Samstag, 28. Mai 2016

Löwenfrühstück

Wir diskutieren ja immer noch ein wenig, wie wir hier weitere Urlaube in Botswana verbringen. Ein Großteil der Lodges in den Nationalparks ist, nun ja, vielleicht doch nicht ganz für unseren Geldbeutel ausgelegt (obwohl, ich könnte ja auch mal online Lotto spielen...). Diese Woche bin ich zufällig wieder einmal auf die Website einer traumhaften Lodge gekommen. Bei ca. 5.500 US-$ pro Nacht und Person (immerhin, all inclusive bis auf den Champagner) hörte ich dann auf, weiter diese Website zu betrachten. Die Alternative zu einem Lodge-Urlaub wäre ein Zelt-Urlaub (und wir hoffen weiterhin, auch noch andere bezahlbare Unterkünfte zu finden).
Heute schickte mir Walli einen Link zu einem Video, das im Kalagadi Transfrontier-Nationalpark an der Grenze von Südafrika, Namibia und Botswana auf einem Zeltplatz aufgenommen wurde.


Die Zeltbewohner wurden wohl aufgeweckt durch Löwen, die den Tau von den Zeltplanen abschleckten. Eine spannende Art, aufzuwachen! Ich schrieb' ja glaube ich schon mal, dass Botswana ein eher trockenes Land ist... da muss man wohl auf jeden Tropfen Wasser zurückgreifen, der verfügbar ist.
Nun überlegt eine/r von uns beiden, ob Zelturlaub hier wirklich eine clevere Idee ist. Ich habe mir jedenfalls schon mal den Campingplatz notiert, auf dem das Video entstanden ist.... [Walli: Für meine no-go-Liste ebenfalls notiert.]

Freitag, 27. Mai 2016

Unser Kiez

Wir leben in einem Viertel namens "Kgale View". Es heißt so, weil man von hier einen sehr guten Blick auf den "Kgale Hill" hat - das ist quasi der Hausberg von Gaborone. Zu Philips Leidwesen haben wir ihn noch nicht erklommen, was vor allem daran liegt, dass er mir mit als erstes erzählt hat, dass man beim Wandern sämtliche Wertsachen (wie immer bis hin zu Ehering und Armbanduhr) zu Hause lassen sollte, da es wohl gelegentlich zu Überfällen auf Wanderer kommt ... das hat meine Wanderlust doch ziemlich gebremst. [Philip: Am Wochenende laufen wir aber mal hoch, oder?]

Kgale View ist in erster Linie ein Wohnviertel, an dessen Rand die schön ofters genannte Mall Game City liegt und gleich daneben die kleinere Nachbar-Mall Kgale Hill. Neben den Malls gibt es noch ein paar Straßen mit Bürohäusern - in einem davon arbeitet Philip. So ist also eigentlich die Strecke von unserem Haus bis zu Game City / zur Kgale Hill Mall - und für Philip dann noch weiter bis zu seinem Büro - unser Kiez. Zwischen unserem Haus und den Einkaufszentren bin ich öfters zu Fuß unterwegs; in der Regel als einzige weißhäutige Fußgängerin weit und breit, weswegen ich öfters angesprochen werde ("Hey, sister! Where are you going?").

Der Weg von uns zu Hause aus dauert nur gute zehn Minuten und ich bebildere ihn hier mal ein bisschen, damit man ihn sich besser vorstellen kann.



Nach einem Blick zurück auf unser Tor überquere ich unsere Straße Duo Close, an der wir ein Eckgrundstück haben. Unsere Straße ist eine Sackgasse, dementsprechend hält sich der Verkehr sehr in Grenzen.


Auf der Hauptstraße durch unser Viertel läuft man dann an einigen Häusern vorbei. Genau wie unseres sind sie von Zäunen und Mauern umgeben. Richtig erkennbare Bürgersteige gibt es nicht, aber rechts und links von der asphaltierten Straße ist viel Platz für Fußgänger. Allerdings wenig Schatten - der Baum hinten links auf dem untenstehenden Foto ist eine große Ausnahme. Mittags knallt die Sonne auch jetzt in den kälteren Monaten noch ziemlich.


Nach ein paar Minuten lässt man die Einfamilienhäuser hinter sich und die Straße kreuzt Brachland, wie es es in Gaborone an vielen Stellen gibt. Nach rechts hat man außerdem einen Blick auf den Kgale Hill.


Als nächstes kommt auf der rechten Seite eine "gated community" - ein umzäuntes Areal, in dem die einzelnen Häuser dann dafür keine extra Zäune etc. haben. Das Tor ist bewacht. In solchen gated communities wohnen in erster Linie Ausländer.
Links gibt es nun tatsächlich einen erkennbaren Bürgersteig, wenn er auch nicht asphaltiert ist. Er führt am "Ave Maria Pastoral Centre" vorbei, einem katholischen Tagungszentrum, das wohl erst 2012 gebaut wurde. Gelegentlich laufe ich dort an Nonnen vorbei, die hier leuchtend blaue Röcke und Kopftücher tragen und immer sehr nett grüßen.


Nach dem Tagungszentrum folgt auf der linken Seite als nächstes eine Universität, die Botho University. Zwischen hier und Game City ist der Weg in der Regel recht belebt, weswegen ich auf weitere Fotos verzichtet habe.



Dann noch einmal rechts und einmal links - und schon steht man vor Game City und kann entweder in die Mall einbiegen oder quer über den Parkplatz abkürzen, wenn man, wie ich in der Regel, Philip in der Kgale Hill Mall zum Mittagessen treffen möchte.



Moment, was steht denn da auf dem Werbebanner?


Wie gesagt - so exotisch ist Botswana gar nicht immer!

Montag, 23. Mai 2016

Gaborone - eine amerikanische Kleinstadt?

Bei meinen Recherchen zu Gaborone sowie im Gespräch ist mir schon mehrmals der Satz begegegnet, dass Gaborone ja im Grunde wie eine amerikanische Kleinstadt wäre. Gemeint ist damit offensichtlich, dass es sehr weitläufig ist und man Wege eigentlich grundsätzlich mit dem Auto zurücklegt (auf breiten, relativ gut geteerten Straßen - und auf den kleineren bei uns im Viertel kennt Philip die Schlaglöcher inzwischen fast auswändig). Das Leben spielt sich um die verschiedenen Shoppingmalls herum ab. Und das sind wirklich richtige Malls. Am besten kenne ich natürlich Game City, diese Mall liegt nur gute 10 Minuten zu Fuß von uns entfernt.

 
Dort gibt es mehrere Supermärkte, viele Klamotten- und Schuhläden, Dekoläden, Juweliere, Drogeriegeschäfte, zwei Outdoorläden, ein Möbelgeschäft, verschiedene Restaurants, mehrere Fastfoodketten und ein Kino mit vier oder fünf Sälen. Und damit ist Game City fast exemplarisch: Die Railpark Mall (in der wir unsere Trinkwasserkanister auffüllen lassen), die Riverwalk Mall (wo wir mal brasilianisch essen waren) und die Airport Junction Mall (die neueste Mall in Gaborone) mögen sich in der Anzahl und Vielseitigkeit der Geschäfte voneinander unterscheiden, aber im Grunde bilden sie alle ein ähnliches Bild - flach, weitläufig und mit riesigen Parkplätzen davor.


(Und die genannten waren noch längst nicht alle Malls hier ...) Würde man ein Zentrum benennen müssen, würde man wohl die Main Mall wählen. Sie ist die älteste der Malls und wurde in den 1960er Jahren erbaut. Im Unterschied zu den anderen Malls hat sie Fußgängerzonen-Charakter - die Geschäfte säumen die Straße links und rechts, in der Mitte gibt es Straßenstände. Die Main Mall hat so mehr Flair als die neueren Malls, wobei diese meinem Eindruck nach doch stärker besucht werden. [Anmerkung Philip: Eine sehr wohlwollende Beschreibung der Main Mall - als Fußgängerzone ist sie tatsächlich außergewöhnlich, hat etwas Flair - aber realistischer Weise sollte man eben auch sagen, dass sie ihrem Alter entsprechend aussieht und die Gebäude architektonisch von dieser Zeit geprägt sind].



Die vielen Fastfood-Läden erinnern vielleicht auch an eine amerikanische Kleinstadt, wobei es in Botswana weder McDonald's noch Burger King gibt. Kentucky Fried Chicken sieht man öfters, außerdem die südafrikanischen Fastfood-Ketten Chicken Licken und Nando's. Wimpy ist wohl eine englische Kette. Bei der Wimpy-Filiale in Game City fand am Samstag ein Kindergeburtstag statt, mit Luftballons, bunten Cupcakes, einem geschminktem Clown und allem Pipapo - das hätte auch irgendwo in Deutschland oder den USA ähnlich aussehen können.

Am Samstag haben uns Philip und ich an einen lokalen Hot Dog-Stand gewagt, die stehen in der Main Mall auch überall rum und wirken auch fast amerikanisch - man beachte die Coca Cola-Mülltonne daneben:


Leider schmeckten sie nicht so.

Tja, und sonst? Gaborone ist nicht unbedingt "the city that never sleeps" - auch das mag es mit einer amerikanischen Kleinstadt gemein haben.

Samstag, 21. Mai 2016

Der erste Monat - Vol. 2

"Gestern vor einem Monat bin ich in Gaborone gelandet - Zeit für eine erste Bilanz." So beginnt ein Blogeintrag von Philip. Heute kann ich diesen Anfangssatz eins zu eins übernehmen, denn nun ist es bei mir auch schon so weit. Und wie sieht meine erste Bilanz aus?
Ich kann gar nicht recht glauben, dass das jetzt schon vier Wochen waren. Mindestens die ersten eineinhalb musste ich noch sehr viel an meine Arbeit denken. Besser wurde es, als der Container ankam, es etwas für mich zu tun gab und es hier auch langsam wohnlich wurde. Inzwischen sind wir hier ganz gut eingerichtet - nicht nur, was das Haus angeht, ich habe auch raus, wo ich was einkaufe (wobei es hier generell (fast) alles gibt; aktuell sind das einzige, was wir nicht finden konnten, gemahlene Haselnüsse und eingelegte getrocknete Tomaten). Die Ladenöffnungszeiten haben wir allerdings immer noch nicht so richtig im Griff ... erst heute standen wir wieder um 16:30 Uhr vor verschlossenen Türen und wunderten uns.
Ein paar Restaurants und gefühlt den Großteil der Malls kenne ich inzwischen. Unser Ausflug ins Khama Rhino Sanctuary war definitiv ein Highlight. Und sonst?

Ich wurde heute gefragt, wie es sich eigentlich für uns anfühlt, "Personal" zu haben. Zweimal die Woche kommt ja Sam vorbei und kümmert sich um den Garten. Sam erscheint mir allerdings gar nicht so sehr als unser Angestellter. Zum einen vermutlich, weil wir uns mit Gartenarbeit auch in Frankfurt nicht beschäftigt haben (aus Ermangelung eines Gartens), zum anderen, weil wir Sam nicht sagen, was er tun soll - er weiß das viel besser und kennt den Garten ja auch viel länger als wir, von daher macht er hier eigentlich, was er für nötig hält und sagt zwischen 11 und 12 Uhr nur jeweils fröhlich Bescheid, dass er jetzt geht.
Brenda, unsere Maid, kommt eigentlich einmal die Woche zum sauber machen. Ich habe sie allerdings erst zweimal gesehen, und da war der Container noch nicht angekommen. Sie hat hier komplett durchgewischt und ich bin mit meinem Campingstühlchen vor ihr geflüchtet, aber in den letzten zwei Wochen war sie aufgrund von Krankheit nicht mehr da und wir sorgen uns gerade ein wenig, weil wir nun schon über eine Woche nichts mehr von ihr gehört haben.

Trotz Haushaltshilfen hat sich das häusliche Leben also bislang nicht groß verändert (außer, dass jetzt zweimal täglich abwaschen auf dem Programm steht ... wie sagte Philip damals in Deutschland zu mir: "Spülmaschinen gibt es in Afrika nur auf zwei Beinen", wobei er wohl nicht unbedingt meine zwei Beine damit meinte ...).  Mit der größte Unterschied ist für mich momentan das unterwegs sein. Den Sicherheitsempfehlungen folgend lasse ich meine Handtaschen zu Hause und meine Ohrringe in der Schmuckschatulle, beides finde ich sehr schade. Selbst Armbanduhr und Ehering ziehe ich aus und habe letzteren so schon einmal verlegt - das ist mir in Frankfurt nie passiert ... und dann ist das mit den öffentlichen Verkehrsmitteln hier für mich noch etwas undurchschaubar. Es gibt so ein Minibussystem und die Busse fahren wohl jeweils los, wenn sie voll sind ... aber darüber schreibe ich besser, wenn ich das mal ausprobiert habe.

Mein Projekt für den zweiten Monat wird nun erstmal sein, Leute kennenzulernen. Durch Philip, viele liebe Kontakte nach Hause und ein paar ziemlich gute Bücher fühle ich mich zwar nicht komplett einsam, aber es ist doch seltsam, irgendwo zu wohnen und so gut wie niemanden zu kennen. Das soll sich nun in den nächsten vier Wochen ändern!


Freitag, 20. Mai 2016

Sauer macht lustig

Vor ca. zwei Wochen waren wir in einem netten Café und haben dort einen Banana Split-Eisbecher gegessen. Das Café ist eigentlich Teil eines Gartenbaumarkts / einer Baumschule, durch den wir anschließend noch spazierten. Wir hielten bei diversen Bäumen bzw. deren Setzlingen, wie z.B. einem Avocadobaum, verschiedenen Nussbäumen etc. Ein wenig haben wir herumgesponnen, wir dachten gleich daran, dass wir doch einen solchen Baum in unserem Garten pflanzen könnten. Ob aber die Bäume schnell genug wachsen würden, damit wir noch Früchte ernten könnten? Wohl eher nicht. So haben wir bis heute keinen Baum gepflanzt. (Heißt es nicht, man müsse als Mann einmal in seinem Leben einen Baum pflanzen?)
Diese Woche "entdeckten" wir an einem der Bäume in unserem Garten Früchte! Orangen, so langsam gelb werdend (eine lag schon am Boden). Wir haben also doch einen Obstbaum im Garten, wie toll! Walli sprach diese Woche mit unserem Gärtner Sam, um zu klären, wann die Orangen denn wohl reif würden.


Es stellte sich heraus, dass die Grapefruits bereits reif sind! Die Schale sei dieses Jahr etwas dicker, weil der Regen erst so spät kam. Vielleicht sind sie deshalb auch insgesamt etwas kleiner?
Drei Stück haben wir bisher gegessen, schön sauer - und sehr lecker.


Jetzt bleibt nur die Frage: Was machen wir mit all den Grapefruits? Wer kennt gute Grapefruit-Rezepte?


Dienstag, 17. Mai 2016

Quer durch den Busch auf Nashorn-Safari

Am Pfingstwochenende haben wir unseren ersten größeren Ausflug in Botswana unternommen. Er führte uns ins Khama Rhino Sanctuary, ein Schutzgebiet für Nashörner. Die Hinfahrt dauerte ca. 3:45h und gestaltete sich sehr unkompliziert, so viele große Straßen gibt es in Botswana nämlich gar nicht. Bereits in Gaborone fuhren wir auf die A1 und folgten der über zwei Stunden. A1 klingt nach Autobahn und die ersten 40 km fühlte sich die Straße auch wie eine an; jede Richtung war zweispurig (wurde dann aber einspurig). Abgesehen davon gab es ein paar Ampeln, mehrere Bushaltestellen und Anhalter am Straßenrand, jede Menge Kühe und einige Ziegen, die aber in der Regel brav grasten und keine Anstalten machten, auf die Straße zu laufen. Die A1 führt nicht nur durch Gaborone, sondern auch durch die Städte Mahalapye und Palapye; in Palapye mussten wir links abbiegen (und hatten dazu eigentlich auch nur eine Möglichkeit), im nächsten Ort Serowe dann nochmal rechts und dann waren wir auch schon fast da. Karten lesen ist hier also nicht so wahnsinnig schwierig.

Das Khama Rhino Sanctury wurde 1992 von der botswanischen Regierung gegründet. Damals wurden die letzten 5 (!) in Botswana lebenden Nashörner dorthin gebracht - die Tiere waren von Wilderern fast ausgerottet worden. Für Nashornhorn wurden und werden irre Preise gezahlt (höhere Preise als für Gold!) - es gilt in asiatischen Ländern als Aphrodisiakum. Dabei besteht Nashorn aus Keratin - der Autor unseres Botswana-Reiseführers schreibt dazu sehr anschaulich: "Würden die Vietnamesen und Chinesen ihre Fingernägel kauen, hätte das die gleiche medizinische Wirkung wie die Einnahme des gemahlenen Nashornhorns". Wie seltsam, dass sich diese Erkenntnis nicht durchsetzt - 2014 wurden in Südafrika 1215 Tiere von Wilderern ermordet.
Mit diesem Wissen ist es kein Wunder, dass das 43 Quadratkilometer große Khama Rhino Sanctuary  von Anti-Wilderereinheiten der botswanischen Armee bewacht wird. Das Gelände ist von einem Elektrozaun umschlossen und wir haben zweimal Soldaten getroffen, die ebenfalls in ihren Autos durch das Naturschutzgebiet streiften, Präsenz zeigten und ein Auge auf alles hatten.
Im Khama Rhino Sanctuary hatten wir ein Chalet gemietet. Es war von außen recht hübsch, von innen schon ziemlich abgewohnt, aber insgesamt in Ordnung.


Da unser Auto ja Vierradantrieb hat, konnten wir auf den Sandwegen selbst auf Pirschfahrt gehen und mussten uns keinen vom Naturschutzgebiet organisierten "Game Drives" anschließen. Nach unserer Ankunft am frühen Nachmittag sind wir daher auch ziemlich bald wieder losgezogen und entdeckten erste Impalas, Warzenschweine, Gnus und Zebras. Anfangs waren die Wege links und rechts von Buschland gesäumt, da war es gar nicht so einfach, die Tiere zu entdecken. Es gab aber auch zwei große offene "Pfannen", in der einen namens "Malema Pan" war sogar etwas Wasser / Schlamm. Die Wege führten uns nicht allzudicht ran, aber trotzdem hatten wir einen sehr schönen, offenen Blick auf die Tiere.


An anderer Stelle sahen wir dann ein erstes Nashorn, das Philip identifizierte (es sah so liegend und von hinten mehr wie ein grauer Fels aus, aber die Öhrchen bewegten sich).


Später hatten wir nochmal großes Glück, als wir im Busch an einem kleinen Schlammloch vorbeifuhren und dort ganz nah ein Nashorn sahen, das sich von uns nicht stören ließ.


Der 15. Mai begann für uns dann sehr früh: Der Wecker klingelte um 5:30 Uhr, ab 6 Uhr hatten wir eine Nashorn-Tracking-Tour gebucht. Zwei Ranger holten uns mit einem Safariauto ab, wir fuhren relativ schnell eine gute halbe Stunde lang durch das Naturschutzgebiet. Trotz des Tempos sahen wir einige Tiere: Giraffen, die im ersten Morgelicht an der Malema Pan standen und tranken, eine Nashornfamilie in der Steppe (die aber ja zum einen nicht mehr aufgespürt werden musste, zum anderen nähert man sich Nashörnern mit Jungen lieber nicht) und jede Menge verschiedener Antilopen - schon das war wunderschön. Im Buschland hielten die Ranger dann nach Spuren Ausschau - auf den Sandwegen sind diese gut erkennbar, wobei ich die Vielzahl der Spuren weder richtig identifizieren noch deuten könnte. Schließlich fanden sie eine Stelle, wo die Nashörner - drei ungefähr - in den Busch abgebogen waren, und da stiegen wir dann aus.
Unser Ranger hatte für alle Fälle ein geladenes Gewehr dabei; wir waren angewiesen worden, neben gutem Schuhwerk am besten gedeckte, dunklere Kleidung anzuziehen. Aber zunächst stand kein unmittelbarer Kontakt zu den Nashörnern an, wir mussten sie erstmal finden. Die Spuren waren von gestern Abend (woran auch immer man das erkennen konnte) und der Ranger erklärte uns, dass Nashörner zwei Schlafeinheiten pro Nacht haben und sich nach jeder sichtbar erleichtern ... diese Spuren galt es erstmal zu identifizieren. Der Ranger orientierte sich an Abdrücken, die wir kaum wahrnahmen, abgeknickten/-gefressenen Gräsern und so liefen wir querfeldein hinter ihm her durch den Busch, blieben an Dornen hängen und bückten uns unter gigantischen Spinnennetzen hindurch.


Ich war voller Bewunderung, dass jemand die Natur so lesen kann - Philip dagegen weniger gutgläubig; er zweifelte doch, ob wir wirklich immer Spuren folgten oder der Ranger nicht auch manchmal im Dunkeln tappte. Auf jeden Fall waren wir offensichtlich länger als geplant unterwegs - der uns führende Ranger schickte schließlich seinen Kollegen zurück, damit dieser das Auto nachholen könnte, wenn wir fertig wären. Irgendwann fanden wir dann den deutlich erkennbaren ersten Schlafplatz - so ein Nashorn hinterlässt ja doch eine flache Kuhle im sandigen Boden, wenn es sich hinlegt. Kurz darauf fanden wir enorme Nashornhaufen, in die der Ranger beherzt reingriff, um die Temperatur zu fühlen. Es war der erste Schlafplatz, den zweiten fanden wir kurze Zeit später. Ab da hieß es noch genauer darauf zu achten, wo man hintrat und sich möglichst leise zu bewegen - Nashörner sehen sehr schlecht, riechen und hören aber dafür recht gut. Schließlich sahen wir sie, zumindest zwei von drei. Und sie bemerkten uns auch und rannten los - nicht auf uns zu, sondern in die entgegengesetzte Richtung. Breitmaulnashörner flüchten vor Menschen - Spitzmaulnashörner (die noch seltener sind), greifen eher an. Sie hinterlassen andere Spuren und man folgt bei Tracking-Touren daher nur Breitmaulnashörnern. Während uns das gestrige Nashorn - vermutlich in dem Bewusstsein, dass wir im Auto auf dem Weg bleiben würden - relativ ignoriert hatte, brachten sich diese hier lieber in Sicherheit. Wir folgten ihnen und sahen sie noch zweimal, aber Nashörner sind doch ganz schön schnell!

Unser Buschspaziergang dauerte insgesamt fast eineinhalb Stunden und war ein interessantes Erlebnis und nochmal ganz etwas anderes, als die Tiere vom Auto aus zu sehen. Aber ohne Ranger darf man natürlich nicht aussteigen und schon gar nicht in den Busch laufen; es ist zu gefährlich.

Nach einem Frühstück begaben wir uns dann wieder mit unserem Auto auf Pirschfahrt und hatten an diesem Tag ein Riesenglück. Vor uns auf dem Weg lief plötzlich ein Leopard - ich hatte noch nie einen gesehen. Wir konnten ihm eine Weile folgen und waren sehr begeistert von seiner Eleganz.


An der Malema Pan sahen wir außerdem Nashörner - gleich zwei Familien! Mit der Zeit gesellten sich auch noch Giraffen und Warzenschweine dazu, sowie Antilopen und Zebras. Wir saßen über eine Stunde im Auto und beobachteten sie einfach nur. Zum Geburtstag hatte ich ein Fernglas bekommen, was uns wunderbare Dienste leistete.


Trotz der großen Tiervielfalt sahen wir einen Tag später an Philips Geburtstag auch nochmal welche, die uns noch nicht begegnet waren: Als wir gegen 8:15 Uhr ankamen, liefen gerade zwei Schakale zur Malema Pan. Nach fünf Minuten waren sie wieder im Steppenland verschwunden. Wir setzten unseren letzten Game Drive fort und machten uns dann wieder auf den Rückweg nach Gaborone. Am Montag war auf der Straße weniger Verkehr als am Samstag und es fuhr sich sehr gut. Was ein schönes Geburtstagswochenende!


Freitag, 13. Mai 2016

Vom Auspacken

Kisten auspacken in Botswana ist natürlich kein bisschen anders als Kisten auspacken in Deutschland es wäre. Kisten auspacken, die man nicht selbst eingepackt hat, ist dagegen etwas ganz Neues für uns, denn Philip und ich haben ja nun wegen Zollbestimmungen etc. das erste Mal professionell einpacken lassen. Ich bereue auch nichts; bis auf zwei kaputte Blumentöpfe und eine defekte Taste an der Brotschneidemaschine sind bislang keine Schäden aufgefallen. Trotzdem würde ich beim nächsten Mal mindestens eine Sache anders machen, nämlich die Umzugsleute motivieren/nötigen, die nach Autorennachnamen sortierterte Belletristik Fach für Fach einzupacken, und zwar in der richtigen Reihenfolge. Wie kommen denn Andreas Eschbach und Fred Vargas bitteschön in eine gemeinsame Kiste?
Ein weiterer Anfängerfehler meinerseits war, beim Einräumen ganz neutral festzustellen: "Ach Mensch, es gibt offensichtlich wenig Autorennamen, die mit D anfangen!" Es stimmt nämlich nicht. Ich hatte nur eine blöde Kiste übersehen, was zur Folge hatte, dass ich sämtlich Autorennamen ab E fachweise weiterrutschen musste. Mit H und M ging es mir leider so ähnlich. Hmmm.

Aber nun bin ich mit dem Einsortieren der Belletristik fertig (obwohl es verdächtig wenige Autoren zu geben scheint, deren Nachname mit O beginnt). Wie nach jedem Umzug frage ich mich, ob sich Goethe eigentlich neben Anette Göttlicher ("Wer ist eigentlich Paul?") wohl fühlt und hoffe außerdem, dass ich Murakami verschenkt oder verkauft habe und er nicht noch irgendwo hier rumliegt. Es wird! Hier die Entwicklung von einem von drei Belletristik-Regalen ...




Sachbücher und CDs habe ich auch schon ausgepackt (und eher willkürlich und dafür zeitsparender eingeräumt). Der Kleiderschrank ist voll, die Küchensachen ja auch schon seit dem letzten Wochenende ausgepackt ... Was ist denn bloß noch noch in den übrigen Kisten? Ich werde es - zumindest in Teilen - heute herausfinden.

Mittwoch, 11. Mai 2016

Die Ankunfts-Safari

An dem Wochenende, als Walli ankam, hatte ich auch erstmals das eigene Auto zur Verfügung. Was bot sich da besser an, als gleich zu Beginn unserer gemeinsamen Zeit eine erste Safari zu machen? Die schönsten Nationalparks sind wohl leider nicht in der Umgebung Gaborones zu finden. Aber direkt in Gaborone selbst gibt es einen kleinen Nationalpark, das "Gaborone Game Reserve". Das ist wohl zur Vergnügung der Hauptstädter angelegt, nicht wirklich spektakulär - aber eben 20 Autominuten von unserem Häuschen weg gelegen und somit prima für den Einstieg in Botswana-Safaris geeignet.
Da es unser erster Safari-Ausflug hier war, waren wir zugegebener Weise nicht optimal vorbereitet: Wir hatten weder an Wasser noch an Verpflegung gedacht, in dem Glauben, dort zumindest Wasser zu bekommen. Das war leider nicht der Fall - aber für einen zweistündigen "Game Drive" reichte es doch. Außer uns trafen wir höchstens auf 2-3 andere Fahrzeuge, dafür aber auf ein paar schöne Tiere - hier eine kleine Auswahl:





Freitag, 6. Mai 2016

Ende der Campingzeit - Ich freue mich auf ...

Vor genau acht Wochen ist der Container mit unserem Hab und Gut in Frankfurt losgefahren. Und heute kam er endlich in Gaborone an! Vorgestern hatten wir erfahren, dass es nun so weit sein sollte und waren voller Vorfreude. In den letzten Tagen hatten wir immer öfters darüber gesprochen, auf was wir uns besonders freuten: die Bettdecke! Unsere Kopfkissen! Küchenutensilien! Den Duschvorleger! (Ja, auch einen Duschvorleger kann man vermissen - mir ging es so, jedes Mal, wenn ich aus der Dusche mit meinen nassen Füßen auf die kalten Fliesen getappst bin ...)
Das war auf jeden Fall eine Entwicklung - als der Container abfuhr, waren wir eher genervt davon, wie viel Zeug wir doch hatten. Und außerdem natürlich völlig erledigt vom ausmisten, organisieren, putzen und Philips Ausreise vorbereiten. Als einer der Möbelpacker fröhlich zu mir sagte "Und jetzt sehen Sie den nie wieder!" zuckte ich nur mit den Schultern und Philip hatte wohl auch keine großen Verlustängste. Aber im Laufe unserer Campingzeit hier hat sich das dann wieder geändert.

Heute gegen Mittag hielt dann ein Pick-up vor unserem Haus mit den Möbelpackern von der botswanischen Umzugsfirma. Sie schauten sich schon einmal das leere Haus an, dann warteten wir gemeinsam - der Container sollte von einer anderen Firma gebracht werden. Und dann ...


... bog ein LKW um die Ecke! Und irgendwie war das schon ein besonderer Moment. Zwei Monate vorher hatten wir dem Ding in der Frankenallee in Frankfurt hinterhergeschaut und ich weiß noch, wie surreal mir der Gedanke vorkam, es in Afrika wiederzusehen. In der Zwischenzeit ist so viel passiert, ich habe unsere Wohnung übergeben und in Frankfurt im Büro gewohnt, Philip in Gaborone im Hotel, erst er, dann wir beide im leeren Haus ... aber da waren sie nun wieder, unsere Sachen.
Nach ein bisschen hin- und herrangieren, bei dem die Bäume vor dem Haus etwas in Mitleidenschaft gezogen wurden, stand der Container, und der LKW fuhr davon. Wir wurden zur Identifizierung gebeten: Die Containernummer war korrekt und sogar die Plombe, mit der er in Frankfurt verplombt worden war, noch dran. Der Container hätte unterwegs vom deutschen, südafrikanischen oder botswanischen Zoll geöffnet werden können, dann wäre sie entfernt worden und man hätte ihn anderweitig versiegelt. Aber sie war noch intakt und wurde hier durchgeschnitten:


Dann gingen die Türen auf und es sah eigentlich alles so aus wie vor dem Schließen der Türen bei Abfahrt. Juchu!


Und dann begann die Akkordarbeit. Ich bekam ein Klemmbrett und hakte auf einer sechsseitigen Liste die Teile ab, die ausgeladen wurden - Schenker hatte sie dankenswerterweise tatsächlich durchnummeriert, von 1 bis 267. Einer der zwei Männer im LKW rief mir die Nummern der Kartons und Möbelteile zu, die er an die Kante stellte, wo sie seine Kollegen dann in Empfang nahmen. Die Kartons wurden in den verschiedenen Zimmern verteilt, die Möbel gleich vor dem Haus ausgepackt. Philip dirigierte, wo was hinkam. Und so vergingen die nächsten drei Stunden ... bis es vor dem Haus irgendwann so aussah:




Container leer, Müllberg groß, alle kaputt (alle, nicht alles - bislang haben wir an unserem Umzugsgut fast keine Schäden festgestellt). Den Müll packten die Möbelpacker ein und nahmen ihn mit. Den Container ließen sie da - und zu meiner Irritation steht er jetzt immer noch vor dem Haus rum. Mal schauen, ob ihn am Wochenende jemand abholt.

Tja, und dann standen wir im Haus voller Kartons und leerer Möbel. Und mussten uns erstmal setzen und freuten uns, dass es da plötzlich Alternativen zu den Campingstühlen gab. Langsam haben wir dann losgelegt - Philip mit dem Aufbauen, ich mit dem Auspacken. So furchtbar weit sind wir noch nicht gekommen, aber für Tiefkühlpizza (von Dr. Oetker - ist beim hiesigen SPAR gerade im Angebot ... manchmal ist Botswana gar nicht so wahnsinnig exotisch ...) von einem unserer Steingutteller, geschnitten mit unserem Pizzaschneider und die erste afrikanische Nacht im eigenen Bett reichte es. Unser Wochenendprogramm steht. Mal schauen, wie schnell wir die Sachen finden werden, auf die wir uns besonders gefreut haben.


Mittwoch, 4. Mai 2016

Gartenimpressionen

Das Haus ist immer noch leer. Trotzdem bedeutet das nicht, dass wir die ganze Zeit auf unseren Campingstühlchen im hallenden Wohnzimmer sitzen - manchmal tragen wir sie auch in den Garten ;-)
Philip und ich haben hier (seit unserem jeweiligen Auszug bei unseren Eltern) erstmals einen Garten. Der sieht sehr schön aus und damit das auch so bleibt, kümmert sich zweimal die Woche ein Gärtner namens Sam um ihn. Sam macht das wohl schon seit Jahren und hat einige Mieter kommen und gehen sehen. Der Garten bleibt von den Wechseln relativ unberührt, was ja auch ganz schön ist.
Was Sam jedes Mal macht, wenn er da ist: Er gießt. Die Regenzeit endet gerade, das letzte Mal hat es wohl am Tag vor meiner Ankunft geregnet. (Philip hat also den Regen gebracht und ich die Dürre, oder so ähnlich ...) Er gießt die Büsche und Bäume. Den Rasen allerdings nie, der sieht auch so immer schön grün aus:


Im Prinzip wirkt er wie englischer Rasen, ohne dass man ihn je mähen müsste. Dafür richten sich die Grashalme nicht unbedingt von alleine wieder auf, wenn man sie platt getreten hat. Mein Vater hat bereits gemutmaßt, dass er vielleicht ab und an gestaubsaugt werden sollte ... genau, ich rede von Kunstrasen. Der aber immerhin viel echter aussieht, als ich es zu hoffen gewagt hatte.
Der Rest des Gartens ist echt und weckt zum Teil sogar heimatliche Gefühle bei uns. Lustigerweise gibt es gleich mehrere Drachenbäume ...


... und Bananenstauden:


Beides Pflanzen, die wir - letztere sogar in größeren Mengen - auch in Frankfurt hatten - in Kübeln, im Wohnzimmer und zugegebenermaßen etwas kleiner. Pflanzen konnten wir ja nicht mitnehmen und so haben wir sie größtenteils an Kollegen verschenkt und bei unseren Eltern untergebracht. (Sollte jemand beim Lesen auf den Geschmack kommen: Einfach melden - von der ein oder anderen Bananenstaude würden sich beide Elternpaare vermutlich gerne trennen!)
Das bisher schönste Gartenerlebnis hatte ich letzten Dienstag: An einer Palme war mir schon bei meiner Ankunft ein vielleicht fingergliedgroßes grünes "Päckchen" aufgefallen. Ich nahm an, dass da irgendein Insekt schlüpfen würde, hatte es dann aber wieder halb vergessen. Und am Dienstag sah ich dann einen wunderschönen, frisch geschlüpften Schmetterling da sitzen! Der von seiner Entpuppung offensichtlich so geschafft war, dass ich ihn in aller Ruhe fotografieren konnte, bevor er irgendwann davon flog. Ist der nicht schön?



Dienstag, 3. Mai 2016

Camping im Haus

Dass Walli das von mir ausgerufene Wettrennen mit dem Container gewonnen hat, hat sie ja schon geschrieben. Doch wie wohnen wir jetzt hier eigentlich in der Zwischenzeit?
Wir campen. Ein wenig zumindest. Bett und Kühlschrank, die ich zu meinem Einzug besorgt hatte, sind ja groß genug für zwei. So sitzen wir also häufig im Wohnzimmer oder auf der Terrasse auf unseren zwei Campingstühlen am Campingtisch. Die Stühle sind gar nicht mal so unbequem!
Wer uns mal per Skype oder WhatsApp anruft während wir gerade im Wohnzimmer sind, merkt schnell: Der Raum ist leer, es hallt noch ordentlich.
Bis zu Wallis Ankunft hatte ich die Ehre, ihr altes Pfadfindergeschirr nutzen zu dürfen:
Das reichte nun ja nicht mehr aus für zwei. So kauften wir also noch ein Campinggeschirr. Dieses ist sogar angeblich geschirrmaschinentauglich und - kompostierbar (unter welchen Voraussetzungen eigentlich? Während man eine heiße Suppe löffelt?). Für ein Müsli am morgen und ein leichtes Abendessen sind wir also ausgerüstet, ansonsten gönnen wir es uns durchaus auch öfters mal auswärts essen zu gehen.
Zugegeben, derzeit ist unser Leben hier noch sehr spartanisch. Wir wollten aber eben auch nicht allerlei Sachen anschaffen, von denen wir ohnehin wissen, dass sie im Container sind. Wo steckt der eigentlich gerade? Vor zweieinhalb Wochen ist er wohl in Durban (Südafrika) angekommen. Ich hatte schon die Befürchtung, dass er am gleichen Tag wie Walli hier in Gaborone ankommen würde und ich dann nicht gewusst hätte, ob ich Ausladen und Verteilung des Inhalts im Haus hätte überwachen sollen oder Walli vom Flughafen hätte abholen sollen. Seit einer Woche wissen wir, dass der Container es mittlerweile (per Zug) bis Johannesburg geschafft hat. Theoretisch beträgt die Restdistanz mit dem Auto nur 4 Stunden. Mal schauen, wann der Container nun hier in Gaborone ankommt - die lokale Spedition hat uns hierzu bisher keine Auskunft gegeben - und Schenker sagte uns damals nur, dass "der Nachlauf in Afrika mehrere Wochen betragen kann".

Sonntag, 1. Mai 2016

Ein ganz Großer (Schluckspecht)

Neulich schrieb ich ja schon von meinen ersten Autokauf-Erlebnissen. Und endete mit einem Cliffhanger. Den will ich jetzt auflösen:
Tatsächlich hatte ich gefühlt schon ziemlich viele Autohäuser abgegrast nach einem brauchbaren Auto: Es sollte nicht ganz klein sein, Vierradantrieb haben, gute Bodenfreiheit - eben so, dass man damit gut in die Pampa fahren und auf Safari gehen kann. Leider waren die vorhandenen Autos jedoch entweder zu teuer oder mit wenig vertrauenswürdigem Tachostand. So war ich schon ein wenig verzweifelt - wie lange würde ich wohl suchen müssen?
An einem Samstag fuhr ich also noch einmal zum Fahrzeughändler des giz-Vertrauens. Dort hatte man zufällig genau am Vortag ein Auto aus einem Container ausgeladen, frisch importiert, das in mein Suchraster fiel. Ein Volvo XC90 T6 - quasi das größte und bestmotorierte SUV von Volvo. Frisch importiert war es noch nicht so präsentabel hergerichtet wie die anderen Autos auf dem Hof des Verkäufers, aber so konnte man eben auch die Macken besser sehen: Ein abgerissener Scheibenwischer, eine hängende Stoßstange - angeblich Schäden vom Entladen aus dem Container. Sie hatten immerhin wohl bisher kaum Zeit, den Tachostand zu manipulieren, dachte ich. 104.000 km zeigte der, Baujahr 2005 - und keine verdächtigen Service-Aufkleber, die auf mehr Kilometer hindeuteten. Das Auto schien ansonsten in einem guten Zustand. Mit einer Batterie wurde es angelassen auch der Motor klang gut. Probefahrt? Ja, gerne. Problem: Tank ist leer. Tankstelle wäre ja gegenüber, nur wie geht der Tankdeckel wohl auf? Daran wurde erst einmal gut 10 Minuten gebastelt - sollte es daran jetzt scheitern? Schließlich öffnete sich der Tankdeckel doch noch, wir tankten und fuhren los. Ich merkte schnell, dass das Auto ordentlich Wumms hat - 320 PS sind nicht ganz schlecht. Irgendwann fiel dem Mitarbeiter des Verkäufers und mir auf, dass irgendetwas doch komisch klang, kam es von den Reifen? Hatte ich es geschafft, einen Platten zu fahren? Wir hielten an, die Reifen waren in Ordnung - nur vorne links waren die Muttern etwas lose. Das ließ sich schnell beheben, dann fuhren wir weiter (und das Geräusch kam nicht zurück). Gesteigerte Lust auf eine weitere Autosuche hatte ich nicht - und so entschied ich mich also für das Auto. Walli war zu dem Zeitpunkt noch in Deutschland und arbeitete an diesem Samstag gerade ihre Nachfolgerin ein, sie sah ein paar Bilder, die ich ihr zwischenzeitlich schickte und legte kein Veto ein.
Es sollte noch fast zwei Wochen dauern, bis ich das Auto schließlich abholen konnte. Ein paar Reparaturen standen noch an, neue Reifen wurden aufgezogen, das Auto poliert und schließlich auch angemeldet. Für die Anmeldung wurde eine beglaubigte Kopie meines Ausweises benötigt, die erste Beglaubigung wurde von den Behörden nicht akzeptiert, die zweite tat's dann glücklicherweise. Auch wenn nicht alles so schnell ging, wie ich das zwischenzeitlich gehofft hatte, so hatte ich doch eine Hoffnung: Ich wollte Walli mit dem eigenen Auto vom Flughafen abholen.
Am Abend vor ihrer Ankunft konnte ich das Auto abholen, am nächsten Morgen kümmerte ich mich noch abschließend um die Versicherung - und die erste richtige Fahrt mit dem neuen Auto ging zum Flughafen. Eine schöne Einweihungsfahrt. Und weil sie so schön war, machte ich sie gleich zweimal, da Wallis erster Flug von Johannesburg nach Gaborone ja abgesagt wurde.
Es ist toll, mit dem eigenen Auto fahren zu können! Wir nutzten das natürlich unter anderem auch gleich für kleinere Ausflüge:
Das Auto ist frisch aus Japan importiert - und hat ein japanisches Multimediasystem. Eigentlich hatte ich Walli ja schon vor ihrer Ausreise gebeten, japanisch zu lernen, so dass sie es künftig bedienen kann. Das hat sie leider verweigert. Nun überlegen wir, ob sie vielleicht japanisch als Alternative zum Golfspielen lernen könnte (oder zusätzlich?). Irgendjemand wird ja schließlich das Radio künftig bedienen müssen. Die Karten des Navigationssystems scheinen nicht auf Afrika zu passen, sie zeigen wohl Japan. Eine Frage, mit der ich mich bereits beschäftigte: Wie findet man bei japanischer Schrift im Menü des Systems die Stelle, an der man die Sprache ändern kann? Versuch 1: Man suche im Internet nach einem Video-Tutorial. Nicht von Erfolg gekrönt. Versuch 2: Man suche im Internet nach einer nicht-japanisch-sprachigen Bedienungsanleitung für dieses Modell. Ebenfalls nicht erfolgreich. Versuch 3, neu kennengelernt: Google Translator auf dem Smartphone installiert, Bildschirm fotografiert, Text wird automatisch von japanisch in eine gewünschte Sprache übersetzt. Beeindruckend. Leider aber auch nicht erfolgreich. Es scheint mir, dass dieses System nur in Japan verkauft wurde und somit nicht in anderen Sprachen verfügbar ist. Versuch 4: Walli zum japanischlernen überreden. Bisher auch (noch?) nicht erfolgreich. Falls also jemand Ideen hat, wie man bei einem "Panasonic Carrozzeria Avic VH-99" die Sprache ändert, werden Hinweise gerne angenommen!

"Öko-Philip fährt SUV" musste ich mir nun schon von einem Freund anhören. Ja, und es fährt sich ganz gut. Heute z.B. wollte ich mit dem Auto schon von einem Ende des Einkaufzentrums zum anderen fahren. Dank Walli sind wir dann doch gelaufen. Das Auto selbst findet übrigens auch, dass es ganz gut fährt und gönnt sich dafür regelmäßig etwas: Sprit. Man kann der Tanknadel beim Absinken förmlich zuschauen. Gut, dass der Tankdeckel repariert wurde, so dass ich künftig auch tanken kann, denn bei Tankstellen werde ich sicher Statuskunde. Noch habe ich nicht selbst gemessen, aber laut Internet hat das Fahrzeug einen Normverbrauch von 15,5 l pro 100 km. Da liegt mein vermuteter Verbrauch gar nicht mal sooo viel höher. Dankenswerter Weise kostet der Sprit hier nur die Hälfte wie in Deutschland. Bei doppeltem Verbrauch gleicht sich das im Geldbeutel dann wieder aus, oder? Dann planen wir unsere Safari-Trips demnächst halt entlang von Tankstellen, ist doch auch eine Art der Priorisierung. Wer war noch mal Öko-Philip?
Nach dem ersten Wochenende mit dem Auto gab ich es gleich wieder beim Verkäufer ab: Nicht alles, was mir zugesagt wurde, war auch repariert worden. Als ich es nach ein paar Tagen wieder abholte, meinte man zuerst, dass der Fehler jetzt nicht mehr auftreten würde. Beim Anlassen meldete sich der Fehler gleich wieder (auf japanisch, versteht sich!). Jetzt soll ein Ersatzteil bestellt werden - ich bin gespannt. In der Zwischenzeit kann ich ja etwas Sprit raushauen...