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Mittwoch, 28. November 2018

Alles für die Kultur

Ich wollte diesen Blogbeitrag über das Programm der deutschen Kulturdelegation bereits am vergangenen Dienstag beginnen. Der aufmerksame Blogleser wird sich vielleicht erinnern, dass der deutsche Bundespräsident - mit genannter Delegation - erst einen Tag später in Gaborone gelandet ist, doch Material hatte ich bereits genug, bevor das Regierungsflugzeug auch nur im Anflug war. Selbst einen Titel hatte ich schon: "Einmal mit Profis arbeiten". Aber Philip meinte - zu Recht -, dass ich nicht schon vor dem eigentlichen Event darüber schreiben sollte, und dieses stellte die Vorbereitungen dann zum Glück auch schnell in den Schatten. Daher hier so kurz, wie es mir möglich ist, die Vorgeschichte:

Die deutsche Botschaft hatte mich gebeten, die den Bundespräsidenten begleitende dreiköpfige Kulturdelegation während ihres Gaborone-Besuchs zu betreuen und außerdem ein kurzes Nachmittagsprogramm für sie zusammenzustellen. Die Kulturdelegation bestand aus der deutsch-südafrikanischen Schauspielerin Thandi Sebe, dem Regisseur und Produzenten Sönke Wortmann und Thomas Krüger, dem Präsidenten der Bundeszentrale für politische Bildung. Mein Ansprechpartner von der Botschaft bat mich, den Besuchern das Thapong Center for Visual Arts zu zeigen. Danach sollte noch ein Gespräch mit botswanischen Kulturschaffenden im anliegenden Café stattfinden. Ich besprach die Details mit dem tiefenentspannten Center-Koordinator und fragte den Theaterleiter Gaborones, eine Schauspielerin und zwei Filmproduzenten an. Nach einigem Hin und Her lagen mir dann irgendwann alle vier Zusagen vor. Am Montag, zwei Tage vor dem eigentlichen Event, reservierte ich im Café einen Tisch für die Diskussion und hatte danach noch einmal einen Termin beim Center-Koordinator, dem ich meinen finalen Ablaufplan vorlegen wollte (an meine ehemaligen Kollegen: Ich hatte quasi die fertige Checkliste dabei!). Meine Vorbereitungen waren abgeschlossen - dachte ich. Beim Center-Koordinator hatten sich allerdings just an diesem Morgen drei Damen vom Ministerium für Jugend, Sport und Kultur gemeldet, die dann plötzlich auch alle zu unserem Termin auftauchten. Sie waren im Vorfeld mehrmals von der deutschen Botschaft kontaktiert worden, in der Hoffnung, dass auch vom botswanischen Ministerium noch ein Gesprächspartner zur Diskussion kommen könnte. Da die Botschaft aber nie eine Antwort erhalten hatte, hatten mein Ansprechpartner und ich daraus geschlossen, das kein Interesse bestünde. Das Ministerium hatte jedoch still und heimlich weitere Gäste zu MEINER Diskussion eingeladen, die inzwischen auch alle zugesagt hatten - zehn Leute, allein sieben davon weitere Filmregisseure! (Wer hätte gedacht, dass es in Botswana so viele Filmregisseure gibt?) Drei Deutsche und vierzehn Botswaner - würde (in der einen dafür vorgesehen Stunde) überhaupt ein richtiges Gespräch zustande kommen können? Die Ministeriumsdamen waren zwar betrübt über den "communication breakdown" (ein schöner Euphemismus dafür, dass sie nie auf Mails reagiert hatten), hatten aber sonst keine größeren Bedenken, sie interessierten sich vielmehr für meine Person und Funktion, die ich - schon aus Ermangelung einer Arbeitserlaubnis - möglichst runterspielte. Die größten Bedenken meines Center-Koordinators waren, ob die deutsche Botschaft wohl auch für 20 Leute Kaffee und Kuchen sponsorn würde. Er und ich diskutierten während der folgenden 48 Stunden noch mehrmals telefonisch und per WhatsApp, ob das Gespräch mit so vielen Leuten überhaupt noch im Café stattfinden könnte. Ich war nicht glücklich. Mein Ansprechpartner bei der Botschaft übrigens auch nicht, aber trotz seiner Versuche von offizieller Seite ließen sich die Ministeriumsgäste nicht mehr ausladen.

Tja, und dann war der Mittwoch da. Wie Philip bereits beschrieben hat, fuhren wir in einer Minibus- und Limousinen-Kolonne zum Flughafen. Die Kulturdelegation hatte einen eigenen Bus mit Fahrer, in den ich sie nach Landung und Nationalhymnen schnellstmöglich lotste. Meine drei Gäste wirkten bereits auf den ersten Blick sehr nett und umgänglich und waren es auch, obwohl ich sie gleich nach ihrer Ankunft schon enttäuschen musste: So ziemlich ihre erste Frage galt dem WLAN, das es in unserem Delegationsbus aber nicht gab. Beim Staatsbankett war immerhin welches empfangbar, einer meiner Gäste hatte jedoch kein Tischkärtchen (wodurch wir seinen Platz erst einmal nicht fanden) und vergaß später seine Brille, die ich aber noch schnell holen konnte. Noch vor dem Nachtisch verließen die Präsidenten und damit auch wir das Staatsbankett, kamen jedoch trotzdem eine halbe Stunde zu spät zum Thapong Visual Arts Centre - der Zeitplan war einfach viel zu eng (und vor den Präsidenten hatte natürlich auch niemand den Saal zu verlassen). Und so waren wir zu spät, während alle Diskussionsteilnehmer tatsächlich pünktlich vor Ort waren - in den Tagen vor der Veranstaltung hatte ich stets befürchtet, dass es umgekehrt sein würde. Wir wurden herzlich begrüßt, durch die Ausstellung geführt und ich staunte, dass das Center viel geschäftsmäßiger und lebendiger wirkte als sonst - der mir sonst unbeeindruckte und tiefenentspannte erscheinende Korrdinator hatte kurz vor dem Event offensichtlich mehr Ehrgeiz entwickelt, als ich es während unserer Gespräche für möglich gehalten hätte.



Auch das Café war bestens vorbereitet und exklusiv für uns geöffnet. Ich stellte fest, dass wir jetzt sogar 25 statt 20 Leute waren, ergab mich meinem Schicksal, zahlte im Vorfeld und gab auch noch stattliche 200 Pula Trinkgeld (ca. 16,- €) - eine lohnende Investition: Die Cafémitarbeiter waren wahnsinnig aufmerksam und sehr bemüht, alles zu meiner Zufriedenheit zu regeln. Wie auch mein Center-Koordinator, der mir vorschlug, dass er einen Moderator aussuchen könnte, der seine Sache - vom traditionellen Anfangsgebet bis hin zum Schlusswort - ganz großartig machte. Die drei Damen vom Ministerium waren nicht anwesend. Sie hatten zwar Kollegen geschickt, diese hielten sich jedoch angenehmerweise im Hintergrund, nachdem sie mich begrüßt hatten.
Wie schon beim Staatsbankett hatten sich Teile meiner Delegation auch hier erstmal das WLAN-Passwort von mir besorgen lassen, aber ihre Handynutzung mussten sie nun doch reduzieren, denn jetzt waren alle 22 Augenpaare auf die drei gerichtet. Nachdem Thandi Sebe als quasi-einheimische Schwester sehr lieb begrüßt wurde (obwohl sie noch nie in ihrem Leben in Botswana gewesen war), gingen die Fragen zu deutscher Filmförderung, Finanzierung etc. los. Es war weniger Dialog als mehr ein Hilfeersuchen an die deutschen Gäste, aber die kamen so immerhin mal richtig mit Land und Leuten in Kontakt und ließen sich zu meiner Begeisterung und Erleichterung auch komplett auf die Diskussion ein.


Da sie kaum zu Atem kamen, versorgte ich die drei nach pantomimischer Rücksprache mit Kaffee und Kuchen, schaute schließlich, ob unser Bus bereit stand, gab dem Center-Koordinator ein Zeichen, sprach ein paar Dankesworte, empfahl, auf Kosten der Botschaft das Kuchenbüffet weiter zu genießen, wurde von den botswanischen Diskussionsteilnehmern gebeten, für den nächsten Kulturdelegationsbesuch doch besser zwei Tage als nur eineinhalb Stunden einzuplanen ... und dann verschwanden wir schon wieder. Diesmal ging es zum Hotel, wo meine Delegationsmitglieder eincheckten und ich einmal tief durchatmete und realisierte: Es hatte alles geklappt!

Meine Kulturdelegation und ich blieben auch während des restlichen Staatsbesuchs noch zusammen, es gab jedoch kein weiteres Extraprogramm. An diesem Nachmittag brausten wir noch mit der gesamten Kolonne, Polizei und Blaulicht durch die Gaboroner Rush Hour (wobei unser Minibus der letzte war, der - mit ca. 90 Sachen innerstädtisch - noch mit der restlichen Kolonne mithielt; Wi1 und Wi2 - die Busse der Wirtschaftsdelegation, in einem davon saß Philip - hängten wir gnadenlos ab). Die am Delegationsabend in Mokolodi spielende Marimba-Band begeisterte einen meiner Gäste so sehr, dass ich den Bandleader ansprach und für den nächsten Morgen noch zwei CDs ins Hotel organisieren konnte. Ich bekam zwei Kino-Freikarten, die ich hoffentlich bei unserem Weihnachtsurlaub in Deutschland noch einlösen kann und auch sonst lief alles prima. Einen kleinen Nervenkitzel gab es noch, als der Shuttle für Thandi Sebe nicht wie erwartet bereitstand - sie flog nicht mit der Regierungsmaschine nach Berlin, sondern zwei Stunden später zurück nach Südafrika - aber auch das ließ sich noch so schnell lösen, dass ich in letzter Sekunde zu meiner verbleibenden Delegation in den Bus hüpfen konnte, bevor es zum Flughafen ging. 24 Stunden, die extrem schnell vorbeigingen - am Abend danach war ich um 20 Uhr im Bett. Aber im Nachhinein kann ich sagen: Dieses Erlebnis war jeglichen Stress im Vorfeld wert. Wie cool, dass ich dabei sein dürfte!

Montag, 26. November 2018

Wir machen Staatsbesuch

Man könnte meinen, dass sich bei uns nun alles um den bevorstehenden Abschied dreht, doch dem ist nicht so, im Gegenteil: In der vergangenen Woche hatten wir wohl eines der Highlights unserer gesamten Zeit hier. Der deutsche Bundespräsident kam zum Staatsbesuch nach Botswana, und wir waren mittendrin statt nur dabei. Dieser Staatsbesuch war doch etwas größer als der Arbeitsbesuch des BMZ-Ministers Müller Ende August. Herr Steinmeier kam mit einer Delegation von ca. 60 Leuten, Walli organisierte die Kulturdelegation ganz allein, ich hatte die Wirtschaftsdelegation an der Backe (letzteres immerhin zusammen mit einem Kollegen aus der Botschaft). Der Hochzeitsanzug wurde aus dem Schrank geholt!
Mit den Mitarbeitern der deutschen Botschaft trafen wir uns letzten Mittwochmorgen um 8 Uhr am Hotel, in dem die Delegation später eincheckte, trafen letzte Absprachen, teilten die Busse ein, etc. Der Fahrer "meines" Busses erschien nicht nur zu spät, sondern auch in Unterhemd und Flipflops; ihn schickten wir erst einmal zum Umziehen. Dann ging es frühzeitig zum Flughafen - nein, nicht zu dem Teil für Normalsterbliche, den wir mittlerweile gut kennen, sondern zum VIP-Terminal daneben. In diesem warteten wir zwei Stunden, bis die Delegation aus Südafrika eingeflogen kam. Eigentlich besteht Gaborones VIP-Terminal nur aus einer Lounge mit schweren Sesseln bzw. Couchgarnituren. Während wir dort saßen, lief nach und nach die Prominenz auf: Einige Militärs in Ausgehuniform, später die botswanischen Minister, dann auch Teile des "diplomatischen Korps", sprich die Botschafter anderer Länder oder ihrer Stellvertreter. Schließlich entstiegen auch der botswanische Präsident Masisi und seine Frau einer Limousine. Wir fühlten uns jetzt schon wichtig.


Der Flieger der deutschen Flugbereitschaft, ein A340 (solche große Flugzeuge sieht man an unserem Flughafen sonst eigentlich nicht), landete gegen 11:45 Uhr, der rote Teppich wurde ausgerollt (bzw. die letzten Meter zur Treppe gerollt), wir hasteten zur hinteren Treppe, nahmen die Mitglieder "unserer" Delegationen in Empfang und führten sie zum Rand des Rollfelds.



In der Zwischenzeit starteten die militärischen Ehren: 21 Kanonenschüsse, das Abschreiten der Formation, eine Militärkapelle spielte die botswanische und die deutsche Nationalhymne. Wir schauten noch kurz zu, hasteten jedoch aufgrund des engen Zeitplans noch vor dem Auftritt der traditionellen Tanzgruppe zu den Bussen und stiegen ein (gemäß eines genauen Plans, wer in welchen Bus mit wem!), damit alle Wagen abfahrtsbereit sein würde, sobald die Präsidenten mit der Zeremonie fertig sein wären. Mit Blaulicht in langer Kolonne ging es durch die Stadt, überall stand der Verkehr still, bis wir durch waren. So schnell sind wir selten von einem Ort zum anderen gekommen!
Erster Programmpunkt war ein Staatsbankett, man macht so etwas ja nicht jeden Tag mit, insofern eine spannende Angelegenheit für uns: 330 Plätze an runden Tischen im größten Saal des Kongresszentrums Gaborones, in der Mitte die Präsidenten mit Ehefrauen. Nationalhymnen, Rede des botswanischen Vizepräsidenten (Präsident Masisi ließ sich wegen erkältungsbedingter Heiserkeit als Redner entschuldigen), Rede des deutschen Präsidenten (in exzellentem Englisch!), dann wurde das Essen serviert.


Unser Tisch war leider halb leer, was die Konversation etwas erschwerte. Im Hintergrund spielte eine botswanische Blaskappelle Stücke wie "An der blauen Donau" oder den "Radetzky-Marsch" (letzteren assoziiert Walli mit einer Bonduelle-Werbung von 1985, das war wohl musikalische Früherziehung!). Waren wir noch in Botswana? Nein, wir waren auf Staatsbesuch!
Nachmittags begleiteten wir unsere Delegationen zu ihren Terminen, abends trafen wir uns in im Mokolodi Game Reserve wieder. Dort wurden wir zum Konferenzzentrum World's View geshuttelt, wo uns eine Marimba-Band begrüßte. Es war der interne Delegationsabend, dem wir (jetzt als Delegationsmitglieder) beiwohnen durften. Die Stimmung war gut, Herr Steinmeier sprach mit meiner Wirtschaftsdelegation über eine Stunde lang, so dass die Delegationsmitglieder anschließend sehr glücklich waren.


Tag 2 begann wieder mit einem Termin der Wirtschaftsdelegation, dann fuhren wir zum Hauptprogramm mit Herrn Steinmeier, der ein Berufsbildungsprojekt einweihen sollte. Wir waren planmäßig etwas früher dort, und es zeigte sich, dass Delegationsbegleitung durchaus aus mehr besteht, als die Bespaßung der Delegationsmitglieder. In letzter Minute entdeckten wir z.B. noch diese deutsche Fahne, die etwas Korrektur bedurfte.


Von dort ging es wieder mit Blaulicht durch die Stadt zurück zum Flughafen: Salutschüsse, Nationalhymnen, die Delegationen Richtung Hintereingang des Flugzeugs bugsieren. Atem anhalten: Das Flugzeug hatte bereits in Südafrika Startprobleme, man hatte kurzfristig über die Landgrenze noch technisches Equipment geholt, Botschaftsmitarbeiter mussten noch morgens schnell zur Grenze eilen, um mit der Entzollung zu helfen. Und dann ging doch alles gut: Die Türen schlossen sich, die Maschine wurde startklar gemacht, fing langsam an zu rollen bis ans eine Ende der Startbahn, nahm lange Anlauf und entschwebte über dem Himmel von Gaborone. Wir blieben zurück, und hatten als Abschiedsgeschenk einen ordentlichen Sonnenbrand im Gesicht bekommen. 24 Stunden lagen hinter uns, intensiv waren sie, und wir dürften uns wichtig fühlen, waren wir doch nah "an der Macht" und mittendrin als Teil der Delegation des Staatsbesuchs. Spannend!


Freitag, 19. Oktober 2018

Ungewohnte Klänge

Ein klassisches Konzert in Gaborone zu besuchen - das ist nur alle Jubeljahre möglich. Olga, die Mutter meiner serbischen Deutschschülerinnen, die inzwischen ebenfalls Deutschunterricht bei mir nimmt, ist Pianistin und erzählte mir wehmütig, dass sie früher in Serbien fast jeden Abend ein Konzert besucht hat (wenn sie nicht selbst auftrat). Und so war sie es auch, die mir Ende September ein Programmheft WhatsAppte, mit den Terminen der Konzerte, die das Landesjugendorchester Rheinland-Pfalz im Oktober im südlichen Afrika geben würde - unter anderem in Gaborone! Philip hatte auch schon davon gehört - generell sprach sich der geplante Auftritt vor allem in der deutschen Community natürlich schnell rum. Und so saßen am 6.10. insgesamt vermutlich mehr Deutsche als Botswaner im Maitisong Theatre, der Schulaula der Maruapula Schule, die für Auftritte aller Art genutzt wird.

Die Bühne war fast zu klein für das Landesjugendorchester mit 65 Musikanten, die Zuschauerreihen aber nur locker gefüllt, wobei es eine für hiesige Verhältnisse trotzdem recht gut besuchte Veranstaltung war. Wie immer gab es freie Platzwahl und wir erwischten mühelos gute Plätze in den vorderen Reihen, von denen wir einen grandiosen Blick hatten. Und grandios war dann auch das Konzert, vor allem zu Beginn hatte ich Gänsehaut. Nach der Begrüßung wurden wir gebeten, für die Nationalhymne Botswanas aufzustehen - und dann wurde diese vom Landesjugendorchester Rheinland-Pfalz gespielt, während die Gaborone Youth Singers, ein über dreißigstimmiger Chor, dazu sangen. Im Anschluss erklang dann die deutsche Hymne, die der botswanische Chor, von dem sicherlich niemand deutsch spricht, tatsächlich auswendig gelernt hatte. Dieses botswanisch-deutsche Zusammenspiel fand ich sehr bewegend, es war etwas ganz Einzigartiges. Der Chor, der nur für die beiden Hymnen gekommen war, verließ anschließend die Bühne und das eigentliche Konzert begann. Hofmeyr, Rachmaninov, Beethoven - ich bin eigentlich eine Klassik-Banausin, aber dieses Konzert war ein besonderes Erlebnis. Das Orchester spielte wunderschön, wir saßen so nah, dass wir den jungen Musikerinnen und Musikern quasi auf die Finger schauen konnten und es waren für Botswana einfach sehr ungewohnte Klänge.




Ein großartiger Abend!

Freitag, 12. Oktober 2018

Der Dritte zum Dritten

Letzte Woche gab es das jährliche soziale Highlight der deutschen Community Gaborones (und nein, ich meine nicht das Bierfest!): Der deutsche Botschafter lud zu einem Empfang anlässlich des Tags der deutschen Einheit in den Garten seiner Residenz. Kaum zu glaube, dass dies schon der dritte solche Empfang für uns in Botswana war! 
Rückblickend lässt sich sagen, dass unser soziales Leben nach unserem ersten Empfang zum Tag der deutschen Einheit bergauf ging: Hier hatten wir doch noch einmal einzelne neue Leute kennengelernt, aus diesen Bekanntschaften wurden in den darauf folgenden Monaten Freundschaften.

Am Eingang der Residenz wurden wir zunächst vom Botschafter sowie von mehreren Botschaftsmitarbeiter/innen und ihren Partnern begrüßt - sechs Mal Händeschütteln (für uns, für die Botschaftsmitarbeiter dürften es ca. 200 zu schüttelnde Hände gewesen sein). Im Garten der Residenz begrüßten wir dann Kollegen und Freunde. Die botswanische und die deutsche Nationalhymne wurden von Band abgespielt, letztere in einer etwas getragenen, kitschigen Version. Dann sprachen der deutsche Botschafter und die botswanische Außenministerin, die Werte des Multilateralismus wurden hochgehalten.


Gefühlt waren dieses Jahr mehr Gäste zum Empfang gekommen als sonst - und wir kannten wieder mehr als in den Vorjahren. So war es größtenteils ein freudiges Wiedersehen, gelegentlich auch ein neues Kennenlernen. Fingerfood wurde gereicht, und nachdem wir uns aus einer für die Kellner offenbar unerreichbaren Ecke des Gartens wegbewegt hatten, bekamen wir auch noch etwas ab.
Herr Botschafter, wann laden Sie mal wieder ein? 

Donnerstag, 27. September 2018

Bierfest statt Buchfest

In Gaborone fand dieses Jahr erstmals ein Buchfestival statt! Wie toll ist das denn, in einer Stadt, in der gerade der einzige, noch dazu recht kleine Buchladen geschlossen hat. Klar, dass passionierte Buchblogger dort hingehen müssen!

Oder? Na ja, es gab am gleichen Tag auch eine Konkurrenzveranstaltung, von der wir - leider? - bereits vor dem Buchfestival erfahren hatten, denn die deutsche Botschaft machte ordentlich Werbung dafür und behauptete auch gefühlt wochenlang, die Tickets wären bereits fast ausverkauft ... Erstmalig fand am vergangenen Samstag ein Bierfest statt, und zwar auf dem Gelände des Golfclubs, wohin die deutsche Botschaft dieses Jahr auch schon für die (wenigen) deutschen WM-Spiele zum Public Viewing eingeladen hatte. Nachdem wir letztes Jahr schon das größte Oktoberfest Afrikas in Windhoek besucht hatten, zog es uns also dieses Jahr zum größten Oktoberfest Gaborones (ein weiteres ist uns hier allerdings auch nicht bekannt), schlicht Bierfest genannt. Immerhin startete das hiesige Bierfest am gleichen Tag wie das Münchner Original. Über Freunde an der Botschaft kauften wir sündhaft teure Tickets - tatsächlich stellten wir erst am Tag vor der Veranstaltung fest, dass für uns die doppelt so teuren VIP-Tickets besorgt worden waren. Man gönnt sich ja sonst nichts. Leider konnten wir uns nicht VIP-mäßig anziehen, da uns doch tatsächlich Dirndl und Lederhose fehlten. Bei anderen Familien kamen jeweils Vater-Söhne und Mutter-Töchter im jeweiligen Einheitslook mit gleichen Hemden zur Lederhose bzw. gleichem Dirndl. Für den nächsten Auslandsaufenthalt sollten wir uns wohl besser vorbereiten. Über die Dirndl- und Lederhosendichte der Besucher waren wir doch überrascht, umso mehr, als wir viele der Besucher gar nicht kannten (und so vermuteten, dass nicht nur Deutsche die bayerische Traditionskleidung trugen). Zwei Besucher kamen sogar mit Robin Hood-Kappen inklusiver langer Federn und einigen reichte es auch, sich einen Bierkrug aus Schaumstoff auf den Kopf zu setzen.



Das Bierfest an sich war, nun ja, nicht sonderlich spektakulär. Auffällig war, dass man am Eingang wählen konnte, ob man ein Weinglas oder ein Bierglas haben wollte. Wir entschieden uns für Weingläser. Der Wein war jedoch ungekühlt und in der Sonne gelagert; auf den wohl sehr süßen warmen Weißwein verzichteten wir, aber auch der Rotwein war deutlich über Genusstemperatur. Wer kommt eigentlich auf die Idee, auf einem Bierfest Wein zu konsumieren? An Bieren gab es eine größere Auswahl als an Weinen, Craft Bier wurde ebenso angeboten wie "Kölsch-like Beer". Und zum Essen gab es neben Leberkäse auch Weißwürste, Brezeln und Sauerkraut - eben fast alles, was man sich bei einem Bierfest so vorstellen kann (oder auch nicht).


Die Musik - glücklicherweise nicht die klassische Oktoberfestmusik - war etwas laut; zumindest, wenn man sein Gegenüber noch verstehen wollte. Ein Spaziergang über die Greens des Golfplatzes war leider nicht vorgesehen. So unterhielten wir uns, so gut es ging, an unserem VIP-Tisch mit Freunden und Bekannten, bis wir schließlich beschlossen, wieder nach Hause zu fahren.


Mal schauen, welches Oktoberfest wir nächstes Jahr besuchen! (Oder wird es statt einem Bierfest doch die Frankfurter Buchmesse? Anmerkung Walli: Auf jeden Fall!!!)

Samstag, 22. September 2018

Ein Koffer voller Klopapier

Naturgemäß muss man im Ausland auf einige Produkte aus der Heimat verzichten. Es ist ja allgemein bekannt, dass Deutsche oft die heimische Brotauswahl vermissen, manche sehnen sich auch nach deutschem Bier. Auch Philip und ich kaufen immer eine ganze Reihe von Dingen ein, die wir in Botwana entweder gar nicht oder nur sehr viel teurer bekommen. Meine Gesichtscreme von Nivea gibt es hier zum Beispiel in den meisten Supermärkten, sie kostet aber fast das Doppelte. Bei Shampoo und Conditioner verhält es sich so ähnlich, von Zahnpasta oder Haarfärbemittel will ich gar nicht erst anfangen. Zu meinen Deutschland-Besuchen gehört daher immer ein ausgiebiger dm- oder Rossmann-Einkauf.

Für Außenstehende mögen unsere Einkäufe mitunter seltsam aussehen. Am dritten Tag meines Aufenthaltes kaufte ich zwei Packungen Ameisengift, dreimal zartbitteren Schokoguss und 34 Rollen Klopapier. Klopapier gibt es natürlich auch in Botswana (Ameisengift übrigens auch, aber ich wollte mal was anderes testen - vielleicht gelingt es mir mit fremdländischem Gift eher, die botswanischen Ameisen in unserer Küche zu überraschen und auszurotten ...). Meine Mutter hat einst festgestellt, dass sogar im ganzen Land vornehmlich eine Sorte verwendet wird: Die, auf der kleine Hündchen eingestanzt sind. Optisch ist gegen das Klopapier nichts zu sagen, aber es ist nur zweilagig. (Wird in Deutschland überhaupt zweilagiges Toilettenpapier verkauft? Ich glaube nicht.) Zwei Lagen sind nicht viel. Man gewöhnt sich zwar dran, aber drei sind schöner. Glaubt mir einfach.

Man kann auch mit zweilagigem Klopapier auskommen, aber Philip und ich hatten in einem unserer Koffer sehr viel Platz. Wir waren nämlich mit drei Koffern nach Deutschland gereist, wobei der dritte in erster Linie unsere Winterklamotten enthielt. Da nicht davon auszugehen ist, dass wir im nächsten botswanischen Winter (der im Mai beginnen wird) noch hier sind, haben wir schon einmal einen Teil unserer warmen Sachen zurück nach Deutschland geschafft. Den Koffer wollten wir aber gerne wieder mitnehmen. Einen leeren oder fast leeren Koffer im Flugzeug zu transportieren, ist allerdings nicht ratsam, der ist instabil und kann leicht kaputtgehen. Und so kam Philip auf die Idee, unsere hiesige Klopapier-Situation zu verbessern.

Ein paar schwere Teile kamen auch noch in den Klopapier-Koffer. Zum Beispiel Ersatzteile für unseren Schluckspecht (zu den jüngsten Reparatur-Erfahrungen siehe Teil 1 und Teil 2), die mir die Volvo-Werkstatt in Euskirchen innerhalb eines halben Tages bestellte. Nachdem ich anfangs noch souverän aufgetreten war ("ich habe einen XC90, der steht allerdings in Afrika"), verlor ich angesichts dieser sensationell kurzen Lieferzeit doch meine Coolness. Mein Vater meinte, er hätte mich schon lange nicht mehr so glücklich gesehen.

Und so sind Philip und ich nach einem kurzen, aber erfüllten Deutschland-Aufenthalt am letzten Samstag wieder zurück nach Gaborone geflogen - unter anderem mit einem Koffer voller Klopapier. Ich war ganz dankbar, dass Philip diesen dabei hatte (wir flogen zwar am gleichen Abend, aber in getrennten Flugzeugen). Hier kann es ja immer passieren, dass man mit dem Zoll über den Inhalt seines Koffers diskutieren muss und dass wir jetzt neben dem üblichen Brot, Käse und Drogeriekram auch Klopapier und Autoersatzteile mit uns mitschleppten, hätte sicher Fragen aufgeworfen. Aber der Zoll verschonte uns. Vermutlich sind wir jetzt der Haushalt mit der größten Klopapier-Auswahl Botswanas!

Samstag, 30. Juni 2018

Im Golfclub

Erinnert sich noch jemand? Es ist nun etwas mehr als zwei Jahre her, Walli war gerade eine Woche im Land und ihr wurde von zwei Mitausreisenden Partnern von Botschafts-Mitarbeiterinnen gesagt, dass sie in Gaborone eigentlich nur Golf spielen könne, sonst nichts. Das war damals ein ziemlicher Schock für sie.
In den letzten Wochen waren wir nun gleich mehrmals im Gaborone Golf Club zu Gast. Wer hätte das gedacht. Bis auf den Rasen schafften wir es allerdings nicht, wir blieben im Clubhaus, wohin die deutsche Botschaft zu den drei deutschen WM-Vorrundenspielen geladen hatte; wir waren immerhin zwei Mal beim Public Viewing dabei. Der Kreis der Teilnehmer an diesen Veranstaltungen war eher überschaubar: Die wenigen Botschaftsmitarbeiter, ein paar alteingesessene (oder sollte man sagen: hängen gebliebene) Deutsche, mein Chef und wir. Dazu gab's Fußball per Beamer auf einer Leinwand, mit englischem Kommentar.
Auch bei der EM vor zwei Jahren hatte die Botschaft ein paar Mal ein Public Viewing organisiert, wir waren damals noch recht neu im Land und hofften, bei solchen Veranstaltungen neue Leute kennenzulernen. Diesmal sind wir realistischer ans Public Viewing herangegangen - allerdings kannten wir eben auch schon einige Teilnehmer (insbesondere von der Botschaft).
Ein netter Nebeneffekt: Da die beiden Spiele, die wir dort sahen, nicht unbedingt die allerbesten waren, schweifte mein Blick häufiger nach draußen auf die Rasenfläche. Auch wenn der Rasen aufgrund der Trockenzeit hier nicht mehr überall ganz grün ist (kein Wunder), so war es schön, einen tendenziell grünen Blick und etwas weite Fläche zu sehen. Am Ende kam mir tatsächlich doch mal der Gedanken, dass es ganz nett sein könnte, Golfen zu lernen und hier zu spielen. Dann hätte man hier etwas Bewegung im Freien. Vielleicht doch ganz gut, dass das deutsche Team ausgeschieden ist, wer weiß, was ich bei weiteren Public Viewing-Terminen sonst noch alles für verrückte Ideen entwickelt hätte?!
P.S.: Ende letzter Woche war ich zu einer Besprechung bei unserem Projektpartner SADC. Der Abteilungsleiter begann die Besprechung mit einer Schweigeminute. Wir waren zunächst etwas verwirrt, befürchteten wir doch, dass jemand gestorben war, ohne dass wir es mitbekommen hatten. Dann grinste er breit und erklärte: "Eine Schweigeminute für Deutschland, das gerade aus der WM ausgeschieden ist...".

Sonntag, 18. Februar 2018

Valentinstag in Moll

Die Botswaner scheinen den Valentinstag zu mögen. Sie haben ihn sogar zum Anlass genommen, ihre Kreisverkehre zu schmücken, was sonst nur an Weihnachten und zum Nationalfeiertag passiert. Ob die mannsgroßen Herzaufsteller mit der blinkenden Lichterkette drum herum eine Verschönerung darstellen, lasse ich mal dahin gestellt. Auch in den Geschäften wurden Pralinen zum Valentinstag angepriesen, in den Malls waren extra Blumenstände aufgebaut und Restaurants hatten spezielle Menüs (mit Überraschungsgeschenk für die Damen etc.).


Wir entschieden uns gegen einen Besuch in einem überfüllten Restaurant und stattdessen für eine Kulturveranstaltung, bei der es noch vor Beginn eine rote Rose für jeden weiblichen Gast gab. Organisiert worden war der Abend von der Deutschen Botschaft. Unsere Botschaft als Veranstalter, das kennen wir hier eigentlich nur vom Tag der Deutschen Einheit und vom Public EM-Viewing 2016. Am Valentinstag standen allerdings weder Patriotismus noch Fußball auf dem Programm. Stattdessen: ein klassisches Konzert. Das Karlsruher Konzert-Duo - sie am Flügel, er am Cello -  genoss hier bereit eine gewisse Bekanntheit, hatte die Deutsche Botschaft sie doch anscheinend bereits vor zwei Jahren nach Gaborone eingeladen.Und auch sonst scheinen die beiden Musiker dem Besuch ferner Länder nicht abgeneigt zu sein, der Tourplan liest sich auf jeden Fall eindrucksvoll: Im Februar sind sie innerhalb einer Woche in Angola, Namibia, Botswana und Äthiopien aufgetreten, in der Terminauflistung des letzten Jahres lassen sich auch Rio de Janeiro, Barbados, Nicaragua und New York finden.


Während ich mir noch Gedanken über das Verhältnis von Gage und Reisekosten machte, begrüßte auch schon der Botschafter das - längst nicht nur deutsche, aber überwiegend weiße - Publikum. Dann spielten die beiden los - klassische Stücke von Haydn bis Shostakovich. Wir konnten die Titel auf einem Programmblatt mitverfolgen, dennoch vermisste ich eine Begrüßung und Einordnung der Musiker. Wieso sie die Stücke so ausgewählt hatten, erschloss sich mir nicht. Gemeinsam hatten sie eine gewisse Schwermütigkeit, die insbesondere eine neben mir sitzende Freundin störte, die schließlich begann, immer öfter etwas von "Valentinstag" zu murmeln und dass sie jetzt lieber etwas fürs Herz hören würde als diese traurigen Weisen. Nach ca. einer Stunde verschwanden die Musiker hinter der Bühne und das Licht ging kurz an, aber noch bevor man sich zur Pause erhoben hatte, waren sie schon wieder da - ca. 15 Sekunden später, was das sollte, blieb unklar. Sie spielten dann noch eine halbe Stunde weiter - 90 Minuten in Moll ohne Pause fand ich schon grenzwertig (meine Freundin war inzwischen dazu übergegangen, bei jedem neuen Stück "Ach, Du großer Gott!" zu zischen). Nachdem das letzte Stück verklungen war, eilte der Botschafter auf die Bühne, um den Musikern zu danken und allen anderen einen Ausklang mit Getränken anzukündigen. Doch nun ergriff der Cellist erstmals das Wort und kündigte - angesichts des Valentinstages! - noch eine Zugabe an - "Dream of love". "Von den Scorpions?" flüsterte mir meine Freundin hoffnungsvoll zu, ich musste sie allerdings darauf hinweisen, dass die Scorpions nicht "Dream of love" sondern "Wind of change" gesungen hatten - ersteres war von Franz Liszt, wie sich dann herausstellte. Und in Moll, wie alles andere an diesem Abend.
Danach erfreuten wir uns an Riesling, Wasser und Studentenfutter und blieben nicht mehr allzu lange.


Donnerstag, 25. Januar 2018

Deutsche Landeskunde zum Frühstück

Zu Weihnachten 2016 bekamen Philip und ich von meiner Mutter einen Tagesabreisskalender geschenkt: "Der große Deutschland-Test 2017" vom Harenberg Verlag war als Gag für uns "Auswanderer" gemeint, wuchs uns jedoch schnell ans Herz. Jeden Morgen beim Frühstück widmeten wir uns einer Deutschland-Frage, einige davon stammten sogar aus dem Einbürgerungstest. Diese konnten wir glücklicherweise immer beantworten, mit anderen Fragen waren wir aber nicht so erfolgreich. Skurrile Volksfeste, maximal regional bekannte Denkmäler, nie gehörte Dialekte - nichts blieb uns erspart! Von Joachim Gaucks Geburtsort über die giftigste Pflanze Europas bis hin zu Ludwig van Beethovens einziger Oper - wir wussten, rieten und lernten. Ab und an gab es immerhin drei Auswahlmöglichkeiten, so dass wir manchmal auch bloße Zufallstreffer landeten.

Am Ende des Kalenders gab es eine Ankreuztabelle, in die ich jeden Morgen gewissenhaft eintrug, ob einer von uns (oder sogar beide) die richtige Antwort gewusst hatte(n). Waren wir auf Reisen, kam der Kalender nicht zum Einsatz - um so schöner war es dann, bei späteren Frühstücken gleich mehrere Fragen auf einmal beantworten zu können. Und da sich auf der Rückseite des jeweiligen Kalenderblattes immer eine ausführliche Erklärung zur Auflösung befand, lernten wir hier und da auch noch etwas dazu. (Wobei ich zugegebenermaßen auch vieles gleich wieder vergessen habe. Gaucks Geburtsort ist übrigens Rostock, die giftigste Pflanze Europas Eisenhut und Beethovens einzige Oper Fidelio.)

Anfang diesen Jahres, als wir nach unserem Heimaturlaub zurück nach Botswana kamen, schlug dann die Stunde der Wahrheit: Ich zählte die Summe unserer richtigen Antworten zur Jahresauswertung zusammen. Das Ergebnis war - ernüchternd. Philip hatte ein paar Treffer mehr als ich gelandet, aber wir fanden uns in der selben Kategorie wieder, deren Text mit den Worten: "Schade! Das können Sie bestimmt noch besser!" begann. Im Weiteren wurde uns der Kauf des 2018er Kalender ans Herz gelegt, den wir uns natürlich schon zu Weihnachten hatten schenken lassen. Und so sitzen wir auch dieses Jahr wieder rätselnd beim Frühstück. Gestern wurde übrigens nach dem Wahlspruch der deutschen Turner gefragt. Während Philip "Hoch auf den Barren" mutmaßte, meinte ich, "Turne bis zur Urne" zumindest schon mal gehört zu haben. Er lautete dann allerdings "Frisch, fromm, fröhlich, frei". Heute konnten wir dann aber wieder beide einen Punkt landen. Neuer Morgen, neues Glück - und das Jahr ist ja noch jung ...

Montag, 8. Januar 2018

Rückflug-Routinen

Unser Heimaturlaub ist mal wieder wie im Flug vergangen. Und wie immer stand genau das an seinem Ende: Ein Flug. Unsere Rückflüge nach Gaborone sind generell eine nervenaufreibende Angelegenheit. Nach all den vorangegangenen Abschieden und letzten Erledigungen kommen wir in der Regel schon leicht bis mittelmäßig gestresst am Flughafen an - und da beginnt dann das immer gleiche Programm, das sich für mich wie ein Hindernislauf anfühlt. Da nützt es auch nichts, einen Flugstreber an seiner Seite zu haben ...

- Erster Bibbermoment: Check-In. Wie schwer sind unsere Koffer diesmal? Denn schwer sind sie immer, wenn wir Deutschland wieder verlassen ... vor einem halben Jahr hat uns South African Airways zusammen 8 kg Übergepäck durchgehen lassen, was sehr, sehr nett war, aber man kann sich ja kaum darauf verlassen, ein zweites Mal so viel Glück zu haben. Zusätzlich zittere ich immer noch, dass mein Handgepäck gewogen werden könnte. Mein Rucksack sieht harmlos aus, enthält aber in der Regel meinen Laptop sowie das ein oder andere Buch und wiegt ungefähr soviel wie die gut zweijährige Tochter einer Freundin, was letztere mir im Dezember ungläubig staunend attestierte. Und ja, ich packe wirklich nur das Nötigste rein!

- Zweiter Bibbermoment: Zoll. Wir lassen uns unsere Koffer nach dem Check-In immer wiedergeben und gehen als nächstes zum Zoll. Da wir im Ausland leben, können wir uns einen Teil der Mehrwertsteuer für unsere Einkäufe erstatten lassen. Dafür muss der Zoll bestätigen, dass wir diese Einkäufe auch tatsächlich ausführen. Wir legen also unsere Kaufbelege vor und müssen dann gegebenenfalls unsere Koffer öffnen, um die Einkäufe vorzuzeigen. Wie genau der einzelne Zollbeamte das handhabt, ist unterschiedlich. Aber es ist in jedem Fall kein schönes Gefühl, den vollgepackten Koffer eventuell noch mal öffnen zu müssen ... zumal wir die Neuware niemals gesammelt nach ganz oben packen. Siehe unten, ebenfalls bei "Zoll" ...

- Dritter Bibbermoment: Gepäckaufgabe. Neben dem Zoll können wir unsere ja bereits eingecheckten Koffer dann abgeben. In der Regel steht einfach ein leerer Gepäckwagen rum, auf dem man seine Sachen dann stehen lassen soll. Ich finde es meist wenig vertrauenserweckend, meinen Koffer unbeaufsichtigt zurückzulassen und war diesmal positiv überrascht: An Terminal 2 des Frankfurter Flughafens wird der Koffer von jemandem entgegen genommen, der ihn gleich auf ein extra Gepäckförderband stellt. Ein Bibbermoment weniger ...

Flug und Umsteigen gestalten sich in der Regel problemlos und auch diesmal mit Air Namibia über Windhoek gab es keinerlei Schwierigkeiten. Weitere Bibbermomente folgten deswegen erst wieder bei der Ankunft in Gaborone.

- Vierter Bibbermoment: Immigration. Bei der Passkontrolle weisen wir uns als Einwohner Botswanas aus. Allerdings ist unsere Aufenthaltsgenehmigung im Dezember abgelaufen und die neue noch in Arbeit. Philip kann den Herrn am Schalter erfreulich schnell davon überzeugen, uns trotzdem ins Land zu lassen: Schließlich dürfen sich auch deutsche Touristen bis zu 90 Tagen im Jahr ohne Visum etc. in Botswana aufhalten. Klingt nach einem guten Argument, aber dennoch: Das hätte auch kompliziert werden können, da wir ja nicht als Touristen einreisten ...

- Fünfter Bibbermoment: Gepäckband. Sind die Koffer da? Nachdem Philips Koffer erst zur Halbzeit seines Heimaturlaubs bei ihm ankam, sind wir da nun noch zusätzlich sensibilisiert.

- Sechster Bibbermoment: Schon wieder Zoll. Der botswanische Zoll interessiert sich - im Gegensatz zum deutschen - in der Regel für den Inhalt unserer Koffer. Er fahndet nach Neuware. Übersteigt diese einen gewissen Wert, wird darauf Zoll erhoben - wobei der Zoll den Wert schätzt, wenn man keine Quittungen vorweisen kann. Wir haben schon erlebt, wie der Koffer eines Inders systematisch auseinandergenommen wurde. Unter anderem wurden Kleidung und Schuhsohlen gründlich auf Gebrauchsspuren untersucht. Was das angeht, machen wir uns keine großen Sorgen, haben aber nach Deutschlandbesuchen meist Bücher, DVDs und auch ein paar Lebensmittel im Gepäck und nach unseren bisherigen Erfahrungen den Eindruck, dass der Zoll eher willkürlich reagiert. Die Käsestücke in unseren Koffern, die wir anfangs am problematischsten einschätzten, hat er dafür schon einmal ignoriert. Aber man weiß ja nie, an wen man gerät ...
Meine Hoffnung, am Zoll durchzukommen ohne zu zahlen, mag nach fehlendem Unrechtsbewusstsein klingen. Und tatsächlich habe ich an dieser Stelle keins. Wir führen vor allem die Neuwaren ein, die wir in Botswana nicht bekommen, und wenn ich beispielsweise auf mir geschenkte deutschsprachige Bücher Zoll zahlen müsste, fände ich das äußerst unfair. Aber wir haben wieder Glück und werden einfach durchgewunken.

Auch wenn die Rückreise erfreulich problemlos verlief, gestalten sich die Hinflüge nach Deutschland in jeder Hinsicht entspannter. Unsere Koffer sind in der Regel nicht so schwer, dass wir uns Sorgen machen, in Deutschland werden wir als Bundesbürger freundlich begrüßt, ohne Formulare ausfüllen und Aufenthaltsgenehmigungen vorzeigen zu müssen und unsere paar botswanischen Mitbringsel interessieren den deutschen Zoll nicht.
Trotz aller Bibbermomente hat die Ankunft in Gaborone aber auch ihre schönen Seiten: Wenn sich die botswanischen Flughafenmitarbeiter freuen, von uns Ausländern auf Setswana mit "Dumela Ra" begrüßt zu werden, fühlt sich das gleich nach nach-Hause-Kommen an.

Sonntag, 5. November 2017

Oktoberfest!

Manche Leute gehen bis Anfang Oktober aufs Oktoberfest, wir dagegen erst Ende Oktober.
Kürzlich durften wir eine weitere Reise nach Namibia machen, und auf der Fahrt über den Trans-Kalahari-Highway stellten wir fest, dass just an dem Wochenende unseres Windhoek-Aufenthalts ein Oktoberfest veranstaltet werden würde. Eine in Namibia vermutlich etwas skurrile Abend-Unterhaltung, so dachten wir. Und beschlossen, uns das nicht entgehen zu lassen.

Es sei das größte Oktoberfest Afrikas, so verkündete ein Ansager, als wir das größte der Festzelte betraten; gut, das ist vermutlich nicht schwer - und ich kann zumindest bezeugen, dass es tatsächlich deutlich größer war als das Oktoberfest, das ich in Accra ca. 2007 miterlebt habe.


Immerhin haben die Organisatoren auch eine echte Oktoberfestband aus München einfliegen lassen, die "Kirchdorfer". Die spielten dann auch das, was man sich als typische Oktoberfest-Musik vorstellt (wir hatten noch Tage später einen "Atemlos"-Ohrwurm) und riefen in regelmäßigen Abständen "Zicke zacke zicke zacke", worauf ein begeistertes Publikum "Hoi hoi hoi" zurückbrüllte. Ein wenig verrückt ist es schon, das in Afrika zu hören, dazu in einem geschmückten Festzelt, in dem mehr Menschen mit Dirndl oder Lederhosen waren als ohne - ein wenig "underdressed" fühlten wir uns da schon in unseren Freizeit-Safari-Outfits. Da kamen uns die Namibianer doch irgendwie deutscher vor als wir uns selbst ... und dann wurde auch noch vor der Bühne Schuhplattler getanzt.


Festbier gab es, wohl auch aus München importiert, dazu lokales Bier aus Windhoek. Wir sprachen beidem reichlich zu, da uns etwas spät auffiel, dass die gekauften Bons nur für Getränke, aber nicht für Speisen eingelöst werden konnten ... Echte Oktoberfestbedienungen waren nicht mit eingeflogen worden, so dass wir zur Beschaffung von Getränken und Speisen viel auf dem Festgelände unterwegs waren. Auch die Speisekarte war übrigens durchaus bayrisch geprägt:


Wir bekamen also das volle Programm ab. Na ja, fast - was wir verpassten: Am nächsten Tag hätte es auch noch ein paar Jahrmarkt-Attraktionen gegeben, wie "Hau-den-Lukas" und mechanisches Bullenreiten. Vielleicht dann nächstes Mal?

Mittwoch, 6. September 2017

Typisch deutsch

Gerade habe ich die Begriffe "deutsch" und "Pünktlichkeit" zusammen gegoogelt, um zu erfahren, warum wir Deutschen eigentlich generell als pünktlich gelten. Eine Antwort habe ich nicht gefunden, dafür aber erfrischende Volksmund-Weisheiten wie "Fünf Minuten vor der Zeit ist des Deutschen Pünktlichkeit". Und den Hinweis, dass natürlich längst nicht alle Deutschen immer pünktlich wären. Sich aber 85 % irgendwie dafür halten würden, zumindest würden diese von sich behaupten, Termine sehr ernst zu nehmen. Da erkenne ich mich doch spontan wieder.

Für Botswana habe ich keine ähnliche Statistik gefunden. Trotzdem glaube ich, dass sie hier anders aussähe. Vor ein paar Wochen haben zwei andere Volunteers und ich bei Baylor Bewerbungsgespräche mit den Schülern geübt, die Situation sollte möglichst authentisch sein. Auch im südlichen Afrika gehört die Frage nach Stärken und Schwächen zum Standard. Und bei Schwächen sagten mehrere Schüler, sie hätten Probleme mit Timekeeping - Pünktlichkeit als Stärke erwähnte dagegen niemand.
Pünktlichkeit ist allerdings auch nicht die Stärke meiner Schüler. Ich unterrichte dienstags zwei Gruppen, eine direkt ab 9 Uhr und eine nach der Pause. Wobei ich in der Regel um 9:10 Uhr anfange und die Schüler in der Regel bis 9:30 Uhr eintrudeln. Da die meisten jedoch mit den öffentlichen Minibussen zur NGO kommen und diese anscheinend nicht nur im Straßenverkehr unberechenbar sind, bin ich da relativ relaxt.
Anders sieht es nach der Pause aus, spätestens bis zur Pause sind nämlich alle Schüler da. Die zweite Unterrichtseinheit beginnt um 10:45 Uhr und eigentlich könnten sie da ja alle pünktlich sein. Eigentlich. Letzte Woche bat ich um 10:50 Uhr die einzigen beiden Schüler, die es bis dahin in den Klassenraum geschafft  hatten, die anderen zu holen. Mit dem Erfolg, dass sie auch nicht wiederkamen und ich sie nach weiteren 10 Minuten selbst suchen ging. Danach hielt ich eine Art improvisierte Motivations- und Mahnrede, in der ich auf die Freiwilligkeit des Unterrichtsangebots und den Wert für die Schüler hinwies. Ich war gar nicht schlecht! (Fand ich.) Und auf Autorität reagieren auch immer alle wunschgemäß (erwähnte ich, dass es in den staatlichen Schulen dieses Landes noch die Prügelstrafe gibt?). Meine Klasse nickte verständig und versprach hoch und heilig, es käme nie wieder vor.

Leider haben meine Schüler nur ein sehr kurzes Kurzzeitgedächtnis und so stand ich diese Woche um 10:45 Uhr wieder alleine im Klassenraum. Möglicherweise sollte ich statt "deutsch" und "Pünklichkeit" doch lieber "Motivations- und Mahnreden" im Internet googeln. Der erste Schüler, der eintrudelte, warf mir immerhin mitfühlende Blicke zu und bot an, den anderen Bescheid zu geben (was ich ablehnte - besser ein Schüler als keiner im Klassenraum). Na ja, irgendwann waren sie dann doch da. Die meisten hatten immerhin ein schlechtes Gewissen, entschuldigten sich und legten die Hände aneinander wie auf Dürers bekanntem Bild. "Sorry, we are late." "Yeah, and your are even later than last week! How is this possible?" "I am sorry, we don't have any excuse." Tja. Immerhin hatte ich so ein schönes Beispiel, um ihnen später das Verb "to prioritise" zu erklären, das sie nicht kannten. "Es ist 10:45 Uhr. Ihr könnt jetzt in den Klassenraum gehen, etwas zu essen kaufen, etwas trinken oder die Toiletten aufsuchen. Wo liegen Eure Prioritäten?" Und daraufhin meldete sich immerhin die, die als allerletzte gekommen war, sah mich ernst an und sagte, ihre Priorität wäre, sofort das Klassenzimmer aufzusuchen. Ach ja.

Aber genug von meinen Schülern. Heute wurde ein offiziellerer Termin bei mir gecancelt, der mir gestern noch für 11 Uhr initiativ angeboten worden war. Für dieses - nun nicht stattfindende - Treffen, was mehrere Stunden hätte dauern sollen, hatte ich drei andere Verabredungen verschieben müssen. Immerhin war ich so zu Hause, als unser Vermieter anrief. Er wollte vorbeikommen und sich eine halbe Stunde später nochmal melden. Es wurden zwei.
Doch es gibt auch Gegenbeispiele. Unsere Maid Patricia war heute da. Ich erzählte ihr, dass ich um halbzwei in die Stadt fahren würde und sie plante, sich ein Stück von mir mitnehmen zu lassen. Um 12:40 Uhr sah ich, wie sie sich die Schuhe schnürte und erwähnte, dass sie ja jetzt doch vor mir das Haus verließe. Darauf sah sie irritiert auf und frage, ob ich wirklich erst um exakt halbzwei das Haus verlassen würde? Pünktlichkeit ist ja ganz schön, aber 50 Minuten zu früh wollte ich dann doch nicht aufbrechen. Sie musste dann eben zu Fuß gehen.

Ich traf heute einen Kollegen von Philip, der mir sagte, er habe in Afrika gelernt, Gelegenheiten zu nutzen, wenn sie sich bieten. Wenn jemand zu Dir kommt und Du eigentlich keine Zeit hast, schaufel sie Dir frei - wer weiß, wann das wieder was wird. Frei nach diesem Motto sollte ich vielleicht auch die Zeit nutzen, wenn meine Schüler da sind. Und die würden noch nicht mal meckern, wenn ich die Stunde überziehen würde. Aber ich mag das nicht, ich mache pünktlich Schluss. Typisch deutsch halt.

Montag, 21. August 2017

Die Rettungsflugwacht

Es gibt so Themen, mit denen will man sich eigentlich gar nicht beschäftigen. Dazu gehört z.B., was passiert, wenn man krank wird und schnell ärztliche Hilfe benötigt. In Deutschland wählt man dann die 112. In Botswana ... nun ja. In Gaborone ließe sich sicherlich irgendwie ein Krankenwagen auftreiben. Aber was passiert eigentlich, wenn man mal wieder irgendwo in der Pampa ist? Womöglich in einer Gegend ohne Mobilfunknetz? (Ich tippe einfach mal, dass der weitaus größte Teil Botswanas keine Netzabdeckung hat, weil zu dünn bis gar nicht besiedelt). Erfahrene "Traveller" sind in solchen Fällen mit Satellitentelefon unterwegs (die man wohl hier sogar für solche Ausflüge leihen kann, wie ich gehört habe); außerdem sollte man in abgelegenen Gebieten eigentlich immer gleich in einem Konvoi mit mindestens zwei Fahrzeugen unterwegs sein.
Als wir kürzlich im Kalagadi Transfrontier Park waren, sind wir also bewusst mit drei Autos gefahren (obwohl für vier Reisende sonst natürlich zwei Autos gereicht hätten). Wir stellten auf unserer Reise fest, dass wir wohl mindestens 150 km Luftlinie vom nächsten Ort mit mehr als 500 Einwohnern entfernt waren. Es sind ganz andere Dimensionen und ganz andere Überlegungen, in denen man hier denken bzw. die man hier anstellen muss ...

Ein Mobilfunknetz hilft einem natürlich auch nur, wenn es dann irgendjemanden am anderen Ende der Leitung gibt, der Hilfe organisieren kann. Am Rande des Okavango Deltas wurde vor ein paar Jahren von einer Deutschen und einem Schweizer eine Rettungsflugwacht, die "Okavango Air Rescue" gegründet, die mit einem Hubschrauber erkrankte Personen aus einem größeren Umkreis ausfliegen können. Erst im Juni haben sie deutsche Touristen gerettet, die mit einem Leihfahrzeug zeltend im Delta über eine Woche unentdeckt steckengeblieben waren und deren Verschwinden zum Glück dann doch noch von ihrem Reiseveranstalter bemerkt wurde, als sie ihren Rückflug in Johannesburg nicht antraten. Sie hatten sich richtig verhalten, d.h. sind in Fahrzeugnähe geblieben und hatten glücklicherweise genügend Wasser und Lebensmittel dabei. Das hätte sonst ganz anders ausgehen können.

Weil sich eine solche Rettungsflugwacht nicht nur durch ihre regulären Einsätze finanzieren kann, hat sie ein "Patronage"-System: Für einen Betrag von ca. 15,- € pro Jahr kann man sich registrieren und hat im Fall des Falles dann Anspruch auf Evakuierung. Das hilft auch den für die Okavango Air Rescue lokal tätigen Batswana. Um die Rettungsflugwacht zu erreichen, wählt man hier übrigens die 995 - wenn man gerade ein Mobilfunknetz hat und sich in Reichweite ihres Helikopters befindet. Bei unserem letzten Wochenendausflug wäre beides schwierig gewesen.
Im März dieses Jahres hat die ZDF-Sendung "Hallo Deutschland!" über die Okavango Air Rescue berichtet (Video ab Minute 20:23), kurz davor auch der NDR in einem Artikel.
Wir haben uns also registriert - und hoffen doch, dass wir sie nie in Anspruch nehmen müssen; auf weiteres sicheres Reisen in Botswana!

Freitag, 7. Oktober 2016

Der Tag der Deutschen Einheit

Ich war dieses Jahr das erste Mal überhaupt auf einer Festveranstaltung anlässlich des Tages der Deutschen Einheit. Der deutsche Botschafter hatte in ein Gaboroner Hotel eingeladen - Philip kannte solche Empfänge bereits aus Ghana. Auf der Einladungskarte mit goldgeprägtem Bundesadler war von "Lounge Suit/National Dress" die Rede, also schmissen wir uns in Schale und fanden uns am 4.10. (es war quasi eine Nachfeier) um 19 Uhr in dem genannten Kongresshotel ein.


Da war bereits ordentlich was los - ich hatte mir das Ganze so ähnlich wie das von der Botschaft organisierte EM-Gucken vorgestellt, nur ohne Fußball und schicker angezogen, aber es waren auch viel mehr Leute da. Am Eingang des Saals begrüßten der Botschafter und seine Frau die eintreffenden Gäste, dann gruppierte man sich um Stehtische, Kellner nahmen Getränkewünsche auf und gingen mit Tabletts voller Häppchen umher. Es waren natürlich auch botswanische Gäste anwesend, außerdem unter anderem der türkische und der amerikanische Botschafter. Einige Frauen hatten sich tatsächlich für den "National Dress" entschieden (wenn man ein Dirndl so nennen kann). Es gab viel zu gucken!
Schließlich ging der Botschafter ans Rednerpult und hielt eine Begrüßungsrede, in der er natürlich auch nochmal den 50. Geburtstag Botswanas hervorhob. Er wies außerdem auf eine kleine Ausstellung am Rande des Raums hin: Hier waren Poster von Originaldokumenten der Botschaft angefertigt worden - frühe offizielle deutsch-botswanische Briefwechsel. So schrieb zum Beispiel der erste Botschaftsvertreter im Jahr 1975 nach Bonn, er habe ein zweites Hotelzimmer angemietet - bis dahin hatte er die Botschaft aus dem Zimmer heraus geführt, das er und seine Frau auch bewohnten. Büroräume gäbe es in Gaborone keine, es wäre aber nicht mehr tragbar gewesen, Besucher im eigenen Hotelzimmer zu empfangen, da diese sich oftmals nicht an die offiziellen Zeiten hielten und auch gerne schon mal morgens kämen. Ich stellte mir kurz vor, Philip würde seinen Job aus unserem Schlafzimmer heraus erledigen. Die Ehefrau dieses ersten deutschen Botschaftsvertreters hat offensichtlich einiges mitgemacht.

Schön war auch ein Brief aus Bonn nach Botswana, aus dem hervorging, dass Walter Ulbricht Sir Seretse Khama wohl zur Unabhängigkeit des Landes 1966 gratuliert hatte und man in Bonn gehört hatte, dass Ulbricht eine herzliche Antwort auf seinen Brief erhalten hätte. Der Brief schloss mit der Nachfrage, ob das stimme? Und machte deutlich, dass die DDR nicht als Staat zu akzeptieren sei.
Auch die Antwort hing aus: Ja, man hätte den Brief bekommen und sich bedankt, aber nicht außergewöhnlich herzlich. Generell hätte Sir Seretse Khama viele Glückwunschschreiben aus aller Welt bekommen und es sei eine Frage der in Botswana geschätzen Höflichkeit, sich bei allen Gratulanten freundlich zu bedanken.

Der Botschafter zitierte einige dieser Zeitzeugnisse und übergab dann das Wort an einen Vertreter der botswanischen Regierung. Nach seinem Grußwort wurde die botswanische Nationalhymne gespielt, dann sprach noch der Afrikabeauftragte der Bundeskanzlerin und zum Abschluss gab's noch die deutsche Nationalhymne. Dann war das Buffet eröffnet. Wir trafen unsere Nachbarin von der Botschaft, unseren deutsch-schwedisch-botswanischen Vermieter, der uns seine Mutter vorstellte und einige von Philips GIZ-Kollegen. Der Empfang war offiziell nur bis 21 Uhr angesetzt, aber es war bereits kurz nach halb elf, als wir uns auf den Heimweg machten. Die botswanische Feier zum Tag der Deutschen Einheit war ein voller Erfolg -  und auf jeden Fall weitaus harmonischer und friedlicher, als das am Vortag in Dresden der Fall gewesen war ...

Sonntag, 12. Juni 2016

Glühwein zum EM-Auftakt

Im Auswärtigen Amt, so hörte ich einmal, ist es quasi Pflicht, fußballinteressiert zu sein und die Bundesliga zu verfolgen. Soll praktisch sein für Smalltalk.
Smalltalk bzw. Leute kennenlernen war auch unser Ziel - und Fußball sollte der Anlass sein. Praktischerweise hat die "Alliance Francaise", das französische Kulturinstitut, für Freitagabend zum EM-Auftakt eingeladen. Nachdem wir uns zunächst angemeldet hatten, beschlossen wir dann doch kurzfristig, nicht hinzugehen. Denn wir hatten glücklicherweise vorher noch erfahren, dass Eröffnungsfeier und Spiel open air übertragen werden sollten. Und da hier so langsam der Winter einkehrt und Walli noch die letzten Reste einer ordentlichen Erkältung auskurierte, entschlossen wir uns dann doch, nicht hinzugehen.
So planten wir unseren EM-Auftakt also für das heutige erste Deutschlandspiel. Der deutsche Botschafter hatte (selektiv) eingeladen, in einem Hotel wurde das Spiel gezeigt und es gab Getränke dazu.
Zur Begrüßung wurde uns erst einmal Glühwein angeboten. Der war auch recht willkommen, nachdem heute ausnahmsweise die Sonne nicht geschienen hat, es windig war und es so doch so kühl blieb, dass wir erstmals den Kamin im Wohnzimmer angeschmissen hatten - der die Temperaturen zeitweise um 1-2 Grad aufzuwärmen vermochte.
Wir kamen recht pünktlich, unterhielten uns noch kurz mit ein paar Leuten, dann ging das Spiel los. Ein paar Tische standen vor der Beamer-Leinwand, auf den vorderen beiden war eine Deutschland-Fahne drapiert. Wir waren eher schlecht mit Accessoires ausgestattet: Papiergirlanden, Fähnchen, oder auch der Deutschlandfahnenhut durften nicht fehlen (außer bei uns). Ach ja, Tipps wurden ausgetauscht - und wir lernten, dass statistisch gesehen das häufigste Ergebnis 2:1 sei und daher immer gut für einen Tipp. Nun ja, ein Glück, dass sich die Experten nicht auf statistische Langzeitmittelwerte zu verlassen brauchen - Fußballexperte Philip tippt "natürlich" auch so das richtige Ergebnis!
Ein wenig gewöhnungsbedürftig war es schon, den Kommentator die Spielernamen in Englisch aussprechen zu hören - aber letztlich war der Ton eher leise eingestellt, so dass das nicht groß störte. Der Stammtisch am Nachbartisch interessierte sich eh mehr für die Flüchtlinge in Deutschland; schade, dass man offenbar selbst durch Auslandserfahrung nicht einen anderen Blick darauf gewinnen kann. Wir versuchten, uns aufs Spiel zu konzentrieren, nutzten die Halbzeitpause, um die Buffetschlange kennenzulernen - und spätestens das 2:0 brachte auch den ganzen Raum zum gemeinsamen Jubeln.

Mittwoch, 1. Juni 2016

Weltessen

Am letzten Wochenende haben Philip und ich einen größeren Lebensmitteleinkauf gemacht - ganz gegen unsere Gewohnheit mal nicht im Spar-Supermarkt um die Ecke. Wir waren auch nicht auf dem Markt (danach wurde ich schon mehrmals gefragt und ich weiß immer noch nicht, ob es hier einen Wochenmarkt o.ä. überhaupt gibt - von vereinzelten Straßenständen mit Melonen abgesehen haben wir noch nichts in die Richtung entdeckt). Wir waren bei WORLD FOODS - einem Geschäft im Industriegebiet, das Philip empfohlen worden war. Bei WORLD FOODS gibt es importierte Waren aus aller Welt, in Regalen, auf Paletten, zum Teil in Kühlräumen relativ unsortiert und nicht besonders ansprechend angeordnet. In Begleitung einer Verkäuferin gingen wir durch den lagerartigen Raum und staunten.

Es ist ja schon lustig: Vor allem ich bin noch gar nicht so lange hier. Wir sind in der Hauptstadt eines Landes gelandet, in der es fast alles gibt - und auch wenn wir bisher weder Risottoreis noch getrocknete Tomaten gefunden haben, lässt es sich hier doch sehr gut aushalten. Aber dann steht man in diesem Lager und denkt plötzlich: "ROTE GRÜTZE! Aus Bad Schwartau! Nach Holsteiner Traditionsrezept!" und es ist klar, man muss sie kaufen. Obwohl man in Deutschland ja eher selten rote Grütze gegessen hat. Und umgerechnet 4,60 € schon ein ordentlicher Preis ist für 500g. (Und die rote Grütze dann noch nicht mal so doll ist, da habe ich auch gekauft schon bessere gegessen ...)

Ansonsten haben wir noch mehrere Päckchen RUF-Hefe gekauft, zum Brotbacken. Frankfurter Würstchen. Tomatenmark aus Italien. Teekanne-Pfefferminztee, der nur auf Englisch beschriftet ist und offensichtlich nur für den Export produziert wird. (An Tees konnte ich hier bisher außer Schwarzem, Grünen und Roibusch-Tee nichts finden - manchmal ist ein Kräutertee aber ja gar nicht so verkehrt.) Deutschen Senf hatten wir tatsächlich schon neulich im Spar mitgenommen, da wir keinen anderen gefunden hatten (auch wenn es mir seltsam vorkam, hier Senf aus Jüterbog / Brandenburg einzukaufen). Den hätte es da auch noch gegeben. Chilenischen Wein und halbe Käselaibe haben wir liegen gelassen, auf Eiscremes und gefrorenes Fleisch verzichtet, eine größere Vielfalt an italienischen Nudelsorten und internationalen Gewürzen bestaunt sowie Gebäckmischungen aus Deutschland. Es war schon lustig, zu merken, wie plötzlich Bedürfnisse geweckt werden - und man fast gerührt ist, wenn man deutsche Produktnamen liest.
Wir gingen ohne getrocknete Tomaten und Risottoreis - auch ein WORLD FOODS ist nicht unfehlbar. Das Sortiment wechselt, sie haben längst nicht immer alles da. Diesen Laden werden wir sicher wieder einmal ansteuern!