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Dienstag, 13. März 2018

Zweijähriges

Es ist kaum zu glauben: Nun bin ich schon zwei Jahre hier in Gaborone (hatte ich nicht gerade erst über mein einjähriges Jubiläum geschrieben?). Da kann ich wohl nicht mehr sagen, dass ich hier noch ein Frischling bin.

Hat mich die Zeit verändert? Bestimmt. Veränderungen an sich selbst entdeckt man ja eher seltener - daher müssten eigentlich andere diese Frage beantworten. Wie ich das sehe: Ich bin sicherlich noch einmal aufmerksamer für interkulturelle Begebenheiten geworden, verstehe besser, was mir jemand sagen will, wenn er/sie eigentlich nichts sagt (indirekte Kommunikation ist nicht nur in Asien wichtig, auch hier sind wir Deutschen eigentlich per se viel zu direkt, siehe auch "How are you?"). Im Job habe ich viel gelernt, mit Höhen und Tiefen, Führung und Finanzen, Projektmanagement und Aufbau von Partnerbeziehungen - hat mich das auch verändert? Ich glaube, dass ich mich weiterhin im Spiegel anschauen kann und mich wiedererkenne, mich nicht allzu sehr verbogen habe. Eine eher unerwartete Veränderung: Mein deutsches Sprachgefühl ist vielleicht noch einmal ein wenig feiner geworden (diesem Blog und Wallis häufig streng-präzisem Lektorat sei Dank!).

Habe ich denn umgekehrt Gaborone oder SADC verändert? Das wäre wohl etwas groß gedacht. Schade eigentlich. Dass es mit einer Veränderung der Autofahrer durch uns hier bisher nicht geklappt hat, habe ich ja kürzlich schon geschrieben. Ich würde gerne sagen, dass ich durch mein Handeln zumindest einigen botswanischen Mitarbeiter/innen im Büro ein Vorbild gewesen bin. Doch da sollte ich wohl eher vorsichtig sein: Mir wird zwar effizientes Handeln bescheinigt, doch vielleicht gibt es hier auch einfach interkulturelle Grenzen, sprich ein gewisses gegenseitiges Unverständnis über den (nicht-)Einsatz im Job. Mit dem von mir geleiteten Projekt haben wir bisher unsere Ziele weitgehend erreicht - und damit haben wir dann eben doch etwas bewirkt. Und, worüber ich mich besonders freue: Einer meiner "assoziierten Mitarbeiter" (gibt es das? Nicht direkte Führung durch mich, aber Teil des Teams), der schon seit 2013 im Projekt mitarbeitet, hat mir bereits mehrfach bescheinigt, dass die Stimmung im Team derzeit so gut sei wie er sie noch nie zuvor erlebt hat.

Auch abseits des Jobs haben wir uns recht gut eingelebt. Walli muss sich quasi schon Termine blocken, um noch Zeit zum Lesen zu finden (ihr Belletristik-Blog Romanregal.de erhält aber weiterhin regelmäßig Updates!) - und gerade im letzten Jahr konnten wir Botswana, Namibia und kleine Teile Südafrikas ein wenig erkunden. Diese Wochenendausflüge bis hin zu längeren Urlauben waren teils wirklich fantastisch; an die oft langen Autofahrten haben wir uns schon fast gewöhnt (11,5 Std. nach Windhoek? Geht doch an einem Tag.).
Unsere Freundschaften hier gestalten sich anders als wir es aus Deutschland kennen, einige waren auch für uns unerwartet. Wer hätte zu Beginn unserer Zeit in Gaborone schon gedacht, dass ich hier mittlerweile mehrfach mit meinem knapp 20 Jahre älteren Chef campen gehen würde (ok, zu Beginn unserer Zeit hier war es auch noch ein anderer Chef)? Wir haben jedenfalls bereits viele Ideen für weitere Ausflüge im Kopf - und mit unserem Dachzelt werden diese hoffentlich auch finanzier- und realisierbar (während ich diesen Blogeintrag schreibe stellt Walli bereits die nächste Route zusammen).
Zwei Jahre ist es also her, dass ich in Gaborone angekommen bin, und es ist viel passiert - sowohl hier wie auch in Deutschland. Es fühlt sich manchmal an, als ob ich schon viel länger in Botswana wäre. Auch hier habe ich gerade unter der Woche so etwas wie einen "Alltag" - er erscheint mir häufig wenig spektakulär und wenig erzählenswert. Erst in Gesprächen mit Freunden und Bekannten, stellen wir gelegentlich fest, dass manches, was wir hier mittlerweile als "normal" empfinden, vielleicht doch erzählenswert ist. Und dann ist mein erster Gedanke natürlich, wie daraus ein Blogeintrag werden kann... Bis zum nächsten Eintrag also!

Samstag, 22. April 2017

Der erste Jahrestag - Vol. 2

Als wir am Ostermontag am Johannesburger Flughafen waren, um unsere Rückreise nach Gaborone anzutreten, wurde mir für einen kurzen Moment ganz nostalgisch zumute. Als wir nämlich die Abflughalle mit den Gates für die Flüge in die afrikanischen Nachbarländer betraten, fiel mir wieder ein, dass ich da am 22.04.2016 schon einmal mehrere Stunden gesessen hatte. Dass dann allerdings unser Flug nach Gaborone gestrichen wurde – genau wie damals – hätte es nicht gebraucht, Nostalgie hin oder her.

Nachdem Philips Jahrestag nun schon fast sechs Wochen zurückliegt, bin ich heute auf den Tag genau ein Jahr in Gaborone. Wahnsinn! Insbesondere die letzten paar Monate sind schnell vergangen. Überhaupt stellte der Jahreswechsel 2016/2017 für mich eine Zäsur dar: Ich nahm an, nach unserem schönen Heimaturlaub in Deutschland würde die Wiedereingewöhnung in Gaborone schwierig werden, aber das Gegenteil war der Fall. Irgendwie war Gaborone doch „Zuhause“ geworden, ohne dass mir das zuvor so richtig bewusst geworden wäre.

In den letzten zwölf Monaten gab es einige Höhen und Tiefen. Zu letzteren gehörte der (inzwischen eingeschlafene) „Deutsche Stammtisch“, bei dem mir nach meiner ersten Woche in Gaborone von zwei anderen MAPs Fitnessstudio oder Golfspiel als meine zwei einzigen Beschäftigungsalternativen vorgestellt wurden. (Ich spiele übrigens nach wie vor kein Golf. Mitglieder im Fitnessstudio sind wir allerdings geworden.) Da war der Stromausfall im Juni oder Juli, als Philip in Swasiland auf Dienstreise war und mir klar wurde, dass ich in diesem Land niemanden so gut kannte, dass ich ihn um Hilfe hätte bitten können. Und auch sonst gab es immer wieder Momente, in denen ich mir ziemlich alleingelassen vorkam.
Aber dann ging es langsam aufwärts. Ein Meilenstein war sicher, als ich auf dem Botschafts-Empfang zum Tag der Deutschen Einheit Heidi kennenlernte, mit der ich mich dann recht schnell anfreundete und die viele Erfahrungen mit mir teilte. Ein paar Wochen später lernte ich mit Ruth eine zweite MAP kennen, mit der ich mich sehr gut verstand, traf mich ab und zu mit unserer Nachbarin, bekam jemanden vorgestellt, der bei einer NGO arbeitete – plötzlich flutschte es. Anfangs hatte ich das Gefühl, dass wir uns viel Mühe gaben, Leute kennenzulernen, ohne dass sich daraus irgendetwas ergeben hätte – und irgendwann gaben wir uns dann nicht mehr so viel Mühe und es funktionierte plötzlich.

Highlights waren und sind natürlich immer unsere Reisen (auch gerne mit Besuchern - auch unsere Besuche aus Deutschland waren für mich Höhepunkte!). Ich habe das südliche Afrika liebgewonnen - nicht nur Botswana, auch Südafrika und Namibia, obwohl ich von beiden Ländern bislang nur Bruchteile gesehen habe. An fast immer blauen Himmel mit Sonnenschein kann man sich ebenfalls gut gewöhnen.
Ansonsten hat sich mein Englisch in diesem Jahr sehr verbessert. Ich habe Autofahren gelernt, organisiere unser tägliches Leben und bin in mehreren Internet-Buchcommunities aktiv. Was ich nach wie vor vermisse sind Familie, Freunde, Kollegen und meine Arbeit. Aber Kontakte lassen sich dank E-Mails, Skype, WhatsApp und Threema auch über 10.000 km hinweg pflegen - das hat mich in den ersten Wochen hier gerettet. Ich habe nie das Gefühl gehabt, dass Philip und ich „aus den Augen, aus dem Sinn“ sind; viele Freundschaften ließen sich trotz der Entfernung ganz unkompliziert weiterführen. Ich bin immens dankbar dafür. Und unsere Eltern hatten und haben sowieso immer ein offenes Ohr.

Und so kann ich sagen: Nach einem etwas holprigen Start bin ich inzwischen ganz zufrieden hier. Wir wissen noch nicht, wie lange wir insgesamt in Gaborone bleiben werden. Aber ich kann die Zeit hier im Großen und Ganzen genießen und sehe es bereits kommen, dass ich Gaborone irgendwann einmal vermissen werde. Carpe diem!

Mittwoch, 15. März 2017

Schon wieder ein Rückblick: Jahrestag

Es ist kaum zu glauben - nun bin ich schon ein Jahr hier. Dabei fühlt es sich doch fast an, als ob ich erst gestern den Eintrag zu einem Monat in Botswana geschrieben hätte.

Es fällt mir schwer, ein (Zwischen-)Fazit aufzuschreiben. Erwartungsgemäß ist vieles, was anfangs ungewohnt war, mittlerweile Alltag und so normal, dass ich es hier schon gar nicht mehr für erwähnenswert halte (wie z.B. der Linksverkehr); an andere Dinge werde ich mich dagegen nicht so schnell gewöhnen (wie z.B. wirklich alles mit dem Auto zu machen und so wenig Bewegung zu bekommen).

Es hat lange gedauert, bis ich das Gefühl hatte, hier angekommen zu sein. Die ersten fünf Wochen war ich ohne Walli hier, dann hat es noch weitere zwei bis drei Wochen gedauert, bis der Container angekommen ist und unser Häuschen eingerichtet war. Es ist uns für mich überraschend schwer gefallen, hier Leute kennenzulernen. Eine deutsche "Community", wie ich sie aus Ghana kannte, gab und gibt es hier eher nicht - warum, das habe ich bis heute nicht richtig herausgefunden (zu wenig Deutsche im Land? Irgendwelche Vorfälle unter den Kollegen in der Vergangenheit?). Es hat eine Weile gedauert, aber mittlerweile haben wir hier gute Bekannte, mit denen wir uns gelegentlich treffen. Und in der Zwischenzeit haben wir abends viele Serien und Filme geschaut, sind gelegentlich ins Kino gegangen - und haben eifrig Blogeinträge geschrieben.
Ansonsten lässt es sich hier eigentlich recht gut leben. Durch die Nähe zur Grenze mit Südafrika sind viele südafrikanische Supermarktketten hier (auch eine botswanische Kette gibt es) und die Versorgungslage mit Lebensmitteln und anderen Artikeln des täglichen Bedarfs ist gut - ungleich besser als sie es bei meinem Aufenthalt in Ghana 2006 bis 2008 war. Und mehrere Kinos des gleichen Betreibers gibt es auch, in denen wir zwar kein Programmkino sehen können, aber doch einige Hollywoodfilme (wobei sie sich hier auf Science Fiction und Horror spezialisiert zu haben scheinen, was nicht wirklich unser Genre ist). Unsere Wohnsituation ist für unsere Verhältnisse luxuriös, um unser gut geschnittenes Haus mit seinem hübschen, pflegeleichten Garten werden wir von manchen Kollegen (bzw. der Frau meines Chefs!) beneidet. Unsere Frankfurter Wohnung, die wir so geliebt haben, wird uns möglicherweise irgendwann beengt vorkommen.

Nicht zu vergessen sind natürlich auch unsere Urlaube: Wir hatten das Privileg, hier schon fantastische Reisen machen zu können, an die wir gerne zurückdenken. Wenn die schönsten Destinationen nur nicht so weit weg wären! Ein paar mehr Ziele für Wochenend-Trips wären noch schön zu entdecken.

Im Job bin ich anfangs ziemlich ins kalte Wasser geworfen worden, es gab einiges aufzuarbeiten und für mich zu lernen. Bis heute würde ich sagen, dass ich (im Guten wie im Schlechten) noch keine Routine habe: (fast) jeder Tag ist aufs Neue spannend. Mein Chef scheint zufrieden mit meiner Arbeit zu sein, das Projekt ist auf einem halbwegs guten Weg, seine Ziele zu erreichen - was will man mehr?

Manchmal war es im vergangenen Jahr einfach nur doof, so weit weg von Deutschland und damit von Familie und Freunden zu sein; umso schöner, dass ich das ein oder andere Mal Gelegenheit hatte, dienstlich (und über Weihnachten privat) die Heimat zu besuchen und so den einen oder anderen zu sehen (leider nicht alle!).

Nun bin ich gespannt, was Jahr zwei in Botswana bringen mag. Auf geht's!

Montag, 11. Juli 2016

It's party time!

Wir hätten Euch ja Bescheid gesagt... wärt Ihr auch gekommen?
Nachdem wir vor einiger Zeit schon einmal unsere Nachbarn eingeladen hatten, haben wir diesmal einige meiner Kollegen eingeladen zu einer kleinen Einweihungsparty. Weil sonst nicht viel los ist in Gaborone, kann man eine solche Einladung auch mal nur 4 Tage vor der Party rausschicken. Und dennoch kamen um die 20 Kollegen an diesem Samstagabend.
Das bedeutete für uns: Ein wenig vorbereiten. Wir kochten Kürbissuppe, Chili con Carne, Nudelsalat, grünen Salat, backten Brot aus dem Brotbackautomat, Schokomuffins und Bananen-Walnuss-Muffins. Das war also unsere Beschäftigung am Samstag - und wir wurden gerade so fertig, bis die ersten Gäste gegen 19 Uhr kamen.


Sogar unseren Kamin im Wohnzimmer habe ich angeheizt bekommen (was gar nicht so einfach ist, denn das Holz hier ist recht hart und dadurch schwer entzündlich, die Holzscheite etwas zu groß zum Anzünden, etc.) - und im Laufe des Abends wurde das Wohnzimmer so warm wie noch nie zuvor. Zugegeben, der Tag war auch ein wenig wärmer als die vorhergehenden Tage/Nächte, aber der Kamin hat doch deutlich den Raum wärmen können.


Ich war im Vorfeld etwas unsicher, ob wir wohl genügend Getränke eingekauft hätten und ob wohl das Essen reichen würde. Beides war unbegründet: Jeder brachte Wein mit, so dass wir mehr Wein bekamen als getrunken wurde - und unser Weinregal ist auf einmal wieder voll. Und das Essen reichte wundersamer Weise auch. Am gestrigen Sonntag gab's schon Restessen - wie vermutlich auch für den Rest der Woche: Nudelsalat zum Frühstück, Mittagessen und Abendessen. Gestern, heute, morgen, übermorgen.
Unsere Gäste waren voll des Lobes über das selbstgemachte Essen - die meisten, die in Gaborone eine Party machten, ließen sich das Essen von einem Cateringunternehmen liefern, so hörten wir. Schön, dass wir so begeistern konnten. Unsere Gäste unterhielten sich gut - und wir waren rundum zufrieden mit dem Abend.

Samstag, 18. Juni 2016

Meet the neighbours

Philip und ich wollten gerne unsere Nachbarn kennenlernen. Außer Barbara, einer älteren Engländerin, die uns angesprochen hatte, als unser Container ankam und die schräg gegenüber wohnt, hatte Philip in der Deutschen Botschaft schon einmal kurz die Nachbarin von nebenan getroffen, Brigitte. Aber mehr hatte sich bisher nicht ergeben und da wir hier alle hinter Mauern mit großen Toren leben, war auch nicht abzusehen, dass sich das von alleine ändern würde. Also checkten wir den EM-Spielplan und entschieden uns, für Freitag, den 17.06., einzuladen, denn an dem Tag sollten weder Deutschland noch eine der englischen Mannschaften spielen und laut Barbara leben wir in einer deutsch-englischen Straße.

Letzten Sonntagmittag druckten wir fünf Einladungen aus, unterschrieben sie und gingen sie dann verteilen. Da es hier keine Briefkästen gibt (die Post wird ja in zentrale Postfächer verteilt) hatten wir zwei Möglichkeiten: Klingeln, um sie abzugeben oder sie unter den Toren durchzustecken. Wir entschieden uns für letzteres - nicht ahnend, dass es am späten Sonntagabend anfangen würde zu regnen und zu gewittern ... bis Montagmittag. (Was hier übrigens höchst ungewöhnlich ist: Die Regenzeit endet ja offiziell Ende April, laut unserem Gärtner Sam regnet es dann höchstens im Mai nochmal, aber niemals im Juni.)
Was ein Pech. Waren unsere Einladungen nun überhaupt angekommen? Oder weggeschwemmt worden bzw. bis zur Unleserlichkeit durchweicht? Wir hatten um Antwort gebeten, aber niemand meldete sich - noch nicht mal Barbara, der wir die Einladung persönlich übergeben hatten, da sie an den Zaun gekommen war, als sie uns gesehen hatte.

Es wurde Dienstag, Mittwoch, Donnerstagvormittag und wir betrachteten das Projekt "Nachbarn kennenlernen" schon so langsam als gescheitert. Dann rief immerhin Barbara an. Sie sagte zu und fragte, ob sie noch eine Freundin mitbringen dürfte, die am anderen Ende der Straße wohnte. Wir würden also immerhin zu viert sein.
Am Freitagvormittag kochte ich schon einmal eine Kürbissuppe für den Abend - für alle Fälle eine große Portion, die lässt sich ja auch gut einfrieren. Gegen Mittag meldete sich dann unverhofft noch unsere Nachbarin Brigitte mit einer Zusage. Kurz darauf rief außerdem der Nachbar von gegenüber und fragte, ob die Einladung noch aktuell wäre. Da ging ja doch noch was!

Ab 19 Uhr kamen unsere Gäste.Der Vorteil an späten Zusagen ist, dass niemand mehr absagt - im Gegenteil: Als fast alle mit dem Essen fertig waren, klingelte es und noch ein weiterer Nachbar kam vorbei. Wir waren eine sehr gemischte Gruppe: Barbara, die ältere englische Lady, erzählte, dass sie lange in Australien gelebt hatte; ihre Freundin Debbie (vermutlich Südafrikanerin und stolze Besitzerin von fünf oder sechs Hunden) betreibt hier eine Schwimmschule und berichtete von den bürokratischen Problemen, der botswanische Nachbar von gegenüber sprach über die Entwicklung seines Landes und Larry, der hinter uns wohnende Botswaner, erzählte von seinen Reisen durch die Nationalparks. Aber es gab auch vereinende Themen: den Brexit, die Tragödie um das Kleinkind, das in Florida von einem Alligator verschleppt wurde und das Einkaufsverhalten asiatischer Touristen. (Und ganz ehrlich: Wenn Afrikaner und Europäer gemeinsam an einem Tisch sitzen und sich über ihre Erfahrungen mit aisatischen Touristen austauschen - das ist schon lustig!)
Außerdem scheint es mit Nachbarn doch überall auf der Welt ähnlich zu sein: Selbst wenn man sich nicht sieht, man weiß trotzdem einiges voneinander. Das bekam vor allem der Nachbar von gegenüber zu spüren, der mehrmals darauf angesprochen wurde, so selten zu Hause zu sein - Debbie kannte bereits mehrere Leute, die sein Haus gerne kaufen würden ... seiner Meinung nach war er allerdings schon öfters daheim und bekam daraufhin detailliert dargelegt, wann bei ihm welches Licht brennen würde und wann nicht ... zu Barbaras und Debbies Vermutungen, dass er eine Freundin hätte, bei der er wohl die meiste Zeit sei, wollte er sich merkwürdigerweise dann nicht mehr äußern.

Die Runde brach irgenwann nach 22 Uhr auf - dafür, dass der Großteil nur kurz vorbeischauen wollte, waren wir sehr zufrieden!

Samstag, 21. Mai 2016

Der erste Monat - Vol. 2

"Gestern vor einem Monat bin ich in Gaborone gelandet - Zeit für eine erste Bilanz." So beginnt ein Blogeintrag von Philip. Heute kann ich diesen Anfangssatz eins zu eins übernehmen, denn nun ist es bei mir auch schon so weit. Und wie sieht meine erste Bilanz aus?
Ich kann gar nicht recht glauben, dass das jetzt schon vier Wochen waren. Mindestens die ersten eineinhalb musste ich noch sehr viel an meine Arbeit denken. Besser wurde es, als der Container ankam, es etwas für mich zu tun gab und es hier auch langsam wohnlich wurde. Inzwischen sind wir hier ganz gut eingerichtet - nicht nur, was das Haus angeht, ich habe auch raus, wo ich was einkaufe (wobei es hier generell (fast) alles gibt; aktuell sind das einzige, was wir nicht finden konnten, gemahlene Haselnüsse und eingelegte getrocknete Tomaten). Die Ladenöffnungszeiten haben wir allerdings immer noch nicht so richtig im Griff ... erst heute standen wir wieder um 16:30 Uhr vor verschlossenen Türen und wunderten uns.
Ein paar Restaurants und gefühlt den Großteil der Malls kenne ich inzwischen. Unser Ausflug ins Khama Rhino Sanctuary war definitiv ein Highlight. Und sonst?

Ich wurde heute gefragt, wie es sich eigentlich für uns anfühlt, "Personal" zu haben. Zweimal die Woche kommt ja Sam vorbei und kümmert sich um den Garten. Sam erscheint mir allerdings gar nicht so sehr als unser Angestellter. Zum einen vermutlich, weil wir uns mit Gartenarbeit auch in Frankfurt nicht beschäftigt haben (aus Ermangelung eines Gartens), zum anderen, weil wir Sam nicht sagen, was er tun soll - er weiß das viel besser und kennt den Garten ja auch viel länger als wir, von daher macht er hier eigentlich, was er für nötig hält und sagt zwischen 11 und 12 Uhr nur jeweils fröhlich Bescheid, dass er jetzt geht.
Brenda, unsere Maid, kommt eigentlich einmal die Woche zum sauber machen. Ich habe sie allerdings erst zweimal gesehen, und da war der Container noch nicht angekommen. Sie hat hier komplett durchgewischt und ich bin mit meinem Campingstühlchen vor ihr geflüchtet, aber in den letzten zwei Wochen war sie aufgrund von Krankheit nicht mehr da und wir sorgen uns gerade ein wenig, weil wir nun schon über eine Woche nichts mehr von ihr gehört haben.

Trotz Haushaltshilfen hat sich das häusliche Leben also bislang nicht groß verändert (außer, dass jetzt zweimal täglich abwaschen auf dem Programm steht ... wie sagte Philip damals in Deutschland zu mir: "Spülmaschinen gibt es in Afrika nur auf zwei Beinen", wobei er wohl nicht unbedingt meine zwei Beine damit meinte ...).  Mit der größte Unterschied ist für mich momentan das unterwegs sein. Den Sicherheitsempfehlungen folgend lasse ich meine Handtaschen zu Hause und meine Ohrringe in der Schmuckschatulle, beides finde ich sehr schade. Selbst Armbanduhr und Ehering ziehe ich aus und habe letzteren so schon einmal verlegt - das ist mir in Frankfurt nie passiert ... und dann ist das mit den öffentlichen Verkehrsmitteln hier für mich noch etwas undurchschaubar. Es gibt so ein Minibussystem und die Busse fahren wohl jeweils los, wenn sie voll sind ... aber darüber schreibe ich besser, wenn ich das mal ausprobiert habe.

Mein Projekt für den zweiten Monat wird nun erstmal sein, Leute kennenzulernen. Durch Philip, viele liebe Kontakte nach Hause und ein paar ziemlich gute Bücher fühle ich mich zwar nicht komplett einsam, aber es ist doch seltsam, irgendwo zu wohnen und so gut wie niemanden zu kennen. Das soll sich nun in den nächsten vier Wochen ändern!


Freitag, 13. Mai 2016

Vom Auspacken

Kisten auspacken in Botswana ist natürlich kein bisschen anders als Kisten auspacken in Deutschland es wäre. Kisten auspacken, die man nicht selbst eingepackt hat, ist dagegen etwas ganz Neues für uns, denn Philip und ich haben ja nun wegen Zollbestimmungen etc. das erste Mal professionell einpacken lassen. Ich bereue auch nichts; bis auf zwei kaputte Blumentöpfe und eine defekte Taste an der Brotschneidemaschine sind bislang keine Schäden aufgefallen. Trotzdem würde ich beim nächsten Mal mindestens eine Sache anders machen, nämlich die Umzugsleute motivieren/nötigen, die nach Autorennachnamen sortierterte Belletristik Fach für Fach einzupacken, und zwar in der richtigen Reihenfolge. Wie kommen denn Andreas Eschbach und Fred Vargas bitteschön in eine gemeinsame Kiste?
Ein weiterer Anfängerfehler meinerseits war, beim Einräumen ganz neutral festzustellen: "Ach Mensch, es gibt offensichtlich wenig Autorennamen, die mit D anfangen!" Es stimmt nämlich nicht. Ich hatte nur eine blöde Kiste übersehen, was zur Folge hatte, dass ich sämtlich Autorennamen ab E fachweise weiterrutschen musste. Mit H und M ging es mir leider so ähnlich. Hmmm.

Aber nun bin ich mit dem Einsortieren der Belletristik fertig (obwohl es verdächtig wenige Autoren zu geben scheint, deren Nachname mit O beginnt). Wie nach jedem Umzug frage ich mich, ob sich Goethe eigentlich neben Anette Göttlicher ("Wer ist eigentlich Paul?") wohl fühlt und hoffe außerdem, dass ich Murakami verschenkt oder verkauft habe und er nicht noch irgendwo hier rumliegt. Es wird! Hier die Entwicklung von einem von drei Belletristik-Regalen ...




Sachbücher und CDs habe ich auch schon ausgepackt (und eher willkürlich und dafür zeitsparender eingeräumt). Der Kleiderschrank ist voll, die Küchensachen ja auch schon seit dem letzten Wochenende ausgepackt ... Was ist denn bloß noch noch in den übrigen Kisten? Ich werde es - zumindest in Teilen - heute herausfinden.

Mittwoch, 11. Mai 2016

Die Ankunfts-Safari

An dem Wochenende, als Walli ankam, hatte ich auch erstmals das eigene Auto zur Verfügung. Was bot sich da besser an, als gleich zu Beginn unserer gemeinsamen Zeit eine erste Safari zu machen? Die schönsten Nationalparks sind wohl leider nicht in der Umgebung Gaborones zu finden. Aber direkt in Gaborone selbst gibt es einen kleinen Nationalpark, das "Gaborone Game Reserve". Das ist wohl zur Vergnügung der Hauptstädter angelegt, nicht wirklich spektakulär - aber eben 20 Autominuten von unserem Häuschen weg gelegen und somit prima für den Einstieg in Botswana-Safaris geeignet.
Da es unser erster Safari-Ausflug hier war, waren wir zugegebener Weise nicht optimal vorbereitet: Wir hatten weder an Wasser noch an Verpflegung gedacht, in dem Glauben, dort zumindest Wasser zu bekommen. Das war leider nicht der Fall - aber für einen zweistündigen "Game Drive" reichte es doch. Außer uns trafen wir höchstens auf 2-3 andere Fahrzeuge, dafür aber auf ein paar schöne Tiere - hier eine kleine Auswahl:





Freitag, 6. Mai 2016

Ende der Campingzeit - Ich freue mich auf ...

Vor genau acht Wochen ist der Container mit unserem Hab und Gut in Frankfurt losgefahren. Und heute kam er endlich in Gaborone an! Vorgestern hatten wir erfahren, dass es nun so weit sein sollte und waren voller Vorfreude. In den letzten Tagen hatten wir immer öfters darüber gesprochen, auf was wir uns besonders freuten: die Bettdecke! Unsere Kopfkissen! Küchenutensilien! Den Duschvorleger! (Ja, auch einen Duschvorleger kann man vermissen - mir ging es so, jedes Mal, wenn ich aus der Dusche mit meinen nassen Füßen auf die kalten Fliesen getappst bin ...)
Das war auf jeden Fall eine Entwicklung - als der Container abfuhr, waren wir eher genervt davon, wie viel Zeug wir doch hatten. Und außerdem natürlich völlig erledigt vom ausmisten, organisieren, putzen und Philips Ausreise vorbereiten. Als einer der Möbelpacker fröhlich zu mir sagte "Und jetzt sehen Sie den nie wieder!" zuckte ich nur mit den Schultern und Philip hatte wohl auch keine großen Verlustängste. Aber im Laufe unserer Campingzeit hier hat sich das dann wieder geändert.

Heute gegen Mittag hielt dann ein Pick-up vor unserem Haus mit den Möbelpackern von der botswanischen Umzugsfirma. Sie schauten sich schon einmal das leere Haus an, dann warteten wir gemeinsam - der Container sollte von einer anderen Firma gebracht werden. Und dann ...


... bog ein LKW um die Ecke! Und irgendwie war das schon ein besonderer Moment. Zwei Monate vorher hatten wir dem Ding in der Frankenallee in Frankfurt hinterhergeschaut und ich weiß noch, wie surreal mir der Gedanke vorkam, es in Afrika wiederzusehen. In der Zwischenzeit ist so viel passiert, ich habe unsere Wohnung übergeben und in Frankfurt im Büro gewohnt, Philip in Gaborone im Hotel, erst er, dann wir beide im leeren Haus ... aber da waren sie nun wieder, unsere Sachen.
Nach ein bisschen hin- und herrangieren, bei dem die Bäume vor dem Haus etwas in Mitleidenschaft gezogen wurden, stand der Container, und der LKW fuhr davon. Wir wurden zur Identifizierung gebeten: Die Containernummer war korrekt und sogar die Plombe, mit der er in Frankfurt verplombt worden war, noch dran. Der Container hätte unterwegs vom deutschen, südafrikanischen oder botswanischen Zoll geöffnet werden können, dann wäre sie entfernt worden und man hätte ihn anderweitig versiegelt. Aber sie war noch intakt und wurde hier durchgeschnitten:


Dann gingen die Türen auf und es sah eigentlich alles so aus wie vor dem Schließen der Türen bei Abfahrt. Juchu!


Und dann begann die Akkordarbeit. Ich bekam ein Klemmbrett und hakte auf einer sechsseitigen Liste die Teile ab, die ausgeladen wurden - Schenker hatte sie dankenswerterweise tatsächlich durchnummeriert, von 1 bis 267. Einer der zwei Männer im LKW rief mir die Nummern der Kartons und Möbelteile zu, die er an die Kante stellte, wo sie seine Kollegen dann in Empfang nahmen. Die Kartons wurden in den verschiedenen Zimmern verteilt, die Möbel gleich vor dem Haus ausgepackt. Philip dirigierte, wo was hinkam. Und so vergingen die nächsten drei Stunden ... bis es vor dem Haus irgendwann so aussah:




Container leer, Müllberg groß, alle kaputt (alle, nicht alles - bislang haben wir an unserem Umzugsgut fast keine Schäden festgestellt). Den Müll packten die Möbelpacker ein und nahmen ihn mit. Den Container ließen sie da - und zu meiner Irritation steht er jetzt immer noch vor dem Haus rum. Mal schauen, ob ihn am Wochenende jemand abholt.

Tja, und dann standen wir im Haus voller Kartons und leerer Möbel. Und mussten uns erstmal setzen und freuten uns, dass es da plötzlich Alternativen zu den Campingstühlen gab. Langsam haben wir dann losgelegt - Philip mit dem Aufbauen, ich mit dem Auspacken. So furchtbar weit sind wir noch nicht gekommen, aber für Tiefkühlpizza (von Dr. Oetker - ist beim hiesigen SPAR gerade im Angebot ... manchmal ist Botswana gar nicht so wahnsinnig exotisch ...) von einem unserer Steingutteller, geschnitten mit unserem Pizzaschneider und die erste afrikanische Nacht im eigenen Bett reichte es. Unser Wochenendprogramm steht. Mal schauen, wie schnell wir die Sachen finden werden, auf die wir uns besonders gefreut haben.


Mittwoch, 4. Mai 2016

Gartenimpressionen

Das Haus ist immer noch leer. Trotzdem bedeutet das nicht, dass wir die ganze Zeit auf unseren Campingstühlchen im hallenden Wohnzimmer sitzen - manchmal tragen wir sie auch in den Garten ;-)
Philip und ich haben hier (seit unserem jeweiligen Auszug bei unseren Eltern) erstmals einen Garten. Der sieht sehr schön aus und damit das auch so bleibt, kümmert sich zweimal die Woche ein Gärtner namens Sam um ihn. Sam macht das wohl schon seit Jahren und hat einige Mieter kommen und gehen sehen. Der Garten bleibt von den Wechseln relativ unberührt, was ja auch ganz schön ist.
Was Sam jedes Mal macht, wenn er da ist: Er gießt. Die Regenzeit endet gerade, das letzte Mal hat es wohl am Tag vor meiner Ankunft geregnet. (Philip hat also den Regen gebracht und ich die Dürre, oder so ähnlich ...) Er gießt die Büsche und Bäume. Den Rasen allerdings nie, der sieht auch so immer schön grün aus:


Im Prinzip wirkt er wie englischer Rasen, ohne dass man ihn je mähen müsste. Dafür richten sich die Grashalme nicht unbedingt von alleine wieder auf, wenn man sie platt getreten hat. Mein Vater hat bereits gemutmaßt, dass er vielleicht ab und an gestaubsaugt werden sollte ... genau, ich rede von Kunstrasen. Der aber immerhin viel echter aussieht, als ich es zu hoffen gewagt hatte.
Der Rest des Gartens ist echt und weckt zum Teil sogar heimatliche Gefühle bei uns. Lustigerweise gibt es gleich mehrere Drachenbäume ...


... und Bananenstauden:


Beides Pflanzen, die wir - letztere sogar in größeren Mengen - auch in Frankfurt hatten - in Kübeln, im Wohnzimmer und zugegebenermaßen etwas kleiner. Pflanzen konnten wir ja nicht mitnehmen und so haben wir sie größtenteils an Kollegen verschenkt und bei unseren Eltern untergebracht. (Sollte jemand beim Lesen auf den Geschmack kommen: Einfach melden - von der ein oder anderen Bananenstaude würden sich beide Elternpaare vermutlich gerne trennen!)
Das bisher schönste Gartenerlebnis hatte ich letzten Dienstag: An einer Palme war mir schon bei meiner Ankunft ein vielleicht fingergliedgroßes grünes "Päckchen" aufgefallen. Ich nahm an, dass da irgendein Insekt schlüpfen würde, hatte es dann aber wieder halb vergessen. Und am Dienstag sah ich dann einen wunderschönen, frisch geschlüpften Schmetterling da sitzen! Der von seiner Entpuppung offensichtlich so geschafft war, dass ich ihn in aller Ruhe fotografieren konnte, bevor er irgendwann davon flog. Ist der nicht schön?



Dienstag, 3. Mai 2016

Camping im Haus

Dass Walli das von mir ausgerufene Wettrennen mit dem Container gewonnen hat, hat sie ja schon geschrieben. Doch wie wohnen wir jetzt hier eigentlich in der Zwischenzeit?
Wir campen. Ein wenig zumindest. Bett und Kühlschrank, die ich zu meinem Einzug besorgt hatte, sind ja groß genug für zwei. So sitzen wir also häufig im Wohnzimmer oder auf der Terrasse auf unseren zwei Campingstühlen am Campingtisch. Die Stühle sind gar nicht mal so unbequem!
Wer uns mal per Skype oder WhatsApp anruft während wir gerade im Wohnzimmer sind, merkt schnell: Der Raum ist leer, es hallt noch ordentlich.
Bis zu Wallis Ankunft hatte ich die Ehre, ihr altes Pfadfindergeschirr nutzen zu dürfen:
Das reichte nun ja nicht mehr aus für zwei. So kauften wir also noch ein Campinggeschirr. Dieses ist sogar angeblich geschirrmaschinentauglich und - kompostierbar (unter welchen Voraussetzungen eigentlich? Während man eine heiße Suppe löffelt?). Für ein Müsli am morgen und ein leichtes Abendessen sind wir also ausgerüstet, ansonsten gönnen wir es uns durchaus auch öfters mal auswärts essen zu gehen.
Zugegeben, derzeit ist unser Leben hier noch sehr spartanisch. Wir wollten aber eben auch nicht allerlei Sachen anschaffen, von denen wir ohnehin wissen, dass sie im Container sind. Wo steckt der eigentlich gerade? Vor zweieinhalb Wochen ist er wohl in Durban (Südafrika) angekommen. Ich hatte schon die Befürchtung, dass er am gleichen Tag wie Walli hier in Gaborone ankommen würde und ich dann nicht gewusst hätte, ob ich Ausladen und Verteilung des Inhalts im Haus hätte überwachen sollen oder Walli vom Flughafen hätte abholen sollen. Seit einer Woche wissen wir, dass der Container es mittlerweile (per Zug) bis Johannesburg geschafft hat. Theoretisch beträgt die Restdistanz mit dem Auto nur 4 Stunden. Mal schauen, wann der Container nun hier in Gaborone ankommt - die lokale Spedition hat uns hierzu bisher keine Auskunft gegeben - und Schenker sagte uns damals nur, dass "der Nachlauf in Afrika mehrere Wochen betragen kann".

Sonntag, 1. Mai 2016

Ein ganz Großer (Schluckspecht)

Neulich schrieb ich ja schon von meinen ersten Autokauf-Erlebnissen. Und endete mit einem Cliffhanger. Den will ich jetzt auflösen:
Tatsächlich hatte ich gefühlt schon ziemlich viele Autohäuser abgegrast nach einem brauchbaren Auto: Es sollte nicht ganz klein sein, Vierradantrieb haben, gute Bodenfreiheit - eben so, dass man damit gut in die Pampa fahren und auf Safari gehen kann. Leider waren die vorhandenen Autos jedoch entweder zu teuer oder mit wenig vertrauenswürdigem Tachostand. So war ich schon ein wenig verzweifelt - wie lange würde ich wohl suchen müssen?
An einem Samstag fuhr ich also noch einmal zum Fahrzeughändler des giz-Vertrauens. Dort hatte man zufällig genau am Vortag ein Auto aus einem Container ausgeladen, frisch importiert, das in mein Suchraster fiel. Ein Volvo XC90 T6 - quasi das größte und bestmotorierte SUV von Volvo. Frisch importiert war es noch nicht so präsentabel hergerichtet wie die anderen Autos auf dem Hof des Verkäufers, aber so konnte man eben auch die Macken besser sehen: Ein abgerissener Scheibenwischer, eine hängende Stoßstange - angeblich Schäden vom Entladen aus dem Container. Sie hatten immerhin wohl bisher kaum Zeit, den Tachostand zu manipulieren, dachte ich. 104.000 km zeigte der, Baujahr 2005 - und keine verdächtigen Service-Aufkleber, die auf mehr Kilometer hindeuteten. Das Auto schien ansonsten in einem guten Zustand. Mit einer Batterie wurde es angelassen auch der Motor klang gut. Probefahrt? Ja, gerne. Problem: Tank ist leer. Tankstelle wäre ja gegenüber, nur wie geht der Tankdeckel wohl auf? Daran wurde erst einmal gut 10 Minuten gebastelt - sollte es daran jetzt scheitern? Schließlich öffnete sich der Tankdeckel doch noch, wir tankten und fuhren los. Ich merkte schnell, dass das Auto ordentlich Wumms hat - 320 PS sind nicht ganz schlecht. Irgendwann fiel dem Mitarbeiter des Verkäufers und mir auf, dass irgendetwas doch komisch klang, kam es von den Reifen? Hatte ich es geschafft, einen Platten zu fahren? Wir hielten an, die Reifen waren in Ordnung - nur vorne links waren die Muttern etwas lose. Das ließ sich schnell beheben, dann fuhren wir weiter (und das Geräusch kam nicht zurück). Gesteigerte Lust auf eine weitere Autosuche hatte ich nicht - und so entschied ich mich also für das Auto. Walli war zu dem Zeitpunkt noch in Deutschland und arbeitete an diesem Samstag gerade ihre Nachfolgerin ein, sie sah ein paar Bilder, die ich ihr zwischenzeitlich schickte und legte kein Veto ein.
Es sollte noch fast zwei Wochen dauern, bis ich das Auto schließlich abholen konnte. Ein paar Reparaturen standen noch an, neue Reifen wurden aufgezogen, das Auto poliert und schließlich auch angemeldet. Für die Anmeldung wurde eine beglaubigte Kopie meines Ausweises benötigt, die erste Beglaubigung wurde von den Behörden nicht akzeptiert, die zweite tat's dann glücklicherweise. Auch wenn nicht alles so schnell ging, wie ich das zwischenzeitlich gehofft hatte, so hatte ich doch eine Hoffnung: Ich wollte Walli mit dem eigenen Auto vom Flughafen abholen.
Am Abend vor ihrer Ankunft konnte ich das Auto abholen, am nächsten Morgen kümmerte ich mich noch abschließend um die Versicherung - und die erste richtige Fahrt mit dem neuen Auto ging zum Flughafen. Eine schöne Einweihungsfahrt. Und weil sie so schön war, machte ich sie gleich zweimal, da Wallis erster Flug von Johannesburg nach Gaborone ja abgesagt wurde.
Es ist toll, mit dem eigenen Auto fahren zu können! Wir nutzten das natürlich unter anderem auch gleich für kleinere Ausflüge:
Das Auto ist frisch aus Japan importiert - und hat ein japanisches Multimediasystem. Eigentlich hatte ich Walli ja schon vor ihrer Ausreise gebeten, japanisch zu lernen, so dass sie es künftig bedienen kann. Das hat sie leider verweigert. Nun überlegen wir, ob sie vielleicht japanisch als Alternative zum Golfspielen lernen könnte (oder zusätzlich?). Irgendjemand wird ja schließlich das Radio künftig bedienen müssen. Die Karten des Navigationssystems scheinen nicht auf Afrika zu passen, sie zeigen wohl Japan. Eine Frage, mit der ich mich bereits beschäftigte: Wie findet man bei japanischer Schrift im Menü des Systems die Stelle, an der man die Sprache ändern kann? Versuch 1: Man suche im Internet nach einem Video-Tutorial. Nicht von Erfolg gekrönt. Versuch 2: Man suche im Internet nach einer nicht-japanisch-sprachigen Bedienungsanleitung für dieses Modell. Ebenfalls nicht erfolgreich. Versuch 3, neu kennengelernt: Google Translator auf dem Smartphone installiert, Bildschirm fotografiert, Text wird automatisch von japanisch in eine gewünschte Sprache übersetzt. Beeindruckend. Leider aber auch nicht erfolgreich. Es scheint mir, dass dieses System nur in Japan verkauft wurde und somit nicht in anderen Sprachen verfügbar ist. Versuch 4: Walli zum japanischlernen überreden. Bisher auch (noch?) nicht erfolgreich. Falls also jemand Ideen hat, wie man bei einem "Panasonic Carrozzeria Avic VH-99" die Sprache ändert, werden Hinweise gerne angenommen!

"Öko-Philip fährt SUV" musste ich mir nun schon von einem Freund anhören. Ja, und es fährt sich ganz gut. Heute z.B. wollte ich mit dem Auto schon von einem Ende des Einkaufzentrums zum anderen fahren. Dank Walli sind wir dann doch gelaufen. Das Auto selbst findet übrigens auch, dass es ganz gut fährt und gönnt sich dafür regelmäßig etwas: Sprit. Man kann der Tanknadel beim Absinken förmlich zuschauen. Gut, dass der Tankdeckel repariert wurde, so dass ich künftig auch tanken kann, denn bei Tankstellen werde ich sicher Statuskunde. Noch habe ich nicht selbst gemessen, aber laut Internet hat das Fahrzeug einen Normverbrauch von 15,5 l pro 100 km. Da liegt mein vermuteter Verbrauch gar nicht mal sooo viel höher. Dankenswerter Weise kostet der Sprit hier nur die Hälfte wie in Deutschland. Bei doppeltem Verbrauch gleicht sich das im Geldbeutel dann wieder aus, oder? Dann planen wir unsere Safari-Trips demnächst halt entlang von Tankstellen, ist doch auch eine Art der Priorisierung. Wer war noch mal Öko-Philip?
Nach dem ersten Wochenende mit dem Auto gab ich es gleich wieder beim Verkäufer ab: Nicht alles, was mir zugesagt wurde, war auch repariert worden. Als ich es nach ein paar Tagen wieder abholte, meinte man zuerst, dass der Fehler jetzt nicht mehr auftreten würde. Beim Anlassen meldete sich der Fehler gleich wieder (auf japanisch, versteht sich!). Jetzt soll ein Ersatzteil bestellt werden - ich bin gespannt. In der Zwischenzeit kann ich ja etwas Sprit raushauen...

Sonntag, 24. April 2016

Angekommen!

Ich bin in Gaborone! Mein letzter Tag in Deutschland ist mit wahnsinniger Geschwindigkeit verflogen, er endete mit einem Grüne Soße-Abschiedsessen im Büro, dann brachten mich vier Kolleginnen zum Flughafen - wir waren quasi gerade genug, um mein Gepäck mit der S-Bahn zu transportieren. Dass ich meine Sachen überhaupt halbwegs mitbekommen habe, verdanke ich einer anderen Kollegen, die sehr verdienstvoll einen Reißverschluss aus einem Koffer rausgeschnitten hat, so dass ich noch etwas mehr Platz hatte ... also, alle haben sich wahnsinnig lieb um mich gekümmert, und das war auch nötig, ich stand doch ziemlich neben mir. Und außerdem ist es so schön, wenn einem am Flughafen jemand hinterherwinkt!
Tja, und dann saß ich im Flugzeug, aß, schaute die Kerkeling-Verfilmung "Ich bin dann mal weg" (der Titel sprach mich spontan an) und schlief - und war nach dem Aufwachen auch fast schon in Johannesburg. Dort wurde leider mein 11:55h-Weiterflug nach Gaborone gecancelt - und zwar im letzten Moment, wir saßen schon alle im Flugzeug - aber wir ca. 20-30 Passagiere passten alle noch in den 14:30h-Flieger, so dass das verschmerzbar war. In Gaborone dann Einreise, Zollkontrolle - und dann war ich da! Und Philip erwartete mich und das war natürlich sehr schön. Das Wettrennen mit dem Container habe ich übrigens gewonnen.

Und wie war jetzt das erste Wochenende? Das kann ich noch gar nicht so richtig beschreiben. Es ist großartig, Philip wieder in die Arme schließen zu können. Unser Haus ist sehr schön. Und riesig. Und leer. Und die Sicherheitsvorkehrungen schüchtern mich ein winziges bißchen ein. Wir waren am Freitag- und Samstagabend ganz toll essen und heute quasi auf Safari, in einem Naturreservat nahe Gaborone - das fühlte sich jeweils an wie Urlaub. Unser Pool fühlt sich auch an wie Urlaub. Das große leere Haus fühlt sich vor allem noch ungewohnt an. Die Geräusche sind ungewohnt. Die Shopping Malls sind anders, aber doch nicht so fremd. Auf den ersten Blick bekommt man hier alles - von glutenfreien Spaghetti bis Pedigree-Hundefutter.
Das Wetter ist Urlaubswetter - sonnig-warm. Aber kurz nach 18 Uhr wird es dunkel, und dann ist es richtig dunkel. Man sieht im Garten einen tollen Sternenhimmel.
Tja, und ab morgen wird es sich noch etwas weniger wie Urlaub anfühlen - da muss Philip nämlich wieder arbeiten. Und ich werde mich weiter akklimatsieren. Heute wurde ich gefragt, ob ich mir diese Woche dann einen Job suche. Das beantworte ich mit einem klaren nein (bin aber voller Bewunderung für jeden, der das in einem ihm unbekannten afrikanischen Land nach dem Ankunftswochenende in Angriff nimmt ;-)). Ich halte Euch auf dem Laufenden.

Samstag, 16. April 2016

Der erste Monat

Gestern vor einem Monat bin ich in Gaborone gelandet - Zeit für eine erste Bilanz.
Es ist kaum zu glauben, wie schnell die Zeit hier vergeht - eine Floskel, die doch stimmt. Der erste Monat war hauptsächlich von Arbeit geprägt: Das Projekt verstehen, Mitarbeiter, Partner, Kollegen kennenlernen, zwei größere Veranstaltungen organisieren (lassen). Ich kann bisher noch nicht behaupten, dass ich das Projekt und alle Themen, die darin bearbeitet werden in allen Einzelheiten verstanden hätte. Das hat mich doch etwas überrascht: Als ich mich auf diese Stelle beworben habe, dachte ich, dass ich hauptsächlich im Projektmanagement und in Führungsfragen Lernbedarf haben würde; dass ich auch in fachlicher Hinsicht ordentlich gefordert sein würde, war mir nicht ganz so klar. Zum Glück hat das Projekt ein kompetentes Team!
"Nebenbei" versuche ich, soweit möglich, das Privatleben ganz langsam zu sortieren: Einzug in unser Haus, einleben dort, Internet für zu Hause besorgen, zuletzt ein Auto kaufen. Wo kann man was kaufen? Wie lange haben die verschiedenen Läden eigentlich geöffnet an den verschiedenen Wochentagen? (Erst heute habe ich um 18:05 Uhr wieder vor verschlossenen Türen gestanden.)
Nun freue ich mich darauf, dass Walli bald ankommt - und das Wettrennen zwischen Walli und Container ist auch noch nicht entschieden. Das Internet zu Hause hat schon einmal eine deutliche Verbesserung der Lebensqualität mit sich gebracht (auch wenn es noch nicht so schnell ist wie bestellt), mit Autoabholung, Wallis Ankunft und Containerankunft wird das Leben hier sicher noch einmal angenehmer machen.

Montag, 11. April 2016

Hallo Welt!

Dies ist der erste Blogeintrag, den ich aus unserem neuen zuhause schreibe!
Oder anders gesagt: Seit heute haben wir Internet-Anschluss zu Hause!
Das ist doch wirklich ein Fortschritt - und ich freue mich mächtig darüber. Wie also erhält man einen Internet-Anschluss in Botswana?
Nun, Internetprovider und Botswana lässt sich tatsächlich googeln und man erfährt so schon etwas über verschiedene Anbieter. Allerdings sollte man nicht erwarten, dass a) ein Internetprovider überhaupt eine eigene Internetseite hat und b) dass diese auch aktuell ist und c) dass diese Informationen zu verschieden schnellen Internetanschlüssen und deren Preise enthält. Von unserem Vermieter erfuhr ich, dass die Vormieterin bei einer Firma namens VBN ihren Internetanschluss hatte. Also dachte ich mir, höre ich dort mal nach. Die Internet-Seite ist schnell gefunden, die Seite war nur so halb aussagekräftig, das Büro laut Internetseite in der Nähe des meines Büros. Also bin ich dorthin gefahren. Die Fassade des Gebäudes hatte das Logo des Internetproviders, aber um 17 Uhr machte niemand mehr die Türe auf. Ein wenig später kam ich dort tagsüber vorbei, wieder war niemand da. Nebenan erzähle man mir dann, dass sie umgezogen seien, schon vor einiger Zeit. Ok. Immerhin reagierten sie später auch mal auf emails.
Bei anderen Internet-Providern fuhr ich vorbei bzw. schrieb ich emails (letzteres ohne eine Antwort zu erhalten). Letztlich entschied ich mich aber doch für den Internet-Provider der Vormieterin, denn immerhin ist das Equipment bereits installiert und das Angebot ist auch brauchbar. Genutzt wird hier nicht, wie i.d.R. in Deutschland, eine Telefon (DSL)- oder Glaskabelverbindung, sondern eine Richtfunkverbindung. Dafür muss eine Antenne auf dem Dach installiert werden.
Der Vertrieb von VBN antwortete zuverlässig, und ich wollte gleich eine besonders schnelle Verbindung. Mit 6 Mbit/sek. sollten wir künftig eine Internetleitung haben, die genauso schnell ist, wie in unserer Frankfurter Wohnung. Dafür werden wir hier das ca. 4-fache wie in Frankfurt zahlen müssen, denn diese Verbindung gilt hier als wahnsinnig schnell ("Wofür wollen Sie denn das?"). In Deutschland gilt diese Verbindung wohl mittlerweile eher als langsam. Ich möchte aber vernünftig Skype bzw. Internettelefonie nutzen können, vielleicht auch mal etwas in einer Mediathek anschauen können etc. Was hier auch noch anders als in Deutschland: Unser monatliches Datenvolumen ist begrenzt, d.h. wir werden hier kein Internet-Café eröffnen können (hatten das aber auch nicht vor) - für unseren Alltagsgebrauch sollte es dennoch ausreichen. Und: Möglicherweise ist das Internet tagsüber nicht so schnell wie abends; tagsüber hat geschäftlicher Internetverkehr vorrang, abends privater. Mit der gewählten Geschwindigkeit sollten wir aber auch tagsüber akzeptabel surfen und skypen können.
Die Installation sollte innerhalb von 5-6 Tagen nach Vertragsabschluss erfolgen. Als ich nach Ablauf dieser Frist noch nichts gehört hatte, fragte ich noch einmal nach - und bekam für den heutigen Tag einen Termin (nur knapp eine halbe Woche später). Um 14:30 Uhr sollten sie da sein, ich erhielt immerhin kurz vorher eine mail, dass sie sich 1,5 Stunden verspäten würden. Wie ich die mail ohne Internetanschluss lesen sollte, bin ich mir auch nicht sicher... aber ich hatte ja ein Smartphone. Nach 2 Stunden fuhr ich doch mal wieder ins Büro, nur um wenig später einen Anruf zu erhalten, dass sie nun vor der Tür stünden. Um 17:30 waren sie da, sehr freundlich - die alten Geräte konnten genutzt werden, die Installation ist so schnell erfolgt. Hallo Welt!
(ok, die Geschwindigkeit ist derzeit noch nicht ganz so schnell wie bestellt, das soll noch geändert werden. Vielleicht schaffen sie das ja morgen, ich bin optimistisch.)

Sonntag, 10. April 2016

Wie kauft man ein Auto?

Die ersten zwei Wochen habe ich mich auf das Ankommen konzentriert: Übergabe mit der Vorgängerin, Einzug ins Haus, neuer Job, ankommen. Doch nun brauche ich einen fahrbaren Untersatz. Ein Auto, ein Königreich für ein Auto! (Möglichst ohne auch für ein ganzes Königreich zu bezahlen.)
Derzeit mache ich so etwas wie Carsharing. Ich fahre nämlich mein Dienstauto auch privat. Das wurde mir von meinem Chef für die ersten sechs Wochen erlaubt - unter der Voraussetzung, dass ich für jeden Kilometer, den ich privat fahre, 30 Cent zahle. Das ist ungefähr der Preis, den ich für die Nutzung eines Carsharing-Autos in Frankfurt gezahlt habe. Der Preis schockt mich also nicht weiter, für die gelegentliche Nutzung eines Autos in Frankfurt war das Modell ganz praktisch, ab einer gewissen Anzahl Kilometer wird es dann aber doch teuer.
Also benötige ich ein eigenes Auto. In einem Safari-Land wie Botswana sollte es ein Auto mit Vierradantrieb sein. Ein Toyota ist der Mercedes der SUVs, heißt es hier. Nissan sei wie ein VW, Mitsubishi wie ein Fiat. Nun gut. Weitere Tipps, die ich bekam: Eher kein Importauto (wegen Ersatzteilen), sondern ein in Südafrika hergestelltes Auto. Auf den Kilometerstand achten, der werde gerne manipuliert. Und ein Autohändler, der aus Japan importiere, wurde mir empfohlen, bei dem kaufen viele Kollegen.
Mit dem Fahrer des Projekts fuhr ich also los, um fachkundige Beratung dabei zu haben. Er brachte mich als erstes zu einem Laden, von dem er sagte, dass es wohl der billigste der Stadt sei. Vor dem Tor sollten wir aus irgendwelchen Gründen nicht parken. Sie hatten ein paar halbwegs passende Autos zur Auswahl. Eine Verkäuferin nannte mir Marke und Modell des Autos sowie Motorgröße und Baujahr des jeweiligen Autos - nicht jedoch den Kilometerstand. Dieser spielte für sie offenbar keine große Rolle. Die Autos waren importiert aus Japan, ziemlich dreckig und wenig vorzeigbar hergerichtet, im Innenraum eines Autos lag noch eine zerknüllte Coladose und anderer Müll. Ein Auto wollte ich mir näher anschauen: Also wurde eine Batterie und ein Starterkabel geholt, um es anzulassen - keines der Autos hatte eine funktionierende Batterie. 70.000 km zeigte der Tacho. An der Fahrertür prangte ein Aufkleber "letzte Wartung bei 130.000 km" (soviel japanisch verstehe sogar ich!). Irgendwie war man hier nicht wirklich bemüht, mir ein seriöses Auto zu verkaufen, fand ich. Also fuhren wir weiter zum nächsten Anbieter, dem von vielen Kollegen empfohlenen.
Dort hatte man ein Modell quasi genau wie ich es mir vorstellen konnte, ein Toyota Hilux Surf. Allerdings Baujahr 2000 und 160.000 km. Vielleicht doch nicht ganz ideal. Der Besitzer sagte mir, dass er in einem anderen Laden noch einen Toyota Prado habe, den solle ich mir doch anschauen. Wir wurden dorthin gefahren, der Prado hatte allerdings mehr als 200.000 km auf dem Buckel, auch nicht ideal. Daneben stand noch ein Mitsubishi Pajero. Baujahr 2000 zwar, aber nur 15.000 km auf dem Tacho und optisch in sehr gutem Zustand. Ob die 15.000 wohl stimmen mögen? Die Mitarbeiter schworen es. Ein Wartungsaufkleber auf der Abdeckung des Getriebes zeigte 110.800 km - das sei der nächste fällige Austausch des Riemens wurde mir gesagt. Ah ja. Ich wollte ein wenig nachdenken, zwei Tage später kam ich zur Probefahrt, ausgerüstet mit Gebrauchtwagenkauf-Checklisten aus dem Internet. Mithilfe einer anderen Batterie wurde das Auto angelassen, dann machte ich mich zusammen mit einem Mitarbeiter auf eine Probefahrt. Das Auto fuhr sich wirklich gut, ein wenig zog es nach links, ausbalancieren wäre also nötig. Beim Aussteigen entdeckte ich dann die Service-Aufkleber für 40.000 km - und für 110.000 km. Doch keine 15.000 km, aber das war mir eigentlich schon klar, da die Ledersitze nicht mehr ganz neu aussahen. Nachdenken.
Weiterfahren, diesmal in ein Autohaus, das ich von meinem Bürofenster aus sehen kann, das auch wie ein Autohaus aussieht. Schöne Gebrauchtwagen gab es da. Die sollten allerdings auch ein Königreich kosten. Das günstigste sollte 2,5 Mal so viel kosten wie das Auto, das ich zuvor probegefahren hatte, obwohl es 190.000 km drauf hatte und nur unwesentlich jünger war. Dafür mit "Service history". Alle weiteren Autos, jünger zwar, sollten schnell das 5- bis 8-fache kosten. Keine wirkliche Option, denn da könnte ich ja fast gleich einen Neuwagen kaufen.
Ich fuhr der Form halber noch zu den Autohäusern der Marken VW, Ford, Volvo (in einem zusammengefasst) sowie Toyota. Die Auswahl an Gebrauchtwagen war begrenzt - und teuer. Sollte ich mein Suchraster doch anpassen müssen? Im Laufe der letzten Woche schaute ich noch in einem weiteren Autohaus vorbei, doch auch dort waren die Preise kaum besser.
So fuhr ich gestern noch mal zu dem von den Kollegen empfohlenen Händler. Vielleicht hatte er ja neue Autos bekommen. Und so war es auch. Gestern aus einem Container ausgeladen. Doch dazu dann ein anderes Mal ...

Dienstag, 29. März 2016

Wo steckt eigentlich unser Container?

Nun ist es schon mehr als zwei Wochen her, dass unser Container in Frankfurt beladen wurde und abfuhr. Und als er dann mal weg war und wir mit dem Putzen der Wohnung fertig waren, da fiel uns auf, dass wir ja gar nicht genau wussten, wie genau unser Container nach Afrika kommen würde (ok, per Schiff, klar, und sonst?). Wir hatten gar nicht mehr gefragt, was die nächste Station des Containers sein würde.
Was ich übrigens die von uns beauftragte Spedition Schenker auch nie gefragt habe, ist wann denn der Container in Gaborone ungefähr ankommen soll. Die anderen Speditionen sprachen immer von 6-8 Wochen, so ging ich davon aus, dass das auch bei unserer Spedition so sein würde. Wobei Schenker ja zur Deutschen Bahn gehört - Pünktlichkeit lässt sich da ja ohnehin nicht voraussetzen (sorry, konnte ich mir nicht verkneifen).
Ein paar Tage nach der Verladung kam die (dicke) Rechnung der Spedition. Und damit einhergehend auch die Information, dass unser Container in Bremerhaven auf die Maersk Lavras verladen werden soll. Google macht's möglich: Ich fand recht schnell heraus, dass dieses Schiff noch gar nicht in Bremerhaven war: Zunächst fuhr es in Rotterdam und in England vorbei, dann, vor einer knappen Woche, meldete die Website, über die man Containerschiffe nachverfolgen kann: Vor Anker in Bremerhaven. Nächster Stopp war Algeciras, bei Gibraltar. Dort gab's für die Crew offenbar zwei Tage Osterlandgang, seit gestern Nachmittag ist das Schiff wieder unterwegs. Nächster Stopp: Kapstadt!
Während ich diese Zeilen schreibe, pflügt das Schiff durch den Atlantik, ungefähr auf Höhe von Gran Canaria. In Kapstadt soll "unser" Schiff nun am 9.4. gegen Abend ankommen. Wie lange der Container dann wohl noch nach Gaborone braucht? - Ich rechne nicht mit unter zwei Wochen.
Letztlich hoffe ich derzeit, dass der Container möglichst lange braucht, bis er Gaborone erreicht - denn ich muss erst mal noch sämtliche Genehmigungen hier beantragen, u.a. diejenige, die mich zur einmaligen zollfreien Einfuhr von Waren berechtigt. Und bis ich diese Genehmigung habe, kann es noch dauern (dazu ein anderes Mal).
Eigentlich bleibt nur noch diese Frage: Wer wird wohl zuerst in Gaborone sein, der Container oder Walli?

Dienstag, 22. März 2016

Erste Einkäufe für ein spartanisches Leben

Was benötigt man eigentlich, um in einem leeren Haus leben zu können? Die Frage stellte ich mir auch schon länger: Denn bis der Container mit unserem Hab und Gut ankommt, wird wohl noch einige Zeit vergehen - wieviel will bzw. muss ich schon einmal kaufen, um in der Zwischenzeit nicht allzu entbehrungsreich leben zu können und gleichzeitig nicht verschwenderisch zu sein (bzw. anschließend alles doppelt zu haben)?
Mit der Hausübergabe am Samstag und der Lieferung von Kühlschrank und Bett waren schon einmal ein paar Grundlagen gelegt. Aus Deutschland mitgebracht hatte ich das alte Pfadfindergeschirr und Besteck von Walli und ein Taschenmesser.
Sobald Kühlschrank und Bett letzten Samstag angekommen waren, machte ich mich auf den Weg in einen Supermarkt (der jedoch um 17 Uhr schloss, während ich dort war). Am nächsten Tag, Sonntag, war ich überrascht, dass doch einige Läden in der nahen "Game City Shopping Mall" offen hatten, und so konnte ich dort weitere Einkäufe tätigen. Auf meiner Liste standen: Müsli, Milch, Obst, Brot und Käse (beides bekommen!), Besen und Kehrblech, Putzeimer, Fußabstreifer für mind. 2 Türen, Küchenhandtücher, Wasser.
Außerdem stellte ich schon am ersten Abend fest, dass ich mich zwar auf eine recht tiefe Fensterbank ganz gut hinsetzen kann, aber auf Dauer könnten Stuhl und Tisch doch hilfreich sein. Daher hier ein Bild meiner neuesten Errungenschaften - auf der überdachten Terrasse:
 
Hier lässt sich gut ein Feierabend verbringen!
Nun seid Ihr dran - was sollte ich mir noch kaufen, um die ersten Wochen in einem leeren Haus gut zu verbringen?

Montag, 21. März 2016

Hausübergabe

Es war ein schönes Gefühl, schon in Deutschland zu wissen, wo wir hier in Botswana wohnen würden - zumindest für mich, der ich das Haus ja gesehen und ausgesucht hatte, denn Walli kennt das Haus ja bisher nur von Bildern. Klar, dass ich daher auch so schnell wie möglich einziehen wollte.
Am Dienstag unterzeichnete ich (nachträglich) den Mietvertrag und bekam die Schlüssel ausgehändigt, die Vermieter wollten noch ein paar letzte Sachen am Haus machen (lassen), und für Samstag verabredeten wir uns für eine detailliertere Übergabe (also zu dem Zeitpunkt, an dem ich dann wirklich einziehen würde).
Unter der Woche - nach meinen Shopping-Erkundungstouren für Bett und Kühlschrank - schaute ich schon zweimal abends vorbei, um das Haus noch etwas besser kennenzulernen. Am Samstag um 10 Uhr war es dann soweit, die eigentliche Übergabe stand "ins Haus". Aus dem Hotel hatte ich bereits ausgecheckt, die beiden Koffer des Fluggepäcks und die Handgepäckstücke waren gepackt und im Auto verstaut, zusätzlich der Koffer, den ich im Januar schon mitgenommen hatte und im Büro gelagert hatte.
Was dann folgte, war für mich nicht ganz berechenbar gewesen: Die Hausübergabe dauerte dreieinhalb Stunden. Und nein, ich habe keine "Smart Home" angemietet, das so voll digitaler Steuerungstechnik steckt, dass die Übergabe etwas länger dauern könnte.

Los ging's mit der Übergabe der Schlüssel. Meine Vermieter sind "halb Deutsch", sagen sie (ihre Mutter ist Deutsche, der Vater wohl Schwede). Und so definieren sie sich auch. Mattias kam stolz mit einer ausgedruckten Excel-Liste mit Übersicht über die Schlüssel. Jeder Schlüssel war numeriert, die Liste vermerkte, ob der Schlüssel im jeweiligen Schloss steckte oder sonst wo lag. Zusätzlich gab es drei (beschriftete) Marmeladengläser mit Ersatzschlüsseln - alle numeriert und in der Liste aufgeführt). 39 Schlösser gibt es im Haus, dazu jeweils 0 bis 1 Schlüssel und 0 bis 6 Ersatzschlüssel. Wir probierten sie alle aus.  (Papa, liest Du das? Wäre das nicht auch ein tolles System für die blaue Schlüssel-Schachtel?)
Weiter ging's mit der Alarmanlage. Ja, unser Haus hat eine Alarmanlage (und nicht nur eine, um genau zu sein, aber so weit gehe ich jetzt mal hier nicht ins Detail, ich will den Blogeintrag ja auch noch irgendwann fertigstellen). Die Alarmanlage wurde mir gezeigt, wir probierten sie aus - und stellten fest, dass es mindestens einen Fehler gab. Also wurde die Sicherheitsfirma gerufen, die auch innerhalb einer halben Stunde mit Technikpersonal kam und alles in Ordnung brachte. Währenddessen zeigte Mattias mir schon einmal die Wasserversorgung. Aus dem öffentlichen Leitungsnetz kam gerade kaum Wasser. Ein schöner Demonstrationseffekt, denn so wurde mir gleich gezeigt, wie ich die Wasserversorgung auf den Wassertank umstellen kann, der über das Leitungsnetz aufgefüllt wird. Der Wassertank ist derzeit dankenswerter Weise recht voll. Weiter ging's zum nächsten Wassertank, der das Regenwasser sammelt und für die Gartenbewässerung genutzt wird. Dank der Regenfälle der letzten Woche gerade auch voll. Dann gibt es noch zwei weitere Wassertanks und auch unterirdisch weitere Wasserspeicher, die alle auch teils durch Regenwasser, teils durch Abwasser aus dem Haus gespeist werden - und wie war das noch mal mit denen? Wofür werden die genutzt? Die Wasserpumpe am ersten Tank ist neu und bringt das Wasser gerade mit etwas zu viel Druck in die Leitung, also bastelten wir (nein, nicht wir, er) daran herum, bis der Druck etwas schwächer wurde (aber noch immer stark genug). Weiter ging's zum Pool (hatte ich von dem schon geschrieben?). Auch der wurde mir erklärt. Nicht ganz einfach, den Pool sauber zu halten - doch davon vielleicht ein anderes Mal.
Wir fanden Telefon- und Fernsehanschluss - doch gab es tatsächlich noch die Satellitenschüssel zum Fernsehanschluss? Einmal ums Haus gehen, und das Thema war auch geklärt: Ja.
Dazwischen noch Anweisungen für die Gartenpflege und viele weitere Informationen.
Wenn ich mir nur die Hälfte all dessen gemerkt habe, was mir gesagt wurde, dann war ich schon ganz gut, fand' ich. Nein, ein "smart home" ist es nicht, in dem Rolländen, Licht, Heizung und alles weitere digital gesteuert werden können; hier ist noch einiges an manuellen Handgriffen gefordert. Die bisherigen Mieter seien handwerklich nicht so begabt gewesen, wurde mir gesagt - mal schauen, was die Vermieter dann in einiger Zeit über uns sagen werden...

Sonntag, 20. März 2016

Bett und Kühlschrank

Zwar hatte ich während meiner Dienstreise im Januar schon ein Häuschen für uns gefunden und auch ab März bereits angemietet - aber das war ja komplett leer. Daher beschloss ich erst einmal, die ersten paar Nächte im Hotel zu verbringen. An einem Montag bin ich gelandet, bis Samstag war das Hotel gebucht. Klar hätte ich das Hotel noch einmal verlängern können - aber wenn da gleichzeitig schon ein Haus für mich bereitsteht, dann erschloss sich mir der Sinn darin nicht so ganz, dauerhaft im Hotel zu bleiben.
Was benötigt man also, um in ein leeres Haus einziehen zu können? Ein Bett, klar, irgendwo will man ja schlafen. Montag also angekommen, Dienstag erste Schlüsselübergabe - und die Erkenntnis, dass das Haus zwar eine eingerichtete Küche hat, jedoch keinen Kühlschrank. Zum Einzug benötigt man also auch einen Kühlschrank (zumal wenn keiner im erwarteten Container sein wird).
Mittags auf dem Weg in ein Cafe zum Mittagessen mit meiner Vorgängerin zeigte sie mir einen Möbelladen mit schicken Möbeln - doch 2000 Euro für ein Bettgestell,das künftig vielleicht ein Gästebett wird, erschien mir dann doch etwas viel (liebe künftigen Gäste, wir freuen uns sehr über Euren Besuch - aber für ein paar Nächte bis wenige Wochen, die ihr bei uns in Gaborone sein werdet, brauchen wir Euch vielleicht nicht ganz so edel betten?). Nach der Arbeit wollte ich also zu weiteren Möbelgeschäften gehen, die mir meine Vorgängerin im vorbeifahren gezeigt hatte. Gegen 18:20 Uhr hatte jedoch keines davon mehr auf: Hier ist entweder um 17 oder um 18 Uhr bereits Ladenschluss in vielen Läden. An den nächsten Abenden war ich etwas vorbereiteter, verließ die Arbeit etwas früher, um noch Vergleiche bei Möbelgeschäften anstellen zu können. Ein typischer Dialog mit den Fachverkäufern sah dann so aus:
"Sie benötigen ein Bett?"
"Ja, genau, welches dieser Betten können Sie mir denn empfehlen?"
"Dieses hier ist gerade im Angebot."
"Aha. Und wie unterscheidet es sich von den anderen Betten rechts und links daneben?"
"Es ist 200 Pula günstiger."
"Und welches dieser Betten hat die bessere Qualität?"
"Dieses hier, es ist aber auch teurer."
"Und warum ist es besser?"
"Weil es teurer ist."
So viel also zum Thema Beratung. Interessant auch das Geschäft, wo mich die gleiche Verkäuferin für Bett und Kühlschrank beriet. Immerhin wusste sie, dass ab Freitag ein evtl. auf meine Bedürfnisse passender Kühlschrank im Angebot sein würde (der am Donnerstag aber noch nicht ausgestellt war). Am Freitag schlug ich dann also zu. Die Lieferung wurde mir für Samstag versprochen.
Am Samstagmorgen erhielt ich einen Anruf, dass die Lieferung "after lunch" kommen solle. Als gegen 16 Uhr noch immer nichts geliefert war, rief ich an - und 10 Minuten später kam meine Bestellung an. Der ersten Nacht im neuen Heim stand nichts mehr im Wege! Nun teste ich also das Bett, in dem Ihr dann schlafen werdet, wenn Ihr uns besucht:
Und auch der Kühlschrank tut das, was er tun soll - er kühlt!