Donnerstag, 30. März 2017

Gastbeitrag: Ausgerechnet Botswana!, Erstes Drittel: Warm Up

Wir hatten Besuch! Friedemann und Angelika waren 2,5 Wochen in Botswana, sind mit uns gereist und haben unseren Alltag in Gaborone erlebt. Gästeblog statt Gästebuch ist nun angesagt! Hier die Einleitung und das erste Drittel:

Ausgerechnet Botswana! Nicht zu viert besuchen wir Walli und Philip, den Sohn unserer engsten Freunde, wie seit Monaten mit größter Vorfreude geplant. Philips Vater ist plötzlich erkrankt, und so landen an diesem Montagmittag nur A und F in Gaborone, ein Paar nicht mehr in den besten, sondern in den allerbesten Jahren. Dass in dieser Hauptstadt einiges anders werden dürfte, als es den erfahrenen Travellern bekannt ist, wird ihnen schon klar, als sie aus der Maschine aus Johannesburg steigen, über das Rollfeld schlendern und noch ein Foto schießen: ich und der Flieger. Ansonsten alles wie auf einem richtigen Flughafen: Arrival, Gepäckband, Zoll, ein Parkplatz, der sogar seit Kurzem gebührenpflichtig ist, alles maßstabsgetreu verkleinert und verwirrend übersichtlich.

Dann im Auto: Vier Spuren, Mittelstreifen, breite, rotsandige Seitenstreifen, Buschland mit locker stehenden Bäumen, dazwischen hier und da kleine Steinhäuser, einzelne höhere Geschäftsgebäude, eine gated community. Anfängerfrage: Ist das hier schon die Stadt? Das automatische Rolltor zum Grundstück öffnet sich, Botswana bleibt hinter elektrozaun-bekränzter Mauer, wie sie der Arbeitgeber vorschreibt, zurück.

Bei den beiden in Gabs, wie wir Kenner sagen, dann gemeinsam auf einer Reise in den Norden, schließlich noch ein paar Tage bei ihnen zu Hause. Das Eishockeyspiel drängt sich bei diesen Temperaturen zur metaphorischen Strukturierung geradezu auf, drei Drittel also.

Erstes Drittel: Warm Up Von fünf Grad in Köln auf 31 Grad in Gaborone in 21 Stunden. Durchs Haus geführt werden und Thomas Mann zitieren ist für die Germanisten eins: „ein paar artige Zimmerchen“. Durch den Flur in den Wohnraum, der zählt nach Länge, Breite, Höhe (!) dreifach, in einen zweiten langen Flur mit Türen rechts und links (merken: Toilette erste rechts!), der in je einen Stutzflügel rechts und links mit weiteren Zimmern mündet; zurück in die doppelte Küche, mit ihren 17 Oberschränken ein Memory (wo habe ich zuletzt die Obstschälchen gesehen?), die Wirtschafts- und Personalräume bleiben außen vor. Zimmer zählen ist uncool, also nur so viel: rundherum 11 Außentüren und 25 Fenster; Palme, Pool, Kunstrasen.

Vorsichtiges Herantasten an das Draußen. Vergiss alles, was Du mit Stadtbild verbindest: Gaborone zu lieben ist nicht einfach, wenn man hier nicht geboren ist. Aber man sollte auch nicht in der Mittagshitze auf staubigen Seitenstreifen zur nahegelegenen Mall laufen, die aussieht wie in Köln, Seoul oder Boston, und bei SPAR oder Woolworth einkaufen. Aber wo sonst? Ich vermute, KFC ist um die Ecke. Heimweg, Halsgymnastik: Die Autos fahren auf der verkehrten Seite. Das so relativ wenige Menschen so lange Staus produzieren können! Rückzug auf die Basis.

Hier geht's zum zweiten Drittel: Heia Safari! Oder: Elefanten, Löwen und Co.
Und hier geht's zum dritten Drittel: Home sweet home – oder: All you can see in Gabs

Dienstag, 28. März 2017

Kinostart: "A United Kingdom" jetzt auch in Deutschland

Vor fast einem halben Jahr habe ich über die Ankündigung eines Films berichtet, der die Liebesgeschichte zwischen Botswanas späterem ersten Präsidenten Sir Seretse Khama und seiner englischen, weißen Frau Ruth Williams erzählt: A United Kingdom.

In Botswana kam der Film im Dezember in die Kinos, am 30.03. läuft er nun auch in Deutschland an. Zwar habe ich nicht "die halbe Zeit geheult", wie eine deutsche Bekannte es mir von ihrem Kinobesuch erzählte, dennoch können Philip und ich den Film nur empfehlen: Er bringt ein bewegendes Stück botswanischer Geschichte weltweit in die Kinos. Denn die Liebe zwischen dem botswanischen Thronfolger Khama und der Sekretärin Williams war keine Privatsache, sondern ein Politikum. 1947 lernten sie sich in London kennen, wo beide zu diesem Zeitpunkt lebten; Khama studierte dort, um besser auf seine zukünftigen Herrscherpflichten (und insbesondere die Verhandlungen mit Weißen) vorbereitet zu sein. 1948 wurden die Hochzeitspläne der beiden bekannt, und spätestens da wandte sich fast ihr gesamtes Umfeld gegen sie: Khamas Onkel, dessen Nachfolger er werden sollte, versuchte die Heirat ebenso zu verbieten wie die südafrikanische Regierung, die gerade ihre Apartheitsgesetze verschärfte. Sie übte Druck auf die Regierung in London aus, die es sich vor allem wirtschaftlich nicht mit Südafrika verscherzen wollte und deswegen ebenso gegen die Eheschließung intervenierte. Eine sogenannte Mischehe zwischen einem zukünftigen botswanischen Regenten und einer weißen Engländerin in unmittelbarer Nachbarschaft zu Südafrika - das dürfte einfach nicht sein. Der Film erzählt, wie die Khamas sich gegen alle Widerstände auflehnten und sämtlichem ihnen begegnenden Rassismus trotzten - und das ist sehenswert! An dieser Stelle seien die Schauspieler erwähnt, die ihre Rollen super verkörpern: David Oyelowo (z.B. "The Help" und "Der Butler") spielt Seretse Khama und Rosamund Pike (z.B. "Gone Girl") Ruth Williams Khama.

Kleinigkeiten haben mich etwas gestört: Wie so oft in Filmen wurde auch hier die wahre Geschichte leicht verändert - im Großen und Ganzen stimmt alles, aber die historischen Fakten was wann wo geschah werden nicht immer korrekt wiedergegeben. Einige tolle geschichtlich überlieferte Anekdoten fehlen, obwohl sie gezeigt hätten, dass Ruth Williams Khama nicht nur eine starke, sondern auch extrem starrköpfige Frau war - dabei dürfte der Ausgang der Geschichte zu großen Teilen auch ihrem Sturkopf zu verdanken sein. Ich hätte es außerdem spannend gefunden, wenn die Rolle der internationalen Presse im Film noch weiter thematisiert worden hätte - die Journalisten hatten die Khamas, vor allem Ruth, zu Beginn ihrer Ehe in einer Art und Weise verfolgt, die heutigen Paparazzis in nichts nachsteht. Ruth war es dann auch, die - natürlich ohne jeden PR-Agenten, Manager oder andere Hilfe - schließlich lernte, diese Aufmerksamkeit für ihre Zwecke zu nutzen.
Das alles hätte den Film aber wohl gesprengt und vermutlich hätte ich nichts von dem Genannten vermisst, wenn ich nicht bereits ein (Sach-)Buch über die Khamas gelesen hätte. Also, liebe Blogleser, macht Euch doch einfach selbst einen Eindruck. Wann läuft in deutschen Kinos schon mal ein Film, der zu großen Teilen in Botswana spielt? Hier nochmal der Trailer, diesmal auf deutsch:

Sonntag, 26. März 2017

Der Brexit und das Modell Botswana

In der kommenden Woche will das Vereinigte Königreich (VK) seinen Antrag auf Ausstieg aus der Europäischen Union (EU) stellen (zuletzt hatte ich über die Brexit-Diskussion in meinem Team hier geschrieben). Durch einen Zeitungsartikel bin ich letzte Woche zufällig auf ein Gutachten des wissenschaftlichen Dienstes des Bundestags von Juni 2016 zu den Verhandlungen und möglichen Verhandlungsoptionen aufmerksam geworden. Darin werden verschiedene Ländertypen als Beispiele genommen, so auch Botswana. Da ich die verschiedenen Optionen recht interessant fand, will ich sie hier einmal zitieren:
  • "Modell Norwegen: VK tritt dem Europäischen Wirtschaftsraum (EWR) bei, der den EU Binnenmarkt auf Norwegen, Island und Liechtenstein erstreckt. Das VK müsste hierbei die Binnenmarktregeln (insbesondere das Freizügigkeitsprinzip) beachten, ohne bei deren Verabschiedung Mitspracherechte in Rat und EP zu haben. Auch müsste das VK einen Beitrag zum EU-Haushalt leisten. Daher kommt diese Option wohl nicht ernsthaft in Betracht, wie BM Schäuble bereits mit seinem vielzitierten Kommentar „Out is out“ zusammengefasst hat.
  • Modell Schweiz: VK nimmt durch zahlreiche für einzelne Wirtschaftssektoren abgeschlossene bilaterale Abkommen am Binnenmarkt teil. VK müsste jedoch auch hier in den EU-Haushalt einzahlen und die Freizügigkeitsregeln beachten.
  • Modell Botswana: Im Verhältnis VK-EU gelten nur noch die allgemeinen WTO-Regeln und es kommt zur Wiedereinführung von Zöllen. Diese Option dient insbesondere als Drohszenario, das eintritt, falls es zu keiner Einigung mit der EU kommt.
  • Modell Türkei: Von Seiten des VK sowie des BMF scheint eine Assoziierungsvereinbarung favorisiert zu werden, die sich neben traditionellen Handelsregelungen auch auf Finanz- und Versicherungsdienstleistungen erstreckt. Das Abkommen würde mit dem VK als Drittstaat geschlossen werden, wobei Art. 8 EUV spezielle Übereinkünfte mit privilegierten Nachbarländern ausdrücklich vorsieht."
Das vollständige Gutachten habe ich hier gefunden. Nun ja, und damit ist klar, warum ich dieses Thema in diesem Blog aufbringe: Botswana wird als Drohszenario eingesetzt - eine Frechheit! Und: Das Drohszenario ist (mittlerweile) sogar falsch. Denn seit Oktober letzten Jahres ist das Wirtschaftspartnerschaftsabkommen (Economic Partnership Agreement, EPA) der EU mit sechs Staaten des südlichen Afrikas, u.a. auch Botswana, in Kraft (zum Zeitpunkt der Erstellung des Gutachtens war es eigentlich auch schon unterschrieben). Mit diesem Abkommen hat Botswana weitgehende Zollfreiheit beim Export in die EU, somit gelten die allgemeinen Regeln der Welthandelsorganisation (WTO) nicht mehr.
Wäre ja auch noch schöner, wenn man Botswana als Drohszenario einsetzen könnte ...

Donnerstag, 23. März 2017

Kgale Hill revisited und Entfernungen in alle Welt

Ein paar Mal waren wir ja schon oben auf dem Kgale Hill, unserem Hausberg. Eigentlich, war uns gesagt worden, steige man da im Sommer nicht hoch, weil es einfach zu heiß sei. Nun hat es in diesem Sommer so viel geregnet, dass wir derzeit gar nicht die ganz heißen Temperaturen haben - und wir uns so kürzlich sogar am späteren Vormittag trauen konnten, dort hochzukraxeln. Der Hauptgrund, weshalb wir das machen wollten, war tatsächlich, die Auswirkungen der intensiven Regenzeit zu bewundern. Und das ging schon auf dem Weg nach oben los: Die Büsche am Wegrand waren ganz grün, die Vegetation viel dichter - einmal fanden wir aufgrund all der Pflanzen und Gräser auf einem kleinen Stück den Weg nicht mehr, verstiegen uns an einer steilen Stelle, fanden dann aber doch recht schnell zurück auf unsere Route. Und: Wir hatten viel mehr Schatten als auf unseren früheren Touren auf den Kgale Hill, dank der Blätter an den Bäumen.

Der Blick von oben auf das grüne Gaborone hat sich gelohnt - vor allem auf den nun komplett gefüllten Stausee Gaborone Dam. Und der war in der Tat beeindruckend anzusehen:


Auf der etwas größeren Insel in der Mitte ist übrigens der Gaborone Yacht Club, derzeit nicht erreichbar, da das Wasser die Straße dorthin, die auf einem Damm liegt, überspült hat.
Zum Vergleich hier ein Bild von unserem ersten Ausflug auf den Kgale Hill im Juli 2016 aus halbwegs ähnlicher Perspektive - damals war der Wasserstand bei ca. 15% seiner Kapazität:


Außerdem habe ich auf dem Kgale Hill noch eine Lektion in Sachen Geographie erhalten. Zusätzlich zu dem Entfernungsschild nach Peking ist dort neuerdings auch ein Schild nach Dakar (aufgrund eines botswanischen Teilnehmers an der Rallye Dakar):


Für mich war auffällig, dass der Entfernungsunterschied zwischen der Distanz nach Peking (China, immerhin am anderen Ende Asiens, 11800 km) und der Distanz nach Dakar (Senegal, ganz im Westen immerhin des gleichen Kontinents, 9200 km) gerade einmal 2500 km beträgt. Das zeigt doch wieder einmal, wie groß der afrikanische Kontinent ist (und wie verzerrt klein er offenbar auf den gängigen Karten dargestellt wird).
Zurück zu Hause habe ich mal noch ein paar weitere Entfernungen nachgeschaut, um mal einen Eindruck zu bekommen:
Gaborone - Frankfurt: 8500 km
Frankfurt - Peking: 7800 km
Frankfurt - Dakar: 4600 km.

Wir sind hier doch ganz schön weit weg von Deutschland. Und Afrika ist sehr sehr groß.

Dienstag, 21. März 2017

Trörö statt Miau

Kürzlich ging hier die Meldung durch die Medien, dass LKW-Fahrer entlang der Straße nach Nata auf einen ca. drei Wochen alten Baby-Elefanten gestoßen waren, der kurz vor dem Verdursten stand und offenbar seine Mutter verloren hatte. Die LKW-Fahrer gaben dem Elefanten zunächst Wasser aus ihren Trinkflaschen, luden ihn dann auf und brachten ihn zu einer Elefantenschutz-Organisation, wo er sich wohl erholt.
Das Video von dem Baby-Elefanten mit Trinkflasche wurde wohl bereits über einhunderttausendmal angeklickt - ist er nicht süß?



Man stelle sich einmal vor, wir hätten kürzlich nicht ein ca. drei Wochen altes Kätzchen gefunden, sondern einen Baby-Elefanten. (Wobei sich dann wirklich die Frage gestellt hätte, wie der unter unserem Tor hindurch aufs Grundstück gelangen konnte ... und die alte Auflaufform von Le Creuset hätten wir dann auch nicht als Körbchen nutzen können. Auch die Fahrt zum Tierarzt in unserem VW Golf kann ich mir dann nicht mehr so wirklich vorstellen.) Wie es dann wohl heute in unserem Garten aussehen würde? Und ob sich unsere Freunde hier wohl auch bereit erklärt hätten, den Elefanten während unserer Abwesenheit bei sich unterzubringen, so wie das Kätzchen?

Sonntag, 19. März 2017

Frühstück mit Elefanten

Während unseres Heimaturlaubs in Deutschland habe ich mir einen aktuellen Bestseller gekauft: Gesa Neitzels "Frühstück mit Elefanten". Er ist im September bei Ullstein erschienen und stand bis jetzt 12 Wochen auf der SPIEGEL Paperback Sachbuch-Bestsellerliste - ein schöner Erfolg für die Autorin, die mit ihrem Buch offensichtlich einen Nerv getroffen hat. Gesa Neitzel beschreibt in ihrem Erfahrungsbericht, wie sie ihrem Berliner Leben den Rücken kehrt und ins südliche Afrika reist, um sich dort innerhalb eines Jahres zur Rangerin ausbilden zu lassen. Als Leser ist man gefühlt hautnah dabei - wenn sie versucht, sich Vogelstimmen einzuprägen, einem Elefanten in die Augen schaut oder schießen lernt (letzeres nur als zur Ausbildung gehörende Sicherheitsmaßnahme). Dabei wird man sehr schnell in den Sog dieses Buches gezogen. Die Autorin beschreibt Landschaften, Gerüche und Geräusche so toll, dass man zum Teil nur die Augen schließen muss und selbst das ausgetrocknete Limpopo-Flußbett vor sich sieht. Aber auch ihre Freunde und Lehrer wachsen einem ans Herz, denn sie lässt den Leser nicht nur an ihrer Ausbildung, sondern auch an ihren Gefühlen teilhaben.


Gesa Neitzels Ausbildungsstationen waren in Botswana, Südafrika und Namibia - wir haben das Buch daher mit besonderem Interesse gelesen. Und als ich im Januar Freiwilligendienste googelte, während Philip als erster von uns beiden "Frühstück mit Elefanten" las, stieß ich tatsächlich auf das Projekt, bei dem die Autorin ein dreimonatiges Praktikum absolviert hatte - EHRA, woran ich dann tatsächlich auch zwei Wochen teilnahm. Es war natürlich toll, ihre Erlebnisse da im Vorfeld zu lesen, um noch einen besseren Eindruck zu bekommen - und hinterher gleich nochmal, denn inzwischen hatte ich einige der Leute kennengelernt, von denen im Buch die Rede war.

Philip und mich hat es dennoch erstaunt, dass das Buch so einen großen Erfolg hat - Sehnsuchtsort Afrika? Träumen wirklich viele Deutsche vom afrikanischen Busch und seinen Tieren bzw. interessieren sich so sehr dafür? Sicher hilft es dem Buch, dass die Autorin in der letzten Zeit öfters in Talkshows eingeladen war. Ich kann "Frühstück mit Elefanten" auf jeden Fall empfehlen: Es liest sich auch wegen der vielen persönlichen Anekdoten gut und man bekommt noch einmal einen anderen Eindruck vom südlichen Afrika und seiner Tierwelt. Darüber hinaus ist es zum Teil schon fast philosophisch und beschäftigt sich mit den großen Fragen, die jeden mal umtreiben: Was mache ich mit meinem Leben? Wo will ich hin? Was macht mich glücklich? Gesa Neitzel hat für sich einige Antworten gefunden und sie als Leser auf ihrem Weg zu begleiten, ist auf alle Fälle bereichernd.

Freitag, 17. März 2017

Apfel-Granaten

Schon letztes Jahr im Mai durften wir uns an Obst aus unserem Garten erfreuen, der Grapefruit-Baum hat uns eine Reihe reifer Früchte und saurer Speisen beschert.
Nun brachte uns unser Gärtner Sam kürzlich das nächste Obst: Der Granatapfel-Strauch trägt eine ganze Menge Früchte, die nun nach und nach reif werden! Ganz so rot, wie ich sie aus deutschen Supermärkten kenne, sind sie bisher nicht - aber dafür mindestens ebenso aromatisch!


Bleibt also nur noch die Frage: Wer kennt gute Rezepte mit Granatäpfeln?

Mittwoch, 15. März 2017

Schon wieder ein Rückblick: Jahrestag

Es ist kaum zu glauben - nun bin ich schon ein Jahr hier. Dabei fühlt es sich doch fast an, als ob ich erst gestern den Eintrag zu einem Monat in Botswana geschrieben hätte.

Es fällt mir schwer, ein (Zwischen-)Fazit aufzuschreiben. Erwartungsgemäß ist vieles, was anfangs ungewohnt war, mittlerweile Alltag und so normal, dass ich es hier schon gar nicht mehr für erwähnenswert halte (wie z.B. der Linksverkehr); an andere Dinge werde ich mich dagegen nicht so schnell gewöhnen (wie z.B. wirklich alles mit dem Auto zu machen und so wenig Bewegung zu bekommen).

Es hat lange gedauert, bis ich das Gefühl hatte, hier angekommen zu sein. Die ersten fünf Wochen war ich ohne Walli hier, dann hat es noch weitere zwei bis drei Wochen gedauert, bis der Container angekommen ist und unser Häuschen eingerichtet war. Es ist uns für mich überraschend schwer gefallen, hier Leute kennenzulernen. Eine deutsche "Community", wie ich sie aus Ghana kannte, gab und gibt es hier eher nicht - warum, das habe ich bis heute nicht richtig herausgefunden (zu wenig Deutsche im Land? Irgendwelche Vorfälle unter den Kollegen in der Vergangenheit?). Es hat eine Weile gedauert, aber mittlerweile haben wir hier gute Bekannte, mit denen wir uns gelegentlich treffen. Und in der Zwischenzeit haben wir abends viele Serien und Filme geschaut, sind gelegentlich ins Kino gegangen - und haben eifrig Blogeinträge geschrieben.
Ansonsten lässt es sich hier eigentlich recht gut leben. Durch die Nähe zur Grenze mit Südafrika sind viele südafrikanische Supermarktketten hier (auch eine botswanische Kette gibt es) und die Versorgungslage mit Lebensmitteln und anderen Artikeln des täglichen Bedarfs ist gut - ungleich besser als sie es bei meinem Aufenthalt in Ghana 2006 bis 2008 war. Und mehrere Kinos des gleichen Betreibers gibt es auch, in denen wir zwar kein Programmkino sehen können, aber doch einige Hollywoodfilme (wobei sie sich hier auf Science Fiction und Horror spezialisiert zu haben scheinen, was nicht wirklich unser Genre ist). Unsere Wohnsituation ist für unsere Verhältnisse luxuriös, um unser gut geschnittenes Haus mit seinem hübschen, pflegeleichten Garten werden wir von manchen Kollegen (bzw. der Frau meines Chefs!) beneidet. Unsere Frankfurter Wohnung, die wir so geliebt haben, wird uns möglicherweise irgendwann beengt vorkommen.

Nicht zu vergessen sind natürlich auch unsere Urlaube: Wir hatten das Privileg, hier schon fantastische Reisen machen zu können, an die wir gerne zurückdenken. Wenn die schönsten Destinationen nur nicht so weit weg wären! Ein paar mehr Ziele für Wochenend-Trips wären noch schön zu entdecken.

Im Job bin ich anfangs ziemlich ins kalte Wasser geworfen worden, es gab einiges aufzuarbeiten und für mich zu lernen. Bis heute würde ich sagen, dass ich (im Guten wie im Schlechten) noch keine Routine habe: (fast) jeder Tag ist aufs Neue spannend. Mein Chef scheint zufrieden mit meiner Arbeit zu sein, das Projekt ist auf einem halbwegs guten Weg, seine Ziele zu erreichen - was will man mehr?

Manchmal war es im vergangenen Jahr einfach nur doof, so weit weg von Deutschland und damit von Familie und Freunden zu sein; umso schöner, dass ich das ein oder andere Mal Gelegenheit hatte, dienstlich (und über Weihnachten privat) die Heimat zu besuchen und so den einen oder anderen zu sehen (leider nicht alle!).

Nun bin ich gespannt, was Jahr zwei in Botswana bringen mag. Auf geht's!

Montag, 13. März 2017

Botswana auf der ITB

Botswana wurde bereits 2016 vom Reiseführer Lonely Planet als Reiseland Nr. 1 empfohlen. Auch dieses Jahr steht es weiterhin hoch im Kurs. In der vergangenen Woche fand in Deutschland die größte Tourismus-Messe der Welt statt, die Internationale Tourismus-Börse (ITB) in Berlin. Das diesjährige Partnerland war tatsächlich: Botswana. War zufällig jemand dort und kann berichten?
Auf der Eröffnungsfeier war sogar der botswanische Präsident, Ian Khama, als Ehrengast. Außerdem hat er seinen Deutschlandbesuch genutzt, um Frau Merkel zu treffen.

Der hiesige Landesdirektor der GIZ (mein Chef) war kurz vor der ITB in Berlin und hat in einem Radio-Interview mit dem RBB Inforadio über Botswana gesprochen, auch über die Arbeit der GIZ (kaum jedoch über mein Projekt, das sich ja auch nicht nur auf Botswana bezieht). Wer Interesse hat, kann sich das Interview hier anhören (ca. 36 Minuten).

Anlässlich der ITB hat auch die Deutsche Welle ein kurzes Video zu Ökotourismus in Botswana veröffentlicht - größtenteils im Chobe Nationalpark gedreht (der Ökotourismus ist uns bisher da jedoch nicht aufgefallen). Und auch andere Medien nutzten den Anlass ITB, um etwas zu Botswana zu veröffentlichen: Wer zu viel Zeit hat, kann sein Wissen zu Botswana in einem Quiz der Süddeutschen testen.

Jetzt bleibt nur noch die Frage: Wann kommt Ihr in die Tourismus-Destination Botswana?

Samstag, 11. März 2017

Den Wüstenelefanten hinterher

Die erste Woche meines Freiwilligendienstes bei EHRA (Elephant-Human Relations Aid) in Namibia stand im Zeichen des Mauerbaus. Die zweite Woche war wesentlich weniger anstrengend und ist auch als Belohnung für die Freiwilligen gedacht: Auf die building-week folgte die patrol-week. Während dieser ist man den Elefanten auf der Spur, denn in der Bauwoche sieht man meistens keine und es wäre doch sehr schade, wenn man zwei Wochen bei einem Elefantenschutzprojekt mithilft, ohne die Tiere überhaupt zu Gesicht zu bekommen ... EHRA arbeitet außerdem mit der namibischen Regierung zusammen. Sie sammln Daten über die Elefanten in dem Gebiet und stellen diese der Umweltbehörde zur Verfügung.
Unsere Elefanten-Patrouille begann traurig: Wir suchten und fanden zunächst die sterblichen Reste eines in der Vorwoche erschossenen Elefanten. Während wir die Mauer bauten, war viele Kilometer entfernt nachts ein tragischer Unfall geschehen: Ein wohl betrunkener Farmer war in der Dunkelheit einem Elefantenbullen begegnet und hatte dies nicht überlebt. Elefanten sind keine aggressiven Tiere, aber wenn sie sich bedroht fühlen - und das tun sie, wenn man ihnen zu nahe kommt - verteidigen sie sich. Die Umweltbehörde hatte daraufhin die Erschießung des Elefanten beauftragt. Es war allerdings nicht bekannt, welcher Bulle den Mann getötet hatte und letztendlich wohl auch egal, denn im Endeffekt wurde ein weibliches Tier erschossen. EHRA führt Buch über die 40 Wüstenelefanten, die im näheren Umkreis leben und wollte die erschossene Elefantenkuh identifizieren. Also fuhren wir erstmal in das Gebiet, in dem die Überreste liegen sollten und fragten dann noch bei zwei, drei Farmen nach, bis wir das Tier schließlich fanden. Nachdem es erschossen worden war, war das Fleisch wohl an die Farmer verteilt worden. Große Teile des Kopfes waren mit den Stoßzähnen entfernt worden (Elefenbein wird von der Behörde weggeschlossen, der Handel ist illegal). Es war kein schöner Anblick und eine Identifizierung des Elefanten war für die Leute von EHRA so auch nicht mehr möglich.
Also mussten wir anders vorgehen. Weibliche Elefanten sind im Gegensatz zu männlichen keine Einzelgänger - sie bewegen sich immer in ihrer durchschnittlich um die zehn Tiere umfassenden Herde, die von einer Matriarchin angeführt wird. Es galt also, die Elefantenherden aufzuspüren und festzustellen, in welcher Herde welche Elefantenkuh fehlte.

Das Damaraland ist unheimlich trocken. Seit dem Jahresanfang hatte es jedoch immer mal wieder geregnet, was der Natur wahnsinnig gut getan hatte. Das bedeutete allerdings auch, dass die Elefanten mehr Wasser- und Nahrungsquellen zur Auswahl hatten als sonst - und das machte die Suche nach ihnen nicht unbedingt einfacher. Wir sahen zwar immer wieder Spuren, aber ein Elefant kann 70 km pro Tag laufen und ist offroad dann doch auch mal schneller unterwegs als ein Auto in dieser sehr steinigen Gegend. Sowohl am Montagnachmittag als auch am Dienstag waren wir erfolglos, obwohl wir mehrmals aus den Safari-Fahrzeugen ausstiegen und auf Steinhügel kletterten, von denen wir mit unseren Ferngläsern Ausschau hielten.


Übernachtet haben wir in dieser Woche wieder in Zelten, die wir aber jeden Abend woanders aufschlugen. Unser komplettes Gepäck hatten wir so jeden Tag in den Safari-Fahrzeugen dabei. Die Schlafsäcke rollten wir in die dünnen Matratzen ein und schnallten sie auf den Autodächern fest. Leider war es wirklich eine regenreiche Zeit - man konnte nur hoffen, dass die eigene Bettrolle eher unten lag ...


Aber am dritten Tag wurden dann alle Strapazen belohnt: Wir sahen erst Bergzebras, dann Giraffen und schließlich auch die Elefanten! Und zwar gleich drei Herden in unmittelbarer Nähe zueinander. Die uns begleitenden EHRA-Mitarbeiter hatten dann auch recht schnell raus, in welcher Herde ein Tier fehlte, unsere Mission war somit erfolgreich. Und dann standen wir einfach eine ganze Weile da und beobachteten die Elefanten.


Eine Herde zog schließlich direkt an unseren hintereinanderstehenden Autos vorbei - fast alle Tiere vor dem ersten Auto, eines auch hinter dem zweiten. Der Herde folgte ein Bulle, den EHRA Voortrekker getauft hat - er war 1998 der erste Wüstenelefant, der wieder in diese Gegend zurückwanderte und hat wohl auch die erste Herde dorthin zurück gelotst. Voortrekker ist ein beeindruckender, riesiger Elefantenbulle. Und er hat seinen eigenen Kopf: Er wollte nicht vor oder hinter den Autos an uns uns vorbei. Sondern dazwischen. Unsere beiden Safari-Fahrzeuge standen vielleicht zwei Meter auseinander. Voortrekker ließ sich viel Zeit und näherte sich uns langsam, im entscheidenden Moment legte er aber dann doch einen Zahn zu.


Am Donnerstag sahen wir ihn nochmal wieder, bevor wir zum Basiscamp zurückfuhren. Und am Freitag ging es dann auch schon zurück nach Swakopmund. Erlebnisreiche und schöne zwei Wochen waren das!

Donnerstag, 9. März 2017

Mauerbau

Wenn mir im Februar 2016 jemand prophezeit hätte, dass ich ein Jahr später in der staubigen Wüste Namibias Steine schleppen, Zement anrühren und eine Mauer bauen würde, hätte ich mich vermutlich gefragt, was in meinem Leben innerhalb eines Jahres wohl so schief gehen könnte. Aber im Januar 2017 buchte ich dann tatsächlich einen zweiwöchigen Freiwilligendienst bei der NGO EHRA (Elephant-Human Relations Aid) in Namibia und zahlte sogar noch Geld dafür. Sachen gibt's ...

EHRA existiert seit über 10 Jahren und hat sich den Schutz der Wüstenelefanten im namibischen Damaraland zur Aufgabe gemacht. Diese waren in den 1980er Jahren aus der Region verschwunden - durch Wilderei, Jagd und Vertreibung. Ende der 1990er Jahre wanderte dann die erste Elefantenherde zurück in die Region, weitere folgten. Die Jagd auf Elefanten war inzwischen verboten. Die Farmer im namibischen Damaraland waren allerdings nicht erfreut über das Wiederauftauchen der Elefanten und ihre Vermehrung. Sie fürchteten zum einen um ihr Leben, zum anderen um ihre Wasserspeicher: Wasser ist in diesem trockenen Landstrich ein rares Gut, Flüsse die meiste Zeit ausgetrocknet. Auch die Elefanten ziehen auf der Suche nach Wasser durch die Wüste, und wenn sie einen Wassertank, eine Pumpe o.ä. finden und das Wasser wittern, versuchen sie, daran zu kommen - aufgrund ihrer Größe und Stärke oft erfolgreich.

Wie der Name schon sagt, versucht EHRA, die Mensch-Elefanten-Beziehungen zu verbessern. Zum einen durch das Anlegen und Pflegen künstlicher Wasserlöcher, Aufklärung über Elefanten, Engagement in Schulen - zum anderen durch konkreten Schutz der Wasserreserven der Farmer. Das bedeutet: Wenn ein Farmer eine stabile neue Mauer um seinen Wassertank o.ä. braucht, kann er sich bei EHRA melden. Und dann wird ihm im Rahmen des Freiwilligendienstes von ehrenamtlichen Helfern eine Mauer gebaut.

Als Freiwilliger meldet man sich bei EHRA für mindestens zwei Wochen an. In der erste Woche ist dann immer die sogenannte "Building-Week". Montags fuhren wir erst einmal gemeinsam von Sakwopmund gute vier Stunden ins Damaraland, die meiste Zeit auf breiten Staubstraßen. Nach einer Nacht im EHRA-Basiscamp ging es am Dienstag dann in einer zweieinhalbstündigen Fahrt zu der Farm, auf der vorherige Freiwilligengruppen bereits mit dem Bau einer Rundmauer um einen Wasseranschluss begonnen hatten - wir sollten das Ganze nun zuende führen. Am Dienstag begannen wir noch nicht mit dem eigentlichen Bau, sondern schlugen unser Zeltcamp auf.


Dann karrten wir im Anhänger des Safari-Autos noch mehrere Schubkarren-Ladungen Sand neben die Mauer und sammelten außerdem Steine in der Wüste, die für den Bau geeignet erschienen. Unter ihnen lagen ab und an kleine Schlangen oder auch Skorpione, beim Aufheben war daher Vorsicht geboten. Zementsäcke hatten wir bereits mitgebracht, wie auch das Werkzeug: Schubkarren, Spaten, Maurerkellen. Also wurden am Mittwochmorgen die Arbeitshandschuhe angezogen und dann ging es los: In den vier Schubkarren wurde fast nonstop Zement angemixt. Man nehme 6 Spaten Wüstensand, 3 Spaten Zement, mische das Ganze in einer Schubkarre gut durch, füge dann nach und nach ein bis eineinhalb Eimer Wasser zu, bis man einen dunkelgrauen Brei in der gewünschten Konsistenz hat. Dann wurde die Schubkarre über Sand und Stein zu der Stelle der Mauer gebracht, an der gerade gespachtelt wurde.


Die Aufsicht darüber, welcher Stein wohin kam, hatte Mattias, ein Herero, der bereits seit drei Jahren für EHRA arbeitet und seitdem alle Mauern mitgebaut hat. Er schickte uns auch los, wenn ihm die verbliebenen Steine als ungeeignet erschienen und neue herangekarrt werden mussten - die besten Steine waren groß, eher flach und möglichst eben.Vermutlich weil er bereits unzählige Freiwillige angeleitet hatte, strapazierte Mattias sein Namensgedächtnis nicht groß: Von uns 10 Freiwilligen sprach er nur Lotta aus Schweden mit ihrem richtigen Namen an, sie war allerdings auch bereits vier Wochen bei EHRA. Für den Rest von uns dachte er sich größtenteils Namen aus, wenn er uns ansprechen wollte: Fabian aus der Schweiz war Sebastian, Steven aus Wales war Jeffrey und ich wurde kurzerhand Kling-Kling getauft. Als Mattias ein paar Tage später mitbekam, dass mich jemand mit Walli ansprach, war er sehr erstaunt - er hatte bereits vergessen, dass Kling-Kling gar nicht mein richtiger Name war ...

Wir schafften es bis Donnerstagabend tatsächlich, die Mauer zuende zu bauen. Mitbeflügelt hatte uns die Aussicht, dann schon am Freitagmorgen unsere Zelte abbrechen zu können und so schneller unter eine Dusche zu kommen - fließend Wasser hatten wir nur unmittelbar an der Baustelle, aber im Camp keine Dusche o.ä. Trotz exzessivem Feuchttücher-Einsatz sahen wir nach den Tagen ganz schön verstaubt aus. Verschmutzt kletterten wir aber noch für ein Abschiedsfoto auf das schon am meisten getrocknete Stück der inzwischen ca. 1,80m hohen Mauer.


Stolz waren wir. Auch als die drei Farmarbeiter, die beim Bau mitgeholfen hatten, zu ihrer kurzen, aber offensichtlich von Herzen kommenden Dankesrede ansetzten: "Guys, thank you!" Sie sprachen sonst kein Englisch. Als nächstes werden sie einen Wassertank innerhalb der Mauer installieren. Er wird dann u.a. die Trinkrinne speisen, aus der die Ziegen und Kühe auf der Farm trinken.

Dienstag, 7. März 2017

Ein bisschen Deutschland gleich nebenan

Von Mitte Februar bis Anfang März waren Philip und ich beide unterwegs - er in Deutschland auf Dienstreise, ich in Namibia bei einem Elefantenschutzprojekt. Bevor ich aber ins namibische Damaraland fuhr, wollte ich noch etwas Sightseeing machen und verbrachte zunächst zwei Tage in der Hauptstadt Windhoek, was mich immerhin etwas auf den Kulturschock vorbereitete, der mich danach in Swakopmund treffen sollte.

Namibia war von 1884 bis 1915 deutsche Kolonie. Es ist also über 100 Jahre her, dass das Land in südafrikanische Hände fiel, bevor es 1990 endlich unabhängig wurde. Um so erstaunter war ich über all die deutschen Spuren, die noch zu sehen sind. Mein Hostel lag unweit der Kreuzung zwischen "Triftstrasse" und "Voigtstrasse Nord", die deutsche Buchhandlung war ebenso fußläufig zu erreichen wie die "Luisen Apotheke", die sogar ein Fachwerkdach hatte. Laut Reiseführer ließ der deutsche Bürgermeister des Vororts Klein Windhoek das Haus 1913 errichten. Steile Dächer wie dies hier wurden in Deutschland gebaut, um zu verhindern, dass sich Schnee auf einem Dach sammeln und es schließlich eindrücken würde. In Windhoek war das allerdings klimatisch zu keiner Zeit zu befürchten und stellt so bis heute eine von vielen aus Deutschland importierten Kurositäten dar.


Auch sonst existieren in Windhoek deutsche und andere Spuren fröhlich nebeneinander her. Hinter dem alten Wahrzeichen Windhoeks, der 1910 fertiggestellten Christuskirche, prankt das neue, das Independence Memorial Museum. Ein Straßenverkäufer machte mich auf die Ähnlichkeit mit einer Kaffeemaschine aufmerksam, bevor er mir einen überteuerten Schlüsselanhänger mit meinem Namen drauf andrehte.


In der Christuskirche finden deutsche Gottesdienste statt. Lieder werden auf der Orgel aus Ludwigsburg begleitet, die Glocken sind aus Apolda und die bunten Fenster hat Kaiser Wilhelm II. gestiftet (gefertigt wurden sie in Nürnberg). Deutscher geht's nicht. Die Kaffeemaschine hat mich dagegen von innen mehr an die UdSSR denken lassen: Im Unabhängigkeitsmuseum gibt es vor allem Statuen und Bilder mit überlebensgroßen Heldenfiguren sowie ein paar Flaggen und Uniformen zu sehen. Auf erklärende Texte wurde dafür größtenteils verzichtet. Erbaut wurde das 2014 eröffnete Museum übrigens von einer nordkoreanischen Firma, ohne Einbeziehung der Öffentlichkeit, lokaler Künstler oder Firmen. Bis zum Museumsbau stand an der Stelle ein deutsches Reiterdenkmal, das einen Schutztruppler darstellte. Es wurde in den ziemlich ungepflegten Innenhof eines anderen Museums versetzt. Windhoek macht generell den Eindruck, als würden die Namibier mit den verschiedenen geschichtlichen Überbleibseln ziemlich unkompliziert umgehen.


Neben mehreren Shopping Malls gab es immerhin auch ein erkennbares Stadtzentrum und ansonsten größtenteils die gleichen Läden und Restaurentketten wie in Gaborone. Durch diese Mischung aus bekannten Geschäften und deutschen Einflüssen fühlte sich die Stadt für mich immerhin relativ schnell vertraut an. Und bereitete mich dennoch nicht auf die deutscheste aller namibischen Städte vor: Swakopmund.

In meinem Reiseführer stand, dass die Namibier Swakopmund gerne als das "südlichste Nordseebad der Welt" bezeichnen würden. Und genau das ist es: Ein Nordseebad im Antlantik. Eine Teilnehmerin des Elefantenschutzprojekts, die direkt in Walvis Bay (dem Swakopmunder Flughafen) gelandet war, fragte mich am ersten Abend fröhlich, ob es über all in Afrika so aussähe - ich bekam fast Schnappatmung. Breite Bürgersteige, deutsche Straßennamen, Zebrastreifen, vor denen die Autos sogar halten ... es war irritierend und durch und durch unafrikanisch. Es gab auch kaum Mauern mit Elektrozäunen, stattdessen standen ziemlich viele Einfamilienhäuschen rum, die besser nach Niedersachsen gepasst hätten. In einem Garten war die hamburgische Flagge gehisst, ansonsten standen auf den Häusern Namen wie "Sonneneck", "Hotel Zum Kaiser" und "Antonius Residenz". Mindestens in der Hälfte der Geschäfte, in denen ich war, wurde ich selbstverständlich auf deutsch angesprochen. Und im Café Anton, in dem ich ein Stück Schwarzwälder Kirschtorte aß (man muss die Feste feiern, wie sie fallen) prangte ein großes Wandgemälde, das Kleve am Niederrhein sowie Königsberg zeigte. Warum auch immer.


Vor dem "Swakopmund Brauhaus" lief ein dicklicher Dackel herum und auf einer Litfasssäule wurde "Die Nacht des deutschen Schlagers" angekündigt, bei der unter anderem Heino und Patrick Lindner auftreten sollten. Ich glaube, wenn ich direkt von Deutschland nach Swakopmund geflogen wäre, hätte ich mich leicht veralbert gefühlt. So fand ich es ganz lustig, bestellte Sauerkraut zum Springbock-Steak und freute mich an all den Dingen, die ich in Gaborone vermisste (oder auch nicht). Und abgesehen von allem Deutschtum liegt Swakopmund wunderschön - sowohl in der Wüste als auch direkt am Meer. Die Stadt ist hübscher als Windhoek und auch touristisch lässt sich dort mehr machen. Mit Afrika hat sie aber halt nicht so wahnsinnig viel zu tun.

Sonntag, 5. März 2017

100% dank Dineo

Thema Nummer 1 in Gaborone in diesen Tagen: Der Gaborone Dam ist voll! Das ist der Stausee vor den Toren Gaborones, der einen größeren Teil der Trinkwasserversorgung der Stadt sicherstellen soll.
Dieser Stausee hat - wenn er voll ist - ein Volumen von 141 Millionen m³. Das ist ungefähr die 1,7-fache Menge Wasser der Großen Dhünntalsperre (immerhin die größte Trinkwassertalsperre im Westen Deutschlands).
Der Gaborone Dam war das letzte Mal 2001 komplett voll; noch vor einem Jahr betrug der Füllstand 1,7 % seiner Kapazität. (Wir erinnern uns: Dann kam ich nach Botswana und brachte den Regen, zu Beginn der Trockenzeit betrug der Füllstand dann um die 20%). Mit Einsetzen der Regenzeit Anfang November war der Stausee immerhin noch zu gut 13% gefüllt (ja ja, zum Füllstand gibt's täglich ein Update bei Facebook, das auch kräftig kommentiert wird - das ist eben ein wichtiges Thema in einem Dürre-geplagten Land). Die diesjährige Regenzeit war schon außergewöhnlich gut, und so stand der Stausee Anfang vorletzter Woche bei 39% seiner Kapazität, ein Wert, auf den niemand hier zu hoffen gewagt hatte.

Dann kam Dineo. Dineo war ein Wirbelsturm, der in Mosambik an Land ging und schließlich auch über Botswana hinweg zog. Innerhalb von 24 Stunden war der Füllstand des Stausees bei 74%. Es regnete hier wohl 25 Stunden ununterbrochen, ein noch nie zuvor dagewesenes Ereignis (wir waren beide gerade nicht im Land). Die Sonne war für drei Tage am Stück nicht zu sehen, auch das war für viele Menschen hier kaum vorstellbar. Drei Tage später fing der Stausee an, überzulaufen, die 100%-Marke war erreicht. Würde ab jetzt kein Regen mehr fallen, reichte das Wasser für 30 Monate. Das Wasser in unseren Wassertanks würde nicht ganz so lange für die Gartenbewässerung und Poolauffüllungen ausreichen, aber auch sie sind durch die Regenwassersammlung in den Dachrinnen bis obenhin gefüllt.

Botswanas Einwohner bejubelten jedes zusätzliche Prozent Füllstand - ich fand es etwas unheimlich, dass sich der Stausee so schnell füllte und dass niemand wirklich an die Zerstörung dachte, die so viel Wasser auch bringen kann. 200 Familien haben wohl ihre Häuser verloren, Felder sind überflutet, kleinere Brücken zerstört, einige Straßen in Gaborone sind aufgrund neuer Schlaglöcher nur noch im Slalom zu befahren - aber Gaborone ist glücklich: Pula, Regen, der Stausee ist voll. Der heutige Sonntag wurde als Feiertag - Thanksgiving Sunday - ausgerufen, um den Füllstand zu feiern.
Der Gaborone Yacht Club, durchaus ein netter Ausflugsort auf einer Insel im See gelegen und vormals über eine höhergelegte Straße durch trockene Bereiche des Stausees zu erreichen, ist derzeit von der Außenwelt abgeschnitten. Wie lange es wohl dauern wird, bis wieder ein Fährbetrieb auf die Insel eingerichtet wird, wie es ihn vor vielen Jahren einmal gab?