Montag, 30. Dezember 2019

Ein Jahresrückblick in Bildern (2019)

Wie schon die letzten Jahre (2018, 2017, 2016) möchten wir auch dieses Jahr mit einem Blogeintrag mit unseren schönsten Bildern des (Safari-)Jahres beschließen. Dies wird wohl leider auch unser letzter Botswana-Blogeintrag sein - vielen Dank Euch allen fürs treue Mitlesen und Eure vielen Reaktionen auf unseren Blog! 



Giraffen bei spielerischen Trainingskämpfen im Madikwe Game Reserve, Südafrika:


Ein Erdmännchen hält Ausschau im Kalahari Meercat Project, Südafrika:




Ein sonnenbadender Gecko im Kgalagadi Transfrontier Park, Südafrika


Zwei Elefanten begrüßen sich im Madikwe Game Reserve, Südafrika:


Ein Löffelfuchs (bat-eared fox) im Kgalagadi Transfrontier Park, Südafrika


Im Augrabies Falls Nationalpark, Südafrika:




Ein Sekretär im Kgalagadi Transfrontier Park, Südafrika:


Abschiedsabend von Gaborone:

Dienstag, 24. Dezember 2019

Weihnachtsgruß und Jahresrückblick 2019

Glühwein, Nieselregen und eine Schneemannlampe von IKEA – der deutsche Dezember hat uns wieder! Zum ersten Mal seit 2015 erleben wir ihn in voller Länge und haben sogar eine kleine Vorweihnachtsparty veranstaltet, nachdem wir es bisher versäumt hatten, Geburts­tage, Einzug oder neue Jobs zu feiern.

Im Januar und Februar hatten wir in Gaborone gefühlt eine Abschiedsparty nach der nächsten. Zwischendurch haben wir Autos, Möbel und Deko verkauft und die Reste ein­packen lassen … es war eine intensive, schöne und manchmal auch schmerzliche Abschiedszeit. Am 26.02. ging unser Aufenthalt im südlichen Afrika zu Ende, als wir im Ethiopian Airlines-Flieger saßen, aus dem Fenster auf den schnuckeligen Gaboroner Flughafen guckten und es immer noch nicht richtig glauben konnten. Keine 24 Stunden später fanden wir uns mit sechs Koffern, zwei Kisten und zwei kleinen Rucksäcken in Frankfurt wieder. Neustart!

Und der lief recht gut an, allerdings auch ohne Pause, zumindest für Philip: Zwei Tage später saß er bereits an seinem neuen Arbeitsplatz. Fernab von der Projektumsetzung des süd­lichen Afrikas arbeitet er nun in einer Stabsstelle und macht sich Gedanken zu Wirtschaft­lichkeit, Gesellschaftsvertrag, künftigen Geschäftsmodellen der GIZ und weiteren solcher schwer verdaulichen Grundsatzfragen. Er lernt die GIZ noch einmal ganz anders kennen und der neue Job macht ihm trotz der manchmal mühseligen Abstimmungsrunden im Haus Spaß.

Walli hatte etwas mehr Zeit, sich zu akklimatisieren, genoss das Leben in Frankfurt-Bocken­heim (rumlaufen! Kulturveranstaltungen! Wochenmarkt!) und meldete sich beim Arbeitsamt. Ein prima Bewerbungstraining, ein kleiner Übergangsnebenjob bei ihren früheren Büronach­barn, Besuch verpasster Kabarettprogramme – Langeweile kam keine auf. Und seit 20. Mai steht oben in ihrem Lebenslauf auch wieder ein Vollzeitjob: Kundenmanagerin bei der Frank­furter Buchmesse – das hätte sie von Botswana aus nicht mal zu hoffen gewagt. Zum ersten Mal in unseren Berufsleben ist Wallis Job durch die Betreuung ausländischer Aussteller nun internationaler als Philips, der derzeit höchstens mal mit dem Bonner Ministerium kommuni­ziert. Der entscheidende Tipp für Wallis Jobsuche kam übrigens von zwei früheren Kommili­toninnen. So ein totaler Neustart war unser neues Frankfurter Leben nämlich doch nicht – wir konnten an so einiges anknüpfen. Das war schön und machte es einfacher.

Ende Juni folgte dann der nächste Umzug: Von unserer Zwischenmiete-Bleibe in unsere alte Wohnung. Dort gab’s dann auch ein schnelles, freudiges, vollständiges und fast unbe­schädigtes Wiedersehen mit unserem Umzugsgut und bald zogen auch unsere neuen Möbel bei uns ein, die wir seit Ende April bei zahlreichen Möbelhaustouren zusammengestellt hatten. Es dauerte dann allerdings doch bis Mitte Oktober, bis die Wohnung einigermaßen komplett war – da wurden die Bücherregale geliefert, passenderweise während der Frankfurter Buchmesse.

Und dann hat sich der Zustand von Philips Vater im Laufe des Jahres immer weiter ver­schlechtert. Jede Verschlechterung war belastend, und bevor man sich irgendwie daran gewöhnen konnte, setzte schon die nächste ein. Man ist dem schutzlos ausgeliefert – als Erkrankter wie auch als Angehöriger.
Am 27. September ist Philips Vater gestorben.
Auch wenn er schwer erkrankt war, so hatten wir noch nicht so schnell mit seinem Tod gerechnet. Es ist ein schöner Gedanke, dass wir ihn am Wochenende zuvor noch erleben durften und ihn an seinen letzten Tagen begleiten konnten. Er fehlt uns.

Uns haben viele gute Freunde durch dieses Jahr begleitet, die da waren, zugehört haben, Hilfe angeboten haben. Das hat sehr gutgetan! Dazu kommt großes Glück mit den neuen Kollegen. Und nach drei Auslandsjahren haben wir 2019 auch ganz ungewohnt viele Familienmitglieder wiedergesehen – wenn auch nicht nur zu schönen Anlässen.

2019 sind wir auch gereist, wenngleich weniger als in den letzten Jahren. Die Ziele waren toll: Zum Jahresanfang noch eine Abschieds-Safari in Madikwe / Südafrika, später Boden­see, Wien, Ägypten. Zwar gibt es auch am Bodensee einen Affenberg, in Wien den Schön­brunner Zoo (den wir ausgelassen haben) und in Ägypten viele Fische beim Schnorcheln und ein paar Delfine – aber die Großwild-Safaris vermissen wir doch. Und unser Dachzelt. Und die Weite des südlichen Afrikas. Aber wenn Walli nostalgisch wird, erinnert Philip sie immer daran, was wir nicht vermissen: Internetprobleme, botswanische Handwerker, beunruhigende Autogeräusche, Ameisen in der Küche, Termiten an den Palmen sowie Elektrozäune und Alarmanlagen.

In der Frankenallee 25 in Frankfurt haben wir zwar deutlich weniger Platz als im Duo Close in Gaborone, aber dennoch auch hier ein Gästesofa mit Schlafcouch. Bisher wurde das von Wallis Eltern, Philips Mutter und Geno und Ali ausprobiert, die uns lustigerweise auch alle in Botswana besucht hatten. Gaborone-Erfahrung ist aber keine Voraussetzung für einen Besuch bei uns – kommt ruhig mal vorbei!

2020 haben wir bislang folgendes geplant: Keine Umzüge, keine Jobwechsel und weniger Möbelhausbesuche. Wir freuen uns darauf – und wünschen Euch jetzt wunderschöne Weihnachten!


PS: Für alle, die sich noch nicht unsere teils alten, teils neuen Adressdaten notiert haben, hier noch einmal der Überblick:

Frankenallee 25
60327 Frankfurt

waltraut@madelung-online.de
mobil: 0163 5112408 (altbekannt)

philip@madelung-online.de
mobil: 0178 1024177 (neu)

Freitag, 15. März 2019

Abflug und Ankunft

Und dann war er da, der Tag unseres Abflugs. Wir wachten im Masa Square Hotel auf, in dem wir unsere letzten beiden Tage in Gaborone kostenlos verbracht hatten - bzw. eigentlich nur die Nächte, tagsüber waren wir noch schwer beschäftigt gewesen. Doch nun stellte sich das gute, aber auch seltsam ungewohnte Gefühl ein, alles erledigt zu haben. Nachdem wir in der letzten Zeit unter Strom gestanden und von den Vorbereitungen der Büro-, Auto- und Hausübergaben bis hin zu Kontokündigungen viel zu erledigen gehabt hatten, war nun alles getan - wir waren hier fertig, was gleichermaßen merkwürdig und erleichternd war. Um 10 Uhr hatte ich noch eine Abschiedsverabredung auf der Hotelterrasse, und nachdem diese schrieb, dass auch ihr Mann mitkommen wollte, gesellte sich auch Philip dazu. Diese Freunde hatten es tatsächlich geschafft, bei all unseren Abschieden verreist oder krank zu sein, und so war es sehr schön, dass auf den letzten Drücker doch noch ein Treffen klappte. Auch eine andere Freundin kam noch dazu.
Gegen 11:30 Uhr kehrten wir dann auf unser Zimmer zurück und packten unser restliches Gepäck. Insgesamt hatten wir stolze vier Koffer, zwei Kartons und vier Handgepäckstücke (zwei kleine Koffer, zwei Rücksäcke), von denen ein Teil jedoch bereits bei unserer Freundin Elke lagerte - wir hatten ihr die Sachen am Sonntag vorbeigebracht, damit wir nicht alles ins Hotel mitnehmen mussten. Gegen 12 Uhr kam Elke dann zum Hotel, wir brachten unser restliches Gepäck runter und dann war auch schon Ruth da, in deren Auto wir die letzten Sachen verstauten. Die beiden brachten Philip und mich dann in getrennten Autos zum Flughafen, denn ob unser gesamtes Gepäck mit drei Personen in ein Auto gepasst hätte, schien äußerst fragwürdig. Am Flughafen ließen wir unseren Drucker in der Originalverpackung und die mitgenommene Umzugskiste noch in Folie einwickeln, um sie zu stabiliseren und auch regensicher zu verpacken. Dann ging es zum Check-In bei Ethipian Airlines, der völlig problemlos verlief.

Der Gaboroner Flughafen hat inzwischen sogar zwei Cafés, aber Elke, Ruth und wir setzten uns zum Abschluss nochmal in das altbekannte, in dem wir auch schon oft mit unseren Besuchern gesessen hatten. Heidi und Jackie stießen noch dazu, schließlich auch noch Charly und es fühlte sich sehr normal an und gleichzeitig ziemlich surreal, dass das nun das letzte gemeinsame Treffen sein sollte. Von beiden Gaboroner Flughafencafés hat man das Rollfeld bestens im Blick und es reicht natürlich, durch die Sicherheitskontrolle zu gehen, wenn man seinen Flieger ankommen sieht - die Wege sind extrem kurz. Dennoch wurden wir irgendwann unruhig und kündigten unseren Abschied an. Während der letzten Umarmungen kam dann auch der Flieger. Ein letztes Foto, ein letztes Winken.


Ich hatte sehr damit gerechnet, bei diesem letzten Abschied in Tränen auszubrechen, aber dazu kam es gar nicht. Sicherheitskontrolle, Passkontrolle, noch zehn Minuten in der Lounge und dann begann auch schon das Boarding.


Bei der Ausreise flogen wir Business Class in einem eher ältlichen Flieger, so gab es keine Bildschirme vor den einzelnen Sitzen, diese waren dafür sehr groß (und durchgesessen). Aber das war sowieso alles egal, denn wir waren doch damit beschäftigt, zu realisieren, dass wir gerade die letzten letzten Male durchlebten: Blick auf den Gaboroner Flughafen, Abflug, Botswana von oben ... die Zeit, ungefähr sechs Stunden, verging im wahrsten Sinne des Wortes wie im Flug. In Addis Ababa hatten wir gerade so viel Zeit, dass es für ein halbes Stündchen in der Lounge reichte, dann stiegen wir in den weitaus neueren Flieger nach Frankfurt, wo Philip schnell schlief und ich noch einen seltsamen Film schaute. Und dann nach ein paar Stunden: Frankfurt, Landung gegen 5:10 Uhr. Alles Gepäck war mitgekommen und sehr schnell da und so standen wir am Mietwagenschalter, kurz nachdem dieser um 6 Uhr öffnete. Der Angestellte war sich nach einem Blick auf die beiden vollgepackten Gepäckwagen sehr sicher, dass wir das nicht alles ins Auto bekommen würden und bot uns ein kostenpflichtiges Upgrade in eine höhere Fahrzeugkategorie an. Wir teilten zwar seine Einschätzung - ich hatte eh damit gerechnet, mit ein oder zwei Koffern die Bahn zu nehmen - doch Philip spielte dann extrem erfolgreich Tetris und am Ende passte alles (in das vorab gebuchte Fahrzeug)!


Und so waren wir kurz nach 7 Uhr in Frankfurt-Bockenheim, fanden einen Parkplatz und holten gegen 7:30 Uhr die Schlüssel für die möblierte Wohnung ab, in der wir die nächsten vier Monate zur Zwischenmiete wohnen würden. Noch vor acht waren wir eingezogen. Nun begann er also: Der neue Lebensabschnitt in Frankfurt.

Sonntag, 10. März 2019

Die letzten Tage in Gaborone

Schon mit der Rückkehr aus dem Weihnachtsurlaub in Deutschland war uns bewusst, dass wir in den letzten fünfeinhalb Wochen Botswana, die uns bevorstanden, viele "letzte Male" erleben würden. Diese letzten fünfeinhalb Wochen standen also quasi im Zeichen des Abschiednehmens.
Von unserer privaten und der offiziellen Abschiedsparty haben wir ja bereits geschrieben. Und dann gab es noch weiteres Abschiednehmen: Wir gönnten uns noch einmal ein verlängertes Wochenende im Madikwe Game Reserve, einem tollen Park mit den "Big Five" gleich hinter der Grenze in Südafrika (Berichte von früheren Besuchen dort z.B. hier oder hier).


Ein befreundetes Ehepaar lud noch einmal uns und andere zu sich nach Hause ein, um uns zu verabschieden - auch eine sehr nette Geste.
Nachdem dann unser Hausrat abgeholt worden war und auch die letzte, offizielle Abschiedsparty stattgefunden hatte, blieb uns noch ein Wochenende, an dem einige Bekannte vorbeikamen, um die Möbel, die wir ihnen verkauft hatten, abzuholen. Am Ende des Wochenendes hatten wir schließlich weder Bett noch Kühlschrank im Haus und zogen für die zwei allerletzten Nächte ins Hotel. Ganz nett: Die Hotelübernachtungen hatten wir auf der GIZ-Weihnachtsfeier gewonnen. Die Gaboroner Hotels geben vor Weihnachten ein paar Gratisübernachtungen an gute Kunden ab, die wir als einzelne Mitarbeiter nicht annehmen dürften, und so wurden sie in einer Tombola auf der Weihnachtsfeier verlost. Walli und ich hatten das Glück, je eine Übernachtung für zwei Personen zu gewinnen; eine gab ich an meinen Projektfahrer ab, der sich eine solche Übernachtung nie leisten könnte, dafür bekamen wir eine Übernachtung von Freunden geschenkt, die ihren Gewinn nicht einlösen wollten.
Am vorletzten Wochenende in Gaborone besuchte Walli mit einer Freundin noch einmal den Markt, auf dem kaum Lebensmittel, aber viele Souvenirs und viel Kleinkram verkauft wird; an sich ein guter Ort, um Bekannte zu treffen, auch wenn diesmal nicht so viele Leute dort waren.
An unserem letzten Wochenende waren wir noch einmal mit unserem Gärtner Sam verabredet, der uns samstags seine Familie vorstellen wollte. Kurz vor der verabredeten Zeit rief er dann an und sagte, dass er kein Geld für das Minibus-Taxi hätte - so holte ich ihn und seine Tochter an einer Tankstelle ab, seine Frau musste arbeiten, als Sicherheitswächterin in einem Hotel. Die neunjährige Tochter Bridget lernte erstmals uns und unser Haus kennen und wirkte recht eingeschüchtert, aber dennoch begeistert über ein englischsprachiges Kinderbuch, das wir ihr schenkten. Als ich sie und ihren Vater anschließend nach Hause zurückfuhr, sah ich erstmals auch Sams Haus: Außergewöhnlich für einen Motswana hat er in seinem Vorgarten einen richtig grünen Garten angelegt - ein Gärtner eben!


Um an unserem Haushaltsauflösungswochenende auch noch einen kleinen Ausflug zu machen, fuhren wir nachmittags noch einmal zum gänzlich unprätentiösen Gaborone Yacht Club, der auf einer Insel im Stausee Gaborones liegt; ein schöner Ort für ein kühles Getränk an einem heißen Tag.



Für Samstagabend hatten wir Freunden Bescheid gesagt, dass wir noch einmal in unser Lieblingsrestaurant in Mokolodi gehen wollten. Freunde, die in unmittelbarer Nachbarschaft des Restaurants wohnen, luden daraufhin uns und alle, die dazu kommen wollten, vorab noch einmal zu einem "Sundowner" auf ihrer Terrasse ein. So verbrachten wir einen wunderschönen Abend in netter Gesellschaft. Wir waren sehr gerührt, wie häufig sich unsere Freunde zusammenfanden, um von uns Abschied zu nehmen.



Am nächsten Nachmittag/Abend (unserem vorletzten in Botswana) waren wir nach den allerletzten Möbelabholungen noch auf einen Kindergeburtstag eingeladen; als wir später erstmalig ins Hotelbett fielen, waren wir doch recht kaputt: Mit dem Umzug ins Hotel wurde nun unwiderruflich die allerletzte Phase unseres Botswana-Aufenthalts eingeläutet, sie bedeutete aber gleichzeitig, dass ein Großteil unserer nicht unstressigen Umzugs-/Auszugsvorbereitungen erledigt war.

Am letzten vollen Tag in Gaborone wurde unser Haus morgens noch einmal von Patricia durchgeputzt. An unserem Schluckspecht wurden letzte Reparaturen durchgeführt, ich räumte noch ein wenig im Büro auf. Walli empfing zu Hause ein Technikteam unseres Internetproviders, das gekommen war, um die Antenne auf dem Dach abzubauen: Ein Mitarbeiter kletterte völlig ungesichert auf den Dachfirst und Walli fürchtete schon, doch noch ein botswanisches erstes Mal an diesem Tag zu erleben und einen Krankenwagen rufen zu müssen; zum Glück kam er aber heil wieder runter.
Nachmittags übergaben wir dann das Haus unseren Vermietern, die positiv überrascht waren, dass wir die durch Nägel entstandenen Löcher an den Wänden gestopft und übermalt hatten. Nach der Übergabe unserer treuen Autos an ihre neuen Besitzer gönnten wir uns noch einmal einen Sundowner und ein Abendessen im höchsten Restaurant der Stadt, oben auf einem der wenigen Hochhäuser gelegen, mit tollem Blick auf Gaborone und den Sonnenuntergang - und schließlich auf die Lichter der Stadt. (Von der benachbarten und mittlerweile geschlossenen Skylounge hatten wir schon einmal berichtet, von dort hatte man ähnlich schöne Blicke, aber in längst nicht so schönem Ambiente.) Ein würdiger letzter Abend.

Dienstag, 5. März 2019

Abschied im Gartenbaumarkt

Neben der privaten Abschiedsparty, von der Walli bereits berichtete, hatte ich auch eine offizielle Abschiedsparty. Die machte ich gemeinsam mit meinem Chef. Wir hatten ein gutes Verhältnis (u.a. machten wir gemeinsame Campingtouren, z.B. nach Kubu Island, in den Moremi Nationalpark/Okavango Delta, in den Mabuasehube Nationalpark), und da er nur ca. zwei Wochen nach mir das Land verlassen wird - Richtung Irak - dachten wir, dass es eine gute Idee sei, gemeinsam einen offiziellen Abschied zu feiern. 
Als Ort für die Feier wählten wir einen Gartenbaumarkt. Sanitas ist eine Oase in Gaborone und hat neben dem Gartenbaumarktsortiment auch ein schönes Café sowie zwei Konferenzräume. Letztere haben wir auch häufig für GIZ-Tagungen gebucht. Die Eigentümer von Sanitas waren zufälligerweise auch Wallis und meine Vermieter - Gaborone ist eben doch ein Dorf.

Mein Chef und ich mieteten also die Konferenzräume des Gartenbaumarktes mit umliegenden Außenanlagen und Bar, dann ging es an einem Donnerstagabend gegen 18 Uhr los. Walli hatte am Nachmittag dieses Tages die Verladung unseres Hausstands beaufsichtigt und kam von zu Hause zur Feier, während ich direkt aus dem Büro dorthin fuhr.
Neben GIZ-Mitarbeiter/innen waren auch Botschaftsmitarbeiter/innen, Partner von SADC und vereinzelt der botsuanischen Regierung, sowie von der EU-Delegation eingeladen. 
Besonders geehrt fühlten mein Chef und ich uns, dass von SADC die höchste Leitungsebene zur Abschiedsfeier kam. Nach einer Rede des deutschen Botschafters auf meinen Chef bekam auch ich eine Rede, von meinem Chef: Neben den Projekterfolgen würdigte er auch, dass ich das Thema der regionalen Integration in mein privates Leben mitgenommen hätte, so wären Walli und ich ja wohl unzählige Kilometer grenzüberschreitend in Urlaube gefahren. 


Walli und ich durften (es fühlte sich eher an wie "mussten") außerdem am Ehrentisch Platz nehmen, an dem neben den zu Verabschiedenden auch weitere Ehrengäste saßen. Ich hätte mir meine Abschiedsfeier in diesem Punkt auch etwas ungezwungener vorstellen können, aber in dieser Sache hat man wohl nicht immer die Wahl. 
Für meinen Chef hatten alle Projekte kurze Abschiedsvideos produziert, die gezeigt wurden, auch sein Vorgesetzter in Deutschland hatte einen Video-Gruß geschickt. Aus meinem Team gab es zwei weitere Reden auf mich, und ich bekam schließlich noch ein Gemälde eines Baobab-Baums im Sonnenuntergang überreicht. Etwas kitschig ist es schon, mal schauen, ob es in unserer Wohnung schließlich einen Platz finden wird. Aber immerhin: Kunst aus Botswana - das haben wir sonst fast nie wahrgenommen. 


Für uns vorbereitet war auch ein Kuchen mit der Aufschrift "Auf Wider Sehen" - im Stile einer Hochzeitstorte durften mein Chef und ich diesen schließlich anschneiden. Damit wir uns nicht einigen mussten, wer das Messer führt, ließ ich ihm den Vortritt und machte schließlich noch einen separaten Schnitt neben seinem. 


Nachdem alle Reden gehalten waren und die Ehrengäste sich verabschiedet hatten, wurde es noch ein schöner, entspannter Abend. Einige unserer Freunde und meiner Kollegen waren gekommen, und für uns war zu diesem Zeitpunkt der Großteil des Umzugs bereits in trockenen Tüchern - so ganz langsam setzte die Entspannung ein.


Montag, 25. Februar 2019

Mr & Mrs Move

In den Umzugsplanungen stecken wir seit Dezember und haben uns vor ungefähr sechs Wochen für eine Umzugsfirma entschieden. Und trotzdem: So richtig endgültig fühlt sich ein Umzugsvorhaben doch erst an, wenn gepackt wird. Für uns erledigte das größtenteils die Umzugsfirma Mr. Move. Ob wir selbst die Kisten packen würden, stand hier gar nicht zur Debatte, vor allem wegen des Zolls wird davon abgeraten: Packt ein Umzugsunternehmen, vertraut der sehr viel eher darauf, dass alles seine Richtigkeit hat und nichts in den Container gewandert ist, was nicht mitgenommen darf bzw. extra verzollt werden müsste (z.B. Alkohol, angebrochene Lebensmittel, Pflanzen oder Souvenirs, für deren Ausfuhr man eine Genehmigung braucht, wie beispielsweise Straußeneier). Packt jemand privat, ist die Wahrscheinlichkeit einer Kontrolle durch den Zoll sehr viel höher. Und wird der Container erstmal zur Kontrolle geöffnet, erhöht das leider auch die Chancen, dass etwas geklaut wird.
Obwohl wir also nicht selbst packten, waren die Tage vor dem Umzug trotzdem stressig. Man lässt ja trotzdem nicht jeglichen Kleinkram rumliegen, sondern packt schonmal einiges selbst zumindest in kleinere Boxen. Wir haben außerdem versucht, möglichst gut auszumisten, denn unser Gärtner Sam und unsere Haushaltshilfe Patricia freuen sich über alles - alte Klamotten, Schuhe, Taschen, Schlafsäcke, Drogerieartikel-Pröbchen, Lebensmittel. Dinge, von denen man sich in absehbarer Zeit vielleicht eh trennen wird, finden hier nochmal eine neue Verwendung. Wie sagt Patricia: "For you it's old, but for someone it's new."

Letzten Mittwoch war es dann soweit: Mr. Move stand vor der Tür. Noch vor der vereinbarten Zeit, 9 Uhr - das machte schon einmal einen sehr guten Eindruck, nachdem Philip mich nach dem Aufwachen nur halb-scherzhaft gefragt hatte: "Und? Meinst Du, sie kommen heute?"
Es waren vier Packer, bzw. drei und ein Vorarbeiter und sie legten mindestens genauso professionell los wie vor drei Jahren die Leute von Schenker. Was nicht in Kisten passte, wurde passgenau verpackt - hier z.B. unsere Holzgiraffe. Ich hoffe, wenn wir uns wiedersehen, hat sie keine weiteren Schönheitsoperationen nötig ...


Philip fuhr beruhigt zur Arbeit, ich bekam moralische Unterstützung von meiner Freundin Elke. Bald stieß noch eine andere Freundin zu uns, die in zwei Wochen ebenfalls mit Mr. Move umziehen wird und sich schon mal einen ersten Eindruck von den Packkünsten des Unternehmens verschaffen wollte. Wir saßen wie ein kleines Kaffeekränzchen auf der Terrasse, während im Haus gepackt wurde. Zwischendurch kamen noch drei Damen aus dem Büro der Umzugsfirma vorbei, die sich nur mal vorstellen und nach dem Rechten schauen wollte - alles wunderbar.
Mittags waren Elke, die Packer und ich dann wieder alleine. Ich holte zum Mittagessen Pizza für alle. Eine vegetarische war auch dabei, die erst kritisch beäugt wurde, dann aber als erstes alle war, weil keiner der Herren schonmal vegetarische Pizza gegessen hatte und sie zumindest mal probieren wollten. Nach dem Mittagessen fuhr Elke dann, da klar war, dass ich ohne Verstärkung auskommen würde. Ihr Auto war voll mit ehemals unseren Nachttischen, dem Schuhschrank und einem Spiegel - sie und ihr Mann sind einer unserer beiden Großabnehmer.

Philip und ich haben tatsächlich fast alle unsere Möbel verkauft, wollten den Großteil aber bis knapp vor der Ausreise behalten - wochenlang im halbleeren Haus zu wohnen, wäre ja doch ungemütlich gewesen. Und so hatten wir für die Packtage bzw. das Wochenende danach auch noch einige Möbelübergaben vereinbart. Verkaufte Kleinteile sowie alles, was wir mit ins Flugzeug nehmen wollten, hatten wir in unser ansonsten leeres Gästezimmer eingeschlossen. Eine sehr umzugserfahrene Freundin, deren Mann bei der Botschaft arbeitet, hatte mir dringend dazu geraten. Sie wollte vor Jahren mal Möbelpacker in Deutschland am Umzugstag mit Bratkartoffeln erfreuen und musste dann feststellen, dass die Pfanne eingepackt worden war - mit Inhalt. Und leider nicht mehr auffindbar. Das Wiedersehen in Südamerika drei Monate später war dann kein freudiges ...

Gegen 16 Uhr verabschiedeten sich die Packer. Ich machte mir Gedanken, ob das Mittagessen zu gut gewesen war: Für das Packen waren zwei bis drei Tage angesetzt worden, nachdem sie nun so pünktlich Schluss machten, war ich mir sicher, dass sie am dritten Tag auch mindestens noch zum Essen da sein würden. Aber gut, Hauptsache, alles würde ordentlich erledigt werden.

Am zweiten Packtag kamen sie dann zu fünft. Auch Elke schlug gegen 12 Uhr auf, worauf ich zum Mittagessen holen fuhr, diesmal von der heißen Theke des Pick'n'Pay-Supermarktes: Chicken and rice with coleslaw and potatoe salad. Als ich wieder nach Hause kam, stand Niels vor der Tür, der mir damals das Umzugsangebot geschickt hatte und sich selbst als "den letzte Rhodesier" bezeichnete. Auch er wollte mal nach dem Rechten schauen und war angetan: Nach seiner Einschätzung waren 99% gepackt. Aufgrund des Kistenchaos hatte ich das bislang noch nicht erkannt, aber er hatte Recht: Viel war es nicht mehr. Nach einem Gespräch mit seinem Vorarbeiter bestellte er den Truck für 14 Uhr - jetzt war es 12:30 Uhr. Ich fand das sportlich, aber tatsächlich hielten drei der fünf Männer nach dem Mittagessen erstmal ein Mittagsschläfchen auf dem Fußboden. Nur der Kollege, der die Küche einpackte sowie Vorarbeiter Patrick arbeiteten weiter.
Gegen 14 Uhr stand dann tatsächlich der Truck vor unserer Tür, aber erstmal passierte nichts - Patrick war fleißig dabei, unsere Packstücke mit Nummern zu versehen und auf einer Liste einzutragen. Seine Leute hatten so noch Zeit, sich ein zweites Trinkgeld zu verdienen und trugen unseren Nachbarn Regale und Waschmaschine rüber, die diese gekauft hatten. Ein 5x5 Kallax, von zwei Mann getragen ... nicht schlecht. Wir hätten es sonst vermutlich auseinanderbauen müssen.


Und dann ging es los: Mir wurde eine Pappe in die Hand gedrückt, auf der ich die Nummern sämtlicher Packstücke verzeichnen sollte, die an mir vorbeizogen. Elke bastelte mir parallel eine neue Liste mit fortlaufenden Nummern, die ich einfach abhaken konnte. Wir wechselten uns schließlich ab und liefen beide auch nochmal durchs Haus, um sicherzustellen, dass auch wirklich alles eingepackt worden war.  Zwischendurch fielen mal ein paar Tropfen Regen, aber das eigentliche Unwetter zog dankenswerterweise weiter.


Gegen 17 Uhr schlossen sich dann die Trucktüren. Unser Container wird erst in ca. zwei Wochen bei Mr. Move gepackt, sobald die Zollfreigabe vorliegt. Wir hoffen das Beste: Dass die Sachen dort sicher lagern und keines der 189 Packstücke wegkommt.




Als der Truck abfuhr, kamen mir ganz kurz die Tränen, die ich aber schnell wegblinzelte, da nun keine Zeit für Wehmut war: Es war bereits 17 Uhr, um 18 Uhr sollte die offizielle GIZ-Abschiedsparty für Philip und seinen Chef starten. Elke - was hätte ich ohne sie getan? - sprang in ihr Auto und ich unter die Dusche. Danach rief ich allerdings doch Freunde an und bat sie, ob sie mich mitnehmen könnten. Und nachdem geklärt war, dass ich nicht mehr selbst fahren musste, genehmigte ich mir eine Flasche südafrikanischen Ciders - den hatte ich nun doch irgendwie nötig.

Drei Nächte blieben Philip und ich noch im sich immer weiter leerenden Haus, bis schließlich auch das Bett abgeholt wurde - es wird von nun an das Gästebett von Elke und ihrem Mann sein. Dann zogen wir für die letzten beiden Nächte ins Hotel. Vor drei Monaten, nachdem Philip die Zusage für seine neue Stelle bekommen hatte, schrieb er über den Anfang vom Ende - inzwischen ist nun wohl das Ende vom Ende gekommen ...

Freitag, 22. Februar 2019

Die Woche des offenen Grundstücks

Am Montag vor einer Woche war ein Auto offensichtlich nicht gerade langsam in unser elektrisches Tor gefahren. Dieses war nun kaputt, seine Verankerung inkl. Betonpfeiler umgestürzt und auch das Fußgängertörchen daneben verbeult und unbenutzbar. Bei dieser Bilanz war es klar, dass die Behebung des Ganzen etwas dauern würde. Am Dienstagvormittag kamen erst einmal die Handwerker von Power Gate (der Torfirma) und Manase (der Elektrozaunfirma). Sie alle guckten, staunten, fragten "What happened?", wollten Fotos des Unfallautos sehen und fuhren dann wieder. Auch unser Freundeskreis nahm großen Anteil. Interessant war, dass insbesondere Leute, die schon länger hier bzw. generell schon länger im Ausland lebten, erstmal die Befürchtung äußerten, das Auto wäre mit Absicht in unser Tor gefahren, als Einbruchsversuch. Ich war mir allerdings sehr sicher, dass das nicht die Intention der Unfallverursacherin gewesen war.

Am Dienstagmittag kam ein Herr von der Gebäudeversicherung, dem unser Vermieter ziemlich hinterher telefoniert hatte, damit er sich schnellstmöglich blicken ließ - erst, nachdem seine Begutachtung erfolgt war, würden die Reparaturen beginnen können. Der Versicherungsmensch sah mich schon bei der Begrüßung strafend an und fragte ebenfalls: "What happened here?" Nachdem ich nochmal wiederholte, was er ja eh längst wusste ("A car crashed in our gate") fragte er noch strafender: "YOUR car?" Als ich diesen Verdacht aus der Welt räumen konnte und er die Fotos gesehen hatte, wollte er noch einmal mit mir ums Haus laufen, fragte, ob die Bewegungsmelder und Alarmanlage funktionieren würden und ob wir Hunde hätten. Er sah nicht aus wie ein potentieller Einbrecher, stellte aber die Fragen, die ich von einem solchen erwartet hätte. Nachdem er wieder weg war, kam bald darauf ein Elektriker, der die Stromleitungen aus dem alten Pfosten zog. Er begrüßte mich grinsend mit "You remember me?" und tatsächlich hatte er schon mal vor Jahren einen Lichtschalter bei uns repariert. Nachdem ich an diesem Tag bereits die mir nur allzugut bekannten Handwerker der Tor- und der Elektrozaunfirma begrüßt hatte, erschien es mir langsam, als würde kurz vor unserem Auszug nochmal das "Who is who" der Gaboroner Handwerkerszene abspannmäßig hier vorbeiflanieren. Irgendwie nett. Dennoch hätte ich gerne darauf verzichtet.
Als nächstes zerschlugen zwei Mitarbeiter des Gartenbaumarkts unserer Vermieter in mühsamer Kleinarbeit den umgestürzten Betonpfosten und gossen schließlich noch das Fundament für einen neuen.


Abends kam wieder ein von unserem Vermieter gebuchter Wachmann. Tagsüber war ich positiv überrascht gewesen: Von der Müllabfuhr über die Handwerker bis hin zu einem Vertreter für Küchenwaren hatten alle geklingelt und waren vor dem kautten Tor stehen geblieben, obwohl sie problemlos bis zu unserer Hautür hätten marschieren können. Trotzdem war es nach wie vor ein seltsames Gefühl, dass das Gundstück so öffentlich zugänglich war und zumindest während der Dunkelheit war es doch beruhigend, den Wachmann vor dem Haus zu wissen. Es war ein junger Typ mit einem anscheinend unerschöpfbaren Handyakku, auf dem er sich den gesamten Abend lang Videos anguckte. Immerhin kam er nicht wie sein Kollege vom Unfallabend gleich mit einem Kopfkissen an. Er bleib uns einige Tage erhalten und ich begann schließlich aus alter Gewohnheit, ihn wie unseren Gärtner Sam und unsere Maid Patricia mit Käsebroten, Keksen und Obst zu versorgen.

Mittwoch kamen wieder zwei Mitarbeiter des Gartenbaumarktes und mauerten einen neuen Pfosten, was tatsächlich beinahe den ganzen Tag dauerte. Als unser (deutscher) Nachbar nachmittags zum Wäsche waschen vorbeikam, konstatierte er, dass der neue Pfosten bei einer erneuten Kollision vermutlich sofort wieder umkippen würde und sein Maurer-Onkel in der Zeit ein komplettes Haus gemauert hätte. Da wir allerdings hoffentlich nicht das Pech haben würden, noch einen weiteren Torunfall hier erleben zu dürfen und auch kein gemauertes Haus brauchten, fand ich das nicht so tragisch.

Am Donnerstag passierte dann - nichts. Das war schade. Denn so langsam wollte ich eigentlich mal wieder das Haus verlassen, was aus mehreren Gründen nicht ging: Ich wollte das offene Grundstück ungern alleine lassen und hätte auch das angelehnte Eisentor irgendwie wegbewegen müssen, um mein Auto rauszufahren. Seit dem Unfall am Montagnachmittag war ich nur Mittwochmittag mal mit einer Freundin Mittagessen gewesen, währen Patricia und die Pfostenbauer hier gewesen waren. Ich hatte zwar viel lieben Besuch bekommen, aber trotzdem - so langsam reichte es mir mit dem unfreiwillifen Hausarrest.

Das verstand unser Vermieter und machte Tor- und Elektrozaunfirma nochmal Druck. Und siehe da: Freitagmorgen tat sich was: Erst bekamen wir ein "temporary gate" für den Übergang, das neue Tor wird nämlich maßgefertigt, und das dauert. Und dann wurde auch noch der Elektrozaun gerichtet und sogar auf dem temporären Tor angeschweißt. Das war so nicht geplant gewesen und kam mir auch fragwürdig vor, da dieses Tor ja nur geliehen war und von der Schweißaktion sicher Spuren zurückbleiben würden, aber ich beschloss, die Mitarbeiter der Elektrozaunfirma nicht aufzuhalten - ein lückenloser Zaun gehört hier zu den Sicherheitsstandards. Und die waren bei uns dann Freitagmittag wieder hergestellt!


Weil unser Vermieter im Vorfeld nicht wirklich daran geglaubt hatte, hatte er den Wachmann nochmal bis Montag verlängert, was den Nachteil hatte, dass jeden Morgen um 5:45h einer von uns aufstehen musste, um ihn rauszulassen. Dafür waren wir an diesem Wochenende durch Tor UND Elektrozaun UND Wachmann besser gesichert als je zuvor. Als der Wachmann am Dienstag gegen 18h nochmal auftauchte, war ich verblüfft, aber gegen 20h wurde er dann wieder abgeholt - noch bevor er sein Käsebrot bekommen hatte. Und so war dann wieder alles halbwegs normal - bis Mittwoch. Da kam dann nämlich schon die Umzugsfirma ...

Montag, 18. Februar 2019

Umgefahren

Philip und ich haben uns in den letzten Jahren einigermaßen mit den hier empfohlenen Sicherheitsvorkehrungen engagiert. Vor unseren Fenstern sind Gitter, um unser Haus ist eine Mauer, auf der Mauer ein Elektrozaun. Wenn wir gehen, aktivieren wir die Alarmanlage. Löst diese aus, ruft uns die Sicherheitsfirma, bei der wir unter Vertrag sind, an und/oder kommt vorbei.
Das alles ist uns inzwischen in Fleisch und Blut übergegangen. Wann immer wir in Deutschland sind, genießen wir jedoch, dass eine solche Sicherheitsausstattung dort nicht nötig ist. Aber ist sie hier nötig?
Philip und ich hatten - im Gegensatz zu einigen seiner Kollegen - noch nie einen Einbruch oder Einbruchsversuch in unser Haus. Allerdings ist die Schere zwischen Arm und Rech in Botswana besonders hoch und gerade Weiße gelten als reich. Häuser nach westlichem Standard haben daher in der Regel alle genannten Vorrichtungen, an die wir uns, wie beschrieben, inzwischen auch gewöhnt haben. Wenn dann ein Teil dieser Sicherheitsvorkehrungen von einem Moment auf den anderen dahin ist, ist das daher schon ein seltsames Gefühl.

Es war letzte Woche Montagnachmittag. Ich saß im Wohnzimmer und hörte plötzlich einen enormen Schlag - und dann gleich noch einen zweiten. Einen Sekundenbruchteil dachte ich an den Steinbruch im Kgale Hill, aus dem man manchmal Sprengungen hört, die auch die Fenster erzittern lassen. Aber das hier war anders und nach dem Sekundenbruchteil, in dem ich das dachte, ging auch schon der Alarm unseres Elektrozauns los.

Ich rannte zur Haustür und schaute heraus. Mein erster Gedanke war "Unser Tor steht offen!", aber dann sah ich, dass das nicht ganz stimmte ... hier die Ansicht von der Straße aus.


Es stand also nicht offen, sondern lag vielmehr auf dem Boden. Neben einem Betonpfeiler, der ebenso umgestürtzt war.


Ein Auto hatte unser Tor gerammt, offensichtlich mit Tempo. Neben einer jungen Frau standen bereits drei Männer. Es stellte sich heraus, dass sie die Fahrerin war, allein im Auto gesessen hatte und es ihr den Umständen entsprechend gut ging. Wobei sie erstmal nicht sprach, also zumindest nicht mit mir. Ich schaltete dann erst einmal unseren Elektrozaun aus, um den Alarm abzustellen. Als nächstes rief ich unseren Vermieter Kent an. Ich war selbst etwas geschockt und er bat mich, Fotos zu schicken. Nachdem er sie bekommen hatte, wurde er dann glücklicherweise sehr schnell sehr aktiv.

Die drei Männer, offensichtlich Passanten, empfahlen mir, die Polizei zu rufen, und verabschiedeten sich dann nach und nach. Ich holte Campingstühle für die Unfallverursacherin und mich und dann saßen wir zu zweit vor dem umgestürtzten Tor. Inzwischen hatte sie ihre Sprache wieder gefunden und es stellte sich heraus, dass sie in unserer Straße wohnt und sogar mit einem Deutschen verheiratet ist, der aber zur Zeit in Hannover weilt (und im Übrigen mindestens doppelt so alt ist wie sie, aber das nur am Rande). Ihre größte Sorge war die Polizei und dass sie eine Geldstrafe bekommen würde (wobei ich annehme, dass die Kosten für das Tor diese um ein Vielfaches überschreitet), ihre zweitgrößte ihr Ehemann, der aber immerhin auf die ihm gesendeten Fotos nur mit einem "Thank god you are fine" reagierte. Mein Ehemann rief dagegen postwendend an, nachdem ich ihm ein paar Fotos schickte, was aber auch daran lag, dass sie auf seinem Handy nur teilweise runtergeladen wurden und der Golf der Unfallverursacherin auch noch die gleiche Farbe hatte wie meiner ...


Irgendwann kam Mattias, der Bruder unseres Vermieters, bestaunte den Schaden und befragte meine Sitznachbarin - durchaus nicht unfreundlich, aber er mutmaßte schon, dass sie doch vermutlich am Steuer mit ihrem Handy gespielt und deswegen die Kontrolle verloren hätte. Sie sagte "Don't say that" - das lässt sich jetzt interpretieren, wie man will. Mattias fuhr dann mal sein Handy aufladen, ich rief erneut bei der Polizei an. Es begann, leicht zu regnen. Ab und zu fuhr ein Polizeiauto auf der Querstraße vorbei, wir winkten auch, aber offensichtlich wollte niemand zu uns. Irgendwann rief die Polizei tatsächlich mich an, um sich zu erkundigen, ob schon jemand da gewesen wäre. Inzwischen waren mehr als zwei Stunden vergangen.

Immer wieder hielten Autos vor unserem Haus an, mit Insassen, die mit offenem Mund fragten "What happened?", was zunehmend langweilte, zumal die Unfallverursacherin verständlicherweise keinen Lust hatte, jedem Passanten den Unfallhergang zu schildern. Nach und nach bekamen wir außerdem Verstärkung: Die Cousine der Frau leistete uns Gesellschaft (wollte aber natürlich auch als erstes wissen, wie das denn hatte passieren können), dann kam Mattias wieder, schließlich Philip und unsere Nachbarin und dann auch unser Vermieter Kent, der inzwischen schon mit seiner Versicherung, der Firma, die für das elektrische Tor zuständig ist, der Elektrozaunfirma und einem weiteren Elektriker gesprochen hatte. Ich hatte zwischenzeitlich nochmal mit der Polizei telefoniert, die schließlich auch auftauchte - nach drei Stunden. Endlich kam Bewegung in die Sache: Die Polizei befragte die Unfallverursacherin und unseren Vermieter als Geschädigten; unser Vermieter, dessen Bruder und sein Sohn richteten unser Tor auf und lehnten es gegen die Mauer, so dass es zumindest teilweise als Sichtschutz diente. Kent hatte außerdem bei unserer Sicherheitsfirma einen Wachmann für die Nacht bestellt, der um 18 Uhr da sein sollte. Inzwischen war es allerdings fast 19 Uhr und dunkel. Kent schickte mich schließlich ins Haus und sagte, ich hätte jetzt genug draußen gewartet, er würde übernehmen und hier sitzenbleiben, bis der Wachmann käme. Was war ich ihm dankbar in diesem Moment.

Philip war seit seiner Ankunft noch mit einem Notfall anderer Natur beschäftigt gewesen, der jetzt aber halbwegs gelöst schien. Er leistete Kent schließlich Gesellschaft, beide saßen in unserem Carport auf den Campingstühlen. Es muss ausgesehen haben wie ein Schichtwechsel, nachdem die Unfallverursacherin und ich schon stundenlang vor dem Haus gesessen hatten. Philip und Kent unterhielten sich wesentlich angeregter als wir beide, was aber daran gelegen haben mag, dass keiner von ihnen gerade einen noch relativ neugekauften (und vermutlich unversicherten) Golf gegen ein Tor gesteuert hatte. Sie saßen da schließlich auch nochmal zwei Stunden, bis der Wachmann eintraf, der sich im übrigen ein Kissen mitgebracht hatte (quasi seine einzige Ausstattung). Philip gab ihm für die Nacht noch seinen "panic button", der die Sicherheitsfirma in einem Notfall ruft, den er aber zum Glück nicht drücken musste. Wir fielen dann beide ziemlich fertig ins Bett. Es war ein ungewohntes Gefühl, so ein offenes Grundstück zu haben, das nun ein Wachmann bewachen sollte, zumindest bis 6 Uhr morgens. Und dann würden hoffentlich möglichst schnell die Handwerker kommen ...

Donnerstag, 14. Februar 2019

Abschiedsparty

Unsere Zeit in Botswana nähert sich dem Ende - immer schneller und schneller. Und so liegen inzwischen bereits zwei von drei Abschiedspartys hinter uns. Letzte Woche Dienstag hatten wir Philips Mitarbeiter mit Partnern zu uns eingeladen. Philip grillte, ich hatte Salate gemacht und es war ein sehr vergnügter Abend, bei dem vor allem der Projektfahrer ungeahnte Entertainer-Qualitäten bewies.
Insgesamt waren wir zu elft, eine sehr gut händelbare Anzahl von Gästen. Abschiedsparty Nummer zwei sollte jedoch größer sein, war sie doch als unsere "richtige" Abschiedsparty geplant, zu der wir unsere Freunde einladen wollten. Da wir mit um die 30 Gästen rechneten, entschieden wir uns hier erstmals, ein Catering zu bestellen. Wir waren letztes Jahr auf einer Party bei Freunden, die sich das Büffet von einer Deutschen namens Heidi hatten liefern lassen. Heidi betreibt ca. 20 km außerhalb von Gaborone einen Ponyhof mit angeschlossenem Café und ist gerade dabei, ihren Restaurantbetrieb auszubauen. Sie richtet auch Kindergeburtstage dort aus und als wir vor fast drei Wochen zu einem eingeladen waren, engagierte ich sie für unsere Abschiedsparty. Schließlich stellten wir auch noch fest, dass sie Rheinbacherin ist (dort bin ich aufs Gymnasium gegangen) und ihr Ex-Mann der Sohn meiner alten Schulsekretärin, die im gleichen Dorf wie ich wohnte ... die Welt ist klein! Wenn ich in Rheinbach jemanden aus Rheinbach treffe, ist da keine größere Verbundenheit. In Botswana hingegen fühlt es sich schon fast nach Verwandtschaft an.

Also fuhr ich ein paar Tage später wieder nach Notwane, um mit Heidi das Büffet durchzusprechen. Im Gepäck hatte ich einen Eimer mit vier Fröschen, die Philip aus unserem Swimmingpool und unser Nachbar aus seinem Teich gefischt hatte, wegen akuter Lärmbelästigung. Ich setzte sie - mit Heidis Einverständnis - in deren Teich aus, dann planten wir mit ihrem neuen, indischstämmigen Koch das Essen. Heidi bot für das Büffet unterschiedlich gefüllte Wraps an sowie Kartoffelsalat und Frikadellen, er schlug zusätzlich indisch zubereiteten Blumenkohl und Brokkoli vor, Chicken Wings in Barbecuesauce sowie indische Kartoffelbällchen. Als Nachtisch beschlossen wir Obstspieße und Tiramisu und schon stand das deutsch-indische Büffet. Heidi bot noch an, mir Wassergläser und Tische auszuleihen, die sie dann auch schon vorab vorbeibrachte. Unter anderem lieh sie uns zwei sogenannte "Bierkreuze" aus, kreuzförmige Stehtische, die zum Erfolg unserer Party tatsächlich maßgeblich beitrugen.

Heidi hatte mir auch geraten, zwei Maids für den Abend zu engagieren; eine sollte abspülen, eine leere Flaschen, Gläser und Teller einsammeln. Da unsere Maid Patricia sehr weit außerhalb wohnt, engagierte ich die von Freunden mit ihrer Mutter. Sie sollten gegen 17:30 Uhr da sein - auch ein Tipp von Heidi, damit sie in jedem Fall vor Ort wären, wenn das Essen gegen 18 Uhr geliefert werden würde. Die Maids waren dann auch sehr pünktlich, das Essen weniger - es kam erst kurz nach 19 Uhr und damit nach den ersten Gästen. Es wird mir im Gedächtnis bleiben, wie die beiden Helferinnen vorab arbeitslos in unserem Wohnzimmer saßen und die Ältere anfing, mit den Armen zu Totos "Africa" mitzugrooven, das natürlich auf unserer Abschieds-Playlist stand.

Da wir die Tische bereits im Vorfeld aufgebaut hatten und auch Teller und Besteck schon bereitlegen konnten (wir hatten uns von einer Freundin zusätzliches ausgeliehen), musste das Essen nur noch im Wohnzimmer bereitgestellt werden, während sich die ersten Gäste schon im Garten unterhielten. Die Getränke hatten wir selbst besorgt und in Kühlboxen auf die Terrasse gestellt. Unser Gärtner Sam fungierte als Parkplatzwächter und saß in einem unserer Campingstühle vor dem Haus. Jetzt konnte die Party beginnen - und das tat sie! Unsere Gäste saßen auf der Terrasse oder standen an den Bierkreuzen auf unserem Kunstrasen, die sehr halfen, dass sich die Leute mischten. Wir hatten den Eindruck, dass sich sämtliche Konstellationen bestens unterhielten. Die einzigen, die eher gelangweilt wirkten, waren meine 11- und 13-jährigen serbischen Deutschschülerinnen, was aber abzusehen gewesen war. Sie hatten mich im Vorfeld gefragt gehabt, ob es Süßigkeiten geben würde, und nachdem ich ihnen ein Tellerchen vorbereitet und sie außerdem mit dem WLAN-Passwort versorgt hatte, wurde der Abend für sie einigermaßen erträglich. Ihre Mutter hatte eigentlich gar nicht vorgehabt, lange zu bleiben, zumal ihr Mann krank zu Hause geblieben war, war aber dann immens gefragt: Da Olga Pianistin ist, hatte ich schon einen Freund von uns auf sie angesetzt, der sein Klavier verkaufen wollte; überdies vermietet ihre Familie ein Haus, an dem eventuell ein anderer Kollege von Philip Interesse hat. Auch die Freundin, die den Deutschunterricht von mir übernehmen wird, war mit Verlobtem und Eltern zugegen - unser einziger Gast, der außer Philip und mir eigentlich niemanden kannte, war also fast der Gefragteste! Aber auch sonst wurden neue Bekanntschaften geschlossen, eine Schnapsflasche leergetrunken und sogar eine Schildkröte weitervermittelt.


Philip und ich wurden reich beschenkt mit Kissenbezügen und einer Tischdecke, die wir uns zuvor bei Botswana Craft ausgesucht hatten. Es gab auch eine kleine Rede und ein Gruppenfoto und ich erinnerte mich an unsere Einweihungsparty, die zwar nett gewesen war, auf der ich aber so gut wie niemanden gekannt hatte, weil wir ja noch ziemlich neu im Land gewesen waren. Der Unterschied hätte kaum größer sein können. Von den Gästen unserer Einweihungsparty war tatsächlich kein einziger auf unserer Abschiedsparty: Mit einigen ergab sich später kaum Kontakt, andere, die wir sonst gerne eingeladen hätten, haben inzwischen das Land verlassen. Aber auf unserer Abschiedsparty waren auch viele "Neuankömmlinge", also Freunde, die in den letzten drei Jahren erst nach uns in Gaborone angekommen sind. Unser Start in Botswana war nicht ganz einfach und der Abschied wird es leider auch nicht werden, denn viele liebe Menschen werden uns fehlen.

Apropos fehlen: Was an diesem Abend in keinster Weise fehlte, war das Essen! Vom Kartoffelsalat, den Chicken Wings und dem Tiramisu wurde maximal ein Drittel gegessen. Ich bot den Maids an, sich Carepakete einzupacken und versorgte nicht nur unseren Gärtner mit Essen, sondern auch den Wachmann von gegenüber, mit dem er sich im Laufe des Abends angefreundet hatte (die Essensversorgung war eventuell eine ungeahnte Investition in die Zukunft - dazu mehr im nächsten Blogeintrag). Gegen Mitternacht rief ich für Sam und die beiden Damen noch Taxen, dann saßen wir mit den letzten Freunden noch bis nach 1 Uhr zusammen - für Gaboroner Verhältnisse ist das krass lang!

Montag, 11. Februar 2019

Geparden-Jagd

Schon im letzten Blogeintrag zu den Erdmännchen hatten wir ja teilweise aus dem Kgalagadi Transfrontier Park berichtet, den wir in der Woche vor Weihnachten unsicher machten. Es ist ein grenzüberschreitender Nationalpark im Dreiländereck Südafrika-Botswana-Namibia, wobei wir uns entschlossen, diesmal von der südafrikanischen Seite hineinzufahren. Im Kgalagadi Transfrontier Park kann man mit dem eigenen Auto herumfahren (und bei Bedarf auch geführte Game Drives in Safari-Fahrzeugen buchen). Noch von unseren Erlebnissen in der botswanischen Sektion von vor eineinhalb Jahren geprägt, erwarteten wir im Nationalpark eher schöne Landschaften als viele Tiere. Stattdessen machten wir die erfolgreichsten selbst gefahrenen Game Drives unseres Aufenthalts im südlichen Afrika: Erstmals sahen wir ohne Guide vom eigenen Auto aus Löwen, Geparden, Erdmännchen, Hyänen, etc. Wir waren begeistert.
Sehr beeindruckt hat uns insbesondere die Beobachtung von Geparden. Den ersten trafen wir direkt neben der Staubpiste liegend an. Das allein fanden wir schon beeindruckend, so nah - und Geparden sind einfach faszinierende Tiere.


Wir warteten ein wenig ab, um zu schauen, ob er sich noch irgendwie bewegen würde. Während wir so im Auto saßen, ließen wir unsere Blicke auch in die Umgebung schweifen. Und sahen plötzlich auf einem Hügel, ca. 300m entfernt, eine weitere Katze auf der Kuppe sitzen und in unsere Richtung schauen.


Es dauerte ein wenig, dann wurden aus der einen Katze auf dem Hügel zwei, um genau zu sein zwei weitere Geparden. Sie machten sich schließlich auf den Weg nach unten.


Der Gepard neben der Straße wurde - je näher seine Artgenossen kamen - sichtlich unruhiger, und versteckte sich schließlich sogar im Gebüsch, für uns gerade noch sichtbar. Die beiden anderen Geparden kamen unablässig näher, spannten ihre Muskeln an und hielten deutlich erkennbar Ausschau nach ihm.



Sie suchten schließlich das Gebüsch ab, in dem sie den ersten Geparden richtig vermuteten. Sobald dieser erkannte, dass seine Entdeckung unausweichlich war, gab er Laute von sich, fast wie ein Maunzen - es waren wohl Unterwerfungslaute. Die beiden Geparden schlichen sich die letzten Meter an, dann stürzte sich der erste von ihnen auf den versteckten.


Das ging so schnell, dass wir das, was passierte, fast besser im Nachhinein auf dem Foto sahen als in Realität. Nach dem Sprung über den Geparden und weiterer Maunzlaute von ihm ließen die beiden dominanten Geparden wieder von ihrem Opfer ab und markierten ihr Revier direkt an dem Busch, in dem der kleinere Gepard sich versteckt hatte.


Dann zogen die dominanten Geparden wieder ab, hinauf auf ihren Hügel. Unser "erster" Gepard setzte sich wieder auf wie zuvor und es schien fast, als würde er über die vielen Autos staunen, die mittlerweile angehalten hatten, um das Spektakel zu beobachten.


Für uns war die Situation faszinierend: Selten (fast nie?) hatten wir bisher die Chance, Tiere in solcher Interaktion zu sehen. Häufig laufen, stehen oder liegen sie einfach herum - um so schöner war es für uns, dass wir dieses Erlebnis noch mitnehmen konnten.

Freitag, 8. Februar 2019

Erforscht und beobachtet: Die große Buddelei

Erwähnten wir schon, dass wir Auftragsschreiber sind? Wallis jüngster Blogeintrag zur Auswahl der Umzugsfirma war ja wie geschrieben eingefordert worden. Und außerdem wurde uns gesagt, dass wir Botswana nicht verlassen dürften, ohne nicht mindestens einen Blogeintrag zu Erdmännchen zu schreiben (wobei - wir stellten gerade fest, dass wir ja schon einmal einen Blogeintrag zu Erdmännchen 2016 geschrieben haben - na, dann gibt es eben noch einen). Voilà:

In der Woche vor Weihnachten machten wir unseren voraussichtlich letzten größeren Urlaub im südlichen Afrika, genauer gesagt in Südafrika. Nach 700 km Fahrt von Gaborone aus war unser erster Stopp beim "Kalahari Meerkat Project", einem Erdmännchen-Forschungsprojekt, das dadurch bekannt wurde, dass hier wohl mal in der Erdmännchen-Szene berühmte Filme über Erdmännchen gedreht wurden. Nach einer Campingnacht ging es am nächsten Morgen früh los: Geführt von einer Freiwilligen positionierten wir uns bereits vor Sonnenaufgang vor einem Erdmännchen-Bau. Pünktlich zum Sonnenaufgang schaute ein Erdmännchen heraus und sondierte die Lage, kurz darauf kamen die weiteren Tiere der Gruppe.


Unsere Führerin war eine Engländerin, die als Freiwillige ein Jahr lang hier forscht bzw. Forscher durch die Feldarbeit unterstützt: Jeden Morgen steht sie vor Sonnenaufgang auf, um für einige Stunden Erdmännchen zu beobachten, bis die sich gegen 10 Uhr in ihren Bau zurückziehen, weil es zu heiß wird. Wie ist ihr Sozialverhalten? Wie verständigen sie sich? Wie ist ihre Gewichtszu- oder -abnahme? All das wird dokumentiert.


An dem Morgen, an dem wir da waren, sollte ein Tier gewogen werden, das klappte jedoch nicht so ganz. Das dominante Weibchen hatte seit dem letzten Besuch bei der Gruppe zwei Tage zuvor offenbar Junge bekommen - diese blieben jedoch leider im Bau und waren für uns daher nicht sichtbar.
Dafür beobachteten wir die Gruppe, wie sie zunächst etwas Ausschau hielt, und dann zielstrebig in eine Richtung losdüste, um 50 Meter weiter damit anzufangen, im Boden nach Skorpionen zu buddeln. Es hielt sie allerdings nicht lange an einem Ort, sie zogen dabei stetig weiter.


Wir beobachteten die Erdmännchen eine Weile im Licht der aufgehenden Sonne, bis die Visite schließlich nach einer halben Stunde vorbei war. Es war ein Sonntagmorgen, da bleiben auch die Freiwilligen nicht so lange bei der Gruppe.


Unser Urlaub führte uns anschließend in den Kgalagadi Transfrontier Park, einen grenzüberschreitenden Park auf südafrikanischem, botswanischem und namibianischem Gebiet. Wir hatten uns die südafrikanische Seite vorgenommen (nachdem wir vor anderthalb Jahren schon einmal auf botswanischer Seite waren) - und wurden nicht enttäuscht. Einer der vielen Höhepunkte: Am zweiten Tag unseres Aufenthalts fanden wir zufällig eine Erdmännchen-Gruppe, die sich direkt neben der Straße aufhielt und nach Nahrung buddelte. Erdmännchen hatten wir noch nie in freier Wildbahn gesehen, ohne dass uns ein eigener Erdmännchen-Führer hingeführt hätte. Auch diese Gruppe ließ sich durch unsere Anwesenheit nicht stören und buddelte eifrig weiter - einfach süß!