Donnerstag, 31. August 2017

Mein Büro

In den letzten beiden Wochen hat mich eine Sache dienstlich intensiv beschäftigt - nämlich mein Büro. Das Gebäude, in dem wir untergebracht sind, hat unsere Partnerorganisation SADC für uns angemietet. Vor ein paar Monaten hatten wir bereits erfahren, dass SADC den Mietvertrag gekündigt hat - zu Ende August. Lange hörten wir nichts mehr, in den letzten beiden Wochen gab es dann plötzlich einige Neuigkeiten. Langer Rede kurzer Sinn: Wir ziehen (noch) nicht um, es dauert alles noch etwas.
Das finde ich erst einmal gar nicht sooo schlimm. Mein Büro liegt keine 2 km von unserem Häuschen entfernt, und es ist klar, dass ein künftiges Büro weiter weg liegen wird. Viele Kollegen würden allerdings lieber früher als später aus dem Gebäude ausziehen. In einem Büro tropft Regen (wenn er denn mal fällt) auf einen Schreibtisch, ein anderes Büro hatte nach dem ersten Erdbeben (seitdem gab es noch mindestens zwei weitere) plötzlich teilweise kein Dach mehr.
Mein Büro ist, wie ich finde, das schönste Büro des ganzen Gebäudes: Im obersten (3.) Stock an einer Ecke mit schöner Aussicht über die Stadt gelegen, dazu recht geräumig - ich bin jetzt Chef, ich darf das.


Auch in meinem Büro hat es Erdbebenschäden gegeben, sichtbar an der linken Wand. Es fällt fast nicht auf, finde ich. Ich mag gar nicht daran denken, dass in dem Gebäude, das SADC gerade für uns ausgeguckt hat, Großraumbüros mit 30-40 Arbeitsplätzen geplant sind, der Großteil davon ohne Tageslicht.
Von meinem jetzigen Büro aus sieht man in die eine Richtung bis zum Gaborone Dam, ...


...in der anderen Richtung über das Shoppingcenter Game City hinweg bis zum Central Business District.


Nein, ich spiele nicht aktiv auf Zeit - aber ich bin auch dankbar, wenn sich der Umzug noch etwas hinzieht!

Montag, 28. August 2017

Wandertag

"Nur wo Du zu Fuß warst, bist Du auch wirklich gewesen." Da wir hier in Botswana aber viel weniger zu Fuß unterwegs sind, als das in Deutschland der Fall wäre, freuen wir uns über jede Gelegenheit, die sich so bietet. Neulich fragte mich zum Beispiel ein Bekannter, ob ich Lust hätte, mit ihm über den Golfplatz zu spazieren, während er eine Runde spielt. Nachdem er mir versicherte, das wären 5 km im Grünen und Tiere gäbe es sogar auch zu sehen, war ich überzeugt. Allerdings war der Golfplatz dann wegen eines Turniers geschlossen und am Ende saßen wir auf seiner Terrasse. Es ist hier nicht so einfach, spazieren zu gehen!

Letzte Woche erreichte uns eine E-Mail, in der der "YCARE HISTORICAL WALKATHON" beworben wurde. Eine Kollegin von Philip hatte sie uns weitergeleitet und auch schon einmal von den YCARE-Wanderungen berichtet. Der Verein organisiert einmal im Jahr eine dreitägige geführte Wanderung durch die Magkadigkadi Pans. Einmal im Monat findet zur Vorbereitung auf dieses Event ein "Pre-Walk" in der weiteren Umgebung von Gaborone statt, so auch diesen Samstag. Die Kollegin wollte teilnehmen und fragte, ob wir auch Lust hätten. Wie gesagt gilt es hier, Gelegenheiten zu nutzen, und so ließen wir uns nicht von der angegebenen Streckenlänge von 24 km abschrecken, sondern sagten einfach zu.
Schon da war mir klar, dass ich diese Zusage zumindest kurz bereuen würde, und dem war dann auch so, am Samstagmorgen um 4:30 Uhr. Da klingelte nämlich der Wecker. Um 5:20 Uhr waren wir mit Philips Kollegin verabredet, um 6 Uhr sollten wir am Ausgangspunkt der Wanderung in Molepolole sein und um 6:30 Uhr würde die Gruppe dort starten. Auch im Winter gilt es hier, die Mittagshitze so gut wie möglich zu vermeiden, aber um 5 Uhr seine Wanderschuhe anzuziehen, macht trotzdem keinen Spaß. Immerhin ist der Straßenverkehr um diese Zeit überschaubar und so kamen wir kurz nach 6 Uhr in Molepolole an. Dort trugen wir uns auf eine Liste ein, bezahlten 30 Pula Anmeldegebühr pro Person (ca. 2,60 €) für einen guten Zweck, machten ein kurzes Aufwärmprogramm und wanderten schließlich um 6:40 Uhr los. Es wurde gerade erst hell.


Bei der Begrüßung war angekündigt worden, dass uns ein Polizeiauto begleiten würde, bis wir den Ort verlassen hätten. Und tatsächlich fuhr ein mit vier Polizisten besetzer Wagen mit einem kleinen Blaulicht vor unserer ungefähr 40 Leute umfassenden Gruppe, im Schritttempo. Mir erschien das etwas übertrieben, denn wir befanden uns bereits am Rande von Molepolole auf breiten Staubstraßen; selbst wenn da mal ein Auto kam, fuhr es nicht schnell und kam locker an uns vorbei. Aber gut.
Molepolole zieht sich, aber schließlich erreichten wir den Ortsausgang, blieben dann jedoch weiterhin auf der Straße - insgesamt siebeneinhalb Kilometer. Dann gab es eine erste Pause, es wurden Wasserflaschen an die Teilnehmer verteilt und Ankündigungen gemacht. Zuerst wurde darauf hingewiesen, die eben ausgeteilten Plastikwasserflaschen bitte nicht in die Gegend zu schmeißen - in einer Intensität, die annehmen ließ, dass das sonst tatsächlich ein Problem war.

Die zweite Ankündigung war, dass wir nun einen "Summit" besteigen würde. Für den Hügel zu unserer Rechten war das ein großes Wort. Es wurde eindrücklich gewarnt, vorsichtig zu klettern und auf lose Steine aufzupassen. Tatsächlich mussten wir über größere und kleine Felsen kraxeln, ein Weg war nicht erkennbar. Es war gut machbar, aber nicht jeder Teilnehmer der Wanderung trug geeignetes Schuhwerk, daher taten sich einige doch etwas schwerer. Den Aufstieg machten wir im Gänsemarsch und so langsam, dass ich ganz gegen meine Gewohnheit überhaupt nicht außer Atem kam.


Oben erzählte uns einer der Guides dann etwas über die Geschichte der Gegend und zeigte uns später noch die Überbleibsel von alten Mauern. Für Ausländer wie uns war es nicht einfach, ihm zu folgen, da er mehr Wissen zu Orts- und Stammesnamen voraussetzte, als wir besaßen. Aber der Großteil unserer Gruppe bestand aus Batwswana und an diese richten sich die Wanderungen auch, wie später erläutert wurde: Ihnen soll mehr Wissen über ihr Land und seine Geschichte vermittelt werden, damit sie historische Stätten schützen und ihre Bedeutung an nachfolgende Generationen weitergeben können. Die Wanderung sollte außerdem dazu dienen, dass sie sich ihr Land wandernd zueigen machten - ein schöner Gedanke.
Am Fuße des Hügels besuchten wir noch den Gedenkstein der German Hermannsburg Mission. Die Lutherische Kirche siedelte diese im Jahr 1857 dort an, sie war die zweite christliche Institution im ganzen Land.


Danach machten wir uns auf den Rückweg, wobei ein Teil unserer Gruppe der Meinung war, dass sie sich jetzt erst einmal genug von ihrem Land zueigen gemacht hätten. Sie stiegen ins Polizeiauto, das am Fuße des Hügels gewartet hatte - die Polizisten hatten uns tatsächlich den ganzen Weg begleitet und waren sogar mit uns auf den Hügel geklettert. Nun ließen sie so viele Leute wie möglich auf der Ladefläche Platz nehmen und fuhren dann wieder im Schritttempo vor uns her. Wir bissen die Zähne zusammen und wanderten, waren dann aber doch ganz froh, dass die Strecke statt der angekündigten 24 km nur knappe 18 km betrug. Am Ende versammelten sich alle noch einmal, dehnten ihre Muskeln und es wurden noch einmal kürzere Reden gehalten. Schließlich bekam der Bürgermeister, der uns begleitet und ebenfalls über die geschichtlichen Ereignisse referiert hatte, unser "Startgeld" als Spende für ein am nächsten Wochenende stattfindendes kulturelles Festival überreicht. Er machte noch einen fröhlichen Witz, dass er es als Taschengeld nehmen würde, nachdem er keine Quittung unterschrieben hätte. Nach einem letzten Gruppenfoto machten wir uns müde, aber zufrieden auf den Heimweg nach Gaborone. Auch wir hatten uns wieder ein neues Stückchen Botswana laufend zueigen gemacht.


Weiß übrigens jemand, von wem das Eingangszitat ist? "Nur wo Du zu Fuß warst, bist Du auch wirklich gewesen." An die oder den erste/n, der mir die richtige Lösung schreibt, schicke ich eine Postkarte aus Botswana. (Erst wollte ich versprechen, dass derjenige eine Postkarte aus Botswana erhält, aber das liegt nicht in meiner Hand ... wobei bislang alle Postkarten angekommen sind. Irgendwann.) Raten gilt, googeln nicht :-) Noch ein Tipp: Der Autor hätte am Tag der Veröffentlichung dieses Blogbeitrags (28.08.) Geburtstag gehabt ...

Samstag, 26. August 2017

Fast wie am Meer

Wir hatten ja bereits berichtet, dass während der letzten Regenzeit der Gaborone Dam (also der Stausee, der den Großteil der Wasserversorgung in Gaborone sicherstellt) das erste Mal seit 16 Jahren vollgelaufen ist.
Danach war der schön auf einer Insel gelegene Gaborone Yacht Club erst einmal nicht mehr zugänglich. Blöd, wenn man segeln will und sich am Ufer befindet, die Segelboote aber auf der Insel liegen. In den letzten Jahren hatte eine Straße auf einer Art Damm die Fahrt mit dem Auto zur Insel möglich gemacht (wobei die Insel auch schon lange keine Insel mehr war, da das Wasser nur auf der einen Seite noch an den Damm rankam und auch das mit einem ordentlichen Abstand). Doch nun war die Straße auf dem Damm überschwemmt. Ungefähr zweieinhalb Monate nach dem Volllaufen des Stausees hat der Yacht Club deswegen einen Fährverkehr eingerichtet. Bereits im Juni planten wir, die Fähre zusammen mit unserem Besuch zu nutzen, denn das würde ja auch für uns ein völlig neues Erlebnis sein: Bootsfahrt in Gaborone!
Leider klappte es damals nicht, da wir zwar wussten, dass die Fähre nur an Wochenenden fuhr, die eingeschränkten Zeiten jedoch nicht kannten. Am vergangenen Sonntag haben wir die Bootsfahrt dann aber nachgeholt. Das erste Stück konnten wir noch auf der Straße fahren, mussten dann parken und noch ein paar Schritte zu Fuß gehen. Kurz bevor die Straße im See versank (schon ein ganzes Stück weiter hinten als im Juni, das Wasserlevel ist seitdem sichtbar gesunken), wartete die Fähre auf uns.


Man könnte den Verdacht äußern, dass die Fähre doch etwas "Marke Eigenbau" ist, aber sie erfüllte ihren Zweck. Und so wurden wir dann zum Yacht Club gefahren.


Dort gibt es eine Bar, wo wir Getränke bestellten und eine frische Brise und die Aussicht aufs Wasser genossen. Letzteres stand (erwartungsgemäß) viel höher als bei unserem letzten Besuch, was auch ganz natürlich wirkte - und doch wussten wir ja, was sich alles unter dem Wasser befand, weil wir die Steine, die Bootsanlegestelle etc. schon in ausgetrocknetem Zustand gesehen hatten. Nun jedoch fühlte es sich aufgrund der Wassermengen fast ein wenig an, als ob wir am Meer wären. Am Meer Gaborones. Es war wieder ein schöner Sonntagsausflug!



Mittwoch, 23. August 2017

Verbuscht oder nicht verbuscht, das ist hier die Frage ...

Neulich traf ich eine Freundin zum Mittagessen. Wie ihr Mann arbeitet auch sie bei der GIZ, beide haben schon mehrere Auslandseinsätze hinter sich. Ich weiß nicht mehr, wie sie darauf kam, aber plötzlich fiel der Begriff "verbuscht". Ich kannte ihn nicht, sie ging allerdings offensichtlich davon aus und teilte mir mit, wer ihrer Meinung nach ganz schön verbuscht sei, wer nur ein wenig (ihre Familie) und wer ja noch kaum (Philip und ich zum Beispiel). Während ich ihren Erläuterungen folgte, versuchte ich mir einen Reim darauf zu machen. Hatte Verbuschung vielleicht etwas mit Naturverbundenheit zu tun? Uns als kaum verbuscht zu bezeichnen, erschien mir da unfair (unser Treffen fand kurz vor unserem sehr naturverbundenen Campingausflug in den Kgalagadi Transforntier Park statt). Bevor ich aber richtig nachfragen konnte, war sie schon beim nächsten Thema.

Abends befragte ich Philip, der den Begriff der "Verbuschung" natürlich kannte. Ein paar Tage später erkundigte ich mich auch noch probeweise bei dem MAP, der mich mal zum Golfspielen hatte animieren wollen. Auch ihm war das Ganze geläufig. Ich hatte da offensichtlich etwas verpasst!

Der Duden sieht den Begriff auch eher naturverbunden und definiert ihn als "mehr und mehr von Sträuchern überwuchert werden". Wikipedia ist da schon aufschlussreicher und hat eine soziologische Definition von "Verbuschung" parat:

Verbuschung im übertragenen Sinne ist Jargon und bezeichnet eine bestimmte Art der kulturellen Assimilation von entsandtem Personal im Ausland, besonders in Entwicklungsländern. Der Begriff ist dabei abwertend belegt und beschreibt die Tendenz von Personal, das lange Zeit in Entwicklungsländern bzw. lange Zeit am gleichen Ort entsandt ist, sich unbewusst von den Verhaltensnormen im eigenen Land zu entfernen.

Philip versuchte mir das Ganze mit Beispielen näherzubringen und erzählte z.B. von Kollegen, die in Eschborn auffielen, weil sie nicht aus einem Glas, sondern gleich aus der Wasserflasche tranken. Ich blieb relativ unbeeindruckt, hatte ich doch an meinem Frankfurter Arbeitsplatz ebenfalls meist eine Wasserflasche auf dem Schreibtisch stehen, aus der ich direkt trank. (Wem je ein Glas Wasser auf dem vollen Scheibtisch umgekippt ist, wird die Vorteile erkennen.) Es stellte sich dann raus, dass Philip eher aus der Flache trinken auf Konferenzen meinte. Wie dem auch sei: So ganz habe ich mir den Begriff der Verbuschung noch nicht zueigen gemacht, achte jetzt aber vermehrt auf Zeichen. Vor ein paar Wochen musterten zum Beispiel innerhalb weniger Tage zwei Freundinnen mein ziemlich verstaubtes Auto und stellten dann beide die gleiche Frage: "Habt Ihr keinen Gärtner?" Beim ersten Mal erkannte ich den Zusammenhang noch nicht: Viele Expats lassen von ihrem Gärtner ihre Autos waschen. Wenn also die Verbindung zwischen einem schmutzigen Auto und einem angestellten Gärtner nicht gleich klar ist, lässt das hoffen, dass die Verbuschung noch nicht wirklich eingesetzt hat ...
Philip hat sogar einen Witz zu dem Thema beizutragen: Wie erkennt man einen Entwicklungshelfer im Ruhestand? Steht mit dem Auto vor dem Tor, hupt, und niemand macht auf.

Montag, 21. August 2017

Die Rettungsflugwacht

Es gibt so Themen, mit denen will man sich eigentlich gar nicht beschäftigen. Dazu gehört z.B., was passiert, wenn man krank wird und schnell ärztliche Hilfe benötigt. In Deutschland wählt man dann die 112. In Botswana ... nun ja. In Gaborone ließe sich sicherlich irgendwie ein Krankenwagen auftreiben. Aber was passiert eigentlich, wenn man mal wieder irgendwo in der Pampa ist? Womöglich in einer Gegend ohne Mobilfunknetz? (Ich tippe einfach mal, dass der weitaus größte Teil Botswanas keine Netzabdeckung hat, weil zu dünn bis gar nicht besiedelt). Erfahrene "Traveller" sind in solchen Fällen mit Satellitentelefon unterwegs (die man wohl hier sogar für solche Ausflüge leihen kann, wie ich gehört habe); außerdem sollte man in abgelegenen Gebieten eigentlich immer gleich in einem Konvoi mit mindestens zwei Fahrzeugen unterwegs sein.
Als wir kürzlich im Kalagadi Transfrontier Park waren, sind wir also bewusst mit drei Autos gefahren (obwohl für vier Reisende sonst natürlich zwei Autos gereicht hätten). Wir stellten auf unserer Reise fest, dass wir wohl mindestens 150 km Luftlinie vom nächsten Ort mit mehr als 500 Einwohnern entfernt waren. Es sind ganz andere Dimensionen und ganz andere Überlegungen, in denen man hier denken bzw. die man hier anstellen muss ...

Ein Mobilfunknetz hilft einem natürlich auch nur, wenn es dann irgendjemanden am anderen Ende der Leitung gibt, der Hilfe organisieren kann. Am Rande des Okavango Deltas wurde vor ein paar Jahren von einer Deutschen und einem Schweizer eine Rettungsflugwacht, die "Okavango Air Rescue" gegründet, die mit einem Hubschrauber erkrankte Personen aus einem größeren Umkreis ausfliegen können. Erst im Juni haben sie deutsche Touristen gerettet, die mit einem Leihfahrzeug zeltend im Delta über eine Woche unentdeckt steckengeblieben waren und deren Verschwinden zum Glück dann doch noch von ihrem Reiseveranstalter bemerkt wurde, als sie ihren Rückflug in Johannesburg nicht antraten. Sie hatten sich richtig verhalten, d.h. sind in Fahrzeugnähe geblieben und hatten glücklicherweise genügend Wasser und Lebensmittel dabei. Das hätte sonst ganz anders ausgehen können.

Weil sich eine solche Rettungsflugwacht nicht nur durch ihre regulären Einsätze finanzieren kann, hat sie ein "Patronage"-System: Für einen Betrag von ca. 15,- € pro Jahr kann man sich registrieren und hat im Fall des Falles dann Anspruch auf Evakuierung. Das hilft auch den für die Okavango Air Rescue lokal tätigen Batswana. Um die Rettungsflugwacht zu erreichen, wählt man hier übrigens die 995 - wenn man gerade ein Mobilfunknetz hat und sich in Reichweite ihres Helikopters befindet. Bei unserem letzten Wochenendausflug wäre beides schwierig gewesen.
Im März dieses Jahres hat die ZDF-Sendung "Hallo Deutschland!" über die Okavango Air Rescue berichtet (Video ab Minute 20:23), kurz davor auch der NDR in einem Artikel.
Wir haben uns also registriert - und hoffen doch, dass wir sie nie in Anspruch nehmen müssen; auf weiteres sicheres Reisen in Botswana!

Samstag, 19. August 2017

Fleisch!

Brot für die Welt hat eine Website, auf der man im Selbsttest seinen ökologischen Fußabdruck ermitteln kann. Je größer dieser ist, um so mehr nimmt man Umweltressourcen in Anspruch und lebt auf Kosten kommender Generationen. Ich kannte diesen Test schon, habe ihn aber letzte Woche noch einmal gemacht - vermutlich aus masochistischen Gründen, denn dass das Ergebnis nicht so besonders gut ausfallen würde, hätte ich mir schon denken können. Immerhin nutzen wir hier keinerlei öffentlichen Nahverkehr, haben zwei Autos, fliegen über 40.000 km im Jahr und bewohnen ein ziemlich großes Haus  - das kam in dem Test alles gar nicht gut an. Der einzige Pluspunkt waren unsere Heizgewohnheiten - der fehlenden Heizung und den meist sommerlichen Temperaturen sei Dank. Und was die Essgewohnheiten angeht ... puh! Schon dadurch, dass wir Müsli essen, nehmen Philip und ich jeden Tag tierische Produkte in Form von Milch zu uns. (Und nein, selbst wenn wir wollten, könnten wir die nicht gegen Soja-, Mandel- oder sonstige Milchersatzprodukte ersetzen - die gibt es hier nicht.) Und was Fleisch angeht ... wir kaufen hier zwar keine Wurstwaren, aber Fleisch essen wir häufig (ich noch häufiger als Philip). Wenn es anders wäre, hätte es meinen ökologischen Fußabdruck allerdings auch nicht mehr gerettet - ein schwacher Trost.

Als Fleischesserin bin ich in Botswana allerdings in guter Gesellschaft. Rindfleisch ist ein wichtiges Exportgut und die Botswaner sind zu Recht stolz auf seine exzellente Qualität. Aber auch sonst gehört Fleischkonsum hier einfach zum Alltag. Diese Woche habe ich bei Baylor eine Unterrichtseinheit zum Thema "Mindmapping" gegeben. Nachdem ich Bedeutung, Sinn und Zweck eines Mindmappings erläutert hatte, teilte ich die Schüler in Gruppen ein und gab ihnen dann eine Auswahl von Themen, zu denen sie brainstormen und dann ein Mindmapping erstellen sollten. Eine Gruppe konnte sich nicht auf ein Thema einigen und bat mich, ihnen eines zuzuweisen. Ich ließ sie schließlich losen und so kamen sie zielsicher zu einem Thema, dass sich kein einziges Gruppenmitglied selbst ausgesucht hätte: "Becoming a vegetarian."

Aufgabe war, die Pros und Kontras eines Themas herauszuarbeiten. Nach erfolgtem Mindmapping präsentierte jede Gruppe ihre Ergebnisse und unter anderem die "Being a vegetarian"-Gruppe führte mir mal wieder vor Augen, dass so eine Diskussion hier doch ganz anders aussieht als in Deutschland. Gegenargumente waren viele gefunden worden: Viele Vegetarier wären dünn, weil mangelernährt. Sie hätten Probleme, überhaupt etwas Essbares zu finden. Ich meldete mich dann doch mal zu Wort, weil die Supermärkte hier in der Regel schon ein solides Gemüseangebot haben. Darauf entgegenete man mir, das Angebot wäre saisonal, was stimmt - aber irgendwelche Gemüsearten gibt's doch immer, erwiderte ich. Man erinnerte mich an die Gemüsekrise zu Anfang des Jahres, was mich innerlich doch schmunzeln ließ - während man in Deutschland wegen Geflügelpest und Rinderseuche eher auf Fleisch verzichtet, wird hier Gemüse als anfällig angesehen. (Wobei es während der Gemüsekrise zwar keine Tomaten, Kartoffeln und Auberginen gab, Salat, Pilze, Weißkohl und Zucchini zum Beispiel aber durchaus vorhanden waren - kein Vegetarier hätte verhungern müssen!)
Weiterhin wurde thematisiert, dass Vegetariern wichtige Proteine fehlen würde. Ein Mädchen sagte, man könnte als Ersatz  Erdnüsse essen, woraufhin ihr ein Junge erklärte, dass Erdnüsse aber nicht in Botswana wüchsen ("eat local" scheint immerhin hoch im Kurs zu stehen). Ich erkundigte mich schließlich, ob denn jemand in der Klasse Vegetarier wäre - erwartungsgemäß war dem nicht so - oder einen Vegetarier kennen würde. Eine Schülerin meldete sich und erzählte von einem aus Jamaika stammenden Bekannten, der aus religiösen Gründen kein Fleisch äße. Ich fragte, ob sie wisse, wie er damit klar käme und sie sagte: "It's a hard life, very hard." Ich gab auf. Wer hätte gedacht, dass gerade Vegetarismus ein Thema ist, über das sich hier alle einig sind ...

Donnerstag, 17. August 2017

SADC-Erfolgsgeschichten

Derzeit findet in Südafrika der jährliche SADC-Gipfel der Staats- und Regierungschefs statt. Unsere Partnerorganisation, das SADC-Sekretariat, ist dadurch schon in den letzten Wochen etwas "lahmgelegt" worden, denn zuvor galt es, unzählige Besprechungen von Arbeits- bis hin zu Ministerebene für fast jeden Fachbereich zu organisieren. (Hier hatte ich mal geschrieben, was SADC eigentlich ist und macht.)
Und weil es manchmal gar nicht so leicht ist, zu erklären, warum regionale Integration wichtig ist und wie der "normale Bürger" davon profitieren kann, haben die Projekte der GIZ, die mit SADC zusammenarbeiten (also auch meines), SADC dieses Jahr dabei unterstützt, eine zweite Auflage einer Broschüre zu "SADC Success Stories" zu erstellen, begleitet von einer Social Media-Kampagne (auf Facebook, Twitter, Youtube). Diese Broschüre wurde nun am Rande des Gipfels der Öffentlichkeit vorgestellt.
Vielleicht hat ja der ein oder andere von Euch auch Interesse daran, etwas mehr über SADC zu erfahren und was eine solche Organisation eigentlich macht.
Wer Interesse an den "Stories" der Broschüre hat, findet sie hier (mein Projekt hat z.B. zu dieser Geschichte zugearbeitet). Ein einführendes Video zur Broschüre gibt es hier:

Dienstag, 15. August 2017

Kommt ein Leopard an die Rezeption ...

Unser Ausflug in den Kgalagadi Transfrontier Park war weitgehend raubtierfrei - angesichts der Tatsache, dass wir uns auf nicht eingezäunten Campingplätzen bewegten und in einem Zelt schliefen, war ich nicht böse drum. Man kann in dieser Gegend aber auch völlig andere Erfahrungen machen. Die Ranger und anderen Mitarbeiter des Nationalparks haben da einiges zu erzählen. So hatten sie in ihrem Büro am Eingangstor des Parks einen Zettel aufgehängt, der eines ihrer Erlebnisse illustrierte:


Ich tippe den Text hier einmal ab:

WE WELCOME ALL VISITORS
Well! Some of our visitors have a tendency to stay in the reception room more time than is expected while making it inaccessible the whole day. This fellow seemed to had encountered a fight during the night and probably suffered defeat and needed some form of consolation. He found refuge in our compound without our knowledge and permission for that matter. Both gates and offices were opened in the morning, officers moving up and down but he was there unnoticed, because the guy is good at disguising. He then decided to show up in the reception room just like all the visitors probably for two reason, he needed consolation and most importantly some pain killers after sustaining injuries in the last fight. Unfortunately when he showed up, everybody straggled for a way out. He the decided to wait patiently the whole day assuming that one might come to offer help but to no avail!! not you brother! When the evening come, he went out the way he came in. He became the most unwelcomed and undesired visitor we ever got. We wish he will never come back.

Deutliche Worte! Also lieber ein Schakal am Lagerfeuer als ein Leopard an der Rezeption ...

Donnerstag, 10. August 2017

Feuer, Vollmond, Fuchsmangusten

Hurra, wir leben noch! Und sind nach unserem Campingausflug in den Kgalagadi Transfrontier Park planmäßig am Montagabend wieder in Gaborone angekommen. Es waren schöne Tage, gefühlt am Ende der Welt.


Nachdem wir am Freitagmorgen um 5 Uhr aufgebrochen waren, war ca. dreieinhalb Stunden (250 km) später die letzte Tankstelle bis zur Rückfahrt erreicht und nach weiteren 80 km verließen wir schließlich die Teerstraße. Die noch fehlenden ungefähr 140 km bis zum Parkeingang legten wir auf einer ziemlich unebenen Piste zurück, mit einer Maximalgeschwindigkeit von 50 Stundenkilometern und zwei Stopps wegen vermeintlicher Reifenpannen, die sich zum Glück beide als Fehlalarme herausstellten. Wir wurden ordentlich durchgeschüttelt und waren glücklich, als wir am frühen Nachmittag das Eingangstor zum Nationalpark erreichten. Im Park waren die Straßen sandiger, aber nicht ganz so hubbelig. Nach insgesamt zehn Stunden Fahrt erreichten wir schließlich unseren Campingplatz für die erste Nacht. Unser Stellplatz war riesig, aber Platzmangel ist ja generell kein Problem in Botswana. Ausgestattet war er mit einem "A-Frame", einem auf einer Betonplatte stehenden Holzdach, unter dem man im Schatten sitzen konnte, einer Feuerstelle, einem Plumpsklo und sogar einer Duschvorrichtung, die ohne den zugehörigen Eimer und ohne fließendes Wasser allerdings überflüssig war. Wir bauten unsere Zelte auf - unsere beiden Mitreisenden waren jeweils mit Dachzelt unterwegs, während wir uns im Bodenzeltaufbau übten. Über Feuer und Gaskocher wurden Nudeln mit Tomatensoße gekocht und an diesem Tag waren wir dann ziemlich schnell in unseren Schlafsäcken - ohne größere Tiersichtungen; von ein paar Vögeln abgesehen. Philips Kollegin Doris hatte sogar eine Plastikschüssel als Vogeltränke aufgestellt, die die Vögel jedoch links liegen ließen. Mich wunderte das nicht, denn die Schüssel war leuchtend orange und hatte einen schwarzen Boden, weswegen das Wasser darin wie kalter Kaffee aussah. Nach der ersten Nacht waren wir dann allerdings sehr verblüfft: Die Schüssel war weg; auch im Umkreis des Stellplatzes fanden wir sie nicht mehr. Mitten in der Einsamkeit kann sie nur ein Tier mitgenommen haben. Welches es war, werden wir aber nie herausfinden ...


Von unserem Campingplatz aus hatten wir einen schönen Blick auf eine Salzpfanne, durch die ab und an vereinzelte Oryxantilopen zogen.
Gegen Mittag machten auch wir uns wieder auf den Weg und fuhren zum nächsten Campingplatz - die drei Nächte verbrachten wir jeweils an anderen Orten und hatten so immer wieder neue Ausblicke. Der Grund für die täglichen Ortswechsel war ursprünglich gewesen, dass der mittlere Campingplatz nur noch für diese eine Nacht verfügbar war. Wir wollten ihn jedoch nicht verpassen, weil er der am Schönsten gelegene sein UND außerdem über fließend Wasser verfügen sollte - letzteres war leider nicht der Fall, womit klar war, dass es vor unserer Rückkehr nach Gaborone nichts mehr mit einer Dusche werden würde. Immerhin konnten wir so mal meinen für das namibische Elefantenschutzprojekt angeschafften Feuchttücher-Vorrat aufbrauchen.

Auf unserem zweiten Stellplatz bekamen wir schnell Gesellschaft. Nach ein paar neugierigen Frankolinen-Hühnchen erschienen mehrere Fuchsmangusten aus ihren Bauten, gefolgt von Erdhörnchen. Einige yellow-billed hornbills (südliche Gelbschnabeltokos) suchten ebenfalls unsere Nähe. Sie alle erhofften sich offensichtlich Futter, was wir ihnen allerdings verwehrten. Gegen Abend, als ich gerade ein paar Teller abgewaschen hatte, klaute dann eine Fuchsmanguste meinen Spülschwamm - ich sah sie noch mit dem Ding im Maul und machte ein paar schnelle Schritte auf sie zu, damit sie flüchten und den Schwamm fallen lassen würde. Sie flüchtete auch, nahm ihn allerdings mit und entwischte schließlich in ein Erdloch. Am nächsten Tag fanden wir den Schwamm vor dem Baueingang wieder; er war inzwischen mehr braun als gelb und wies einige Bissspuren auf.


Wir brieten abends Steaks über dem Feuer und hatten in einer Kühlbox außerdem einen Nudelsalat dabei. Es war ein sehr schöner Abend, wir saßen lange zusammen und der Vollmond erhellte die Salzpfanne.


Nachts hörten wir die Löwen brüllen, aber aus weiter Ferne. Und am nächsten Vormittag ging es dann wieder weiter.

Auf unserem dritten Campingstellplatz standen schon drei Autos als wir ankamen; vier südafrikanische Touristen waren gerade beim Mittagessen. Es stellte sich raus, dass der Platz für die folgende Nacht doppelt vergeben worden war. Nachdem wir ankündigten, auf jeden Fall bleiben zu wollen, den Platz aber gerne mit ihnen zu teilen, beschlossen die Südafrikaner, weiterzuziehen - die hatten auf Teilen noch weniger Lust als wir. Dabei gab es auf diesem Stellplatz sogar zwei Feuerstellen. Auf der einen kochte Philips Chef abends einen legendären Eintopf, der unter anderem Suppengemüse, Chakalaka, Kartoffeln, Corned Beef und Hähnchenfleisch enthielt und wider Erwarten grandios schmeckte. Beim Abendessen bekamen wir dann sogar Gesellschaft: Plötzlich saß ein Schakal unweit hinter uns. Er hätte sich da wohl gerne gemütlich eingerichtet, aber wir verscheuchten ihn durch Geschirrklappern. Vor dem Schlafengehen verstauten wir unser Hab und Gut in Kisten und Kofferräumen, aber eine halbe Plastikflasche, die ich als neue Vogeltränke aufgeschnitten hatte, wurde nachts geräuschvoll von einem Tier auseinandergenommen. Ob es der Schakal war? Wir wissen es nicht.

Am nächsten Morgen - wir hatten gerade die Eintopfreste als Frühstück über dem Feuer erhitzt und aufgegessen, das war schön warm nach einer sehr kalten Nacht um den Gefrierpunkt - sahen wir den Schakal noch mal wieder, als wir beim Zusammenpacken waren. Er war durchaus neugierig auf alles, was noch rumlag, hielt aber doch einen gewissen Abstand zu uns und ließ sich schließlich verscheuchen.


Ein letztes Wiedersehen gab es, als wir auf dem Rückweg am Wasserloch unweit des Camps hielten, um eine Gruppe Steinböcke zu beobachten. Der Schakal stieß zu ihnen und sie störten sich nicht an ihm, nach einem Scheinangriff Richtung Wasser stoben die Antilopen dann aber doch weit auseinander.


Und damit ging unser Campingwochenende auch schon zuende. Die Löwen haben uns also nicht gefressen und auch nicht an unserem Zelt geleckt. Nachdem wir auf dem Weg zum Parkausgang noch richtig schön im Sand steckenblieben, machten wir uns auf den Rückweg - Hubbelpiste, Teerstraße, Tankstelle und abends waren wir schließlich in Gaborone und freuten uns sehr auf Dusche und Bett. Abgesehen von der Fahrerei war das ein sehr entspannter Ausflug und trotz fehlendem Wasser und nächtlicher Kälte haben wir ihn rundum genossen.

Donnerstag, 3. August 2017

Pechsträhne

Ein wenig Pech hatten wir schon seit unserer Rückkehr nach Botswana. Am Morgen nach unserer Ankunft erfuhren wir, dass das Dachzelt, das wir mündlich vereinbart bereits gekauft hatten, nun doch an jemand anderen weitergegeben worden war (was uns besonders ärgerte: wir erfuhren davon, als wir einen Übergabetermin vereinbaren wollten). Also fuhren wir am darauf folgenden Samstag nach Rustenburg in Südafrika, inkl. Grenzübergang eine Fahrtzeit von vier Stunden (je Richtung). Dort hatten wir die Adressen von zwei Safari-Ausrüstern und hofften, bei ihnen Dachgepäckträger und Dachzelt zu erhalten. Den einen, von einer Kollegin empfohlenen Ausrüster fanden wir gar nicht erst. Den anderen entdeckten wir zwar im zweiten Anlauf nach längerem Suchen, doch dort hatte man leider keine Zeit, einen Dachgepäckträger bei uns zu montieren - das sei auch eine Sache von mindestens drei bis vier Stunden (weil für unseren Autotyp wohl nicht ganz gängig). Oh well, da ging unsere Pechsträhne wohl einfach weiter. Kleinere Einkäufe machten wir trotzdem, wie z.B. einen 20 Liter Benzinkanister (nicht nur aufgrund des besseren Wechselkurses, sondern vermutlich auch aufgrund der Transportkosten ist in Südafrika fast alles deutlich günstiger). Am Abend trafen wir uns in Gaborone mit der Reisecrew unseres nächsten geplanten Ausflugs und erfuhren dabei, dass wir wohl mind. 600 km ohne Tankstelle und in sandigem Gelände (Mehrverbrauch) auskommen müssen. Mit unserem Schluckspecht könnte das etwas knapp werden, selbst mit dem neu gekauften Benzinkanister. So kaufte Walli diese Woche also noch zwei weitere Benzinkanister in Gaborone. Unser Auto wird somit ein rollendes Benzinlager. Wie gut, dass ich in meinem Job bei Shell vor vielen Jahren gelernt habe, dass Schmierstoffe in aller Regel nicht leicht entzündlich sind - ach Moment, wir reden hier ja von Benzin ...

Bei unserem geplanten Campingausflug am kommenden Wochenende werden wir also wohl leider nicht in einem Dachzelt übernachten können, sondern in einem geliehenen Bodenzelt. Ganz konventionell also. Die Campingplätze, auf denen wir sein werden, sind dafür bekannt, dass Löwen und Hyänen nachts gerne vorbei kommen. Sie sind an Menschen in geschlossenen Zelten aber wohl meist nicht interessiert. Erinnert sich noch jemand an das Video von den Löwen, die morgens den Tau von der Zeltplane leckten, über das wir letztes Jahr mal berichtet haben? Genau, auf dem Campingplatz werden wir nächstes Wochenende sein. Mal schauen, ob wir das Video nachstellen können ... Wir reden uns jedenfalls gerade ein, dass mein Chef, der bei dem Ausflug dabei sein wird (im Gegensatz zu uns mit Dachzelt), eigentlich kein Interesse daran haben kann, dass ich zu Löwenfutter werde, daher wird schon alles gut gehen - und irgendwann wird unsere Pechsträhne doch hoffentlich enden. Ansonsten wird das hier wohl unser letzter Blogeintrag. Ihr seid also quasi fast live dabei. Bis (hoffentlich) bald!

Dienstag, 1. August 2017

Heimaturlaub

Vor eineinhalb Wochen, bevor wir nach Botswana zurückflogen, fragte mich meine Mutter am Telefon, was denn die Bilanz unseres Heimturlaubs sei. Seitdem denke ich auf dieser Frage herum, etwas Griffigeres als "neun Schlafcouchen, drei Hotelbetten und ein Gästezimmerbett" ist mir aber noch nicht eingefallen. Philip und ich sind viel rumgereist und hatten wunderschöne Wiedersehen - daraus eine Bilanz zu ziehen, ist eigentlich unmöglich. Erwähnenswert ist vielleicht, dass es kleine Situationen gab, in denen ich doch merkte, in Deutschland etwas verpasst zu haben: Als ich die bei Kaufhof gekauften T-Shirts und Blusen in einen Stoffbeutel knüllte, weil es keine kostenlosen Plastiktüten mehr gibt. Als der REWE-Kassierer vor sich hinkicherte und ich ihn irritiert anschaute und schließlich bemerkte, dass er - wie alle seine Kollegen - ein kleines Headset trug und sich offensichtlich mit den anderen unterhielt, während er kassierte. Als ich bei ALDI eine neue Kühltheke mit fertigen Sandwiches, Salaten und SUSHI entdeckte. (Sushi bei ALDI? Seltsame Welt ...) Sehr irritiert hat mich auch der Einhorn-Tisch in einer Buchhandlung: Ganz viele verschiedene Produkte mit Einhörnern drauf, vom Ausmalbuch für Erwachsene über Sinnsprüche bis zum Stofftier - und davon war kaum was für Kinder, das richtete sich schon an ältere Zielgruppen ... was ein seltsamer Hype! Erfreulicherweise fand ich kurz darauf eine Postkarte, die meine Gefühle wiederspiegelte.


Neben all den wunderschönen Wiedersehen gab es übrigens auch die ein oder andere kuriose Begegnung. So traf ich unmittelbar nach meiner Ankunft in Odendorf Frau A. im Supermarkt, die ich seit meiner Kindheit kenne. Frau A. erkundigte sich nach meinem Leben in Botswana um mir dann übergangslos von ihrem Sohn zu erzählen, der nach jahrelanger Promotion nun doch "nur" als Lehrer arbeiten würde. "Das hätte er auch schon vor zehn Jahren haben können, und nun ist er schon Mitte 30! Er ist auch erst sehr spät ins Berufsleben eingestiegen!" Irritiert über das "auch" erwähnte ich sicherheitshalber mal, dass ich vor meinem Abflug nach Botswana durchaus neuneinhalb Jahre gearbeitet hatte. Das verwunderte Frau A. kurz, doch dann rief sie im Hinblick auf meinen Auslandsaufenthalt nochmal energisch: "Verlorene Zeit!", was ich bei aller Sympathie doch etwas unangebracht fand.

Mein Augenarzt reagierte weitaus wohlwollender auf Botswana und erzählte mir, dass er in den 90er Jahren Schusswunden in Johannesburg operiert hätte. Fast im selben Atemzug ließ er mich wissen, dass sich durch Entwicklungshilfe und Kurzzeit-Einsätze der Bundeswehr das Taliban-Problem in Afghanistan nicht lösen lasse. Ich war etwas erleichtert, als er mir endlich in die Augen guckte.

Eine Woche Urlaub zu zweit haben Philip und ich übrigens auch noch gehabt, in Interlaken, von wo aus wir die Schweizer Alpen erkundeten. Das war kurz vor Ende unseres Heimaturlaubs und schon eine gute Wiedereinstimmung auf Botswana, dort spricht nämlich auch kaum jemand deutsch. Die Einheimischen natürlich schon, aber selbst die redeten mit uns auf Englisch - wohl aus Gewohnheit, die Masse der Urlauber scheint nämlich aus Asien und aus arabischen Ländern zu kommen.
In den Bergen war es großartig. An einem Tag fuhren wir auf das Jungfraujoch und fanden uns im Gletscherschnee wieder. Alles weiß, wie passend - das war ja schließlich unser Winterurlaub! Übrigens ein Thema, mit dem sich unsere botswanischen Mitbürger hier prima verwirren lassen. "So it's summer in Germany?" "Yes, but most of the time it isn't warmer than here in winter ..."


Und dann ging es auch schon wieder nach Gaborone. Mir bleibt an dieser Stelle nur noch, den Titel eines Kinderbuchs zu zitieren, den ich so toll fand, dass ich es kaufen musste:


In diesem Sinne: Vergesst uns nicht - der nächste Heimaturlaub kommt bestimmt ...