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Montag, 30. Juli 2018

Star gazing

In den vergangenen Jahren waren wir immer mal wieder im nahgelegenen Mokolodi Nature Reserve. Wir sind dort schon Mountainbike gefahren, besuchen oft unser Lieblingsrestaurant, ich habe dort Tagungen abgehalten und auch sonst werden manchmal nette Veranstaltungen angeboten (wie z.B. das Weihnachtsliedersingen).
Für vergangenen Freitag hatten wir uns zu einem "star gazing" angemeldet. (Klingt "star gazing" nicht viel netter als "Sterne gucken"?) Zugegeben, wir meldeten uns erst zwei Tage vorher an, obwohl das Event schon eine Weile beworben wurde. Sonst sind kurzfristige Anmeldungen kein Problem in Mokolodi - diesmal waren sie es schon. Nur weil andere abgesagt hatten, bekamen wir überhaupt noch einen Platz. Wir hatten uns unwissentlich zu einem der größten Fundraising Events des privaten Naturschutzgebiets angemeldet.
Mit Safarifahrzeugen wurden wir in Gruppen in den Busch gefahren - außer uns noch ca. 250 weitere Gäste! Dort waren auf einer Lichtung Tische und Stühle aufgebaut, außerdem ein Beamer und eine Leinwand. Wir kamen kurz vor Einbruch der Dunkelheit an, d.h. um kurz vor 18 Uhr.


Dann gab es erst einmal etwas zu essen. Ein nicht mehr ganz junges britisches Ehepaar führte durch den Abend und erklärte die Sterne. Sie machen das wohl regelmäßig in Mokolodi, d.h. mindestens einmal jährlich. Sonst findet das "star gazing" allerdings nicht an einem Vollmondabend statt, sondern nur, wenn kein Mond zu sehen ist. Dank der klaren Luft und der nur geringen Luftverschmutzung aus Richtung Gaborone (ca. 10 km hinter Hügeln) konnten wir jedoch trotz des Vollmonds immerhin fünf Planeten erkennen: Venus, Jupiter, Saturn, Mars und Zwergplaneten Pluto. Merkur hätten wir wohl auch noch sehen können, wenn man ihn uns rechtzeitig gezeigt hätte, doch er war zum Zeitpunkt des Vortrags bereits untergegangen. Aufgrund des hellen Mondes waren viele weitere Sterne noch nicht zu sehen.
Nach einiger Zeit begann dann die angekündigte Mondfinsternis mit ihrem Blutmond: Zunächst ahnten wir nur, dass eine Ecke sich verdunkelte, dann wurde die Verdunklung immer deutlicher, schließlich blieb nur eine Sichel des Mondes - und dann war er ganz rot. Begleitet wurde die Mondfinsternis von dem sich an diesem Abend ganz in der Nähe des Mondes befindenden Mars, der auch der Erde derzeit so nah wie zuletzt vor 15 Jahren steht.


Spätestens jetzt war der Sternhimmel in seiner vollen Pracht zu sehen: Die Milchstraße durchzog den Himmel wie ein Band, und weitere Sternzeichen wurden uns gezeigt. Praktischerweise verwendeten unsere Präsentatoren einen lichtstarken Laserpointer. Hier zeigen sie übrigens gerade auf das "Kreuz des Südens" (liegend):


Manche Sternbilder oder Nebel waren trotz des fantastischen Sternhimmels schwer zu erkennen und viele der astronomischen Erklärungen auch nicht einfach nachzuvollziehen. Ein Astronom einer britischen Uni, der gerade in Botswana weilt, hielt noch einen kurzen Fachvortag. Man will in den nächsten Jahren offenbar eine Sternwarte für wissenschaftliche Forschung in Botswana bauen, schon jetzt wurde ein astronomischer Verein gegründet, für den Mitglieder gesucht werden (ob dessen Mitgliedsbeiträge auch astronomisch sind? - sorry, konnte ich mir nicht verkneifen).


Nach Eintritt der vollen Verdunklung blieben wir noch kurz, während die meisten anderen Gäste schon wieder mit den Safariautos zum Ausgang gebracht wurden. Walli stellte sich ans gerade entzündete Lagerfeuer, während ich noch ein wenig fotografierte.


Doch mehr als viereinhalb Stunden in der winterlichen Kälte forderten ihren Tribut. Glücklicherweise war es in den letzten Tagen schon wieder ein bis zwei Grad wärmer als zuvor. Wir waren ja vorbereitet mit Strumpfhosen, Winterstiefeln, dicker Winterjacke und Mütze, aber irgendwann wurde es uns dennoch zu kalt und auch wir fuhren zurück. Noch ein schneller letzter Blick aus dem Garten unseres Hauses auf die MoFi und den Mars, dann befüllten wir unsere Wärmflaschen mit heißem Wasser und vertrauten darauf, dass der Mond auch ohne unser Beisein wieder aus dem Erdschatten hervortreten würde.

Donnerstag, 28. Dezember 2017

Gästeblog: Nachgereicht

Wir haben ein Weihnachtsgeschenk bekommen! Einen Blogbeitrag, geschrieben von Geno. Sie und ihr Mann Ali haben uns Ende Mai/Anfang Juni besucht. Die Freude ist groß, wir wollen sie gleich mit Euch teilen, hier der neueste Beitrag aus der Serie "Gästeblog statt Gästebuch" (wir hoffen, diese Serie wirkt nicht abschreckend auf potentielle Besucher, wie Ihr seht akzeptieren wir auch noch späte Einsendungen!):


Mittlerweile ist es bereits einige Monate her, dass wir Walli und Philip in Botswana besucht haben. Na ja, wir hatten uns eher einquartiert mit der Option auf unbestimmte Verlängerung und die beiden waren so höflich, sich auf das Abenteuer einzulassen.
Aber nun von vorne mit der Geschichte: Ich kenne Walli bereits seit dem Kindergarten und als sie erzählte, dass sie mit Philip nach Botswana geht, war klar, dass ich die Möglichkeit für einen Besuch nutzen wollte. So war ich im Mai dieses Jahres für insgesamt vier Wochen mit meiner Schwester Christiane und meinem Mann Ali im südlichen Afrika unterwegs. Namibia, Botswana und Zimbabwe lagen auf unserer Reiseroute. Nun ist eine Reise durch Afrika vieles, vor allem eine Lektion in Geduld und Gelassenheit und wir haben unsere Lektion gelernt. Trotz monatelanger Reisevorbereitung waren unsere Probleme nicht etwa der Begegnung mit wilden Tieren beim Camping oder der Sorge um unsere Malariaprophylaxe geschuldet, sondern eher bürokratischer Natur. In Swakopmund war uns das Auto aufgebrochen worden. Der Dieb hatte dabei nicht nur einen Gebetsteppich ergattert, sondern auch Alis Aufenthaltstitel für die Bundesrepublik Deutschland, ohne die er nicht mehr nach Hause einreisen konnte. Der Versuch, bis zum Ende unserer geplanten Reise irgendwie Ersatz für die verloren gegangen Papiere zu beschaffen, war gescheitert und so setzten wir unsere geplante Reise durch Namibia, Botswana und Zimbabwe fort. Unser Plan B war in Gaborone bei der deutschen Botschaft ein neues Visum zu beantragen. Über Plan C – D, die ich noch als Alternative ausgearbeitet hatte, wollen wir nicht weiter reden.


Man hatte uns mittlerweile darüber aufgeklärt, dass das Unterfangen nicht kurzfristig zu erledigen wäre, und so hatten wir uns von den bereits gebuchten Rückflügen verabschiedet und uns auf unbestimmte Zeit bei Walli und Philip einquartiert. Wie gesagt, Afrika lehrt einen Geduld und Gelassenheit. Und die deutsche Botschaft trägt noch ihr übriges dazu bei, da sie es mit Feiertagen und Öffnungszeiten sehr genau nimmt, so dass uns gar nichts anderes übrig blieb, als einfach der Dinge zu harren und die Zeit bei unseren Gastgebern zu genießen. Und das haben wir auch getan. Walli und Philip hatten nichts (wirksames) dagegen, dass wir Gäste ohne Rückflugticket waren und so haben sich beide sehr viel Mühe gegeben uns die schönen Seiten von Gaborone zu zeigen. Zugegeben, ein schwieriges Unterfangen, aber nicht gänzlich umsonst.

Tag 1 – frische Wäsche!
Wir waren zu dem Zeitpunkt ja bereits fast drei Wochen als Camper im südlichen Afrika unterwegs gewesen. Daher wurde der Umstand, in einem bequemen Bett mit eigenen Bad und fertigem Frühstück am Morgen aufzuwachen nur noch von der Waschmaschine getoppt, mit der wir unsere Garderobe stadtfein machen konnten. Was will man eigentlich mehr im Urlaub! Gut, man muss sich erst einmal an Elektrozäune im Garten, blinkende Alarmanlagen, Bewegungsmelder und Panikknöpfe gewöhnen, aber danach stellt sich schnell ein Gefühl der Gemütlichkeit ein.

Tag 2 – Der Yachtclub
Als Tagesprogramm stand ein Besuch im Yachtclub von Gaborone an. Noch nicht so viel über die Hauptstadt wissend, dachten wir uns, dass hier vielleicht neben Hausangestellten auch ein Liegeplatz im Yachtclub zur normalen Ausstattung gehört. Wir konnten uns leider keinen eigenen Eindruck der Anlage verschaffen, der Weg dorthin war überflutet, der Fährverkehr zeitlich beschränkt und während wir da im Matsch am Rande des Stausees standen und auf eine unspektakuläre kleine Insel hinaussahen, überkam mich das Gefühl, dass die Wörter 'mondän' und 'Yachtclub' in Gaborone doch anders verstanden werden.

Tag 3 – Shopping in der Mall
Walli hatte es schon angedeutet, nach dem Studieren der Broschüre des Tourismusbüros Gaborone hatte ich es dann auch verstanden: Zu den Sehenswürdigkeiten in Gaborone gehören die großen Shopping Malls, allen voran Game City, die Mall, die nur fußläufig von unserem Quartier entfernt lag. Da meinem Mann ja seit dem Diebstahl in Namibia noch ein paar Ausrüstungsgegenstände fehlten, nahm er die Gelegenheit gern wahr. Dass er sich direkt zwei Jogginghosen zugelegt hat, hätte Walli als Zeichen unseres Willens, noch etwas länger zu bleiben, interpretieren können. Wer die Zeichen zu deuten weiß ...
Tatsächlich fanden wir das Wetter im Juni in Gaborone noch richtig sommerlich und haben gerne in der Sonne auf der Terrasse oder am Pool gesessen. Uns zuliebe hatten Walli und Philip an einem Abend sogar den Grill rausgeholt, um uns danach zu versichern, dass eigentlich kein Einheimischer mehr bei diesen Temperaturen grillen würde. Was man nicht alles macht für diese Touristen!

Tag 4 – Glühwein am Pfingstmontag
Da eine deutsche diplomatische Vertretung im Ausland sich an alle verfügbaren deutschen sowie landestypischen Feiertage des Gastlandes halten muss, hatten wir uns einfach eine schlechte Woche ausgesucht, um dort etwas erledigen zu wollen. Es musste also ein weiterer Tag mit alternativem Unterhaltungsprogramm in Gaborone verbracht werden. Der erste Versuch galt dem Nationalmuseum. Was immer die Ausstellung eigentlich zu bieten hat, es muss unfassbar aufwendig zu restaurieren sein, da dieser Vorgang nun schon alle Besucher von Walli und Philip vor verschlossenen Türen hat stehen lassen. Gaborone zeigt sich von seiner komplizierten Seite: kulturell eher dürftig, aber wettertechnisch ok.
Da musste eine Alternative her, die sich uns tatsächlich in einer Abendveranstaltung auftat, bei der wir auch Kollegen von Philip kennen lernen dürften: Gulasch und Glühwein in Mokolodi, dem hauseigenen Nature Reserve von Gaborone.

Tag 5 – Die Welt ist ein Dorf
Endlich hatten wir es geschafft, die Visa-Beantragung auf den Weg zu bringen. Da Walli anschließend noch etwas zu erledigen hatte und der Versuch, sich in der Innenstadt von Gaborone die Zeit zu vertreiben kläglich gescheitert war, hatten wir uns kurzerhand für den Besuch einer weiteren, als Sehenswürdigkeit gekennzeichneten Shopping Mall, entschieden. Diese Auszeichnung hat sie nach Walli durchaus zu Recht, da sie über die Rarität einer Buchhandlung verfügt. Das wir aber wirklich an einem der beliebtesten Places-to-be abgesetzt worden waren, bestätigte sich doch tatsächlich kurz darauf: Uns liefen zwei Mitglieder der Reisegruppe über den Weg, mit der wir eine Woche lang durch Botswana gereist waren und die wir fünf Tage zuvor in Victoria Fall/Simbabwe verlassen hatten. Unglaublich, nach fünf Tagen hatten wir also schon unsere ersten Bekannten in Gaborone! Beim obligatorischen Austausch von weiteren möglichen Sehenswürdigkeiten in der Umgebung hatten die beiden folgende Antwort: Wart ihr schon in Johannesburg?

Tag 6 – Entspannung
Ich war ja noch gewillt, Gaborone einen versteckten Charme und unbekannte, interessante Seiten zu unterstellen. Daher war ich beim Stöbern im Internet auf einen interessanten Artikel gestoßen. Besonders ein Satz aus dem Artikel hat es mir angetan, da ich selber in Bonn wohne und dies sehr gerne tue:
„Finanzdienstleister haben sich in ihr [Gaborone] eingerichtet, Konferenzmanager, Behörden, internationale Organisationen. Wer Bonn oder Brasilia mag, wird Gaborone lieben.“
Ich mag Bonn und kenne Brasilia nicht. Aber das ist doch ein Argument, um der Stadt eine Chance zu geben!

Tag 7 – Kommunikation
Da sich bezüglich unserer Rückreise sowieso nichts beschleunigen ließ, warteten wir weiterhin geduldig auf Antwort aus der Botschaft. In der Zwischenzeit musste ein wenig Kontakt mit meinem Arbeitgeber gehalten werden, der das Problem sehr entspannt hinnahm und meinen Urlaub auf ungewisse Zeit verlängerte. Auch bei Freunden und Familie ließ ich wieder einmal von uns hören. Da die Kommunikation in den letzten Wochen eher dürftig ausgefallen war, konnte ich nun in einer Whatsapp-Gruppe lesen: „... und das ist Geno, die hängt gerade in Afrika fest und antwortet eher selten“. Immerhin erinnerte man sich noch an mich.

Tag 8 – Rhinos
Wir besannen uns auf die wichtigen Dinge in Botswana: Mit Walli fuhren wir ins Khama Rhino Sanctuary, um uns dort auf die Jagd nach spektakulären Tierbeobachtungen zu begeben. Und tatsächlich konnten wir Nashörner aus direkter Nähe betrachten. Mit solchen Erlebnissen im Gepäck ärgert man sich auch nicht mehr über all die Unplanmäßigkeiten, die unsere eigentliche Urlaubsplanung durchkreuzt hatten.

Tag 9 – Verluste
Am nächsten Tag brachen wir wieder Richtung Gaborone auf. Irgendwo auf der Heimfahrt merkte Ali dann, dass er wohl sein Handyladekabel im Hotel liegen gelassen hatte. In aller Stille setzte ich dieses auf unsere immer länger werdende Verlustliste: Tagesrucksack, Gebetsteppich, Jogginghose, Regenjacke, Taschenlampe, Portemonnaie, Krankenversicherungskarte, Aufenthaltstitel, Hausschlüssel, Ehering, ein Küchenmesser (das nun irgendwo in der Wüste der Namib liegt) und ein Handyladekabel. Na gut, positives an der Situation: Immerhin habe ich meinen Mann nicht verloren. Obwohl er aufgrund des fehlenden Eherings nicht mehr offensichtlich als solcher zu identifizieren ist.

Tag 10 – Abschied
Beim Frühstück mussten wir feststellen, dass die Kaffeevorräte der Gastgeber langsam zur Neige gingen, es wurde Zeit zu gehen. Zudem hatte sich die Botschaft gemeldet: Mein Mann verfügte wieder über ein gültiges Visum und konnte in Deutschland einreisen. Nach über einer Woche Urlaubsverlängerung konnten wir als also wieder nach Haus aufbrechen, auch wenn es uns schwer fiel, da wir eine echte tolle Zeit in Gaborone hatten.
Den letzten Abend verbrachten wir noch gemeinsam mit Walli und Philip in einer Skylounge, in der man zu seinem Getränk eine tolle Übersicht über Gaborone hatte. Da wir uns ja noch immer mitten im Ramadan befanden, rollte Ali in einer Ecke der Skylounge seinen Gebetsteppich aus, während wir anderen den Sonnenuntergang über der Stadt genossen. Aus der Irritation des Kellners war zu schließen, dass eine solche Szenerie nicht häufig vorkommt, aber anscheinend ungefragt bei Touristen geduldet wird. Den Abend haben wir anschließend in einem Restaurant ausklingen lassen, um uns am nächsten Tag mit unserem Gepäck und unseren Erinnerungen auf zum Flughafen zu machen und uns ins nächste Abenteuer zu stürzen: der Einreise nach Europa mit einem Tunesier, der nur ein vorläufiges Visum aus der deutschen Botschaft aus Gaborone besitzt ...

Epilog
Nach unvergesslichen Wochen unserer abenteuerlichen Afrikareise konnten wir noch richtig entspannte und erholsame Tage bei Walli und Philip genießen. Was die Stadt Gaborone nicht an Erwartungen erfüllen kann, machen die beiden als Gastgeber mehr als wieder wett.
In einer Stadt, in der ein Gartencenter ein touristisches Highlight darstellt, freut man sich über alle kleinen Highlights. Und davon haben wir mit unseren Gastgebern doch sehr viele zusammentragen können. Am Anfang war Gaborone etwas verstörend, doch am Ende hat sich ein Bild zusammengefügt. Ich will nicht sagen, dass ich Gabs als Urlaubsdomizil ins Herz geschlossen hätte, nein, das nicht, aber der Urlaub dort war wunderbar!

Mittwoch, 20. Dezember 2017

Gaborone von oben

Nachdem Walli bereits letzte Woche nach Deutschland geflogen ist, darf ich heute nachkommen - ich freue mich.
Während ich diese Zeilen schreibe, habe ich Gaborone tatsächlich schon verlassen. Leider bin ich diesmal nicht über die Stadt geflogen, obwohl das durchaus möglich gewesen wäre. Ganz manchmal, wenn ich viel Glück habe und bei Tageslicht mit dem Flieger in Gaborone ankomme, z.B. nach einer Dienstreise nach Johannesburg, habe ich ein klein wenig Sicht auf die Stadt. Neulich konnte ich einige beleuchtete "Landmarks" auch im Dunkeln erkennen (Stadion, eines der zwei Hochhäuser etc.).
Im Dunkeln nur schwer zu erkennen ist allerdings der Stadtteil, in dem wir wohnen. Als meine Mutter uns im September besuchte, hatten wir das Glück, dass ich ab Johannesburg neben ihr sitzen konnte, wir über die Stadt einflogen und ich ihr aus der Luft zeigen konnte, wo wir wohnen.
Zunächst flogen wir über den Gaborone Dam, in dem auch - hier nicht sichtbar rechts unten außerhalb gelegen - der Gaborone Yacht Club auf einer Insel liegt:


Anschließend hatten wir gute Sicht auf Kgale View, das Viertel, in dem wir wohnen:


Kgale View liegt ungefähr in der Bildmitte. Links davon ist etwas Freifläche, dann kommt die Botho University. Daran anschließend und nicht mehr auf dem Bild ist das Einkaufszentrum Game City. Ebenfalls gerade außerhalb links oben gelegen ist der Kgale Hill, der Hausberg Gaborones, von dem aus man ebenfalls einen schönen Blick auf die Stadt hat. Wer nach unserem Haus suchen möchte: Es hat ein grünes Dach und sieht ungefähr L-förmig aus.
Von oben ergibt sich doch ein ganz anderes Stadtbild als vom Boden aus. Die Straßen sind (fast) alle asphaltiert - angesichts der Schlaglöcher ausgerechnet auf der Straße vor unserem Haus meint man allerdings manchmal, da sei mehr Staub als Asphalt. Insgesamt wirkt Gaborone aber weitläufig und aufgeräumt, das hatte ich auch bereits bei meinem allerersten Besuch festgestellt. 
Bye Bye Gaborone für 2017 - und bis 2018!

Montag, 20. November 2017

Besuch in Gaborone

Vor wenigen Tagen sind meine Eltern zurück nach Deutschland gereist. Sie waren unsere fünften Gäste in Gaborone - wenn wir sie doppelt zählen, sie haben uns nämlich auch schon vor einem Jahr besucht. Besuch zu haben ist immer schön. Zum einen haben wir hier ja ein großes Haus mit viel Platz, so dass man sich nicht auf die Füße tritt (auch wenn Friedemann und ich seinerzeit einen Engpass in der Küche festgestellt haben), zum anderen kommen unsere Besucher ja immer auch, um zu reisen und wir haben die Gelegenheit, Botswana und die Nachbarländer mit ihnen neu oder noch einmal anders zu erleben. Und das ist jedes Mal großartig!

Aber auch in und um Gaborone gibt es tatsächlich immer noch Neues zu entdecken. Petra war der einzige Gast, mit dem wir den Weg zum Gaborone Dam per Boot zurücklegen konnten; mit ihr habe ich außerdem den besten Eiskaffee der Stadt entdeckt. Mit Geno und Ali war ich das erste Mal bei den Matsieng Footprints, nach Stammesglauben eine Art Wiege der Menschheit. Meine Eltern und ich haben vor zwei Wochen tatsächlich das Briefmarkenmuseum von Gaborone besucht - schon seine Existenz (die ich bis zuletzt angezweifelt hatte) ist ein Kuriosum, nachdem es in Gaborone nur zwei Museen gibt, und das andere (das Nationalmuseum!) seit gut anderthalb Jahren auf unbestimmte Zeit geschlossen ist ... Und Angelika und Friedemann waren eh voller Pioniergeist und haben nicht locker gelassen, bis wir die Weberei in Oodi fanden (die ich so allen nachfolgenden Gästen vorführen konnte).
Meine Freundin Ruth ist der Meinung, ich könnte mein Wissen über die Sehenswürdigkeiten in und um Gaborone langsam mal schriftlich für die Nachwelt zusammenfassen, wir sind nämlich schon wesentlich mehr rumgekommen als sie und die meisten anderen aus unserem Bekanntenkreis. Und das verdanken wir vor allem unseren Besuchern, durch die wir immer mal wieder neue Pfade einschlagen.

Auch autofahrtechnisch haben mich unsere Besucher weitergebracht. Als meine Eltern letztes Jahr kamen, fuhr ich das erste Mal ohne Philip an meiner Seite und nachdem ich sie zum Flughafen gebracht hatte, auch das erste Mal ganz alleine. Mit Angelika und Friedemann traute ich mich zum ersten Mal auf gänzlich unbekannte Strecken auch mit dem großen Auto und machte - von den beiden angefeuert - auch noch meine ersten Offroad-Erfahrungen in Mokolodi. Mit Geno und Ali fuhr ich die 335 km zum Khama Rhino Sanctuary innerhalb von zwei Tagen hin und zurück, ohne mich mit Philip abwechseln zu können. Mit Petra und dem zweiten Besuch meiner Eltern kamen keine weiteren bemerkenswerten Autofahrerfahrungen hinzu, was aber einzig daran lag, dass ich inzwischen ziemlich viel fahre. Dafür war mein Vater zugegen, als ich das erste Mal eine Autoreparatur organisierte. Und meine Mutter empfing den Mechaniker, als er das reparierte Auto eine Dreiviertelstunde vor der vereinbarten Zeit zurückbrachte und ich wie in einem schlechten Film gerade eingeseift unter der Dusche stand.

Angelika und Friedemann lernten während ihres Besuches unser ehemaliges Katzenpflegekind Gollum kennen, das damals schon zu meiner Freundin Heidi umgezogen war, während mein Vater und ich in diesem November dreimal bei unserer Nachbarin auf Rattenjagd gingen (ohne dass sich das Vieh währenddessen auch nur ein einziges Mal gezeigt hätte). Auch der Gaboroner Alltag hält die ein oder anderen Herausforderungen bereit, die nicht nur uns, sondern auch unseren Gästen in Erinnerung bleiben werden. Und so schicke ich zum Abschluss dieses Blogbeitrags herzliche Grüße an diejenigen, die schon bei uns zu Gast waren - und möchte für alle anderen nochmal festhalten: Wir freuen uns über Besuch in Gaborone!

Samstag, 26. August 2017

Fast wie am Meer

Wir hatten ja bereits berichtet, dass während der letzten Regenzeit der Gaborone Dam (also der Stausee, der den Großteil der Wasserversorgung in Gaborone sicherstellt) das erste Mal seit 16 Jahren vollgelaufen ist.
Danach war der schön auf einer Insel gelegene Gaborone Yacht Club erst einmal nicht mehr zugänglich. Blöd, wenn man segeln will und sich am Ufer befindet, die Segelboote aber auf der Insel liegen. In den letzten Jahren hatte eine Straße auf einer Art Damm die Fahrt mit dem Auto zur Insel möglich gemacht (wobei die Insel auch schon lange keine Insel mehr war, da das Wasser nur auf der einen Seite noch an den Damm rankam und auch das mit einem ordentlichen Abstand). Doch nun war die Straße auf dem Damm überschwemmt. Ungefähr zweieinhalb Monate nach dem Volllaufen des Stausees hat der Yacht Club deswegen einen Fährverkehr eingerichtet. Bereits im Juni planten wir, die Fähre zusammen mit unserem Besuch zu nutzen, denn das würde ja auch für uns ein völlig neues Erlebnis sein: Bootsfahrt in Gaborone!
Leider klappte es damals nicht, da wir zwar wussten, dass die Fähre nur an Wochenenden fuhr, die eingeschränkten Zeiten jedoch nicht kannten. Am vergangenen Sonntag haben wir die Bootsfahrt dann aber nachgeholt. Das erste Stück konnten wir noch auf der Straße fahren, mussten dann parken und noch ein paar Schritte zu Fuß gehen. Kurz bevor die Straße im See versank (schon ein ganzes Stück weiter hinten als im Juni, das Wasserlevel ist seitdem sichtbar gesunken), wartete die Fähre auf uns.


Man könnte den Verdacht äußern, dass die Fähre doch etwas "Marke Eigenbau" ist, aber sie erfüllte ihren Zweck. Und so wurden wir dann zum Yacht Club gefahren.


Dort gibt es eine Bar, wo wir Getränke bestellten und eine frische Brise und die Aussicht aufs Wasser genossen. Letzteres stand (erwartungsgemäß) viel höher als bei unserem letzten Besuch, was auch ganz natürlich wirkte - und doch wussten wir ja, was sich alles unter dem Wasser befand, weil wir die Steine, die Bootsanlegestelle etc. schon in ausgetrocknetem Zustand gesehen hatten. Nun jedoch fühlte es sich aufgrund der Wassermengen fast ein wenig an, als ob wir am Meer wären. Am Meer Gaborones. Es war wieder ein schöner Sonntagsausflug!



Montag, 3. Juli 2017

Mein Lieblingsflughafen

Ich glaube, mein Lieblingsflughafen ist der Sir Seretse Khama International Airport von Gaborone. Philip sagt immer, dass das auch mal sein Lieblingsflughafen war - bevor der Parkplatz vor ungefähr einem Dreivierteljahr gebührenpflichtig wurde, seitdem mag er ihn nicht mehr. Zugegebenermaßen waren immer Parkplätze frei und sie werden auch nach wie vor nicht außergewöhnlich bewacht - die Erhebung von Gebühren dient also nur der Geldmacherei. Ich mag unseren Flughafen hier aber trotzdem sehr gerne.


Flughäfen sind ja meist hektisch, wuselig und unübersichtlich - das alles kann man vom Sir Seretse Khama International Airport nicht behaupten. Es gibt einen großen Parkplatz, eine Drop off-Zone und genau zwei Ein- und Ausgänge ins Gebäude, die keine 50 Meter auseinanderliegen. Man kann sich also nicht verpassen. Ungefähr in der Mitte der Flughafenhalle steht eine Elefantenskulptur, das einzige Kunstwerk dort. Es ist nicht zu übersehen und dadurch wunderbar als Treffpunkt geeignet - andererseits: Wer verabredet in so einem kleinen Flughafen schon einen Treffpunkt?


Neben einem Souvenirladen und einem Bibelshop gibt es genau ein Café, das aber immerhin auch schon um 5:30 Uhr aufmacht, wenn da bereits Fluggäste zu erwarten sind.


Das Café ist dann auch schon am Ende des Gebäudes, durch die große Glasfassade hat man den besten Blick aufs Rollfeld und kann schon einmal schauen, ob die eigene Maschine bereits da ist. (Und ja, das erkennt man ziemlich schnell. Es ist hier schon sehr ungewöhnlich, mal zwei oder drei Flugzeuge gleichzeitig auf dem Rollfeld stehen zu sehen.)


Ich bin oft am Flughafen. Manchmal fliege ich selbst, manchmal bringe ich Philip hin oder hole ihn ab und gelegentlich shuttle ich unseren Besuch oder hiesige Freundinnen (wenn Philip umgekehrt mal mich vom Flughafen abholt, gibt's natürlich gleich ein Erdbeben ...). Tatsächlich vergeht eigentlich kein Monat, an dem ich nicht mehrmals am Flughafen bin. Außerhalb der Rush Hour ist er von unserem Haus aus in einer guten halben Stunde zu erreichen und so eine Flughafenfahrt lässt sich - so lange man nicht selbst fliegt - auch immer sehr gut mit einem Besuch unseres Fitnessstudios verbinden, das bereits an der "Airport Junction Mall" liegt.

Vor drei Wochen ist meine Freundin Ruth nach Deutschland geflogen. Wir haben schon die Tradition, uns gegenseitig zum Flieger zu bringen und davor noch gemeinsam im Café Mugg & Bean im Flughafen eine Kleinigkeit zu essen. Diesmal trafen wir wie erwartet auch noch eine Botschaftsmitarbeiterin mit ihrer Familie, die Botswana mit dem gleichen Flieger verlassen sollte und von anderen Kollegen zum Flughafen gebracht worden war. Auch als ich vor zwei Wochen nach Deutschland geflogen bin, habe ich eine Bekannte getroffen - sie flog ebenfalls nach Frankfurt, allerdings via Addis Abeba, während ich in Johannesburg umgestiegen bin. Wir sahen mein Flugzeug anrollen und eine halbe Stunde vor dem Abflug habe ich mich dann auf den Weg zur Sicherheitskontrolle gemacht - der ist nämlich recht kurz und auch an der Passkontrolle kann man von Schlangen kaum sprechen. So einen entspannten Flughafen muss man erstmal finden! Als Philip letzte Woche im Café auf seinen Flieger wartete, hat er zwar niemanden getroffen, konnte dafür aber beobachten, wie der simbabwische Präsident Robert Mugabe in seine Maschine stieg (er hatte davor die Beerdigung des früheren botswanischen Präsidenten Sir Ketumile Masire besucht). Staatsgäste beim Abflug zu beobachten, während man selbst noch im Flughafencafé sitzt - zum Beispiel am Frankfurter Flughafen ist das schwer vorstellbar ...

Auch eine hektische Suche nach dem richtigen Gate ist in Gaborone nicht zu befürchten, es gibt genau zwei Wartesäle: Einen für Inlands- und einen für Auslandsflüge. Es ist quasi unmöglich, sich zu verlaufen. Die Duty Free-Möglichkeiten sind allerdings ziemlich überschaubar und seine Reiselektüre sollte man auch besser woanders besorgen (sonst bleibt nur besagter Bibelshop). Andererseits kann man so knapp zum Flieger kommen, dass eh keine Zeit mehr fürs Shoppen bleibt ... ich mag unseren kleinen Flughafen!

Freitag, 30. Juni 2017

Neuentdeckte Ausflugsziele

In Gaborone gibt es wenig für Touristen zu sehen - heißt es immer. Aber irgendwie entdecken wir doch immer wieder neue Attraktionen, die wir bisher noch nicht kannten. Gut, "Attraktion" ist natürlich ein relativer Begriff, aber wir haben kürzlich neue Ziele in der Umgebung entdeckt. Von der Schluchtenwanderung hatte ich ja schon geschrieben. Auf dem gleichen Ausflug, nicht weit entfernt von der Schlucht, machten wir einen weiteren Stopp, diesmal im Dorf Manyana. Laut Reiseführer sollten wir dort gleich zwei Sehenswürdigkeiten besichtigen können. Wir hatten mal wieder die Hoffnung, dass sie eventuell ausgeschildert sein könnten, aber nachdem wir einige Zeit erfolglos suchend herumgefahren waren, fragten wir einen Mann am Straßenrand, der sofort ein kleines Mädchen herbeirief, das zu uns ins Auto stieg und uns nacheinander zu den von uns gewünschten Punkten navigierte.
Der erste Stopp war an einem über 400 Jahre alten Feigenbaum. Hier soll schon David Livingstone (ja genau, die Ruinen seiner Missionarsstation in der Nähe von Gaborone hatten wir schon besichtigt) gepredigt, gelehrt und Patienten behandelt haben. Vor ca. 20 Jahren ist der Baum wohl in drei Teile zerfallen, was seinen Anblick aber nicht weniger imposant macht.


Nach einem kurzen Spaziergang um den Baum fuhren wir weiter und wurden zu den versteckt liegenden Felsmalereien am Rande des Dorfes gelotst.


Die Felsmalereien sollen ca. 1500 Jahre alt sein. Dankenswerter Weise stehen sie unter Naturschutz und eine Führerin stand bereit, um sie uns zu zeigen. Das war entscheidend - denn die Malereien sind teils doch deutlich ausgeblichen (und nicht besonders zahlreich), so dass sie nicht einfach zu finden waren.
Wir sahen u.a. das Bild einer Oryx-Antilope:


Malereien von insgesamt vier Giraffen:


Und ein Stückchen entfernt von den anderen Malereien - nun ja, ein Strichmännchen. Ob das wohl ähnlich alt ist wie die anderen Abbildungen?


Donnerstag, 22. Juni 2017

Schluchtenwanderung

Kürzlich entdeckten wir zusammen mit Besuch eine uns bisher unbekannte Sehenswürdigkeit im Umkreis von Gaborone: Wir machten eine geführte Wanderung in der Mmamotshwane-Schlucht bei Mogonye. Nach dem Zahlen der Eintrittsgebühr und Registrierung stieg unsere Führerin zu uns ins Auto - wir mussten noch 5 km fahren bis zum Einstieg in die Schlucht. Diese 5 km hatten es stellenweise in sich - ich sag mal so: Wie gut, dass das Auto a) Vierradantrieb besitzt und b) dass es zusätzlich ein paar PS hat, denn beides war gelegentlich nötig. Wir überholten immerhin eine botswanische Wandergruppe, die die Strecke lief (laufen war uns gar nicht als Option angeboten worden, das wäre wohl zu ungewöhnlich gewesen). Vermutlich kannten sie sie schon, denn Ortsunkundige kann man da eigentlich nicht alleine rumlaufen lassen: Es gab immer wieder Abzweigungen und so gut wie keine Ausschilderungen. Schon während der Hinfahrt wurden wir dankbar, dass die Führerin uns gleich ungefragt begleitet hatte.

Am Eingang der Schlucht stellten wir das Auto ab, dann liefen wir los, zunächst durch bewaldetes Gebiet, dann waren wir plötzlich in der Schlucht und sahen die steilen und hohen Wände. Anders als angekündigt führte die Schlucht offenbar doch nicht ganzjährig Wasser (vor der Dürre, d.h. vor einigen Jahren, war das wohl noch anders). Einmal mussten wir eine eher wackelige Holztreppe hochsteigen ...


... dann ging es mit etwas Kraxelei über Felsen, zwischendurch überquerten wir eine nicht mehr ganz frische Brücke über ein Wasserloch ...


... und schließlich kamen wir an eine Stelle, an der die Schlucht enger wurde und wo an einer Seite ein Seil befestigt war. Zunächst war das Seil angenehm zum Festhalten, dann kamen wir plötzlich an eine steile Felsstufe.


Mit Hilfe des Seils zogen/kletterten wir die Stufe hoch, dann liefen wir noch ein Stück und kamen schließlich ans Ende der Schlucht. Dort ging es nur noch steil nach oben, von wo aus uns ein Schimpanse interessiert beobachtete.


Weitere Schimpansen konnten wir nur hören, sie brüllten. Unsere Führerin behauptete, sie würden uns begrüßen, aber richtig glücklich klangen sie nicht. Schließlich machten wir uns auf den Rückweg.

Für uns ein gelungener Ausflug und ein nettes neues Ziel nicht weit von Gaborone: Etwas Bewegung, etwas Natur, wir waren zufrieden!

Freitag, 12. Mai 2017

Mit Spinnrad und Webschiffchen

Die Touristenattraktionen in und um Gaborone sind endlich. Umso schöner ist es, wenn man unverhofft noch etwas Neues entdeckt. Den Ausflug zur Weberei in Oodi hatte ich unserem letzten Besuch zu verdanken - Angelika und Friedemann hatten im Reiseführer davon gelesen und wollten gerne hinfahren. Ich war leicht skeptisch, weil ich von der Weberei noch nie gehört hatte und im Reiseführer ab und an auch Sehenswürdigkeiten genannt sind, die einfach nicht (mehr?) auffindbar sind - aber einen Versuch war es allemal wert und die Fahrtzeit von ca. einer Dreiviertelstunde war auch überschaubar.

Die "Oodi Weavers" waren dann zu meiner Überraschung nicht nur existent, sondern auch relativ gut ausgeschildert. Wir fuhren auf Staubstraßen und fanden schließlich noch einen Ortskundigen, der uns weiterhalf. Glück gehabt! Inzwischen erzähle ich fleißig rum, dass die Weberei in Oodi ganz empfehlenswert ist und da kam auch schon mal die Rückfrage: "Ach, Ihr habt die gefunden? Wir nicht ..."

Das Weben hat in Botswana keine größere Tradition. Die Oodi Weavers sind eine Weberkooperative, die 1973 von einem schwedischen Ehepaar als Entwicklungshilfeprojekt gegründet wurde. Zu meiner Freude gab es nicht nur einen Laden, in dem die Weberzeugnisse verkauft wurden, sondern man konnte auch die Arbeitsstätten besichtigen. In einem aus einem einzigen großen Raum bestehenden Gebäude standen unterschiedlichste Webstühle sowie einige Spinnräder. Um die zehn ältere Frauen waren hier am Werk und webten und knüpften vor allem Wandteppiche mit ländlichen Szenen.


Kunsthandwerk begegnen wir hier in Botswana eher selten, und so hat mir diese Weberei sehr gefallen. Gleichzeitig empfand ich den Anblick als ziemlich anrührend: Die älteren Damen, die uns bereitswillig ihre Arbeiten zeigten, an diesen sehr einfachen, alten Webstühlen ...


Vor eineinhalb Wochen bin ich nochmal nach Oodi gefahren und habe zwei Freundinnen die Weberei gezeigt. Ihre Meinungen dazu waren gemischt. Zwar gefielen ihnen die Arbeiten, sie haben auch beide etwas gekauft, allerdings war eine der beiden schon erschüttert, dass die Frauen an dermaßen einfachen Webstühlen arbeiten und sich seit den 1970er Jahren wenig getan zu haben scheint. Ich dagegen fand es faszinierend, dass dieses Projekt immer noch existiert. Klar gibt es vieles, was man verbessern könnte: die Ausschilderung zum Beispiel. Sie müssten Werbung machen. Marketing! Vielleicht auch Auftragsarbeiten anbieten. Und es wäre vorteilhaft, wenn mindestens eine der Frauen so gut Englisch spräche, dass sie Kundenfragen beantworten könnte.

Oodi ist dennoch von Gaborone aus allemal eine Reise wert. Die Weberei ist ein toller Gegensatz zu den großen Shoppingmalls der Hauptstadt. Gut zu wissen, dass auch das Umland von Gaborone manchmal noch für eine Überraschung gut ist. Vielen Dank an Angelika für die Bilder!

Donnerstag, 13. April 2017

Gaborone von oben: Skylounge

Wir waren nun schon mehrfach auf dem Kgale Hill, dem Hausberg Gaborones (zuletzt haben wir hier davon berichtet). Von dort hat man einen netten Blick auf die Stadt und den Stausee. Allerdings liegt der Kgale Hill recht am Rand der Stadt (quasi bei uns vor der Haustür), und da Gaborone eine weitläufige Stadt ist, bekommt man eben nur einen teilweisen Überblick.
Mit unseren letzten Besuchern haben wir uns daher noch eine andere Stelle gesucht, um Gaborone von oben zu sehen: Im 19. Stock eines Hochhauses gibt es die "Skylounge", eine Bar, von der aus man einen einen guten Blick auf die Stadt hat. Ich war beruflich schon zwei Mal dort; beim ersten Mal, während meines ersten Aufenthalts in Gaborone im Januar 2016, war dies noch eine richtige "rooftop bar", d.h. ohne Dach und ganz unmittelbar den Elementen ausgesetzt. Das war fast schon ein Flair wie in manchen "Rooftop Restaurants", die ich in Asien erleben durfte.
Mittlerweile wurde jedoch ein Dach über die Skylounge gebaut und für mich hat die Bar damit einen Großteil ihrer Atmosphäre verloren. Dennoch hat man von dort einen schönen Ausblick auf den Central Business District (CBD) und weitere Teile der Stadt. Und da wir um den Sonnenuntergang herum dort waren, gönnten wir uns gleich noch einen "sundowner". Prost.




Mittwoch, 5. April 2017

Stampede

Stell Dir vor, Du kommst gerade am Flughafen an, parkst Dein Auto, gehst zum Flughafengebäude - und als Du in das Gebäude hineingehst, kommen Dir plötzlich ganz viele Leute entgegengerannt, weit über hundert. Sie scheinen teilweise um ihr Leben zu rennen.
Wie reagierst Du?

So ist es mir am Montagabend dieser Woche in Gaborone gegangen. Ich wollte Walli abholen, die aus Kapstadt zurückkam. Und da kamen mir all die Leute entgegen, das hatte schon Züge einer Stampede. (Der Duden definiert Stampede übrigens als "Substantiv, feminin - wilde Flucht einer in Panik geratenen [Rinder]herde". Das passt doch in einer Rinderzüchternation wie Botswana.) Ich überlegte kurz, dann folgte ich den Leuten, eher in einem gemächlichen Schritt, zugegeben.
Außerhalb des Gebäudes und des Vordaches sammelten sich die Menschen, einzelne kippten auch um. Ich fing an, einzelne Leute zu fragen, was denn los sei. Die erste Antwort, die ich bekam, lautete sinngemäß: "Ich bin auch erst vor fünf Minuten gekommen, da sind alle Leute losgerannt, also bin ich mal hinterher." Die zweite Antwort ging in eine ähnliche Richtung. Die dritte Person, die ich fragte, sagte mir dann, dass das ganze Gebäude gewackelt habe, und deshalb alle rausgerannt seien. Das Gebäude gewackelt? Die Flugzeuge, die hier landen, sind eigentlich nicht groß genug, um ein Gebäude zum wackeln zu bringen, sollten sie unbeabsichtigt mal mit dem Gebäude kollidieren. Und Botswana galt bisher nicht als eine Erdbebenregion.
Die Situation normalisierte sich nach ein paar Minuten, nach und nach gingen die Geflüchteten wieder ins Gebäude, so auch ich. Während ich auf Walli wartete, telefonierte ich mit meinen Eltern - die mich schließlich doch wieder aus dem Gebäude schickten; ich solle doch lieber wieder nach draußen gehen. Na gut.

Etwas später an dem Abend erfuhren wir dann, dass es sich tatsächlich um ein Erdbeben gehandelt hatte. Und ich hatte nichts mitbekommen - vermutlich trat es auf, als ich gerade noch mit dem Auto zum Flughafen fuhr; Walli war ohnehin noch in der Luft und verpasste es so auch.
6,5 auf der Richterskala, mit dem Epizentrum 229 km nordwestlich von Gaborone. Dafür, dass Botswana nicht als Erdbebenregion bekannt ist, war das doch recht heftig. 1952 hat es wohl mal ein Erdbeben mit 6,7 auf der Richterskala gegeben, ansonsten bebte die Erde hier in den letzten Jahrzehnten nie. Es gab glücklicherweise wohl nur wenige Leichtverletzte und wenig Schäden an Gebäuden; da kann man wohl in diesem Fall von Glück sprechen, dass dieses Land so dünn besiedelt ist.
Natürlich war das Erdbeben am Dienstag das Gesprächsthema Nummer eins, sowohl bei mir auf der Arbeit - als auch bei Facebook. Recht nett fanden wir dieses Bild, das die Situation hier zu treffen scheint:

Montag, 3. April 2017

Gastbeitrag: Drittes Drittel: Home sweet home – oder: All you can see in Gabs

Wir hatten Besuch! Friedemann und Angelika waren 2,5 Wochen in Botswana, sind mit uns gereist und haben unseren Alltag in Gaborone erlebt. Gästeblog statt Gästebuch ist nun angesagt! Hier das zweite Drittel (zur Einleitung und dem ersten Drittel geht es hier, zum zweiten Drittel geht es hier):

Drittes Drittel: Home sweet home – oder: All you can see in Gabs
Wir sind sehr dankbar für die Fantasie, die Walli und Philip entwickeln, um jeden Tag noch einen besonderen Programmpunkt hervorzuzaubern. Sie schöpfen ja gewissermaßen aus dem Leeren. Das schließt noch den kleinen Ecological Park (Leergutsammelstelle plus Restaurant plus Kinderspielplatz: ein Stern), ein gepflegtes Gartencenter (ohne Stern, aber mit Gartenrestaurant!) und mit dem Glück der Tüchtigen auch die erste Vernissage ein, von der sie in Gabs überhaupt hören, mit kleinen Einblicken in die hiesige Kunstszene. Museen sind selten, aber geschlossen, die sehenswerten Malls arbeiten wir exemplarisch ab, aber die Main Mall ist ein Must: 500 m bummeln unter freiem Himmel zwischen Nationalversammlung und Nationalmuseum vorbei an Ständen mit Geflochtenem, Gewebtem, Geschnitztem vor mehrstöckigen Häuserzeilen. Typisch auch der nationale Botanische Garten: unbesucht und liebenswert bescheiden. Die drei Chiefs in sozialistisch uninspirierter Umgebung zwischen Busch und Business brüsten sich ein bisschen sehr, aber nicht grundlos: Politisch weitsichtige und mutige Könige, für die nationale Identität von höchster Bedeutung. Zwei Höhepunkte buchstäblich: Der Kgale Hill, 300 m felsiger Aufstieg, bei schönem, also bedecktem Wetter, zuletzt auf allen Vieren zum sehr lohnenden Rundblick; Sundowner in der Sky Lounge, 19. Stock, Business District, absoluter Geheimtipp.

Und drumherum: das Mokolodi Nature-Reserve, keine halbe Stunde entfernt. Der Tierbestand scheint absichtlich soweit ausgedünnt, dass man im Norden über diesen Appetizer nicht das Staunen verlernt. Positiv denken: Schöne Landschaft, beste Pizza in Town.

Die stattliche Missionskirche von 1907 in Molepolole hat mit den Museen gemeinsam, dass sie geschlossen ist. Der Glockenturm gleicht dem Flughafen: Maßstabsgetreu verkleinert. Er ist mit seinem Glöckchen in 4 m Höhe leicht zu übersehen. Dafür ist die Ein-Sterne-Töpferei in Thamaga findbar und offen. Und auch die Weberei in Oodi ist gerade in ihrer ländlichen Schlichtheit beeindruckend.

Ende einer harmonischen Mehrgenerationen-WG, Philip zu einer Tagung, Walli, A & F zu einem Kapstadt-Trip.

„Es wandelt niemand ungestraft unter Palmen, und die Gesinnungen ändern sich gewiss in einem Lande, wo Elefanten und Tiger zu Hause sind.“ Wie weit Goethes dichterische Intention trägt, das warten wir ab, die Besucher und erst recht unsere lieben Gastgeber, die Residents.

Donnerstag, 23. März 2017

Kgale Hill revisited und Entfernungen in alle Welt

Ein paar Mal waren wir ja schon oben auf dem Kgale Hill, unserem Hausberg. Eigentlich, war uns gesagt worden, steige man da im Sommer nicht hoch, weil es einfach zu heiß sei. Nun hat es in diesem Sommer so viel geregnet, dass wir derzeit gar nicht die ganz heißen Temperaturen haben - und wir uns so kürzlich sogar am späteren Vormittag trauen konnten, dort hochzukraxeln. Der Hauptgrund, weshalb wir das machen wollten, war tatsächlich, die Auswirkungen der intensiven Regenzeit zu bewundern. Und das ging schon auf dem Weg nach oben los: Die Büsche am Wegrand waren ganz grün, die Vegetation viel dichter - einmal fanden wir aufgrund all der Pflanzen und Gräser auf einem kleinen Stück den Weg nicht mehr, verstiegen uns an einer steilen Stelle, fanden dann aber doch recht schnell zurück auf unsere Route. Und: Wir hatten viel mehr Schatten als auf unseren früheren Touren auf den Kgale Hill, dank der Blätter an den Bäumen.

Der Blick von oben auf das grüne Gaborone hat sich gelohnt - vor allem auf den nun komplett gefüllten Stausee Gaborone Dam. Und der war in der Tat beeindruckend anzusehen:


Auf der etwas größeren Insel in der Mitte ist übrigens der Gaborone Yacht Club, derzeit nicht erreichbar, da das Wasser die Straße dorthin, die auf einem Damm liegt, überspült hat.
Zum Vergleich hier ein Bild von unserem ersten Ausflug auf den Kgale Hill im Juli 2016 aus halbwegs ähnlicher Perspektive - damals war der Wasserstand bei ca. 15% seiner Kapazität:


Außerdem habe ich auf dem Kgale Hill noch eine Lektion in Sachen Geographie erhalten. Zusätzlich zu dem Entfernungsschild nach Peking ist dort neuerdings auch ein Schild nach Dakar (aufgrund eines botswanischen Teilnehmers an der Rallye Dakar):


Für mich war auffällig, dass der Entfernungsunterschied zwischen der Distanz nach Peking (China, immerhin am anderen Ende Asiens, 11800 km) und der Distanz nach Dakar (Senegal, ganz im Westen immerhin des gleichen Kontinents, 9200 km) gerade einmal 2500 km beträgt. Das zeigt doch wieder einmal, wie groß der afrikanische Kontinent ist (und wie verzerrt klein er offenbar auf den gängigen Karten dargestellt wird).
Zurück zu Hause habe ich mal noch ein paar weitere Entfernungen nachgeschaut, um mal einen Eindruck zu bekommen:
Gaborone - Frankfurt: 8500 km
Frankfurt - Peking: 7800 km
Frankfurt - Dakar: 4600 km.

Wir sind hier doch ganz schön weit weg von Deutschland. Und Afrika ist sehr sehr groß.

Montag, 23. Januar 2017

Eine Missionarsstation

Missionare in Afrika - davon hört man häufiger, und mittlerweile haben wir auch ein oder zwei Familien kennengelernt, die als Missionare nach Botswana kamen und hier "hängengeblieben" sind. Nicht mehr persönlich getroffen haben wir David Livingstone, einen der ersten Missionare in Botswana bzw. im südlichen Afrika, und westlicher "Entdecker" der Victoria-Fälle. Berühmt ist der Ausspruch von Henry Morgan Stanley, der ihm nachreiste, den verschollen Geglaubten in Tansania aufspürte und mit den Worten ansprach: "Dr. Livingstone, I presume?"
Eben dieser Dr. Livingstone lebte von 1847 bis 1852 ganz in der Nähe des heutigen Gaborones. Und so machten wir uns kürzlich auf zu einer Besichtigung des Ortes, an dem er lebte, der "Kolobeng Mission". Am Eingang trafen wir einen Ranger, der zu uns ins Auto stieg und uns zu den Ruinenresten der Siedlung lotste, wo er uns alles Mögliche erklärte.
Zunächst gab es das Fundament der Kirche zu besichtigen, in der Livingstone predigte. (Anmerkung Walli: "Fundament" ist für die paar Steine ein großes Wort!) Bis in die 1990er Jahre standen zumindest noch die Außenmauern der Kirche, inzwischen ist von ihnen aber leider nichts mehr übrig.


Dann fuhren wir ca. 200m weiter zum Friedhof, der ebenfalls kaum als solcher zu erkennen war. Hier liegt neben einem Gefährten Livingstones auch seine Tochter begraben; ihr Grab ist unter der derzeit recht grünen Vegetation kaum auszumachen; es wird hier vor allem durch zwei Ameisenbauten gekennzeichnet.

Schließlich fuhren wir noch einmal 100m und kamen zum Wohn- und Arbeitshaus der Familie Livingstone, wo u.a. ein Raum als Arztpraxis verwendet wurde. Auch hier sind nur die Fundamente übrig.


Es war ordentlich heiß, wenn man so in der Sonne herumstand. Unser Führer erzählte unglaublich viel in hohem Tempo und nuschelte dabei ziemlich. Das meiste davon vergaßen wir so wohl schnell wieder.
Insgesamt fanden wir den Besuch etwas ernüchternd: Für die Geschichte Botswanas ist das sicherlich ein wichtiger und schützenswerter Ort - aber als Tourismusziel taugt er derzeit nicht so wirklich, denn zu sehen gibt es kaum etwas. Im Logbuch wurden wir dann auch als die ersten Gäste seit zwei Tagen vermerkt. Die vorgetragenen Geschichten zu Livingstone und seiner Zeit könnte man besser nachlesen (wenn man es denn täte). Hier werden wir wohl eher nicht noch einmal hinkommen.

Dienstag, 17. Januar 2017

Weltblick

Von heute bis Donnerstag mache ich mit meinem Projekt einen Strategie- und Planungsworkshop. Wir haben kurz auf die Ergebnisse des letzten Jahres geschaut und dann angefangen, uns Gedanken über die dieses Jahr anstehende Strategie und die damit verbundenen Aktivitäten zu machen. Solche Workshops sind in der GIZ Standard; und einen solchen Standard kann man doch zumindest angenehm gestalten. Damit nicht jede/r ständig an den eigenen Schreibtisch rennt oder andere Termine wahrnimmt, macht es Sinn, das Ganze nicht im Büro zu veranstalten. Man kann in ein beliebiges Hotel gehen und dort in häufig dunklen Tagungsräumen tagen. Oder man kann versuchen, sich eine nettere "Location" herauszusuchen. Letzteres habe ich getan (natürlich habe ich zunächst die Preise verglichen und verhandelt!), und mich schließlich für das Tagungszentrum im Mokolodi Nature Reserve entschieden, das knapp außerhalb Gaborones liegt (von Besuchen dort hatten wir z.B. schon hier und dort berichtet).
Das Tagungszentrum dort kannte ich nur aus der Ferne; es liegt an einen Hang, mit einer tollen Aussicht über den Park und die Umgebung - daher auch sein Name, das "World's View Conference Center". Hier muss man sich schon fast zusammenreißen, um sich von diesem Blick abzuwenden und in den Besprechungsraum zu gehen.


Es hat in Botswana in den letzten Wochen geregnet - und es ist unglaublich, wie grün es hier geworden ist (Regenzeit!). Ich hörte heute jemanden sagen, dass er Botswana in den letzten 20 Jahren nicht so grün erlebt habe - und nie mit so hoher Luftfeuchtigkeit wie in den letzten Tagen.
Den obigen Blick von heute haben wir so ähnlich schon öfters gehabt von einer öffentlichen Aussichtsstelle etwas weiter oben am gleichen Hügel. Das folgende Bild entstand Ende Oktober, ein paar Tage nach den ersten Regenfällen. Es lässt sich unschwer erkennen, wieviel trockener die Büsche und der Boden damals noch waren.


Nun drückt mir bitte die Daumen, dass die nächsten Tage ebenso produktiv werden wie heute und wir am Ende des Workshops mit einer guten Planung dastehen werden!

Montag, 19. Dezember 2016

Schoko- und Eissucht

Was macht man eigentlich, wenn man in Gaborone Schokoladen- und Eis-süchtig ist, am besten in Kombination als Schokoeis?
Nun, die Schokoladensituation ist erstaunlich entspannt, jedenfalls viel besser als sie während meines Aufenthalts in Ghana war (wo es de facto nur eine wenig schmeckende einheimische Sorte gab, deren Mixtur so war, dass sie auch bei hohen Temperaturen nicht schmilzt). Hier bekommt man im Supermarkt verschiedene Sorten Schokolade. Cadbury's ist ein Standard. KitKats sieht man auch häufig (und hier gibt es gelegentlich auch solche mit dunkler Schokolade!) - und Lindt-Schokolade gibt es auch. Letztere ist manchmal nicht in den dunkleren Varianten verfügbar, aber immerhin gibt es sie.
Schoko-Nikoläuse für mein Team sollten am 6.12. her - und Walli war so nett, sie zu besorgen (es gab in normalen Supermärkten sogar zwei verschiedene Sorten). Für den Transport wählte sie eine Kühltasche, die wir tatsächlich noch aus Deutschland hierher mitgebracht hatten. Bei 39°C und 15 Minuten Heimweg half diese allerdings auch nicht mehr wirklich - ein paar der in Griechenland hergestellten Nikoläuse hatten dann doch leichte Dellen, bis sie hier ankamen (so machten wir immerhin Wirtschaftsförderung in Griechenland und Botswana!).


Die Eissituation ist auch annehmbar. Magnum im Supermarkt bekommt man einfach, auch ein paar mir unbekanntere Eisboxen. In einem Supermarkt bekommen wir sehr gutes Eis im Literpack: "Belgian Chocolate" und "Grenadilla" (= Passionsfrucht) sind unsere Lieblingssorten, ersteres ist aber seit ein paar Wochen leider nicht erhältlich, Katastrophe!
Richtige Eisdielen gibt es nicht in Gaborone. In einem Café, das nicht ganz zentral liegt, gibt es selbstgemachtes Eis in Eisbechern (Banana Split!), das recht lecker ist, aber auf Dauer nicht wirklich abwechslungsreich. Letzte Woche hat mir nun eine Mitarbeiterin eine neue Eisdiele gezeigt, die erste richtige Eisdiele, die ich in Botswana gesehen habe. Dort bekommt man immerhin Eis auf die Hand, die Möglichkeiten zum Hinsetzen sind noch nicht wirklich gemütlich. Auf jeden Fall ist das Eis dort lecker - und dunkles Schokoladeneis gibt es dort auch! Die Eisdiele liegt praktischer Weise in der Nähe des GIZ Landesbüros, wo ich ca. 1-2 Mal die Woche bin. Vielleicht werde ich da Stammkunde!

Sonntag, 11. Dezember 2016

Spaziergang durchs Gebüsch

Es ist nicht ganz einfach, viel Bewegung hier zu bekommen: Ein Spaziergang durch unseren Kiez die Straße entlang: ohne Bürgersteig staubig und teils wegen der Autos gefährlich, auch wegen der Sicherheitslage nicht wirklich empfohlen. Fahrradfahrer sind den Autofahrern unbekannt, sie fahren entsprechend, also auch keine wirkliche Alternative - und zu heiß ist es sowieso. Daher haben wir uns vor einiger Zeit im Fitnessstudio angemeldet. Dort bin ich kürzlich zum besten Kunden gewählt worden: Zahlt pünktlich, aber verstopft das Fitnessstudio nicht.
Ein paar Sporteleien haben wir schon versucht: Wir sind mit Mountainbikes durch den Mokolodipark gefahren, und wir sind ein paar Mal auf den Kgale Hill gestiegen. Für beides ist es tagsüber mittlerweile zu heiß, man müsste ganz früh morgens aufbrechen - zu früh für uns.
Ein langweiliges Wochenende stand mir bevor: Walli ist schon am Freitag nach Deutschland geflogen, ich habe nicht ganz so viele Urlaubstage und werde erst in einer Woche nachkommen können. Für Samstagmorgen bot der Mokolodipark einen "Bush Walk" an, und nachdem auch eine Kollegin sich angemeldet hatte, hatte ich keine Ausrede mehr. Immerhin sollte ich etwas Bewegung bekommen. Um 6:30 Uhr war Treffpunkt am Empfang, wenig später wanderten wir los. Aus den neun Gästen wurden schnell nur noch sechs, denn drei hatten gedacht, wir würden auf den Straßen herumrennen (es konnte sich niemand erklären, wie sie darauf gekommen waren), so waren wir ihnen zu langsam und sie kehrten um. Zu sechst wanderten wir also mit drei Rangern herum; auf sieben bis acht Kilometer war die Wanderstrecke geschätzt worden. Zunächst ging es leicht abwärts, dann eben: Die angelegten Straßen/Piste überquerten wir höchstens, mieden sie sonst; gelegentlich liefen wir auf den markierten Mountainbike-Strecken, viel häufiger führten uns unsere Führer querfeldein durch den Busch. Immer wieder wichen wir den peitschenden Ästen unserer Vorderleute aus oder bemühten uns, unter Ästen gebückt hindurchzulaufen. Letzteres erinnerte mich ein wenig an unser Rhino-Tracking im Khama Rhino Sanctuary. Trotz der frühen Uhrzeit war es schon ausreichend warm, und ich war froh um die Wasserflasche, die ich dabei hatte.


Mokolodi - für Walli und mich ist das mittlerweile fast synonym mit "keine/kaum" Tiere sehen; nur mit Wallis Eltern hatten wir mal wirklich Glück. Als Wandergruppe erging es uns nicht unbedingt anders als sonst, wir sahen nicht wirklich viele Tiere: Eine Leopardenschildkröte, ein paar flüchtende Impalas - und einmal schauten uns eine Gruppe Eland-Antilopen aus dem Unterholz eine Weile an, bis auch sie beschlossen wegzuspringen.


Dafür kamen wir immer wieder an Spuren vorbei, und unsere Ranger fragten uns regelmäßig, welche Spur wir gerade sähen. Mittlerweile habe ich ja viele Safaris mitgemacht und viele Spuren gezeigt bekommen - aber dennoch gibt es immer wieder noch Spuren, die ich noch nicht gesehen habe oder die ich einfach nicht wiedererkenne. Am Rand eines Sees entdeckten wir einmal sogar Leopardenspuren, vermutlich aus der vorangegangenen Nacht. Eigentlich gibt es in Mokolodi keine Raubtiere (daher kann man dort Mountainbiken oder eben einen bush walk machen) - offenbar kommen aber doch gelegentlich ein paar Leoparden vorbei. Gut, dass sie sicherlich genauso viel Angst vor uns wie wir vor ihnen haben...
Gegen neun Uhr schaute ich einmal auf die Uhr, wie spät es wohl sei - die Sonne brannte mittlerweile ziemlich unerbittlich auf uns hernieder. Glücklicherweise zogen wenig später ein paar leichte Quellwolken auf (vorher war es, wie so häufig hier, wolkenlos), die sich gelegentlich vor die Sonne schoben. Gegen viertel vor zehn Uhr fragten unsere Führer uns, ob wir noch eine Stunde weiterlaufen wollten, oder in ca. 20 Minuten zum Ausgangspunkt zurück. Es traute sich wohl niemand, aufzugeben, und so liefen wir noch eineinhalb Stunden weiter. An einem Termitenhügel, der auf über 500 Jahre geschätzt wurde, kehrten wir schließlich um - und als wir gegen 11:15 Uhr nach von einem Fitnessarmband gemessenen 13 Kilometern am Ausgangspunkt wieder ankamen, waren wir alle ein wenig kaputt. Es erwarteten uns eine Cola und Fingerfood - gerade richtig zur Erholung.
Am heutigen Sonntag pflege ich nun meinen Muskelkater. Vielleicht sollte ich doch wieder häufiger ins Fitnessstudio gehen?

Samstag, 3. Dezember 2016

Weihnachtsmarkt

Weihnachtsmärkte sind eine typisch deutsche Angelegenheit, und so ist es kein Wunder, dass es hier keine gibt. Ok, zugegeben, Glühwein bei 40°C zu verkaufen, wäre vielleicht auch nicht die genialste Geschäftsidee, die es je gab.
Märkte an sich findet man in Botswana aber auch generell kaum. Das Land muss aufgrund seiner Trockenheit über 98 Prozent seines Obsts und Gemüses importieren - da macht ein Bauernmarkt für solche Produkte nur wenig Sinn.
Es gibt allerdings eine Gruppe von Leuten, die samstags einen kleinen Markt bestückt; der bekannteste ist am ersten Samstag im Monat im Hof des Restaurants "Bull & Bush", an anderen Samstagen findet man die gleichen Marktstände an anderen Orten.
Wir waren zu Beginn unserer Zeit in Gaborone einmal beim "Bull & Bush"-Markt: Es gibt Livemusik und verschiedene Stände/ kleine Verkaufstische; eine Farmerin bietet Gemüse aus ihrem Garten sowie Selbstgebackenes an (Einwurf Walli: "sehr empfehlenswerte Rote Beete-Brownies!"), andere verkaufen Kunsthandwerk, ein Tierheim gebrauchte Bücher, eine Inderin Samosas (kleine gefüllte Teigtaschen), etc.


Durchaus nette Stände - allerdings sind es jedes Mal die gleichen. Für den heutigen Samstag war ein "Weihnachtsmarkt" angekündigt; klar, dass wir dorthin gehen mussten. Es war deutlich voller als sonst, viele Leute saßen (in der prallen Sonne?!) auf Bänken und aßen und tranken etwas; ein paar mehr Stände als sonst gab es, die (zum Teil Weihnachtsmannmützen tragenden) Verkäufer hofften auf das Weihnachtsgeschenk-Geschäft.


Inwiefern sie auf ihre Kosten kamen, wissen wir nicht, aber auf jeden Fall war einiges los. Diese Samstagsmärkte sind generell Orte, an denen man mit hoher Wahrscheinlichkeit zufällig Bekannten über den Weg läuft - wir trafen sowohl eine Nachbarin als auch eine von meinen Kolleginnen und unterhielten uns eine Weile. Glühwein haben wir übrigens trotz der Ankündigung eines "Weihnachtsmarktes" keinen gefunden/getrunken.

Sonntag, 16. Oktober 2016

Jungfräuliche Fitness

Das Leben ist hart: Morgens ins Auto einsteigen, beim Büro aussteigen, abends wieder ins Auto einsteigen, nach Hause fahren. Bei der Arbeit werde ich schon blöd angeschaut, weil ich meistens die Treppe statt dem Aufzug in den dritten Stock nehme. Ansonsten hält sich mein Bewegungsradius in Grenzen. Mit dem Fahrrad zur Arbeit fahren - bei einer Strecke von unter 2 km eigentlich kein Problem, wenn da nicht die Autofahrer wären, die Fahrradfahrer hier nicht gewöhnt sind. Spazierengehen ist hier kein weit verbreitetes Hobby, abends aus Sicherheitsgründen nicht, tagsüber nicht, weil es kaum Bürgersteige und schlicht keine geeigneten Strecken dafür gibt (Walli geht gelegentlich ins nahe Einkaufszentrum Game City und hat hier mal unseren Kiez vorgestellt).
Uns war also schon seit einiger Zeit klar, dass wir etwas für unsere Fitness tun müssen. Walli hat ja weiterhin Vorbehalte gegenüber dem Golf spielen. Auf den Kgale Hill sind wir mittlerweile schon drei bis viermal raufgelaufen, das Mountainbiking in Mokolodi haben wir bisher noch nicht wiederholt - doch mittlerweile ist es zu heiß geworden für solchen Sport im Freien.
Gefühlt blieben uns nicht viele Alternativen. Ein Fitnessstudio sollte her, und so hörten wir uns um. Die Empfehlung war eindeutig, eigentlich kam nur eines in Frage, "Virgin Active", ein südafrikanisches Franchise von Bransons Virgin-Gruppe - leider am anderen Ende der Stadt gelegen. Der erste Besichtigungstermin vor zwei Wochen schlug fehl, weil ich meine Passnummer nicht angeben wollte. Beim zweiten Besichtigungstermin (vor einer Woche) fand man das entsprechende Formular nicht, so durften wir dann auch ohne Angabe unserer Daten eintreten (es geht doch!). Wir meldeten uns gleich an. Walli war nun unter der Woche schon einmal dort; heute sind wir erstmals gemeinsam hingefahren. Meine Einweisung lief ungefähr so ab: "Ja, dort siehst Du die Kardio-Geräte, weißt ja, wie die funktionieren, stell' Dich einfach mal drauf für 20 Minuten." Das hätte ich auch ohne Einweisung geschafft, na ja. Wir sind nun also Mitglied und haben gute Vorsätze. Die Geräte sind recht neu, gerade sonntags ist offenbar nicht viel los, und ein beheiztes Schwimmbecken mit 20m Bahn gibt es auch. Bei der Verabschiedung wurde ich gleich gefragt, ob ich morgen wieder käme - so weit reichen meine guten Vorsätze dann doch nicht, aber immerhin haben wir jetzt eine Möglichkeit für etwas Bewegung...

Sonntag, 9. Oktober 2016

Phantasialand oder Oktoberfest-Ersatz

Am vergangenen Sonntag, dem vorletzten Tag des Oktoberfests in München, wollten wir mal wieder einen Ausflug machen. Wenn man auf die Kartenansicht unseres Blogs schaut, dann stellt man fest, dass wir bisher hauptsächlich Richtung Osten gefahren sind; also wollten wir diesmal die westliche Umgebung erkunden.
Näher als von uns vermutet liegt dort z.B. das "Lion Park Resort": der einzige Vergnügungspark Botswanas! Eine Mischung aus kleinem, in die Jahre gekommenen Phantasialand und einem Schwimmbad. Mit Wasserrutschen, einem Wellenbad, das ungefähr alle halbe Stunde für fünf bis zehn Minuten angeschaltet wird - und Fahrgeschäften wie im Phantasialand oder auf dem Oktoberfest. Die Fahrgeschäfte waren nicht mehr die allerjüngsten, wohl vor vielen Jahren mal aus Europa oder anderswo her importiert: Eine Achterbahn, ein Kettenkarussell, kleinere Karusselle, ein Riesenrad. Um das Gelände herum fuhr gelegentlich eine Eisenbahn. Ähnlich leer wie dem Vernehmen nach auf dem diesjährigen Oktoberfest war es auch: Die Fahrgeschäfte wurden jeweils angeschmissen, wenn jemand kam, um damit zu fahren, eine Wartezeit gab es somit nicht. So ging von dem Park eher ein etwas morbider Charme aus: Man stelle sich einen Vergnügungspark vor, wie er vielleicht Mitte des 20. Jahrhunderts in Deutschland ausgesehen haben mag, teilweise etwas konserviert, teilweise etwas angerostet, und sehr leer. Auch mal ganz interessant. Verblüfft hat uns allerdings, dass uns ein paar Tage nach unserem Besuch jemand erzählte, dass das Lion Park Resort erst letztes Jahr renoviert wurde - wie sah es bloß vorher aus?


Für uns stellte sich die Frage: Trauen wir uns auf eine Achterbahn mit Looping oder in ein Kettenkarussell, obwohl die Geräte ziemlich alt aussehen und hier wohl kaum ein TÜV deren Sicherheit überprüft? Im Endeffekt haben wir uns (allein) aufs Riesenrad getraut und sind eine Runde mit der Eisenbahn gefahren. Immerhin, vom Riesenrad aus hatten wir eine nette Aussicht auf das Gelände und die Umgebung.



Die Löwen, die dem Park seinen Namen geben, werden wohl tatsächlich in Käfigen ausgestellt. Wir haben sie uns nicht angeschaut - nicht nur, weil man dafür zusätzliches Eintrittsgeld hätte zahlen müssen; die Bedingungen, unter denen sie hier gehalten werden, sollen nicht die besten sein - und wir hatten ja schon das Privileg, hier in Botswana welche in freier Wildbahn  zu sehen.