In den Umzugsplanungen stecken wir seit Dezember und haben uns vor ungefähr sechs Wochen für eine
Umzugsfirma entschieden. Und trotzdem: So richtig endgültig fühlt sich ein Umzugsvorhaben doch erst an, wenn gepackt wird. Für uns erledigte das größtenteils die Umzugsfirma Mr. Move. Ob wir selbst die Kisten packen würden, stand hier gar nicht
zur Debatte, vor allem wegen des Zolls wird davon abgeraten: Packt ein
Umzugsunternehmen, vertraut der sehr viel eher darauf, dass
alles seine Richtigkeit hat und nichts in den Container gewandert ist, was nicht mitgenommen darf bzw. extra verzollt werden müsste (z.B. Alkohol, angebrochene Lebensmittel, Pflanzen oder Souvenirs, für deren Ausfuhr man eine Genehmigung braucht, wie beispielsweise Straußeneier). Packt jemand privat, ist die Wahrscheinlichkeit einer Kontrolle durch den Zoll sehr viel höher. Und wird der Container erstmal zur Kontrolle geöffnet, erhöht das leider auch die Chancen, dass etwas geklaut wird.
Obwohl wir also nicht selbst packten, waren die Tage vor dem
Umzug trotzdem stressig. Man lässt ja trotzdem nicht jeglichen
Kleinkram rumliegen, sondern packt schonmal einiges selbst zumindest in kleinere Boxen. Wir
haben außerdem versucht, möglichst gut auszumisten, denn unser
Gärtner Sam
und unsere
Haushaltshilfe Patricia freuen sich über alles - alte Klamotten,
Schuhe, Taschen, Schlafsäcke, Drogerieartikel-Pröbchen, Lebensmittel.
Dinge, von denen man sich in absehbarer Zeit vielleicht eh trennen wird,
finden hier nochmal eine neue Verwendung. Wie sagt Patricia: "For you
it's old, but for someone it's new."
Letzten Mittwoch war es dann soweit: Mr. Move stand vor der Tür. Noch vor der vereinbarten Zeit, 9 Uhr - das machte schon einmal einen sehr guten Eindruck, nachdem Philip mich nach dem Aufwachen nur halb-scherzhaft gefragt hatte: "Und? Meinst Du, sie kommen heute?"
Es waren vier Packer, bzw. drei und ein Vorarbeiter und sie legten mindestens genauso professionell los wie vor drei Jahren die Leute von
Schenker. Was nicht in Kisten passte, wurde passgenau verpackt - hier z.B. unsere Holzgiraffe. Ich hoffe, wenn wir uns wiedersehen, hat sie keine weiteren
Schönheitsoperationen nötig ...
Philip fuhr beruhigt zur Arbeit, ich bekam moralische Unterstützung von meiner Freundin Elke. Bald stieß noch eine andere Freundin zu uns, die in zwei Wochen ebenfalls mit Mr. Move umziehen wird und sich schon mal einen ersten Eindruck von den Packkünsten des Unternehmens verschaffen wollte. Wir saßen wie ein kleines Kaffeekränzchen auf der Terrasse, während im Haus gepackt wurde. Zwischendurch kamen noch drei Damen aus dem Büro der Umzugsfirma vorbei, die sich nur mal vorstellen und nach dem Rechten schauen wollte - alles wunderbar.
Mittags waren Elke, die Packer und ich dann wieder alleine. Ich holte zum Mittagessen Pizza für alle. Eine vegetarische war auch dabei, die erst kritisch beäugt wurde, dann aber als erstes alle war, weil keiner der Herren schonmal vegetarische Pizza gegessen hatte und sie zumindest mal probieren wollten. Nach dem Mittagessen fuhr Elke dann, da klar war, dass ich ohne Verstärkung auskommen würde. Ihr Auto war voll mit ehemals unseren Nachttischen, dem Schuhschrank und einem Spiegel - sie und ihr Mann sind einer unserer beiden Großabnehmer.
Philip und ich haben tatsächlich fast alle unsere Möbel verkauft, wollten den Großteil aber bis knapp vor der Ausreise behalten - wochenlang im halbleeren Haus zu wohnen, wäre ja doch ungemütlich gewesen. Und so hatten wir für die Packtage bzw. das Wochenende danach auch noch einige Möbelübergaben vereinbart. Verkaufte Kleinteile sowie alles, was wir mit ins Flugzeug nehmen wollten, hatten wir in unser ansonsten
leeres Gästezimmer eingeschlossen. Eine sehr umzugserfahrene Freundin, deren Mann bei der Botschaft arbeitet, hatte mir dringend dazu geraten. Sie wollte vor Jahren mal Möbelpacker in Deutschland am Umzugstag mit Bratkartoffeln erfreuen und musste dann feststellen, dass die Pfanne eingepackt worden war - mit Inhalt. Und leider nicht mehr auffindbar. Das Wiedersehen in Südamerika drei Monate später war dann kein freudiges ...
Gegen 16 Uhr verabschiedeten sich die Packer. Ich machte mir Gedanken, ob das Mittagessen zu gut gewesen war: Für das Packen waren zwei bis drei Tage angesetzt worden, nachdem sie nun so pünktlich Schluss machten, war ich mir sicher, dass sie am dritten Tag auch mindestens noch zum Essen da sein würden. Aber gut, Hauptsache, alles würde ordentlich erledigt werden.
Am zweiten Packtag kamen sie dann zu fünft. Auch Elke schlug gegen 12 Uhr auf, worauf ich zum Mittagessen holen fuhr, diesmal von der heißen Theke des Pick'n'Pay-Supermarktes: Chicken and rice with coleslaw and potatoe salad. Als ich wieder nach Hause kam, stand Niels vor der Tür, der mir damals das Umzugsangebot geschickt hatte und sich selbst als "den letzte Rhodesier" bezeichnete. Auch er wollte mal nach dem Rechten schauen und war angetan: Nach seiner Einschätzung waren 99% gepackt. Aufgrund des Kistenchaos hatte ich das bislang noch nicht erkannt, aber er hatte Recht: Viel war es nicht mehr. Nach einem Gespräch mit seinem Vorarbeiter bestellte er den Truck für 14 Uhr - jetzt war es 12:30 Uhr. Ich fand das sportlich, aber tatsächlich hielten drei der fünf Männer nach dem Mittagessen erstmal ein Mittagsschläfchen auf dem Fußboden. Nur der Kollege, der die Küche einpackte sowie Vorarbeiter Patrick arbeiteten weiter.
Gegen 14 Uhr stand dann tatsächlich der Truck vor unserer Tür, aber erstmal passierte nichts - Patrick war fleißig dabei, unsere Packstücke mit Nummern zu versehen und auf einer Liste einzutragen. Seine Leute hatten so noch Zeit, sich ein zweites Trinkgeld zu verdienen und trugen unseren Nachbarn Regale und Waschmaschine rüber, die diese gekauft hatten. Ein 5x5 Kallax, von zwei Mann getragen ... nicht schlecht. Wir hätten es sonst vermutlich auseinanderbauen müssen.
Und dann ging es los: Mir wurde eine Pappe in die Hand gedrückt, auf der ich die Nummern sämtlicher Packstücke verzeichnen sollte, die an mir vorbeizogen. Elke bastelte mir parallel eine neue Liste mit fortlaufenden Nummern, die ich einfach abhaken konnte. Wir wechselten uns schließlich ab und liefen beide auch nochmal durchs Haus, um sicherzustellen, dass auch wirklich alles eingepackt worden war. Zwischendurch fielen mal ein paar Tropfen Regen, aber das eigentliche Unwetter zog dankenswerterweise weiter.
Gegen 17 Uhr schlossen sich dann die Trucktüren. Unser Container wird erst in ca. zwei Wochen bei Mr. Move gepackt, sobald die Zollfreigabe vorliegt. Wir hoffen das Beste: Dass die Sachen dort sicher lagern und keines der 189 Packstücke wegkommt.
Als der Truck abfuhr, kamen mir ganz kurz die Tränen, die ich aber schnell wegblinzelte, da nun keine Zeit für Wehmut war: Es war bereits 17 Uhr, um 18 Uhr sollte die offizielle GIZ-Abschiedsparty für Philip und seinen Chef starten. Elke - was hätte ich ohne sie getan? - sprang in ihr Auto und ich unter die Dusche. Danach rief ich allerdings doch Freunde an und bat sie, ob sie mich mitnehmen könnten. Und nachdem geklärt war, dass ich nicht mehr selbst fahren musste, genehmigte ich mir eine Flasche südafrikanischen Ciders - den hatte ich nun doch irgendwie nötig.
Drei Nächte blieben Philip und ich noch im sich immer weiter leerenden Haus, bis schließlich auch das Bett abgeholt wurde - es wird von nun an das Gästebett von Elke und ihrem Mann sein. Dann zogen wir für die letzten beiden Nächte ins Hotel. Vor drei Monaten, nachdem Philip die Zusage für seine neue Stelle bekommen hatte, schrieb er über den
Anfang vom Ende - inzwischen ist nun wohl das Ende vom Ende gekommen ...