Freitag, 20. Juli 2018

Das hätte ich jetzt nicht noch gebraucht.

Eine Kollegin von Philip, mit deren siebenjähriger Tochter ich einmal pro Woche unter anderem Schreibschrift übe, sagte gestern diesen Satz zu mir: "Das hätte ich jetzt nicht noch gebraucht". Sie bereitet momentan ihre Ausreise nach Deutschland vor und versucht, vorher einiges an Möbeln sowie ihr Auto zu verkaufen. Ein Kaufinteressent war vor ein paar Tagen bei ihr und als er wieder abfahren wollte, schloss sich ihr elektrisches Tor ungeplant, gleich nachdem es aufgegangen war - und rammte dabei sein Auto. Sarah wird den Schaden wohl bezahlen - und hätte das jetzt eben nicht auch noch gebraucht, was ich bestens nachvollziehen konnte.

Mindestens gedacht hatte ich diesen Satz gestern aber auch schon. Unser Elektrozaun wurde vormittags repariert. Die Firma Manase ("the best erections in Botswana") war seit Mitte letzter Woche bereits zum dritten Mal da, was bedeutet, dass ich nicht nur mit den Mitarbeitern schon mehrere Telefonate geführt und Mailwechsel getätigt hatte, sondern auch mit unserem Vermieter in Whats App-Kontakt stand, wir außerdem zwei Vorauszahlungen machen mussten und ich drei halbe Tage zwangsläufig zu Hause geblieben war. Kurz: Es war nervig, aber seit der gestrigen Reparatur scheint der Elektrozaun wieder planmäßig seinen Dienst zu tun. Die Freude währte nur kurz - nachdem ich die Handwerker verabschiedet hatte, stellte ich fest, dass unser Internet nicht mehr ging. Das kann ja mal vorkommen und meist funktioniert es irgendwann von alleine wieder (den hier nachzulesenden Ausnahmefall versuche ich erfolgreich aus meinem Gedächtnis zu verdrängen). Als nächstes rief mich unser Gärtner in den Garten, da er den begründeten Verdacht hat, dass unser Pool mal wieder leckt und nun auch nasse Erde entdeckt hatte. Und spätestens da war es dann Zeit für mein gedankliches "Das hätte ich jetzt nicht noch gebraucht."

Kurz überlegte ich, Thomas zu WhatsAppen, dem Mann einer ehemaligen Botschaftsmitarbeiterin. Er und seine Familie sind diese Woche nach drei Jahren Botswana zurück nach Deutschland ausgereist. In Sachen Reparaturen konnte man eigentlich darauf vertrauen, dass Thomas immer noch eine schlimmere Geschichte auf Lager hatte. Ein paar Tage nachdem seine Familie 2015 ihr Haus hier bezogen hatte, schlug der Blitz dort ein und zerstörte gleich mehrere elektrische Geräte und Einrichtungen und so erlebte er gleich zu Beginn seiner Zeit hier mit allen möglichen Handwerkern alles Mögliche. Andererseits hätte mir Thomas aus der Ferne vermutlich nur die drei Buchstaben TiB zur Aufmunterung zugeworfen - "This is Botswana". Ich habe das Pool-Problem nun erstmal auf nächste Woche verschoben. Vertagen und aufschieben ist immerhin auch ziemlich botswanisch, so gesehen passe ich mich damit ganz gut an die hiesigen Gegebenheiten an.

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