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Dienstag, 24. Dezember 2019

Weihnachtsgruß und Jahresrückblick 2019

Glühwein, Nieselregen und eine Schneemannlampe von IKEA – der deutsche Dezember hat uns wieder! Zum ersten Mal seit 2015 erleben wir ihn in voller Länge und haben sogar eine kleine Vorweihnachtsparty veranstaltet, nachdem wir es bisher versäumt hatten, Geburts­tage, Einzug oder neue Jobs zu feiern.

Im Januar und Februar hatten wir in Gaborone gefühlt eine Abschiedsparty nach der nächsten. Zwischendurch haben wir Autos, Möbel und Deko verkauft und die Reste ein­packen lassen … es war eine intensive, schöne und manchmal auch schmerzliche Abschiedszeit. Am 26.02. ging unser Aufenthalt im südlichen Afrika zu Ende, als wir im Ethiopian Airlines-Flieger saßen, aus dem Fenster auf den schnuckeligen Gaboroner Flughafen guckten und es immer noch nicht richtig glauben konnten. Keine 24 Stunden später fanden wir uns mit sechs Koffern, zwei Kisten und zwei kleinen Rucksäcken in Frankfurt wieder. Neustart!

Und der lief recht gut an, allerdings auch ohne Pause, zumindest für Philip: Zwei Tage später saß er bereits an seinem neuen Arbeitsplatz. Fernab von der Projektumsetzung des süd­lichen Afrikas arbeitet er nun in einer Stabsstelle und macht sich Gedanken zu Wirtschaft­lichkeit, Gesellschaftsvertrag, künftigen Geschäftsmodellen der GIZ und weiteren solcher schwer verdaulichen Grundsatzfragen. Er lernt die GIZ noch einmal ganz anders kennen und der neue Job macht ihm trotz der manchmal mühseligen Abstimmungsrunden im Haus Spaß.

Walli hatte etwas mehr Zeit, sich zu akklimatisieren, genoss das Leben in Frankfurt-Bocken­heim (rumlaufen! Kulturveranstaltungen! Wochenmarkt!) und meldete sich beim Arbeitsamt. Ein prima Bewerbungstraining, ein kleiner Übergangsnebenjob bei ihren früheren Büronach­barn, Besuch verpasster Kabarettprogramme – Langeweile kam keine auf. Und seit 20. Mai steht oben in ihrem Lebenslauf auch wieder ein Vollzeitjob: Kundenmanagerin bei der Frank­furter Buchmesse – das hätte sie von Botswana aus nicht mal zu hoffen gewagt. Zum ersten Mal in unseren Berufsleben ist Wallis Job durch die Betreuung ausländischer Aussteller nun internationaler als Philips, der derzeit höchstens mal mit dem Bonner Ministerium kommuni­ziert. Der entscheidende Tipp für Wallis Jobsuche kam übrigens von zwei früheren Kommili­toninnen. So ein totaler Neustart war unser neues Frankfurter Leben nämlich doch nicht – wir konnten an so einiges anknüpfen. Das war schön und machte es einfacher.

Ende Juni folgte dann der nächste Umzug: Von unserer Zwischenmiete-Bleibe in unsere alte Wohnung. Dort gab’s dann auch ein schnelles, freudiges, vollständiges und fast unbe­schädigtes Wiedersehen mit unserem Umzugsgut und bald zogen auch unsere neuen Möbel bei uns ein, die wir seit Ende April bei zahlreichen Möbelhaustouren zusammengestellt hatten. Es dauerte dann allerdings doch bis Mitte Oktober, bis die Wohnung einigermaßen komplett war – da wurden die Bücherregale geliefert, passenderweise während der Frankfurter Buchmesse.

Und dann hat sich der Zustand von Philips Vater im Laufe des Jahres immer weiter ver­schlechtert. Jede Verschlechterung war belastend, und bevor man sich irgendwie daran gewöhnen konnte, setzte schon die nächste ein. Man ist dem schutzlos ausgeliefert – als Erkrankter wie auch als Angehöriger.
Am 27. September ist Philips Vater gestorben.
Auch wenn er schwer erkrankt war, so hatten wir noch nicht so schnell mit seinem Tod gerechnet. Es ist ein schöner Gedanke, dass wir ihn am Wochenende zuvor noch erleben durften und ihn an seinen letzten Tagen begleiten konnten. Er fehlt uns.

Uns haben viele gute Freunde durch dieses Jahr begleitet, die da waren, zugehört haben, Hilfe angeboten haben. Das hat sehr gutgetan! Dazu kommt großes Glück mit den neuen Kollegen. Und nach drei Auslandsjahren haben wir 2019 auch ganz ungewohnt viele Familienmitglieder wiedergesehen – wenn auch nicht nur zu schönen Anlässen.

2019 sind wir auch gereist, wenngleich weniger als in den letzten Jahren. Die Ziele waren toll: Zum Jahresanfang noch eine Abschieds-Safari in Madikwe / Südafrika, später Boden­see, Wien, Ägypten. Zwar gibt es auch am Bodensee einen Affenberg, in Wien den Schön­brunner Zoo (den wir ausgelassen haben) und in Ägypten viele Fische beim Schnorcheln und ein paar Delfine – aber die Großwild-Safaris vermissen wir doch. Und unser Dachzelt. Und die Weite des südlichen Afrikas. Aber wenn Walli nostalgisch wird, erinnert Philip sie immer daran, was wir nicht vermissen: Internetprobleme, botswanische Handwerker, beunruhigende Autogeräusche, Ameisen in der Küche, Termiten an den Palmen sowie Elektrozäune und Alarmanlagen.

In der Frankenallee 25 in Frankfurt haben wir zwar deutlich weniger Platz als im Duo Close in Gaborone, aber dennoch auch hier ein Gästesofa mit Schlafcouch. Bisher wurde das von Wallis Eltern, Philips Mutter und Geno und Ali ausprobiert, die uns lustigerweise auch alle in Botswana besucht hatten. Gaborone-Erfahrung ist aber keine Voraussetzung für einen Besuch bei uns – kommt ruhig mal vorbei!

2020 haben wir bislang folgendes geplant: Keine Umzüge, keine Jobwechsel und weniger Möbelhausbesuche. Wir freuen uns darauf – und wünschen Euch jetzt wunderschöne Weihnachten!


PS: Für alle, die sich noch nicht unsere teils alten, teils neuen Adressdaten notiert haben, hier noch einmal der Überblick:

Frankenallee 25
60327 Frankfurt

waltraut@madelung-online.de
mobil: 0163 5112408 (altbekannt)

philip@madelung-online.de
mobil: 0178 1024177 (neu)

Freitag, 15. März 2019

Abflug und Ankunft

Und dann war er da, der Tag unseres Abflugs. Wir wachten im Masa Square Hotel auf, in dem wir unsere letzten beiden Tage in Gaborone kostenlos verbracht hatten - bzw. eigentlich nur die Nächte, tagsüber waren wir noch schwer beschäftigt gewesen. Doch nun stellte sich das gute, aber auch seltsam ungewohnte Gefühl ein, alles erledigt zu haben. Nachdem wir in der letzten Zeit unter Strom gestanden und von den Vorbereitungen der Büro-, Auto- und Hausübergaben bis hin zu Kontokündigungen viel zu erledigen gehabt hatten, war nun alles getan - wir waren hier fertig, was gleichermaßen merkwürdig und erleichternd war. Um 10 Uhr hatte ich noch eine Abschiedsverabredung auf der Hotelterrasse, und nachdem diese schrieb, dass auch ihr Mann mitkommen wollte, gesellte sich auch Philip dazu. Diese Freunde hatten es tatsächlich geschafft, bei all unseren Abschieden verreist oder krank zu sein, und so war es sehr schön, dass auf den letzten Drücker doch noch ein Treffen klappte. Auch eine andere Freundin kam noch dazu.
Gegen 11:30 Uhr kehrten wir dann auf unser Zimmer zurück und packten unser restliches Gepäck. Insgesamt hatten wir stolze vier Koffer, zwei Kartons und vier Handgepäckstücke (zwei kleine Koffer, zwei Rücksäcke), von denen ein Teil jedoch bereits bei unserer Freundin Elke lagerte - wir hatten ihr die Sachen am Sonntag vorbeigebracht, damit wir nicht alles ins Hotel mitnehmen mussten. Gegen 12 Uhr kam Elke dann zum Hotel, wir brachten unser restliches Gepäck runter und dann war auch schon Ruth da, in deren Auto wir die letzten Sachen verstauten. Die beiden brachten Philip und mich dann in getrennten Autos zum Flughafen, denn ob unser gesamtes Gepäck mit drei Personen in ein Auto gepasst hätte, schien äußerst fragwürdig. Am Flughafen ließen wir unseren Drucker in der Originalverpackung und die mitgenommene Umzugskiste noch in Folie einwickeln, um sie zu stabiliseren und auch regensicher zu verpacken. Dann ging es zum Check-In bei Ethipian Airlines, der völlig problemlos verlief.

Der Gaboroner Flughafen hat inzwischen sogar zwei Cafés, aber Elke, Ruth und wir setzten uns zum Abschluss nochmal in das altbekannte, in dem wir auch schon oft mit unseren Besuchern gesessen hatten. Heidi und Jackie stießen noch dazu, schließlich auch noch Charly und es fühlte sich sehr normal an und gleichzeitig ziemlich surreal, dass das nun das letzte gemeinsame Treffen sein sollte. Von beiden Gaboroner Flughafencafés hat man das Rollfeld bestens im Blick und es reicht natürlich, durch die Sicherheitskontrolle zu gehen, wenn man seinen Flieger ankommen sieht - die Wege sind extrem kurz. Dennoch wurden wir irgendwann unruhig und kündigten unseren Abschied an. Während der letzten Umarmungen kam dann auch der Flieger. Ein letztes Foto, ein letztes Winken.


Ich hatte sehr damit gerechnet, bei diesem letzten Abschied in Tränen auszubrechen, aber dazu kam es gar nicht. Sicherheitskontrolle, Passkontrolle, noch zehn Minuten in der Lounge und dann begann auch schon das Boarding.


Bei der Ausreise flogen wir Business Class in einem eher ältlichen Flieger, so gab es keine Bildschirme vor den einzelnen Sitzen, diese waren dafür sehr groß (und durchgesessen). Aber das war sowieso alles egal, denn wir waren doch damit beschäftigt, zu realisieren, dass wir gerade die letzten letzten Male durchlebten: Blick auf den Gaboroner Flughafen, Abflug, Botswana von oben ... die Zeit, ungefähr sechs Stunden, verging im wahrsten Sinne des Wortes wie im Flug. In Addis Ababa hatten wir gerade so viel Zeit, dass es für ein halbes Stündchen in der Lounge reichte, dann stiegen wir in den weitaus neueren Flieger nach Frankfurt, wo Philip schnell schlief und ich noch einen seltsamen Film schaute. Und dann nach ein paar Stunden: Frankfurt, Landung gegen 5:10 Uhr. Alles Gepäck war mitgekommen und sehr schnell da und so standen wir am Mietwagenschalter, kurz nachdem dieser um 6 Uhr öffnete. Der Angestellte war sich nach einem Blick auf die beiden vollgepackten Gepäckwagen sehr sicher, dass wir das nicht alles ins Auto bekommen würden und bot uns ein kostenpflichtiges Upgrade in eine höhere Fahrzeugkategorie an. Wir teilten zwar seine Einschätzung - ich hatte eh damit gerechnet, mit ein oder zwei Koffern die Bahn zu nehmen - doch Philip spielte dann extrem erfolgreich Tetris und am Ende passte alles (in das vorab gebuchte Fahrzeug)!


Und so waren wir kurz nach 7 Uhr in Frankfurt-Bockenheim, fanden einen Parkplatz und holten gegen 7:30 Uhr die Schlüssel für die möblierte Wohnung ab, in der wir die nächsten vier Monate zur Zwischenmiete wohnen würden. Noch vor acht waren wir eingezogen. Nun begann er also: Der neue Lebensabschnitt in Frankfurt.

Sonntag, 10. März 2019

Die letzten Tage in Gaborone

Schon mit der Rückkehr aus dem Weihnachtsurlaub in Deutschland war uns bewusst, dass wir in den letzten fünfeinhalb Wochen Botswana, die uns bevorstanden, viele "letzte Male" erleben würden. Diese letzten fünfeinhalb Wochen standen also quasi im Zeichen des Abschiednehmens.
Von unserer privaten und der offiziellen Abschiedsparty haben wir ja bereits geschrieben. Und dann gab es noch weiteres Abschiednehmen: Wir gönnten uns noch einmal ein verlängertes Wochenende im Madikwe Game Reserve, einem tollen Park mit den "Big Five" gleich hinter der Grenze in Südafrika (Berichte von früheren Besuchen dort z.B. hier oder hier).


Ein befreundetes Ehepaar lud noch einmal uns und andere zu sich nach Hause ein, um uns zu verabschieden - auch eine sehr nette Geste.
Nachdem dann unser Hausrat abgeholt worden war und auch die letzte, offizielle Abschiedsparty stattgefunden hatte, blieb uns noch ein Wochenende, an dem einige Bekannte vorbeikamen, um die Möbel, die wir ihnen verkauft hatten, abzuholen. Am Ende des Wochenendes hatten wir schließlich weder Bett noch Kühlschrank im Haus und zogen für die zwei allerletzten Nächte ins Hotel. Ganz nett: Die Hotelübernachtungen hatten wir auf der GIZ-Weihnachtsfeier gewonnen. Die Gaboroner Hotels geben vor Weihnachten ein paar Gratisübernachtungen an gute Kunden ab, die wir als einzelne Mitarbeiter nicht annehmen dürften, und so wurden sie in einer Tombola auf der Weihnachtsfeier verlost. Walli und ich hatten das Glück, je eine Übernachtung für zwei Personen zu gewinnen; eine gab ich an meinen Projektfahrer ab, der sich eine solche Übernachtung nie leisten könnte, dafür bekamen wir eine Übernachtung von Freunden geschenkt, die ihren Gewinn nicht einlösen wollten.
Am vorletzten Wochenende in Gaborone besuchte Walli mit einer Freundin noch einmal den Markt, auf dem kaum Lebensmittel, aber viele Souvenirs und viel Kleinkram verkauft wird; an sich ein guter Ort, um Bekannte zu treffen, auch wenn diesmal nicht so viele Leute dort waren.
An unserem letzten Wochenende waren wir noch einmal mit unserem Gärtner Sam verabredet, der uns samstags seine Familie vorstellen wollte. Kurz vor der verabredeten Zeit rief er dann an und sagte, dass er kein Geld für das Minibus-Taxi hätte - so holte ich ihn und seine Tochter an einer Tankstelle ab, seine Frau musste arbeiten, als Sicherheitswächterin in einem Hotel. Die neunjährige Tochter Bridget lernte erstmals uns und unser Haus kennen und wirkte recht eingeschüchtert, aber dennoch begeistert über ein englischsprachiges Kinderbuch, das wir ihr schenkten. Als ich sie und ihren Vater anschließend nach Hause zurückfuhr, sah ich erstmals auch Sams Haus: Außergewöhnlich für einen Motswana hat er in seinem Vorgarten einen richtig grünen Garten angelegt - ein Gärtner eben!


Um an unserem Haushaltsauflösungswochenende auch noch einen kleinen Ausflug zu machen, fuhren wir nachmittags noch einmal zum gänzlich unprätentiösen Gaborone Yacht Club, der auf einer Insel im Stausee Gaborones liegt; ein schöner Ort für ein kühles Getränk an einem heißen Tag.



Für Samstagabend hatten wir Freunden Bescheid gesagt, dass wir noch einmal in unser Lieblingsrestaurant in Mokolodi gehen wollten. Freunde, die in unmittelbarer Nachbarschaft des Restaurants wohnen, luden daraufhin uns und alle, die dazu kommen wollten, vorab noch einmal zu einem "Sundowner" auf ihrer Terrasse ein. So verbrachten wir einen wunderschönen Abend in netter Gesellschaft. Wir waren sehr gerührt, wie häufig sich unsere Freunde zusammenfanden, um von uns Abschied zu nehmen.



Am nächsten Nachmittag/Abend (unserem vorletzten in Botswana) waren wir nach den allerletzten Möbelabholungen noch auf einen Kindergeburtstag eingeladen; als wir später erstmalig ins Hotelbett fielen, waren wir doch recht kaputt: Mit dem Umzug ins Hotel wurde nun unwiderruflich die allerletzte Phase unseres Botswana-Aufenthalts eingeläutet, sie bedeutete aber gleichzeitig, dass ein Großteil unserer nicht unstressigen Umzugs-/Auszugsvorbereitungen erledigt war.

Am letzten vollen Tag in Gaborone wurde unser Haus morgens noch einmal von Patricia durchgeputzt. An unserem Schluckspecht wurden letzte Reparaturen durchgeführt, ich räumte noch ein wenig im Büro auf. Walli empfing zu Hause ein Technikteam unseres Internetproviders, das gekommen war, um die Antenne auf dem Dach abzubauen: Ein Mitarbeiter kletterte völlig ungesichert auf den Dachfirst und Walli fürchtete schon, doch noch ein botswanisches erstes Mal an diesem Tag zu erleben und einen Krankenwagen rufen zu müssen; zum Glück kam er aber heil wieder runter.
Nachmittags übergaben wir dann das Haus unseren Vermietern, die positiv überrascht waren, dass wir die durch Nägel entstandenen Löcher an den Wänden gestopft und übermalt hatten. Nach der Übergabe unserer treuen Autos an ihre neuen Besitzer gönnten wir uns noch einmal einen Sundowner und ein Abendessen im höchsten Restaurant der Stadt, oben auf einem der wenigen Hochhäuser gelegen, mit tollem Blick auf Gaborone und den Sonnenuntergang - und schließlich auf die Lichter der Stadt. (Von der benachbarten und mittlerweile geschlossenen Skylounge hatten wir schon einmal berichtet, von dort hatte man ähnlich schöne Blicke, aber in längst nicht so schönem Ambiente.) Ein würdiger letzter Abend.

Dienstag, 5. März 2019

Abschied im Gartenbaumarkt

Neben der privaten Abschiedsparty, von der Walli bereits berichtete, hatte ich auch eine offizielle Abschiedsparty. Die machte ich gemeinsam mit meinem Chef. Wir hatten ein gutes Verhältnis (u.a. machten wir gemeinsame Campingtouren, z.B. nach Kubu Island, in den Moremi Nationalpark/Okavango Delta, in den Mabuasehube Nationalpark), und da er nur ca. zwei Wochen nach mir das Land verlassen wird - Richtung Irak - dachten wir, dass es eine gute Idee sei, gemeinsam einen offiziellen Abschied zu feiern. 
Als Ort für die Feier wählten wir einen Gartenbaumarkt. Sanitas ist eine Oase in Gaborone und hat neben dem Gartenbaumarktsortiment auch ein schönes Café sowie zwei Konferenzräume. Letztere haben wir auch häufig für GIZ-Tagungen gebucht. Die Eigentümer von Sanitas waren zufälligerweise auch Wallis und meine Vermieter - Gaborone ist eben doch ein Dorf.

Mein Chef und ich mieteten also die Konferenzräume des Gartenbaumarktes mit umliegenden Außenanlagen und Bar, dann ging es an einem Donnerstagabend gegen 18 Uhr los. Walli hatte am Nachmittag dieses Tages die Verladung unseres Hausstands beaufsichtigt und kam von zu Hause zur Feier, während ich direkt aus dem Büro dorthin fuhr.
Neben GIZ-Mitarbeiter/innen waren auch Botschaftsmitarbeiter/innen, Partner von SADC und vereinzelt der botsuanischen Regierung, sowie von der EU-Delegation eingeladen. 
Besonders geehrt fühlten mein Chef und ich uns, dass von SADC die höchste Leitungsebene zur Abschiedsfeier kam. Nach einer Rede des deutschen Botschafters auf meinen Chef bekam auch ich eine Rede, von meinem Chef: Neben den Projekterfolgen würdigte er auch, dass ich das Thema der regionalen Integration in mein privates Leben mitgenommen hätte, so wären Walli und ich ja wohl unzählige Kilometer grenzüberschreitend in Urlaube gefahren. 


Walli und ich durften (es fühlte sich eher an wie "mussten") außerdem am Ehrentisch Platz nehmen, an dem neben den zu Verabschiedenden auch weitere Ehrengäste saßen. Ich hätte mir meine Abschiedsfeier in diesem Punkt auch etwas ungezwungener vorstellen können, aber in dieser Sache hat man wohl nicht immer die Wahl. 
Für meinen Chef hatten alle Projekte kurze Abschiedsvideos produziert, die gezeigt wurden, auch sein Vorgesetzter in Deutschland hatte einen Video-Gruß geschickt. Aus meinem Team gab es zwei weitere Reden auf mich, und ich bekam schließlich noch ein Gemälde eines Baobab-Baums im Sonnenuntergang überreicht. Etwas kitschig ist es schon, mal schauen, ob es in unserer Wohnung schließlich einen Platz finden wird. Aber immerhin: Kunst aus Botswana - das haben wir sonst fast nie wahrgenommen. 


Für uns vorbereitet war auch ein Kuchen mit der Aufschrift "Auf Wider Sehen" - im Stile einer Hochzeitstorte durften mein Chef und ich diesen schließlich anschneiden. Damit wir uns nicht einigen mussten, wer das Messer führt, ließ ich ihm den Vortritt und machte schließlich noch einen separaten Schnitt neben seinem. 


Nachdem alle Reden gehalten waren und die Ehrengäste sich verabschiedet hatten, wurde es noch ein schöner, entspannter Abend. Einige unserer Freunde und meiner Kollegen waren gekommen, und für uns war zu diesem Zeitpunkt der Großteil des Umzugs bereits in trockenen Tüchern - so ganz langsam setzte die Entspannung ein.


Montag, 25. Februar 2019

Mr & Mrs Move

In den Umzugsplanungen stecken wir seit Dezember und haben uns vor ungefähr sechs Wochen für eine Umzugsfirma entschieden. Und trotzdem: So richtig endgültig fühlt sich ein Umzugsvorhaben doch erst an, wenn gepackt wird. Für uns erledigte das größtenteils die Umzugsfirma Mr. Move. Ob wir selbst die Kisten packen würden, stand hier gar nicht zur Debatte, vor allem wegen des Zolls wird davon abgeraten: Packt ein Umzugsunternehmen, vertraut der sehr viel eher darauf, dass alles seine Richtigkeit hat und nichts in den Container gewandert ist, was nicht mitgenommen darf bzw. extra verzollt werden müsste (z.B. Alkohol, angebrochene Lebensmittel, Pflanzen oder Souvenirs, für deren Ausfuhr man eine Genehmigung braucht, wie beispielsweise Straußeneier). Packt jemand privat, ist die Wahrscheinlichkeit einer Kontrolle durch den Zoll sehr viel höher. Und wird der Container erstmal zur Kontrolle geöffnet, erhöht das leider auch die Chancen, dass etwas geklaut wird.
Obwohl wir also nicht selbst packten, waren die Tage vor dem Umzug trotzdem stressig. Man lässt ja trotzdem nicht jeglichen Kleinkram rumliegen, sondern packt schonmal einiges selbst zumindest in kleinere Boxen. Wir haben außerdem versucht, möglichst gut auszumisten, denn unser Gärtner Sam und unsere Haushaltshilfe Patricia freuen sich über alles - alte Klamotten, Schuhe, Taschen, Schlafsäcke, Drogerieartikel-Pröbchen, Lebensmittel. Dinge, von denen man sich in absehbarer Zeit vielleicht eh trennen wird, finden hier nochmal eine neue Verwendung. Wie sagt Patricia: "For you it's old, but for someone it's new."

Letzten Mittwoch war es dann soweit: Mr. Move stand vor der Tür. Noch vor der vereinbarten Zeit, 9 Uhr - das machte schon einmal einen sehr guten Eindruck, nachdem Philip mich nach dem Aufwachen nur halb-scherzhaft gefragt hatte: "Und? Meinst Du, sie kommen heute?"
Es waren vier Packer, bzw. drei und ein Vorarbeiter und sie legten mindestens genauso professionell los wie vor drei Jahren die Leute von Schenker. Was nicht in Kisten passte, wurde passgenau verpackt - hier z.B. unsere Holzgiraffe. Ich hoffe, wenn wir uns wiedersehen, hat sie keine weiteren Schönheitsoperationen nötig ...


Philip fuhr beruhigt zur Arbeit, ich bekam moralische Unterstützung von meiner Freundin Elke. Bald stieß noch eine andere Freundin zu uns, die in zwei Wochen ebenfalls mit Mr. Move umziehen wird und sich schon mal einen ersten Eindruck von den Packkünsten des Unternehmens verschaffen wollte. Wir saßen wie ein kleines Kaffeekränzchen auf der Terrasse, während im Haus gepackt wurde. Zwischendurch kamen noch drei Damen aus dem Büro der Umzugsfirma vorbei, die sich nur mal vorstellen und nach dem Rechten schauen wollte - alles wunderbar.
Mittags waren Elke, die Packer und ich dann wieder alleine. Ich holte zum Mittagessen Pizza für alle. Eine vegetarische war auch dabei, die erst kritisch beäugt wurde, dann aber als erstes alle war, weil keiner der Herren schonmal vegetarische Pizza gegessen hatte und sie zumindest mal probieren wollten. Nach dem Mittagessen fuhr Elke dann, da klar war, dass ich ohne Verstärkung auskommen würde. Ihr Auto war voll mit ehemals unseren Nachttischen, dem Schuhschrank und einem Spiegel - sie und ihr Mann sind einer unserer beiden Großabnehmer.

Philip und ich haben tatsächlich fast alle unsere Möbel verkauft, wollten den Großteil aber bis knapp vor der Ausreise behalten - wochenlang im halbleeren Haus zu wohnen, wäre ja doch ungemütlich gewesen. Und so hatten wir für die Packtage bzw. das Wochenende danach auch noch einige Möbelübergaben vereinbart. Verkaufte Kleinteile sowie alles, was wir mit ins Flugzeug nehmen wollten, hatten wir in unser ansonsten leeres Gästezimmer eingeschlossen. Eine sehr umzugserfahrene Freundin, deren Mann bei der Botschaft arbeitet, hatte mir dringend dazu geraten. Sie wollte vor Jahren mal Möbelpacker in Deutschland am Umzugstag mit Bratkartoffeln erfreuen und musste dann feststellen, dass die Pfanne eingepackt worden war - mit Inhalt. Und leider nicht mehr auffindbar. Das Wiedersehen in Südamerika drei Monate später war dann kein freudiges ...

Gegen 16 Uhr verabschiedeten sich die Packer. Ich machte mir Gedanken, ob das Mittagessen zu gut gewesen war: Für das Packen waren zwei bis drei Tage angesetzt worden, nachdem sie nun so pünktlich Schluss machten, war ich mir sicher, dass sie am dritten Tag auch mindestens noch zum Essen da sein würden. Aber gut, Hauptsache, alles würde ordentlich erledigt werden.

Am zweiten Packtag kamen sie dann zu fünft. Auch Elke schlug gegen 12 Uhr auf, worauf ich zum Mittagessen holen fuhr, diesmal von der heißen Theke des Pick'n'Pay-Supermarktes: Chicken and rice with coleslaw and potatoe salad. Als ich wieder nach Hause kam, stand Niels vor der Tür, der mir damals das Umzugsangebot geschickt hatte und sich selbst als "den letzte Rhodesier" bezeichnete. Auch er wollte mal nach dem Rechten schauen und war angetan: Nach seiner Einschätzung waren 99% gepackt. Aufgrund des Kistenchaos hatte ich das bislang noch nicht erkannt, aber er hatte Recht: Viel war es nicht mehr. Nach einem Gespräch mit seinem Vorarbeiter bestellte er den Truck für 14 Uhr - jetzt war es 12:30 Uhr. Ich fand das sportlich, aber tatsächlich hielten drei der fünf Männer nach dem Mittagessen erstmal ein Mittagsschläfchen auf dem Fußboden. Nur der Kollege, der die Küche einpackte sowie Vorarbeiter Patrick arbeiteten weiter.
Gegen 14 Uhr stand dann tatsächlich der Truck vor unserer Tür, aber erstmal passierte nichts - Patrick war fleißig dabei, unsere Packstücke mit Nummern zu versehen und auf einer Liste einzutragen. Seine Leute hatten so noch Zeit, sich ein zweites Trinkgeld zu verdienen und trugen unseren Nachbarn Regale und Waschmaschine rüber, die diese gekauft hatten. Ein 5x5 Kallax, von zwei Mann getragen ... nicht schlecht. Wir hätten es sonst vermutlich auseinanderbauen müssen.


Und dann ging es los: Mir wurde eine Pappe in die Hand gedrückt, auf der ich die Nummern sämtlicher Packstücke verzeichnen sollte, die an mir vorbeizogen. Elke bastelte mir parallel eine neue Liste mit fortlaufenden Nummern, die ich einfach abhaken konnte. Wir wechselten uns schließlich ab und liefen beide auch nochmal durchs Haus, um sicherzustellen, dass auch wirklich alles eingepackt worden war.  Zwischendurch fielen mal ein paar Tropfen Regen, aber das eigentliche Unwetter zog dankenswerterweise weiter.


Gegen 17 Uhr schlossen sich dann die Trucktüren. Unser Container wird erst in ca. zwei Wochen bei Mr. Move gepackt, sobald die Zollfreigabe vorliegt. Wir hoffen das Beste: Dass die Sachen dort sicher lagern und keines der 189 Packstücke wegkommt.




Als der Truck abfuhr, kamen mir ganz kurz die Tränen, die ich aber schnell wegblinzelte, da nun keine Zeit für Wehmut war: Es war bereits 17 Uhr, um 18 Uhr sollte die offizielle GIZ-Abschiedsparty für Philip und seinen Chef starten. Elke - was hätte ich ohne sie getan? - sprang in ihr Auto und ich unter die Dusche. Danach rief ich allerdings doch Freunde an und bat sie, ob sie mich mitnehmen könnten. Und nachdem geklärt war, dass ich nicht mehr selbst fahren musste, genehmigte ich mir eine Flasche südafrikanischen Ciders - den hatte ich nun doch irgendwie nötig.

Drei Nächte blieben Philip und ich noch im sich immer weiter leerenden Haus, bis schließlich auch das Bett abgeholt wurde - es wird von nun an das Gästebett von Elke und ihrem Mann sein. Dann zogen wir für die letzten beiden Nächte ins Hotel. Vor drei Monaten, nachdem Philip die Zusage für seine neue Stelle bekommen hatte, schrieb er über den Anfang vom Ende - inzwischen ist nun wohl das Ende vom Ende gekommen ...

Donnerstag, 14. Februar 2019

Abschiedsparty

Unsere Zeit in Botswana nähert sich dem Ende - immer schneller und schneller. Und so liegen inzwischen bereits zwei von drei Abschiedspartys hinter uns. Letzte Woche Dienstag hatten wir Philips Mitarbeiter mit Partnern zu uns eingeladen. Philip grillte, ich hatte Salate gemacht und es war ein sehr vergnügter Abend, bei dem vor allem der Projektfahrer ungeahnte Entertainer-Qualitäten bewies.
Insgesamt waren wir zu elft, eine sehr gut händelbare Anzahl von Gästen. Abschiedsparty Nummer zwei sollte jedoch größer sein, war sie doch als unsere "richtige" Abschiedsparty geplant, zu der wir unsere Freunde einladen wollten. Da wir mit um die 30 Gästen rechneten, entschieden wir uns hier erstmals, ein Catering zu bestellen. Wir waren letztes Jahr auf einer Party bei Freunden, die sich das Büffet von einer Deutschen namens Heidi hatten liefern lassen. Heidi betreibt ca. 20 km außerhalb von Gaborone einen Ponyhof mit angeschlossenem Café und ist gerade dabei, ihren Restaurantbetrieb auszubauen. Sie richtet auch Kindergeburtstage dort aus und als wir vor fast drei Wochen zu einem eingeladen waren, engagierte ich sie für unsere Abschiedsparty. Schließlich stellten wir auch noch fest, dass sie Rheinbacherin ist (dort bin ich aufs Gymnasium gegangen) und ihr Ex-Mann der Sohn meiner alten Schulsekretärin, die im gleichen Dorf wie ich wohnte ... die Welt ist klein! Wenn ich in Rheinbach jemanden aus Rheinbach treffe, ist da keine größere Verbundenheit. In Botswana hingegen fühlt es sich schon fast nach Verwandtschaft an.

Also fuhr ich ein paar Tage später wieder nach Notwane, um mit Heidi das Büffet durchzusprechen. Im Gepäck hatte ich einen Eimer mit vier Fröschen, die Philip aus unserem Swimmingpool und unser Nachbar aus seinem Teich gefischt hatte, wegen akuter Lärmbelästigung. Ich setzte sie - mit Heidis Einverständnis - in deren Teich aus, dann planten wir mit ihrem neuen, indischstämmigen Koch das Essen. Heidi bot für das Büffet unterschiedlich gefüllte Wraps an sowie Kartoffelsalat und Frikadellen, er schlug zusätzlich indisch zubereiteten Blumenkohl und Brokkoli vor, Chicken Wings in Barbecuesauce sowie indische Kartoffelbällchen. Als Nachtisch beschlossen wir Obstspieße und Tiramisu und schon stand das deutsch-indische Büffet. Heidi bot noch an, mir Wassergläser und Tische auszuleihen, die sie dann auch schon vorab vorbeibrachte. Unter anderem lieh sie uns zwei sogenannte "Bierkreuze" aus, kreuzförmige Stehtische, die zum Erfolg unserer Party tatsächlich maßgeblich beitrugen.

Heidi hatte mir auch geraten, zwei Maids für den Abend zu engagieren; eine sollte abspülen, eine leere Flaschen, Gläser und Teller einsammeln. Da unsere Maid Patricia sehr weit außerhalb wohnt, engagierte ich die von Freunden mit ihrer Mutter. Sie sollten gegen 17:30 Uhr da sein - auch ein Tipp von Heidi, damit sie in jedem Fall vor Ort wären, wenn das Essen gegen 18 Uhr geliefert werden würde. Die Maids waren dann auch sehr pünktlich, das Essen weniger - es kam erst kurz nach 19 Uhr und damit nach den ersten Gästen. Es wird mir im Gedächtnis bleiben, wie die beiden Helferinnen vorab arbeitslos in unserem Wohnzimmer saßen und die Ältere anfing, mit den Armen zu Totos "Africa" mitzugrooven, das natürlich auf unserer Abschieds-Playlist stand.

Da wir die Tische bereits im Vorfeld aufgebaut hatten und auch Teller und Besteck schon bereitlegen konnten (wir hatten uns von einer Freundin zusätzliches ausgeliehen), musste das Essen nur noch im Wohnzimmer bereitgestellt werden, während sich die ersten Gäste schon im Garten unterhielten. Die Getränke hatten wir selbst besorgt und in Kühlboxen auf die Terrasse gestellt. Unser Gärtner Sam fungierte als Parkplatzwächter und saß in einem unserer Campingstühle vor dem Haus. Jetzt konnte die Party beginnen - und das tat sie! Unsere Gäste saßen auf der Terrasse oder standen an den Bierkreuzen auf unserem Kunstrasen, die sehr halfen, dass sich die Leute mischten. Wir hatten den Eindruck, dass sich sämtliche Konstellationen bestens unterhielten. Die einzigen, die eher gelangweilt wirkten, waren meine 11- und 13-jährigen serbischen Deutschschülerinnen, was aber abzusehen gewesen war. Sie hatten mich im Vorfeld gefragt gehabt, ob es Süßigkeiten geben würde, und nachdem ich ihnen ein Tellerchen vorbereitet und sie außerdem mit dem WLAN-Passwort versorgt hatte, wurde der Abend für sie einigermaßen erträglich. Ihre Mutter hatte eigentlich gar nicht vorgehabt, lange zu bleiben, zumal ihr Mann krank zu Hause geblieben war, war aber dann immens gefragt: Da Olga Pianistin ist, hatte ich schon einen Freund von uns auf sie angesetzt, der sein Klavier verkaufen wollte; überdies vermietet ihre Familie ein Haus, an dem eventuell ein anderer Kollege von Philip Interesse hat. Auch die Freundin, die den Deutschunterricht von mir übernehmen wird, war mit Verlobtem und Eltern zugegen - unser einziger Gast, der außer Philip und mir eigentlich niemanden kannte, war also fast der Gefragteste! Aber auch sonst wurden neue Bekanntschaften geschlossen, eine Schnapsflasche leergetrunken und sogar eine Schildkröte weitervermittelt.


Philip und ich wurden reich beschenkt mit Kissenbezügen und einer Tischdecke, die wir uns zuvor bei Botswana Craft ausgesucht hatten. Es gab auch eine kleine Rede und ein Gruppenfoto und ich erinnerte mich an unsere Einweihungsparty, die zwar nett gewesen war, auf der ich aber so gut wie niemanden gekannt hatte, weil wir ja noch ziemlich neu im Land gewesen waren. Der Unterschied hätte kaum größer sein können. Von den Gästen unserer Einweihungsparty war tatsächlich kein einziger auf unserer Abschiedsparty: Mit einigen ergab sich später kaum Kontakt, andere, die wir sonst gerne eingeladen hätten, haben inzwischen das Land verlassen. Aber auf unserer Abschiedsparty waren auch viele "Neuankömmlinge", also Freunde, die in den letzten drei Jahren erst nach uns in Gaborone angekommen sind. Unser Start in Botswana war nicht ganz einfach und der Abschied wird es leider auch nicht werden, denn viele liebe Menschen werden uns fehlen.

Apropos fehlen: Was an diesem Abend in keinster Weise fehlte, war das Essen! Vom Kartoffelsalat, den Chicken Wings und dem Tiramisu wurde maximal ein Drittel gegessen. Ich bot den Maids an, sich Carepakete einzupacken und versorgte nicht nur unseren Gärtner mit Essen, sondern auch den Wachmann von gegenüber, mit dem er sich im Laufe des Abends angefreundet hatte (die Essensversorgung war eventuell eine ungeahnte Investition in die Zukunft - dazu mehr im nächsten Blogeintrag). Gegen Mitternacht rief ich für Sam und die beiden Damen noch Taxen, dann saßen wir mit den letzten Freunden noch bis nach 1 Uhr zusammen - für Gaboroner Verhältnisse ist das krass lang!

Freitag, 1. Februar 2019

Die Entscheidung für eine Umzugsfirma

Als wir in Deutschland waren, sprach uns eine Freundin auf unseren Blogbeitrag zu den von uns angefragten Umzugsfirmen an, der einen Cliffhanger enthalten würde, den wir nie aufgelöst hätten. Ich habe ihn gerade nochmal gelesen und musste feststellen: Sie hat völlig Recht. Dabei bietet das Thema "angefragte Umzugsfirmen" inzwischen genug Stoff für einen weiteren Blogbeitrag. Zeit, dass ich diesen schreibe ...
Was bisher geschah: Pelo von Umzugsfirma Nummer eins kaufte mir mein altes Damenrad ab und bat mich, ihm den Preis von Philips Fahrrad, den ich nicht spontan wusste, zu whatsAppen. Das tat ich, und das war auch unser letzter Kontakt. Es irritiert mich ein bisschen, dass er zwar Raum für Raum mit seinem Tablet abfotografiert hat, es aber noch nicht mal schaffte, mir ein Angebot zu schicken. Auf der anderen Seite war er schon vom Auftreten her der Unprofessionellste, weswegen ich sein Unternehmen gedanklich eh schon ausgeschlossen hatte. Umzugsfirma eins war damit schnell raus.

Umzugsfirma vier hat es allerdings auch nicht geschafft, ohne nochmalige Aufforderung ein Angebot zu schicken. Ihr Vertreter war noch gar nicht bei uns gewesen, als ich den letzten Blogbeitrag zu dem Thema schrieb. Aber nachdem ich von mehreren Seiten hörte, dass dieses international operierende Unternehmen auch zu den besten gehörte, rief ich dort an, worauf ein junger Mitarbeiter vorbeikam, der passenderweise Kago hieß (spricht sich aus wie "Cargo" - Frachtgut). Kago war neben dem letzten Rhodesier von Umzugsfirma drei (siehe letzter Blogbeitrag zu dem Thema) der einzige, der gar keine Anstalten machte, mir etwas abkaufen zu wollen. Das fand ich gut. Er machte zwar ein paar Bemerkungen über Frauen und wie viele Schuhe sie brauchen und mutmaßte wegen des bunten Chaos in unserem Arbeitszimmer, dass wir offensichtlich Kinder hätten, aber abgesehen von diesen Kleinigkeiten kamen wir gut miteinander zurecht. Kago erkundigte sich außerdem, ob Frankfurt in der Nähe von Koblenz wäre - seine Firma hat dort ihren deutschen Sitz.
Dass ich nach seinem Besuch gar nicht mehr von Kago hörte, verwunderte mich. Zugegebenermaßen hatte er während unseres Südafrika-Urlaubs vor Weihnachten mal versucht, mich anzurufen, aber es kam weder eine Mail noch ein Angebot. Weil er sonst einen passablen Eindruck gemacht hatte, fragte ich Anfang Januar nach, worauf offensichtlich sein Chef antwortete mit Rückfragen zu unserem Umzug nach Koblenz ... irgendwie waren die Eckpunkte unserer Anfrage verlorengegangen, unter anderem der Ort. Schriftlich ließ sich aber alles klären und schließlich schrieb mir tatsächlich auch noch jemand vom deutschen Unternehmenssitz in Koblenz, der sich als zukünftiger Ansprechpartner vorstellte. Das war nett, aber tatsächlich sind mir die Fähigkeiten meines botswanischen Ansprechpartners momentan wichtiger, da ich den Eindruck bekommen habe, dass das Niveau der Umzugsfirmen hier sehr unterschiedlich ist. Und falls hier irgendwas nicht klappt, glaube ich nicht, dass irgendjemand in Koblenz groß Einfluss nehmen kann ...

Ständig in Kontakt war ich auch noch mit Lebo von Umzugsfirma Nummer drei. Lebo, die mir bereits einen Klappstuhl und unseren Campingtisch für ihr mobiles Nagelstudio abgekauft hatte. Sie hatte außerdem größeres Interesse an meinem alten IKEA-Schrank mit Nachttischchen und begeisterte außerdem noch eine Freundin für Philips großen PAX-Schrank. Auch sie kontaktierte mich während unseres Südafrika-Urlaubs wegen der Abholung der Schränke und kam dann an unserem Abflugtag in den Heimaturlaub noch vorbei, allerdings ohne jede Transportmöglichkeit. Also machte sie einfach nochmal Fotos von den Schränken und wir verschoben den Rest aufs neue Jahr.
Nach unserer Rückkehr aus Deutschland machte ich Lebo dann Terminvorschläge zur Schrankabholung, die sie zwar zur Kenntnis nahm, sich aber nicht äußerte, welchen sie nehmen wollte. Mir war dagegen schon an einem festen Termin gelegen, wir wollten ja nicht das ganze Wochenende auf Verdacht zu Hause rumsitzen. Die Kommunikation war nicht ganz einfach - würde sie bezüglich unseres Umzugs anders laufen, wenn wir diese Firma nehmen würden? Wir hatten unsere Zweifel.
Noch größere Zweifel bekamen wir allerdings, als Lebos Freundin am Sonntagmittag mit ihrem Schwager vor unserer Tür stand. Man muss dazu sagen, dass Umzugsfirma Nummer drei uns einen Spezialpreis vorgeschlagen hatte, falls unser Umzug nur das vereinbarte Volumen hätte. Heißt: Lebo hatte bei der Betrachtung unseres Hausstands ermittelt, wie viele Kisten gepackt werden müssten und welches Volumen unser Umzugsgut hätte. Das darauf basierende Angebot war besonders günstig, würde sich aber schnell verteuern, falls es doch mehr werden sollte. Tja. Lebos Freunde standen nun mit einem Pickup vor der Tür, bei dessen Anblick sofort klar war, dass da niemals zwei Schränke drauf passen würden. Der Schwager von Lebos Freundin begann mit Philips Hilfe gleich hochmotiviert mit dem Abbau des PAX-Schranks. Würde dieser überhaupt auf das Auto passen? Wir waren gespannt.

Ich rief während des Abbaus Lebo an, die angeblich das Geld für beide Schränke hätte. Dabei stellte sich heraus, dass sie in einem Café im nahegelegenen Einkaufszentrum Game City saß um auf ihre Freunde zu warten. Sie sagte, sie wären da verabredet gewesen, aber die Freunde waren nicht aufgetaucht, sondern offensichtlich direkt zu uns gefahren - vielleicht doch schon in der Annahme, dass eh nur ihr Schrank auf das Auto passen würde? Miteinander kommuniziert hatten sie nicht, weil sie kein Prepaid-Guthaben mehr auf ihren Handys hatten. Als Lebo schließlich ankam, war auf jeden Fall der Schrank ihrer Freunde schon fast abgebaut und klar, dass ihrer nicht mittransportiert werden könnte. Sie war nicht glücklich. Eine zweite Fahrt kam für sie an dem Tag nicht mehr infrage, da sie gar nicht mehr genug Geld für Benzin hätten (Lebo und ihre Freunde leben in Ramotswa, ca. 20 km außerhalb). Ich gab ihr zum Trost immerhin das Nachttischchen mit. Philip und ich staunten, wie der Schwager ihrer Freundin versuchte, den Schrank zu sichern ("Meinst Du wirklich, das kann so heil ankommen?" "Nicht mehr unser Problem ..."). Und dann fuhren sie los ...




... und kamen heil an! Zumindest berichtete uns das Lebos Freundin, als sie am Dienstag wiederkam, um Lebos Schrank abzuholen. Mit einem anderen Mann und einem anderen Auto, wo mein alter kleiner Schrank aufrecht stehend transportiert wurde. Die Ladefläche war vorher schon mit Zementsäcken und einer Badewanne beladen, die dann zur Stütze links und rechts genutzt wurden.


Was soll ich sagen - was Kommunikation im Vorfeld und Organisation des Umzugs anging, hatte ich einfach höhere Erwartungen in jemanden, der das beruflich machte. Und mein Vertrauen, dass Lebo das Volumen unseres Umzugs richtig eingeschätzt hätte, ging gleich null. Nachdem die Schrankübergabe nun vollbracht war, wartete ich noch zwei Anstandstage und sagte ihr dann per E-Mail ab. Sie hat sich nie wieder gemeldet.

Tja, und somit blieb nur noch Umzugsfirma zwei - wir ziehen jetzt mit "Mr. Move" um, ich habe dem letzten Rhodesier zugesagt. Auch hier gab es schon kleinere Minuspunkte, aber wir sind dennoch guter Hoffnung, dass diese Firma unseren Umzug am Professionellsten durchführt. Ab dem 20. Februar sind die Umzugspacker hier - wir halten Euch auf dem Laufenden!

Samstag, 19. Januar 2019

Kultur- und andere Schocks hüben wie drüben

Vor ein paar Monaten meinte Walli mal, dass wir ja vielleicht Weihnachten gar nicht mehr extra nach Deutschland fliegen müssten, wenn es absehbar sei, dass wir ohnehin Anfang 2019 in die Heimat zurückkehren. Wir entschlossen uns schließlich doch, Weihnachten in Deutschland zu verbringen. Und ich bekam einen Kulturschock.
Schon krass, wie das in Deutschland läuft: Da geht man einfach auf jemanden z.B. an einem Bahnschalter zu, sagt "Guten Morgen" und als nächstes "Ich hätte gerne eine Fahrkarte nach XYZ". Ist das nicht furchtbar unhöflich? Oder zumindest so wahnsinnig direkt? Hier in Botswana sollte man ja zumindest der Form halber mal noch ein "How are you?" zwischendurch gefragt haben, am besten noch "How is your Family?", fünf Stunden übers Wetter unterhalten etc.. In Deutschland: Nun ja, die Kommunikation war teils schon sehr direkt. Wir fühlten uns fast unwohl, selbst so direkt vorzugehen.

Während ich ein paar Tage von Eschborn aus arbeitete, hatte ich uns eine Wohnung über Airbnb gebucht. Die Wohnung war recht stylisch - und verursachte doch wieder einen kleinen Kulturschock bei mir: Eigentlich wollte es uns der Vermieter einfach machen. Skelett eines Büffelschädels an der einen Wand, Umriss des südlichen Afrikas an der gegenüberliegenden Wand (dachten wir, war nur zufällig altes Mauerwerk in dieser Form). Aber dann war es eben doch eine Wohnung ohne Bücher (der Vermieter ist Sportlehrer), und Alexa belauschte uns die ganze Zeit und Walli versuchte, mit ihr Konversation zu machen. Digitales Deutschland!

Und warum funktioniert eigentlich nicht alles in Deutschland? In Botswana bin ich immer überzeugt, dass in Deutschland alles funktioniert, dass Verkäufer mitdenken, etc. Wenn das dann in Deutschland doch nicht klappt, dann ist das auch immer ein kleiner Schock. Habe ich Deutschland von Botswana aus idealisiert?

Wenigstens komme ich derzeit nicht in Gefahr, Botswana zu idealisieren: Zwei Stunden nach Rückkehr bekam mein Handy keinen Empfang mehr (dauerte mehr als 24 Stunden, bis ich wieder telefonieren konnte), der Pool war grün statt klar und verliert mal wieder Wasser, das Tor zu unserem Grundstück öffnet sich automatisch (obwohl man es gerade vorher zugemacht hat - Batterie des Tormotors ist wohl zum zweiten Mal in einem halben Jahr kaputt), Stromausfall von 8 Stunden innerhalb unserer ersten 24 Stunden im Land, Internet zu Hause war stellenweise ausgefallen und ist ansonsten derzeit mal wieder sehr langsam, Internetbanking des lokalen Kontos geht über Tage (eigentlich Wochen) nicht zu entsperren, aus Deutschland mitgebrachte Ersatzteile werden zwar kurzfristig ins Auto eingebaut - lösen aber das Problem nicht, etc. Die Landung hier hätte also auch etwas sanfter sein können.
Ok, Walli ist hier doch recht schnell wieder angekommen: Innerhalb der ersten 36 Stunden verbrachte sie 10 Stunden mit Freundinnen im nahegelegenen Madikwe Game Reserve...

Gut fünfeinhalb Wochen werden wir noch hier sein, die Zeit fliegt, und wir sind nun wohl im "Abwicklungsmodus". Trotz aller Schocks werden wir auch wehmütig auf die Zeit in Botswana zurückschauen - und uns gleichzeitig auf Deutschland freuen.

Sonntag, 16. Dezember 2018

Ungeplanter Garage Sale

Ganz, ganz langsam beginnen unsere Umzugsvorbereitungen. Dass wir mit dem Verkauf von ersten Möbeln bereits begonnen haben, hatte ich ja schon geschildert. Diese Woche habe ich nun bislang vier Umzugsunternehmen kontaktiert, damit sie unseren Hausstand in Augenschein nehmen. Die ersten drei haben jeweils am darauffolgenden Tag gleich jemanden vorbeigeschickt. Am Dienstag empfing ich zunächst Pelo von Umzugsfirma Nummer 1, der sogleich mit seinem Tablet los fotografierte.

Philip und ich planen, die Mehrzahl unserer Möbel zu verkaufen. Einige Verkäufe sind schon fix vereinbart, eine Liste mit allem Übrigen wollen wir ab Mitte Januar über den GIZ-Verteiler jagen. Insofern musste ich in jedem Raum erklären, was bereits verkauft ist, was wir bestimmt verkaufen werden, was wir vermutlich und was auf jeden Fall nach Deutschland mitnehmen. An dieser Stelle möchte ich kurz betonen, dass das ungefähr so klang: "Dieses Regal hier ist verkauft, das Fahrrad will ich noch verkaufen und die leeren Blumenkübel nehmen wir mit nach Deutschland." Ich sagte also NICHT: "Dieses Regal hier ist verkauft, aber dieses formschöne Retro-Rad mit bequemem Sattel, neuwertiger Klingel und einem entzückenden Fahrradkörbchen, das jedem Radfahrer schmeicheln würde und pfeilschnell über die Straßen gleitet, ist für schlappe 400 Pula - nur heute! im Sonderangebot ..." Also, das sagte ich nicht. Trotzdem verlud Pelo mein Fahrrad nach einem sehr kurzen Verkaufsgespräch in seinen Kofferraum. Für seine Frau. Davor war er Probe gefahren und es hatte hinten einen Platten, den wir auf die Schnelle auch nicht erfolgreich aufgepumpt bekamen, aber das störte ihn nicht. Ich dagegen fand, dass ich ein gutes Geschäft gemacht hatte - vor sechs oder sieben Jahren habe ich für das Rad auf dem Flohmarkt 40,- € gezahlt und es jetzt für 32,- € weiterverkauft. Pelo hätte auch noch großes Interesse an Philips Rad gehabt, aber so spontan wusste ich nicht, was Philip dafür haben wollte. Ich habe ihm dann später wie vereinbart den Preis gewhatsappt - ca. das Zehnfache von meinem Rad, aber Philip hat eben auch kein altes Damenrad vom Flohmarkt ... seitdem habe ich nichts mehr von Pelo gehört. Ob er mir wohl noch ein Umzugsangebot schickt?

In meinem früheren Job habe ich gelernt, dass es bei Auftritten wichtig ist, dass der Künstler in seiner Rolle bleiben kann. Wenn er als Moderator gebucht ist, sollte er nicht zwischendurch noch eine halbe Stunde Standup-Comedy machen müssen. Sowas funktioniert in der Regel nicht wirklich gut und verwirrt das Publikum. In diesem Fall war ich tatsächlich verwirrt als potentielle Umzugskundin, die plötzlich zur Verkäuferin wurde. Es ist natürlich ganz nett, das alte Fahrrad schon losgeworden zu sein, aber irgendwie waren Pelo und ich so ziemlich vom Umzugsthema abgekommen. Zumindest war ich am nächsten Nachmittag schon etwas routinierter: Lebo von Umzugsfirma Nummer 3 fand zunächst Gefallen an einem alten Klappstuhl in unserem Gästezimmer und dann noch an unserem Campingtisch. Dessen Plastikoberfläche hatte auf unseren letzten Touren etwas gelitten und war nicht mehr sauber zu bekommen. Sie fragte, ob ich es mit dem hiesigen Putzmittel "Handy Andy" probiert hätte (ich hatte allerdings bislang nur mit Spüli geschrubbt). Und so wischten wir schließlich beide mit "Handy Andy" an dem Tisch herum (der tatsächlich sauberer wurde!) während sie mir erzählte, dass dieser eine gute Größe für ihr geplantes mobiles Nagelstudio hätte. Tja. Vielleicht kauft Lebo uns am Freitag auch noch meinen alten Ikea-Schrank mit Nachttisch ab, ich habe ihr auf jeden Fall Fotos gewhatsAppt, damit sie sie ihrem Mann zeigen kann. Später schrieb sie mir noch, was eigentlich die Zieladresse für unseren Umzug sei - stimmt, das hatten wir gar nicht mehr besprochen. Mir fiel dafür später auf, dass Philip und ich den Campingtisch für die nächste Woche (wir machen Campingurlaub in Südafrika) noch ziemlich gut hätten brauchen können. Aber jetzt leiht uns Philips Chef seinen. Und falls er schmutzig wird, schrubbe ich ihn danach mit "Handy Andy" sauber ...

Vermutlich werden wir mit Umzugsfirma Nummer zwei umziehen. Herr Henriksen, der skandinavische Wurzeln hat und sich mir als der letzte Rhodesier vorstellte, brachte mir einen Folder mit Informationen mit und erklärte mir erstmal eine Viertelstunde, wie sein Unternehmen arbeitet, bevor wir einen Hausdurchgang machten. Kaufinteresse hatte er keinerlei, dafür war er der einzige, der unserem Beiladungswunsch nicht völlig hilflos gegenüberstand und dem "Austria" immerhin etwas sagte (wir wollen für einen von Philips Kollegen eine Kiste mitumziehen, die dann nach Salzburg weitergeschickt werden soll). Vermutlich wird seine Firma die teuerste sein, aber er hat einen meilenweit besseren Eindruck bei mir hinterlassen. In der Hoffnung, vielleicht noch ein ähnlich professionelles Unternehmen zum Vergleich zu finden, habe ich gestern dann noch eine vierte Umzugsfirma kontaktiert. Falls sie doch nicht in Frage kommen sollten, kaufen sie mir vielleicht zumindest noch etwas ab!

Freitag, 23. November 2018

Der Ausverkauf hat begonnen

Ausverkauf - was für ein passendes Blogthema für den Black Friday, der ja auch in Botswana ziemlich gehypt wird; wie schrieben bereits vor einem Jahr einen Beitrag dazu. Ich habe am heutigen Freitag keinen einzigen Cent ausgegeben, unser Ausverkauf fing dafür aber auch schon letztes Wochenende an. Allerdings unter umgekehrten Vorzeichen, denn wir generieren gerade Einnahmen: Kaum stand der Anfang vom Ende fest, haben wir schon damit begonnen, unser Haus aufzulösen. Ziemlich verfrüht, könnte man meinen, schließlich werden wir noch gute drei Monate hier wohnen. Von einigen Möbeln haben wir uns trotzdem bereits getrennt. Vor eineinhalb Monaten ist ein neuer Kollege von Philip mit seiner Frau eingereist. Elke und Dieter haben die ersten Wochen in einem möblierten Appartment verbracht und ziehen jetzt in das Haus seines GIZ-Vorgängers ein. Sie wollten und konnten seine Möbel übernehmen, was für alle Beteiligten recht praktisch war: Sie reisen ohne Container ein, der Vorgänger ohne Container aus. Allerdings sind viele seiner Sachen - wie er auch angekündigt hatte - etwas oll, da er alleine lebte, hatte er sich außerdem eher spartanisch eingerichtet. Kurzum: Die beiden brauchen Möbel - wir dagegen wollen in absehbarer Zeit einige loswerden. Es wäre schön (und auch billiger), für unseren Rückumzug nach Deutschland nicht wieder einen großen, sondern diesmal nur einen kleinen Container zu benötigen. Außerdem werden Möbel durch einen Container-Transport nicht unbedingt besser, der Großteil unserer Einrichtung ist zudem von IKEA und - falls wir das wollen - in Deutschland problemlos wiederzubeschaffen.

Hier ist der Möbelkauf dagegen gar nicht so einfach. Natürlich gibt es Möbelgeschäfte, aber das meiste dürfte importiert sein und ist nicht zuletzt dadurch teuer. Billigmöbel wie von IKEA sucht man hier vergebens (wenn man sich nicht etwas von den Paletten-Schreinern am Straßenrand schreinern lässt, deren Möglichkeiten jedoch begrenzt sind), zudem sind die Möbel, die man hier zu kaufen kriegt, vom Stil eher wuchtig. Und so sind unsere Möbel hier attraktiver, als sie es in Deutschland wären und wir kriegen tatsächlich noch Geld für Sachen, die wir in Frankfurt vermutlich nur noch zum Sperrmüll stellen könnten. Zum Beispiel für die alte Korbsessel-Garnitur, die mir meine Eltern vor über 20 Jahren für mein Jugendzimmer gekauft haben. Oder für das alte Badezimmerregal, das ich von ihnen geerbt habe. Philips Nachttischlampe haben wir ebenso verkauft wie einen Satz Handtücher, den wir nicht nutzen. Und auch der praktische weiße Klapptisch, den ich meiner lieben Kollegin Sarah vor fast 10 Jahren abkaufte, wird in Botswana bleiben. Von all diesen Sachen haben wir uns am Sonntag bereits getrennt - sie waren hier nicht in ständiger Benutzung, Elke und Dieter können sie daher gerade besser brauchen als wir. Und so wurden Teile unseres Hausstandes schon durch Gaborone gefahren, teils sogar auf dem Autodach.


Was außerdem seit dem letzten Besuch meiner Eltern nicht mehr in Benutzung war: Unser Gästezimmer mit dem Bett, das Philip in seiner ersten Woche in Gaborone im März 2016 kaufte. Wir schliefen darin, bis unser Container ankam und hatten danach den Luxus, unseren Gästen statt einer Schlafcouch ein richtiges Bett anbieten zu können. Für ein Gästebett werden wir aber in Frankfurt nicht mehr ausreichend Platz haben, da wird es wohl wieder eine Schlafcouch werden - und auch jetzt haben wir hier noch eine stehen, falls also doch noch kurzentschlossener Besuch vorbeikäme, könnten wir auch den noch unterbringen. Und so beschlossen wir, unser Gätsezimmer schon mal aufzulösen - was weg ist, ist weg. Abends wurde also schon die zweite Ladung mit einem etwas größeren Auto abgeholt.

  

Unser Gästezimmer wirkt jetzt ziemlich verwaist - neben Bett und Regal haben wir auch gleich die Vorhänge weggegeben, denn was sollen diese noch in einem leeren Zimmer?


Trotz all dieser guten Argumente sieht das fast leere Gästezimmer nun doch etwas traurig aus und ganz kalt gelassen hat uns der Anfang von unserem Ausverkauf auch nicht. Aber fortgesetzt wird er erst Mitte/Ende Februar. Elke und Dieter haben schon weitere unserer Möbel reserviert, die wir aber noch so lange wie möglich behalten werden - unter anderem unser Bett. Was ich sehr lieb fand: Die beiden haben uns bereits jetzt angeboten, die allerletzten Tage bei ihnen zu wohnen, wenn unser Container schon weg sein wird und unser Haus leer. Und vermutlich werden wir uns bei ihnen auch gleich halbwegs heimisch fühlen, einen Großteil der Möbel kennen wir dann schließlich ziemlich gut.

Dienstag, 20. November 2018

Der Anfang vom Ende - oder vom Anfang?

Schon Anfang des Jahres hatte ich meinen Chef informiert, dass wir mittelfristig wieder nach Deutschland zurückgehen wollten. Er schrieb daraufhin meine Stelle neu aus, noch bevor ich überhaupt eine Bewerbung abgeschickt hatte.
Eine erste Bewerbung von mir war nicht erfolgreich, dann kamen lange Zeit keine passenden GIZ-Stellenausschreibungen in Deutschland. Ein Nachfolger für mich wurde gefunden und eingestellt - anders als in der Stellenausschreibung angegeben, hat er nun nicht zum 1.11. begonnen, sondern wird erst am 1.5. hier starten. Im September/Oktober wurden dann auch mal wieder ein paar für mich interessante Stellen ausgeschrieben und mit einer davon hat es jetzt geklappt. Zum 1.03.2019 soll es für mich wieder in Eschborn losgehen. Ich werde dann in einer Stabsstelle nahe am Vorstand zu unternehmenspolitischen und Grundsatzfragen arbeiten. Das wird mit Sicherheit eine ganz andere Arbeit als hier in Botswana, und ich freue mich darauf.
Und wir freuen uns darauf, wieder zurückzukehren, in der Nähe von Freunden und Familie zu sein und das Leben in Deutschland zu genießen! Einige Annehmlichkeiten haben wir hier schon vermisst - was nicht bedeutet, dass wir Botswana nicht vermissen werden.

Seit ca. zwei Wochen habe ich die Zusage für die neue Stelle, seit knapp einer Woche kenne ich das geplante Umsetzungsdatum. Auch wenn wir es selbst angestrebt haben, um diese Zeit wieder in Deutschland sesshaft zu werden, so macht es doch einen Unterschied, jetzt tatsächlich ein konkretes Datum zu kennen. Es fühlt sich nun an wie der Anfang vom Ende. Oder eben von einem neuen Anfang für uns in Deutschland.
Wir hatten uns über die letzten Monate bewusst entschieden, dass wir hier nicht wie "auf Abruf" leben wollten und daher nicht zu viel an die Rückkehr gedacht. Mit dem konkreten Datum fällt uns das nun jedoch zunehmend schwerer.
Dass bereits (sehr liebenswerte!) Geier über uns kreisen, haben wir recht schnell gemerkt: Neu eingereiste Kollegen waren letztes Wochenende schon zur Möbel-Besichtigung bei uns ... sollten wir das Gästebett eigentlich behalten, will noch jemand zu Besuch kommen? (Anmerkung Walli: zu spät ...)
Es beginnt nun die letzte Phase unseres Aufenthalts in Botswana, es hat sich bereits etwas Nostalgie eingeschlichen, bei dem ein oder anderen Erlebnis stellen wir uns schon die Frage, ob das nun schon das letzte Mal sein wird.
Gleichzeitig ist es schön, hier jetzt schreiben zu können: Bis bald!