Sonntag, 29. Oktober 2017

Lila Blüten

Die Trockenzeit, die hier von ca. Mai bis ca. September geht, und in der typischerweise kein Regen fällt, ist vorbei. Mitte September hat es hier bereits das erste Mal wieder geregnet und die Natur freut sich: Bäume werden wieder grün, Kakteen richten sich wieder auf, Sträucher und manche Bäume entwickeln Blüten, etc. Man könnte diese Zeit also fast schon Frühling nennen - allerdings ist der Frühling hier kurz: Den Temperaturen nach zu urteilen ist es bereits Sommer.
Schon seit ein paar Wochen blühen hier die Jacaranda-Bäume - im südlichen Afrika häufig anzutreffen. Die Bäume sind nicht ganz klein und ihre Blätter sind vor lauter lila Blüten kaum zu sehen. Gerade wenn es mehrere Bäume in einer Straße gibt, ist das Blütenmeer toll anzuschauen. Leider sind in unserem Teil der Stadt recht wenige Jacaranda-Bäume - nur auf dem Grundstück unseres Nachbarn findet sich einer:


Auf dem Rückweg von Kubu Island fuhren wir neulich durch Serowe, wo es richtige Jacaranda-Alleen gab - leider vergaß ich diese zu fotografieren. Auch Pretoria in Südafrika ist wohl für seine Jacaranda-Bäume bekannt.
In Gaborone hat Walli auch schon welche von oben entdeckt:


Die Jahreszeit gerade ist auf jeden Fall schön - die Stadt ergrünt und erblüht!

Dienstag, 24. Oktober 2017

Wenn der Müllmann gar nicht klingelt

Es ist ein gutes Jahr her, dass ich beschrieben habe, wie das mit der Müllabfuhr in Botswana so läuft. Damals kam die Müllabfuhr oft am Wochenende und ihr morgendliches Klingeln riss uns regelmäßig aus dem Schlaf. Mich hatte gerade das erste Mal ein Müllmann nach Geld gefragt und ich hatte ihm aus Prinzip keins gegeben.
Wie sich die Zeiten ändern ...

Wir haben inzwischen einen recht guten Kontakt zu unserer Nachbarin, was nicht zuletzt an einem Evergreen liegt, über den wir uns jedes Mal angeregt unterhalten, wenn wir uns sehen: "War die Müllabfuhr eigentlich mal wieder da?" Da sie berufstätig und alleinstehend ist, befürchtet sie, sie ständig zu verpassen. Manchmal stellt sie Müllsäcke auf Verdacht raus, aber das ist auch eine Wissenschaft für sich: In den Säcken sollten dann keine Essensreste, Fleischverpackungen etc. sein, diese werden sonst eventuell von Straßenhunden aufgebissen, die den Müll dann in der ganzen Nachbarschaft verteilen. Die ganze Mülltonne auf Verdacht rauszustellen, ist aber auch so eine Sache - einer Kollegin unserer Nachbarin wurde sie tatsächlich geklaut. Tja.
Da ich öfters zu Hause bin, sollte man meinen, dass wir die Müllabfuhr relativ regelmäßig mitbekommen, was aber leider auch nicht der Fall ist. Tatsächlich hatten wir sie fast drei Monate nicht gesehen, bis sie letzte Woche mal wieder kam. Der ein oder andere Blogleser wird sich jetzt denken "Kein Wunder, so oft wie die verreisen!" und tatsächlich waren wir auch immer mal wieder nicht da, aber insbesondere unter der Woche waren wir in den letzten drei Monaten doch meistens in Gaborone. Und die Müllabfuhr hat sich auch abgewöhnt, am Wochenende zu kommen, was unsere Chancen, sie mal abzupassen, doch deutlich hätte erhöhen sollen. Aber irgendwie wart sie nicht mehr gesehen - meine Freundin Ruth vermutete, sie würde vielleicht einfach nicht mehr bei uns klingeln, weil wir so gut wie nie Trinkgeld gegeben hätten. Sie selbst steckt den Müllmännern ab und an 100 Pula zu (ca. 8,30 €), was mir dagegen wieder ziemlich krass vorkommt - so viel verdienen botswanische Hausangestellte in der Regel als Halbtagslohn.

Leider gibt es keinen Ort, an den man seinen Müll selbst hinbringen könnte. Ich fahre ab und an zu einem Recyclinghof, der Glas und Dosen nimmt, aber mehr Möglichkeiten existieren einfach nicht.
Bei meiner Freundin Ruth kommt die Müllabfuhr jeden Dienstag - ein Luxus, der sich nur so erklären lässt, dass sie um die Ecke vom Präsidentenpalast wohnt. Aber auch unser Gärtner Sam - ebenfalls Innenstadt-näher als wir - berichtete, dass die Müllabfuhr in seiner Gegend seit neuestem sogar zweimal die Woche käme! Vielleicht ließen sie unser Viertel dafür einfach aus? Sam litt auf jeden Fall so mit, dass er die Müllabfuhr eines morgens für mich anhielt, als er sie mal zufällig in unserer Straße sah. Leider war es nicht DIE Müllabfuhr, sondern ein privates Entsorgungsunternehmen, das Gartenabfälle mitnimmt. So sind wir jetzt zu einer kostenpflichtigen grünen Tonne gekommen (die allerdings blau ist). Das brachte uns allerdings in Bezug auf den Hausmüll immer noch nicht weiter.

Aber dann, letzten Dienstag, klingelte es. Ich schaute durch die Kamera der Gegensprechanlage und sah - einen Müllmann durch die Straße laufen! Hurra! Ich rannte hinaus, der Müllmann, schon dabei weiterzuziehen, kam zurück und fragte ob ich viel Müll hätte - allerdings, nach drei Monaten - und lud dann die Tonnen aus, die ich auf die Straßen rollte. Ich bat ihn zu warten und suchte nach Kleingeld - soweit ist es gekommen, ich gebe den Müllmännern jetzt schon Geld, ohne dass sie danach fragen müssen. Dummerweise hatte ich nur 9 Pula und gab ihm dafür noch eine kleine Tüte Salzcracker mit (auch eine botswanische Lektion: Was zu essen geht immer). Er zog erfreut von dannen - so erfreut, dass er hoffentlich das nächste Mal wieder klingelt, wenn die Müllabfuhr in der Gegend ist ...

Freitag, 20. Oktober 2017

Bilder aus dem Delta: Katzen und mehr

Nein, wir hatten nicht vor, unseren Blog in "Wallis und Philips Urlaubs-Blog" umzubenennen. Zugegeben, in letzter Zeit gab es einige Einträge, die in diese Richtung deuten könnten. Wir haben ein paar Wochenenden verlängert für kleinere und größere Ausflüge.
So haben wir uns z.B. im September mit meiner Mutter drei Tage im Okavango Delta gegönnt (Bericht meiner Mutter dazu hier). Der Vollständigkeit halber wollen wir noch ein paar Bilder dieses Ausflugs veröffentlichen (ja, ich gebe es zu, die Auswahl fiel mir schwer, daher sind es eigentlich zu viele Bilder für einen Blogeintrag). Auf einem der Fotos hat sich tatsächlich eine ganze Elefantenherde versteckt. Findet Ihr sie?

















Mittwoch, 18. Oktober 2017

Unter Baobabs

Nachdem wir unser neues Dachzelt bereits in Namibia eingeweiht hatten, kam es schon ein Wochenende später wieder zum Einsatz, diesmal in Botswana. Wir fuhren erstmals nach Kubu Island. Kubu Island ist in der Regel nicht von Wasser umgeben; nur während der Regenzeit kann sich das mal ändern, wenn die umliegende Salzpfanne langsam volläuft - dann erreicht man Kubu Island jedoch nicht mehr. Wenn die Pfanne trocken ist, kommt man über Staubpisten zu der inselähnlichen Erhebung in den Magkadigkadi-Pans. Auf Kubu Island gibt es nur einen Campingplatz, was auch der Grund dafür ist, dass wir vorher noch nie da waren: Bislang fehlte uns ja das Zelt.

Wegen der doch recht ruckeligen Pisten sollte man nicht allein nach Kubu Island fahren, sondern mit mindestens zwei Autos - bleibt eines liegen, kann zumindest noch jemand Hilfe holen, denn Handyempfang gibt es in den Magkadigkadi-Pans natürlich nicht. Und so sagten wir fröhlich zu, als uns im August ein Freund fragte, ob wir nicht am zweiten Oktoberwochenende zusammen mit ihm und seiner Frau nach Kubu Island fahren wollten. Er besaß bereits seit Längerem ein Dachzelt, seine Frau hatte sich jedoch bislang standhaft allen Campingausflügen verweigert - damit sollte jetzt Schluss sein. Auch unsere Nachbarin äußerte Interesse an dem Trip und so kam es, dass wir schließlich zu fünft waren. Da sie und unsere Freunde sich noch nicht kannten, ging ich vorab mit beiden Frauen einmal Abendessen. Schnell stellte sich heraus, dass sie kaum etwas gemeinsam hatten - außer einer tiefen Skepsis gegenüber Camping. Das konnte ja heiter werden ...

Eine erste Übernachtung war noch in der Zivilisation geplant: Am ersten Tag fuhren wir mit Pause sieben Stunden auf Teerstraßen nach Nata und übernachteten einmal dort, bevor es am nächsten Tag auf die Pisten gehen sollte. Unsere Freunde und wir fuhren gemeinsam los, unsere Nachbarin hatte beschlossen, lieber etwas später und in ihrem eigenen Tempo zu starten. Und so waren wir dummerweise schon 200 km weiter, als in Palapye ihre Autobatterie schlapp machte. Kurz sah es so aus, als wäre der Wochenendtrip für sie schon gelaufen, bevor er überhaupt begonnen hatte, aber Palapye überraschte uns positiv - ein hilfreicher Tankwart, ein herbeieilender Automechaniker, eine von einem Inder betriebene Werkstatt, in der in Windeseile eine neue Batterie eingebaut wurde - nach einer halben Stunde konnte sie ihre Fahrt fortsetzen, als wäre nichts gewesen. Und so hatten wir einen schönen Abend in der Nata Lodge, freuten uns, dass wir tatsächlich alle angekommen waren und genossen noch einmal Dusche und kalte Getränke.
Am nächsten Morgen ließen wir alle Autos volltanken und kauften an der Tankstelle auch noch Eis für die Kühlboxen. Und dann ging es auf die Piste. Diese war ziemlich uneben und stellenweise auch sandig, aber alle Autos bewältigten sie und niemand blieb stecken. Und so kamen wir nach gut 100 km, für die wir auf Grund der Straßenverhältnisse vier Stunden gebraucht hatten, auf Kubu Island an.


Ich hatte mir das Ganze noch kompakter und inselartiger vorgestellt. Gerade wenn man schon viele Bilder von einem Ort gesehen hat, kann die Realität manchmal ganz schön von dem im Kopf zusammenkomponierten Gesamtbild abweichen. Aber bevor wir die Insel richtig erkundeten, steuerten wir erst einmal den Campingplatz an. Weil nicht viel los war, dürften wir uns unseren Stellplatz selbst aussuchen - von den 13 vorhandenen waren bislang nur ein oder zwei belegt. Schnell stellten wir fest, dass wir im Grunde die Wahl zwischen "gar kein Schatten" und "ein kleines bisschen Schatten" hatten und entschieden uns für letzteres (bei 42°C in der Mittagshitze konnten wir uns schnell einigen). Ansonsten waren die Stellplätze sehr ... naturbelassen? Es war klar gewesen, dass es auf Kubu Island kein fließend Wasser geben würde, aber es gab auch keine Mülleimer und keinen A-Frame (quasi ein Schattendach). Es standen nur ein paar vereinzelte Plumpsklos rum, deren Türen man nicht schließen konnte und die so eng waren, dass es auch platztechnisch ziemlich schwierig war, sie zuzuhalten. Für unsere beiden Campingneulinge war das schon ein harter Einstieg - eine von ihnen hatte bereits im Vorfeld überlegt, ob sie statt eines nächtlichen Plumpsklobesuchs nicht lieber ein Nierenleiden wegen Dehydration auf sich nehmen würde ...

Wir bauten unsere Zelte auf und begaben uns auf Erkundungstour, als es nicht mehr ganz so heiß war.
Die Hauptattraktion auf Kubu Island sind die nach letzter Zählung 69 Baobabs. Baobabs sind einfach großartige Bäume und so viele an einem Ort zu sehen, war wirklich schön.


Auch der Ausblick auf die Salzpfanne war einzigartig. Man kam sich vor wie am Meer - nur ohne Meer ...


Abends kochten wir noch einen Eintopf überm Feuer und gingen dann früh schlafen. Für den nächsten Vormittag hatten wir eine Inselführung gebucht. Unser Guide war freundlich, wusste aber nicht viel mehr, als auch auf den sporadisch aufgestellten Infotafeln stand. Als wir vor dem größten Baobab der Insel standen, fragte ich ihn, wie alt dieser wohl ungefähr sei. Der Guide antwortete mir, er wäre nicht so alt wie Chapman's Baobab - das ist ein weiterer, in Botswana berühmter Affenbrotbaum in den Magkadigkadi-Pans, der leider 2016 umgestürzt ist. Ich fragte nach, wie alt denn Chapman's Baobab gewesen war. Tja, älter als dieser hier. Ach so.
Die Führung fand ein jähes Ende, weil ein Gewitter aufzog. Schon als wir losgegangen waren, war der Himmel dunkler und dunkler geworden, aber dass das Gewitter mit solcher Geschwindigkeit nahte, überraschte uns dann doch.


Nach dem Abbruch der Führung rannten wir bereits im Regen zu unseren Autos. Immerhin brachte das Unwetter einige Abkühlung und dauerte nicht lange. Die Führung setzten wir nachmittags fort und waren bei den Abendessenvorbereitungen, als ein weiteres Gewitter heraufzog, das beeindruckende Blitze mit sich brachte. Das Essen (Nudeln mit Tomatensoße) wurde gerade so fertig, wir verzogen uns wieder in unsere Autos und trafen uns nach einem kurzen Schauer wieder, um gemeinsam zu essen. Zwei Gewitter an einem Tag - das ist in Botswana definitiv eine Seltenheit. Immerhin blieb die Nacht trocken. Am nächsten Morgen lief ich zum Sonnenaufgang noch einmal um die Insel und sah gegen 6 Uhr trotz leichter Bewölkung einen tollen Sonnenaufgang. Als ich zurückkam, packten schon alle zusammen und um 8 Uhr begannen wir unsere Rückreise.

Reiseführer raten zu einem Umweg über den Pfannenrand, wenn es auch nur ein bisschen geregnet hat. Unser Guide vom Vortag sah jedoch kein Problem und hatte Kollegen, die nach dem ersten Gewitter noch durch die Salzpfanne gefahren waren. Sie hätten 55 Minuten gebraucht, wir würden dann vermutlich so 90 brauchen und sollten maximal 40 bis 50 km/h fahren. Das taten wir dann auch. Die Salzpfanne war vom Regen stellenweise glitschig und die Autos rutschten hier und da, unsere Nachbarin stellte sich sogar einmal unfreiwillig quer - aber auch hier blieb niemand stecken. Da wir für den Heimweg eine andere Route gewählt hatten, fuhren wir diesmal nur zwei Stunden auf Pisten, bevor wir wieder Teerstraßen erreichten. Die Autos sahen nach diesen zwei Stunden allerdings wild aus. An der ersten Tankstelle auf der Strecke fragten die Tankwarts mit Kennermiene, ob wir in Kubu Island gewesen seien - sie kriegten solche Autos wohl häufig zu sehen und säuberten netterweise noch unser Nummernschild, das bis zur Unkenntlichkeit verschlammt war.
Als ich unser Auto am nächsten Tag zur Waschanlage bei Game City brachte, rief das bei den Angestellten eher spontanes Entsetzen hervor (was ich verstehen konnte - die waschen hier ja noch von Hand ...). Statt der üblichen 70 Pula (5,80 €) verlangte man 200 von mir. Trotz vehementen Protesten eines Mitarbeiters (vermutlich dem, der das Auto dann waschen musste), konnte ich die Chefin auf 150 Pula runterhandeln. Und so wurden die Spuren unseres Kubu Island-Ausflugs beseitigt und das Auto wieder stadttauglich.


Vielleicht hatten wir uns Kubu Island im Großen und Ganzen noch spektakulärer vorgestellt. Aber gefallen hat es uns auch so und die Baobabs sowie der Sonnenaufgang über der Salzpfanne waren auf alle Fälle faszinierend. Auch unsere Mitcamperinnen sind im Nachhinein ganz zufrieden mit dem Trip und können sich weitere Campingausflüge vorstellen. Gegen eine Dusche auf dem Campingplatz hätte dabei aber niemand von uns etwas einzuwenden.


Sonntag, 15. Oktober 2017

Navigation in Gaborone

Wie findet man in Gaborone eigentlich zu seinem Ziel?
Nun, in meinen ersten Wochen habe ich - neben dem Befragen von Kollegen - häufig das Navigationssystem auf meinem Handy verwendet. Glücklicherweise ist Gaborone nicht sooo riesig, so dass man sich nach ein paar Wochen halbwegs gut orientieren kann. Meist fahren wir auf einer von drei parallelen Hauptstraßen, von der dann andere Straßen abzweigen. Ab da wird es dann jedoch knifflig.
Es gibt zwar Straßennamen, diese existieren jedoch offenbar noch nicht allzu lange. Letzte Woche erzählte mir eine Kollegin, die seit 2009 hier ist, dass es zur Zeit ihrer Ankunft noch keine gab - und dementsprechend hat sie gelernt, sich anders zu orientieren, eben so, wie jeder Batswana: Über "Landmarks", also bekannte oder auffällige Gebäude, Bäume o.ä.
Wenn wir jemandem beschreiben wollen, wo wir wohnen, sagen wir z.B. "Wenn Du von Game City nach Kgale Manor fährst, nimmst Du die zweite Straße auf der linken Seite, dort ist es das erste Haus auf der rechten Seite: grünes Tor, grünes Dach". Wenn wir sagen würden, dass wir in der Straße "Duo Close" wohnen, würden wir nur komisch angeschaut, denn dieser Straßennamen ist schlicht nicht bekannt.
Interessant wird diese Art der Navigation dann, wenn das Landmark, auf das man sich bezieht, nicht mehr existiert. Aber jeder weiß natürlich, wo es mal stand. Dann bekommt man z.B. gesagt "Fahre rechts am Nokia Haus, dann..." - obwohl in dem Haus schon längst nicht mehr Nokia sitzt.
Unser Haus hat die Grundstücksnummer ("plot") 51459. Jedes Grundstück in ganz Gaborone hat eine solche Nummer, auch darüber könnte man theoretisch navigieren - wenn man die Logik dahinter kennen würde. Es soll vor einigen Jahren wohl mal Stadtpläne gegeben haben, auf denen alle plots mit Nummerierung eingezeichnet waren - diese Karte ist jedoch längst vergriffen. Angeblich haben sehr gute Taxifahrer ein solches Verzeichnis, allerdings ist mir noch kein solcher Taxifahrer untergekommen.
Zur Navigation nutze ich in der Regel die Straßennamen und suche diese bei Google Maps. Ist meine Verwendung von Straßennamen in Gaborone somit neumodisch? Dann wäre ich ja voll der Trendsetter ...

Freitag, 13. Oktober 2017

Verhaftet

Botswanische Autos müssen eine kreisförmige Lizenz hinter der Windschutzscheibe kleben haben. Diese ist immer ein Jahr gültig und muss dann verlängert werden. Für unseren Golf brauchten wir ab Oktober eine neue. Philip entschied sich, die online Verlängerung auszuprobieren, die über die Botswana Post lief. Er scherzte noch, denn unsere Erfahrungen mit der hiesigen Post sind ja eher bescheiden. Allerdings hatten wir bislang auch nur versucht, Briefmarken zu kaufen und Briefe zu verschicken - vielleicht würden sich die Botswana Post ja in Bezug auf andere Dinge als kompetenter erweisen ...

Philip bezahlte das Geld für die neue Jahreslizenz (196 Pula, ca. 16 €) online per Kreditkarte, als wir in Windhoek waren. Nach unserer Rückkehr hofften wir, sie vorzufinden. Waren dann aber beide nicht wirklich überrascht, dass dem nicht so war.
Inzwischen war es schon Oktober. Und am 4. Oktober bin ich dann mit dem Golf in die Innenstadt gefahren, wie ich es öfters tue. Philip fragte noch, ob ich nicht lieber das große Auto mit gültiger Lizenz nehmen wollte, aber ganz ehrlich: Ich war in Gaborone bislang vielleicht zweimal kontrolliert worden. Was sollte schon passieren?

Es war ein typischer Fall von Murphy's Law: Kurz vor meinem Ziel kam ich in eine Straßensperre, in der die Lizenz jedes einzelnen Autos kontrolliert wurde - so eine innerstädtische Kontrolle hatte ich noch nie erlebt. Na ja, und dann ging alles seinen Gang: Ich musste aussteigen, meinen Autoschlüssel abgeben und wurde dann von einem Polizisten in meinem eigenen Auto zur Polizeistation im Stadtteil Broadhurst gefahren. Immerhin war der Polizist recht freundlich. Was eventuell auch daran lag, dass er nebenbei versuchte, Geld für sein Mittagessen von mir zu erschnorren. War das schon ein Bestechungsversuch - wollte er bestochen werden und wie sollte ich reagieren? Allerdings war klar, dass er nur derjenige war, der mich beim zuständigen Revier abliefern sollte - ihm Geld für ein Mittagessen zu geben, hätte mich wohl kaum weitergebracht. Ich wollte allerdings auch nicht ablehnen und ihn verärgern. Außerdem wollte er nur 20 Pula, umgerechnet ca. 1,65 € ... aber ich hatte doch gerade andere Sorgen. Also sagte ich, ich würde erstmal abwarten, welche Strafe ich zahlen müsste - mal schauen, ob ich dann noch Geld übrig hätte. Das sah er dann sogar ein.

Beim Polizeirevier in Broadhurst wurde ich in ein Büro mit ca. acht Polizisten geführt; alle saßen um zwei Tische herum und unterhielten sich angeregt. Mir wurde der einzige freie Stuhl angeboten, ich schilderte dem offensichtlich ranghöchsten Polizisten unsere online Lizenzbestellung, auf die mit Unverständnis reagiert wurde (warum man so etwas denn online bestellen würde?) und sollte mich dann zu einer Polizistin setzen, die handschriftlich ein Protokoll aufnahm. Von Germany hatte sie noch nie etwas gehört und konnte mit der beglaubigten Kopie meines Dienstpasses nur wenig anfangen. (Wir tragen hier standardmäßig eine von der Deutschen Botschaft beglaubigte Passkopie mit uns herum - diese reicht, um sich auszuweisen, und sollten wir doch mal beklaut werden, ist nicht gleich der Originalpass weg.) Das Gespräch war für uns beide mühsam, darüber hinaus schrieb sie sehr langsam. Mich hatten sie vor einen alten Computer gesetzt, der plötzlich ansprang. Auf der geöffneten youtube-Seite erklangen Lobpreislieder. Ich fühlte mich wie im falschen Film, und dann kam auch noch der Polizist, der mich gefahren hatte, ein letztes Mal vorbei, erinnerte mich an sein Mittagessen und schrieb sich meine Telefonnummer auf. Einziger Lichtblick war, dass Philip irgendwann zurückrief und mir dann seine Unterlagen zur Onlinebestelltung der Lizenz mailte. [Einschub Philip: Wenn man aus einer Besprechung kommt und auf seinem auf lautlos gestellten Handy zwölf entgangene Anrufe seiner Frau sieht, weiß man, was man als nächstes zu tun hat: zurückrufen.]

Der zuständige Polizist, der mir die online Lizenzbestellung bislang nicht wirklich abgenommen hatte, schickte mich daraufhin zur nächsten Post, um die Sache zu klären - mein Autoschlüssel, Führerschein und Passkopie wurden allerdings einbehalten. Die Postfiliale war nur gute fünf Minuten entfernt, ein weiterer Mitarbeiter der Behörde zeigte mir den Weg. Nachdem ich erst einmal 20 Minuten Schlange stand, schilderte ich mein Anliegen. Die Dame hinterm Schalter wollte mich zu einer anderen Post in die Innenstadt schicken, auf der Main Mall, mit dem Auto zehn bis 15 Minuten entfernt. Ich machte die Dringlichkeit des Ganzen deutlich, worauf sie sich gute zehn Minuten zum Telefonieren zurückzog. Das Ergebnis: Ich müsste wirklich zur Post auf der Main Mall. Aber immerhin schrieb sie mir noch den Namen einer Person auf, die dort mein Ansprechpartner wäre.
Ich ging erst einmal wieder bei der Polizei vorbei, um diesen Zwischenstand mitzuteilen. Der wortführende Polizist ließ mich ziehen. Ich bat ihn um meine Passkopie, falls ich mich auf der Post ausweisen müsse - er gab sie mir, wies mich aber an, auf jeden Fall wiederzukommen. Sah er tatsächlich Fluchtgefahr? Wegen einer fehlenden Lizenz? Hätte ich die Stadt verlassen wollen, hätte ich ihn vermutlich nicht um die Passkopie gebeten, sondern wäre nach Hause gefahren, wo das Original lag ... das nur am Rande, ich habe es ihm natürlich nicht auseinandergesetzt. Etwas fassungslos, ansatzweise auch ein kleines bisschen amüsiert und vor allem langsam fertig mit den Nerven forderte ich nun doch mal moralische Unterstützung in Form von Philip an, der daraufhin versprach, zur Post auf der Main Mall zu kommen. Dann suchte ich mir ein Taxi.

In Broadhurst lief außer mir niemand Weißes rum, was immerhin den Vorteil hatte, dass schon der erste Taxifahrer bei meinem Anblick spontan beschloss, den Kunden, auf den er eigentlich wartete, zu versetzen - ich war die lohnendere Fahrt und der Preis, den er mir nannte, immerhin nicht unverschämt.
Inzwischen wurde Philip von meinem Ansprechpartner bei der Main Mall-Post angerufen, der anscheinend von der Post in Broadhurst aufgescheut worden war. Er wartete dann tatsächlich auch mit der Lizenz auf Philip, als ich eintraf. Da die Registrierung auf Philip lief und ihm offensichtlich nicht erzählt worden war, dass nicht Philip selbst, sondern dessen Frau in Broadhurst auf der Post gewesen war, wollte er mir die Unterlagen nicht aushändigen, sondern lieber auf Philip warten. Unter anderen Umständen hätte ich das ziemlich albern gefunden, so überwog die positive Überraschung, dass wir die Lizenz jetzt wirklich bekommen würden. Ich verkürzte mir die Wartezeit, in dem ich dem Postmenschen mitteilte, dass uns die Polizei für verrückt hielt, weil wir versucht hätten, die Lizenz online bei der botswanischen Post zu verlängern ... etwas lahm antwortete er, es sei eigentlich ein gutes System, aber bei fünf Prozent der Kunden sei ihnen nicht angezeigt worden, dass diese bezahlt hätten und dann wären die Lizenzen nicht ausgestellt worden. Ach so. Was sollte ich dazu noch sagen? Neben Postzustellung, -beförderung, Auskünften zur Portohöhe und Briefmarkenverkauf gehört offensichtlich auch der Onlinehandel nicht zu den Stärken der Botswana Post.

Nach ein paar Minuten kam Philip, wir erhielten das Dokument und fuhren dann zusammen zurück zur Broadhurster Polizei, wo wir dem diensthabenden Polizisten die Lizenz präsentierten. Darauf kam es zu meiner Lieblingsszene: Er fragte Philip, ob Philip die jetzt schnell besorgt hätte, nachdem ich "arrested" worden wäre, oder ob er sie wirklich schon vorher bestellt hätte. Arrested - wer hätte gedacht, dass ich mal verhaftet werden würde ... Philip konnte einen Zahlungsbeleg vom 23.09. vorweisen. Daraufhin wurde meine Strafe verringert - es waren nun nicht mehr 500 Pula fällig, die Strafe für Fahren ohne gültige Lizenz, sondern nur noch 200 Pula für das Vergehen, die Lizenz nicht dabei gehabt zu haben. Eigentlich war nun also alles geklärt. Es gab nur noch ein letztes verbleibendes Problem: Auf der Polizeistation in Broadhurst hatte man keinen Quittungsblock. Wir mussten daher zur Polizeistation an der Main Mall (die übrigens drei Gehminuten von der Main Mall-Post entfernt ist, von der wir gerade kamen). Eine Polizistin begleitete uns. Immerhin dürften wir nun wieder mit dem Golf fahren.
Nachdem ich 200 Pula gezahlt hatte, brachten wir die Polizistin wieder nach Broadhurst zurück (wobei sie uns einen Umweg fahren ließ - sie wollte nur mal zwei Minuten zu Hause bei ihren Kindern nach dem Rechten schauen). Zwischendurch fragte sie noch, ob wir das Auto verkaufen wollten, sie sei auf der Suche nach einem billigen Wagen.
Zum Abschied schärfte sie mir ein, die neue Plakette sofort an die Windschutzscheibe zu kleben - selbst, wenn sie vorne im Auto lag, würde das so nicht gelten, ich könnte sofort wieder für das gleiche Vergehen verhaftet werden. Ich hatte nun allerdings keine Schere bei mir, um die runde Plakette aus dem DIN A4-Dokument auszuschneiden, von Tesafilm ganz zu schweigen ... also fragte ich sie, ob ich nochmal ins Büro kommen sollte. Sie sagte mir, sie hätten da auch keine Schere. Aber an meinem nächsten Ziel sollte ich mich unbedingt um das Aufkleben der Plakette kümmern. Habe ich dann auch gemacht.

Dieses ganze Hin und Her hat dreieinhalb Stunden gekostet - und mich jede Menge Nerven. Die Meinungen zu meinem Erlebnis, das sich in der deutschen Community faszinierend schnell rumgesprochen hat, sind geteilt. Volker, ein schon fast 20 Jahre hier lebender deutscher Elektriker, tröstete mich damit, dass ihm schon einmal genau das Gleiche passiert sei. Thomas, ein Bekannter, befand, dass das Ganze nach einem typischen Botswana-Erlebnis klang. Philips Chef stellte fest, dass seine Plakette auch abgelaufen war und kümmerte sich direkt am nächsten Tag um eine neue. Meine Freundin Ruth vermutete Schikane, weil ich weiß bin. So nervig das Ganze für mich war, war aber immerhin niemand unfreundlich zu mir - schikaniert fühlte ich mich eigentlich nicht. Ich teile daher Philips Einschätzung: Vermutlich wollten alle ganz besonders korrekt sein, weil ich weiß bin. Unsere simbabwische Haushaltshilfe Patricia meint, ich hätte den Polizeibeamten einfach 50 Pula geben sollen, dann wäre die Sache vergessen gewesen - so würde das zumindest laufen, wenn sie ohne Aufenthaltserlaubnis geschnappt werden würde o.ä. Philip und ich nehmen allerdings an, dass das bei mir nicht ganz so gut funktioniert hätte. Aber wer weiß?

Mittlerweile liegt dieser Vorfall über eine Woche zurück. Und ist das Ganze nun erledigt? Fast; irgendwo läuft noch ein Polizist rum, der gerne 20 Pula für ein Mittagessen von mir hätte. Mal schauen, ob der sich nochmal meldet. Vielleicht schmiere ich ihm dann ein Käsebrot ...

Mittwoch, 11. Oktober 2017

Wüste, Berge und Meer

Nach einer Konferenz in Windhoek, an der ich aktiv teilnahm, konnten Walli und ich noch etwas Namibia entdecken (Walli schrieb hier schon zu unseren Camping-Erfahrungen im neuen Dachzelt). Bzw. wenn ich ehrlich bin, dann entdeckte ich und Walli zeigte mir Namibia, denn für sie war es ja bereits der dritte Namibia-Aufenthalt in diesem Jahr, für mich der erste überhaupt. Auch wenn wir grundsätzlich Ziele ansteuerten, die sie bereits kannte, gab es auch für sie noch genug Neues.

Zunächst einmal muss ich sagen, dass (auch) ich ganz fasziniert bin von der Vielfalt der Landschaften Namibias. Kurz nach der Grenze zwischen Botswana und Namibia wird der Trans-Kalahari-Highway abwechslungsreich: Die Vegetation wird leicht üppiger, die Straße führt über Hügel und durch kleinere Täler, in der Entfernung sind Berge zu sehen - ein fast typisches Landschaftsbild, das uns auch auf unseren weiteren Touren durch Namibia begleitete. Im Vergleich zu Botswana sind zwar offenbar weniger Straßen asphaltiert, die restlichen sind als (major/minor) Staubstraßen aber in einem guten Zustand und lassen Geschwindigkeiten von 80 km/h zu, so dass man trotz großer Entfernungen einigermaßen voran kommt.

Unser erstes Ziel war der Sesriem Nationalpark mit dem Soussousvlei: rotsandige Dünen im Landesinneren, die allein schon sehenswert sind. Im bekanntesten Dünental liegt weißer Sand, dazu ein paar 600 Jahre alte verdorrte Baumstämme. So hat man den Kontrast zwischen blauem Himmel, roten Dünen, weißem Sand und schwarzen Baumstämmen - sehr faszinierend.
Nachdem wir uns umgeschaut hatten, erklommen wir - in der Mittagshitze - eine Düne, von der aus wir einen tollen Blick auf besagtes Dünental und die Umgebung hatten. Wenn wir an dem Tag nicht noch hätten weiterfahren wollen, wären wir gerne noch länger geblieben.




Die Weiterfahrt führte uns durch Teile der Namib-Wüste. Auch hier zeigte sich die Landschaft abwechslungsreich: In der Entfernung immer wieder Berge, farbliche Kontraste zwischen Himmel, Bergen und Boden.


Nach einer Übernachtung gönnten wir uns einen Umweg von 200 km und fuhren durch die Berge, zwei bis drei Bergpässe inklusive mit entsprechend tollen Ausblicken.


Einen weiteren Pass und eine längere Fahrt durch die Wüste später kamen wir in Swakopmund an (gefühlt schon Wallis zweite Heimat?). Wir passten beim Parken unseres Autos auf (wir wollten ja nicht Fensterlos durch Swakopmund irren) und Walli zeigte mir die Stadt. Wir spazierten plötzlich am Meer entlang! Innerhalb eines Tages kamen wir so an Wüste, Bergen und Meer vorbei - fast etwas überwältigend. Schwarzwälder Kirschtorte im Cafe Anton gehörte offenbar zum Pflichtprogramm, die größte deutsche Buchhandlung hatte bereits geschlossen (es war ja schon Samstagnachmittag), ich sah Fachwerkhäuser und Häuser mit Dachschindeln; überhaupt fühlte es sich bei bewölktem Himmel und 15°C fast an wie in Deutschland. Supermärkte mit vielen deutschen Produkten hatten wir bereits in Windhoek leergekauft (Laugenbrötchen! Gutes Brot! Mettwürstchen! 3-lagiges Toilettenpapier!).

Ich bin also schwer begeistert von Namibia - ein Land der (sicher nicht nur landschaftlichen) Kontraste, abwechslungsreich - und eben ein klein wenig Deutschland in Afrika. Ich kann schon jetzt sagen: Bis bald, Namibia!

Donnerstag, 5. Oktober 2017

Camping auf dem Autodach

Philip und ich hatten schon länger geplant, ein Dachzelt zu kaufen. Im April war uns ein gebrauchtes angeboten worden, die Kaufvereinbarung zerschlug sich dann aber im Juli. Seitdem überlegten wir: Würde sich der Kauf eines neuen Zeltes für uns lohnen? Würden wir es oft genug nutzen? War es uns das wert? Wir waren Ende Juli sogar mal nach Südafrika gefahren, mussten da aber feststellen, dass sich ein Dachzelt nicht auf die Schnelle kaufen und montieren lässt. Aber täte es nicht überhaupt auch ein normales Bodenzelt? Natürlich kann man auch damit prima campen gehen. Ein Dachzelt ist allerdings bequemer: Es ist in weniger als fünf Minuten auf- oder abgebaut, man hat es immer bei sich und liegt bequemer als auf dem Boden. Am wichtigsten war uns allerdings, dass man in einem Dachzelt eben nicht auf dem Boden schläft - schließlich werden wir sicher auch mal in Gegenden zelten, in denen es Raubtiere gibt. Hyänen und Co. versuchen zwar in aller Regel nicht, in geschlossene Zelte einzudringen, aber auch durch eine dünne Zeltwand wollen wir Löwen nicht unbedingt auf Augenhöhe begegnen ... also: Ein Dachzelt hat generell viele Vorteile.

Gaborone ist nicht unbedingt "the place to be", wenn man ein Dachzelt kaufen will. Es gibt hier - neben einer südafrikanischen Kette für Campingbedarf, die aber keine Dachzelte anbietet - genau einen Safari-Laden, der für Autos unserer Art genau ein Dachzeltmodell hat - und das ist ganz schön teuer. Und relativ groß. Bei einer Kollegin von Philip hatten wir dagegen eine windschnittigere Variante gesehen, die uns besser gefiel. Übers Internet fand Philip schließlich einen Laden in Windhoek, der unser Wunschzelt für uns bestellen wollte. Es wurde vereinbart, dass wir während Philips Dienstreise zur Montage vorbeikommen könnten. Nachdem wir samstags den Trans-Kalahari-Highway bezwungen hatten, fuhr ich dann also letzte Woche Montag vom Hotel zum Autotuning-Laden, und diesmal hatten wir Glück: Der Manager erzählte, dass von den zwei Zelten, die sie im Vormonat bestellt hatten, eines tatsächlich an diesem Morgen angeliefert worden sei. Und das konnten die Mitarbeiter dann im Laufe des Tages auf unser Auto montieren. Als ich gegen 17:30 Uhr mit Auto und Zelt wieder beim Hotel ankam, machte ich einfach mal ein Foto von beidem und schickte es Philip, der seine Konferenz daraufhin für ein paar Minuten Konferenz sein ließ und schnurstracks auf den Parkplatz kam.


Endlich sind wir also stolze Dachzeltbesitzer! Wie man sieht, ist unser Zelt quasi muschelförmig nach oben ausklappbar. Innen ist der gesamte Boden von einer Matratze bedeckt, es gibt noch Seitentaschen, aber ansonsten ist es wirklich nur zum Schlafen und bietet keinen weiteren Stauraum. Aber den brauchen wir auch nicht, dafür haben wir ja das Auto. Die Leiter ist zusammenklappbar und kann während der Autofahrten im zugeklappten Zelt transportiert werden. Alles sehr durchdacht!

Natürlich wollten wir unser neues Zelt schnellstmöglich einweihen. Die Vorfreude ging nicht ganz so weit, als dass wir die Nacht auf dem Hotelparkplatz verbracht hätten, aber für die Tage nach der Konferenz buchte ich uns auf die Schnelle noch auf ein paar Campingplätzen ein - was gar nicht so einfach war, in Namibia ist gerade Hochsaison. Aber einige ließen sich dann doch noch finden, und so verbrachten wir unsere erste Nacht im Dachzelt auf einem der zu einer namibianischen Farm namens Hauchabfontein gehörenden Stellplätze. Es gab Dusche und Toilette, die wir uns mit zwei anderen Parteien teilten, wir hatten außerdem ein eigenes Waschbecken mit fließend Wasser am Stellplatz und eine Feuerstelle. Es war sehr ruhig und friedlich. Ein guter Start mit unserem Zelt!


Das zweite Camp war dann spektakulärer. Unser Stellplatz war auf einer Anhöhe mit einem tollen Blick über eine Ebene. Allerdings stand unser Auto da ziemlich exponiert und nachts kam ein ordentlicher Wind auf. Zelt und Auto schaukelten sachte hin und her und ich machte mir im Halbschlaf ein paar Gedanken über den Zustand unserer Bremsen. Ansonsten war es aber sehr gemütlich und das Auto ist dankenswerterweise auch nicht den Hang hinuntergerollt.


Der dritte Stellplatz bot weder einen tollen Blick noch sonderlich viel Privatsphäre, dafür war der Campingplatz von einer Mauer mit Elektrozaun umsäumt - wir waren in Swakopmund. Hier bekamen wir tatsächlich einen Schlüssel ausgehändigt, für ein winziges Reihenhäuschen, das zu unserem Stellplatz gehörte. Wenn man die Tür öffnete, stand man direkt im Badezimmer - und mehr war in diesem Häuschen dann auch nicht drin. Es ist schon seltsam, ein Häuschen zu haben, das von außen ganz solide aussieht und dann davor auf dem Auto zu schlafen ... dafür hätten wir hier sogar einen Stromanschluss. Es war alles sehr durchdacht, aber so richtig Atmosphäre kam in dieser Reihenhaus-Campingsiedlung dann doch nicht auf.

 

Unsere letzte Campingstation war schon kurz vor der Grenze zu Botswana. Das "Kalahari Bush Break" gab sich nicht sonderlich viel Mühe, zu gefallen, der Campingplatz war dafür auch der Billigste. In der Ferne sahen wir Blitze und Wetterleuchten und hofften, dass der Regen uns verschonen würde; er blieb dann auch tatsächlich auf der botswanischen Seite. Bis zu einem bestimmten Grad ist unser Dachzelt regenfest, aber unsere Lust, das gleich auszutesten, hielt sich doch in Grenzen.


Das waren nun unsere ersten Campingerfahrungen. Wir sind sehr begeistert - so begeistert, dass das Zelt dieses Wochenende gleich wieder zum Einsatz kommen wird!

Dienstag, 3. Oktober 2017

Auf dem Trans-Kalahari-Highway

Im Botswana-Reiseführer des DuMont-Verlages wird ein kleines Loblied auf den Trans-Kalahari-Highway gesungen. Er würde dafür sorgen, dass man "theoretisch [...] in einem Sportwagen von Johannesburg nach Windhoek [...] gelangen" kann. Philip und ich haben in den letzten eineinhalb Wochen verschiedene Teilstücke dieses Highways befahren, allerdings nicht in einem Sportwagen, sondern mit unserem großen Schluckspecht. Außerdem sind wir nicht in Johannesburg gestartet, sondern erst im botswanischen Kanye auf den Highway gefahren (knappe 100 km südwestlich von Gaborone). Von dort sind es noch 1.024 km nach Windhoek, ab Gaborone also insgesamt um die 1.100 km - die wir nun bereits zweimal mit dem Auto zurückgelegt haben, am 23.09. sogar innerhalb eines Tages.


Ich habe Philip erstmals auf eine Dienstreise begleitet. Im Anschluss wollten wir noch ein paar Tage durch Namibia reisen. Es lag nicht nur aus Kostengründen nahe, mit dem Auto zu fahren - wir wollten in Windhoek auch ein Dachzelt für unser Auto kaufen, aber dafür musste dieses eben erstmal nach Windhoek kommen. Wir kennen mehrere Leute, die die Strecke schon selbst gefahren sind, sie haben sie jedoch in der Regel auf zwei Tage verteilt. Wir hatten aber auf dem Hinweg nur einen: Freitag musste Philip regulär arbeiten und Sonntag bei der Konferenz in Windhoek sein - uns blieb also der Samstag, um den Weg zurückzulegen.

Im südlichen Afrika ist es ratsam, auf Überlandfahrten im Dunkeln zu verzichten. Straßen und auch andere Fahrzeuge sind teilweise sehr schlecht beleuchtet, aber die größte Gefahr sind Tiere: Kühe, Ziegen, Esel - besonders letztere stellen sich vor allem nachts gerne auf Teerstraßen, wenn diese noch vom Tag aufgewärmt sind. Man hört immer wieder von Leuten, die Unfälle mit Kühen oder anderen Tieren hatten. Diese gehen auch öfters tödlich aus - für Tier und Mensch.

Wir wollten also zwar möglichst früh aufbrechen, aber nicht vor der Morgendämmerung. Schließlich war es 5:50 Uhr, als wir losfuhren, immerhin lange vor der Rush Hour rund um Gaborone. Und spätestens auf dem Trans-Kalahari-Highway war dann eh kaum noch was los bzw. je weiter wir kamen, desto mehr nahm der ohnehin geringe Verkehr ab. Der Tempomat unseres Autos konnte teilweise über eine Stunde lang unbehelligt auf 120 km/h eingestellt bleiben (das ist die hiesige Maximalgeschwindigkeit). Andere Autos sah man irgendwann höchstens noch im Viertelstundentakt. Trotzdem hieß es aufmerksam bleiben, da sich ab und an Kühe, Ziegen und auch Esel auf die Straße verirrten oder am Rand grasten. Auch Strauße sahen wir immer wieder. Und dann war da noch eine Gruppe Perlhühner, die im Gänsemarsch über den Trans-Kalahari-Highway lief und von denen eins sehr unglücklich mit unserem linken Außenspiegel kollidierte. Leider ist das beiden nicht gut bekommen.

Der DuMont-Reiseführer schreibt, dass man auf dem Highway "die gesamte Bandbreite der landschaftlichen Schönheit Botswanas" erfährt. Das ist ehrlicht gesagt ziemlicher Nonsens. Bei "landschaftlicher Schönheit Botswanas" denke ich an das Okavango Delta oder den Chobe Nationalpark, nicht an braunes Buschland, kurzes, gelbes Gras und vereinzelte Bäume, soweit das Auge reicht. Auch von einer "Bandbreite" zu sprechen, ist ziemlich übertrieben. Wir hatten eigentlich überlegt, während der Fahrt immer wieder Fotos zu machen, das aber dann schnell aufgegeben - sie hätten nämlich alle ähnlich ausgesehen:




Ansonsten kann ich mich aber nicht beschweren, wir kamen nämlich wunderbar durch. Erst fuhr Philip knappe 400 km, dann fuhr ich knappe 400 km und dann waren wir auch schon an der Grenze zu Namibia, mit einer Durschnittsgeschwindigkeit von 100 km/h - besser hätte es nicht laufen können. An der Grenze dann schon, der Grenzübergang kostete uns trotz geringen Betriebs eine volle Stunde (an dieser Stelle wieder einmal ein Hoch auf das Schengener Abkommen). Aber danach waren es nur noch gute 300 km nach Windhoek, auch hier die meiste Zeit durch kaum besiedeltes Buschland. Nach insgesamt elf Stunden und 15 Minuten kamen wir am Ziel an, doch etwas erledigt, aber sehr zufrieden mit dem Verlauf dieses Tages. Die Rückfahrt neun Tage später gingen wir wesentlich entspannter an - weil wir die Strecke nun bereits kannten und sie außerdem nicht komplett an einem Tag zurücklegen mussten.