Vor einiger Zeit hatten wir tierischen Besuch, über den Philip bereits berichtet hat. Seitdem wurde ich ab und an gefragt, ob wir nochmal Paviane im Garten gehabt hätten, was ich verneinen konnte - bis jetzt. Zwar haben wir keine Tiere mehr gesehen, aber unser Gärtner zeigte mir letzte Woche, dass welche im Garten gewesen sein mussten. Tatsächlich war es auch ohne Fährtenlese-Kenntnisse ganz eindeutig ...
Die Viecher hatten wohl die Früchte an unserem Naartjie-Bäumchen entdeckt und sich dann offensichtlich auf es gestürzt - anders lassen sich die Schäden kaum erklären. Naartjies sind Mandarinen-/Clementinen-ähnliche Zitruspflanzen, die sich einfach schälen lassen - wie das am Boden liegende Schalenhäufchen eindrucksvoll illustrierte.
Unser Vermieter kam heute wegen eines tropfenden Rohrs vorbei und ich erzählte ihm von den Pavianen. Er berichtete daraufhin, dass sein Bruder vor ein paar Jahren eine wahre Pavianplage gehabt hätte: Diese kamen regelmäßig in seinen Garten und tranken dort aus dem Pool - sechs, sieben ausgewachsene Tiere, die sich um den Swimmingpool scharrten wie Antilopen um ein Wasserloch. Das würde uns hier gerade noch fehlen ... Ich erkundigte mich, wie Mattias die Tiere wieder losgeworden war - einfach verscheuchen kann man Paviane kaum, sie können durchaus aggressiv werden. Und so war Mattias subtiler vorgegangen: Er hatte einen großen, aufblasbaren Hai in seinen Swimmingpool gesetzt. Dieser schaukelte im Wind auf dem Pool hin und her und war den Pavianen nicht geheuer - sie trollten sich. Noch wirkungsvoller ist laut unserem Vermieter vermutlich ein aufblasbarer Leopard, da Paviane Leoparden fürchten. Falls unsere Obstbäume weiter geplündert werden, sollten Philip und ich wohl mal in Schwimm- oder Plüschtiere investieren - die kann man sicher auch in Bäume setzen ...
Dienstag, 29. Mai 2018
Samstag, 26. Mai 2018
eSwatini ist geboren: Die Zahl 50
Hat es eigentlich jemand mitbekommen? Ein SADC-Mitgliedsland heißt jetzt "Kingdom of eSwatini". Hiermit meine ich übrigens nicht das "Mountain Kingdom", Lesotho, zu dem wir kürzlich einen Abstecher gemacht haben.
Man könnte fragen, wie weit ein Land gehen muss, um mit der Zeit zu gehen. Dass ein Staat jetzt noch das elektronische "e" vor seinen Namen setzt, geht schon etwas weit, finde ich. Klingt aber immerhin hip. Und die Umbenennung war ein Geburtstagsgeschenk! Der König von Swaziland hat sich zu seinem 50. Geburtstag am 19. April die Umbenennung seines Landes geschenkt. Kein Witz. Hat schon Vorteile, der letzte absolute Monarch Afrikas zu sein. Sowas will ich auch werden. (Formell betrachtet ist eSwatini, wie ich gerade bei Wikipedia nachgelesen habe, eine Diarchie, eine spezielle Form der Monarchie, in der die Macht bei zwei Personen liegt, in diesem Fall dem König sowie seiner Mutter). Von einer kurzen Dienstreise in dieses Land hatte ich übrigens hier einmal berichtet.
Die Umbenennung hat allerdings noch einen etwas ernsteren Hintergrund: eSwatini (samt elektronischem "e") ist der traditionelle Landesname, der schon immer existierte; Swaziland war der Name der Kolonialherren (das Land war, ähnlich wie Botswana, britisches Protektorat). Anders also als z.B. Bechuanaland, das sich nach seiner Unabhängigkeit wieder in Botswana umbenannte, hatte Swaziland den fremdbestimmten Namen beibehalten - bis jetzt. Immerhin trifft der Tag der Umbenennung nicht nur den 50. Geburtstag des Königs, sondern auch das Jahr der 50-jährigen Unabhängigkeit.
Achtung, jetzt wird's abgefahren: Passenderweise wurde das Vermögen von Mswati III., so der Name des Königs von eSwatini, 2015 auf mind. 50 Mio USD geschätzt. Bis er seine 50. Frau heiratet, wird es allerdings voraussichtlich noch etwas dauern; 2017 hat er erst seine offiziell 14. Ehefrau geheiratet (was nicht bedeutet, dass er von den vorhigen 13 geschieden ist), bisher hat er mindestens 30 Kinder (also noch nicht ganz 50). Sein Vater brachte es übrigens wohl auf 70 Frauen, von denen er 210 Kinder hatte. Die Lebenserwartung der Swazi passt übrigens auch gut in die 50er-Analogie: Sie liegt 2018 laut Economist bei gerade einmal 50,54 Jahren - nur in 4 Ländern weltweit haben die Menschen eine niedrigere Lebenserwartung.
Die Umbenennung des Landes kam für mich überraschend und es wird wohl noch etwas Umgewöhnungszeit brauchen, bis der neue Name mir flüssig über die Lippen kommt. Manche finden es interessant, dass Swaziland/eSwatini Geld und Zeit für eine symbolische Umbenennung hat, während fast 50% der Bevölkerung mit weniger als 1,90 USD pro Tag auskommen (derzeitige Definition von absoluter Armut).
P.S.: Es versteht sich von selbst und sollte ich eigentlich gar nicht schreiben müssen, dass ich diesen Eintrag als Privatperson geschrieben habe - zitiert mich bitte nicht (siehe sowieso den Disclaimer zu diesem Blog); im Job hatte ich bisher wenig bis gar nicht mit Swaziland als Land und seiner Entwicklung zu tun. Die Menschen, die ich hier aus Swaziland getroffen habe, sind sehr warmherzige, tolle Leute und sicherlich auch an der Entwicklung ihres Landes interessiert. Dem König bin ich leider noch nicht begegnet, habe ihn noch nicht einmal aus der Entfernung gesehen. Ob ich mich wohl trauen würde, ihm kritische Fragen zu stellen? Oder wäre ich zu diplomatisch?
Man könnte fragen, wie weit ein Land gehen muss, um mit der Zeit zu gehen. Dass ein Staat jetzt noch das elektronische "e" vor seinen Namen setzt, geht schon etwas weit, finde ich. Klingt aber immerhin hip. Und die Umbenennung war ein Geburtstagsgeschenk! Der König von Swaziland hat sich zu seinem 50. Geburtstag am 19. April die Umbenennung seines Landes geschenkt. Kein Witz. Hat schon Vorteile, der letzte absolute Monarch Afrikas zu sein. Sowas will ich auch werden. (Formell betrachtet ist eSwatini, wie ich gerade bei Wikipedia nachgelesen habe, eine Diarchie, eine spezielle Form der Monarchie, in der die Macht bei zwei Personen liegt, in diesem Fall dem König sowie seiner Mutter). Von einer kurzen Dienstreise in dieses Land hatte ich übrigens hier einmal berichtet.
Die Umbenennung hat allerdings noch einen etwas ernsteren Hintergrund: eSwatini (samt elektronischem "e") ist der traditionelle Landesname, der schon immer existierte; Swaziland war der Name der Kolonialherren (das Land war, ähnlich wie Botswana, britisches Protektorat). Anders also als z.B. Bechuanaland, das sich nach seiner Unabhängigkeit wieder in Botswana umbenannte, hatte Swaziland den fremdbestimmten Namen beibehalten - bis jetzt. Immerhin trifft der Tag der Umbenennung nicht nur den 50. Geburtstag des Königs, sondern auch das Jahr der 50-jährigen Unabhängigkeit.
Achtung, jetzt wird's abgefahren: Passenderweise wurde das Vermögen von Mswati III., so der Name des Königs von eSwatini, 2015 auf mind. 50 Mio USD geschätzt. Bis er seine 50. Frau heiratet, wird es allerdings voraussichtlich noch etwas dauern; 2017 hat er erst seine offiziell 14. Ehefrau geheiratet (was nicht bedeutet, dass er von den vorhigen 13 geschieden ist), bisher hat er mindestens 30 Kinder (also noch nicht ganz 50). Sein Vater brachte es übrigens wohl auf 70 Frauen, von denen er 210 Kinder hatte. Die Lebenserwartung der Swazi passt übrigens auch gut in die 50er-Analogie: Sie liegt 2018 laut Economist bei gerade einmal 50,54 Jahren - nur in 4 Ländern weltweit haben die Menschen eine niedrigere Lebenserwartung.
Die Umbenennung des Landes kam für mich überraschend und es wird wohl noch etwas Umgewöhnungszeit brauchen, bis der neue Name mir flüssig über die Lippen kommt. Manche finden es interessant, dass Swaziland/eSwatini Geld und Zeit für eine symbolische Umbenennung hat, während fast 50% der Bevölkerung mit weniger als 1,90 USD pro Tag auskommen (derzeitige Definition von absoluter Armut).
P.S.: Es versteht sich von selbst und sollte ich eigentlich gar nicht schreiben müssen, dass ich diesen Eintrag als Privatperson geschrieben habe - zitiert mich bitte nicht (siehe sowieso den Disclaimer zu diesem Blog); im Job hatte ich bisher wenig bis gar nicht mit Swaziland als Land und seiner Entwicklung zu tun. Die Menschen, die ich hier aus Swaziland getroffen habe, sind sehr warmherzige, tolle Leute und sicherlich auch an der Entwicklung ihres Landes interessiert. Dem König bin ich leider noch nicht begegnet, habe ihn noch nicht einmal aus der Entfernung gesehen. Ob ich mich wohl trauen würde, ihm kritische Fragen zu stellen? Oder wäre ich zu diplomatisch?
Donnerstag, 24. Mai 2018
Im Königreich der Berge
Gegen Ende unserer Südafrika-Rundreise (Gästeblog meiner Mutter hier) machten wir noch einen Abstecher nach Lesotho, einen Kleinststaat, der vollkommen von Südafrika umschlossen wird. Er nennt sich auch "The Mountain Kingdom". Wir waren in der Gegend und fanden die Gelegenheit gut, noch "mal eben" ein neues Land zu entdecken.
Schon kurz nach dem Grenzübertritt merkten wir, dass wir nicht mehr in Südafrika, sondern im "richtigen" Afrika angekommen waren. Kaum größere Häuser, sondern viele kleine Hütten, die die Hauptstraßen säumten, zahlreiche Wellblech-Kioske, Obstverkäufer auf den Straßen, kleinere Felder als in Südafrika - insgesamt deutlich weniger entwickelt. Am ersten Tag fuhren wir noch durch recht dicht besiedeltes und bewirtschaftetes Flachland. Wir versuchten, das Nationalheiligtum zu finden (einen Berg mit historischer Bedeutung), scheiterten jedoch an der fehlenden Ausschilderung - bzw. als wir den Ort schließlich gefunden hatten, war es zu spät und eine Besichtigung vor Einbruch der Dunkelheit zeitlich nicht mehr möglich.
Am nächsten Tag fuhren wir dann über eine Passstraße ins Gebirge. Ziel war der Ort Semonkong, der auf ca. 2200 m Höhe gelegen ist. Schon die Straße dorthin war sehens- und fahrenswert (ich habe aber auch Spaß an Passstraßen). In einem älteren Reiseführer war als Fahrtdauer noch dreieinhalb Stunden angegeben, damals war die Straße offenbar noch nicht geteert, trotzdem ist sie auch heute noch abenteuerlich. Oft darf man nur 60 km/h fahren, generell liegt die Maximalgeschwindigkeit in ganz Lesotho bei 80 km/h. Wir fuhren durch immer kleiner werdende Dörfer, meist mit strohgedeckten Rundhütten, passierten traditionell gekleidete Einwohner, oft mit deckenähnlichen Umhängen und spitz zulaufenden Hüten. Alle paar Kilometer blockierte eine Schafherde die Straße und musste von ihrem jeweiligen Schäfer erst zur Seite gescheucht werden, bevor wir weiterfahren konnten. Die Landschaft war für uns ungewohnt grün, auch die Berge waren überwiegend grasbewachsen.
Wir hatten einen Stellplatz auf dem Campingplatz einer Lodge gebucht; letzterer war jedoch aufgrund von starken Regenfällen während der vorhergehenden Tage etwas schlammig. Am "Activities Desk" der Lodge (ja, so etwas gab es hier!) buchten wir einen geführten Spaziergang zur Hauptattraktion der Gegend: dem Maletsunyane Wasserfall. Mit 186m reiner Fallhöhe ist dieser Wasserfall fast doppelt so hoch wie z.B. die Viktoriafälle - wenn auch nicht so breit und gewaltig. Eineinhalb Stunden dauerte der Hinweg, an Feldern vorbei (manchmal auch mittendurch) und durch kleine Dörfer. Wir lernten z.B., dass eine gelbe Fahne vor einem Haus signalisiert, dass dort selbstgebrautes Bier verkauft wird (nein, wir machten nicht an jedem Haus für einen Test halt). Zwischen den Dörfern sahen wir die Bewohner laufen - oder reiten: Wer es sich leisten kann, hat ein Pferd, oder zumindest einen Esel - doch laut unserem Führer können sich nur wenige Einwohner die umgerechnet ca. 360 Euro für ein Pferd leisten.
Wir näherten uns schließlich dem Wasserfall und pausierten an einem schönen Aussichtspunkt. Neben dem Wasserfall gibt es (angeblich) das höchste "Abseiling" der Welt: Nur zehn Meter seitlich kann man sich über 204m abseilen. Das klang für mich nach einem schönen Abenteuer, doch die Vernunft siegte: Hier oben in den Bergen war der Winter schon eingekehrt, das Wasser hätte einen sicherlich ziemlich nass und kalt gespritzt. Wir werden also noch einmal im Sommer herkommen müssen.
Apropos Winter: Der hatte in den Bergen Lesothos tatsächlich schon begonnen. In der folgenden Nacht ging die Außentemperatur wohl auf den Gefrierpunkt runter. Wir machten erstmals alle Schotten unseres Dachzelts dicht, was vorher noch nie nötig gewesen war; so richtig warm wurde es allerdings trotzdem nicht. Walli beschloss anschließend, dass ihr Schlafsack aus Pfadfinder-Zeiten wohl so langsam mal ersetzt werden dürfte; gut, dass da ein Geburtstag ins Haus stand.
Nach der zweiten Nacht in Lesotho machten wir uns wieder Richtung Südafrika auf - zwar etwas verfroren und mit matschverkrusteten Schuhen, aber dennoch begeistert. Lesotho ist eine Reise wert!
Schon kurz nach dem Grenzübertritt merkten wir, dass wir nicht mehr in Südafrika, sondern im "richtigen" Afrika angekommen waren. Kaum größere Häuser, sondern viele kleine Hütten, die die Hauptstraßen säumten, zahlreiche Wellblech-Kioske, Obstverkäufer auf den Straßen, kleinere Felder als in Südafrika - insgesamt deutlich weniger entwickelt. Am ersten Tag fuhren wir noch durch recht dicht besiedeltes und bewirtschaftetes Flachland. Wir versuchten, das Nationalheiligtum zu finden (einen Berg mit historischer Bedeutung), scheiterten jedoch an der fehlenden Ausschilderung - bzw. als wir den Ort schließlich gefunden hatten, war es zu spät und eine Besichtigung vor Einbruch der Dunkelheit zeitlich nicht mehr möglich.
Am nächsten Tag fuhren wir dann über eine Passstraße ins Gebirge. Ziel war der Ort Semonkong, der auf ca. 2200 m Höhe gelegen ist. Schon die Straße dorthin war sehens- und fahrenswert (ich habe aber auch Spaß an Passstraßen). In einem älteren Reiseführer war als Fahrtdauer noch dreieinhalb Stunden angegeben, damals war die Straße offenbar noch nicht geteert, trotzdem ist sie auch heute noch abenteuerlich. Oft darf man nur 60 km/h fahren, generell liegt die Maximalgeschwindigkeit in ganz Lesotho bei 80 km/h. Wir fuhren durch immer kleiner werdende Dörfer, meist mit strohgedeckten Rundhütten, passierten traditionell gekleidete Einwohner, oft mit deckenähnlichen Umhängen und spitz zulaufenden Hüten. Alle paar Kilometer blockierte eine Schafherde die Straße und musste von ihrem jeweiligen Schäfer erst zur Seite gescheucht werden, bevor wir weiterfahren konnten. Die Landschaft war für uns ungewohnt grün, auch die Berge waren überwiegend grasbewachsen.
Wir näherten uns schließlich dem Wasserfall und pausierten an einem schönen Aussichtspunkt. Neben dem Wasserfall gibt es (angeblich) das höchste "Abseiling" der Welt: Nur zehn Meter seitlich kann man sich über 204m abseilen. Das klang für mich nach einem schönen Abenteuer, doch die Vernunft siegte: Hier oben in den Bergen war der Winter schon eingekehrt, das Wasser hätte einen sicherlich ziemlich nass und kalt gespritzt. Wir werden also noch einmal im Sommer herkommen müssen.
Apropos Winter: Der hatte in den Bergen Lesothos tatsächlich schon begonnen. In der folgenden Nacht ging die Außentemperatur wohl auf den Gefrierpunkt runter. Wir machten erstmals alle Schotten unseres Dachzelts dicht, was vorher noch nie nötig gewesen war; so richtig warm wurde es allerdings trotzdem nicht. Walli beschloss anschließend, dass ihr Schlafsack aus Pfadfinder-Zeiten wohl so langsam mal ersetzt werden dürfte; gut, dass da ein Geburtstag ins Haus stand.
Nach der zweiten Nacht in Lesotho machten wir uns wieder Richtung Südafrika auf - zwar etwas verfroren und mit matschverkrusteten Schuhen, aber dennoch begeistert. Lesotho ist eine Reise wert!
Dienstag, 22. Mai 2018
Lang gekocht und schnell gegessen
... das sagt meine Mutter manchmal am Ende eines Mittagessens. Kochen dauert in der Regel ja länger als Essen. Dass Gleiches auch für die meisten Veranstaltungen gilt - die Planung dauert länger als die Durchführung - war mir bekannt, wurde mir aber beim lange vorbereiteten Arts & Crafts Market am vergangenen Samstag noch einmal deutlich vor Augen geführt.
Dabei begann die Veranstaltung für mich ganz schön früh: Um kurz vor 7 Uhr war ich bereit am Ort des Geschehens, aber trotzdem nicht die allererste. Ein einsames Auto stand schon da, meine ersten "stall holder", die ihren Stand aufbauen wollten. Wenige Tage vorher hatte ich allen Ausstellern auf einem Kommunikationsweg ihrer Wahl (E-Mail, WhatsApp, SMS) noch einmal letzte Details zukommen lassen, unter anderem die Aufbauzeit: ab 7 Uhr, bis 9:30 Uhr könne auf dem Gelände geparkt werden, um 10 Uhr ginge es dann los. Da wir die Standplätze schon im Vorfeld verteilt hatten, hatte ich nicht wirklich schon um 7 Uhr morgens mit jemandem gerechnet und nehme auch immer noch an, dass Lorato nur so früh da war, weil sie "first come, first serve" vermutete - aber das tat ihrer guten Laune keinen Abbruch und ich freute mich, den ersten Haken auf meiner Standliste mit insgesamt 31 Ständen machen zu können.
Eine Stunde später hatte ich bereits die erste Lektion der Marktorganisation gelernt: Entweder, Du stellst den Leuten Tische für ihre Stände zur Verfügung, oder Du akzeptierst, dass Du Deine Vorstellungen von der Standgröße nicht durchsetzen können wirst. An unserem Veranstaltungsort Lady Masire Youth Center waren Tische wie Stühle Mangelware; wir mieteten zwar für den Markt Mobiliar an, hatten aber den Ausstellern gesagt, dass sie für ihre jeweiligen Stände alles selbst mitbringen müssten. Und dass ein Stand nicht breiter als zwei Meter sein sollte, sonst müsste ein Doppelstand gebucht werden (der dann die doppelte Standgebühr kostete). Zum Glück hatte niemand seinen Tisch vergessen, aber die zwei Meter Vorgabe wurde doch äußerst flexibel ausgelegt.
Eigentlich kein Problem, denn wir hatten genug Platz - aber es war so nicht mehr möglich, jedem den versprochenen Platz zu geben (die meisten Standbesitzer hatten sich im Vorfeld ausgesucht, wo sie ihren Stand aufbauen wollten). Statt sechs Stände passten zum Teil nur noch vier in eine Reihe, aber es gelang mir, das so umzupuzzlen, dass sich niemand groß beschwerte. Eine weitere Herausforderung war, die Leute dazu zu bringen, nach ihrem Standaufbau nicht neben ihrem Stand zu parken, sondern am Rande des Geländes vor einem Zaun. Mein Plan, nach 9:30 Uhr niemanden mehr auf dem Gelände parken zu lassen, ging leider nicht auf - unter anderem die Leute mit dem Catering kamen weitaus später und ich konnte sie ihr Zeug ja kaum von den außerhalb liegenden Besucherparkplätzen tragen lassen. Allerdings bemerkte ich gegen 10 Uhr, dass die Township-Boys, die als Parkplatzwächter engagiert worden waren, so gut wie jedes Auto aufs Gelände ließen, weswegen ich mich dann mal zu ihnen an den Eingang gesellte.
Die gastgebende NGO machte meiner "Das Tor bleibt zu"-Politik allerdings einen Strich durch die Rechnung - mehreren VIPs musste erlaubt werden, auf dem Gelände zu parken. Mitarbeitern der amerikanischen Botschaft (mögliche Sponsoren der gastgebenden NGO) sowie der kubanischen Botschafterin wollte man nicht zumuten, drei Meter weiter als nötig zu laufen. Wobei letztere das mit Sicherheit mitgemacht hätte, sie war auch sonst ganz cool und ließ sich nach ihrer Ankunft zunächst in unserer Kinderecke mit einem facepainting verzieren.
Der Markt hatte begonnen, eine Marimbaband spielte zur Begrüßung, es fuhren nach wie vor Autos rein und raus und die erste auftretende Tanzgruppe, das Mophato Dance Theatre, hatte ein Transportproblem und daher größere Verspätung. Es lief also nicht total ideal, aber auch nicht schlecht. Und spätestens als das Mophato Dance Theatre auftrat und den Platz füllte, um den die Stände gruppiert waren, kam Stimmung auf.
Alle meine Freunde waren tatsächlich gekommen - außer denen, die krankheitsbedingt absagen mussten. Oder denen, die die Royal Wedding im Fernsehen verfolgten. Tatsächlich hörten wir an diesem Wochenende mehrmals, dass Leute sich gegen den Markt und für Harry und Meghan entschieden hatten. Ich weiß nicht genau, ob das britische Königshaus hier generell so einen hohen Stellenwert genießt oder ob es daran liegt, dass selbst die Facebookseite BW government nicht müde wird, die Verbindung des Paares zu Botswana zu preisen (gemeinsamer Urlaub hier, der Diamant am Verlobungsring ist aus Botswana etc.). Überdies war es recht windig - das seien die Winterwinde, sagte mir eine Ausstellerin. Sie brachten Bewölkung mit sich, was gar nicht so verkehrt war, denn auf dem Gelände ist sonst nur wenig Schatten. Trotzdem wirkte das Wetter auf einige potentielle Marktbesucher eventuell abschreckend. Ich denke, es hatte mit diesen zwei Faktoren zu tun, dass die Besucherzahlen hinter unseren Erwartungen zurückblieben - und vielleicht auch damit, dass es die erste Großveranstaltung auf einem ziemlich unbekannten Gelände war.
Für unser gutes advertisement waren wir von den Ausstellern zum Teil gelobt worden. Zumindest für eine Tanzgruppe war es jedoch nicht gut genug, die hat ihren Auftritt glatt verpasst, weil die Leiterin dachte, der Markt wäre erst eine Woche später. Meine Kollegin Wally, die den Auftritt organisiert hatte, war fassungslos, hatte sie doch erst ein paar Tage vorher die letzten Fragen mit eben jener Leiterin geklärt.
Aber sonst hat eigentlich alles recht gut geklappt. Obwohl wir mit mehr Besuchern gerechnet hatten, wurde der Essensstand komplett leergekauft. Einige Aussteller machten kein gutes Geschäft, dafür aber neue Bekanntschaften, aus denen sie sich Folgeverträge erhoffen. Der erfolgreichste Stand neben dem warmen Essen war wohl der mit Popcornmaschine und Zuckerwatte. Ich habe gestern noch einmal alle Aussteller kontaktiert und mich bedankt - die häufigste Reaktion war die Bitte, beim nächsten Markt doch wieder eingeladen zu werden. Das hat mich sehr gefreut, auch wenn ich nicht denke, dass ich einen weiteren Markt mitorganisieren werde. Da das Event jährlich stattfinden soll, stellt sich die Frage für mich vermutlich eh nicht.
Mir gegenüber hat sich eigentlich nur Samosa-Eva unzufrieden geäußert, was aber keine Überraschung war - ich habe Samosa-Eva bislang eigentlich immer nur unzufrieden erlebt. Eva verkauft auf den hiesigen Farmer's Markets warme Samosas und war schon im Vorfeld nicht glücklich, weil Wally und ich ihr das auf unserem Markt nicht erlauben wollten. Warme Speisen sowie Kuchen wurden bei uns exklusiv vom "Thapelong Empowerment Trust" angeboten, weitere Stände mit essfertigen Snacks etc. sollte es daher nicht geben, Popcorn und Zuckerwatte waren hierbei unsere einzige Ausnahme. Eva tat ihren Unmut sowohl persönlich als auch telefonisch mehrmals kund und beschloss dann murrend, einen Kunsthandwerksstand zu machen. Ein paar Tage vor dem Markt rief sie mich dann an, weil sie sich überlegt hatte, neben dem Kunsthandwerk gefrorene Samosas zum Mitnehmen anzubieten. Die Marktbesucher wären sonst sicher traurig, wenn sie ohne Samosas dastünde. Mein Einwand, dass ich das für keine gute Idee hielte, weil am Essensstand schon warme Samosas verkauft werden würden, kam nicht gut an: Eva witterte eine Verschwörung gegen ihre Samosas. Ich lenkte ein. Eva war halbwegs versöhnt - bis zum Markt, auf dem sie keine einzige gefrorene Samosa verkauft hat, was in ihren Augen nun auch wieder irgendwie meine Schuld ist. Zum Abschied beschwor sie mich, ihr beim nächsten Event den Verkauf warmer Samosas zu erlauben. Im Hinblick auf Samosa-Eva wünsche ich mir wirklich, bis dahin außer Landes zu sein ...
Alles in allem war der Arts & Crafts Market doch recht vorbereitungsintensiv - in den Tagen vorher habe ich in Supermärkten Plakate aufgehangen, bin auf der Suche nach Einwegtischdecken in mir völlig unbekannte Gegenden Gaborones gefahren und habe mit Hilfe einer zufälligen Passantin Getränkespenden abgeholt. Nebenbei waren zig Anrufe zu führen und Nachrichten zu schreiben. Und ich habe noch nicht mal den Großteil der Arbeit gemacht: Meine Namensvetterin Wally organisierte neben Essensspenden noch die Verlosung, holte die Preise bei ihren Spendern ab, informierte den Moderator über die Veranstaltungsdetails und spannte ihren Gärtner ein, um Sachen vom Tierheim zum Veranstaltungsort zu bringen. (Ihr Gärtner besitzt zum Glück einen Pick-up - unserer hat nur ein Fahrrad ...) An das Tierheim fließen jetzt auch die Veranstaltungserlöse aus Eintrittsgeldern, Standgebühren und Losverkauf - genaugenommen war der Arts & Crafts Market ja auch eine Veranstaltung des Tierheims. Nachdem ich im Vorfeld gehört hatte, dass das Tierheim so viele ehrenamtliche Helfer hat, dass sie sich untereinander gar nicht mehr kennen, hatte ich angenommen, dass aus dieser Richtung eine gewisse manpower zu erwarten sei. Am Veranstaltungstag selbst waren auch durchaus Helfer zugegen, im Vorfeld hielten sie sich aber extrem zurück. Für das nächste Mal würde ich schon empfehlen, so eine Marktorganisation auf mehr als zwei Schultern zu verteilen. So wurde eben lang von zweien gekocht und dann schnell gegessen ...
Dabei begann die Veranstaltung für mich ganz schön früh: Um kurz vor 7 Uhr war ich bereit am Ort des Geschehens, aber trotzdem nicht die allererste. Ein einsames Auto stand schon da, meine ersten "stall holder", die ihren Stand aufbauen wollten. Wenige Tage vorher hatte ich allen Ausstellern auf einem Kommunikationsweg ihrer Wahl (E-Mail, WhatsApp, SMS) noch einmal letzte Details zukommen lassen, unter anderem die Aufbauzeit: ab 7 Uhr, bis 9:30 Uhr könne auf dem Gelände geparkt werden, um 10 Uhr ginge es dann los. Da wir die Standplätze schon im Vorfeld verteilt hatten, hatte ich nicht wirklich schon um 7 Uhr morgens mit jemandem gerechnet und nehme auch immer noch an, dass Lorato nur so früh da war, weil sie "first come, first serve" vermutete - aber das tat ihrer guten Laune keinen Abbruch und ich freute mich, den ersten Haken auf meiner Standliste mit insgesamt 31 Ständen machen zu können.
Eine Stunde später hatte ich bereits die erste Lektion der Marktorganisation gelernt: Entweder, Du stellst den Leuten Tische für ihre Stände zur Verfügung, oder Du akzeptierst, dass Du Deine Vorstellungen von der Standgröße nicht durchsetzen können wirst. An unserem Veranstaltungsort Lady Masire Youth Center waren Tische wie Stühle Mangelware; wir mieteten zwar für den Markt Mobiliar an, hatten aber den Ausstellern gesagt, dass sie für ihre jeweiligen Stände alles selbst mitbringen müssten. Und dass ein Stand nicht breiter als zwei Meter sein sollte, sonst müsste ein Doppelstand gebucht werden (der dann die doppelte Standgebühr kostete). Zum Glück hatte niemand seinen Tisch vergessen, aber die zwei Meter Vorgabe wurde doch äußerst flexibel ausgelegt.
Die gastgebende NGO machte meiner "Das Tor bleibt zu"-Politik allerdings einen Strich durch die Rechnung - mehreren VIPs musste erlaubt werden, auf dem Gelände zu parken. Mitarbeitern der amerikanischen Botschaft (mögliche Sponsoren der gastgebenden NGO) sowie der kubanischen Botschafterin wollte man nicht zumuten, drei Meter weiter als nötig zu laufen. Wobei letztere das mit Sicherheit mitgemacht hätte, sie war auch sonst ganz cool und ließ sich nach ihrer Ankunft zunächst in unserer Kinderecke mit einem facepainting verzieren.
Der Markt hatte begonnen, eine Marimbaband spielte zur Begrüßung, es fuhren nach wie vor Autos rein und raus und die erste auftretende Tanzgruppe, das Mophato Dance Theatre, hatte ein Transportproblem und daher größere Verspätung. Es lief also nicht total ideal, aber auch nicht schlecht. Und spätestens als das Mophato Dance Theatre auftrat und den Platz füllte, um den die Stände gruppiert waren, kam Stimmung auf.
Alle meine Freunde waren tatsächlich gekommen - außer denen, die krankheitsbedingt absagen mussten. Oder denen, die die Royal Wedding im Fernsehen verfolgten. Tatsächlich hörten wir an diesem Wochenende mehrmals, dass Leute sich gegen den Markt und für Harry und Meghan entschieden hatten. Ich weiß nicht genau, ob das britische Königshaus hier generell so einen hohen Stellenwert genießt oder ob es daran liegt, dass selbst die Facebookseite BW government nicht müde wird, die Verbindung des Paares zu Botswana zu preisen (gemeinsamer Urlaub hier, der Diamant am Verlobungsring ist aus Botswana etc.). Überdies war es recht windig - das seien die Winterwinde, sagte mir eine Ausstellerin. Sie brachten Bewölkung mit sich, was gar nicht so verkehrt war, denn auf dem Gelände ist sonst nur wenig Schatten. Trotzdem wirkte das Wetter auf einige potentielle Marktbesucher eventuell abschreckend. Ich denke, es hatte mit diesen zwei Faktoren zu tun, dass die Besucherzahlen hinter unseren Erwartungen zurückblieben - und vielleicht auch damit, dass es die erste Großveranstaltung auf einem ziemlich unbekannten Gelände war.
Für unser gutes advertisement waren wir von den Ausstellern zum Teil gelobt worden. Zumindest für eine Tanzgruppe war es jedoch nicht gut genug, die hat ihren Auftritt glatt verpasst, weil die Leiterin dachte, der Markt wäre erst eine Woche später. Meine Kollegin Wally, die den Auftritt organisiert hatte, war fassungslos, hatte sie doch erst ein paar Tage vorher die letzten Fragen mit eben jener Leiterin geklärt.
Aber sonst hat eigentlich alles recht gut geklappt. Obwohl wir mit mehr Besuchern gerechnet hatten, wurde der Essensstand komplett leergekauft. Einige Aussteller machten kein gutes Geschäft, dafür aber neue Bekanntschaften, aus denen sie sich Folgeverträge erhoffen. Der erfolgreichste Stand neben dem warmen Essen war wohl der mit Popcornmaschine und Zuckerwatte. Ich habe gestern noch einmal alle Aussteller kontaktiert und mich bedankt - die häufigste Reaktion war die Bitte, beim nächsten Markt doch wieder eingeladen zu werden. Das hat mich sehr gefreut, auch wenn ich nicht denke, dass ich einen weiteren Markt mitorganisieren werde. Da das Event jährlich stattfinden soll, stellt sich die Frage für mich vermutlich eh nicht.
Mir gegenüber hat sich eigentlich nur Samosa-Eva unzufrieden geäußert, was aber keine Überraschung war - ich habe Samosa-Eva bislang eigentlich immer nur unzufrieden erlebt. Eva verkauft auf den hiesigen Farmer's Markets warme Samosas und war schon im Vorfeld nicht glücklich, weil Wally und ich ihr das auf unserem Markt nicht erlauben wollten. Warme Speisen sowie Kuchen wurden bei uns exklusiv vom "Thapelong Empowerment Trust" angeboten, weitere Stände mit essfertigen Snacks etc. sollte es daher nicht geben, Popcorn und Zuckerwatte waren hierbei unsere einzige Ausnahme. Eva tat ihren Unmut sowohl persönlich als auch telefonisch mehrmals kund und beschloss dann murrend, einen Kunsthandwerksstand zu machen. Ein paar Tage vor dem Markt rief sie mich dann an, weil sie sich überlegt hatte, neben dem Kunsthandwerk gefrorene Samosas zum Mitnehmen anzubieten. Die Marktbesucher wären sonst sicher traurig, wenn sie ohne Samosas dastünde. Mein Einwand, dass ich das für keine gute Idee hielte, weil am Essensstand schon warme Samosas verkauft werden würden, kam nicht gut an: Eva witterte eine Verschwörung gegen ihre Samosas. Ich lenkte ein. Eva war halbwegs versöhnt - bis zum Markt, auf dem sie keine einzige gefrorene Samosa verkauft hat, was in ihren Augen nun auch wieder irgendwie meine Schuld ist. Zum Abschied beschwor sie mich, ihr beim nächsten Event den Verkauf warmer Samosas zu erlauben. Im Hinblick auf Samosa-Eva wünsche ich mir wirklich, bis dahin außer Landes zu sein ...
Alles in allem war der Arts & Crafts Market doch recht vorbereitungsintensiv - in den Tagen vorher habe ich in Supermärkten Plakate aufgehangen, bin auf der Suche nach Einwegtischdecken in mir völlig unbekannte Gegenden Gaborones gefahren und habe mit Hilfe einer zufälligen Passantin Getränkespenden abgeholt. Nebenbei waren zig Anrufe zu führen und Nachrichten zu schreiben. Und ich habe noch nicht mal den Großteil der Arbeit gemacht: Meine Namensvetterin Wally organisierte neben Essensspenden noch die Verlosung, holte die Preise bei ihren Spendern ab, informierte den Moderator über die Veranstaltungsdetails und spannte ihren Gärtner ein, um Sachen vom Tierheim zum Veranstaltungsort zu bringen. (Ihr Gärtner besitzt zum Glück einen Pick-up - unserer hat nur ein Fahrrad ...) An das Tierheim fließen jetzt auch die Veranstaltungserlöse aus Eintrittsgeldern, Standgebühren und Losverkauf - genaugenommen war der Arts & Crafts Market ja auch eine Veranstaltung des Tierheims. Nachdem ich im Vorfeld gehört hatte, dass das Tierheim so viele ehrenamtliche Helfer hat, dass sie sich untereinander gar nicht mehr kennen, hatte ich angenommen, dass aus dieser Richtung eine gewisse manpower zu erwarten sei. Am Veranstaltungstag selbst waren auch durchaus Helfer zugegen, im Vorfeld hielten sie sich aber extrem zurück. Für das nächste Mal würde ich schon empfehlen, so eine Marktorganisation auf mehr als zwei Schultern zu verteilen. So wurde eben lang von zweien gekocht und dann schnell gegessen ...
Freitag, 11. Mai 2018
Tierweine und gutes Essen
Knapp zwei Wochen nach Wallis Ankunft in Gaborone (schon wieder zwei Jahre her!) gönnten wir uns anlässlich unseres Hochzeitstags ein Essen in einem der besseren Restaurants der Stadt. Konsumanregend hatte man uns eine Weinflasche der Marke "Allesverloren" auf den Tisch gestellt. Wir tranken diese Flasche damals nicht, es erschien uns einfach nicht passend zu diesem besonderen Tag (wir hörten später einmal, dass diese Marke tatsächliche ein recht gute sei).
Stattdessen haben wir uns mittlerweile auf Tiere spezialisiert. Ok, angesichts der Vielzahl von Safari-Beiträgen in diesem Blog ist das für die meisten wohl keine neue Erkenntnis. Tiere jagen wir allerdings nicht nur mit dem Fotoapparat, sondern auch mit dem Weinglas. Denn wir haben beschlossen, dass wir bevorzugt Tierweine trinken. Unser Lieblingswein in Gaborone ist von der Marke "Fat Bastard", als Logo haben sie ein Nilpferd.
Als wir nun kürzlich mit meiner Mutter durch Südafrika fuhren (hier ihr Gästeblog dazu), hatten wir auch (leider nur) eine Nacht in der Weinregion der Kaphalbinsel eingeplant. Die Unterkunft dazu hatten wir in dem - augenscheinlich fast nur von Weißen bewohnten - lieblichen Städtchen Franschhoek gebucht, einem von Hugenotten gegründeten pittoresken Ort am Ende eines Tals voller Weinanbaugebiete. In Franschhoek stehen mehrere der Top 10 Restaurants Südafrikas (die glückerlicherweise i.d.R. durchaus finanzierbar sind). Man kann hier mit der "Winetram" fahren, also einer Art Straßenbahn, die einen von einem Weingut zum nächsten bringt, so dass man überall Weinproben machen kann. Wir überlegten uns, dass unsere Trinkfestigkeit möglicherweise nicht für Transfers zu mehreren Weingütern ausreichen würde und entschieden uns daher, nur ein Weingut anzusteuern. Unserer Spezialisierung entsprechend wählten wir "Leopard's Leap". Dort wird man von einem architektonisch interessanten (neuen) Gebäude inmitten von Weinbergen empfangen.
Wir hatten hier ein "Culinaria Food and Wine Pairing" gebucht. 5 Weine (plus der Sekt vorneweg), 5 Gänge.
Der Sommelier erläuterte uns jeweils die Weine, während der Koch vor unseren Augen die Speisen zubereitete und darlegte, warum sie mit dem jeweiligen Wein korrespondierten. Ein durchaus leckerer Nachmittag!
Die Weißweine schmeckten uns nicht ganz so gut wie die Rotweine, aber am Ende waren alle Gläser leer. Und ich kaufte eine Kiste (Rot-)Wein (Pinot Noir, der schmeckte uns noch besser als der gerühmte und noch schwerere "Grand Vin") als Urlaubsandenken. Vor der Einreise nach Botswana versteckten wir die einzelnen Flaschen in unserer Schmutzwäsche, denn pro Person darf man hier nur eine Flasche einführen. Kein Zöllner hat sie erschnüffelt!
Mit "Fat Bastard" und "Leopard's Leap" wird unsere Weinversuchsreihe möglicherweise noch nicht abgeschlossen sein. Im Liquor Store in Südafrika haben wir noch weitere Marken entdeckt, die wir mal probieren sollten: Flying Geese, Tall Giraffe, etc. Man braucht ja Kriterien zur Weinauswahl!
Stattdessen haben wir uns mittlerweile auf Tiere spezialisiert. Ok, angesichts der Vielzahl von Safari-Beiträgen in diesem Blog ist das für die meisten wohl keine neue Erkenntnis. Tiere jagen wir allerdings nicht nur mit dem Fotoapparat, sondern auch mit dem Weinglas. Denn wir haben beschlossen, dass wir bevorzugt Tierweine trinken. Unser Lieblingswein in Gaborone ist von der Marke "Fat Bastard", als Logo haben sie ein Nilpferd.
Als wir nun kürzlich mit meiner Mutter durch Südafrika fuhren (hier ihr Gästeblog dazu), hatten wir auch (leider nur) eine Nacht in der Weinregion der Kaphalbinsel eingeplant. Die Unterkunft dazu hatten wir in dem - augenscheinlich fast nur von Weißen bewohnten - lieblichen Städtchen Franschhoek gebucht, einem von Hugenotten gegründeten pittoresken Ort am Ende eines Tals voller Weinanbaugebiete. In Franschhoek stehen mehrere der Top 10 Restaurants Südafrikas (die glückerlicherweise i.d.R. durchaus finanzierbar sind). Man kann hier mit der "Winetram" fahren, also einer Art Straßenbahn, die einen von einem Weingut zum nächsten bringt, so dass man überall Weinproben machen kann. Wir überlegten uns, dass unsere Trinkfestigkeit möglicherweise nicht für Transfers zu mehreren Weingütern ausreichen würde und entschieden uns daher, nur ein Weingut anzusteuern. Unserer Spezialisierung entsprechend wählten wir "Leopard's Leap". Dort wird man von einem architektonisch interessanten (neuen) Gebäude inmitten von Weinbergen empfangen.
Wir hatten hier ein "Culinaria Food and Wine Pairing" gebucht. 5 Weine (plus der Sekt vorneweg), 5 Gänge.
Der Sommelier erläuterte uns jeweils die Weine, während der Koch vor unseren Augen die Speisen zubereitete und darlegte, warum sie mit dem jeweiligen Wein korrespondierten. Ein durchaus leckerer Nachmittag!
Die Weißweine schmeckten uns nicht ganz so gut wie die Rotweine, aber am Ende waren alle Gläser leer. Und ich kaufte eine Kiste (Rot-)Wein (Pinot Noir, der schmeckte uns noch besser als der gerühmte und noch schwerere "Grand Vin") als Urlaubsandenken. Vor der Einreise nach Botswana versteckten wir die einzelnen Flaschen in unserer Schmutzwäsche, denn pro Person darf man hier nur eine Flasche einführen. Kein Zöllner hat sie erschnüffelt!
Mit "Fat Bastard" und "Leopard's Leap" wird unsere Weinversuchsreihe möglicherweise noch nicht abgeschlossen sein. Im Liquor Store in Südafrika haben wir noch weitere Marken entdeckt, die wir mal probieren sollten: Flying Geese, Tall Giraffe, etc. Man braucht ja Kriterien zur Weinauswahl!
Mittwoch, 9. Mai 2018
Arts & Crafts
Vor ungefähr einem Jahr lernte ich eine Namensvetterin kennen, die ebenfalls aus Deutschland kommt. Sie hat bereits in verschiedenen afrikanischen Ländern gearbeitet, unter anderem in Botswana, wo es ihr sehr gefallen hat - so gut, dass sie beschlossen hat, ihren Ruhestand hier zu verbringen. Wally engagiert sich ehrenamtlich im einzigen Tierheim des Landes und erzählte mir, dass es bis 2014 einen jährlich stattfindenden Kunsthandwerksmarkt in Gaborone gegeben hätte, dessen Erlöse dorthin geflossen seien. Danach hätte das Event nicht mehr stattgefunden, weil der frühere Veranstaltungsort nicht mehr zur Verfügung gestanden hätte. Sie wollte es nun aber wiederbeleben und nachdem ich doch lange als Veranstaltungsmanagerin gearbeitet hätte, könnte ich doch vielleicht helfen ...
Getreu meines Mottos hier in Botswana, das sich mit "Why not?" zusammenfassen lässt, sagte ich zu. Besagter Kunsthandwerksmarkt findet nun nächste Woche Samstag statt, als Fundraising-Veranstaltung für das Tierheim und auf dem Gelände einer in Botswana neuen NGO, die sich damit erstmals der hiesigen Öffentlichkeit präsentiert. Nichtsdestotrotz liegt die Organisation des Ganzen vor allem bei Wally und mir, weswegen wir schon öfters mit "Hello Wallis" begrüßt wurden. Ich wurde auch schon gefragt, ob Walli ein besonders häufiger deutscher Vorname sei. Wir vermitteln einen völlig falschen Eindruck.
Auf dem Kunsthandwerksmarkt wird es neben verschiedenen Musik-, Tanz- und Theateraufführungen auch jede Menge Stände geben. Die angebotenen Produkte sollen in Botswana hergestellt worden sein bzw. "made and sold by the people in Botswana" wie es in unserem Einladungsbrief heißt. Vor zwei Wochen besuchten Wally und ich mal wieder den hier regelmäßig stattfindenden Farmer's Market und versuchten dort, eine Verkäuferin von Lederwaren für unseren Markt zu gewinnen. Nach einigen vagen Bermerkungen erzählte sie schließlich, sie käme ursprünglich aus Simbabwe und hielt das aufgrund unserer Einladung für ein Ausschlusskriterium. Wir wollen aber keine Ausländer ausschließen, sondern nur ausländische Produkte (in Botswana wird ja generell wahnsinnig viel aus Südafrika verkauft, das soll auf unserem Markt anders sein und ist damit auch eins seiner Alleinstellungsmerkmale). Als wir ihr sagten, es käme nur darauf an, dass sie ihre Taschen in Botswana produziere und ich hinzufügte, wir seien ja selbst Ausländer, drückte die Frau kurz meinen Arm. Ich kann es schwer beschreiben, aber irgendwie bedeutete es ihr etwas, dass ich sie und uns so gleichgesetzt hatte, und das rührte wiederum mich.
Generell hat das an der Marktorganisaton bisher den größten Spaß gemacht: Mit Leuten in Kontakt zu kommen, bei denen man sich sonst maximal nach dem Preis ihrer Waren erkundigt hätte. Zum Teil ist das in Kontakt kommen aber auch etwas mühsam. Wally und ich haben einige Marktleute von den Farmer's Markets angesprochen, aber unser Kunsthandwerksmarkt soll ja nicht nur ein müder Abklatsch davon sein. Es existierte noch eine alte Liste mit Kontaktdaten von Leuten, die an den früheren Kunsthandwerksmarkten teilgenommen haben. Diese haben wir angeschrieben bzw. angerufen. Einige Emailadressen fehlten, andere waren falsch und längst nicht jeder Botswaner hat überhaupt eine. Manche der Angerufenen baten mich, ihnen alle Infos per WhatsApp zu schicken. Andere hatten kein WhatsApp-fähiges Handy, gaben mir aber die Telefonnummern von Verwandten, die WhatsApp hatten und denen ich Nachrichten an sie schicken könnte. Bei einigen blieb nur SMS. Gerade letzte Woche sprach ich nochmal mit einer Künstlerin, die ich im Februar kennengelernt hatte. Im März hatte ich sie dann wegen des Marktes angerufen, sie hatte mir die WhatsApp-Nummer ihrer Tante gegeben, die Nachricht an diese war jedoch nie übermittelt worden ... wie dem auch sei, ich wollte Puni, die sich selbst als "Recyclist" bezeichnet, wirklich gerne dabei haben und erzählte ihr vor ein paar Tagen noch einmal alle bisher feststehenden Details zum Markt am Telefon. Sie war Feuer und Flamme; auch, als ich anbot, ihr die Eckdaten nochmal per SMS zu schicken, was ich dann auch gleich tat. Um so verwunderter war ich, als diese Woche die Absage kam: Sie würde es nicht schaffen, beim Markt dabei zu sein, da sie in dieser Zeit ein Baby erwarten würde. Zweifellos ein guter Grund für eine Absage, dennoch kam das für mich sehr überraschend, nachdem sie bis letzte Woche doch noch hatte teilnehmen wollen. Dass sie in einer guten Woche ein Kind erwartet, muss da doch eigentlich bereits absehbar gewesen sein ...
Aber es ist scheinbar auch etwas Kulturelles, dass man sich in jedem Fall höflich-interessiert bis begeistert gibt, wenn eine Idee an einen herangetragen wird. Bei meinen Akquisegesprächen war ich angenehm überrascht, wie freundlich die meisten auf mich unbekannte Anruferin reagierten. Die Kehrseite der Medaille: Nur weil jemand euphorisch die Marktidee lobt und sein Interesse bekundet, bedeutet das noch nicht, dass er wirklich dabei sein will. Es kann auch gut sein, dass er sich nie wieder meldet. Schon gar nicht um abzusagen.
Eine weitere Erfahrung: Langfristige Planung scheint hier unüblich. Nicht nur ein Ansprechpartner zeigte sich im März verwirrt, dass wir ihn jetzt schon kontaktierten, obwohl das Event erst zwei Monate später stattfinden sollte. Als ich Mitte April ein Marktplakat bei einer teilnehmenden Töpferei vorbeibrachte und dem Töpfer gleich auch noch auf einem Lageplan zeigte, wo wir seinen Stand positionieren wollten, meinte er hingerissen, das Ganze würde den Eindruck vermitteln, das Event sei übermorgen. Dieses Gespräch macht mir inzwischen Hoffnung, denn gefühlt ist der Markt jetzt langsam wirklich übermorgen und es gibt noch viel, viel zu tun. Nicht zuletzt auf dem Gelände, auf dem er stattfindet. Die Startschwierigkeiten der hochmotivierten NGO-Mitarbeiter darzulegen, würde hier viel zu weit führen, daher in aller Kürze: Als im Januar die Entscheidung fiel, den Markt auf ihrem Grundstück zu veranstalten, gab es dort viel Brachland, ein paar leere Gebäude, die zum Teil baufällig waren und jede Menge Pläne.
Wir sahen das Potential - und sehen es noch immer, quasi unverändert. Aus der hier gezeigten Perspektive hat sich seit Februar eigentlich gar nichts getan - außer, dass inzwischen stellenweise hohes Gras gewachsen ist, was irgendjemand noch mähen muss, bevor der Markt dort stattfinden kann (worüber sich alle Beteiligten einig sind - darüber, wer mäht und wer das bezahlt, herrscht dagegen leider Uneinigkeit). Dass längst nicht so viel passiert ist wie angedacht, liegt nicht an der Arbeit der NGO, sondern vor allem an den botswanischen Bürokratie-Mühlen, die sehr langsam mahlen. Auf diesem Foto sieht man sowohl die meisten Standplätze als auch die Außenbühne - Standplätze am Rand vor den Gebäuden, die Bühne als Freifläche in der Mitte. Ich habe heute Leute über das Gelände geführt, die auf dem Markt Kunst ausstellen wollen bzw. Chor-, Tanz- und Theaterauftritte planen. Enthusiastisch unsere Pläne darzulegen, während einem "Wie Sie sehen, sehen Sie nichts" im Kopf herumgeht, ist gar nicht so einfach.
Noch ist viel zu tun und zumindest bei uns Wallis wächst die Nervosität. Gefühlt gibt es viele Unwägbarkeiten und ich habe noch nie an einer Veranstaltung mitgeplant, bei der ich so viele Faktoren nicht beeinflussen konnte. Vor allem werde ich das blöde Gefühl nicht los, dass wir irgendwelche landestypischen Risiken aus Unwissenheit komplett vernachlässigen. Andererseits sind fünf Stunden Kunsthandwerksmarkt hoffentlich ein so kurzer Zeitraum, dass da gar nicht so viel schiefgehen kann. Oder doch? Ich werde in zwei Wochen berichten ...
Getreu meines Mottos hier in Botswana, das sich mit "Why not?" zusammenfassen lässt, sagte ich zu. Besagter Kunsthandwerksmarkt findet nun nächste Woche Samstag statt, als Fundraising-Veranstaltung für das Tierheim und auf dem Gelände einer in Botswana neuen NGO, die sich damit erstmals der hiesigen Öffentlichkeit präsentiert. Nichtsdestotrotz liegt die Organisation des Ganzen vor allem bei Wally und mir, weswegen wir schon öfters mit "Hello Wallis" begrüßt wurden. Ich wurde auch schon gefragt, ob Walli ein besonders häufiger deutscher Vorname sei. Wir vermitteln einen völlig falschen Eindruck.
Auf dem Kunsthandwerksmarkt wird es neben verschiedenen Musik-, Tanz- und Theateraufführungen auch jede Menge Stände geben. Die angebotenen Produkte sollen in Botswana hergestellt worden sein bzw. "made and sold by the people in Botswana" wie es in unserem Einladungsbrief heißt. Vor zwei Wochen besuchten Wally und ich mal wieder den hier regelmäßig stattfindenden Farmer's Market und versuchten dort, eine Verkäuferin von Lederwaren für unseren Markt zu gewinnen. Nach einigen vagen Bermerkungen erzählte sie schließlich, sie käme ursprünglich aus Simbabwe und hielt das aufgrund unserer Einladung für ein Ausschlusskriterium. Wir wollen aber keine Ausländer ausschließen, sondern nur ausländische Produkte (in Botswana wird ja generell wahnsinnig viel aus Südafrika verkauft, das soll auf unserem Markt anders sein und ist damit auch eins seiner Alleinstellungsmerkmale). Als wir ihr sagten, es käme nur darauf an, dass sie ihre Taschen in Botswana produziere und ich hinzufügte, wir seien ja selbst Ausländer, drückte die Frau kurz meinen Arm. Ich kann es schwer beschreiben, aber irgendwie bedeutete es ihr etwas, dass ich sie und uns so gleichgesetzt hatte, und das rührte wiederum mich.
Generell hat das an der Marktorganisaton bisher den größten Spaß gemacht: Mit Leuten in Kontakt zu kommen, bei denen man sich sonst maximal nach dem Preis ihrer Waren erkundigt hätte. Zum Teil ist das in Kontakt kommen aber auch etwas mühsam. Wally und ich haben einige Marktleute von den Farmer's Markets angesprochen, aber unser Kunsthandwerksmarkt soll ja nicht nur ein müder Abklatsch davon sein. Es existierte noch eine alte Liste mit Kontaktdaten von Leuten, die an den früheren Kunsthandwerksmarkten teilgenommen haben. Diese haben wir angeschrieben bzw. angerufen. Einige Emailadressen fehlten, andere waren falsch und längst nicht jeder Botswaner hat überhaupt eine. Manche der Angerufenen baten mich, ihnen alle Infos per WhatsApp zu schicken. Andere hatten kein WhatsApp-fähiges Handy, gaben mir aber die Telefonnummern von Verwandten, die WhatsApp hatten und denen ich Nachrichten an sie schicken könnte. Bei einigen blieb nur SMS. Gerade letzte Woche sprach ich nochmal mit einer Künstlerin, die ich im Februar kennengelernt hatte. Im März hatte ich sie dann wegen des Marktes angerufen, sie hatte mir die WhatsApp-Nummer ihrer Tante gegeben, die Nachricht an diese war jedoch nie übermittelt worden ... wie dem auch sei, ich wollte Puni, die sich selbst als "Recyclist" bezeichnet, wirklich gerne dabei haben und erzählte ihr vor ein paar Tagen noch einmal alle bisher feststehenden Details zum Markt am Telefon. Sie war Feuer und Flamme; auch, als ich anbot, ihr die Eckdaten nochmal per SMS zu schicken, was ich dann auch gleich tat. Um so verwunderter war ich, als diese Woche die Absage kam: Sie würde es nicht schaffen, beim Markt dabei zu sein, da sie in dieser Zeit ein Baby erwarten würde. Zweifellos ein guter Grund für eine Absage, dennoch kam das für mich sehr überraschend, nachdem sie bis letzte Woche doch noch hatte teilnehmen wollen. Dass sie in einer guten Woche ein Kind erwartet, muss da doch eigentlich bereits absehbar gewesen sein ...
Aber es ist scheinbar auch etwas Kulturelles, dass man sich in jedem Fall höflich-interessiert bis begeistert gibt, wenn eine Idee an einen herangetragen wird. Bei meinen Akquisegesprächen war ich angenehm überrascht, wie freundlich die meisten auf mich unbekannte Anruferin reagierten. Die Kehrseite der Medaille: Nur weil jemand euphorisch die Marktidee lobt und sein Interesse bekundet, bedeutet das noch nicht, dass er wirklich dabei sein will. Es kann auch gut sein, dass er sich nie wieder meldet. Schon gar nicht um abzusagen.
Eine weitere Erfahrung: Langfristige Planung scheint hier unüblich. Nicht nur ein Ansprechpartner zeigte sich im März verwirrt, dass wir ihn jetzt schon kontaktierten, obwohl das Event erst zwei Monate später stattfinden sollte. Als ich Mitte April ein Marktplakat bei einer teilnehmenden Töpferei vorbeibrachte und dem Töpfer gleich auch noch auf einem Lageplan zeigte, wo wir seinen Stand positionieren wollten, meinte er hingerissen, das Ganze würde den Eindruck vermitteln, das Event sei übermorgen. Dieses Gespräch macht mir inzwischen Hoffnung, denn gefühlt ist der Markt jetzt langsam wirklich übermorgen und es gibt noch viel, viel zu tun. Nicht zuletzt auf dem Gelände, auf dem er stattfindet. Die Startschwierigkeiten der hochmotivierten NGO-Mitarbeiter darzulegen, würde hier viel zu weit führen, daher in aller Kürze: Als im Januar die Entscheidung fiel, den Markt auf ihrem Grundstück zu veranstalten, gab es dort viel Brachland, ein paar leere Gebäude, die zum Teil baufällig waren und jede Menge Pläne.
Noch ist viel zu tun und zumindest bei uns Wallis wächst die Nervosität. Gefühlt gibt es viele Unwägbarkeiten und ich habe noch nie an einer Veranstaltung mitgeplant, bei der ich so viele Faktoren nicht beeinflussen konnte. Vor allem werde ich das blöde Gefühl nicht los, dass wir irgendwelche landestypischen Risiken aus Unwissenheit komplett vernachlässigen. Andererseits sind fünf Stunden Kunsthandwerksmarkt hoffentlich ein so kurzer Zeitraum, dass da gar nicht so viel schiefgehen kann. Oder doch? Ich werde in zwei Wochen berichten ...
Donnerstag, 3. Mai 2018
Die Gewissensfrage
Gibt es eigentlich noch „Die Gewissensfrage“ im Süddeutsche Zeitung Magazin? Seit wir im Ausland leben, kriege ich es leider nur noch äußerst selten in die Hand. Die Rubrik „Die Gewissensfrage“ habe ich immer gerne gelesen: Dr. Dr. Rainer Erlinger beantwortet dort Fragen nach dem moralisch richtigen Verhalten in bestimmten Situationen. Ich musste schon mehrmals feststellen, dass die moralische Lösung eines Problems nicht immer die ist, die mir am Gerechtesten, Praktikabelsten und Realistischsten erschien, aber das macht das Ganze ja nur interessanter.
Philip und ich haben gestern auch über eine Frage diskutiert. Um die Moral unseres Handelns ging es uns dabei weniger, dennoch überlegte ich, was eigentlich moralisch richtig wäre, nachdem wir uns so uneinig waren. Aber der Reihe nach.
Ich habe Philip gestern zum Flughafen gebracht, er flog auf Dienstreise nach Deutschland. Als ich nach Hause kam, funktionierte unser WLAN nicht. Das kam in letzter Zeit leider häufiger vor und löste sich meist von selbst, aber diesmal beschlich mich eine dunkle Vorahnung, die vermutlich damit zusammenhing, dass bei einer früheren Dienstreise von Philip mal der Strom ausfiel und ich einen halben Tag brauchte, um zu realisieren, dass es kein allgemeines Problem war, das sich von selbst lösen würde … wie dem auch sei: Nach meinen Erfahrungen schien es im Bereich des Möglichen, dass alles zusammenbrach, sobald Philip weg war. Murphy’s Law oder so. Ich beschloss, nicht abzuwarten, sondern unseren Internetprovider anzurufen. Dieser teilte mir dann mit, dass man uns vom Netz genommen hätte wegen nicht gezahlter Rechnungen. Huch!
Ich kenne dieses Land inzwischen ganz gut und Philip – der sich um die Bezahlung unseres Internetanschlusses kümmert – kenne ich natürlich noch um einiges besser. Also wurde ich ungehalten, rief, dass das ja wohl nicht wahr sein könne, dass es keinerlei Vorwarnung gegeben hätte und dass der einzig denkbare Grund, dass mein Mann die Rechnung nicht bezahlt hätte, der sein könnte, dass er gar keine erhalten hätte.
Der mit Botswana nicht vertraute Leser mag sich jetzt wundern, wie ich letzteres aus dem Stehgreif einfach mal behaupten konnte, aber wie gesagt: Das liegt daran, dass ich inzwischen über eine gewisse Erfahrung verfüge. Ich fahre zum Beispiel jeden Monat einmal ins Büro der Sicherheitsfirma, die für unser Alarmsystem zuständig ist. In der Regel mache ich das, nachdem sie Philip eine Rechnung gemailt haben und bezahle diese dann vor Ort. Die Rechnung kommt meistens, aber nicht immer. Mailen sie uns keine Rechnung, fahre ich hin und biete an, die monatlichen Kosten zu zahlen, wenn sie mir im Gegenzug die Rechnung ausdrucken. Das klappt ganz gut.
Einmal im Monat wird hier der Wasserzähler abgelesen. Die Water Utilities Corporation schafft es jedoch bekannterweise generell nicht, Rechnungen an ihre Kunden zu versenden. Für den Kunden ergeben sich daher zwei Möglichkeiten: Entweder man fährt immer mal wieder in deren Büro vorbei und erkundigt sich, was man denn bezahlen könnte, oder man bekommt irgendwann die Nachricht, dass einem das Wasser abgestellt wird, weil man nie vorbeigekommen ist, um zu bezahlen.
Dass unser Internetprovider uns gar keine Rechnung geschickt hatte, lag also im Bereich des Wahrscheinlichen. Der Mitarbeiter, der mit mir sprach, schien das genauso zu sehen (wobei es ihn nicht weiter bekümmerte). Er wies einen Kollegen an, die ausstehenden Rechnungen an Philip zu mailen.
Dass dieser Kollege Philip kommentarlos Rechnungen schicken wollte, dabei aber vergaß, diese anzuhängen, spielt eigentlich keine Rolle, verstärkte den Eindruck kompletter Inkompetenz jedoch noch. Das Problem blieb allerdings: Kein Internet. Ich kontaktierte Philip, der sich dann von seinem Zwischenstopp in Johannesburg meldete. Es stellte sich heraus, dass wir normalerweise alle drei Monate eine Rechnung von unserem Internetprovider bekommen, die letzte jedoch im Januar erhalten hatten.
Philip wurde ziemlich sauer. So sauer, dass er mir vorschlug, die Rechnungen Rechnungen sein zu lassen und den Provider zu wechseln. Dass unser Provider mal vergisst, uns eine Rechnung zu senden – okay. Dass sie uns dann aber das Netz abdrehen, ohne irgendeine Zahlungserinnerung/Vorwarnung – nicht akzeptabel.
Im Prinzip sah ich das genauso, wollte aber nicht den Anbieter wechseln, sondern am nächsten Morgen ins Büro unseres Providers fahren und die ausstehende Rechnung bezahlen, damit wir unverzüglich wieder funktionierendes WLAN hätten. Philip lehnte prinzipiell ab, diesem Unternehmen weiterhin Geld in den Rachen zu werfen, ich fand es im Großen und Ganzen jedoch gar nicht viel inkompetenter als andere Dienstleister, mit denen wir uns ja ebenfalls regelmäßig rumschlagen. Wie bereits erwähnt, frage ich bei der Sicherheitsfirma ja auch freundlich nach, wenn mal wieder keine Rechnung kommt, weil wir gerne mit der Hoffnung leben, dass Hilfe käme, falls wir mal den Emergency-Button drücken sollten … und erinnert sich noch jemand an die Polizei in Broadhurst, die eine Geldstrafe von mir wollte, mich aber dann nicht vor Ort bezahlen ließ, weil es auf der ganzen Station keinen Quittungsblock gab? Und an die inkompetenteste Einrichtung von allen, die Botswana Post?
Philip argumentierte, dass unsere Sicherheitsfirma eh ein Saftladen sei (was stimmt) und dass man von einem Internetanbieter mehr erwarten könne als von den genannten staatlichen, konkurrenzlosen Einrichtungen. Ich muss vielleicht zusätzlich noch erwähnen, dass Philip bisher auch beruflich unter der Inkompetenz unseres Providers litt (jetzt wechselt die GIZ allerdings gerade den Provider) und seine Verbitterung daher offensichtlich größer war als meine. Ich hätte ja auch gerne einen kompetenten Internetprovider gehabt, war aber durchaus bereit, meine Erwartungen nach unten zu korrigieren. Philip wollte der Firma ihr unprofessionelles Gebaren nicht durchgehen lassen. Ich wollte WLAN.
Was hätte Dr. Dr. Rainer Erlinger wohl zu diesem Konflikt gesagt? Philip wollte quasi ein Zeichen setzen, die Zeche prellen und Konsequenzen ziehen, ich wollte eine möglichst schnelle Beilegung des Konfliktes und wählte daher den Weg des geringsten Widerstandes. Ein Providerwechsel – nein danke. Wie viele internetlose Tage würde das wohl bedeuten?
Also fuhr ich heute in das Büro unseres Providers. Wo man mich mit nicht gezahlten Rechnungen überraschte, die zum Teil zwei Jahre alt waren. Wo ich länger rumdiskutierte, wie so etwas passieren könnte und das geduldig erklärt bekam. Und erkannte, dass das Vorgehen in den Augen der Mitarbeiter durchaus Sinn machte und „normal“ war. Unser Internetanbieter hat ein System. Ein grottiges System, aber eines, nachdem er im Rahmen seiner (beschränkten) Möglichkeiten mehr oder weniger gewissenhaft vorgeht. Den Mitarbeitern ist bekannt, dass das System fehleranfällig ist. Sie nehmen das aber als gegeben hin. Ich bekam eine Entschuldigung, die aber vermutlich vor allem meiner Hartnäckigkeit geschuldet war und der Tatsache, dass man mich dann irgendwann doch gerne wieder loswerden wollte. Und zahlte fast die komplette ausstehende Summe (wir reden hier von 330,- € - WLAN ist in diesem Land ein Luxusgut). Unser Internet wurde noch freigeschaltet, während ich in diesem Büro stand.
Diese Geschichte könnte hier enden. Sollte hier enden. Tut sie aber leider nicht. Nachdem ich zu Hause war, hatte ich maximal 20 Minuten Internet. Dann war es weg. Und ich rief unseren Provider an, der mir versicherte, dass sie uns nicht schon wieder vom Netz genommen hätten, es gäbe ein generelles technisches Problem. Das sei bald gelöst. Bereits bei meinem nächsten Anruf (eine halbe Stunde später) war von einem Stromausfall die Rede. Bis 18 Uhr hätte man das aber im Griff. Als ich 18:15 Uhr wieder anrief, gestand mir schließlich eine Mitarbeiterin, dass das Problem erst morgen früh gelöst werden könne. Unser Internetprovider hat seine Technik in irgendeinem Gebäude im Gaborone International Commerce Park. Und dort ist ihm der Strom ausgegangen. Heißt: Irgendein Depp hat vergessen, den pre-paid Strom nachzukaufen. Heute Abend ist das Gebäude aber bereits geschlossen und es besteht keine Möglichkeit mehr, den Stromzähler aufzuladen. Deswegen muss das bis morgen warten.
Ich fasse zusammen: Ich wähnte mich insgeheim moralisch auf der richtigen Seite, habe mich von einer Firma, die der Botswana Post gerade den Rang des inkompetentesten Unternehmens unter der Sonne abläuft, quasi Weihnachtsgans-mäßig ausnehmen lassen und stehe nach wie vor ohne Internet da. (Dieser Blogbeitrag wird mit mobilen Daten hochgeladen.) Läuft bei mir. Mein Interesse an moralischen Antworten von Dr. Dr. Erlinger ist spätestens jetzt auf null gesunken und meine Schwiegermutter hat mir gerade per WhatsApp den Rat gegeben, zum Alkohol zu greifen, was, wenn ich den Verlauf der letzten Stunden so überdenke, vermutlich die beste Idee des Tages ist. Prost!
Philip und ich haben gestern auch über eine Frage diskutiert. Um die Moral unseres Handelns ging es uns dabei weniger, dennoch überlegte ich, was eigentlich moralisch richtig wäre, nachdem wir uns so uneinig waren. Aber der Reihe nach.
Ich habe Philip gestern zum Flughafen gebracht, er flog auf Dienstreise nach Deutschland. Als ich nach Hause kam, funktionierte unser WLAN nicht. Das kam in letzter Zeit leider häufiger vor und löste sich meist von selbst, aber diesmal beschlich mich eine dunkle Vorahnung, die vermutlich damit zusammenhing, dass bei einer früheren Dienstreise von Philip mal der Strom ausfiel und ich einen halben Tag brauchte, um zu realisieren, dass es kein allgemeines Problem war, das sich von selbst lösen würde … wie dem auch sei: Nach meinen Erfahrungen schien es im Bereich des Möglichen, dass alles zusammenbrach, sobald Philip weg war. Murphy’s Law oder so. Ich beschloss, nicht abzuwarten, sondern unseren Internetprovider anzurufen. Dieser teilte mir dann mit, dass man uns vom Netz genommen hätte wegen nicht gezahlter Rechnungen. Huch!
Ich kenne dieses Land inzwischen ganz gut und Philip – der sich um die Bezahlung unseres Internetanschlusses kümmert – kenne ich natürlich noch um einiges besser. Also wurde ich ungehalten, rief, dass das ja wohl nicht wahr sein könne, dass es keinerlei Vorwarnung gegeben hätte und dass der einzig denkbare Grund, dass mein Mann die Rechnung nicht bezahlt hätte, der sein könnte, dass er gar keine erhalten hätte.
Der mit Botswana nicht vertraute Leser mag sich jetzt wundern, wie ich letzteres aus dem Stehgreif einfach mal behaupten konnte, aber wie gesagt: Das liegt daran, dass ich inzwischen über eine gewisse Erfahrung verfüge. Ich fahre zum Beispiel jeden Monat einmal ins Büro der Sicherheitsfirma, die für unser Alarmsystem zuständig ist. In der Regel mache ich das, nachdem sie Philip eine Rechnung gemailt haben und bezahle diese dann vor Ort. Die Rechnung kommt meistens, aber nicht immer. Mailen sie uns keine Rechnung, fahre ich hin und biete an, die monatlichen Kosten zu zahlen, wenn sie mir im Gegenzug die Rechnung ausdrucken. Das klappt ganz gut.
Einmal im Monat wird hier der Wasserzähler abgelesen. Die Water Utilities Corporation schafft es jedoch bekannterweise generell nicht, Rechnungen an ihre Kunden zu versenden. Für den Kunden ergeben sich daher zwei Möglichkeiten: Entweder man fährt immer mal wieder in deren Büro vorbei und erkundigt sich, was man denn bezahlen könnte, oder man bekommt irgendwann die Nachricht, dass einem das Wasser abgestellt wird, weil man nie vorbeigekommen ist, um zu bezahlen.
Dass unser Internetprovider uns gar keine Rechnung geschickt hatte, lag also im Bereich des Wahrscheinlichen. Der Mitarbeiter, der mit mir sprach, schien das genauso zu sehen (wobei es ihn nicht weiter bekümmerte). Er wies einen Kollegen an, die ausstehenden Rechnungen an Philip zu mailen.
Dass dieser Kollege Philip kommentarlos Rechnungen schicken wollte, dabei aber vergaß, diese anzuhängen, spielt eigentlich keine Rolle, verstärkte den Eindruck kompletter Inkompetenz jedoch noch. Das Problem blieb allerdings: Kein Internet. Ich kontaktierte Philip, der sich dann von seinem Zwischenstopp in Johannesburg meldete. Es stellte sich heraus, dass wir normalerweise alle drei Monate eine Rechnung von unserem Internetprovider bekommen, die letzte jedoch im Januar erhalten hatten.
Philip wurde ziemlich sauer. So sauer, dass er mir vorschlug, die Rechnungen Rechnungen sein zu lassen und den Provider zu wechseln. Dass unser Provider mal vergisst, uns eine Rechnung zu senden – okay. Dass sie uns dann aber das Netz abdrehen, ohne irgendeine Zahlungserinnerung/Vorwarnung – nicht akzeptabel.
Im Prinzip sah ich das genauso, wollte aber nicht den Anbieter wechseln, sondern am nächsten Morgen ins Büro unseres Providers fahren und die ausstehende Rechnung bezahlen, damit wir unverzüglich wieder funktionierendes WLAN hätten. Philip lehnte prinzipiell ab, diesem Unternehmen weiterhin Geld in den Rachen zu werfen, ich fand es im Großen und Ganzen jedoch gar nicht viel inkompetenter als andere Dienstleister, mit denen wir uns ja ebenfalls regelmäßig rumschlagen. Wie bereits erwähnt, frage ich bei der Sicherheitsfirma ja auch freundlich nach, wenn mal wieder keine Rechnung kommt, weil wir gerne mit der Hoffnung leben, dass Hilfe käme, falls wir mal den Emergency-Button drücken sollten … und erinnert sich noch jemand an die Polizei in Broadhurst, die eine Geldstrafe von mir wollte, mich aber dann nicht vor Ort bezahlen ließ, weil es auf der ganzen Station keinen Quittungsblock gab? Und an die inkompetenteste Einrichtung von allen, die Botswana Post?
Philip argumentierte, dass unsere Sicherheitsfirma eh ein Saftladen sei (was stimmt) und dass man von einem Internetanbieter mehr erwarten könne als von den genannten staatlichen, konkurrenzlosen Einrichtungen. Ich muss vielleicht zusätzlich noch erwähnen, dass Philip bisher auch beruflich unter der Inkompetenz unseres Providers litt (jetzt wechselt die GIZ allerdings gerade den Provider) und seine Verbitterung daher offensichtlich größer war als meine. Ich hätte ja auch gerne einen kompetenten Internetprovider gehabt, war aber durchaus bereit, meine Erwartungen nach unten zu korrigieren. Philip wollte der Firma ihr unprofessionelles Gebaren nicht durchgehen lassen. Ich wollte WLAN.
Was hätte Dr. Dr. Rainer Erlinger wohl zu diesem Konflikt gesagt? Philip wollte quasi ein Zeichen setzen, die Zeche prellen und Konsequenzen ziehen, ich wollte eine möglichst schnelle Beilegung des Konfliktes und wählte daher den Weg des geringsten Widerstandes. Ein Providerwechsel – nein danke. Wie viele internetlose Tage würde das wohl bedeuten?
Also fuhr ich heute in das Büro unseres Providers. Wo man mich mit nicht gezahlten Rechnungen überraschte, die zum Teil zwei Jahre alt waren. Wo ich länger rumdiskutierte, wie so etwas passieren könnte und das geduldig erklärt bekam. Und erkannte, dass das Vorgehen in den Augen der Mitarbeiter durchaus Sinn machte und „normal“ war. Unser Internetanbieter hat ein System. Ein grottiges System, aber eines, nachdem er im Rahmen seiner (beschränkten) Möglichkeiten mehr oder weniger gewissenhaft vorgeht. Den Mitarbeitern ist bekannt, dass das System fehleranfällig ist. Sie nehmen das aber als gegeben hin. Ich bekam eine Entschuldigung, die aber vermutlich vor allem meiner Hartnäckigkeit geschuldet war und der Tatsache, dass man mich dann irgendwann doch gerne wieder loswerden wollte. Und zahlte fast die komplette ausstehende Summe (wir reden hier von 330,- € - WLAN ist in diesem Land ein Luxusgut). Unser Internet wurde noch freigeschaltet, während ich in diesem Büro stand.
Diese Geschichte könnte hier enden. Sollte hier enden. Tut sie aber leider nicht. Nachdem ich zu Hause war, hatte ich maximal 20 Minuten Internet. Dann war es weg. Und ich rief unseren Provider an, der mir versicherte, dass sie uns nicht schon wieder vom Netz genommen hätten, es gäbe ein generelles technisches Problem. Das sei bald gelöst. Bereits bei meinem nächsten Anruf (eine halbe Stunde später) war von einem Stromausfall die Rede. Bis 18 Uhr hätte man das aber im Griff. Als ich 18:15 Uhr wieder anrief, gestand mir schließlich eine Mitarbeiterin, dass das Problem erst morgen früh gelöst werden könne. Unser Internetprovider hat seine Technik in irgendeinem Gebäude im Gaborone International Commerce Park. Und dort ist ihm der Strom ausgegangen. Heißt: Irgendein Depp hat vergessen, den pre-paid Strom nachzukaufen. Heute Abend ist das Gebäude aber bereits geschlossen und es besteht keine Möglichkeit mehr, den Stromzähler aufzuladen. Deswegen muss das bis morgen warten.
Ich fasse zusammen: Ich wähnte mich insgeheim moralisch auf der richtigen Seite, habe mich von einer Firma, die der Botswana Post gerade den Rang des inkompetentesten Unternehmens unter der Sonne abläuft, quasi Weihnachtsgans-mäßig ausnehmen lassen und stehe nach wie vor ohne Internet da. (Dieser Blogbeitrag wird mit mobilen Daten hochgeladen.) Läuft bei mir. Mein Interesse an moralischen Antworten von Dr. Dr. Erlinger ist spätestens jetzt auf null gesunken und meine Schwiegermutter hat mir gerade per WhatsApp den Rat gegeben, zum Alkohol zu greifen, was, wenn ich den Verlauf der letzten Stunden so überdenke, vermutlich die beste Idee des Tages ist. Prost!
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