Freitag, 23. März 2018

Grundbesitz in Botswana

Nein, wir haben nicht beschlossen, Ländereien zu erwerben. Allgemein ist der Hausbau für Ausländer hier wohl nicht ohne; während ihres Urlaubs in Botswana las meine Schwiegermutter den Erlebnisbericht einer verbitterten Deutschen, die hier anscheinend von sämtlichen Behörden und Handwerkern über den Tisch gezogen wurde (allerdings wohl auch etwas blauäugig an diese Unternehmung herangegangen war).

Wenn man aber Motswana ist, gestaltet sich das Unternehmen Grundbesitz ganz anders. Unser Gärtner Sam eröffnete mir am vergangenen Montagmorgen, dass er es in den nächsten Jahren angehen wird. Er hat nämlich ein Grundstück von der Regierung bekommen, drei Jahre, nachdem er sich darauf beworben hat. Sam ist darüber sehr glücklich: Er sagte mir, er würde langsam alt werden, wäre aber jetzt noch in der Lage, das Grundstück zu erschließen und selbst zu bauen. Na super, jetzt fühlte ich mich auch alt. Sam ist übrigens 42.

Wir hatten schon einmal gehört, dass Botswana kostenlose Grundstücke an seine Bürger vergibt. Diese müssen sich dafür bewerben und bekommen dann ein Stückchen Land zugewiesen. Sam steht wohl bereits seit 12 Jahren auf einer Warteliste für die Grundstücksvergabe in und um Gaborone. Vor drei Jahren hat er einen weiteren Antrag gestellt und in diesem alle möglichen Dörfer genannt, in denen er sich ein Leben vorstellen könnte. Und in einem dieser Dörfer, unweit von Mahalapye, hat er nun ein Grundstück zugewiesen bekommen. Es ist ungefähr 35x40 m groß - früher waren die Grundstücke, die die Regierung vergab, wohl um einiges größer, aber das hat sich in den letzten Jahren geändert. Sam sagt, das läge an der hohen Nachfrage, aber Philip und mir war auch schon einmal erzählt worden, dass viele Botswaner größere Grundstücke nicht wirklich nutzen, weil sie zum Leben doch nur kleine Hütten bauen, und dass daher inzwischen keine größeren Grundstücke mehr vergeben werden würden.

Was passiert nun? Sam überlegt, über Ostern zu seinem Grundstück zu fahren. Als erstes möchte er die darauf wachsenden Büsche entfernen und es dann einzäunen. Im Laufe der nächsten Monate will er außerdem eine Art Schuppen bauen, in dem man anfangs auch mal übernachten kann. Und dann soll nach und nach ein Häuschen gebaut werden. Zaun und Schuppen sind das Minimum, das ein von der Regierung vergebenes Grundstück aufweisen muss; spätestens nach drei Jahren müssen sie installiert sein. Sonst nimmt die Regierung dem Besitzer das Grundstück wieder weg und vergibt es anderweitig.
Ansonsten ist das Grundstück aber tatsächlich ein Geschenk, das dem Beschenkten komplett gehört. Ich fragte ungläubig nach, ob Sam wirklich keinerlei Geld dafür zahlen müsse. Er sagte mir, für ein Grundstück in Gaborone müsse man eventuell 20, 30 Pula pro Monat zahlen (was dann wohl auch mehr als ein symbolischer Betrag zu sehen ist - es handelt sich um ca. 1,80-2,60 €). Aber für ein Grundstück auf einem der Dörfer des Landes würden keinerlei Gebühren anfallen. Stromleitungen gibt es in Sams Dorf, außerdem eine Wasserpumpe.

Ich versuchte, mich online über das Landvergabesystem in Botswana schlau zu machen. Wenn man aus Deutschland kommt, erscheint es einem doch recht kurios, dass die Batswana Grundstücke vom Staat geschenkt bekommen! Ich fand eine Kolumne von 2014 aus der botswanischen Zeitung "The Patriot on Sunday", die mir quasi direkt darauf antwortete: "Land allocation is no favour". Der Autor des Artikels beschreibt den Besitz von Land als elementares Menschenrecht, das in der Verantwortung des Staates liegt. Gleichzeitig beklagt er, dass in Botswana einiges schief laufen würde: Es könne gut und gern 20 Jahre dauern, bis man ein Stück Land in Gaborone bekäme. Das Prinzip der Landvergabe wäre schwer zu verstehen und den Bürgern des Landes würden ihre Grundrechte nirgends wirklich vermittelt - eigentlich müsste die Schule die botswanischen Kindern zu mündigen Bürgern erziehen, aber das würde nicht passieren. Auch mir hat meine Google Recherche das Prinzip der Landvergabe nicht wirklich nähergebracht. Es wird anscheinend zwischen "State Land" und "Tribal Land" unterschieden, je nach Bewerbung muss sich an unterschiedliche Stellen gewandt werden. Grundvoraussetzungen für die Bewerbungen sind ein botswanischer Personalausweis ("Omang") und dass der Bewerber mindestens 18 ist. Nach welchem Prinzip Land vergeben wird, scheint undurchsichtig zu sein, es hängt wohl doch öfters vom Wohlwollen der vergebenden Behörde ab ...
Aber wie dem auch sei, Sam hat sein Stück Land bekommen. Wir sind gespannt, was er in der nächsten Zeit daraus macht!

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