Neulich hatten wir ja unsere Nachbarn eingeladen. Als ich nachmittags im Zuge der Vorbereitungen gerade unseren Brotbackautomaten angestellt hatte, während die Muffins im Ofen noch ein paar Minuten brauchten, wollte ich die Zeit nutzen, um ein Foto an eine Freundin zu schicken. Dabei merkte ich, dass das Internet gerade nicht ging - das kommt hier ab und an vor und irritierte mich daher nicht weiter. Als der
Küchenwecker klingelte, warf ich einen Blick auf die Muffins und beschloss, ihnen
noch fünf Minuten zu geben. In dem Moment fiel mir auf, dass der Ofen aus
war. Und der Brotbackautomat. Das Internet war also auch nicht einfach so ausgefallen, sondern der Router lag stromlos lahm. Ich dachte leicht genervt: "Ach, Afrika!" Stromausfälle kommen zwar nicht häufig vor, aber doch gelegentlich - wobei dieser äußerst ungelegen kam ... aber was soll man machen. Ich spülte erstmal eine Runde ab, so lange das Wasser im Boiler noch
heiß war. Und währenddessen kam mir glücklicherweise noch ein ganz anderer Einfall.
Hier in Botswana haben wir Prepaid-Strom. Die Idee dahinter kennt man von Prepaid-Handys: Man zahlt vor der Nutzung, nicht hinterher. Hier gehen wir mit unserer Zählernummer in eine Filiale der Supermarktkette "Shoprite", stellen uns an der Kasse an, zeigen der Kassiererin die Nummer und sagen, in welchem Wert wir gerne Strom hätten. Sie lädt unser Geld dann an ihrer Kasse auf unser Benutzerkonto und im Gegenzug erhält man als Kunde eine Quittung mit einer 16-stelligen Nummer. Diese gibt man zu Hause in den eigenen Stromzähler ein und lädt sein Stromkonto so auf.
Unseres war immer recht voll gewesen, aber wir hatten es beide schon länger nicht mehr angeschaut. Also ging ich in den Hof, zog und drückte an der verzogenen Metalltür des Zählerkastens und stellte schließlich fest, dass da tatsächlich ein rotes Lämpchen leuchtete ... so ist das also, wenn einem der Strom abgestellt wird. Zum Glück haben Philip und ich immer einen Stromkauf-Kassenbon in Reserve, ich gab also schnell die Nummer ein und schon funktionierte wieder alles.
"Afrika" traf also keine Schuld und beim nächsten Mal werde ich sicher schneller auf die Idee kommen, dass der Fehler bei uns liegen könnte. Manche Ereignisse passen aber eben zu den Vorurteilen, die man - ob gerechtfertigt oder nicht - nun mal hat. Dabei habe ich den längsten Stromausfall, an den ich mich überhaupt erinnern kann, nicht in einem afrikanischen Land, sondern in Bovenden bei Göttingen erlebt ... und das trotz Postpaid-Strom!
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