Dienstag, 20. Februar 2018

Tierischer Besuch

Letzten Freitagmorgen schickte mir Walli ein Bild auf die Arbeit mit den Worten: "Besuch auf der Terrasse."


Wenn man mit einem guten Ranger auf Safari ist, dann liest er (eine Sie hatten wir bisher noch nicht) auch die Spuren von Tieren - und erläutert sie gelegentlich auch seinen Gästen. Und wenn die Spur eines Löwen frisch ist, dann verfolgt der Ranger sie natürlich bis das Tier gefunden ist. Als ich das obige Bild sah, dachte ich mir, dass ich vielleicht doch besser hätte aufpassen sollen bei solchen Erläuterungen. Der Mann einer Botschaftsmitarbeiterin hatte sogar vor einiger Zeit einen Spurenlesekurs für angehende Ranger gemacht (der wohl aber gar nicht sooo gut war) - hätte ich so etwas auch machen sollen?
So schaute ich also auf das Bild und fing an zu überlegen: Eine Großkatze im Garten? Löwe? Leopard? Eher unwahrscheinlich, dass sich so ein Tier bis in die Stadt hinein verirrt und dann auch noch Mauer samt Elektrozaun überwindet (Anmerkung Walli: Eher unwahrscheinlich, dass ich in aller Ruhe Spuren auf der Terrasse fotografiere, wenn dort ein Löwe oder ein Leopard rumschleicht!). Für Taubenfüße (unsere ungeliebten Mitbewohner, eine Taube hat es sogar mal vom Dach durch den Kamin ins Wohnzimmer geschafft) waren die Fußabdrücke aber deutlich zu groß. Ich hielt es auch für unwahrscheinlich, dass Gollum, das Katzenbaby, das uns vor einem Jahr zugelaufen war, wieder zurückgekehrt sei - und warum sollte mir Walli ein Bild von Spuren einer anderen Katze schicken (wobei die Abdrücke mir auch dafür als zu groß erschienen)?  Dann kam schon der Anruf mit der Aufklärung:
Walli saß auf unserem Wohnzimmersofa, als sie durch die geöffneten Flügeltüren auf der überdachten Terrasse aus dem Augenwinkel einen Schatten wahrnahm - im ersten Moment dachte sie, da stünde ein großer brauner Hund. Es handelte sich dann aber doch um einen ausgewachsenen ... Pavian, der sich gerade so lautlos wie gemächlich auf die ebenfalls sperrangelweit offenstehende Terrassentür unserer Küche zubewegte. Was tun? Walli stand auf, um zumindest die Flügeltüren zum Wohnzimmer zu schließen. Daraufhin bemerkte der Pavian Walli und Walli einen zweiten Pavian hinter dem ersten. Sie war dann doch sehr dankbar, dass sich bei ihrem Anblick beide wieder umdrehten und die Terrasse in gemütlichem Tempo wieder verließen. Nachdem sie sämtliche Türen geschlossen hatte, beobachtete Walli noch durch das Fenster des Gästezimmers, wie die Paviane über die großen Regenwassertanks auf Bäume turnten und von dort über den Elektrozaun das Grundstück verließen.

Es war der erste Besuch von Pavianen, den wir hier bei uns mitbekommen haben, gänzlich unerwartet kam er jedoch nicht. Wir wohnen nicht weit vom Kgale Hill entfernt, wo sie hauptsächlich wohnen, und wir hörten schon von Bewohnern von Häusern am Ende unserer Straße, die noch etwas näher am Berg sind, dass sie regelmäßig Besuch bekommen. Auch rund um mein altes Büro sah man regelmäßig Paviane herumturnen, sich streiten und in Mülleimern nach Essbarem suchen.
Klein und niedlich sind diese Paviane nicht, eher groß und zähnefletschend, sie haben durchaus den Ruf, gemein zu sein und nicht ungefährlich. Insofern waren wir schon dankbar, bisher nicht öfters Besuch erhalten zu haben - und dass sie nicht bis in die Küche vorgedrungen sind. Obstschale, dreckiges Geschirr und Vorratsschränke hätten ihnen eventuell doch so gut gefallen, dass sie da länger geblieben wären ... und beim nächsten Mal ihre Kumpels mitgebracht hätten.

Das Rätsel der Fußabdrücke ist also für mich nun aufgeklärt - dennoch habe ich gefordert, beim nächsten Mal doch bitte nicht nur ein Bild der Fußabdrücke, sondern der Tiere zu erhalten!

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