Sonntag, 30. Dezember 2018

Ein Jahresrückblick in Bildern (2018)

Wie schon in den letzten Jahren (2017, 2016) haben wir auch dieses Jahr wieder 13 (Tier-) Bilder aus 2018 ausgesucht, aus denen wir einen Kalender gestaltet haben. Hier unsere Auswahl an Bildern:

Eine Elefantenherde trampelt ganz leise auf einer Straße im Addo Elephant National Park, Südafrika:


Ein neugieriger Klippschliefer (auch Klippdachs oder Dassie genannt) auf dem Tafelberg in Kapstadt, Südafrika. Er ist eng verwant mit dem Elefanten.


Afrikanische Pinguine bei Simonstown auf der Kaphalbinsel in Südafrika:


Ein "yellow-billed hornbill" im Moremi Game Reserve in Botswana, von Safari-Guides auch "flying banana" genannt:


Ein Steenbok (Steinböckchen), die kleinste Antilope in Botswana, im trockenen Savannengras des Central Kalahari Game Reserve, Botswana:


Ein Zebra schaut sich unser Auto an im Addo Elephant National Park, Südafrika:


Ein Gepard im Madikwe Game Reserve, Südafrika:


Ein Elefant schabt die wasserführende Borke eines Baobab-Baums ab im Mapungubwe Nationalpark, Südafrika:


Ein Pavian pflückt Blüten im Cape Point Nationalpark, Südafrika:


Eine Leopardin springt von einem Baum im Central Kalahari Game Reserve, Botswana:


Eine Oryxantilope im Mountain Zebra National Park, Südafrika:


Eine Gabelracke (engl.: lilac-breasted roller) im Madikwe Nationalpark, Südafrika:


Eine Klippspringer-Antilope in der Abenddämmerung im Mapungubwe Nationalpark, Südafrika:

Donnerstag, 27. Dezember 2018

Kulinarische Überraschungen

Mit der Weihnachtszeit werden ja auch immer kulinarische Exzesse assoziiert. Walli las kürzlich einen Weihnachtsroman mit dem Titel "Sieben Kilo in drei Tagen" (nicht empfehlenswert, daher auch nicht auf Romanregal.de besprochen). Also dachten wir uns, dass jetzt, zwischen den Jahren, eine kleine Story zum Thema Essen gut passen könnte:

Eine kulinarische Spezialität in Botswana sind frittierte Mopane-Würmer. Nein, wir haben noch keine probiert, und haben das eigentlich auch nicht vor. Beinahe hätte (habe?) ich jedoch kürzlich gebratene Insekten gegessen. Doch von vorne.

Ein echter Vorteil meines neuen Büros ist, dass es in Laufentfernung mehrere gute Mittagessenslokale gibt. Das war bei den letzten beiden Büros leider nicht der Fall. Und so nehme ich mir zwar manchmal etwas von zu Hause mit, aber häufig gönne ich mir auch, das Büro zu verlassen, ein paar Schritte zu gehen und in einem der Restaurants etwas zu essen.
Letzte Woche Donnerstag traf ich einen Kollegen und seine botswanische Frau im chinesischen Restaurant, das direkt über meinem Büro liegt. Dort gibt es sogar - wenn man nachfragt - eine Mittagskarte, die deutlich günstiger ist als die normale Speisekarte. Wir bestellten alle drei das gleiche Gericht von eben dieser Mittagskarte. Als ich meinen Teller schon fast aufgegessen hatte, fand Thandi, die Frau meines Kollegen, mitten in ihrem Gemüse eine gebratene Schabe. Nun ist sie zwar eine Motswana, aber sie mag auch keine Mopane-Würmer, ebenso wenig andere Insekten. Und erst recht mag sie keine Insekten, wenn sie diese nicht bestellt hat, sondern sie sich in ihrem Gemüse verstecken. Wir reklamierten, und immerhin ging der Kellner halbwegs gut mit der Reklamation um: Er besprach sich mit dem Chefkoch, entschuldigte sich dann bei uns und sagte uns, dass wir für das Mittagessen alle drei nicht zahlen müssten. So waren wir halbwegs versöhnt.
Allerdings hatte Walli schon vorher beschlossen, das Restaurant zu boykottieren, denn ein paar ihrer Aflateen-Schüler hatten dort ein Praktikum gemacht, und sie hatte zu hören bekommen, dass diese dort zu absoluten Hungerlöhnen ziemlich ausgebeutet wurden. So haben wir jetzt neben dem moralischen auch noch einen hygienischen Grund, dieses Restaurant nicht mehr zu besuchen.

Am darauffolgenden Tag, einem Freitag, der es aus verschiedenen anderen Gründen in sich hatte, besuchte mich Walli zum gemeinsamen Mittagessen (ein Lichtblick). Wir wählten ein relativ neues italienisches Restaurant, das uns halbwegs gefiel. Dort hatte ich schon mal eher schlechte Service-Erfahrungen gemacht, aber keine, die uns davon abgehalten hätten, dort noch einmal hinzugehen. Um den Tag etwas zu verbessern, gönnten wir uns beide Nudeln mit Lachs in einer Tomatensauce. Wir aßen und sprachen, und irgendwann fiel uns auf, dass das, was wir da aßen, eher nicht nach Lachs schmeckte, sondern nach dem Dosenfisch, den Walli gelegentlich mal isst, der jedoch erheblich günstiger als Lachs ist. Oder waren es gar Sardellen? So richtig dolle war es auf jeden Fall nicht, und auch, wenn der Fisch ganz klein zerfasert war, waren wir uns doch immer sicherer, dass er mit einem Lachs nicht besonders viel gemeinsam hatte. Wir fragten daher die Bedienung, die uns versicherte, dass in dem Gericht Lachs sei, aber versprach, den Koch noch einmal zu fragen. Sie kam nicht zurück, und das hätte uns schon etwas sagen müssen. Als eine andere Bedienung kam und uns nach unserem Wohlbefinden fragte, erklärten wir auch ihr, dass das wohl kein Lachs sei, was wir da gegessen hätten. Auch sie wollte sich erkundigen, außerdem baten wir sie um die Rechnung. Sie kam zurück und sagte uns, dass tatsächlich kein Lachs in unserem Essen gewesen sei, wodurch er stillschweigend ersetzt worden war, wusste sie jedoch auch nicht. Dass wir unter diesen Umständen nicht die Rechnung in voller Höhe bezahlen wollten, schien sie zu verstehen - die Lachsnudeln waren aufgrund des teuren Fisches schließlich eher hochpreisig. Und so bekamen wir von ihrer Kollegin eine neue Rechnung mit einem Discount, jedoch in lächerlicher Höhe (ca. 1,20 pro Gericht). Langsam kamen wir uns für blöd verkauft vor und bestellten den Manager, der mich schon ein paar Mal gesehen hatte. Er hatte von dem Lachs-Debakel bislang nichts mitbekommen, schien von unserer Empörung über den Fake-Fisch aber dennoch betroffen. Wir boten an, die Getränke zu zahlen, für das Mittagessen wollten wir aber so langsam kein Geld mehr ausgeben - insbesondere, weil uns nach wie vor niemand aufklären wollte oder konnte, was uns da eigentlich vorgesetzt worden war.
So war das der zweite Tag in Folge, an dem ich ein Mittagessen umsonst bekam. Ich hätte allerdings durchaus gerne an beiden Tagen auf das jeweilige Erlebnis verzichtet.

Montag, 24. Dezember 2018

Weihnachtsgruß und Jahresrückblick 2018

Weihnachtsstimmung – die kam bei uns in diesem Dezember etwas kurz. Das hatte ganz verschiedene Gründe: den heißen Gaboroner Dezember, fast ohne nennenswerten Regen und Abkühlung, einen Krankenhausaufenthalt von Philips Vater und die damit verbundenen Sorgen, ein wunderschöner Kurzurlaub in Südafrika bis zum 21.12. ... die letzten drei Wochen waren von ganz unterschiedlichen Emotionen geprägt, aber keine hatte einen größeren Weihnachtsbezug. Geschmückte Plastikweihnachtsbäume, hier und da etwas Weihnachtsbeleuchtung sowie das gespannte tägliche Türchen-Öffnen bei Adventskalendern sind kein vollständiger Ersatz für deutsches Dezemberwetter, Weihnachtsmärkte und Plätzchenbacken. Aber wir planen, nächstes Jahr wieder das komplette Programm zu genießen – und wer weiß, vielleicht werden wir im Dezember 2019 sehnsüchtig an die gleißende Sonne im südlichen Afrika zurückdenken?

Aber der Reihe nach: 2018 war ein erlebnisreiches Jahr. Obwohl Philip seit Jahresanfang ein Auge auf in Deutschland ausgeschriebene GIZ-Stellen hatte, versuchten wir, es nicht im Zeichen des Abschieds von Botswana zu sehen, sondern ganz im Jetzt zu leben. Das ist uns auch meistens gut gelungen. Wenn unser Internet mal wieder völlig erlahmte, der Strom für ungewisse Zeit abgeschaltet wurde, unser Einfahrtstor aus ungeklärten Gründen nicht richtig schloss und Ameisen durch unseren Kühlschrank spazierten, dachten wir nicht nostalgisch an unseren irgendwann bevorstehenden Umzug, sondern wünschten Provider, Handwerkern und Insekten die Pest an den Hals – ganz im Jetzt eben. Und auch beruflich merkte Philip wenig von seinem geplanten Abschied, und das wird wohl auch bis zu seinem letzten Arbeitstag in Gaborone so bleiben. Sein Team, 2017 noch zu großen Teilen neu eingestellt, ist nun eingearbeitet und versucht weitgehend selbstständig, Handel und Industrialisierung im südlichen Afrika voranzubringen. Die Vertretung der EU in Gaborone will Philips Projekt kofinanzieren, d.h. mit erheblichen Mitteln aufstocken, auch das will vorbereitet werden, und dann steht noch die Fusion mit einem anderen Projekt an – so gesehen ist gerade richtig viel los und Philips Abschied wird für das Projekt ein paar Monate zu früh kommen, war aber von uns nicht besser steuerbar. Ein Nachfolger ist gefunden, er kommt ab Mai, ab März muss vorübergehend ein Mitarbeiter übernehmen.

Walli organisierte in der ersten Jahreshälfte 2018 mit einer anderen Wally einen Kunsthandwerksmarkt, der sie Land und Leute noch besser kennenlernen ließ, ein paar Nerven kostete und letztendlich zwar nicht berauschend besucht war (Harry und Meghan heirateten dummerweise am gleichen Tag), aber dennoch erfolgreich. Sie hat zwei weitere NGO-Klassen unterrichtet und versucht, ihnen Spar- und Businesspläne und den Unterschied zwischen Gleichheit und Gerechtigkeit näherzubringen. Und als die Schüler in einem anderen Unterrichtsfach eine Powerpoint-Präsentation über ihr Heimatdorf machen sollten, hat sie nachgezogen und ebenfalls eine über Odendorf gehalten.

Im Zeichen des interkulturellen Austauschs stand auch der Besuch des deutschen Bundespräsidenten Frank-Walter Steinmeier in Gaborone. Es waren ca. 24 Stunden, die für uns hochspannend waren. Mittendrin statt nur dabei betreuten wir die Kultur- und die Wirtschaftsdelegation und waren komplett begeistert, einen Blick hinter die Kulissen so eines Staatsbesuchs zu bekommen. Ein absolutes Highlight! Und die anderen Highlights dieses Jahres? Waren, wie immer, unsere Reisen – zum Teil mit liebem Besuch im südlichen Afrika: Wir haben Geno und Ali in Kapstadt getroffen, mit Philips Mutter die Garden Route bereist und mit Wallis Eltern das nordöstliche Südafrika unsicher gemacht. Auch sonst waren wir wieder viel, viel unterwegs, mit Freunden und allein, im Auto mit Dachzelt, aber auch in der ein oder anderen Lodge. Wir sind immer noch nicht nach Mauritius oder auf die Seychellen geflogen, sondern haben uns nach wie vor voll und ganz den Safaris verschrieben, die uns immer noch begeistern und faszinieren. Ihre indirekte Auswirkung war ein Fotobuch-Produktions-Marathon, den Philip von Oktober bis November absolviert hat – wer gerne mal „ein paar Fotos“ von unserem Leben und Reisen im südlichen Afrika sehen will, sollte einiges an Zeit einplanen …

Walli hat im Laufe des Jahres mehr und mehr Kinderbücher vorgelesen, Deutsch unterrichtet und sich als Schreibschrifttrainerin betätigt. Das war oft spaßig, manchmal anstrengend und vor allem sind ihr all diese Kinder ans Herz gewachsen. Sie freut sich, dass sie einige hoffentlich nicht völlig aus den Augen verlieren wird – einen Teil von ihnen werden wir im Laufe des nächsten Jahres in Frankfurt und Umgebung wiedersehen. Die größte Entscheidung dieses Jahres: Ende Februar 2019 wird es zurück nach Deutschland gehen! Philip wird ab März wieder in Eschborn bei der GIZ arbeiten, in einer Stabsstelle, wo er zu Grundsatzfragen und unternehmenspolitischen Fragen arbeiten soll – so ziemlich das Gegenteil dessen, was er jetzt macht, aber die jetzige Arbeit wird ihm (hoffentlich) für den neuen Job weiterhelfen.

Und was macht Walli? Das wurde in unseren Anfangsmonaten in Botswana oft gefragt und scheint nun wieder ein Thema, seitdem unser Rückkehrzeitpunkt feststeht. Für sie ist es das noch nicht: Im Moment schlägt sie sich mit Umzugsfirmen herum, rezensiert auf ihrem Bücherblog www.romanregal.de und kümmert sich weiter um deutsche Kinder, serbische Teenager und botswanische junge Erwachsene. Zwischendurch ist sie mit neu zugezogenen Freundinnen unterwegs und zeigt ihnen ihre Entdeckungen der letzten zweieinhalb Jahre in Gaborone und Umgebung. Ab März ist dann volle Konzentration auf den deutschen Arbeitsmarkt angesagt. Aber bis dahin: Alles zu seiner Zeit.

Und jetzt ist es erstmal an der Zeit, Weihnachten zu feiern. Wir freuen uns sehr, dass auch dieses Jahr wieder mit Familie und Freunden zu können. Und dass die Abschiede am Ende dieses Deutschlandbesuchs nicht ganz so groß ausfallen werden wie sonst – wir kommen ja bald wieder! Dafür wird dann der nächste Februar unser Monat der Abschiede. Wer verfolgen will, wie es uns damit und mit unserem Umzug ergeht, kann das nach wie vor hier auf unserem Blog tun. Doch nun genießen wir erstmal die Feiertage.
Frohe Weihnachten und ein glückliches und gesundes Jahr 2019!

Samstag, 22. Dezember 2018

Am Boden statt in der Luft

Manchmal gibt es Geschichten, die sind zu skurril, um sie sich selbst auszudenken. Viele Länder haben ja eine eigene nationale Airline, so auch Botswana - der Stolz Botswanas. Mit Air Botswana kann man nicht nur von Gaborone in die anderen größeren Städte des Landes fliegen (u.a. Maun, Francistown, Kasane), sondern es gibt auch mehrfach am Tag eine Verbindung nach Johannesburg. Wir waren betrübt, als Anfang diesen Jahres, kurz nach unserem Kapstadt-Besuch von Ende Januar, die direkte Verbindung nach Kapstadt eingestellt wurde. Hintergrund war, dass Air Botswana eine südafrikanische Airline für diese Verbindung engagiert hatte, die auf dieser Strecke unter Air Botswanas Flagge flog - und eben dieser Airline wurde von Südafrika aus Sicherheitsgründen die Lizenz entzogen. Im November hat Air Botswana die Flüge nach Kapstadt unter eigenem Betrieb wohl wieder aufgenommen, eine schöne Nachricht für uns Passagiere (ob wir es noch einmal nach Kapstadt schaffen?).
Die Sicherheit von Air Botswana gilt glücklicherweise als halbwegs gut. Leider scheint die Fluglinie jedoch nicht komplett profitabel zu sein, die botswanische Regierung sucht daher nach einem privaten Investor. Doch dafür wollte man die Airline erst einmal "aufhübschen" und bestellte drei neue, modernere Flugzeuge. Diese wurden im November ausgeliefert, und damit man nicht auf zu vielen Flugzeugen sitzt, wurden gleichzeitig drei ältere Flugzeuge verkauft. Die Flotte bestand nun also aus zwei älteren und drei neueren Flugzeugen.
Schade nur, dass man ein kleines Detail übersehen hatte: Die Piloten von Air Botswana hatten kein Training - und somit auch keine Lizenz - für die neueren Maschinen erhalten... und so ist seit einigen Wochen der Flugplan der Airline ziemlich ausgedünnt, denn drei Flugzeuge sind verkauft, und mit zwei (älteren) Flugzeugen kann man den Betrieb eines Streckennetzes, das für fünf Flugzeuge ausgelegt ist, nicht mehr aufrecht erhalten.
Außer Air Botswana fliegt glücklicherweise noch eine andere Airline, SA Express, nach Johannesburg - dieser Airline war jedoch von ca. April bis Ende August ebenfalls die Lizenz der südafrikanischen Behörden entzogen worden; mittlerweile soll sie aber wieder in Ordnung sein. Und für unseren Flug nach Deutschland in den Weihnachtsurlaub haben wir eine ganz andere Verbindung gebucht, mit der wir weder Air Botswana noch einen anderen Flug nach Johannesburg benötigen - wir fliegen mit Air Namibia via Windhoek nach Frankfurt. Mal schauen, ob das so hinhaut, wie wir uns das wünschen...

Mittwoch, 19. Dezember 2018

Ohne Strom nix los

Das liebe Wetter in Botswana: In Deutschland mag das derzeit schwer vorstellbar sein, aber wenn wir morgens das Fenster aufmachen und die 25°C-warme Luft ins Haus strömt, dann wirkt das wie eine Erfrischung. Es ist relativ heiß zur Zeit, bei der Arbeit funktioniert die Klimaanlage nur eingeschränkt, und ganz Botswana wartet auf Regen: Seit Oktober sollte hier Regenzeit sein, geregnet hat es bisher aber kaum, höchstens mal 1-2mm, also auch für hiesige Verhältnisse wenig.
Vorvergangene Woche in der Nacht von Donnerstag auf Freitag gab es dann mal ein Gewitter - wieder mit fast keinem Regen - dafür fiel der Strom aus, und das gleich von 1 Uhr bis 8 Uhr morgens. Und nein, der Stromausfall lag nicht daran, dass wir unseren Strom nicht bezahlt hatten (wir haben ja Prepaid-Strom).
Bevor ich zur Arbeit ging, fuhr ich erst einmal zu einem (wegen Stromausfalls geschlossenen) Supermarkt, schließlich zu einer Tankstelle, wo ich einen Eisklotz besorgte, den wir in den Gefrierschrank legten. Erfreulicherweise kam der Strom kurz darauf wieder, doch der Eisklotz sollte sich trotzdem schon bald als nützlich erweisen.
Am Samstagnachmittag gab es nämlich wieder ein Gewitter, diesmal mit 8mm Regen innerhalb von 10 Minuten, ein ziemlich heftiger Guss. Und dann war der Strom weg, kurz darauf auch das Mobilfunknetz. Das war so gegen 17:30 Uhr. Gegen 18:30 Uhr wurde es langsam dunkel: Wir zündeten Kerzen an, holten eine Stirnlampe. Der Strom blieb weg. Und wir merkten wieder einmal, wie abhängig wir doch von Strom sind - vielleicht nicht ständig physisch, aber doch psychisch, denn irgendwann drehten sich die Gespräche nur noch darum. Bis wir ins Bett gingen, tat sich nichts. Nachts ging irgendwann unser Elektrozaun los - er hatte wieder Strom! Ich tigerte also durchs Haus, stellte den Elektrozaun aus und machte Lichtschalter aus. Nach 15 Minuten war der Strom wieder weg. Später muss er noch einmal wieder gekommen sein, die Klimaanlage im Schlafzimmer kühlte den Raum kurzzeitig und auch mein Handyakku lud ein Stück weit auf. Doch morgens wachten wir auf, weil es im Raum warm war, es gab keinen Strom.
Wir frühstückten, stellten dabei fest, dass der Käse aus dem Kühlschrank nach mehr als 12 Stunden bereits etwas warm war, hörten bei Kollegen in anderen Teilen Gaborones nach, die auch "stromlos" waren, und flüchteten schließlich ins Fitnessstudio. Wer hätte gedacht, dass wir dort einmal freudig erregt hingehen würden?! Ein Anruf hatte uns die Gewissheit beschert, dass sie Strom und geöffnet hatten; an der Rezeption gibt es Schließfächer mit Steckdose zum Handyladen, WLAN, Laufband, Klimaanlage und Warmwasser funktionierten. Wir sind also quasi im doppelten Sinne zum Akkus aufladen ins Fitnessstudio gegangen, auch das eine neue Erfahrung.
Für Sonntagmittag hatten wir Freunde zum Mittagessen eingeladen. Punkt 12 Uhr ging der Strom an, war aber schon nach einer halben Minute wieder weg. Glücklicherweise hat unser Herd neben zwei elektrischen Platten auch vier Gasflammen - und das gewählte Gericht ließ sich ohne weiteren Zusatz elektrischer Energie zubereiten. Die große Frage war nur: Wie länge hält sich rohes Hackfleisch in einem Kühlschrank ohne Strom? Unsere Antwort: Wenn man es brät, dann ist es auch noch nach 19 Stunden zu verwenden (bisher hörten wir noch von keinen diesbezüglichen Magen-Darm-Geschichten). 22 Stunden nach dem Stromausfall gingen unsere Freunde nach Hause, sie boten uns an, die Nacht bei ihnen zu verbringen, denn sie hatten Strom. Wir gaben ihnen fünf Stücke unseres guten, aus Deutschland importierten Käses aus dem Gefrierschrank mit, denn der war mittlerweile halbwegs auftaut. Unsere Freunde fanden, dass der Stromausfall durchaus auch positive Seiten hat ...
Nach ziemlich genau 24 Stunden kam der Strom wieder. Wir konnten es zunächst gar nicht glauben und gingen davon aus, dass er gleich wieder weg sein würde. Nach 15 Minuten fing die Hoffnung an zu keimen, dass er uns doch etwas länger erhalten bleiben würde, und so war es auch. Wir feierten den Strom. Kaum zu glauben, wie glücklich uns das machte. Für uns beide dürfte das der längste Stromausfall gewesen sein, an den wir uns erinnern (und ich schließe da auch meine Ghana-Erfahrungen ein, wo es häufig zu geplanten Stromabschaltungen kam, die jedoch meiner Erinnerung nach nie länger als 24 Stunden waren).
Mit etwas Abstand kann ich jetzt übrigens sagen, dass wir Glück gehabt haben. Eine Mitarbeiterin von mir hatte auch fünf Tage nach Beginn des Ausfalls noch keinen Strom. Der Stromversorger wartelefonisch so gut wie unerreichbar, wenn sie mal durchkam, wurde ihr gesagt, dass morgen jemand käme, was dann am nächsten Tag doch wieder nicht eintritt. Keine wirklich gute Erfahrung!

Sonntag, 16. Dezember 2018

Ungeplanter Garage Sale

Ganz, ganz langsam beginnen unsere Umzugsvorbereitungen. Dass wir mit dem Verkauf von ersten Möbeln bereits begonnen haben, hatte ich ja schon geschildert. Diese Woche habe ich nun bislang vier Umzugsunternehmen kontaktiert, damit sie unseren Hausstand in Augenschein nehmen. Die ersten drei haben jeweils am darauffolgenden Tag gleich jemanden vorbeigeschickt. Am Dienstag empfing ich zunächst Pelo von Umzugsfirma Nummer 1, der sogleich mit seinem Tablet los fotografierte.

Philip und ich planen, die Mehrzahl unserer Möbel zu verkaufen. Einige Verkäufe sind schon fix vereinbart, eine Liste mit allem Übrigen wollen wir ab Mitte Januar über den GIZ-Verteiler jagen. Insofern musste ich in jedem Raum erklären, was bereits verkauft ist, was wir bestimmt verkaufen werden, was wir vermutlich und was auf jeden Fall nach Deutschland mitnehmen. An dieser Stelle möchte ich kurz betonen, dass das ungefähr so klang: "Dieses Regal hier ist verkauft, das Fahrrad will ich noch verkaufen und die leeren Blumenkübel nehmen wir mit nach Deutschland." Ich sagte also NICHT: "Dieses Regal hier ist verkauft, aber dieses formschöne Retro-Rad mit bequemem Sattel, neuwertiger Klingel und einem entzückenden Fahrradkörbchen, das jedem Radfahrer schmeicheln würde und pfeilschnell über die Straßen gleitet, ist für schlappe 400 Pula - nur heute! im Sonderangebot ..." Also, das sagte ich nicht. Trotzdem verlud Pelo mein Fahrrad nach einem sehr kurzen Verkaufsgespräch in seinen Kofferraum. Für seine Frau. Davor war er Probe gefahren und es hatte hinten einen Platten, den wir auf die Schnelle auch nicht erfolgreich aufgepumpt bekamen, aber das störte ihn nicht. Ich dagegen fand, dass ich ein gutes Geschäft gemacht hatte - vor sechs oder sieben Jahren habe ich für das Rad auf dem Flohmarkt 40,- € gezahlt und es jetzt für 32,- € weiterverkauft. Pelo hätte auch noch großes Interesse an Philips Rad gehabt, aber so spontan wusste ich nicht, was Philip dafür haben wollte. Ich habe ihm dann später wie vereinbart den Preis gewhatsappt - ca. das Zehnfache von meinem Rad, aber Philip hat eben auch kein altes Damenrad vom Flohmarkt ... seitdem habe ich nichts mehr von Pelo gehört. Ob er mir wohl noch ein Umzugsangebot schickt?

In meinem früheren Job habe ich gelernt, dass es bei Auftritten wichtig ist, dass der Künstler in seiner Rolle bleiben kann. Wenn er als Moderator gebucht ist, sollte er nicht zwischendurch noch eine halbe Stunde Standup-Comedy machen müssen. Sowas funktioniert in der Regel nicht wirklich gut und verwirrt das Publikum. In diesem Fall war ich tatsächlich verwirrt als potentielle Umzugskundin, die plötzlich zur Verkäuferin wurde. Es ist natürlich ganz nett, das alte Fahrrad schon losgeworden zu sein, aber irgendwie waren Pelo und ich so ziemlich vom Umzugsthema abgekommen. Zumindest war ich am nächsten Nachmittag schon etwas routinierter: Lebo von Umzugsfirma Nummer 3 fand zunächst Gefallen an einem alten Klappstuhl in unserem Gästezimmer und dann noch an unserem Campingtisch. Dessen Plastikoberfläche hatte auf unseren letzten Touren etwas gelitten und war nicht mehr sauber zu bekommen. Sie fragte, ob ich es mit dem hiesigen Putzmittel "Handy Andy" probiert hätte (ich hatte allerdings bislang nur mit Spüli geschrubbt). Und so wischten wir schließlich beide mit "Handy Andy" an dem Tisch herum (der tatsächlich sauberer wurde!) während sie mir erzählte, dass dieser eine gute Größe für ihr geplantes mobiles Nagelstudio hätte. Tja. Vielleicht kauft Lebo uns am Freitag auch noch meinen alten Ikea-Schrank mit Nachttisch ab, ich habe ihr auf jeden Fall Fotos gewhatsAppt, damit sie sie ihrem Mann zeigen kann. Später schrieb sie mir noch, was eigentlich die Zieladresse für unseren Umzug sei - stimmt, das hatten wir gar nicht mehr besprochen. Mir fiel dafür später auf, dass Philip und ich den Campingtisch für die nächste Woche (wir machen Campingurlaub in Südafrika) noch ziemlich gut hätten brauchen können. Aber jetzt leiht uns Philips Chef seinen. Und falls er schmutzig wird, schrubbe ich ihn danach mit "Handy Andy" sauber ...

Vermutlich werden wir mit Umzugsfirma Nummer zwei umziehen. Herr Henriksen, der skandinavische Wurzeln hat und sich mir als der letzte Rhodesier vorstellte, brachte mir einen Folder mit Informationen mit und erklärte mir erstmal eine Viertelstunde, wie sein Unternehmen arbeitet, bevor wir einen Hausdurchgang machten. Kaufinteresse hatte er keinerlei, dafür war er der einzige, der unserem Beiladungswunsch nicht völlig hilflos gegenüberstand und dem "Austria" immerhin etwas sagte (wir wollen für einen von Philips Kollegen eine Kiste mitumziehen, die dann nach Salzburg weitergeschickt werden soll). Vermutlich wird seine Firma die teuerste sein, aber er hat einen meilenweit besseren Eindruck bei mir hinterlassen. In der Hoffnung, vielleicht noch ein ähnlich professionelles Unternehmen zum Vergleich zu finden, habe ich gestern dann noch eine vierte Umzugsfirma kontaktiert. Falls sie doch nicht in Frage kommen sollten, kaufen sie mir vielleicht zumindest noch etwas ab!

Donnerstag, 13. Dezember 2018

Von drauß' von Gaborone komm ich her ...

... und ja, auch hier weihnachtet es sehr! Obwohl sich die Adventszeit bei 38 Grad natürlich auch schön ausblenden lässt. Unser namibischer Adventskranz schmückt zwar unseren Esstisch, die Kerzen waren aber noch nicht an - es ist uns einfach zu warm.
Nichtsdestotrotz ist auch der Gaboroner Dezember voller Weihnachtsfeiern. Unsere erste in diesem Jahr besuchten wir im Garten der Residenz des neuen EU-Botschafters hier. Im Gegensatz zu seinem Vorgänger schmiss er eine richtig große Party, die abends stattfand, auf seinem Grundstück und zu der die Gäste sogar ihre Partner mitbringen konnten. Das ließ sich fast niemand entgehen - die Party sollte um 18:30 Uhr losgehen und tatsächlich waren um diese Zeit schon einige Leute da (uns eingeschlossen). Aber wenn eine Party laut Einladung nur zwei Stunden gehen soll, ist man eben auch pünktlich.


Empfangen wurden wir mit einem Tässchen Glühwein, auf den wir schnell ein kühles Bier folgen ließen. Nach den Begrüßungsreden gab es eine Überraschung: Es wurden Weihnachtslieder gesungen! Die Mitarbeiter der EU-Botschaft hatten es sich nicht nehmen lassen, extra einige Weihnachtslieder landestypisch umzudichten, u.a. "The twelve days of Christmas". Ein Beamer warf sogar den Liedtext an die Hauswand, damit alle mitsingen konnten.

Nach den Gesangs- gab es auch noch Tanzdarbietungen (einige der EU-Mitarbeiter kommen aus Skandinavien und ließen es sich nicht nehmen, zu ABBA zu performen). Nach den Vorführungen ließ die EU mit Hilfe des Beamers für den Rest des abends den Schnee rieseln.


Auch das Büffet konnte sich sehen lassen: Neben botswanischem Essen (Pap (Maisbrei), Seswaa (zerkochtes Rindfleisch), Sorghum (Getreidebrei) etc.) gab es italienischen Schinken und italienische Salami, außerdem Käse (vermutlich auch aus Italien). Das war sehr lecker. Am nächsten Tag ging es mir leider dennoch nicht so gut, was weder an dem Mini-Tässchen Glühwein noch am alkoholfreien Bier gelegen haben kann. Glücklicherweise war ich freitags wieder fit, zur nächsten Weihnachtsfeier, diesmal von der GIZ.

Die GIZ feierte im No. 1 Ladies Restaurant, wo ich neulich erst mit der deutschen Kulturdelegation war und auch sonst gerne mal Freundinnen zum Mittagessen treffe - dementsprechend herzlich war die Begrüßung. Und auch sonst war es ein schöner Abend: Wir hatten nämlich Glück bei der Hotellotterie! Jeder Gast bekam bei Ankunft ein Los und vor dem Abendessen wurden dann Hotelübernachtungen verlost, die die GIZ-Partnerhotels in Gaborone gestiftet hatten (für jeweils eine Übernachtung zu zweit). Relativ am Anfang schon gehörte mein Los zu den Gewinnern, was mir ein bisschen unangenehm war, da ich ja keine Mitarbeiterin bin. Auf der anderen Seite mussten Ehepartner bei der GIZ-Weihnachtsfeier Eintritt zahlen (ich habe also nicht auf Kosten Eurer Steuergelder gefeiert), insofern fühlte ich mich dennoch irgendwie als rechtmäßige Gewinnerin. Und dann  gewann Philips Los auch noch! Wir waren bereits das dritte Paar, das zwei Nächte gewonnen hatte; in diesen Fällen war die zweite Nacht an einen anderen Gast weiterzugeben. Philip dürfte wählen, stellte fest, dass er ganz plötzlich viele neue Freunde hatte und gab seinen Gewinn schließlich an seinen Projektfahrer weiter, der komplett überrascht und glücklich war. Danach wurde noch gegessen und getanzt.

Und am Morgen darauf trafen wir dann noch den Weihnachtsmann persönlich! Wo man sich eben so trifft in Gaborone: in einer Shopping Mall. Er stand vor dem Drogeriemarkt und war sofort bereit, ein Foto mit mir zu machen. Davor öffnete er eine große Blechdose und ich nahm schon an, dass er eine Spende wollte - aber es waren tatsächlich Kekse drin und er bot mir einen an! Na dann: noch eine schöne Adventszeit!