Unsere Wellblechdach-Hütte hier ist ja nicht ganz klein. Das finden wir einen angenehmen Luxus - nicht zuletzt, weil wir unsere Möbel aus Frankfurt hier bequem unterbringen konnten, als der Container mit unseren Sachen kam (ein Rätsel bleibt es aber, wie die Sachen vorher in unsere Wohnung in Frankfurt gepasst hatten!).
Irgendwann fingen wir dann an zu überlegen, ob wir für dieses riesige Haus nicht noch weitere Möbel und Ausstattung bräuchten - zu viel Freifläche ist ja auch nicht gut, oder? Bisher hatten wir uns zurückgehalten, nur jüngst den Grill zu unserer Ausstattung ergänzt. Allerdings dachten wir, dass es ganz nett wäre, auf unserer Terrasse noch ein paar weitere Sitzgelegenheiten zu schaffen - Terrassenmöbel sollten her!
Ich hatte schon vor meiner Ausreise gehört, dass es nicht ganz leicht sei, Möbel nach europäischem Geschmack in Gaborone zu finden (erst recht nicht, wenn sie bezahlbar sein sollen). Das ist mir dann auch wieder eingefallen, als wir nach und nach sämtliche Möbelgeschäfte der Stadt abklapperten. Terrassenmöbel gab es in der Regel gar nicht, und wenn, dann nur zu Preisen, die höher lagen, als das, was wir ausgeben wollten. Im letzten unbesuchten Möbelgeschäft wurden wir dann kürzlich doch noch fündig, und das zu einem wirklich günstigen Preis. So haben wir jetzt auch eine schöne Sitzgruppe auf unserer Terrasse:
Der erste Besuch kann kommen (und wird, wenn Ihr diesen Eintrag lest, bereits da sein)! Wann kommt Ihr uns besuchen?
Montag, 31. Oktober 2016
Samstag, 29. Oktober 2016
Sonntagsfahrerin
Ich bin eine Sonntagsfahrerin. Nachdem ich allerdings gerade bei Wikipedia las, dass sich diese durch übermäßig langsame Fahrweise auszeichnen, meist einen Hut tragen und einen Wackeldackel oder eine umhäkelte Klopapierrolle auf der hinteren Hutablage haben, möchte ich klarstellen, dass keine dieser Eigenschaften auf mich zutrifft! Aber wenn ich Auto fahre, ist es meistens Sonntag. Manchmal auch Samstag. Unter der Woche fahre ich selten. Wenn man bedenkt, dass ich ca. 15 Jahre lang überhaupt nicht gefahren hin, ist das aber trotzdem eine riesige Steigerung.
Zur Sonntags- bzw. Wochenendfahrerin bin ich hier aus verschiedenen Gründen geworden. Hauptgrund: Wir sind hier in einem Land ohne öffentlichen Nahverkehr gelandet. Und das schmerzt, ich war immer ein großer Fan von Bus und Bahn. Zwar gibt es Minibusse, die an festen Plätzen (meist in der Nähe von Einkaufszentren) in festgelegte Richtungen abfahren, sobald sie voll sind, diese sind aber oft überfüllt, folgen keinem Fahrplan und werden fast nur von Einheimischen benutzt - kurz: Meine Lust, da einzusteigen, hält sich in Grenzen. "Deluxe Cabs", die Taxen unseres Vertrauens, sind zwar günstig, aber umständlich: Meist rufe ich in der Zentrale an, die nach meiner Adresse und Mobilnummer fragt und standardmäßig ein Taxi in 20 Minuten verspricht. Nach fünf bis 20 Minuten meldet sich dann ein mal mehr, mal weniger verständlich Englisch sprechender Taxifahrer und will nochmal wissen, wo ich denn überhaupt bin. Da Straßennamen hier zwar existent, aber irgendwie trotzdem komplett egal sind, beschreibe ich ihm dann den Weg und dann hängt es von seinen Orts- und Englischkenntnissen ab, wann und wie er mich findet. Ich hatte schon blitzschnelle Taxifahrer und lustige Unterhaltungen, aber manchmal nervt das Ganze auch nur.
Egal ob Einkaufen, Ausflüge oder Reisen: In Botswana macht man (als Weißer) alles mit dem eigenen Auto. Und so hatte Philip ja auch schon vor meiner Ankunft ein Auto für uns gekauft, mit dem er täglich zur Arbeit fährt. Und ich habe langsam angefangen, mich hinters Steuer zu setzen - zuerst im Gaborone Game Reserve, wo man bei 20-30 km/h rumkurvt, in zwei Stunden maximal drei andere Autos sieht und die Tiere dankenswerterweise so groß sind, dass man sie nicht aus Versehen über den Haufen fährt. Als nächstes habe ich Landstraße geübt - im Tuli-Block, wo man eh das Gefühl hat, am Ende der Welt zu sein und zwischen Nata und Gweta, wo es 100 km ohne Ampel, Stoppschilder o.ä. geradeaus geht. Das klappte alles ganz gut. Auf die Straßen in Gaborone fühlte ich mich dennoch nicht so recht vorbereitet, denn hier ist man dem ausgeliefert, was auf vielen anderen Straßen dieses Landes eher sporadisch vorkommt: Verkehr!
Dann ergab sich die Möglichkeit, ein zweites Auto zu kaufen. Nach Philips Erfahrungen mit hiesigen Gebrauchtwagenhändlern hatten wir beschlossen, zuzuschlagen, wenn uns mal eins aus vertrauenswürdigerer Quelle angeboten wird. Philips Chef ist im September mit seiner Familie zurück nach Deutschland gegangen und hatte rumgemailt, dass er den Zweitwagen gerne verkaufen würde: einen 13 Jahre alten VW Golf. Wir bekundeten Interesse, guckten uns das Auto an, machten eine Probefahrt, schlugen zu - alles innerhalb von vier Tagen, und das war gut, wir waren nämlich nicht die einzigen Interessenten. Und dann waren wir plötzlich Besitzer von zwei Autos. Und es war klar, dass das eigentlich nur Sinn macht, wenn ich eins davon fahre.
Ich habe den Golf eigentlich auch schnell lieb gewonnen. Er ist ja ein ganzes Stück kleiner und ich komme daher besser mit ihm klar als mit dem großen Schluckspecht. Und so fuhr ich mal probeweise zum Einkaufen. Und nach Mokolodi. Und irgendwann dann auch zum Fitnessstudio ans andere Ende der Stadt. Und bei unserer Suche nach Möbelgeschäften saß ich auch mal am Steuer. Allerdings fahre ich im Moment nur, wenn Philip als moralische Unterstützung dabei ist und das ist der Hauptgrund, dass ich eine Samstags- und Sonntagsfahrerin bin. Aber auch dann fahre ich nicht immer. Ich meide Dunkelheit, Gewitter, unbekannte Strecken und Rush Hours. Und manchmal habe ich auch schlichtweg keine Lust und lasse mich dann nicht immer überreden. Ich mag die vielen zweispurigen Kreisverkehre hier nicht und die Kreuzungen, bei denen die Autos in der Reihenfolge Vorfahrt haben, in der sie an der Kreuzung angekommen sind, sind mir einfach nur suspekt. Aber hey: Ich fahre.
Anmerkung zum Foto: Philip hat mich dazu genötigt. Und ja, ich sitze auf dem Fahrersitz - der ist in Botswana halt auf der rechten Seite. Linksverkehr!
Zur Sonntags- bzw. Wochenendfahrerin bin ich hier aus verschiedenen Gründen geworden. Hauptgrund: Wir sind hier in einem Land ohne öffentlichen Nahverkehr gelandet. Und das schmerzt, ich war immer ein großer Fan von Bus und Bahn. Zwar gibt es Minibusse, die an festen Plätzen (meist in der Nähe von Einkaufszentren) in festgelegte Richtungen abfahren, sobald sie voll sind, diese sind aber oft überfüllt, folgen keinem Fahrplan und werden fast nur von Einheimischen benutzt - kurz: Meine Lust, da einzusteigen, hält sich in Grenzen. "Deluxe Cabs", die Taxen unseres Vertrauens, sind zwar günstig, aber umständlich: Meist rufe ich in der Zentrale an, die nach meiner Adresse und Mobilnummer fragt und standardmäßig ein Taxi in 20 Minuten verspricht. Nach fünf bis 20 Minuten meldet sich dann ein mal mehr, mal weniger verständlich Englisch sprechender Taxifahrer und will nochmal wissen, wo ich denn überhaupt bin. Da Straßennamen hier zwar existent, aber irgendwie trotzdem komplett egal sind, beschreibe ich ihm dann den Weg und dann hängt es von seinen Orts- und Englischkenntnissen ab, wann und wie er mich findet. Ich hatte schon blitzschnelle Taxifahrer und lustige Unterhaltungen, aber manchmal nervt das Ganze auch nur.
Egal ob Einkaufen, Ausflüge oder Reisen: In Botswana macht man (als Weißer) alles mit dem eigenen Auto. Und so hatte Philip ja auch schon vor meiner Ankunft ein Auto für uns gekauft, mit dem er täglich zur Arbeit fährt. Und ich habe langsam angefangen, mich hinters Steuer zu setzen - zuerst im Gaborone Game Reserve, wo man bei 20-30 km/h rumkurvt, in zwei Stunden maximal drei andere Autos sieht und die Tiere dankenswerterweise so groß sind, dass man sie nicht aus Versehen über den Haufen fährt. Als nächstes habe ich Landstraße geübt - im Tuli-Block, wo man eh das Gefühl hat, am Ende der Welt zu sein und zwischen Nata und Gweta, wo es 100 km ohne Ampel, Stoppschilder o.ä. geradeaus geht. Das klappte alles ganz gut. Auf die Straßen in Gaborone fühlte ich mich dennoch nicht so recht vorbereitet, denn hier ist man dem ausgeliefert, was auf vielen anderen Straßen dieses Landes eher sporadisch vorkommt: Verkehr!
Dann ergab sich die Möglichkeit, ein zweites Auto zu kaufen. Nach Philips Erfahrungen mit hiesigen Gebrauchtwagenhändlern hatten wir beschlossen, zuzuschlagen, wenn uns mal eins aus vertrauenswürdigerer Quelle angeboten wird. Philips Chef ist im September mit seiner Familie zurück nach Deutschland gegangen und hatte rumgemailt, dass er den Zweitwagen gerne verkaufen würde: einen 13 Jahre alten VW Golf. Wir bekundeten Interesse, guckten uns das Auto an, machten eine Probefahrt, schlugen zu - alles innerhalb von vier Tagen, und das war gut, wir waren nämlich nicht die einzigen Interessenten. Und dann waren wir plötzlich Besitzer von zwei Autos. Und es war klar, dass das eigentlich nur Sinn macht, wenn ich eins davon fahre.
Ich habe den Golf eigentlich auch schnell lieb gewonnen. Er ist ja ein ganzes Stück kleiner und ich komme daher besser mit ihm klar als mit dem großen Schluckspecht. Und so fuhr ich mal probeweise zum Einkaufen. Und nach Mokolodi. Und irgendwann dann auch zum Fitnessstudio ans andere Ende der Stadt. Und bei unserer Suche nach Möbelgeschäften saß ich auch mal am Steuer. Allerdings fahre ich im Moment nur, wenn Philip als moralische Unterstützung dabei ist und das ist der Hauptgrund, dass ich eine Samstags- und Sonntagsfahrerin bin. Aber auch dann fahre ich nicht immer. Ich meide Dunkelheit, Gewitter, unbekannte Strecken und Rush Hours. Und manchmal habe ich auch schlichtweg keine Lust und lasse mich dann nicht immer überreden. Ich mag die vielen zweispurigen Kreisverkehre hier nicht und die Kreuzungen, bei denen die Autos in der Reihenfolge Vorfahrt haben, in der sie an der Kreuzung angekommen sind, sind mir einfach nur suspekt. Aber hey: Ich fahre.
Anmerkung zum Foto: Philip hat mich dazu genötigt. Und ja, ich sitze auf dem Fahrersitz - der ist in Botswana halt auf der rechten Seite. Linksverkehr!
Donnerstag, 27. Oktober 2016
Wir sind 100!
Wir sind 100! Und nehmen Glückwünsche entgegen. :-)
Nein, ganz so alt sind wir beide dann doch noch nicht, weder einzeln noch zusammengezählt. Aber dieser Blog hat nun schon 100 Einträge. Darauf sind wir doch ein wenig stolz. Uns macht es Spaß, gelegentlich aus unserem Alltag zu erzählen - und wir freuen uns sehr darüber, dass Ihr mitlest, gelegentlich auf dem Blog vorbeischaut - und besonders freuen wir uns über Eure gelegentlichen Rückmeldungen zu unseren Einträgen. Über 4000 Mal wurde die Website bereits aufgerufen, und mehr als 20 von Euch bekommen die Blogeinträge per email zugeschickt (wer letzteres auch will und sich noch nicht eingetragen hat: Auf der Website (dafür nicht mit Mobilgeräten anschauen) oben rechts gibt es ein Feld, wo Ihr Eure email-Adresse eintragen könnt, dann bekommt Ihr eine email zugeschickt, in der Ihr bestätigen müsst, dass Ihr unsere Blogeinträge wirklich erhalten wollt - und dann sollte es klappen; bei Problemen sagt einfach Bescheid).
In diesem Sinne: Bis zum nächsten Blogeintrag!
Nein, ganz so alt sind wir beide dann doch noch nicht, weder einzeln noch zusammengezählt. Aber dieser Blog hat nun schon 100 Einträge. Darauf sind wir doch ein wenig stolz. Uns macht es Spaß, gelegentlich aus unserem Alltag zu erzählen - und wir freuen uns sehr darüber, dass Ihr mitlest, gelegentlich auf dem Blog vorbeischaut - und besonders freuen wir uns über Eure gelegentlichen Rückmeldungen zu unseren Einträgen. Über 4000 Mal wurde die Website bereits aufgerufen, und mehr als 20 von Euch bekommen die Blogeinträge per email zugeschickt (wer letzteres auch will und sich noch nicht eingetragen hat: Auf der Website (dafür nicht mit Mobilgeräten anschauen) oben rechts gibt es ein Feld, wo Ihr Eure email-Adresse eintragen könnt, dann bekommt Ihr eine email zugeschickt, in der Ihr bestätigen müsst, dass Ihr unsere Blogeinträge wirklich erhalten wollt - und dann sollte es klappen; bei Problemen sagt einfach Bescheid).
In diesem Sinne: Bis zum nächsten Blogeintrag!
Dienstag, 25. Oktober 2016
Angegrillt!
Vor vielen Jahren war ich mal bei Verwandten zu Gast, als im Frühjahr offiziell "angegrillt" wurde, sie den Grill also zum ersten Mal in diesem Jahr anschmissen. Da meine Eltern überzeugte Nicht-Griller sind, war mir die Tradition des "Angrillens" und "Abgrillens" neu, sie hat mich aber offensichtlich so beeindruckt, dass ich sie nicht vergessen habe. Am Sonntag haben nun Philip und ich zum ersten Mal angegrillt - mit unserem letzte Woche neuerworbenen Grill! Wir hatten uns schon länger nach einem umgeschaut - bei einem großen Garten mit eigener "Braai-area" (Grillplatz) muss man die Möglichkeiten ja ausnutzen.
Philip hatte den Grill zum Glück schon einen Tag vorher zusammengebaut - sein Bausatz hätte IKEA alle Ehre gemacht und wir wären vermutlich verhungert, wenn wir das Ding am Tag seines Gebrauchs zusammenschrauben hätten wollen. Aber nun stand er, und bevor wir mit Gästen grillen, wollten wir doch einen Probelauf zu zweit machen. Trotz der starken Gewitter der letzten Tage ist hier tagsüber immer großartiges Wetter. Vermutlich bieten sich in Botswana generell 10 von 12 Monaten bestens zum Grillen an - sofern man Lust hat, bei gleißender Sonne und 40 Grad ein Grillfeucherchen zu entfachen ... Aber momentan ist es meist noch nicht ganz so heiß.
Ein weiterer Grund, wieso Botswana ein prima Land zum Grillen ist: Hier gibt es fantastisches Rindfleisch preiswert zu kaufen - es ist für das Land auch ein wichtiges Exportgut. Und sehr lecker. Wir haben daher etwas dekadent neben Gemüse und Schweinefleischspießen Rinderfilet gegrillt, was dann extremst gut geschmeckt hat. Hoch im Kurs steht bei den Einheimischen außerdem die "Boerewors" (Afrikaans für "Bauernwurst"), die man unter anderem als Wurstschnecke kaufen kann, aber nach einer unschönen Hotdog-Erfahrung habe ich mich da noch nicht rangetraut - und mal ehrlich, wenn man die Wahl zwischen Rinderfilet und einer Wurstschnecke hat ...
Unsere Grill-Inbetriebnahme war auf jeden Fall ein voller Erfolg. Da kann man nur noch sagen: Kommt doch mal in Botswana vorbei - bei uns ist angegrillt!
Philip hatte den Grill zum Glück schon einen Tag vorher zusammengebaut - sein Bausatz hätte IKEA alle Ehre gemacht und wir wären vermutlich verhungert, wenn wir das Ding am Tag seines Gebrauchs zusammenschrauben hätten wollen. Aber nun stand er, und bevor wir mit Gästen grillen, wollten wir doch einen Probelauf zu zweit machen. Trotz der starken Gewitter der letzten Tage ist hier tagsüber immer großartiges Wetter. Vermutlich bieten sich in Botswana generell 10 von 12 Monaten bestens zum Grillen an - sofern man Lust hat, bei gleißender Sonne und 40 Grad ein Grillfeucherchen zu entfachen ... Aber momentan ist es meist noch nicht ganz so heiß.
Ein weiterer Grund, wieso Botswana ein prima Land zum Grillen ist: Hier gibt es fantastisches Rindfleisch preiswert zu kaufen - es ist für das Land auch ein wichtiges Exportgut. Und sehr lecker. Wir haben daher etwas dekadent neben Gemüse und Schweinefleischspießen Rinderfilet gegrillt, was dann extremst gut geschmeckt hat. Hoch im Kurs steht bei den Einheimischen außerdem die "Boerewors" (Afrikaans für "Bauernwurst"), die man unter anderem als Wurstschnecke kaufen kann, aber nach einer unschönen Hotdog-Erfahrung habe ich mich da noch nicht rangetraut - und mal ehrlich, wenn man die Wahl zwischen Rinderfilet und einer Wurstschnecke hat ...
Unsere Grill-Inbetriebnahme war auf jeden Fall ein voller Erfolg. Da kann man nur noch sagen: Kommt doch mal in Botswana vorbei - bei uns ist angegrillt!
Sonntag, 23. Oktober 2016
Summer of '79
1979 - mein Geburtsjahr! - da schaut man doch gleich mal hin. Vor ein paar Wochen wurden wir auf eine Veranstaltung aufmerksam mit dem Titel "Summer of '79". War sie als Musical oder doch als Konzert angekündigt? Egal, Kulturprogramm, und das in Gaborone, das mussten wir ausnutzen und sicherten uns die gefühlt eher teuren Eintrittskarten.
Open Air sollte die Veranstaltung sein, an zwei Wochenenden jeweils freitags und samstags wiederholt werden. Wir buchten Karten für den ersten Samstag. Ich hatte schon gehört, dass Kolleginnen am Freitag hingehen wollten. Als Walli gerade ihren jüngsten Blogeintrag veröffentlichte, und diesen mit den Worten beendete "Während ich diesen Blogbeitrag fertigstelle, ist bereits das nächste Gewitter heraufgezogen", war es eben jenes Gewitter, das heftig niederging und diese Veranstaltung zum Abbruch zwang. Als wir mit dem Auto samstags zum Veranstaltungsort fuhren, setzte das fünfte Gewitter am fünften Tag hintereinander pünktlich mit unserer Ankunft auf dem Parkplatz ein, begleitet von Hagel. Nach wenigen Minuten des Ausharrens im Auto ließen Hagel und Regen etwas nach und wir liefen die restlichen Meter zum Veranstaltungsort. Die Veranstalter hatten glücklicherweise umdisponiert und die Veranstaltung fand nun nicht mehr open air, sondern in einem größeren Zelt statt. Da es auch später noch geregnet und gewittert hat, war dies sicher eine gute Entscheidung - andererseits hatte dieses Zelt in etwa "den Charme einer Mehrzweckhalle" (laut Walli), was der Atmosphäre nicht wirklich zuträglich war.
Im Zelt bekamen wir dann vier Stunden lang live Musik mit Songs aus dem Jahr 1979 - das war toll. Einen Großteil der Songs kannte ich, es sind bekannte Partysongs - von keinem war mir allerdings bewusst, dass sie aus dem Jahr 1979 stammten. Da war mein Geburtsjahr wohl doch ein musikalisch produktives!
Ein wenig laut war es, teils hätten die Mikrofone besser eingestellt gewesen sein können, aber die Band war super; nur ein David-Bowie-Verschnitt wäre noch besser angekommen, wenn er nicht nur seine Tanz-Choreografie geübt hätte, sondern auch seinen Gesang einstudiert hätte... Die Töne zu treffen ist offenbar doch eine Kunst.
Sonderlich voll war das Zelt nicht - ob wohl manche Gäste durch das neuerliche Gewitter abgeschreckt waren? Wir hatten jedenfalls einen vergnüglichen Abend.
Hier noch ein kleiner Eindruck:
Open Air sollte die Veranstaltung sein, an zwei Wochenenden jeweils freitags und samstags wiederholt werden. Wir buchten Karten für den ersten Samstag. Ich hatte schon gehört, dass Kolleginnen am Freitag hingehen wollten. Als Walli gerade ihren jüngsten Blogeintrag veröffentlichte, und diesen mit den Worten beendete "Während ich diesen Blogbeitrag fertigstelle, ist bereits das nächste Gewitter heraufgezogen", war es eben jenes Gewitter, das heftig niederging und diese Veranstaltung zum Abbruch zwang. Als wir mit dem Auto samstags zum Veranstaltungsort fuhren, setzte das fünfte Gewitter am fünften Tag hintereinander pünktlich mit unserer Ankunft auf dem Parkplatz ein, begleitet von Hagel. Nach wenigen Minuten des Ausharrens im Auto ließen Hagel und Regen etwas nach und wir liefen die restlichen Meter zum Veranstaltungsort. Die Veranstalter hatten glücklicherweise umdisponiert und die Veranstaltung fand nun nicht mehr open air, sondern in einem größeren Zelt statt. Da es auch später noch geregnet und gewittert hat, war dies sicher eine gute Entscheidung - andererseits hatte dieses Zelt in etwa "den Charme einer Mehrzweckhalle" (laut Walli), was der Atmosphäre nicht wirklich zuträglich war.
Im Zelt bekamen wir dann vier Stunden lang live Musik mit Songs aus dem Jahr 1979 - das war toll. Einen Großteil der Songs kannte ich, es sind bekannte Partysongs - von keinem war mir allerdings bewusst, dass sie aus dem Jahr 1979 stammten. Da war mein Geburtsjahr wohl doch ein musikalisch produktives!
Ein wenig laut war es, teils hätten die Mikrofone besser eingestellt gewesen sein können, aber die Band war super; nur ein David-Bowie-Verschnitt wäre noch besser angekommen, wenn er nicht nur seine Tanz-Choreografie geübt hätte, sondern auch seinen Gesang einstudiert hätte... Die Töne zu treffen ist offenbar doch eine Kunst.
Sonderlich voll war das Zelt nicht - ob wohl manche Gäste durch das neuerliche Gewitter abgeschreckt waren? Wir hatten jedenfalls einen vergnüglichen Abend.
Hier noch ein kleiner Eindruck:
Freitag, 21. Oktober 2016
Gewitterzeit
Dieses Jahr hat die Regenzeit zur allgemeinen Freude ganz pünktlich begonnen. Nachdem sich der Himmel schon letzte Woche immer mal wieder zuzog und manchmal sogar eine Handvoll unmotivierter Tropfen fiel, kam diesen Dienstagabend der erste heftige Regenguss, gefolgt von einem Gewitter. In der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag regnete und gewitterte es erneut. Daher ist es nicht verwunderlich, dass Philip und ich beide die Idee hatten, darüber den nächsten Blogbeitrag zu schreiben. Ein gestern geführter Dialog:
W: Ich könnte auch das Thema Weihnachtsdeko nehmen! Dann kannst Du über die Gewitter schreiben.
P: Nö, schreib Du ruhig darüber – wobei mir ein Rätsel ist, wie man über Gewitter schreiben will, wenn man sie immer verschläft …
W: Ich könnte auch das Thema Weihnachtsdeko nehmen! Dann kannst Du über die Gewitter schreiben.
P: Nö, schreib Du ruhig darüber – wobei mir ein Rätsel ist, wie man über Gewitter schreiben will, wenn man sie immer verschläft …
Ich habe tatsächlich einen recht guten Schlaf und zumindest das zweite Gewitter daher mehr oder weniger ignoriert. Obwohl es schon schwer ist, allein den Regen zu verschlafen: Unser Haus hat ja ein ungedämmtes Wellblechdach, auch Vögel hört man ziemlich lautstark darauf rumhopsen – ein starker Regen macht ein Gespräch in normaler Lautstärke schwierig.
Trotz guten Schlafes hatte ich dann keinerlei Chancen, das dritte Gewitter zu verpassen, das diese Nacht über uns hereinbrach. Geweckt wurden wir ungefähr zeitgleich gegen halbfünf von einem nicht allzu nah grollenden Donner, aber einige Minuten später war das Unwetter offensichtlich über uns: Es blitzte ständig, donnerte immer wieder und Regen und Hagel trommelten auf unser Dach. Wir drehten eine Runde durchs Haus, um alle Stecker rauszuziehen und konnten dank der ständigen Blitze problemlos sehen, ohne das Licht einzuschalten. Der Regen peitschte über die (überdachte!) Terrasse. Ich habe mich den Naturgewalten selten so ausgesetzt gefühlt – und das in einem Haus! Es war das heftigste Gewitter, das ich je erlebt habe und das erste, das mir zeitweise wirklich Angst eingeflößt hat. Nach einer guten Viertelstunde zog es dann langsam weiter, Blitze, Donner und Regen ließen nach und der Hagel hörte auf.
Heute Morgen klingelte schon vor unserer ersten Schadensbegutachtung der Nachbar, in dessen Garten ein riesiger Baum umgestürzt war – der Baum, auf den mich gerade gestern unser Gärtner aufmerksam gemacht hatte, weil der wohl tot sei. Er ist auf den Pickup des Nachbarn gefallen und hat Teile des Zauns zwischen unseren Grundstücken eingerissen. Unser Elektrozaum ist erstmal hin. Im Garten lagen morgens noch Hagelkörner, was bei ungefähr 20 Grad Außentemperatur dreieinhalb Stunden später schon ein Phänomen ist. Außerdem runtergerissene Zweige, Blüten, Blätter, ein toter Vogel – es sah ein bisschen aus wie auf einem Schlachtfeld. Das ist also die Regenzeit!
Dass sie von heftigen Gewittern begleitet wird, hatten wir schon gehört. Nachdem sie in der letzten Saison erst im Januar begann und erst im März viel Regen brachte, sind alle glücklich, dass es nun offensichtlich wieder mehr Regen geben wird. Unsere Regentonnen sind nach den letzten drei Nächten gut gefüllt. Das Gleiche gilt für unseren Pool, von dem wir seit ein paar Wochen befürchten, dass er ein Leck hat. Ich habe diese Woche eigentlich eine Messreihe gestartet, wir wollten durch morgendliche und abendliche Messung des Wasserstandes rausfinden, wie viel Wasser in der täglichen Hitze verdunstet und ob das auch eine Erklärung sein könnte … die Messungen kann ich wohl erstmal vergessen.
Seit meiner Ankunft gab es erst drei richtige Regenfälle – Mitte Mai, Mitte Juni und Mitte Juli, und mindestens die letzteren zwei waren inmitten der Trockenzeit sehr untypisch. Wie sagte unser Gärtner gestern zufrieden? „All the plants and trees are looking so happy now!“ Das ist die meisten Gewitterfolgen wohl wert, inklusive Strom- und Internetausfälle (letztere an jedem der drei vergangenen Morgende für mehrere Stunden, sowohl zu Hause als auch bei Philip im Büro). Unser Nachbar mit seinem kaputten Pickup mag das verständlicherweise gerade anders sehen.
Trotz guten Schlafes hatte ich dann keinerlei Chancen, das dritte Gewitter zu verpassen, das diese Nacht über uns hereinbrach. Geweckt wurden wir ungefähr zeitgleich gegen halbfünf von einem nicht allzu nah grollenden Donner, aber einige Minuten später war das Unwetter offensichtlich über uns: Es blitzte ständig, donnerte immer wieder und Regen und Hagel trommelten auf unser Dach. Wir drehten eine Runde durchs Haus, um alle Stecker rauszuziehen und konnten dank der ständigen Blitze problemlos sehen, ohne das Licht einzuschalten. Der Regen peitschte über die (überdachte!) Terrasse. Ich habe mich den Naturgewalten selten so ausgesetzt gefühlt – und das in einem Haus! Es war das heftigste Gewitter, das ich je erlebt habe und das erste, das mir zeitweise wirklich Angst eingeflößt hat. Nach einer guten Viertelstunde zog es dann langsam weiter, Blitze, Donner und Regen ließen nach und der Hagel hörte auf.
Heute Morgen klingelte schon vor unserer ersten Schadensbegutachtung der Nachbar, in dessen Garten ein riesiger Baum umgestürzt war – der Baum, auf den mich gerade gestern unser Gärtner aufmerksam gemacht hatte, weil der wohl tot sei. Er ist auf den Pickup des Nachbarn gefallen und hat Teile des Zauns zwischen unseren Grundstücken eingerissen. Unser Elektrozaum ist erstmal hin. Im Garten lagen morgens noch Hagelkörner, was bei ungefähr 20 Grad Außentemperatur dreieinhalb Stunden später schon ein Phänomen ist. Außerdem runtergerissene Zweige, Blüten, Blätter, ein toter Vogel – es sah ein bisschen aus wie auf einem Schlachtfeld. Das ist also die Regenzeit!
Dass sie von heftigen Gewittern begleitet wird, hatten wir schon gehört. Nachdem sie in der letzten Saison erst im Januar begann und erst im März viel Regen brachte, sind alle glücklich, dass es nun offensichtlich wieder mehr Regen geben wird. Unsere Regentonnen sind nach den letzten drei Nächten gut gefüllt. Das Gleiche gilt für unseren Pool, von dem wir seit ein paar Wochen befürchten, dass er ein Leck hat. Ich habe diese Woche eigentlich eine Messreihe gestartet, wir wollten durch morgendliche und abendliche Messung des Wasserstandes rausfinden, wie viel Wasser in der täglichen Hitze verdunstet und ob das auch eine Erklärung sein könnte … die Messungen kann ich wohl erstmal vergessen.
Seit meiner Ankunft gab es erst drei richtige Regenfälle – Mitte Mai, Mitte Juni und Mitte Juli, und mindestens die letzteren zwei waren inmitten der Trockenzeit sehr untypisch. Wie sagte unser Gärtner gestern zufrieden? „All the plants and trees are looking so happy now!“ Das ist die meisten Gewitterfolgen wohl wert, inklusive Strom- und Internetausfälle (letztere an jedem der drei vergangenen Morgende für mehrere Stunden, sowohl zu Hause als auch bei Philip im Büro). Unser Nachbar mit seinem kaputten Pickup mag das verständlicherweise gerade anders sehen.
Schon bei Asterix heißt es „Auf Regen folgt Sonnenschein“
und genau das ist heute Morgen wieder der Fall gewesen. Regenzeit hin oder her:
„Schmuddelwetter“ gibt es hier eigentlich nicht. Auch an den letzten Tagen kam
die Sonne immer wieder raus, wir sind zwar momentan von den über 30 Grad der
letzten Woche weit entfernt, was aber ganz angenehm ist. Bekannte, die die
letzte Regenzeit hier ebenfalls mitgemacht haben, haben uns schon
Schauergeschichten erzählt: Wie es nach Gewittern wieder wahnsinnig heiß wurde,
Klimaanlagen, Kühlschränke etc. aber stundenlang wegen Stromausfalls nicht
funktionierten – manchmal wird wohl sogar das Wasser abgestellt. Unsere
Nachbarin erzählte, dass alleine das ein Grund für eine Fitnessstudio-Anmeldung
sei: In der letzten Saison sei sie da ab und an hingefahren, um zu duschen und
sich ein bisschen im Klimatisierten aufhalten zu können – da es am anderen Ende
der Stadt liegt, stehen die Chancen wohl nicht schlecht, dass Strom, Internet
und Wasser dort funktionieren, wenn bei uns alles abgeschaltet ist.
Mal schauen, was die Regenzeit noch bringt! Während ich diesen Blogbeitrag fertigstelle, ist bereits das nächste Gewitter heraufgezogen ...
Mal schauen, was die Regenzeit noch bringt! Während ich diesen Blogbeitrag fertigstelle, ist bereits das nächste Gewitter heraufgezogen ...
Sonntag, 16. Oktober 2016
Jungfräuliche Fitness
Das Leben ist hart: Morgens ins Auto einsteigen, beim Büro aussteigen, abends wieder ins Auto einsteigen, nach Hause fahren. Bei der Arbeit werde ich schon blöd angeschaut, weil ich meistens die Treppe statt dem Aufzug in den dritten Stock nehme. Ansonsten hält sich mein Bewegungsradius in Grenzen. Mit dem Fahrrad zur Arbeit fahren - bei einer Strecke von unter 2 km eigentlich kein Problem, wenn da nicht die Autofahrer wären, die Fahrradfahrer hier nicht gewöhnt sind. Spazierengehen ist hier kein weit verbreitetes Hobby, abends aus Sicherheitsgründen nicht, tagsüber nicht, weil es kaum Bürgersteige und schlicht keine geeigneten Strecken dafür gibt (Walli geht gelegentlich ins nahe Einkaufszentrum Game City und hat hier mal unseren Kiez vorgestellt).
Uns war also schon seit einiger Zeit klar, dass wir etwas für unsere Fitness tun müssen. Walli hat ja weiterhin Vorbehalte gegenüber dem Golf spielen. Auf den Kgale Hill sind wir mittlerweile schon drei bis viermal raufgelaufen, das Mountainbiking in Mokolodi haben wir bisher noch nicht wiederholt - doch mittlerweile ist es zu heiß geworden für solchen Sport im Freien.
Gefühlt blieben uns nicht viele Alternativen. Ein Fitnessstudio sollte her, und so hörten wir uns um. Die Empfehlung war eindeutig, eigentlich kam nur eines in Frage, "Virgin Active", ein südafrikanisches Franchise von Bransons Virgin-Gruppe - leider am anderen Ende der Stadt gelegen. Der erste Besichtigungstermin vor zwei Wochen schlug fehl, weil ich meine Passnummer nicht angeben wollte. Beim zweiten Besichtigungstermin (vor einer Woche) fand man das entsprechende Formular nicht, so durften wir dann auch ohne Angabe unserer Daten eintreten (es geht doch!). Wir meldeten uns gleich an. Walli war nun unter der Woche schon einmal dort; heute sind wir erstmals gemeinsam hingefahren. Meine Einweisung lief ungefähr so ab: "Ja, dort siehst Du die Kardio-Geräte, weißt ja, wie die funktionieren, stell' Dich einfach mal drauf für 20 Minuten." Das hätte ich auch ohne Einweisung geschafft, na ja. Wir sind nun also Mitglied und haben gute Vorsätze. Die Geräte sind recht neu, gerade sonntags ist offenbar nicht viel los, und ein beheiztes Schwimmbecken mit 20m Bahn gibt es auch. Bei der Verabschiedung wurde ich gleich gefragt, ob ich morgen wieder käme - so weit reichen meine guten Vorsätze dann doch nicht, aber immerhin haben wir jetzt eine Möglichkeit für etwas Bewegung...
Uns war also schon seit einiger Zeit klar, dass wir etwas für unsere Fitness tun müssen. Walli hat ja weiterhin Vorbehalte gegenüber dem Golf spielen. Auf den Kgale Hill sind wir mittlerweile schon drei bis viermal raufgelaufen, das Mountainbiking in Mokolodi haben wir bisher noch nicht wiederholt - doch mittlerweile ist es zu heiß geworden für solchen Sport im Freien.
Gefühlt blieben uns nicht viele Alternativen. Ein Fitnessstudio sollte her, und so hörten wir uns um. Die Empfehlung war eindeutig, eigentlich kam nur eines in Frage, "Virgin Active", ein südafrikanisches Franchise von Bransons Virgin-Gruppe - leider am anderen Ende der Stadt gelegen. Der erste Besichtigungstermin vor zwei Wochen schlug fehl, weil ich meine Passnummer nicht angeben wollte. Beim zweiten Besichtigungstermin (vor einer Woche) fand man das entsprechende Formular nicht, so durften wir dann auch ohne Angabe unserer Daten eintreten (es geht doch!). Wir meldeten uns gleich an. Walli war nun unter der Woche schon einmal dort; heute sind wir erstmals gemeinsam hingefahren. Meine Einweisung lief ungefähr so ab: "Ja, dort siehst Du die Kardio-Geräte, weißt ja, wie die funktionieren, stell' Dich einfach mal drauf für 20 Minuten." Das hätte ich auch ohne Einweisung geschafft, na ja. Wir sind nun also Mitglied und haben gute Vorsätze. Die Geräte sind recht neu, gerade sonntags ist offenbar nicht viel los, und ein beheiztes Schwimmbecken mit 20m Bahn gibt es auch. Bei der Verabschiedung wurde ich gleich gefragt, ob ich morgen wieder käme - so weit reichen meine guten Vorsätze dann doch nicht, aber immerhin haben wir jetzt eine Möglichkeit für etwas Bewegung...
Mittwoch, 12. Oktober 2016
Flugbuchungen und Geldgeschäfte
Philip und ich wollen über Weihnachten nach Deutschland fliegen - getrennt hin und zusammen zurück; ich werde eine Woche länger im Lande sein und schon am 10.12. landen. Letztes Wochenende machten wir uns deswegen mal an die Flugbuchungen. Recherchen im Vorfeld hatten ergeben, dass Ethiopian Airlines generell günstiger ist als Lufthansa. Man fliegt nicht über Johannesburg sondern über Äthiopiens Hauptstadt Addis Abeba, der Flug dorthin dauert fünfeinhalb Stunden und von Addis nach Frankfurt sind es dann noch einmal siebeneinhalb. So weit, so gut.
Im Vorfeld dachten wir, dass die Vergleiche zwischen verschiedenen Flugbuchungsportalen / Anbietern die meiste Zeit in Anspruch nehmen würden. Nachdem wir uns für eine Buchung direkt bei Ethiopian Airlines entschieden hatten, wollten wir eigentlich nur noch "mal eben schnell" buchen. Erstaunlicherweise war es dann aber der Bezahlvorgang, der am längsten dauerte. Als Philip seinen Flug buchte, gab es zunächst ein Problem mit seiner Mastercard: Im Zuge des Bezahlverfahrens wurde eine SMS an seine deutsche Handynummer geschickt, die nach Botswana allerdings so lange brauchte, dass er den Bezahlvorgang bereits abgebrochen hatte, als sie ankam - mit dem Resultat, dass die Karte gesperrt wurde. VISA-Karten wurden von Ethiopian Airlines aus technischen Gründen generell nicht akzeptiert - wir konnten es kaum glauben, bekamen die Fehlermeldung aber immer wieder. Philip rief schließlich seine Bank an, die schaltete seine Mastercard wieder frei und er konnte seinen Flug buchen. Ich dagegen besitze nur eine VISA-Karte. Philips Mastercard konnten wir für meinen Flug nicht nutzen, da der Fliegende entweder Karteninhaber sein oder mit dem Karteninhaber zusammen reisen muss. Ich rief meine Bank an, die aber nur bestätigte, dass mit meiner VISA-Karte alles okay sei - das Problem lag bei Ethiopian Airlines. Da es aber nach 24 Stunden immer noch nicht behoben war, buchte ich schließlich mit der Zahlungsoption "Pay at agent". Ethiopian Airlines hat hier ein Büro in einer Shoppingmall, da sollte ich den Flug zeitnah bezahlen. Zum Glück rief ich vorab an - in erster Linie, um die Öffnungszeiten zu erfahren, aber ich fragte auch, ob ich mit Kreditkarte zahlen könnte, woraufhin man mir mitteilte, dass sie gar kein Lesegerät hätten. Die Möglichkeiten wären Bargeld oder Überweisung - sie könnten mir gerne ihre Kontoverbindung mailen. Ich überlegte ein Weilchen, was mir vertrauenswürdiger vorkam: Mit ziemlich viel Bargeld in Gaborone unterwegs zu sein oder das Geld an Ethiopian Airlines Gaborone zu überweisen und zu hoffen, dass dann alles klappt. Schließlich wählte ich Variante 1.
Zum Monatsende hin sind immer sehr, sehr lange Schlangen vor den Gaboroner Geldautomaten - man sieht dann locker 20 Leute da stehen, obwohl es alleine rund um Game City sicher an die 10 Automaten gibt. Das Maximum, das man abheben kann, sind 8.000,- Pula (ca. 670,- €) - aber das längst nicht bei allen Banken und manchmal ist wohl auch einfach nicht genug Geld im Automaten oder er spuckt aus anderen Gründen einfach weniger aus. Philip und ich hoben das Geld daher im Vorfeld zusammen ab - nicht, dass ich in der Mall mit dem Ethiopian Airlines Büro an den dortigen Geldautomaten scheitern würde.
Mein Flug kostete 8039,- Pula. Der größte Geldschein hier ist der 200 Pula-Schein - ich war also mit einem richtigen Geldbündel unterwegs. Im Ethiopian Airlines Büro rief man mir nach der Begrüßung ("How are you?") fast als erstes zu, dass man aber kein Kreditkartenlesegerät hatte und dann - nachdem ich das Bargeld zückte - dass es ebenfalls kein Wechselgeld gäbe. Damit hatte ich schon halb gerechnet und das Geld daher einigermaßen passend dabei - für den 1 Pula Trinkgeld (8 Cent) bedankte sich die Mitarbeiterin dann dafür gleich dreimal bei mir ("You know, 1 Pula can make a difference!") Ich war auch beruhigt, weil mir das Büro ansonsten ganz professionell erschien und ich nicht nur eine Quittung erhielt, sondern auch gleich mein ausgedrucktes Flugticket bekam.
Und die Moral von der Geschicht? Internetbuchungen sind nicht immer zeitsparender ...
Im Vorfeld dachten wir, dass die Vergleiche zwischen verschiedenen Flugbuchungsportalen / Anbietern die meiste Zeit in Anspruch nehmen würden. Nachdem wir uns für eine Buchung direkt bei Ethiopian Airlines entschieden hatten, wollten wir eigentlich nur noch "mal eben schnell" buchen. Erstaunlicherweise war es dann aber der Bezahlvorgang, der am längsten dauerte. Als Philip seinen Flug buchte, gab es zunächst ein Problem mit seiner Mastercard: Im Zuge des Bezahlverfahrens wurde eine SMS an seine deutsche Handynummer geschickt, die nach Botswana allerdings so lange brauchte, dass er den Bezahlvorgang bereits abgebrochen hatte, als sie ankam - mit dem Resultat, dass die Karte gesperrt wurde. VISA-Karten wurden von Ethiopian Airlines aus technischen Gründen generell nicht akzeptiert - wir konnten es kaum glauben, bekamen die Fehlermeldung aber immer wieder. Philip rief schließlich seine Bank an, die schaltete seine Mastercard wieder frei und er konnte seinen Flug buchen. Ich dagegen besitze nur eine VISA-Karte. Philips Mastercard konnten wir für meinen Flug nicht nutzen, da der Fliegende entweder Karteninhaber sein oder mit dem Karteninhaber zusammen reisen muss. Ich rief meine Bank an, die aber nur bestätigte, dass mit meiner VISA-Karte alles okay sei - das Problem lag bei Ethiopian Airlines. Da es aber nach 24 Stunden immer noch nicht behoben war, buchte ich schließlich mit der Zahlungsoption "Pay at agent". Ethiopian Airlines hat hier ein Büro in einer Shoppingmall, da sollte ich den Flug zeitnah bezahlen. Zum Glück rief ich vorab an - in erster Linie, um die Öffnungszeiten zu erfahren, aber ich fragte auch, ob ich mit Kreditkarte zahlen könnte, woraufhin man mir mitteilte, dass sie gar kein Lesegerät hätten. Die Möglichkeiten wären Bargeld oder Überweisung - sie könnten mir gerne ihre Kontoverbindung mailen. Ich überlegte ein Weilchen, was mir vertrauenswürdiger vorkam: Mit ziemlich viel Bargeld in Gaborone unterwegs zu sein oder das Geld an Ethiopian Airlines Gaborone zu überweisen und zu hoffen, dass dann alles klappt. Schließlich wählte ich Variante 1.
Zum Monatsende hin sind immer sehr, sehr lange Schlangen vor den Gaboroner Geldautomaten - man sieht dann locker 20 Leute da stehen, obwohl es alleine rund um Game City sicher an die 10 Automaten gibt. Das Maximum, das man abheben kann, sind 8.000,- Pula (ca. 670,- €) - aber das längst nicht bei allen Banken und manchmal ist wohl auch einfach nicht genug Geld im Automaten oder er spuckt aus anderen Gründen einfach weniger aus. Philip und ich hoben das Geld daher im Vorfeld zusammen ab - nicht, dass ich in der Mall mit dem Ethiopian Airlines Büro an den dortigen Geldautomaten scheitern würde.
Mein Flug kostete 8039,- Pula. Der größte Geldschein hier ist der 200 Pula-Schein - ich war also mit einem richtigen Geldbündel unterwegs. Im Ethiopian Airlines Büro rief man mir nach der Begrüßung ("How are you?") fast als erstes zu, dass man aber kein Kreditkartenlesegerät hatte und dann - nachdem ich das Bargeld zückte - dass es ebenfalls kein Wechselgeld gäbe. Damit hatte ich schon halb gerechnet und das Geld daher einigermaßen passend dabei - für den 1 Pula Trinkgeld (8 Cent) bedankte sich die Mitarbeiterin dann dafür gleich dreimal bei mir ("You know, 1 Pula can make a difference!") Ich war auch beruhigt, weil mir das Büro ansonsten ganz professionell erschien und ich nicht nur eine Quittung erhielt, sondern auch gleich mein ausgedrucktes Flugticket bekam.
Und die Moral von der Geschicht? Internetbuchungen sind nicht immer zeitsparender ...
Sonntag, 9. Oktober 2016
Phantasialand oder Oktoberfest-Ersatz
Am vergangenen Sonntag, dem vorletzten Tag des Oktoberfests in München, wollten wir mal wieder einen Ausflug machen. Wenn man auf die Kartenansicht unseres Blogs schaut, dann stellt man fest, dass wir bisher hauptsächlich Richtung Osten gefahren sind; also wollten wir diesmal die westliche Umgebung erkunden.
Näher als von uns vermutet liegt dort z.B. das "Lion Park Resort": der einzige Vergnügungspark Botswanas! Eine Mischung aus kleinem, in die Jahre gekommenen Phantasialand und einem Schwimmbad. Mit Wasserrutschen, einem Wellenbad, das ungefähr alle halbe Stunde für fünf bis zehn Minuten angeschaltet wird - und Fahrgeschäften wie im Phantasialand oder auf dem Oktoberfest. Die Fahrgeschäfte waren nicht mehr die allerjüngsten, wohl vor vielen Jahren mal aus Europa oder anderswo her importiert: Eine Achterbahn, ein Kettenkarussell, kleinere Karusselle, ein Riesenrad. Um das Gelände herum fuhr gelegentlich eine Eisenbahn. Ähnlich leer wie dem Vernehmen nach auf dem diesjährigen Oktoberfest war es auch: Die Fahrgeschäfte wurden jeweils angeschmissen, wenn jemand kam, um damit zu fahren, eine Wartezeit gab es somit nicht. So ging von dem Park eher ein etwas morbider Charme aus: Man stelle sich einen Vergnügungspark vor, wie er vielleicht Mitte des 20. Jahrhunderts in Deutschland ausgesehen haben mag, teilweise etwas konserviert, teilweise etwas angerostet, und sehr leer. Auch mal ganz interessant. Verblüfft hat uns allerdings, dass uns ein paar Tage nach unserem Besuch jemand erzählte, dass das Lion Park Resort erst letztes Jahr renoviert wurde - wie sah es bloß vorher aus?
Für uns stellte sich die Frage: Trauen wir uns auf eine Achterbahn mit Looping oder in ein Kettenkarussell, obwohl die Geräte ziemlich alt aussehen und hier wohl kaum ein TÜV deren Sicherheit überprüft? Im Endeffekt haben wir uns (allein) aufs Riesenrad getraut und sind eine Runde mit der Eisenbahn gefahren. Immerhin, vom Riesenrad aus hatten wir eine nette Aussicht auf das Gelände und die Umgebung.
Die Löwen, die dem Park seinen Namen geben, werden wohl tatsächlich in Käfigen ausgestellt. Wir haben sie uns nicht angeschaut - nicht nur, weil man dafür zusätzliches Eintrittsgeld hätte zahlen müssen; die Bedingungen, unter denen sie hier gehalten werden, sollen nicht die besten sein - und wir hatten ja schon das Privileg, hier in Botswana welche in freier Wildbahn zu sehen.
Näher als von uns vermutet liegt dort z.B. das "Lion Park Resort": der einzige Vergnügungspark Botswanas! Eine Mischung aus kleinem, in die Jahre gekommenen Phantasialand und einem Schwimmbad. Mit Wasserrutschen, einem Wellenbad, das ungefähr alle halbe Stunde für fünf bis zehn Minuten angeschaltet wird - und Fahrgeschäften wie im Phantasialand oder auf dem Oktoberfest. Die Fahrgeschäfte waren nicht mehr die allerjüngsten, wohl vor vielen Jahren mal aus Europa oder anderswo her importiert: Eine Achterbahn, ein Kettenkarussell, kleinere Karusselle, ein Riesenrad. Um das Gelände herum fuhr gelegentlich eine Eisenbahn. Ähnlich leer wie dem Vernehmen nach auf dem diesjährigen Oktoberfest war es auch: Die Fahrgeschäfte wurden jeweils angeschmissen, wenn jemand kam, um damit zu fahren, eine Wartezeit gab es somit nicht. So ging von dem Park eher ein etwas morbider Charme aus: Man stelle sich einen Vergnügungspark vor, wie er vielleicht Mitte des 20. Jahrhunderts in Deutschland ausgesehen haben mag, teilweise etwas konserviert, teilweise etwas angerostet, und sehr leer. Auch mal ganz interessant. Verblüfft hat uns allerdings, dass uns ein paar Tage nach unserem Besuch jemand erzählte, dass das Lion Park Resort erst letztes Jahr renoviert wurde - wie sah es bloß vorher aus?
Für uns stellte sich die Frage: Trauen wir uns auf eine Achterbahn mit Looping oder in ein Kettenkarussell, obwohl die Geräte ziemlich alt aussehen und hier wohl kaum ein TÜV deren Sicherheit überprüft? Im Endeffekt haben wir uns (allein) aufs Riesenrad getraut und sind eine Runde mit der Eisenbahn gefahren. Immerhin, vom Riesenrad aus hatten wir eine nette Aussicht auf das Gelände und die Umgebung.
Die Löwen, die dem Park seinen Namen geben, werden wohl tatsächlich in Käfigen ausgestellt. Wir haben sie uns nicht angeschaut - nicht nur, weil man dafür zusätzliches Eintrittsgeld hätte zahlen müssen; die Bedingungen, unter denen sie hier gehalten werden, sollen nicht die besten sein - und wir hatten ja schon das Privileg, hier in Botswana welche in freier Wildbahn zu sehen.
Freitag, 7. Oktober 2016
Der Tag der Deutschen Einheit
Ich war dieses Jahr das erste Mal überhaupt auf einer Festveranstaltung
anlässlich des Tages der Deutschen Einheit. Der deutsche Botschafter
hatte in ein Gaboroner Hotel eingeladen - Philip kannte solche Empfänge
bereits aus Ghana. Auf der Einladungskarte mit goldgeprägtem Bundesadler
war von "Lounge Suit/National Dress" die Rede, also schmissen wir uns
in Schale und fanden uns am 4.10. (es war quasi eine Nachfeier) um
19 Uhr in dem genannten Kongresshotel ein.
Da war bereits ordentlich was los - ich hatte mir das Ganze so ähnlich wie das von der Botschaft organisierte EM-Gucken vorgestellt, nur ohne Fußball und schicker angezogen, aber es waren auch viel mehr Leute da. Am Eingang des Saals begrüßten der Botschafter und seine Frau die eintreffenden Gäste, dann gruppierte man sich um Stehtische, Kellner nahmen Getränkewünsche auf und gingen mit Tabletts voller Häppchen umher. Es waren natürlich auch botswanische Gäste anwesend, außerdem unter anderem der türkische und der amerikanische Botschafter. Einige Frauen hatten sich tatsächlich für den "National Dress" entschieden (wenn man ein Dirndl so nennen kann). Es gab viel zu gucken!
Schließlich ging der Botschafter ans Rednerpult und hielt eine Begrüßungsrede, in der er natürlich auch nochmal den 50. Geburtstag Botswanas hervorhob. Er wies außerdem auf eine kleine Ausstellung am Rande des Raums hin: Hier waren Poster von Originaldokumenten der Botschaft angefertigt worden - frühe offizielle deutsch-botswanische Briefwechsel. So schrieb zum Beispiel der erste Botschaftsvertreter im Jahr 1975 nach Bonn, er habe ein zweites Hotelzimmer angemietet - bis dahin hatte er die Botschaft aus dem Zimmer heraus geführt, das er und seine Frau auch bewohnten. Büroräume gäbe es in Gaborone keine, es wäre aber nicht mehr tragbar gewesen, Besucher im eigenen Hotelzimmer zu empfangen, da diese sich oftmals nicht an die offiziellen Zeiten hielten und auch gerne schon mal morgens kämen. Ich stellte mir kurz vor, Philip würde seinen Job aus unserem Schlafzimmer heraus erledigen. Die Ehefrau dieses ersten deutschen Botschaftsvertreters hat offensichtlich einiges mitgemacht.
Schön war auch ein Brief aus Bonn nach Botswana, aus dem hervorging, dass Walter Ulbricht Sir Seretse Khama wohl zur Unabhängigkeit des Landes 1966 gratuliert hatte und man in Bonn gehört hatte, dass Ulbricht eine herzliche Antwort auf seinen Brief erhalten hätte. Der Brief schloss mit der Nachfrage, ob das stimme? Und machte deutlich, dass die DDR nicht als Staat zu akzeptieren sei.
Auch die Antwort hing aus: Ja, man hätte den Brief bekommen und sich bedankt, aber nicht außergewöhnlich herzlich. Generell hätte Sir Seretse Khama viele Glückwunschschreiben aus aller Welt bekommen und es sei eine Frage der in Botswana geschätzen Höflichkeit, sich bei allen Gratulanten freundlich zu bedanken.
Der Botschafter zitierte einige dieser Zeitzeugnisse und übergab dann das Wort an einen Vertreter der botswanischen Regierung. Nach seinem Grußwort wurde die botswanische Nationalhymne gespielt, dann sprach noch der Afrikabeauftragte der Bundeskanzlerin und zum Abschluss gab's noch die deutsche Nationalhymne. Dann war das Buffet eröffnet. Wir trafen unsere Nachbarin von der Botschaft, unseren deutsch-schwedisch-botswanischen Vermieter, der uns seine Mutter vorstellte und einige von Philips GIZ-Kollegen. Der Empfang war offiziell nur bis 21 Uhr angesetzt, aber es war bereits kurz nach halb elf, als wir uns auf den Heimweg machten. Die botswanische Feier zum Tag der Deutschen Einheit war ein voller Erfolg - und auf jeden Fall weitaus harmonischer und friedlicher, als das am Vortag in Dresden der Fall gewesen war ...
Da war bereits ordentlich was los - ich hatte mir das Ganze so ähnlich wie das von der Botschaft organisierte EM-Gucken vorgestellt, nur ohne Fußball und schicker angezogen, aber es waren auch viel mehr Leute da. Am Eingang des Saals begrüßten der Botschafter und seine Frau die eintreffenden Gäste, dann gruppierte man sich um Stehtische, Kellner nahmen Getränkewünsche auf und gingen mit Tabletts voller Häppchen umher. Es waren natürlich auch botswanische Gäste anwesend, außerdem unter anderem der türkische und der amerikanische Botschafter. Einige Frauen hatten sich tatsächlich für den "National Dress" entschieden (wenn man ein Dirndl so nennen kann). Es gab viel zu gucken!
Schließlich ging der Botschafter ans Rednerpult und hielt eine Begrüßungsrede, in der er natürlich auch nochmal den 50. Geburtstag Botswanas hervorhob. Er wies außerdem auf eine kleine Ausstellung am Rande des Raums hin: Hier waren Poster von Originaldokumenten der Botschaft angefertigt worden - frühe offizielle deutsch-botswanische Briefwechsel. So schrieb zum Beispiel der erste Botschaftsvertreter im Jahr 1975 nach Bonn, er habe ein zweites Hotelzimmer angemietet - bis dahin hatte er die Botschaft aus dem Zimmer heraus geführt, das er und seine Frau auch bewohnten. Büroräume gäbe es in Gaborone keine, es wäre aber nicht mehr tragbar gewesen, Besucher im eigenen Hotelzimmer zu empfangen, da diese sich oftmals nicht an die offiziellen Zeiten hielten und auch gerne schon mal morgens kämen. Ich stellte mir kurz vor, Philip würde seinen Job aus unserem Schlafzimmer heraus erledigen. Die Ehefrau dieses ersten deutschen Botschaftsvertreters hat offensichtlich einiges mitgemacht.
Schön war auch ein Brief aus Bonn nach Botswana, aus dem hervorging, dass Walter Ulbricht Sir Seretse Khama wohl zur Unabhängigkeit des Landes 1966 gratuliert hatte und man in Bonn gehört hatte, dass Ulbricht eine herzliche Antwort auf seinen Brief erhalten hätte. Der Brief schloss mit der Nachfrage, ob das stimme? Und machte deutlich, dass die DDR nicht als Staat zu akzeptieren sei.
Auch die Antwort hing aus: Ja, man hätte den Brief bekommen und sich bedankt, aber nicht außergewöhnlich herzlich. Generell hätte Sir Seretse Khama viele Glückwunschschreiben aus aller Welt bekommen und es sei eine Frage der in Botswana geschätzen Höflichkeit, sich bei allen Gratulanten freundlich zu bedanken.
Der Botschafter zitierte einige dieser Zeitzeugnisse und übergab dann das Wort an einen Vertreter der botswanischen Regierung. Nach seinem Grußwort wurde die botswanische Nationalhymne gespielt, dann sprach noch der Afrikabeauftragte der Bundeskanzlerin und zum Abschluss gab's noch die deutsche Nationalhymne. Dann war das Buffet eröffnet. Wir trafen unsere Nachbarin von der Botschaft, unseren deutsch-schwedisch-botswanischen Vermieter, der uns seine Mutter vorstellte und einige von Philips GIZ-Kollegen. Der Empfang war offiziell nur bis 21 Uhr angesetzt, aber es war bereits kurz nach halb elf, als wir uns auf den Heimweg machten. Die botswanische Feier zum Tag der Deutschen Einheit war ein voller Erfolg - und auf jeden Fall weitaus harmonischer und friedlicher, als das am Vortag in Dresden der Fall gewesen war ...
Mittwoch, 5. Oktober 2016
A United Kingdom
50 Jahre Botswana lässt sich auch Hollywood nicht entgehen - es ist sicher kein Zufall, dass gerade in diesem Jahr der Film "A United Kingdom" in die Kinos kommt. Er handelt von einer wahren Geschichte, die ich bisher vor allem aus dem
DuMont-Reiseführer kannte. Schon beim ersten Lesen hatte ich mich darüber gewundert, dass die Filmindustrie offensichtlich noch nicht zugeschlagen hatte.
"A United Kindom" erzählt die Liebesgeschichte zwischen Botswanas erstem Präsidenten Seretse Khama und seiner englischen Frau Ruth. Die beiden lernten sich lange vor Botswanas Unabhängigkeit kennen, als er 1947 in Oxford studierte. Ein Jahr später heirateten sie, was schnell zu einer wahren Staatsaffäre wurde: Seretse Khama war der legitime Thronfolger der Bamangwato (einer botswanischen Ethnie) - diese hatten sich natürlich eher eine Ehefrau aus dem eigenen Volk für ihr künftiges Oberhaupt vorgestellt. In Südafrika dagegen begann 1948 die Hochphase der Apartheid, in der der bereits lange existierende Rassismus durch eine Fülle neuer Gesetze weiter vorangetrieben wurde. Sogenannte Mischehen waren hier verboten. Zudem forderte Südafrika ein Mitspracherecht für die benachbarten englischen Protektorate und konnte eine Ehe zwischen einem dortigen König und einer Weißen natürlich nicht akzeptieren, weswegen das Land unter anderem Druck auf England ausübte. Auch dort war man also not amused.
Wie Seretse und Ruth Khama mit der Ablehnung von allen Seiten umgingen und sich dem Druck nicht beugten ist das Thema von "A United Kingdom". Hier der Trailer zum Film:
Vor drei Wochen feierte er bei den Toronto International Film Festivals 2016 Premiere, der Kinostart in Großbritannien ist am 25.11. Einen deutschen Termin habe ich noch nicht herausfinden können, nehme aber an, dass der Film auch in Deutschland laufen wird, weil er hochkarätig besetzt ist und die Premiere wohl bei Kritikern und Publikum insgesamt recht gut ankam.
Hier in Botswana sieht man dem Kinostart natürlich gespannt entgegen, der bereits 1980 verstorbene Sir Seretse Khama hat schließlich die Unabhängigkeit Botswanas mit möglich gemacht und das Land als erster botswanischer Präsident weise regiert und auf einen guten Weg gebracht. Die Liebesgeschichte zwischen ihm und seiner Frau gehört so quasi zur Gründungsgeschichte der unabhängigen Republik Botswana. In den sozialen Netzwerken werden allerdings auch Stimmen laut, die bemängeln, dass in dem Film kaum Botswaner mitspielen würden und hier auch nur ein kleiner Teil gedreht worden wäre - der aber immerhin in Serowe, von wo Seretse Khama tatsächlich stammte. Schön fand ich auch den Kommentar einer Botswanerin, sie hätte es viel besser gefunden, wenn die Hauptrollen von Denzel Washington und Jodie Foster gespielt worden wären - beides auf jeden Fall hervorragende Schauspieler, aber da Jodie Foster inzwischen fast Mitte 50 und Denzel Washington schon Anfang 60 ist, wäre es vielleicht doch etwas seltsam gewesen, wenn sie die jungen Liebenden verkörpert hätten ...
Richtig hoch gekocht sind die Emotionen, als im Zuge der Unabhängigkeitsfeiern schon eine Preview des Films in einem Gaboroner Kino stattfand. Das Kino verkündete auf facebook, dass es auch einige Karten im freien Verkauf gäbe und die zahlenden Gäste ebenfalls Zugang zur VIP-Lounge hätten. Für Einzelpersonen sollte der Spaß 1.500 BWP kosten, für Paare 2.500 BWP - umgerechnet sind das 127,- € und 212,- €. Das ist schon in Deutschland viel Geld, in Botswana stellt es für viele aber einen nicht unbeträchtlichen Teil des monatlichen Einkommens dar. Dementsprechend brach ein richtiger Shitstorm auf der facebookseite des Kinos aus, die Leute machten sich lustig, wiesen daraufhin, dass das ein Film für die Botswaner sein sollte und nicht nur für reiche Leute bzw. "Europeans only". Der Kinobetreiber ergänzte irgendwann verschüchtert, dass die Erlöse an die Lady Ruth Khama Stiftung gehen würden, aber geholfen hat ihm das auch nicht mehr.
Inzwischen ist die Premiere über die Bühne gegangen - wie viele Leute da waren, lässt sich den Fotos nicht entnehmen, aber wer das Geld ausgegeben hat, hatte immerhin die Gelegenheit, Botswanas Präsidenten Ian Khama live zu sehen. Das (selbstverständlich demokratisch gewählte) Staatsoberhaupt ist übrigens ein Sohn von Seretse und Ruth Khama. Das Hollywood Happy-End gab's also auch im wahren Leben - auf gleich mehreren Ebenen.
"A United Kindom" erzählt die Liebesgeschichte zwischen Botswanas erstem Präsidenten Seretse Khama und seiner englischen Frau Ruth. Die beiden lernten sich lange vor Botswanas Unabhängigkeit kennen, als er 1947 in Oxford studierte. Ein Jahr später heirateten sie, was schnell zu einer wahren Staatsaffäre wurde: Seretse Khama war der legitime Thronfolger der Bamangwato (einer botswanischen Ethnie) - diese hatten sich natürlich eher eine Ehefrau aus dem eigenen Volk für ihr künftiges Oberhaupt vorgestellt. In Südafrika dagegen begann 1948 die Hochphase der Apartheid, in der der bereits lange existierende Rassismus durch eine Fülle neuer Gesetze weiter vorangetrieben wurde. Sogenannte Mischehen waren hier verboten. Zudem forderte Südafrika ein Mitspracherecht für die benachbarten englischen Protektorate und konnte eine Ehe zwischen einem dortigen König und einer Weißen natürlich nicht akzeptieren, weswegen das Land unter anderem Druck auf England ausübte. Auch dort war man also not amused.
Wie Seretse und Ruth Khama mit der Ablehnung von allen Seiten umgingen und sich dem Druck nicht beugten ist das Thema von "A United Kingdom". Hier der Trailer zum Film:
Vor drei Wochen feierte er bei den Toronto International Film Festivals 2016 Premiere, der Kinostart in Großbritannien ist am 25.11. Einen deutschen Termin habe ich noch nicht herausfinden können, nehme aber an, dass der Film auch in Deutschland laufen wird, weil er hochkarätig besetzt ist und die Premiere wohl bei Kritikern und Publikum insgesamt recht gut ankam.
Hier in Botswana sieht man dem Kinostart natürlich gespannt entgegen, der bereits 1980 verstorbene Sir Seretse Khama hat schließlich die Unabhängigkeit Botswanas mit möglich gemacht und das Land als erster botswanischer Präsident weise regiert und auf einen guten Weg gebracht. Die Liebesgeschichte zwischen ihm und seiner Frau gehört so quasi zur Gründungsgeschichte der unabhängigen Republik Botswana. In den sozialen Netzwerken werden allerdings auch Stimmen laut, die bemängeln, dass in dem Film kaum Botswaner mitspielen würden und hier auch nur ein kleiner Teil gedreht worden wäre - der aber immerhin in Serowe, von wo Seretse Khama tatsächlich stammte. Schön fand ich auch den Kommentar einer Botswanerin, sie hätte es viel besser gefunden, wenn die Hauptrollen von Denzel Washington und Jodie Foster gespielt worden wären - beides auf jeden Fall hervorragende Schauspieler, aber da Jodie Foster inzwischen fast Mitte 50 und Denzel Washington schon Anfang 60 ist, wäre es vielleicht doch etwas seltsam gewesen, wenn sie die jungen Liebenden verkörpert hätten ...
Richtig hoch gekocht sind die Emotionen, als im Zuge der Unabhängigkeitsfeiern schon eine Preview des Films in einem Gaboroner Kino stattfand. Das Kino verkündete auf facebook, dass es auch einige Karten im freien Verkauf gäbe und die zahlenden Gäste ebenfalls Zugang zur VIP-Lounge hätten. Für Einzelpersonen sollte der Spaß 1.500 BWP kosten, für Paare 2.500 BWP - umgerechnet sind das 127,- € und 212,- €. Das ist schon in Deutschland viel Geld, in Botswana stellt es für viele aber einen nicht unbeträchtlichen Teil des monatlichen Einkommens dar. Dementsprechend brach ein richtiger Shitstorm auf der facebookseite des Kinos aus, die Leute machten sich lustig, wiesen daraufhin, dass das ein Film für die Botswaner sein sollte und nicht nur für reiche Leute bzw. "Europeans only". Der Kinobetreiber ergänzte irgendwann verschüchtert, dass die Erlöse an die Lady Ruth Khama Stiftung gehen würden, aber geholfen hat ihm das auch nicht mehr.
Inzwischen ist die Premiere über die Bühne gegangen - wie viele Leute da waren, lässt sich den Fotos nicht entnehmen, aber wer das Geld ausgegeben hat, hatte immerhin die Gelegenheit, Botswanas Präsidenten Ian Khama live zu sehen. Das (selbstverständlich demokratisch gewählte) Staatsoberhaupt ist übrigens ein Sohn von Seretse und Ruth Khama. Das Hollywood Happy-End gab's also auch im wahren Leben - auf gleich mehreren Ebenen.
Sonntag, 2. Oktober 2016
Botswana, wir schicken Dir den Edi
Liebes Botswana,
bisher sind wir ja ganz gut miteinander ausgekommen. Doch in letzter Zeit schaffst Du es leider ein wenig, mich in den Wahnsinn zu treiben. Ich gratuliere Dir natürlich ganz herzlich zu Deinem 50. Geburtstag. Doch ich bitte Dich auch, Dir zu überlegen, wo Du von hier aus hinwillst: Willst Du strikt Regeln sinnlos befolgen, Deine Bürokratie immer weiter ausbauen und als Selbstzweck begreifen, oder willst Du Deinen Bürgern und Gästen dienen und ihr Leben einfach und angenehm gestalten?
Letzte Woche zum Beispiel hast Du es beinahe geschafft, mich zum Explodieren zu bringen. Ich hatte einen Behördengang zu erledigen und bin so privilegiert, dass ich, statt selbst zu der Behörde zu fahren, einen Fahrer schicken konnte. Ich wusste, dass Du u.a. eine beglaubigte Kopie meines Passes sowie die eines Kollegen brauchtest, die hatte mein Fahrer auch dabei. Leider war die eine Beglaubigung jedoch etwas älter als ein Jahr, die andere war von April – und Deine Regeln sehen vor, dass solche Beglaubigungen nicht älter als drei Monate sein dürfen. Die Pässe, beide noch mehrere Jahre gültig, hätten ja ungültig geworden sein können. Die deutsche Botschaft hier ist so nett, solche Beglaubigungen sogar kostenlos innerhalb von ein bis zwei Tagen auszustellen. Als mein Fahrer das nächste Mal nach stundenlangem Anstehen in Deiner Behörde an der Reihe war, wurde die Beglaubigung wieder nicht akzeptiert, denn das Datum war maschinell aufgedruckt und nicht im Stempel/Siegel der Botschaft per Hand notiert. Das entspräche nicht Deinem Gesetz und könne nicht akzeptiert werden. Bitte überleg' Dir doch, ob hier nicht ein wenig Pragmatismus für alle Seiten praktisch wäre. Die Mitarbeiter der deutschen Botschaft stutzten zwar, als ich ihnen von Deinem Theater erzählte, trugen jedoch das Datum noch handschriftlich im Stempel nach. Ich hoffe, Du wirst das nun akzeptieren.
Und da wir schon dabei sind: Ich empfehle Dir, liebes Land Botswana, auch ein wenig mehr Datenschutz. Oberstes Prinzip des Datenschutzes ist die Datensparsamkeit. Überall muss ich hier neben meinem Namen auch meine Telefonnummer sowie meine Passnummer angeben. Zum Beispiel, als ich mit dem Auto in die Waschanlage fahren wollte. Wofür brauchst Du diese Daten und was machst Du damit?
Heute wollten wir uns ein Fitnessstudio anschauen – wohl gemerkt anschauen, nicht uns dort anmelden. Zuvor sollten wir noch Namen, Passnummer, Geburtsdatum und Telefonnummer angeben. Außerdem sollten wir angeben, wer in einem Notfall kontaktiert werden sollte. Und das alles nur, um einmal hinter die Schranke zu gelangen und sich umzuschauen und ein Verkaufsgespräch zu führen – von Probetraining war da noch keine Rede. Ein Mann neben uns, der sich ebenfalls wunderte und die Notfall-Kontaktperson nicht angab, wurde dann noch einmal gefragt, wer im Falle eines Notfalls anzurufen sei. Seine Antwort: „The Hospital“ fanden die Angestellten des Fitnessstudios irgendwie nicht so lustig wie wir. Wir haben uns im Endeffekt dagegen entschlossen, uns das Fitnessstudio näher anzuschauen (super Ausrede, das mit der Datensparsamkeit!).
Liebes Botswana, ich möchte Dir abschließend ein Angebot machen: Wir haben da in Deutschland jemanden, der sehr viel Erfahrung mit Bürokratieabbau bei der EU hat, der dort eine Kommission zum Bürokratieabbau geleitet hat und Empfehlungen ausgesprochen hat – vielleicht kann der Dir ja auch ein wenig helfen? In Deutschland könnten wir Herrn Stoiber sicher ein paar Jahre entbehren. Sag einfach kurz Bescheid, und ich organisiere ihn Dir.
Wir schaffen das schon noch, liebes Botswana, dass wir uns aneinander gewöhnen – aber bis dahin wäre ich Dir doch sehr dankbar, wenn Du Deine Bürokratie etwas reduzieren könntest und nicht ganz so viele Daten von mir erheben wollen würdest.
Viele Grüße
bisher sind wir ja ganz gut miteinander ausgekommen. Doch in letzter Zeit schaffst Du es leider ein wenig, mich in den Wahnsinn zu treiben. Ich gratuliere Dir natürlich ganz herzlich zu Deinem 50. Geburtstag. Doch ich bitte Dich auch, Dir zu überlegen, wo Du von hier aus hinwillst: Willst Du strikt Regeln sinnlos befolgen, Deine Bürokratie immer weiter ausbauen und als Selbstzweck begreifen, oder willst Du Deinen Bürgern und Gästen dienen und ihr Leben einfach und angenehm gestalten?
Letzte Woche zum Beispiel hast Du es beinahe geschafft, mich zum Explodieren zu bringen. Ich hatte einen Behördengang zu erledigen und bin so privilegiert, dass ich, statt selbst zu der Behörde zu fahren, einen Fahrer schicken konnte. Ich wusste, dass Du u.a. eine beglaubigte Kopie meines Passes sowie die eines Kollegen brauchtest, die hatte mein Fahrer auch dabei. Leider war die eine Beglaubigung jedoch etwas älter als ein Jahr, die andere war von April – und Deine Regeln sehen vor, dass solche Beglaubigungen nicht älter als drei Monate sein dürfen. Die Pässe, beide noch mehrere Jahre gültig, hätten ja ungültig geworden sein können. Die deutsche Botschaft hier ist so nett, solche Beglaubigungen sogar kostenlos innerhalb von ein bis zwei Tagen auszustellen. Als mein Fahrer das nächste Mal nach stundenlangem Anstehen in Deiner Behörde an der Reihe war, wurde die Beglaubigung wieder nicht akzeptiert, denn das Datum war maschinell aufgedruckt und nicht im Stempel/Siegel der Botschaft per Hand notiert. Das entspräche nicht Deinem Gesetz und könne nicht akzeptiert werden. Bitte überleg' Dir doch, ob hier nicht ein wenig Pragmatismus für alle Seiten praktisch wäre. Die Mitarbeiter der deutschen Botschaft stutzten zwar, als ich ihnen von Deinem Theater erzählte, trugen jedoch das Datum noch handschriftlich im Stempel nach. Ich hoffe, Du wirst das nun akzeptieren.
Und da wir schon dabei sind: Ich empfehle Dir, liebes Land Botswana, auch ein wenig mehr Datenschutz. Oberstes Prinzip des Datenschutzes ist die Datensparsamkeit. Überall muss ich hier neben meinem Namen auch meine Telefonnummer sowie meine Passnummer angeben. Zum Beispiel, als ich mit dem Auto in die Waschanlage fahren wollte. Wofür brauchst Du diese Daten und was machst Du damit?
Heute wollten wir uns ein Fitnessstudio anschauen – wohl gemerkt anschauen, nicht uns dort anmelden. Zuvor sollten wir noch Namen, Passnummer, Geburtsdatum und Telefonnummer angeben. Außerdem sollten wir angeben, wer in einem Notfall kontaktiert werden sollte. Und das alles nur, um einmal hinter die Schranke zu gelangen und sich umzuschauen und ein Verkaufsgespräch zu führen – von Probetraining war da noch keine Rede. Ein Mann neben uns, der sich ebenfalls wunderte und die Notfall-Kontaktperson nicht angab, wurde dann noch einmal gefragt, wer im Falle eines Notfalls anzurufen sei. Seine Antwort: „The Hospital“ fanden die Angestellten des Fitnessstudios irgendwie nicht so lustig wie wir. Wir haben uns im Endeffekt dagegen entschlossen, uns das Fitnessstudio näher anzuschauen (super Ausrede, das mit der Datensparsamkeit!).
Liebes Botswana, ich möchte Dir abschließend ein Angebot machen: Wir haben da in Deutschland jemanden, der sehr viel Erfahrung mit Bürokratieabbau bei der EU hat, der dort eine Kommission zum Bürokratieabbau geleitet hat und Empfehlungen ausgesprochen hat – vielleicht kann der Dir ja auch ein wenig helfen? In Deutschland könnten wir Herrn Stoiber sicher ein paar Jahre entbehren. Sag einfach kurz Bescheid, und ich organisiere ihn Dir.
Wir schaffen das schon noch, liebes Botswana, dass wir uns aneinander gewöhnen – aber bis dahin wäre ich Dir doch sehr dankbar, wenn Du Deine Bürokratie etwas reduzieren könntest und nicht ganz so viele Daten von mir erheben wollen würdest.
Viele Grüße
Dein Philip
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