Dienstag, 29. Januar 2019

Verschnitten

Als wir aus unserem diesjährigen Heimaturlaub zurückkamen, waren wir gerade auf dem Rückweg vom Flughafen, als mich die SMS von einem unserer Vermieter erreichte: "Hi, are you guys back yet?" Waren wir ja noch nicht ganz, aber kurz darauf und sahen ihn dann auch gleich: Mattias und sein Sohn hatten vor unserem Tor geparkt und schnitten gerade die Büsche an der Außenmauer zurück. Das war super - unser Gärtner hatte mich bereits Anfang Dezember angesprochen, dass das mal wieder in Angriff genommen werden müsste. Hier gibt es zwar keinen Bürgersteig, auf dem Leute laufen könnten, aber trotzdem versuchen Fußgänger natürlich, nicht auf der Straße zu gehen und so war bei den Bougainvilléen, anderen Büschen und Bäumen schon öfters etwas abgeknickt worden. Ich hatte unseren Vermietern allerdings noch gar nicht Bescheid gegeben - wie schön, dass sie das gerade von selbst erledigten!

Die Freude währte nur kurz - einen Tag später kam Philip von der Arbeit nach Hause und stellte fest, dass da nochmal jemand am Werk gewesen war, der sich wesentlich grobmotorischer als unser Vermieter angestellt hatte. Der ziemlich traurige Anblick passte zu Philips etwas verkorkstem Start nach unserem Heimaturlaub.


Ich hatte morgens noch eine SMS unseres Stromanbieters bekommen, dass von 9 bis 16h der Strom abgeschaltet werden würde, da in der Zeit Bäume in der Nähe von Strommasten beschnitten werden sollten. Prinzipiell machte das Sinn - momentan ist ja Regenzeit, Gewitter gehen hier oft mit Sturm einher, ab und an stürzen Bäume dabei um und in Stromleitungen. Was folgt, sind Stromausfälle, denn in Botswana sind sämtliche Stromleitungen oberirdisch verlaufend und dadurch ziemlich störungsanfällig. Als ich die SMS bekam, hatte ich also durchaus Verständnis und freute mich noch über das gute Timing, war ich an diesem Tag doch eh von früh morgens bis spät abends unterwegs. Dass bei uns so ein Kahlschlag erfolgen würde, hatte ich allerdings nicht erwartet. Die Botswana Power Corporation hatte sich ohne Rücksicht auf Verluste ausgetobt - ein Teil der nicht gerade kleinen gekappten Äste war in unseren Elektrozaun gefallen. Dass dieser nicht weiter beschädigt worden war, war reines Glück.


Unser Vermieter nahm es gelassen. Er hatte entlang der Straße schon Bäume gesehen, die sich von dem rabiaten Schnitt vermutlich nicht mehr erholen, während unsere hoffentlich nachwachsen werden. Wir waren uns allerdings einig, dass einen das Stromunternehmen in einer perfekten Welt eine Woche vorher informiert hätte, damit man selbst zur Säge hätte greifen können, bevor es jemand tut, der einfach nur absäbelt ... aber wo ist die Welt schon perfekt? In den Tagen danach holte die Botswana Power Corporation immerhin den Großteil der Zweige ab.

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