Sonntag, 30. April 2017

Bilder aus Chobe: Zwischen Büffeln und Elefanten

Es ist kaum zu glauben, dass es schon wieder sechs Wochen her ist, seitdem wir im Urlaub im Norden Botswanas waren. Schon eher zu glauben ist es, dass ich bis jetzt gebraucht habe, um die Bilder aus- und zusammenzusortieren, zu beschriften und zu bearbeiten (ich sei akribisch, wurde mir heute in diesem Zusammenhang gesagt, ich nehme das mal als Lob).
Geschrieben wurde zum Urlaub ja bereits im Gästeblog, und an dieser Stelle berichteten wir ja auch schon einmal über einen Besuch im Chobe Nationalpark im November. Diesmal war es anders (grüne Vegetation nach einer ausgiebigen Regenzeit, höherer Wasserstand des Chobe Flusses) - und doch in manchem ähnlich. Was soll's - ich lasse gleich mal die Bilder sprechen:









Mittwoch, 26. April 2017

Facebook statt Zeitung

Botswana knapp hinter Deutschland in den Top 5! Das ist uns doch eine Meldung wert. Auch wenn in Deutschland vermutlich niemand etwas von dieser Bestenliste gehört hat. Hierzulande ist man aber stolz darauf, dass die Facebook-Seite der botswanischen Regierung (BWgovernment) den fünften Platz im Ranking der besten Regierungs-Facebookseiten gemacht hat. Die Güteklasse der Seiten wurde dabei an der Menge der Interaktionen festgemacht. Ein von mir vorgenommener kurzer - sehr kurzer - Vergleich der beiden Seiten hat eben erbracht, dass auf der Facebookseite der Bundesregierung viel mehr kommentiert wird als auf der von "BWgovernment" - keine Kunst bei ca. 32-mal so vielen Einwohnern ... Dafür befürchtet die Bundesregierung wohl, ihren Abonnenten mit zu vielen Posts auf die Nerven zu fallen - sie postet ein bis drei Beiträge pro Tag und am Wochenende in der Regel gar nichts. Eine derartige Zurückhaltung ist den Botswanern völlig fremd - hier wird gepostet, was das Zeug hält! Meistens auf Englisch, aber immer wieder auch auf Setswana, weswegen ich gar nicht genau sagen kann, was alles thematisiert wird. Abonniert habe ich die Seite mal, weil sie auch immer wieder auflistet, wie voll welcher Stausee hier nach Regenfällen ist und wir in dieser Regenzeit ja alle mitgefiebert haben (der Gaborone Dam ist voll!).

Regen spielt hier eben eine große Rolle. Auch deswegen werden wohl immer wieder Videos vom Wetterbericht gepostet. Außerdem bin ich ein Fan der Tier- und Landschaftsfotos, mit denen die Seite oft einen guten Morgen oder einen guten Abend wünscht. Ersteres wird immer mal wieder mit einem Sprichwort oder auch einem Bibelvers verbunden (z.B. "GOOD MONDAY MORNING BOTSWANA - Not the day only, but all things have their morning. - proverb [...]"), letzteres mit der Vorstellung einer bestimmten Pflanze (z.B. "GOOD NIGHT: FLORA OF BOTSWANA - THE SEGAGAMA OR CAMEL'S FOOT TREE [...]"). Auch Staatsgäste werden auf diese Weise freundlichst vorgestellt: "GOOD EVENING FROM BOTSWANA, WHERE WE ARE HOSTING A THREE DAY STATE VISIT BY THE PRESIDENT OF MOZAMBIQUE, H.E. FELIPE JACINTO NYUSI." Die Regierung mag übrigens Überschriften in Versalien.

Am gestrigen Tag hat sie insgesamt 34 Beiträge auf Facebook gepostet -allein bis 9:30 Uhr wurden bereits vermehrt auftretende Fälle von Mangelernährung im Distrikt Kweneng, die Silbermedaille der botswanischen Herren im Staffellauf auf den Bahamas und die Suche der Botswana Defence Force nach neuen Rekruten thematisiert. Wow. Philip stellt zu Recht die Frage, wozu man hier eigentlich noch eine Zeitung braucht - eigentlich nur, wenn man zur Abwechslung mal etwas Regierungs-Kritisches lesen will ... aber so hat "BWgovernment" es immerhin auf den fünften Platz geschafft, als einziges afrikanisches Land überhaupt in den Top Ten. Congratulations!


Samstag, 22. April 2017

Der erste Jahrestag - Vol. 2

Als wir am Ostermontag am Johannesburger Flughafen waren, um unsere Rückreise nach Gaborone anzutreten, wurde mir für einen kurzen Moment ganz nostalgisch zumute. Als wir nämlich die Abflughalle mit den Gates für die Flüge in die afrikanischen Nachbarländer betraten, fiel mir wieder ein, dass ich da am 22.04.2016 schon einmal mehrere Stunden gesessen hatte. Dass dann allerdings unser Flug nach Gaborone gestrichen wurde – genau wie damals – hätte es nicht gebraucht, Nostalgie hin oder her.

Nachdem Philips Jahrestag nun schon fast sechs Wochen zurückliegt, bin ich heute auf den Tag genau ein Jahr in Gaborone. Wahnsinn! Insbesondere die letzten paar Monate sind schnell vergangen. Überhaupt stellte der Jahreswechsel 2016/2017 für mich eine Zäsur dar: Ich nahm an, nach unserem schönen Heimaturlaub in Deutschland würde die Wiedereingewöhnung in Gaborone schwierig werden, aber das Gegenteil war der Fall. Irgendwie war Gaborone doch „Zuhause“ geworden, ohne dass mir das zuvor so richtig bewusst geworden wäre.

In den letzten zwölf Monaten gab es einige Höhen und Tiefen. Zu letzteren gehörte der (inzwischen eingeschlafene) „Deutsche Stammtisch“, bei dem mir nach meiner ersten Woche in Gaborone von zwei anderen MAPs Fitnessstudio oder Golfspiel als meine zwei einzigen Beschäftigungsalternativen vorgestellt wurden. (Ich spiele übrigens nach wie vor kein Golf. Mitglieder im Fitnessstudio sind wir allerdings geworden.) Da war der Stromausfall im Juni oder Juli, als Philip in Swasiland auf Dienstreise war und mir klar wurde, dass ich in diesem Land niemanden so gut kannte, dass ich ihn um Hilfe hätte bitten können. Und auch sonst gab es immer wieder Momente, in denen ich mir ziemlich alleingelassen vorkam.
Aber dann ging es langsam aufwärts. Ein Meilenstein war sicher, als ich auf dem Botschafts-Empfang zum Tag der Deutschen Einheit Heidi kennenlernte, mit der ich mich dann recht schnell anfreundete und die viele Erfahrungen mit mir teilte. Ein paar Wochen später lernte ich mit Ruth eine zweite MAP kennen, mit der ich mich sehr gut verstand, traf mich ab und zu mit unserer Nachbarin, bekam jemanden vorgestellt, der bei einer NGO arbeitete – plötzlich flutschte es. Anfangs hatte ich das Gefühl, dass wir uns viel Mühe gaben, Leute kennenzulernen, ohne dass sich daraus irgendetwas ergeben hätte – und irgendwann gaben wir uns dann nicht mehr so viel Mühe und es funktionierte plötzlich.

Highlights waren und sind natürlich immer unsere Reisen (auch gerne mit Besuchern - auch unsere Besuche aus Deutschland waren für mich Höhepunkte!). Ich habe das südliche Afrika liebgewonnen - nicht nur Botswana, auch Südafrika und Namibia, obwohl ich von beiden Ländern bislang nur Bruchteile gesehen habe. An fast immer blauen Himmel mit Sonnenschein kann man sich ebenfalls gut gewöhnen.
Ansonsten hat sich mein Englisch in diesem Jahr sehr verbessert. Ich habe Autofahren gelernt, organisiere unser tägliches Leben und bin in mehreren Internet-Buchcommunities aktiv. Was ich nach wie vor vermisse sind Familie, Freunde, Kollegen und meine Arbeit. Aber Kontakte lassen sich dank E-Mails, Skype, WhatsApp und Threema auch über 10.000 km hinweg pflegen - das hat mich in den ersten Wochen hier gerettet. Ich habe nie das Gefühl gehabt, dass Philip und ich „aus den Augen, aus dem Sinn“ sind; viele Freundschaften ließen sich trotz der Entfernung ganz unkompliziert weiterführen. Ich bin immens dankbar dafür. Und unsere Eltern hatten und haben sowieso immer ein offenes Ohr.

Und so kann ich sagen: Nach einem etwas holprigen Start bin ich inzwischen ganz zufrieden hier. Wir wissen noch nicht, wie lange wir insgesamt in Gaborone bleiben werden. Aber ich kann die Zeit hier im Großen und Ganzen genießen und sehe es bereits kommen, dass ich Gaborone irgendwann einmal vermissen werde. Carpe diem!

Donnerstag, 20. April 2017

Im Südwesten Joburgs

Bei einem Kurzurlaub in Johannesburg darf ein Besuch in Soweto nicht fehlen, dem South-Western-Township, das so eng mit der Apartheitsgeschichte verbunden ist. Wir entschieden uns für eine vierstündige Tour, die dann doch etwas kürzer als geplant ausfiel; denn was uns vor unserem Osterwochenende in Joburg nicht klar war: Es gibt hier offenbar zwei Tage im Jahr, an dem alle Museen geschlossen haben: der erste Weihnachtstag - und Karfreitag; so ließen sich die normalerweise angesteuerten Museen nicht besichtigen.
Soweto hat angeblich 4,5 Mio Einwohner - das ist gerade mal doppelt so viel wie ganz Botswana; doch etwas andere Dimensionen. Und Soweto als ehemaliges Township von Johannesburg ist durchaus nicht nur eine Wellblechhütte an der anderen - es gibt dort genauso Villenviertel wie Viertel mit Häusern ohne Wasseranschluss; ein Ort der Gegensätze. Unser Führer meinte, dass Soweto viel sicherer sei als Johannesburg, weil jeder jeden kenne (bei 4,5 Mio Einwohnern?) - und wenn einer Mist baue, dann werde er eben gelyncht; wir waren uns nicht so ganz sicher, ob Selbstjustiz wirklich so praktisch ist, auch wenn es die Kriminalitätsrate drücken mag.
Wir wurden mit einem Minibus durch Soweto gefahren, konnten an ein paar Stellen aussteigen und uns umsehen. Das Kohlekraftwerk wurde vor wenigen Jahren stillgelegt, um die Luftqualität zu verbessern; die Kühltürme wurden von einem Sponsor bunt angemalt - und heute kann man dort Bungeespringen. Wir haben das nicht ausprobiert.


Dafür sind wir an Mandelas Haus vorbeigefahren (bis vor kurzem ein Museum, heute leer), an Denkmälern zur Apartheitsgeschichte;


an einer Kirche, die während der Apartheid eine wichtige Rolle als Versammlungsort spielte (und bis zu 3500 Menschen Platz bieten soll), etc.


Es war eine bunte Mischung, die wir an diesem Vormittag gesehen haben, eine beeindruckende Mischung, die Lust auf mehr machte. Vielleicht trauen wir uns dann beim nächsten Mal auf eine geführte Stadtrundfahrt per Fahrrad durch Soweto, das dürfte noch einmal ganz andere Perspektiven geben (auch wenn die Hügel, die es durchaus gibt, uns ins Schwitzen bringen werden).

Am nächsten Tag besuchten wir dann das Apartheitsmuseum, das quasi zwischen Johannesburg und Soweto liegt. Ein imposantes Gebäude, das auch museumspädagogisch modern und interessant aufgemacht ist.


Die Eintrittskarte, die man an der Kasse erhält, sortiert einen erst einmal nach "weiß" und "schwarz" und dementsprechend muss man dann auch durch den entsprechenden Eingang ins Museum gehen.


Wir erhielten einen kurzen Abriss über die Historie Johannesburgs (Goldgräberstadt!), die eigentliche Ausstellung ging dann mit einer Geschichte Sowetos los, dessen erste Siedlungen Anfang des 20. Jahrhunderts entstanden.
Ich fand die Ausstellung gut gemacht, auch mit vielen Bildern - sie führte mir allerdings auch vor Augen, was ich alles nicht wusste über die Apartheid. Denn ich hatte das Gefühl, dass viele Themen nur angerissen wurden oder Vorwissen vorausgesetzt wurde, manchmal meinte ich Zeitsprünge zu entdecken - und so tat ich mich doch mit der Einordnung in einen Gesamtkontext gelegentlich etwas schwer. Mit jetzt etwas mehr Vorwissen würde es sich sicher lohnen, das Museum noch ein zweites Mal zu besuchen, denn bei unserem Besuch haben wir uns längst nicht alle Exponate und Filme detailliert angesehen, verbrachten aber dennoch eindrückliche zweieinhalb Stunden in der Ausstellung -  irgendwann ist man eben auch einfach nicht mehr so aufnahmefähig.

Dienstag, 18. April 2017

Joburg, Braamfontein: mal hip, mal scary

Die Ostertage haben Philip und ich in Johannesburg verbracht. Dort gibt es einiges, was man in Gaborone (bzw. generell in Botswana) nicht findet: Eine Skyline, Großstadtflair, (geöffnete) Museen ... Johannesburg hat allerdings selbst ohne das riesige Township Soweto immer noch mehr Einwohner als ganz Botswana. Und es ist nicht nur größer, sondern auch gefährlicher. Ich habe eben mal nach "gefährlichste Städte der Welt" gegoogelt und festgestellt, dass Johannesburg in den verschiedenen Statistiken im Gegensatz zu Kapstadt nicht mehr unter den Top Ten aufgeführt wird. Es kann sich allerdings gefährlicher anfühlen als die "Mother City" Cape Town ... Doch auch Johannesburg hat mehrere Seiten. Das wurde uns vor Augen geführt, als wir am Karfreitag an einer "Free Walking Tour" durch das hippe Studentenviertel Braamfontein teilnahmen.


Es war bewölkt und wir waren insgesamt nur vier Teilnehmer. Wegen des langen Wochenendes und auch wegen eines kurz vorher runtergegangenen Regenschauers waren die Straßen nicht besonders belebt, die Geschäfte hatten zwar geöffnet, aber es war kaum etwas los. Was mir vor allem auffiel und was ich aus Kapstadt so nicht kannte: Es waren so gut wie keine Weißen unterwegs. Wir fielen auf und wurden immer wieder angebettelt. Als ich unsere Guide Setwo vorsichtig darauf ansprach, erzählte sie mir, dass in den Innenstadtvierteln generell nicht viele Weiße unterwegs wären, aber in Braamfontein immer noch mehr als im Stadtzentrum. Da würden gar keine Weißen rumlaufen, es sei einfach zu gefährlich, und bei den "Free Walking Tours" dort müssten alle Teilnehmer Hand- und Kamerataschen sowie Rucksäcke im Büro des Touranbieters lassen, alles andere wäre fahrlässig. Hmmm. Ich habe in Kapstadt  - wo man tagsüber auch prima alleine durch das Stadtzentrum streifen kann - schon an mehreren "Free Walking Tours" des gleichen Anbieters teilgenommen. So etwas hatte ich noch nicht erlebt.


Setwo führte uns durch die Straßen und ab und an auch in einen Club oder eine Bar, die besonders angesagt waren. Irgendwann bat sie uns dann stehenzubleiben und machte uns auf zwei Typen aufmerksam, die uns folgen würden. Tatsächlich hatte ich den einen davon auch schon an einer Ampel wahrgenommen - einer inzwischen ziemlich weit entfernten Ampel. Unsere Guide hatte dagegen beobachtet, dass die beiden schon einige Zeit hinter uns her liefen - sie waren uns wohl auch in ein Café gefolgt, das sie ebenfalls wieder verließen, nachdem wir wieder draußen waren.

Setwo war pragmatisch. Sie nahm an, dass die beiden darauf warteten, dass wir zu einer nicht einsehbaren Stelle kommen würden. Also änderte sie kurzerhand ihre übliche Route ab, wir kehrten um und blieben auf den Hauptstraßen Braamfonteins. Als die Typen an uns vorbeiliefen, musterten sie uns zwar nochmal, zogen dann aber ihrer Wege. Alles ging schnell und war gut gelöst. Aber wäre Setwo nicht so wachsam gewesen, wären wir wohl überfallen worden. Kein schönes Gefühl.

Dennoch kamen Philip und ich am nächsten Tag tatsächlich noch einmal nach Braamfontein. Wir hatten uns Tickets für die Citysightseeingbusse gekauft und stiegen im Studentenviertel aus, weil da jeden Samstag ein "Neighbourgoods Market" stattfindet, der uns nicht zuletzt von Setwo und unserer Vermieterin empfohlen worden war. An dem Tag war ein super Wetter, Sonnenschein, und die Straßen waren bevölkert - aber nicht so sehr wie der Markt. Dort war eine tolle Atmosphäre, es gab richtig coole Stände und Livemusik auf einer Dachterrasse. Die Leute drängten sich, niemand bettelte, die Stimmung war super - auch so konnte Braamfontein sein. Es war ein Riesenunterschied zum Vortag. Man sollte in Johannesburg nicht zur falschen Zeit am falschen Ort sein. Aber ruhig zur richtigen Zeit am richtigen Ort!



Donnerstag, 13. April 2017

Gaborone von oben: Skylounge

Wir waren nun schon mehrfach auf dem Kgale Hill, dem Hausberg Gaborones (zuletzt haben wir hier davon berichtet). Von dort hat man einen netten Blick auf die Stadt und den Stausee. Allerdings liegt der Kgale Hill recht am Rand der Stadt (quasi bei uns vor der Haustür), und da Gaborone eine weitläufige Stadt ist, bekommt man eben nur einen teilweisen Überblick.
Mit unseren letzten Besuchern haben wir uns daher noch eine andere Stelle gesucht, um Gaborone von oben zu sehen: Im 19. Stock eines Hochhauses gibt es die "Skylounge", eine Bar, von der aus man einen einen guten Blick auf die Stadt hat. Ich war beruflich schon zwei Mal dort; beim ersten Mal, während meines ersten Aufenthalts in Gaborone im Januar 2016, war dies noch eine richtige "rooftop bar", d.h. ohne Dach und ganz unmittelbar den Elementen ausgesetzt. Das war fast schon ein Flair wie in manchen "Rooftop Restaurants", die ich in Asien erleben durfte.
Mittlerweile wurde jedoch ein Dach über die Skylounge gebaut und für mich hat die Bar damit einen Großteil ihrer Atmosphäre verloren. Dennoch hat man von dort einen schönen Ausblick auf den Central Business District (CBD) und weitere Teile der Stadt. Und da wir um den Sonnenuntergang herum dort waren, gönnten wir uns gleich noch einen "sundowner". Prost.




Montag, 10. April 2017

Run Philip, run!

Als ich meiner Chefin vor anderthalb Jahren erzählte, dass wir nach Gaborone ziehen würden, fragte sie mich, was ich denn da beruflich machen könnte. Meine eher vage Antwort kommentierte sie mit dem schönen Begriff „Spielerfrau“, was mich noch heute zum Schmunzeln bringt. So auch an diesem Sonntagmorgen, denn dieses inzwischen lange zurückliegende Gespräch fiel mir ein, als ich gegen 5:20 Uhr eine Trikotnummer mit Sicherheitsnadeln an Philips GIZ-T-Shirt feststeckte. Das fühlte sich nämlich wirklich mal nach Spielerfrau an.

Was war los? Philip hatte sich wie so viele seiner Kollegen zum „Lady Khama Charity Run“ angemeldet, weswegen er um 6 Uhr am Gaboroner Stadion sein sollte. Da wir weder Parkmöglichkeiten noch Menschenmassen einschätzen konnten, war der Plan, dass ich ihn hinfuhr, eventuell irgendwo fernab parken und ihn dann wieder abholen würde. (An dieser Stelle sei erwähnt, dass es ab und an auch Vorteile hatte, als ich noch nicht Auto gefahren bin … also, Vorteile für mich. Das mag egoistisch klingen, aber solche Gedanken können einem schon mal kommen, wenn am Sonntagmorgen um 4:55 Uhr der Wecker klingelt.)

Es stellte sich dann aber raus, dass Parken kein Problem war. In Gaborone gibt es einige ungeteerte Freiflächen, auch mitten in der Innenstadt. Eine davon ist direkt neben dem Stadion und war mindestens für den Lauf wohl auch zum offiziellen Parkplatz deklariert worden. Wir stellten das Auto ab und waren pünktlich vor Ort. Es standen schon einige Pavillons in der Stadionmitte, auch einer von der GIZ, wo wir dann Philips Kollegen trafen.



Auf einer Bühne begann ein Fitnesstrainer mit einem öffentlichen Aufwärmprogramm. Es wurde langsam hell und das Stadion füllte sich zusehends. Dann starteten die 21 km-Läufer, ein paar Minuten später die 10 km-Läufer und zuletzt die, die sich für die 5 km angemeldet hatten.


An der Spitze positionierten sich jeweils die durchtrainierten Profis. Hinter ihnen kamen sowohl Kollegengruppen mit gleichfarbigen T-Shirts als auch Leute, die sich privat angemeldet hatten, sogar die ein oder andere Familie mit Kindern. Ein Paar lief die 5 km-Strecke mit Kinderwagen, vereinzelt sah man auch mal muslimische Frauen mit Kopftuch joggen. Zwei ältere Damen mit Wanderrucksäcken hatten sich für die 21 km angemeldet und stiefelten ziemlich gemütlich los, als der Startschuss fiel – sie sahen nicht so aus, als hätten sie vor, noch eine schnellere Gangart einzulegen. Es war eine bunte Mischung, für den Großteil der Läufer schien der Spaß im Vordergrund zu stehen und die Stimmung war so gut, dass ich mir sogar vorstellen könnte, beim nächsten Mal selbst mitzulaufen (die 5 km – ich muss ja nicht gleich übertreiben …).
Die ankommenden Läufer wurden mit Medaillen und gelben Beuteln mit Getränken und Snacks begrüßt. Der Warm-Upper begann ein Warm Down-Programm zu moderieren, Philip kam schließlich durchs Ziel gesprintet und wurde von mir natürlich spielerfrauen-mäßig bejubelt und empfangen.


Auch seine Kollegen fanden sich nach und nach ein. Inzwischen schien die Sonne ins Stadion, es wurde langsam richtig warm und die Leute machten sich nach und nach auf den Heimweg. So auch wir. Und gegen 9 Uhr saßen wir auf unserer Terrasse beim Frühstück, als wäre nichts gewesen …

Samstag, 8. April 2017

Kunst!

Kulturveranstaltungen stehen in Gaborone nicht unbedingt auf der Tagesordnung. Es gibt kein Theater, kein Opernhaus oder ähnliches, was man in einer Hauptstadt vermuten würde - gelegentliche Aufführungen finden in Schulaulen oder im Kongresszentrum statt. Auch was Museen angeht, hat Gabs nicht viel zu bieten. Das Nationalmuseum ist seit fast einem Jahr wegen Renovierung geschlossen und die anwesenden Mitarbeiter, die trotzdem täglich an der Rezeption sitzen, können keinerlei Auskunft geben, wann es wieder öffnen wird. Ansonsten ist mir nur noch ein Philateliemuseum bekannt, und auch das nur von außen. Denn obwohl es an dem Gebäude dransteht, kann ich nicht so recht glauben, dass sich hinter den Mauern wirklich eine Briefmarkenausstellung verbirgt – in einem Land, in dem auf ein funktionierendes Postsystem nicht wirklich Wert gelegt wird … aber eines Tages werde ich herausfinden, ob es dort wirklich etwas anzuschauen gibt. Hier geht man halt auch nicht unbedingt nach Interesse, sondern nimmt mit, was angeboten wird.

Über den GIZ-Verteiler erreichte uns dann vor zwei Wochen eine Einladung zu einer Vernissage, die uns spontan interessierte. In der zum Nationalmuseum gehörenden (und eigentlich ebenfalls geschlossenen) Nationalgalerie wurde eine dreiwöchige Ausstellung eines botswanischen Künstlers namens Botho David angekündigt: "BOKA - Batswana Of Known Appearances". Die Vernissage war ein öffentliches Event, das an einem Dienstagabend stattfand. Also machten wir uns mit unseren Gästen auf den Weg. Das „Opening Event Programme“ fand open air vor dem Museum statt. Es wurden noch Plastikstühle gerückt und verteilt, als wir kamen und man begrüßte uns sogar persönlich, was eventuell daran lag, dass Philip direkt von der Arbeit gekommen war und mit Anzug doch relativ offiziell aussah. Die Veranstaltung begann mit einem Eröffnungsgebet, für das ein Pastor eingeladen worden war. Anschließend gab es verschiedene Reden, in mittelmäßigem bis sehr gutem Englisch. So war zum Beispiel der Managing Director der Botswana Development Corporation Limited  (BDC) zu Gast. Das BDC fördert im Auftrag der Regierung unter anderem Start-Ups und der Direktor rief in seiner Rede zu mehr Engagement und Eigeninitiative von Künstlern auf – sie hätten zum Beispiel gerade erst ein neues Geschäftshaus errichtet und er hätte es großartig gefunden, wenn Künstler auf ihn oder seine Mitarbeiter zugekommen wären und ihnen angeboten hätten, ihre Kunst dort an die Wände zu hängen. Das war offensichtlich nicht geschehen und hätte mich auch eher gewundert, denn diese Denke passt für mich nicht zum eher gemächlichen Gang, den die Dinge in Botswana zu gehen. Aber der Managing Director des BDC forderte auf, auch mal anders und quer zu denken, und das fand ich gut und inspirierend. So etwas hatte ich hier noch nicht gehört.
Anschließend trug die Schwester des Künstlers, eine Dichterin, zwei kurze Texte vor, die in Richtung Poetry Slam gingen – auch so etwas war uns hier noch nicht begegnet. Botho David selbst meldete sich nur sehr kurz zu Wort, aber insgesamt dauerten die Reden ungefähr eine Stunde. Dann wurden wir in den Ausstellungsraum gebeten und begutachteten die zwanzig bis dreißig Portraits. Der Künstler hatte verschiedenste prominente Batswana portraitiert: Sportler, Fernsehmoderatoren, Schönheitsköniginnen … uns waren sie sämtlich unbekannt, aber die Bilder haben uns gefallen.



Dennoch wurden wir nach kurzer Zeit schon wieder herauskomplimentiert, da inzwischen ein kostenloses Buffet aufgebaut worden war. Wir aßen, tranken und unterhielten uns mit anderen Gästen und ich hatte das Gefühl, unter lauter kulturinteressierten, weltoffenen Menschen gelandet zu sein – ebenfalls eine in Gaborone so noch nicht gemachte Erfahrung. Was für eine schöne Überraschung!

Mittwoch, 5. April 2017

Stampede

Stell Dir vor, Du kommst gerade am Flughafen an, parkst Dein Auto, gehst zum Flughafengebäude - und als Du in das Gebäude hineingehst, kommen Dir plötzlich ganz viele Leute entgegengerannt, weit über hundert. Sie scheinen teilweise um ihr Leben zu rennen.
Wie reagierst Du?

So ist es mir am Montagabend dieser Woche in Gaborone gegangen. Ich wollte Walli abholen, die aus Kapstadt zurückkam. Und da kamen mir all die Leute entgegen, das hatte schon Züge einer Stampede. (Der Duden definiert Stampede übrigens als "Substantiv, feminin - wilde Flucht einer in Panik geratenen [Rinder]herde". Das passt doch in einer Rinderzüchternation wie Botswana.) Ich überlegte kurz, dann folgte ich den Leuten, eher in einem gemächlichen Schritt, zugegeben.
Außerhalb des Gebäudes und des Vordaches sammelten sich die Menschen, einzelne kippten auch um. Ich fing an, einzelne Leute zu fragen, was denn los sei. Die erste Antwort, die ich bekam, lautete sinngemäß: "Ich bin auch erst vor fünf Minuten gekommen, da sind alle Leute losgerannt, also bin ich mal hinterher." Die zweite Antwort ging in eine ähnliche Richtung. Die dritte Person, die ich fragte, sagte mir dann, dass das ganze Gebäude gewackelt habe, und deshalb alle rausgerannt seien. Das Gebäude gewackelt? Die Flugzeuge, die hier landen, sind eigentlich nicht groß genug, um ein Gebäude zum wackeln zu bringen, sollten sie unbeabsichtigt mal mit dem Gebäude kollidieren. Und Botswana galt bisher nicht als eine Erdbebenregion.
Die Situation normalisierte sich nach ein paar Minuten, nach und nach gingen die Geflüchteten wieder ins Gebäude, so auch ich. Während ich auf Walli wartete, telefonierte ich mit meinen Eltern - die mich schließlich doch wieder aus dem Gebäude schickten; ich solle doch lieber wieder nach draußen gehen. Na gut.

Etwas später an dem Abend erfuhren wir dann, dass es sich tatsächlich um ein Erdbeben gehandelt hatte. Und ich hatte nichts mitbekommen - vermutlich trat es auf, als ich gerade noch mit dem Auto zum Flughafen fuhr; Walli war ohnehin noch in der Luft und verpasste es so auch.
6,5 auf der Richterskala, mit dem Epizentrum 229 km nordwestlich von Gaborone. Dafür, dass Botswana nicht als Erdbebenregion bekannt ist, war das doch recht heftig. 1952 hat es wohl mal ein Erdbeben mit 6,7 auf der Richterskala gegeben, ansonsten bebte die Erde hier in den letzten Jahrzehnten nie. Es gab glücklicherweise wohl nur wenige Leichtverletzte und wenig Schäden an Gebäuden; da kann man wohl in diesem Fall von Glück sprechen, dass dieses Land so dünn besiedelt ist.
Natürlich war das Erdbeben am Dienstag das Gesprächsthema Nummer eins, sowohl bei mir auf der Arbeit - als auch bei Facebook. Recht nett fanden wir dieses Bild, das die Situation hier zu treffen scheint:

Montag, 3. April 2017

Gastbeitrag: Drittes Drittel: Home sweet home – oder: All you can see in Gabs

Wir hatten Besuch! Friedemann und Angelika waren 2,5 Wochen in Botswana, sind mit uns gereist und haben unseren Alltag in Gaborone erlebt. Gästeblog statt Gästebuch ist nun angesagt! Hier das zweite Drittel (zur Einleitung und dem ersten Drittel geht es hier, zum zweiten Drittel geht es hier):

Drittes Drittel: Home sweet home – oder: All you can see in Gabs
Wir sind sehr dankbar für die Fantasie, die Walli und Philip entwickeln, um jeden Tag noch einen besonderen Programmpunkt hervorzuzaubern. Sie schöpfen ja gewissermaßen aus dem Leeren. Das schließt noch den kleinen Ecological Park (Leergutsammelstelle plus Restaurant plus Kinderspielplatz: ein Stern), ein gepflegtes Gartencenter (ohne Stern, aber mit Gartenrestaurant!) und mit dem Glück der Tüchtigen auch die erste Vernissage ein, von der sie in Gabs überhaupt hören, mit kleinen Einblicken in die hiesige Kunstszene. Museen sind selten, aber geschlossen, die sehenswerten Malls arbeiten wir exemplarisch ab, aber die Main Mall ist ein Must: 500 m bummeln unter freiem Himmel zwischen Nationalversammlung und Nationalmuseum vorbei an Ständen mit Geflochtenem, Gewebtem, Geschnitztem vor mehrstöckigen Häuserzeilen. Typisch auch der nationale Botanische Garten: unbesucht und liebenswert bescheiden. Die drei Chiefs in sozialistisch uninspirierter Umgebung zwischen Busch und Business brüsten sich ein bisschen sehr, aber nicht grundlos: Politisch weitsichtige und mutige Könige, für die nationale Identität von höchster Bedeutung. Zwei Höhepunkte buchstäblich: Der Kgale Hill, 300 m felsiger Aufstieg, bei schönem, also bedecktem Wetter, zuletzt auf allen Vieren zum sehr lohnenden Rundblick; Sundowner in der Sky Lounge, 19. Stock, Business District, absoluter Geheimtipp.

Und drumherum: das Mokolodi Nature-Reserve, keine halbe Stunde entfernt. Der Tierbestand scheint absichtlich soweit ausgedünnt, dass man im Norden über diesen Appetizer nicht das Staunen verlernt. Positiv denken: Schöne Landschaft, beste Pizza in Town.

Die stattliche Missionskirche von 1907 in Molepolole hat mit den Museen gemeinsam, dass sie geschlossen ist. Der Glockenturm gleicht dem Flughafen: Maßstabsgetreu verkleinert. Er ist mit seinem Glöckchen in 4 m Höhe leicht zu übersehen. Dafür ist die Ein-Sterne-Töpferei in Thamaga findbar und offen. Und auch die Weberei in Oodi ist gerade in ihrer ländlichen Schlichtheit beeindruckend.

Ende einer harmonischen Mehrgenerationen-WG, Philip zu einer Tagung, Walli, A & F zu einem Kapstadt-Trip.

„Es wandelt niemand ungestraft unter Palmen, und die Gesinnungen ändern sich gewiss in einem Lande, wo Elefanten und Tiger zu Hause sind.“ Wie weit Goethes dichterische Intention trägt, das warten wir ab, die Besucher und erst recht unsere lieben Gastgeber, die Residents.

Samstag, 1. April 2017

Gastbeitrag: Zweites Drittel: Heia, Safari! Oder: Elefanten, Löwen und Co.

Wir hatten Besuch! Friedemann und Angelika waren 2,5 Wochen in Botswana, sind mit uns gereist und haben unseren Alltag in Gaborone erlebt. Gästeblog statt Gästebuch ist nun angesagt! Hier das zweite Drittel (zur Einleitung und dem ersten Drittel geht es hier, zum dritten Drittel geht es hier):

Zweites Drittel: Heia, Safari! Oder: Elefanten, Löwen und Co.
Um es gleich objektiv und mit der Autorität von WDR 5 klarzustellen: „Es gibt keine bessere Safari-Destination als das Okavango Delta.“

Massentierhaltung im Chobe Nationalpark. Zur Freude der Touristen zehnfach überbucht von Elefanten-Immigranten, denen es hier nicht an die Stoßzähne geht. Im Privatboot auf dem Chobe-Fluss, mit einer Rilke-Variation, dem Metrum zuliebe im Singular: „Und dann und wann ein grauer Elefant“. Panther gab’s keine und das Zitat zu Krokodil ist des Reimes wegen nur in Ägypten brauchbar. Fauna reichlich. Und Weite, Wasser, Wild, zum Alliterieren schön. Die meistgebrauchten Wörter auf Safaris: rechts, links, Impala.

Kurze Reise ins Nachbarland Simbabwe. Victoriafälle, am Ende der Regenzeit schleierhaft grandios. Schleierhaft? Wolkenloser Himmel, und von den Fällen her bis auf die Haut eingesprüht. Philips Unterwasserkamera schießt Tröpfchenfotos. Lunch im berühmten Hotel mit Blick auf „die“ Brücke, das Symbol für den Kap-Kairo-Traum der Engländer. Jeder Raum, alle Flure, der Park: von kolonialem Flair.

Afrikanische Sonnenuntergänge? Die Bar am Chobe ist zum Sundowner erste Wahl. Jeden Abend anders-gleich. Und immer zum Sitzenbleiben und Schwer-Losreißen.

In der Chitabe Lodge zwei Flughopser weiter südwestlich fällt man für drei Tage aus der Welt, bei strengem Zeitregime: 5 Uhr wecken, Frühstück, Game Drive, Brunch, Mittagsruhe, Teatime, Game Drive, Sundowner, Dinner. Quer durch den Busch und fröhlich amphibisch durch den See, immer den Predators hinterher (unser englischer Wortschatz wächst), alle Antilopenvariationen und was sonst alles sich von Grün ernährt als Beifang. Wenn wir steckenbleiben: Kollege kommt gleich. Und auf einmal liegt er neben Dir, der Löwe, in neunfacher Ausfertigung. Unser Guide ist im Spurenlesen lebensgefährlich gut. Dass ein Löwe aus dem hohen Gras aufspringt, nachdem der Guide gerade erst ausgestiegen war, um dessen Fährte zu lesen, geht ihm doch zu nahe.

Face-to-face im offenen Landrover. Die schöne deutsche Metapher von den Berührungsängsten (unbedingt im Plural) gewinnt neue Bedeutung. Wenn die Hyäne den Weg versperrt und wenn man bei der Umfahrung mit gebrochener Lenkstange im Busch festsitzt und wenn rechts die Löwen grollen und wenn es dämmert und dunkelt: dann ist man nicht unglücklich, wenn die Mechaniker in zwei Wagen ankommen und man behutsam umsteigen kann.

Vögel nach Bestimmungsbuch, Nummern 1 bis 173, die Nummern 31, 68, 105 … (Ihr wollt das so genau gar nicht wissen). Bei Nummer 108 stimme ich verhalten das Deutschlandlied an (schwarz, rot, gold).

Zur Lodge nur so viel: Wenn die Zahl der Gäste (außer uns noch zwei oder drei) zu der des Personals (80, allerdings rollierend), in so günstigem Verhältnis steht, ist man gut bedient. Zu unseren Wohnbereichen gelangen wir auf Stegen (im Dunkeln bitte nur in Begleitung!). Sie „Zelte“ zu nennen (es gibt acht davon), ist das perfekteste Understatement ever. Dass auf all unseren Hotelzimmern bisher Yogamatten und Hanteln und Erwachsenenmalbücher gefehlt haben, ist mir seither schmerzlich bewusst. Schwere Entscheidungen dann doch immer wieder: Rotwein oder Weißwein, Außendusche oder Innendusche, Terrasse/Sessel/Sternenhimmel oder Kingsize-Bett (hatten wir „losreißen“ schon?). Zum Geld nur so viel: Alles hat seinen Preis, und auch die Richterskala ist nach oben offen.

Zurück in die Welt. Am Airstrip. Die Giraffen sind von der Landebahn verscheucht. In der Abfertigungshalle (dreimal drei Meter, wandlos, aber überdacht) halten wir den Daumen raus für die kleinste Cessna, die gerade Platz für uns vier hat. Philip ersetzt den Co-Piloten gern, und Walli auf dem Notsitz sucht einen Ersatz-Beruhigungsarm. Ankunft in Gaborone (vergleiche erstes Drittel): verwirrend viele Menschen, alles stählern, gläsern, groß.