Montag, 26. September 2016

How are you?

In englischsprachigen Ländern gehört die Frage "How are you?" quasi zur Begrüßungsformel dazu. Egal, ob wir hier ein Restaurant betreten oder im Supermarkt an der Kasse stehen - überall werden wir gefragt, wie es uns geht. Daran gewöhnt man sich recht schnell. Trotzdem hatte ich in Kapstadt meinen Englischlehrer darauf angesprochen, denn ab und an bin ich mir doch unsicher: Wenn ein Kellner uns im Restaurant mit "Hi, how are you?" begrüßt und wir antworten: "Hello, fine, thank you, and how are you?" antwortet er in der Regel nicht auf letztere Frage, sondern ist schon beim nächsten Thema: "Table for two?" Oder er wirkt kurz irritiert, bevor er antwortet ("I'm fine, table for two?").
In Restaurants oder Läden habe ich daher immer das Gefühl, dass die Gegenfrage dem Gegenüber nur Zeit klaut. Nicht zurückzufragen, wie es dem anderen geht, erscheint mir aber auf der anderen Seite unhöflich. Wobei ja eigentlich beide Seiten kein echtes Interesse am Befinden des anderen haben - es ist halt mehr eine Begrüßungsformel.
Mein Englischlehrer verstand das Problem (nach dem ersten ungläubigen Staunen, dass wir in Deutschland Fremde nicht unbedingt fragen, wie es ihnen geht). Eine Patentlösung hatte er aber auch nicht. Mit dem Zurückfragen handhabt man es halt nach Gefühl - der vielbeschäftigte Kellner muss nicht unbedingt gefragt werden, die Kassiererin im Supermarkt freut sich aber nach meiner Erfahrung auch mal über die Frage und hat ja auch Zeit, während sie die Waren übers Band zieht ...

So weit, so gut. Trotzdem gibt es Situationen, in denen ich das Ganze noch nicht verinnerlicht habe. Am Freitag war ich im Reisebüro unseres Vertrauens und hatte da einen Termin bei meiner Ansprechpartnerin. Ich ging also an die Rezeption, sagte hallo, stellte mich vor und erklärte, dass ich einen Termin hätte - erst danach fiel mir auf, dass ich die Frage "How are you?" da nicht mehr untergebracht hatte. Ich hatte sie einfach vergessen. Da kommt dann wieder die deutsche Direktheit in mir durch.
Wirklich irritiert mich die Frage "How are you?", wenn es bei uns klingelt. Es ist immer dasselbe: Ich gehe an die Gegensprechanlage, frage "Hello?" und mein Gegenüber fragt zurück: "Hello, how are you?" Und das auch, wenn wir uns noch nie gesehen haben und ich niemanden erwarte. Da steht also jemand Fremdes, der offenkundig etwas von uns will, und statt zu sagen, wer er und was das ist, fragt er erst einmal, wie es mir geht. Ich frage dann höflichkeitshalber auch zurück, wie es ihm geht, und schon hat man ein paar Sätze gewechselt, ohne auch nur einen Schritt weiter zu sein.

Mein Englischlehrer konnte sich dagegen nicht so recht vorstellen, wie es ohne "How are you?" klappen soll mit der erfolgreichen Begrüßung. Ein paar Tage nach unserem Gespräch zum Thema hielt er mir fröhlich folgendes Bild unter die Nase:


Zu seiner Erheiterung trug offensichtlich die Idee bei, dass man sich auch gleich so ein Schild umhängen könnte, wenn man auf den üblichen Smalltalk verzichten will. Ich fragte mich kurz, welches Bild von Deutschland ich ihm da vermittelt hatte. Völkerverständigung ist halt immer so eine Sache ...

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