Schon im letzten Blogeintrag zu den Erdmännchen hatten wir ja teilweise aus dem Kgalagadi Transfrontier Park berichtet, den wir in der Woche vor Weihnachten unsicher machten. Es ist ein grenzüberschreitender Nationalpark im Dreiländereck Südafrika-Botswana-Namibia, wobei wir uns entschlossen, diesmal von der südafrikanischen Seite hineinzufahren. Im Kgalagadi Transfrontier Park kann man mit dem eigenen Auto herumfahren (und bei Bedarf auch geführte Game Drives in Safari-Fahrzeugen buchen). Noch von unseren Erlebnissen in der botswanischen Sektion von vor eineinhalb Jahren geprägt, erwarteten wir im Nationalpark eher schöne Landschaften als viele Tiere. Stattdessen machten wir die erfolgreichsten selbst gefahrenen Game Drives unseres Aufenthalts im südlichen Afrika: Erstmals sahen wir ohne Guide vom eigenen Auto aus Löwen, Geparden, Erdmännchen, Hyänen, etc. Wir waren begeistert.
Sehr beeindruckt hat uns insbesondere die Beobachtung von Geparden. Den ersten trafen wir direkt neben der Staubpiste liegend an. Das allein fanden wir schon beeindruckend, so nah - und Geparden sind einfach faszinierende Tiere.
Wir warteten ein wenig ab, um zu schauen, ob er sich noch irgendwie bewegen würde. Während wir so im Auto saßen, ließen wir unsere Blicke auch in die Umgebung schweifen. Und sahen plötzlich auf einem Hügel, ca. 300m entfernt, eine weitere Katze auf der Kuppe sitzen und in unsere Richtung schauen.
Es dauerte ein wenig, dann wurden aus der einen Katze auf dem Hügel zwei, um genau zu sein zwei weitere Geparden. Sie machten sich schließlich auf den Weg nach unten.
Der Gepard neben der Straße wurde - je näher seine Artgenossen kamen - sichtlich unruhiger, und versteckte sich schließlich sogar im Gebüsch, für uns gerade noch sichtbar. Die beiden anderen Geparden kamen unablässig näher, spannten ihre Muskeln an und hielten deutlich erkennbar Ausschau nach ihm.
Sie suchten schließlich das Gebüsch ab, in dem sie den ersten Geparden richtig vermuteten. Sobald dieser erkannte, dass seine Entdeckung unausweichlich war, gab er Laute von sich, fast wie ein Maunzen - es waren wohl Unterwerfungslaute. Die beiden Geparden schlichen sich die letzten Meter an, dann stürzte sich der erste von ihnen auf den versteckten.
Das ging so schnell, dass wir das, was passierte, fast besser im Nachhinein auf dem Foto sahen als in Realität. Nach dem Sprung über den Geparden und weiterer Maunzlaute von ihm ließen die beiden dominanten Geparden wieder von ihrem Opfer ab und markierten ihr Revier direkt an dem Busch, in dem der kleinere Gepard sich versteckt hatte.
Dann zogen die dominanten Geparden wieder ab, hinauf auf ihren Hügel. Unser "erster" Gepard setzte sich wieder auf wie zuvor und es schien fast, als würde er über die vielen Autos staunen, die mittlerweile angehalten hatten, um das Spektakel zu beobachten.
Für uns war die Situation faszinierend: Selten (fast nie?) hatten wir bisher die Chance, Tiere in solcher Interaktion zu sehen. Häufig laufen, stehen oder liegen sie einfach herum - um so schöner war es für uns, dass wir dieses Erlebnis noch mitnehmen konnten.
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Montag, 11. Februar 2019
Freitag, 8. Februar 2019
Erforscht und beobachtet: Die große Buddelei
Erwähnten wir schon, dass wir Auftragsschreiber sind? Wallis jüngster Blogeintrag zur Auswahl der Umzugsfirma war ja wie geschrieben eingefordert worden. Und außerdem wurde uns gesagt, dass wir Botswana nicht verlassen dürften, ohne nicht mindestens einen Blogeintrag zu Erdmännchen zu schreiben (wobei - wir stellten gerade fest, dass wir ja schon einmal einen Blogeintrag zu Erdmännchen 2016 geschrieben haben - na, dann gibt es eben noch einen). Voilà:
In der Woche vor Weihnachten machten wir unseren voraussichtlich letzten größeren Urlaub im südlichen Afrika, genauer gesagt in Südafrika. Nach 700 km Fahrt von Gaborone aus war unser erster Stopp beim "Kalahari Meerkat Project", einem Erdmännchen-Forschungsprojekt, das dadurch bekannt wurde, dass hier wohl mal in der Erdmännchen-Szene berühmte Filme über Erdmännchen gedreht wurden. Nach einer Campingnacht ging es am nächsten Morgen früh los: Geführt von einer Freiwilligen positionierten wir uns bereits vor Sonnenaufgang vor einem Erdmännchen-Bau. Pünktlich zum Sonnenaufgang schaute ein Erdmännchen heraus und sondierte die Lage, kurz darauf kamen die weiteren Tiere der Gruppe.
Unsere Führerin war eine Engländerin, die als Freiwillige ein Jahr lang hier forscht bzw. Forscher durch die Feldarbeit unterstützt: Jeden Morgen steht sie vor Sonnenaufgang auf, um für einige Stunden Erdmännchen zu beobachten, bis die sich gegen 10 Uhr in ihren Bau zurückziehen, weil es zu heiß wird. Wie ist ihr Sozialverhalten? Wie verständigen sie sich? Wie ist ihre Gewichtszu- oder -abnahme? All das wird dokumentiert.
An dem Morgen, an dem wir da waren, sollte ein Tier gewogen werden, das klappte jedoch nicht so ganz. Das dominante Weibchen hatte seit dem letzten Besuch bei der Gruppe zwei Tage zuvor offenbar Junge bekommen - diese blieben jedoch leider im Bau und waren für uns daher nicht sichtbar.
Dafür beobachteten wir die Gruppe, wie sie zunächst etwas Ausschau hielt, und dann zielstrebig in eine Richtung losdüste, um 50 Meter weiter damit anzufangen, im Boden nach Skorpionen zu buddeln. Es hielt sie allerdings nicht lange an einem Ort, sie zogen dabei stetig weiter.
Wir beobachteten die Erdmännchen eine Weile im Licht der aufgehenden Sonne, bis die Visite schließlich nach einer halben Stunde vorbei war. Es war ein Sonntagmorgen, da bleiben auch die Freiwilligen nicht so lange bei der Gruppe.
Unser Urlaub führte uns anschließend in den Kgalagadi Transfrontier Park, einen grenzüberschreitenden Park auf südafrikanischem, botswanischem und namibianischem Gebiet. Wir hatten uns die südafrikanische Seite vorgenommen (nachdem wir vor anderthalb Jahren schon einmal auf botswanischer Seite waren) - und wurden nicht enttäuscht. Einer der vielen Höhepunkte: Am zweiten Tag unseres Aufenthalts fanden wir zufällig eine Erdmännchen-Gruppe, die sich direkt neben der Straße aufhielt und nach Nahrung buddelte. Erdmännchen hatten wir noch nie in freier Wildbahn gesehen, ohne dass uns ein eigener Erdmännchen-Führer hingeführt hätte. Auch diese Gruppe ließ sich durch unsere Anwesenheit nicht stören und buddelte eifrig weiter - einfach süß!
In der Woche vor Weihnachten machten wir unseren voraussichtlich letzten größeren Urlaub im südlichen Afrika, genauer gesagt in Südafrika. Nach 700 km Fahrt von Gaborone aus war unser erster Stopp beim "Kalahari Meerkat Project", einem Erdmännchen-Forschungsprojekt, das dadurch bekannt wurde, dass hier wohl mal in der Erdmännchen-Szene berühmte Filme über Erdmännchen gedreht wurden. Nach einer Campingnacht ging es am nächsten Morgen früh los: Geführt von einer Freiwilligen positionierten wir uns bereits vor Sonnenaufgang vor einem Erdmännchen-Bau. Pünktlich zum Sonnenaufgang schaute ein Erdmännchen heraus und sondierte die Lage, kurz darauf kamen die weiteren Tiere der Gruppe.
An dem Morgen, an dem wir da waren, sollte ein Tier gewogen werden, das klappte jedoch nicht so ganz. Das dominante Weibchen hatte seit dem letzten Besuch bei der Gruppe zwei Tage zuvor offenbar Junge bekommen - diese blieben jedoch leider im Bau und waren für uns daher nicht sichtbar.
Dafür beobachteten wir die Gruppe, wie sie zunächst etwas Ausschau hielt, und dann zielstrebig in eine Richtung losdüste, um 50 Meter weiter damit anzufangen, im Boden nach Skorpionen zu buddeln. Es hielt sie allerdings nicht lange an einem Ort, sie zogen dabei stetig weiter.
Wir beobachteten die Erdmännchen eine Weile im Licht der aufgehenden Sonne, bis die Visite schließlich nach einer halben Stunde vorbei war. Es war ein Sonntagmorgen, da bleiben auch die Freiwilligen nicht so lange bei der Gruppe.
Unser Urlaub führte uns anschließend in den Kgalagadi Transfrontier Park, einen grenzüberschreitenden Park auf südafrikanischem, botswanischem und namibianischem Gebiet. Wir hatten uns die südafrikanische Seite vorgenommen (nachdem wir vor anderthalb Jahren schon einmal auf botswanischer Seite waren) - und wurden nicht enttäuscht. Einer der vielen Höhepunkte: Am zweiten Tag unseres Aufenthalts fanden wir zufällig eine Erdmännchen-Gruppe, die sich direkt neben der Straße aufhielt und nach Nahrung buddelte. Erdmännchen hatten wir noch nie in freier Wildbahn gesehen, ohne dass uns ein eigener Erdmännchen-Führer hingeführt hätte. Auch diese Gruppe ließ sich durch unsere Anwesenheit nicht stören und buddelte eifrig weiter - einfach süß!
Donnerstag, 26. Juli 2018
Vom Elefanten geküsst
Kürzlich hatten wir ein verlängertes Wochenende - "President's Day" -, und das nutzten wir für einen Ausflug. Hier ist weiterhin Winter, und unser nicht isoliertes und de facto nicht heizbares Haus war uns einfach zu kalt. Was lag da näher als ein kleiner Ausflug nach Südafrika?
Eines unserer Ziele war ein "Elephant Sanctuary". Das nimmt wohl Elefanten auf, die nicht dort bleiben können, wo sie sind, und päppelt sie dann auf, um sie anschließend wieder in privaten Game Reserves auszuwildern. Das vermuten wir zumindest, denn wirklich viel zum eigentlich Schutzgebiet wurde uns leider nicht erzählt. Wir waren anfangs auch nur wenig begeistert, als wir vier Elefanten auf zwei Koppeln herumstehen sahen - ein etwas deprimierendes Bild.
In diesem Schutzgebiet wird mit den Elefanten "gearbeitet", d.h. man versucht sie mit Futter zu belohnen und so gewünschtes Verhalten herzustellen. Da Elefanten am Tag 16 bis 20 Stunden mit Fressen beschäftigt sind und dabei 200 bis 300 kg Futter aufnehmen, sind sie immer an Essbarem interessiert. Bei manchen klappt das Trainieren schneller als bei anderen, häufig davon abhängig, wie traumatisiert die Elefanten dort ankommen.
Zwei der Elefanten wurden schließlich auf einen kleinen Platz bzw. eine Lichtung geführt, bekamen Futter auf den Boden gestreut - und dann durften wir Touris zu ihnen und sie anfassen, jeweils in Zweiergruppen und unter Aufsicht und Anleitung eines Elefantenpflegers.
Sechs Mal erneuern sich die Kauleisten eines Elefanten während seines Lebens. Wenn die sechste Kauleiste verbraucht ist, verbringen die Elefanten - sofern ihr Lebensraum das möglich macht - viel Zeit am Ufer von Flüssen und Seen, wo sie weichere, leichter verdaubare Gräser fressen. Irgendwann sterben sie dann, weil sie letztlich keine Nahrung mehr kauen können und so verhungern. Dieser Elefant war allerdings erst 17 Jahre alt und hat hoffentlich noch ein langes Leben vor sich!
Schließlich wurden wir auch noch vom Elefanten geküsst. Eine feucht-fröhliche Erfahrung. Glücklicherweise war ein Waschbecken mit Wasser nicht weit ... Aus Diskretionsgründen wurde wohl bei diesem Bild nicht weiter herangezoomt:
Ein wenig später durften wir noch die zwei anderen Elefanten füttern: Mit beiden Händen eine Schüssel formen, in einem Eimer voll Futterpellets die Hände voll machen, dann über dem Rüssel ausschütten. Die Elefanten hat's sichtlich gefreut, sie waren richtige Nimmersatts.
Zum Abschluss gingen wir dann noch je mit einem Elefanten auf der Koppel spazieren. Mit der Hand am Rüssel ließen sich die Elefanten herumführen und wurden anschließend mit einer Möhre oder Orange belohnt.
Es ist eine irre Erfahrung, so auf Tuchfühlung mit diesen riesigen, sanften Tieren zu gehen, sie anzufassen, zu streicheln und zu füttern. Wir hatten natürlich eine Menge Respekt vor ihnen - was hätte ein Rüsselschlag oder ein Tritt mit ihren Füßen anrichten können! Es war auf jeden Fall noch einmal ein ganz anderes Erlebnis als das Beobachten der Tiere während einer Safari. Wie das "Elephant Sanctuary" nun wirklich arbeitet, hat sich uns nicht erschlossen. Deutlich wurde, dass sie sich stark über die Eintrittsgelder der Touristen finanzieren - wenn sie dadurch einerseits ein paar Elefanten aus prekärem Umfeld retten können und andererseits Touristen die Lebewesen Elefanten näher bringen können, dann kann es doch keine ganz schlechte Einrichtung sein?
Donnerstag, 21. Juni 2018
Die Auto-Perspektive: Von Roadtrips mit Walli und Philip
Gestatten, Schluckspecht - ich bin zwar kein Fan des Spitznamens, den Philip mir bereits kurz nach dem Kauf verpasst hat, aber ich trage ihn inzwischen mit Fassung. Dass ich bei meiner Motorisierung etwas mehr verbrauche als andere Autos, finde ich legitim - und insbesondere bei Überholvorgängen wissen Philip und Walli sie auch zu schätzen!
Ich ahnte schon ein wenig, was auf mich zukommen würde, als Philip damals meinem Verkäufer erklärte, er wolle unbedingt ein Auto mit Vierradantrieb. Obwohl hier viele Straßen in überraschend gutem Zustand (sprich geteert) sind, kommt man häufig an die besonders schönen Orte nur mit Vierradantrieb. Und dann gibt es noch die Strecken, die extra nur für Autos mit Vierradantrieb ausgelegt sind, die Philip offenbar einfach aus Lust nehmen will - ich bin da immer nur so halb euphorisch. Walli mutmaßt ab und an, dass ich mich heimlich in meine japanische Heimat zurückwünsche - und ganz ehrlich: Manchmal tue ich das auch. Nie wäre ich auf die Idee gekommen, dass es mich mal nach Botswana verschlägt, aber das ging Philip und Walli vermutlich ähnlich. Insofern passen wir dann doch wieder ganz gut zusammen.
In den letzten Monaten haben Walli und Philip mich quasi einem Dauerstresstest unterzogen.
Während unserer Fahrt nach Kapstadt (wo wir Philips Mutter trafen, siehe Gästeblog) machten wir bereits in zwei südafrikanischen Nationalparks Station, dem Mokala Nationalpark in der Nähe von Kimberley (jüngster Nationalpark Südafrikas) und dem Karoo Nationalpark. In letzterem gab es zwar einen schönen Bergpass zu fahren, der jedoch langweilig geteert war. Dafür gab es ansonsten ein paar herrliche Strecken für Autos mit Vierradantrieb - teils noch etwas schlammig. So bekam ich ein paar Schlammspritzer ab, die Farbe der Lackierung wechselte von blau zu braun. Was entstand, war Kunst, keine Frage! Hier das Ergebnis, auf das ich mächtig stolz bin:
Ca. 30 km hinter Maun endete die Teerstraße. Es folgte eine ungeteerte Piste für ca. 30 weitere km, die halbwegs ok war, aber so staubte, dass mir der Prado quasi ständig die Sicht raubte, wenn wir nicht genügend Abstand hielten. Die letzten 30 km bis zum Nationalparkeingang gaben mir dann einen Vorgeschmack auf die Straßen im Park selbst: Staubig, mit Schlaglöchern und Schwellen - und nur noch deutlich langsamer zu befahren. Walli stellte irgendwann klar, dass sie es weder mochte, wenn die Sachen im Kofferraum hochhüpften noch wenn sie selbst hochhüpfte, was Philip und ich zwar einsahen, aber es ließ sich leider nicht verhindern. Am Nationalparkeingang wurde der Angeber-Prado wie immer wohlwollend und ich wie immer kritisch beäugt und meine Insassen wurden erneut gefragt, ob ich denn auch Vierradantrieb hätte. Ganz ehrlich: Ohne Vierradantrieb wäre ich vermutlich gar nicht bis zum Nationalparkeingang gekommen. Diesmal blieb ich immerhin nicht 10 Meter hinter dem Eingang liegen, was unseren Abgang etwas würdevoller machte.
Ich ahnte schon ein wenig, was auf mich zukommen würde, als Philip damals meinem Verkäufer erklärte, er wolle unbedingt ein Auto mit Vierradantrieb. Obwohl hier viele Straßen in überraschend gutem Zustand (sprich geteert) sind, kommt man häufig an die besonders schönen Orte nur mit Vierradantrieb. Und dann gibt es noch die Strecken, die extra nur für Autos mit Vierradantrieb ausgelegt sind, die Philip offenbar einfach aus Lust nehmen will - ich bin da immer nur so halb euphorisch. Walli mutmaßt ab und an, dass ich mich heimlich in meine japanische Heimat zurückwünsche - und ganz ehrlich: Manchmal tue ich das auch. Nie wäre ich auf die Idee gekommen, dass es mich mal nach Botswana verschlägt, aber das ging Philip und Walli vermutlich ähnlich. Insofern passen wir dann doch wieder ganz gut zusammen.
In den letzten Monaten haben Walli und Philip mich quasi einem Dauerstresstest unterzogen.
Während unserer Fahrt nach Kapstadt (wo wir Philips Mutter trafen, siehe Gästeblog) machten wir bereits in zwei südafrikanischen Nationalparks Station, dem Mokala Nationalpark in der Nähe von Kimberley (jüngster Nationalpark Südafrikas) und dem Karoo Nationalpark. In letzterem gab es zwar einen schönen Bergpass zu fahren, der jedoch langweilig geteert war. Dafür gab es ansonsten ein paar herrliche Strecken für Autos mit Vierradantrieb - teils noch etwas schlammig. So bekam ich ein paar Schlammspritzer ab, die Farbe der Lackierung wechselte von blau zu braun. Was entstand, war Kunst, keine Frage! Hier das Ergebnis, auf das ich mächtig stolz bin:
Die neue Sonderlackierung durfte sich eine Weile halten, denn in Kapstadt und auf der Garden Route herrscht derzeit ja akute Wasserknappheit, da wollten die beiden auch keinen Spritzer für eine Autowäsche verschwenden.
Nachdem wir Philips Mutter 10 Tage später am Flughafen von Port Elizabeth abgesetzt hatten, fuhren wir weiter, und unsere nächste Nacht verbrachten wir im Mountain Zebra Nationalpark. Auch dort gab es wieder schöne Strecken, die nur mit Vierradantrieb zu befahren waren. Die beiden hatten schon gehört, dass sie eventuell aufgrund eines Regenfalls gesperrt werden sollten, also ergriffen sie noch schnell die Gelegenheit, bevor es zu spät war. Wir wurden belohnt mit einer tollen anspruchsvollen Strecke in kompletter Einsamkeit. Nur an einer Stelle ging es für mich nicht mehr weiter, denn es lagen zu viele größere Steine auf dem Weg, die ich nicht ohne weiteres bewältigen konnte - die Steigung war steil, die Steine fast treppenartig, aber lose. Umkehren war keine Option - der 4x4-Track war eine Einbahnstraße und wenden wäre eh nicht möglich gewesen. So mussten Philip und Walli auch mal aussteigen, so knapp vor der Dämmerung in einem Gebiet mit (nachtaktiven) Katzen ... warum soll auch immer nur ich den Löwen ausgesetzt sein? Mit dem Wegräumen von ein paar (schweren!) Steinen war es zum Glück getan, die Löwen waren wohl gerade nicht hungrig - und so konnte Walli sogar noch ein Foto von mir machen:
Der Bergpass in Lesotho, den wir als nächstes zu bewältigen hatten, war ordentlich steil. Langweiligerweise ist er seit Kurzem geteert. Nur ein paar gelegentliche Felsabbrüche lagen auf der Straße und mussten umfahren werden. Auf der Weiterfahrt, als wir die Passstraße nach unten fuhren, reichte meine Motorbremse nicht aus, so mussten auch meine "normalen" Bremsen daran glauben, bis sie glühten (kein angenehmer Geruch übrigens), das hat schon etwas weh getan. Nach ein paar Tagen Erholung für mich und Walli (sowie einem dienstlichen Workshop für Philip) in Johannesburg ging es dann zurück nach Botswana. Nicht lange vor der Grenze wollte ich allerdings bei höheren Geschwindigkeiten nicht mehr ganz so gut beschleunigen. Die Strecke, die wir da gerade fuhren, ist berüchtigt für Überfälle, daher beschloss ich, die beiden zunächst noch ein Stückchen weiter zu kutschieren. Nachdem Walli und Philip auf südafrikanischer Seite der Grenze bereits Stempel in die Pässe erhalten hatten, beschloss ich dann quasi am Schlagbaum doch mal, auszugehen und mich nicht mehr starten zu lassen. Der freundliche Grenzpolizist half den beiden, mich durch den Schlagbaum zu einem kleinen Parkplatz auf der anderen Seite zu schieben (und verzichtete, vermutlich aus Mitleid, auf jegliche Kontrolle). Walli schwankte zwischen nachträglicher Erleichterung, dass ich immerhin bis hierhin durchgehalten hatte und Fassungslosigkeit, dass ich gerade im Niemandsland zwischen Südafrika und Botswana schlappmachen musste. Philip öffnete derweil meinen Brustkorb, sprich meine Motorhaube, und ich war ganz beeindruckt, dass die zwei trotz ihres laienhaften Autowissens gleich entdeckten, warum es mir nicht gut ging: Durch die Ruckelei der Vierradstrecken hatte sich offenbar eine Spange gelöst, die zwei Enden eines Schlauchs zusammenhielt, die nun nicht mehr ineinander steckten. Das ließ sich glücklicherweise schnell reparieren und so brachte ich die beiden noch bis nach Hause - von 5.500 km Fahrt durch Südafrika musste ich mich nur ca. 50 Meter schieben lassen, eine ganz gute Quote, wie ich finde.
Vor zwei Wochen nahmen mich Philip und Walli nun auf ihren nächsten Kurztrip mit, diesmal innerhalb Botswanas. Das erste größere Ziel war der Nxai Pan Nationalpark - Salzpfannen der Makgadikgadi, die wir an anderer Stelle schon einmal 2016 besucht hatten bzw. letztes Jahr auf Kubu Island. Am Nationalparkeingang schauten die Wächter noch etwas mitleidig auf mich und fragten, ob ich wirklich Vierradantrieb hätte (Beleidigung!), was die beiden guten Gewissens bejahen konnten. So fuhren wir also in den Park hinein - kamen allerdings nicht weit. 10 Meter hinter dem Parkeingang hielt unser "Begleitfahrzeug" vor uns an, um seinen Vierradantrieb zuzuschalten. Unser Begleitfahrzeug war das Auto von Ruth und Thomas, ein Landcruiser Prado. Es durfte immer vorfahren und die Strecke zuerst inspizieren, weil es angeblich besser überall durchkommt. Zugegebenermaßen ist der olle Prado etwas höher als ich, aber meinen Vierradantrieb muss man zum Beispiel gar nicht dazuschalten, der ist immer schon drin! Hier hatte Thomas es erst vergessen und stoppte dann leider an einer sandigen Stelle. Und als er dann weiterfuhr, musste ich passen. Ich konnte nicht mehr weiterfahren, steckte im Sand fest - und das 10 Meter vom Tor entfernt. Das fing ja gut an ... es war mir etwas peinlich. Aufgrund der minimalen Distanz zum Gate war sämtliches am Tor stationiertes Nationalparkpersonal schnell bei uns und half, Luft aus meinen Reifen abzulassen, worauf wir weiterfahren konnten. Der Nationalpark ging ab dort allerdings erst richtig los: Uns standen noch 40 km Piste bis zum Campingplatz bevor, teils wieder ordentlich sandig, ansonsten mit vielen Bodenschwellen - nicht unbedingt einfach, mich da durch zu manövrieren. Wir kamen gut an und fuhren auch die nächsten eineinhalb Tage noch gut durch den Park, teils etwas holprig, aber immer ohne stecken zu bleiben.
Eines der Highlights in diesem Park sind uralte Baobab-Bäume, die direkt an einer großen Salzpfanne stehen. Da die Salzpfanne bei Regen geflutet wird und es noch Anfang der Trockenzeit war, konnten wir nicht sicher sein, dass die Pfanne bereits ganz trocken war, so fuhren wir nur an deren Rand entlang und nicht den Weg mittendurch (von dem war uns tatsächlich abgeraten worden).
Wenn Philip und Walli dann doch mal ausstiegen (z.B. am Campingplatz), knackte die unter ihren Schuhen zerbröselnden Salzkruste - ein faszinierendes Geräusch.
Weiter ging's einen Tag später, in den Moremi Nationalpark. Der liegt im Herzen des Okavango Deltas. Philip und Walli waren ja bereits mehrfach im Delta (jüngster Bericht, ein Gästeblog, hier), aber mich hatten sie noch nie mitgenommen und so freuten wir uns alle drei auf diese neue Erfahrung.
Schon die Anfahrt war nicht ganz einfach: Walli kam mit dem miesen Zustand der geteerten Landstraße zwar klar, konnte aber dem Nervenkitzel, ob meine Tankfüllung noch nach Maun reichen würde, wenig abgewinnen. Wir hatten zwar zwei volle Ersatzkanister in meinem Kofferraum dabei, aber die waren recht zugebaut und wir fuhren an diesem Tag auch ein bisschen im Wettlauf mit der Zeit - das Ziel war, erst in Maun zu tanken. Als Walli entdeckte, dass die elektronische Anzeige von "[Tankfüllung reicht noch für] 20 km" direkt auf "--- km" sprang, wurde sie etwas nervös. 25 km später waren wir zwar in Maun, aber da kam erstmal keine Tankstelle! Philip versuchte zu beschreiben, dass ich vermutlich einfach ausrollen würde, wenn nichts mehr ging, Walli hatte aber irgendwie keine Lust, mich im Mauner Stadtverkehr ausrollen zu lassen. Unter Aufbietung all meiner Ressourcen schaffte ich es, die beiden ohne ausrollen zur Tankstelle zu bringen, wo Walli dann erstmal ein Eis brauchte - und ich 73l Benzin! Danach durfte Philip wieder ans Steuer.
Ca. 30 km hinter Maun endete die Teerstraße. Es folgte eine ungeteerte Piste für ca. 30 weitere km, die halbwegs ok war, aber so staubte, dass mir der Prado quasi ständig die Sicht raubte, wenn wir nicht genügend Abstand hielten. Die letzten 30 km bis zum Nationalparkeingang gaben mir dann einen Vorgeschmack auf die Straßen im Park selbst: Staubig, mit Schlaglöchern und Schwellen - und nur noch deutlich langsamer zu befahren. Walli stellte irgendwann klar, dass sie es weder mochte, wenn die Sachen im Kofferraum hochhüpften noch wenn sie selbst hochhüpfte, was Philip und ich zwar einsahen, aber es ließ sich leider nicht verhindern. Am Nationalparkeingang wurde der Angeber-Prado wie immer wohlwollend und ich wie immer kritisch beäugt und meine Insassen wurden erneut gefragt, ob ich denn auch Vierradantrieb hätte. Ganz ehrlich: Ohne Vierradantrieb wäre ich vermutlich gar nicht bis zum Nationalparkeingang gekommen. Diesmal blieb ich immerhin nicht 10 Meter hinter dem Eingang liegen, was unseren Abgang etwas würdevoller machte.
Es waren immer noch 46 km bis zur Campsite, für die ich zwischen zweieinhalb und drei Stunden benötigte. Ich fuhr gegen die Dunkelheit an und schaffte es, was uns alle sehr erleichterte, denn schon bei Helligkeit waren die Wege schwer befahrbar. Zwischendurch ließ Philip wegen des Sandes noch etwas Luft aus den Reifen ab, ansonsten wurde ich durch tiefere und weniger tiefe Löcher manövriert. Dabei setzte ich mehrmals auf, und mein Auspuff klang zunehmend lauter. Es hatte schon in der Nxai Pan angefangen, dass ich plötzlich lauter röhrte, und es wurde leider schlimmer. Nicht die beste Ausgangssituation für Tierbeobachtungen, aber ich konnte es nicht ändern.
Auf dem Weg zu unserem Camp und auch am nächsten Tag passierten wir ein paar schöne Brücken. Diese bestanden im wesentlich aus ein paar quergelegten Balken. Walli erbarmte sich freundlicherweise, auszusteigen und ein Foto von mir für diesen Blog zu machen. Da sie nicht gefressen wurde, können wir das Foto auch guten Gewissens veröffentlichen (für den anderen Fall, dass ein Löwe gekommen wäre, hätte Philip immerhin seine Kamera griffbereit gehabt).
Der Campingplatz, den die beiden gebucht hatten, hieß übrigens "Third Bridge Campsite", weil er eben an der dritten Brücke ab Nationalparkeingang liegt. Glücklicherweise liegt diese Brücke erst hinter der Campsite, so dass wir sie an dem Abend nicht mehr passieren mussten. Denn diese "Brücke" liegt ... unter Wasser. Am nächsten Morgen war es dann so weit: Zunächst beobachteten Philip und Walli ein paar andere Autos (die definitiv höher gebaut waren als ich), dann diskutierten sie mit Ruth und Thomas ein wenig über die Streckenauswahl des Tages. Ruth und Walli waren klar gegen die Fahrt durchs Wasser, Thomas dagegen befragte einen Angestellten des Campingplatzes, ob er denke, dass ich das mitmachen würde. Dieser Angestellte hatte sehr viel Vertrauen in mich, was mir ja schmeichelte, er meinte außerdem, sie hätten im Camp ein ähnliches Fahrzeug, mit dem sie auch regelmäßig durch das Wasser führen. Für Thomas war die Sache damit entschieden, und die anderen drei fügten sich mehr oder weniger überzeugt. Ich weiß auch nicht, was Philip da für Komplexe hat; wenn sein Chef sagt "fahr", dann fährt er ohne Rücksicht auf Verluste ... Aber immerhin haben Thomas und Philip mir beide zugetraut, dass ich es schaffe. Walli hat still mit mir mitgelitten.
Von der ersten "Überquerung" der "Brücke" haben wir leider kein Bild. Nur so viel: Das Wasser schlug über meiner Motorhaube zusammen und spritzte bis hoch an die Windschutzscheibe. Ich habe den Verdacht, dass nicht nur ich mich in diesem Moment nach Japan wünschte, sondern auch Walli. Auf der Rückfahrt später am Tag dachten Philip und Walli daran, ein Foto zu machen - Walli ging fremd und fuhr mit Ruth und Thomas durchs Wasser, so konnte sie Philip und mich beim Nachkommen knipsen. Leider fuhr Philip diesmal etwas geschickter über die "Brücke", so dass ich nicht ganz so tief eintauchen musste und das Foto nicht ganz so spektakulär wurde:
Der Moremi Nationalpark war landschaftlich toll. Wir fuhren überwiegend auf den großen und mittleren Pisten, die ganz kleinen blieben mir erspart. Mit zwei Autos, Sandmatten (falls man mal so stecken bleibt, dass auch Luftablassen nicht hilft), Satellitentelefon und mittlerweile doch etwas Vierraderfahrung fühlten wir uns recht gut für die Wildnis ausgerüstet. Außer uns sahen wir allerdings viele Touristen, die alleine mit nur einem Mietwagen unterwegs waren. Das stellten wir uns doch als ein etwas arg großes Wagnis in diesem rauhen Gelände vor.
Nach ein paar schönen Tierbeobachtungen schafften wir es wieder zurück zum Eingang des Nationalparks. Von dort an ging es - via einer Übernachtung im Khama Rhino Sanctuary, ohne Auspuff recht laut, erstmals ohne Nashörner gesehen zu haben und langweilig auf Pisten, die zweiradantriebgeeignet sind - sowie dem neuen Monument am Wendekreis des Steinbocks - zurück nach Gaborone, nach 2.500 km quer durch Botswana).
Ich war sehr stolz, als wir wieder gut in Gaborone angekommen waren. Man mag es mir nicht immer von außen ansehen, aber ich musste mich hinter dem Prado durchaus nicht verstecken! Dass ich etwas gelitten hatte, ist eine andere Geschichte.
Nach unserer Rückkehr ist Philip mich zunächst noch ein paar Tage mit all meinen Blessuren durch die Stadt spazieren gefahren - man will ja zeigen, was man alles erlebt hat... Und wie drückte sich ein Kollege so freundlich aus: Er fände es ja toll, dass Philip und Walli mich so als Gebrauchsgegenstand sähen und so runterfahren würden. Selber runtergefahren, sage ich da nur ... Walli brachte meinen kleinen Bruder, den VW Golf, kurz nach unserer Rückkehr in die Waschanlage und wurde da gleich angesprochen, dass man mich schon lange nicht mehr gesehen hätte. Mit röhrendem Auspuff fuhr sie mich einen Tag später vor und mein Lieblingsautowäscher schwankte zwischen Wiedersehensfreude und Bestürzung, mich so zu sehen.
Aber der Termin bei meinem Hausarzt Goran war bereits vereinbart, und der hat mich diesmal eine ganze Woche lang in seiner Praxis behalten: Neben meinem Auspuff musste auch noch eine gebrochene Plastikverkleidung unterhalb der Stoßstange, die Stoßdämpfer hinten sowie eine gebrochene Feder ersetzt werden. Selbst die aus meinem Bauch herunterhängenden Stromkabel hatten das Baden auf der Brücke im Okavango-Delta gut überstanden (abgesehen davon, dass sie eben zu weit herunterhingen). Ich bin anscheinend ein nicht so gängiger Autotyp in Botswana, daher ist die Ersatzteilsuche nicht ganz einfach und nicht ganz günstig. So ein gewöhnlicher Prado mag einfacher zu händeln sein, aber wie gesagt - was der kann, kann ich schon lange!
Freitag, 11. Mai 2018
Tierweine und gutes Essen
Knapp zwei Wochen nach Wallis Ankunft in Gaborone (schon wieder zwei Jahre her!) gönnten wir uns anlässlich unseres Hochzeitstags ein Essen in einem der besseren Restaurants der Stadt. Konsumanregend hatte man uns eine Weinflasche der Marke "Allesverloren" auf den Tisch gestellt. Wir tranken diese Flasche damals nicht, es erschien uns einfach nicht passend zu diesem besonderen Tag (wir hörten später einmal, dass diese Marke tatsächliche ein recht gute sei).
Stattdessen haben wir uns mittlerweile auf Tiere spezialisiert. Ok, angesichts der Vielzahl von Safari-Beiträgen in diesem Blog ist das für die meisten wohl keine neue Erkenntnis. Tiere jagen wir allerdings nicht nur mit dem Fotoapparat, sondern auch mit dem Weinglas. Denn wir haben beschlossen, dass wir bevorzugt Tierweine trinken. Unser Lieblingswein in Gaborone ist von der Marke "Fat Bastard", als Logo haben sie ein Nilpferd.
Als wir nun kürzlich mit meiner Mutter durch Südafrika fuhren (hier ihr Gästeblog dazu), hatten wir auch (leider nur) eine Nacht in der Weinregion der Kaphalbinsel eingeplant. Die Unterkunft dazu hatten wir in dem - augenscheinlich fast nur von Weißen bewohnten - lieblichen Städtchen Franschhoek gebucht, einem von Hugenotten gegründeten pittoresken Ort am Ende eines Tals voller Weinanbaugebiete. In Franschhoek stehen mehrere der Top 10 Restaurants Südafrikas (die glückerlicherweise i.d.R. durchaus finanzierbar sind). Man kann hier mit der "Winetram" fahren, also einer Art Straßenbahn, die einen von einem Weingut zum nächsten bringt, so dass man überall Weinproben machen kann. Wir überlegten uns, dass unsere Trinkfestigkeit möglicherweise nicht für Transfers zu mehreren Weingütern ausreichen würde und entschieden uns daher, nur ein Weingut anzusteuern. Unserer Spezialisierung entsprechend wählten wir "Leopard's Leap". Dort wird man von einem architektonisch interessanten (neuen) Gebäude inmitten von Weinbergen empfangen.
Wir hatten hier ein "Culinaria Food and Wine Pairing" gebucht. 5 Weine (plus der Sekt vorneweg), 5 Gänge.
Der Sommelier erläuterte uns jeweils die Weine, während der Koch vor unseren Augen die Speisen zubereitete und darlegte, warum sie mit dem jeweiligen Wein korrespondierten. Ein durchaus leckerer Nachmittag!
Die Weißweine schmeckten uns nicht ganz so gut wie die Rotweine, aber am Ende waren alle Gläser leer. Und ich kaufte eine Kiste (Rot-)Wein (Pinot Noir, der schmeckte uns noch besser als der gerühmte und noch schwerere "Grand Vin") als Urlaubsandenken. Vor der Einreise nach Botswana versteckten wir die einzelnen Flaschen in unserer Schmutzwäsche, denn pro Person darf man hier nur eine Flasche einführen. Kein Zöllner hat sie erschnüffelt!
Mit "Fat Bastard" und "Leopard's Leap" wird unsere Weinversuchsreihe möglicherweise noch nicht abgeschlossen sein. Im Liquor Store in Südafrika haben wir noch weitere Marken entdeckt, die wir mal probieren sollten: Flying Geese, Tall Giraffe, etc. Man braucht ja Kriterien zur Weinauswahl!
Stattdessen haben wir uns mittlerweile auf Tiere spezialisiert. Ok, angesichts der Vielzahl von Safari-Beiträgen in diesem Blog ist das für die meisten wohl keine neue Erkenntnis. Tiere jagen wir allerdings nicht nur mit dem Fotoapparat, sondern auch mit dem Weinglas. Denn wir haben beschlossen, dass wir bevorzugt Tierweine trinken. Unser Lieblingswein in Gaborone ist von der Marke "Fat Bastard", als Logo haben sie ein Nilpferd.
Als wir nun kürzlich mit meiner Mutter durch Südafrika fuhren (hier ihr Gästeblog dazu), hatten wir auch (leider nur) eine Nacht in der Weinregion der Kaphalbinsel eingeplant. Die Unterkunft dazu hatten wir in dem - augenscheinlich fast nur von Weißen bewohnten - lieblichen Städtchen Franschhoek gebucht, einem von Hugenotten gegründeten pittoresken Ort am Ende eines Tals voller Weinanbaugebiete. In Franschhoek stehen mehrere der Top 10 Restaurants Südafrikas (die glückerlicherweise i.d.R. durchaus finanzierbar sind). Man kann hier mit der "Winetram" fahren, also einer Art Straßenbahn, die einen von einem Weingut zum nächsten bringt, so dass man überall Weinproben machen kann. Wir überlegten uns, dass unsere Trinkfestigkeit möglicherweise nicht für Transfers zu mehreren Weingütern ausreichen würde und entschieden uns daher, nur ein Weingut anzusteuern. Unserer Spezialisierung entsprechend wählten wir "Leopard's Leap". Dort wird man von einem architektonisch interessanten (neuen) Gebäude inmitten von Weinbergen empfangen.
Wir hatten hier ein "Culinaria Food and Wine Pairing" gebucht. 5 Weine (plus der Sekt vorneweg), 5 Gänge.
Der Sommelier erläuterte uns jeweils die Weine, während der Koch vor unseren Augen die Speisen zubereitete und darlegte, warum sie mit dem jeweiligen Wein korrespondierten. Ein durchaus leckerer Nachmittag!
Die Weißweine schmeckten uns nicht ganz so gut wie die Rotweine, aber am Ende waren alle Gläser leer. Und ich kaufte eine Kiste (Rot-)Wein (Pinot Noir, der schmeckte uns noch besser als der gerühmte und noch schwerere "Grand Vin") als Urlaubsandenken. Vor der Einreise nach Botswana versteckten wir die einzelnen Flaschen in unserer Schmutzwäsche, denn pro Person darf man hier nur eine Flasche einführen. Kein Zöllner hat sie erschnüffelt!
Mit "Fat Bastard" und "Leopard's Leap" wird unsere Weinversuchsreihe möglicherweise noch nicht abgeschlossen sein. Im Liquor Store in Südafrika haben wir noch weitere Marken entdeckt, die wir mal probieren sollten: Flying Geese, Tall Giraffe, etc. Man braucht ja Kriterien zur Weinauswahl!
Montag, 30. April 2018
Lektüretipp aus Südafrika: Trevor Noahs "Born a crime"
Im letzten Blogbeitrag, den meine Schwiegermutter Petra zu unserer gemeinsamen Südafrikareise verfasst hat, hat sie unsere Reiselektüren erwähnt. Sie und ich hatten für diesen Urlaub Bücher eingepackt, die sich mit Südafrika und seiner jüngeren Geschichte beschäftigten, insbesondere mit dem Ende der Apartheid und den Jahren danach. Sehr beeindruckt hat mich "Born a crime", ein Buch mit autobiographischen Anekdoten des südafrikanischen Comedians Trevor Noah. Ich habe es heute bereits auf meinem Buchblog "Romanregal" rezensiert, stelle die Besprechung aber auch hier online, weil sie an den letzten Blogbeitrag anknüpft: Südafrikas Gesellschaft auch nur ansatzweise zu verstehen, fiel uns (weißen) Touristen schwer; die Probleme sind offensichtlich und ihre Lösung scheint in weiter Ferne. Dieses Buch half mir, eine leise Ahnung davon zu bekommen, welche Nachwirkungen die Apartheid noch heute hat - und das war gerade als Kontrast zu unserer wunderschönen Reiseroute in diesem touristisch hochentwickelten Land sehr interessant.
Der deutsche Titel dieses grandiosen Buches ist „Farbenblind“. Warum, hat sich mir nicht erschlossen, denn die Gesellschaft, in die der Südafrikaner Trevor Noah 1984 hineingeboren wird, ist nicht „farbenblind“, sondern zutiefst farbenfixiert, was er von klein auf zu spüren bekommt. Trevor Noahs Hautfarbe belegt ab dem Tag seiner Geburt, dass gegen „Immorality Act No. 5“ der Apartheidsgesetze verstoßen wurde: Er ist farbig – obwohl er eine schwarze Mutter hat. Was nur bedeuten kann, dass sein Vater weiß ist, und dass er und Trevors Mutter den genannten Paragraphen missachtet haben, der Menschen mit unterschiedlichen Hautfarben sexuelle Beziehungen untersagt und Verstöße mit bis zu fünf Jahren Gefängnis ahndet. Vor diesem Hintergrund erklärt sich der Titel der englischen Ausgabe auf einen Blick: „Born a crime“. Was für ein Start ins Leben – ein Leben, in dem der weiße Vater in der Öffentlichkeit panisch die Flucht vor seinem „Daddy“ rufenden Kleinkind ergreift, die Mutter zum Spaziergang im Park gerne eine farbige Freundin mitnimmt und die schwarze Großmutter den Enkel in ihrer Hütte versteckt hält, wenn er sie in Soweto besucht. Trevor Noah ist mit einer besonderen Sensibilität in Bezug auf Hautfarben aufgewachsen – gezwungenermaßen. Er konnte sich die hier gemeinte „Farbenblindheit“ nicht leisten.
In seinen autobiographischen Rückblicken lässt er den Leser an seiner Kindheit und Jugend in Johannesburg teilhaben. Mit fantastischer Leichtigkeit schildert Noah, was es für ihn als farbiges Kind bedeutet hat, im Apartheids- und Postapartheids-gebeutelten Südafrika aufzuwachsen. Bereits auf den ersten Seiten schafft er es mühelos, auch seine ausländischen Leser in diese zutiefst rassistische Welt mitzunehmen und ihren Horizont zu erweitern.
Ich habe Trevor Noahs „Born a crime“ als Geschenk empfunden. Der Autor ist nur zwei Jahre jünger als ich. Er ist unter Bedingungen aufgewachsen, die mir kaum fremder sein könnten und schafft es trotzdem, seine damaligen Lebensumstände gleichsam unterhaltsam und nachvollziehbar zu schildern. Er nimmt seine Leser an die Hand und erklärt, worauf ein nicht-südafrikanischer Leser vermutlich nicht kommt: Wieso bleiben Menschen freiwillig in Townships wohnen? Wieso kam es vor, dass schwarze Mütter ihre Söhne „Hitler“ nannten? Wieso hatten Gebetskreise in Soweto die Hoffnung, dass Gott ein farbiges Kindes eher erhören würde als schwarze Frauen?
Trevor Noah musste von klein auf lernen, was es heißt, anders zu sein, wuchs er doch in einem Land auf, dass Menschen ausschließlich über ihre Hautfarbe und Stammesangehörigkeit definierte. Er lernte nach und nach, sich wie ein Chamäleon an seine Umgebung anzupassen – sein Schlüssel war dabei die Sprache, er beherrschte neben Englisch noch isiXhosa, isiZulu und andere und verblüffte damit, dass er sich so nicht in die Schublade sortieren ließ, in die der typische Farbige gesteckt wurde. Meine naive Vorstellung war ja, dass sich das Thema Hautfarbe mit dem Ende der Apartheid in Südafrika zu größeren Teilen erledigt hätte, doch diese wurde schnell ausgeräumt.
Eine Freundin, die das Buch auf Deutsch angelesen hat, äußerte sich mir gegenüber enttäuscht über die Einfachheit der Sprache. Bei meiner Lektüre auf Englisch ist mir nicht aufgefallen, dass Noahs Stil in irgendeiner Art und Weise schlicht wäre. Ich kenne die Übersetzung jedoch nicht und bin im Englischen sicher nicht so sprachsensibel wie im Deutschen. Es ist klar, dass Trevor Noah kein Literat ist – das ist nicht sein Metier. Der Südafrikaner ist ein höchst erfolgreicher Comedien, der seit 2015 als Nachfolger von Jon Stewart die Late-Night-Show „The Daily Show“ in den USA moderiert. Er ist Unterhalter und hat ein höchst unterhaltsames und trotzdem sehr reflektiertes Buch geschrieben – angesichts des Inhalts ist das in meinen Augen eine große Leistung.
„Born a crime“ vermittelt dem Leser eine leise Ahnung davon, was Apartheid für die Betroffenen wirklich bedeutet hat - und was in Südafrika bis heute im Argen liegt. Es verdeutlicht, warum "Farbenblindheit" bis heute ein frommer Traum ist und ist trotzdem nicht verbittert, sondern feiert das Leben. Ich kann es nur empfehlen.
Verlag: Spiegel & Grau
Seitenzahl: 304
Erscheinungsdatum: 19. September 2017 (Hardcover: 15. November 2016)
ISBN: 978-0525509028
Preis: aktuell 7,99 € (E-Book: 4,49 €)
Ist am 6. März 2017 auf Deutsch beim Karl Blessing Verlag unter dem Titel "Farbenblind" erschienen. Preis: 19,99 € (E-Book: 15,99 €).
Der deutsche Titel dieses grandiosen Buches ist „Farbenblind“. Warum, hat sich mir nicht erschlossen, denn die Gesellschaft, in die der Südafrikaner Trevor Noah 1984 hineingeboren wird, ist nicht „farbenblind“, sondern zutiefst farbenfixiert, was er von klein auf zu spüren bekommt. Trevor Noahs Hautfarbe belegt ab dem Tag seiner Geburt, dass gegen „Immorality Act No. 5“ der Apartheidsgesetze verstoßen wurde: Er ist farbig – obwohl er eine schwarze Mutter hat. Was nur bedeuten kann, dass sein Vater weiß ist, und dass er und Trevors Mutter den genannten Paragraphen missachtet haben, der Menschen mit unterschiedlichen Hautfarben sexuelle Beziehungen untersagt und Verstöße mit bis zu fünf Jahren Gefängnis ahndet. Vor diesem Hintergrund erklärt sich der Titel der englischen Ausgabe auf einen Blick: „Born a crime“. Was für ein Start ins Leben – ein Leben, in dem der weiße Vater in der Öffentlichkeit panisch die Flucht vor seinem „Daddy“ rufenden Kleinkind ergreift, die Mutter zum Spaziergang im Park gerne eine farbige Freundin mitnimmt und die schwarze Großmutter den Enkel in ihrer Hütte versteckt hält, wenn er sie in Soweto besucht. Trevor Noah ist mit einer besonderen Sensibilität in Bezug auf Hautfarben aufgewachsen – gezwungenermaßen. Er konnte sich die hier gemeinte „Farbenblindheit“ nicht leisten.
In seinen autobiographischen Rückblicken lässt er den Leser an seiner Kindheit und Jugend in Johannesburg teilhaben. Mit fantastischer Leichtigkeit schildert Noah, was es für ihn als farbiges Kind bedeutet hat, im Apartheids- und Postapartheids-gebeutelten Südafrika aufzuwachsen. Bereits auf den ersten Seiten schafft er es mühelos, auch seine ausländischen Leser in diese zutiefst rassistische Welt mitzunehmen und ihren Horizont zu erweitern.
Ich habe Trevor Noahs „Born a crime“ als Geschenk empfunden. Der Autor ist nur zwei Jahre jünger als ich. Er ist unter Bedingungen aufgewachsen, die mir kaum fremder sein könnten und schafft es trotzdem, seine damaligen Lebensumstände gleichsam unterhaltsam und nachvollziehbar zu schildern. Er nimmt seine Leser an die Hand und erklärt, worauf ein nicht-südafrikanischer Leser vermutlich nicht kommt: Wieso bleiben Menschen freiwillig in Townships wohnen? Wieso kam es vor, dass schwarze Mütter ihre Söhne „Hitler“ nannten? Wieso hatten Gebetskreise in Soweto die Hoffnung, dass Gott ein farbiges Kindes eher erhören würde als schwarze Frauen?
Trevor Noah musste von klein auf lernen, was es heißt, anders zu sein, wuchs er doch in einem Land auf, dass Menschen ausschließlich über ihre Hautfarbe und Stammesangehörigkeit definierte. Er lernte nach und nach, sich wie ein Chamäleon an seine Umgebung anzupassen – sein Schlüssel war dabei die Sprache, er beherrschte neben Englisch noch isiXhosa, isiZulu und andere und verblüffte damit, dass er sich so nicht in die Schublade sortieren ließ, in die der typische Farbige gesteckt wurde. Meine naive Vorstellung war ja, dass sich das Thema Hautfarbe mit dem Ende der Apartheid in Südafrika zu größeren Teilen erledigt hätte, doch diese wurde schnell ausgeräumt.
Eine Freundin, die das Buch auf Deutsch angelesen hat, äußerte sich mir gegenüber enttäuscht über die Einfachheit der Sprache. Bei meiner Lektüre auf Englisch ist mir nicht aufgefallen, dass Noahs Stil in irgendeiner Art und Weise schlicht wäre. Ich kenne die Übersetzung jedoch nicht und bin im Englischen sicher nicht so sprachsensibel wie im Deutschen. Es ist klar, dass Trevor Noah kein Literat ist – das ist nicht sein Metier. Der Südafrikaner ist ein höchst erfolgreicher Comedien, der seit 2015 als Nachfolger von Jon Stewart die Late-Night-Show „The Daily Show“ in den USA moderiert. Er ist Unterhalter und hat ein höchst unterhaltsames und trotzdem sehr reflektiertes Buch geschrieben – angesichts des Inhalts ist das in meinen Augen eine große Leistung.
„Born a crime“ vermittelt dem Leser eine leise Ahnung davon, was Apartheid für die Betroffenen wirklich bedeutet hat - und was in Südafrika bis heute im Argen liegt. Es verdeutlicht, warum "Farbenblindheit" bis heute ein frommer Traum ist und ist trotzdem nicht verbittert, sondern feiert das Leben. Ich kann es nur empfehlen.
Verlag: Spiegel & Grau
Seitenzahl: 304
Erscheinungsdatum: 19. September 2017 (Hardcover: 15. November 2016)
ISBN: 978-0525509028
Preis: aktuell 7,99 € (E-Book: 4,49 €)
Ist am 6. März 2017 auf Deutsch beim Karl Blessing Verlag unter dem Titel "Farbenblind" erschienen. Preis: 19,99 € (E-Book: 15,99 €).
Donnerstag, 26. April 2018
Gästeblog: Genussreisen in Südafrika
Aus der Reihe "Gästeblog statt Gästebuch" hier ein neuer Eintrag, verfasst von meiner Mutter:
Ein Gastbeitrag, obwohl ich nicht in Gaborone war? Ja doch! Philip und Walli waren trotzdem meine Gastgeber, meine Reisegastgeber. Oder in anderen Worten: Ich hatte ab Kapstadt pauschal gebucht. Wenn man individuell reisen und sich doch um nichts kümmern möchte, kann ich nur eine Reise mit den beiden empfehlen. Wünsche werden jederzeit berücksichtigt, die Quartiere sind sehr schön ausgesucht, mögliche Aktivitäten und das geeignete Lokal vor Ort schnell recherchiert, der Weg ist dank App und südafrikanischer SIM-Karte auch in unwegsamstem Gelände und auch bei Nacht (nur ausnahmsweise!) nie ein Problem.
Kapstadt und die Garden Route:
Kapstadt war zumindest für mich als Kapstadt-Neuling gleich zu Beginn der Höhepunkt schlechthin. Tafelberg bei Sonnenschein und tollem Licht, die Fahrt an der Atlantikküste entlang bis zu den Pinguinen, denen man aus nächster Nähe beim Brüten zusehen kann, das neue Museum an der Waterfront, das architektonisch großartig ist, etc. Aber es gab auch in den folgenden Tagen täglich einen Höhepunkt - oft ganz unerwarteter Art. Das wine and food pairing in Franschhoek an der südafrikanischen Weinstraße, die beeindruckende Tropfsteinhöhle in Oudtshoorn, der Swartbergpass in der Klein Karoo (mit Philips sichtlichem Vergnügen am Pass- und Pistenfahren), der Sandstrand in den Buchten des Indischen Ozeans, als wir dann bei George auf die eigentliche Garden Route stießen, der Moment, als am sogenannten Dolphin Viewpoint bei Wilderness wirklich gerade eine Schule Delphine vorbeizog, das kleine „normannische“ Kirchlein mit der großen Ausstrahlung in Belvidere, das einen kurz nach England zu beamen schien, die netten Gespräche mit den Gastgeber/innen in unseren Quartieren, die durchweg schön und manchmal (auf den Farmen ) mit viel Liebe zu Stil und Detail gestaltet waren, die Wanderung zur Hängebrücke im Tsitsikamma-Teil des Nationalparks und nicht zuletzt am letzten Tag die Elefanten mit den vielen Jungtieren im Addo Elephant Park, die sich mit großer Gelassenheit aus allernächster Nähe betrachten ließen … und wieder „etc.“
Ein Regentag bei zehn Reisetagen ist auch ein sehr fairer Deal des Wettergottes. Nachdem die Nachosterwoche vorbei war, begann hier die Nachsaison mit sehr angenehmen Temperaturen von 20 bis maximal 30 Grad, abends fing es an merklich kühler zu werden.
Nur dieses Land zu verstehen, ist uns sicherlich nicht gelungen. Wir haben uns auf einer „weißen“ Reiseroute bewegt. Unsere diversen Reiselektüren haben den Blick geöffnet für ganz andere Perspektiven. Aber ob und wie das Land funktioniert, funktionieren kann und auf dem geschichtlichen Hintergrund funktionieren wird, haben wir immer wieder diskutiert, uns einer Antwort jedoch kaum angenähert.
Ein ganz, ganz großes Dankeschön an meine Reisegastgeber, dass sie mir diese Reise ermöglicht haben. Es hat gut getan und es war eine schöne Erfahrung, dass unser Reiserhythmus so gut zusammengepasst hat.
Ein Gastbeitrag, obwohl ich nicht in Gaborone war? Ja doch! Philip und Walli waren trotzdem meine Gastgeber, meine Reisegastgeber. Oder in anderen Worten: Ich hatte ab Kapstadt pauschal gebucht. Wenn man individuell reisen und sich doch um nichts kümmern möchte, kann ich nur eine Reise mit den beiden empfehlen. Wünsche werden jederzeit berücksichtigt, die Quartiere sind sehr schön ausgesucht, mögliche Aktivitäten und das geeignete Lokal vor Ort schnell recherchiert, der Weg ist dank App und südafrikanischer SIM-Karte auch in unwegsamstem Gelände und auch bei Nacht (nur ausnahmsweise!) nie ein Problem.
Kapstadt und die Garden Route:
Kapstadt war zumindest für mich als Kapstadt-Neuling gleich zu Beginn der Höhepunkt schlechthin. Tafelberg bei Sonnenschein und tollem Licht, die Fahrt an der Atlantikküste entlang bis zu den Pinguinen, denen man aus nächster Nähe beim Brüten zusehen kann, das neue Museum an der Waterfront, das architektonisch großartig ist, etc. Aber es gab auch in den folgenden Tagen täglich einen Höhepunkt - oft ganz unerwarteter Art. Das wine and food pairing in Franschhoek an der südafrikanischen Weinstraße, die beeindruckende Tropfsteinhöhle in Oudtshoorn, der Swartbergpass in der Klein Karoo (mit Philips sichtlichem Vergnügen am Pass- und Pistenfahren), der Sandstrand in den Buchten des Indischen Ozeans, als wir dann bei George auf die eigentliche Garden Route stießen, der Moment, als am sogenannten Dolphin Viewpoint bei Wilderness wirklich gerade eine Schule Delphine vorbeizog, das kleine „normannische“ Kirchlein mit der großen Ausstrahlung in Belvidere, das einen kurz nach England zu beamen schien, die netten Gespräche mit den Gastgeber/innen in unseren Quartieren, die durchweg schön und manchmal (auf den Farmen ) mit viel Liebe zu Stil und Detail gestaltet waren, die Wanderung zur Hängebrücke im Tsitsikamma-Teil des Nationalparks und nicht zuletzt am letzten Tag die Elefanten mit den vielen Jungtieren im Addo Elephant Park, die sich mit großer Gelassenheit aus allernächster Nähe betrachten ließen … und wieder „etc.“
Ein Regentag bei zehn Reisetagen ist auch ein sehr fairer Deal des Wettergottes. Nachdem die Nachosterwoche vorbei war, begann hier die Nachsaison mit sehr angenehmen Temperaturen von 20 bis maximal 30 Grad, abends fing es an merklich kühler zu werden.
Nur dieses Land zu verstehen, ist uns sicherlich nicht gelungen. Wir haben uns auf einer „weißen“ Reiseroute bewegt. Unsere diversen Reiselektüren haben den Blick geöffnet für ganz andere Perspektiven. Aber ob und wie das Land funktioniert, funktionieren kann und auf dem geschichtlichen Hintergrund funktionieren wird, haben wir immer wieder diskutiert, uns einer Antwort jedoch kaum angenähert.
Ein ganz, ganz großes Dankeschön an meine Reisegastgeber, dass sie mir diese Reise ermöglicht haben. Es hat gut getan und es war eine schöne Erfahrung, dass unser Reiserhythmus so gut zusammengepasst hat.
Mittwoch, 7. Februar 2018
Kapstadt und das Wasser
Mittlerweile liest, hört und sieht man ja auch in deutschen Medien, dass Kapstadt das Wasser ausgeht - während wir noch gar nicht mitbekommen haben, dass die botswanischen Medien dem Thema große Beachtung schenken würden.
Kapstadts Wasserreservoirs sind leer, der nächste Regen wird nicht vor Mai erwartet. So hat die Stadt schon vor ein paar Wochen den "Day 0" festgelegt, an dem bei konstantem Wasserverbrauch das Wassernetz der Stadt abgeschaltet werden muss. Dieser Tag ist mittlerweile von der zweiten Aprilhälfte auf die erste Aprilhälfte gewandert. Denn seitdem der Tag kommuniziert wurde, ist der Wasserverbrauch noch einmal angestiegen.
Restriktionen wie das Verbot der Befüllung von Swimmingpools, des Autowaschens oder des Gießens von Pflanzen mit Leitungswasser gibt es bereits lange. Letztes Jahr wurde der Bevölkerung Kapstadts gesagt, dass sie nicht mehr als 83 Liter Wasser pro Person und Tag verbrauchen dürfe (zum Vergleich: Das relativ sparsame Deutschland verbraucht pro Person und Tag ca. 120 Liter). Seit 1. Februar sind die Kosten für den Verbrauch von 50 Litern und mehr pro Person und Tag massiv erhöht worden. Wieviel man mit 50 Litern Wasser pro Tag noch verbrauchen kann, macht diese Grafik deutlich:
Was macht eine Stadt, der das Wasser ausgeht? Und was macht das mit einer Stadt? Wir wollten keinen Katastrophentourismus betreiben, als wir kürzlich dort waren - und es artete auch nicht zu einem solchen aus, im Gegenteil: Wir bekamen nur sehr wenig von der Wasserknappheit mit.
Vorbereitend hatte die Vermieterin unseres Airbnb-Appartments uns die obige Grafik geschickt mit der Bitte, möglichst sparsam mit dem Wasser umzugehen. Bei Ankunft am Flughafen sahen wir (d.h. ich, Walli organisierte uns mit dem Smartphone gerade ein Uber-Taxi) einige Plakate, die zum Wassersparen aufriefen. Bei Spaziergängen (!) durch die Stadt sahen wir gelegentlich Schilder wie "Dieser Bürgersteig wird nicht mit Leitungswasser geputzt" oder "Diese Blumen werden nicht mit Leitungswasser gegossen" - letzteres muss noch häufiger der Fall gewesen sein, denn die Stadt wirkte alles in allem doch recht grün, verdorrte Büsche und Bäume sahen wir de facto gar nicht. In den Toiletten einer Shoppingmall sowie am Flughafen waren alle Wasserhähne bis auf einen abgestellt, dafür wurde Desinfektionsspray angeboten.
Wir waren etwas verwundert, wie wenig die Wasserknappheit in der Stadt präsent war. Wollte man Touristen nicht abschrecken? Ohnehin ist es ja bei einer Stadt am Meer kaum zu glauben, dass dort Wassermangel herrschen könnte.
Wir bemühten uns also, im Appartment möglichst wenig Wasser zu verbrauchen. Wie oft darf also jeder duschen? Und warum ist im Toilettenkasten eigentlich kein Kurzspüler eingebaut?
Ja, die Gegend um Kapstadt erlebt seit Jahren eine schwere Dürre; manche vermuten darin Auswirkungen des Klimawandels. Es heißt aber auch, dass selbst diese Dürre nicht komplett ungewöhnlich sei und man sie besser hätte managen können; die Wasserknappheit sei so durch Inkompetenz und schlechtes Management zustande gekommen oder zumindest gefördert worden.
Wie wird es nun weitergehen in Kapstadt? Wir wissen es nicht. Die Stadt bereitet sich wohl auf das schlimmste Szenario vor, bei dem Anfang April das öffentliche Wassernetz weitgehend abgestellt wird und nur noch Krankenhäuser etc. versorgt werden sollen. Die Bürger sollen dann an 20 zentralen und vom Militär gesicherten Ausgabestellen je 25 Liter pro Tag abgefüllt abholen können. Allein diese Logistik dürfte den zuständigen Personen schlaflose Nächte bereiten, denn wie managed man eigentlich die Schlangen von wartenden Fußgängern und Autos, die diese 25 Liter fortschaffen wollen, und das täglich? Und wie gewährleistet man die Sicherheit der Wartenden? Wie kann Tourismus in dieser stark vom Tourismus abhängigen Stadt noch funktionieren, wenn kein Wasser aus der Leitung kommt?
In meiner Zeit in Ghana hatte ich häufiger Stromabschaltungen und gelegentlich auch kein Wasser. Ich weiß noch zu gut, dass es nervig ist, keinen Strom zu haben - aber kein Wasser zu haben, ist ungleich schlimmer. So hoffe ich also mit den Kapstädtern, dass es vorzeitig regnen möge oder sich doch noch eine Lösung finden lässt, damit das Wassernetz nicht abgestellt werden muss.
Kapstadts Wasserreservoirs sind leer, der nächste Regen wird nicht vor Mai erwartet. So hat die Stadt schon vor ein paar Wochen den "Day 0" festgelegt, an dem bei konstantem Wasserverbrauch das Wassernetz der Stadt abgeschaltet werden muss. Dieser Tag ist mittlerweile von der zweiten Aprilhälfte auf die erste Aprilhälfte gewandert. Denn seitdem der Tag kommuniziert wurde, ist der Wasserverbrauch noch einmal angestiegen.
Restriktionen wie das Verbot der Befüllung von Swimmingpools, des Autowaschens oder des Gießens von Pflanzen mit Leitungswasser gibt es bereits lange. Letztes Jahr wurde der Bevölkerung Kapstadts gesagt, dass sie nicht mehr als 83 Liter Wasser pro Person und Tag verbrauchen dürfe (zum Vergleich: Das relativ sparsame Deutschland verbraucht pro Person und Tag ca. 120 Liter). Seit 1. Februar sind die Kosten für den Verbrauch von 50 Litern und mehr pro Person und Tag massiv erhöht worden. Wieviel man mit 50 Litern Wasser pro Tag noch verbrauchen kann, macht diese Grafik deutlich:
Was macht eine Stadt, der das Wasser ausgeht? Und was macht das mit einer Stadt? Wir wollten keinen Katastrophentourismus betreiben, als wir kürzlich dort waren - und es artete auch nicht zu einem solchen aus, im Gegenteil: Wir bekamen nur sehr wenig von der Wasserknappheit mit.
Vorbereitend hatte die Vermieterin unseres Airbnb-Appartments uns die obige Grafik geschickt mit der Bitte, möglichst sparsam mit dem Wasser umzugehen. Bei Ankunft am Flughafen sahen wir (d.h. ich, Walli organisierte uns mit dem Smartphone gerade ein Uber-Taxi) einige Plakate, die zum Wassersparen aufriefen. Bei Spaziergängen (!) durch die Stadt sahen wir gelegentlich Schilder wie "Dieser Bürgersteig wird nicht mit Leitungswasser geputzt" oder "Diese Blumen werden nicht mit Leitungswasser gegossen" - letzteres muss noch häufiger der Fall gewesen sein, denn die Stadt wirkte alles in allem doch recht grün, verdorrte Büsche und Bäume sahen wir de facto gar nicht. In den Toiletten einer Shoppingmall sowie am Flughafen waren alle Wasserhähne bis auf einen abgestellt, dafür wurde Desinfektionsspray angeboten.
Wir waren etwas verwundert, wie wenig die Wasserknappheit in der Stadt präsent war. Wollte man Touristen nicht abschrecken? Ohnehin ist es ja bei einer Stadt am Meer kaum zu glauben, dass dort Wassermangel herrschen könnte.
Wir bemühten uns also, im Appartment möglichst wenig Wasser zu verbrauchen. Wie oft darf also jeder duschen? Und warum ist im Toilettenkasten eigentlich kein Kurzspüler eingebaut?
Ja, die Gegend um Kapstadt erlebt seit Jahren eine schwere Dürre; manche vermuten darin Auswirkungen des Klimawandels. Es heißt aber auch, dass selbst diese Dürre nicht komplett ungewöhnlich sei und man sie besser hätte managen können; die Wasserknappheit sei so durch Inkompetenz und schlechtes Management zustande gekommen oder zumindest gefördert worden.
Wie wird es nun weitergehen in Kapstadt? Wir wissen es nicht. Die Stadt bereitet sich wohl auf das schlimmste Szenario vor, bei dem Anfang April das öffentliche Wassernetz weitgehend abgestellt wird und nur noch Krankenhäuser etc. versorgt werden sollen. Die Bürger sollen dann an 20 zentralen und vom Militär gesicherten Ausgabestellen je 25 Liter pro Tag abgefüllt abholen können. Allein diese Logistik dürfte den zuständigen Personen schlaflose Nächte bereiten, denn wie managed man eigentlich die Schlangen von wartenden Fußgängern und Autos, die diese 25 Liter fortschaffen wollen, und das täglich? Und wie gewährleistet man die Sicherheit der Wartenden? Wie kann Tourismus in dieser stark vom Tourismus abhängigen Stadt noch funktionieren, wenn kein Wasser aus der Leitung kommt?
In meiner Zeit in Ghana hatte ich häufiger Stromabschaltungen und gelegentlich auch kein Wasser. Ich weiß noch zu gut, dass es nervig ist, keinen Strom zu haben - aber kein Wasser zu haben, ist ungleich schlimmer. So hoffe ich also mit den Kapstädtern, dass es vorzeitig regnen möge oder sich doch noch eine Lösung finden lässt, damit das Wassernetz nicht abgestellt werden muss.
Sonntag, 4. Februar 2018
Safari mit Frack
Wir haben Bekannte hier, die waren quasi noch gar nicht außerhalb von Gaborone unterwegs, weil man ja eh "nur" Safari machen könne, und das hätten sie schon bei ihrer letzten "Station", in Kenia, zur Genüge getan. So ganz können wir diese Haltung nicht nachvollziehen, denn wilde Tiere in ihrer natürlichen Umgebung zu beobachten ist für uns einfach faszinierend und jedes Mal anders.
Dennoch haben auch wir jüngst beschlossen, dass wir doch mal andere Tiere beobachten könnten. Und so führte uns letztes Wochenende unsere jüngste Safari in die Nähe von Kapstadt, zu einer Kolonie von Pinguinen. An einer Bucht am Strand leben dort ca. 2.000 afrikanische Pinguine. Für uns hatten sie sich extra in einen Frack geworfen!
Auf Holzstegen ging es durch die kleinen Dünen hinunter zum Pinguin-Strand, wo man sie von einer Plattform aus beobachten konnte. Schon von dem Bohlenweg aus sah man einige Tiere herumwatscheln, und vermutlich verstand ich erst in diesem Augenblick, was der Begriff des Watschelns eigentlich meint.
Am Strand selbst waren die Pinguine dann in Massen anzutreffen, manche liegend, andere stehend. Einige offenbar gerade in der Mauser, d.h. mit vielen sichtbaren Federn. 21 Tage dauert die Mauser, in der Zeit können die Pinguine nicht ins Wasser und keine Nahrung aufnehmen. Viele Pinguine waren als nebeneinanderstehende Pärchen zu erkennen (sie bleiben ihrem Partner wohl ein Leben lang treu), manche pflegten sich gegenseitig das Fell.
Auch federreiche Jungtiere waren zu sehen. Manche Pinguine watschelten gerade ins Wasser, ließen sich dann in die Brandung plumpsen und schwammen los, andere ließen sich von den Wellen an den Strand treiben, standen auf und watschelten ins Trockene.
Dennoch haben auch wir jüngst beschlossen, dass wir doch mal andere Tiere beobachten könnten. Und so führte uns letztes Wochenende unsere jüngste Safari in die Nähe von Kapstadt, zu einer Kolonie von Pinguinen. An einer Bucht am Strand leben dort ca. 2.000 afrikanische Pinguine. Für uns hatten sie sich extra in einen Frack geworfen!
Auf Holzstegen ging es durch die kleinen Dünen hinunter zum Pinguin-Strand, wo man sie von einer Plattform aus beobachten konnte. Schon von dem Bohlenweg aus sah man einige Tiere herumwatscheln, und vermutlich verstand ich erst in diesem Augenblick, was der Begriff des Watschelns eigentlich meint.
Am Strand selbst waren die Pinguine dann in Massen anzutreffen, manche liegend, andere stehend. Einige offenbar gerade in der Mauser, d.h. mit vielen sichtbaren Federn. 21 Tage dauert die Mauser, in der Zeit können die Pinguine nicht ins Wasser und keine Nahrung aufnehmen. Viele Pinguine waren als nebeneinanderstehende Pärchen zu erkennen (sie bleiben ihrem Partner wohl ein Leben lang treu), manche pflegten sich gegenseitig das Fell.
Auch federreiche Jungtiere waren zu sehen. Manche Pinguine watschelten gerade ins Wasser, ließen sich dann in die Brandung plumpsen und schwammen los, andere ließen sich von den Wellen an den Strand treiben, standen auf und watschelten ins Trockene.
Tierbeobachtung einmal anders - und durchaus auch eine faszinierende Safari!
Samstag, 18. November 2017
Gästeblog: Tiere im südlichen Afrika (Teil 2)
Aus der Serie Gästeblog statt Gästebuch: Hier der zweite Eintrag von Wallis Eltern, die uns kürzlich drei Wochen lang besucht haben bzw. mit uns gereist sind (zu Teil 1 geht's hier):
Der südafrikanische Nationalpark Madikwe mit dem Thakadu River Camp war die letzte Station der Wildbeobachtung. Bereits die Anfahrt zur Lodge mit Philip am Steuer seines Geländewagens wurde zum Game Drive. Über 40km sahen wir beinahe alles, was Afrikas Tierwelt zu bieten hatte, und zwar in erstaunlichen Mengen, meist um die Wasserlöcher versammelt, denn es wollte einfach nicht regnen: Impalas, Giraffen, Kudus, Gnus, Zebras, und die grauen Riesen, Elefanten allein, in Gruppen, in einer Herde, teilweise neben der Straße, oft weiter weg, aber meist in Fotografiernähe, der vierte Treffer.
Die Tour am Nachmittag mit Geparden in Fotopose auf ihrem Beobachtungssitz, einem mächtigen Termitenhügel, zeigte auch den Büffel. Sechs dieser trutzigen Gesellen waren neben bzw. in einem Wasserloch, was nur noch aus Schlamm bestand.
„The Big Five“ waren im Kasten, ein Schluck Rotwein besiegelte das nicht alltägliche Ereignis. Der morgendliche Game Drive, nach zartem Weckruf um fünf Uhr und einer Tasse Kaffee, erschloss uns noch ein seltenes Drama: ein großes Löwenrudel, etwa 15 Tiere stark, hatte den Anführer gewechselt. Das Rudel zog langsam weiter, der neue Chef markierte wie besessen alle Bäume und Büsche in seiner Nähe, der alte blieb auf seinem Platz, ob nur erschöpft oder schwer verletzt war nicht zu erkennen. So vollzieht sich der Generationenwechsel, aber auch der Nachwuchs ließ sich sehen bei Nashorn, Löwen, Zebra, Giraffe, Gnu und Kudu.
Zukunft und Vielfalt dieser einmaligen Tierwelt ist auch von den Besucherzahlen abhängig, die sich für sie begeistern, und z.B. „the Big Five“ ehrgeizig erfüllen wollen.
Der südafrikanische Nationalpark Madikwe mit dem Thakadu River Camp war die letzte Station der Wildbeobachtung. Bereits die Anfahrt zur Lodge mit Philip am Steuer seines Geländewagens wurde zum Game Drive. Über 40km sahen wir beinahe alles, was Afrikas Tierwelt zu bieten hatte, und zwar in erstaunlichen Mengen, meist um die Wasserlöcher versammelt, denn es wollte einfach nicht regnen: Impalas, Giraffen, Kudus, Gnus, Zebras, und die grauen Riesen, Elefanten allein, in Gruppen, in einer Herde, teilweise neben der Straße, oft weiter weg, aber meist in Fotografiernähe, der vierte Treffer.
Die Tour am Nachmittag mit Geparden in Fotopose auf ihrem Beobachtungssitz, einem mächtigen Termitenhügel, zeigte auch den Büffel. Sechs dieser trutzigen Gesellen waren neben bzw. in einem Wasserloch, was nur noch aus Schlamm bestand.
„The Big Five“ waren im Kasten, ein Schluck Rotwein besiegelte das nicht alltägliche Ereignis. Der morgendliche Game Drive, nach zartem Weckruf um fünf Uhr und einer Tasse Kaffee, erschloss uns noch ein seltenes Drama: ein großes Löwenrudel, etwa 15 Tiere stark, hatte den Anführer gewechselt. Das Rudel zog langsam weiter, der neue Chef markierte wie besessen alle Bäume und Büsche in seiner Nähe, der alte blieb auf seinem Platz, ob nur erschöpft oder schwer verletzt war nicht zu erkennen. So vollzieht sich der Generationenwechsel, aber auch der Nachwuchs ließ sich sehen bei Nashorn, Löwen, Zebra, Giraffe, Gnu und Kudu.
Zukunft und Vielfalt dieser einmaligen Tierwelt ist auch von den Besucherzahlen abhängig, die sich für sie begeistern, und z.B. „the Big Five“ ehrgeizig erfüllen wollen.
Donnerstag, 20. April 2017
Im Südwesten Joburgs
Bei einem Kurzurlaub in Johannesburg darf ein Besuch in Soweto nicht fehlen, dem South-Western-Township, das so eng mit der Apartheitsgeschichte verbunden ist. Wir entschieden uns für eine vierstündige Tour, die dann doch etwas kürzer als geplant ausfiel; denn was uns vor unserem Osterwochenende in Joburg nicht klar war: Es gibt hier offenbar zwei Tage im Jahr, an dem alle Museen geschlossen haben: der erste Weihnachtstag - und Karfreitag; so ließen sich die normalerweise angesteuerten Museen nicht besichtigen.
Soweto hat angeblich 4,5 Mio Einwohner - das ist gerade mal doppelt so viel wie ganz Botswana; doch etwas andere Dimensionen. Und Soweto als ehemaliges Township von Johannesburg ist durchaus nicht nur eine Wellblechhütte an der anderen - es gibt dort genauso Villenviertel wie Viertel mit Häusern ohne Wasseranschluss; ein Ort der Gegensätze. Unser Führer meinte, dass Soweto viel sicherer sei als Johannesburg, weil jeder jeden kenne (bei 4,5 Mio Einwohnern?) - und wenn einer Mist baue, dann werde er eben gelyncht; wir waren uns nicht so ganz sicher, ob Selbstjustiz wirklich so praktisch ist, auch wenn es die Kriminalitätsrate drücken mag.
Wir wurden mit einem Minibus durch Soweto gefahren, konnten an ein paar Stellen aussteigen und uns umsehen. Das Kohlekraftwerk wurde vor wenigen Jahren stillgelegt, um die Luftqualität zu verbessern; die Kühltürme wurden von einem Sponsor bunt angemalt - und heute kann man dort Bungeespringen. Wir haben das nicht ausprobiert.
Dafür sind wir an Mandelas Haus vorbeigefahren (bis vor kurzem ein Museum, heute leer), an Denkmälern zur Apartheitsgeschichte;
an einer Kirche, die während der Apartheid eine wichtige Rolle als Versammlungsort spielte (und bis zu 3500 Menschen Platz bieten soll), etc.
Es war eine bunte Mischung, die wir an diesem Vormittag gesehen haben, eine beeindruckende Mischung, die Lust auf mehr machte. Vielleicht trauen wir uns dann beim nächsten Mal auf eine geführte Stadtrundfahrt per Fahrrad durch Soweto, das dürfte noch einmal ganz andere Perspektiven geben (auch wenn die Hügel, die es durchaus gibt, uns ins Schwitzen bringen werden).
Am nächsten Tag besuchten wir dann das Apartheitsmuseum, das quasi zwischen Johannesburg und Soweto liegt. Ein imposantes Gebäude, das auch museumspädagogisch modern und interessant aufgemacht ist.
Die Eintrittskarte, die man an der Kasse erhält, sortiert einen erst einmal nach "weiß" und "schwarz" und dementsprechend muss man dann auch durch den entsprechenden Eingang ins Museum gehen.
Wir erhielten einen kurzen Abriss über die Historie Johannesburgs (Goldgräberstadt!), die eigentliche Ausstellung ging dann mit einer Geschichte Sowetos los, dessen erste Siedlungen Anfang des 20. Jahrhunderts entstanden.
Ich fand die Ausstellung gut gemacht, auch mit vielen Bildern - sie führte mir allerdings auch vor Augen, was ich alles nicht wusste über die Apartheid. Denn ich hatte das Gefühl, dass viele Themen nur angerissen wurden oder Vorwissen vorausgesetzt wurde, manchmal meinte ich Zeitsprünge zu entdecken - und so tat ich mich doch mit der Einordnung in einen Gesamtkontext gelegentlich etwas schwer. Mit jetzt etwas mehr Vorwissen würde es sich sicher lohnen, das Museum noch ein zweites Mal zu besuchen, denn bei unserem Besuch haben wir uns längst nicht alle Exponate und Filme detailliert angesehen, verbrachten aber dennoch eindrückliche zweieinhalb Stunden in der Ausstellung - irgendwann ist man eben auch einfach nicht mehr so aufnahmefähig.
Soweto hat angeblich 4,5 Mio Einwohner - das ist gerade mal doppelt so viel wie ganz Botswana; doch etwas andere Dimensionen. Und Soweto als ehemaliges Township von Johannesburg ist durchaus nicht nur eine Wellblechhütte an der anderen - es gibt dort genauso Villenviertel wie Viertel mit Häusern ohne Wasseranschluss; ein Ort der Gegensätze. Unser Führer meinte, dass Soweto viel sicherer sei als Johannesburg, weil jeder jeden kenne (bei 4,5 Mio Einwohnern?) - und wenn einer Mist baue, dann werde er eben gelyncht; wir waren uns nicht so ganz sicher, ob Selbstjustiz wirklich so praktisch ist, auch wenn es die Kriminalitätsrate drücken mag.
Wir wurden mit einem Minibus durch Soweto gefahren, konnten an ein paar Stellen aussteigen und uns umsehen. Das Kohlekraftwerk wurde vor wenigen Jahren stillgelegt, um die Luftqualität zu verbessern; die Kühltürme wurden von einem Sponsor bunt angemalt - und heute kann man dort Bungeespringen. Wir haben das nicht ausprobiert.
Dafür sind wir an Mandelas Haus vorbeigefahren (bis vor kurzem ein Museum, heute leer), an Denkmälern zur Apartheitsgeschichte;
an einer Kirche, die während der Apartheid eine wichtige Rolle als Versammlungsort spielte (und bis zu 3500 Menschen Platz bieten soll), etc.
Am nächsten Tag besuchten wir dann das Apartheitsmuseum, das quasi zwischen Johannesburg und Soweto liegt. Ein imposantes Gebäude, das auch museumspädagogisch modern und interessant aufgemacht ist.
Die Eintrittskarte, die man an der Kasse erhält, sortiert einen erst einmal nach "weiß" und "schwarz" und dementsprechend muss man dann auch durch den entsprechenden Eingang ins Museum gehen.
Wir erhielten einen kurzen Abriss über die Historie Johannesburgs (Goldgräberstadt!), die eigentliche Ausstellung ging dann mit einer Geschichte Sowetos los, dessen erste Siedlungen Anfang des 20. Jahrhunderts entstanden.
Ich fand die Ausstellung gut gemacht, auch mit vielen Bildern - sie führte mir allerdings auch vor Augen, was ich alles nicht wusste über die Apartheid. Denn ich hatte das Gefühl, dass viele Themen nur angerissen wurden oder Vorwissen vorausgesetzt wurde, manchmal meinte ich Zeitsprünge zu entdecken - und so tat ich mich doch mit der Einordnung in einen Gesamtkontext gelegentlich etwas schwer. Mit jetzt etwas mehr Vorwissen würde es sich sicher lohnen, das Museum noch ein zweites Mal zu besuchen, denn bei unserem Besuch haben wir uns längst nicht alle Exponate und Filme detailliert angesehen, verbrachten aber dennoch eindrückliche zweieinhalb Stunden in der Ausstellung - irgendwann ist man eben auch einfach nicht mehr so aufnahmefähig.
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