Am Pfingstwochenende haben wir unseren ersten größeren Ausflug in Botswana unternommen. Er führte uns ins Khama Rhino Sanctuary, ein Schutzgebiet für Nashörner. Die Hinfahrt dauerte ca. 3:45h und gestaltete sich sehr unkompliziert, so viele große Straßen gibt es in Botswana nämlich gar nicht. Bereits in Gaborone fuhren wir auf die A1 und folgten der über zwei Stunden. A1 klingt nach Autobahn und die ersten 40 km fühlte sich die Straße auch wie eine an; jede Richtung war zweispurig (wurde dann aber einspurig). Abgesehen davon gab es ein paar Ampeln, mehrere Bushaltestellen und Anhalter am Straßenrand, jede Menge Kühe und einige Ziegen, die aber in der Regel brav grasten und keine Anstalten machten, auf die Straße zu laufen. Die A1 führt nicht nur durch Gaborone, sondern auch durch die Städte Mahalapye und Palapye; in Palapye mussten wir links abbiegen (und hatten dazu eigentlich auch nur eine Möglichkeit), im nächsten Ort Serowe dann nochmal rechts und dann waren wir auch schon fast da. Karten lesen ist hier also nicht so wahnsinnig schwierig.
Das Khama Rhino Sanctury wurde 1992 von der botswanischen Regierung gegründet. Damals wurden die letzten 5 (!) in Botswana lebenden Nashörner dorthin gebracht - die Tiere waren von Wilderern fast ausgerottet worden. Für Nashornhorn wurden und werden irre Preise gezahlt (höhere Preise als für Gold!) - es gilt in asiatischen Ländern als Aphrodisiakum. Dabei besteht Nashorn aus Keratin - der Autor unseres Botswana-Reiseführers schreibt dazu sehr anschaulich: "Würden die Vietnamesen und Chinesen ihre Fingernägel kauen, hätte das die gleiche medizinische Wirkung wie die Einnahme des gemahlenen Nashornhorns". Wie seltsam, dass sich diese Erkenntnis nicht durchsetzt - 2014 wurden in Südafrika 1215 Tiere von Wilderern ermordet.
Mit diesem Wissen ist es kein Wunder, dass das 43 Quadratkilometer große Khama Rhino Sanctuary von Anti-Wilderereinheiten der botswanischen Armee bewacht wird. Das Gelände ist von einem Elektrozaun umschlossen und wir haben zweimal Soldaten getroffen, die ebenfalls in ihren Autos durch das Naturschutzgebiet streiften, Präsenz zeigten und ein Auge auf alles hatten.
Im Khama Rhino Sanctuary hatten wir ein Chalet gemietet. Es war von außen recht hübsch, von innen schon ziemlich abgewohnt, aber insgesamt in Ordnung.
Da unser Auto ja Vierradantrieb hat, konnten wir auf den Sandwegen selbst auf Pirschfahrt gehen und mussten uns keinen vom Naturschutzgebiet organisierten "Game Drives" anschließen. Nach unserer Ankunft am frühen Nachmittag sind wir daher auch ziemlich bald wieder losgezogen und entdeckten erste Impalas, Warzenschweine, Gnus und Zebras. Anfangs waren die Wege links und rechts von Buschland gesäumt, da war es gar nicht so einfach, die Tiere zu entdecken. Es gab aber auch zwei große offene "Pfannen", in der einen namens "Malema Pan" war sogar etwas Wasser / Schlamm. Die Wege führten uns nicht allzudicht ran, aber trotzdem hatten wir einen sehr schönen, offenen Blick auf die Tiere.
An anderer Stelle sahen wir dann ein erstes Nashorn, das Philip identifizierte (es sah so liegend und von hinten mehr wie ein grauer Fels aus, aber die Öhrchen bewegten sich).
Später hatten wir nochmal großes Glück, als wir im Busch an einem kleinen Schlammloch vorbeifuhren und dort ganz nah ein Nashorn sahen, das sich von uns nicht stören ließ.

Der 15. Mai begann für uns dann sehr früh: Der Wecker klingelte um 5:30 Uhr, ab 6 Uhr hatten wir eine Nashorn-Tracking-Tour gebucht. Zwei Ranger holten uns mit einem Safariauto ab, wir fuhren relativ schnell eine gute halbe Stunde lang durch das Naturschutzgebiet. Trotz des Tempos sahen wir einige Tiere: Giraffen, die im ersten Morgelicht an der Malema Pan standen und tranken, eine Nashornfamilie in der Steppe (die aber ja zum einen nicht mehr aufgespürt werden musste, zum anderen nähert man sich Nashörnern mit Jungen lieber nicht) und jede Menge verschiedener Antilopen - schon das war wunderschön. Im Buschland hielten die Ranger dann nach Spuren Ausschau - auf den Sandwegen sind diese gut erkennbar, wobei ich die Vielzahl der Spuren weder richtig identifizieren noch deuten könnte. Schließlich fanden sie eine Stelle, wo die Nashörner - drei ungefähr - in den Busch abgebogen waren, und da stiegen wir dann aus.
Unser Ranger hatte für alle Fälle ein geladenes Gewehr dabei; wir waren angewiesen worden, neben gutem Schuhwerk am besten gedeckte, dunklere Kleidung anzuziehen. Aber zunächst stand kein unmittelbarer Kontakt zu den Nashörnern an, wir mussten sie erstmal finden. Die Spuren waren von gestern Abend (woran auch immer man das erkennen konnte) und der Ranger erklärte uns, dass Nashörner zwei Schlafeinheiten pro Nacht haben und sich nach jeder sichtbar erleichtern ... diese Spuren galt es erstmal zu identifizieren. Der Ranger orientierte sich an Abdrücken, die wir kaum wahrnahmen, abgeknickten/-gefressenen Gräsern und so liefen wir querfeldein hinter ihm her durch den Busch, blieben an Dornen hängen und bückten uns unter gigantischen Spinnennetzen hindurch.

Ich war voller Bewunderung, dass jemand die Natur so lesen kann - Philip dagegen weniger gutgläubig; er zweifelte doch, ob wir wirklich immer Spuren folgten oder der Ranger nicht auch manchmal im Dunkeln tappte. Auf jeden Fall waren wir offensichtlich länger als geplant unterwegs - der uns führende Ranger schickte schließlich seinen Kollegen zurück, damit dieser das Auto nachholen könnte, wenn wir fertig wären. Irgendwann fanden wir dann den deutlich erkennbaren ersten Schlafplatz - so ein Nashorn hinterlässt ja doch eine flache Kuhle im sandigen Boden, wenn es sich hinlegt. Kurz darauf fanden wir enorme Nashornhaufen, in die der Ranger beherzt reingriff, um die Temperatur zu fühlen. Es war der erste Schlafplatz, den zweiten fanden wir kurze Zeit später. Ab da hieß es noch genauer darauf zu achten, wo man hintrat und sich möglichst leise zu bewegen - Nashörner sehen sehr schlecht, riechen und hören aber dafür recht gut. Schließlich sahen wir sie, zumindest zwei von drei. Und sie bemerkten uns auch und rannten los - nicht auf uns zu, sondern in die entgegengesetzte Richtung. Breitmaulnashörner flüchten vor Menschen - Spitzmaulnashörner (die noch seltener sind), greifen eher an. Sie hinterlassen andere Spuren und man folgt bei Tracking-Touren daher nur Breitmaulnashörnern. Während uns das gestrige Nashorn - vermutlich in dem Bewusstsein, dass wir im Auto auf dem Weg bleiben würden - relativ ignoriert hatte, brachten sich diese hier lieber in Sicherheit. Wir folgten ihnen und sahen sie noch zweimal, aber Nashörner sind doch ganz schön schnell!
Unser Buschspaziergang dauerte insgesamt fast eineinhalb Stunden und war ein interessantes Erlebnis und nochmal ganz etwas anderes, als die Tiere vom Auto aus zu sehen. Aber ohne Ranger darf man natürlich nicht aussteigen und schon gar nicht in den Busch laufen; es ist zu gefährlich.
Nach einem Frühstück begaben wir uns dann wieder mit unserem Auto auf Pirschfahrt und hatten an diesem Tag ein Riesenglück. Vor uns auf dem Weg lief plötzlich ein Leopard - ich hatte noch nie einen gesehen. Wir konnten ihm eine Weile folgen und waren sehr begeistert von seiner Eleganz.
An der Malema Pan sahen wir außerdem Nashörner - gleich zwei Familien! Mit der Zeit gesellten sich auch noch Giraffen und Warzenschweine dazu, sowie Antilopen und Zebras. Wir saßen über eine Stunde im Auto und beobachteten sie einfach nur. Zum Geburtstag hatte ich ein Fernglas bekommen, was uns wunderbare Dienste leistete.
Trotz der großen Tiervielfalt sahen wir einen Tag später an Philips Geburtstag auch nochmal welche, die uns noch nicht begegnet waren: Als wir gegen 8:15 Uhr ankamen, liefen gerade zwei Schakale zur Malema Pan. Nach fünf Minuten waren sie wieder im Steppenland verschwunden. Wir setzten unseren letzten Game Drive fort und machten uns dann wieder auf den Rückweg nach Gaborone. Am Montag war auf der Straße weniger Verkehr als am Samstag und es fuhr sich sehr gut. Was ein schönes Geburtstagswochenende!