Sonntag, 24. Juli 2016

Fast alpine Kraxeleien

Philip wollte schon länger einmal auf den Kgale Hill steigen, den 1.300 m hohen Hausberg von Gaborone, der sich am Rande unseres Viertels Kgale View erhebt. Ausgebremst wurde er durch mich, nachdem er mir bereits an meinem Ankunftswochenende erzählte, dass man dann aber keinerlei Wertsachen mitnehmen dürfte und laut der giz-Sicherheitsbeauftragten auch nur hochlaufen sollte, wenn auf dem Parkplatz schon andere Autos stehen würden. Es würde wohl ab und zu zu Überfällen kommen. Meine Wanderlust hatte das deutlich gemindert, aber nachdem wir an diesem Wochenende keine größeren Pläne hatten und nun während der Wintermonate eigentlich die ideale Jahreszeit ist, den Kgale Hill zu erklimmen, haben wir uns heute doch mal auf den Weg gemacht. Philip steckte noch 200 Pula (ca. 17,- €) ein, damit eventuelle Räuber nicht zu frustriert wären, ansonsten ließen wir - außer einem kleinen Fotoapparat - alle Wertsachen zu Hause und hatten so noch nicht mal eine Armbanduhr dabei.


Auf dem Parkplatz standen viele Autos, wir konnten es also wagen. Schon auf den ersten Metern kam uns eine Familie entgegen, die uns bestätigte, auf dem richtigen Weg zu sein. Erst einmal ging es an einem Zaun entlang, rechts von uns im Gebüsch fraßen ein paar Kühe an Dornensträuchern und mindestens eine hatte eine Glocke um den Hals - das Gebimmel gab dem Ganzen etwas Alpenflair. Zu sehen gabe es allerdings Felsen und Dornenbüsche statt Almen und Bäume. Der Weg wurde schnell etwas steiler und vor allem sehr steinig - das wirkte nun wieder fast alpin auf uns.


Bald waren wir auf einem ersten Hügel, auf dem wir der Tatsache ins Auge sehen mussten, dass es nun erstmal abwärts gehen würde, bevor wir den eigentlichen Kgale Hill besteigen würden. Also stiegen wir wieder etwas hinab. Entgegenkommende Frauen bestätigten uns aber, dass unser Abstieg eigentlich der Aufstieg sei, wir trafen noch weitere Wanderer, begannen wieder, aufwärts zu kraxeln und kamen schließlich sogar an eine teilweise geteerte Straße, die uns schließlich auf ein großes Plateau führte. Wir waren fast oben!
Auf dem Kgale Hill sind verschiedenste Antennen befestigt; dieser Bereich ist umzäunt. Philip wollte trotzdem die Stelle mit dem schönsten Blick auf Gaborone finden und so kletterten wir einmal um die Umzäunung herum. Ich beschloss schließlich, einem Graffiti zu glauben, dass "Stop here! It's overrated" verkündete. Philip dagegen kraxelte noch ein paar Meter weiter, bis zu einem Wegweiser, der quasi das Gipfelkreuz ersetzte und verkündete, dass Peking 12.758 km entfernt sei. Wer hätte diese Erkenntnis da oben erwartet!


Ein schöner Ausblick über Gaborone bot sich von dort: im linken Bildteil unser - recht grünes - Viertel Kgale View (sogar das grüne Dach unseres Hauses konnten wir identifizieren); in der Bildmitte das Shoppingcenter Game City mit seinem großen Parkplatz, weiter entfernt die etwas höheren Häuser des "Central Business District". In der rechten Bildhälfte ein Gewerbepark und dann natürlich noch der Stausee Gaborone Dam, an dem wir neulich den Gaborone Yacht Club angesehen hatten.

Wieder zurück auf dem Plateau sahen wir, dass alle anderen Wanderer inzwischen den Abstieg begonnen hatten und machten uns auch auf den Weg - die Sonne war schon tiefer gesunken. Wir hatten kein richtiges Zeitgefühl, wollten aber gerne vor Einbruch der Dämmerung unten sein und schafften das auch gut. Tatsächlich kamen uns auf dem Rückweg noch einige Leute entgegen, die vermutlich den Sonnenuntergang von oben anschauen wollten. Überfallen wollte uns aber niemand. Somit war unsere kleine Bergtour sehr schön und wird wiederholt werden!

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