Freitag, 30. Dezember 2016

Ein Jahresrückblick in Bildern

2016 neigt sich seinem Ende zu und überall sieht, liest und hört man Jahresrückblicke. Bei uns hat sich in den letzten 12 Monaten auch viel getan - zuviel, um es nochmal schriftlich Revue passieren zu lassen. Deswegen haben wir uns für eine andere Form des Rückblicks entschieden. Ein paar Familienmitgliedern haben wir zu Weihnachten einen Kalender für 2017 geschenkt mit unseren schönsten Bildern des letzten Jahres. Diesen "Jahresrückblick in Bildern" veröffentlichen wir für Euch auch hier. Bei der Fülle an Fotos war es extrem schwierig, 13 Bilder auszuwählen (eins pro Monat und noch ein zusätzliches für das Kalender-Titelblatt). Die treuen Leser unseres Blogs werden das ein oder andere vermutlich wiedererkennen.

Ein Baobab-Baum an der Planet Baobab Lodge:


Ein Pavian im Tuli-Block im Osten Botswanas (Teil 1, Teil 2):


Eine Leopardin im Okavango-Delta:


Antilopen an einem Wasserloch im Khama Rhino Sanctuary:


Büffel im Chobe-Nationalpark:


Zebras im Okavango-Delta:


Junge neugierige Hyänen im Tuli-Block im Osten Botswanas (Teil 1, Teil 2):


Blick aus einem Kleinstflugzeug über dem Okavango-Delta:


Eine Löwin im Okavango-Delta:


Ein Erdmännchen am Rande der Makgadikgadi Pans:


Ein Elefant im Chobe Nationalpark:


Ein Spitzmaulnashorn trinkt lässig aus dem Pool im Khama Rhino Sanctuary:


Die Victoriafälle:


Damit bleibt uns nur noch, Euch alles Gute für 2017 zu wünschen!

Samstag, 24. Dezember 2016

Schöne Feiertage!


Wir wünschen frohe Weihnachten und ein glückliches, friedliches und gesundes 2017! Ob mit Afrika-Urlaub oder ohne ...

Alles Liebe,

Walli und Philip

Mittwoch, 21. Dezember 2016

Haushaltsgeschichten

Seit Oktober haben wir wieder eine "Maid" - also eine Putzfrau/Haushaltshilfe. Patricia wurde uns von einem Kollegen von Philip empfohlen. Sie stammt aus Simbabwe und wohnt schon einige Jahre in Gaborone. Zu uns kommt sie einmal pro Woche zum putzen und bügeln. Als meine Eltern da waren, hatte ich sie auch einmal gebeten, für uns etwas zu kochen, damit sie einmal die lokale Küche kennenlernten - typisch botswanischen Restaurants gibt es nämlich nicht.

Mit Patricia ist es anders als mit unserem Gärtner Sam. Der kümmert sich um den Garten, informiert mich über nötige Wasserbestellungen bzw. sagt mir, wenn irgendwas für Pool oder Garten gekauft werden muss. Ich mache ihm sein Käsebrot und bitte ihn ab und zu, die Büsche in der Nähe des Elektrozauns zurückzuschneiden. So weit, so gut.

Patricia dagegen arbeitet im Haus, und das war schon eine Umgewöhnung für mich. Erst einmal muss man einander ja etwas kennenlernen. Das fängt bei Kleinigkeiten an: Wenn ich z.B. die Stühle um den Esstisch zur Seite schiebe, putzt sie auch unterm Esstisch, sonst nur außenrum. Außerdem gibt es natürlich kulturelle bzw. sogar sprachliche Unterschiede. Wenn ich ihr irgendwas anbiete, sagt sie in der Regel "It's okay" (was dann "ja" bedeutet), auch in Fällen, in denen ich eher ein "Thank you" erwarten würde. Auf der anderen Seite sagte sie mir irgendwann, sie sollte mich eigentlich nicht Walli nennen, das wäre "disrespectful". Ich habe vergessen, ob ihr stattdessen "Mam" oder "Mrs." vorschwebte, sie aber gebeten, bei Walli zu bleiben - ich sage ja schließlich auf Patricia. Passend zum Thema erzählte mir Sam eine Woche später, was er morgens mit "Master Philip" besprochen hätte ...

Seit ein paar Wochen treffe ich mich regelmäßig mit einer anderen Deutschen, die mit ihrer Familie schon in den unterschiedlichsten Ländern gelebt hat. Ihr Haushalt ist größer als unserer und sie haben Personal, das im dafür vorgesehenen Anbau ihres Hauses wohnt. Sie erzählt mir manchmal von ihren in Südamerika und Afrika gemachten Erfahrungen, die uns hoffentlich erspart bleiben: Wie Angestellte während ihres Urlaubs die für die Kaninchen als Futter gekauften Maiskolben selbst aufgegessen haben und die Kaninchen verhungern ließen. Wie nach einem Urlaub sämtlicher Prepaid-Strom aufgebraucht war und sie sich anhand ihrer öligen Pfannen zusammenreimte, das während ihrer Abwesenheit wohl ordentlich auf ihre Kosten gelebt wurde. Wie sie Milch, Zucker und Brot tatsächlich rationieren musste, weil einfach Unmengen davon verbraucht wurden - gegessen wurde anscheinend nur noch aus ihrem Kühlschrank.

Die Kluft zwischen Ausländern - vor allem weißen Ausländern? - und einheimischen Hausangestellten ist groß. Ich habe mich mal während Patricias Mittagessen zu ihr gesetzt und sie sagte mir, dass das Weiße eigentlich nicht machen - sich einfach dazusetzen und ein normales Gespräch führen. Neulich erzählte sie mir von einer anderen Europäerin, für die sie mal gearbeitet hätte: Wenn aus Versehen ein Glas oder ähnliches kaputt gegangen wäre, hätte die einen so angeschrien, dass es bis zur nächsten Straßenecke zu hören gewesen sei. Mit einer von Patricia gebügelten Bluse sei sie einmal so unzufrieden gewesen, dass sie ihr diese an den Kopf geworfen hätte.

Ich hoffe, dass wir unsere Zusammenarbeit weiterhin gut hinbekommen - dass Patricia sich als Mensch gleichberechtigt und respektiert fühlt und ich mich nicht ausgenutzt. Jetzt ist erst einmal Weihnachten - was schenkt man seinen Hausangestellten im südlichen Afrika denn eigentlich? Da konnte uns meine international versierte neue Freundin beraten. Voilà:


Wir haben einen Großeinkauf an Grundnahrungsmitteln gemacht: Maismehl, aus dem Pap gekocht wird, ein geschmackloser weißer Brei, den die Einhemischen eigentlich täglich essen. Reis, der auch in Säcken aller Größen verkauft wird, aber trotzdem eine Art Luxus darstellt, weil er längst nicht so ergiebig und sättigend ist wie Pap. Zucker, Öl, Roibuschtee ... dazu haben wir noch ein paar Kekse und Bonbons gelegt, eine Dose Corned Beef und Weihnachtsgeld. Patricia bekam außerdem eine 2 Liter-Flasche Fanta Grapefruit, weil ich weiß, dass sie sich diese auch ab und an selber kauft, außerdem Prepaid-Guthaben für ihr Handy. Die Geschenke habe ich schon vor meiner Abreise nach Deutschland übergeben. Sam hat sich auf jeden Fall gefreut, Patricia äußerte tatsächlich eher wieder so etwas wie "It's okay" ... aber eine Woche später hat sie sich bei Philip dann doch sehr bedankt und außerdem ihre Freude darüber geäußert, dass sie von dieser Tüte Lebensmittel im Großen und Ganzen einen Monat leben können wird.

Montag, 19. Dezember 2016

Schoko- und Eissucht

Was macht man eigentlich, wenn man in Gaborone Schokoladen- und Eis-süchtig ist, am besten in Kombination als Schokoeis?
Nun, die Schokoladensituation ist erstaunlich entspannt, jedenfalls viel besser als sie während meines Aufenthalts in Ghana war (wo es de facto nur eine wenig schmeckende einheimische Sorte gab, deren Mixtur so war, dass sie auch bei hohen Temperaturen nicht schmilzt). Hier bekommt man im Supermarkt verschiedene Sorten Schokolade. Cadbury's ist ein Standard. KitKats sieht man auch häufig (und hier gibt es gelegentlich auch solche mit dunkler Schokolade!) - und Lindt-Schokolade gibt es auch. Letztere ist manchmal nicht in den dunkleren Varianten verfügbar, aber immerhin gibt es sie.
Schoko-Nikoläuse für mein Team sollten am 6.12. her - und Walli war so nett, sie zu besorgen (es gab in normalen Supermärkten sogar zwei verschiedene Sorten). Für den Transport wählte sie eine Kühltasche, die wir tatsächlich noch aus Deutschland hierher mitgebracht hatten. Bei 39°C und 15 Minuten Heimweg half diese allerdings auch nicht mehr wirklich - ein paar der in Griechenland hergestellten Nikoläuse hatten dann doch leichte Dellen, bis sie hier ankamen (so machten wir immerhin Wirtschaftsförderung in Griechenland und Botswana!).


Die Eissituation ist auch annehmbar. Magnum im Supermarkt bekommt man einfach, auch ein paar mir unbekanntere Eisboxen. In einem Supermarkt bekommen wir sehr gutes Eis im Literpack: "Belgian Chocolate" und "Grenadilla" (= Passionsfrucht) sind unsere Lieblingssorten, ersteres ist aber seit ein paar Wochen leider nicht erhältlich, Katastrophe!
Richtige Eisdielen gibt es nicht in Gaborone. In einem Café, das nicht ganz zentral liegt, gibt es selbstgemachtes Eis in Eisbechern (Banana Split!), das recht lecker ist, aber auf Dauer nicht wirklich abwechslungsreich. Letzte Woche hat mir nun eine Mitarbeiterin eine neue Eisdiele gezeigt, die erste richtige Eisdiele, die ich in Botswana gesehen habe. Dort bekommt man immerhin Eis auf die Hand, die Möglichkeiten zum Hinsetzen sind noch nicht wirklich gemütlich. Auf jeden Fall ist das Eis dort lecker - und dunkles Schokoladeneis gibt es dort auch! Die Eisdiele liegt praktischer Weise in der Nähe des GIZ Landesbüros, wo ich ca. 1-2 Mal die Woche bin. Vielleicht werde ich da Stammkunde!

Sonntag, 11. Dezember 2016

Spaziergang durchs Gebüsch

Es ist nicht ganz einfach, viel Bewegung hier zu bekommen: Ein Spaziergang durch unseren Kiez die Straße entlang: ohne Bürgersteig staubig und teils wegen der Autos gefährlich, auch wegen der Sicherheitslage nicht wirklich empfohlen. Fahrradfahrer sind den Autofahrern unbekannt, sie fahren entsprechend, also auch keine wirkliche Alternative - und zu heiß ist es sowieso. Daher haben wir uns vor einiger Zeit im Fitnessstudio angemeldet. Dort bin ich kürzlich zum besten Kunden gewählt worden: Zahlt pünktlich, aber verstopft das Fitnessstudio nicht.
Ein paar Sporteleien haben wir schon versucht: Wir sind mit Mountainbikes durch den Mokolodipark gefahren, und wir sind ein paar Mal auf den Kgale Hill gestiegen. Für beides ist es tagsüber mittlerweile zu heiß, man müsste ganz früh morgens aufbrechen - zu früh für uns.
Ein langweiliges Wochenende stand mir bevor: Walli ist schon am Freitag nach Deutschland geflogen, ich habe nicht ganz so viele Urlaubstage und werde erst in einer Woche nachkommen können. Für Samstagmorgen bot der Mokolodipark einen "Bush Walk" an, und nachdem auch eine Kollegin sich angemeldet hatte, hatte ich keine Ausrede mehr. Immerhin sollte ich etwas Bewegung bekommen. Um 6:30 Uhr war Treffpunkt am Empfang, wenig später wanderten wir los. Aus den neun Gästen wurden schnell nur noch sechs, denn drei hatten gedacht, wir würden auf den Straßen herumrennen (es konnte sich niemand erklären, wie sie darauf gekommen waren), so waren wir ihnen zu langsam und sie kehrten um. Zu sechst wanderten wir also mit drei Rangern herum; auf sieben bis acht Kilometer war die Wanderstrecke geschätzt worden. Zunächst ging es leicht abwärts, dann eben: Die angelegten Straßen/Piste überquerten wir höchstens, mieden sie sonst; gelegentlich liefen wir auf den markierten Mountainbike-Strecken, viel häufiger führten uns unsere Führer querfeldein durch den Busch. Immer wieder wichen wir den peitschenden Ästen unserer Vorderleute aus oder bemühten uns, unter Ästen gebückt hindurchzulaufen. Letzteres erinnerte mich ein wenig an unser Rhino-Tracking im Khama Rhino Sanctuary. Trotz der frühen Uhrzeit war es schon ausreichend warm, und ich war froh um die Wasserflasche, die ich dabei hatte.


Mokolodi - für Walli und mich ist das mittlerweile fast synonym mit "keine/kaum" Tiere sehen; nur mit Wallis Eltern hatten wir mal wirklich Glück. Als Wandergruppe erging es uns nicht unbedingt anders als sonst, wir sahen nicht wirklich viele Tiere: Eine Leopardenschildkröte, ein paar flüchtende Impalas - und einmal schauten uns eine Gruppe Eland-Antilopen aus dem Unterholz eine Weile an, bis auch sie beschlossen wegzuspringen.


Dafür kamen wir immer wieder an Spuren vorbei, und unsere Ranger fragten uns regelmäßig, welche Spur wir gerade sähen. Mittlerweile habe ich ja viele Safaris mitgemacht und viele Spuren gezeigt bekommen - aber dennoch gibt es immer wieder noch Spuren, die ich noch nicht gesehen habe oder die ich einfach nicht wiedererkenne. Am Rand eines Sees entdeckten wir einmal sogar Leopardenspuren, vermutlich aus der vorangegangenen Nacht. Eigentlich gibt es in Mokolodi keine Raubtiere (daher kann man dort Mountainbiken oder eben einen bush walk machen) - offenbar kommen aber doch gelegentlich ein paar Leoparden vorbei. Gut, dass sie sicherlich genauso viel Angst vor uns wie wir vor ihnen haben...
Gegen neun Uhr schaute ich einmal auf die Uhr, wie spät es wohl sei - die Sonne brannte mittlerweile ziemlich unerbittlich auf uns hernieder. Glücklicherweise zogen wenig später ein paar leichte Quellwolken auf (vorher war es, wie so häufig hier, wolkenlos), die sich gelegentlich vor die Sonne schoben. Gegen viertel vor zehn Uhr fragten unsere Führer uns, ob wir noch eine Stunde weiterlaufen wollten, oder in ca. 20 Minuten zum Ausgangspunkt zurück. Es traute sich wohl niemand, aufzugeben, und so liefen wir noch eineinhalb Stunden weiter. An einem Termitenhügel, der auf über 500 Jahre geschätzt wurde, kehrten wir schließlich um - und als wir gegen 11:15 Uhr nach von einem Fitnessarmband gemessenen 13 Kilometern am Ausgangspunkt wieder ankamen, waren wir alle ein wenig kaputt. Es erwarteten uns eine Cola und Fingerfood - gerade richtig zur Erholung.
Am heutigen Sonntag pflege ich nun meinen Muskelkater. Vielleicht sollte ich doch wieder häufiger ins Fitnessstudio gehen?

Donnerstag, 8. Dezember 2016

Jingle bells, jingle bells ...

Wie kommt man eigentlich bei durchschnittlich 35 Grad in Weihnachtsstimmung? Wissen wir auch nicht so richtig. Und so nutzen wir hoffnungsvoll die Gelegenheiten, die sich hier bieten - und hatten uns zum gestrigen Event "Christmas Carols in Mokolodi" angemeldet. Wir sind dann allerdings nicht in das Tierreservat gefahren und haben den Kudus und Giraffen vorgesungen; das Ganze fand im Open Air-Café hinter der Rezeption statt. Die Tische waren weihnachtlich-rot eingedeckt und fast alle reserviert, weswegen wir uns zu einem älteren Ehepaar setzten, das ursprünglich aus Simbabwe kam, aber schon seit über 30 Jahren in Botswana lebt. ("Mit einem zwei Jahres-Vertrag gekommen und über 30 Jahre geblieben!" erklärte uns der Mann stolz. Wow. Philip und ich planen das bislang allerdings nicht.)

Auch eine Kollegin von Philip fand sich mit Tochter und Au Pair ein, es gab Wein, Bier, Hotdogs und Käseplatten und schließlich trat eine Sängerin namens Liesl auf, die wir schon mal auf dem ein oder anderen Markt auftreten gesehen hatten. Auf den Tischen lagen Liedblätter und so sangen wir mehr oder weniger gemeinsam mit ihr "Jingle bells", "I saw Mommy kissing Santa Claus" und "Silent night". Es war ein stimmungsvoller Abend!

Montag, 5. Dezember 2016

Wir wünschen einen frohen Nikolaus!

Wir denken an unsere frierenden Leser zu diesem Nikolaus! Der Pool hat bei 40°C tatsächlich Abkühlung gebracht! Und wir versuchen, uns schon einmal ein wenig in Weihnachtsstimmung zu bringen.

Viele Grüße
Walli und Philip

Samstag, 3. Dezember 2016

Weihnachtsmarkt

Weihnachtsmärkte sind eine typisch deutsche Angelegenheit, und so ist es kein Wunder, dass es hier keine gibt. Ok, zugegeben, Glühwein bei 40°C zu verkaufen, wäre vielleicht auch nicht die genialste Geschäftsidee, die es je gab.
Märkte an sich findet man in Botswana aber auch generell kaum. Das Land muss aufgrund seiner Trockenheit über 98 Prozent seines Obsts und Gemüses importieren - da macht ein Bauernmarkt für solche Produkte nur wenig Sinn.
Es gibt allerdings eine Gruppe von Leuten, die samstags einen kleinen Markt bestückt; der bekannteste ist am ersten Samstag im Monat im Hof des Restaurants "Bull & Bush", an anderen Samstagen findet man die gleichen Marktstände an anderen Orten.
Wir waren zu Beginn unserer Zeit in Gaborone einmal beim "Bull & Bush"-Markt: Es gibt Livemusik und verschiedene Stände/ kleine Verkaufstische; eine Farmerin bietet Gemüse aus ihrem Garten sowie Selbstgebackenes an (Einwurf Walli: "sehr empfehlenswerte Rote Beete-Brownies!"), andere verkaufen Kunsthandwerk, ein Tierheim gebrauchte Bücher, eine Inderin Samosas (kleine gefüllte Teigtaschen), etc.


Durchaus nette Stände - allerdings sind es jedes Mal die gleichen. Für den heutigen Samstag war ein "Weihnachtsmarkt" angekündigt; klar, dass wir dorthin gehen mussten. Es war deutlich voller als sonst, viele Leute saßen (in der prallen Sonne?!) auf Bänken und aßen und tranken etwas; ein paar mehr Stände als sonst gab es, die (zum Teil Weihnachtsmannmützen tragenden) Verkäufer hofften auf das Weihnachtsgeschenk-Geschäft.


Inwiefern sie auf ihre Kosten kamen, wissen wir nicht, aber auf jeden Fall war einiges los. Diese Samstagsmärkte sind generell Orte, an denen man mit hoher Wahrscheinlichkeit zufällig Bekannten über den Weg läuft - wir trafen sowohl eine Nachbarin als auch eine von meinen Kolleginnen und unterhielten uns eine Weile. Glühwein haben wir übrigens trotz der Ankündigung eines "Weihnachtsmarktes" keinen gefunden/getrunken.

Donnerstag, 1. Dezember 2016

No plastic bag, please

Ich habe neulich ein Kompliment von einer SPAR-Kassiererin bekommen. "You are very clever", sagte sie, und das fand ich nett, denn sie lobte mich für etwas, dass normalerweise eher für Verwunderung sorgt: Ich gehe mit Stoffbeuteln einkaufen. Diese scheinen hier unbekannt - dafür bekommt man überall Plastiktüten, manchmal gegen eine geringe Gebühr, oft aber umsonst. Meist stehen Angestellte der Supermärkte hinter der Kasse und packen für einen ein - das dann auch noch sehr großzügig in mehrere Plastiktüten. In einem Geschäft für Deko und Haushaltskram sagten Philip und ich mal, dass wir für die zwei Teile, die wir gekauft hatten, keine Tüte bräuchten - der Verkäufer antwortete ungläubig: "But it's for free!" und packte sie uns trotzdem. Philip wurde außerdem mal gefragt ob er ein "environmentalist" sei, als er seinen Stoffbeutel auspackte. Hier braucht es wirklich nicht viel, um als aktiver Umweltschützer zu gelten. Immerhin haben wir jetzt sogar einen Wertstoffhof gefunden, zu dem wir leere Glasflaschen und Papiermüll bringen können. Es ließe sich hier auch alles in den Mülleimer schmeißen, aber so gar nichts zu trennen, kommt uns einfach zu seltsam vor ...
Einmal hat mich sogar eine Einpackhilfe an der Kasse gefragt, ob sie eine meiner Stofftaschen haben dürfte. Wir haben so viele Beutel, dass wir locker welche unters Volk bringen könnten, aber wenn ich einkaufen gehe, habe ich immer nur meine zwei Lieblingstaschen dabei und ihr deswegen doch keine gegeben. Eine von beiden ist ein Geschenk von Philip:


Zugegeben, manchmal wäre ich schon lieber in New York. Aber ist diese Tasche nicht einfach nur cool?

Dienstag, 29. November 2016

Comedy in Gaborone

Wenn man sich informieren will, was in Gaborone so los ist, ist facebook das Mittel der Wahl. Darüber wurden wir auch auf Riaad Moosa aufmerksam, einen südafrikanischen Comedian, der am ersten Advent in Gaborone auftreten sollte. Er war mit zwei Kollegen als "Vorgruppen" angekündigt und wurde als ursprünglich aus der Zauberei kommender, studierter Mediziner präsentiert, der Standup-Comedy machen würde und gerade dabei wäre, die erste Comedy-Show der Welt mit medizinischen Themen vorzubereiten ... ich hatte ein enormes Déjà-vu und es war klar: Da mussten wir hin!
Beim Kartenkauf fragten wir uns allerdings, wer da wohl sonst hingehen würde: Eine Karte kostete 350,- BWP (Botswana Pula) - 30,- €; für hiesige Verhältnisse sehr viel Geld. Als wir gestern Nachmittag im hiesigen Kongresszentrum ankamen, bekamen wir die Antwort: Die Anzahl von Indern und Muslimen (oder indischen Muslimen?) im Publikum war riesig - eigentlich stellten sie das Publikum und viele schienen sich auch untereinander zu kennen. Das war ja mal spannend! Normalerweise sieht man hier kaum Inder und/oder Muslime. Wir fingen dann mal an, Riaad Moosa zu googeln - das hatten wir vor dem Kartenkauf tatsächlich nicht getan. So ist das, wenn man ausgehungert nach Kultur ist ... Es stellte sich heraus, dass Riaad Moosa in Indien geboren worden war und zu seinen Themen auch Islamfeindlichkeit, Rassismus etc. gehörten. Das war ja spannend!

In dem sehr großzügig bestuhlten und ziemlich runtergekühlten Kongresszentrum war freie Platzwahl. Auf jedem Platz lag ein KitKat, eine kleine Flasche Wasser sowie Werbeflyer der Sponsoren, dafür gab es keine Pause. Als erstes stellte sich ein Gaboroner Comedian dem Publikum, er nannte sich "Phenyo the Master". Nachdem er auf englisch gar nicht ankam, wechselte er zu Setswana, worauf immerhin mehr Leute lachten. Nach seinen englischen Witzen hatten wir allerdings nicht das Gefühl, was zu verpassen, und er war dann auch recht schnell und eigentlich kommentarlos wieder weg. Der zweite Comedian kam aus Südafrika, kokettierte mit seinem Twen- und Single-Dasein, übte Warm-Upper-mäßig die Appläuse mit uns (wir lernten, dass ein muslimisches Publikum wohl weder besonders gerne klatscht noch lacht - der Künstler, der das verkündete, war ebenfalls Muslim und musste es eigentlich wissen) und kündigte schließlich seinen Kollegen Riaad Moosa an. Der war auf jeden Fall der lustigste von den dreien - erfreulicherweise, er trat ja dann auch fast eineinhalb Stunden auf ... wie schon sein Vorgänger machte er übrigens auch ein, zwei Hitler-Witze. Die scheinen in diesem Teil der Erde immer noch in Mode zu sein. Medizinische Themen riss er eigentlich nicht an, sondern erklärte freimütig, dass von sechs Jahren Medizinstudium nicht so besonders viel hängen geblieben sei - sollte es im Saal zu einer Situation kommen, in der ein Arzt gebraucht werden würde, könnte er den Patienten allenfalls bespaßen, während dieser wegdämmerte ...
Dann erzählte er tatsächlich vor allem aus seinem Leben als Muslim, und das war schon stellenweise lustig. Wie seine Sitznachbarin im Flugzeug aufschreckt, weil er eine Mahlzeit bestellt hat, die halal ist und er zu ihr sagt: "Hallo? Ich bin noch viel aufgeregter als Sie - das ist meine letzte Mahlzeit!" Außerdem übte er sich in Trump-Parodien und erzählte einiges von seinen zwei Kindern. Ein größerer Kontext ließ sich nicht finden, aber wir fühlten uns insgesamt ganz gut unterhalten - vielleicht nicht so gut wie der Rest des Publikums, der aus Fans zu bestehen schien, aber es war okay. Und am Ende ging Riaad Moosa dann einfach - ohne Applaus, ohne Zugabe, ohne irgendwas - und eine Frau trat auf die Bühne und dankte den Sponsoren der Show - einer erstaunlichen Anzahl. Warum waren die Karten denn dann eigentlich so teuer? Statt Merchandising und Autogrammen gab es im Foyer einen Fotobooth, auf den Philip und ich aber verzichteten. Ich klaute dafür zwei Kitkats von den leeren Stühlen und dann fuhren wir nach Hause. Tja, das war also unser erster Eindruck von Comedy im südlichen Afrika. Wie sagte Philip? Speziell wir sind von Deutschland aus halt ziemlich verwöhnt.

Sonntag, 27. November 2016

Advent, Advent ...

... ein Lichtlein brennt! Auch an Philips und meinem improvisierten Adventskranz und trotz Durchschnittstemperaturen von gut 30 Grad. Und so ein sommerliches Adventsfrühstück auf der Terrasse hat natürlich auch etwas. Es fühlt sich nur zugegebenermaßen nicht so wahnsinnig weihnachtlich an.
Dabei rückt die Weihnachtszeit ja unaufhaltsam näher, was man hier vor allem in den Shopping Malls merkt. Vor vier bis sechs Wochen wurden Regale mit Weihnachtsangeboten befüllt. Adventskränze scheinen hier unüblich zu sein, aber geschmückte Plastikweihnachtsbäume bekommt man in verschiedenen Ausfertigungen:


Auch Weihnachtsdeko gibt es zu kaufen. Besonders exotisch wirkt sie allerdings nicht.


Vor zweieinhalb Wochen stutzte ich im Supermarkt, als als ich die Hintergrundmusik erkannte: Eine Instrumentalversion von "Gloria in excelcis Deo". Auch "Jingle Bells" wird inzwischen unverdrossen rauf und runter gespielt. Seit Neuestem tragen die Verkäufer sogar Weihnachtsmannmützen.

Vereinzelt findet man in den Supermärkten auch Schokoweihnachtsmänner. Ansonsten werden englische Früchtekuchen angeboten und Knallbonbons mit Spielzeug- oder Pralineninhalten. Letztere scheinen hier sehr beliebt zu sein, man bekommt sie eigentlich überall in Großpackungen. Nachdem Philip aber letzte Woche eine Packung Neuendettelsauer Lebkuchen sowie zwei Schokoweihnachtsmänner aus Deutschland importiert hat, haben wir uns davon noch nicht in Versuchung führen lassen. Und Weihnachten kommt mir trotz des fortgeschrittenen Datums auch nach wie vor ziemlich weit weg vor - jetzt ist Sommer!
Gestern haben wir aber dann doch mal unsere Weihnachtskiste ausgepackt und insbesondere das Wohnzimmer dekoriert. Den Baumschmuck haben wir allerdings verpackt gelassen und auch bei den Plastikweihnachtsbäumen werden wir nicht zuschlagen. Advent, Advent, ein Lichtlein brennt ... erst eins, dann zwei, dann drei ... und dann sind wir über Weihnachten in Deutschland!

Freitag, 25. November 2016

Frösche in der Nacht

Vor ein paar Wochen erzählte eine Kollegin, dass sie in einem der letzten Jahre mal Frösche im Garten gehabt hätten. Zunächst seien sie im Pool gewesen, wo man ihr Gequake noch habe ertragen können; dann hätten sie es jedoch vorgezogen, sich in die leeren Regenrohre sowie die Abwasserrohre (manche enden hier knapp über dem Gully) zu verziehen. So hätten sie auch schon mal aus der Toilettenschüssel rausgeschaut – und das Gequake wurde wohl insbesondere durch die leeren Regenrohre deutlich verstärkt. Die Kollegin fing die Tierchen ein und brachte sie eines Nachts an einen Teich auf einer öffentlichen Freifläche, wo sie sie aussetzte. Was sie nicht wusste: Sie wurde dabei beobachtet, ihr Nummernschild wurde aufgeschrieben, und am nächsten Tag rief die Polizei bei ihr an, was ihr denn einfiele, ein Krokodil auszusetzen. Wir mussten sehr lachen, als wir diese Geschichte hörten.

Gestern abend, als wir ins Bett gingen, hörten wir dann Frösche an unserem Pool quaken. Wir freuen uns ja, dass wir auf unserem Grundstück ein kleines Biotop haben, wo verschiedene Tiere sich wohlfühlen – wie z.B. Katzen und Vögel. Allerdings liegt unser Pool ziemlich direkt vor unserem Schlafzimmerfenster – und unser Haus bzw. die Fenster sind nicht isoliert.
Ca. zwei Stunden später stand ich auf, um mir Ohropax in die Ohren zu stecken. Das half leider nicht gegen die Frequenz der Frösche, die ungeniert Dauer-quakten. Es wäre übertrieben zu sagen, dass ich schlief. In den folgenden Stunden kamen meine dunklen Seiten wieder einmal zum Vorschein. Wir hatten gerade einen Kollegen mit seiner Frau für kommende Woche zum Grillen eingeladen – und fragten uns ein wenig, was wir auf den Grill werfen können, wenn sie Vegetarierin ist und zusätzlich gluten-frei lebt. Froschschenkel passen dann vermutlich eher nicht so gut? Gegen vier Uhr morgens fing ich an, im wachen Zustand zu träumen: Ich beobachtete uns dabei, wie wir aufstanden und mit Taschenlampe ausgerüstet zum Pool gingen. Zunächst stellten wir die Unterwasserbeleuchtung des Pools an. Die beiden Frösche, die sich wohl mit Balzrufen verständigten, verstummten kurzzeitig, waren aber deutlich an verschiedenen Stellen im Wasser zu sehen, jeweils knapp handtellergroß. Wir schauten uns an: Was sollten wir tun? Schlaf ist ja schon ein wichtiges Gut. Unglaublich, wie gelassen die Kollegin auf ihre Frosch-Situation reagiert hatte. Eine Verstärkung durch leere Regenrohre o.ä. brauchten unsere Frösche jedenfalls nicht, sie waren auch so verständlich. Ich hatte ja schon z.B. beim Autokauf festgestellt, dass zwischen grün wählen und grün handeln ein Unterschied ist. In meinem Traum nahm ich also den Kescher des Pools, mit dem wir normalerweise heruntergefallene Blätter und versenkte Handys aus dem Pool fischen, und fing den ersten Frosch. Ich stellte mir vor, wie der Frosch in einem weiten Bogen vom Kescher (und mir) über die Mauer zu unseren Lieblingshunden geschleudert wurde. Dann der zweite Frosch gleich hinterher. Dann war Ruhe. Selbst die Hunde schlugen nicht an (sie waren in den letzten Wochen dankenswerter Weise deutlich leiser geworden). Tierquälerei? Vielleicht. Effektiv? Nun ja, sobald wir wieder im Bett lagen, fingen die Frösche wieder an zu quaken, sie lebten also noch. Aber nach ca. einer Minute war Ruhe. Für den Rest der Nacht, die nicht mehr lang war. Es brauchte noch eine Weile, bis ich wieder so ruhig war, dass ich einschlafen konnte. Hatte ich das nun geträumt oder war es doch real?

P.S.: Bleibt noch die Frage: Nachdem es wohl nun doch keine Froschschenkel werden, was kann man gluten- und fleischfrei grillen?

P.P.S.: Während ich diesen Blogeintrag schreibe, traktiert mich Walli mit einem Lied von Youtube, das sie in ihrer Pfadfinderzeit gesungen hat: „Frösche in der Nacht“ – wenn sie damals schon geahnt hätte, in welchem Zusammenhang sie daran noch einmal denken würde…
P.P.P.S.: Offenbar haben wir doch beide letzte Nacht geträumt. Zwei Stunden nach Sonnenuntergang hat heute das kostenlose Konzert wieder begonnen. Das bringt Euch immerhin in den Genuss eines Beweisfotos:


Donnerstag, 24. November 2016

Die Erde aus dem All betrachtet

Wir hoffen ja weiterhin, ein paar unserer Leser für eine Safari in Botswana zu begeistern und schwärmen hier daher gerne von unseren Erlebnissen. Für alle, die derzeit nicht zu einem Besuch bei uns vorbeikommen können (oder als Vorgeschmack auf einen Besuch hier?!), gibt es noch bis November 2017 die fantastische Fotoausstellung "Wunder der Erde" im Gasometer Oberhausen. Während Walli mit ihren Eltern im Madikwe-Nationalpark in Südafrika war, machte ich einen kurzen dienstlichen Abstecher nach Deutschland, hatte aber immerhin die Gelegenheit, mit meinen Eltern nach Oberhausen zu düsen - Safari, eben in Deutschland, zumindest mit großartigen Fotos aus der Natur.



Und es gibt dort nicht nur Safari-Fotos aus Afrika, sondern auch Naturfotos aus vielen anderen Ecken der Welt: von Walen, Rentierwanderungen, Makroaufnahmen von Heuschrecken, etc.
Höhepunkt der Ausstellung ist eine weiße Kugel mit 20 m Durchmesser, die in der 100 m hohen Halle des Gasometers hängt und auf deren Oberfläche bewegte hochauflösende Satellitenaufnahmen der Erde projiziert werden. So hat man das Gefühl, als Astronaut auf die Erde zu schauen und sie als Ganzes wahrzunehmen - eine ungewohnte, aber sehr spannende Perspektive!


Beeindruckend ist auch der Blick vom Dach des Gasometers auf den Ruhrpott. Um dorthin zu gelangen, fuhren wir zunächst noch mit einem Panoramaaufzug an der Erde vorbei in die Höhe. Wenn das Wetter etwas weniger diesig gewesen wäre, hätten wir vielleicht auch noch weiter gesehen (oder ist das der berüchtigte Ruhrpott-Mief?).

Dienstag, 22. November 2016

Hund, Katze, Vogel

Philip und ich haben auch nach über einem halben Jahr in Botswana noch keine Haustiere. Das ist ungewöhnlich - die meisten Expats haben mindestens einen Hund, schon aus Sicherheitsaspekten. Wir konnten uns bislang noch nicht dazu durchringen - zum einen wegen meiner Tierhaarallergie, zum anderen, weil wir ja doch auch gerne viel reisen und dann jemand bräuchten, der das Tier versorgt (mal ganz abgesehen davon, dass wir irgendwann nach Deutschland zurückkehren werden und dann vermutlich nicht mehr in einem hundegerechten Einfamilienhaus mit Garten wohnen ...). Andere Deutsche haben extra eine Hausangestellte bei sich wohnen, die sich während ihrer Abwesenheit dann um die Tiere kümmert - und Hund UND Maid sind natürlich wirklich ein Schutz vor Einbrechern, so ist ein Grundstück ja ständig bewohnt.
Aber wie gesagt - wir sind nach wie vor ein hundeloser Haushalt. Es kursieren auch immer mal wieder Geschichten über von Einbrüchen traumatisierte Hunde bzw. über welche, die von Einbrechern mit Fleisch bestochen wurden - hundertprozentige Sicherheit gibt es eben nie.

Vermutlich gerade wegen unseres hundelosen Gartens (was in dieser Gegend Gaborones selten ist), stromert öfters eine Katze um unser Haus. Wir wissen nicht, ob sie irgendwohin gehört und sie ist relativ scheu. Sie ist die einzige Katze, die ich hier je gesehen habe - um so größer war die Überraschung vor zwei Wochen, als sie mit zwei Jungen neben einem unserer Regentanks lag! Die Kleinen waren schon etwas größer - ca. sieben bis zwölf Wochen alt? - und spielten, während die Mutter da lag und uns im Auge behielt. Irgendwann verschwanden sie, erschienen aber ein paar Tage später unter einem Busch wieder und vor ein paar Tagen tauchten sie nochmal unverhofft neben dem Regentank auf.


Ich stellte ihnen ein Glasschälchen mit Milch hin, was die Mutter sofort austrank, nachdem ich mich zurückgezogen hatte. Leider habe ich erst danach ergoogelt, dass man Katzen wegen ihrer häufigen Laktoseintoleranz keine Kuhmilch geben sollte - und dass generell davon abgeraten wird, fremde Katzen zu füttern. Na ja, dann war das eine einmalige Aktion - beschloss ich, wurde aber 24 Stunden später bereits rückfällig.
Da saß ich nämlich im Wohnzimmer und wunderte mich. Es klang ein bisschen, als wäre der Alarm unseres Elektrozauns losgegangen. Nur leiser. Und etwas melodischer. Ein Vogel, der sich auf die Imitation von Elektrozäunen und Alarmanlagen spezialisiert hatte? Ich guckte vor die Haustür. Und sah die Bescherung.

In einem großen Beet direkt vor unserem Haus dominiert ein stacheliger, rotblühender Christusdorn. Und an einem seiner Dornenzweige hat vor ein paar Wochen ein Vogelpärchen ein Nest gebaut.


Schon als ich es entdeckte, zweifelte ich, ob das in ca. 50 cm Höhe so eine gute Idee von den Vögeln war - aber andererseits ist der Christusdorn ja ein ziemlich dorniges Gewächs und das würde die Katze hoffentlich fernhalten. Und das hatte es, glaube ich, auch - bis heute. Da lag sie nämlich mit ihren Jungen direkt in diesem Dornenbeet. Und auf einem Baum saßen Mutter und Vater Vogel und schimpften sich die Seele aus den kleinen Leibern. Beide haben lange, gebogene Schnäbel und sind ziemlich winzig - sie erinnern an Kolibris.


Die Katze haben sie auf jeden Fall nicht beeindruckt. Ich versuchte halbherzig, zu helfen und die Katzen wegzuscheuchen, was aber nur zur Folge hatte, dass die kleinen Kätzchen ohne Rücksicht auf Verluste panisch in die Dornen sprangen, während die Mutter liegenblieb und mich strafend anfauchte. Wahrscheinlich hatte sie von der gestrigen Milch auch noch Durchfall bekommen und war eh nicht gut auf mich zu sprechen. Ich bekam auf jeden Fall ein schlechtes Gewissen und versuchte nicht nachdrücklicher, sie zu verjagen - falls sie es auf das Vogelnest abgesehen haben sollte, würde ich den Vögeln auf Dauer eh nicht helfen können.
In der Hoffnung, sie wegzulocken, stellte ich ihr noch einmal ein Schälchen mit Milch hin (aus Mangel an Ideen, was man Katzen sonst hinstellen könnte). Sie trank es aus und zog sich danach mit ihren Kindern tiefer in den Christusdorn zurück, soviel zu meinem Ablenkungsmanöver ... Allerdings zeigten alle drei Katzen keinerlei Interesse an dem Nest. Mutter und Vater Vogel ließen sich nur noch abwechselnd blicken und schienen inzwischen auch etwas müde zu sein, auf jeden Fall schimpften sie nicht mehr durchgängig in Elektrozaun-Frequenz. Ich guckte nur noch ab und zu aus dem Küchenfenster. Im Schutz der Dunkelheit sind die Katzen schließlich verschwunden und bisher nicht wieder aufgetaucht.
Dafür, dass wir keine Haustiere haben, ist in unserem Garten auf jeden Fall ganz schön was los!

Sonntag, 20. November 2016

Antilopen auf der Veranda

Zum Abschluss des Botswana-Besuchs meiner Eltern wollten wir noch einmal auf Safari gehen. Und nachdem Philip und ich schon einmal im Juli einen schönen Tag in Madikwe verbracht hatten, was zwar schon in Südafrika, aber nur 40 km von Gaborone entfernt liegt, buchte ich uns da - günstig Last-minute - in einer Lodge ein. Da Philip bereits auf Dienstreise in Deutschland war, machten wir uns zu dritt auf den Weg und ich fuhr diese Strecke erstmals selbst. Der Grenzübertritt, für den Philip und ich letztes Mal über eine Stunde gebraucht hatten, ging diesmal ganz fix - Sonntagmorgen war an der botswanisch-südafrikanischen Grenze einfach kaum was los und dann hatten die Grenzbeamten auch noch gute Laune. Was will man mehr!
Bereits 10 km nach der Grenze ist schon das erste Tor zum Nationalpark Madikwe. Die Wärterin erklärte uns den Weg zu unserer Lodge, die ganze 7,5 km im teilweise hügeligen Nationalpark lag. Ich bereute kurz, dass ich mich gegen den großen Schluckspecht mit seinem Allrad-Antrieb und für mein kleines blaues Autochen entschieden hatte, aber die Dame von der Lodge hatte mir im Vorfeld gesagt, ich käme mit einem normalen Auto problemlos dorthin, und so war es dann auch. Auf den ungeteerten Straßen brauchte ich für die kurze Strecke zwar gute 20 bis 30 Minuten, aber wir sahen immerhin schon Zebras und begannen so bereits mit der Safari.

In der Buffalo Ridge Safari Lodge hieß es dann erst einmal relaxen - wir bezogen unser Chalet, aßen zu Mittag und um 16 Uhr startete dann der erste Game Drive. Hier kamen wir ganz dicht an zwei Löwen heran, die - einer von ihnen japsend - an einem Wasserloch herumlagen und laut unserem Safari Guide mit der Verdauung eines Büffels beschäftigt waren. Ein noch größeres Highlight war für mich jedoch ein Breitmaulnashorn am Wasserloch - außerhalb des Khama Rhino Sanctuary hatte ich noch in keinem Safarigebiet ein Nashorn so nah und gut gesehen!



Die für mich zweittollsten Tiere war weitaus kleiner, haben mich aber trotzdem schwer beeindruckt: Zwei "Heilige Pillendreher" (die heißen wirklich so!) mühten sich mit einer Mistkugel ab, die um einiges größer war als sie selbst.


Nach einem Sundowner ging es zur Lodge zurück, wo es ein extrem feines Abendessen gab. Danach gingen wir bald ins Bett - die Morgensafari sollte um 6 Uhr starten. Hier sahen wir zwar keine weiteren Raubkatzen, aber neben einer Giraffe mit Jungem viele Elefanten, Zebras, Gnus, zwei Oryx-Antilopen und einen Schakal. Die eigentliche Safari-Überraschung erwartete uns jedoch bei der Rückkehr zu unserem Chalet: Auf der Veranda stand eine kleine Antilope, ein Kirk-Dikdik.


Zwei weitere saßen bzw. fraßen unterhalb der Veranda und ließen sich durch uns nicht stören. Manchmal muss man gar nicht in ein Safariauto steigen, um was zu sehen ... als ich nach dem Frühstück wiederkam, waren die Kirk-Dikdiks immer noch da und leckten fröhlich die Verandatüren von außen ab.


Zeltaußenwände ableckende Löwen haben wir hier zwar immer noch nicht erlebt, aber Terassentür-ableckende Antilopen sind mir auch lieber ...

Und dann setzten wir uns auch schon wieder ins Auto - nach der großen Überraschung, dass drei Lodge-Angestellte es tatsächlich vor der Abfahrt noch geputzt hatten! Ich war ganz gerührt, auf der anderen Seite kam mir das Ganze wie vergebene Liebesmüh vor, nachdem wir ja erstmal 7,5 km Staubstraße vor uns hatten ... aber insgesamt ist das Auto doch noch einigermaßen sauber wieder in Gaborone angekommen. Bis hoffentlich bald mal wieder, Madikwe!

Freitag, 18. November 2016

Elefanten, zu Wasser und zu Land

Es wurde mal wieder Zeit, einen neuen Nationalpark in Botswana zu erkunden - und so flogen wir mit Wallis Eltern ganz in den Norden des Landes, zum Chobe Nationalpark (von dort aus machten wir übrigens auch den Tagesausflug zu den Victoriafällen in Simbabwe). Der Chobe Nationalpark, insbesondere der Teil, der sich "Chobe Riverfront" nennt, ist für seine großen Elefanten- und Büffelherden bekannt.
Zum Einstieg machten wir einen Bootsfahrt auf dem Chobe Fluss (der ein paar Kilometer weiter in den Sambesi Fluss mündet, welcher dann über die Victoriafälle fließt). In einem recht großen Boot mit ca. 50 Touristen (die Mehrzahl wohl aus Deutschland!) fuhren wir so auf dem Grenzfluss zwischen Botswana und Namibia, rund um eine Insel herum, die nur während der Trockenzeit sichtbar ist. Auf dieser Insel, sowie am Flußufer, sahen wir viele Tiere, die dorthin wegen der saftigen Weiden in der Trockenzeit kommen: Elefanten, Büffel, Antilopen, Zebras, Nilpferde, Adler, Vögel, Krokodile etc.
Besonders beeindruckt haben mich die Elefanten, teils außerhalb, teils im Wasser:



Ein Höhepunkt war ganz sicher der Elefant, der beschloss, von der Insel zurück aufs Festland zu schwimmen - zeitweise war nur noch der Rüssel über Wasser sichtbar, durch den er atmete:


Am nächsten Morgen ging es zeitig los zu einem "full day game drive" entlang des Chobe Flusses. Ca. 50 km kann man auf Pisten entlang des Flusses fahren und so immer wieder andere Tiere sehen. Auch hier beeindruckten uns wieder die Elefanten:


Doch nicht nur an sie werden wir uns von diesem Tagesausflug erinnern - die Tiervielfalt und -dichte war hoch und kam stellenweise gut an das Okavango Delta heran.


Unser Fahrer/Führer hatte perfekte Augen und fand viele Tiere weit vor uns bzw. entdeckte sie überhaupt. Zum Beispiel die Löwen, die sich ca. 50m von der Piste entfernt unter einem Busch ausruhten - wir hätten sie wohl nie gesehen; ebenso wenig die Löwen, die nur 2m von der Piste entfernt in einem Gestrüpp lagen.


Besonders beeindruckend war auch die Büffelherde, die wir zunächst nach und nach in der Mittagshitze unter vielen Bäumen im Schatten liegen sahen; wir ahnten da schon, dass die Herde mehrere hundert Tiere umfassen musste.


Auf dem Rückweg fanden wir die Herde dann am Ufer des Flusses in der Steppenlandschaft - sie war in der Tat riesig, das folgende Bild zeigt nur einen kleinen Ausschnitt.


Zum Abschluss - wie konnte es anders sein - bestaunten wir noch eine Elefantenherde aus ca. 59 Tieren, die im Gänsemarsch ganz leise, fast nicht hörbar, durch den Wald zogen und dabei ganz junge und ganz alte Tiere eingereiht mitnahmen. Ein sehr sinnlicher Abschluss eines grandiosen Tages!


Mittwoch, 16. November 2016

Ausflug nach Simbabwe

Mit was verbringt man einen Urlaub in Botswana? Mit Safaris! So spektakulär und immer wieder anders diese auch sind, war es doch eine schöne Abwechslung, am vorletzten Wochenende außer Tieren auch mal Wasserfälle zu besichtigen ... wobei wir dafür zugegebenermaßen in ein Nachbarland fahren mussten. Wir haben nämlich die Victoriafälle besucht und dafür vom botswanischen Städtchen Kasane (ganz im Nordosten des Landes) einen Tagesausflug nach Simbabwe gemacht.

Die Victoriafälle sind gemessen an Höhe und Breite der größte Wasservorhang der Erde - im Frühjahr, zum Ende der Regenzeit hin, wenn der Sambesi Fluss viel, viel Wasser führt. Nun im November fließt vergleichsweise wenig Wasser die Fälle hinab - die Regenzeit beginnt zwar gerade, aber noch lässt das Regenwasser den in den letzten Monaten immer schmaler gewordenen Fluss nicht anschwellen. Die Wasserfälle büßen so ordentlich an Breite sein. Sie sehen aber immer noch sehr beeindruckend aus und man kann sie gut sehen - letzteres ist bei den großen Wassermengen im Frühjahr wohl schwierig, da man vor lauter Gischt die Fälle kaum erkennen kann.

Bevor wir aber im gleichnamigen simbabwischen Örtchen "Victoria Falls" ankamen, mussten wir erst einmal die simbabwische Grenze passieren. Das Reisebüro meines Vertrauens hatte diesen Tagesausflug für uns bei einem Veranstalter gebucht, der meine Eltern, Philip, mich und dann noch ein dänisches Ehepaar mit einem Minibus in Kasane aufsammelte und zur Grenze fuhr. Dort hatten wir Glück: Man kann da wohl locker eineinhalb Stunden verbringen, aber es waren an diesem frühen Morgen noch nicht so viele Touristen da. Dennoch dauerte vor allem die Einreise nach Simbabwe lange, es wurde sich sehr genau mit den Pässen beschäftigt, sie wurden noch an einen Kollegen gegeben, der woanders saß und allein bis dieser mit unseren vier gestempelten und mit Visa beklebten Ausweisen wiederkam, dauerte es doch einige Zeit. Und kostete 120 US-Dollar - pro Person zahlt man 30 Dollar für ein Touristenvisum für Simbabwe. Der US-Dollar ist offizielles Zahlungsmittel, nachdem die eigene Landeswährung Zimbabwe-Dollar 2009 endgültig der Hyperinflation zum Opfer gefallen ist. Nun versuchen Straßenhändler, die Scheine dieser Währung als Souvenir an die Touristen zu bringen: "100 billions of this crazy currency for just 1 US-Dollar!"

Auf simbabwischer Seite begann dafür gleich die Safari - bis zum Städtchen Vic Falls fährt man eine eintönige, schnurgrade Straße entlang. Links und rechts ist Busch, und von Truthahn-ähnlichen Vögeln bis hin zu Elefanten ließ sich da immer wieder etwas entdecken.

In Vic Falls zahlt man schließlich nochmal Eintritt, um den Regenwald besuchen zu dürfen - und von diesem aus hat man dann spektakuläre Blicke auf die Victoriafälle, inklusive (um diese Jahreszeit nur) kleineren Gischtduschen, Schatten und exotischen Pflanzen und Vögeln. Hier der erste Blick auf die Fälle:


Es war ein wunderschöner Spaziergang mit gigantischer Sicht! Nachdem ich gerade auf Wikipedia gelesen habe, dass Simbabwe die Errichtung eines 300 Millionen Dollar teuren Vergnügungparks rund um die Fälle plant, um noch mehr Besucher anzulocken, stellt sich die Frage, wie lange noch ... aber noch ist davon nichts zu sehen.


Aus deutscher Sicht bemerkenswert war, dass man an einigen Stellen problemlos bis zur Abbruchkante laufen konnte ... woanders undenkbar! Hier warnten Schilder, dass es rutschig sein sollte, aber wenn man runterfällt, ist es offensichtlich eigenes Pech. Hier nochmal  der Abschnitt der Fälle ohne Wasser:


Nach einem lokalen Mittagessen (Impala-Frikadellen und Zebra-Burger - in Botswana fände man das wegen des generellen Jagdverbots auf keiner Speisekarte) und dem Besuch eines Marktes machten wir schließlich noch einen Abstecher ins altehrwürdige Victoria Falls Hotel. Erbaut Anfang des 20. Jahrhunderts und u.a. Flitterwochenziel von Elizabeth Taylor und Richard Burton bietet es einen traumhaften Blick auf die Victoria Falls Bridge.


Voll mit Eindrücken setzten wir uns schließlich wieder in den kleinen weißen Minibus und wurden nach Hause gefahren.Dankenswerterweise machte er erst auf den allerletzten Metern zu unserem Hotel schlapp, so dass wir Simbabwe wie geplant verlassen konnten. Schön war's!

Dienstag, 8. November 2016

Poolgefahren

Als ich die Hausübergabe mit unserem Vermieter machte, sagte der mir schon, dass so ein Pool mehr Ärger mache, als dass er nutze. Dieses Gefühl hatten wir auch schon in den letzten Monaten, denn nur wenige Zeit nach unserem Einzug hier wurde es eigentlich zu kühl zum Baden. Dann kamen die Handwerkergeschichten. In den letzten 3 Wochen allerdings haben wir angesichts der leicht erhöhten Temperaturen hier (bis zu 43°C bisher) mit unserem Besuch angefangen, den Pool intensiver zu nutzen - endlich zahlt er sich mal aus.
Gleichzeitig wussten wir schon immer, dass so ein Pool auch Gefahren birgt, man verdrängt diese nur ganz gerne. Kollegen mit kleinen Kindern lassen ihren Pool z.B. einzäunen, damit die Kinder nicht unbeaufsichtigt hineinfallen. Derzeit ist das jedoch nicht unsere größte Sorge bzgl. des Pools.
Nun sind wir letzte Woche aber auf ein Video im Internet aufmerksam geworden, das uns wohl nie mehr unbelastet in den Pool steigen lässt. Aufgenommen vor wenigen Tagen in Zimbabwe, zeigt es, wie ein Krokodil ein Pärchen in einem Hotel-Swimmingpool überrascht und angreift. Die Dürre im Land (bzw. im ganzen südlichen Afrika) hat wohl dazu geführt, dass sich das Krokodil ein neues Revier gesucht hat... Aber sehr selbst:


Sonntag, 6. November 2016

Der Tag der toten Eidechse

Gerade vor zwei Wochen hatte ich mit einer Freundin telefoniert, die mich nach gefährlichem Kleingetier in Botswana befragte - Skorpionen und Schlangen. Beide Tierarten waren mir hier noch nicht untergekommen. Wir haben zwar zum Einzug von unseren Vermietern eine Liste mit wichtigen Telefonnummern bekommen, auf der auch eine Stelle steht, die wir anrufen sollen, falls sich eine Schlange in unseren Garten oder unser Haus verirrt - aber da ich bislang noch nicht mal auf Safari eine Schlange in freier Wildbahn gesehen hatte, kam mir das bisher sehr unwahrscheinlich vor. Wir kennen Leute, die schon Schlangenhäute im Garten gefunden haben, große Schlangen auf dem Golfpatz fotografiert haben und eine Kollegin von Philip erzählte mir, dass die Vormieter eines Hauses von Botschaftsmitarbern sogar mal eine Black Mamba unter ihrem Bettlaken vorgefunden hatten. Das ist die beunruhigendste Schlangengeschichte, die ich bisher gehört habe. Auf der anderen Seite wurde sie uns über so viele Ecken überliefert, dass ich nicht ausschließen kann, dass es sich vielleicht doch um eine moderne Legende handelt?

Wie auch immer: Wir hatten bislang keine Schlange in freier Wildbahn gesehen. Das änderte sich, als wir unser zweites Wochenende im Khama Rhino Sanctuary verbrachten - wobei man das Badezimmer unseres Chalets ja nun nicht unbedingt als "freie Wildbahn" bezeichnen kann. An unserem ersten Abend erkannte ich nach dem Zähneputzen aus den Augenwinkeln, das irgendwas auf dem Boden der Dusche lag. Ich hatte meine Brille nicht auf und schaute deswegen näher hin - zurück guckte eine Schlange, die da bewegungslos hingeschlängelt lag. Sie war ca. 50-60 cm lang, braun und auffallend schmal. Es war spät abends. Ich holte Philip, der beherzt den Duschvorhang zuzog, was mich als Sicherheitsmaßnahme nicht komplett überzeugte. Aber wir einigten uns, dass die geschlossene Badezimmertür die Schlange schon aus unserem Schlafzimmer raushalten würde. Und gingen dann schlafen.
Am nächsten Morgen inspizierte Philip das Badezimmer: Die Schlange war weg! Durchs gekippte Fenster nach draußen geschlängelt, durch das sie eventuell auch reingekommen war? Nach dem morgendlichen Game Drive informierten wir die Rezeption des Khama Rhino Sanctuary. Die Rezeptionistin war nicht begeistert über unsere Schlangensichtung. Sie schickte drei Mitarbeiter los, die - u.a. mit dem Kescher des Pools bewaffnet - in und um unser Chalet auf Schlangensuche gingen, während wir frühstückten.
Wir saßen immer noch im Restaurant, als einer der Mitarbeiter hereinkam. Zwischen Zeigefinger und Daumen hielt er die äußerste Schwanzspitze einer offensichtlich toten Eidechse, die er über unseren Frühstückstisch baumeln ließ. Das arme Tierchen war alles, was sie gefunden hatten, und offensichtlich hatte er es uns mitgebracht, um uns ein Ergebnis zu präsentieren - und um herauszufinden, ob wir eventuell statt einer Schlange doch nur diese kleine Eidechse gesehen hatten ... im Nachhinein war ich doch ziemlich empört, dass so eine Verwchslung offensichtlich für möglich gehalten wurde! Das legte sich, als der Schlangensuchtrupp nachmittags nochmal vorbeikam, Rohre untersuchte, Chemikalien runterspülte und sogar das Bad mit irgendeinem Insektenschutz strich - damit sollte die Schlange, falls sie sich noch irgendwo versteckt hielt, verjagt werden.

Für diesen Abend hatte sich Philip einen lustigen kleinen Scherz ausgedacht: Er wollte ins Bad gehen und mich dann mit dem Ausruf erschrecken, dass die Schlange wieder da sei. Stattdessen erschreckte er sich dann selbst - sie war nämlich wirklich wieder da, diesmal auf dem Duschvorleger, von dem sie sich dann zur Wand schlängelte. Immerhin dachten wir diesmal daran, ein Foto zu machen. Dann lief ich zum Chalet meiner Eltern, um das Bad zu benutzen, mein Vater lief zu unserem Chalet, um die Schlange zu besichtigen - wir waren also alle noch etwas aufgeregt, gingen dann aber doch bald schlafen.


Neuer Morgen, gleiches Spiel: Die Schlange war weg. Es war unser Abreisemorgen, an der Rezeption führten wir noch das Foto vor. Die anwesenden Ranger waren sehr interessiert und identifizierten die Schlange als "brown house snake". Wie ein Hundebesitzer versicherte mir einer "Die tut nichts ...". Ich freute mich trotzdem auf unser schlangenloses Badezimmer in Gaborone. Safari doch bitte nur draußen!