Am Montag vor einer Woche war ein Auto offensichtlich nicht gerade langsam in unser elektrisches Tor gefahren. Dieses war nun kaputt, seine Verankerung inkl. Betonpfeiler umgestürzt und auch das Fußgängertörchen daneben verbeult und unbenutzbar. Bei dieser Bilanz war es klar, dass die Behebung des Ganzen etwas dauern würde. Am Dienstagvormittag kamen erst einmal die Handwerker von Power Gate (der Torfirma) und Manase (der Elektrozaunfirma). Sie alle guckten, staunten, fragten "What happened?", wollten Fotos des Unfallautos sehen und fuhren dann wieder. Auch unser Freundeskreis nahm großen Anteil. Interessant war, dass insbesondere Leute, die schon länger hier bzw. generell schon länger im Ausland lebten, erstmal die Befürchtung äußerten, das Auto wäre mit Absicht in unser Tor gefahren, als Einbruchsversuch. Ich war mir allerdings sehr sicher, dass das nicht die Intention der Unfallverursacherin gewesen war.
Am Dienstagmittag kam ein Herr von der Gebäudeversicherung, dem unser Vermieter ziemlich hinterher telefoniert hatte, damit er sich schnellstmöglich blicken ließ - erst, nachdem seine Begutachtung erfolgt war, würden die Reparaturen beginnen können. Der Versicherungsmensch sah mich schon bei der Begrüßung strafend an und fragte ebenfalls: "What happened here?" Nachdem ich nochmal wiederholte, was er ja eh längst wusste ("A car crashed in our gate") fragte er noch strafender: "YOUR car?" Als ich diesen Verdacht aus der Welt räumen konnte und er die Fotos gesehen hatte, wollte er noch einmal mit mir ums Haus laufen, fragte, ob die Bewegungsmelder und Alarmanlage funktionieren würden und ob wir Hunde hätten. Er sah nicht aus wie ein potentieller Einbrecher, stellte aber die Fragen, die ich von einem solchen erwartet hätte. Nachdem er wieder weg war, kam bald darauf ein Elektriker, der die Stromleitungen aus dem alten Pfosten zog. Er begrüßte mich grinsend mit "You remember me?" und tatsächlich hatte er schon mal vor Jahren einen Lichtschalter bei uns repariert. Nachdem ich an diesem Tag bereits die mir nur allzugut bekannten Handwerker der Tor- und der Elektrozaunfirma begrüßt hatte, erschien es mir langsam, als würde kurz vor unserem Auszug nochmal das "Who is who" der Gaboroner Handwerkerszene abspannmäßig hier vorbeiflanieren. Irgendwie nett. Dennoch hätte ich gerne darauf verzichtet.
Als nächstes zerschlugen zwei Mitarbeiter des Gartenbaumarkts unserer Vermieter in mühsamer Kleinarbeit den umgestürzten Betonpfosten und gossen schließlich noch das Fundament für einen neuen.
Abends kam wieder ein von unserem Vermieter gebuchter Wachmann. Tagsüber war ich positiv überrascht gewesen: Von der Müllabfuhr über die Handwerker bis hin zu einem Vertreter für Küchenwaren hatten alle geklingelt und waren vor dem kautten Tor stehen geblieben, obwohl sie problemlos bis zu unserer Hautür hätten marschieren können. Trotzdem war es nach wie vor ein seltsames Gefühl, dass das Gundstück so öffentlich zugänglich war und zumindest während der Dunkelheit war es doch beruhigend, den Wachmann vor dem Haus zu wissen. Es war ein junger Typ mit einem anscheinend unerschöpfbaren Handyakku, auf dem er sich den gesamten Abend lang Videos anguckte. Immerhin kam er nicht wie sein Kollege vom Unfallabend gleich mit einem Kopfkissen an. Er bleib uns einige Tage erhalten und ich begann schließlich aus alter Gewohnheit, ihn wie unseren Gärtner Sam und unsere Maid Patricia mit Käsebroten, Keksen und Obst zu versorgen.
Mittwoch kamen wieder zwei Mitarbeiter des Gartenbaumarktes und mauerten einen neuen Pfosten, was tatsächlich beinahe den ganzen Tag dauerte. Als unser (deutscher) Nachbar nachmittags zum Wäsche waschen vorbeikam, konstatierte er, dass der neue Pfosten bei einer erneuten Kollision vermutlich sofort wieder umkippen würde und sein Maurer-Onkel in der Zeit ein komplettes Haus gemauert hätte. Da wir allerdings hoffentlich nicht das Pech haben würden, noch einen weiteren Torunfall hier erleben zu dürfen und auch kein gemauertes Haus brauchten, fand ich das nicht so tragisch.
Am Donnerstag passierte dann - nichts. Das war schade. Denn so langsam wollte ich eigentlich mal wieder das Haus verlassen, was aus mehreren Gründen nicht ging: Ich wollte das offene Grundstück ungern alleine lassen und hätte auch das angelehnte Eisentor irgendwie wegbewegen müssen, um mein Auto rauszufahren. Seit dem Unfall am Montagnachmittag war ich nur Mittwochmittag mal mit einer Freundin Mittagessen gewesen, währen Patricia und die Pfostenbauer hier gewesen waren. Ich hatte zwar viel lieben Besuch bekommen, aber trotzdem - so langsam reichte es mir mit dem unfreiwillifen Hausarrest.
Das verstand unser Vermieter und machte Tor- und Elektrozaunfirma nochmal Druck. Und siehe da: Freitagmorgen tat sich was: Erst bekamen wir ein "temporary gate" für den Übergang, das neue Tor wird nämlich maßgefertigt, und das dauert. Und dann wurde auch noch der Elektrozaun gerichtet und sogar auf dem temporären Tor angeschweißt. Das war so nicht geplant gewesen und kam mir auch fragwürdig vor, da dieses Tor ja nur geliehen war und von der Schweißaktion sicher Spuren zurückbleiben würden, aber ich beschloss, die Mitarbeiter der Elektrozaunfirma nicht aufzuhalten - ein lückenloser Zaun gehört hier zu den Sicherheitsstandards. Und die waren bei uns dann Freitagmittag wieder hergestellt!
Weil unser Vermieter im Vorfeld nicht wirklich daran geglaubt hatte, hatte er den Wachmann nochmal bis Montag verlängert, was den Nachteil hatte, dass jeden Morgen um 5:45h einer von uns aufstehen musste, um ihn rauszulassen. Dafür waren wir an diesem Wochenende durch Tor UND Elektrozaun UND Wachmann besser gesichert als je zuvor. Als der Wachmann am Dienstag gegen 18h nochmal auftauchte, war ich verblüfft, aber gegen 20h wurde er dann wieder abgeholt - noch bevor er sein Käsebrot bekommen hatte. Und so war dann wieder alles halbwegs normal - bis Mittwoch. Da kam dann nämlich schon die Umzugsfirma ...


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