hier nicht mehr geregnet) nimmt man natürlich alles Wasser, was man finden kann. Auf dem Weg zur Wasserpipeline war allerdings ein Strommast im Weg, den die Elefanten dann anscheinend kurzerhand umgelegt haben. Die Stromleitung führte aber noch Strom; Ingenieure der staatlichen Stromfirma bemerkten Spannungsschwankungen auf der Leitung und schickten ein Team zur Kontrolle los. Am Ort des Geschehens angekommen, entdeckten sie neun tote Elefanten, die durch den Stromschlag ums Leben kamen.
Eine traurige Geschichte - und ein trauriger Anblick, als die botswanische Regierung gestern auf ihrer Facebookseite ein Bild von der toten Elefantenherde postete. Wir hoffen, dass sich so ein Unglück nicht wiederholt.
Elefanten waren auf dem Weg zu einer leckenden Wasserpipeline. Gegen Ende der Trockenzeit (seit Ostern hat es hier nicht mehr geregnet) nimmt man natürlich alles Wasser, was man finden kann. Auf dem Weg zur Wasserpipeline war allerdings ein Strommast im Weg, den die Elefanten dann anscheinend kurzerhand umgelegt haben. Die Stromleitung führte aber noch Strom; Ingenieure der staatlichen Stromfirma bemerkten Spannungsschwankungen auf der Leitung und schickten ein Team zur Kontrolle los. Am Ort des Geschehens angekommen, entdeckten sie neun tote Elefanten, die durch den Stromschlag ums Leben kamen.
Eine traurige Geschichte - und ein trauriger Anblick, als die botswanische Regierung gestern auf ihrer Facebookseite ein Bild von der toten Elefantenherde postete. Wir hoffen, dass sich so ein Unglück nicht wiederholt.
Mittwoch, 23. August 2017
Verbuscht oder nicht verbuscht, das ist hier die Frage ...
Neulich traf ich eine Freundin zum Mittagessen. Wie ihr Mann arbeitet auch sie bei der GIZ, beide haben schon mehrere Auslandseinsätze hinter sich. Ich weiß nicht mehr, wie sie darauf kam, aber plötzlich fiel der Begriff "verbuscht". Ich kannte ihn nicht, sie ging allerdings offensichtlich davon aus und teilte mir mit, wer ihrer Meinung nach ganz schön verbuscht sei, wer nur ein wenig (ihre Familie) und wer ja noch kaum (Philip und ich zum Beispiel). Während ich ihren Erläuterungen folgte, versuchte ich mir einen Reim darauf zu machen. Hatte Verbuschung vielleicht etwas mit Naturverbundenheit zu tun? Uns als kaum verbuscht zu bezeichnen, erschien mir da unfair (unser Treffen fand kurz vor unserem sehr naturverbundenen Campingausflug in den Kgalagadi Transforntier Park statt). Bevor ich aber richtig nachfragen konnte, war sie schon beim nächsten Thema.
Abends befragte ich Philip, der den Begriff der "Verbuschung" natürlich kannte. Ein paar Tage später erkundigte ich mich auch noch probeweise bei dem MAP, der mich mal zum Golfspielen hatte animieren wollen. Auch ihm war das Ganze geläufig. Ich hatte da offensichtlich etwas verpasst!
Der Duden sieht den Begriff auch eher naturverbunden und definiert ihn als "mehr und mehr von Sträuchern überwuchert werden". Wikipedia ist da schon aufschlussreicher und hat eine soziologische Definition von "Verbuschung" parat:
Philip versuchte mir das Ganze mit Beispielen näherzubringen und erzählte z.B. von Kollegen, die in Eschborn auffielen, weil sie nicht aus einem Glas, sondern gleich aus der Wasserflasche tranken. Ich blieb relativ unbeeindruckt, hatte ich doch an meinem Frankfurter Arbeitsplatz ebenfalls meist eine Wasserflasche auf dem Schreibtisch stehen, aus der ich direkt trank. (Wem je ein Glas Wasser auf dem vollen Scheibtisch umgekippt ist, wird die Vorteile erkennen.) Es stellte sich dann raus, dass Philip eher aus der Flache trinken auf Konferenzen meinte. Wie dem auch sei: So ganz habe ich mir den Begriff der Verbuschung noch nicht zueigen gemacht, achte jetzt aber vermehrt auf Zeichen. Vor ein paar Wochen musterten zum Beispiel innerhalb weniger Tage zwei Freundinnen mein ziemlich verstaubtes Auto und stellten dann beide die gleiche Frage: "Habt Ihr keinen Gärtner?" Beim ersten Mal erkannte ich den Zusammenhang noch nicht: Viele Expats lassen von ihrem Gärtner ihre Autos waschen. Wenn also die Verbindung zwischen einem schmutzigen Auto und einem angestellten Gärtner nicht gleich klar ist, lässt das hoffen, dass die Verbuschung noch nicht wirklich eingesetzt hat ...
Philip hat sogar einen Witz zu dem Thema beizutragen: Wie erkennt man einen Entwicklungshelfer im Ruhestand? Steht mit dem Auto vor dem Tor, hupt, und niemand macht auf.
Abends befragte ich Philip, der den Begriff der "Verbuschung" natürlich kannte. Ein paar Tage später erkundigte ich mich auch noch probeweise bei dem MAP, der mich mal zum Golfspielen hatte animieren wollen. Auch ihm war das Ganze geläufig. Ich hatte da offensichtlich etwas verpasst!
Der Duden sieht den Begriff auch eher naturverbunden und definiert ihn als "mehr und mehr von Sträuchern überwuchert werden". Wikipedia ist da schon aufschlussreicher und hat eine soziologische Definition von "Verbuschung" parat:
Verbuschung im übertragenen Sinne ist Jargon und bezeichnet eine bestimmte Art der kulturellen Assimilation von entsandtem Personal im Ausland, besonders in Entwicklungsländern. Der Begriff ist dabei abwertend belegt und beschreibt die Tendenz von Personal, das lange Zeit in Entwicklungsländern bzw. lange Zeit am gleichen Ort entsandt ist, sich unbewusst von den Verhaltensnormen im eigenen Land zu entfernen.
Philip versuchte mir das Ganze mit Beispielen näherzubringen und erzählte z.B. von Kollegen, die in Eschborn auffielen, weil sie nicht aus einem Glas, sondern gleich aus der Wasserflasche tranken. Ich blieb relativ unbeeindruckt, hatte ich doch an meinem Frankfurter Arbeitsplatz ebenfalls meist eine Wasserflasche auf dem Schreibtisch stehen, aus der ich direkt trank. (Wem je ein Glas Wasser auf dem vollen Scheibtisch umgekippt ist, wird die Vorteile erkennen.) Es stellte sich dann raus, dass Philip eher aus der Flache trinken auf Konferenzen meinte. Wie dem auch sei: So ganz habe ich mir den Begriff der Verbuschung noch nicht zueigen gemacht, achte jetzt aber vermehrt auf Zeichen. Vor ein paar Wochen musterten zum Beispiel innerhalb weniger Tage zwei Freundinnen mein ziemlich verstaubtes Auto und stellten dann beide die gleiche Frage: "Habt Ihr keinen Gärtner?" Beim ersten Mal erkannte ich den Zusammenhang noch nicht: Viele Expats lassen von ihrem Gärtner ihre Autos waschen. Wenn also die Verbindung zwischen einem schmutzigen Auto und einem angestellten Gärtner nicht gleich klar ist, lässt das hoffen, dass die Verbuschung noch nicht wirklich eingesetzt hat ...
Philip hat sogar einen Witz zu dem Thema beizutragen: Wie erkennt man einen Entwicklungshelfer im Ruhestand? Steht mit dem Auto vor dem Tor, hupt, und niemand macht auf.
Dienstag, 15. August 2017
Kommt ein Leopard an die Rezeption ...
Unser Ausflug in den Kgalagadi Transfrontier Park war weitgehend raubtierfrei - angesichts der Tatsache, dass wir uns auf nicht eingezäunten Campingplätzen bewegten und in einem Zelt schliefen, war ich nicht böse drum. Man kann in dieser Gegend aber auch völlig andere Erfahrungen machen. Die Ranger und anderen Mitarbeiter des Nationalparks haben da einiges zu erzählen. So hatten sie in ihrem Büro am Eingangstor des Parks einen Zettel aufgehängt, der eines ihrer Erlebnisse illustrierte:
Ich tippe den Text hier einmal ab:
WE WELCOME ALL VISITORS
Well! Some of our visitors have a tendency to stay in the reception room more time than is expected while making it inaccessible the whole day. This fellow seemed to had encountered a fight during the night and probably suffered defeat and needed some form of consolation. He found refuge in our compound without our knowledge and permission for that matter. Both gates and offices were opened in the morning, officers moving up and down but he was there unnoticed, because the guy is good at disguising. He then decided to show up in the reception room just like all the visitors probably for two reason, he needed consolation and most importantly some pain killers after sustaining injuries in the last fight. Unfortunately when he showed up, everybody straggled for a way out. He the decided to wait patiently the whole day assuming that one might come to offer help but to no avail!! not you brother! When the evening come, he went out the way he came in. He became the most unwelcomed and undesired visitor we ever got. We wish he will never come back.
Deutliche Worte! Also lieber ein Schakal am Lagerfeuer als ein Leopard an der Rezeption ...
Ich tippe den Text hier einmal ab:
WE WELCOME ALL VISITORS
Well! Some of our visitors have a tendency to stay in the reception room more time than is expected while making it inaccessible the whole day. This fellow seemed to had encountered a fight during the night and probably suffered defeat and needed some form of consolation. He found refuge in our compound without our knowledge and permission for that matter. Both gates and offices were opened in the morning, officers moving up and down but he was there unnoticed, because the guy is good at disguising. He then decided to show up in the reception room just like all the visitors probably for two reason, he needed consolation and most importantly some pain killers after sustaining injuries in the last fight. Unfortunately when he showed up, everybody straggled for a way out. He the decided to wait patiently the whole day assuming that one might come to offer help but to no avail!! not you brother! When the evening come, he went out the way he came in. He became the most unwelcomed and undesired visitor we ever got. We wish he will never come back.
Deutliche Worte! Also lieber ein Schakal am Lagerfeuer als ein Leopard an der Rezeption ...
Montag, 8. Mai 2017
Walli spielt immer noch kein Golf
Meine werte Frau braucht manchmal schon etwas länger. Eigentlich wurde ihr schon vor einem Jahr gesagt, dass man hier nicht viel anderes machen kann als Golf spielen. Und trotzdem hat sie noch immer nicht damit angefangen. Dem "First Expat Husband's Golf Club" wollte sie irgendwie auch nicht beitreten - unverständlich! Und zahlreiche andere Hinweise aufs Golfspielen hat sie auch ignoriert. Wie soll das jetzt noch etwas werden?
Der jüngste Hinweis aufs Golfspielen kam letzten Freitag. Ich war noch nicht mal zu Hause. Walli telefonierte gerade mit ihren Eltern. Plötzlich hat es wohl auf unserem Wellblechdach ziemlich gescheppert. Das ist nicht komplett ungewöhnlich, das Dach verstärkt Geräusche, z.B. von Vögeln, die darauf landen. Und so dachte Walli wohl auch, dass eventuell eine der lästigen Tauben, die sonst gurrend auf den Regenrinnen sitzen, aus irgendwelchen Gründen gegen das Dach geknallt sei - besonders intelligent wirken die Tiere auf uns nicht. Kurz darauf schaute sie jedoch in den Garten und fand auf unserem Kunstrasen drei Golfbälle, mindestens einer war offenbar am Dach abgeprallt.
Wie skurril ist das denn? Hat da jemand seinen Abschlag geübt? Womöglich vom Kgale Hill aus?
Die Golfbälle sind dem Logo nach übrigens von Nike. "Just do it" ist deren Slogan. Aber selbst dieser Aufforderung will Walli nicht nachkommen. Obwohl sie nun ja eine Grundausstattung hätte. Immerhin habe ich sie jetzt soweit, dass sie sagt, wenn auch noch Golfschläger in unserem Garten landen, werde sie anfangen mit dem Golf spielen. Soll ich welche dort platzieren?
Der jüngste Hinweis aufs Golfspielen kam letzten Freitag. Ich war noch nicht mal zu Hause. Walli telefonierte gerade mit ihren Eltern. Plötzlich hat es wohl auf unserem Wellblechdach ziemlich gescheppert. Das ist nicht komplett ungewöhnlich, das Dach verstärkt Geräusche, z.B. von Vögeln, die darauf landen. Und so dachte Walli wohl auch, dass eventuell eine der lästigen Tauben, die sonst gurrend auf den Regenrinnen sitzen, aus irgendwelchen Gründen gegen das Dach geknallt sei - besonders intelligent wirken die Tiere auf uns nicht. Kurz darauf schaute sie jedoch in den Garten und fand auf unserem Kunstrasen drei Golfbälle, mindestens einer war offenbar am Dach abgeprallt.
Wie skurril ist das denn? Hat da jemand seinen Abschlag geübt? Womöglich vom Kgale Hill aus?
Die Golfbälle sind dem Logo nach übrigens von Nike. "Just do it" ist deren Slogan. Aber selbst dieser Aufforderung will Walli nicht nachkommen. Obwohl sie nun ja eine Grundausstattung hätte. Immerhin habe ich sie jetzt soweit, dass sie sagt, wenn auch noch Golfschläger in unserem Garten landen, werde sie anfangen mit dem Golf spielen. Soll ich welche dort platzieren?
Dienstag, 8. November 2016
Poolgefahren
Als ich die Hausübergabe mit unserem Vermieter machte, sagte der mir schon, dass so ein Pool mehr Ärger mache, als dass er nutze. Dieses Gefühl hatten wir auch schon in den letzten Monaten, denn nur wenige Zeit nach unserem Einzug hier wurde es eigentlich zu kühl zum Baden. Dann kamen die Handwerkergeschichten. In den letzten 3 Wochen allerdings haben wir angesichts der leicht erhöhten Temperaturen hier (bis zu 43°C bisher) mit unserem Besuch angefangen, den Pool intensiver zu nutzen - endlich zahlt er sich mal aus.
Gleichzeitig wussten wir schon immer, dass so ein Pool auch Gefahren birgt, man verdrängt diese nur ganz gerne. Kollegen mit kleinen Kindern lassen ihren Pool z.B. einzäunen, damit die Kinder nicht unbeaufsichtigt hineinfallen. Derzeit ist das jedoch nicht unsere größte Sorge bzgl. des Pools.
Nun sind wir letzte Woche aber auf ein Video im Internet aufmerksam geworden, das uns wohl nie mehr unbelastet in den Pool steigen lässt. Aufgenommen vor wenigen Tagen in Zimbabwe, zeigt es, wie ein Krokodil ein Pärchen in einem Hotel-Swimmingpool überrascht und angreift. Die Dürre im Land (bzw. im ganzen südlichen Afrika) hat wohl dazu geführt, dass sich das Krokodil ein neues Revier gesucht hat... Aber sehr selbst:
Gleichzeitig wussten wir schon immer, dass so ein Pool auch Gefahren birgt, man verdrängt diese nur ganz gerne. Kollegen mit kleinen Kindern lassen ihren Pool z.B. einzäunen, damit die Kinder nicht unbeaufsichtigt hineinfallen. Derzeit ist das jedoch nicht unsere größte Sorge bzgl. des Pools.
Nun sind wir letzte Woche aber auf ein Video im Internet aufmerksam geworden, das uns wohl nie mehr unbelastet in den Pool steigen lässt. Aufgenommen vor wenigen Tagen in Zimbabwe, zeigt es, wie ein Krokodil ein Pärchen in einem Hotel-Swimmingpool überrascht und angreift. Die Dürre im Land (bzw. im ganzen südlichen Afrika) hat wohl dazu geführt, dass sich das Krokodil ein neues Revier gesucht hat... Aber sehr selbst:
Mittwoch, 2. November 2016
Selbstbewusstsein
Vor eineinhalb Wochen berichtete ich bereits über die Gewitter, die über Gaborone niedergegangen sind. Einer der vielen Blitze hatte anscheinend in unseren Elektrozaun eingeschlagen, er funktionierte nicht mehr so, wie er sollte. Also rief ich die zugehörige Firma an, die mir einen Tag später drei Arbeiter in einem Firmenwagen vorbeischickte. Zugegebenermaßen werden Zäune im Englischen "erected". Aber den Spruch musste ich trotzdem mal fotografieren - ohne Worte!
Samstag, 16. Juli 2016
Verwöhnaroma - weltweit!
Es ist ja bekannt, dass es in der englischen Sprache einige Wörter gibt, die eins zu eins aus dem Deutschen übernommen wurden. Zum Beispiel "kindergarten", "wanderlust" und "blitzkrieg". Ein weiteres, uns beiden im Englischen bislang unbekanntes Wort ist Philip und mir begegegnet, als wir im Khama Rhino Sanctuary beim Frühstück saßen und mir Instant-Kaffepulver hingestellt wurde.
Zugegegeben, es war Jacobs Krönung und in Deutschland hergestellt - aber für eine südafrikanische Firma, die sich im südlichen Afrika um den Vertrieb des Kaffees kümmert. Die Produktbeschreibung war deswegen auch auf englisch, weswegen neben "Jacobs Krönung" das schöne Wort "Verwöhnaroma" doch sehr hervorstach. Ob sich Jacobs das hat patentieren lassen? Und ob sie glauben, dass sich das Wort "Verwöhnaroma" (auch noch mit einem Umlaut!) international durchsetzt? Sie scheinen zumindest daran zu arbeiten ... Ich fand's lustig!
Zugegegeben, es war Jacobs Krönung und in Deutschland hergestellt - aber für eine südafrikanische Firma, die sich im südlichen Afrika um den Vertrieb des Kaffees kümmert. Die Produktbeschreibung war deswegen auch auf englisch, weswegen neben "Jacobs Krönung" das schöne Wort "Verwöhnaroma" doch sehr hervorstach. Ob sich Jacobs das hat patentieren lassen? Und ob sie glauben, dass sich das Wort "Verwöhnaroma" (auch noch mit einem Umlaut!) international durchsetzt? Sie scheinen zumindest daran zu arbeiten ... Ich fand's lustig!
Sonntag, 10. Juli 2016
Schau' mir in die Augen, Großer!
Botswana ist ein Rinderzüchterland. Das wird - nicht nur, aber sehr schön - in den fiktiven Büchern über Mma Ramotswe, die die erste Detektei Botswanas eröffnet, dargestellt. Eine Rinderherde zu besitzen gilt in Botswana z.B. als gute Altersvorsorge. Das Rinderfleisch hier ist wirklich exzellent - und sehr günstig (als Vegetarier hat man es hier nicht leicht - man muss halt ein bisschen Verständnis für das Fleisch in der Gemüsesuppe aufbringen können).
Letzte Woche habe ich zufällig einen Zeitungsartikel im Internet entdeckt. Demnach haben Forscher in Botswana ausprobiert, Rindern ein Augenpaar auf den Allerwertesten zu stempeln. Damit sollen Löwen abgeschreckt werden - und offenbar hat es auch funktioniert. In einer Rinderherde hat man 2/3 der Tiere mit dem Augenpaar gestempelt, 1/3 nicht gestempelt. Nach einiger Zeit hat man festgestellt, dass aus der Gruppe mit den Augenstempeln alle Tiere überlebt haben, während von der Gruppe ohne Augenstempel 3 Tiere durch Löwen gestorben waren.
Die Hypothese hinter dem Versuch ist wohl, dass Löwen zwar schnell sind, aber aufgrund ihrer massigen Körper nur auf kurze Distanz ihre Geschwindigkeit halten können. Daher schleichen sie sich gerne von hinten an ihre Beute heran. Wenn sie nun aber denken, dass ihre Beute sie entdeckt hat und damit potenziell gleich wegrennt, dann brechen sie ihren Angriff ab, da ihre Erfolgsaussichten sinken. Nachdem der erste Feldversuch mit den Augenstempeln in Botswana wohl Erfolg gehabt hat, soll er nun ausgeweitet werden.
Mal schauen, wann wir die ersten Kühe mit Augen auf dem Hinterteil entdecken...
Letzte Woche habe ich zufällig einen Zeitungsartikel im Internet entdeckt. Demnach haben Forscher in Botswana ausprobiert, Rindern ein Augenpaar auf den Allerwertesten zu stempeln. Damit sollen Löwen abgeschreckt werden - und offenbar hat es auch funktioniert. In einer Rinderherde hat man 2/3 der Tiere mit dem Augenpaar gestempelt, 1/3 nicht gestempelt. Nach einiger Zeit hat man festgestellt, dass aus der Gruppe mit den Augenstempeln alle Tiere überlebt haben, während von der Gruppe ohne Augenstempel 3 Tiere durch Löwen gestorben waren.
Die Hypothese hinter dem Versuch ist wohl, dass Löwen zwar schnell sind, aber aufgrund ihrer massigen Körper nur auf kurze Distanz ihre Geschwindigkeit halten können. Daher schleichen sie sich gerne von hinten an ihre Beute heran. Wenn sie nun aber denken, dass ihre Beute sie entdeckt hat und damit potenziell gleich wegrennt, dann brechen sie ihren Angriff ab, da ihre Erfolgsaussichten sinken. Nachdem der erste Feldversuch mit den Augenstempeln in Botswana wohl Erfolg gehabt hat, soll er nun ausgeweitet werden.
Mal schauen, wann wir die ersten Kühe mit Augen auf dem Hinterteil entdecken...
Mittwoch, 8. Juni 2016
Ein Königreich für eine Briefmarke!
Es gibt ja Menschen, die aus fremden Ländern Postkarten an Freunde und Familie versenden - selbst, wenn sie nur eine läppische Woche von zu Hause weg sind. Ich gehöre dazu. Untypischerweise habe ich in meinen bald sieben Wochen Botswana aber bislang nur eine einzige Postkarte verschickt. Der Grund ist nicht, dass ich zu wenig Zeit hätte, es keine schönen Postkarten gäbe oder ich mich nicht entscheiden könnte, wem zuerst geschrieben wird ... sondern höhere Gewalt!
Am 11.05. schrieb ich eine allererste Postkarte an mein Patenkind und seine Geschwister. In "unserer" Mall Game City gibt es auch eine Post, wo ich sie am 12.05. abgeben wollte. Die Post ist anders als bei uns. Man kann da auch Kopien machen lassen, Beglaubigungen, was weiß ich. Der Laden war voll. Briefmarken gab es allerdings nicht. Die Mitarbeiterin riet mir, es eine Woche später nochmal zu probieren. Mein Afrika-erfahrener Ehemann versuchte, mich schonend darauf vorzubereiten, dass das eher als höfliche Floskel zu verstehen war und ich mir keine großen Hoffnungen machen sollte. Dennoch stand ich eine Woche später wieder bei der Post. Leider gab es immer noch keine Briefmarken. Ich fragte, wo es denn sonst welche geben könnte, worauf mir die Hauptpost in der Main Mall empfohlen wurde - die könnte welche haben, "maybe".
Ich war leicht erschüttert - immerhin leben wir hier in der Haupstadt. Am darauffolgenden Samstag machten Philip und ich einen Ausflug in die Main Mall und in der Hauptpost hatte ich tatsächlich Glück: Ich präsentierte meine Postkarte und die Angestellte verkaufte mir eine Briefmarke für 8 Pula - bzw. gleich 21 Marken - ich habe auf Vorrat eingekauft. In unserem Reiseführer (der erst Ende 2015 erschienen ist), stand zwar, dass Postkarten und Briefe nach Deutschland 5 Pula kosten würden, aber 8 Pula ist ebenfalls noch sehr billig. Als ich die Postkarte dann aber vor der Post in den Briefkasten werfen wollte, wurde ich stutzig: Am Briefkasten hing ein Schild, dass Briefe nach Europa 9,50 Pula kosten würden. Postkarten waren nicht erwähnt. Nachdem ich gerade in der Post gewesen war, warf ich meine mit 8 Pula frankierte Postkarte ein und hoffte das Beste. Und knappe zwei Wochen später war sie dann auch in Göttingen.
Es gab allerdings noch ein paar Sachen, die ich nach Deutschland schicken wollte. Briefe. U.a. die Kündigung meines Handyvertrages. Da ich da gerne etwas mehr Sicherheit haben wollte, entschied ich mich, einen großen Brief mit mehreren Briefen als Inhalt an meine Eltern zu schicken - per DHL. Das geht nämlich auch. Heute stand ich dann mit meinem Großbrief wieder bei der Post in unserer Mall. Wenn man etwas per DHL verschicken will, läuft gleich alles ganz anders. Mein Kuvert wurde in ein anderes Kuvert gesteckt, ich musste ein Formular ausfüllen (@ Mama und Papa: Die botswanische Post hat jetzt übrigens Eure Telefonnummer) und schließlich einen Geldbetrag zahlen, der mich doch etwas schockte. Es war mehr, als Philips und mein heutiges Mittagessen im Restaurant gekostet hatte (ein Salat mit Hummus und Gemüse, ein Salat mit Hähnchenstreifen und Ei und zwei hausgemachte Limonaden). Von dem Geld hätten wir vier Jackets in die Reinigung bringen können. Oder 24 Liter Milch kaufen. Kurz: Es war sauteuer! Kurz sah ich vor meinem geistigen Auge einen berittenen Boten mit dem DHL-Kuvert in der Hand vom Flughafen Köln/Bonn nach Odendorf galoppieren ...
Nachdem ich hier aber zumindest mal erfolgreich bedient worden war, fasste ich mir ein Herz und fragte, wie viel denn ein Standardbrief nach Deutschland kosten würde. Die Antwort war 10,50 Pula - schon wieder ein neuer Preis, aber egal ... ich fragte matt und mehr pro forma, wo ich Briefmarken dafür bekäme. Und dann geschah mein Mittwochswunder: Sie hatten welche da! (Und taten auch noch so, als wäre das normal!) Ich kaufte fünf Stück. Normalerweise hätte ich gleich einen größeren Vorrat mitgenommen, musste mich aber noch von den finanziellen Verlusten durch den DHL-Brief erholen.
So viel zur botswanischen Post. Ich denke, demnächst schreibe ich dann doch mal häufiger nach Deutschland. Zumindest Postkarten, die Briefmarken für Briefe hüte ich jetzt ein bisschen - wer weiß, wann es wieder welche gibt ...
Update vom 11.06.: Gestern um 17:10 Uhr ist der Brief in Odendorf angekommen! Er hat also nicht viel mehr als 48 Stunden gebraucht - Respekt, dass es so schnell geht, hatten wir nicht erwartet. Von einem Pferd haben meine Eltern allerdings nichts erzählt ...
Am 11.05. schrieb ich eine allererste Postkarte an mein Patenkind und seine Geschwister. In "unserer" Mall Game City gibt es auch eine Post, wo ich sie am 12.05. abgeben wollte. Die Post ist anders als bei uns. Man kann da auch Kopien machen lassen, Beglaubigungen, was weiß ich. Der Laden war voll. Briefmarken gab es allerdings nicht. Die Mitarbeiterin riet mir, es eine Woche später nochmal zu probieren. Mein Afrika-erfahrener Ehemann versuchte, mich schonend darauf vorzubereiten, dass das eher als höfliche Floskel zu verstehen war und ich mir keine großen Hoffnungen machen sollte. Dennoch stand ich eine Woche später wieder bei der Post. Leider gab es immer noch keine Briefmarken. Ich fragte, wo es denn sonst welche geben könnte, worauf mir die Hauptpost in der Main Mall empfohlen wurde - die könnte welche haben, "maybe".
Ich war leicht erschüttert - immerhin leben wir hier in der Haupstadt. Am darauffolgenden Samstag machten Philip und ich einen Ausflug in die Main Mall und in der Hauptpost hatte ich tatsächlich Glück: Ich präsentierte meine Postkarte und die Angestellte verkaufte mir eine Briefmarke für 8 Pula - bzw. gleich 21 Marken - ich habe auf Vorrat eingekauft. In unserem Reiseführer (der erst Ende 2015 erschienen ist), stand zwar, dass Postkarten und Briefe nach Deutschland 5 Pula kosten würden, aber 8 Pula ist ebenfalls noch sehr billig. Als ich die Postkarte dann aber vor der Post in den Briefkasten werfen wollte, wurde ich stutzig: Am Briefkasten hing ein Schild, dass Briefe nach Europa 9,50 Pula kosten würden. Postkarten waren nicht erwähnt. Nachdem ich gerade in der Post gewesen war, warf ich meine mit 8 Pula frankierte Postkarte ein und hoffte das Beste. Und knappe zwei Wochen später war sie dann auch in Göttingen.
Es gab allerdings noch ein paar Sachen, die ich nach Deutschland schicken wollte. Briefe. U.a. die Kündigung meines Handyvertrages. Da ich da gerne etwas mehr Sicherheit haben wollte, entschied ich mich, einen großen Brief mit mehreren Briefen als Inhalt an meine Eltern zu schicken - per DHL. Das geht nämlich auch. Heute stand ich dann mit meinem Großbrief wieder bei der Post in unserer Mall. Wenn man etwas per DHL verschicken will, läuft gleich alles ganz anders. Mein Kuvert wurde in ein anderes Kuvert gesteckt, ich musste ein Formular ausfüllen (@ Mama und Papa: Die botswanische Post hat jetzt übrigens Eure Telefonnummer) und schließlich einen Geldbetrag zahlen, der mich doch etwas schockte. Es war mehr, als Philips und mein heutiges Mittagessen im Restaurant gekostet hatte (ein Salat mit Hummus und Gemüse, ein Salat mit Hähnchenstreifen und Ei und zwei hausgemachte Limonaden). Von dem Geld hätten wir vier Jackets in die Reinigung bringen können. Oder 24 Liter Milch kaufen. Kurz: Es war sauteuer! Kurz sah ich vor meinem geistigen Auge einen berittenen Boten mit dem DHL-Kuvert in der Hand vom Flughafen Köln/Bonn nach Odendorf galoppieren ...
Nachdem ich hier aber zumindest mal erfolgreich bedient worden war, fasste ich mir ein Herz und fragte, wie viel denn ein Standardbrief nach Deutschland kosten würde. Die Antwort war 10,50 Pula - schon wieder ein neuer Preis, aber egal ... ich fragte matt und mehr pro forma, wo ich Briefmarken dafür bekäme. Und dann geschah mein Mittwochswunder: Sie hatten welche da! (Und taten auch noch so, als wäre das normal!) Ich kaufte fünf Stück. Normalerweise hätte ich gleich einen größeren Vorrat mitgenommen, musste mich aber noch von den finanziellen Verlusten durch den DHL-Brief erholen.
So viel zur botswanischen Post. Ich denke, demnächst schreibe ich dann doch mal häufiger nach Deutschland. Zumindest Postkarten, die Briefmarken für Briefe hüte ich jetzt ein bisschen - wer weiß, wann es wieder welche gibt ...
Update vom 11.06.: Gestern um 17:10 Uhr ist der Brief in Odendorf angekommen! Er hat also nicht viel mehr als 48 Stunden gebraucht - Respekt, dass es so schnell geht, hatten wir nicht erwartet. Von einem Pferd haben meine Eltern allerdings nichts erzählt ...
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