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Freitag, 15. März 2019

Abflug und Ankunft

Und dann war er da, der Tag unseres Abflugs. Wir wachten im Masa Square Hotel auf, in dem wir unsere letzten beiden Tage in Gaborone kostenlos verbracht hatten - bzw. eigentlich nur die Nächte, tagsüber waren wir noch schwer beschäftigt gewesen. Doch nun stellte sich das gute, aber auch seltsam ungewohnte Gefühl ein, alles erledigt zu haben. Nachdem wir in der letzten Zeit unter Strom gestanden und von den Vorbereitungen der Büro-, Auto- und Hausübergaben bis hin zu Kontokündigungen viel zu erledigen gehabt hatten, war nun alles getan - wir waren hier fertig, was gleichermaßen merkwürdig und erleichternd war. Um 10 Uhr hatte ich noch eine Abschiedsverabredung auf der Hotelterrasse, und nachdem diese schrieb, dass auch ihr Mann mitkommen wollte, gesellte sich auch Philip dazu. Diese Freunde hatten es tatsächlich geschafft, bei all unseren Abschieden verreist oder krank zu sein, und so war es sehr schön, dass auf den letzten Drücker doch noch ein Treffen klappte. Auch eine andere Freundin kam noch dazu.
Gegen 11:30 Uhr kehrten wir dann auf unser Zimmer zurück und packten unser restliches Gepäck. Insgesamt hatten wir stolze vier Koffer, zwei Kartons und vier Handgepäckstücke (zwei kleine Koffer, zwei Rücksäcke), von denen ein Teil jedoch bereits bei unserer Freundin Elke lagerte - wir hatten ihr die Sachen am Sonntag vorbeigebracht, damit wir nicht alles ins Hotel mitnehmen mussten. Gegen 12 Uhr kam Elke dann zum Hotel, wir brachten unser restliches Gepäck runter und dann war auch schon Ruth da, in deren Auto wir die letzten Sachen verstauten. Die beiden brachten Philip und mich dann in getrennten Autos zum Flughafen, denn ob unser gesamtes Gepäck mit drei Personen in ein Auto gepasst hätte, schien äußerst fragwürdig. Am Flughafen ließen wir unseren Drucker in der Originalverpackung und die mitgenommene Umzugskiste noch in Folie einwickeln, um sie zu stabiliseren und auch regensicher zu verpacken. Dann ging es zum Check-In bei Ethipian Airlines, der völlig problemlos verlief.

Der Gaboroner Flughafen hat inzwischen sogar zwei Cafés, aber Elke, Ruth und wir setzten uns zum Abschluss nochmal in das altbekannte, in dem wir auch schon oft mit unseren Besuchern gesessen hatten. Heidi und Jackie stießen noch dazu, schließlich auch noch Charly und es fühlte sich sehr normal an und gleichzeitig ziemlich surreal, dass das nun das letzte gemeinsame Treffen sein sollte. Von beiden Gaboroner Flughafencafés hat man das Rollfeld bestens im Blick und es reicht natürlich, durch die Sicherheitskontrolle zu gehen, wenn man seinen Flieger ankommen sieht - die Wege sind extrem kurz. Dennoch wurden wir irgendwann unruhig und kündigten unseren Abschied an. Während der letzten Umarmungen kam dann auch der Flieger. Ein letztes Foto, ein letztes Winken.


Ich hatte sehr damit gerechnet, bei diesem letzten Abschied in Tränen auszubrechen, aber dazu kam es gar nicht. Sicherheitskontrolle, Passkontrolle, noch zehn Minuten in der Lounge und dann begann auch schon das Boarding.


Bei der Ausreise flogen wir Business Class in einem eher ältlichen Flieger, so gab es keine Bildschirme vor den einzelnen Sitzen, diese waren dafür sehr groß (und durchgesessen). Aber das war sowieso alles egal, denn wir waren doch damit beschäftigt, zu realisieren, dass wir gerade die letzten letzten Male durchlebten: Blick auf den Gaboroner Flughafen, Abflug, Botswana von oben ... die Zeit, ungefähr sechs Stunden, verging im wahrsten Sinne des Wortes wie im Flug. In Addis Ababa hatten wir gerade so viel Zeit, dass es für ein halbes Stündchen in der Lounge reichte, dann stiegen wir in den weitaus neueren Flieger nach Frankfurt, wo Philip schnell schlief und ich noch einen seltsamen Film schaute. Und dann nach ein paar Stunden: Frankfurt, Landung gegen 5:10 Uhr. Alles Gepäck war mitgekommen und sehr schnell da und so standen wir am Mietwagenschalter, kurz nachdem dieser um 6 Uhr öffnete. Der Angestellte war sich nach einem Blick auf die beiden vollgepackten Gepäckwagen sehr sicher, dass wir das nicht alles ins Auto bekommen würden und bot uns ein kostenpflichtiges Upgrade in eine höhere Fahrzeugkategorie an. Wir teilten zwar seine Einschätzung - ich hatte eh damit gerechnet, mit ein oder zwei Koffern die Bahn zu nehmen - doch Philip spielte dann extrem erfolgreich Tetris und am Ende passte alles (in das vorab gebuchte Fahrzeug)!


Und so waren wir kurz nach 7 Uhr in Frankfurt-Bockenheim, fanden einen Parkplatz und holten gegen 7:30 Uhr die Schlüssel für die möblierte Wohnung ab, in der wir die nächsten vier Monate zur Zwischenmiete wohnen würden. Noch vor acht waren wir eingezogen. Nun begann er also: Der neue Lebensabschnitt in Frankfurt.

Samstag, 19. Januar 2019

Kultur- und andere Schocks hüben wie drüben

Vor ein paar Monaten meinte Walli mal, dass wir ja vielleicht Weihnachten gar nicht mehr extra nach Deutschland fliegen müssten, wenn es absehbar sei, dass wir ohnehin Anfang 2019 in die Heimat zurückkehren. Wir entschlossen uns schließlich doch, Weihnachten in Deutschland zu verbringen. Und ich bekam einen Kulturschock.
Schon krass, wie das in Deutschland läuft: Da geht man einfach auf jemanden z.B. an einem Bahnschalter zu, sagt "Guten Morgen" und als nächstes "Ich hätte gerne eine Fahrkarte nach XYZ". Ist das nicht furchtbar unhöflich? Oder zumindest so wahnsinnig direkt? Hier in Botswana sollte man ja zumindest der Form halber mal noch ein "How are you?" zwischendurch gefragt haben, am besten noch "How is your Family?", fünf Stunden übers Wetter unterhalten etc.. In Deutschland: Nun ja, die Kommunikation war teils schon sehr direkt. Wir fühlten uns fast unwohl, selbst so direkt vorzugehen.

Während ich ein paar Tage von Eschborn aus arbeitete, hatte ich uns eine Wohnung über Airbnb gebucht. Die Wohnung war recht stylisch - und verursachte doch wieder einen kleinen Kulturschock bei mir: Eigentlich wollte es uns der Vermieter einfach machen. Skelett eines Büffelschädels an der einen Wand, Umriss des südlichen Afrikas an der gegenüberliegenden Wand (dachten wir, war nur zufällig altes Mauerwerk in dieser Form). Aber dann war es eben doch eine Wohnung ohne Bücher (der Vermieter ist Sportlehrer), und Alexa belauschte uns die ganze Zeit und Walli versuchte, mit ihr Konversation zu machen. Digitales Deutschland!

Und warum funktioniert eigentlich nicht alles in Deutschland? In Botswana bin ich immer überzeugt, dass in Deutschland alles funktioniert, dass Verkäufer mitdenken, etc. Wenn das dann in Deutschland doch nicht klappt, dann ist das auch immer ein kleiner Schock. Habe ich Deutschland von Botswana aus idealisiert?

Wenigstens komme ich derzeit nicht in Gefahr, Botswana zu idealisieren: Zwei Stunden nach Rückkehr bekam mein Handy keinen Empfang mehr (dauerte mehr als 24 Stunden, bis ich wieder telefonieren konnte), der Pool war grün statt klar und verliert mal wieder Wasser, das Tor zu unserem Grundstück öffnet sich automatisch (obwohl man es gerade vorher zugemacht hat - Batterie des Tormotors ist wohl zum zweiten Mal in einem halben Jahr kaputt), Stromausfall von 8 Stunden innerhalb unserer ersten 24 Stunden im Land, Internet zu Hause war stellenweise ausgefallen und ist ansonsten derzeit mal wieder sehr langsam, Internetbanking des lokalen Kontos geht über Tage (eigentlich Wochen) nicht zu entsperren, aus Deutschland mitgebrachte Ersatzteile werden zwar kurzfristig ins Auto eingebaut - lösen aber das Problem nicht, etc. Die Landung hier hätte also auch etwas sanfter sein können.
Ok, Walli ist hier doch recht schnell wieder angekommen: Innerhalb der ersten 36 Stunden verbrachte sie 10 Stunden mit Freundinnen im nahegelegenen Madikwe Game Reserve...

Gut fünfeinhalb Wochen werden wir noch hier sein, die Zeit fliegt, und wir sind nun wohl im "Abwicklungsmodus". Trotz aller Schocks werden wir auch wehmütig auf die Zeit in Botswana zurückschauen - und uns gleichzeitig auf Deutschland freuen.

Samstag, 22. September 2018

Ein Koffer voller Klopapier

Naturgemäß muss man im Ausland auf einige Produkte aus der Heimat verzichten. Es ist ja allgemein bekannt, dass Deutsche oft die heimische Brotauswahl vermissen, manche sehnen sich auch nach deutschem Bier. Auch Philip und ich kaufen immer eine ganze Reihe von Dingen ein, die wir in Botwana entweder gar nicht oder nur sehr viel teurer bekommen. Meine Gesichtscreme von Nivea gibt es hier zum Beispiel in den meisten Supermärkten, sie kostet aber fast das Doppelte. Bei Shampoo und Conditioner verhält es sich so ähnlich, von Zahnpasta oder Haarfärbemittel will ich gar nicht erst anfangen. Zu meinen Deutschland-Besuchen gehört daher immer ein ausgiebiger dm- oder Rossmann-Einkauf.

Für Außenstehende mögen unsere Einkäufe mitunter seltsam aussehen. Am dritten Tag meines Aufenthaltes kaufte ich zwei Packungen Ameisengift, dreimal zartbitteren Schokoguss und 34 Rollen Klopapier. Klopapier gibt es natürlich auch in Botswana (Ameisengift übrigens auch, aber ich wollte mal was anderes testen - vielleicht gelingt es mir mit fremdländischem Gift eher, die botswanischen Ameisen in unserer Küche zu überraschen und auszurotten ...). Meine Mutter hat einst festgestellt, dass sogar im ganzen Land vornehmlich eine Sorte verwendet wird: Die, auf der kleine Hündchen eingestanzt sind. Optisch ist gegen das Klopapier nichts zu sagen, aber es ist nur zweilagig. (Wird in Deutschland überhaupt zweilagiges Toilettenpapier verkauft? Ich glaube nicht.) Zwei Lagen sind nicht viel. Man gewöhnt sich zwar dran, aber drei sind schöner. Glaubt mir einfach.

Man kann auch mit zweilagigem Klopapier auskommen, aber Philip und ich hatten in einem unserer Koffer sehr viel Platz. Wir waren nämlich mit drei Koffern nach Deutschland gereist, wobei der dritte in erster Linie unsere Winterklamotten enthielt. Da nicht davon auszugehen ist, dass wir im nächsten botswanischen Winter (der im Mai beginnen wird) noch hier sind, haben wir schon einmal einen Teil unserer warmen Sachen zurück nach Deutschland geschafft. Den Koffer wollten wir aber gerne wieder mitnehmen. Einen leeren oder fast leeren Koffer im Flugzeug zu transportieren, ist allerdings nicht ratsam, der ist instabil und kann leicht kaputtgehen. Und so kam Philip auf die Idee, unsere hiesige Klopapier-Situation zu verbessern.

Ein paar schwere Teile kamen auch noch in den Klopapier-Koffer. Zum Beispiel Ersatzteile für unseren Schluckspecht (zu den jüngsten Reparatur-Erfahrungen siehe Teil 1 und Teil 2), die mir die Volvo-Werkstatt in Euskirchen innerhalb eines halben Tages bestellte. Nachdem ich anfangs noch souverän aufgetreten war ("ich habe einen XC90, der steht allerdings in Afrika"), verlor ich angesichts dieser sensationell kurzen Lieferzeit doch meine Coolness. Mein Vater meinte, er hätte mich schon lange nicht mehr so glücklich gesehen.

Und so sind Philip und ich nach einem kurzen, aber erfüllten Deutschland-Aufenthalt am letzten Samstag wieder zurück nach Gaborone geflogen - unter anderem mit einem Koffer voller Klopapier. Ich war ganz dankbar, dass Philip diesen dabei hatte (wir flogen zwar am gleichen Abend, aber in getrennten Flugzeugen). Hier kann es ja immer passieren, dass man mit dem Zoll über den Inhalt seines Koffers diskutieren muss und dass wir jetzt neben dem üblichen Brot, Käse und Drogeriekram auch Klopapier und Autoersatzteile mit uns mitschleppten, hätte sicher Fragen aufgeworfen. Aber der Zoll verschonte uns. Vermutlich sind wir jetzt der Haushalt mit der größten Klopapier-Auswahl Botswanas!

Mittwoch, 28. Februar 2018

Verkehrsrowdys

Botswana spielt mal wieder ganz oben in den Rankings mit. Das berichteten kürzlich deutsche Medien sinngemäß: Russland, USA, Ägypten, Jemen, China, Botswana. Ein illustrer Kreis: Die Liste stellt die Rekordhalter unter den in Deutschland lebenden Diplomaten in Sachen Verkehrsordnungswidrigkeiten im Jahr 2017 dar. Botswana schaffte es mit seinen 535 Delikten immerhin auf Rang 6 (zum Vergleich: Russland hatte 817, die USA lagen schon etwas abgeschlagen bei 667). Mit lediglich 7 botswanischen Diplomatenfahrzeugen in Deutschland ist es schon eine gewisse Leistung, in diesem Ranking so weit oben aufzutauchen (76 Delikte pro Fahrzeug ist tatsächlich sogar der Spitzenplatz!). Quelle z.B. hier.

Sind wir gerade überrascht? Nun, es klingt vielleicht undifferenziert und vorurteilsbeladen, aber ich schreibe es trotzdem: Nein. Letztes Wochenende waren wir hier mal wieder über Land unterwegs. Nicht weit, aber weit genug, damit ich mich mal wieder über die Fahrweise so mancher Batswana aufregen konnte. Halte ich mich an ein Geschwindigkeitslimit, dann gelte ich eigentlich schon als Verkehrsbehinderung, überholt wird auch dort, wo gerade Gegenverkehr kommt (wer zuerst ausweicht, hat verloren). Mit unserem großen Schluckspecht fühle ich mich eigentlich halbwegs sicher, aber die Geschwindigkeiten mancher anderer Verkehrsteilnehmer sind dann doch so hoch, dass dieses Sicherheitsgefühl trügt. Manchmal frage ich mich, ob ich vielleicht doch ein wenig zu "deutsch", obrigkeitshörig und pedantisch bin, was Verkehrsregeln angeht. Zugegeben, Walli und ich ergänzen uns da schlecht. Auch Walli versucht unsere autofahrenden Mitbürger bei unangekündigten und die Hinterfrau schneidenden Spurwechseln im zweispurigen Kreisverkehr durch Hupen zu erziehen; bisher haben unsere derartigen pädagogischen Bemühungen allerdings noch keine Früchte getragen.
Das zeigt leider auch die Verkehrsstatistik. Pro 100.000 Einwohner gerechnet gab es in Botswana 20 Verkehrstote im Jahr 2016 (mit gleichbleibendem Trend, Quelle). In Deutschland waren das gerade einmal 3,9 (mit sinkendem Trend, Quelle). (Nach einem Bericht der Weltgesundheitsorganisation von 2015 ist übrigens Malawi mit 35 das Land mit den meisten Verkehrstoten pro 100.000 Einwohner pro Jahr, Quelle.) Mit den "Sustainable Development Goals" haben sich die Vereinten Nationen vorgenommen, bis 2020 die Zahl der Verkehrstoten und -verletzten um die Hälfte zu reduzieren (Indikator 3.6). In Botswana sehen wir immer wieder Plakate entlang der Straße, "Accident Free A1" - sie erscheinen mir jedoch leider mehr Wunschdenken zu sein als irgendetwas anderes. Außer ausgebrannten Unfallwagen sieht man allerdings immer wieder Polizisten mit Laserpistolen entlang der Straßen stehen, die auf Verkehrssünder richtiggehend warten. Fest installierte Starenkästen, wie wir sie z.B. in Südafrika schon gesehen haben, kennen wir aus Botswana hingegen noch nicht. Ich stelle mir vor, dass sie hier doch eine ordentliche Einnahmequelle für den Staat wären und gleichzeitig vielleicht den ein oder anderen dazu bewegen könnten, etwas langsamer und rücksichtsvoller zu fahren. Zugegeben, dafür müsste man sie vermutlich alle 100 m aufstellen.

Bis dahin fahre ich zumindest dienstlich hier gerne weiterhin mit einem Auto mit Diplomatenkennzeichen. Und wenn ich dabei mal etwas zu schnell bin, werde ich von der Polizei gar nicht erst angehalten, weil sie von Diplomaten ohnehin keine Strafen kassieren dürfen. Und weil das Autokennzeichen auf SADC läuft, trage ich mit meinen Verkehrsordnungswidrigkeiten noch nicht einmal zu einem "guten" Ranking deutscher Diplomaten in Gaborone bei ...

Montag, 8. Januar 2018

Rückflug-Routinen

Unser Heimaturlaub ist mal wieder wie im Flug vergangen. Und wie immer stand genau das an seinem Ende: Ein Flug. Unsere Rückflüge nach Gaborone sind generell eine nervenaufreibende Angelegenheit. Nach all den vorangegangenen Abschieden und letzten Erledigungen kommen wir in der Regel schon leicht bis mittelmäßig gestresst am Flughafen an - und da beginnt dann das immer gleiche Programm, das sich für mich wie ein Hindernislauf anfühlt. Da nützt es auch nichts, einen Flugstreber an seiner Seite zu haben ...

- Erster Bibbermoment: Check-In. Wie schwer sind unsere Koffer diesmal? Denn schwer sind sie immer, wenn wir Deutschland wieder verlassen ... vor einem halben Jahr hat uns South African Airways zusammen 8 kg Übergepäck durchgehen lassen, was sehr, sehr nett war, aber man kann sich ja kaum darauf verlassen, ein zweites Mal so viel Glück zu haben. Zusätzlich zittere ich immer noch, dass mein Handgepäck gewogen werden könnte. Mein Rucksack sieht harmlos aus, enthält aber in der Regel meinen Laptop sowie das ein oder andere Buch und wiegt ungefähr soviel wie die gut zweijährige Tochter einer Freundin, was letztere mir im Dezember ungläubig staunend attestierte. Und ja, ich packe wirklich nur das Nötigste rein!

- Zweiter Bibbermoment: Zoll. Wir lassen uns unsere Koffer nach dem Check-In immer wiedergeben und gehen als nächstes zum Zoll. Da wir im Ausland leben, können wir uns einen Teil der Mehrwertsteuer für unsere Einkäufe erstatten lassen. Dafür muss der Zoll bestätigen, dass wir diese Einkäufe auch tatsächlich ausführen. Wir legen also unsere Kaufbelege vor und müssen dann gegebenenfalls unsere Koffer öffnen, um die Einkäufe vorzuzeigen. Wie genau der einzelne Zollbeamte das handhabt, ist unterschiedlich. Aber es ist in jedem Fall kein schönes Gefühl, den vollgepackten Koffer eventuell noch mal öffnen zu müssen ... zumal wir die Neuware niemals gesammelt nach ganz oben packen. Siehe unten, ebenfalls bei "Zoll" ...

- Dritter Bibbermoment: Gepäckaufgabe. Neben dem Zoll können wir unsere ja bereits eingecheckten Koffer dann abgeben. In der Regel steht einfach ein leerer Gepäckwagen rum, auf dem man seine Sachen dann stehen lassen soll. Ich finde es meist wenig vertrauenserweckend, meinen Koffer unbeaufsichtigt zurückzulassen und war diesmal positiv überrascht: An Terminal 2 des Frankfurter Flughafens wird der Koffer von jemandem entgegen genommen, der ihn gleich auf ein extra Gepäckförderband stellt. Ein Bibbermoment weniger ...

Flug und Umsteigen gestalten sich in der Regel problemlos und auch diesmal mit Air Namibia über Windhoek gab es keinerlei Schwierigkeiten. Weitere Bibbermomente folgten deswegen erst wieder bei der Ankunft in Gaborone.

- Vierter Bibbermoment: Immigration. Bei der Passkontrolle weisen wir uns als Einwohner Botswanas aus. Allerdings ist unsere Aufenthaltsgenehmigung im Dezember abgelaufen und die neue noch in Arbeit. Philip kann den Herrn am Schalter erfreulich schnell davon überzeugen, uns trotzdem ins Land zu lassen: Schließlich dürfen sich auch deutsche Touristen bis zu 90 Tagen im Jahr ohne Visum etc. in Botswana aufhalten. Klingt nach einem guten Argument, aber dennoch: Das hätte auch kompliziert werden können, da wir ja nicht als Touristen einreisten ...

- Fünfter Bibbermoment: Gepäckband. Sind die Koffer da? Nachdem Philips Koffer erst zur Halbzeit seines Heimaturlaubs bei ihm ankam, sind wir da nun noch zusätzlich sensibilisiert.

- Sechster Bibbermoment: Schon wieder Zoll. Der botswanische Zoll interessiert sich - im Gegensatz zum deutschen - in der Regel für den Inhalt unserer Koffer. Er fahndet nach Neuware. Übersteigt diese einen gewissen Wert, wird darauf Zoll erhoben - wobei der Zoll den Wert schätzt, wenn man keine Quittungen vorweisen kann. Wir haben schon erlebt, wie der Koffer eines Inders systematisch auseinandergenommen wurde. Unter anderem wurden Kleidung und Schuhsohlen gründlich auf Gebrauchsspuren untersucht. Was das angeht, machen wir uns keine großen Sorgen, haben aber nach Deutschlandbesuchen meist Bücher, DVDs und auch ein paar Lebensmittel im Gepäck und nach unseren bisherigen Erfahrungen den Eindruck, dass der Zoll eher willkürlich reagiert. Die Käsestücke in unseren Koffern, die wir anfangs am problematischsten einschätzten, hat er dafür schon einmal ignoriert. Aber man weiß ja nie, an wen man gerät ...
Meine Hoffnung, am Zoll durchzukommen ohne zu zahlen, mag nach fehlendem Unrechtsbewusstsein klingen. Und tatsächlich habe ich an dieser Stelle keins. Wir führen vor allem die Neuwaren ein, die wir in Botswana nicht bekommen, und wenn ich beispielsweise auf mir geschenkte deutschsprachige Bücher Zoll zahlen müsste, fände ich das äußerst unfair. Aber wir haben wieder Glück und werden einfach durchgewunken.

Auch wenn die Rückreise erfreulich problemlos verlief, gestalten sich die Hinflüge nach Deutschland in jeder Hinsicht entspannter. Unsere Koffer sind in der Regel nicht so schwer, dass wir uns Sorgen machen, in Deutschland werden wir als Bundesbürger freundlich begrüßt, ohne Formulare ausfüllen und Aufenthaltsgenehmigungen vorzeigen zu müssen und unsere paar botswanischen Mitbringsel interessieren den deutschen Zoll nicht.
Trotz aller Bibbermomente hat die Ankunft in Gaborone aber auch ihre schönen Seiten: Wenn sich die botswanischen Flughafenmitarbeiter freuen, von uns Ausländern auf Setswana mit "Dumela Ra" begrüßt zu werden, fühlt sich das gleich nach nach-Hause-Kommen an.

Donnerstag, 4. Januar 2018

Safari-Sandalen?

Unser Deutschland-Aufenthalt neigt sich schon wieder dem Ende zu. Zwei bzw. drei Wochen sind seit unserer Ankunft vergangen, nun steht der Rückflug an. Wir sind dankbar für die Zeit in Deutschland, es war sehr schön, zumindest einige von Euch wiedersehen zu können, deutsches Essen zu genießen, etc. 
Allerdings müssen wir auch vermelden, dass wir an der ein oder anderen Stelle einen kleinen Kulturschock hatten. Wer hätte das gedacht - fremd im eigenen Land? Man denkt ja immer, man wüsste alles über Deutschland. Und dann: Der Versand eines am Frankfurter Flughafen gestrandeten Koffers dauert eine gute Woche (das hätte ich doch vorurteilsbeladen eher in Afrika erwartet?). 
Interessant aber auch, dass Afrika in Deutschland gerade in Mode zu sein scheint. Walli wünschte sich u.a. neue Hausschuhe von Birkenstock zu Weihnachten. Weil wir ohnehin fast in der Nähe waren, fuhren wir im Outlet in Bad Honnef vorbei - und waren erst einmal beeindruckt von der dort gebotenen Auswahl. Besonders auffällig präsentiert wurden Sandalen mit Zebrafell-Optik und -Haptik, ebenso mit Leopardenfell-Imitat ...



Etwas verstörend fanden wir das ja schon - ist das die neue Mode in Deutschland? Und sollte Walli solche Schuhe vielleicht eher auf Safari als zu Hause anziehen? Wie würden wohl unsere botswanischen Landsleute auf die Treter reagieren, wo doch die Jagd dort generell verboten ist? (Anmerkung Walli: Wir werden es nie erfahren, ich habe mich stattdessen für schwarze Lack-Birkenstocks entschieden.)

An unserem letzten Tag in Deutschland in der Frankfurter Filiale von Kaufhof (last-Minute Konsumrausch!) sah ich dann auch noch eine Handtasche in Zebrafell-Optik und -Haptik (und nein, diese war nicht von Birkenstock).


Es gibt also nicht nur Skurriles in Afrika, sondern auch in Deutschland ...

Samstag, 23. September 2017

Wählen unter erschwerten Bedingungen

Auch nach eineinhalb Jahren Gaborone gibt es immer wieder "erste Male". Vor Kurzem war "das erste Mal im Ausland wählen" dran, was sich doch etwas komplizierter gestaltet, wenn man keinen Wohnsitz mehr in Deutschland hat - und dafür in einem Land lebt, in dem das Postsystem bestenfalls so lala funktioniert.

Als Auslandsdeutsche ohne deutsche Adresse mussten Philip und ich erst einmal einen Antrag auf Eintrag ins Wählerverzeichnis stellen, denn automatisch erhalten wir nun keine Wahlberechtigung mehr. Die Deutsche Botschaft Gaborone schickte die nötigen Informationen zum Wählen im Ausland bereits im April in einer Rundmail an hier lebende und beim Auswärtigen Amt registrierte Deutsche. Man konnte sie sich natürlich auch im Internet runterladen, aber zu diesem frühen Zeitpunkt hätten wir von alleine noch gar nicht unbedingt an die Bundestagswahl gedacht.

Sofern man noch nicht länger als 25 Jahre ununterbrochen im Ausland lebt, kann man sich wieder in das Wählerverzeichnis eintragen lassen. Der Antrag dazu beinhaltete allein ein zweiseitiges Merkblatt mit Erläuterungen und wir mussten alle Erklärungen "an Eides statt" abgeben. Eingereicht werden konnte er natürlich nicht per E-Mail, weswegen wir unsere Anträge dem nächsten von Philips Kollegen mitgaben, der auf Dienstreise nach Deutschland reiste. Und dann hieß es warten. Wir hätten uns die Briefwahlunterlagen direkt nach Gaborone schicken lassen können, allerdings ist ja mehr als fraglich, wann sie hier ankommen. Eine Kollegin von Philip hat es darauf ankommen lassen und ihre immerhin am 15.09. erhalten; wir ließen unsere zu meinen Eltern schicken, wo sie bereits am 17.08. eintrafen. Philips Chef, der Ende August in Deutschland war, brachte sie uns nach Botswana mit, und Philips Mutter konnten wir wiederum die ausgefüllten Briefwahlunterlagen nach Deutschland mitgeben. Es klappte zeitlich auch gerade noch so, dass sie die Unterlagen von Philips Kollegin mitnahm, denn nachdem diese erst neun Tage vor der Wahl hier ankamen, wäre eine Rücksendung mit der botswanischen Post utopisch gewesen. Als einziger Ausweg wäre DHL geblieben, aber das kostet dann halt gleich über 20,- € für so einen Brief ...


Ich hätte ja gedacht, dass die Deutsche Botschaft sich irgendwie engagiert, um Auslandsdeutschen das Wählen zu erleichtern - dass man zum Beispiel seine Wahlunterlagen bis zu einem Stichtag da abgeben kann und sie dann gesammelt nach Deutschland geschickt werden - aber dem ist nicht so, was ich etwas schade finde, denn so erfordert die Briefwahl schon einiges an Planung, die vermutlich nicht alle hier lebenden Wahlberechtigten mitmachen.
Man wird als Auslandsdeutscher übrigens - nach bewilligtem Antrag - in das Wahlregister seines letzten deutschen Wohnsitzes eingetragen. Philip und ich konnten damit wieder im gewohnten Frankfurter Wahlkreis wählen. Da kamen Heimatgefühle auf!

Wir sind also schon durch mit der Bundestagswahl und gespannt auf das Ergebnis. Worauf wir auf jeden Fall hoffen: Eine hohe Beteiligung! Dieser Tage wird ja der Kabarettist Hagen Rether viel zitiert: "Wählen ist wie Zähneputzen: Wenn Du's nicht machst, wird's braun." Oder wie eine Freundin mir sinngemäß schrieb: Zu unserer Demokratie gehört zwar auch, auf das Wahlrecht verzichten zu dürfen. Aber das Ergebnis der AfD wird stärker ausfallen, wenn die Wahlbeteiligung gering ist, denn die AfD schafft es, ihre Anhänger zu mobilisieren.
Deswegen kann ich die Empfehlung meiner Freundin nur wiederholen (und sende an dieser Stelle viele Grüße nach Wiesbaden!): Lieber wählen - es sei denn, Ihr habt die AfD ins Auge gefasst ;-)

Dienstag, 1. August 2017

Heimaturlaub

Vor eineinhalb Wochen, bevor wir nach Botswana zurückflogen, fragte mich meine Mutter am Telefon, was denn die Bilanz unseres Heimturlaubs sei. Seitdem denke ich auf dieser Frage herum, etwas Griffigeres als "neun Schlafcouchen, drei Hotelbetten und ein Gästezimmerbett" ist mir aber noch nicht eingefallen. Philip und ich sind viel rumgereist und hatten wunderschöne Wiedersehen - daraus eine Bilanz zu ziehen, ist eigentlich unmöglich. Erwähnenswert ist vielleicht, dass es kleine Situationen gab, in denen ich doch merkte, in Deutschland etwas verpasst zu haben: Als ich die bei Kaufhof gekauften T-Shirts und Blusen in einen Stoffbeutel knüllte, weil es keine kostenlosen Plastiktüten mehr gibt. Als der REWE-Kassierer vor sich hinkicherte und ich ihn irritiert anschaute und schließlich bemerkte, dass er - wie alle seine Kollegen - ein kleines Headset trug und sich offensichtlich mit den anderen unterhielt, während er kassierte. Als ich bei ALDI eine neue Kühltheke mit fertigen Sandwiches, Salaten und SUSHI entdeckte. (Sushi bei ALDI? Seltsame Welt ...) Sehr irritiert hat mich auch der Einhorn-Tisch in einer Buchhandlung: Ganz viele verschiedene Produkte mit Einhörnern drauf, vom Ausmalbuch für Erwachsene über Sinnsprüche bis zum Stofftier - und davon war kaum was für Kinder, das richtete sich schon an ältere Zielgruppen ... was ein seltsamer Hype! Erfreulicherweise fand ich kurz darauf eine Postkarte, die meine Gefühle wiederspiegelte.


Neben all den wunderschönen Wiedersehen gab es übrigens auch die ein oder andere kuriose Begegnung. So traf ich unmittelbar nach meiner Ankunft in Odendorf Frau A. im Supermarkt, die ich seit meiner Kindheit kenne. Frau A. erkundigte sich nach meinem Leben in Botswana um mir dann übergangslos von ihrem Sohn zu erzählen, der nach jahrelanger Promotion nun doch "nur" als Lehrer arbeiten würde. "Das hätte er auch schon vor zehn Jahren haben können, und nun ist er schon Mitte 30! Er ist auch erst sehr spät ins Berufsleben eingestiegen!" Irritiert über das "auch" erwähnte ich sicherheitshalber mal, dass ich vor meinem Abflug nach Botswana durchaus neuneinhalb Jahre gearbeitet hatte. Das verwunderte Frau A. kurz, doch dann rief sie im Hinblick auf meinen Auslandsaufenthalt nochmal energisch: "Verlorene Zeit!", was ich bei aller Sympathie doch etwas unangebracht fand.

Mein Augenarzt reagierte weitaus wohlwollender auf Botswana und erzählte mir, dass er in den 90er Jahren Schusswunden in Johannesburg operiert hätte. Fast im selben Atemzug ließ er mich wissen, dass sich durch Entwicklungshilfe und Kurzzeit-Einsätze der Bundeswehr das Taliban-Problem in Afghanistan nicht lösen lasse. Ich war etwas erleichtert, als er mir endlich in die Augen guckte.

Eine Woche Urlaub zu zweit haben Philip und ich übrigens auch noch gehabt, in Interlaken, von wo aus wir die Schweizer Alpen erkundeten. Das war kurz vor Ende unseres Heimaturlaubs und schon eine gute Wiedereinstimmung auf Botswana, dort spricht nämlich auch kaum jemand deutsch. Die Einheimischen natürlich schon, aber selbst die redeten mit uns auf Englisch - wohl aus Gewohnheit, die Masse der Urlauber scheint nämlich aus Asien und aus arabischen Ländern zu kommen.
In den Bergen war es großartig. An einem Tag fuhren wir auf das Jungfraujoch und fanden uns im Gletscherschnee wieder. Alles weiß, wie passend - das war ja schließlich unser Winterurlaub! Übrigens ein Thema, mit dem sich unsere botswanischen Mitbürger hier prima verwirren lassen. "So it's summer in Germany?" "Yes, but most of the time it isn't warmer than here in winter ..."


Und dann ging es auch schon wieder nach Gaborone. Mir bleibt an dieser Stelle nur noch, den Titel eines Kinderbuchs zu zitieren, den ich so toll fand, dass ich es kaufen musste:


In diesem Sinne: Vergesst uns nicht - der nächste Heimaturlaub kommt bestimmt ...

Dienstag, 28. März 2017

Kinostart: "A United Kingdom" jetzt auch in Deutschland

Vor fast einem halben Jahr habe ich über die Ankündigung eines Films berichtet, der die Liebesgeschichte zwischen Botswanas späterem ersten Präsidenten Sir Seretse Khama und seiner englischen, weißen Frau Ruth Williams erzählt: A United Kingdom.

In Botswana kam der Film im Dezember in die Kinos, am 30.03. läuft er nun auch in Deutschland an. Zwar habe ich nicht "die halbe Zeit geheult", wie eine deutsche Bekannte es mir von ihrem Kinobesuch erzählte, dennoch können Philip und ich den Film nur empfehlen: Er bringt ein bewegendes Stück botswanischer Geschichte weltweit in die Kinos. Denn die Liebe zwischen dem botswanischen Thronfolger Khama und der Sekretärin Williams war keine Privatsache, sondern ein Politikum. 1947 lernten sie sich in London kennen, wo beide zu diesem Zeitpunkt lebten; Khama studierte dort, um besser auf seine zukünftigen Herrscherpflichten (und insbesondere die Verhandlungen mit Weißen) vorbereitet zu sein. 1948 wurden die Hochzeitspläne der beiden bekannt, und spätestens da wandte sich fast ihr gesamtes Umfeld gegen sie: Khamas Onkel, dessen Nachfolger er werden sollte, versuchte die Heirat ebenso zu verbieten wie die südafrikanische Regierung, die gerade ihre Apartheitsgesetze verschärfte. Sie übte Druck auf die Regierung in London aus, die es sich vor allem wirtschaftlich nicht mit Südafrika verscherzen wollte und deswegen ebenso gegen die Eheschließung intervenierte. Eine sogenannte Mischehe zwischen einem zukünftigen botswanischen Regenten und einer weißen Engländerin in unmittelbarer Nachbarschaft zu Südafrika - das dürfte einfach nicht sein. Der Film erzählt, wie die Khamas sich gegen alle Widerstände auflehnten und sämtlichem ihnen begegnenden Rassismus trotzten - und das ist sehenswert! An dieser Stelle seien die Schauspieler erwähnt, die ihre Rollen super verkörpern: David Oyelowo (z.B. "The Help" und "Der Butler") spielt Seretse Khama und Rosamund Pike (z.B. "Gone Girl") Ruth Williams Khama.

Kleinigkeiten haben mich etwas gestört: Wie so oft in Filmen wurde auch hier die wahre Geschichte leicht verändert - im Großen und Ganzen stimmt alles, aber die historischen Fakten was wann wo geschah werden nicht immer korrekt wiedergegeben. Einige tolle geschichtlich überlieferte Anekdoten fehlen, obwohl sie gezeigt hätten, dass Ruth Williams Khama nicht nur eine starke, sondern auch extrem starrköpfige Frau war - dabei dürfte der Ausgang der Geschichte zu großen Teilen auch ihrem Sturkopf zu verdanken sein. Ich hätte es außerdem spannend gefunden, wenn die Rolle der internationalen Presse im Film noch weiter thematisiert worden hätte - die Journalisten hatten die Khamas, vor allem Ruth, zu Beginn ihrer Ehe in einer Art und Weise verfolgt, die heutigen Paparazzis in nichts nachsteht. Ruth war es dann auch, die - natürlich ohne jeden PR-Agenten, Manager oder andere Hilfe - schließlich lernte, diese Aufmerksamkeit für ihre Zwecke zu nutzen.
Das alles hätte den Film aber wohl gesprengt und vermutlich hätte ich nichts von dem Genannten vermisst, wenn ich nicht bereits ein (Sach-)Buch über die Khamas gelesen hätte. Also, liebe Blogleser, macht Euch doch einfach selbst einen Eindruck. Wann läuft in deutschen Kinos schon mal ein Film, der zu großen Teilen in Botswana spielt? Hier nochmal der Trailer, diesmal auf deutsch:

Montag, 13. März 2017

Botswana auf der ITB

Botswana wurde bereits 2016 vom Reiseführer Lonely Planet als Reiseland Nr. 1 empfohlen. Auch dieses Jahr steht es weiterhin hoch im Kurs. In der vergangenen Woche fand in Deutschland die größte Tourismus-Messe der Welt statt, die Internationale Tourismus-Börse (ITB) in Berlin. Das diesjährige Partnerland war tatsächlich: Botswana. War zufällig jemand dort und kann berichten?
Auf der Eröffnungsfeier war sogar der botswanische Präsident, Ian Khama, als Ehrengast. Außerdem hat er seinen Deutschlandbesuch genutzt, um Frau Merkel zu treffen.

Der hiesige Landesdirektor der GIZ (mein Chef) war kurz vor der ITB in Berlin und hat in einem Radio-Interview mit dem RBB Inforadio über Botswana gesprochen, auch über die Arbeit der GIZ (kaum jedoch über mein Projekt, das sich ja auch nicht nur auf Botswana bezieht). Wer Interesse hat, kann sich das Interview hier anhören (ca. 36 Minuten).

Anlässlich der ITB hat auch die Deutsche Welle ein kurzes Video zu Ökotourismus in Botswana veröffentlicht - größtenteils im Chobe Nationalpark gedreht (der Ökotourismus ist uns bisher da jedoch nicht aufgefallen). Und auch andere Medien nutzten den Anlass ITB, um etwas zu Botswana zu veröffentlichen: Wer zu viel Zeit hat, kann sein Wissen zu Botswana in einem Quiz der Süddeutschen testen.

Jetzt bleibt nur noch die Frage: Wann kommt Ihr in die Tourismus-Destination Botswana?

Freitag, 6. Januar 2017

Ich bin ein Flugstreber


Es ist kein Vergnügen, mit mir zu fliegen, das sehe ich ein. Nun hat es auf unserem Rückflug nach Gaborone mal wieder Walli getroffen. Sie nennt mich jetzt einen Flugstreber.

Flughäfen sind für mich ein notwendiges Übel zum Fliegen, ich liebe sie nicht. Sie bedeuten eine Menge Zeit in Warteschlangen, auf langen Wegen etc. Diese Zeit versuche ich möglichst zu verkürzen. Los geht’s also schon zu Hause mit dem Online-Check-in: Am Flughafen ankommend geht es im Stechschritt zum Check-in; selbstverständlich habe ich schon eine grobe Ahnung, wo in der Abflughalle ich den Check-in Schalter finden werde. Mit dem Online-Check-in komme ich meist schon in die kürzeren Schlangen, muss am Schalter nur noch meinen Koffer abgeben. Zügig geht’s weiter, sämtliche Unterlagen in der Hand haltend. Selbstverständlich weiß ich genau, an welcher Stelle ich Bordkarte, Ausweis oder beides vorzeigen muss und halte beides bereit. Im Anmarsch auf die Sicherheitskontrolle werden schon einmal die Hosentaschen geleert und deren Inhalt in die Jackentaschen oder den Rucksack geleert. An den Sicherheitskontrollen halte ich es wie George Clooney in „Up in the Air“: Nicht hinter älteren Leuten anstellen, nicht hinter Eltern mit Kindern – am besten hinter Japanern oder Anzugträgern, die ebenfalls effizient durch die Sicherheitskontrolle gelangen wollen. Die Passkontrolle funktioniert mittlerweile automatisiert schneller als persönlich. Anschließend geht es im Stechschritt Richtung Gate – dank Frequent Traveler Status bei Miles and More kann ich häufig noch in der Lounge vorbeischauen, eine Tageszeitung abgreifen, ein Glas Orangensaft trinken, und mich einen Moment in den Sesseln entspannen. Wenn ich es bis hierhin pünktlich geschafft habe, dann ist alles prima.

Ans Gate gehe ich meist eher pünktlich (Stechschritt!). Vor dem Boarding suche ich bereits die Unterlagen heraus, die ich während des Fluges am Sitz haben will, so dass das Einsteigen und Verstauen des Handgepäcks schneller geht. Von meinen Mitreisenden erwarte ich das gleiche. Sobald ich sitze, wird – bei Flügen mit Zeitverschiebung – meine Uhr umgestellt und das Armband etwas gelockert. Während das Sicherheitsvideo abgespielt wird, ziehe ich meine Schuhe aus. Die Flüge nach und von Afrika sind i.d.R. Nachtflüge. Ja, ich kann im Flugzeug schlafen, wenn auch nicht immer besonders gut. Auch hierfür habe ich meine Rituale: Noch vor dem Start wird das Ohropax eingesteckt, während des Starts die Augenbinde angelegt (hat jemand noch eine gute Lösung für die Ablage der Brille?). Sobald nach dem Start das Anschnallzeichen erlischt (erkennbar an einem Ton/Pling!), wird die Sitzlehne nach hinten gestellt und ich versuche zu schlafen. Essen und Filme sind nachrangig zu Schlaf. Frühestens wenn die Durchsage kommt, dass der Landeanflug beginnt und die Rückenlehne senkrecht gestellt werden muss, nehme ich die Augenbinde wieder ab und versuche aufzuwachen.

Walli nennt mich nun also einen Flugstreber. Sie überlegt, demnächst bei der Flugbuchung darauf zu achten, einen anderen Flug als ich zu nehmen. Diesen Text habe ich geschrieben, während wir im Transit am Flughafen in Addis Ababa sind – die Zeit hier will ja auch genutzt sein. Als nächstes füllen wir den Zettel aus, den man in Gaborone bei Ankunft bei Immigration ausfüllen und abgeben muss – wir wollen ja auch in Gaborone möglichst schnell aus dem Flughafen herauskommen. Bis zum nächsten Flug!

Mittwoch, 4. Januar 2017

Goodbye Deutschland

Nein, keine Angst, wir haben uns nicht für die gleichnamige Doku-Soap auf VOX angemeldet (für die ich zugegebernermaßen tatsächlich eine kleine Schwäche entwickelt habe, seit wir in Botswana leben ...). Aber auch wir sagen heute "Goodbye Deutschland" - unser erster Heimaturlaub geht nämlich nach fast drei (Philip) bzw. fast vier (Walli) Wochen zuende. Und schön war's! Die Zeit ist wahnsinnig schnell vergangen. Wir sind viel rumgereist: Für mich ging's anfangs nach Saarbrücken, Worms, Frankfurt, Fürth; mit Philip dann außerdem nach Göttingen, Bonn und nochmal Worms ... und die restliche Zeit sind wir zwischen Odendorf und Glöbusch hin- und hergependelt. Wir fahren mit mehr Gepäck, als wir gekommen sind und ich fürchte auch mit mehr Kilos auf den Rippen, da wir überall auf das Feinste bewirtet wurden. Den Temperaturunterschied haben wir ziemlich gut weggesteckt - na gut, ich habe mir eine ziemlich dicke Erkältung eingefangen, aber wer mich kennt, weiß, dass ich das auch bei 35 Grad schaffe ...

Und was war - neben den Wiedersehen - besonders schön daran, wieder in Deutschland zu sein? Keine Adapter zu benötigen. Mit Handtasche rumzulaufen. Schmuck zu tragen. Nicht aufzufallen. Einheimisch zu sein. Die vertraute Umgebung. Die Einfachheit des Reisens. Das Wissen, alles zu bekommen, was man so kaufen kann. Online Shopping. Ein funktionierendes und verlässliches Postsystem nutzen zu können ...

Und worauf freuen wir uns in Botswana? Philip auf den Alltag, die nächste Safari und schwimmen im Pool (wobei wir vermutlich erst einmal einige Tage brauchen, um den wieder sauber zu kriegen - Blätter und Blüten rauszufischen, den Pool-Reinigungsroboter zu warten, eventuell Wasser nachzufüllen etc.). Ich freue mich auf die Sonne (an strahlend blauen Himmel und Sonnenschein kann man sich schon gewöhnen) und darauf, nicht mehr aus dem Koffer zu leben. Diese Aussichten wiegen die Entfernung zu Familie und Freunden nicht auf, aber zumindest sind uns ein paar gute Gründe für Vorfreude eingefallen. Mal schauen, was 2017 bringen wird - wir wünschen allen Bloglesern ein glückliches neues Jahr!

Donnerstag, 24. November 2016

Die Erde aus dem All betrachtet

Wir hoffen ja weiterhin, ein paar unserer Leser für eine Safari in Botswana zu begeistern und schwärmen hier daher gerne von unseren Erlebnissen. Für alle, die derzeit nicht zu einem Besuch bei uns vorbeikommen können (oder als Vorgeschmack auf einen Besuch hier?!), gibt es noch bis November 2017 die fantastische Fotoausstellung "Wunder der Erde" im Gasometer Oberhausen. Während Walli mit ihren Eltern im Madikwe-Nationalpark in Südafrika war, machte ich einen kurzen dienstlichen Abstecher nach Deutschland, hatte aber immerhin die Gelegenheit, mit meinen Eltern nach Oberhausen zu düsen - Safari, eben in Deutschland, zumindest mit großartigen Fotos aus der Natur.



Und es gibt dort nicht nur Safari-Fotos aus Afrika, sondern auch Naturfotos aus vielen anderen Ecken der Welt: von Walen, Rentierwanderungen, Makroaufnahmen von Heuschrecken, etc.
Höhepunkt der Ausstellung ist eine weiße Kugel mit 20 m Durchmesser, die in der 100 m hohen Halle des Gasometers hängt und auf deren Oberfläche bewegte hochauflösende Satellitenaufnahmen der Erde projiziert werden. So hat man das Gefühl, als Astronaut auf die Erde zu schauen und sie als Ganzes wahrzunehmen - eine ungewohnte, aber sehr spannende Perspektive!


Beeindruckend ist auch der Blick vom Dach des Gasometers auf den Ruhrpott. Um dorthin zu gelangen, fuhren wir zunächst noch mit einem Panoramaaufzug an der Erde vorbei in die Höhe. Wenn das Wetter etwas weniger diesig gewesen wäre, hätten wir vielleicht auch noch weiter gesehen (oder ist das der berüchtigte Ruhrpott-Mief?).

Samstag, 17. September 2016

Koffergeschichten

Zwei Wochen in Deutschland liegen hinter mir - etwas dominiert durch Koffergeschichten. Ich habe schöne Koffer, denn ich reise viel und habe mir daher mal solche gegönnt; sie rollen recht leicht, das ist angenehm. Doch von vorne.
Anlass meiner Deutschlandreise waren Gespräche im Ministerium, eine Konferenz sowie eine Fortbildung. Als braver Auslandsmitarbeiter (AMA) bin ich auch gleich nach der Landung in die GIZ-Zentrale nach Eschborn gefahren, um dort erste Gespräche zu führen, Kollegen wiederzutreffen etc. Wobei, ich bin nicht ganz gleich nach Eschborn gefahren. Zuerst schloss ich meinen großen Koffer am Bahnhof in ein Schließfach ein.
Als ich später an dem Tag gen Rheinland weiterfuhr, merkte ich im Zug kurz hinter dem Frankfurter Flughafen, dass ich doch mit recht leichtem Gepäck unterwegs war. Besser gesagt: Mein großer Koffer befand sich noch sicher verstaut am Frankfurter Hauptbahnhof. Die nette Schaffnerin hatte Mitleid mit mir und entwertete mein Ticket nicht. Nächster Stopp war Köln-Deutz.

Einen Tag später - nun hatte ich meinen kleinen Koffer in ein Schließfach gepackt, diesmal in Bonn vor einem Besuch im Ministerium - dachte ich sogar vor Abfahrt an mein Gepäck und kam nicht umhin, mich ein klein wenig stolz zu fühlen. Dafür hatte ich in der Zwischenzeit noch eine extra Tasche von meinen Schwiegereltern bekommen, mit ersten Einkäufen für Botswana. Vor der Weiterfahrt zu meinen Eltern für den Wochenend-Besuch machte ich noch einen kleinen Umweg zum Frankfurter Hauptbahnhof, ein Koffer wollte noch im Schließfach-Vergesslichkeitsland abgeholt werden.
Nach dem Wochenend-Besuch im Rheinland beschloss ich, nur mit dem großen Koffer weiterzureisen und den kleineren Koffer vorerst zu parken, so dass ich ihn nicht mehr vergessen konnte. Doch zurück von der Woche in Bad Neuenahr (Konferenz) und Eschborn (Fortbildung) stellte ich - wiederum im Rheinland - am Freitagabend fest, dass sich der große Koffer nicht mehr öffnen ließ, das Zahlenschloss war defekt. Edle Koffer haben ja einen Vorteil: Es gibt für sie Reparaturwerkstätten in Deutschland (alternativ: Johannesburg), doch die haben überwiegend nur unter der Woche auf. Deutschlandweit hat nur eine einzige Reparaturwerkstatt dieses Kofferherstellers samstags geöffnet, in Düsseldorf gelegen. So kam ich zu einem kleinen Ausflug nach Düsseldorf (und anschließend auch wieder an den Kofferinhalt).
Mit komplettem Gepäck ging's weiter in den Süden Deutschlands, Fortbildung zweiter Teil. Die Koffer waren bereits nicht mehr ganz leer. Am letzten Tag meines Deutschland-Aufenthalts kaufte ich noch einmal im Supermarkt ein. Ich war sicher, dass ich meine Einkäufe nicht mehr alle in die Koffer bekommen würde. Und es klappte doch.
Ja, man bekommt fast alles in Botswana - aber alles konnten wir dann bisher doch nicht finden, und manche Dinge sind auch günstiger in Deutschland. So füllte sich in Deutschland der Koffer langsam aber sicher von Stopp zu Stopp: ein paar Bücher, DVDs, CDs, aktuelle Zeitungen und Zeitschriften, ein neuer Computer für Walli, Goretex-Waschmittel, Schnürsenkel, gute Adapterstecker, allerlei weiterer Kleinkram, und schließlich noch Risottoreis, Brotgewürz und Sauerteig (zum Brotbacken), 2 Laibe Frankenbrot (schmeckt doch noch besser als selbstgebacken!) und 12 Stücke Käse. Der große Koffer wog am Ende 32 kg, den kleinen fürs Handgepäck habe ich vorsichtshalber nicht gewogen.
Insbesondere zu Wallis Erleichterung bin ich mit sämtlichen Gepäckstücken in Botswana eingetroffen. Willkommen zurück in Gaborone!