Die Umfragefirma Gallup hat kürzlich eine Umfrage in 182 Ländern durchgeführt und nach der "gefühlten Sicherheit" gefragt: Traut man sich z.B., nachts alleine über die Straße zu gehen?, Wurde man im letzten Jahr überfallen?, etc.
Botswana hat in dieser Umfrage, nun ja, nicht allzu gut abgeschnitten. Es landete unter den zehn Ländern mit dem schlechtesten Ergebnis weltweit (genauer gesagt auf dem neuntletzten Platz). In Afrika fühlen sich die Leute nur noch in Südafrika, Gabon und im Südsudan unsicherer.
Das ist schon ein bemerkenswertes Ergebnis. Es ist wohl so, dass die Kriminalitätsrate hier in den letzten Jahren angestiegen ist, und Botswana zählt neben Südafrika zu einem der Länder mit der weltweit höchsten Ungleichheit (gemessen am Gini-Koeffizienten). Klar wurde uns schon zu Beginn unserer Zeit hier gesagt, dass wir bei Dunkelheit nicht mehr zu Fuß unterwegs sein sollten; meines Wissens nach gibt es hier allerdings trotzdem nicht so viele Überfälle wie in anderen (afrikanischen) Ländern.
So sagt der Index auch weniger etwas über die tatsächliche Kriminalitätsrate aus, als vielmehr über die gefühlte Kriminalitätsrate. Und die ist in Botswana offenbar sehr hoch. Mich wundert es nicht, dass das Gefühl so stark ist. Hatte ich schon einmal geschrieben, dass der typische Batswana die AFD wählen würde, wenn er oder sie könnte? Hier herrscht jedenfalls häufig eine rechtspopulistische Stimmung - und eines der Merkmale rechtspopulistischer Parteien ist ja das Schüren von gefühlten Sicherheitsrisiken. Kein Wunder, dass man sich dann hier irgendwann unsicher fühlt.
Das gefühlt unsicherste Land der Welt ist offenbar übrigens Venezuela, dicht gefolgt von Afghanistan. Und Deutschland fühlt sich auf Platz 31 - von oben. Das gefühlt sicherste Land ist Singapur.
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Freitag, 13. Juli 2018
Samstag, 9. Juni 2018
Attacke aus dem Weltall: Botswana im Visier
Ok, zugegeben, diese Überschrift ist ein klein wenig reißerisch. Aber ganz falsch ist sie auch nicht. Und es handelt sich noch nicht mal um einen Filmtitel (der würde wohl auch besser nach Hollywood passen). Am vergangenen Wochenende, samstagsabends, ging ein Meteorit über Botswana nieder und verglühte in der Erdatmosphäre.
Der Meteorit war geschätzt ca. 2 Meter im Durchmesser - und wurde erst entdeckt, als er bereits am Mond vorbeigeflogen war. Dann wurden Forscher auf ihn aufmerksam und stellten fest, dass er auf Kollisionskurs mit der Erde war. Somit gab es nur wenige Stunden Vorwarnzeit. Wie gut, dass der Meteorit nicht größer war und eine ernste Bedrohung für die Erde (oder für Botswana) darstellte.
Man konnte den Meteoriten wohl deutlich über Botswana wahrnehmen, es existieren sogar kurze Videos im Internet (z.B. auf Spiegel Online). Wir waren zum Zeitpunkt seines Verglühens gerade campend im Okavango Delta, allerdings war der Himmel ungewöhnlich bewölkt, so dass wir nichts mitbekommen haben.
Nur einen Tag später konnten wir dafür wieder einen fantastischen Sternhimmel beobachten. In Botswana geht das, insbesondere außerhalb Gaborones, häufig richtig gut, weil die Lichtverschmutzung so gering ist. Wir sahen so viele Sterne, dass wir einzelne Sternbilder kaum noch identifizieren konnten, die Milchstraße war gut erkennbar. Als Krönung beobachteten wir noch Sternschnuppen. Wir verraten jetzt aber nicht, was wir uns gewünscht haben, ein bisschen Aberglaube muss sein.
Der Meteorit war geschätzt ca. 2 Meter im Durchmesser - und wurde erst entdeckt, als er bereits am Mond vorbeigeflogen war. Dann wurden Forscher auf ihn aufmerksam und stellten fest, dass er auf Kollisionskurs mit der Erde war. Somit gab es nur wenige Stunden Vorwarnzeit. Wie gut, dass der Meteorit nicht größer war und eine ernste Bedrohung für die Erde (oder für Botswana) darstellte.
Man konnte den Meteoriten wohl deutlich über Botswana wahrnehmen, es existieren sogar kurze Videos im Internet (z.B. auf Spiegel Online). Wir waren zum Zeitpunkt seines Verglühens gerade campend im Okavango Delta, allerdings war der Himmel ungewöhnlich bewölkt, so dass wir nichts mitbekommen haben.
Nur einen Tag später konnten wir dafür wieder einen fantastischen Sternhimmel beobachten. In Botswana geht das, insbesondere außerhalb Gaborones, häufig richtig gut, weil die Lichtverschmutzung so gering ist. Wir sahen so viele Sterne, dass wir einzelne Sternbilder kaum noch identifizieren konnten, die Milchstraße war gut erkennbar. Als Krönung beobachteten wir noch Sternschnuppen. Wir verraten jetzt aber nicht, was wir uns gewünscht haben, ein bisschen Aberglaube muss sein.
Mittwoch, 28. Februar 2018
Verkehrsrowdys
Botswana spielt mal wieder ganz oben in den Rankings mit. Das berichteten kürzlich deutsche Medien sinngemäß: Russland, USA, Ägypten, Jemen, China, Botswana. Ein illustrer Kreis: Die Liste stellt die Rekordhalter unter den in Deutschland lebenden Diplomaten in Sachen Verkehrsordnungswidrigkeiten im Jahr 2017 dar. Botswana schaffte es mit seinen 535 Delikten immerhin auf Rang 6 (zum Vergleich: Russland hatte 817, die USA lagen schon etwas abgeschlagen bei 667). Mit lediglich 7 botswanischen Diplomatenfahrzeugen in Deutschland ist es schon eine gewisse Leistung, in diesem Ranking so weit oben aufzutauchen (76 Delikte pro Fahrzeug ist tatsächlich sogar der Spitzenplatz!). Quelle z.B. hier.
Sind wir gerade überrascht? Nun, es klingt vielleicht undifferenziert und vorurteilsbeladen, aber ich schreibe es trotzdem: Nein. Letztes Wochenende waren wir hier mal wieder über Land unterwegs. Nicht weit, aber weit genug, damit ich mich mal wieder über die Fahrweise so mancher Batswana aufregen konnte. Halte ich mich an ein Geschwindigkeitslimit, dann gelte ich eigentlich schon als Verkehrsbehinderung, überholt wird auch dort, wo gerade Gegenverkehr kommt (wer zuerst ausweicht, hat verloren). Mit unserem großen Schluckspecht fühle ich mich eigentlich halbwegs sicher, aber die Geschwindigkeiten mancher anderer Verkehrsteilnehmer sind dann doch so hoch, dass dieses Sicherheitsgefühl trügt. Manchmal frage ich mich, ob ich vielleicht doch ein wenig zu "deutsch", obrigkeitshörig und pedantisch bin, was Verkehrsregeln angeht. Zugegeben, Walli und ich ergänzen uns da schlecht. Auch Walli versucht unsere autofahrenden Mitbürger bei unangekündigten und die Hinterfrau schneidenden Spurwechseln im zweispurigen Kreisverkehr durch Hupen zu erziehen; bisher haben unsere derartigen pädagogischen Bemühungen allerdings noch keine Früchte getragen.
Das zeigt leider auch die Verkehrsstatistik. Pro 100.000 Einwohner gerechnet gab es in Botswana 20 Verkehrstote im Jahr 2016 (mit gleichbleibendem Trend, Quelle). In Deutschland waren das gerade einmal 3,9 (mit sinkendem Trend, Quelle). (Nach einem Bericht der Weltgesundheitsorganisation von 2015 ist übrigens Malawi mit 35 das Land mit den meisten Verkehrstoten pro 100.000 Einwohner pro Jahr, Quelle.) Mit den "Sustainable Development Goals" haben sich die Vereinten Nationen vorgenommen, bis 2020 die Zahl der Verkehrstoten und -verletzten um die Hälfte zu reduzieren (Indikator 3.6). In Botswana sehen wir immer wieder Plakate entlang der Straße, "Accident Free A1" - sie erscheinen mir jedoch leider mehr Wunschdenken zu sein als irgendetwas anderes. Außer ausgebrannten Unfallwagen sieht man allerdings immer wieder Polizisten mit Laserpistolen entlang der Straßen stehen, die auf Verkehrssünder richtiggehend warten. Fest installierte Starenkästen, wie wir sie z.B. in Südafrika schon gesehen haben, kennen wir aus Botswana hingegen noch nicht. Ich stelle mir vor, dass sie hier doch eine ordentliche Einnahmequelle für den Staat wären und gleichzeitig vielleicht den ein oder anderen dazu bewegen könnten, etwas langsamer und rücksichtsvoller zu fahren. Zugegeben, dafür müsste man sie vermutlich alle 100 m aufstellen.
Bis dahin fahre ich zumindest dienstlich hier gerne weiterhin mit einem Auto mit Diplomatenkennzeichen. Und wenn ich dabei mal etwas zu schnell bin, werde ich von der Polizei gar nicht erst angehalten, weil sie von Diplomaten ohnehin keine Strafen kassieren dürfen. Und weil das Autokennzeichen auf SADC läuft, trage ich mit meinen Verkehrsordnungswidrigkeiten noch nicht einmal zu einem "guten" Ranking deutscher Diplomaten in Gaborone bei ...
Sind wir gerade überrascht? Nun, es klingt vielleicht undifferenziert und vorurteilsbeladen, aber ich schreibe es trotzdem: Nein. Letztes Wochenende waren wir hier mal wieder über Land unterwegs. Nicht weit, aber weit genug, damit ich mich mal wieder über die Fahrweise so mancher Batswana aufregen konnte. Halte ich mich an ein Geschwindigkeitslimit, dann gelte ich eigentlich schon als Verkehrsbehinderung, überholt wird auch dort, wo gerade Gegenverkehr kommt (wer zuerst ausweicht, hat verloren). Mit unserem großen Schluckspecht fühle ich mich eigentlich halbwegs sicher, aber die Geschwindigkeiten mancher anderer Verkehrsteilnehmer sind dann doch so hoch, dass dieses Sicherheitsgefühl trügt. Manchmal frage ich mich, ob ich vielleicht doch ein wenig zu "deutsch", obrigkeitshörig und pedantisch bin, was Verkehrsregeln angeht. Zugegeben, Walli und ich ergänzen uns da schlecht. Auch Walli versucht unsere autofahrenden Mitbürger bei unangekündigten und die Hinterfrau schneidenden Spurwechseln im zweispurigen Kreisverkehr durch Hupen zu erziehen; bisher haben unsere derartigen pädagogischen Bemühungen allerdings noch keine Früchte getragen.
Das zeigt leider auch die Verkehrsstatistik. Pro 100.000 Einwohner gerechnet gab es in Botswana 20 Verkehrstote im Jahr 2016 (mit gleichbleibendem Trend, Quelle). In Deutschland waren das gerade einmal 3,9 (mit sinkendem Trend, Quelle). (Nach einem Bericht der Weltgesundheitsorganisation von 2015 ist übrigens Malawi mit 35 das Land mit den meisten Verkehrstoten pro 100.000 Einwohner pro Jahr, Quelle.) Mit den "Sustainable Development Goals" haben sich die Vereinten Nationen vorgenommen, bis 2020 die Zahl der Verkehrstoten und -verletzten um die Hälfte zu reduzieren (Indikator 3.6). In Botswana sehen wir immer wieder Plakate entlang der Straße, "Accident Free A1" - sie erscheinen mir jedoch leider mehr Wunschdenken zu sein als irgendetwas anderes. Außer ausgebrannten Unfallwagen sieht man allerdings immer wieder Polizisten mit Laserpistolen entlang der Straßen stehen, die auf Verkehrssünder richtiggehend warten. Fest installierte Starenkästen, wie wir sie z.B. in Südafrika schon gesehen haben, kennen wir aus Botswana hingegen noch nicht. Ich stelle mir vor, dass sie hier doch eine ordentliche Einnahmequelle für den Staat wären und gleichzeitig vielleicht den ein oder anderen dazu bewegen könnten, etwas langsamer und rücksichtsvoller zu fahren. Zugegeben, dafür müsste man sie vermutlich alle 100 m aufstellen.
Bis dahin fahre ich zumindest dienstlich hier gerne weiterhin mit einem Auto mit Diplomatenkennzeichen. Und wenn ich dabei mal etwas zu schnell bin, werde ich von der Polizei gar nicht erst angehalten, weil sie von Diplomaten ohnehin keine Strafen kassieren dürfen. Und weil das Autokennzeichen auf SADC läuft, trage ich mit meinen Verkehrsordnungswidrigkeiten noch nicht einmal zu einem "guten" Ranking deutscher Diplomaten in Gaborone bei ...
Sonntag, 11. Februar 2018
Unterricht unter erschwerten Bedingungen: das botswanische Schulsystem
Spätestens, seit ich vor ein paar Wochen Bewerbungsgespräche für das Leadership-Programm von Baylor und Stepping Stones geführt habe, beschäftigt mich die Frage, wie das Schulsystem hier eigentlich funktioniert. Mir saßen junge Erwachsene gegenüber, die die Prüfung nach "Form 3" nicht bestanden hatten, und welche, die auf ihr Zeugnis nach der "Form 5" warteten und dann studieren wollten. Im letzten Jahr hatte ich außerdem Schüler im Unterricht, die kaum Englisch sprachen (obwohl der Unterricht hier ab der ersten Klasse auf Englisch stattfinden soll) und solche, die sich mündlich gut schlugen, aber kaum schreiben konnten. Von Kopfrechnen (addieren!) ganz zu schweigen. Wie passt das alles zusammen?
Zunächst befragte ich meinen botswanischen Kollegen Thato, was die ganzen "Form"-Bezeichnungen denn bedeuteten. Das ließ sich schnell klären. Das botswanische Schulsystem besteht aus drei Schultypen:
So weit, so gut. Ich recherchierte dann noch etwas im Internet. Und stolperte über eine Information, die ich fast nicht glauben konnte: In Botswana gibt es anscheinend keine Schulpflicht. Dennoch absolvieren die meisten Kinder mindestens die Primary School, deren Besuch kostenlos ist. Für die Secondary Schools wurden 2005 Gebühren eingeführt. Und auch vorher müssen Eltern nicht nur Stifte, Hefte und ggfs. Bücher bezahlen: An botswanischen Schulen wird nach britischem Vorbild Schuluniform getragen. Diese sieht recht adrett aus, kostet aber natürlich ...
Wie sieht es nun mit der Qualität des Unterrichts aus? Vor drei Wochen kaufte ich mir spontan "The Botswana Gazette", nachdem ich deren reißerische Titelseite sah. Zur Erinnerung: Anfang Januar wurde überliefert, dass US-Präsident Trump in einer Besprechung afrikanische Länder generell als "Shithole countries" beschimpft hätte. Wir hatten hier darüber berichtet, dass dieses Zitat auch in Botswana viel diskutiert wurde ...
In dem mit "A shithole education!" überschriebenem Artikel fand ich dann plausible Begründungen für die Bildungsdefizite einiger Schüler: Klassengrößen von durchschnittlich 60 Schülern in den jeweils ersten Klassen der Primary and Junior Secondary School. Und auch die anderen Klassen sind völlig überfüllt: Schon 2014 sorgte sich das hiesige Bildungsministerium, weil durchschnittlich 45 bis 50 Schüler in einer Klasse saßen, was zu schlechteren Resultaten führte. Es wurden Gegenmaßnahmen angekündigt, wobei es offensichtlich bei der Ankündigung blieb: Die durchschnittliche Klassengröße liegt inzwischen bei 50 bis 60 Schülern. Die botswanische Bevölkerung wächst, aber das Schulsystem wächst nicht mit. Und das stellt sowohl Lehrer als auch Schüler vor ernste Probleme: Die Lehrer haben kaum Chancen, die Namen ihrer Schüler zu lernen, geschweige denn, dem Einzelnen Hilfestellung zu leisten. Die Aufmerksamkeit aller Schüler zu bekommen, ist kaum möglich und schwächere Schüler bleiben oft auf der Strecke, weil sie sich prima durchmogeln können, ohne je aufzufallen. Lehrer leiden vermehrt unter Burnout bzw suchen sich lieber andere Jobs, die weniger anstrengend sind. Darüber hinaus sind die Klassenräume für die Klassengrößen viel zu klein; zum Teil wird daher in Bibliotheken, Foyers oder auch im Freien unterrichtet. Tatsächlich gab es wohl bereits 2016 26 Schulklassen, die permanent im Freien unterrichtet wurden - allein in Gaborone, der Hauptstadt.
2016/17 wurden von der Regierung 440,35 Millionen Pula bereitgestellt (das sind ca. 40 Millionen Euro), um neue Klassenräume zu bauen - das Geld hätte wohl für 1.466 Klassenräume reichen sollen. Eine enorme Anzahl. Allerdings wurde über die Hälfte des Geldes dann doch fachfremd eingesetzt, um Ausrüstung für Anti-Wilderer-Einheiten zu kaufen. Wie es dazu kommen konnte, erklärte die Botswana Gazette nicht, wohl aber, dass die Anti-Wilderer-Einheiten bereits vom Ministerium für Umwelt und Tourismus unterstützt werden. Der Artikel kam zu dem Schluss, dass Bildung in Botswana anscheinend keine Priorität hat - an den staatlichen Schulen. In Gaborone gibt es auch einige Privatschulen, auf die die Expat-Kinder wie auch die botswanischen Kinder aus wohlhabenderen Familien gehen. Dort scheint die Klassengröße bei maximal 20 Schülern zu liegen und auch die Ausstattung der Schulen ist viel besser.
Ein letzter Punkt, auf den ich während meiner Recherchen stieß und der vermutlich auch nicht unterschätzt werden sollte: Als Botswana 1966 unabhängig wurde, besuchten lediglich 8% der Jugendlichen überhaupt eine Sekundarschule. In den 1980er Jahren gabe es dann eine große Alphabetisierungskampagne, nachdem der Staat vor allem durch die Diamantenminen zu Geld gekommen war. Schulbildung ist also noch ein recht junges Gut in diesem Land, viele Schüler werden ältere Verwandte haben, die maximal die Primary School absolviert haben. Vielleicht ist also auch die Notwendigkeit einer höheren Schulbildung noch nicht so im allgemeinen Bewusstsein verankert, wie wir das aus Europa kennen. Bleibt zu hoffen, dass die botswanische Regierung es schafft, die Lernbedingungen an den staatlichen Schulen in den Griff zu bekommen.
Zunächst befragte ich meinen botswanischen Kollegen Thato, was die ganzen "Form"-Bezeichnungen denn bedeuteten. Das ließ sich schnell klären. Das botswanische Schulsystem besteht aus drei Schultypen:
- Primary School: umfasst die Klassen "Standard 1 bis 7". Quasi sieben Jahre Grundschule.
- Junior Secondary School: umfasst die Klassen "Form 1 bis 3" - drei Jahre Mittelschule.
- Senior Secondary School: umfasst die Klassen "Form 4 und 5".
So weit, so gut. Ich recherchierte dann noch etwas im Internet. Und stolperte über eine Information, die ich fast nicht glauben konnte: In Botswana gibt es anscheinend keine Schulpflicht. Dennoch absolvieren die meisten Kinder mindestens die Primary School, deren Besuch kostenlos ist. Für die Secondary Schools wurden 2005 Gebühren eingeführt. Und auch vorher müssen Eltern nicht nur Stifte, Hefte und ggfs. Bücher bezahlen: An botswanischen Schulen wird nach britischem Vorbild Schuluniform getragen. Diese sieht recht adrett aus, kostet aber natürlich ...
Wie sieht es nun mit der Qualität des Unterrichts aus? Vor drei Wochen kaufte ich mir spontan "The Botswana Gazette", nachdem ich deren reißerische Titelseite sah. Zur Erinnerung: Anfang Januar wurde überliefert, dass US-Präsident Trump in einer Besprechung afrikanische Länder generell als "Shithole countries" beschimpft hätte. Wir hatten hier darüber berichtet, dass dieses Zitat auch in Botswana viel diskutiert wurde ...
In dem mit "A shithole education!" überschriebenem Artikel fand ich dann plausible Begründungen für die Bildungsdefizite einiger Schüler: Klassengrößen von durchschnittlich 60 Schülern in den jeweils ersten Klassen der Primary and Junior Secondary School. Und auch die anderen Klassen sind völlig überfüllt: Schon 2014 sorgte sich das hiesige Bildungsministerium, weil durchschnittlich 45 bis 50 Schüler in einer Klasse saßen, was zu schlechteren Resultaten führte. Es wurden Gegenmaßnahmen angekündigt, wobei es offensichtlich bei der Ankündigung blieb: Die durchschnittliche Klassengröße liegt inzwischen bei 50 bis 60 Schülern. Die botswanische Bevölkerung wächst, aber das Schulsystem wächst nicht mit. Und das stellt sowohl Lehrer als auch Schüler vor ernste Probleme: Die Lehrer haben kaum Chancen, die Namen ihrer Schüler zu lernen, geschweige denn, dem Einzelnen Hilfestellung zu leisten. Die Aufmerksamkeit aller Schüler zu bekommen, ist kaum möglich und schwächere Schüler bleiben oft auf der Strecke, weil sie sich prima durchmogeln können, ohne je aufzufallen. Lehrer leiden vermehrt unter Burnout bzw suchen sich lieber andere Jobs, die weniger anstrengend sind. Darüber hinaus sind die Klassenräume für die Klassengrößen viel zu klein; zum Teil wird daher in Bibliotheken, Foyers oder auch im Freien unterrichtet. Tatsächlich gab es wohl bereits 2016 26 Schulklassen, die permanent im Freien unterrichtet wurden - allein in Gaborone, der Hauptstadt.
2016/17 wurden von der Regierung 440,35 Millionen Pula bereitgestellt (das sind ca. 40 Millionen Euro), um neue Klassenräume zu bauen - das Geld hätte wohl für 1.466 Klassenräume reichen sollen. Eine enorme Anzahl. Allerdings wurde über die Hälfte des Geldes dann doch fachfremd eingesetzt, um Ausrüstung für Anti-Wilderer-Einheiten zu kaufen. Wie es dazu kommen konnte, erklärte die Botswana Gazette nicht, wohl aber, dass die Anti-Wilderer-Einheiten bereits vom Ministerium für Umwelt und Tourismus unterstützt werden. Der Artikel kam zu dem Schluss, dass Bildung in Botswana anscheinend keine Priorität hat - an den staatlichen Schulen. In Gaborone gibt es auch einige Privatschulen, auf die die Expat-Kinder wie auch die botswanischen Kinder aus wohlhabenderen Familien gehen. Dort scheint die Klassengröße bei maximal 20 Schülern zu liegen und auch die Ausstattung der Schulen ist viel besser.
Ein letzter Punkt, auf den ich während meiner Recherchen stieß und der vermutlich auch nicht unterschätzt werden sollte: Als Botswana 1966 unabhängig wurde, besuchten lediglich 8% der Jugendlichen überhaupt eine Sekundarschule. In den 1980er Jahren gabe es dann eine große Alphabetisierungskampagne, nachdem der Staat vor allem durch die Diamantenminen zu Geld gekommen war. Schulbildung ist also noch ein recht junges Gut in diesem Land, viele Schüler werden ältere Verwandte haben, die maximal die Primary School absolviert haben. Vielleicht ist also auch die Notwendigkeit einer höheren Schulbildung noch nicht so im allgemeinen Bewusstsein verankert, wie wir das aus Europa kennen. Bleibt zu hoffen, dass die botswanische Regierung es schafft, die Lernbedingungen an den staatlichen Schulen in den Griff zu bekommen.
Samstag, 13. Januar 2018
Waterhole statt shithole!
Oft haben wir das Gefühl, dass die Batswana nicht immer die Schnellsten sind. Umso positiver überrascht war ich daher, als ich gestern einen Facebook-Post der botswanischen Regierung sah (die ja auf Facebook sehr aktiv ist, ich berichtete bereits an dieser Stelle davon). Er trug den Titel "Botswana condemns remarks made by President Trump" und bezog sich auf eine Äußerung Trumps, die während der letzten Tage auch durch die deutschen Medien ging: Der US-Präsident soll im Rahmen einer Besprechung gefragt haben, wieso die USA so viele Migranten aus Drecksloch-Staaten wie Haiti oder afrikanischen Ländern aufnehmen würden. Trump hat inzwischen getwittert, dass er diesen Ausdruck (auf Englisch wird er mit "shithole countries" zitiert) so nicht verwendet hätte. Ein Dementi des Weißen Hauses gibt es allerdings bislang nicht.
Kein Wunder also, dass man sich in Botswana angegriffen fühlt und direkt am nächsten Tag eine Presseerklärung veröffentlichte. In der Mitteilung steht unter anderem, dass die botswanische Regierung den hiesigen US-Botschafter einbestellt hat und gerne von der US-Regierung erfahren möchte, ob Botswana denn vom amerikanischen Präsidenten auch als "shithole country" gesehen werde. Es wird darauf hingewiesen, dass botswanische Bürger in den USA leben bzw. eventuell Reisen dorthin planen und dass ebenso immer wieder US-Bürger in Botswana willkommen geheißen werden. Eine Delegation des US-Kongresses wird wohl für Ende Januar erwartet, gerade vor diesem Hintergrund wären die Äußerungen "highly irresponsible, reprehensible and racist" - höchst verantwortungslos, verdammenswert und rassistisch.
Das nenne ich mal eine schnelle Reaktion mit deutlichen Worten! Sogar Spiegel Online berichtete darüber. Über eine amerikanische Antwort auf die Pressemitteilung ist mir nichts bekannt. Und auch für die botswanische Regierung ist die Affäre offensichtlich noch unvergessen. Zumindest lässt sich ihr Posting des heutigen Abends so interpretieren: "Botswana is a waterhole country!" Dazu ein paar Bilder, einige habe ich mir erlaubt zu kopieren. Waterhole statt shithole - die botswanischen Follower feiern das Posting ihrer Regierung. Und ich klicke jetzt auch mal "gefällt mir".
Kein Wunder also, dass man sich in Botswana angegriffen fühlt und direkt am nächsten Tag eine Presseerklärung veröffentlichte. In der Mitteilung steht unter anderem, dass die botswanische Regierung den hiesigen US-Botschafter einbestellt hat und gerne von der US-Regierung erfahren möchte, ob Botswana denn vom amerikanischen Präsidenten auch als "shithole country" gesehen werde. Es wird darauf hingewiesen, dass botswanische Bürger in den USA leben bzw. eventuell Reisen dorthin planen und dass ebenso immer wieder US-Bürger in Botswana willkommen geheißen werden. Eine Delegation des US-Kongresses wird wohl für Ende Januar erwartet, gerade vor diesem Hintergrund wären die Äußerungen "highly irresponsible, reprehensible and racist" - höchst verantwortungslos, verdammenswert und rassistisch.
Das nenne ich mal eine schnelle Reaktion mit deutlichen Worten! Sogar Spiegel Online berichtete darüber. Über eine amerikanische Antwort auf die Pressemitteilung ist mir nichts bekannt. Und auch für die botswanische Regierung ist die Affäre offensichtlich noch unvergessen. Zumindest lässt sich ihr Posting des heutigen Abends so interpretieren: "Botswana is a waterhole country!" Dazu ein paar Bilder, einige habe ich mir erlaubt zu kopieren. Waterhole statt shithole - die botswanischen Follower feiern das Posting ihrer Regierung. Und ich klicke jetzt auch mal "gefällt mir".
Donnerstag, 21. September 2017
Elektroschock
Botswana hat es in den letzten Tagen wieder einmal selbst in deutsche Medien geschafft - leider mit einer traurigen Nachricht.
Elefanten waren auf dem Weg zu einer leckenden Wasserpipeline. Gegen Ende der Trockenzeit (seit Ostern hat es hier nicht mehr geregnet) nimmt man natürlich alles Wasser, was man finden kann. Auf dem Weg zur Wasserpipeline war allerdings ein Strommast im Weg, den die Elefanten dann anscheinend kurzerhand umgelegt haben. Die Stromleitung führte aber noch Strom; Ingenieure der staatlichen Stromfirma bemerkten Spannungsschwankungen auf der Leitung und schickten ein Team zur Kontrolle los. Am Ort des Geschehens angekommen, entdeckten sie neun tote Elefanten, die durch den Stromschlag ums Leben kamen.
Eine traurige Geschichte - und ein trauriger Anblick, als die botswanische Regierung gestern auf ihrer Facebookseite ein Bild von der toten Elefantenherde postete. Wir hoffen, dass sich so ein Unglück nicht wiederholt.
Elefanten waren auf dem Weg zu einer leckenden Wasserpipeline. Gegen Ende der Trockenzeit (seit Ostern hat es hier nicht mehr geregnet) nimmt man natürlich alles Wasser, was man finden kann. Auf dem Weg zur Wasserpipeline war allerdings ein Strommast im Weg, den die Elefanten dann anscheinend kurzerhand umgelegt haben. Die Stromleitung führte aber noch Strom; Ingenieure der staatlichen Stromfirma bemerkten Spannungsschwankungen auf der Leitung und schickten ein Team zur Kontrolle los. Am Ort des Geschehens angekommen, entdeckten sie neun tote Elefanten, die durch den Stromschlag ums Leben kamen.
Eine traurige Geschichte - und ein trauriger Anblick, als die botswanische Regierung gestern auf ihrer Facebookseite ein Bild von der toten Elefantenherde postete. Wir hoffen, dass sich so ein Unglück nicht wiederholt.
Montag, 21. August 2017
Die Rettungsflugwacht
Es gibt so Themen, mit denen will man sich eigentlich gar nicht beschäftigen. Dazu gehört z.B., was passiert, wenn man krank wird und schnell ärztliche Hilfe benötigt. In Deutschland wählt man dann die 112. In Botswana ... nun ja. In Gaborone ließe sich sicherlich irgendwie ein Krankenwagen auftreiben. Aber was passiert eigentlich, wenn man mal wieder irgendwo in der Pampa ist? Womöglich in einer Gegend ohne Mobilfunknetz? (Ich tippe einfach mal, dass der weitaus größte Teil Botswanas keine Netzabdeckung hat, weil zu dünn bis gar nicht besiedelt). Erfahrene "Traveller" sind in solchen Fällen mit Satellitentelefon unterwegs (die man wohl hier sogar für solche Ausflüge leihen kann, wie ich gehört habe); außerdem sollte man in abgelegenen Gebieten eigentlich immer gleich in einem Konvoi mit mindestens zwei Fahrzeugen unterwegs sein.
Als wir kürzlich im Kalagadi Transfrontier Park waren, sind wir also bewusst mit drei Autos gefahren (obwohl für vier Reisende sonst natürlich zwei Autos gereicht hätten). Wir stellten auf unserer Reise fest, dass wir wohl mindestens 150 km Luftlinie vom nächsten Ort mit mehr als 500 Einwohnern entfernt waren. Es sind ganz andere Dimensionen und ganz andere Überlegungen, in denen man hier denken bzw. die man hier anstellen muss ...
Ein Mobilfunknetz hilft einem natürlich auch nur, wenn es dann irgendjemanden am anderen Ende der Leitung gibt, der Hilfe organisieren kann. Am Rande des Okavango Deltas wurde vor ein paar Jahren von einer Deutschen und einem Schweizer eine Rettungsflugwacht, die "Okavango Air Rescue" gegründet, die mit einem Hubschrauber erkrankte Personen aus einem größeren Umkreis ausfliegen können. Erst im Juni haben sie deutsche Touristen gerettet, die mit einem Leihfahrzeug zeltend im Delta über eine Woche unentdeckt steckengeblieben waren und deren Verschwinden zum Glück dann doch noch von ihrem Reiseveranstalter bemerkt wurde, als sie ihren Rückflug in Johannesburg nicht antraten. Sie hatten sich richtig verhalten, d.h. sind in Fahrzeugnähe geblieben und hatten glücklicherweise genügend Wasser und Lebensmittel dabei. Das hätte sonst ganz anders ausgehen können.
Weil sich eine solche Rettungsflugwacht nicht nur durch ihre regulären Einsätze finanzieren kann, hat sie ein "Patronage"-System: Für einen Betrag von ca. 15,- € pro Jahr kann man sich registrieren und hat im Fall des Falles dann Anspruch auf Evakuierung. Das hilft auch den für die Okavango Air Rescue lokal tätigen Batswana. Um die Rettungsflugwacht zu erreichen, wählt man hier übrigens die 995 - wenn man gerade ein Mobilfunknetz hat und sich in Reichweite ihres Helikopters befindet. Bei unserem letzten Wochenendausflug wäre beides schwierig gewesen.
Im März dieses Jahres hat die ZDF-Sendung "Hallo Deutschland!" über die Okavango Air Rescue berichtet (Video ab Minute 20:23), kurz davor auch der NDR in einem Artikel.
Wir haben uns also registriert - und hoffen doch, dass wir sie nie in Anspruch nehmen müssen; auf weiteres sicheres Reisen in Botswana!
Als wir kürzlich im Kalagadi Transfrontier Park waren, sind wir also bewusst mit drei Autos gefahren (obwohl für vier Reisende sonst natürlich zwei Autos gereicht hätten). Wir stellten auf unserer Reise fest, dass wir wohl mindestens 150 km Luftlinie vom nächsten Ort mit mehr als 500 Einwohnern entfernt waren. Es sind ganz andere Dimensionen und ganz andere Überlegungen, in denen man hier denken bzw. die man hier anstellen muss ...
Ein Mobilfunknetz hilft einem natürlich auch nur, wenn es dann irgendjemanden am anderen Ende der Leitung gibt, der Hilfe organisieren kann. Am Rande des Okavango Deltas wurde vor ein paar Jahren von einer Deutschen und einem Schweizer eine Rettungsflugwacht, die "Okavango Air Rescue" gegründet, die mit einem Hubschrauber erkrankte Personen aus einem größeren Umkreis ausfliegen können. Erst im Juni haben sie deutsche Touristen gerettet, die mit einem Leihfahrzeug zeltend im Delta über eine Woche unentdeckt steckengeblieben waren und deren Verschwinden zum Glück dann doch noch von ihrem Reiseveranstalter bemerkt wurde, als sie ihren Rückflug in Johannesburg nicht antraten. Sie hatten sich richtig verhalten, d.h. sind in Fahrzeugnähe geblieben und hatten glücklicherweise genügend Wasser und Lebensmittel dabei. Das hätte sonst ganz anders ausgehen können.
Weil sich eine solche Rettungsflugwacht nicht nur durch ihre regulären Einsätze finanzieren kann, hat sie ein "Patronage"-System: Für einen Betrag von ca. 15,- € pro Jahr kann man sich registrieren und hat im Fall des Falles dann Anspruch auf Evakuierung. Das hilft auch den für die Okavango Air Rescue lokal tätigen Batswana. Um die Rettungsflugwacht zu erreichen, wählt man hier übrigens die 995 - wenn man gerade ein Mobilfunknetz hat und sich in Reichweite ihres Helikopters befindet. Bei unserem letzten Wochenendausflug wäre beides schwierig gewesen.
Im März dieses Jahres hat die ZDF-Sendung "Hallo Deutschland!" über die Okavango Air Rescue berichtet (Video ab Minute 20:23), kurz davor auch der NDR in einem Artikel.
Wir haben uns also registriert - und hoffen doch, dass wir sie nie in Anspruch nehmen müssen; auf weiteres sicheres Reisen in Botswana!
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Donnerstag, 17. August 2017
SADC-Erfolgsgeschichten
Derzeit findet in Südafrika der jährliche SADC-Gipfel der Staats- und Regierungschefs statt. Unsere Partnerorganisation, das SADC-Sekretariat, ist dadurch schon in den letzten Wochen etwas "lahmgelegt" worden, denn zuvor galt es, unzählige Besprechungen von Arbeits- bis hin zu Ministerebene für fast jeden Fachbereich zu organisieren. (Hier hatte ich mal geschrieben, was SADC eigentlich ist und macht.)
Und weil es manchmal gar nicht so leicht ist, zu erklären, warum regionale Integration wichtig ist und wie der "normale Bürger" davon profitieren kann, haben die Projekte der GIZ, die mit SADC zusammenarbeiten (also auch meines), SADC dieses Jahr dabei unterstützt, eine zweite Auflage einer Broschüre zu "SADC Success Stories" zu erstellen, begleitet von einer Social Media-Kampagne (auf Facebook, Twitter, Youtube). Diese Broschüre wurde nun am Rande des Gipfels der Öffentlichkeit vorgestellt.
Vielleicht hat ja der ein oder andere von Euch auch Interesse daran, etwas mehr über SADC zu erfahren und was eine solche Organisation eigentlich macht.
Wer Interesse an den "Stories" der Broschüre hat, findet sie hier (mein Projekt hat z.B. zu dieser Geschichte zugearbeitet). Ein einführendes Video zur Broschüre gibt es hier:
Und weil es manchmal gar nicht so leicht ist, zu erklären, warum regionale Integration wichtig ist und wie der "normale Bürger" davon profitieren kann, haben die Projekte der GIZ, die mit SADC zusammenarbeiten (also auch meines), SADC dieses Jahr dabei unterstützt, eine zweite Auflage einer Broschüre zu "SADC Success Stories" zu erstellen, begleitet von einer Social Media-Kampagne (auf Facebook, Twitter, Youtube). Diese Broschüre wurde nun am Rande des Gipfels der Öffentlichkeit vorgestellt.
Vielleicht hat ja der ein oder andere von Euch auch Interesse daran, etwas mehr über SADC zu erfahren und was eine solche Organisation eigentlich macht.
Wer Interesse an den "Stories" der Broschüre hat, findet sie hier (mein Projekt hat z.B. zu dieser Geschichte zugearbeitet). Ein einführendes Video zur Broschüre gibt es hier:
Montag, 26. Juni 2017
Ein Staatsmann ist gestorben
In der letzten Woche ist ein großer Staatsmann gestorben. Er regierte sein Land von 1980 bis 1998 - viele Einwohner seines Landes sind also aufgewachsen, ohne jemand anderen an der Regierungsspitze zu kennen. Nun berichten alle Medien ausführlich über ihn und sein Werk. Er führte sein Land in Zeiten diffiziler Politik, im Nachbarland herrschte durch die 1980er Jahre hindurch ein Unrechtsregime, von dem es sich zu distanzieren galt.
Sir Ketumile Masire war der zweite Präsident Botswanas, also direkt nach Sir Seretse Khama, dessen Geschichte kürzlich verfilmt wurde. Als Kind war er ein Viehhirte, ging erst mit 13 Jahren in eine Grundschule und kam über seine Tätigkeit bei einer Zeitung zur Politik - was für eine Karriere. In seiner Amtszeit als Präsident war ihm wohl wichtig, die demokratischen Institutionen des noch jungen Botswanas zu stärken. Er trat international als Vermittler auf und brachte sich in die Aufarbeitung des Genozids in Ruanda ein. Bis zuletzt war er in der Bevölkerung hoch angesehen.
Auch in Deutschland ist in der vorletzten Woche ein Staatsmann gestorben, der zu einer ähnlichen Zeit regierte. Wie häufig mögen sie sich wohl getroffen haben?
Sir Ketumile Masire war der zweite Präsident Botswanas, also direkt nach Sir Seretse Khama, dessen Geschichte kürzlich verfilmt wurde. Als Kind war er ein Viehhirte, ging erst mit 13 Jahren in eine Grundschule und kam über seine Tätigkeit bei einer Zeitung zur Politik - was für eine Karriere. In seiner Amtszeit als Präsident war ihm wohl wichtig, die demokratischen Institutionen des noch jungen Botswanas zu stärken. Er trat international als Vermittler auf und brachte sich in die Aufarbeitung des Genozids in Ruanda ein. Bis zuletzt war er in der Bevölkerung hoch angesehen.
Auch in Deutschland ist in der vorletzten Woche ein Staatsmann gestorben, der zu einer ähnlichen Zeit regierte. Wie häufig mögen sie sich wohl getroffen haben?
Mittwoch, 26. April 2017
Facebook statt Zeitung
Botswana knapp hinter Deutschland in den Top 5! Das ist uns doch eine Meldung wert. Auch wenn in Deutschland vermutlich niemand etwas von dieser Bestenliste gehört hat. Hierzulande ist man aber stolz darauf, dass die Facebook-Seite der botswanischen Regierung (BWgovernment) den fünften Platz im Ranking der besten Regierungs-Facebookseiten gemacht hat. Die Güteklasse der Seiten wurde dabei an der Menge der Interaktionen festgemacht. Ein von mir vorgenommener kurzer - sehr kurzer - Vergleich der beiden Seiten hat eben erbracht, dass auf der Facebookseite der Bundesregierung viel mehr kommentiert wird als auf der von "BWgovernment" - keine Kunst bei ca. 32-mal so vielen Einwohnern ... Dafür befürchtet die Bundesregierung wohl, ihren Abonnenten mit zu vielen Posts auf die Nerven zu fallen - sie postet ein bis drei Beiträge pro Tag und am Wochenende in der Regel gar nichts. Eine derartige Zurückhaltung ist den Botswanern völlig fremd - hier wird gepostet, was das Zeug hält! Meistens auf Englisch, aber immer wieder auch auf Setswana, weswegen ich gar nicht genau sagen kann, was alles thematisiert wird. Abonniert habe ich die Seite mal, weil sie auch immer wieder auflistet, wie voll welcher Stausee hier nach Regenfällen ist und wir in dieser Regenzeit ja alle mitgefiebert haben (der Gaborone Dam ist voll!).
Regen spielt hier eben eine große Rolle. Auch deswegen werden wohl immer wieder Videos vom Wetterbericht gepostet. Außerdem bin ich ein Fan der Tier- und Landschaftsfotos, mit denen die Seite oft einen guten Morgen oder einen guten Abend wünscht. Ersteres wird immer mal wieder mit einem Sprichwort oder auch einem Bibelvers verbunden (z.B. "GOOD MONDAY MORNING BOTSWANA - Not the day only, but all things have their morning. - proverb [...]"), letzteres mit der Vorstellung einer bestimmten Pflanze (z.B. "GOOD NIGHT: FLORA OF BOTSWANA - THE SEGAGAMA OR CAMEL'S FOOT TREE [...]"). Auch Staatsgäste werden auf diese Weise freundlichst vorgestellt: "GOOD EVENING FROM BOTSWANA, WHERE WE ARE HOSTING A THREE DAY STATE VISIT BY THE PRESIDENT OF MOZAMBIQUE, H.E. FELIPE JACINTO NYUSI." Die Regierung mag übrigens Überschriften in Versalien.
Am gestrigen Tag hat sie insgesamt 34 Beiträge auf Facebook gepostet -allein bis 9:30 Uhr wurden bereits vermehrt auftretende Fälle von Mangelernährung im Distrikt Kweneng, die Silbermedaille der botswanischen Herren im Staffellauf auf den Bahamas und die Suche der Botswana Defence Force nach neuen Rekruten thematisiert. Wow. Philip stellt zu Recht die Frage, wozu man hier eigentlich noch eine Zeitung braucht - eigentlich nur, wenn man zur Abwechslung mal etwas Regierungs-Kritisches lesen will ... aber so hat "BWgovernment" es immerhin auf den fünften Platz geschafft, als einziges afrikanisches Land überhaupt in den Top Ten. Congratulations!
Regen spielt hier eben eine große Rolle. Auch deswegen werden wohl immer wieder Videos vom Wetterbericht gepostet. Außerdem bin ich ein Fan der Tier- und Landschaftsfotos, mit denen die Seite oft einen guten Morgen oder einen guten Abend wünscht. Ersteres wird immer mal wieder mit einem Sprichwort oder auch einem Bibelvers verbunden (z.B. "GOOD MONDAY MORNING BOTSWANA - Not the day only, but all things have their morning. - proverb [...]"), letzteres mit der Vorstellung einer bestimmten Pflanze (z.B. "GOOD NIGHT: FLORA OF BOTSWANA - THE SEGAGAMA OR CAMEL'S FOOT TREE [...]"). Auch Staatsgäste werden auf diese Weise freundlichst vorgestellt: "GOOD EVENING FROM BOTSWANA, WHERE WE ARE HOSTING A THREE DAY STATE VISIT BY THE PRESIDENT OF MOZAMBIQUE, H.E. FELIPE JACINTO NYUSI." Die Regierung mag übrigens Überschriften in Versalien.
Am gestrigen Tag hat sie insgesamt 34 Beiträge auf Facebook gepostet -allein bis 9:30 Uhr wurden bereits vermehrt auftretende Fälle von Mangelernährung im Distrikt Kweneng, die Silbermedaille der botswanischen Herren im Staffellauf auf den Bahamas und die Suche der Botswana Defence Force nach neuen Rekruten thematisiert. Wow. Philip stellt zu Recht die Frage, wozu man hier eigentlich noch eine Zeitung braucht - eigentlich nur, wenn man zur Abwechslung mal etwas Regierungs-Kritisches lesen will ... aber so hat "BWgovernment" es immerhin auf den fünften Platz geschafft, als einziges afrikanisches Land überhaupt in den Top Ten. Congratulations!
Dienstag, 28. März 2017
Kinostart: "A United Kingdom" jetzt auch in Deutschland
Vor fast einem halben Jahr habe ich über die Ankündigung eines Films berichtet, der die Liebesgeschichte zwischen Botswanas späterem ersten Präsidenten Sir Seretse Khama und seiner englischen, weißen Frau Ruth Williams erzählt: A United Kingdom.
In Botswana kam der Film im Dezember in die Kinos, am 30.03. läuft er nun auch in Deutschland an. Zwar habe ich nicht "die halbe Zeit geheult", wie eine deutsche Bekannte es mir von ihrem Kinobesuch erzählte, dennoch können Philip und ich den Film nur empfehlen: Er bringt ein bewegendes Stück botswanischer Geschichte weltweit in die Kinos. Denn die Liebe zwischen dem botswanischen Thronfolger Khama und der Sekretärin Williams war keine Privatsache, sondern ein Politikum. 1947 lernten sie sich in London kennen, wo beide zu diesem Zeitpunkt lebten; Khama studierte dort, um besser auf seine zukünftigen Herrscherpflichten (und insbesondere die Verhandlungen mit Weißen) vorbereitet zu sein. 1948 wurden die Hochzeitspläne der beiden bekannt, und spätestens da wandte sich fast ihr gesamtes Umfeld gegen sie: Khamas Onkel, dessen Nachfolger er werden sollte, versuchte die Heirat ebenso zu verbieten wie die südafrikanische Regierung, die gerade ihre Apartheitsgesetze verschärfte. Sie übte Druck auf die Regierung in London aus, die es sich vor allem wirtschaftlich nicht mit Südafrika verscherzen wollte und deswegen ebenso gegen die Eheschließung intervenierte. Eine sogenannte Mischehe zwischen einem zukünftigen botswanischen Regenten und einer weißen Engländerin in unmittelbarer Nachbarschaft zu Südafrika - das dürfte einfach nicht sein. Der Film erzählt, wie die Khamas sich gegen alle Widerstände auflehnten und sämtlichem ihnen begegnenden Rassismus trotzten - und das ist sehenswert! An dieser Stelle seien die Schauspieler erwähnt, die ihre Rollen super verkörpern: David Oyelowo (z.B. "The Help" und "Der Butler") spielt Seretse Khama und Rosamund Pike (z.B. "Gone Girl") Ruth Williams Khama.
Kleinigkeiten haben mich etwas gestört: Wie so oft in Filmen wurde auch hier die wahre Geschichte leicht verändert - im Großen und Ganzen stimmt alles, aber die historischen Fakten was wann wo geschah werden nicht immer korrekt wiedergegeben. Einige tolle geschichtlich überlieferte Anekdoten fehlen, obwohl sie gezeigt hätten, dass Ruth Williams Khama nicht nur eine starke, sondern auch extrem starrköpfige Frau war - dabei dürfte der Ausgang der Geschichte zu großen Teilen auch ihrem Sturkopf zu verdanken sein. Ich hätte es außerdem spannend gefunden, wenn die Rolle der internationalen Presse im Film noch weiter thematisiert worden hätte - die Journalisten hatten die Khamas, vor allem Ruth, zu Beginn ihrer Ehe in einer Art und Weise verfolgt, die heutigen Paparazzis in nichts nachsteht. Ruth war es dann auch, die - natürlich ohne jeden PR-Agenten, Manager oder andere Hilfe - schließlich lernte, diese Aufmerksamkeit für ihre Zwecke zu nutzen.
Das alles hätte den Film aber wohl gesprengt und vermutlich hätte ich nichts von dem Genannten vermisst, wenn ich nicht bereits ein (Sach-)Buch über die Khamas gelesen hätte. Also, liebe Blogleser, macht Euch doch einfach selbst einen Eindruck. Wann läuft in deutschen Kinos schon mal ein Film, der zu großen Teilen in Botswana spielt? Hier nochmal der Trailer, diesmal auf deutsch:
In Botswana kam der Film im Dezember in die Kinos, am 30.03. läuft er nun auch in Deutschland an. Zwar habe ich nicht "die halbe Zeit geheult", wie eine deutsche Bekannte es mir von ihrem Kinobesuch erzählte, dennoch können Philip und ich den Film nur empfehlen: Er bringt ein bewegendes Stück botswanischer Geschichte weltweit in die Kinos. Denn die Liebe zwischen dem botswanischen Thronfolger Khama und der Sekretärin Williams war keine Privatsache, sondern ein Politikum. 1947 lernten sie sich in London kennen, wo beide zu diesem Zeitpunkt lebten; Khama studierte dort, um besser auf seine zukünftigen Herrscherpflichten (und insbesondere die Verhandlungen mit Weißen) vorbereitet zu sein. 1948 wurden die Hochzeitspläne der beiden bekannt, und spätestens da wandte sich fast ihr gesamtes Umfeld gegen sie: Khamas Onkel, dessen Nachfolger er werden sollte, versuchte die Heirat ebenso zu verbieten wie die südafrikanische Regierung, die gerade ihre Apartheitsgesetze verschärfte. Sie übte Druck auf die Regierung in London aus, die es sich vor allem wirtschaftlich nicht mit Südafrika verscherzen wollte und deswegen ebenso gegen die Eheschließung intervenierte. Eine sogenannte Mischehe zwischen einem zukünftigen botswanischen Regenten und einer weißen Engländerin in unmittelbarer Nachbarschaft zu Südafrika - das dürfte einfach nicht sein. Der Film erzählt, wie die Khamas sich gegen alle Widerstände auflehnten und sämtlichem ihnen begegnenden Rassismus trotzten - und das ist sehenswert! An dieser Stelle seien die Schauspieler erwähnt, die ihre Rollen super verkörpern: David Oyelowo (z.B. "The Help" und "Der Butler") spielt Seretse Khama und Rosamund Pike (z.B. "Gone Girl") Ruth Williams Khama.
Kleinigkeiten haben mich etwas gestört: Wie so oft in Filmen wurde auch hier die wahre Geschichte leicht verändert - im Großen und Ganzen stimmt alles, aber die historischen Fakten was wann wo geschah werden nicht immer korrekt wiedergegeben. Einige tolle geschichtlich überlieferte Anekdoten fehlen, obwohl sie gezeigt hätten, dass Ruth Williams Khama nicht nur eine starke, sondern auch extrem starrköpfige Frau war - dabei dürfte der Ausgang der Geschichte zu großen Teilen auch ihrem Sturkopf zu verdanken sein. Ich hätte es außerdem spannend gefunden, wenn die Rolle der internationalen Presse im Film noch weiter thematisiert worden hätte - die Journalisten hatten die Khamas, vor allem Ruth, zu Beginn ihrer Ehe in einer Art und Weise verfolgt, die heutigen Paparazzis in nichts nachsteht. Ruth war es dann auch, die - natürlich ohne jeden PR-Agenten, Manager oder andere Hilfe - schließlich lernte, diese Aufmerksamkeit für ihre Zwecke zu nutzen.
Das alles hätte den Film aber wohl gesprengt und vermutlich hätte ich nichts von dem Genannten vermisst, wenn ich nicht bereits ein (Sach-)Buch über die Khamas gelesen hätte. Also, liebe Blogleser, macht Euch doch einfach selbst einen Eindruck. Wann läuft in deutschen Kinos schon mal ein Film, der zu großen Teilen in Botswana spielt? Hier nochmal der Trailer, diesmal auf deutsch:
Sonntag, 26. März 2017
Der Brexit und das Modell Botswana
In der kommenden Woche will das Vereinigte Königreich (VK) seinen Antrag auf Ausstieg aus der Europäischen Union (EU) stellen (zuletzt hatte ich über die Brexit-Diskussion in meinem Team hier geschrieben). Durch einen Zeitungsartikel bin ich letzte Woche zufällig auf ein Gutachten des wissenschaftlichen Dienstes des Bundestags von Juni 2016 zu den Verhandlungen und möglichen Verhandlungsoptionen aufmerksam geworden. Darin werden verschiedene Ländertypen als Beispiele genommen, so auch Botswana. Da ich die verschiedenen Optionen recht interessant fand, will ich sie hier einmal zitieren:
Wäre ja auch noch schöner, wenn man Botswana als Drohszenario einsetzen könnte ...
- "Modell Norwegen: VK tritt dem Europäischen Wirtschaftsraum (EWR) bei, der den EU Binnenmarkt auf Norwegen, Island und Liechtenstein erstreckt. Das VK müsste hierbei die Binnenmarktregeln (insbesondere das Freizügigkeitsprinzip) beachten, ohne bei deren Verabschiedung Mitspracherechte in Rat und EP zu haben. Auch müsste das VK einen Beitrag zum EU-Haushalt leisten. Daher kommt diese Option wohl nicht ernsthaft in Betracht, wie BM Schäuble bereits mit seinem vielzitierten Kommentar „Out is out“ zusammengefasst hat.
- Modell Schweiz: VK nimmt durch zahlreiche für einzelne Wirtschaftssektoren abgeschlossene bilaterale Abkommen am Binnenmarkt teil. VK müsste jedoch auch hier in den EU-Haushalt einzahlen und die Freizügigkeitsregeln beachten.
- Modell Botswana: Im Verhältnis VK-EU gelten nur noch die allgemeinen WTO-Regeln und es kommt zur Wiedereinführung von Zöllen. Diese Option dient insbesondere als Drohszenario, das eintritt, falls es zu keiner Einigung mit der EU kommt.
- Modell Türkei: Von Seiten des VK sowie des BMF scheint eine Assoziierungsvereinbarung favorisiert zu werden, die sich neben traditionellen Handelsregelungen auch auf Finanz- und Versicherungsdienstleistungen erstreckt. Das Abkommen würde mit dem VK als Drittstaat geschlossen werden, wobei Art. 8 EUV spezielle Übereinkünfte mit privilegierten Nachbarländern ausdrücklich vorsieht."
Wäre ja auch noch schöner, wenn man Botswana als Drohszenario einsetzen könnte ...
Dienstag, 21. März 2017
Trörö statt Miau
Kürzlich ging hier die Meldung durch die Medien, dass LKW-Fahrer entlang der Straße nach Nata auf einen ca. drei Wochen alten Baby-Elefanten gestoßen waren, der kurz vor dem Verdursten stand und offenbar seine Mutter verloren hatte. Die LKW-Fahrer gaben dem Elefanten zunächst Wasser aus ihren Trinkflaschen, luden ihn dann auf und brachten ihn zu einer Elefantenschutz-Organisation, wo er sich wohl erholt.
Das Video von dem Baby-Elefanten mit Trinkflasche wurde wohl bereits über einhunderttausendmal angeklickt - ist er nicht süß?
Man stelle sich einmal vor, wir hätten kürzlich nicht ein ca. drei Wochen altes Kätzchen gefunden, sondern einen Baby-Elefanten. (Wobei sich dann wirklich die Frage gestellt hätte, wie der unter unserem Tor hindurch aufs Grundstück gelangen konnte ... und die alte Auflaufform von Le Creuset hätten wir dann auch nicht als Körbchen nutzen können. Auch die Fahrt zum Tierarzt in unserem VW Golf kann ich mir dann nicht mehr so wirklich vorstellen.) Wie es dann wohl heute in unserem Garten aussehen würde? Und ob sich unsere Freunde hier wohl auch bereit erklärt hätten, den Elefanten während unserer Abwesenheit bei sich unterzubringen, so wie das Kätzchen?
Das Video von dem Baby-Elefanten mit Trinkflasche wurde wohl bereits über einhunderttausendmal angeklickt - ist er nicht süß?
Man stelle sich einmal vor, wir hätten kürzlich nicht ein ca. drei Wochen altes Kätzchen gefunden, sondern einen Baby-Elefanten. (Wobei sich dann wirklich die Frage gestellt hätte, wie der unter unserem Tor hindurch aufs Grundstück gelangen konnte ... und die alte Auflaufform von Le Creuset hätten wir dann auch nicht als Körbchen nutzen können. Auch die Fahrt zum Tierarzt in unserem VW Golf kann ich mir dann nicht mehr so wirklich vorstellen.) Wie es dann wohl heute in unserem Garten aussehen würde? Und ob sich unsere Freunde hier wohl auch bereit erklärt hätten, den Elefanten während unserer Abwesenheit bei sich unterzubringen, so wie das Kätzchen?
Sonntag, 19. März 2017
Frühstück mit Elefanten
Während unseres Heimaturlaubs in Deutschland habe ich mir einen aktuellen Bestseller gekauft: Gesa Neitzels "Frühstück mit Elefanten". Er ist im September bei Ullstein erschienen und stand bis jetzt 12 Wochen auf der SPIEGEL Paperback Sachbuch-Bestsellerliste - ein schöner Erfolg für die Autorin, die mit ihrem Buch offensichtlich einen Nerv getroffen hat. Gesa Neitzel beschreibt in ihrem Erfahrungsbericht, wie sie ihrem Berliner Leben den Rücken kehrt und ins südliche Afrika reist, um sich dort innerhalb eines Jahres zur Rangerin ausbilden zu lassen. Als Leser ist man gefühlt hautnah dabei - wenn sie versucht, sich Vogelstimmen einzuprägen, einem Elefanten in die Augen schaut oder schießen lernt (letzeres nur als zur Ausbildung gehörende Sicherheitsmaßnahme). Dabei wird man sehr schnell in den Sog dieses Buches gezogen. Die Autorin beschreibt Landschaften, Gerüche und Geräusche so toll, dass man zum Teil nur die Augen schließen muss und selbst das ausgetrocknete Limpopo-Flußbett vor sich sieht. Aber auch ihre Freunde und Lehrer wachsen einem ans Herz, denn sie lässt den Leser nicht nur an ihrer Ausbildung, sondern auch an ihren Gefühlen teilhaben.
Gesa Neitzels Ausbildungsstationen waren in Botswana, Südafrika und Namibia - wir haben das Buch daher mit besonderem Interesse gelesen. Und als ich im Januar Freiwilligendienste googelte, während Philip als erster von uns beiden "Frühstück mit Elefanten" las, stieß ich tatsächlich auf das Projekt, bei dem die Autorin ein dreimonatiges Praktikum absolviert hatte - EHRA, woran ich dann tatsächlich auch zwei Wochen teilnahm. Es war natürlich toll, ihre Erlebnisse da im Vorfeld zu lesen, um noch einen besseren Eindruck zu bekommen - und hinterher gleich nochmal, denn inzwischen hatte ich einige der Leute kennengelernt, von denen im Buch die Rede war.
Philip und mich hat es dennoch erstaunt, dass das Buch so einen großen Erfolg hat - Sehnsuchtsort Afrika? Träumen wirklich viele Deutsche vom afrikanischen Busch und seinen Tieren bzw. interessieren sich so sehr dafür? Sicher hilft es dem Buch, dass die Autorin in der letzten Zeit öfters in Talkshows eingeladen war. Ich kann "Frühstück mit Elefanten" auf jeden Fall empfehlen: Es liest sich auch wegen der vielen persönlichen Anekdoten gut und man bekommt noch einmal einen anderen Eindruck vom südlichen Afrika und seiner Tierwelt. Darüber hinaus ist es zum Teil schon fast philosophisch und beschäftigt sich mit den großen Fragen, die jeden mal umtreiben: Was mache ich mit meinem Leben? Wo will ich hin? Was macht mich glücklich? Gesa Neitzel hat für sich einige Antworten gefunden und sie als Leser auf ihrem Weg zu begleiten, ist auf alle Fälle bereichernd.
Gesa Neitzels Ausbildungsstationen waren in Botswana, Südafrika und Namibia - wir haben das Buch daher mit besonderem Interesse gelesen. Und als ich im Januar Freiwilligendienste googelte, während Philip als erster von uns beiden "Frühstück mit Elefanten" las, stieß ich tatsächlich auf das Projekt, bei dem die Autorin ein dreimonatiges Praktikum absolviert hatte - EHRA, woran ich dann tatsächlich auch zwei Wochen teilnahm. Es war natürlich toll, ihre Erlebnisse da im Vorfeld zu lesen, um noch einen besseren Eindruck zu bekommen - und hinterher gleich nochmal, denn inzwischen hatte ich einige der Leute kennengelernt, von denen im Buch die Rede war.
Philip und mich hat es dennoch erstaunt, dass das Buch so einen großen Erfolg hat - Sehnsuchtsort Afrika? Träumen wirklich viele Deutsche vom afrikanischen Busch und seinen Tieren bzw. interessieren sich so sehr dafür? Sicher hilft es dem Buch, dass die Autorin in der letzten Zeit öfters in Talkshows eingeladen war. Ich kann "Frühstück mit Elefanten" auf jeden Fall empfehlen: Es liest sich auch wegen der vielen persönlichen Anekdoten gut und man bekommt noch einmal einen anderen Eindruck vom südlichen Afrika und seiner Tierwelt. Darüber hinaus ist es zum Teil schon fast philosophisch und beschäftigt sich mit den großen Fragen, die jeden mal umtreiben: Was mache ich mit meinem Leben? Wo will ich hin? Was macht mich glücklich? Gesa Neitzel hat für sich einige Antworten gefunden und sie als Leser auf ihrem Weg zu begleiten, ist auf alle Fälle bereichernd.
Montag, 13. März 2017
Botswana auf der ITB
Botswana wurde bereits 2016 vom Reiseführer Lonely Planet als Reiseland Nr. 1 empfohlen. Auch dieses Jahr steht es weiterhin hoch im Kurs. In der vergangenen Woche fand in Deutschland die größte Tourismus-Messe der Welt statt, die Internationale Tourismus-Börse (ITB) in Berlin. Das diesjährige Partnerland war tatsächlich: Botswana. War zufällig jemand dort und kann berichten?
Auf der Eröffnungsfeier war sogar der botswanische Präsident, Ian Khama, als Ehrengast. Außerdem hat er seinen Deutschlandbesuch genutzt, um Frau Merkel zu treffen.
Der hiesige Landesdirektor der GIZ (mein Chef) war kurz vor der ITB in Berlin und hat in einem Radio-Interview mit dem RBB Inforadio über Botswana gesprochen, auch über die Arbeit der GIZ (kaum jedoch über mein Projekt, das sich ja auch nicht nur auf Botswana bezieht). Wer Interesse hat, kann sich das Interview hier anhören (ca. 36 Minuten).
Anlässlich der ITB hat auch die Deutsche Welle ein kurzes Video zu Ökotourismus in Botswana veröffentlicht - größtenteils im Chobe Nationalpark gedreht (der Ökotourismus ist uns bisher da jedoch nicht aufgefallen). Und auch andere Medien nutzten den Anlass ITB, um etwas zu Botswana zu veröffentlichen: Wer zu viel Zeit hat, kann sein Wissen zu Botswana in einem Quiz der Süddeutschen testen.
Jetzt bleibt nur noch die Frage: Wann kommt Ihr in die Tourismus-Destination Botswana?
Auf der Eröffnungsfeier war sogar der botswanische Präsident, Ian Khama, als Ehrengast. Außerdem hat er seinen Deutschlandbesuch genutzt, um Frau Merkel zu treffen.
Der hiesige Landesdirektor der GIZ (mein Chef) war kurz vor der ITB in Berlin und hat in einem Radio-Interview mit dem RBB Inforadio über Botswana gesprochen, auch über die Arbeit der GIZ (kaum jedoch über mein Projekt, das sich ja auch nicht nur auf Botswana bezieht). Wer Interesse hat, kann sich das Interview hier anhören (ca. 36 Minuten).
Anlässlich der ITB hat auch die Deutsche Welle ein kurzes Video zu Ökotourismus in Botswana veröffentlicht - größtenteils im Chobe Nationalpark gedreht (der Ökotourismus ist uns bisher da jedoch nicht aufgefallen). Und auch andere Medien nutzten den Anlass ITB, um etwas zu Botswana zu veröffentlichen: Wer zu viel Zeit hat, kann sein Wissen zu Botswana in einem Quiz der Süddeutschen testen.
Jetzt bleibt nur noch die Frage: Wann kommt Ihr in die Tourismus-Destination Botswana?
Mittwoch, 25. Januar 2017
Shitbook statt Facebook
Aus der Kategorie "skurrile Forschung" (einen Eintrag zu bemalten Kuh-Hintern hatte ich ja schon einmal geschrieben): Forscher aus Südafrika und Deutschland haben festgestellt, dass sich Nashörner über ihren Kot verständigen (Bericht bei Spiegel Online). Dieser habe quasi die Funktion eines sozialen Netzwerks. Die Forscher isolierten den spezifischen Geruch des Kots einzelner Breitmaulnashörner, bauten ihn jeweils künstlich nach und verteilten ihn wieder in einem Nationalpark mit Nashörnern. Männliche Nashörner, die an männlichem Kot schnupperten, nahmen eine Wachstellung ein und kamen mehrfach an diese Stelle zurück, um zu schauen, ob sich ihr Rivale bewegt hat. Männliche Nashörner, die an weiblichem Kot schnupperten, schnüffelten dagegen länger daran, um zu überprüfen, ob das Weibchen paarungsbereit sei.
Diese Erkenntnis erkläre auch, warum manche Säugetiere den gleichen Ort aufsuchten, um zu defakieren: Sie "lesen" einfach die Mitteilungen ihrer Artgenossen.
Ich nehme zwar mal an, dass Ihr eher selten im Kot Eurer Artgenossen schnüffelt - aber mal ehrlich: Wer hat schon mal seine Facebook-Timeline auf der Toilette angeschaut? Mir fallen da ja auch noch andere Zusammenhänge zwischen Kot und sozialen Netzwerken ein...
Diese Erkenntnis erkläre auch, warum manche Säugetiere den gleichen Ort aufsuchten, um zu defakieren: Sie "lesen" einfach die Mitteilungen ihrer Artgenossen.
Ich nehme zwar mal an, dass Ihr eher selten im Kot Eurer Artgenossen schnüffelt - aber mal ehrlich: Wer hat schon mal seine Facebook-Timeline auf der Toilette angeschaut? Mir fallen da ja auch noch andere Zusammenhänge zwischen Kot und sozialen Netzwerken ein...
Mittwoch, 5. Oktober 2016
A United Kingdom
50 Jahre Botswana lässt sich auch Hollywood nicht entgehen - es ist sicher kein Zufall, dass gerade in diesem Jahr der Film "A United Kingdom" in die Kinos kommt. Er handelt von einer wahren Geschichte, die ich bisher vor allem aus dem
DuMont-Reiseführer kannte. Schon beim ersten Lesen hatte ich mich darüber gewundert, dass die Filmindustrie offensichtlich noch nicht zugeschlagen hatte.
"A United Kindom" erzählt die Liebesgeschichte zwischen Botswanas erstem Präsidenten Seretse Khama und seiner englischen Frau Ruth. Die beiden lernten sich lange vor Botswanas Unabhängigkeit kennen, als er 1947 in Oxford studierte. Ein Jahr später heirateten sie, was schnell zu einer wahren Staatsaffäre wurde: Seretse Khama war der legitime Thronfolger der Bamangwato (einer botswanischen Ethnie) - diese hatten sich natürlich eher eine Ehefrau aus dem eigenen Volk für ihr künftiges Oberhaupt vorgestellt. In Südafrika dagegen begann 1948 die Hochphase der Apartheid, in der der bereits lange existierende Rassismus durch eine Fülle neuer Gesetze weiter vorangetrieben wurde. Sogenannte Mischehen waren hier verboten. Zudem forderte Südafrika ein Mitspracherecht für die benachbarten englischen Protektorate und konnte eine Ehe zwischen einem dortigen König und einer Weißen natürlich nicht akzeptieren, weswegen das Land unter anderem Druck auf England ausübte. Auch dort war man also not amused.
Wie Seretse und Ruth Khama mit der Ablehnung von allen Seiten umgingen und sich dem Druck nicht beugten ist das Thema von "A United Kingdom". Hier der Trailer zum Film:
Vor drei Wochen feierte er bei den Toronto International Film Festivals 2016 Premiere, der Kinostart in Großbritannien ist am 25.11. Einen deutschen Termin habe ich noch nicht herausfinden können, nehme aber an, dass der Film auch in Deutschland laufen wird, weil er hochkarätig besetzt ist und die Premiere wohl bei Kritikern und Publikum insgesamt recht gut ankam.
Hier in Botswana sieht man dem Kinostart natürlich gespannt entgegen, der bereits 1980 verstorbene Sir Seretse Khama hat schließlich die Unabhängigkeit Botswanas mit möglich gemacht und das Land als erster botswanischer Präsident weise regiert und auf einen guten Weg gebracht. Die Liebesgeschichte zwischen ihm und seiner Frau gehört so quasi zur Gründungsgeschichte der unabhängigen Republik Botswana. In den sozialen Netzwerken werden allerdings auch Stimmen laut, die bemängeln, dass in dem Film kaum Botswaner mitspielen würden und hier auch nur ein kleiner Teil gedreht worden wäre - der aber immerhin in Serowe, von wo Seretse Khama tatsächlich stammte. Schön fand ich auch den Kommentar einer Botswanerin, sie hätte es viel besser gefunden, wenn die Hauptrollen von Denzel Washington und Jodie Foster gespielt worden wären - beides auf jeden Fall hervorragende Schauspieler, aber da Jodie Foster inzwischen fast Mitte 50 und Denzel Washington schon Anfang 60 ist, wäre es vielleicht doch etwas seltsam gewesen, wenn sie die jungen Liebenden verkörpert hätten ...
Richtig hoch gekocht sind die Emotionen, als im Zuge der Unabhängigkeitsfeiern schon eine Preview des Films in einem Gaboroner Kino stattfand. Das Kino verkündete auf facebook, dass es auch einige Karten im freien Verkauf gäbe und die zahlenden Gäste ebenfalls Zugang zur VIP-Lounge hätten. Für Einzelpersonen sollte der Spaß 1.500 BWP kosten, für Paare 2.500 BWP - umgerechnet sind das 127,- € und 212,- €. Das ist schon in Deutschland viel Geld, in Botswana stellt es für viele aber einen nicht unbeträchtlichen Teil des monatlichen Einkommens dar. Dementsprechend brach ein richtiger Shitstorm auf der facebookseite des Kinos aus, die Leute machten sich lustig, wiesen daraufhin, dass das ein Film für die Botswaner sein sollte und nicht nur für reiche Leute bzw. "Europeans only". Der Kinobetreiber ergänzte irgendwann verschüchtert, dass die Erlöse an die Lady Ruth Khama Stiftung gehen würden, aber geholfen hat ihm das auch nicht mehr.
Inzwischen ist die Premiere über die Bühne gegangen - wie viele Leute da waren, lässt sich den Fotos nicht entnehmen, aber wer das Geld ausgegeben hat, hatte immerhin die Gelegenheit, Botswanas Präsidenten Ian Khama live zu sehen. Das (selbstverständlich demokratisch gewählte) Staatsoberhaupt ist übrigens ein Sohn von Seretse und Ruth Khama. Das Hollywood Happy-End gab's also auch im wahren Leben - auf gleich mehreren Ebenen.
"A United Kindom" erzählt die Liebesgeschichte zwischen Botswanas erstem Präsidenten Seretse Khama und seiner englischen Frau Ruth. Die beiden lernten sich lange vor Botswanas Unabhängigkeit kennen, als er 1947 in Oxford studierte. Ein Jahr später heirateten sie, was schnell zu einer wahren Staatsaffäre wurde: Seretse Khama war der legitime Thronfolger der Bamangwato (einer botswanischen Ethnie) - diese hatten sich natürlich eher eine Ehefrau aus dem eigenen Volk für ihr künftiges Oberhaupt vorgestellt. In Südafrika dagegen begann 1948 die Hochphase der Apartheid, in der der bereits lange existierende Rassismus durch eine Fülle neuer Gesetze weiter vorangetrieben wurde. Sogenannte Mischehen waren hier verboten. Zudem forderte Südafrika ein Mitspracherecht für die benachbarten englischen Protektorate und konnte eine Ehe zwischen einem dortigen König und einer Weißen natürlich nicht akzeptieren, weswegen das Land unter anderem Druck auf England ausübte. Auch dort war man also not amused.
Wie Seretse und Ruth Khama mit der Ablehnung von allen Seiten umgingen und sich dem Druck nicht beugten ist das Thema von "A United Kingdom". Hier der Trailer zum Film:
Vor drei Wochen feierte er bei den Toronto International Film Festivals 2016 Premiere, der Kinostart in Großbritannien ist am 25.11. Einen deutschen Termin habe ich noch nicht herausfinden können, nehme aber an, dass der Film auch in Deutschland laufen wird, weil er hochkarätig besetzt ist und die Premiere wohl bei Kritikern und Publikum insgesamt recht gut ankam.
Hier in Botswana sieht man dem Kinostart natürlich gespannt entgegen, der bereits 1980 verstorbene Sir Seretse Khama hat schließlich die Unabhängigkeit Botswanas mit möglich gemacht und das Land als erster botswanischer Präsident weise regiert und auf einen guten Weg gebracht. Die Liebesgeschichte zwischen ihm und seiner Frau gehört so quasi zur Gründungsgeschichte der unabhängigen Republik Botswana. In den sozialen Netzwerken werden allerdings auch Stimmen laut, die bemängeln, dass in dem Film kaum Botswaner mitspielen würden und hier auch nur ein kleiner Teil gedreht worden wäre - der aber immerhin in Serowe, von wo Seretse Khama tatsächlich stammte. Schön fand ich auch den Kommentar einer Botswanerin, sie hätte es viel besser gefunden, wenn die Hauptrollen von Denzel Washington und Jodie Foster gespielt worden wären - beides auf jeden Fall hervorragende Schauspieler, aber da Jodie Foster inzwischen fast Mitte 50 und Denzel Washington schon Anfang 60 ist, wäre es vielleicht doch etwas seltsam gewesen, wenn sie die jungen Liebenden verkörpert hätten ...
Richtig hoch gekocht sind die Emotionen, als im Zuge der Unabhängigkeitsfeiern schon eine Preview des Films in einem Gaboroner Kino stattfand. Das Kino verkündete auf facebook, dass es auch einige Karten im freien Verkauf gäbe und die zahlenden Gäste ebenfalls Zugang zur VIP-Lounge hätten. Für Einzelpersonen sollte der Spaß 1.500 BWP kosten, für Paare 2.500 BWP - umgerechnet sind das 127,- € und 212,- €. Das ist schon in Deutschland viel Geld, in Botswana stellt es für viele aber einen nicht unbeträchtlichen Teil des monatlichen Einkommens dar. Dementsprechend brach ein richtiger Shitstorm auf der facebookseite des Kinos aus, die Leute machten sich lustig, wiesen daraufhin, dass das ein Film für die Botswaner sein sollte und nicht nur für reiche Leute bzw. "Europeans only". Der Kinobetreiber ergänzte irgendwann verschüchtert, dass die Erlöse an die Lady Ruth Khama Stiftung gehen würden, aber geholfen hat ihm das auch nicht mehr.
Inzwischen ist die Premiere über die Bühne gegangen - wie viele Leute da waren, lässt sich den Fotos nicht entnehmen, aber wer das Geld ausgegeben hat, hatte immerhin die Gelegenheit, Botswanas Präsidenten Ian Khama live zu sehen. Das (selbstverständlich demokratisch gewählte) Staatsoberhaupt ist übrigens ein Sohn von Seretse und Ruth Khama. Das Hollywood Happy-End gab's also auch im wahren Leben - auf gleich mehreren Ebenen.
Dienstag, 26. Juli 2016
Inspektor Nilpferd ermittelt - demnächst bei der Post?
Literarisch wird mit Botswana meist Mma Ramotswe verbunden, die die erste Frauen-Detektei in Botswana eröffnet. Wir hatten die Internet-Kataloge selbst schon nach weiterer lesenswerter Belletristik aus bzw. über Botswana abgesucht, leider ohne nennenswerte Erfolge. Umso überraschter waren wir, als ich von meinen Eschborner Kollegen zum Abschied den ersten Band einer weiteren Krimi-Serie geschenkt bekam, die in Botswana spielt: Michael Stanley (hinter dem sich das Autorenteam Michael Sears und Stanley Trollip verbergen) geben mit ihrem Buch "A Carrion Death" einen ganz anderen Einblick in Botswana:
Inspektor Kubu (sein Spitzname bedeutet Nilpferd auf Setswana und beschreibt neben seinem Äußeren auch seinen Charakter: ausdauernd, tödlich) arbeitet bei der Kriminalpolizei in Gaborone in einem Büro direkt am Kgale Hill - und der Fall, den er zu lösen hat, ist ein verstümmelter und nicht identifizierbarer Leichnam, der in der Wüste gefunden wird, als bereits Tiere daran knabbern. Schnell stellt sich heraus, dass der Leichnam umgebracht wurde - und es bleibt nicht bei dieser einen Leiche: Es ergeben sich Verstrickungen bis in höchste politische Kreise Botswanas, Botswanas mächtigste Firma ist beteiligt (die fiktive Botswana Cattle and Mining Company) und damit auch die hohe Politik.
Anders als in den Büchern über Mma Ramotswe geht es hier um "härtere" Themen - Mord, Erpressung, Korruption, Diamanten, viel Geld. Die Stimmung ist dunkler, das "schöne Botswana" kommt noch am ehesten über die freundliche Beschreibung und Vorgehensweise des Helden, Inspektor Kubu, heraus.
Für Botswana-Besucher eine klare Leseempfehlung - als schöne Ergänzung zu den Büchern über Mma Ramotswe! Ich habe jedenfalls festgestellt, dass es bereits mehrere Bücher über Inspektor Kubu gibt, das nächste ist bereits bestellt.
Der Blog-Eintrag war soweit schon geschrieben, da erhielt ich bei der Arbeit eine Benachrichtigung, dass ein Päckchen für uns eingegangen sei: abholbar bei einer Poststation am anderen Ende der Stadt, nach Zahlung von knapp 10 Euro Mehrwertsteuer (dankenswerter Weise keine Zollgebühren). Wir rechneten mit einem angekündigten Päckchen, das im Mai losgeschickt wurde. Als wir am Samstag dann zur Post fuhren und ein anderes kleines Päckchen abholten, war die Überraschung groß: Innenliegend war das Buch "Kubu und der Tote in der Wüste" von Michael Stanley, auf Deutsch veröffentlicht im Eichborn Verlag (!). Das Buch stand wohl jahrelang in Wallis altem Büro, zufällig hatten ihren lieben Kolleginnen es jetzt wiederentdeckt und ihr dann prompt geschickt. An das Cover konnte Walli sich sogar erinnern. Welch freudige Überraschung!
P.S.: Aus unserer derzeitigen Post-Erfahrung lernend: Wir freuen uns weiterhin über jeden Brief und jede Postkarte! Mit Päckchen haben wir leider bisher keine guten Erfahrungen gemacht: Entweder kamen sie noch nicht an oder wir mussten ordentlich nachzahlen... Vielleicht sollte Inspektor Kubu dort mal ermitteln!
Inspektor Kubu (sein Spitzname bedeutet Nilpferd auf Setswana und beschreibt neben seinem Äußeren auch seinen Charakter: ausdauernd, tödlich) arbeitet bei der Kriminalpolizei in Gaborone in einem Büro direkt am Kgale Hill - und der Fall, den er zu lösen hat, ist ein verstümmelter und nicht identifizierbarer Leichnam, der in der Wüste gefunden wird, als bereits Tiere daran knabbern. Schnell stellt sich heraus, dass der Leichnam umgebracht wurde - und es bleibt nicht bei dieser einen Leiche: Es ergeben sich Verstrickungen bis in höchste politische Kreise Botswanas, Botswanas mächtigste Firma ist beteiligt (die fiktive Botswana Cattle and Mining Company) und damit auch die hohe Politik.
Anders als in den Büchern über Mma Ramotswe geht es hier um "härtere" Themen - Mord, Erpressung, Korruption, Diamanten, viel Geld. Die Stimmung ist dunkler, das "schöne Botswana" kommt noch am ehesten über die freundliche Beschreibung und Vorgehensweise des Helden, Inspektor Kubu, heraus.
Für Botswana-Besucher eine klare Leseempfehlung - als schöne Ergänzung zu den Büchern über Mma Ramotswe! Ich habe jedenfalls festgestellt, dass es bereits mehrere Bücher über Inspektor Kubu gibt, das nächste ist bereits bestellt.
Der Blog-Eintrag war soweit schon geschrieben, da erhielt ich bei der Arbeit eine Benachrichtigung, dass ein Päckchen für uns eingegangen sei: abholbar bei einer Poststation am anderen Ende der Stadt, nach Zahlung von knapp 10 Euro Mehrwertsteuer (dankenswerter Weise keine Zollgebühren). Wir rechneten mit einem angekündigten Päckchen, das im Mai losgeschickt wurde. Als wir am Samstag dann zur Post fuhren und ein anderes kleines Päckchen abholten, war die Überraschung groß: Innenliegend war das Buch "Kubu und der Tote in der Wüste" von Michael Stanley, auf Deutsch veröffentlicht im Eichborn Verlag (!). Das Buch stand wohl jahrelang in Wallis altem Büro, zufällig hatten ihren lieben Kolleginnen es jetzt wiederentdeckt und ihr dann prompt geschickt. An das Cover konnte Walli sich sogar erinnern. Welch freudige Überraschung!
P.S.: Aus unserer derzeitigen Post-Erfahrung lernend: Wir freuen uns weiterhin über jeden Brief und jede Postkarte! Mit Päckchen haben wir leider bisher keine guten Erfahrungen gemacht: Entweder kamen sie noch nicht an oder wir mussten ordentlich nachzahlen... Vielleicht sollte Inspektor Kubu dort mal ermitteln!
Mittwoch, 13. Juli 2016
Nur Futter rennt!
Während unseres Ausflugs nach Madikwe bin ich auf ein literarisches Genre gestoßen, dass ich so noch gar nicht kannte: Safari-Berichte! Sieht man in deutschen Buchhandlungen eher selten, würde ich behaupten ... im Buchregal unserer Lodge standen dagegen gleich zwei Bücher, von denen mich der Klappentext des einen so gefesselt hatte, dass ich es am liebsten mitnehmen wollte. Stattdessen habe ich es mir dann hier in Gaborone brav auf meinen ebook-reader runtergeladen.
Der Autor von "Don't run, whatever you do" heißt Peter Allison und ist ein Australier, der sich in den 90ern im Alter von 19 Jahren nach Südafrika aufgemacht hat und dort in einem Safari Camp hängenblieb, als ihm das Geld ausging - erst als Barmann, aber er hat sich dann nach und nach zum Safari Guide ausbilden lassen und schließlich mehrere Jahre in verschiendenen Lodges im Okavango Delta in Botswana gearbeitet. Inzwischen hat er drei Bücher geschrieben, ich habe das erste gelesen und fand es sehr amüsant. Er erzählt mit viel Selbtsironie von seinen Erlebnissen und Erfahrungen im Busch. Mein englischer Wortschatz zu afrikanischen Tieren hat sich durch die Lektüre nochmal vergrößert und gleichzeitig habe ich viel Neues erfahren. So ist der honey badger zum Beispiel der Honigdachs. Philip und ich haben beide noch keinen gesehen (dabei ist er - abgesehen von den nördlichsten Ländern - in ganz Afrika zu finden) und er wirkt auch erst einmal eher unscheinbar, ist aber eines von nur vier Tieren, mit denen sich Löwen lieber nicht anlegen. Der Honigdachs hat nämlich zwei sehr wirkungsvolle Verteidigungsstrategien: Zum einen verspüht er ein anscheinend extrem übelriechendes Analsekret, wenn er sich bedroht fühlt (laut Allison stellt er damit jedes Stinktier in den Schatten), zum anderen hat er wohl lange Klauen, die er sehr effektiv auch gegen größere Tiere einsetzt. Falls junge, unerfahrene Löwen oder Leoparden ihn tatsächlich angreifen, schlägt der wohl sehr bewegliche Honigdachs diese zielsicher in die Genitalien seiner Angreifer, was jeden Feind, der nicht schnell genug geflüchtet ist, verbluten lässt. Er ist also ein kleines, aber recht wehrhaftes Kerlchen, das man nicht unbedingt versuchen sollte zu streicheln ...
Der Titel des Buches zitiert übrigens die Wildnis-Regel Nummer eins: Was auch immer man tut, wenn man einem Raubtier gegenübersteht: Wegrennen ist das Verkehrteste. Abgesehen davon, dass jedes Raubtier schneller ist als der Mensch, weiß es: Nur Futter rennt ... und als das möchte man ja gerade nicht gesehen werden.
Ich will mein neuerworbenes Wissen zwar nicht unbedingt beim nächsten (geführten, die sind ja immer geführt) Bush Walk einsetzen müssen, aber spannend zu lesen war es schon. Und natürlich ist es auch mal schön, die Perspektive eines Safari Guides, der täglich Pirschfahrten mit Touristen macht, zu erleben. Und der natürlich auch amüsante Anekdoten über seine verschiedenen Gäste zu berichten weiß. Ich habe mich beim Lesen sehr gut amüsiert.
Der Autor von "Don't run, whatever you do" heißt Peter Allison und ist ein Australier, der sich in den 90ern im Alter von 19 Jahren nach Südafrika aufgemacht hat und dort in einem Safari Camp hängenblieb, als ihm das Geld ausging - erst als Barmann, aber er hat sich dann nach und nach zum Safari Guide ausbilden lassen und schließlich mehrere Jahre in verschiendenen Lodges im Okavango Delta in Botswana gearbeitet. Inzwischen hat er drei Bücher geschrieben, ich habe das erste gelesen und fand es sehr amüsant. Er erzählt mit viel Selbtsironie von seinen Erlebnissen und Erfahrungen im Busch. Mein englischer Wortschatz zu afrikanischen Tieren hat sich durch die Lektüre nochmal vergrößert und gleichzeitig habe ich viel Neues erfahren. So ist der honey badger zum Beispiel der Honigdachs. Philip und ich haben beide noch keinen gesehen (dabei ist er - abgesehen von den nördlichsten Ländern - in ganz Afrika zu finden) und er wirkt auch erst einmal eher unscheinbar, ist aber eines von nur vier Tieren, mit denen sich Löwen lieber nicht anlegen. Der Honigdachs hat nämlich zwei sehr wirkungsvolle Verteidigungsstrategien: Zum einen verspüht er ein anscheinend extrem übelriechendes Analsekret, wenn er sich bedroht fühlt (laut Allison stellt er damit jedes Stinktier in den Schatten), zum anderen hat er wohl lange Klauen, die er sehr effektiv auch gegen größere Tiere einsetzt. Falls junge, unerfahrene Löwen oder Leoparden ihn tatsächlich angreifen, schlägt der wohl sehr bewegliche Honigdachs diese zielsicher in die Genitalien seiner Angreifer, was jeden Feind, der nicht schnell genug geflüchtet ist, verbluten lässt. Er ist also ein kleines, aber recht wehrhaftes Kerlchen, das man nicht unbedingt versuchen sollte zu streicheln ...
Der Titel des Buches zitiert übrigens die Wildnis-Regel Nummer eins: Was auch immer man tut, wenn man einem Raubtier gegenübersteht: Wegrennen ist das Verkehrteste. Abgesehen davon, dass jedes Raubtier schneller ist als der Mensch, weiß es: Nur Futter rennt ... und als das möchte man ja gerade nicht gesehen werden.
Ich will mein neuerworbenes Wissen zwar nicht unbedingt beim nächsten (geführten, die sind ja immer geführt) Bush Walk einsetzen müssen, aber spannend zu lesen war es schon. Und natürlich ist es auch mal schön, die Perspektive eines Safari Guides, der täglich Pirschfahrten mit Touristen macht, zu erleben. Und der natürlich auch amüsante Anekdoten über seine verschiedenen Gäste zu berichten weiß. Ich habe mich beim Lesen sehr gut amüsiert.
Sonntag, 10. Juli 2016
Schau' mir in die Augen, Großer!
Botswana ist ein Rinderzüchterland. Das wird - nicht nur, aber sehr schön - in den fiktiven Büchern über Mma Ramotswe, die die erste Detektei Botswanas eröffnet, dargestellt. Eine Rinderherde zu besitzen gilt in Botswana z.B. als gute Altersvorsorge. Das Rinderfleisch hier ist wirklich exzellent - und sehr günstig (als Vegetarier hat man es hier nicht leicht - man muss halt ein bisschen Verständnis für das Fleisch in der Gemüsesuppe aufbringen können).
Letzte Woche habe ich zufällig einen Zeitungsartikel im Internet entdeckt. Demnach haben Forscher in Botswana ausprobiert, Rindern ein Augenpaar auf den Allerwertesten zu stempeln. Damit sollen Löwen abgeschreckt werden - und offenbar hat es auch funktioniert. In einer Rinderherde hat man 2/3 der Tiere mit dem Augenpaar gestempelt, 1/3 nicht gestempelt. Nach einiger Zeit hat man festgestellt, dass aus der Gruppe mit den Augenstempeln alle Tiere überlebt haben, während von der Gruppe ohne Augenstempel 3 Tiere durch Löwen gestorben waren.
Die Hypothese hinter dem Versuch ist wohl, dass Löwen zwar schnell sind, aber aufgrund ihrer massigen Körper nur auf kurze Distanz ihre Geschwindigkeit halten können. Daher schleichen sie sich gerne von hinten an ihre Beute heran. Wenn sie nun aber denken, dass ihre Beute sie entdeckt hat und damit potenziell gleich wegrennt, dann brechen sie ihren Angriff ab, da ihre Erfolgsaussichten sinken. Nachdem der erste Feldversuch mit den Augenstempeln in Botswana wohl Erfolg gehabt hat, soll er nun ausgeweitet werden.
Mal schauen, wann wir die ersten Kühe mit Augen auf dem Hinterteil entdecken...
Letzte Woche habe ich zufällig einen Zeitungsartikel im Internet entdeckt. Demnach haben Forscher in Botswana ausprobiert, Rindern ein Augenpaar auf den Allerwertesten zu stempeln. Damit sollen Löwen abgeschreckt werden - und offenbar hat es auch funktioniert. In einer Rinderherde hat man 2/3 der Tiere mit dem Augenpaar gestempelt, 1/3 nicht gestempelt. Nach einiger Zeit hat man festgestellt, dass aus der Gruppe mit den Augenstempeln alle Tiere überlebt haben, während von der Gruppe ohne Augenstempel 3 Tiere durch Löwen gestorben waren.
Die Hypothese hinter dem Versuch ist wohl, dass Löwen zwar schnell sind, aber aufgrund ihrer massigen Körper nur auf kurze Distanz ihre Geschwindigkeit halten können. Daher schleichen sie sich gerne von hinten an ihre Beute heran. Wenn sie nun aber denken, dass ihre Beute sie entdeckt hat und damit potenziell gleich wegrennt, dann brechen sie ihren Angriff ab, da ihre Erfolgsaussichten sinken. Nachdem der erste Feldversuch mit den Augenstempeln in Botswana wohl Erfolg gehabt hat, soll er nun ausgeweitet werden.
Mal schauen, wann wir die ersten Kühe mit Augen auf dem Hinterteil entdecken...
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