Donnerstag, 25. Oktober 2018

Niedrig im Hohen

Im August letzten Jahres erfuhren wir, dass unsere Partnerorganisation SADC unser Projektbüro umziehen wollte. Ich mochte mein altes Büro eigentlich, das zwar in einem baufälligen Gebäude lag, dafür jedoch riesig war und einen tollen Blick hatte.
Als ich von dem geplanten Umzug erfuhr, vertrat ich gerade meinen Chef, den Landesdirektor und bekam daher mit, dass Großraumbüros mit mehr als 40 Arbeitsplätzen geplant wurden. Da wurde ich dann doch recht deutlich, denn unsere eher konzeptionelle Arbeit stellte ich mir in einer solchen Arbeitsumgebung schwierig vor. (In Deutschland plant man in der GIZ dagegen "neue Arbeitswelten", in der man nicht mehr seinen festen Arbeitsplatz hat - das hat allerdings auch etwas andere Voraussetzungen als ein Großraumbüro in Botswana ...).
Zunächst ging es dann ganz knapp vor Weihnachten letzten Jahres in ein Übergangsbüro. Wir erfuhren von dem Umzug immerhin eine Woche vorher, im neuen Büro gab's dann erst einmal Chaos. Wir sollten dort nur drei Monate bleiben. Drei Monate vergingen, wir hatten nichts gehört. Dann hieß es, im Juni sollte der Umzug passieren. Im Juni war von Juli die Rede. Und dann schließlich September. Zunächst erste Septemberwoche, dann zweite Septemberwoche. In der letzten Septemberwoche wurde uns mitgeteilt, dass SADC mit dem Vermieter verhandelt hätte, dass wir noch eine Woche länger in unserer Übergangsbleibe residieren dürften. Dann hörten wir wieder nichts zum Umzug. Dienstags in der fraglichen Woche kamen Umzugsfirmen vorbei, um die zu transportierenden Möbel etc. anzuschauen und zu taxieren. Donnerstags gegen 10:30 Uhr, wir saßen gerade in einer Besprechung, zeigte mir ein Kollege eine Mail, die jemand aus seinem Team gegen 9:30 Uhr erhalten hatte: Um 10:00 kämen die Möbelspeditionen um den Umzug durchzuführen. Das sorgte wohl auf den Fluren unserer drei betroffenen Projekte für etwas Hektik... Nachmittags ließen sich die Möbelpacker dann mal sehen, packten aber zunächst andere Büros, einen Stock höher.
Freitags ging es dann auch für uns los - nach gut neun Monaten, die wir nun doch in unserem Übergangsbüro gewesen waren. Ausgeladen wurde am neuen Büro von den Sub-Sub-Subunternehmern (ja, wir haben gezählt!) direkt an der Bordsteinkante, denn für mehr wurden sie nicht bezahlt. Auch Samstag und Sonntag ging der Umzug noch weiter, dann jedoch ohne meine Beteiligung und wohl nicht mehr mit ganz so vielen Subs, dafür Lieferung direkt in die Büros.


Nun sind wir also in unserem neuen - und hoffentlich endgültigen! -  Projektbüro: Mitten im "Central Business District", in den "itowers", dem höchsten Gebäude der Stadt. Mit der Aussicht hat es leider nicht ganz so geklappt - wir sind im Erdgeschoss, direkt über unserem Büro liegt ein Chinarestaurant (immerhin mit Mittagstisch).


Es ist ein Erstbezug, wir haben neue Möbel bekommen, und sind in Laufdistanz (!) zu unserer Partnerorganisation SADC sowie zum GIZ-Landesbüro. Und die meisten unserer Büros haben sogar Tageslicht. Wir haben auch nicht - wie anfangs "angedroht" - riesige Großraumbüros erhalten, sondern sind zu zweit in Büros, bzw. alleine. Als Chef war ein Einzelbüro für mich vorgesehen, den Rest meines Teams habe ich nach Konsultationen zugeteilt. Am Tag des Einzugs sagten mir allerdings meine beiden simbabwischen Mitarbeiter, dass ich mein Einzelbüro nicht behalten könne - es sei schlicht zu klein für einen Chef. Als Chef bräuchte ich ein größeres Büro, und zwar ein Eckbüro. Ich wollte mich ja nicht über meine Bürogröße oder -lage definieren, musste dann aber feststellen, dass ich im Vergleich zu den anderen beiden Projektleitern wirklich ein winziges Büro hatte. Also verteilte ich die Räume wieder neu: Ich bekam ein Eckzimmer, das für zwei Personen ausgelegt war, wir trugen einen Schreibtisch wieder heraus. So ist mein Büro nun kulturell angepasster.


Jetzt haben wir also unser schönes neues Büro, auf das wir so lange gewartet haben. Das Internet umzustellen hat "nur" eine Woche gedauert, es ist ist allerdings etwas sehr langsam, Festnetztelefon haben die meisten von uns nach zweieinhalb Wochen wieder erhalten - jetzt fehlt eigentlich (fast) nur noch, dass die Klimaanlage funktioniert. Im beginnenden Sommer (manche sagen, der Oktober könne der heißeste Monat des Jahres sein) ist es insbesondere in jenen Büros, die nachmittags direkte Sonnenstrahlen abbekommen, doch sehr warm. Auch das wird sich hoffentlich lösen lassen, die Wetten stehen gerade darauf, dass es bis Weihnachten erledigt sein könnte. Die Arbeit geht weiter!

Freitag, 19. Oktober 2018

Ungewohnte Klänge

Ein klassisches Konzert in Gaborone zu besuchen - das ist nur alle Jubeljahre möglich. Olga, die Mutter meiner serbischen Deutschschülerinnen, die inzwischen ebenfalls Deutschunterricht bei mir nimmt, ist Pianistin und erzählte mir wehmütig, dass sie früher in Serbien fast jeden Abend ein Konzert besucht hat (wenn sie nicht selbst auftrat). Und so war sie es auch, die mir Ende September ein Programmheft WhatsAppte, mit den Terminen der Konzerte, die das Landesjugendorchester Rheinland-Pfalz im Oktober im südlichen Afrika geben würde - unter anderem in Gaborone! Philip hatte auch schon davon gehört - generell sprach sich der geplante Auftritt vor allem in der deutschen Community natürlich schnell rum. Und so saßen am 6.10. insgesamt vermutlich mehr Deutsche als Botswaner im Maitisong Theatre, der Schulaula der Maruapula Schule, die für Auftritte aller Art genutzt wird.

Die Bühne war fast zu klein für das Landesjugendorchester mit 65 Musikanten, die Zuschauerreihen aber nur locker gefüllt, wobei es eine für hiesige Verhältnisse trotzdem recht gut besuchte Veranstaltung war. Wie immer gab es freie Platzwahl und wir erwischten mühelos gute Plätze in den vorderen Reihen, von denen wir einen grandiosen Blick hatten. Und grandios war dann auch das Konzert, vor allem zu Beginn hatte ich Gänsehaut. Nach der Begrüßung wurden wir gebeten, für die Nationalhymne Botswanas aufzustehen - und dann wurde diese vom Landesjugendorchester Rheinland-Pfalz gespielt, während die Gaborone Youth Singers, ein über dreißigstimmiger Chor, dazu sangen. Im Anschluss erklang dann die deutsche Hymne, die der botswanische Chor, von dem sicherlich niemand deutsch spricht, tatsächlich auswendig gelernt hatte. Dieses botswanisch-deutsche Zusammenspiel fand ich sehr bewegend, es war etwas ganz Einzigartiges. Der Chor, der nur für die beiden Hymnen gekommen war, verließ anschließend die Bühne und das eigentliche Konzert begann. Hofmeyr, Rachmaninov, Beethoven - ich bin eigentlich eine Klassik-Banausin, aber dieses Konzert war ein besonderes Erlebnis. Das Orchester spielte wunderschön, wir saßen so nah, dass wir den jungen Musikerinnen und Musikern quasi auf die Finger schauen konnten und es waren für Botswana einfach sehr ungewohnte Klänge.




Ein großartiger Abend!

Dienstag, 16. Oktober 2018

Der Eindringling

Dass sich manchmal Paviane in unseren Garten verirren, haben wir schon geschildert. Wirklich dort gesehen habe ich sie allerdings erst einmal, als zwei der Viecher im Februar über unsere Terrasse schlenderten. Drei Monate später verwüsteten sie ein Obstbäumchen in unserem Garten und auch die Mülltonne war einmal ausgeräumt. Vor Kurzem entdeckte Philip auf dem Dachfirst der Nachbarn, die schräg hinter uns wohnen, einen Pavian, der da saß wie eine Galionsfigur.

Und so war ich zwar nicht begeistert, aber auch nicht übermäßig erstaunt, als ich vergangenen Freitag plötzliche einen Pavian sah, während ich gerade mit meinen Eltern telefonierte. Zwischen unserem und dem Nachbargrundstück steht eine Mauer mit dem obligatorischen Elektrozaun. Damit die Büsche und Bäume in unserem Garten nicht ständig zwischen die elektrischen Drähte wachsen, haben unsere Vermieter eine Holzkonstruktion errichtet, die den Zaun abschirmt. Und darauf spazierte ein Pavian, der dann in unseren Garten kletterte und erstmal aus der Vogeltränke trank. Diese war in den letzten Wochen eher zur Katzentränke mutiert, aber dass jetzt selbst Affen zum Trinken kommen, fand ich doch etwas übertrieben. Ich schloss erstmal die Terrassentüren und zeigte unserer Maid Patricia den Pavian, der inzwischen auf die Terrasse spaziert war, aber wieder umkehrte, als er uns innen sah. Er wanderte ums Haus, bediente sich an unserem Naartjie-Baum und lief schließlich in Richtung Tor, während wir aus der Haustür traten und ich noch ein Foto machte. Als das Tier probeweise auf uns zukam, täuschte Patricia einen Steinwurf in seine Richtung an, worauf der Affe machte, dass er wegkam.


So weit, so gut. Ich rief meine Eltern zurück, doch auch dieses Gespräch unterbrach ich nach einigen Minuten, als ich plötzlich ein lautes Kreischen hörte. Bis ich an der Haustür war, war schon alles vorbei und da ich nicht selbst dabei war, beschreibe ich hier, was Patricia mir erzählte:
Sie war gerade dabei, das abgetrocknete Besteck in die Besteckschublade einzuräumen, als sie mutmaßlich mich in der Küche hörte. Es irritierte sie etwas, dass ich in der Küche umherging, ohne etwas zu sagen, sie fand es wohl auch etwas unhöflich, dachte sich aber nichts weiter dabei. Erst als ich begann zu essen, beschloss sie, nun könnten wir ja schon mal ein paar Worte wechseln und drehte sich um. Und dann saß da der Pavian auf unserem Stehtisch und bediente sich gerade an den Bananen in der Obstschale.

Patricia schrie, der Pavian floh durch die Haustür - versuchte allerdings dann auch gleich wieder, hineinzukommen, hatte er doch auf seiner Flucht nur eine der Bananen mitgenommen. Unsere Haustür (mit Klinke auf beiden Seiten) geht ziemlich leicht auf und der Affe haute zweimal dagegen, während Patrica die Tür zuhielt und ich sie abschloss. Während wir anschließend in der Küche standen und sie mir beschrieb, wie der Pavian auf dem Tisch gesessen hatte, erschien der doch tatsächlich noch einmal auf der Terrasse und schlug auch mal probeweise gegen die Tür. Was ein freches Vieh! Patrica und ich waren doch beide etwas geschockt. Dass ein Affe durch offene Türen in ein Haus spazieren könnte, war uns bewusst gewesen, dass er aber aktiv versuchen würde, Türen zu öffnen, hatten wir nicht erwartet. Später entdeckte ich sogar einen schmutzigen Abdruck am Schrank, in dem wir Gläser und Tassen aufbewahren. Bevor Patricia ihn entdeckte, hatte der Pavian die Küche offensichtlich schon einmal inspiziert - und wir hatten großes Glück gehabt, dass er dabei nichts kapput gemacht hatte.

Ich sah unseren ungebetenen Besucher schließlich über einen Baum aufs Nachbargrundstück türmen. Aber nachdem der Pavian nun unsere Obstschale kennt, wird er uns vielleicht bald wieder einen Besuch abstatten. Die Haustür wird jetzt bis auf Weiteres von innen abgeschlossen.

Freitag, 12. Oktober 2018

Der Dritte zum Dritten

Letzte Woche gab es das jährliche soziale Highlight der deutschen Community Gaborones (und nein, ich meine nicht das Bierfest!): Der deutsche Botschafter lud zu einem Empfang anlässlich des Tags der deutschen Einheit in den Garten seiner Residenz. Kaum zu glaube, dass dies schon der dritte solche Empfang für uns in Botswana war! 
Rückblickend lässt sich sagen, dass unser soziales Leben nach unserem ersten Empfang zum Tag der deutschen Einheit bergauf ging: Hier hatten wir doch noch einmal einzelne neue Leute kennengelernt, aus diesen Bekanntschaften wurden in den darauf folgenden Monaten Freundschaften.

Am Eingang der Residenz wurden wir zunächst vom Botschafter sowie von mehreren Botschaftsmitarbeiter/innen und ihren Partnern begrüßt - sechs Mal Händeschütteln (für uns, für die Botschaftsmitarbeiter dürften es ca. 200 zu schüttelnde Hände gewesen sein). Im Garten der Residenz begrüßten wir dann Kollegen und Freunde. Die botswanische und die deutsche Nationalhymne wurden von Band abgespielt, letztere in einer etwas getragenen, kitschigen Version. Dann sprachen der deutsche Botschafter und die botswanische Außenministerin, die Werte des Multilateralismus wurden hochgehalten.


Gefühlt waren dieses Jahr mehr Gäste zum Empfang gekommen als sonst - und wir kannten wieder mehr als in den Vorjahren. So war es größtenteils ein freudiges Wiedersehen, gelegentlich auch ein neues Kennenlernen. Fingerfood wurde gereicht, und nachdem wir uns aus einer für die Kellner offenbar unerreichbaren Ecke des Gartens wegbewegt hatten, bekamen wir auch noch etwas ab.
Herr Botschafter, wann laden Sie mal wieder ein? 

Sonntag, 7. Oktober 2018

Irgendwo im Nirgendwo der Kalahari-Wüste

Kaum zu glauben, trotz aller unserer Ausflüge gibt es noch immer ein paar Ziele in Botswana, die auf unserer "bucket list" stehen.
Kürzlich hatten wir ein durch Feiertage um Montag und Dienstag verlängertes Wochenende; klar, dass wir das nutzen mussten. Ein Ziel auf unserer imaginären Liste war das Central Kalahari Game Reserve (CKGR). Mit 52.700 km² ist es das das weltweit zweitgrößte Wildtierreservat, etwas größer als Bosnien und Herzegowina, 1,27-mal so groß wie die Schweiz oder die Niederlande oder knapp kleiner als Hessen und Nordrhein-Westfalen zusammen. Wir hatten etwas Respekt vor diesem "wilden" Gebiet, durch das ein paar sehr sandige (in der Regenzeit sehr matschige) Pisten führen und in dem man womöglich tagelang niemandem begegnet. Auch wenn unser Schluckspecht uns bisher überall hin- und wieder weggebracht hat, wollten wir unser Glück und ihn nicht zu sehr herausfordern, und so planten wir keine Campingtour, sondern buchten uns kurzfristig in einer der nur zwei Lodges in diesem Riesengebiet ein. Anders als die "normalen" Gäste flogen wir jedoch nicht zu unserer Unterkunft, sondern entschieden uns dazu, mit dem Auto hinzufahren - das war bei dieser eher am Rande des CKGR liegenden Lodge prinzipiell möglich: Nach ca. acht Stunden Fahrt (inkl. einer Übernachtung im Dachzelt) verließen wir die geteerte Straße und fuhren auf einer welligen Piste ca. 42 km bis zum Nationalparkeingang. Dort wurden wir per Funk im Camp angemeldet und fuhren anschließend die letzten ca. 60 km bis zur Lodge, die wunderschön gelegen war.
Die Fahrt über die Pisten hatte etwas länger gedauert als uns vorab angegeben worden war (was nur teilweise daran lag, dass wir einmal im Sand stecken blieben), aber gleich nach Ankunft und Einchecken konnten wir noch zu einem verkürzten Nachmittags-Game Drive aufbrechen. Dieser begann gleich mit einem Höhepunkt: Unser Guide hatte per Funk gehört, wo es etwas Spannendes zu sehen geben sollte. Dort fanden wir dann eine getötete Oryx-Antilope. Bevor wir noch überlegen konnten, wer das Tier gerissen hatte, entdeckten wir die erfolgreiche Jägerin auf der anderen Seite des Wagens in einem Busch: Eine Leopardin, die uns erst beobachtete, sich schließlich aber doch entschloss, weiter zu ziehen.



Anhand der Spuren konnten wir am nächsten Tag nachvollziehen, dass wohl Hyänen ihre Beute über Nacht weggezerrt hatten. Wir fanden die Leopardin schließlich noch einmal mit frischer Beute.

Die Landschaft in der Zentralkalahari unterschied sich deutlich von anderen Gegenden Botswanas, die wir bereits kannten: flacher, mit mehr großen, weiten Steppen und weniger/keinem Wasser. Hier fühlen sich vor allem Springböcke und Oryx-Antilopen wohl, die ihren Wasserbedarf durch das Kauen des trockenen Grases stillen können. Wir sahen außerdem viele Schakale, Riesentrappen in größeren Ansammlungen, und erstmals auch Füchse und Honigdachse.
Bekannt ist die Kalahari auch für ihre Löwen, die hier besonders groß werden und deren Mähne - wenn sie mal ausgewachsen sind - zunehmend schwarz wird. Eins dieser Exemplare sahen wir - es war eine imposante Erscheinung!



Der Unabhängigkeitstag Botswanas am 30.09. wurde besonders gefeiert: Das Hauptgebäude der Lodge war mit Luftballons in den Farben der botswanischen Flagge geschmückt, selbst das Game Drive-Fahrzeug war dekoriert worden (wobei wir sowohl das Fähnchen als auch die blau-weiß-schwarzen Ballons im Laufe des Vormittags-Game Drives verloren). Nachmittags gab es eine Präsentation zur Geschichte des Landes und den bisherigen Präsidenten. Abends am Lagerfeuer wurde dann erst die botswanische Nationalhymne gesungen, schließlich getanzt und gesungen - ein eindrückliches Erlebnis. Das Abendessen dieses Tages war typisch botswanisch, zwar auch lecker gekocht, es wird aber dennoch wohl nicht mein Lieblingsessen werden.




Über unserem Luxus-Zelt war eine Plattform errichtet, auf der wir zwei Nächte lang draußen schlafen konnten unter einem fantastischen Sternenhimmel. Auch das war ein Erlebnis - und wäre noch schöner gewesen, hätten wir nicht nach den erfüllten Tagen so gut und tief geschlafen. Nur einmal wachten wir nachts auf, weil jemand einen großen Scheinwerfer auf uns richtete - bis uns klar wurde, dass offenbar der (Halb-)Mond aufgegangen war und uns anschien. In einer Nacht hörten wir Löwengebrüll - der Löwe, den wir bereits tagsüber gesehen hatten, versuchte wohl, sein Rudel wiederzufinden. In der anderen Nacht wurden wir morgens von Vögeln geweckt - dachten wir, es stellte sich heraus, dass die Laute von Schakalen kamen, die sich offenbar ganz in der Nähe gegenseitig riefen.

Neben den "normalen" Game Drives bot unsere Lodge auch noch eine besondere Aktivität: Die Zentralkalahari ist die Heimat der San (Buschleute). Sie wurden von der Regierung überwiegend vertrieben, ein paar Dörfer sind jedoch (wieder oder noch?) vorhanden, und eine San-Familie kam, um mit uns einen "bush walk" zu machen. Es blieb uns erspart, dass sich unterwegs ein Löwenrudel mit zwölf Löwen anpirschte, obwohl der eine obige Löwe kurz vorher nach seiner Familie gerufen hatte (einer anderen Gruppe war das wohl mal passiert, sie behielten die Nerven, blieben standhaft und die Löwen griffen nicht an, sondern zogen schließlich wieder ihrer Wege). Dieser Spaziergang war sehr faszinierend: Wir lernten, wie die San verschiedene Pflanzen zur Heilung oder als Gift für die Pfeilspitzen nutzen, uns wurde das Fallenstellen für verschiedene Tiere sowie die Jagd auf Hasen gezeigt, außerdem das Feuermachen mit zwei Stöcken und etwas Stroh.



Es waren sehr intensive zweieinhalb Tage, die wir im Central Kalahari Game Reserve verbrachten. Voll mit neuen Eindrücken fuhren wir zurück nach Gaborone (was tatsächlich zwölfeinhalb Stunden Fahrt an einem Tag bedeutete). Werden wir es schaffen, hier noch einmal hinzukommen?