Schon krass, wie das in Deutschland läuft: Da geht man einfach auf jemanden z.B. an einem Bahnschalter zu, sagt "Guten Morgen" und als nächstes "Ich hätte gerne eine Fahrkarte nach XYZ". Ist das nicht furchtbar unhöflich? Oder zumindest so wahnsinnig direkt? Hier in Botswana sollte man ja zumindest der Form halber mal noch ein "How are you?" zwischendurch gefragt haben, am besten noch "How is your Family?", fünf Stunden übers Wetter unterhalten etc.. In Deutschland: Nun ja, die Kommunikation war teils schon sehr direkt. Wir fühlten uns fast unwohl, selbst so direkt vorzugehen.
Während ich ein paar Tage von Eschborn aus arbeitete, hatte ich uns eine Wohnung über Airbnb gebucht. Die Wohnung war recht stylisch - und verursachte doch wieder einen kleinen Kulturschock bei mir: Eigentlich wollte es uns der Vermieter einfach machen. Skelett eines Büffelschädels an der einen Wand, Umriss des südlichen Afrikas an der gegenüberliegenden Wand (dachten wir, war nur zufällig altes Mauerwerk in dieser Form). Aber dann war es eben doch eine Wohnung ohne Bücher (der Vermieter ist Sportlehrer), und Alexa belauschte uns die ganze Zeit und Walli versuchte, mit ihr Konversation zu machen. Digitales Deutschland!
Und warum funktioniert eigentlich nicht alles in Deutschland? In Botswana bin ich immer überzeugt, dass in Deutschland alles funktioniert, dass Verkäufer mitdenken, etc. Wenn das dann in Deutschland doch nicht klappt, dann ist das auch immer ein kleiner Schock. Habe ich Deutschland von Botswana aus idealisiert?
Wenigstens komme ich derzeit nicht in Gefahr, Botswana zu idealisieren: Zwei Stunden nach Rückkehr bekam mein Handy keinen Empfang mehr (dauerte mehr als 24 Stunden, bis ich wieder telefonieren konnte), der Pool war grün statt klar und verliert mal wieder Wasser, das Tor zu unserem Grundstück öffnet sich automatisch (obwohl man es gerade vorher zugemacht hat - Batterie des Tormotors ist wohl zum zweiten Mal in einem halben Jahr kaputt), Stromausfall von 8 Stunden innerhalb unserer ersten 24 Stunden im Land, Internet zu Hause war stellenweise ausgefallen und ist ansonsten derzeit mal wieder sehr langsam, Internetbanking des lokalen Kontos geht über Tage (eigentlich Wochen) nicht zu entsperren, aus Deutschland mitgebrachte Ersatzteile werden zwar kurzfristig ins Auto eingebaut - lösen aber das Problem nicht, etc. Die Landung hier hätte also auch etwas sanfter sein können.
Ok, Walli ist hier doch recht schnell wieder angekommen: Innerhalb der ersten 36 Stunden verbrachte sie 10 Stunden mit Freundinnen im nahegelegenen Madikwe Game Reserve...
Gut fünfeinhalb Wochen werden wir noch hier sein, die Zeit fliegt, und wir sind nun wohl im "Abwicklungsmodus". Trotz aller Schocks werden wir auch wehmütig auf die Zeit in Botswana zurückschauen - und uns gleichzeitig auf Deutschland freuen.
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