... ein Lichtlein brennt!
,
Wir freuen uns sehr, dass unser neuer afrikanischer Adventskranz mit diesem Lichtlein nun eingeweiht ist. Erstanden haben wir ihn Ende Oktober in Windhoek, beim Kunsthandwerkszentrum Namibia Crafts - hergestellt und verkauft hat ihn allerdings eine deutsche Auswanderin. Schon seit mehreren Jahren hatten wir überlegt, uns einen immerwährenden Adventskranz zuzulegen, aber noch kein Modell gefunden, auf das wir uns festlegen wollten. Und dann sahen wir dieses: Stachelschweinborsten, Warzenschweinzahn, Elefantenfiguren - gekauft! Sind das wohl Anzeichen unserer fortschreitenden Verbuschung? Verbuscht oder nicht verbuscht, wir wünschen Euch einen frohen ersten Advent und eine schöne Vorweihnachtszeit!
Posts mit dem Label Namibia werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Namibia werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Sonntag, 3. Dezember 2017
Mittwoch, 15. November 2017
Gästeblog: Tiere im südlichen Afrika (Teil 1)
Aus der Serie Gästeblog statt Gästebuch: Hier der erste Eintrag von Wallis Eltern, die uns kürzlich drei Wochen lang besucht haben bzw. mit uns gereist sind (zu Teil 2 geht's hier):
Von Windhoek in Namibia auf der Fahrt nach Norden kommt es zu ersten Begegnungen: Pferde, Rinder, Esel, Ziegen, Schafe, aber auch Warzenschweine, Kudus, Perlhühner sind auf und neben der Autobahn zu sehen. Am imposanten, geschichtsträchtigen Waterberg dominieren Warzenschweine, Vögel, Wildhühner und Dikdiks, die Mini-Antilopen.
Der Traum aller Safari-Jünger, „the Big Five“, beginnt am Etosha-Nationalpark Realität zu werden. Reger Betrieb am Wasserloch vor dem Zentralgebäude unserer Lodge: Impala, Springbock, Elen-Antilope, Oryx, Zebra, Gnu. Nachts noch ein White Rhino, ein Breitmaulnashorn.
Zwischendurch eine geführte Geländefahrt: Wasserbock, Giraffen, Kudu, Gnu, Zebra, und dabei zwei Treffer: ein Löwenrudel, 12 Tiere geführt von einem jungen Brüderpaar, eine Löwin mit zwei Jungen – und drei Nashörner, zwei davon auf dem Weg zum Wasserloch, da kommt Freude und Zufriedenheit auf.
Dann – allen Tieren sei es gegönnt – kam der große Regen, nachts 40mm, der Guss ging in eine Art Landregen über, überall war plötzlich reichlich Wasser, die Tiere verteilten sich und waren nur noch schwer zu finden. Ein Springbock, fröhlich, verspielt, bis vier Meter hochspringend, sieht bei Regen so aus: gekrümmter Rücken wie eine Katze, Schwanz heruntergeklappt bis in die Kniekehlen, Kopf gesenkt bis auf Kniehöhe – ein Bild des Jammers!
Weiter südlich, in der Okonjima Lodge, die Raubtiere pflegt, heilt, aufzieht und auswildert, war es noch trocken. In der Ebene vor den Unterkünften waren immer Böcke und Antilopen unterwegs, dazu auch Schakal und Warzenschwein.
Der Game Drive galt der Suche nach Geparden, die durch Halsbandsender gekennzeichnet waren. Der Ranger, ein hervorragender Tierkenner, hatte nach 45 Minuten mit Hilfe virtuoser Handhabung seiner Suchantenne das Ziel erreicht: Ein Gepardenbrüderpaar, ganz in der Nähe. Nun ging es zu Fuß in den Busch: Ranger, sechs Gäste, Hilfsranger mit Knüppel! So geschützt vor den Gefahren der Savanne erreichen wir unbeschädigt nach etwa 600 m den Rast- und Beobachtungsplatz der Tiere, erleben einen Jagdversuch, bei dem die Geparden mit Blitzstart verschwinden und sehen sie nach 500 m ohne Beute völlig außer Puste hechelnd am Boden liegen.
Danach die Überraschung durch den Ranger: „Hier in der Nähe ist ein Leopard“, das seltenste Tier der „Big Five“. Geländewagen und Fahrer leisten erstaunliches, querbeet durch den Busch, trockene Flussbetten und überall dort, wo nie ein Weg war. Weiter geht die Suche im Wettbewerb mit einem zweiten Fahrzeug, welches das gleiche Ziel hatte, und da war er schließlich, wälzte sich am Boden, kaute an etwas herum und hatte an uns Fotojägern nicht das geringste Interesse, der dritte Treffer.
10 Tage später setzten wir die Suche nach den "Big Five" in Südafrika fort. Fortsetzung hier!
Von Windhoek in Namibia auf der Fahrt nach Norden kommt es zu ersten Begegnungen: Pferde, Rinder, Esel, Ziegen, Schafe, aber auch Warzenschweine, Kudus, Perlhühner sind auf und neben der Autobahn zu sehen. Am imposanten, geschichtsträchtigen Waterberg dominieren Warzenschweine, Vögel, Wildhühner und Dikdiks, die Mini-Antilopen.
Der Traum aller Safari-Jünger, „the Big Five“, beginnt am Etosha-Nationalpark Realität zu werden. Reger Betrieb am Wasserloch vor dem Zentralgebäude unserer Lodge: Impala, Springbock, Elen-Antilope, Oryx, Zebra, Gnu. Nachts noch ein White Rhino, ein Breitmaulnashorn.
Zwischendurch eine geführte Geländefahrt: Wasserbock, Giraffen, Kudu, Gnu, Zebra, und dabei zwei Treffer: ein Löwenrudel, 12 Tiere geführt von einem jungen Brüderpaar, eine Löwin mit zwei Jungen – und drei Nashörner, zwei davon auf dem Weg zum Wasserloch, da kommt Freude und Zufriedenheit auf.
Dann – allen Tieren sei es gegönnt – kam der große Regen, nachts 40mm, der Guss ging in eine Art Landregen über, überall war plötzlich reichlich Wasser, die Tiere verteilten sich und waren nur noch schwer zu finden. Ein Springbock, fröhlich, verspielt, bis vier Meter hochspringend, sieht bei Regen so aus: gekrümmter Rücken wie eine Katze, Schwanz heruntergeklappt bis in die Kniekehlen, Kopf gesenkt bis auf Kniehöhe – ein Bild des Jammers!
Weiter südlich, in der Okonjima Lodge, die Raubtiere pflegt, heilt, aufzieht und auswildert, war es noch trocken. In der Ebene vor den Unterkünften waren immer Böcke und Antilopen unterwegs, dazu auch Schakal und Warzenschwein.
Der Game Drive galt der Suche nach Geparden, die durch Halsbandsender gekennzeichnet waren. Der Ranger, ein hervorragender Tierkenner, hatte nach 45 Minuten mit Hilfe virtuoser Handhabung seiner Suchantenne das Ziel erreicht: Ein Gepardenbrüderpaar, ganz in der Nähe. Nun ging es zu Fuß in den Busch: Ranger, sechs Gäste, Hilfsranger mit Knüppel! So geschützt vor den Gefahren der Savanne erreichen wir unbeschädigt nach etwa 600 m den Rast- und Beobachtungsplatz der Tiere, erleben einen Jagdversuch, bei dem die Geparden mit Blitzstart verschwinden und sehen sie nach 500 m ohne Beute völlig außer Puste hechelnd am Boden liegen.
Danach die Überraschung durch den Ranger: „Hier in der Nähe ist ein Leopard“, das seltenste Tier der „Big Five“. Geländewagen und Fahrer leisten erstaunliches, querbeet durch den Busch, trockene Flussbetten und überall dort, wo nie ein Weg war. Weiter geht die Suche im Wettbewerb mit einem zweiten Fahrzeug, welches das gleiche Ziel hatte, und da war er schließlich, wälzte sich am Boden, kaute an etwas herum und hatte an uns Fotojägern nicht das geringste Interesse, der dritte Treffer.
10 Tage später setzten wir die Suche nach den "Big Five" in Südafrika fort. Fortsetzung hier!
Mittwoch, 8. November 2017
Ein neues Haustier
Ich hatte mir nun schon seit einiger Zeit ein neues Haustier gewünscht. Gollum, das kleine Kätzchen, das uns Anfang des Jahres zugelaufen war, mussten wir ja leider abgeben, obwohl sie uns sehr ans Herz gewachsen war. Wallis Tierhaarallergie und unsere häufigen Ausflüge waren keine gute Kombination, um ein solches Haustier langfristig glücklich zu machen.
Ich wünschte mir also eine Ergänzung zu unserem Elefanten und den Nilpferden, und zwar in Form einer Giraffe. Ja, einer Holzgiraffe - und ganz klein sollte sie auch nicht sein. So hielt ich immer wieder die Augen offen. In Botswana sucht man solches Kunsthandwerk leider vergebens. Im September sahen wir in Namibia ein paar Holzgiraffen, doch die waren mir in der Regel deutlich zu teuer.
Bei einem Kollegen entdeckte ich kürzlich recht schöne Exemplare und fragte ihn, wo er sie herhabe. Der Johannesburger Flughafen scheint eine gute Quelle zu sein - nur steht gerade keine (Dienst-) Reise dorthin an. Als wir letzte Woche nun wieder in Namiba unterwegs waren, ergab sich eine günstige Gelegenheit, als wir an einem Markt mit Holz-Kunsthandwerk vorbeikamen. Und in der Tat fanden wir dort ein preislich akzeptables Modell, das uns beiden gefiel. Hier wurde es gerade eingepackt:
Als nächstes mussten wir es über die Grenze nach Botswana bringen. Grenzübergänge sind hier doch häufig etwas "komplex" (über einen Grenzübertritt nach Südafrika hatten wir hier schon einmal geschrieben). Und so bibberten wir auch dieses Mal, ob wir die Giraffe durch den Zoll bringen würden - immerhin war sie ja nicht zu übersehen. Nach fast allen Formalitäten auf namibischer Seite hielt uns im Niemandsland zwischen den Grenzposten ein namibischer Polizist an, schaute ins Fahrzeug und fragte mich dann, wer denn der "große da hinten" sei. Ich antwortete: "Das ist mein Schwiegervater!" (der auf der Rückbank saß, mit der Giraffe zwischen ihm und meiner Schwiegermutter). Es stellte sich heraus, dass der Polizist eher das liegende Exemplar der Giraffe meinte ...
Wir kamen schließlich einfacher als befürchtet über die Grenze, und nach langer Fahrt über den Trans-Kalahari-Highway auch wieder in unserem Heim in Gaborone an. Noch nicht ausgewickelt, lehnte ich die Giraffe vor der Haustür an; leider wurde sie gleich von einer Windböe umgeblasen und verletzte sich im Gesicht. So mussten wir mit Holzleim kurz darauf eine Schönheitsoperation durchführen.
Sie sieht jetzt wieder aus wie (fast) neu und schmückt unser Wohnzimmer. Bisher wollte sie noch nicht so viel gestreichelt werden wie Gollum...
Ich wünschte mir also eine Ergänzung zu unserem Elefanten und den Nilpferden, und zwar in Form einer Giraffe. Ja, einer Holzgiraffe - und ganz klein sollte sie auch nicht sein. So hielt ich immer wieder die Augen offen. In Botswana sucht man solches Kunsthandwerk leider vergebens. Im September sahen wir in Namibia ein paar Holzgiraffen, doch die waren mir in der Regel deutlich zu teuer.
Bei einem Kollegen entdeckte ich kürzlich recht schöne Exemplare und fragte ihn, wo er sie herhabe. Der Johannesburger Flughafen scheint eine gute Quelle zu sein - nur steht gerade keine (Dienst-) Reise dorthin an. Als wir letzte Woche nun wieder in Namiba unterwegs waren, ergab sich eine günstige Gelegenheit, als wir an einem Markt mit Holz-Kunsthandwerk vorbeikamen. Und in der Tat fanden wir dort ein preislich akzeptables Modell, das uns beiden gefiel. Hier wurde es gerade eingepackt:
Wir kamen schließlich einfacher als befürchtet über die Grenze, und nach langer Fahrt über den Trans-Kalahari-Highway auch wieder in unserem Heim in Gaborone an. Noch nicht ausgewickelt, lehnte ich die Giraffe vor der Haustür an; leider wurde sie gleich von einer Windböe umgeblasen und verletzte sich im Gesicht. So mussten wir mit Holzleim kurz darauf eine Schönheitsoperation durchführen.
Sie sieht jetzt wieder aus wie (fast) neu und schmückt unser Wohnzimmer. Bisher wollte sie noch nicht so viel gestreichelt werden wie Gollum...
Sonntag, 5. November 2017
Oktoberfest!
Manche Leute gehen bis Anfang Oktober aufs Oktoberfest, wir dagegen erst Ende Oktober.
Kürzlich durften wir eine weitere Reise nach Namibia machen, und auf der Fahrt über den Trans-Kalahari-Highway stellten wir fest, dass just an dem Wochenende unseres Windhoek-Aufenthalts ein Oktoberfest veranstaltet werden würde. Eine in Namibia vermutlich etwas skurrile Abend-Unterhaltung, so dachten wir. Und beschlossen, uns das nicht entgehen zu lassen.
Es sei das größte Oktoberfest Afrikas, so verkündete ein Ansager, als wir das größte der Festzelte betraten; gut, das ist vermutlich nicht schwer - und ich kann zumindest bezeugen, dass es tatsächlich deutlich größer war als das Oktoberfest, das ich in Accra ca. 2007 miterlebt habe.
Immerhin haben die Organisatoren auch eine echte Oktoberfestband aus München einfliegen lassen, die "Kirchdorfer". Die spielten dann auch das, was man sich als typische Oktoberfest-Musik vorstellt (wir hatten noch Tage später einen "Atemlos"-Ohrwurm) und riefen in regelmäßigen Abständen "Zicke zacke zicke zacke", worauf ein begeistertes Publikum "Hoi hoi hoi" zurückbrüllte. Ein wenig verrückt ist es schon, das in Afrika zu hören, dazu in einem geschmückten Festzelt, in dem mehr Menschen mit Dirndl oder Lederhosen waren als ohne - ein wenig "underdressed" fühlten wir uns da schon in unseren Freizeit-Safari-Outfits. Da kamen uns die Namibianer doch irgendwie deutscher vor als wir uns selbst ... und dann wurde auch noch vor der Bühne Schuhplattler getanzt.
Festbier gab es, wohl auch aus München importiert, dazu lokales Bier aus Windhoek. Wir sprachen beidem reichlich zu, da uns etwas spät auffiel, dass die gekauften Bons nur für Getränke, aber nicht für Speisen eingelöst werden konnten ... Echte Oktoberfestbedienungen waren nicht mit eingeflogen worden, so dass wir zur Beschaffung von Getränken und Speisen viel auf dem Festgelände unterwegs waren. Auch die Speisekarte war übrigens durchaus bayrisch geprägt:
Wir bekamen also das volle Programm ab. Na ja, fast - was wir verpassten: Am nächsten Tag hätte es auch noch ein paar Jahrmarkt-Attraktionen gegeben, wie "Hau-den-Lukas" und mechanisches Bullenreiten. Vielleicht dann nächstes Mal?
Kürzlich durften wir eine weitere Reise nach Namibia machen, und auf der Fahrt über den Trans-Kalahari-Highway stellten wir fest, dass just an dem Wochenende unseres Windhoek-Aufenthalts ein Oktoberfest veranstaltet werden würde. Eine in Namibia vermutlich etwas skurrile Abend-Unterhaltung, so dachten wir. Und beschlossen, uns das nicht entgehen zu lassen.
Es sei das größte Oktoberfest Afrikas, so verkündete ein Ansager, als wir das größte der Festzelte betraten; gut, das ist vermutlich nicht schwer - und ich kann zumindest bezeugen, dass es tatsächlich deutlich größer war als das Oktoberfest, das ich in Accra ca. 2007 miterlebt habe.
Immerhin haben die Organisatoren auch eine echte Oktoberfestband aus München einfliegen lassen, die "Kirchdorfer". Die spielten dann auch das, was man sich als typische Oktoberfest-Musik vorstellt (wir hatten noch Tage später einen "Atemlos"-Ohrwurm) und riefen in regelmäßigen Abständen "Zicke zacke zicke zacke", worauf ein begeistertes Publikum "Hoi hoi hoi" zurückbrüllte. Ein wenig verrückt ist es schon, das in Afrika zu hören, dazu in einem geschmückten Festzelt, in dem mehr Menschen mit Dirndl oder Lederhosen waren als ohne - ein wenig "underdressed" fühlten wir uns da schon in unseren Freizeit-Safari-Outfits. Da kamen uns die Namibianer doch irgendwie deutscher vor als wir uns selbst ... und dann wurde auch noch vor der Bühne Schuhplattler getanzt.
Festbier gab es, wohl auch aus München importiert, dazu lokales Bier aus Windhoek. Wir sprachen beidem reichlich zu, da uns etwas spät auffiel, dass die gekauften Bons nur für Getränke, aber nicht für Speisen eingelöst werden konnten ... Echte Oktoberfestbedienungen waren nicht mit eingeflogen worden, so dass wir zur Beschaffung von Getränken und Speisen viel auf dem Festgelände unterwegs waren. Auch die Speisekarte war übrigens durchaus bayrisch geprägt:
Wir bekamen also das volle Programm ab. Na ja, fast - was wir verpassten: Am nächsten Tag hätte es auch noch ein paar Jahrmarkt-Attraktionen gegeben, wie "Hau-den-Lukas" und mechanisches Bullenreiten. Vielleicht dann nächstes Mal?
Mittwoch, 11. Oktober 2017
Wüste, Berge und Meer
Nach einer Konferenz in Windhoek, an der ich aktiv teilnahm, konnten Walli und ich noch etwas Namibia entdecken (Walli schrieb hier schon zu unseren Camping-Erfahrungen im neuen Dachzelt). Bzw. wenn ich ehrlich bin, dann entdeckte ich und Walli zeigte mir Namibia, denn für sie war es ja bereits der dritte Namibia-Aufenthalt in diesem Jahr, für mich der erste überhaupt. Auch wenn wir grundsätzlich Ziele ansteuerten, die sie bereits kannte, gab es auch für sie noch genug Neues.
Zunächst einmal muss ich sagen, dass (auch) ich ganz fasziniert bin von der Vielfalt der Landschaften Namibias. Kurz nach der Grenze zwischen Botswana und Namibia wird der Trans-Kalahari-Highway abwechslungsreich: Die Vegetation wird leicht üppiger, die Straße führt über Hügel und durch kleinere Täler, in der Entfernung sind Berge zu sehen - ein fast typisches Landschaftsbild, das uns auch auf unseren weiteren Touren durch Namibia begleitete. Im Vergleich zu Botswana sind zwar offenbar weniger Straßen asphaltiert, die restlichen sind als (major/minor) Staubstraßen aber in einem guten Zustand und lassen Geschwindigkeiten von 80 km/h zu, so dass man trotz großer Entfernungen einigermaßen voran kommt.
Unser erstes Ziel war der Sesriem Nationalpark mit dem Soussousvlei: rotsandige Dünen im Landesinneren, die allein schon sehenswert sind. Im bekanntesten Dünental liegt weißer Sand, dazu ein paar 600 Jahre alte verdorrte Baumstämme. So hat man den Kontrast zwischen blauem Himmel, roten Dünen, weißem Sand und schwarzen Baumstämmen - sehr faszinierend.
Nachdem wir uns umgeschaut hatten, erklommen wir - in der Mittagshitze - eine Düne, von der aus wir einen tollen Blick auf besagtes Dünental und die Umgebung hatten. Wenn wir an dem Tag nicht noch hätten weiterfahren wollen, wären wir gerne noch länger geblieben.
Die Weiterfahrt führte uns durch Teile der Namib-Wüste. Auch hier zeigte sich die Landschaft abwechslungsreich: In der Entfernung immer wieder Berge, farbliche Kontraste zwischen Himmel, Bergen und Boden.
Nach einer Übernachtung gönnten wir uns einen Umweg von 200 km und fuhren durch die Berge, zwei bis drei Bergpässe inklusive mit entsprechend tollen Ausblicken.
Einen weiteren Pass und eine längere Fahrt durch die Wüste später kamen wir in Swakopmund an (gefühlt schon Wallis zweite Heimat?). Wir passten beim Parken unseres Autos auf (wir wollten ja nicht Fensterlos durch Swakopmund irren) und Walli zeigte mir die Stadt. Wir spazierten plötzlich am Meer entlang! Innerhalb eines Tages kamen wir so an Wüste, Bergen und Meer vorbei - fast etwas überwältigend. Schwarzwälder Kirschtorte im Cafe Anton gehörte offenbar zum Pflichtprogramm, die größte deutsche Buchhandlung hatte bereits geschlossen (es war ja schon Samstagnachmittag), ich sah Fachwerkhäuser und Häuser mit Dachschindeln; überhaupt fühlte es sich bei bewölktem Himmel und 15°C fast an wie in Deutschland. Supermärkte mit vielen deutschen Produkten hatten wir bereits in Windhoek leergekauft (Laugenbrötchen! Gutes Brot! Mettwürstchen! 3-lagiges Toilettenpapier!).
Ich bin also schwer begeistert von Namibia - ein Land der (sicher nicht nur landschaftlichen) Kontraste, abwechslungsreich - und eben ein klein wenig Deutschland in Afrika. Ich kann schon jetzt sagen: Bis bald, Namibia!
Zunächst einmal muss ich sagen, dass (auch) ich ganz fasziniert bin von der Vielfalt der Landschaften Namibias. Kurz nach der Grenze zwischen Botswana und Namibia wird der Trans-Kalahari-Highway abwechslungsreich: Die Vegetation wird leicht üppiger, die Straße führt über Hügel und durch kleinere Täler, in der Entfernung sind Berge zu sehen - ein fast typisches Landschaftsbild, das uns auch auf unseren weiteren Touren durch Namibia begleitete. Im Vergleich zu Botswana sind zwar offenbar weniger Straßen asphaltiert, die restlichen sind als (major/minor) Staubstraßen aber in einem guten Zustand und lassen Geschwindigkeiten von 80 km/h zu, so dass man trotz großer Entfernungen einigermaßen voran kommt.
Unser erstes Ziel war der Sesriem Nationalpark mit dem Soussousvlei: rotsandige Dünen im Landesinneren, die allein schon sehenswert sind. Im bekanntesten Dünental liegt weißer Sand, dazu ein paar 600 Jahre alte verdorrte Baumstämme. So hat man den Kontrast zwischen blauem Himmel, roten Dünen, weißem Sand und schwarzen Baumstämmen - sehr faszinierend.
Nachdem wir uns umgeschaut hatten, erklommen wir - in der Mittagshitze - eine Düne, von der aus wir einen tollen Blick auf besagtes Dünental und die Umgebung hatten. Wenn wir an dem Tag nicht noch hätten weiterfahren wollen, wären wir gerne noch länger geblieben.
Nach einer Übernachtung gönnten wir uns einen Umweg von 200 km und fuhren durch die Berge, zwei bis drei Bergpässe inklusive mit entsprechend tollen Ausblicken.
Einen weiteren Pass und eine längere Fahrt durch die Wüste später kamen wir in Swakopmund an (gefühlt schon Wallis zweite Heimat?). Wir passten beim Parken unseres Autos auf (wir wollten ja nicht Fensterlos durch Swakopmund irren) und Walli zeigte mir die Stadt. Wir spazierten plötzlich am Meer entlang! Innerhalb eines Tages kamen wir so an Wüste, Bergen und Meer vorbei - fast etwas überwältigend. Schwarzwälder Kirschtorte im Cafe Anton gehörte offenbar zum Pflichtprogramm, die größte deutsche Buchhandlung hatte bereits geschlossen (es war ja schon Samstagnachmittag), ich sah Fachwerkhäuser und Häuser mit Dachschindeln; überhaupt fühlte es sich bei bewölktem Himmel und 15°C fast an wie in Deutschland. Supermärkte mit vielen deutschen Produkten hatten wir bereits in Windhoek leergekauft (Laugenbrötchen! Gutes Brot! Mettwürstchen! 3-lagiges Toilettenpapier!).
Ich bin also schwer begeistert von Namibia - ein Land der (sicher nicht nur landschaftlichen) Kontraste, abwechslungsreich - und eben ein klein wenig Deutschland in Afrika. Ich kann schon jetzt sagen: Bis bald, Namibia!
Donnerstag, 5. Oktober 2017
Camping auf dem Autodach
Philip und ich hatten schon länger geplant, ein Dachzelt zu kaufen. Im April war uns ein gebrauchtes angeboten worden, die Kaufvereinbarung zerschlug sich dann aber im Juli. Seitdem überlegten wir: Würde sich der Kauf eines neuen Zeltes für uns lohnen? Würden wir es oft genug nutzen? War es uns das wert? Wir waren Ende Juli sogar mal nach Südafrika gefahren, mussten da aber feststellen, dass sich ein Dachzelt nicht auf die Schnelle kaufen und montieren lässt. Aber täte es nicht überhaupt auch ein normales Bodenzelt? Natürlich kann man auch damit prima campen gehen. Ein Dachzelt ist allerdings bequemer: Es ist in weniger als fünf Minuten auf- oder abgebaut, man hat es immer bei sich und liegt bequemer als auf dem Boden. Am wichtigsten war uns allerdings, dass man in einem Dachzelt eben nicht auf dem Boden schläft - schließlich werden wir sicher auch mal in Gegenden zelten, in denen es Raubtiere gibt. Hyänen und Co. versuchen zwar in aller Regel nicht, in geschlossene Zelte einzudringen, aber auch durch eine dünne Zeltwand wollen wir Löwen nicht unbedingt auf Augenhöhe begegnen ... also: Ein Dachzelt hat generell viele Vorteile.
Gaborone ist nicht unbedingt "the place to be", wenn man ein Dachzelt kaufen will. Es gibt hier - neben einer südafrikanischen Kette für Campingbedarf, die aber keine Dachzelte anbietet - genau einen Safari-Laden, der für Autos unserer Art genau ein Dachzeltmodell hat - und das ist ganz schön teuer. Und relativ groß. Bei einer Kollegin von Philip hatten wir dagegen eine windschnittigere Variante gesehen, die uns besser gefiel. Übers Internet fand Philip schließlich einen Laden in Windhoek, der unser Wunschzelt für uns bestellen wollte. Es wurde vereinbart, dass wir während Philips Dienstreise zur Montage vorbeikommen könnten. Nachdem wir samstags den Trans-Kalahari-Highway bezwungen hatten, fuhr ich dann also letzte Woche Montag vom Hotel zum Autotuning-Laden, und diesmal hatten wir Glück: Der Manager erzählte, dass von den zwei Zelten, die sie im Vormonat bestellt hatten, eines tatsächlich an diesem Morgen angeliefert worden sei. Und das konnten die Mitarbeiter dann im Laufe des Tages auf unser Auto montieren. Als ich gegen 17:30 Uhr mit Auto und Zelt wieder beim Hotel ankam, machte ich einfach mal ein Foto von beidem und schickte es Philip, der seine Konferenz daraufhin für ein paar Minuten Konferenz sein ließ und schnurstracks auf den Parkplatz kam.
Endlich sind wir also stolze Dachzeltbesitzer! Wie man sieht, ist unser Zelt quasi muschelförmig nach oben ausklappbar. Innen ist der gesamte Boden von einer Matratze bedeckt, es gibt noch Seitentaschen, aber ansonsten ist es wirklich nur zum Schlafen und bietet keinen weiteren Stauraum. Aber den brauchen wir auch nicht, dafür haben wir ja das Auto. Die Leiter ist zusammenklappbar und kann während der Autofahrten im zugeklappten Zelt transportiert werden. Alles sehr durchdacht!
Natürlich wollten wir unser neues Zelt schnellstmöglich einweihen. Die Vorfreude ging nicht ganz so weit, als dass wir die Nacht auf dem Hotelparkplatz verbracht hätten, aber für die Tage nach der Konferenz buchte ich uns auf die Schnelle noch auf ein paar Campingplätzen ein - was gar nicht so einfach war, in Namibia ist gerade Hochsaison. Aber einige ließen sich dann doch noch finden, und so verbrachten wir unsere erste Nacht im Dachzelt auf einem der zu einer namibianischen Farm namens Hauchabfontein gehörenden Stellplätze. Es gab Dusche und Toilette, die wir uns mit zwei anderen Parteien teilten, wir hatten außerdem ein eigenes Waschbecken mit fließend Wasser am Stellplatz und eine Feuerstelle. Es war sehr ruhig und friedlich. Ein guter Start mit unserem Zelt!
Das zweite Camp war dann spektakulärer. Unser Stellplatz war auf einer Anhöhe mit einem tollen Blick über eine Ebene. Allerdings stand unser Auto da ziemlich exponiert und nachts kam ein ordentlicher Wind auf. Zelt und Auto schaukelten sachte hin und her und ich machte mir im Halbschlaf ein paar Gedanken über den Zustand unserer Bremsen. Ansonsten war es aber sehr gemütlich und das Auto ist dankenswerterweise auch nicht den Hang hinuntergerollt.
Der dritte Stellplatz bot weder einen tollen Blick noch sonderlich viel Privatsphäre, dafür war der Campingplatz von einer Mauer mit Elektrozaun umsäumt - wir waren in Swakopmund. Hier bekamen wir tatsächlich einen Schlüssel ausgehändigt, für ein winziges Reihenhäuschen, das zu unserem Stellplatz gehörte. Wenn man die Tür öffnete, stand man direkt im Badezimmer - und mehr war in diesem Häuschen dann auch nicht drin. Es ist schon seltsam, ein Häuschen zu haben, das von außen ganz solide aussieht und dann davor auf dem Auto zu schlafen ... dafür hätten wir hier sogar einen Stromanschluss. Es war alles sehr durchdacht, aber so richtig Atmosphäre kam in dieser Reihenhaus-Campingsiedlung dann doch nicht auf.
Unsere letzte Campingstation war schon kurz vor der Grenze zu Botswana. Das "Kalahari Bush Break" gab sich nicht sonderlich viel Mühe, zu gefallen, der Campingplatz war dafür auch der Billigste. In der Ferne sahen wir Blitze und Wetterleuchten und hofften, dass der Regen uns verschonen würde; er blieb dann auch tatsächlich auf der botswanischen Seite. Bis zu einem bestimmten Grad ist unser Dachzelt regenfest, aber unsere Lust, das gleich auszutesten, hielt sich doch in Grenzen.
Das waren nun unsere ersten Campingerfahrungen. Wir sind sehr begeistert - so begeistert, dass das Zelt dieses Wochenende gleich wieder zum Einsatz kommen wird!
Gaborone ist nicht unbedingt "the place to be", wenn man ein Dachzelt kaufen will. Es gibt hier - neben einer südafrikanischen Kette für Campingbedarf, die aber keine Dachzelte anbietet - genau einen Safari-Laden, der für Autos unserer Art genau ein Dachzeltmodell hat - und das ist ganz schön teuer. Und relativ groß. Bei einer Kollegin von Philip hatten wir dagegen eine windschnittigere Variante gesehen, die uns besser gefiel. Übers Internet fand Philip schließlich einen Laden in Windhoek, der unser Wunschzelt für uns bestellen wollte. Es wurde vereinbart, dass wir während Philips Dienstreise zur Montage vorbeikommen könnten. Nachdem wir samstags den Trans-Kalahari-Highway bezwungen hatten, fuhr ich dann also letzte Woche Montag vom Hotel zum Autotuning-Laden, und diesmal hatten wir Glück: Der Manager erzählte, dass von den zwei Zelten, die sie im Vormonat bestellt hatten, eines tatsächlich an diesem Morgen angeliefert worden sei. Und das konnten die Mitarbeiter dann im Laufe des Tages auf unser Auto montieren. Als ich gegen 17:30 Uhr mit Auto und Zelt wieder beim Hotel ankam, machte ich einfach mal ein Foto von beidem und schickte es Philip, der seine Konferenz daraufhin für ein paar Minuten Konferenz sein ließ und schnurstracks auf den Parkplatz kam.
Natürlich wollten wir unser neues Zelt schnellstmöglich einweihen. Die Vorfreude ging nicht ganz so weit, als dass wir die Nacht auf dem Hotelparkplatz verbracht hätten, aber für die Tage nach der Konferenz buchte ich uns auf die Schnelle noch auf ein paar Campingplätzen ein - was gar nicht so einfach war, in Namibia ist gerade Hochsaison. Aber einige ließen sich dann doch noch finden, und so verbrachten wir unsere erste Nacht im Dachzelt auf einem der zu einer namibianischen Farm namens Hauchabfontein gehörenden Stellplätze. Es gab Dusche und Toilette, die wir uns mit zwei anderen Parteien teilten, wir hatten außerdem ein eigenes Waschbecken mit fließend Wasser am Stellplatz und eine Feuerstelle. Es war sehr ruhig und friedlich. Ein guter Start mit unserem Zelt!
Das zweite Camp war dann spektakulärer. Unser Stellplatz war auf einer Anhöhe mit einem tollen Blick über eine Ebene. Allerdings stand unser Auto da ziemlich exponiert und nachts kam ein ordentlicher Wind auf. Zelt und Auto schaukelten sachte hin und her und ich machte mir im Halbschlaf ein paar Gedanken über den Zustand unserer Bremsen. Ansonsten war es aber sehr gemütlich und das Auto ist dankenswerterweise auch nicht den Hang hinuntergerollt.
Der dritte Stellplatz bot weder einen tollen Blick noch sonderlich viel Privatsphäre, dafür war der Campingplatz von einer Mauer mit Elektrozaun umsäumt - wir waren in Swakopmund. Hier bekamen wir tatsächlich einen Schlüssel ausgehändigt, für ein winziges Reihenhäuschen, das zu unserem Stellplatz gehörte. Wenn man die Tür öffnete, stand man direkt im Badezimmer - und mehr war in diesem Häuschen dann auch nicht drin. Es ist schon seltsam, ein Häuschen zu haben, das von außen ganz solide aussieht und dann davor auf dem Auto zu schlafen ... dafür hätten wir hier sogar einen Stromanschluss. Es war alles sehr durchdacht, aber so richtig Atmosphäre kam in dieser Reihenhaus-Campingsiedlung dann doch nicht auf.
Unsere letzte Campingstation war schon kurz vor der Grenze zu Botswana. Das "Kalahari Bush Break" gab sich nicht sonderlich viel Mühe, zu gefallen, der Campingplatz war dafür auch der Billigste. In der Ferne sahen wir Blitze und Wetterleuchten und hofften, dass der Regen uns verschonen würde; er blieb dann auch tatsächlich auf der botswanischen Seite. Bis zu einem bestimmten Grad ist unser Dachzelt regenfest, aber unsere Lust, das gleich auszutesten, hielt sich doch in Grenzen.
Das waren nun unsere ersten Campingerfahrungen. Wir sind sehr begeistert - so begeistert, dass das Zelt dieses Wochenende gleich wieder zum Einsatz kommen wird!
Montag, 29. Mai 2017
Fensterlos durch Swakopmund
Der Mann einer hiesigen Freundin stellt mir zuverlässig immer die gleiche Frage, wenn wir uns treffen: "Verreist Du schon wieder?" Und tatsächlich kann ich dann auch immer von einer anstehenden Reise berichten, so auch beim Grillen am vorletzten Freitag, als wir uns zum letzten Mal sahen. Da flog ich nämlich bereits ein paar Stunden später über Johannesburg ins namibische Swakopmund. Meine zweite Namibia-Reise - und schon wieder ohne Philip! Wenn wir nächstes Mal hoffentlich gemeinsam dorthin reisen, eigne ich mich dann immerhin als Städteguide ...
Diese Gelegenheit musste ich aber einfach wahrnehmen: Freunde reisen gerade durchs südliche Afrika und in einem ihrer zwei Dachzelte war sogar noch ein Platz für mich frei. Und so hatte ich mich mit Geno, Ali und Christiane an einem sonnigen Samstagnachmittag im idyllisch-altmodischen Swakopmunder Café Anton verabredet, wo ich bereits im Februar ein Stück Schwarzwälder Kirschtorte gegessen hatte. Wir freuten uns über das Wiedersehen und tranken da erst einmal Kaffee.
Der gemütliche Teil des Nachmittags fand jedoch ein jähes Ende. Christiane war schon einmal zum Auto zurückgegangen, um den Camping-Kühlschrank auszuschalten. Und musste entdecken, dass eines der beiden hinteren Seitenfenster eingeschlagen worden war. Bald darauf wurde uns auch klar, warum: Ali hatte seinen Rucksack auf der Rückbank gelassen. Und der war nun weg.
Swakopmund - die vermutlich deutscheste afrikanische Stadt der Welt - macht eigentlich einen sehr friedlichen Eindruck. Schnuckelige Häuser, breite Straßen, Fußgängerzonen ... und der Parkplatz war eigentlich in einer der Hauptstraßen. Allerdings ist Swakopmund auch etwas verschlafen, das Auto parkte an diesem Nachmittag ganz alleine auf diesem Parkplatz. Und weit und breit war kein Parkplatzwächter zu sehen, die sonst ja oft rumstehen und sich über ein Trinkgeld freuen. Wir hatten wohl einfach Pech.
Im Café Anton konnte man uns zwar nicht die Telefonnummer der örtlichen Polizei geben, dafür aber den Weg beschreiben: Die Station war keine zehn Minuten entfernt. Wir waren fast die einzigen, die sich an diesem Nachmittag dort einfanden und die Polizistin, die unseren Bericht aufnahm, hatte von dem Auto mit der eingeschlagenen Scheibe sogar bereits gehört; Kollegen von ihr waren schon auf der Suche nach uns gewesen. Geno und Christiane schrieben auf, was im Rucksack war, brauchten dann aber Ali, der allerdings beim Auto geblieben war, woraufhin Geno dorthin zurücklief ... die Polizistinnen und ihr männlicher Kollege, der die ganze Zeit im Unterhemd rumlief, hatten die Ruhe weg und warteten eh auf ihren Chef, der kommen sollte, um die Sache zu klären. Ich ging irgendwann zur Bank und leistete dann Geno Gesellschaft, die das Auto inzwischen vor der Polizeistation geparkt hatte und von den Glassplittern säuberte. Schließlich näherten sich uns zwei Männer, von denen der eine etwas abgerissen aussah. Sie erkundigten sich, was passiert war und der etwas Abgerissene stellte den anderen als den zuständigen Polizisten vor, der nochmal wissen wollte, was geklaut worden wäre etc. - alles Fragen, die wir auf der Polizeistation schon mehrmals beantwortet hatten. Schließlich wunderte er sich, dass wir immer noch auf den Bericht für die Versicherung warteteten und kündigte an, mal im Gebäude nach dem Rechten zu sehen. Wir sahen ihm nach und ich sagte zu Geno: "Ich war mir bis zuletzt nicht sicher, ob der Typ uns nicht doch verarscht." Daraufhin schaltete sich der andere ein: "No, no, he really is a police officer." Ja, das bin ich aus Botswana einfach nicht gewohnt: Gefühlt versteht jeder Zweite in Namibia deutsch ...
Der etwas abgerissene Typ entpuppte sich als Schlüsselanhängerverkäufer, der aber relativ schnell verstand, dass wir aktuell nicht in der Stimmung waren, ihm etwas abzukaufen. Sein Polizeifreund in Zivil verfasste derweil selbst handschriftlich den Bericht und wir konnten schließlich gehen. Festzuhalten bleibt, dass Swakopmund alles in allem doch ein ziemlich sicheres Pflaster sein muss - nicht nur war auf der Polizeistation so gut wie nichts los, wir wurden am nächsten Tag auch noch anderswo von einem Parkplatzwächter angesprochen, ob wir diejenigen gewesen wären, denen die Scheibe am Vortag eingeschlagen worden wäre ... wir waren Gesprächsthema!
Da es bereits auf den Samstagabend zuging, mussten wir am Wochenende erstmal ohne die Scheibe klarkommen und behalfen uns schließlich mit einer Mülltütenkonstruktion, die erstaunlich haltbar war. In Botswana sieht man manchmal mit Frischhaltefolie umwickelte Autotüren, in denen die Fenster fehlen. Unsere Konstruktion war eleganter, aber auch weniger durchsichtig.
Zum Glück ließ die Autovermietung die Scheibe am Montag ersetzen und wir konnten die Reise wie geplant fortsetzen. Nur schade um Rucksack und Inhalt, die bislang nicht wieder aufgetaucht sind.
Diese Gelegenheit musste ich aber einfach wahrnehmen: Freunde reisen gerade durchs südliche Afrika und in einem ihrer zwei Dachzelte war sogar noch ein Platz für mich frei. Und so hatte ich mich mit Geno, Ali und Christiane an einem sonnigen Samstagnachmittag im idyllisch-altmodischen Swakopmunder Café Anton verabredet, wo ich bereits im Februar ein Stück Schwarzwälder Kirschtorte gegessen hatte. Wir freuten uns über das Wiedersehen und tranken da erst einmal Kaffee.
Der gemütliche Teil des Nachmittags fand jedoch ein jähes Ende. Christiane war schon einmal zum Auto zurückgegangen, um den Camping-Kühlschrank auszuschalten. Und musste entdecken, dass eines der beiden hinteren Seitenfenster eingeschlagen worden war. Bald darauf wurde uns auch klar, warum: Ali hatte seinen Rucksack auf der Rückbank gelassen. Und der war nun weg.
Swakopmund - die vermutlich deutscheste afrikanische Stadt der Welt - macht eigentlich einen sehr friedlichen Eindruck. Schnuckelige Häuser, breite Straßen, Fußgängerzonen ... und der Parkplatz war eigentlich in einer der Hauptstraßen. Allerdings ist Swakopmund auch etwas verschlafen, das Auto parkte an diesem Nachmittag ganz alleine auf diesem Parkplatz. Und weit und breit war kein Parkplatzwächter zu sehen, die sonst ja oft rumstehen und sich über ein Trinkgeld freuen. Wir hatten wohl einfach Pech.
Im Café Anton konnte man uns zwar nicht die Telefonnummer der örtlichen Polizei geben, dafür aber den Weg beschreiben: Die Station war keine zehn Minuten entfernt. Wir waren fast die einzigen, die sich an diesem Nachmittag dort einfanden und die Polizistin, die unseren Bericht aufnahm, hatte von dem Auto mit der eingeschlagenen Scheibe sogar bereits gehört; Kollegen von ihr waren schon auf der Suche nach uns gewesen. Geno und Christiane schrieben auf, was im Rucksack war, brauchten dann aber Ali, der allerdings beim Auto geblieben war, woraufhin Geno dorthin zurücklief ... die Polizistinnen und ihr männlicher Kollege, der die ganze Zeit im Unterhemd rumlief, hatten die Ruhe weg und warteten eh auf ihren Chef, der kommen sollte, um die Sache zu klären. Ich ging irgendwann zur Bank und leistete dann Geno Gesellschaft, die das Auto inzwischen vor der Polizeistation geparkt hatte und von den Glassplittern säuberte. Schließlich näherten sich uns zwei Männer, von denen der eine etwas abgerissen aussah. Sie erkundigten sich, was passiert war und der etwas Abgerissene stellte den anderen als den zuständigen Polizisten vor, der nochmal wissen wollte, was geklaut worden wäre etc. - alles Fragen, die wir auf der Polizeistation schon mehrmals beantwortet hatten. Schließlich wunderte er sich, dass wir immer noch auf den Bericht für die Versicherung warteteten und kündigte an, mal im Gebäude nach dem Rechten zu sehen. Wir sahen ihm nach und ich sagte zu Geno: "Ich war mir bis zuletzt nicht sicher, ob der Typ uns nicht doch verarscht." Daraufhin schaltete sich der andere ein: "No, no, he really is a police officer." Ja, das bin ich aus Botswana einfach nicht gewohnt: Gefühlt versteht jeder Zweite in Namibia deutsch ...
Der etwas abgerissene Typ entpuppte sich als Schlüsselanhängerverkäufer, der aber relativ schnell verstand, dass wir aktuell nicht in der Stimmung waren, ihm etwas abzukaufen. Sein Polizeifreund in Zivil verfasste derweil selbst handschriftlich den Bericht und wir konnten schließlich gehen. Festzuhalten bleibt, dass Swakopmund alles in allem doch ein ziemlich sicheres Pflaster sein muss - nicht nur war auf der Polizeistation so gut wie nichts los, wir wurden am nächsten Tag auch noch anderswo von einem Parkplatzwächter angesprochen, ob wir diejenigen gewesen wären, denen die Scheibe am Vortag eingeschlagen worden wäre ... wir waren Gesprächsthema!
Da es bereits auf den Samstagabend zuging, mussten wir am Wochenende erstmal ohne die Scheibe klarkommen und behalfen uns schließlich mit einer Mülltütenkonstruktion, die erstaunlich haltbar war. In Botswana sieht man manchmal mit Frischhaltefolie umwickelte Autotüren, in denen die Fenster fehlen. Unsere Konstruktion war eleganter, aber auch weniger durchsichtig.
Zum Glück ließ die Autovermietung die Scheibe am Montag ersetzen und wir konnten die Reise wie geplant fortsetzen. Nur schade um Rucksack und Inhalt, die bislang nicht wieder aufgetaucht sind.
Samstag, 11. März 2017
Den Wüstenelefanten hinterher
Die erste Woche meines Freiwilligendienstes bei EHRA (Elephant-Human Relations Aid) in Namibia stand im Zeichen des Mauerbaus. Die zweite Woche war wesentlich weniger anstrengend und ist auch als Belohnung für die Freiwilligen gedacht: Auf die building-week folgte die patrol-week. Während dieser ist man den Elefanten auf der Spur, denn in der Bauwoche sieht man meistens keine und es wäre doch sehr schade, wenn man zwei Wochen bei einem Elefantenschutzprojekt mithilft, ohne die Tiere überhaupt zu Gesicht zu bekommen ... EHRA arbeitet außerdem mit der namibischen Regierung zusammen. Sie sammln Daten über die Elefanten in dem Gebiet und stellen diese der Umweltbehörde zur Verfügung.
Unsere Elefanten-Patrouille begann traurig: Wir suchten und fanden zunächst die sterblichen Reste eines in der Vorwoche erschossenen Elefanten. Während wir die Mauer bauten, war viele Kilometer entfernt nachts ein tragischer Unfall geschehen: Ein wohl betrunkener Farmer war in der Dunkelheit einem Elefantenbullen begegnet und hatte dies nicht überlebt. Elefanten sind keine aggressiven Tiere, aber wenn sie sich bedroht fühlen - und das tun sie, wenn man ihnen zu nahe kommt - verteidigen sie sich. Die Umweltbehörde hatte daraufhin die Erschießung des Elefanten beauftragt. Es war allerdings nicht bekannt, welcher Bulle den Mann getötet hatte und letztendlich wohl auch egal, denn im Endeffekt wurde ein weibliches Tier erschossen. EHRA führt Buch über die 40 Wüstenelefanten, die im näheren Umkreis leben und wollte die erschossene Elefantenkuh identifizieren. Also fuhren wir erstmal in das Gebiet, in dem die Überreste liegen sollten und fragten dann noch bei zwei, drei Farmen nach, bis wir das Tier schließlich fanden. Nachdem es erschossen worden war, war das Fleisch wohl an die Farmer verteilt worden. Große Teile des Kopfes waren mit den Stoßzähnen entfernt worden (Elefenbein wird von der Behörde weggeschlossen, der Handel ist illegal). Es war kein schöner Anblick und eine Identifizierung des Elefanten war für die Leute von EHRA so auch nicht mehr möglich.
Also mussten wir anders vorgehen. Weibliche Elefanten sind im Gegensatz zu männlichen keine Einzelgänger - sie bewegen sich immer in ihrer durchschnittlich um die zehn Tiere umfassenden Herde, die von einer Matriarchin angeführt wird. Es galt also, die Elefantenherden aufzuspüren und festzustellen, in welcher Herde welche Elefantenkuh fehlte.
Das Damaraland ist unheimlich trocken. Seit dem Jahresanfang hatte es jedoch immer mal wieder geregnet, was der Natur wahnsinnig gut getan hatte. Das bedeutete allerdings auch, dass die Elefanten mehr Wasser- und Nahrungsquellen zur Auswahl hatten als sonst - und das machte die Suche nach ihnen nicht unbedingt einfacher. Wir sahen zwar immer wieder Spuren, aber ein Elefant kann 70 km pro Tag laufen und ist offroad dann doch auch mal schneller unterwegs als ein Auto in dieser sehr steinigen Gegend. Sowohl am Montagnachmittag als auch am Dienstag waren wir erfolglos, obwohl wir mehrmals aus den Safari-Fahrzeugen ausstiegen und auf Steinhügel kletterten, von denen wir mit unseren Ferngläsern Ausschau hielten.
Übernachtet haben wir in dieser Woche wieder in Zelten, die wir aber jeden Abend woanders aufschlugen. Unser komplettes Gepäck hatten wir so jeden Tag in den Safari-Fahrzeugen dabei. Die Schlafsäcke rollten wir in die dünnen Matratzen ein und schnallten sie auf den Autodächern fest. Leider war es wirklich eine regenreiche Zeit - man konnte nur hoffen, dass die eigene Bettrolle eher unten lag ...
Aber am dritten Tag wurden dann alle Strapazen belohnt: Wir sahen erst Bergzebras, dann Giraffen und schließlich auch die Elefanten! Und zwar gleich drei Herden in unmittelbarer Nähe zueinander. Die uns begleitenden EHRA-Mitarbeiter hatten dann auch recht schnell raus, in welcher Herde ein Tier fehlte, unsere Mission war somit erfolgreich. Und dann standen wir einfach eine ganze Weile da und beobachteten die Elefanten.
Am Donnerstag sahen wir ihn nochmal wieder, bevor wir zum Basiscamp zurückfuhren. Und am Freitag ging es dann auch schon zurück nach Swakopmund. Erlebnisreiche und schöne zwei Wochen waren das!
Unsere Elefanten-Patrouille begann traurig: Wir suchten und fanden zunächst die sterblichen Reste eines in der Vorwoche erschossenen Elefanten. Während wir die Mauer bauten, war viele Kilometer entfernt nachts ein tragischer Unfall geschehen: Ein wohl betrunkener Farmer war in der Dunkelheit einem Elefantenbullen begegnet und hatte dies nicht überlebt. Elefanten sind keine aggressiven Tiere, aber wenn sie sich bedroht fühlen - und das tun sie, wenn man ihnen zu nahe kommt - verteidigen sie sich. Die Umweltbehörde hatte daraufhin die Erschießung des Elefanten beauftragt. Es war allerdings nicht bekannt, welcher Bulle den Mann getötet hatte und letztendlich wohl auch egal, denn im Endeffekt wurde ein weibliches Tier erschossen. EHRA führt Buch über die 40 Wüstenelefanten, die im näheren Umkreis leben und wollte die erschossene Elefantenkuh identifizieren. Also fuhren wir erstmal in das Gebiet, in dem die Überreste liegen sollten und fragten dann noch bei zwei, drei Farmen nach, bis wir das Tier schließlich fanden. Nachdem es erschossen worden war, war das Fleisch wohl an die Farmer verteilt worden. Große Teile des Kopfes waren mit den Stoßzähnen entfernt worden (Elefenbein wird von der Behörde weggeschlossen, der Handel ist illegal). Es war kein schöner Anblick und eine Identifizierung des Elefanten war für die Leute von EHRA so auch nicht mehr möglich.
Also mussten wir anders vorgehen. Weibliche Elefanten sind im Gegensatz zu männlichen keine Einzelgänger - sie bewegen sich immer in ihrer durchschnittlich um die zehn Tiere umfassenden Herde, die von einer Matriarchin angeführt wird. Es galt also, die Elefantenherden aufzuspüren und festzustellen, in welcher Herde welche Elefantenkuh fehlte.
Das Damaraland ist unheimlich trocken. Seit dem Jahresanfang hatte es jedoch immer mal wieder geregnet, was der Natur wahnsinnig gut getan hatte. Das bedeutete allerdings auch, dass die Elefanten mehr Wasser- und Nahrungsquellen zur Auswahl hatten als sonst - und das machte die Suche nach ihnen nicht unbedingt einfacher. Wir sahen zwar immer wieder Spuren, aber ein Elefant kann 70 km pro Tag laufen und ist offroad dann doch auch mal schneller unterwegs als ein Auto in dieser sehr steinigen Gegend. Sowohl am Montagnachmittag als auch am Dienstag waren wir erfolglos, obwohl wir mehrmals aus den Safari-Fahrzeugen ausstiegen und auf Steinhügel kletterten, von denen wir mit unseren Ferngläsern Ausschau hielten.
Übernachtet haben wir in dieser Woche wieder in Zelten, die wir aber jeden Abend woanders aufschlugen. Unser komplettes Gepäck hatten wir so jeden Tag in den Safari-Fahrzeugen dabei. Die Schlafsäcke rollten wir in die dünnen Matratzen ein und schnallten sie auf den Autodächern fest. Leider war es wirklich eine regenreiche Zeit - man konnte nur hoffen, dass die eigene Bettrolle eher unten lag ...
Aber am dritten Tag wurden dann alle Strapazen belohnt: Wir sahen erst Bergzebras, dann Giraffen und schließlich auch die Elefanten! Und zwar gleich drei Herden in unmittelbarer Nähe zueinander. Die uns begleitenden EHRA-Mitarbeiter hatten dann auch recht schnell raus, in welcher Herde ein Tier fehlte, unsere Mission war somit erfolgreich. Und dann standen wir einfach eine ganze Weile da und beobachteten die Elefanten.
Eine Herde zog schließlich direkt an unseren hintereinanderstehenden
Autos vorbei - fast alle Tiere vor dem ersten Auto, eines auch hinter
dem zweiten. Der Herde folgte ein Bulle, den EHRA Voortrekker getauft
hat - er war 1998 der erste Wüstenelefant, der wieder in diese Gegend
zurückwanderte und hat wohl auch die erste Herde dorthin zurück gelotst. Voortrekker ist ein
beeindruckender, riesiger Elefantenbulle. Und er hat seinen eigenen
Kopf: Er wollte nicht vor oder hinter den Autos an uns uns vorbei.
Sondern dazwischen. Unsere beiden Safari-Fahrzeuge standen vielleicht zwei Meter auseinander. Voortrekker ließ sich viel Zeit und näherte sich uns langsam, im entscheidenden
Moment legte er aber dann doch einen Zahn zu.
Am Donnerstag sahen wir ihn nochmal wieder, bevor wir zum Basiscamp zurückfuhren. Und am Freitag ging es dann auch schon zurück nach Swakopmund. Erlebnisreiche und schöne zwei Wochen waren das!
Donnerstag, 9. März 2017
Mauerbau
Wenn mir im Februar 2016 jemand prophezeit hätte, dass ich ein Jahr später in der staubigen Wüste Namibias Steine schleppen, Zement anrühren und eine Mauer bauen würde, hätte ich mich vermutlich gefragt, was in meinem Leben innerhalb eines Jahres wohl so schief gehen könnte. Aber im Januar 2017 buchte ich dann tatsächlich einen zweiwöchigen Freiwilligendienst bei der NGO EHRA (Elephant-Human Relations Aid) in Namibia und zahlte sogar noch Geld dafür. Sachen gibt's ...
EHRA existiert seit über 10 Jahren und hat sich den Schutz der Wüstenelefanten im namibischen Damaraland zur Aufgabe gemacht. Diese waren in den 1980er Jahren aus der Region verschwunden - durch Wilderei, Jagd und Vertreibung. Ende der 1990er Jahre wanderte dann die erste Elefantenherde zurück in die Region, weitere folgten. Die Jagd auf Elefanten war inzwischen verboten. Die Farmer im namibischen Damaraland waren allerdings nicht erfreut über das Wiederauftauchen der Elefanten und ihre Vermehrung. Sie fürchteten zum einen um ihr Leben, zum anderen um ihre Wasserspeicher: Wasser ist in diesem trockenen Landstrich ein rares Gut, Flüsse die meiste Zeit ausgetrocknet. Auch die Elefanten ziehen auf der Suche nach Wasser durch die Wüste, und wenn sie einen Wassertank, eine Pumpe o.ä. finden und das Wasser wittern, versuchen sie, daran zu kommen - aufgrund ihrer Größe und Stärke oft erfolgreich.
Wie der Name schon sagt, versucht EHRA, die Mensch-Elefanten-Beziehungen zu verbessern. Zum einen durch das Anlegen und Pflegen künstlicher Wasserlöcher, Aufklärung über Elefanten, Engagement in Schulen - zum anderen durch konkreten Schutz der Wasserreserven der Farmer. Das bedeutet: Wenn ein Farmer eine stabile neue Mauer um seinen Wassertank o.ä. braucht, kann er sich bei EHRA melden. Und dann wird ihm im Rahmen des Freiwilligendienstes von ehrenamtlichen Helfern eine Mauer gebaut.
Als Freiwilliger meldet man sich bei EHRA für mindestens zwei Wochen an. In der erste Woche ist dann immer die sogenannte "Building-Week". Montags fuhren wir erst einmal gemeinsam von Sakwopmund gute vier Stunden ins Damaraland, die meiste Zeit auf breiten Staubstraßen. Nach einer Nacht im EHRA-Basiscamp ging es am Dienstag dann in einer zweieinhalbstündigen Fahrt zu der Farm, auf der vorherige Freiwilligengruppen bereits mit dem Bau einer Rundmauer um einen Wasseranschluss begonnen hatten - wir sollten das Ganze nun zuende führen. Am Dienstag begannen wir noch nicht mit dem eigentlichen Bau, sondern schlugen unser Zeltcamp auf.
Dann karrten wir im Anhänger des Safari-Autos noch mehrere Schubkarren-Ladungen Sand neben die Mauer und sammelten außerdem Steine in der Wüste, die für den Bau geeignet erschienen. Unter ihnen lagen ab und an kleine Schlangen oder auch Skorpione, beim Aufheben war daher Vorsicht geboten. Zementsäcke hatten wir bereits mitgebracht, wie auch das Werkzeug: Schubkarren, Spaten, Maurerkellen. Also wurden am Mittwochmorgen die Arbeitshandschuhe angezogen und dann ging es los: In den vier Schubkarren wurde fast nonstop Zement angemixt. Man nehme 6 Spaten Wüstensand, 3 Spaten Zement, mische das Ganze in einer Schubkarre gut durch, füge dann nach und nach ein bis eineinhalb Eimer Wasser zu, bis man einen dunkelgrauen Brei in der gewünschten Konsistenz hat. Dann wurde die Schubkarre über Sand und Stein zu der Stelle der Mauer gebracht, an der gerade gespachtelt wurde.
Die Aufsicht darüber, welcher Stein wohin kam, hatte Mattias, ein Herero, der bereits seit drei Jahren für EHRA arbeitet und seitdem alle Mauern mitgebaut hat. Er schickte uns auch los, wenn ihm die verbliebenen Steine als ungeeignet erschienen und neue herangekarrt werden mussten - die besten Steine waren groß, eher flach und möglichst eben.Vermutlich weil er bereits unzählige Freiwillige angeleitet hatte, strapazierte Mattias sein Namensgedächtnis nicht groß: Von uns 10 Freiwilligen sprach er nur Lotta aus Schweden mit ihrem richtigen Namen an, sie war allerdings auch bereits vier Wochen bei EHRA. Für den Rest von uns dachte er sich größtenteils Namen aus, wenn er uns ansprechen wollte: Fabian aus der Schweiz war Sebastian, Steven aus Wales war Jeffrey und ich wurde kurzerhand Kling-Kling getauft. Als Mattias ein paar Tage später mitbekam, dass mich jemand mit Walli ansprach, war er sehr erstaunt - er hatte bereits vergessen, dass Kling-Kling gar nicht mein richtiger Name war ...
Wir schafften es bis Donnerstagabend tatsächlich, die Mauer zuende zu bauen. Mitbeflügelt hatte uns die Aussicht, dann schon am Freitagmorgen unsere Zelte abbrechen zu können und so schneller unter eine Dusche zu kommen - fließend Wasser hatten wir nur unmittelbar an der Baustelle, aber im Camp keine Dusche o.ä. Trotz exzessivem Feuchttücher-Einsatz sahen wir nach den Tagen ganz schön verstaubt aus. Verschmutzt kletterten wir aber noch für ein Abschiedsfoto auf das schon am meisten getrocknete Stück der inzwischen ca. 1,80m hohen Mauer.
Stolz waren wir. Auch als die drei Farmarbeiter, die beim Bau mitgeholfen hatten, zu ihrer kurzen, aber offensichtlich von Herzen kommenden Dankesrede ansetzten: "Guys, thank you!" Sie sprachen sonst kein Englisch. Als nächstes werden sie einen Wassertank innerhalb der Mauer installieren. Er wird dann u.a. die Trinkrinne speisen, aus der die Ziegen und Kühe auf der Farm trinken.
EHRA existiert seit über 10 Jahren und hat sich den Schutz der Wüstenelefanten im namibischen Damaraland zur Aufgabe gemacht. Diese waren in den 1980er Jahren aus der Region verschwunden - durch Wilderei, Jagd und Vertreibung. Ende der 1990er Jahre wanderte dann die erste Elefantenherde zurück in die Region, weitere folgten. Die Jagd auf Elefanten war inzwischen verboten. Die Farmer im namibischen Damaraland waren allerdings nicht erfreut über das Wiederauftauchen der Elefanten und ihre Vermehrung. Sie fürchteten zum einen um ihr Leben, zum anderen um ihre Wasserspeicher: Wasser ist in diesem trockenen Landstrich ein rares Gut, Flüsse die meiste Zeit ausgetrocknet. Auch die Elefanten ziehen auf der Suche nach Wasser durch die Wüste, und wenn sie einen Wassertank, eine Pumpe o.ä. finden und das Wasser wittern, versuchen sie, daran zu kommen - aufgrund ihrer Größe und Stärke oft erfolgreich.
Wie der Name schon sagt, versucht EHRA, die Mensch-Elefanten-Beziehungen zu verbessern. Zum einen durch das Anlegen und Pflegen künstlicher Wasserlöcher, Aufklärung über Elefanten, Engagement in Schulen - zum anderen durch konkreten Schutz der Wasserreserven der Farmer. Das bedeutet: Wenn ein Farmer eine stabile neue Mauer um seinen Wassertank o.ä. braucht, kann er sich bei EHRA melden. Und dann wird ihm im Rahmen des Freiwilligendienstes von ehrenamtlichen Helfern eine Mauer gebaut.
Als Freiwilliger meldet man sich bei EHRA für mindestens zwei Wochen an. In der erste Woche ist dann immer die sogenannte "Building-Week". Montags fuhren wir erst einmal gemeinsam von Sakwopmund gute vier Stunden ins Damaraland, die meiste Zeit auf breiten Staubstraßen. Nach einer Nacht im EHRA-Basiscamp ging es am Dienstag dann in einer zweieinhalbstündigen Fahrt zu der Farm, auf der vorherige Freiwilligengruppen bereits mit dem Bau einer Rundmauer um einen Wasseranschluss begonnen hatten - wir sollten das Ganze nun zuende führen. Am Dienstag begannen wir noch nicht mit dem eigentlichen Bau, sondern schlugen unser Zeltcamp auf.
Dann karrten wir im Anhänger des Safari-Autos noch mehrere Schubkarren-Ladungen Sand neben die Mauer und sammelten außerdem Steine in der Wüste, die für den Bau geeignet erschienen. Unter ihnen lagen ab und an kleine Schlangen oder auch Skorpione, beim Aufheben war daher Vorsicht geboten. Zementsäcke hatten wir bereits mitgebracht, wie auch das Werkzeug: Schubkarren, Spaten, Maurerkellen. Also wurden am Mittwochmorgen die Arbeitshandschuhe angezogen und dann ging es los: In den vier Schubkarren wurde fast nonstop Zement angemixt. Man nehme 6 Spaten Wüstensand, 3 Spaten Zement, mische das Ganze in einer Schubkarre gut durch, füge dann nach und nach ein bis eineinhalb Eimer Wasser zu, bis man einen dunkelgrauen Brei in der gewünschten Konsistenz hat. Dann wurde die Schubkarre über Sand und Stein zu der Stelle der Mauer gebracht, an der gerade gespachtelt wurde.
Die Aufsicht darüber, welcher Stein wohin kam, hatte Mattias, ein Herero, der bereits seit drei Jahren für EHRA arbeitet und seitdem alle Mauern mitgebaut hat. Er schickte uns auch los, wenn ihm die verbliebenen Steine als ungeeignet erschienen und neue herangekarrt werden mussten - die besten Steine waren groß, eher flach und möglichst eben.Vermutlich weil er bereits unzählige Freiwillige angeleitet hatte, strapazierte Mattias sein Namensgedächtnis nicht groß: Von uns 10 Freiwilligen sprach er nur Lotta aus Schweden mit ihrem richtigen Namen an, sie war allerdings auch bereits vier Wochen bei EHRA. Für den Rest von uns dachte er sich größtenteils Namen aus, wenn er uns ansprechen wollte: Fabian aus der Schweiz war Sebastian, Steven aus Wales war Jeffrey und ich wurde kurzerhand Kling-Kling getauft. Als Mattias ein paar Tage später mitbekam, dass mich jemand mit Walli ansprach, war er sehr erstaunt - er hatte bereits vergessen, dass Kling-Kling gar nicht mein richtiger Name war ...
Wir schafften es bis Donnerstagabend tatsächlich, die Mauer zuende zu bauen. Mitbeflügelt hatte uns die Aussicht, dann schon am Freitagmorgen unsere Zelte abbrechen zu können und so schneller unter eine Dusche zu kommen - fließend Wasser hatten wir nur unmittelbar an der Baustelle, aber im Camp keine Dusche o.ä. Trotz exzessivem Feuchttücher-Einsatz sahen wir nach den Tagen ganz schön verstaubt aus. Verschmutzt kletterten wir aber noch für ein Abschiedsfoto auf das schon am meisten getrocknete Stück der inzwischen ca. 1,80m hohen Mauer.
Stolz waren wir. Auch als die drei Farmarbeiter, die beim Bau mitgeholfen hatten, zu ihrer kurzen, aber offensichtlich von Herzen kommenden Dankesrede ansetzten: "Guys, thank you!" Sie sprachen sonst kein Englisch. Als nächstes werden sie einen Wassertank innerhalb der Mauer installieren. Er wird dann u.a. die Trinkrinne speisen, aus der die Ziegen und Kühe auf der Farm trinken.
Dienstag, 7. März 2017
Ein bisschen Deutschland gleich nebenan
Von Mitte Februar bis Anfang März waren Philip und ich beide unterwegs - er in Deutschland auf Dienstreise, ich in Namibia bei einem Elefantenschutzprojekt. Bevor ich aber ins namibische Damaraland fuhr, wollte ich noch etwas Sightseeing machen und verbrachte zunächst zwei Tage in der Hauptstadt Windhoek, was mich immerhin etwas auf den Kulturschock vorbereitete, der mich danach in Swakopmund treffen sollte.
Namibia war von 1884 bis 1915 deutsche Kolonie. Es ist also über 100 Jahre her, dass das Land in südafrikanische Hände fiel, bevor es 1990 endlich unabhängig wurde. Um so erstaunter war ich über all die deutschen Spuren, die noch zu sehen sind. Mein Hostel lag unweit der Kreuzung zwischen "Triftstrasse" und "Voigtstrasse Nord", die deutsche Buchhandlung war ebenso fußläufig zu erreichen wie die "Luisen Apotheke", die sogar ein Fachwerkdach hatte. Laut Reiseführer ließ der deutsche Bürgermeister des Vororts Klein Windhoek das Haus 1913 errichten. Steile Dächer wie dies hier wurden in Deutschland gebaut, um zu verhindern, dass sich Schnee auf einem Dach sammeln und es schließlich eindrücken würde. In Windhoek war das allerdings klimatisch zu keiner Zeit zu befürchten und stellt so bis heute eine von vielen aus Deutschland importierten Kurositäten dar.
Auch sonst existieren in Windhoek deutsche und andere Spuren fröhlich nebeneinander her. Hinter dem alten Wahrzeichen Windhoeks, der 1910 fertiggestellten Christuskirche, prankt das neue, das Independence Memorial Museum. Ein Straßenverkäufer machte mich auf die Ähnlichkeit mit einer Kaffeemaschine aufmerksam, bevor er mir einen überteuerten Schlüsselanhänger mit meinem Namen drauf andrehte.
In der Christuskirche finden deutsche Gottesdienste statt. Lieder werden auf der Orgel aus Ludwigsburg begleitet, die Glocken sind aus Apolda und die bunten Fenster hat Kaiser Wilhelm II. gestiftet (gefertigt wurden sie in Nürnberg). Deutscher geht's nicht. Die Kaffeemaschine hat mich dagegen von innen mehr an die UdSSR denken lassen: Im Unabhängigkeitsmuseum gibt es vor allem Statuen und Bilder mit überlebensgroßen Heldenfiguren sowie ein paar Flaggen und Uniformen zu sehen. Auf erklärende Texte wurde dafür größtenteils verzichtet. Erbaut wurde das 2014 eröffnete Museum übrigens von einer nordkoreanischen Firma, ohne Einbeziehung der Öffentlichkeit, lokaler Künstler oder Firmen. Bis zum Museumsbau stand an der Stelle ein deutsches Reiterdenkmal, das einen Schutztruppler darstellte. Es wurde in den ziemlich ungepflegten Innenhof eines anderen Museums versetzt. Windhoek macht generell den Eindruck, als würden die Namibier mit den verschiedenen geschichtlichen Überbleibseln ziemlich unkompliziert umgehen.
Neben mehreren Shopping Malls gab es immerhin auch ein erkennbares Stadtzentrum und ansonsten größtenteils die gleichen Läden und Restaurentketten wie in Gaborone. Durch diese Mischung aus bekannten Geschäften und deutschen Einflüssen fühlte sich die Stadt für mich immerhin relativ schnell vertraut an. Und bereitete mich dennoch nicht auf die deutscheste aller namibischen Städte vor: Swakopmund.
In meinem Reiseführer stand, dass die Namibier Swakopmund gerne als das "südlichste Nordseebad der Welt" bezeichnen würden. Und genau das ist es: Ein Nordseebad im Antlantik. Eine Teilnehmerin des Elefantenschutzprojekts, die direkt in Walvis Bay (dem Swakopmunder Flughafen) gelandet war, fragte mich am ersten Abend fröhlich, ob es über all in Afrika so aussähe - ich bekam fast Schnappatmung. Breite Bürgersteige, deutsche Straßennamen, Zebrastreifen, vor denen die Autos sogar halten ... es war irritierend und durch und durch unafrikanisch. Es gab auch kaum Mauern mit Elektrozäunen, stattdessen standen ziemlich viele Einfamilienhäuschen rum, die besser nach Niedersachsen gepasst hätten. In einem Garten war die hamburgische Flagge gehisst, ansonsten standen auf den Häusern Namen wie "Sonneneck", "Hotel Zum Kaiser" und "Antonius Residenz". Mindestens in der Hälfte der Geschäfte, in denen ich war, wurde ich selbstverständlich auf deutsch angesprochen. Und im Café Anton, in dem ich ein Stück Schwarzwälder Kirschtorte aß (man muss die Feste feiern, wie sie fallen) prangte ein großes Wandgemälde, das Kleve am Niederrhein sowie Königsberg zeigte. Warum auch immer.
Vor dem "Swakopmund Brauhaus" lief ein dicklicher Dackel herum und auf einer Litfasssäule wurde "Die Nacht des deutschen Schlagers" angekündigt, bei der unter anderem Heino und Patrick Lindner auftreten sollten. Ich glaube, wenn ich direkt von Deutschland nach Swakopmund geflogen wäre, hätte ich mich leicht veralbert gefühlt. So fand ich es ganz lustig, bestellte Sauerkraut zum Springbock-Steak und freute mich an all den Dingen, die ich in Gaborone vermisste (oder auch nicht). Und abgesehen von allem Deutschtum liegt Swakopmund wunderschön - sowohl in der Wüste als auch direkt am Meer. Die Stadt ist hübscher als Windhoek und auch touristisch lässt sich dort mehr machen. Mit Afrika hat sie aber halt nicht so wahnsinnig viel zu tun.
Namibia war von 1884 bis 1915 deutsche Kolonie. Es ist also über 100 Jahre her, dass das Land in südafrikanische Hände fiel, bevor es 1990 endlich unabhängig wurde. Um so erstaunter war ich über all die deutschen Spuren, die noch zu sehen sind. Mein Hostel lag unweit der Kreuzung zwischen "Triftstrasse" und "Voigtstrasse Nord", die deutsche Buchhandlung war ebenso fußläufig zu erreichen wie die "Luisen Apotheke", die sogar ein Fachwerkdach hatte. Laut Reiseführer ließ der deutsche Bürgermeister des Vororts Klein Windhoek das Haus 1913 errichten. Steile Dächer wie dies hier wurden in Deutschland gebaut, um zu verhindern, dass sich Schnee auf einem Dach sammeln und es schließlich eindrücken würde. In Windhoek war das allerdings klimatisch zu keiner Zeit zu befürchten und stellt so bis heute eine von vielen aus Deutschland importierten Kurositäten dar.
Auch sonst existieren in Windhoek deutsche und andere Spuren fröhlich nebeneinander her. Hinter dem alten Wahrzeichen Windhoeks, der 1910 fertiggestellten Christuskirche, prankt das neue, das Independence Memorial Museum. Ein Straßenverkäufer machte mich auf die Ähnlichkeit mit einer Kaffeemaschine aufmerksam, bevor er mir einen überteuerten Schlüsselanhänger mit meinem Namen drauf andrehte.
In der Christuskirche finden deutsche Gottesdienste statt. Lieder werden auf der Orgel aus Ludwigsburg begleitet, die Glocken sind aus Apolda und die bunten Fenster hat Kaiser Wilhelm II. gestiftet (gefertigt wurden sie in Nürnberg). Deutscher geht's nicht. Die Kaffeemaschine hat mich dagegen von innen mehr an die UdSSR denken lassen: Im Unabhängigkeitsmuseum gibt es vor allem Statuen und Bilder mit überlebensgroßen Heldenfiguren sowie ein paar Flaggen und Uniformen zu sehen. Auf erklärende Texte wurde dafür größtenteils verzichtet. Erbaut wurde das 2014 eröffnete Museum übrigens von einer nordkoreanischen Firma, ohne Einbeziehung der Öffentlichkeit, lokaler Künstler oder Firmen. Bis zum Museumsbau stand an der Stelle ein deutsches Reiterdenkmal, das einen Schutztruppler darstellte. Es wurde in den ziemlich ungepflegten Innenhof eines anderen Museums versetzt. Windhoek macht generell den Eindruck, als würden die Namibier mit den verschiedenen geschichtlichen Überbleibseln ziemlich unkompliziert umgehen.
Neben mehreren Shopping Malls gab es immerhin auch ein erkennbares Stadtzentrum und ansonsten größtenteils die gleichen Läden und Restaurentketten wie in Gaborone. Durch diese Mischung aus bekannten Geschäften und deutschen Einflüssen fühlte sich die Stadt für mich immerhin relativ schnell vertraut an. Und bereitete mich dennoch nicht auf die deutscheste aller namibischen Städte vor: Swakopmund.
In meinem Reiseführer stand, dass die Namibier Swakopmund gerne als das "südlichste Nordseebad der Welt" bezeichnen würden. Und genau das ist es: Ein Nordseebad im Antlantik. Eine Teilnehmerin des Elefantenschutzprojekts, die direkt in Walvis Bay (dem Swakopmunder Flughafen) gelandet war, fragte mich am ersten Abend fröhlich, ob es über all in Afrika so aussähe - ich bekam fast Schnappatmung. Breite Bürgersteige, deutsche Straßennamen, Zebrastreifen, vor denen die Autos sogar halten ... es war irritierend und durch und durch unafrikanisch. Es gab auch kaum Mauern mit Elektrozäunen, stattdessen standen ziemlich viele Einfamilienhäuschen rum, die besser nach Niedersachsen gepasst hätten. In einem Garten war die hamburgische Flagge gehisst, ansonsten standen auf den Häusern Namen wie "Sonneneck", "Hotel Zum Kaiser" und "Antonius Residenz". Mindestens in der Hälfte der Geschäfte, in denen ich war, wurde ich selbstverständlich auf deutsch angesprochen. Und im Café Anton, in dem ich ein Stück Schwarzwälder Kirschtorte aß (man muss die Feste feiern, wie sie fallen) prangte ein großes Wandgemälde, das Kleve am Niederrhein sowie Königsberg zeigte. Warum auch immer.
Vor dem "Swakopmund Brauhaus" lief ein dicklicher Dackel herum und auf einer Litfasssäule wurde "Die Nacht des deutschen Schlagers" angekündigt, bei der unter anderem Heino und Patrick Lindner auftreten sollten. Ich glaube, wenn ich direkt von Deutschland nach Swakopmund geflogen wäre, hätte ich mich leicht veralbert gefühlt. So fand ich es ganz lustig, bestellte Sauerkraut zum Springbock-Steak und freute mich an all den Dingen, die ich in Gaborone vermisste (oder auch nicht). Und abgesehen von allem Deutschtum liegt Swakopmund wunderschön - sowohl in der Wüste als auch direkt am Meer. Die Stadt ist hübscher als Windhoek und auch touristisch lässt sich dort mehr machen. Mit Afrika hat sie aber halt nicht so wahnsinnig viel zu tun.
Abonnieren
Posts (Atom)










