Als ich von dem geplanten Umzug erfuhr, vertrat ich gerade meinen Chef, den Landesdirektor und bekam daher mit, dass Großraumbüros mit mehr als 40 Arbeitsplätzen geplant wurden. Da wurde ich dann doch recht deutlich, denn unsere eher konzeptionelle Arbeit stellte ich mir in einer solchen Arbeitsumgebung schwierig vor. (In Deutschland plant man in der GIZ dagegen "neue Arbeitswelten", in der man nicht mehr seinen festen Arbeitsplatz hat - das hat allerdings auch etwas andere Voraussetzungen als ein Großraumbüro in Botswana ...).
Zunächst ging es dann ganz knapp vor Weihnachten letzten Jahres in ein Übergangsbüro. Wir erfuhren von dem Umzug immerhin eine Woche vorher, im neuen Büro gab's dann erst einmal Chaos. Wir sollten dort nur drei Monate bleiben. Drei Monate vergingen, wir hatten nichts gehört. Dann hieß es, im Juni sollte der Umzug passieren. Im Juni war von Juli die Rede. Und dann schließlich September. Zunächst erste Septemberwoche, dann zweite Septemberwoche. In der letzten Septemberwoche wurde uns mitgeteilt, dass SADC mit dem Vermieter verhandelt hätte, dass wir noch eine Woche länger in unserer Übergangsbleibe residieren dürften. Dann hörten wir wieder nichts zum Umzug. Dienstags in der fraglichen Woche kamen Umzugsfirmen vorbei, um die zu transportierenden Möbel etc. anzuschauen und zu taxieren. Donnerstags gegen 10:30 Uhr, wir saßen gerade in einer Besprechung, zeigte mir ein Kollege eine Mail, die jemand aus seinem Team gegen 9:30 Uhr erhalten hatte: Um 10:00 kämen die Möbelspeditionen um den Umzug durchzuführen. Das sorgte wohl auf den Fluren unserer drei betroffenen Projekte für etwas Hektik... Nachmittags ließen sich die Möbelpacker dann mal sehen, packten aber zunächst andere Büros, einen Stock höher.
Freitags ging es dann auch für uns los - nach gut neun Monaten, die wir nun doch in unserem Übergangsbüro gewesen waren. Ausgeladen wurde am neuen Büro von den Sub-Sub-Subunternehmern (ja, wir haben gezählt!) direkt an der Bordsteinkante, denn für mehr wurden sie nicht bezahlt. Auch Samstag und Sonntag ging der Umzug noch weiter, dann jedoch ohne meine Beteiligung und wohl nicht mehr mit ganz so vielen Subs, dafür Lieferung direkt in die Büros.
Nun sind wir also in unserem neuen - und hoffentlich endgültigen! - Projektbüro: Mitten im "Central Business District", in den "itowers", dem höchsten Gebäude der Stadt. Mit der Aussicht hat es leider nicht ganz so geklappt - wir sind im Erdgeschoss, direkt über unserem Büro liegt ein Chinarestaurant (immerhin mit Mittagstisch).
Es ist ein Erstbezug, wir haben neue Möbel bekommen, und sind in Laufdistanz (!) zu unserer Partnerorganisation SADC sowie zum GIZ-Landesbüro. Und die meisten unserer Büros haben sogar Tageslicht. Wir haben auch nicht - wie anfangs "angedroht" - riesige Großraumbüros erhalten, sondern sind zu zweit in Büros, bzw. alleine. Als Chef war ein Einzelbüro für mich vorgesehen, den Rest meines Teams habe ich nach Konsultationen zugeteilt. Am Tag des Einzugs sagten mir allerdings meine beiden simbabwischen Mitarbeiter, dass ich mein Einzelbüro nicht behalten könne - es sei schlicht zu klein für einen Chef. Als Chef bräuchte ich ein größeres Büro, und zwar ein Eckbüro. Ich wollte mich ja nicht über meine Bürogröße oder -lage definieren, musste dann aber feststellen, dass ich im Vergleich zu den anderen beiden Projektleitern wirklich ein winziges Büro hatte. Also verteilte ich die Räume wieder neu: Ich bekam ein Eckzimmer, das für zwei Personen ausgelegt war, wir trugen einen Schreibtisch wieder heraus. So ist mein Büro nun kulturell angepasster.
Jetzt haben wir also unser schönes neues Büro, auf das wir so lange gewartet haben. Das Internet umzustellen hat "nur" eine Woche gedauert, es ist ist allerdings etwas sehr langsam, Festnetztelefon haben die meisten von uns nach zweieinhalb Wochen wieder erhalten - jetzt fehlt eigentlich (fast) nur noch, dass die Klimaanlage funktioniert. Im beginnenden Sommer (manche sagen, der Oktober könne der heißeste Monat des Jahres sein) ist es insbesondere in jenen Büros, die nachmittags direkte Sonnenstrahlen abbekommen, doch sehr warm. Auch das wird sich hoffentlich lösen lassen, die Wetten stehen gerade darauf, dass es bis Weihnachten erledigt sein könnte. Die Arbeit geht weiter!






