Botswana spielt mal wieder ganz oben in den Rankings mit. Das berichteten kürzlich deutsche Medien sinngemäß: Russland, USA, Ägypten, Jemen, China, Botswana. Ein illustrer Kreis: Die Liste stellt die Rekordhalter unter den in Deutschland lebenden Diplomaten in Sachen Verkehrsordnungswidrigkeiten im Jahr 2017 dar. Botswana schaffte es mit seinen 535 Delikten immerhin auf Rang 6 (zum Vergleich: Russland hatte 817, die USA lagen schon etwas abgeschlagen bei 667). Mit lediglich 7 botswanischen Diplomatenfahrzeugen in Deutschland ist es schon eine gewisse Leistung, in diesem Ranking so weit oben aufzutauchen (76 Delikte pro Fahrzeug ist tatsächlich sogar der Spitzenplatz!). Quelle z.B. hier.
Sind wir gerade überrascht? Nun, es klingt vielleicht undifferenziert und vorurteilsbeladen, aber ich schreibe es trotzdem: Nein. Letztes Wochenende waren wir hier mal wieder über Land unterwegs. Nicht weit, aber weit genug, damit ich mich mal wieder über die Fahrweise so mancher Batswana aufregen konnte. Halte ich mich an ein Geschwindigkeitslimit, dann gelte ich eigentlich schon als Verkehrsbehinderung, überholt wird auch dort, wo gerade Gegenverkehr kommt (wer zuerst ausweicht, hat verloren). Mit unserem großen Schluckspecht fühle ich mich eigentlich halbwegs sicher, aber die Geschwindigkeiten mancher anderer Verkehrsteilnehmer sind dann doch so hoch, dass dieses Sicherheitsgefühl trügt. Manchmal frage ich mich, ob ich vielleicht doch ein wenig zu "deutsch", obrigkeitshörig und pedantisch bin, was Verkehrsregeln angeht. Zugegeben, Walli und ich ergänzen uns da schlecht. Auch Walli versucht unsere autofahrenden Mitbürger bei unangekündigten und die Hinterfrau schneidenden Spurwechseln im zweispurigen Kreisverkehr durch Hupen zu erziehen; bisher haben unsere derartigen pädagogischen Bemühungen allerdings noch keine Früchte getragen.
Das zeigt leider auch die Verkehrsstatistik. Pro 100.000 Einwohner gerechnet gab es in Botswana 20 Verkehrstote im Jahr 2016 (mit gleichbleibendem Trend, Quelle). In Deutschland waren das gerade einmal 3,9 (mit sinkendem Trend, Quelle). (Nach einem Bericht der Weltgesundheitsorganisation von 2015 ist übrigens Malawi mit 35 das Land mit den meisten Verkehrstoten pro 100.000 Einwohner pro Jahr, Quelle.) Mit den "Sustainable Development Goals" haben sich die Vereinten Nationen vorgenommen, bis 2020 die Zahl der Verkehrstoten und -verletzten um die Hälfte zu reduzieren (Indikator 3.6). In Botswana sehen wir immer wieder Plakate entlang der Straße, "Accident Free A1" - sie erscheinen mir jedoch leider mehr Wunschdenken zu sein als irgendetwas anderes. Außer ausgebrannten Unfallwagen sieht man allerdings immer wieder Polizisten mit Laserpistolen entlang der Straßen stehen, die auf Verkehrssünder richtiggehend warten. Fest installierte Starenkästen, wie wir sie z.B. in Südafrika schon gesehen haben, kennen wir aus Botswana hingegen noch nicht. Ich stelle mir vor, dass sie hier doch eine ordentliche Einnahmequelle für den Staat wären und gleichzeitig vielleicht den ein oder anderen dazu bewegen könnten, etwas langsamer und rücksichtsvoller zu fahren. Zugegeben, dafür müsste man sie vermutlich alle 100 m aufstellen.
Bis dahin fahre ich zumindest dienstlich hier gerne weiterhin mit einem Auto mit Diplomatenkennzeichen. Und wenn ich dabei mal etwas zu schnell bin, werde ich von der Polizei gar nicht erst angehalten, weil sie von Diplomaten ohnehin keine Strafen kassieren dürfen. Und weil das Autokennzeichen auf SADC läuft, trage ich mit meinen Verkehrsordnungswidrigkeiten noch nicht einmal zu einem "guten" Ranking deutscher Diplomaten in Gaborone bei ...
Mittwoch, 28. Februar 2018
Montag, 26. Februar 2018
Regenfreude, Regenschäden
Auch letzten Mittwochnachmittag waren Heidi und ich verabredet und hatten Glück: Wir kamen beide im Fitnessstudio an, bevor ein kräftiges Gewitter runterging. Als wir uns umzogen, hörten wir bereits den Regen aufs Dach trommeln. Recht bald ging auch das Licht aus, es war nur noch eine Art Notbeleuchtung an, was aber nicht so schlimm war, trotz düsterem Himmel war es schließlich hell. Als wir die Umkleide verließen, sahen wir, dass sich im Foyer eine große Menschentraube gebildet hatte, die sich durch die Glaswand am Regen erfreute - dachten wir auf den ersten Blick, Pula wird hier schließlich immer sehnlichst erwartet. Tatsächlich beobachteten die Leute auch den Regen, allerdings nicht draußen, sondern drinnen. Am Rand des Poolbereichs regnete es an einigen Stellen augenscheinlich völlig ungehindert durch die Decke. Ab und zu fielen Stücke der die Decke verkleidenden Rigipsplatten hinunter - entweder direkt in den Pool oder sie zerbrachen daneben.
(Oben an der Decke sind nicht etwa geplante Lüftungsschächte zu sehen - bevor es regnete, war dort eine durchgängig weiße Deckenverkleidung ... Die Fotos habe ich erst gemacht, bevor ich gegangen bin, sonst würde man es durch die Schächte regnen sehen.)
Da das Ganze nur den äußersten Poolbereich zu betreffen schien (der längst geräumt worden war), gingen Heidi und ich in den ersten Stock, wo wir feststellen mussten, dass Laufbänder, Fahrräder und Crosswalker - also alle Fitnessgeräte mit elektronischen Anzeigen - ausgeschaltet worden waren. An mehreren Stellen standen Eimer, hier tropfte es durch die Decke - kein Vergleich zu dem wahren Regen am Rand des Poolbereichs; so richtig schön war es allerdings trotzdem nicht. Die elektrischen Fitnessgeräte wurden zwar bald wieder angeschaltet, was uns aber aufgrund der Nässe im Gebäude nicht ganz geheuer war. Wir entschieden uns schließlich für etwas Krafttraining, wurden unserem Ruf aber sonst gerecht und machten an diesem Tag wirklich kaum Sport. Wenn ein paar Meter weiter Teile der Decke runterkommen, ist man einfach nicht so motiviert ...
So war ich etwas früher zu Hause, was ziemlich gut war. Es hatte zwar nicht reingeregnet - was bei starkem Regen immer mal passieren kann; eine nicht repräsentative Umfrage in unserem Freundeskreis hat ergeben, dass es eigentlich bei jedem mal mehr oder weniger reinregnet ...
Dafür stand unser elektrisches Tor offen. Sperrangelweit. Wenn man hinter einer hohen Mauer lebt, auf der ein Elektrozaun installiert ist, ist ein wer-weiß-wie-lange-schon offenstehendes Tor kein besonders vertrauenserweckender Anblick. Auf der anderen Seite war ich vorgewarnt: Vor ein paar Monaten, bei einem anderen schweren Gewitter, hatte Philip plötzlich gemerkt, dass unser Tor ohne unser Zutun aufging. Und zu. Und auf. Und zu. Es war wie Tennis. Wir standen beide in der Küche und sahen unserem offensichtlich kurzschlussbedingt verrücktspielenden Tor zu und mich tröstete alleine der Gedanke, dass bei dem Sauwetter nicht unbedingt mit einem Einbruch zu rechnen sei. Schließlich reagierte das Tor wieder auf die Fernbedienung an Philips Schlüssel und blieb zu. Nun hatte es offensichtlich in unserer Abwesenheit wieder Tennis gespielt - und war dann einfach offen stehen geblieben. Großartig. Immerhin konnte ich es mit meiner Fernbedienung nach mehrmaligem Draufdrücken doch noch schließen. Nachdem Philip heimkam, gab es dann allerdings völlig den Geist auf. Inzwischen ist klar, dass der Motor des Tores komplett ersetzt werden muss - an einem sonnigen Tag, denn nass werden sollte der neue Motor nicht während des Einbaus.
Starkregen in Botswana - ein seltenes und aufgrund der hiesigen Dürre sehr willkommenes Ereignis, auf das Häuser, Tore und Fitnessstudios aber trotzdem nicht gut genug vorbereitet sind ...
Freitag, 23. Februar 2018
Pre-paid Ampeln
Von pre-paid Handys haben sicherlich viele schon einmal gehört. Das war (und ist?) in Deutschland weit verbreitet; in Afrika gibt es kaum etwas anderes. Mein Diensthandy ist ein post-paid-Handy, d.h. mit Vertrag und Rechnung und man zahlt nach Rechnungserhalt (falls man sie denn erhält) - aber der Service des (internationalen!) Mobilfunkanbieters Orange ist so schlecht, dass wir demnächst auch wieder auf pre-paid umsteigen werden. So sieht das also aus hier in Afrika.
Neben den pre-paid Handys gibt es hier auch noch pre-paid Strom. Für mich ist das nicht wirklich überraschend, denn das hatte ich bei meinem Auslandsaufenthalt in Ghana auch schon (darum haben wir wohl bisher auch hier nicht davon geschrieben). Im Carport hängt der Stromzähler, an dem können wir sehen, wieviel Guthaben wir noch haben. Wenn das Guthaben auf Null absinkt, dann wird der Strom im Haus abgeschaltet. Das ist uns glücklicherweise bisher nur einmal passiert, dummerweise allerdings während des Brotbackens. Dann denkt man erst einmal, das sei ein normaler Stromausfall des Stromanbieters hier (obwohl die mittlerweile gar nicht mehr so häufig sind). Und irgendwann schaut man dann nach und stellt fest, dass man kein Guthaben mehr hat. Wenn man pre-paid Strom kaufen will, geht man in den Supermarkt: "Ich hätte gerne für 200 Pula Strom." Dann erhält man eine Quittung, auf der ein 18-stelliger Code aufgedruckt ist. Diesen Code gibt man - möglichst ohne sich zu vertippen - in den Stromzähler im Carport ein. Und schon bekommt man ein fröhliches Smiley angezeigt, das Lämpchen am Zähler blinkt grün und der Strom fließt wieder.
So weit, so normal. Die botswanische Stromfirma hat so jedenfalls keinen Aufwand, Rechnungen einzutreiben und erhält das Geld für den Strom im Voraus - für die Firma auf jeden Fall praktisch, aber auch für uns als Bewohner mit relativ wenig Aufwand verbunden.
Letztes Wochenende waren wir auf einer Party eingeladen, auf der wir auch den deutschen Chef der botswanischen Stromfirma kennenlernten. Er hat seinen Job vor einem Jahr angetreten - und erst einmal feststellen müssen, dass der botswanische Staat enorme Zahlungsrückstände für unbeglichene Stromrechnungen hat, Geld, das die Firma wohl kaum noch erhalten wird. Und so begann das Unternehmen, im vergangenen Jahr auch in staatlichen Einrichtungen pre-paid Stromzähler zu installieren. Das führt durchaus auch mal zu unguten Situationen, wenn im Krankenhaus das Licht ausgeht - aber auf einmal wird auch von offizieller Stelle für Strom gezahlt. Und der Chef der Stromfirma erhält gelegentlich Einladungen auf einen (nicht ganz freundlichen) Plausch mit dem Präsidenten. In den letzten Monaten hat das Unternehmen nun begonnen, an jeder einzelnen Ampel in Gaborone einen pre-paid Stromzähler zu installieren. Man wundert sich schon gelegentlich, dass manche Ampeln nicht funktionieren - nun erfuhren wir, dass dies vor allem am Ende des Monats der Fall ist, wenn die Polizei mal wieder nicht genügend Geld hat, Strom für die Ampeln zu kaufen. Klingt nach Satire? Ist es aber nicht. Immerhin, die Stromfirma kommt so an ihr Geld ... Und bei den vielen Ampeln in Gaborone schadet es doch nicht, wenn einzelne mal nicht funktionieren, oder? Sind doch noch genügend andere da!
Neben den pre-paid Handys gibt es hier auch noch pre-paid Strom. Für mich ist das nicht wirklich überraschend, denn das hatte ich bei meinem Auslandsaufenthalt in Ghana auch schon (darum haben wir wohl bisher auch hier nicht davon geschrieben). Im Carport hängt der Stromzähler, an dem können wir sehen, wieviel Guthaben wir noch haben. Wenn das Guthaben auf Null absinkt, dann wird der Strom im Haus abgeschaltet. Das ist uns glücklicherweise bisher nur einmal passiert, dummerweise allerdings während des Brotbackens. Dann denkt man erst einmal, das sei ein normaler Stromausfall des Stromanbieters hier (obwohl die mittlerweile gar nicht mehr so häufig sind). Und irgendwann schaut man dann nach und stellt fest, dass man kein Guthaben mehr hat. Wenn man pre-paid Strom kaufen will, geht man in den Supermarkt: "Ich hätte gerne für 200 Pula Strom." Dann erhält man eine Quittung, auf der ein 18-stelliger Code aufgedruckt ist. Diesen Code gibt man - möglichst ohne sich zu vertippen - in den Stromzähler im Carport ein. Und schon bekommt man ein fröhliches Smiley angezeigt, das Lämpchen am Zähler blinkt grün und der Strom fließt wieder.
So weit, so normal. Die botswanische Stromfirma hat so jedenfalls keinen Aufwand, Rechnungen einzutreiben und erhält das Geld für den Strom im Voraus - für die Firma auf jeden Fall praktisch, aber auch für uns als Bewohner mit relativ wenig Aufwand verbunden.
Letztes Wochenende waren wir auf einer Party eingeladen, auf der wir auch den deutschen Chef der botswanischen Stromfirma kennenlernten. Er hat seinen Job vor einem Jahr angetreten - und erst einmal feststellen müssen, dass der botswanische Staat enorme Zahlungsrückstände für unbeglichene Stromrechnungen hat, Geld, das die Firma wohl kaum noch erhalten wird. Und so begann das Unternehmen, im vergangenen Jahr auch in staatlichen Einrichtungen pre-paid Stromzähler zu installieren. Das führt durchaus auch mal zu unguten Situationen, wenn im Krankenhaus das Licht ausgeht - aber auf einmal wird auch von offizieller Stelle für Strom gezahlt. Und der Chef der Stromfirma erhält gelegentlich Einladungen auf einen (nicht ganz freundlichen) Plausch mit dem Präsidenten. In den letzten Monaten hat das Unternehmen nun begonnen, an jeder einzelnen Ampel in Gaborone einen pre-paid Stromzähler zu installieren. Man wundert sich schon gelegentlich, dass manche Ampeln nicht funktionieren - nun erfuhren wir, dass dies vor allem am Ende des Monats der Fall ist, wenn die Polizei mal wieder nicht genügend Geld hat, Strom für die Ampeln zu kaufen. Klingt nach Satire? Ist es aber nicht. Immerhin, die Stromfirma kommt so an ihr Geld ... Und bei den vielen Ampeln in Gaborone schadet es doch nicht, wenn einzelne mal nicht funktionieren, oder? Sind doch noch genügend andere da!
Dienstag, 20. Februar 2018
Tierischer Besuch
Letzten Freitagmorgen schickte mir Walli ein Bild auf die Arbeit mit den Worten: "Besuch auf der Terrasse."
Wenn man mit einem guten Ranger auf Safari ist, dann liest er (eine Sie hatten wir bisher noch nicht) auch die Spuren von Tieren - und erläutert sie gelegentlich auch seinen Gästen. Und wenn die Spur eines Löwen frisch ist, dann verfolgt der Ranger sie natürlich bis das Tier gefunden ist. Als ich das obige Bild sah, dachte ich mir, dass ich vielleicht doch besser hätte aufpassen sollen bei solchen Erläuterungen. Der Mann einer Botschaftsmitarbeiterin hatte sogar vor einiger Zeit einen Spurenlesekurs für angehende Ranger gemacht (der wohl aber gar nicht sooo gut war) - hätte ich so etwas auch machen sollen?
So schaute ich also auf das Bild und fing an zu überlegen: Eine Großkatze im Garten? Löwe? Leopard? Eher unwahrscheinlich, dass sich so ein Tier bis in die Stadt hinein verirrt und dann auch noch Mauer samt Elektrozaun überwindet (Anmerkung Walli: Eher unwahrscheinlich, dass ich in aller Ruhe Spuren auf der Terrasse fotografiere, wenn dort ein Löwe oder ein Leopard rumschleicht!). Für Taubenfüße (unsere ungeliebten Mitbewohner, eine Taube hat es sogar mal vom Dach durch den Kamin ins Wohnzimmer geschafft) waren die Fußabdrücke aber deutlich zu groß. Ich hielt es auch für unwahrscheinlich, dass Gollum, das Katzenbaby, das uns vor einem Jahr zugelaufen war, wieder zurückgekehrt sei - und warum sollte mir Walli ein Bild von Spuren einer anderen Katze schicken (wobei die Abdrücke mir auch dafür als zu groß erschienen)? Dann kam schon der Anruf mit der Aufklärung:
Walli saß auf unserem Wohnzimmersofa, als sie durch die geöffneten Flügeltüren auf der überdachten Terrasse aus dem Augenwinkel einen Schatten wahrnahm - im ersten Moment dachte sie, da stünde ein großer brauner Hund. Es handelte sich dann aber doch um einen ausgewachsenen ... Pavian, der sich gerade so lautlos wie gemächlich auf die ebenfalls sperrangelweit offenstehende Terrassentür unserer Küche zubewegte. Was tun? Walli stand auf, um zumindest die Flügeltüren zum Wohnzimmer zu schließen. Daraufhin bemerkte der Pavian Walli und Walli einen zweiten Pavian hinter dem ersten. Sie war dann doch sehr dankbar, dass sich bei ihrem Anblick beide wieder umdrehten und die Terrasse in gemütlichem Tempo wieder verließen. Nachdem sie sämtliche Türen geschlossen hatte, beobachtete Walli noch durch das Fenster des Gästezimmers, wie die Paviane über die großen Regenwassertanks auf Bäume turnten und von dort über den Elektrozaun das Grundstück verließen.
Es war der erste Besuch von Pavianen, den wir hier bei uns mitbekommen haben, gänzlich unerwartet kam er jedoch nicht. Wir wohnen nicht weit vom Kgale Hill entfernt, wo sie hauptsächlich wohnen, und wir hörten schon von Bewohnern von Häusern am Ende unserer Straße, die noch etwas näher am Berg sind, dass sie regelmäßig Besuch bekommen. Auch rund um mein altes Büro sah man regelmäßig Paviane herumturnen, sich streiten und in Mülleimern nach Essbarem suchen.
Klein und niedlich sind diese Paviane nicht, eher groß und zähnefletschend, sie haben durchaus den Ruf, gemein zu sein und nicht ungefährlich. Insofern waren wir schon dankbar, bisher nicht öfters Besuch erhalten zu haben - und dass sie nicht bis in die Küche vorgedrungen sind. Obstschale, dreckiges Geschirr und Vorratsschränke hätten ihnen eventuell doch so gut gefallen, dass sie da länger geblieben wären ... und beim nächsten Mal ihre Kumpels mitgebracht hätten.
Das Rätsel der Fußabdrücke ist also für mich nun aufgeklärt - dennoch habe ich gefordert, beim nächsten Mal doch bitte nicht nur ein Bild der Fußabdrücke, sondern der Tiere zu erhalten!
Wenn man mit einem guten Ranger auf Safari ist, dann liest er (eine Sie hatten wir bisher noch nicht) auch die Spuren von Tieren - und erläutert sie gelegentlich auch seinen Gästen. Und wenn die Spur eines Löwen frisch ist, dann verfolgt der Ranger sie natürlich bis das Tier gefunden ist. Als ich das obige Bild sah, dachte ich mir, dass ich vielleicht doch besser hätte aufpassen sollen bei solchen Erläuterungen. Der Mann einer Botschaftsmitarbeiterin hatte sogar vor einiger Zeit einen Spurenlesekurs für angehende Ranger gemacht (der wohl aber gar nicht sooo gut war) - hätte ich so etwas auch machen sollen?
So schaute ich also auf das Bild und fing an zu überlegen: Eine Großkatze im Garten? Löwe? Leopard? Eher unwahrscheinlich, dass sich so ein Tier bis in die Stadt hinein verirrt und dann auch noch Mauer samt Elektrozaun überwindet (Anmerkung Walli: Eher unwahrscheinlich, dass ich in aller Ruhe Spuren auf der Terrasse fotografiere, wenn dort ein Löwe oder ein Leopard rumschleicht!). Für Taubenfüße (unsere ungeliebten Mitbewohner, eine Taube hat es sogar mal vom Dach durch den Kamin ins Wohnzimmer geschafft) waren die Fußabdrücke aber deutlich zu groß. Ich hielt es auch für unwahrscheinlich, dass Gollum, das Katzenbaby, das uns vor einem Jahr zugelaufen war, wieder zurückgekehrt sei - und warum sollte mir Walli ein Bild von Spuren einer anderen Katze schicken (wobei die Abdrücke mir auch dafür als zu groß erschienen)? Dann kam schon der Anruf mit der Aufklärung:
Walli saß auf unserem Wohnzimmersofa, als sie durch die geöffneten Flügeltüren auf der überdachten Terrasse aus dem Augenwinkel einen Schatten wahrnahm - im ersten Moment dachte sie, da stünde ein großer brauner Hund. Es handelte sich dann aber doch um einen ausgewachsenen ... Pavian, der sich gerade so lautlos wie gemächlich auf die ebenfalls sperrangelweit offenstehende Terrassentür unserer Küche zubewegte. Was tun? Walli stand auf, um zumindest die Flügeltüren zum Wohnzimmer zu schließen. Daraufhin bemerkte der Pavian Walli und Walli einen zweiten Pavian hinter dem ersten. Sie war dann doch sehr dankbar, dass sich bei ihrem Anblick beide wieder umdrehten und die Terrasse in gemütlichem Tempo wieder verließen. Nachdem sie sämtliche Türen geschlossen hatte, beobachtete Walli noch durch das Fenster des Gästezimmers, wie die Paviane über die großen Regenwassertanks auf Bäume turnten und von dort über den Elektrozaun das Grundstück verließen.
Es war der erste Besuch von Pavianen, den wir hier bei uns mitbekommen haben, gänzlich unerwartet kam er jedoch nicht. Wir wohnen nicht weit vom Kgale Hill entfernt, wo sie hauptsächlich wohnen, und wir hörten schon von Bewohnern von Häusern am Ende unserer Straße, die noch etwas näher am Berg sind, dass sie regelmäßig Besuch bekommen. Auch rund um mein altes Büro sah man regelmäßig Paviane herumturnen, sich streiten und in Mülleimern nach Essbarem suchen.
Klein und niedlich sind diese Paviane nicht, eher groß und zähnefletschend, sie haben durchaus den Ruf, gemein zu sein und nicht ungefährlich. Insofern waren wir schon dankbar, bisher nicht öfters Besuch erhalten zu haben - und dass sie nicht bis in die Küche vorgedrungen sind. Obstschale, dreckiges Geschirr und Vorratsschränke hätten ihnen eventuell doch so gut gefallen, dass sie da länger geblieben wären ... und beim nächsten Mal ihre Kumpels mitgebracht hätten.
Das Rätsel der Fußabdrücke ist also für mich nun aufgeklärt - dennoch habe ich gefordert, beim nächsten Mal doch bitte nicht nur ein Bild der Fußabdrücke, sondern der Tiere zu erhalten!
Sonntag, 18. Februar 2018
Valentinstag in Moll
Die Botswaner scheinen den Valentinstag zu mögen. Sie haben ihn sogar zum Anlass genommen, ihre Kreisverkehre zu schmücken, was sonst nur an Weihnachten und zum Nationalfeiertag passiert. Ob die mannsgroßen Herzaufsteller mit der blinkenden Lichterkette drum herum eine Verschönerung darstellen, lasse ich mal dahin gestellt. Auch in den Geschäften wurden Pralinen zum Valentinstag angepriesen, in den Malls waren extra Blumenstände aufgebaut und Restaurants hatten spezielle Menüs (mit Überraschungsgeschenk für die Damen etc.).
Wir entschieden uns gegen einen Besuch in einem überfüllten Restaurant und stattdessen für eine Kulturveranstaltung, bei der es noch vor Beginn eine rote Rose für jeden weiblichen Gast gab. Organisiert worden war der Abend von der Deutschen Botschaft. Unsere Botschaft als Veranstalter, das kennen wir hier eigentlich nur vom Tag der Deutschen Einheit und vom Public EM-Viewing 2016. Am Valentinstag standen allerdings weder Patriotismus noch Fußball auf dem Programm. Stattdessen: ein klassisches Konzert. Das Karlsruher Konzert-Duo - sie am Flügel, er am Cello - genoss hier bereit eine gewisse Bekanntheit, hatte die Deutsche Botschaft sie doch anscheinend bereits vor zwei Jahren nach Gaborone eingeladen.Und auch sonst scheinen die beiden Musiker dem Besuch ferner Länder nicht abgeneigt zu sein, der Tourplan liest sich auf jeden Fall eindrucksvoll: Im Februar sind sie innerhalb einer Woche in Angola, Namibia, Botswana und Äthiopien aufgetreten, in der Terminauflistung des letzten Jahres lassen sich auch Rio de Janeiro, Barbados, Nicaragua und New York finden.
Während ich mir noch Gedanken über das Verhältnis von Gage und Reisekosten machte, begrüßte auch schon der Botschafter das - längst nicht nur deutsche, aber überwiegend weiße - Publikum. Dann spielten die beiden los - klassische Stücke von Haydn bis Shostakovich. Wir konnten die Titel auf einem Programmblatt mitverfolgen, dennoch vermisste ich eine Begrüßung und Einordnung der Musiker. Wieso sie die Stücke so ausgewählt hatten, erschloss sich mir nicht. Gemeinsam hatten sie eine gewisse Schwermütigkeit, die insbesondere eine neben mir sitzende Freundin störte, die schließlich begann, immer öfter etwas von "Valentinstag" zu murmeln und dass sie jetzt lieber etwas fürs Herz hören würde als diese traurigen Weisen. Nach ca. einer Stunde verschwanden die Musiker hinter der Bühne und das Licht ging kurz an, aber noch bevor man sich zur Pause erhoben hatte, waren sie schon wieder da - ca. 15 Sekunden später, was das sollte, blieb unklar. Sie spielten dann noch eine halbe Stunde weiter - 90 Minuten in Moll ohne Pause fand ich schon grenzwertig (meine Freundin war inzwischen dazu übergegangen, bei jedem neuen Stück "Ach, Du großer Gott!" zu zischen). Nachdem das letzte Stück verklungen war, eilte der Botschafter auf die Bühne, um den Musikern zu danken und allen anderen einen Ausklang mit Getränken anzukündigen. Doch nun ergriff der Cellist erstmals das Wort und kündigte - angesichts des Valentinstages! - noch eine Zugabe an - "Dream of love". "Von den Scorpions?" flüsterte mir meine Freundin hoffnungsvoll zu, ich musste sie allerdings darauf hinweisen, dass die Scorpions nicht "Dream of love" sondern "Wind of change" gesungen hatten - ersteres war von Franz Liszt, wie sich dann herausstellte. Und in Moll, wie alles andere an diesem Abend.
Danach erfreuten wir uns an Riesling, Wasser und Studentenfutter und blieben nicht mehr allzu lange.
Wir entschieden uns gegen einen Besuch in einem überfüllten Restaurant und stattdessen für eine Kulturveranstaltung, bei der es noch vor Beginn eine rote Rose für jeden weiblichen Gast gab. Organisiert worden war der Abend von der Deutschen Botschaft. Unsere Botschaft als Veranstalter, das kennen wir hier eigentlich nur vom Tag der Deutschen Einheit und vom Public EM-Viewing 2016. Am Valentinstag standen allerdings weder Patriotismus noch Fußball auf dem Programm. Stattdessen: ein klassisches Konzert. Das Karlsruher Konzert-Duo - sie am Flügel, er am Cello - genoss hier bereit eine gewisse Bekanntheit, hatte die Deutsche Botschaft sie doch anscheinend bereits vor zwei Jahren nach Gaborone eingeladen.Und auch sonst scheinen die beiden Musiker dem Besuch ferner Länder nicht abgeneigt zu sein, der Tourplan liest sich auf jeden Fall eindrucksvoll: Im Februar sind sie innerhalb einer Woche in Angola, Namibia, Botswana und Äthiopien aufgetreten, in der Terminauflistung des letzten Jahres lassen sich auch Rio de Janeiro, Barbados, Nicaragua und New York finden.
Während ich mir noch Gedanken über das Verhältnis von Gage und Reisekosten machte, begrüßte auch schon der Botschafter das - längst nicht nur deutsche, aber überwiegend weiße - Publikum. Dann spielten die beiden los - klassische Stücke von Haydn bis Shostakovich. Wir konnten die Titel auf einem Programmblatt mitverfolgen, dennoch vermisste ich eine Begrüßung und Einordnung der Musiker. Wieso sie die Stücke so ausgewählt hatten, erschloss sich mir nicht. Gemeinsam hatten sie eine gewisse Schwermütigkeit, die insbesondere eine neben mir sitzende Freundin störte, die schließlich begann, immer öfter etwas von "Valentinstag" zu murmeln und dass sie jetzt lieber etwas fürs Herz hören würde als diese traurigen Weisen. Nach ca. einer Stunde verschwanden die Musiker hinter der Bühne und das Licht ging kurz an, aber noch bevor man sich zur Pause erhoben hatte, waren sie schon wieder da - ca. 15 Sekunden später, was das sollte, blieb unklar. Sie spielten dann noch eine halbe Stunde weiter - 90 Minuten in Moll ohne Pause fand ich schon grenzwertig (meine Freundin war inzwischen dazu übergegangen, bei jedem neuen Stück "Ach, Du großer Gott!" zu zischen). Nachdem das letzte Stück verklungen war, eilte der Botschafter auf die Bühne, um den Musikern zu danken und allen anderen einen Ausklang mit Getränken anzukündigen. Doch nun ergriff der Cellist erstmals das Wort und kündigte - angesichts des Valentinstages! - noch eine Zugabe an - "Dream of love". "Von den Scorpions?" flüsterte mir meine Freundin hoffnungsvoll zu, ich musste sie allerdings darauf hinweisen, dass die Scorpions nicht "Dream of love" sondern "Wind of change" gesungen hatten - ersteres war von Franz Liszt, wie sich dann herausstellte. Und in Moll, wie alles andere an diesem Abend.
Danach erfreuten wir uns an Riesling, Wasser und Studentenfutter und blieben nicht mehr allzu lange.
Sonntag, 11. Februar 2018
Unterricht unter erschwerten Bedingungen: das botswanische Schulsystem
Spätestens, seit ich vor ein paar Wochen Bewerbungsgespräche für das Leadership-Programm von Baylor und Stepping Stones geführt habe, beschäftigt mich die Frage, wie das Schulsystem hier eigentlich funktioniert. Mir saßen junge Erwachsene gegenüber, die die Prüfung nach "Form 3" nicht bestanden hatten, und welche, die auf ihr Zeugnis nach der "Form 5" warteten und dann studieren wollten. Im letzten Jahr hatte ich außerdem Schüler im Unterricht, die kaum Englisch sprachen (obwohl der Unterricht hier ab der ersten Klasse auf Englisch stattfinden soll) und solche, die sich mündlich gut schlugen, aber kaum schreiben konnten. Von Kopfrechnen (addieren!) ganz zu schweigen. Wie passt das alles zusammen?
Zunächst befragte ich meinen botswanischen Kollegen Thato, was die ganzen "Form"-Bezeichnungen denn bedeuteten. Das ließ sich schnell klären. Das botswanische Schulsystem besteht aus drei Schultypen:
So weit, so gut. Ich recherchierte dann noch etwas im Internet. Und stolperte über eine Information, die ich fast nicht glauben konnte: In Botswana gibt es anscheinend keine Schulpflicht. Dennoch absolvieren die meisten Kinder mindestens die Primary School, deren Besuch kostenlos ist. Für die Secondary Schools wurden 2005 Gebühren eingeführt. Und auch vorher müssen Eltern nicht nur Stifte, Hefte und ggfs. Bücher bezahlen: An botswanischen Schulen wird nach britischem Vorbild Schuluniform getragen. Diese sieht recht adrett aus, kostet aber natürlich ...
Wie sieht es nun mit der Qualität des Unterrichts aus? Vor drei Wochen kaufte ich mir spontan "The Botswana Gazette", nachdem ich deren reißerische Titelseite sah. Zur Erinnerung: Anfang Januar wurde überliefert, dass US-Präsident Trump in einer Besprechung afrikanische Länder generell als "Shithole countries" beschimpft hätte. Wir hatten hier darüber berichtet, dass dieses Zitat auch in Botswana viel diskutiert wurde ...
In dem mit "A shithole education!" überschriebenem Artikel fand ich dann plausible Begründungen für die Bildungsdefizite einiger Schüler: Klassengrößen von durchschnittlich 60 Schülern in den jeweils ersten Klassen der Primary and Junior Secondary School. Und auch die anderen Klassen sind völlig überfüllt: Schon 2014 sorgte sich das hiesige Bildungsministerium, weil durchschnittlich 45 bis 50 Schüler in einer Klasse saßen, was zu schlechteren Resultaten führte. Es wurden Gegenmaßnahmen angekündigt, wobei es offensichtlich bei der Ankündigung blieb: Die durchschnittliche Klassengröße liegt inzwischen bei 50 bis 60 Schülern. Die botswanische Bevölkerung wächst, aber das Schulsystem wächst nicht mit. Und das stellt sowohl Lehrer als auch Schüler vor ernste Probleme: Die Lehrer haben kaum Chancen, die Namen ihrer Schüler zu lernen, geschweige denn, dem Einzelnen Hilfestellung zu leisten. Die Aufmerksamkeit aller Schüler zu bekommen, ist kaum möglich und schwächere Schüler bleiben oft auf der Strecke, weil sie sich prima durchmogeln können, ohne je aufzufallen. Lehrer leiden vermehrt unter Burnout bzw suchen sich lieber andere Jobs, die weniger anstrengend sind. Darüber hinaus sind die Klassenräume für die Klassengrößen viel zu klein; zum Teil wird daher in Bibliotheken, Foyers oder auch im Freien unterrichtet. Tatsächlich gab es wohl bereits 2016 26 Schulklassen, die permanent im Freien unterrichtet wurden - allein in Gaborone, der Hauptstadt.
2016/17 wurden von der Regierung 440,35 Millionen Pula bereitgestellt (das sind ca. 40 Millionen Euro), um neue Klassenräume zu bauen - das Geld hätte wohl für 1.466 Klassenräume reichen sollen. Eine enorme Anzahl. Allerdings wurde über die Hälfte des Geldes dann doch fachfremd eingesetzt, um Ausrüstung für Anti-Wilderer-Einheiten zu kaufen. Wie es dazu kommen konnte, erklärte die Botswana Gazette nicht, wohl aber, dass die Anti-Wilderer-Einheiten bereits vom Ministerium für Umwelt und Tourismus unterstützt werden. Der Artikel kam zu dem Schluss, dass Bildung in Botswana anscheinend keine Priorität hat - an den staatlichen Schulen. In Gaborone gibt es auch einige Privatschulen, auf die die Expat-Kinder wie auch die botswanischen Kinder aus wohlhabenderen Familien gehen. Dort scheint die Klassengröße bei maximal 20 Schülern zu liegen und auch die Ausstattung der Schulen ist viel besser.
Ein letzter Punkt, auf den ich während meiner Recherchen stieß und der vermutlich auch nicht unterschätzt werden sollte: Als Botswana 1966 unabhängig wurde, besuchten lediglich 8% der Jugendlichen überhaupt eine Sekundarschule. In den 1980er Jahren gabe es dann eine große Alphabetisierungskampagne, nachdem der Staat vor allem durch die Diamantenminen zu Geld gekommen war. Schulbildung ist also noch ein recht junges Gut in diesem Land, viele Schüler werden ältere Verwandte haben, die maximal die Primary School absolviert haben. Vielleicht ist also auch die Notwendigkeit einer höheren Schulbildung noch nicht so im allgemeinen Bewusstsein verankert, wie wir das aus Europa kennen. Bleibt zu hoffen, dass die botswanische Regierung es schafft, die Lernbedingungen an den staatlichen Schulen in den Griff zu bekommen.
Zunächst befragte ich meinen botswanischen Kollegen Thato, was die ganzen "Form"-Bezeichnungen denn bedeuteten. Das ließ sich schnell klären. Das botswanische Schulsystem besteht aus drei Schultypen:
- Primary School: umfasst die Klassen "Standard 1 bis 7". Quasi sieben Jahre Grundschule.
- Junior Secondary School: umfasst die Klassen "Form 1 bis 3" - drei Jahre Mittelschule.
- Senior Secondary School: umfasst die Klassen "Form 4 und 5".
So weit, so gut. Ich recherchierte dann noch etwas im Internet. Und stolperte über eine Information, die ich fast nicht glauben konnte: In Botswana gibt es anscheinend keine Schulpflicht. Dennoch absolvieren die meisten Kinder mindestens die Primary School, deren Besuch kostenlos ist. Für die Secondary Schools wurden 2005 Gebühren eingeführt. Und auch vorher müssen Eltern nicht nur Stifte, Hefte und ggfs. Bücher bezahlen: An botswanischen Schulen wird nach britischem Vorbild Schuluniform getragen. Diese sieht recht adrett aus, kostet aber natürlich ...
Wie sieht es nun mit der Qualität des Unterrichts aus? Vor drei Wochen kaufte ich mir spontan "The Botswana Gazette", nachdem ich deren reißerische Titelseite sah. Zur Erinnerung: Anfang Januar wurde überliefert, dass US-Präsident Trump in einer Besprechung afrikanische Länder generell als "Shithole countries" beschimpft hätte. Wir hatten hier darüber berichtet, dass dieses Zitat auch in Botswana viel diskutiert wurde ...
In dem mit "A shithole education!" überschriebenem Artikel fand ich dann plausible Begründungen für die Bildungsdefizite einiger Schüler: Klassengrößen von durchschnittlich 60 Schülern in den jeweils ersten Klassen der Primary and Junior Secondary School. Und auch die anderen Klassen sind völlig überfüllt: Schon 2014 sorgte sich das hiesige Bildungsministerium, weil durchschnittlich 45 bis 50 Schüler in einer Klasse saßen, was zu schlechteren Resultaten führte. Es wurden Gegenmaßnahmen angekündigt, wobei es offensichtlich bei der Ankündigung blieb: Die durchschnittliche Klassengröße liegt inzwischen bei 50 bis 60 Schülern. Die botswanische Bevölkerung wächst, aber das Schulsystem wächst nicht mit. Und das stellt sowohl Lehrer als auch Schüler vor ernste Probleme: Die Lehrer haben kaum Chancen, die Namen ihrer Schüler zu lernen, geschweige denn, dem Einzelnen Hilfestellung zu leisten. Die Aufmerksamkeit aller Schüler zu bekommen, ist kaum möglich und schwächere Schüler bleiben oft auf der Strecke, weil sie sich prima durchmogeln können, ohne je aufzufallen. Lehrer leiden vermehrt unter Burnout bzw suchen sich lieber andere Jobs, die weniger anstrengend sind. Darüber hinaus sind die Klassenräume für die Klassengrößen viel zu klein; zum Teil wird daher in Bibliotheken, Foyers oder auch im Freien unterrichtet. Tatsächlich gab es wohl bereits 2016 26 Schulklassen, die permanent im Freien unterrichtet wurden - allein in Gaborone, der Hauptstadt.
2016/17 wurden von der Regierung 440,35 Millionen Pula bereitgestellt (das sind ca. 40 Millionen Euro), um neue Klassenräume zu bauen - das Geld hätte wohl für 1.466 Klassenräume reichen sollen. Eine enorme Anzahl. Allerdings wurde über die Hälfte des Geldes dann doch fachfremd eingesetzt, um Ausrüstung für Anti-Wilderer-Einheiten zu kaufen. Wie es dazu kommen konnte, erklärte die Botswana Gazette nicht, wohl aber, dass die Anti-Wilderer-Einheiten bereits vom Ministerium für Umwelt und Tourismus unterstützt werden. Der Artikel kam zu dem Schluss, dass Bildung in Botswana anscheinend keine Priorität hat - an den staatlichen Schulen. In Gaborone gibt es auch einige Privatschulen, auf die die Expat-Kinder wie auch die botswanischen Kinder aus wohlhabenderen Familien gehen. Dort scheint die Klassengröße bei maximal 20 Schülern zu liegen und auch die Ausstattung der Schulen ist viel besser.
Ein letzter Punkt, auf den ich während meiner Recherchen stieß und der vermutlich auch nicht unterschätzt werden sollte: Als Botswana 1966 unabhängig wurde, besuchten lediglich 8% der Jugendlichen überhaupt eine Sekundarschule. In den 1980er Jahren gabe es dann eine große Alphabetisierungskampagne, nachdem der Staat vor allem durch die Diamantenminen zu Geld gekommen war. Schulbildung ist also noch ein recht junges Gut in diesem Land, viele Schüler werden ältere Verwandte haben, die maximal die Primary School absolviert haben. Vielleicht ist also auch die Notwendigkeit einer höheren Schulbildung noch nicht so im allgemeinen Bewusstsein verankert, wie wir das aus Europa kennen. Bleibt zu hoffen, dass die botswanische Regierung es schafft, die Lernbedingungen an den staatlichen Schulen in den Griff zu bekommen.
Mittwoch, 7. Februar 2018
Kapstadt und das Wasser
Mittlerweile liest, hört und sieht man ja auch in deutschen Medien, dass Kapstadt das Wasser ausgeht - während wir noch gar nicht mitbekommen haben, dass die botswanischen Medien dem Thema große Beachtung schenken würden.
Kapstadts Wasserreservoirs sind leer, der nächste Regen wird nicht vor Mai erwartet. So hat die Stadt schon vor ein paar Wochen den "Day 0" festgelegt, an dem bei konstantem Wasserverbrauch das Wassernetz der Stadt abgeschaltet werden muss. Dieser Tag ist mittlerweile von der zweiten Aprilhälfte auf die erste Aprilhälfte gewandert. Denn seitdem der Tag kommuniziert wurde, ist der Wasserverbrauch noch einmal angestiegen.
Restriktionen wie das Verbot der Befüllung von Swimmingpools, des Autowaschens oder des Gießens von Pflanzen mit Leitungswasser gibt es bereits lange. Letztes Jahr wurde der Bevölkerung Kapstadts gesagt, dass sie nicht mehr als 83 Liter Wasser pro Person und Tag verbrauchen dürfe (zum Vergleich: Das relativ sparsame Deutschland verbraucht pro Person und Tag ca. 120 Liter). Seit 1. Februar sind die Kosten für den Verbrauch von 50 Litern und mehr pro Person und Tag massiv erhöht worden. Wieviel man mit 50 Litern Wasser pro Tag noch verbrauchen kann, macht diese Grafik deutlich:
Was macht eine Stadt, der das Wasser ausgeht? Und was macht das mit einer Stadt? Wir wollten keinen Katastrophentourismus betreiben, als wir kürzlich dort waren - und es artete auch nicht zu einem solchen aus, im Gegenteil: Wir bekamen nur sehr wenig von der Wasserknappheit mit.
Vorbereitend hatte die Vermieterin unseres Airbnb-Appartments uns die obige Grafik geschickt mit der Bitte, möglichst sparsam mit dem Wasser umzugehen. Bei Ankunft am Flughafen sahen wir (d.h. ich, Walli organisierte uns mit dem Smartphone gerade ein Uber-Taxi) einige Plakate, die zum Wassersparen aufriefen. Bei Spaziergängen (!) durch die Stadt sahen wir gelegentlich Schilder wie "Dieser Bürgersteig wird nicht mit Leitungswasser geputzt" oder "Diese Blumen werden nicht mit Leitungswasser gegossen" - letzteres muss noch häufiger der Fall gewesen sein, denn die Stadt wirkte alles in allem doch recht grün, verdorrte Büsche und Bäume sahen wir de facto gar nicht. In den Toiletten einer Shoppingmall sowie am Flughafen waren alle Wasserhähne bis auf einen abgestellt, dafür wurde Desinfektionsspray angeboten.
Wir waren etwas verwundert, wie wenig die Wasserknappheit in der Stadt präsent war. Wollte man Touristen nicht abschrecken? Ohnehin ist es ja bei einer Stadt am Meer kaum zu glauben, dass dort Wassermangel herrschen könnte.
Wir bemühten uns also, im Appartment möglichst wenig Wasser zu verbrauchen. Wie oft darf also jeder duschen? Und warum ist im Toilettenkasten eigentlich kein Kurzspüler eingebaut?
Ja, die Gegend um Kapstadt erlebt seit Jahren eine schwere Dürre; manche vermuten darin Auswirkungen des Klimawandels. Es heißt aber auch, dass selbst diese Dürre nicht komplett ungewöhnlich sei und man sie besser hätte managen können; die Wasserknappheit sei so durch Inkompetenz und schlechtes Management zustande gekommen oder zumindest gefördert worden.
Wie wird es nun weitergehen in Kapstadt? Wir wissen es nicht. Die Stadt bereitet sich wohl auf das schlimmste Szenario vor, bei dem Anfang April das öffentliche Wassernetz weitgehend abgestellt wird und nur noch Krankenhäuser etc. versorgt werden sollen. Die Bürger sollen dann an 20 zentralen und vom Militär gesicherten Ausgabestellen je 25 Liter pro Tag abgefüllt abholen können. Allein diese Logistik dürfte den zuständigen Personen schlaflose Nächte bereiten, denn wie managed man eigentlich die Schlangen von wartenden Fußgängern und Autos, die diese 25 Liter fortschaffen wollen, und das täglich? Und wie gewährleistet man die Sicherheit der Wartenden? Wie kann Tourismus in dieser stark vom Tourismus abhängigen Stadt noch funktionieren, wenn kein Wasser aus der Leitung kommt?
In meiner Zeit in Ghana hatte ich häufiger Stromabschaltungen und gelegentlich auch kein Wasser. Ich weiß noch zu gut, dass es nervig ist, keinen Strom zu haben - aber kein Wasser zu haben, ist ungleich schlimmer. So hoffe ich also mit den Kapstädtern, dass es vorzeitig regnen möge oder sich doch noch eine Lösung finden lässt, damit das Wassernetz nicht abgestellt werden muss.
Kapstadts Wasserreservoirs sind leer, der nächste Regen wird nicht vor Mai erwartet. So hat die Stadt schon vor ein paar Wochen den "Day 0" festgelegt, an dem bei konstantem Wasserverbrauch das Wassernetz der Stadt abgeschaltet werden muss. Dieser Tag ist mittlerweile von der zweiten Aprilhälfte auf die erste Aprilhälfte gewandert. Denn seitdem der Tag kommuniziert wurde, ist der Wasserverbrauch noch einmal angestiegen.
Restriktionen wie das Verbot der Befüllung von Swimmingpools, des Autowaschens oder des Gießens von Pflanzen mit Leitungswasser gibt es bereits lange. Letztes Jahr wurde der Bevölkerung Kapstadts gesagt, dass sie nicht mehr als 83 Liter Wasser pro Person und Tag verbrauchen dürfe (zum Vergleich: Das relativ sparsame Deutschland verbraucht pro Person und Tag ca. 120 Liter). Seit 1. Februar sind die Kosten für den Verbrauch von 50 Litern und mehr pro Person und Tag massiv erhöht worden. Wieviel man mit 50 Litern Wasser pro Tag noch verbrauchen kann, macht diese Grafik deutlich:
Was macht eine Stadt, der das Wasser ausgeht? Und was macht das mit einer Stadt? Wir wollten keinen Katastrophentourismus betreiben, als wir kürzlich dort waren - und es artete auch nicht zu einem solchen aus, im Gegenteil: Wir bekamen nur sehr wenig von der Wasserknappheit mit.
Vorbereitend hatte die Vermieterin unseres Airbnb-Appartments uns die obige Grafik geschickt mit der Bitte, möglichst sparsam mit dem Wasser umzugehen. Bei Ankunft am Flughafen sahen wir (d.h. ich, Walli organisierte uns mit dem Smartphone gerade ein Uber-Taxi) einige Plakate, die zum Wassersparen aufriefen. Bei Spaziergängen (!) durch die Stadt sahen wir gelegentlich Schilder wie "Dieser Bürgersteig wird nicht mit Leitungswasser geputzt" oder "Diese Blumen werden nicht mit Leitungswasser gegossen" - letzteres muss noch häufiger der Fall gewesen sein, denn die Stadt wirkte alles in allem doch recht grün, verdorrte Büsche und Bäume sahen wir de facto gar nicht. In den Toiletten einer Shoppingmall sowie am Flughafen waren alle Wasserhähne bis auf einen abgestellt, dafür wurde Desinfektionsspray angeboten.
Wir waren etwas verwundert, wie wenig die Wasserknappheit in der Stadt präsent war. Wollte man Touristen nicht abschrecken? Ohnehin ist es ja bei einer Stadt am Meer kaum zu glauben, dass dort Wassermangel herrschen könnte.
Wir bemühten uns also, im Appartment möglichst wenig Wasser zu verbrauchen. Wie oft darf also jeder duschen? Und warum ist im Toilettenkasten eigentlich kein Kurzspüler eingebaut?
Ja, die Gegend um Kapstadt erlebt seit Jahren eine schwere Dürre; manche vermuten darin Auswirkungen des Klimawandels. Es heißt aber auch, dass selbst diese Dürre nicht komplett ungewöhnlich sei und man sie besser hätte managen können; die Wasserknappheit sei so durch Inkompetenz und schlechtes Management zustande gekommen oder zumindest gefördert worden.
Wie wird es nun weitergehen in Kapstadt? Wir wissen es nicht. Die Stadt bereitet sich wohl auf das schlimmste Szenario vor, bei dem Anfang April das öffentliche Wassernetz weitgehend abgestellt wird und nur noch Krankenhäuser etc. versorgt werden sollen. Die Bürger sollen dann an 20 zentralen und vom Militär gesicherten Ausgabestellen je 25 Liter pro Tag abgefüllt abholen können. Allein diese Logistik dürfte den zuständigen Personen schlaflose Nächte bereiten, denn wie managed man eigentlich die Schlangen von wartenden Fußgängern und Autos, die diese 25 Liter fortschaffen wollen, und das täglich? Und wie gewährleistet man die Sicherheit der Wartenden? Wie kann Tourismus in dieser stark vom Tourismus abhängigen Stadt noch funktionieren, wenn kein Wasser aus der Leitung kommt?
In meiner Zeit in Ghana hatte ich häufiger Stromabschaltungen und gelegentlich auch kein Wasser. Ich weiß noch zu gut, dass es nervig ist, keinen Strom zu haben - aber kein Wasser zu haben, ist ungleich schlimmer. So hoffe ich also mit den Kapstädtern, dass es vorzeitig regnen möge oder sich doch noch eine Lösung finden lässt, damit das Wassernetz nicht abgestellt werden muss.
Sonntag, 4. Februar 2018
Safari mit Frack
Wir haben Bekannte hier, die waren quasi noch gar nicht außerhalb von Gaborone unterwegs, weil man ja eh "nur" Safari machen könne, und das hätten sie schon bei ihrer letzten "Station", in Kenia, zur Genüge getan. So ganz können wir diese Haltung nicht nachvollziehen, denn wilde Tiere in ihrer natürlichen Umgebung zu beobachten ist für uns einfach faszinierend und jedes Mal anders.
Dennoch haben auch wir jüngst beschlossen, dass wir doch mal andere Tiere beobachten könnten. Und so führte uns letztes Wochenende unsere jüngste Safari in die Nähe von Kapstadt, zu einer Kolonie von Pinguinen. An einer Bucht am Strand leben dort ca. 2.000 afrikanische Pinguine. Für uns hatten sie sich extra in einen Frack geworfen!
Auf Holzstegen ging es durch die kleinen Dünen hinunter zum Pinguin-Strand, wo man sie von einer Plattform aus beobachten konnte. Schon von dem Bohlenweg aus sah man einige Tiere herumwatscheln, und vermutlich verstand ich erst in diesem Augenblick, was der Begriff des Watschelns eigentlich meint.
Am Strand selbst waren die Pinguine dann in Massen anzutreffen, manche liegend, andere stehend. Einige offenbar gerade in der Mauser, d.h. mit vielen sichtbaren Federn. 21 Tage dauert die Mauser, in der Zeit können die Pinguine nicht ins Wasser und keine Nahrung aufnehmen. Viele Pinguine waren als nebeneinanderstehende Pärchen zu erkennen (sie bleiben ihrem Partner wohl ein Leben lang treu), manche pflegten sich gegenseitig das Fell.
Auch federreiche Jungtiere waren zu sehen. Manche Pinguine watschelten gerade ins Wasser, ließen sich dann in die Brandung plumpsen und schwammen los, andere ließen sich von den Wellen an den Strand treiben, standen auf und watschelten ins Trockene.
Dennoch haben auch wir jüngst beschlossen, dass wir doch mal andere Tiere beobachten könnten. Und so führte uns letztes Wochenende unsere jüngste Safari in die Nähe von Kapstadt, zu einer Kolonie von Pinguinen. An einer Bucht am Strand leben dort ca. 2.000 afrikanische Pinguine. Für uns hatten sie sich extra in einen Frack geworfen!
Auf Holzstegen ging es durch die kleinen Dünen hinunter zum Pinguin-Strand, wo man sie von einer Plattform aus beobachten konnte. Schon von dem Bohlenweg aus sah man einige Tiere herumwatscheln, und vermutlich verstand ich erst in diesem Augenblick, was der Begriff des Watschelns eigentlich meint.
Am Strand selbst waren die Pinguine dann in Massen anzutreffen, manche liegend, andere stehend. Einige offenbar gerade in der Mauser, d.h. mit vielen sichtbaren Federn. 21 Tage dauert die Mauser, in der Zeit können die Pinguine nicht ins Wasser und keine Nahrung aufnehmen. Viele Pinguine waren als nebeneinanderstehende Pärchen zu erkennen (sie bleiben ihrem Partner wohl ein Leben lang treu), manche pflegten sich gegenseitig das Fell.
Auch federreiche Jungtiere waren zu sehen. Manche Pinguine watschelten gerade ins Wasser, ließen sich dann in die Brandung plumpsen und schwammen los, andere ließen sich von den Wellen an den Strand treiben, standen auf und watschelten ins Trockene.
Tierbeobachtung einmal anders - und durchaus auch eine faszinierende Safari!
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