Seit Oktober haben wir wieder eine "Maid" - also eine Putzfrau/Haushaltshilfe. Patricia wurde uns von einem Kollegen von Philip empfohlen. Sie stammt aus Simbabwe und wohnt schon einige Jahre in Gaborone. Zu uns kommt sie einmal pro Woche zum putzen und bügeln. Als meine Eltern da waren, hatte ich sie auch einmal gebeten, für uns etwas zu kochen, damit sie einmal die lokale Küche kennenlernten - typisch botswanischen Restaurants gibt es nämlich nicht.
Mit Patricia ist es anders als mit unserem Gärtner Sam. Der kümmert sich um den Garten, informiert mich über nötige Wasserbestellungen bzw. sagt mir, wenn irgendwas für Pool oder Garten gekauft werden muss. Ich mache ihm sein Käsebrot und bitte ihn ab und zu, die Büsche in der Nähe des Elektrozauns zurückzuschneiden. So weit, so gut.
Patricia dagegen arbeitet im Haus, und das war schon eine Umgewöhnung für mich. Erst einmal muss man einander ja etwas kennenlernen. Das fängt bei Kleinigkeiten an: Wenn ich z.B. die Stühle um den Esstisch zur Seite schiebe, putzt sie auch unterm Esstisch, sonst nur außenrum. Außerdem gibt es natürlich kulturelle bzw. sogar sprachliche Unterschiede. Wenn ich ihr irgendwas anbiete, sagt sie in der Regel "It's okay" (was dann "ja" bedeutet), auch in Fällen, in denen ich eher ein "Thank you" erwarten würde. Auf der anderen Seite sagte sie mir irgendwann, sie sollte mich eigentlich nicht Walli nennen, das wäre "disrespectful". Ich habe vergessen, ob ihr stattdessen "Mam" oder "Mrs." vorschwebte, sie aber gebeten, bei Walli zu bleiben - ich sage ja schließlich auf Patricia. Passend zum Thema erzählte mir Sam eine Woche später, was er morgens mit "Master Philip" besprochen hätte ...
Seit ein paar Wochen treffe ich mich regelmäßig mit einer anderen Deutschen, die mit ihrer Familie schon in den unterschiedlichsten Ländern gelebt hat. Ihr Haushalt ist größer als unserer und sie haben Personal, das im dafür vorgesehenen Anbau ihres Hauses wohnt. Sie erzählt mir manchmal von ihren in Südamerika und Afrika gemachten Erfahrungen, die uns hoffentlich erspart bleiben: Wie Angestellte während ihres Urlaubs die für die Kaninchen als Futter gekauften Maiskolben selbst aufgegessen haben und die Kaninchen verhungern ließen. Wie nach einem Urlaub sämtlicher Prepaid-Strom aufgebraucht war und sie sich anhand ihrer öligen Pfannen zusammenreimte, das während ihrer Abwesenheit wohl ordentlich auf ihre Kosten gelebt wurde. Wie sie Milch, Zucker und Brot tatsächlich rationieren musste, weil einfach Unmengen davon verbraucht wurden - gegessen wurde anscheinend nur noch aus ihrem Kühlschrank.
Die Kluft zwischen Ausländern - vor allem weißen Ausländern? - und einheimischen Hausangestellten ist groß. Ich habe mich mal während Patricias Mittagessen zu ihr gesetzt und sie sagte mir, dass das Weiße eigentlich nicht machen - sich einfach dazusetzen und ein normales Gespräch führen. Neulich erzählte sie mir von einer anderen Europäerin, für die sie mal gearbeitet hätte: Wenn aus Versehen ein Glas oder ähnliches kaputt gegangen wäre, hätte die einen so angeschrien, dass es bis zur nächsten Straßenecke zu hören gewesen sei. Mit einer von Patricia gebügelten Bluse sei sie einmal so unzufrieden gewesen, dass sie ihr diese an den Kopf geworfen hätte.
Ich hoffe, dass wir unsere Zusammenarbeit weiterhin gut hinbekommen - dass Patricia sich als Mensch gleichberechtigt und respektiert fühlt und ich mich nicht ausgenutzt. Jetzt ist erst einmal Weihnachten - was schenkt man seinen Hausangestellten im südlichen Afrika denn eigentlich? Da konnte uns meine international versierte neue Freundin beraten. Voilà:
Wir haben einen Großeinkauf an Grundnahrungsmitteln gemacht: Maismehl, aus dem Pap gekocht wird, ein geschmackloser weißer Brei, den die Einhemischen eigentlich täglich essen. Reis, der auch in Säcken aller Größen verkauft wird, aber trotzdem eine Art Luxus darstellt, weil er längst nicht so ergiebig und sättigend ist wie Pap. Zucker, Öl, Roibuschtee ... dazu haben wir noch ein paar Kekse und Bonbons gelegt, eine Dose Corned Beef und Weihnachtsgeld. Patricia bekam außerdem eine 2 Liter-Flasche Fanta Grapefruit, weil ich weiß, dass sie sich diese auch ab und an selber kauft, außerdem Prepaid-Guthaben für ihr Handy. Die Geschenke habe ich schon vor meiner Abreise nach Deutschland übergeben. Sam hat sich auf jeden Fall gefreut, Patricia äußerte tatsächlich eher wieder so etwas wie "It's okay" ... aber eine Woche später hat sie sich bei Philip dann doch sehr bedankt und außerdem ihre Freude darüber geäußert, dass sie von dieser Tüte Lebensmittel im Großen und Ganzen einen Monat leben können wird.
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen