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Samstag, 22. September 2018

Ein Koffer voller Klopapier

Naturgemäß muss man im Ausland auf einige Produkte aus der Heimat verzichten. Es ist ja allgemein bekannt, dass Deutsche oft die heimische Brotauswahl vermissen, manche sehnen sich auch nach deutschem Bier. Auch Philip und ich kaufen immer eine ganze Reihe von Dingen ein, die wir in Botwana entweder gar nicht oder nur sehr viel teurer bekommen. Meine Gesichtscreme von Nivea gibt es hier zum Beispiel in den meisten Supermärkten, sie kostet aber fast das Doppelte. Bei Shampoo und Conditioner verhält es sich so ähnlich, von Zahnpasta oder Haarfärbemittel will ich gar nicht erst anfangen. Zu meinen Deutschland-Besuchen gehört daher immer ein ausgiebiger dm- oder Rossmann-Einkauf.

Für Außenstehende mögen unsere Einkäufe mitunter seltsam aussehen. Am dritten Tag meines Aufenthaltes kaufte ich zwei Packungen Ameisengift, dreimal zartbitteren Schokoguss und 34 Rollen Klopapier. Klopapier gibt es natürlich auch in Botswana (Ameisengift übrigens auch, aber ich wollte mal was anderes testen - vielleicht gelingt es mir mit fremdländischem Gift eher, die botswanischen Ameisen in unserer Küche zu überraschen und auszurotten ...). Meine Mutter hat einst festgestellt, dass sogar im ganzen Land vornehmlich eine Sorte verwendet wird: Die, auf der kleine Hündchen eingestanzt sind. Optisch ist gegen das Klopapier nichts zu sagen, aber es ist nur zweilagig. (Wird in Deutschland überhaupt zweilagiges Toilettenpapier verkauft? Ich glaube nicht.) Zwei Lagen sind nicht viel. Man gewöhnt sich zwar dran, aber drei sind schöner. Glaubt mir einfach.

Man kann auch mit zweilagigem Klopapier auskommen, aber Philip und ich hatten in einem unserer Koffer sehr viel Platz. Wir waren nämlich mit drei Koffern nach Deutschland gereist, wobei der dritte in erster Linie unsere Winterklamotten enthielt. Da nicht davon auszugehen ist, dass wir im nächsten botswanischen Winter (der im Mai beginnen wird) noch hier sind, haben wir schon einmal einen Teil unserer warmen Sachen zurück nach Deutschland geschafft. Den Koffer wollten wir aber gerne wieder mitnehmen. Einen leeren oder fast leeren Koffer im Flugzeug zu transportieren, ist allerdings nicht ratsam, der ist instabil und kann leicht kaputtgehen. Und so kam Philip auf die Idee, unsere hiesige Klopapier-Situation zu verbessern.

Ein paar schwere Teile kamen auch noch in den Klopapier-Koffer. Zum Beispiel Ersatzteile für unseren Schluckspecht (zu den jüngsten Reparatur-Erfahrungen siehe Teil 1 und Teil 2), die mir die Volvo-Werkstatt in Euskirchen innerhalb eines halben Tages bestellte. Nachdem ich anfangs noch souverän aufgetreten war ("ich habe einen XC90, der steht allerdings in Afrika"), verlor ich angesichts dieser sensationell kurzen Lieferzeit doch meine Coolness. Mein Vater meinte, er hätte mich schon lange nicht mehr so glücklich gesehen.

Und so sind Philip und ich nach einem kurzen, aber erfüllten Deutschland-Aufenthalt am letzten Samstag wieder zurück nach Gaborone geflogen - unter anderem mit einem Koffer voller Klopapier. Ich war ganz dankbar, dass Philip diesen dabei hatte (wir flogen zwar am gleichen Abend, aber in getrennten Flugzeugen). Hier kann es ja immer passieren, dass man mit dem Zoll über den Inhalt seines Koffers diskutieren muss und dass wir jetzt neben dem üblichen Brot, Käse und Drogeriekram auch Klopapier und Autoersatzteile mit uns mitschleppten, hätte sicher Fragen aufgeworfen. Aber der Zoll verschonte uns. Vermutlich sind wir jetzt der Haushalt mit der größten Klopapier-Auswahl Botswanas!

Montag, 23. Juli 2018

Der Bank-run

Eine Alltagsfrage, die uns monatlich beschäftigt, ist wie wir das Geld für unsere Miete zusammenkratzen. Das liegt nicht (nur) daran, dass wir hier gelegentlich Ausflüge / Urlaube machen. Ich bekomme mein Gehalt in Deutschland auf mein deutsches Konto; die Miete, das Fitnessstudio, die Gartenabfallentsorgung etc. wollen aber in Pula gezahlt werden. Dafür eröffnete ich bereits zu Beginn unserer Zeit hier ein Bankkonto. Das kostet umgerechnet ca. 22,60 EUR "Managementgebühr" pro Monat, Überweisungsgebühren noch nicht eingerechnet.
 
Um Teile meines Gehalts nach Botswana zu bekommen, könnte ich gelegentlich Geld von unserem deutschen Konto hierher überweisen. Das macht allerdings wenig Spaß. Zunächst muss ich ein Formular der deutschen Bank ausfüllen (online geht eine solche Überweisung nicht), dieses an die Bank mailen und dann dauert es ca. eine Woche, bis das Geld auf dem botswanischen Konto ist. Die Überweisungskosten betragen ca. 24 EUR pro Überweisung, außerdem gibt es einen unverschämt schlechten Wechselkurs; es heißt, dass das Geld von Euro zunächst in südafrikanische Rand umgerechnet wird, dann in botswanische Pula - jeweils mit Marge für die Bank. 
Mir war schnell klar, dass ich das möglichst nicht regelmäßig machen möchte. Immerhin: Im Alltag ist das Bezahlen in Botswana stärker digitalisiert als in Deutschland, auch kleine Beträge werden hier selbstverständlich mit Kreditkarte abgerechnet. (Auf einem Markt in Südafrika konnte man sogar gleich per App bezahlt, das hatten wir in Deutschland vor unserer Ausreise so auch noch nicht gesehen.) Dank der günstigen deutschen Bank zahlen wir auch kein Auslandseinsatzentgelt, wenn wir unsere Kreditkarten hier nutzen. Und so brauchen wir Bargeld fast nur für Trinkgelder, um Sam und Patricia monatlich zu bezahlen und für die Gartenwasserbestellung.

Um Geld auf unser botswanisches Konto zu schaufeln, heben wir Geld am Geldautomaten ab und zahlen es anschließend in unserer hiesigen Hausbank ein. Das war bis vor ein paar Monaten relativ einfach, wir wussten, dass der Geldautomat unserer Bank vergleichsweise hohe Beträge ausspuckte, so dass wir vor dem Gebäude abheben und dann ins Gebäude zur Einzahlung gehen konnten. Zu berücksichtigen war (und ist) nur, dass vor fast allen Geldautomaten in Gaborone um den Monatswechsel (also nach dem "pay day") lange Schlangen sind, wenn sich viele Angestellte ihr Gehalt (teilweise) auszahlen lassen wollen. So machen wir unseren "Bank-run" meist schon Mitte des Monats, an einem Samstagmorgen. 
Mittlerweile schlägt unsere Bank - wie zunehmend auch andere Banken - jedoch auf Abhebungen mit Kreditkarten anderer Banken eigene Gebühren drauf, die wir gerne vermeiden würden. Wir suchen uns nun also Geldautomaten, bei denen keine Gebühren aufgeschlagen werden - diese geben leider jedoch nicht so viel auf einmal aus bzw. in kleineren Stückelungen. Wenn wir jetzt also wissen, dass wir samstags unseren bank-run machen wollen, beginnen wir häufig schon unter der Woche, Geld abzuheben. 
Am Samstagmorgen wird dann zu Hause das Geld sortiert und gezählt - und für einen Moment können wir uns dann ein wenig wie Dagobert Duck fühlen. Der größte Geldschein in Botswana hat einen Wert von 200 Pula, das sind derzeitig ca. 16,60 EUR. Oft spucken die Automaten auch noch kleinere Scheine aus - wenn wir das Geld für die Miete etc. abheben müssen, kommen also eine ganze Menge Geldscheine zusammen ...


Meine gefühlte Sicherheitslage sieht dann doch so aus, dass ich mich jedes Mal erleichtert fühle, wenn das Geld endlich auf dem hiesigen Konto eingezahlt ist. Vielleicht sollten wir doch einmal überlegen, ob es das ganze Gebühren-Vermeiden wert ist, dass wir einmal monatlich samstagmorgens unseren Bank-run machen. 

Dienstag, 12. Juni 2018

Wenn die Klimaanlage heizen muss

Es ist Winter. Und da Gaborone nicht in den Tropen liegt, wird es hier kalt. Es gibt Leute, die sagen, dass sie noch nie so gefroren haben wie in Afrika.
Wenn die Sonne untergegangen ist, wird es derzeit ca. 6 bis 8°C. Da unser Haus - wie die meisten Häuser hier - nicht isoliert ist, haben wir innen dann leider auch keine T-Shirt Temperaturen mehr. Stattdessen haben nun die Wochen begonnen, in denen wir uns abends nicht mehr ins Wohnzimmer setzen (wollen). Unser Wohnzimmer hat eine recht große Fläche und hohe Decken, es lässt sich so kaum heizen - daher hat es auch keine Heizung, nur einen großen offenen Kamin, der jedoch den Raum auch nicht ausreichend wärmt. So ziehen wir uns nun häufig in ein anderes Zimmer zurück, in dem eine Klimaanlage eingebaut ist. Die können wir nämlich auch so einstellen, dass sie heizt.
Im Schlafzimmer haben wir auch eine solche Klimaanlage, sie ist jedoch etwas eigenwillig und laut - bisher haben wir sie noch nicht über Nacht laufen lassen, die Bettdecke wärmt ja. Mittlerweile haben wir zusätzlich zur Bettdecke auch zwei Wärmflaschen. Die, so finden wir, sind auch wirklich nötig.
Immerhin wird es tagsüber noch über 20°C warm, und bei Sonnenschein und in der Regel wolkenlos blauem Himmel lässt sich der Winter dann wieder kurzzeitig vergessen. Für hiesige Verhältnisse ist es zwar so kühl, dass die Batswana gerne mit dicken Jacken und Wollmützen herumlaufen, aber wir wollen uns da nicht zu sehr beschweren.
Es ist der dritte Winter, den wir hier mitbekommen. Aus unserem ersten Winter hier haben wir glücklicherweise schon etwas Übung (und Wärmflaschen); letztes Jahr waren wir im Juli eine Zeit lang in Deutschland und in den restlichen Winterwochen hier war es nicht allzu kalt. Dieses Jahr scheint uns nun noch einmal das große Bibbern bevorzustehen; ab Mitte August haben wir evtl. Chancen, dass es wieder etwas wärmer wird. Dann können wir auch die Klimaanlage wieder auf "kühlen" stellen.

Freitag, 1. Juni 2018

Ich staue mich so durch

Seit Januar hat mein Projekt ja ein neues Büro. Es ist - das war absehbar - leider nicht mehr ganz so nah an unserem Heim gelegen wie das vorherige Büro, das weniger als 2 km entfernt lag. Ca. 8 km einfache Strecke bei kürzestem Weg ist die Entfernung, nicht unbedingt wild, ohne Verkehr in 15 Minuten zu fahren. Nur leider sind zu den Zeiten, zu denen ich unterwegs bin, noch ein bis drei andere Autos auf der Straße. Morgens brauche ich in der Regel ca. 25 Minuten. Abends ist es gefühlt in den letzten Wochen deutlich schlimmer geworden mit dem Verkehr. Ich staute mich kürzlich schon mal eine Stunde bis nach Hause, häufiger mal 45 Minuten. Eine Ausfallstraße, die nicht weit von unserem Haus entfernt liegt und abends recht befahren sein kann, ist derzeit eine Großbaustelle. Obwohl ich diese Straße gar nicht unbedingt nehmen muss, gibt es häufig einen Rückstau in den Kreisverkehr, den ich durchfahren muss.

Und während ich so an verschiedenen Stellen im Stau stehe, habe ich schön Zeit, mich über andere Vekehrsteilnehmer aufzuregen. Besonders beliebt bei mir sind die Minibusfahrer (quasi als Sammeltaxen unterwegs). Sie überholen bevorzugt die lange Schlange auf dem Standstreifen, um dann vorne von allzu gnädigen Autofahrern wieder problemlos in die Schlange reingelassen zu werden. Interessant finde ich auch das zweispurige Abbiegen auf einer Spur, das quasi alle hier praktizieren. Kommen so alle insgesamt schneller voran? Spurwechsel im zweispurigen Kreisverkehr sind natürlich auch beliebt, kommen glücklicherweise aber nicht ganz so häufig vor. So wundert es mich nicht, dass die Zahl der Verkehrstoten in Botswana deutlich höher liegt als in Deutschland.

Könnte ich meine Arbeitszeit stärker an die Verkehrslage anpassen? Die GIZ würde mir einerseits sicherlich die Flexibilität geben (gerade wurde eine neue Betriebsvereinbarung geschlossen, die eine noch stärkere Flexibilisierung der Arbeitszeiten als ohnehin schon erlauben wird). Gleichzeitig gibt es in meinem Team schon einigermaßen geregelte Arbeitszeiten - an die ich mich als Chef dann wohl auch halbwegs halten sollte, Vorbildfunktion und so.

So freue ich mich derzeit doch darauf, dass der nächste Büro-Umzug bereits angekündigt ist. Wir wussten immer, dass unser derzeitiges Büro nur eine Übergangslösung sein würde. Und das neue Büro sollte verkehrstechnisch etwas günstiger für mich liegen - auch wenn ich den oben genannten Kreisverkehr weiterhin durchqueren muss.

Sonntag, 15. Oktober 2017

Navigation in Gaborone

Wie findet man in Gaborone eigentlich zu seinem Ziel?
Nun, in meinen ersten Wochen habe ich - neben dem Befragen von Kollegen - häufig das Navigationssystem auf meinem Handy verwendet. Glücklicherweise ist Gaborone nicht sooo riesig, so dass man sich nach ein paar Wochen halbwegs gut orientieren kann. Meist fahren wir auf einer von drei parallelen Hauptstraßen, von der dann andere Straßen abzweigen. Ab da wird es dann jedoch knifflig.
Es gibt zwar Straßennamen, diese existieren jedoch offenbar noch nicht allzu lange. Letzte Woche erzählte mir eine Kollegin, die seit 2009 hier ist, dass es zur Zeit ihrer Ankunft noch keine gab - und dementsprechend hat sie gelernt, sich anders zu orientieren, eben so, wie jeder Batswana: Über "Landmarks", also bekannte oder auffällige Gebäude, Bäume o.ä.
Wenn wir jemandem beschreiben wollen, wo wir wohnen, sagen wir z.B. "Wenn Du von Game City nach Kgale Manor fährst, nimmst Du die zweite Straße auf der linken Seite, dort ist es das erste Haus auf der rechten Seite: grünes Tor, grünes Dach". Wenn wir sagen würden, dass wir in der Straße "Duo Close" wohnen, würden wir nur komisch angeschaut, denn dieser Straßennamen ist schlicht nicht bekannt.
Interessant wird diese Art der Navigation dann, wenn das Landmark, auf das man sich bezieht, nicht mehr existiert. Aber jeder weiß natürlich, wo es mal stand. Dann bekommt man z.B. gesagt "Fahre rechts am Nokia Haus, dann..." - obwohl in dem Haus schon längst nicht mehr Nokia sitzt.
Unser Haus hat die Grundstücksnummer ("plot") 51459. Jedes Grundstück in ganz Gaborone hat eine solche Nummer, auch darüber könnte man theoretisch navigieren - wenn man die Logik dahinter kennen würde. Es soll vor einigen Jahren wohl mal Stadtpläne gegeben haben, auf denen alle plots mit Nummerierung eingezeichnet waren - diese Karte ist jedoch längst vergriffen. Angeblich haben sehr gute Taxifahrer ein solches Verzeichnis, allerdings ist mir noch kein solcher Taxifahrer untergekommen.
Zur Navigation nutze ich in der Regel die Straßennamen und suche diese bei Google Maps. Ist meine Verwendung von Straßennamen in Gaborone somit neumodisch? Dann wäre ich ja voll der Trendsetter ...

Samstag, 23. September 2017

Wählen unter erschwerten Bedingungen

Auch nach eineinhalb Jahren Gaborone gibt es immer wieder "erste Male". Vor Kurzem war "das erste Mal im Ausland wählen" dran, was sich doch etwas komplizierter gestaltet, wenn man keinen Wohnsitz mehr in Deutschland hat - und dafür in einem Land lebt, in dem das Postsystem bestenfalls so lala funktioniert.

Als Auslandsdeutsche ohne deutsche Adresse mussten Philip und ich erst einmal einen Antrag auf Eintrag ins Wählerverzeichnis stellen, denn automatisch erhalten wir nun keine Wahlberechtigung mehr. Die Deutsche Botschaft Gaborone schickte die nötigen Informationen zum Wählen im Ausland bereits im April in einer Rundmail an hier lebende und beim Auswärtigen Amt registrierte Deutsche. Man konnte sie sich natürlich auch im Internet runterladen, aber zu diesem frühen Zeitpunkt hätten wir von alleine noch gar nicht unbedingt an die Bundestagswahl gedacht.

Sofern man noch nicht länger als 25 Jahre ununterbrochen im Ausland lebt, kann man sich wieder in das Wählerverzeichnis eintragen lassen. Der Antrag dazu beinhaltete allein ein zweiseitiges Merkblatt mit Erläuterungen und wir mussten alle Erklärungen "an Eides statt" abgeben. Eingereicht werden konnte er natürlich nicht per E-Mail, weswegen wir unsere Anträge dem nächsten von Philips Kollegen mitgaben, der auf Dienstreise nach Deutschland reiste. Und dann hieß es warten. Wir hätten uns die Briefwahlunterlagen direkt nach Gaborone schicken lassen können, allerdings ist ja mehr als fraglich, wann sie hier ankommen. Eine Kollegin von Philip hat es darauf ankommen lassen und ihre immerhin am 15.09. erhalten; wir ließen unsere zu meinen Eltern schicken, wo sie bereits am 17.08. eintrafen. Philips Chef, der Ende August in Deutschland war, brachte sie uns nach Botswana mit, und Philips Mutter konnten wir wiederum die ausgefüllten Briefwahlunterlagen nach Deutschland mitgeben. Es klappte zeitlich auch gerade noch so, dass sie die Unterlagen von Philips Kollegin mitnahm, denn nachdem diese erst neun Tage vor der Wahl hier ankamen, wäre eine Rücksendung mit der botswanischen Post utopisch gewesen. Als einziger Ausweg wäre DHL geblieben, aber das kostet dann halt gleich über 20,- € für so einen Brief ...


Ich hätte ja gedacht, dass die Deutsche Botschaft sich irgendwie engagiert, um Auslandsdeutschen das Wählen zu erleichtern - dass man zum Beispiel seine Wahlunterlagen bis zu einem Stichtag da abgeben kann und sie dann gesammelt nach Deutschland geschickt werden - aber dem ist nicht so, was ich etwas schade finde, denn so erfordert die Briefwahl schon einiges an Planung, die vermutlich nicht alle hier lebenden Wahlberechtigten mitmachen.
Man wird als Auslandsdeutscher übrigens - nach bewilligtem Antrag - in das Wahlregister seines letzten deutschen Wohnsitzes eingetragen. Philip und ich konnten damit wieder im gewohnten Frankfurter Wahlkreis wählen. Da kamen Heimatgefühle auf!

Wir sind also schon durch mit der Bundestagswahl und gespannt auf das Ergebnis. Worauf wir auf jeden Fall hoffen: Eine hohe Beteiligung! Dieser Tage wird ja der Kabarettist Hagen Rether viel zitiert: "Wählen ist wie Zähneputzen: Wenn Du's nicht machst, wird's braun." Oder wie eine Freundin mir sinngemäß schrieb: Zu unserer Demokratie gehört zwar auch, auf das Wahlrecht verzichten zu dürfen. Aber das Ergebnis der AfD wird stärker ausfallen, wenn die Wahlbeteiligung gering ist, denn die AfD schafft es, ihre Anhänger zu mobilisieren.
Deswegen kann ich die Empfehlung meiner Freundin nur wiederholen (und sende an dieser Stelle viele Grüße nach Wiesbaden!): Lieber wählen - es sei denn, Ihr habt die AfD ins Auge gefasst ;-)

Mittwoch, 6. September 2017

Typisch deutsch

Gerade habe ich die Begriffe "deutsch" und "Pünktlichkeit" zusammen gegoogelt, um zu erfahren, warum wir Deutschen eigentlich generell als pünktlich gelten. Eine Antwort habe ich nicht gefunden, dafür aber erfrischende Volksmund-Weisheiten wie "Fünf Minuten vor der Zeit ist des Deutschen Pünktlichkeit". Und den Hinweis, dass natürlich längst nicht alle Deutschen immer pünktlich wären. Sich aber 85 % irgendwie dafür halten würden, zumindest würden diese von sich behaupten, Termine sehr ernst zu nehmen. Da erkenne ich mich doch spontan wieder.

Für Botswana habe ich keine ähnliche Statistik gefunden. Trotzdem glaube ich, dass sie hier anders aussähe. Vor ein paar Wochen haben zwei andere Volunteers und ich bei Baylor Bewerbungsgespräche mit den Schülern geübt, die Situation sollte möglichst authentisch sein. Auch im südlichen Afrika gehört die Frage nach Stärken und Schwächen zum Standard. Und bei Schwächen sagten mehrere Schüler, sie hätten Probleme mit Timekeeping - Pünktlichkeit als Stärke erwähnte dagegen niemand.
Pünktlichkeit ist allerdings auch nicht die Stärke meiner Schüler. Ich unterrichte dienstags zwei Gruppen, eine direkt ab 9 Uhr und eine nach der Pause. Wobei ich in der Regel um 9:10 Uhr anfange und die Schüler in der Regel bis 9:30 Uhr eintrudeln. Da die meisten jedoch mit den öffentlichen Minibussen zur NGO kommen und diese anscheinend nicht nur im Straßenverkehr unberechenbar sind, bin ich da relativ relaxt.
Anders sieht es nach der Pause aus, spätestens bis zur Pause sind nämlich alle Schüler da. Die zweite Unterrichtseinheit beginnt um 10:45 Uhr und eigentlich könnten sie da ja alle pünktlich sein. Eigentlich. Letzte Woche bat ich um 10:50 Uhr die einzigen beiden Schüler, die es bis dahin in den Klassenraum geschafft  hatten, die anderen zu holen. Mit dem Erfolg, dass sie auch nicht wiederkamen und ich sie nach weiteren 10 Minuten selbst suchen ging. Danach hielt ich eine Art improvisierte Motivations- und Mahnrede, in der ich auf die Freiwilligkeit des Unterrichtsangebots und den Wert für die Schüler hinwies. Ich war gar nicht schlecht! (Fand ich.) Und auf Autorität reagieren auch immer alle wunschgemäß (erwähnte ich, dass es in den staatlichen Schulen dieses Landes noch die Prügelstrafe gibt?). Meine Klasse nickte verständig und versprach hoch und heilig, es käme nie wieder vor.

Leider haben meine Schüler nur ein sehr kurzes Kurzzeitgedächtnis und so stand ich diese Woche um 10:45 Uhr wieder alleine im Klassenraum. Möglicherweise sollte ich statt "deutsch" und "Pünklichkeit" doch lieber "Motivations- und Mahnreden" im Internet googeln. Der erste Schüler, der eintrudelte, warf mir immerhin mitfühlende Blicke zu und bot an, den anderen Bescheid zu geben (was ich ablehnte - besser ein Schüler als keiner im Klassenraum). Na ja, irgendwann waren sie dann doch da. Die meisten hatten immerhin ein schlechtes Gewissen, entschuldigten sich und legten die Hände aneinander wie auf Dürers bekanntem Bild. "Sorry, we are late." "Yeah, and your are even later than last week! How is this possible?" "I am sorry, we don't have any excuse." Tja. Immerhin hatte ich so ein schönes Beispiel, um ihnen später das Verb "to prioritise" zu erklären, das sie nicht kannten. "Es ist 10:45 Uhr. Ihr könnt jetzt in den Klassenraum gehen, etwas zu essen kaufen, etwas trinken oder die Toiletten aufsuchen. Wo liegen Eure Prioritäten?" Und daraufhin meldete sich immerhin die, die als allerletzte gekommen war, sah mich ernst an und sagte, ihre Priorität wäre, sofort das Klassenzimmer aufzusuchen. Ach ja.

Aber genug von meinen Schülern. Heute wurde ein offiziellerer Termin bei mir gecancelt, der mir gestern noch für 11 Uhr initiativ angeboten worden war. Für dieses - nun nicht stattfindende - Treffen, was mehrere Stunden hätte dauern sollen, hatte ich drei andere Verabredungen verschieben müssen. Immerhin war ich so zu Hause, als unser Vermieter anrief. Er wollte vorbeikommen und sich eine halbe Stunde später nochmal melden. Es wurden zwei.
Doch es gibt auch Gegenbeispiele. Unsere Maid Patricia war heute da. Ich erzählte ihr, dass ich um halbzwei in die Stadt fahren würde und sie plante, sich ein Stück von mir mitnehmen zu lassen. Um 12:40 Uhr sah ich, wie sie sich die Schuhe schnürte und erwähnte, dass sie ja jetzt doch vor mir das Haus verließe. Darauf sah sie irritiert auf und frage, ob ich wirklich erst um exakt halbzwei das Haus verlassen würde? Pünktlichkeit ist ja ganz schön, aber 50 Minuten zu früh wollte ich dann doch nicht aufbrechen. Sie musste dann eben zu Fuß gehen.

Ich traf heute einen Kollegen von Philip, der mir sagte, er habe in Afrika gelernt, Gelegenheiten zu nutzen, wenn sie sich bieten. Wenn jemand zu Dir kommt und Du eigentlich keine Zeit hast, schaufel sie Dir frei - wer weiß, wann das wieder was wird. Frei nach diesem Motto sollte ich vielleicht auch die Zeit nutzen, wenn meine Schüler da sind. Und die würden noch nicht mal meckern, wenn ich die Stunde überziehen würde. Aber ich mag das nicht, ich mache pünktlich Schluss. Typisch deutsch halt.

Donnerstag, 8. Dezember 2016

Jingle bells, jingle bells ...

Wie kommt man eigentlich bei durchschnittlich 35 Grad in Weihnachtsstimmung? Wissen wir auch nicht so richtig. Und so nutzen wir hoffnungsvoll die Gelegenheiten, die sich hier bieten - und hatten uns zum gestrigen Event "Christmas Carols in Mokolodi" angemeldet. Wir sind dann allerdings nicht in das Tierreservat gefahren und haben den Kudus und Giraffen vorgesungen; das Ganze fand im Open Air-Café hinter der Rezeption statt. Die Tische waren weihnachtlich-rot eingedeckt und fast alle reserviert, weswegen wir uns zu einem älteren Ehepaar setzten, das ursprünglich aus Simbabwe kam, aber schon seit über 30 Jahren in Botswana lebt. ("Mit einem zwei Jahres-Vertrag gekommen und über 30 Jahre geblieben!" erklärte uns der Mann stolz. Wow. Philip und ich planen das bislang allerdings nicht.)

Auch eine Kollegin von Philip fand sich mit Tochter und Au Pair ein, es gab Wein, Bier, Hotdogs und Käseplatten und schließlich trat eine Sängerin namens Liesl auf, die wir schon mal auf dem ein oder anderen Markt auftreten gesehen hatten. Auf den Tischen lagen Liedblätter und so sangen wir mehr oder weniger gemeinsam mit ihr "Jingle bells", "I saw Mommy kissing Santa Claus" und "Silent night". Es war ein stimmungsvoller Abend!

Donnerstag, 1. Dezember 2016

No plastic bag, please

Ich habe neulich ein Kompliment von einer SPAR-Kassiererin bekommen. "You are very clever", sagte sie, und das fand ich nett, denn sie lobte mich für etwas, dass normalerweise eher für Verwunderung sorgt: Ich gehe mit Stoffbeuteln einkaufen. Diese scheinen hier unbekannt - dafür bekommt man überall Plastiktüten, manchmal gegen eine geringe Gebühr, oft aber umsonst. Meist stehen Angestellte der Supermärkte hinter der Kasse und packen für einen ein - das dann auch noch sehr großzügig in mehrere Plastiktüten. In einem Geschäft für Deko und Haushaltskram sagten Philip und ich mal, dass wir für die zwei Teile, die wir gekauft hatten, keine Tüte bräuchten - der Verkäufer antwortete ungläubig: "But it's for free!" und packte sie uns trotzdem. Philip wurde außerdem mal gefragt ob er ein "environmentalist" sei, als er seinen Stoffbeutel auspackte. Hier braucht es wirklich nicht viel, um als aktiver Umweltschützer zu gelten. Immerhin haben wir jetzt sogar einen Wertstoffhof gefunden, zu dem wir leere Glasflaschen und Papiermüll bringen können. Es ließe sich hier auch alles in den Mülleimer schmeißen, aber so gar nichts zu trennen, kommt uns einfach zu seltsam vor ...
Einmal hat mich sogar eine Einpackhilfe an der Kasse gefragt, ob sie eine meiner Stofftaschen haben dürfte. Wir haben so viele Beutel, dass wir locker welche unters Volk bringen könnten, aber wenn ich einkaufen gehe, habe ich immer nur meine zwei Lieblingstaschen dabei und ihr deswegen doch keine gegeben. Eine von beiden ist ein Geschenk von Philip:


Zugegeben, manchmal wäre ich schon lieber in New York. Aber ist diese Tasche nicht einfach nur cool?

Sonntag, 27. November 2016

Advent, Advent ...

... ein Lichtlein brennt! Auch an Philips und meinem improvisierten Adventskranz und trotz Durchschnittstemperaturen von gut 30 Grad. Und so ein sommerliches Adventsfrühstück auf der Terrasse hat natürlich auch etwas. Es fühlt sich nur zugegebenermaßen nicht so wahnsinnig weihnachtlich an.
Dabei rückt die Weihnachtszeit ja unaufhaltsam näher, was man hier vor allem in den Shopping Malls merkt. Vor vier bis sechs Wochen wurden Regale mit Weihnachtsangeboten befüllt. Adventskränze scheinen hier unüblich zu sein, aber geschmückte Plastikweihnachtsbäume bekommt man in verschiedenen Ausfertigungen:


Auch Weihnachtsdeko gibt es zu kaufen. Besonders exotisch wirkt sie allerdings nicht.


Vor zweieinhalb Wochen stutzte ich im Supermarkt, als als ich die Hintergrundmusik erkannte: Eine Instrumentalversion von "Gloria in excelcis Deo". Auch "Jingle Bells" wird inzwischen unverdrossen rauf und runter gespielt. Seit Neuestem tragen die Verkäufer sogar Weihnachtsmannmützen.

Vereinzelt findet man in den Supermärkten auch Schokoweihnachtsmänner. Ansonsten werden englische Früchtekuchen angeboten und Knallbonbons mit Spielzeug- oder Pralineninhalten. Letztere scheinen hier sehr beliebt zu sein, man bekommt sie eigentlich überall in Großpackungen. Nachdem Philip aber letzte Woche eine Packung Neuendettelsauer Lebkuchen sowie zwei Schokoweihnachtsmänner aus Deutschland importiert hat, haben wir uns davon noch nicht in Versuchung führen lassen. Und Weihnachten kommt mir trotz des fortgeschrittenen Datums auch nach wie vor ziemlich weit weg vor - jetzt ist Sommer!
Gestern haben wir aber dann doch mal unsere Weihnachtskiste ausgepackt und insbesondere das Wohnzimmer dekoriert. Den Baumschmuck haben wir allerdings verpackt gelassen und auch bei den Plastikweihnachtsbäumen werden wir nicht zuschlagen. Advent, Advent, ein Lichtlein brennt ... erst eins, dann zwei, dann drei ... und dann sind wir über Weihnachten in Deutschland!

Samstag, 29. Oktober 2016

Sonntagsfahrerin

Ich bin eine Sonntagsfahrerin. Nachdem ich allerdings gerade bei Wikipedia las, dass sich diese durch übermäßig langsame Fahrweise auszeichnen, meist einen Hut tragen und einen Wackeldackel oder eine umhäkelte Klopapierrolle auf der hinteren Hutablage haben, möchte ich klarstellen, dass keine dieser Eigenschaften auf mich zutrifft! Aber wenn ich Auto fahre, ist es meistens Sonntag. Manchmal auch Samstag. Unter der Woche fahre ich selten. Wenn man bedenkt, dass ich ca. 15 Jahre lang überhaupt nicht gefahren hin, ist das aber trotzdem eine riesige Steigerung.

Zur Sonntags- bzw. Wochenendfahrerin bin ich hier aus verschiedenen Gründen geworden. Hauptgrund: Wir sind hier in einem Land ohne öffentlichen Nahverkehr gelandet. Und das schmerzt, ich war immer ein großer Fan von Bus und Bahn. Zwar gibt es Minibusse, die an festen Plätzen (meist in der Nähe von Einkaufszentren) in festgelegte Richtungen abfahren, sobald sie voll sind, diese sind aber oft überfüllt, folgen keinem Fahrplan und werden fast nur von Einheimischen benutzt - kurz: Meine Lust, da einzusteigen, hält sich in Grenzen. "Deluxe Cabs", die Taxen unseres Vertrauens, sind zwar günstig, aber umständlich: Meist rufe ich in der Zentrale an, die nach meiner Adresse und Mobilnummer fragt und standardmäßig ein Taxi in 20 Minuten verspricht. Nach fünf bis 20 Minuten meldet sich dann ein mal mehr, mal weniger verständlich Englisch sprechender Taxifahrer und will nochmal wissen, wo ich denn überhaupt bin. Da Straßennamen hier zwar existent, aber irgendwie trotzdem komplett egal sind, beschreibe ich ihm dann den Weg und dann hängt es von seinen Orts- und Englischkenntnissen ab, wann und wie er mich findet. Ich hatte schon blitzschnelle Taxifahrer und lustige Unterhaltungen, aber manchmal nervt das Ganze auch nur.
Egal ob Einkaufen, Ausflüge oder Reisen: In Botswana macht man (als Weißer) alles mit dem eigenen Auto. Und so hatte Philip ja auch schon vor meiner Ankunft ein Auto für uns gekauft, mit dem er täglich zur Arbeit fährt. Und ich habe langsam angefangen, mich hinters Steuer zu setzen - zuerst im Gaborone Game Reserve, wo man bei 20-30 km/h rumkurvt, in zwei Stunden maximal drei andere Autos sieht und die Tiere dankenswerterweise so groß sind, dass man sie nicht aus Versehen über den Haufen fährt. Als nächstes habe ich Landstraße geübt - im Tuli-Block, wo man eh das Gefühl hat, am Ende der Welt zu sein und zwischen Nata und Gweta, wo es 100 km ohne Ampel, Stoppschilder o.ä. geradeaus geht. Das klappte alles ganz gut. Auf die Straßen in Gaborone fühlte ich mich dennoch nicht so recht vorbereitet, denn hier ist man dem ausgeliefert, was auf vielen anderen Straßen dieses Landes eher sporadisch vorkommt: Verkehr!

Dann ergab sich die Möglichkeit, ein zweites Auto zu kaufen. Nach Philips Erfahrungen mit hiesigen Gebrauchtwagenhändlern hatten wir beschlossen, zuzuschlagen, wenn uns mal eins aus vertrauenswürdigerer Quelle angeboten wird. Philips Chef ist im September mit seiner Familie zurück nach Deutschland gegangen und hatte rumgemailt, dass er den Zweitwagen gerne verkaufen würde: einen 13 Jahre alten VW Golf. Wir bekundeten Interesse, guckten uns das Auto an, machten eine Probefahrt, schlugen zu - alles innerhalb von vier Tagen, und das war gut, wir waren nämlich nicht die einzigen Interessenten. Und dann waren wir plötzlich Besitzer von zwei Autos. Und es war klar, dass das eigentlich nur Sinn macht, wenn ich eins davon fahre.

Ich habe den Golf eigentlich auch schnell lieb gewonnen. Er ist ja ein ganzes Stück kleiner und ich komme daher besser mit ihm klar als mit dem großen Schluckspecht. Und so fuhr ich mal probeweise zum Einkaufen. Und nach Mokolodi. Und irgendwann dann auch zum Fitnessstudio ans andere Ende der Stadt. Und bei unserer Suche nach Möbelgeschäften saß ich auch mal am Steuer. Allerdings fahre ich im Moment nur, wenn Philip als moralische Unterstützung dabei ist und das ist der Hauptgrund, dass ich eine Samstags- und Sonntagsfahrerin bin. Aber auch dann fahre ich nicht immer. Ich meide Dunkelheit, Gewitter, unbekannte Strecken und Rush Hours. Und manchmal habe ich auch schlichtweg keine Lust und lasse mich dann nicht immer überreden. Ich mag die vielen zweispurigen Kreisverkehre hier nicht und die Kreuzungen, bei denen die Autos in der Reihenfolge Vorfahrt haben, in der sie an der Kreuzung angekommen sind, sind mir einfach nur suspekt. Aber hey: Ich fahre.


Anmerkung zum Foto: Philip hat mich dazu genötigt. Und ja, ich sitze auf dem Fahrersitz - der ist in Botswana halt auf der rechten Seite. Linksverkehr!

Sonntag, 2. Oktober 2016

Botswana, wir schicken Dir den Edi

Liebes Botswana,

bisher sind wir ja ganz gut miteinander ausgekommen. Doch in letzter Zeit schaffst Du es leider ein wenig, mich in den Wahnsinn zu treiben. Ich gratuliere Dir natürlich ganz herzlich zu Deinem 50. Geburtstag. Doch ich bitte Dich auch, Dir zu überlegen, wo Du von hier aus hinwillst: Willst Du strikt Regeln sinnlos befolgen, Deine Bürokratie immer weiter ausbauen und als Selbstzweck begreifen, oder willst Du Deinen Bürgern und Gästen dienen und ihr Leben einfach und angenehm gestalten?

Letzte Woche zum Beispiel hast Du es beinahe geschafft, mich zum Explodieren zu bringen. Ich hatte einen Behördengang zu erledigen und bin so privilegiert, dass ich, statt selbst zu der Behörde zu fahren, einen Fahrer schicken konnte. Ich wusste, dass Du u.a. eine beglaubigte Kopie meines Passes sowie die eines Kollegen brauchtest, die hatte mein Fahrer auch dabei. Leider war die eine Beglaubigung jedoch etwas älter als ein Jahr, die andere war von April – und Deine Regeln sehen vor, dass solche Beglaubigungen nicht älter als drei Monate sein dürfen. Die Pässe, beide noch mehrere Jahre gültig, hätten ja ungültig geworden sein können. Die deutsche Botschaft hier ist so nett, solche Beglaubigungen sogar kostenlos innerhalb von ein bis zwei Tagen auszustellen. Als mein Fahrer das nächste Mal nach stundenlangem Anstehen in Deiner Behörde an der Reihe war, wurde die Beglaubigung wieder nicht akzeptiert, denn das Datum war maschinell aufgedruckt und nicht im Stempel/Siegel der Botschaft per Hand notiert. Das entspräche nicht Deinem Gesetz und könne nicht akzeptiert werden. Bitte überleg' Dir doch, ob hier nicht ein wenig Pragmatismus für alle Seiten praktisch wäre. Die Mitarbeiter der deutschen Botschaft stutzten zwar, als ich ihnen von Deinem Theater erzählte, trugen jedoch das Datum noch handschriftlich im Stempel nach. Ich hoffe, Du wirst das nun akzeptieren.

Und da wir schon dabei sind: Ich empfehle Dir, liebes Land Botswana, auch ein wenig mehr Datenschutz. Oberstes Prinzip des Datenschutzes ist die Datensparsamkeit. Überall muss ich hier neben meinem Namen auch meine Telefonnummer sowie meine Passnummer angeben. Zum Beispiel, als ich mit dem Auto in die Waschanlage fahren wollte. Wofür brauchst Du diese Daten und was machst Du damit?
Heute wollten wir uns ein Fitnessstudio anschauen – wohl gemerkt anschauen, nicht uns dort anmelden. Zuvor sollten wir noch Namen, Passnummer, Geburtsdatum und Telefonnummer angeben. Außerdem sollten wir angeben, wer in einem Notfall kontaktiert werden sollte. Und das alles nur, um einmal hinter die Schranke zu gelangen und sich umzuschauen und ein Verkaufsgespräch zu führen – von Probetraining war da noch keine Rede. Ein Mann neben uns, der sich ebenfalls wunderte und die Notfall-Kontaktperson nicht angab, wurde dann noch einmal gefragt, wer im Falle eines Notfalls anzurufen sei. Seine Antwort: „The Hospital“ fanden die Angestellten des Fitnessstudios irgendwie nicht so lustig wie wir. Wir haben uns im Endeffekt dagegen entschlossen, uns das Fitnessstudio näher anzuschauen (super Ausrede, das mit der Datensparsamkeit!).

Liebes Botswana, ich möchte Dir abschließend ein Angebot machen: Wir haben da in Deutschland jemanden, der sehr viel Erfahrung mit Bürokratieabbau bei der EU hat, der dort eine Kommission zum Bürokratieabbau geleitet hat und Empfehlungen ausgesprochen hat – vielleicht kann der Dir ja auch ein wenig helfen? In Deutschland könnten wir Herrn Stoiber sicher ein paar Jahre entbehren. Sag einfach kurz Bescheid, und ich organisiere ihn Dir.

Wir schaffen das schon noch, liebes Botswana, dass wir uns aneinander gewöhnen – aber bis dahin wäre ich Dir doch sehr dankbar, wenn Du Deine Bürokratie etwas reduzieren könntest und nicht ganz so viele Daten von mir erheben wollen würdest.

Viele Grüße
Dein Philip

Montag, 26. September 2016

How are you?

In englischsprachigen Ländern gehört die Frage "How are you?" quasi zur Begrüßungsformel dazu. Egal, ob wir hier ein Restaurant betreten oder im Supermarkt an der Kasse stehen - überall werden wir gefragt, wie es uns geht. Daran gewöhnt man sich recht schnell. Trotzdem hatte ich in Kapstadt meinen Englischlehrer darauf angesprochen, denn ab und an bin ich mir doch unsicher: Wenn ein Kellner uns im Restaurant mit "Hi, how are you?" begrüßt und wir antworten: "Hello, fine, thank you, and how are you?" antwortet er in der Regel nicht auf letztere Frage, sondern ist schon beim nächsten Thema: "Table for two?" Oder er wirkt kurz irritiert, bevor er antwortet ("I'm fine, table for two?").
In Restaurants oder Läden habe ich daher immer das Gefühl, dass die Gegenfrage dem Gegenüber nur Zeit klaut. Nicht zurückzufragen, wie es dem anderen geht, erscheint mir aber auf der anderen Seite unhöflich. Wobei ja eigentlich beide Seiten kein echtes Interesse am Befinden des anderen haben - es ist halt mehr eine Begrüßungsformel.
Mein Englischlehrer verstand das Problem (nach dem ersten ungläubigen Staunen, dass wir in Deutschland Fremde nicht unbedingt fragen, wie es ihnen geht). Eine Patentlösung hatte er aber auch nicht. Mit dem Zurückfragen handhabt man es halt nach Gefühl - der vielbeschäftigte Kellner muss nicht unbedingt gefragt werden, die Kassiererin im Supermarkt freut sich aber nach meiner Erfahrung auch mal über die Frage und hat ja auch Zeit, während sie die Waren übers Band zieht ...

So weit, so gut. Trotzdem gibt es Situationen, in denen ich das Ganze noch nicht verinnerlicht habe. Am Freitag war ich im Reisebüro unseres Vertrauens und hatte da einen Termin bei meiner Ansprechpartnerin. Ich ging also an die Rezeption, sagte hallo, stellte mich vor und erklärte, dass ich einen Termin hätte - erst danach fiel mir auf, dass ich die Frage "How are you?" da nicht mehr untergebracht hatte. Ich hatte sie einfach vergessen. Da kommt dann wieder die deutsche Direktheit in mir durch.
Wirklich irritiert mich die Frage "How are you?", wenn es bei uns klingelt. Es ist immer dasselbe: Ich gehe an die Gegensprechanlage, frage "Hello?" und mein Gegenüber fragt zurück: "Hello, how are you?" Und das auch, wenn wir uns noch nie gesehen haben und ich niemanden erwarte. Da steht also jemand Fremdes, der offenkundig etwas von uns will, und statt zu sagen, wer er und was das ist, fragt er erst einmal, wie es mir geht. Ich frage dann höflichkeitshalber auch zurück, wie es ihm geht, und schon hat man ein paar Sätze gewechselt, ohne auch nur einen Schritt weiter zu sein.

Mein Englischlehrer konnte sich dagegen nicht so recht vorstellen, wie es ohne "How are you?" klappen soll mit der erfolgreichen Begrüßung. Ein paar Tage nach unserem Gespräch zum Thema hielt er mir fröhlich folgendes Bild unter die Nase:


Zu seiner Erheiterung trug offensichtlich die Idee bei, dass man sich auch gleich so ein Schild umhängen könnte, wenn man auf den üblichen Smalltalk verzichten will. Ich fragte mich kurz, welches Bild von Deutschland ich ihm da vermittelt hatte. Völkerverständigung ist halt immer so eine Sache ...

Samstag, 27. August 2016

Wenn der Müllmann zweimal klingelt

Wenn es zweimal an der Haustür klingelt, ist es meistens ein Müllmann. Man sagt das ja eher dem Postboten nach, aber Briefträger gibt es in Botswana gar keine ... Wobei, vielleicht klingelt der Müllmann auch nicht immer zweimal - ganz sicher sind wir uns nicht. Wir werden nämlich meistens vom Klingeln aus dem Schlaf gerissen und sind dann nicht immer gleich wach genug zum mitzählen. Die Müllmänner kommen gerne so um 7 Uhr morgens rum. Und sonntags. Selbst Ostersonntag waren sie da, hatte Philip mir damals noch nach Frankfurt berichtet.

Wüsste man vorher, wann die Müllabfuhr kommt, könnte man den Müll ja am Vorabend rausstellen und niemand müsste klingeln - aber so läuft das hier nicht. Richtige Regelmäßigkeiten lassen sich nicht erkennen, manchmal wird der Müll im Wochenabstand geleert, manchmal vergehen drei Wochen. Vielleicht verpassen wir aber auch die ein oder andere Leerung.
Diese Woche klingelte die Müllabfuhr überraschenderweise am Donnerstagmittag, und da sie das zweimal tat und ich durch unsere Außenkamera niemanden mehr vor der Tür stehen sah, war ich mir relativ sicher, dass sie es sein musste. Ein Müllmann läuft schon immer durch die Straße und klingelt überall, bevor das Müllauto kommt und den Müll einlädt. Als ich das Tor öffnete, um die Mülltone rauszurollen, kam er mir schon wieder entgegen und rief freudig, er hätte gedacht, dass in dieser Straße gar niemand da sei - was mich an einem Donnerstagmittag nicht sonderlich wunderte, auch ich bin um diese Zeit in der Regel mit Philip zum Mittagessen verabredet. Gemeinsam hoben der Müllmann und ich die Müllsäcke aus der Tonne, die ich dann wieder aufs Grundstück rollte, dann bat er mich noch um etwas Taxigeld. Unsere Nachbarin hatte mich schon vorgewarnt, dass die Müllmänner einen ständig anbetteln würden, aber bei uns kam es das erste Mal vor und abgesehen davon ist es nicht so leicht, zu behaupten, dass man kein Geld hätte und dann hinter seinem automatischen Elektrotor ins Haus zu verschwinden.
Und die Moral von der Geschicht? Da die Müllabfuhr schon am Donnerstag da war, können wir diesen Sonntag vermutlich ausschlafen!

Sonntag, 3. Juli 2016

Grenzerfahrungen

Ach, was ist Europa doch toll!
Zugegeben, grenzenloses Reisen in Europa (= Schengenprotokoll) ist nicht gleich Europa, aber für den "normalen Bürger" macht es doch einen guten Teil von Europas Identität aus. Und was man bereits als Errungenschaft hat, das wertschätzt man manchmal vielleicht nicht so sehr. Daher dachten wir, dass wir hier mal eine kleine Ode an Schengen schreiben könnten.
An diesem Wochenende haben wir ja einen Ausflug ins Madikwe Game Reserve gemacht, das gerade mal auf der anderen Seite der Grenze zu Südafrika liegt. Wir wussten ja, dass wir eine Grenze zu passieren hätten, doch wenn wir gewusst hätten, was uns erwartete, dann hätten wir wohl noch etwas mehr Zeit einkalkuliert.
An der Grenze - auf botswanischer Seite - mussten wir das Auto erst einmal parken und in das Grenzgebäude gehen. Zunächst läuft man an mehreren Schaltern mit Zollbeamten vorbei; da wir nichts zu verzollen hatten, ignorierten wir sie und gingen einen Raum weiter zur Passkontrolle. Auch hierfür gab es mehrere Schalter, wir stellten uns zunächst in der ersten Schlange an, um dann festzustellen, dass an den verschiedenen Fenstern unterschiedliche Personengruppen abgefertigt wurden. Und zunächst hieß es sowieso ein kleines Papierdokument ausfüllen. Dann stellten wir uns an einem Fenster für "Residents" an. Vor uns waren eine Familie und zwei weitere Grenzgänger, die Beamtin arbeitete offenbar gründlich. Irgendwann kamen wir an die Reihe, alles lief problemlos, wir bekamen die Ausreisestempel in den Pass und verließen das Gebäude, um zum Auto zu gehen. Bis hierhin hatten wir gerade mal 20 Minuten gebraucht, das ging ja schneller als befürchtet. So fuhren wir also auf das botswanische Grenztor zu; die Grenzbeamten interessierten unsere Stempel im Pass jedoch nicht, sie wollten von uns den "gate pass" für das Auto samt Insassen sehen, der von Zoll und Passkontrolle abgestempelt sein muss. Da wir das Dokument nicht hatten, mussten wir das Auto wieder parken und zurück ins Gebäude gehen. Nach nur kurzem Anstehen bekamen wir das Dokument mit dem Stempel vom Zoll - damit mussten wir wieder zur Passkontrolle. Nachdem wir wieder brav in der Schlange gewartet hatten, erkannte uns die Beamtin dort schnell wieder und stempelte den "gate pass" ab. Sie hätte uns ja auch vorher mal darauf aufmerksam machen können, dass wir so etwas brauchen.
Wir fuhren 300m weiter, dann begann der Grenzbereich der Südafrikaner. Ein Grenzbeamter sagte uns, dass der Parkplatz voll sei, daher sollten wir doch links herum fahren (statt rechts) - im Endeffekt parkten wir nun hinter der eigentlichen Kontrolle, wie wir erst später bemerkten.
Vor dem Grenzhäuschen, in das wir hineinsollten, gab es bereits eine sehr lange Schlange, in die wir uns auch einreihen mussten. Nach einer gefühlten Ewigkeit wurden wir von einer Art Türsteher, der durch seine markigen Sprüche auffiel und seine Rolle durchaus genoss, in das Gebäude vorgelassen. Dort kam dann glücklicherweise recht schnell die Passkontrolle, die fast ohne Probleme verlief. Vorsichtshalber gingen wir auch noch beim Zoll vorbei, falls wir das Auto wieder extra angeben müssten, doch hier schaute man uns nur komisch an und verstand nicht, was wir denn wollten.
Außerhalb des Gebäudes gingen wir dann zum Grenztor, an dem alle Fahrzeuge vom Zoll kontrolliert wurden - wir waren zum Parken bereits daran vorbeigefahren. Auf unsere Nachfrage hin mussten wir glücklicherweise nicht zurückfahren, sondern konnten einfach zu Fuß hindurch und zu unserem Auto gehen - der Grenzbeamte rief uns noch hinter her, dass er hoffen würde, dass wir die Big Five sähen. So saßen wir bald im Auto, fuhren los, hielten die Pässe in der Hand - und konnten kaum glauben, dass wir es geschafft hatten nach Südafrika. 1,5 Stunden hatte uns diese Grenzprozedur insgesamt gekostet (länger als die gesamte Autofahrt hätte dauern sollen); vielleicht hatten wir einfach nur Pech und es war gerade großer Andrang?!
Auf dem Rückweg aus Madikwe ging es dann umgekehrt - glücklicherweise mit kürzeren Schlangen: Die südafrikanische Grenzkontrolle ging recht fix, dann fuhren wir durch die südafrikanische Zollkontrolle/Grenztor mit Befragung ("I used to like Bayern Munich, now I like Ajax Amsterdam more"), dann auf botswanischer Seite am Zoll ein schneller Stempel auf den "gate pass", eine kurze Warteschlange bei der wieder sehr gründlichen und dadurch doch langwierigen Passkontrolle und wir waren wieder zurück.
War das in Europa auch mal so? Was für eine Errungenschaft jedenfalls, dass wir heute in Europa einfach so die Grenze überqueren können!

Mittwoch, 4. Mai 2016

Gartenimpressionen

Das Haus ist immer noch leer. Trotzdem bedeutet das nicht, dass wir die ganze Zeit auf unseren Campingstühlchen im hallenden Wohnzimmer sitzen - manchmal tragen wir sie auch in den Garten ;-)
Philip und ich haben hier (seit unserem jeweiligen Auszug bei unseren Eltern) erstmals einen Garten. Der sieht sehr schön aus und damit das auch so bleibt, kümmert sich zweimal die Woche ein Gärtner namens Sam um ihn. Sam macht das wohl schon seit Jahren und hat einige Mieter kommen und gehen sehen. Der Garten bleibt von den Wechseln relativ unberührt, was ja auch ganz schön ist.
Was Sam jedes Mal macht, wenn er da ist: Er gießt. Die Regenzeit endet gerade, das letzte Mal hat es wohl am Tag vor meiner Ankunft geregnet. (Philip hat also den Regen gebracht und ich die Dürre, oder so ähnlich ...) Er gießt die Büsche und Bäume. Den Rasen allerdings nie, der sieht auch so immer schön grün aus:


Im Prinzip wirkt er wie englischer Rasen, ohne dass man ihn je mähen müsste. Dafür richten sich die Grashalme nicht unbedingt von alleine wieder auf, wenn man sie platt getreten hat. Mein Vater hat bereits gemutmaßt, dass er vielleicht ab und an gestaubsaugt werden sollte ... genau, ich rede von Kunstrasen. Der aber immerhin viel echter aussieht, als ich es zu hoffen gewagt hatte.
Der Rest des Gartens ist echt und weckt zum Teil sogar heimatliche Gefühle bei uns. Lustigerweise gibt es gleich mehrere Drachenbäume ...


... und Bananenstauden:


Beides Pflanzen, die wir - letztere sogar in größeren Mengen - auch in Frankfurt hatten - in Kübeln, im Wohnzimmer und zugegebenermaßen etwas kleiner. Pflanzen konnten wir ja nicht mitnehmen und so haben wir sie größtenteils an Kollegen verschenkt und bei unseren Eltern untergebracht. (Sollte jemand beim Lesen auf den Geschmack kommen: Einfach melden - von der ein oder anderen Bananenstaude würden sich beide Elternpaare vermutlich gerne trennen!)
Das bisher schönste Gartenerlebnis hatte ich letzten Dienstag: An einer Palme war mir schon bei meiner Ankunft ein vielleicht fingergliedgroßes grünes "Päckchen" aufgefallen. Ich nahm an, dass da irgendein Insekt schlüpfen würde, hatte es dann aber wieder halb vergessen. Und am Dienstag sah ich dann einen wunderschönen, frisch geschlüpften Schmetterling da sitzen! Der von seiner Entpuppung offensichtlich so geschafft war, dass ich ihn in aller Ruhe fotografieren konnte, bevor er irgendwann davon flog. Ist der nicht schön?



Samstag, 30. April 2016

Golfen oder nicht golfen, das ist hier die Frage ...

Gestern war meine erste Begegnung mit anderen Expats und MAPs. Kurz zu den Begrifflichkeiten: Expats (Abkürzung von Expatriates) sind Mitarbeiter, die von ihren Arbeitgebern ins Ausland geschickt werden - wie z.B. Philip. MAPs sind die mitausreisenden Partner.

Gestern Abend war deutscher Stammtisch im Restaurant "Bull & Bush". Einmal im Monat wird dieser von giz-Seite organisiert, es treffen sich dabei unterschiedlich viele Deutsche (in erster Linie wohl giz- und Botschaftsmitarbeiter). Außer uns war noch ein Pärchen mit zwei Kleinkindern da (sie arbeitet hier, er ist MAP) und ein weiterer männlicher MAP. Alle wie wir in den 30ern. Sie haben uns Neue gleich mit ein paar Ratschlägen und Reisetipps versorgt.

Die beiden MAPs sind schon unterschiedlich lange hier, der eine ein gutes halbes Jahr, der andere schon drei Jahre. Beide sind Familienväter. Und beide standen vor mir und zählten auf: "Als MAP hast Du hier zwei Möglichkeiten: Entweder Du machst nichts - dann fällt Dir aber zu Hause die Decke auf den Kopf - oder Du spielst Golf."
Gaborone hat tatsächlich zwei Golfplätze und die Mitgliedschaft im Golfclub kostet anscheinend nur ein Fünftel von dem, was man in Deutschland fürs Golfspielen ausgeben würde. Ich habe nichts gegen Golf, warf aber doch ein, dass es mir seltsam vorkäme, plötzlich erwerbslos und Golfspielerin zu sein (ich meine: Mein Mann ist Chef und ich bin plötzlich golfspielende Hausfrau?!). Darauf lachten beide - und gaben mir ein paar Monate, bis ich meine Meinung ändern würde.

Ein paar Alternativen kamen im Laufe des Abends noch dazu. Die Mitgliedschaft in einem Fitnessstudio. Reiten. Tennis spielen. Es gab auch noch andere Themen als das Leben als MAP: Viertel, die man als Weißer bei Nacht meiden sollte. Rassismus gegen Weiße. Probleme mit den gemieteten Häusern.

Kann man als Deutsche unter - insgesamt sogar ganz sympathischen - Deutschen einen Kulturschock kriegen?

Mittwoch, 27. April 2016

Ich bin jetzt Chef

In meinem letzten Job war ich Dienstleister, zumindest ein interner Dienstleister. Projekte konnten mich anfragen, ich habe geliefert, die Projekte haben per interner Verrechnung für meine Dienste gezahlt (leider nicht in cash an mich direkt...).
Nun habe ich einen neuen Job. Ich bin Chef. Das ist, nun ja, doch eine Umgewöhnung. Ich kann Weisung geben. Ich brauche nicht mehr nachzufragen, "ob das so ok ist". Ich kann entscheiden. Durchaus interessant auch, wenn die Mitarbeiter mir sagen "Wir richten uns nach Dir." Daran kann ich mich gewöhnen.
Ich übe derzeit auch meine Autogramme. Ständig darf ich unterschreiben. Wenn ich mal in einer Besprechung war, gehe ich schon fast automatisch bei meinen Verwaltungsmitarbeiterinnen vorbei und frage, was es zu unterschreiben gibt. Eigentlich sollte ich das ja nicht machen. Ich sollte mich wohl einfach in mein Büro setzen und warten, bis sie vorbeikommen und mich um mein Autogramm bitten - aber noch unterschreibe ich gerne. Das ändert sich vielleicht dann mal, wenn mir meine Mitarbeiter eine Bestellung für 1000 Radiergummis zur Unterschrift unterjubeln - bisher ist das aber noch nicht geschehen, zum Glück.
Was ich vielleicht als nächstes mal machen sollte: einen sogenannten Arbeitsauftrag an die Ex-Kollegen in Eschborn geben. Sie sind ja weiterhin interne Dienstleister. Und können mich dann fragen, "ob das so ok ist". Interessant wird es dann, wenn sie kommen, um meine Arbeit hier zu evaluieren...

Mittwoch, 6. April 2016

Und was wirst Du da machen?

Nachdem meine Wohnsituation ja jetzt geklärt ist (an dieser Stelle liebe Grüße aus dem Büro), komme ich zu der zweiten Frage, die mir dieser Tage oft gestellt wird: Die Frage nach meiner beruflichen Zukunft in Botswana. Ich stehe ihr tatsächlich relativ entspannt gegenüber - oder vielleicht habe ich im Moment auch einfach andere Sorgen. Meinen jetzigen Job habe ich nach mehr als acht Jahren gekündigt und werde hier bis einschließlich 21.04. arbeiten - abends steige ich dann ins Flugzeug. Von hier aus auszuloten, wo ich mich in Botswana bewerben könnte und dies zu tun, erscheint mir schlicht unmöglich. Obwohl ich theoretisch sicher Firmen googeln und erste Mails hinschreiben könnte. Mache ich aber nicht. Ich habe einen anderen Plan: Hier nun alles so gut es geht zuende bringen. Ins Flugzeug steigen. Philip wiedersehen! Einmal Luft holen, mich umschauen, und irgendwie Fuß fassen, was Orientierung / Haus / einkaufen / leben in Botswana angeht. Auspacken. Und dann schau ich mal, wie und wo das mit der Arbeit klappen könnte.

Die Chancen, ein Künstlermanagement zu finden, bei dem ich als Veranstaltungsmanagerin anfangen kann, dürften fröhlich gen null gehen. Auch meinen Einstieg ins botswanische Verlagswesen halte ich für sehr unwahrscheinlich. Ich muss mich also mal sortieren und ausloten, was gebraucht werden könnte, was ich bieten kann und was ich gerne machen möchte. Und hoffen, dass das zusammengeht. Und dass ich eine Beschäftigung finde, die mich auf irgendeine Art und Weise weiterbringt. Ehrlich gesagt bin ich selbst gespannt, was das werden wird. Mein Lebenslauf erscheint relativ stringent, jetzt kommt der erste richtige Bruch, sogar eine Lücke - wobei ich natürlich hoffe, dass die nicht zu groß wird. Aber hey, vielleicht ist es auch mal Zeit für einen Bruch und die Chance auf was Neues. Ich bin kein risikofreudiger Typ - und da ich mir keine Sorge um ein Dach über dem Kopf machen muss, ist mein Risiko hier natürlich auch überschaubar. Aber ich wage jetzt mal was ganz anderes. Einen Auslandsaufenthalt in Afrika hätte ich ohne Philip nie in Erwägung gezogen, inzwischen erscheint mir völlig natürlich, das mal auszuprobieren - auch wenn ich mit meinem Job hier in Frankfurt doch sehr verwachsen bin über die Jahre. Um passenderweise mit den Worten eines Kabarettisten zu schließen, den ich sehr schätze: "Natürlich kann ich dabei auf die Fresse fliegen. Na und? Schrammen sind sexy. Angstschweiß nie."

Sonntag, 3. April 2016

Wasserversorgung

Die Wasserversorgung ist hier ein Thema. Das hängt sicherlich auch mit der nun schon jahrelang andauernden Dürre zusammen, aber es wäre wohl auch ohne diese ein Thema in einem trockenen Land wie Botswana.
Ein wichtiger Grund für die Wahl unseres Hauses war tatsächlich die Wasserversorgung, d.h. nicht nur die Wasserversorgung selbst, sondern vor allem die Tatsache, dass da ein Wassertank ist, der Wasser aus der Leitung speichert, für Zeiten, in denen Wasser rationiert wird. So haben wir also in einer Ecke unseres Vorgartens einen grünen Wassertank stehen, etwas versteckt hinter einer bewachsenen Wand:
Daneben steht noch eine Pumpe, die für den entsprechenden Wasserdruck sorgt, wenn es nötig ist. Im Loch davor befinden sich die Ventile:
Von rechts kommt das Wasser aus der Hauptleitung - und hat derzeit freie Bahn ins Haus. Wenn aus der Hauptleitung mal kein Wasser kommt (in meinen ersten Tagen im Haus ist das ein paar Mal vorgekommen), dann schließt man den Hahn an der geraden Leitung und öffnet Zu- und Abfluss zum Wassertank. Und schon gibt's wieder Wasser im Haus (zumindest solange noch Wasser im Tank ist).
Darüber hinaus gibt es auf dem Grundstück weitere 3 solcher Wassertanks und wohl auch eine Zisterne, in denen Regenwasser gesammelt wird. Da es bei meiner Ankunft ja endlich einigermaßen geregnet hat, sollte das gesammelte Regenwasser für ca. 6 Monate ausreichen für die Bewässerung des Gartens und das Auffüllen des Pools wurde mir gesagt. Und dann wäre es ja nicht mehr allzu lange hin bis zur nächsten Regenzeit. Schauen wir mal. Sonst müssen wir noch Wasser zum Gartengießen zukaufen.
Allein dass diese Wassertanks vorhanden sind, ist ein großer Mehrwert für das Haus, der wohl nicht selbstverständlich ist. Praktisch, dass wir solch ein Haus gefunden haben.
Nur der Wasserqualität können wir mindestens beim Wasser aus dem Tank leider nicht trauen, d.h. als Trinkwasser sollten wir es wohl nicht verwenden. Wasser lässt sich hier natürlich beliebig in Flaschen kaufen, was ich anfangs auch getan habe. Nun bin ich in der vergangenen Woche umgestiegen auf Wasser aus einem 25 l Kanister:

Solche Kanister haben wir auch bei der Arbeit stehen, man kauft sie einmal, kann sie dann aber beliebig austauschen/nachfüllen lassen. Das erschien mir doch etwas umweltfreundlicher und praktischer auf Dauer als 1-Liter Plastikflaschen. Ist doch fast wie Bier aus dem Fass, oder? Prost!