Philip und ich haben uns in den letzten Jahren einigermaßen mit den hier empfohlenen Sicherheitsvorkehrungen engagiert. Vor unseren Fenstern sind Gitter, um unser Haus ist eine Mauer, auf der Mauer ein Elektrozaun. Wenn wir gehen, aktivieren wir die Alarmanlage. Löst diese aus, ruft uns die Sicherheitsfirma, bei der wir unter Vertrag sind, an und/oder kommt vorbei.
Das alles ist uns inzwischen in Fleisch und Blut übergegangen. Wann immer wir in Deutschland sind, genießen wir jedoch, dass eine solche Sicherheitsausstattung dort nicht nötig ist. Aber ist sie hier nötig?
Philip und ich hatten - im Gegensatz zu einigen seiner Kollegen - noch nie einen Einbruch oder Einbruchsversuch in unser Haus. Allerdings ist die Schere zwischen Arm und Rech in Botswana besonders hoch und gerade Weiße gelten als reich. Häuser nach westlichem Standard haben daher in der Regel alle genannten Vorrichtungen, an die wir uns, wie beschrieben, inzwischen auch gewöhnt haben. Wenn dann ein Teil dieser Sicherheitsvorkehrungen von einem Moment auf den anderen dahin ist, ist das daher schon ein seltsames Gefühl.
Es war letzte Woche Montagnachmittag. Ich saß im Wohnzimmer und hörte plötzlich einen enormen Schlag - und dann gleich noch einen zweiten. Einen Sekundenbruchteil dachte ich an den Steinbruch im Kgale Hill, aus dem man manchmal Sprengungen hört, die auch die Fenster erzittern lassen. Aber das hier war anders und nach dem Sekundenbruchteil, in dem ich das dachte, ging auch schon der Alarm unseres Elektrozauns los.
Ich rannte zur Haustür und schaute heraus. Mein erster Gedanke war "Unser Tor steht offen!", aber dann sah ich, dass das nicht ganz stimmte ... hier die Ansicht von der Straße aus.
Es stand also nicht offen, sondern lag vielmehr auf dem Boden. Neben einem Betonpfeiler, der ebenso umgestürtzt war.
Ein Auto hatte unser Tor gerammt, offensichtlich mit Tempo. Neben einer jungen Frau standen bereits drei Männer. Es stellte sich heraus, dass sie die Fahrerin war, allein im Auto gesessen hatte und es ihr den Umständen entsprechend gut ging. Wobei sie erstmal nicht sprach, also zumindest nicht mit mir. Ich schaltete dann erst einmal unseren Elektrozaun aus, um den Alarm abzustellen. Als nächstes rief ich unseren Vermieter Kent an. Ich war selbst etwas geschockt und er bat mich, Fotos zu schicken. Nachdem er sie bekommen hatte, wurde er dann glücklicherweise sehr schnell sehr aktiv.
Die drei Männer, offensichtlich Passanten, empfahlen mir, die Polizei zu rufen, und verabschiedeten sich dann nach und nach. Ich holte Campingstühle für die Unfallverursacherin und mich und dann saßen wir zu zweit vor dem umgestürtzten Tor. Inzwischen hatte sie ihre Sprache wieder gefunden und es stellte sich heraus, dass sie in unserer Straße wohnt und sogar mit einem Deutschen verheiratet ist, der aber zur Zeit in Hannover weilt (und im Übrigen mindestens doppelt so alt ist wie sie, aber das nur am Rande). Ihre größte Sorge war die Polizei und dass sie eine Geldstrafe bekommen würde (wobei ich annehme, dass die Kosten für das Tor diese um ein Vielfaches überschreitet), ihre zweitgrößte ihr Ehemann, der aber immerhin auf die ihm gesendeten Fotos nur mit einem "Thank god you are fine" reagierte. Mein Ehemann rief dagegen postwendend an, nachdem ich ihm ein paar Fotos schickte, was aber auch daran lag, dass sie auf seinem Handy nur teilweise runtergeladen wurden und der Golf der Unfallverursacherin auch noch die gleiche Farbe hatte wie meiner ...
Irgendwann kam Mattias, der Bruder unseres Vermieters, bestaunte den Schaden und befragte meine Sitznachbarin - durchaus nicht unfreundlich, aber er mutmaßte schon, dass sie doch vermutlich am Steuer mit ihrem Handy gespielt und deswegen die Kontrolle verloren hätte. Sie sagte "Don't say that" - das lässt sich jetzt interpretieren, wie man will. Mattias fuhr dann mal sein Handy aufladen, ich rief erneut bei der Polizei an. Es begann, leicht zu regnen. Ab und zu fuhr ein Polizeiauto auf der Querstraße vorbei, wir winkten auch, aber offensichtlich wollte niemand zu uns. Irgendwann rief die Polizei tatsächlich mich an, um sich zu erkundigen, ob schon jemand da gewesen wäre. Inzwischen waren mehr als zwei Stunden vergangen.
Immer wieder hielten Autos vor unserem Haus an, mit Insassen, die mit offenem Mund fragten "What happened?", was zunehmend langweilte, zumal die Unfallverursacherin verständlicherweise keinen Lust hatte, jedem Passanten den Unfallhergang zu schildern. Nach und nach bekamen wir außerdem Verstärkung: Die Cousine der Frau leistete uns Gesellschaft (wollte aber natürlich auch als erstes wissen, wie das denn hatte passieren können), dann kam Mattias wieder, schließlich Philip und unsere Nachbarin und dann auch unser Vermieter Kent, der inzwischen schon mit seiner Versicherung, der Firma, die für das elektrische Tor zuständig ist, der Elektrozaunfirma und einem weiteren Elektriker gesprochen hatte. Ich hatte zwischenzeitlich nochmal mit der Polizei telefoniert, die schließlich auch auftauchte - nach drei Stunden. Endlich kam Bewegung in die Sache: Die Polizei befragte die Unfallverursacherin und unseren Vermieter als Geschädigten; unser Vermieter, dessen Bruder und sein Sohn richteten unser Tor auf und lehnten es gegen die Mauer, so dass es zumindest teilweise als Sichtschutz diente. Kent hatte außerdem bei unserer Sicherheitsfirma einen Wachmann für die Nacht bestellt, der um 18 Uhr da sein sollte. Inzwischen war es allerdings fast 19 Uhr und dunkel. Kent schickte mich schließlich ins Haus und sagte, ich hätte jetzt genug draußen gewartet, er würde übernehmen und hier sitzenbleiben, bis der Wachmann käme. Was war ich ihm dankbar in diesem Moment.
Philip war seit seiner Ankunft noch mit einem Notfall anderer Natur beschäftigt gewesen, der jetzt aber halbwegs gelöst schien. Er leistete Kent schließlich Gesellschaft, beide saßen in unserem Carport auf den Campingstühlen. Es muss ausgesehen haben wie ein Schichtwechsel, nachdem die Unfallverursacherin und ich schon stundenlang vor dem Haus gesessen hatten. Philip und Kent unterhielten sich wesentlich angeregter als wir beide, was aber daran gelegen haben mag, dass keiner von ihnen gerade einen noch relativ neugekauften (und vermutlich unversicherten) Golf gegen ein Tor gesteuert hatte. Sie saßen da schließlich auch nochmal zwei Stunden, bis der Wachmann eintraf, der sich im übrigen ein Kissen mitgebracht hatte (quasi seine einzige Ausstattung). Philip gab ihm für die Nacht noch seinen "panic button", der die Sicherheitsfirma in einem Notfall ruft, den er aber zum Glück nicht drücken musste. Wir fielen dann beide ziemlich fertig ins Bett. Es war ein ungewohntes Gefühl, so ein offenes Grundstück zu haben, das nun ein Wachmann bewachen sollte, zumindest bis 6 Uhr morgens. Und dann würden hoffentlich möglichst schnell die Handwerker kommen ...
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Montag, 18. Februar 2019
Dienstag, 29. Januar 2019
Verschnitten
Als wir aus unserem diesjährigen Heimaturlaub zurückkamen, waren wir gerade auf dem Rückweg vom Flughafen, als mich die SMS von einem unserer Vermieter erreichte: "Hi, are you guys back yet?" Waren wir ja noch nicht ganz, aber kurz darauf und sahen ihn dann auch gleich: Mattias und sein Sohn hatten vor unserem Tor geparkt und schnitten gerade die Büsche an der Außenmauer zurück. Das war super - unser Gärtner hatte mich bereits Anfang Dezember angesprochen, dass das mal wieder in Angriff genommen werden müsste. Hier gibt es zwar keinen Bürgersteig, auf dem Leute laufen könnten, aber trotzdem versuchen Fußgänger natürlich, nicht auf der Straße zu gehen und so war bei den Bougainvilléen, anderen Büschen und Bäumen schon öfters etwas abgeknickt worden. Ich hatte unseren Vermietern allerdings noch gar nicht Bescheid gegeben - wie schön, dass sie das gerade von selbst erledigten!
Die Freude währte nur kurz - einen Tag später kam Philip von der Arbeit nach Hause und stellte fest, dass da nochmal jemand am Werk gewesen war, der sich wesentlich grobmotorischer als unser Vermieter angestellt hatte. Der ziemlich traurige Anblick passte zu Philips etwas verkorkstem Start nach unserem Heimaturlaub.
Ich hatte morgens noch eine SMS unseres Stromanbieters bekommen, dass von 9 bis 16h der Strom abgeschaltet werden würde, da in der Zeit Bäume in der Nähe von Strommasten beschnitten werden sollten. Prinzipiell machte das Sinn - momentan ist ja Regenzeit, Gewitter gehen hier oft mit Sturm einher, ab und an stürzen Bäume dabei um und in Stromleitungen. Was folgt, sind Stromausfälle, denn in Botswana sind sämtliche Stromleitungen oberirdisch verlaufend und dadurch ziemlich störungsanfällig. Als ich die SMS bekam, hatte ich also durchaus Verständnis und freute mich noch über das gute Timing, war ich an diesem Tag doch eh von früh morgens bis spät abends unterwegs. Dass bei uns so ein Kahlschlag erfolgen würde, hatte ich allerdings nicht erwartet. Die Botswana Power Corporation hatte sich ohne Rücksicht auf Verluste ausgetobt - ein Teil der nicht gerade kleinen gekappten Äste war in unseren Elektrozaun gefallen. Dass dieser nicht weiter beschädigt worden war, war reines Glück.
Unser Vermieter nahm es gelassen. Er hatte entlang der Straße schon Bäume gesehen, die sich von dem rabiaten Schnitt vermutlich nicht mehr erholen, während unsere hoffentlich nachwachsen werden. Wir waren uns allerdings einig, dass einen das Stromunternehmen in einer perfekten Welt eine Woche vorher informiert hätte, damit man selbst zur Säge hätte greifen können, bevor es jemand tut, der einfach nur absäbelt ... aber wo ist die Welt schon perfekt? In den Tagen danach holte die Botswana Power Corporation immerhin den Großteil der Zweige ab.
Ich hatte morgens noch eine SMS unseres Stromanbieters bekommen, dass von 9 bis 16h der Strom abgeschaltet werden würde, da in der Zeit Bäume in der Nähe von Strommasten beschnitten werden sollten. Prinzipiell machte das Sinn - momentan ist ja Regenzeit, Gewitter gehen hier oft mit Sturm einher, ab und an stürzen Bäume dabei um und in Stromleitungen. Was folgt, sind Stromausfälle, denn in Botswana sind sämtliche Stromleitungen oberirdisch verlaufend und dadurch ziemlich störungsanfällig. Als ich die SMS bekam, hatte ich also durchaus Verständnis und freute mich noch über das gute Timing, war ich an diesem Tag doch eh von früh morgens bis spät abends unterwegs. Dass bei uns so ein Kahlschlag erfolgen würde, hatte ich allerdings nicht erwartet. Die Botswana Power Corporation hatte sich ohne Rücksicht auf Verluste ausgetobt - ein Teil der nicht gerade kleinen gekappten Äste war in unseren Elektrozaun gefallen. Dass dieser nicht weiter beschädigt worden war, war reines Glück.
Unser Vermieter nahm es gelassen. Er hatte entlang der Straße schon Bäume gesehen, die sich von dem rabiaten Schnitt vermutlich nicht mehr erholen, während unsere hoffentlich nachwachsen werden. Wir waren uns allerdings einig, dass einen das Stromunternehmen in einer perfekten Welt eine Woche vorher informiert hätte, damit man selbst zur Säge hätte greifen können, bevor es jemand tut, der einfach nur absäbelt ... aber wo ist die Welt schon perfekt? In den Tagen danach holte die Botswana Power Corporation immerhin den Großteil der Zweige ab.
Samstag, 26. Januar 2019
Compliments of the season!
Alles Gute zum neuen Jahr, liebe Blogleser! Das haben wir Euch noch gar nicht gewünscht, glaube ich. Nun findet Ihr vielleicht, dass wir ziemlich spät dran sind und ich es mir am 26. Januar auch sparen könnte. Aber nein: In Botswana wünscht man sich bis Ende Januar "compliments of the season". Wobei ich zugebe, dass es langsam schon nachlässt. Aber als wir am 17.01. in Botswana landeten, gingen Philip und ich mittags eine Kleinigkeit im Café Dijo essen. Das war früher, als Philips Büro noch in unserem Viertel Kgale View war, unser Stammcafé, wenn wir uns zum Mittagessen trafen. Ich gehe immer noch ab und an hin, treffe Freundinnen, warte, dass eins unserer Auto in der Waschanlage nebenan fertiggewaschen wird oder trinke einfach so einen Cappucchino. Wenn ich alleine bin, habe ich immer ein Buch dabei - mein Lieblingskellner hat sich angewöhnt, mich zu fragen, was ich lese und ist immer wieder aufs Neue erstaunt, was man so alles lesen kann.
Selbst, wenn Philip fast gar nicht mehr zum Café Dijo kommt und ich weitaus seltener als früher, sind wir also irgendwie beide noch bekannt. Und so kamen an unserem Ankunftstag hier gleich drei Kellner an unseren Tisch, um uns "compliments of the season" zu wünschen - am 17. Januar! In den Tagen davor in Deutschland hatten die Neujahrswünsche schon komplett aufgehört, aber hier ging es dann für uns nochmal los - und ich fand es total nett. Auch wenn insbesondere Philips Ankunftstage nach unserem Heimaturlaub (der für ihn ja zur Hälfte eine Dienstreise war) nicht allzu glatt liefen, muss das doch mal positiv erwähnt werden. Und während ich anfangs noch mit einem leicht verwunderten "happy new year" antwortete, schmettere ich inzwischen Bekannten, die ich dieses Jahr zum ersten Mal sehe, selbst als Erste ein "compliments of the season" entgegen. Das hebt gleich die Laune. Also, meine auf jeden Fall :-)
Selbst, wenn Philip fast gar nicht mehr zum Café Dijo kommt und ich weitaus seltener als früher, sind wir also irgendwie beide noch bekannt. Und so kamen an unserem Ankunftstag hier gleich drei Kellner an unseren Tisch, um uns "compliments of the season" zu wünschen - am 17. Januar! In den Tagen davor in Deutschland hatten die Neujahrswünsche schon komplett aufgehört, aber hier ging es dann für uns nochmal los - und ich fand es total nett. Auch wenn insbesondere Philips Ankunftstage nach unserem Heimaturlaub (der für ihn ja zur Hälfte eine Dienstreise war) nicht allzu glatt liefen, muss das doch mal positiv erwähnt werden. Und während ich anfangs noch mit einem leicht verwunderten "happy new year" antwortete, schmettere ich inzwischen Bekannten, die ich dieses Jahr zum ersten Mal sehe, selbst als Erste ein "compliments of the season" entgegen. Das hebt gleich die Laune. Also, meine auf jeden Fall :-)
Samstag, 19. Januar 2019
Kultur- und andere Schocks hüben wie drüben
Vor ein paar Monaten meinte Walli mal, dass wir ja vielleicht Weihnachten gar nicht mehr extra nach Deutschland fliegen müssten, wenn es absehbar sei, dass wir ohnehin Anfang 2019 in die Heimat zurückkehren. Wir entschlossen uns schließlich doch, Weihnachten in Deutschland zu verbringen. Und ich bekam einen Kulturschock.
Schon krass, wie das in Deutschland läuft: Da geht man einfach auf jemanden z.B. an einem Bahnschalter zu, sagt "Guten Morgen" und als nächstes "Ich hätte gerne eine Fahrkarte nach XYZ". Ist das nicht furchtbar unhöflich? Oder zumindest so wahnsinnig direkt? Hier in Botswana sollte man ja zumindest der Form halber mal noch ein "How are you?" zwischendurch gefragt haben, am besten noch "How is your Family?", fünf Stunden übers Wetter unterhalten etc.. In Deutschland: Nun ja, die Kommunikation war teils schon sehr direkt. Wir fühlten uns fast unwohl, selbst so direkt vorzugehen.
Während ich ein paar Tage von Eschborn aus arbeitete, hatte ich uns eine Wohnung über Airbnb gebucht. Die Wohnung war recht stylisch - und verursachte doch wieder einen kleinen Kulturschock bei mir: Eigentlich wollte es uns der Vermieter einfach machen. Skelett eines Büffelschädels an der einen Wand, Umriss des südlichen Afrikas an der gegenüberliegenden Wand (dachten wir, war nur zufällig altes Mauerwerk in dieser Form). Aber dann war es eben doch eine Wohnung ohne Bücher (der Vermieter ist Sportlehrer), und Alexa belauschte uns die ganze Zeit und Walli versuchte, mit ihr Konversation zu machen. Digitales Deutschland!
Und warum funktioniert eigentlich nicht alles in Deutschland? In Botswana bin ich immer überzeugt, dass in Deutschland alles funktioniert, dass Verkäufer mitdenken, etc. Wenn das dann in Deutschland doch nicht klappt, dann ist das auch immer ein kleiner Schock. Habe ich Deutschland von Botswana aus idealisiert?
Wenigstens komme ich derzeit nicht in Gefahr, Botswana zu idealisieren: Zwei Stunden nach Rückkehr bekam mein Handy keinen Empfang mehr (dauerte mehr als 24 Stunden, bis ich wieder telefonieren konnte), der Pool war grün statt klar und verliert mal wieder Wasser, das Tor zu unserem Grundstück öffnet sich automatisch (obwohl man es gerade vorher zugemacht hat - Batterie des Tormotors ist wohl zum zweiten Mal in einem halben Jahr kaputt), Stromausfall von 8 Stunden innerhalb unserer ersten 24 Stunden im Land, Internet zu Hause war stellenweise ausgefallen und ist ansonsten derzeit mal wieder sehr langsam, Internetbanking des lokalen Kontos geht über Tage (eigentlich Wochen) nicht zu entsperren, aus Deutschland mitgebrachte Ersatzteile werden zwar kurzfristig ins Auto eingebaut - lösen aber das Problem nicht, etc. Die Landung hier hätte also auch etwas sanfter sein können.
Ok, Walli ist hier doch recht schnell wieder angekommen: Innerhalb der ersten 36 Stunden verbrachte sie 10 Stunden mit Freundinnen im nahegelegenen Madikwe Game Reserve...
Gut fünfeinhalb Wochen werden wir noch hier sein, die Zeit fliegt, und wir sind nun wohl im "Abwicklungsmodus". Trotz aller Schocks werden wir auch wehmütig auf die Zeit in Botswana zurückschauen - und uns gleichzeitig auf Deutschland freuen.
Schon krass, wie das in Deutschland läuft: Da geht man einfach auf jemanden z.B. an einem Bahnschalter zu, sagt "Guten Morgen" und als nächstes "Ich hätte gerne eine Fahrkarte nach XYZ". Ist das nicht furchtbar unhöflich? Oder zumindest so wahnsinnig direkt? Hier in Botswana sollte man ja zumindest der Form halber mal noch ein "How are you?" zwischendurch gefragt haben, am besten noch "How is your Family?", fünf Stunden übers Wetter unterhalten etc.. In Deutschland: Nun ja, die Kommunikation war teils schon sehr direkt. Wir fühlten uns fast unwohl, selbst so direkt vorzugehen.
Während ich ein paar Tage von Eschborn aus arbeitete, hatte ich uns eine Wohnung über Airbnb gebucht. Die Wohnung war recht stylisch - und verursachte doch wieder einen kleinen Kulturschock bei mir: Eigentlich wollte es uns der Vermieter einfach machen. Skelett eines Büffelschädels an der einen Wand, Umriss des südlichen Afrikas an der gegenüberliegenden Wand (dachten wir, war nur zufällig altes Mauerwerk in dieser Form). Aber dann war es eben doch eine Wohnung ohne Bücher (der Vermieter ist Sportlehrer), und Alexa belauschte uns die ganze Zeit und Walli versuchte, mit ihr Konversation zu machen. Digitales Deutschland!
Und warum funktioniert eigentlich nicht alles in Deutschland? In Botswana bin ich immer überzeugt, dass in Deutschland alles funktioniert, dass Verkäufer mitdenken, etc. Wenn das dann in Deutschland doch nicht klappt, dann ist das auch immer ein kleiner Schock. Habe ich Deutschland von Botswana aus idealisiert?
Wenigstens komme ich derzeit nicht in Gefahr, Botswana zu idealisieren: Zwei Stunden nach Rückkehr bekam mein Handy keinen Empfang mehr (dauerte mehr als 24 Stunden, bis ich wieder telefonieren konnte), der Pool war grün statt klar und verliert mal wieder Wasser, das Tor zu unserem Grundstück öffnet sich automatisch (obwohl man es gerade vorher zugemacht hat - Batterie des Tormotors ist wohl zum zweiten Mal in einem halben Jahr kaputt), Stromausfall von 8 Stunden innerhalb unserer ersten 24 Stunden im Land, Internet zu Hause war stellenweise ausgefallen und ist ansonsten derzeit mal wieder sehr langsam, Internetbanking des lokalen Kontos geht über Tage (eigentlich Wochen) nicht zu entsperren, aus Deutschland mitgebrachte Ersatzteile werden zwar kurzfristig ins Auto eingebaut - lösen aber das Problem nicht, etc. Die Landung hier hätte also auch etwas sanfter sein können.
Ok, Walli ist hier doch recht schnell wieder angekommen: Innerhalb der ersten 36 Stunden verbrachte sie 10 Stunden mit Freundinnen im nahegelegenen Madikwe Game Reserve...
Gut fünfeinhalb Wochen werden wir noch hier sein, die Zeit fliegt, und wir sind nun wohl im "Abwicklungsmodus". Trotz aller Schocks werden wir auch wehmütig auf die Zeit in Botswana zurückschauen - und uns gleichzeitig auf Deutschland freuen.
Samstag, 22. Dezember 2018
Am Boden statt in der Luft
Manchmal gibt es Geschichten, die sind zu skurril, um sie sich selbst auszudenken. Viele Länder haben ja eine eigene nationale Airline, so auch Botswana - der Stolz Botswanas. Mit Air Botswana kann man nicht nur von Gaborone in die anderen größeren Städte des Landes fliegen (u.a. Maun, Francistown, Kasane), sondern es gibt auch mehrfach am Tag eine Verbindung nach Johannesburg. Wir waren betrübt, als Anfang diesen Jahres, kurz nach unserem Kapstadt-Besuch von Ende Januar, die direkte Verbindung nach Kapstadt eingestellt wurde. Hintergrund war, dass Air Botswana eine südafrikanische Airline für diese Verbindung engagiert hatte, die auf dieser Strecke unter Air Botswanas Flagge flog - und eben dieser Airline wurde von Südafrika aus Sicherheitsgründen die Lizenz entzogen. Im November hat Air Botswana die Flüge nach Kapstadt unter eigenem Betrieb wohl wieder aufgenommen, eine schöne Nachricht für uns Passagiere (ob wir es noch einmal nach Kapstadt schaffen?).
Die Sicherheit von Air Botswana gilt glücklicherweise als halbwegs gut. Leider scheint die Fluglinie jedoch nicht komplett profitabel zu sein, die botswanische Regierung sucht daher nach einem privaten Investor. Doch dafür wollte man die Airline erst einmal "aufhübschen" und bestellte drei neue, modernere Flugzeuge. Diese wurden im November ausgeliefert, und damit man nicht auf zu vielen Flugzeugen sitzt, wurden gleichzeitig drei ältere Flugzeuge verkauft. Die Flotte bestand nun also aus zwei älteren und drei neueren Flugzeugen.
Schade nur, dass man ein kleines Detail übersehen hatte: Die Piloten von Air Botswana hatten kein Training - und somit auch keine Lizenz - für die neueren Maschinen erhalten... und so ist seit einigen Wochen der Flugplan der Airline ziemlich ausgedünnt, denn drei Flugzeuge sind verkauft, und mit zwei (älteren) Flugzeugen kann man den Betrieb eines Streckennetzes, das für fünf Flugzeuge ausgelegt ist, nicht mehr aufrecht erhalten.
Außer Air Botswana fliegt glücklicherweise noch eine andere Airline, SA Express, nach Johannesburg - dieser Airline war jedoch von ca. April bis Ende August ebenfalls die Lizenz der südafrikanischen Behörden entzogen worden; mittlerweile soll sie aber wieder in Ordnung sein. Und für unseren Flug nach Deutschland in den Weihnachtsurlaub haben wir eine ganz andere Verbindung gebucht, mit der wir weder Air Botswana noch einen anderen Flug nach Johannesburg benötigen - wir fliegen mit Air Namibia via Windhoek nach Frankfurt. Mal schauen, ob das so hinhaut, wie wir uns das wünschen...
Die Sicherheit von Air Botswana gilt glücklicherweise als halbwegs gut. Leider scheint die Fluglinie jedoch nicht komplett profitabel zu sein, die botswanische Regierung sucht daher nach einem privaten Investor. Doch dafür wollte man die Airline erst einmal "aufhübschen" und bestellte drei neue, modernere Flugzeuge. Diese wurden im November ausgeliefert, und damit man nicht auf zu vielen Flugzeugen sitzt, wurden gleichzeitig drei ältere Flugzeuge verkauft. Die Flotte bestand nun also aus zwei älteren und drei neueren Flugzeugen.
Schade nur, dass man ein kleines Detail übersehen hatte: Die Piloten von Air Botswana hatten kein Training - und somit auch keine Lizenz - für die neueren Maschinen erhalten... und so ist seit einigen Wochen der Flugplan der Airline ziemlich ausgedünnt, denn drei Flugzeuge sind verkauft, und mit zwei (älteren) Flugzeugen kann man den Betrieb eines Streckennetzes, das für fünf Flugzeuge ausgelegt ist, nicht mehr aufrecht erhalten.
Außer Air Botswana fliegt glücklicherweise noch eine andere Airline, SA Express, nach Johannesburg - dieser Airline war jedoch von ca. April bis Ende August ebenfalls die Lizenz der südafrikanischen Behörden entzogen worden; mittlerweile soll sie aber wieder in Ordnung sein. Und für unseren Flug nach Deutschland in den Weihnachtsurlaub haben wir eine ganz andere Verbindung gebucht, mit der wir weder Air Botswana noch einen anderen Flug nach Johannesburg benötigen - wir fliegen mit Air Namibia via Windhoek nach Frankfurt. Mal schauen, ob das so hinhaut, wie wir uns das wünschen...
Donnerstag, 13. Dezember 2018
Von drauß' von Gaborone komm ich her ...
... und ja, auch hier weihnachtet es sehr! Obwohl sich die Adventszeit bei 38 Grad natürlich auch schön ausblenden lässt. Unser namibischer Adventskranz schmückt zwar unseren Esstisch, die Kerzen waren aber noch nicht an - es ist uns einfach zu warm.
Nichtsdestotrotz ist auch der Gaboroner Dezember voller Weihnachtsfeiern. Unsere erste in diesem Jahr besuchten wir im Garten der Residenz des neuen EU-Botschafters hier. Im Gegensatz zu seinem Vorgänger schmiss er eine richtig große Party, die abends stattfand, auf seinem Grundstück und zu der die Gäste sogar ihre Partner mitbringen konnten. Das ließ sich fast niemand entgehen - die Party sollte um 18:30 Uhr losgehen und tatsächlich waren um diese Zeit schon einige Leute da (uns eingeschlossen). Aber wenn eine Party laut Einladung nur zwei Stunden gehen soll, ist man eben auch pünktlich.
Empfangen wurden wir mit einem Tässchen Glühwein, auf den wir schnell ein kühles Bier folgen ließen. Nach den Begrüßungsreden gab es eine Überraschung: Es wurden Weihnachtslieder gesungen! Die Mitarbeiter der EU-Botschaft hatten es sich nicht nehmen lassen, extra einige Weihnachtslieder landestypisch umzudichten, u.a. "The twelve days of Christmas". Ein Beamer warf sogar den Liedtext an die Hauswand, damit alle mitsingen konnten.
Nach den Gesangs- gab es auch noch Tanzdarbietungen (einige der EU-Mitarbeiter kommen aus Skandinavien und ließen es sich nicht nehmen, zu ABBA zu performen). Nach den Vorführungen ließ die EU mit Hilfe des Beamers für den Rest des abends den Schnee rieseln.
Auch das Büffet konnte sich sehen lassen: Neben botswanischem Essen (Pap (Maisbrei), Seswaa (zerkochtes Rindfleisch), Sorghum (Getreidebrei) etc.) gab es italienischen Schinken und italienische Salami, außerdem Käse (vermutlich auch aus Italien). Das war sehr lecker. Am nächsten Tag ging es mir leider dennoch nicht so gut, was weder an dem Mini-Tässchen Glühwein noch am alkoholfreien Bier gelegen haben kann. Glücklicherweise war ich freitags wieder fit, zur nächsten Weihnachtsfeier, diesmal von der GIZ.
Die GIZ feierte im No. 1 Ladies Restaurant, wo ich neulich erst mit der deutschen Kulturdelegation war und auch sonst gerne mal Freundinnen zum Mittagessen treffe - dementsprechend herzlich war die Begrüßung. Und auch sonst war es ein schöner Abend: Wir hatten nämlich Glück bei der Hotellotterie! Jeder Gast bekam bei Ankunft ein Los und vor dem Abendessen wurden dann Hotelübernachtungen verlost, die die GIZ-Partnerhotels in Gaborone gestiftet hatten (für jeweils eine Übernachtung zu zweit). Relativ am Anfang schon gehörte mein Los zu den Gewinnern, was mir ein bisschen unangenehm war, da ich ja keine Mitarbeiterin bin. Auf der anderen Seite mussten Ehepartner bei der GIZ-Weihnachtsfeier Eintritt zahlen (ich habe also nicht auf Kosten Eurer Steuergelder gefeiert), insofern fühlte ich mich dennoch irgendwie als rechtmäßige Gewinnerin. Und dann gewann Philips Los auch noch! Wir waren bereits das dritte Paar, das zwei Nächte gewonnen hatte; in diesen Fällen war die zweite Nacht an einen anderen Gast weiterzugeben. Philip dürfte wählen, stellte fest, dass er ganz plötzlich viele neue Freunde hatte und gab seinen Gewinn schließlich an seinen Projektfahrer weiter, der komplett überrascht und glücklich war. Danach wurde noch gegessen und getanzt.
Und am Morgen darauf trafen wir dann noch den Weihnachtsmann persönlich! Wo man sich eben so trifft in Gaborone: in einer Shopping Mall. Er stand vor dem Drogeriemarkt und war sofort bereit, ein Foto mit mir zu machen. Davor öffnete er eine große Blechdose und ich nahm schon an, dass er eine Spende wollte - aber es waren tatsächlich Kekse drin und er bot mir einen an! Na dann: noch eine schöne Adventszeit!
Nichtsdestotrotz ist auch der Gaboroner Dezember voller Weihnachtsfeiern. Unsere erste in diesem Jahr besuchten wir im Garten der Residenz des neuen EU-Botschafters hier. Im Gegensatz zu seinem Vorgänger schmiss er eine richtig große Party, die abends stattfand, auf seinem Grundstück und zu der die Gäste sogar ihre Partner mitbringen konnten. Das ließ sich fast niemand entgehen - die Party sollte um 18:30 Uhr losgehen und tatsächlich waren um diese Zeit schon einige Leute da (uns eingeschlossen). Aber wenn eine Party laut Einladung nur zwei Stunden gehen soll, ist man eben auch pünktlich.
Nach den Gesangs- gab es auch noch Tanzdarbietungen (einige der EU-Mitarbeiter kommen aus Skandinavien und ließen es sich nicht nehmen, zu ABBA zu performen). Nach den Vorführungen ließ die EU mit Hilfe des Beamers für den Rest des abends den Schnee rieseln.
Auch das Büffet konnte sich sehen lassen: Neben botswanischem Essen (Pap (Maisbrei), Seswaa (zerkochtes Rindfleisch), Sorghum (Getreidebrei) etc.) gab es italienischen Schinken und italienische Salami, außerdem Käse (vermutlich auch aus Italien). Das war sehr lecker. Am nächsten Tag ging es mir leider dennoch nicht so gut, was weder an dem Mini-Tässchen Glühwein noch am alkoholfreien Bier gelegen haben kann. Glücklicherweise war ich freitags wieder fit, zur nächsten Weihnachtsfeier, diesmal von der GIZ.
Die GIZ feierte im No. 1 Ladies Restaurant, wo ich neulich erst mit der deutschen Kulturdelegation war und auch sonst gerne mal Freundinnen zum Mittagessen treffe - dementsprechend herzlich war die Begrüßung. Und auch sonst war es ein schöner Abend: Wir hatten nämlich Glück bei der Hotellotterie! Jeder Gast bekam bei Ankunft ein Los und vor dem Abendessen wurden dann Hotelübernachtungen verlost, die die GIZ-Partnerhotels in Gaborone gestiftet hatten (für jeweils eine Übernachtung zu zweit). Relativ am Anfang schon gehörte mein Los zu den Gewinnern, was mir ein bisschen unangenehm war, da ich ja keine Mitarbeiterin bin. Auf der anderen Seite mussten Ehepartner bei der GIZ-Weihnachtsfeier Eintritt zahlen (ich habe also nicht auf Kosten Eurer Steuergelder gefeiert), insofern fühlte ich mich dennoch irgendwie als rechtmäßige Gewinnerin. Und dann gewann Philips Los auch noch! Wir waren bereits das dritte Paar, das zwei Nächte gewonnen hatte; in diesen Fällen war die zweite Nacht an einen anderen Gast weiterzugeben. Philip dürfte wählen, stellte fest, dass er ganz plötzlich viele neue Freunde hatte und gab seinen Gewinn schließlich an seinen Projektfahrer weiter, der komplett überrascht und glücklich war. Danach wurde noch gegessen und getanzt.
Und am Morgen darauf trafen wir dann noch den Weihnachtsmann persönlich! Wo man sich eben so trifft in Gaborone: in einer Shopping Mall. Er stand vor dem Drogeriemarkt und war sofort bereit, ein Foto mit mir zu machen. Davor öffnete er eine große Blechdose und ich nahm schon an, dass er eine Spende wollte - aber es waren tatsächlich Kekse drin und er bot mir einen an! Na dann: noch eine schöne Adventszeit!
Mittwoch, 5. September 2018
Die unendliche Autoreparaturgeschichte - Teil 2
Hier eine kurze Zusammenfassung des ersten Teils der unendlichen Autoreparaturgeschichte: Der Volvo war unter den in der Vergangenheit zumindest halbwegs hilfreichen Händen unseres serbischen Mechanikers Goran von "größtenteils repariert" zur invaliden Klapperkiste mutiert. Unser Golf hatte nach zweieinhalb Monaten des Wartens und Nachhakens vom malawischen Mechaniker Gabriel zwar erfolgreich einen neuen Zahnriemen verpasst bekommen, dafür war jetzt jedoch ein Display kaputt. Gabriel holte das Auto also nochmal ab - bzw. schlug ich ihm einen Abholtermin vor, den er bestätigte; an dem Nachmittag, den wir vereinbart hatten, schrieb ich ihm nochmal, dass ich jetzt zu Hause sei, er antwortete nicht, nach vergeblichem Warten rief ich ihn schließlich an und wir vereinbarten einen neuen Termin ... egal, irgendwann war das Auto bei Gabriel.
Und da blieb es auch. Es war ein Donnerstagmorgen, als Gabriel das Auto abholte. Der Deal war eigentlich, dass ich es bis Freitagmittag zurückbekommen sollte, aber das klappte nicht. Freitagnachmittag rief ich also an. Gabriel war sehr zuversichtlich, dass er das Display am Samstag zum Laufen bekommen würde und bot uns übergangsweise sein eigenes Auto als Ersatzwagen an. Am Wochenende kommen Philip und ich in der Regel ganz gut mit einem Auto aus, ich vereinbarte aber trotzdem mit ihm, dass wir bis Samstagnachmittag entweder unser Auto zurück- oder seines bekommen würden. Ich nahm an, das würde Anreize bei ihm setzen, die Reparatur zu erledigen. Na ja, ging so.
Am späten Samstagnachmittag fragte ich per WhatsApp nach. Gabriels Antwort: "There is a small part am waiting for I might get it by tomorrow." Das Ersatzauto würden wir sonst auf jeden Fall morgen bekommen, er müsste es nur noch sauber machen.
Am Sonntag (dem besagten tomorrow) tat sich dann halb-erwartungsgemäß gar nichts. Wir bekamen den Golf nicht zurück, kein Ersatzauto und auch keinen neuen Zwischenstand von Gabriel. Wer sich immer schon mal gefragt hat, was mich so richtig auf die Palme bringt - hier ist die Antwort: Unzuverlässigkeit und leere Versprechungen. Am Montag rief ich Gabriel an. Auf sein übliches "Hi, how are you?" brachte ich das obligatorische "I am fine, how are you?" nicht über die Lippen, sondern brummte etwas Undefinierbares in den Hörer, worauf Gabriel immerhin einlenkte: "I know you are not happy." Na immerhin. Gabriel schien dagegen guter Dinge. Zwar war das Display-Problem noch nicht gelöst, aber morgen wäre das Auto ganz sicher repariert! Und heute noch bekämen wir einen Ersatzwagen. Und den brachte er dann tatsächlich - sein eigenes Auto, einen weißen Mercedes.
Abends standen Philip und ich vor dem Wagen, den ich aufgrund meiner ersten Assoziation liebevoll "Zuhälterkarre" getauft hatte. Wir wollten ihn beide nicht fahren; aus unterschiedlichen Gründen. Mir war er zu groß und zu fremd, Philip mutmaßte, dass er wahrscheinlich nicht versichert war.
Am Dienstag wurde dann jedoch unser Volvo mal wieder von Goran abgeholt. Die von ihm bestellten Ersatzteile waren endlich angekommen, was auch höchste Zeit war - am Sonntag wollten wir bereits mit ihm (dem Volvo, nicht Goran) in den Urlaub fahren. Meine Eltern würden am Freitag ankommen und wir hatten eine einwöchige Reise in Botswana und Südafrika geplant. Zu viert und auf ungeteerten Pisten wollten wir doch gerne mit dem Volvo statt mit dem Golf fahren.
Nun waren also Volvo und Golf bei ihren jeweiligen Mechanikern - was uns blieb, war die Zuhälterkarre, mit der Philip dann aus Mangel an Alternativen am nächsten Morgen zur Arbeit fuhr.
Er amüsierte sich noch über das - immerhin funktionierende - Display im weißen Mercedes; dieses meldete Probleme und empfahl einen Werkstattbesuch.
Natürlich erkannte auch ich eine gewisse Ironie darin, dass das Privatauto unseres Mechanikers sich nach einem Werkstattbesuch sehnte, allerdings waren mir sowohl das Lachen als auch das Vertrauen in Gabriels Fähigkeiten bereits völlig vergangen. Tatsächlich zeigte sich, dass der Mercedes Probleme hatte: Lief Philips Fahrt zur Arbeit noch ganz passabel, fiel auf dem Rückweg die Lenkung aus, das Auto ließ sich kaum noch um Kurven manövrieren. Nicht so richtig praktisch in der Gaboroner Rush Hour, er kam gerade so eben noch nach Hause. Am Donnerstag ließen wir das einzige Auto, das wir nach wie vor hatten, stehen. Philip nahm sich ein Taxi zur Arbeit, ich fuhr mit dem Fahrrad zu meinen serbischen Deutschlern-Mädels (nicht verwandt mit Goran). Meine allererste Fahrradtour in Gaborone! Fahrradfahrer sind in der botswanischen Hauptstadt generell eine Seltenheit, weiße Fahrradfahrer noch mehr. Jugendliche starrten mich an, Bauarbeiter winkten mir zu und die Maid, die für die Familie der serbischen Mädchen arbeitet, verliebte sich spontan in mein Fahrrad und bot an es mir abzukaufen. Und dann geschah auch noch ein Wunder: Gabriel rief an, der Golf sei repariert. Er würde ihn abends noch vorbeibringen. Und das tat er dann tatsächlich; nach einer Woche bekam ich das Auto endlich wieder. (Zum Vergleich: Das Auswechseln des Zahnriemens hatte nur dreieinhalb Tage gedauert.) Nachdem ich ihn im Laufe der vergangenen Tage mehrmals verflucht hatte (nicht den Golf, sondern Gabriel), war ich nun so glücklich, ihn zu sehen, dass ich übersprungshandlungsmäßig zu meinem eigenen Erstaunen tatsächlich behauptete, ihn bei zukünftigen Autoproblemen wieder konsultieren zu wollen. Leere Versprechungen kann ich offensichlich auch machen ...
Am Freitag konnten Philip und ich meine Eltern dann immerhin mit dem Golf statt mit dem Taxi vom Flughafen abholen. Und am Freitagabend geschah das zweite Wunder: Wir bekamen den Volvo repariert und auf Herz und Nieren getestet zurück! Wobei Goran gleich bekannte, dass er ihn nach dem Urlaub gerne nochmal holen würde - er hatte vergessen, irgendein Teil einzubauen, das würde auf die Fahrtüchtigkeit jedoch keinerlei Einfluss haben. (Kurzer Spoiler: Während unseres Urlaubs stellten wir noch ein paar weitere "Kinkerlitzchen" fest ... Warum klackert die Radaufhängung links so? Ist das neu oder war das schon? Warum ist das vordere Licht auf einmal so verstellt, dass es nur noch den einen Meter vor dem Auto ausleuchtet? Warum leuchten weiterhin zwei Warnleuchten am Armaturenbrett, die doch schon längst abgeschaltet bzw. deren Probleme behoben sein sollten?)
Dennoch: Wir standen so immerhin 36 Stunden vor Urlaubsbeginn tatsächlich wieder mit zwei Autos da - zwischenzeitlich hatten weder Philip noch ich das zu hoffen gewagt und schon überlegt, Freunde zu fragen, ob die uns einen ihrer Wagen leihen würden. Was uns dagegen fehlte, waren die Koffer meiner Eltern. Aber das war ja bereits eine andere Geschichte ...
Und da blieb es auch. Es war ein Donnerstagmorgen, als Gabriel das Auto abholte. Der Deal war eigentlich, dass ich es bis Freitagmittag zurückbekommen sollte, aber das klappte nicht. Freitagnachmittag rief ich also an. Gabriel war sehr zuversichtlich, dass er das Display am Samstag zum Laufen bekommen würde und bot uns übergangsweise sein eigenes Auto als Ersatzwagen an. Am Wochenende kommen Philip und ich in der Regel ganz gut mit einem Auto aus, ich vereinbarte aber trotzdem mit ihm, dass wir bis Samstagnachmittag entweder unser Auto zurück- oder seines bekommen würden. Ich nahm an, das würde Anreize bei ihm setzen, die Reparatur zu erledigen. Na ja, ging so.
Am späten Samstagnachmittag fragte ich per WhatsApp nach. Gabriels Antwort: "There is a small part am waiting for I might get it by tomorrow." Das Ersatzauto würden wir sonst auf jeden Fall morgen bekommen, er müsste es nur noch sauber machen.
Abends standen Philip und ich vor dem Wagen, den ich aufgrund meiner ersten Assoziation liebevoll "Zuhälterkarre" getauft hatte. Wir wollten ihn beide nicht fahren; aus unterschiedlichen Gründen. Mir war er zu groß und zu fremd, Philip mutmaßte, dass er wahrscheinlich nicht versichert war.
Am Dienstag wurde dann jedoch unser Volvo mal wieder von Goran abgeholt. Die von ihm bestellten Ersatzteile waren endlich angekommen, was auch höchste Zeit war - am Sonntag wollten wir bereits mit ihm (dem Volvo, nicht Goran) in den Urlaub fahren. Meine Eltern würden am Freitag ankommen und wir hatten eine einwöchige Reise in Botswana und Südafrika geplant. Zu viert und auf ungeteerten Pisten wollten wir doch gerne mit dem Volvo statt mit dem Golf fahren.
Er amüsierte sich noch über das - immerhin funktionierende - Display im weißen Mercedes; dieses meldete Probleme und empfahl einen Werkstattbesuch.
Natürlich erkannte auch ich eine gewisse Ironie darin, dass das Privatauto unseres Mechanikers sich nach einem Werkstattbesuch sehnte, allerdings waren mir sowohl das Lachen als auch das Vertrauen in Gabriels Fähigkeiten bereits völlig vergangen. Tatsächlich zeigte sich, dass der Mercedes Probleme hatte: Lief Philips Fahrt zur Arbeit noch ganz passabel, fiel auf dem Rückweg die Lenkung aus, das Auto ließ sich kaum noch um Kurven manövrieren. Nicht so richtig praktisch in der Gaboroner Rush Hour, er kam gerade so eben noch nach Hause. Am Donnerstag ließen wir das einzige Auto, das wir nach wie vor hatten, stehen. Philip nahm sich ein Taxi zur Arbeit, ich fuhr mit dem Fahrrad zu meinen serbischen Deutschlern-Mädels (nicht verwandt mit Goran). Meine allererste Fahrradtour in Gaborone! Fahrradfahrer sind in der botswanischen Hauptstadt generell eine Seltenheit, weiße Fahrradfahrer noch mehr. Jugendliche starrten mich an, Bauarbeiter winkten mir zu und die Maid, die für die Familie der serbischen Mädchen arbeitet, verliebte sich spontan in mein Fahrrad und bot an es mir abzukaufen. Und dann geschah auch noch ein Wunder: Gabriel rief an, der Golf sei repariert. Er würde ihn abends noch vorbeibringen. Und das tat er dann tatsächlich; nach einer Woche bekam ich das Auto endlich wieder. (Zum Vergleich: Das Auswechseln des Zahnriemens hatte nur dreieinhalb Tage gedauert.) Nachdem ich ihn im Laufe der vergangenen Tage mehrmals verflucht hatte (nicht den Golf, sondern Gabriel), war ich nun so glücklich, ihn zu sehen, dass ich übersprungshandlungsmäßig zu meinem eigenen Erstaunen tatsächlich behauptete, ihn bei zukünftigen Autoproblemen wieder konsultieren zu wollen. Leere Versprechungen kann ich offensichlich auch machen ...
Am Freitag konnten Philip und ich meine Eltern dann immerhin mit dem Golf statt mit dem Taxi vom Flughafen abholen. Und am Freitagabend geschah das zweite Wunder: Wir bekamen den Volvo repariert und auf Herz und Nieren getestet zurück! Wobei Goran gleich bekannte, dass er ihn nach dem Urlaub gerne nochmal holen würde - er hatte vergessen, irgendein Teil einzubauen, das würde auf die Fahrtüchtigkeit jedoch keinerlei Einfluss haben. (Kurzer Spoiler: Während unseres Urlaubs stellten wir noch ein paar weitere "Kinkerlitzchen" fest ... Warum klackert die Radaufhängung links so? Ist das neu oder war das schon? Warum ist das vordere Licht auf einmal so verstellt, dass es nur noch den einen Meter vor dem Auto ausleuchtet? Warum leuchten weiterhin zwei Warnleuchten am Armaturenbrett, die doch schon längst abgeschaltet bzw. deren Probleme behoben sein sollten?)
Dennoch: Wir standen so immerhin 36 Stunden vor Urlaubsbeginn tatsächlich wieder mit zwei Autos da - zwischenzeitlich hatten weder Philip noch ich das zu hoffen gewagt und schon überlegt, Freunde zu fragen, ob die uns einen ihrer Wagen leihen würden. Was uns dagegen fehlte, waren die Koffer meiner Eltern. Aber das war ja bereits eine andere Geschichte ...
Montag, 3. September 2018
Die unendliche Autoreparaturgeschichte - Teil 1
Dass wir unseren Volvo-Schluckspecht nicht unbedingt schonen, dürfte in vergangenen Blogbeiträgen bereits deutlich geworden sein. Er hat sich immer noch nicht komplett von unserem Roadtrip ins Okavango Delta erholt. Zwar war er danach in der Reparatur (gebrochene Feder hinten, neue extra-starke Safari-Stoßdämpfer, neuer Auspuff, etc.), ist aber immer noch nicht vollständig wiederhergestellt. Zunächst merkte Philip, dass die Lenkung einen unguten Rechtsdrall hatte, auch ein quietschendes Geräusch beim um die Kurve fahren machte uns nicht glücklich. Der serbische Mechaniker unseres Vertrauens, Goran, bekam das Auto also wieder. Und behielt es fast eine Woche. Ein verlängertes Wochenende, das wir in Südafrika verbringen wollten, rückte derweil näher. Als Philip Goran an Mittwochabend mit der Frage anschrieb, ob wir mit dem Auto am Samstag einen Kurztrip antreten könnten, lautete die so knappe wie eindeutige Antwort: "No." Nach einem klärenden Telefonat schlug Goran vor, das Auto für unseren Wochenendausflug wieder zusammenzubauen, fahrtüchtig sei es ja und er müsste eh noch auf eine Ersatzteillieferung aus Südafrika warten, bevor er es weiter reparieren könnte. Und so bekamen wir es am Freitag wieder - allerdings nicht in dem Zustand, in dem wir es abgegeben hatten. Rechtsdrall und Pfeifen waren nun die geringste Probleme, mehr beunruhigte uns das Klappern und Zittern, vor allem bei Bremsvorgängen. Kurz: Das Auto schien für längere Fahrten unbrauchbar. Aber wir haben ja noch ein anderes.
Unser Golf (den wir liebevoll "das kleine Auto" nennen) ist ein Stadtauto, das noch nie irgendwelche Zicken gemacht hat. Anfang Mai hatte ich es zur Jahresinspektion gegeben - nicht bei Goran, sondern bei einem malawischen Mechaniker namens Gabriel, der uns ebenfalls empfohlen worden war. Es schien mir eine Art Risikoverteilung zu sein, den Golf zu jemand anderem zu geben und mein Ersteindruck von Gabriel war super: Wir vereinbarten einen Termin, er holte das Auto morgens ab und brachte es abends zurück. Der Preis war vernünftig und das Auto immerhin zu 80% okay, wie Gabriel mir mitteilte. Eine Sache war ihm allerdings aufgefallen: Der Zahnriemen hätte bereits bei 75.000 km gewechselt werden sollen, inzwischen hatte er schon über 100.000 km auf dem Buckel. Und feine Risse. Er müsste ersetzt werden, denn wenn ein Zahnriemen reißen würde, würde ein meist irreparabler Motorschaden entstehen. Ich fragte Gabriel nach den Kosten, die er mir spontan nicht nennen konnte, er wollte sich aber erkundigen und mir einen Kostenvoranschlag schicken, um dann das Ersatzteil zu bestellen. Inzwischen könnte ich ruhig noch einige Wochen kurze Strecken mit dem Auto zurücklegen.
Ende Mai fragte ich das erste Mal nach. Gabriel versicherte mir per WhatsApp, den Zahnriemen zu bestellen und mich über die Kosten zu informieren. Ein paar Tage später bat er mich um die Fahrzeugnummer, um auch das richtige Teil zu ordern. Dann passierte - nichts. Ende Juni fragte ich wieder nach. Die Antwort lautete, dass der Zahnriemen nächsten Dienstag geliefert werden würde. Dann hörte ich wieder - nichts. Und das war so ungefähr der Zeitpunkt, an dem wir feststellten, dass wir mit dem Golf nach Südafrika fahren müssten, weil der Volvo ein Sicherheitsrisiko war.
Inzwischen machte ich mir doch langsam Sorgen, dass der Zahnriemen reißen könnte. Und stellte fest, dass Autoprobleme googeln ähnlich empfehlenswert ist wie die Online-Recherche nach Krankheitssymptomen: Man kann sich damit bestens verrückt machen. Es gibt diverse deutschsprachige Autoforen in denen Leute die feinen Risse in ihren Zahnriemen beschreiben, die Antworten von anderen Autofahrern sind stets die gleichen: "Mit dem Wagen würde ich maximal noch bis zur nächsten Werkstatt fahren!" In Botswana brachten mich derartige Tipps aber nicht weiter - Werkstätte gibt es zwar auch hier in Hülle und Fülle, aber die haben höchstens die allergängigsten Ersatzteile da. Alles andere muss in Südafrika bestellt werden, und das kann dauern, wie wir bereits aus leidvoller Erfahrung von Goran wussten. Also beschlossen wir, dass der Zahnriemen schon noch durchhalten würde und hatten auch Glück: Unser kleines Stadtauto fuhr uns einwandfrei durch Südafrika. Und als wir wieder in Gaborone waren und ich Gabriel anrief, war der Zahnriemen tatsächlich da! Wir vereinbarten einen Termin für die Reparatur, das Auto war dreieinhalb Tage in der Werkstatt, dann bekam ich es wieder. Mein Glück, dass diese Sache geklärt war, währte leider nur kurz. Dass mein Auto extrem blumig nach Politur roch und ich einen Bierdeckel in der Seitentasche fand, konnte ich noch tolerieren, aber dass ein Display über dem Lenkrad nicht mehr funktionierte, war dann doch blöd. Dieses Display zeigt normalererweise verschiedene Informationen an: z.B. den Spritverbrauch, die Außentemperatur, in welchem Gang das Auto gerade fährt etc. Fahren lässt es sich auch ohne diese Informationen prima, aber dennoch: Bis zum Austausch des Zahnriemens hatte das Display funktioniert, nun funktionierte es nicht mehr. Ich informierte Gabriel darüber und wir vereinbarten, dass er das Auto noch einmal abholen würde. Fortsetzung folgt.
Unser Golf (den wir liebevoll "das kleine Auto" nennen) ist ein Stadtauto, das noch nie irgendwelche Zicken gemacht hat. Anfang Mai hatte ich es zur Jahresinspektion gegeben - nicht bei Goran, sondern bei einem malawischen Mechaniker namens Gabriel, der uns ebenfalls empfohlen worden war. Es schien mir eine Art Risikoverteilung zu sein, den Golf zu jemand anderem zu geben und mein Ersteindruck von Gabriel war super: Wir vereinbarten einen Termin, er holte das Auto morgens ab und brachte es abends zurück. Der Preis war vernünftig und das Auto immerhin zu 80% okay, wie Gabriel mir mitteilte. Eine Sache war ihm allerdings aufgefallen: Der Zahnriemen hätte bereits bei 75.000 km gewechselt werden sollen, inzwischen hatte er schon über 100.000 km auf dem Buckel. Und feine Risse. Er müsste ersetzt werden, denn wenn ein Zahnriemen reißen würde, würde ein meist irreparabler Motorschaden entstehen. Ich fragte Gabriel nach den Kosten, die er mir spontan nicht nennen konnte, er wollte sich aber erkundigen und mir einen Kostenvoranschlag schicken, um dann das Ersatzteil zu bestellen. Inzwischen könnte ich ruhig noch einige Wochen kurze Strecken mit dem Auto zurücklegen.
Ende Mai fragte ich das erste Mal nach. Gabriel versicherte mir per WhatsApp, den Zahnriemen zu bestellen und mich über die Kosten zu informieren. Ein paar Tage später bat er mich um die Fahrzeugnummer, um auch das richtige Teil zu ordern. Dann passierte - nichts. Ende Juni fragte ich wieder nach. Die Antwort lautete, dass der Zahnriemen nächsten Dienstag geliefert werden würde. Dann hörte ich wieder - nichts. Und das war so ungefähr der Zeitpunkt, an dem wir feststellten, dass wir mit dem Golf nach Südafrika fahren müssten, weil der Volvo ein Sicherheitsrisiko war.
Inzwischen machte ich mir doch langsam Sorgen, dass der Zahnriemen reißen könnte. Und stellte fest, dass Autoprobleme googeln ähnlich empfehlenswert ist wie die Online-Recherche nach Krankheitssymptomen: Man kann sich damit bestens verrückt machen. Es gibt diverse deutschsprachige Autoforen in denen Leute die feinen Risse in ihren Zahnriemen beschreiben, die Antworten von anderen Autofahrern sind stets die gleichen: "Mit dem Wagen würde ich maximal noch bis zur nächsten Werkstatt fahren!" In Botswana brachten mich derartige Tipps aber nicht weiter - Werkstätte gibt es zwar auch hier in Hülle und Fülle, aber die haben höchstens die allergängigsten Ersatzteile da. Alles andere muss in Südafrika bestellt werden, und das kann dauern, wie wir bereits aus leidvoller Erfahrung von Goran wussten. Also beschlossen wir, dass der Zahnriemen schon noch durchhalten würde und hatten auch Glück: Unser kleines Stadtauto fuhr uns einwandfrei durch Südafrika. Und als wir wieder in Gaborone waren und ich Gabriel anrief, war der Zahnriemen tatsächlich da! Wir vereinbarten einen Termin für die Reparatur, das Auto war dreieinhalb Tage in der Werkstatt, dann bekam ich es wieder. Mein Glück, dass diese Sache geklärt war, währte leider nur kurz. Dass mein Auto extrem blumig nach Politur roch und ich einen Bierdeckel in der Seitentasche fand, konnte ich noch tolerieren, aber dass ein Display über dem Lenkrad nicht mehr funktionierte, war dann doch blöd. Dieses Display zeigt normalererweise verschiedene Informationen an: z.B. den Spritverbrauch, die Außentemperatur, in welchem Gang das Auto gerade fährt etc. Fahren lässt es sich auch ohne diese Informationen prima, aber dennoch: Bis zum Austausch des Zahnriemens hatte das Display funktioniert, nun funktionierte es nicht mehr. Ich informierte Gabriel darüber und wir vereinbarten, dass er das Auto noch einmal abholen würde. Fortsetzung folgt.
Donnerstag, 9. August 2018
Man lernt nie aus
Seit drei Wochen läuft mein dritter Baylor-Kurs. Wie immer stehe ich Dienstagvormittag vor insgesamt 36 Schülern; die eine Hälfte von ihnen unterrichte ich vor der Pause, die andere danach. Mein Fach ist nach wie vor Aflateen, eine Art grundlegender Wirtschaftsunterricht. Dieser Kurs ist recht gut angelaufen, was ich anfangs gar nicht zu hoffen wagte. Ich war bei fast einem Drittel der Bewerbunsggespräche dabei, um die Teilnehmer auszuwählen. Vor dem letzten Kurs hatte ich ebenfalls schon Gespräche geführt - sinnvollerweise nur mit den Kandidaten, die gleich angaben, dass sie mit Englisch keine Schwierigkeiten haben würden. Für diesen Kurs interviewte ich einige Bewerber ebenfalls allein, andere jedoch mit meinem Kollegen Thato zusammen. Thato ist Botswaner und festangestellt bei Baylor. Der Unterschied in unserer Gesprächsführung war von Anfang an offensichtlich: Während ich gegenüber den größtenteils (von der Situation an sich, aber auch meiner Hautfarbe) eingeschüchterten Bewerbern eine Geduld und Freundlichkeit an den Tag lege, die mich teilweise selbst erstaunte, wurde der sonst so höfliche Thato deutlicher. In meinen Einzelgesprächen formulierte ich meine Fragen so oft um, bis endlich eine Antwort kam. Thato kam dagegen schnell und ungeduldig zum Punkt. Mehrere unserer Fragen bezogen sich auf die berufliche Zukunft unserer 17- bis 24-jährigen Bewerber. Die meisten äußerten daraufhin, dass sie mal selbstständig arbeiten wollten - aber in welchem Bereich, wussten die wenigsten von ihnen. Fragte Thato nach, war die Antwort öfters: "anything". Daraufhin schnaubte er in der Regel leicht verächtlich: "anything? Like cutting grass?" Tatsächlich sieht man in und außerhalb von Gaborone ab und an Menschen am Wegesrand, die mit Sicheln das hohe Gras abschneiden - kein schöner Job bei der Hitze, die hier meist herrscht. Ich habe mal gehört, dass Arbeitslose in Botswana Unterstützung vom Staat erhalten, dafür aber einmal im Monat einer "community work" nachkommen müssen - wie Gras schneiden oder Müll sammeln. Gras schneiden wollte dementsprechend keiner unserer Bewerber, meist verneinten sie es mit einem schüchternen Lachen.
In einem anderen Punkt war Thato erstaunlich nachgiebig mit den Kandidaten. Einige sprachen kein Englisch - also wirklich maximal einzelne Worte, es reichte noch nicht mal für vollständige Sätze. Das war dann der Punkt, an dem ich den Raum verließ um mit anderen, englischsprechenden Kandidaten wieder Einzelgespräche zu führen. Es stellte sich allerdings heraus, dass die paar Leute, die kaum Englisch sprachen, in der Regel auch Probleme mit Lesen und Schreiben hatten. Das ist kein Wunder, ich hatte schon einmal beschrieben, dass die Lehre an den hiesigen staatlichen Schulen zumindest teilweise unter sehr schwierigen Bedingungen stattfindet. Unterrichtssprache ist ab der ersten Klasse Englisch. Lernt ein Schüler das nicht richtig, weil die Klassen total überfüllt sind und der Lehrer keine Chance hat, sich um den Einzelnen zu kümmern, gibt es auch zu Hause keinerlei Förderung für das Kind - dann ist es kein Wunder, dass es auch in seiner Muttersprache kaum lesen und schreiben lernt.
Wie immer gab es auch Bewerber, die nicht nur fantastisch englisch sprachen, sondern auch sonst sehr engagiert wirkten. Thatayaone zum Beispiel plant ebenfalls, selbstständiger Unternehmer zu werden, ihm ist allerdings im Gegensatz zu fast allen anderen bewusst, dass das direkt nach Abschluss des "Leadership-Programmes" im Dezember eher unrealistisch ist und so will er die Selbstständigkeit in fünf bis 10 Jahren erreichen und sich bis dahin stetig weiterbilden. Leider weiß ich schon nicht mehr genau, in welchem Bereich er arbeiten will - Infrastruktur? Recycling? - aber er hat ein konkretes Ziel und sich dazu schon viele Gedanken gemacht. Als Hobby gab er "research" an: Er vergleicht gerne Nachrichten auf unterschiedlichen Kanälen, um sich einen besseren Eindruck von ihrer Ojektivität zu machen. Dem Großteil meiner sonstigen Schüler sind Nachrichten völlig egal.
Ein anderer Bewerber plant eine Karriere als Feuerwehrmann, kann aber erst nächstes Jahr bei der Feuerwehr anfangen und überbrückt so lange bei uns. Es gab also wieder Leute, die ich mir durchaus im "Leadership-Programme" vorstellen konnte. Bei anderen Bewerbern tat ich mich schwer.
Um so irritierter war ich, dass Thato schließlich verkündete, wir würden alle Bewerber aufnehmen. Für den letzten Kurs hatten wir über 50 Gespräche geführt und schließlich 35 Teilnehmer ausgewählt. Diesmal waren fast genauso viele Bewerbungen eingegangen - gut 50, aber zu Gesprächen waren nur 38 Bewerber erschienen. Thato hatte die restlichen Bewerber telefonisch nicht erreicht. Ich zweifele ehrlich gesagt daran, ob er es bei jedem mehr als einmal probiert hat und fand dieses Auswahlkriterium - wer ans Telefon geht, ist letztlich dabei - doch etwas schwach. Apropos schwach: Genauso ist mein Setswana nach wie vor, ich kann meine Small Talk-Vokabeln an einer Hand abzählen. Meiner indischen Kollegin Pushpa, die am Mittwoch und Donnerstag unterrichtet, geht es ähnlich. Der Unterricht bei Baylor soll also nicht nur von NGO-Seite auf Englisch stattfinden, er muss es zwangsläufig. Wie könnten wir Teilnehmer unterrichten, die der Sprache nicht mächtig sind? Thato sah das Argument ein, zumindest tat er so. Ein paar Tage später teilte er uns per WhatsApp mit, dass doch alle Bewerber teilnehmen sollten - für viele sei es die einzige Chance. Ob man es als "Chance" bezeichnen kann, in einem Unterricht zu sitzen, dessen Sprache man nicht versteht, sei dahingestellt - ich stellte es mir eher frustrierend vor. Aber im Gegensatz zu Pushpa und mir ist Thato nicht ehrenamtlich bei Baylor, sondern festangestellt und seit diesem Jahr auch noch Leiter des "Leadership-Programmes". Er trifft die Entscheidungen.
Dem Unterricht sah ich dann mit gemischten Gefühlen entgegen. Wie würde so eine heterogene Klasse funktionieren? Jetzt, nach drei Wochen, kann ich sagen: Genauso wie die vorherigen Kurse. Vermutlich saßen auch da viele Leute drin, die mir nicht immer folgen konnten. Mir war bewusst, dass einige sich nicht beteiligten, aber ich schob das in der Vergangenheit auf ihre Schüchternheit, Verständnisprobleme meines deutschen Akzents o.ä. Durch die gemeinsam mit Thato geführten Bewerbungsgespräche ist mir jetzt noch bewusster, wie unterschiedlich die Voraussetzungen sind, die meine Schüler mitbringen. Gestern brauchte ich für eine Diskussionsrunde einen "writer" am Flipchart und einen "leader" zur Moderation - früher hätte ich zwei Leute ausgewählt, inzwischen lege ich mich selbst als "writer" fest um niemanden bloßzustellen, der nur unzureichend schreiben kann. Für Diskussionsrunden haben meine Schüler und ich die generelle Vereinbarung, dass Argumente auch mal auf Setswana ausgetauscht werden können, wenn sie mir danach jemand auf Englisch zusammenfasst. Das klappt erstaunlich gut und ist der mündlichen Beteiligung sehr zuträglich. Ich hoffe also, dass Thato Recht hat und so jeder Teilnehmer für sich Erkenntnisse aus dem Unterricht ziehen kann. Es ist ein ewiges Dazulernen - für mich, die Lehrerin.
Montag, 30. Juli 2018
Star gazing
In den vergangenen Jahren waren wir immer mal wieder im nahgelegenen Mokolodi Nature Reserve. Wir sind dort schon Mountainbike gefahren, besuchen oft unser Lieblingsrestaurant, ich habe dort Tagungen abgehalten und auch sonst werden manchmal nette Veranstaltungen angeboten (wie z.B. das Weihnachtsliedersingen).
Für vergangenen Freitag hatten wir uns zu einem "star gazing" angemeldet. (Klingt "star gazing" nicht viel netter als "Sterne gucken"?) Zugegeben, wir meldeten uns erst zwei Tage vorher an, obwohl das Event schon eine Weile beworben wurde. Sonst sind kurzfristige Anmeldungen kein Problem in Mokolodi - diesmal waren sie es schon. Nur weil andere abgesagt hatten, bekamen wir überhaupt noch einen Platz. Wir hatten uns unwissentlich zu einem der größten Fundraising Events des privaten Naturschutzgebiets angemeldet.
Mit Safarifahrzeugen wurden wir in Gruppen in den Busch gefahren - außer uns noch ca. 250 weitere Gäste! Dort waren auf einer Lichtung Tische und Stühle aufgebaut, außerdem ein Beamer und eine Leinwand. Wir kamen kurz vor Einbruch der Dunkelheit an, d.h. um kurz vor 18 Uhr.
Dann gab es erst einmal etwas zu essen. Ein nicht mehr ganz junges britisches Ehepaar führte durch den Abend und erklärte die Sterne. Sie machen das wohl regelmäßig in Mokolodi, d.h. mindestens einmal jährlich. Sonst findet das "star gazing" allerdings nicht an einem Vollmondabend statt, sondern nur, wenn kein Mond zu sehen ist. Dank der klaren Luft und der nur geringen Luftverschmutzung aus Richtung Gaborone (ca. 10 km hinter Hügeln) konnten wir jedoch trotz des Vollmonds immerhin fünf Planeten erkennen: Venus, Jupiter, Saturn, Mars und Zwergplaneten Pluto. Merkur hätten wir wohl auch noch sehen können, wenn man ihn uns rechtzeitig gezeigt hätte, doch er war zum Zeitpunkt des Vortrags bereits untergegangen. Aufgrund des hellen Mondes waren viele weitere Sterne noch nicht zu sehen.
Nach einiger Zeit begann dann die angekündigte Mondfinsternis mit ihrem Blutmond: Zunächst ahnten wir nur, dass eine Ecke sich verdunkelte, dann wurde die Verdunklung immer deutlicher, schließlich blieb nur eine Sichel des Mondes - und dann war er ganz rot. Begleitet wurde die Mondfinsternis von dem sich an diesem Abend ganz in der Nähe des Mondes befindenden Mars, der auch der Erde derzeit so nah wie zuletzt vor 15 Jahren steht.
Spätestens jetzt war der Sternhimmel in seiner vollen Pracht zu sehen: Die Milchstraße durchzog den Himmel wie ein Band, und weitere Sternzeichen wurden uns gezeigt. Praktischerweise verwendeten unsere Präsentatoren einen lichtstarken Laserpointer. Hier zeigen sie übrigens gerade auf das "Kreuz des Südens" (liegend):
Manche Sternbilder oder Nebel waren trotz des fantastischen Sternhimmels schwer zu erkennen und viele der astronomischen Erklärungen auch nicht einfach nachzuvollziehen. Ein Astronom einer britischen Uni, der gerade in Botswana weilt, hielt noch einen kurzen Fachvortag. Man will in den nächsten Jahren offenbar eine Sternwarte für wissenschaftliche Forschung in Botswana bauen, schon jetzt wurde ein astronomischer Verein gegründet, für den Mitglieder gesucht werden (ob dessen Mitgliedsbeiträge auch astronomisch sind? - sorry, konnte ich mir nicht verkneifen).
Nach Eintritt der vollen Verdunklung blieben wir noch kurz, während die meisten anderen Gäste schon wieder mit den Safariautos zum Ausgang gebracht wurden. Walli stellte sich ans gerade entzündete Lagerfeuer, während ich noch ein wenig fotografierte.
Doch mehr als viereinhalb Stunden in der winterlichen Kälte forderten ihren Tribut. Glücklicherweise war es in den letzten Tagen schon wieder ein bis zwei Grad wärmer als zuvor. Wir waren ja vorbereitet mit Strumpfhosen, Winterstiefeln, dicker Winterjacke und Mütze, aber irgendwann wurde es uns dennoch zu kalt und auch wir fuhren zurück. Noch ein schneller letzter Blick aus dem Garten unseres Hauses auf die MoFi und den Mars, dann befüllten wir unsere Wärmflaschen mit heißem Wasser und vertrauten darauf, dass der Mond auch ohne unser Beisein wieder aus dem Erdschatten hervortreten würde.
Für vergangenen Freitag hatten wir uns zu einem "star gazing" angemeldet. (Klingt "star gazing" nicht viel netter als "Sterne gucken"?) Zugegeben, wir meldeten uns erst zwei Tage vorher an, obwohl das Event schon eine Weile beworben wurde. Sonst sind kurzfristige Anmeldungen kein Problem in Mokolodi - diesmal waren sie es schon. Nur weil andere abgesagt hatten, bekamen wir überhaupt noch einen Platz. Wir hatten uns unwissentlich zu einem der größten Fundraising Events des privaten Naturschutzgebiets angemeldet.
Mit Safarifahrzeugen wurden wir in Gruppen in den Busch gefahren - außer uns noch ca. 250 weitere Gäste! Dort waren auf einer Lichtung Tische und Stühle aufgebaut, außerdem ein Beamer und eine Leinwand. Wir kamen kurz vor Einbruch der Dunkelheit an, d.h. um kurz vor 18 Uhr.
Dann gab es erst einmal etwas zu essen. Ein nicht mehr ganz junges britisches Ehepaar führte durch den Abend und erklärte die Sterne. Sie machen das wohl regelmäßig in Mokolodi, d.h. mindestens einmal jährlich. Sonst findet das "star gazing" allerdings nicht an einem Vollmondabend statt, sondern nur, wenn kein Mond zu sehen ist. Dank der klaren Luft und der nur geringen Luftverschmutzung aus Richtung Gaborone (ca. 10 km hinter Hügeln) konnten wir jedoch trotz des Vollmonds immerhin fünf Planeten erkennen: Venus, Jupiter, Saturn, Mars und Zwergplaneten Pluto. Merkur hätten wir wohl auch noch sehen können, wenn man ihn uns rechtzeitig gezeigt hätte, doch er war zum Zeitpunkt des Vortrags bereits untergegangen. Aufgrund des hellen Mondes waren viele weitere Sterne noch nicht zu sehen.
Nach einiger Zeit begann dann die angekündigte Mondfinsternis mit ihrem Blutmond: Zunächst ahnten wir nur, dass eine Ecke sich verdunkelte, dann wurde die Verdunklung immer deutlicher, schließlich blieb nur eine Sichel des Mondes - und dann war er ganz rot. Begleitet wurde die Mondfinsternis von dem sich an diesem Abend ganz in der Nähe des Mondes befindenden Mars, der auch der Erde derzeit so nah wie zuletzt vor 15 Jahren steht.
Spätestens jetzt war der Sternhimmel in seiner vollen Pracht zu sehen: Die Milchstraße durchzog den Himmel wie ein Band, und weitere Sternzeichen wurden uns gezeigt. Praktischerweise verwendeten unsere Präsentatoren einen lichtstarken Laserpointer. Hier zeigen sie übrigens gerade auf das "Kreuz des Südens" (liegend):
Manche Sternbilder oder Nebel waren trotz des fantastischen Sternhimmels schwer zu erkennen und viele der astronomischen Erklärungen auch nicht einfach nachzuvollziehen. Ein Astronom einer britischen Uni, der gerade in Botswana weilt, hielt noch einen kurzen Fachvortag. Man will in den nächsten Jahren offenbar eine Sternwarte für wissenschaftliche Forschung in Botswana bauen, schon jetzt wurde ein astronomischer Verein gegründet, für den Mitglieder gesucht werden (ob dessen Mitgliedsbeiträge auch astronomisch sind? - sorry, konnte ich mir nicht verkneifen).
Nach Eintritt der vollen Verdunklung blieben wir noch kurz, während die meisten anderen Gäste schon wieder mit den Safariautos zum Ausgang gebracht wurden. Walli stellte sich ans gerade entzündete Lagerfeuer, während ich noch ein wenig fotografierte.
Doch mehr als viereinhalb Stunden in der winterlichen Kälte forderten ihren Tribut. Glücklicherweise war es in den letzten Tagen schon wieder ein bis zwei Grad wärmer als zuvor. Wir waren ja vorbereitet mit Strumpfhosen, Winterstiefeln, dicker Winterjacke und Mütze, aber irgendwann wurde es uns dennoch zu kalt und auch wir fuhren zurück. Noch ein schneller letzter Blick aus dem Garten unseres Hauses auf die MoFi und den Mars, dann befüllten wir unsere Wärmflaschen mit heißem Wasser und vertrauten darauf, dass der Mond auch ohne unser Beisein wieder aus dem Erdschatten hervortreten würde.
Dienstag, 10. Juli 2018
Happy Holidays
In Deutschland gibt es neun bundeseinheitliche Feiertage, die meisten Bundesländer haben jedoch mehr. Spitzenreiter ist Bayern mit 14 Feiertagen im Jahr. Botswana kann auf den ersten Blick nicht mit den Bajuwaren mithalten, hier gibt es elf Feiertage im Jahr. Allerdings hat Botswana einen sehr arbeitnehmerfreundlichen Vorteil: Feiertage, die auf einen Sonntag fallen, haben einen freien Montag zur Folge. So war zum Beispiel am Sonntag, den 1. Juli, der Sir Seretse Khama Day zum Gedenken an den Geburtstag des ersten botswanischen Präsidenten, was uns ein langes Wochenende bescherte.
Das nächste Wochenende ist sogar noch länger, wobei mir nicht ganz klar ist, wieso: Am Montag, den 16. Juli ist President's Day, an den sich am 17. Juli noch ein namenloser "public holiday" anschließt. Auf meiner Recherche, wieso das so ist, fand ich folgende Erklärung: Wenn bestimmte Feiertage auf einen Montag fallen, ist der Dienstag auch noch frei. Den Sinn hinter dieser Regel versuche ich noch zu verstehen, aber in jedem Fall profitieren wir Anfang nächster Woche davon und haben gerade unseren nächsten Kurztrip nach Südafrika geplant. Mit all diesen extra freien Tagen im Nachklapp zu den richtigen Feiertagen kommt Botswana dieses Jahr auf insgesamt 17 sogenannte "public holidays" - womit es auch die Bayern überholt hat.
Die meisten Feiertage hat Botswana mit Deutschland gemein: Neujahr, Karfreitag, Ostermontag, Tag der Arbeit, Christi Himmelfahrt sowie den Ersten und Zweiten Weihnachtsfeiertag. Hinzu kommen neben dem Sir Seretse Khama Day noch der allgemeine President's Day und der 30. September als Nationalfeiertag bzw. Independence Day - am 30. September 1966 wurde aus dem britischen Protektorat Bechuanaland die unabhängige Republik Botswana. Dieses Jahr gab es außerdem einen spontanen Feiertag: Zum Amtswechsel von Präsident Ian Khama und seinem Nachfolger Mokgweetsi Masisi wurde der Bevölkerung ein extra Urlaubstag beschert. Masisi ist seit dem 1. April im Amt - Ostersonntag. Irgendwann im März wurde dann angekündigt, dass zur Feier des Ganzen nicht nur der reguläre Ostermontag, sondern auch der Osterdienstag ein freier Tag sei. Man muss die Feste feiern, wie sie fallen!
Das nächste Wochenende ist sogar noch länger, wobei mir nicht ganz klar ist, wieso: Am Montag, den 16. Juli ist President's Day, an den sich am 17. Juli noch ein namenloser "public holiday" anschließt. Auf meiner Recherche, wieso das so ist, fand ich folgende Erklärung: Wenn bestimmte Feiertage auf einen Montag fallen, ist der Dienstag auch noch frei. Den Sinn hinter dieser Regel versuche ich noch zu verstehen, aber in jedem Fall profitieren wir Anfang nächster Woche davon und haben gerade unseren nächsten Kurztrip nach Südafrika geplant. Mit all diesen extra freien Tagen im Nachklapp zu den richtigen Feiertagen kommt Botswana dieses Jahr auf insgesamt 17 sogenannte "public holidays" - womit es auch die Bayern überholt hat.
Die meisten Feiertage hat Botswana mit Deutschland gemein: Neujahr, Karfreitag, Ostermontag, Tag der Arbeit, Christi Himmelfahrt sowie den Ersten und Zweiten Weihnachtsfeiertag. Hinzu kommen neben dem Sir Seretse Khama Day noch der allgemeine President's Day und der 30. September als Nationalfeiertag bzw. Independence Day - am 30. September 1966 wurde aus dem britischen Protektorat Bechuanaland die unabhängige Republik Botswana. Dieses Jahr gab es außerdem einen spontanen Feiertag: Zum Amtswechsel von Präsident Ian Khama und seinem Nachfolger Mokgweetsi Masisi wurde der Bevölkerung ein extra Urlaubstag beschert. Masisi ist seit dem 1. April im Amt - Ostersonntag. Irgendwann im März wurde dann angekündigt, dass zur Feier des Ganzen nicht nur der reguläre Ostermontag, sondern auch der Osterdienstag ein freier Tag sei. Man muss die Feste feiern, wie sie fallen!
Montag, 25. Juni 2018
Plastikverbote
Die Europäische Union hat kürzlich angekündigt, dass demnächst Einweg-Plastikgeschirr sowie Strohhalme aus Plastik in der EU verboten werden sollen. Begründet wird dies u.a. mit dem Schutz der Meere vor Plastikabfall. Ich finde den Schritt prinzipiell gut und richtig - allerdings eigentlich nicht weitgehend genug. Ich bezweifle, dass Plastikgeschirr und Strohhalme einen Großteil des Plastikmülls in den Weltmeeren ausmacht, somit müsste eigentlich noch viel mehr an Plastikprodukten verboten werden.
Wie wäre es z.B. mit Plastiktüten? Da hat die EU immerhin Ziele für die Mitgliedsstaaten gesetzt. Bis 2025 soll der Pro-Kopf Verbrauch an Plastiktüten auf 40 Stück pro Person und Jahr sinken. Deutschland hat seinen Soll bereits jetzt mehr als erfüllt, mit 29 Plastiktüten pro Person und Jahr. Anstelle von Verboten könnte ich mir auch eine zunehmende Besteuerung von Plastik vorstellen, um so Anreize für Innovationen in Alternativprodukten zu setzen.
Die botswanische Regierung hat nun verkündet, dass ab November 2018 Verkauf, Verwendung und Besitz von Plastiktüten verboten wird. Wird man mit einer Plastiktüte erwischt, soll man 5000 Pula (ca. 430 EUR) Strafe zahlen oder 30 Tage ins Gefängnis gehen. Gezielt wird mit dieser Maßnahme vor allem auf die Plastiktüten, die im Supermarkt an der Kasse häufig kostenlos abgegeben werden, als Müllsäcke z.B. werden Plastiktüten weiterhin erlaubt bleiben. Wir hatten ja schon einmal berichtet, wie verbreitet die Plastiktüten an der Supermarktkasse sind und wie seltsam wir angeschaut werden, wenn wir unsere Stoffbeutel auspacken (siehe hier), das wird in Botswana sicherlich ein ordentlicher Kulturwandel werden.
Botswana wird übrigens nicht das erste Land mit einem Plastiktütenverbot sein: Länder wie Bangladesch, Nepal, Ruanda, Kenia und weitere haben bereits vor einiger Zeit Plastiktüten verboten. Interessant, dass bisher wenig "westliche" Industrieländer nachgezogen sind.
Vor ein paar Jahren fragte ich mal nach der GIZ-Position zum Plastiktütenverbot. Die Antwort hat mich überrascht: Meine Kollegen der Umwelt-Abteilung waren gegen ein komplettes Plastiktütenverbot. Sie argumentierten, dass es beim Einpacken mancher Lebensmittel eventuell hygienischer sei, Plastiktüten zu verwenden. Und man bräuchte bei einem Plastiktütenverbot eben auch eine ökologische Alternative. Papiertüten seien dies eher nicht. Denn diese brauchen in der Herstellung so viel Wasser, dass man sie mehrfach verwenden müsste, was aber bei Papiertüten eher selten passiert. Es wäre also schon ironisch, wenn in dem überwiegend so trockenen Land Botswana Plastiktüten durch Papiertüten ersetzt würden.
Kürzlich las ich auch in einer Kolumne im SZ Magazin online, dass auch Stoffbeutel nur eingeschränkt eine gute Alternative zu Plastiktüten sind. Deren Produktion verbraucht ebenfalls eine Menge Wasser und Pestizide, so dass sie erst ab 25-maliger Benutzung ökologischer als Plastiktüten sind. Es ist nicht einfach, ökologisch korrekt zu handeln!
Ich bin gespannt, was hier ab November passieren wird. In der Zwischenzeit merke ich, dass mir an der Supermarktkasse mittlerweile schon etwas weniger automatisch Plastiktüten angeboten werden bzw. dass ich gefragt werde, ob ich auch ohne Plastiktüte auskomme.
Wie wäre es z.B. mit Plastiktüten? Da hat die EU immerhin Ziele für die Mitgliedsstaaten gesetzt. Bis 2025 soll der Pro-Kopf Verbrauch an Plastiktüten auf 40 Stück pro Person und Jahr sinken. Deutschland hat seinen Soll bereits jetzt mehr als erfüllt, mit 29 Plastiktüten pro Person und Jahr. Anstelle von Verboten könnte ich mir auch eine zunehmende Besteuerung von Plastik vorstellen, um so Anreize für Innovationen in Alternativprodukten zu setzen.
Die botswanische Regierung hat nun verkündet, dass ab November 2018 Verkauf, Verwendung und Besitz von Plastiktüten verboten wird. Wird man mit einer Plastiktüte erwischt, soll man 5000 Pula (ca. 430 EUR) Strafe zahlen oder 30 Tage ins Gefängnis gehen. Gezielt wird mit dieser Maßnahme vor allem auf die Plastiktüten, die im Supermarkt an der Kasse häufig kostenlos abgegeben werden, als Müllsäcke z.B. werden Plastiktüten weiterhin erlaubt bleiben. Wir hatten ja schon einmal berichtet, wie verbreitet die Plastiktüten an der Supermarktkasse sind und wie seltsam wir angeschaut werden, wenn wir unsere Stoffbeutel auspacken (siehe hier), das wird in Botswana sicherlich ein ordentlicher Kulturwandel werden.
Botswana wird übrigens nicht das erste Land mit einem Plastiktütenverbot sein: Länder wie Bangladesch, Nepal, Ruanda, Kenia und weitere haben bereits vor einiger Zeit Plastiktüten verboten. Interessant, dass bisher wenig "westliche" Industrieländer nachgezogen sind.
Vor ein paar Jahren fragte ich mal nach der GIZ-Position zum Plastiktütenverbot. Die Antwort hat mich überrascht: Meine Kollegen der Umwelt-Abteilung waren gegen ein komplettes Plastiktütenverbot. Sie argumentierten, dass es beim Einpacken mancher Lebensmittel eventuell hygienischer sei, Plastiktüten zu verwenden. Und man bräuchte bei einem Plastiktütenverbot eben auch eine ökologische Alternative. Papiertüten seien dies eher nicht. Denn diese brauchen in der Herstellung so viel Wasser, dass man sie mehrfach verwenden müsste, was aber bei Papiertüten eher selten passiert. Es wäre also schon ironisch, wenn in dem überwiegend so trockenen Land Botswana Plastiktüten durch Papiertüten ersetzt würden.
Kürzlich las ich auch in einer Kolumne im SZ Magazin online, dass auch Stoffbeutel nur eingeschränkt eine gute Alternative zu Plastiktüten sind. Deren Produktion verbraucht ebenfalls eine Menge Wasser und Pestizide, so dass sie erst ab 25-maliger Benutzung ökologischer als Plastiktüten sind. Es ist nicht einfach, ökologisch korrekt zu handeln!
Ich bin gespannt, was hier ab November passieren wird. In der Zwischenzeit merke ich, dass mir an der Supermarktkasse mittlerweile schon etwas weniger automatisch Plastiktüten angeboten werden bzw. dass ich gefragt werde, ob ich auch ohne Plastiktüte auskomme.
Montag, 18. Juni 2018
Am Wendekreis des Steinbocks
Das könnte auch ein Buchtitel sein - und ist es auch, von Henry Miller. Der Wendekreis des Steinbocks ist aber auch eine imaginäre geographische Linie, die den südlichsten Breitenkreis bezeichnet, an dem die Mittagssonne gerade noch den Zenit erreicht, nämlich zur Sommersonnenwende am 21. oder 22. Dezember. Es ist somit der südliche Wendekreis - und der läuft auch durch Botswana. Der nördliche Wendekreis, der Wendekreis des Krebses, findet sich ungefähr auf der Höhe des südlichen Ägyptens. Beide Wendekreise sind 2609 km vom Äquator entfernt. Die Breitengrade zwischen den beiden Wendekreisen werden landläufig als die Tropen bezeichnet.
Gaborone liegt somit nicht mehr in den Tropen, da es südlich des südlichen Wendekreises liegt. Der Wendekreis des Steinbocks ist uns in Botswana schon früh aufgefallen, denn an der A1, also der Straße, die Gaborone mit der zweitgrößten Stadt Botswanas, Francistown, verbindet, steht ein entsprechendes Schild:
Nur vier Tage vor seiner Amtsübergabe an seinen Nachfolger hat der frühere Präsident Botswanas Ende März ein Denkmal enthüllt. Seitdem wird der Wendekreis also auch gebührend gefeiert:
Wir hatten schon davon gelesen, und als wir nun kürzlich mal wieder auf der Strecke unterwegs waren, hielten wir tatsächlich an, um es uns anzuschauen. Jede der Stelen steht für ein Land, durch das der Wendekreis verläuft, angegeben wird u.a. die Fläche des Landes sowie die Verschiebung der Zeitzone gegenüber Botswana. Außer Botswana verläuft der Wendekreis des Steinbocks auch durch Namibia, Südafrika, Mosambik, Madagaskar, Australien, Chile, Argentinien, Paraguay und Brasilien.
Als ich von dem neuen Denkmal las, dachte ich mir "Was für eine Geldverschwendung." Da wird entlang dieser Straße im Niemandsland ein Denkmal für teures Geld enthüllt - hätte man mit dem Geld in einem Land wie Botswana nicht sinnvolleres anfangen können? Nach unserem Besuch dort fange ich langsam an, etwas milder zu werden. Es ist ein stilvolles Monument, und vielleicht muss man es als einen Anfang sehen. Zunächst werden vielleicht einige Autofahrer dort anhalten und eine kurze Pause machen (so wie wir), was der Verkehrssicherheit dienen mag, da sie so eventuell wieder fitter werden. Mit der Zeit wird sich (hoffentlich) auch etwas weitere touristische Infrastruktur dort ansiedeln und so für Beschäftigung in dieser Gegend sorgen. Bei unserem Besuch hat schon jemand Wassermelonen aus seinem Pickup-Truck verkauft. Und wer weiß, was sich dort noch entwickelt?
Aufgrund der Verschiebung der Erdachse bewegen sich die Wendekreise übrigens um ca. 14 Meter jährlich. Wie die botswanische Regierung das bei der Erbauung des Denkmals berücksichtigt hat, ist mir ja noch nicht ganz klar... wird das Monument dann jährlich verschoben?
Gaborone liegt somit nicht mehr in den Tropen, da es südlich des südlichen Wendekreises liegt. Der Wendekreis des Steinbocks ist uns in Botswana schon früh aufgefallen, denn an der A1, also der Straße, die Gaborone mit der zweitgrößten Stadt Botswanas, Francistown, verbindet, steht ein entsprechendes Schild:
Nur vier Tage vor seiner Amtsübergabe an seinen Nachfolger hat der frühere Präsident Botswanas Ende März ein Denkmal enthüllt. Seitdem wird der Wendekreis also auch gebührend gefeiert:
Wir hatten schon davon gelesen, und als wir nun kürzlich mal wieder auf der Strecke unterwegs waren, hielten wir tatsächlich an, um es uns anzuschauen. Jede der Stelen steht für ein Land, durch das der Wendekreis verläuft, angegeben wird u.a. die Fläche des Landes sowie die Verschiebung der Zeitzone gegenüber Botswana. Außer Botswana verläuft der Wendekreis des Steinbocks auch durch Namibia, Südafrika, Mosambik, Madagaskar, Australien, Chile, Argentinien, Paraguay und Brasilien.
Als ich von dem neuen Denkmal las, dachte ich mir "Was für eine Geldverschwendung." Da wird entlang dieser Straße im Niemandsland ein Denkmal für teures Geld enthüllt - hätte man mit dem Geld in einem Land wie Botswana nicht sinnvolleres anfangen können? Nach unserem Besuch dort fange ich langsam an, etwas milder zu werden. Es ist ein stilvolles Monument, und vielleicht muss man es als einen Anfang sehen. Zunächst werden vielleicht einige Autofahrer dort anhalten und eine kurze Pause machen (so wie wir), was der Verkehrssicherheit dienen mag, da sie so eventuell wieder fitter werden. Mit der Zeit wird sich (hoffentlich) auch etwas weitere touristische Infrastruktur dort ansiedeln und so für Beschäftigung in dieser Gegend sorgen. Bei unserem Besuch hat schon jemand Wassermelonen aus seinem Pickup-Truck verkauft. Und wer weiß, was sich dort noch entwickelt?
Aufgrund der Verschiebung der Erdachse bewegen sich die Wendekreise übrigens um ca. 14 Meter jährlich. Wie die botswanische Regierung das bei der Erbauung des Denkmals berücksichtigt hat, ist mir ja noch nicht ganz klar... wird das Monument dann jährlich verschoben?
Freitag, 15. Juni 2018
Charity-Woche
Ich hatte daher nicht vor, den diesjährigen "Inner Wheel Charity Lunch" zu besuchen. Wally lud aber Charity und deren Kollegin Kopo kurzerhand ein, weil sie uns bei der Durchführung des Arts and Crafts Markets eine große Hilfe gewesen waren. Außerdem kam noch eine französische Freundin von ihr, die ich ebenfalls kannte und sie schlug mir vor, dass wir das Ganze doch als entspanntes Markt-Nachtreffen sehen könnten. Und so habe ich mich dann überreden lassen und es nicht bereut: Zu fünft war die Veranstaltung schon wesentlich lustiger als letztes Jahr zu zweit. Ich kann mich nicht mehr erinnern, ob es letztes Jahr auch kostenlosen Wein gab, dieses Jahr war es auf jeden Fall so. Als ich das zweite Glas dankend ablehnte, fragte mich die Französin mitfühlend, ob ich noch fahren müsse, worauf Wally empört sagte: "Wir müssen alle noch fahren!" und sich schwungvoll ein weiteres Glas einschenkte. In Gaborone müssen ja eigentlich immer noch alle fahren, zumindest, wenn man ohne seinen Partner unterwegs ist. Fahrgemeinschaften sind selten realisierbar, die meisten Leute wohnen einfach in ganz verschiedenen Ecken der Stadt. Einen öffentlichen Nahverkehr gibt es nicht und ein Taxi zu bestellen, kann kompliziert werden und lange dauern. "Drink and drive" erscheint dadurch gesellschaftlich akzeptierter. Die Polizei sieht das sicherlich anders, aber wir haben bislang nur von einer einzigen Alkoholkontrolle gehört (der sich der Kontrollierte erfolgreich durch Verweigerung entzogen hat).
Die Stimmung beim Charity Lunch war also ganz gut, das Essen auch. Bevor es losging, wurden noch ein paar Reden gehalten und außerdem Kunstwerke versteigert - Wally erklärte fröhlich, dass die zu ersteigernden Bilder von ihren Besitzern gespendet worden waren, was bei einigen der angepriesenen Katzen- und Landschaftsaufnahmen nicht verwunderte. Während Charity, Kopo und ich unsere Hände unter dem Tisch behielten, um bloß keine unbedachte Bewegung zu machen, die als Gebot gewertet werden könnte, mischten andere Damen fröhlich bei der Versteigerung mit. (Laut Wally wäre diese trotzdem noch erfolgreicher gewesen, wenn man sie ans Ende der Veranstaltung gelegt hätte ... wie gesagt, der Wein war kostenlos.) Wenn die Versteigerung einzelner Bilder nicht recht in Schwung kam, wurde auch mal der Rahmen als besonders hübsch und der eigentliche Wertgegenstand angepriesen, was von der Moderatorin noch nicht mal witzig gemeint war, aber einer gewissen Komik nicht entbehrte.
Nach dem Essen (einem großen Buffet) fand dann die Verlosung statt, der "Charity Lunch Raffle Draw" als eigentliches Higlight der Veranstaltung. Ich hatte auch fünf Lose gekauft (und schon letztes Jahr nichts gewonnen). Die Preise waren Spenden lokaler Unternehmen - es gab Gutscheine von Beauty Spas, Gutscheine von Restaurants, Modeschmuck von Schmuckdesignern und ähnliches. Beim dritthöchsten Gewinn war ich fast erleichtert, kein Glück zu haben: Mit dem 1000 Pula Gutschein von Senn Foods, einem großen Fleischproduzenten, hätte man hier sehr viel Fleisch kaufen können, das hätte mich doch überfordert. Den Hauptpreis, drei Übernachtungen für zwei im Chobe Nationalpark, hätte ich dagegen sehr gerne genommen, aber leider wurde keines meiner Lose gezogen. Und nicht nur das: Mein ganzer Tisch hatte Pech.
Dafür unterhielten wir uns gut in unserer Fünfergruppe. Am anderen Tischende saßen noch drei ältere Damen, die unter sich blieben. Zwischen unseren zwei Grüppchen waren zwei Stühle freigeblieben, kurz bevor das Essen losging, stieß dann noch eine Frau verspätet zu unserem Tisch. Eine Weiße, auch jünger als der Durchschnitt. Das andere Grüppchen schien zu glauben, das sie zu uns gehörte, wir hatten sie den anderen drei Ladies zugeordnet, aber sie war ganz alleine da. Das Eis war gebrochen, als Charity irgendwas über Malawi erzählte, wo ihre Eltern herkommen. Die Frau verschluckte sich fast und rief: "You are from Malawi? Me too!" und dann hörten die beiden für den Rest des Charity Lunchs gar nicht mehr auf, sich zu unterhalten. Diese ungeahnte Gemeinsamkeit, die keiner auf den ersten Blick geahnt hätte, schuf sofort eine Verbindung und irgendwann berichteten sie uns Umsitzenden abwechseln vom Leben in Malawi. Für mich war das der netteste Moment des Charity Lunchs und so ging meine Charity-Woche sehr fröhlich zuende.
Freitag, 1. Juni 2018
Ich staue mich so durch
Seit Januar hat mein Projekt ja ein neues Büro. Es ist - das war absehbar - leider nicht mehr ganz so nah an unserem Heim gelegen wie das vorherige Büro, das weniger als 2 km entfernt lag. Ca. 8 km einfache Strecke bei kürzestem Weg ist die Entfernung, nicht unbedingt wild, ohne Verkehr in 15 Minuten zu fahren. Nur leider sind zu den Zeiten, zu denen ich unterwegs bin, noch ein bis drei andere Autos auf der Straße. Morgens brauche ich in der Regel ca. 25 Minuten. Abends ist es gefühlt in den letzten Wochen deutlich schlimmer geworden mit dem Verkehr. Ich staute mich kürzlich schon mal eine Stunde bis nach Hause, häufiger mal 45 Minuten. Eine Ausfallstraße, die nicht weit von unserem Haus entfernt liegt und abends recht befahren sein kann, ist derzeit eine Großbaustelle. Obwohl ich diese Straße gar nicht unbedingt nehmen muss, gibt es häufig einen Rückstau in den Kreisverkehr, den ich durchfahren muss.
Und während ich so an verschiedenen Stellen im Stau stehe, habe ich schön Zeit, mich über andere Vekehrsteilnehmer aufzuregen. Besonders beliebt bei mir sind die Minibusfahrer (quasi als Sammeltaxen unterwegs). Sie überholen bevorzugt die lange Schlange auf dem Standstreifen, um dann vorne von allzu gnädigen Autofahrern wieder problemlos in die Schlange reingelassen zu werden. Interessant finde ich auch das zweispurige Abbiegen auf einer Spur, das quasi alle hier praktizieren. Kommen so alle insgesamt schneller voran? Spurwechsel im zweispurigen Kreisverkehr sind natürlich auch beliebt, kommen glücklicherweise aber nicht ganz so häufig vor. So wundert es mich nicht, dass die Zahl der Verkehrstoten in Botswana deutlich höher liegt als in Deutschland.
Könnte ich meine Arbeitszeit stärker an die Verkehrslage anpassen? Die GIZ würde mir einerseits sicherlich die Flexibilität geben (gerade wurde eine neue Betriebsvereinbarung geschlossen, die eine noch stärkere Flexibilisierung der Arbeitszeiten als ohnehin schon erlauben wird). Gleichzeitig gibt es in meinem Team schon einigermaßen geregelte Arbeitszeiten - an die ich mich als Chef dann wohl auch halbwegs halten sollte, Vorbildfunktion und so.
So freue ich mich derzeit doch darauf, dass der nächste Büro-Umzug bereits angekündigt ist. Wir wussten immer, dass unser derzeitiges Büro nur eine Übergangslösung sein würde. Und das neue Büro sollte verkehrstechnisch etwas günstiger für mich liegen - auch wenn ich den oben genannten Kreisverkehr weiterhin durchqueren muss.
Und während ich so an verschiedenen Stellen im Stau stehe, habe ich schön Zeit, mich über andere Vekehrsteilnehmer aufzuregen. Besonders beliebt bei mir sind die Minibusfahrer (quasi als Sammeltaxen unterwegs). Sie überholen bevorzugt die lange Schlange auf dem Standstreifen, um dann vorne von allzu gnädigen Autofahrern wieder problemlos in die Schlange reingelassen zu werden. Interessant finde ich auch das zweispurige Abbiegen auf einer Spur, das quasi alle hier praktizieren. Kommen so alle insgesamt schneller voran? Spurwechsel im zweispurigen Kreisverkehr sind natürlich auch beliebt, kommen glücklicherweise aber nicht ganz so häufig vor. So wundert es mich nicht, dass die Zahl der Verkehrstoten in Botswana deutlich höher liegt als in Deutschland.
Könnte ich meine Arbeitszeit stärker an die Verkehrslage anpassen? Die GIZ würde mir einerseits sicherlich die Flexibilität geben (gerade wurde eine neue Betriebsvereinbarung geschlossen, die eine noch stärkere Flexibilisierung der Arbeitszeiten als ohnehin schon erlauben wird). Gleichzeitig gibt es in meinem Team schon einigermaßen geregelte Arbeitszeiten - an die ich mich als Chef dann wohl auch halbwegs halten sollte, Vorbildfunktion und so.
So freue ich mich derzeit doch darauf, dass der nächste Büro-Umzug bereits angekündigt ist. Wir wussten immer, dass unser derzeitiges Büro nur eine Übergangslösung sein würde. Und das neue Büro sollte verkehrstechnisch etwas günstiger für mich liegen - auch wenn ich den oben genannten Kreisverkehr weiterhin durchqueren muss.
Dienstag, 22. Mai 2018
Lang gekocht und schnell gegessen
... das sagt meine Mutter manchmal am Ende eines Mittagessens. Kochen dauert in der Regel ja länger als Essen. Dass Gleiches auch für die meisten Veranstaltungen gilt - die Planung dauert länger als die Durchführung - war mir bekannt, wurde mir aber beim lange vorbereiteten Arts & Crafts Market am vergangenen Samstag noch einmal deutlich vor Augen geführt.
Dabei begann die Veranstaltung für mich ganz schön früh: Um kurz vor 7 Uhr war ich bereit am Ort des Geschehens, aber trotzdem nicht die allererste. Ein einsames Auto stand schon da, meine ersten "stall holder", die ihren Stand aufbauen wollten. Wenige Tage vorher hatte ich allen Ausstellern auf einem Kommunikationsweg ihrer Wahl (E-Mail, WhatsApp, SMS) noch einmal letzte Details zukommen lassen, unter anderem die Aufbauzeit: ab 7 Uhr, bis 9:30 Uhr könne auf dem Gelände geparkt werden, um 10 Uhr ginge es dann los. Da wir die Standplätze schon im Vorfeld verteilt hatten, hatte ich nicht wirklich schon um 7 Uhr morgens mit jemandem gerechnet und nehme auch immer noch an, dass Lorato nur so früh da war, weil sie "first come, first serve" vermutete - aber das tat ihrer guten Laune keinen Abbruch und ich freute mich, den ersten Haken auf meiner Standliste mit insgesamt 31 Ständen machen zu können.
Eine Stunde später hatte ich bereits die erste Lektion der Marktorganisation gelernt: Entweder, Du stellst den Leuten Tische für ihre Stände zur Verfügung, oder Du akzeptierst, dass Du Deine Vorstellungen von der Standgröße nicht durchsetzen können wirst. An unserem Veranstaltungsort Lady Masire Youth Center waren Tische wie Stühle Mangelware; wir mieteten zwar für den Markt Mobiliar an, hatten aber den Ausstellern gesagt, dass sie für ihre jeweiligen Stände alles selbst mitbringen müssten. Und dass ein Stand nicht breiter als zwei Meter sein sollte, sonst müsste ein Doppelstand gebucht werden (der dann die doppelte Standgebühr kostete). Zum Glück hatte niemand seinen Tisch vergessen, aber die zwei Meter Vorgabe wurde doch äußerst flexibel ausgelegt.
Eigentlich kein Problem, denn wir hatten genug Platz - aber es war so nicht mehr möglich, jedem den versprochenen Platz zu geben (die meisten Standbesitzer hatten sich im Vorfeld ausgesucht, wo sie ihren Stand aufbauen wollten). Statt sechs Stände passten zum Teil nur noch vier in eine Reihe, aber es gelang mir, das so umzupuzzlen, dass sich niemand groß beschwerte. Eine weitere Herausforderung war, die Leute dazu zu bringen, nach ihrem Standaufbau nicht neben ihrem Stand zu parken, sondern am Rande des Geländes vor einem Zaun. Mein Plan, nach 9:30 Uhr niemanden mehr auf dem Gelände parken zu lassen, ging leider nicht auf - unter anderem die Leute mit dem Catering kamen weitaus später und ich konnte sie ihr Zeug ja kaum von den außerhalb liegenden Besucherparkplätzen tragen lassen. Allerdings bemerkte ich gegen 10 Uhr, dass die Township-Boys, die als Parkplatzwächter engagiert worden waren, so gut wie jedes Auto aufs Gelände ließen, weswegen ich mich dann mal zu ihnen an den Eingang gesellte.
Die gastgebende NGO machte meiner "Das Tor bleibt zu"-Politik allerdings einen Strich durch die Rechnung - mehreren VIPs musste erlaubt werden, auf dem Gelände zu parken. Mitarbeitern der amerikanischen Botschaft (mögliche Sponsoren der gastgebenden NGO) sowie der kubanischen Botschafterin wollte man nicht zumuten, drei Meter weiter als nötig zu laufen. Wobei letztere das mit Sicherheit mitgemacht hätte, sie war auch sonst ganz cool und ließ sich nach ihrer Ankunft zunächst in unserer Kinderecke mit einem facepainting verzieren.
Der Markt hatte begonnen, eine Marimbaband spielte zur Begrüßung, es fuhren nach wie vor Autos rein und raus und die erste auftretende Tanzgruppe, das Mophato Dance Theatre, hatte ein Transportproblem und daher größere Verspätung. Es lief also nicht total ideal, aber auch nicht schlecht. Und spätestens als das Mophato Dance Theatre auftrat und den Platz füllte, um den die Stände gruppiert waren, kam Stimmung auf.
Alle meine Freunde waren tatsächlich gekommen - außer denen, die krankheitsbedingt absagen mussten. Oder denen, die die Royal Wedding im Fernsehen verfolgten. Tatsächlich hörten wir an diesem Wochenende mehrmals, dass Leute sich gegen den Markt und für Harry und Meghan entschieden hatten. Ich weiß nicht genau, ob das britische Königshaus hier generell so einen hohen Stellenwert genießt oder ob es daran liegt, dass selbst die Facebookseite BW government nicht müde wird, die Verbindung des Paares zu Botswana zu preisen (gemeinsamer Urlaub hier, der Diamant am Verlobungsring ist aus Botswana etc.). Überdies war es recht windig - das seien die Winterwinde, sagte mir eine Ausstellerin. Sie brachten Bewölkung mit sich, was gar nicht so verkehrt war, denn auf dem Gelände ist sonst nur wenig Schatten. Trotzdem wirkte das Wetter auf einige potentielle Marktbesucher eventuell abschreckend. Ich denke, es hatte mit diesen zwei Faktoren zu tun, dass die Besucherzahlen hinter unseren Erwartungen zurückblieben - und vielleicht auch damit, dass es die erste Großveranstaltung auf einem ziemlich unbekannten Gelände war.
Für unser gutes advertisement waren wir von den Ausstellern zum Teil gelobt worden. Zumindest für eine Tanzgruppe war es jedoch nicht gut genug, die hat ihren Auftritt glatt verpasst, weil die Leiterin dachte, der Markt wäre erst eine Woche später. Meine Kollegin Wally, die den Auftritt organisiert hatte, war fassungslos, hatte sie doch erst ein paar Tage vorher die letzten Fragen mit eben jener Leiterin geklärt.
Aber sonst hat eigentlich alles recht gut geklappt. Obwohl wir mit mehr Besuchern gerechnet hatten, wurde der Essensstand komplett leergekauft. Einige Aussteller machten kein gutes Geschäft, dafür aber neue Bekanntschaften, aus denen sie sich Folgeverträge erhoffen. Der erfolgreichste Stand neben dem warmen Essen war wohl der mit Popcornmaschine und Zuckerwatte. Ich habe gestern noch einmal alle Aussteller kontaktiert und mich bedankt - die häufigste Reaktion war die Bitte, beim nächsten Markt doch wieder eingeladen zu werden. Das hat mich sehr gefreut, auch wenn ich nicht denke, dass ich einen weiteren Markt mitorganisieren werde. Da das Event jährlich stattfinden soll, stellt sich die Frage für mich vermutlich eh nicht.
Mir gegenüber hat sich eigentlich nur Samosa-Eva unzufrieden geäußert, was aber keine Überraschung war - ich habe Samosa-Eva bislang eigentlich immer nur unzufrieden erlebt. Eva verkauft auf den hiesigen Farmer's Markets warme Samosas und war schon im Vorfeld nicht glücklich, weil Wally und ich ihr das auf unserem Markt nicht erlauben wollten. Warme Speisen sowie Kuchen wurden bei uns exklusiv vom "Thapelong Empowerment Trust" angeboten, weitere Stände mit essfertigen Snacks etc. sollte es daher nicht geben, Popcorn und Zuckerwatte waren hierbei unsere einzige Ausnahme. Eva tat ihren Unmut sowohl persönlich als auch telefonisch mehrmals kund und beschloss dann murrend, einen Kunsthandwerksstand zu machen. Ein paar Tage vor dem Markt rief sie mich dann an, weil sie sich überlegt hatte, neben dem Kunsthandwerk gefrorene Samosas zum Mitnehmen anzubieten. Die Marktbesucher wären sonst sicher traurig, wenn sie ohne Samosas dastünde. Mein Einwand, dass ich das für keine gute Idee hielte, weil am Essensstand schon warme Samosas verkauft werden würden, kam nicht gut an: Eva witterte eine Verschwörung gegen ihre Samosas. Ich lenkte ein. Eva war halbwegs versöhnt - bis zum Markt, auf dem sie keine einzige gefrorene Samosa verkauft hat, was in ihren Augen nun auch wieder irgendwie meine Schuld ist. Zum Abschied beschwor sie mich, ihr beim nächsten Event den Verkauf warmer Samosas zu erlauben. Im Hinblick auf Samosa-Eva wünsche ich mir wirklich, bis dahin außer Landes zu sein ...
Alles in allem war der Arts & Crafts Market doch recht vorbereitungsintensiv - in den Tagen vorher habe ich in Supermärkten Plakate aufgehangen, bin auf der Suche nach Einwegtischdecken in mir völlig unbekannte Gegenden Gaborones gefahren und habe mit Hilfe einer zufälligen Passantin Getränkespenden abgeholt. Nebenbei waren zig Anrufe zu führen und Nachrichten zu schreiben. Und ich habe noch nicht mal den Großteil der Arbeit gemacht: Meine Namensvetterin Wally organisierte neben Essensspenden noch die Verlosung, holte die Preise bei ihren Spendern ab, informierte den Moderator über die Veranstaltungsdetails und spannte ihren Gärtner ein, um Sachen vom Tierheim zum Veranstaltungsort zu bringen. (Ihr Gärtner besitzt zum Glück einen Pick-up - unserer hat nur ein Fahrrad ...) An das Tierheim fließen jetzt auch die Veranstaltungserlöse aus Eintrittsgeldern, Standgebühren und Losverkauf - genaugenommen war der Arts & Crafts Market ja auch eine Veranstaltung des Tierheims. Nachdem ich im Vorfeld gehört hatte, dass das Tierheim so viele ehrenamtliche Helfer hat, dass sie sich untereinander gar nicht mehr kennen, hatte ich angenommen, dass aus dieser Richtung eine gewisse manpower zu erwarten sei. Am Veranstaltungstag selbst waren auch durchaus Helfer zugegen, im Vorfeld hielten sie sich aber extrem zurück. Für das nächste Mal würde ich schon empfehlen, so eine Marktorganisation auf mehr als zwei Schultern zu verteilen. So wurde eben lang von zweien gekocht und dann schnell gegessen ...
Dabei begann die Veranstaltung für mich ganz schön früh: Um kurz vor 7 Uhr war ich bereit am Ort des Geschehens, aber trotzdem nicht die allererste. Ein einsames Auto stand schon da, meine ersten "stall holder", die ihren Stand aufbauen wollten. Wenige Tage vorher hatte ich allen Ausstellern auf einem Kommunikationsweg ihrer Wahl (E-Mail, WhatsApp, SMS) noch einmal letzte Details zukommen lassen, unter anderem die Aufbauzeit: ab 7 Uhr, bis 9:30 Uhr könne auf dem Gelände geparkt werden, um 10 Uhr ginge es dann los. Da wir die Standplätze schon im Vorfeld verteilt hatten, hatte ich nicht wirklich schon um 7 Uhr morgens mit jemandem gerechnet und nehme auch immer noch an, dass Lorato nur so früh da war, weil sie "first come, first serve" vermutete - aber das tat ihrer guten Laune keinen Abbruch und ich freute mich, den ersten Haken auf meiner Standliste mit insgesamt 31 Ständen machen zu können.
Eine Stunde später hatte ich bereits die erste Lektion der Marktorganisation gelernt: Entweder, Du stellst den Leuten Tische für ihre Stände zur Verfügung, oder Du akzeptierst, dass Du Deine Vorstellungen von der Standgröße nicht durchsetzen können wirst. An unserem Veranstaltungsort Lady Masire Youth Center waren Tische wie Stühle Mangelware; wir mieteten zwar für den Markt Mobiliar an, hatten aber den Ausstellern gesagt, dass sie für ihre jeweiligen Stände alles selbst mitbringen müssten. Und dass ein Stand nicht breiter als zwei Meter sein sollte, sonst müsste ein Doppelstand gebucht werden (der dann die doppelte Standgebühr kostete). Zum Glück hatte niemand seinen Tisch vergessen, aber die zwei Meter Vorgabe wurde doch äußerst flexibel ausgelegt.
Die gastgebende NGO machte meiner "Das Tor bleibt zu"-Politik allerdings einen Strich durch die Rechnung - mehreren VIPs musste erlaubt werden, auf dem Gelände zu parken. Mitarbeitern der amerikanischen Botschaft (mögliche Sponsoren der gastgebenden NGO) sowie der kubanischen Botschafterin wollte man nicht zumuten, drei Meter weiter als nötig zu laufen. Wobei letztere das mit Sicherheit mitgemacht hätte, sie war auch sonst ganz cool und ließ sich nach ihrer Ankunft zunächst in unserer Kinderecke mit einem facepainting verzieren.
Der Markt hatte begonnen, eine Marimbaband spielte zur Begrüßung, es fuhren nach wie vor Autos rein und raus und die erste auftretende Tanzgruppe, das Mophato Dance Theatre, hatte ein Transportproblem und daher größere Verspätung. Es lief also nicht total ideal, aber auch nicht schlecht. Und spätestens als das Mophato Dance Theatre auftrat und den Platz füllte, um den die Stände gruppiert waren, kam Stimmung auf.
Alle meine Freunde waren tatsächlich gekommen - außer denen, die krankheitsbedingt absagen mussten. Oder denen, die die Royal Wedding im Fernsehen verfolgten. Tatsächlich hörten wir an diesem Wochenende mehrmals, dass Leute sich gegen den Markt und für Harry und Meghan entschieden hatten. Ich weiß nicht genau, ob das britische Königshaus hier generell so einen hohen Stellenwert genießt oder ob es daran liegt, dass selbst die Facebookseite BW government nicht müde wird, die Verbindung des Paares zu Botswana zu preisen (gemeinsamer Urlaub hier, der Diamant am Verlobungsring ist aus Botswana etc.). Überdies war es recht windig - das seien die Winterwinde, sagte mir eine Ausstellerin. Sie brachten Bewölkung mit sich, was gar nicht so verkehrt war, denn auf dem Gelände ist sonst nur wenig Schatten. Trotzdem wirkte das Wetter auf einige potentielle Marktbesucher eventuell abschreckend. Ich denke, es hatte mit diesen zwei Faktoren zu tun, dass die Besucherzahlen hinter unseren Erwartungen zurückblieben - und vielleicht auch damit, dass es die erste Großveranstaltung auf einem ziemlich unbekannten Gelände war.
Für unser gutes advertisement waren wir von den Ausstellern zum Teil gelobt worden. Zumindest für eine Tanzgruppe war es jedoch nicht gut genug, die hat ihren Auftritt glatt verpasst, weil die Leiterin dachte, der Markt wäre erst eine Woche später. Meine Kollegin Wally, die den Auftritt organisiert hatte, war fassungslos, hatte sie doch erst ein paar Tage vorher die letzten Fragen mit eben jener Leiterin geklärt.
Aber sonst hat eigentlich alles recht gut geklappt. Obwohl wir mit mehr Besuchern gerechnet hatten, wurde der Essensstand komplett leergekauft. Einige Aussteller machten kein gutes Geschäft, dafür aber neue Bekanntschaften, aus denen sie sich Folgeverträge erhoffen. Der erfolgreichste Stand neben dem warmen Essen war wohl der mit Popcornmaschine und Zuckerwatte. Ich habe gestern noch einmal alle Aussteller kontaktiert und mich bedankt - die häufigste Reaktion war die Bitte, beim nächsten Markt doch wieder eingeladen zu werden. Das hat mich sehr gefreut, auch wenn ich nicht denke, dass ich einen weiteren Markt mitorganisieren werde. Da das Event jährlich stattfinden soll, stellt sich die Frage für mich vermutlich eh nicht.
Mir gegenüber hat sich eigentlich nur Samosa-Eva unzufrieden geäußert, was aber keine Überraschung war - ich habe Samosa-Eva bislang eigentlich immer nur unzufrieden erlebt. Eva verkauft auf den hiesigen Farmer's Markets warme Samosas und war schon im Vorfeld nicht glücklich, weil Wally und ich ihr das auf unserem Markt nicht erlauben wollten. Warme Speisen sowie Kuchen wurden bei uns exklusiv vom "Thapelong Empowerment Trust" angeboten, weitere Stände mit essfertigen Snacks etc. sollte es daher nicht geben, Popcorn und Zuckerwatte waren hierbei unsere einzige Ausnahme. Eva tat ihren Unmut sowohl persönlich als auch telefonisch mehrmals kund und beschloss dann murrend, einen Kunsthandwerksstand zu machen. Ein paar Tage vor dem Markt rief sie mich dann an, weil sie sich überlegt hatte, neben dem Kunsthandwerk gefrorene Samosas zum Mitnehmen anzubieten. Die Marktbesucher wären sonst sicher traurig, wenn sie ohne Samosas dastünde. Mein Einwand, dass ich das für keine gute Idee hielte, weil am Essensstand schon warme Samosas verkauft werden würden, kam nicht gut an: Eva witterte eine Verschwörung gegen ihre Samosas. Ich lenkte ein. Eva war halbwegs versöhnt - bis zum Markt, auf dem sie keine einzige gefrorene Samosa verkauft hat, was in ihren Augen nun auch wieder irgendwie meine Schuld ist. Zum Abschied beschwor sie mich, ihr beim nächsten Event den Verkauf warmer Samosas zu erlauben. Im Hinblick auf Samosa-Eva wünsche ich mir wirklich, bis dahin außer Landes zu sein ...
Alles in allem war der Arts & Crafts Market doch recht vorbereitungsintensiv - in den Tagen vorher habe ich in Supermärkten Plakate aufgehangen, bin auf der Suche nach Einwegtischdecken in mir völlig unbekannte Gegenden Gaborones gefahren und habe mit Hilfe einer zufälligen Passantin Getränkespenden abgeholt. Nebenbei waren zig Anrufe zu führen und Nachrichten zu schreiben. Und ich habe noch nicht mal den Großteil der Arbeit gemacht: Meine Namensvetterin Wally organisierte neben Essensspenden noch die Verlosung, holte die Preise bei ihren Spendern ab, informierte den Moderator über die Veranstaltungsdetails und spannte ihren Gärtner ein, um Sachen vom Tierheim zum Veranstaltungsort zu bringen. (Ihr Gärtner besitzt zum Glück einen Pick-up - unserer hat nur ein Fahrrad ...) An das Tierheim fließen jetzt auch die Veranstaltungserlöse aus Eintrittsgeldern, Standgebühren und Losverkauf - genaugenommen war der Arts & Crafts Market ja auch eine Veranstaltung des Tierheims. Nachdem ich im Vorfeld gehört hatte, dass das Tierheim so viele ehrenamtliche Helfer hat, dass sie sich untereinander gar nicht mehr kennen, hatte ich angenommen, dass aus dieser Richtung eine gewisse manpower zu erwarten sei. Am Veranstaltungstag selbst waren auch durchaus Helfer zugegen, im Vorfeld hielten sie sich aber extrem zurück. Für das nächste Mal würde ich schon empfehlen, so eine Marktorganisation auf mehr als zwei Schultern zu verteilen. So wurde eben lang von zweien gekocht und dann schnell gegessen ...
Mittwoch, 9. Mai 2018
Arts & Crafts
Vor ungefähr einem Jahr lernte ich eine Namensvetterin kennen, die ebenfalls aus Deutschland kommt. Sie hat bereits in verschiedenen afrikanischen Ländern gearbeitet, unter anderem in Botswana, wo es ihr sehr gefallen hat - so gut, dass sie beschlossen hat, ihren Ruhestand hier zu verbringen. Wally engagiert sich ehrenamtlich im einzigen Tierheim des Landes und erzählte mir, dass es bis 2014 einen jährlich stattfindenden Kunsthandwerksmarkt in Gaborone gegeben hätte, dessen Erlöse dorthin geflossen seien. Danach hätte das Event nicht mehr stattgefunden, weil der frühere Veranstaltungsort nicht mehr zur Verfügung gestanden hätte. Sie wollte es nun aber wiederbeleben und nachdem ich doch lange als Veranstaltungsmanagerin gearbeitet hätte, könnte ich doch vielleicht helfen ...
Getreu meines Mottos hier in Botswana, das sich mit "Why not?" zusammenfassen lässt, sagte ich zu. Besagter Kunsthandwerksmarkt findet nun nächste Woche Samstag statt, als Fundraising-Veranstaltung für das Tierheim und auf dem Gelände einer in Botswana neuen NGO, die sich damit erstmals der hiesigen Öffentlichkeit präsentiert. Nichtsdestotrotz liegt die Organisation des Ganzen vor allem bei Wally und mir, weswegen wir schon öfters mit "Hello Wallis" begrüßt wurden. Ich wurde auch schon gefragt, ob Walli ein besonders häufiger deutscher Vorname sei. Wir vermitteln einen völlig falschen Eindruck.
Auf dem Kunsthandwerksmarkt wird es neben verschiedenen Musik-, Tanz- und Theateraufführungen auch jede Menge Stände geben. Die angebotenen Produkte sollen in Botswana hergestellt worden sein bzw. "made and sold by the people in Botswana" wie es in unserem Einladungsbrief heißt. Vor zwei Wochen besuchten Wally und ich mal wieder den hier regelmäßig stattfindenden Farmer's Market und versuchten dort, eine Verkäuferin von Lederwaren für unseren Markt zu gewinnen. Nach einigen vagen Bermerkungen erzählte sie schließlich, sie käme ursprünglich aus Simbabwe und hielt das aufgrund unserer Einladung für ein Ausschlusskriterium. Wir wollen aber keine Ausländer ausschließen, sondern nur ausländische Produkte (in Botswana wird ja generell wahnsinnig viel aus Südafrika verkauft, das soll auf unserem Markt anders sein und ist damit auch eins seiner Alleinstellungsmerkmale). Als wir ihr sagten, es käme nur darauf an, dass sie ihre Taschen in Botswana produziere und ich hinzufügte, wir seien ja selbst Ausländer, drückte die Frau kurz meinen Arm. Ich kann es schwer beschreiben, aber irgendwie bedeutete es ihr etwas, dass ich sie und uns so gleichgesetzt hatte, und das rührte wiederum mich.
Generell hat das an der Marktorganisaton bisher den größten Spaß gemacht: Mit Leuten in Kontakt zu kommen, bei denen man sich sonst maximal nach dem Preis ihrer Waren erkundigt hätte. Zum Teil ist das in Kontakt kommen aber auch etwas mühsam. Wally und ich haben einige Marktleute von den Farmer's Markets angesprochen, aber unser Kunsthandwerksmarkt soll ja nicht nur ein müder Abklatsch davon sein. Es existierte noch eine alte Liste mit Kontaktdaten von Leuten, die an den früheren Kunsthandwerksmarkten teilgenommen haben. Diese haben wir angeschrieben bzw. angerufen. Einige Emailadressen fehlten, andere waren falsch und längst nicht jeder Botswaner hat überhaupt eine. Manche der Angerufenen baten mich, ihnen alle Infos per WhatsApp zu schicken. Andere hatten kein WhatsApp-fähiges Handy, gaben mir aber die Telefonnummern von Verwandten, die WhatsApp hatten und denen ich Nachrichten an sie schicken könnte. Bei einigen blieb nur SMS. Gerade letzte Woche sprach ich nochmal mit einer Künstlerin, die ich im Februar kennengelernt hatte. Im März hatte ich sie dann wegen des Marktes angerufen, sie hatte mir die WhatsApp-Nummer ihrer Tante gegeben, die Nachricht an diese war jedoch nie übermittelt worden ... wie dem auch sei, ich wollte Puni, die sich selbst als "Recyclist" bezeichnet, wirklich gerne dabei haben und erzählte ihr vor ein paar Tagen noch einmal alle bisher feststehenden Details zum Markt am Telefon. Sie war Feuer und Flamme; auch, als ich anbot, ihr die Eckdaten nochmal per SMS zu schicken, was ich dann auch gleich tat. Um so verwunderter war ich, als diese Woche die Absage kam: Sie würde es nicht schaffen, beim Markt dabei zu sein, da sie in dieser Zeit ein Baby erwarten würde. Zweifellos ein guter Grund für eine Absage, dennoch kam das für mich sehr überraschend, nachdem sie bis letzte Woche doch noch hatte teilnehmen wollen. Dass sie in einer guten Woche ein Kind erwartet, muss da doch eigentlich bereits absehbar gewesen sein ...
Aber es ist scheinbar auch etwas Kulturelles, dass man sich in jedem Fall höflich-interessiert bis begeistert gibt, wenn eine Idee an einen herangetragen wird. Bei meinen Akquisegesprächen war ich angenehm überrascht, wie freundlich die meisten auf mich unbekannte Anruferin reagierten. Die Kehrseite der Medaille: Nur weil jemand euphorisch die Marktidee lobt und sein Interesse bekundet, bedeutet das noch nicht, dass er wirklich dabei sein will. Es kann auch gut sein, dass er sich nie wieder meldet. Schon gar nicht um abzusagen.
Eine weitere Erfahrung: Langfristige Planung scheint hier unüblich. Nicht nur ein Ansprechpartner zeigte sich im März verwirrt, dass wir ihn jetzt schon kontaktierten, obwohl das Event erst zwei Monate später stattfinden sollte. Als ich Mitte April ein Marktplakat bei einer teilnehmenden Töpferei vorbeibrachte und dem Töpfer gleich auch noch auf einem Lageplan zeigte, wo wir seinen Stand positionieren wollten, meinte er hingerissen, das Ganze würde den Eindruck vermitteln, das Event sei übermorgen. Dieses Gespräch macht mir inzwischen Hoffnung, denn gefühlt ist der Markt jetzt langsam wirklich übermorgen und es gibt noch viel, viel zu tun. Nicht zuletzt auf dem Gelände, auf dem er stattfindet. Die Startschwierigkeiten der hochmotivierten NGO-Mitarbeiter darzulegen, würde hier viel zu weit führen, daher in aller Kürze: Als im Januar die Entscheidung fiel, den Markt auf ihrem Grundstück zu veranstalten, gab es dort viel Brachland, ein paar leere Gebäude, die zum Teil baufällig waren und jede Menge Pläne.
Wir sahen das Potential - und sehen es noch immer, quasi unverändert. Aus der hier gezeigten Perspektive hat sich seit Februar eigentlich gar nichts getan - außer, dass inzwischen stellenweise hohes Gras gewachsen ist, was irgendjemand noch mähen muss, bevor der Markt dort stattfinden kann (worüber sich alle Beteiligten einig sind - darüber, wer mäht und wer das bezahlt, herrscht dagegen leider Uneinigkeit). Dass längst nicht so viel passiert ist wie angedacht, liegt nicht an der Arbeit der NGO, sondern vor allem an den botswanischen Bürokratie-Mühlen, die sehr langsam mahlen. Auf diesem Foto sieht man sowohl die meisten Standplätze als auch die Außenbühne - Standplätze am Rand vor den Gebäuden, die Bühne als Freifläche in der Mitte. Ich habe heute Leute über das Gelände geführt, die auf dem Markt Kunst ausstellen wollen bzw. Chor-, Tanz- und Theaterauftritte planen. Enthusiastisch unsere Pläne darzulegen, während einem "Wie Sie sehen, sehen Sie nichts" im Kopf herumgeht, ist gar nicht so einfach.
Noch ist viel zu tun und zumindest bei uns Wallis wächst die Nervosität. Gefühlt gibt es viele Unwägbarkeiten und ich habe noch nie an einer Veranstaltung mitgeplant, bei der ich so viele Faktoren nicht beeinflussen konnte. Vor allem werde ich das blöde Gefühl nicht los, dass wir irgendwelche landestypischen Risiken aus Unwissenheit komplett vernachlässigen. Andererseits sind fünf Stunden Kunsthandwerksmarkt hoffentlich ein so kurzer Zeitraum, dass da gar nicht so viel schiefgehen kann. Oder doch? Ich werde in zwei Wochen berichten ...
Getreu meines Mottos hier in Botswana, das sich mit "Why not?" zusammenfassen lässt, sagte ich zu. Besagter Kunsthandwerksmarkt findet nun nächste Woche Samstag statt, als Fundraising-Veranstaltung für das Tierheim und auf dem Gelände einer in Botswana neuen NGO, die sich damit erstmals der hiesigen Öffentlichkeit präsentiert. Nichtsdestotrotz liegt die Organisation des Ganzen vor allem bei Wally und mir, weswegen wir schon öfters mit "Hello Wallis" begrüßt wurden. Ich wurde auch schon gefragt, ob Walli ein besonders häufiger deutscher Vorname sei. Wir vermitteln einen völlig falschen Eindruck.
Auf dem Kunsthandwerksmarkt wird es neben verschiedenen Musik-, Tanz- und Theateraufführungen auch jede Menge Stände geben. Die angebotenen Produkte sollen in Botswana hergestellt worden sein bzw. "made and sold by the people in Botswana" wie es in unserem Einladungsbrief heißt. Vor zwei Wochen besuchten Wally und ich mal wieder den hier regelmäßig stattfindenden Farmer's Market und versuchten dort, eine Verkäuferin von Lederwaren für unseren Markt zu gewinnen. Nach einigen vagen Bermerkungen erzählte sie schließlich, sie käme ursprünglich aus Simbabwe und hielt das aufgrund unserer Einladung für ein Ausschlusskriterium. Wir wollen aber keine Ausländer ausschließen, sondern nur ausländische Produkte (in Botswana wird ja generell wahnsinnig viel aus Südafrika verkauft, das soll auf unserem Markt anders sein und ist damit auch eins seiner Alleinstellungsmerkmale). Als wir ihr sagten, es käme nur darauf an, dass sie ihre Taschen in Botswana produziere und ich hinzufügte, wir seien ja selbst Ausländer, drückte die Frau kurz meinen Arm. Ich kann es schwer beschreiben, aber irgendwie bedeutete es ihr etwas, dass ich sie und uns so gleichgesetzt hatte, und das rührte wiederum mich.
Generell hat das an der Marktorganisaton bisher den größten Spaß gemacht: Mit Leuten in Kontakt zu kommen, bei denen man sich sonst maximal nach dem Preis ihrer Waren erkundigt hätte. Zum Teil ist das in Kontakt kommen aber auch etwas mühsam. Wally und ich haben einige Marktleute von den Farmer's Markets angesprochen, aber unser Kunsthandwerksmarkt soll ja nicht nur ein müder Abklatsch davon sein. Es existierte noch eine alte Liste mit Kontaktdaten von Leuten, die an den früheren Kunsthandwerksmarkten teilgenommen haben. Diese haben wir angeschrieben bzw. angerufen. Einige Emailadressen fehlten, andere waren falsch und längst nicht jeder Botswaner hat überhaupt eine. Manche der Angerufenen baten mich, ihnen alle Infos per WhatsApp zu schicken. Andere hatten kein WhatsApp-fähiges Handy, gaben mir aber die Telefonnummern von Verwandten, die WhatsApp hatten und denen ich Nachrichten an sie schicken könnte. Bei einigen blieb nur SMS. Gerade letzte Woche sprach ich nochmal mit einer Künstlerin, die ich im Februar kennengelernt hatte. Im März hatte ich sie dann wegen des Marktes angerufen, sie hatte mir die WhatsApp-Nummer ihrer Tante gegeben, die Nachricht an diese war jedoch nie übermittelt worden ... wie dem auch sei, ich wollte Puni, die sich selbst als "Recyclist" bezeichnet, wirklich gerne dabei haben und erzählte ihr vor ein paar Tagen noch einmal alle bisher feststehenden Details zum Markt am Telefon. Sie war Feuer und Flamme; auch, als ich anbot, ihr die Eckdaten nochmal per SMS zu schicken, was ich dann auch gleich tat. Um so verwunderter war ich, als diese Woche die Absage kam: Sie würde es nicht schaffen, beim Markt dabei zu sein, da sie in dieser Zeit ein Baby erwarten würde. Zweifellos ein guter Grund für eine Absage, dennoch kam das für mich sehr überraschend, nachdem sie bis letzte Woche doch noch hatte teilnehmen wollen. Dass sie in einer guten Woche ein Kind erwartet, muss da doch eigentlich bereits absehbar gewesen sein ...
Aber es ist scheinbar auch etwas Kulturelles, dass man sich in jedem Fall höflich-interessiert bis begeistert gibt, wenn eine Idee an einen herangetragen wird. Bei meinen Akquisegesprächen war ich angenehm überrascht, wie freundlich die meisten auf mich unbekannte Anruferin reagierten. Die Kehrseite der Medaille: Nur weil jemand euphorisch die Marktidee lobt und sein Interesse bekundet, bedeutet das noch nicht, dass er wirklich dabei sein will. Es kann auch gut sein, dass er sich nie wieder meldet. Schon gar nicht um abzusagen.
Eine weitere Erfahrung: Langfristige Planung scheint hier unüblich. Nicht nur ein Ansprechpartner zeigte sich im März verwirrt, dass wir ihn jetzt schon kontaktierten, obwohl das Event erst zwei Monate später stattfinden sollte. Als ich Mitte April ein Marktplakat bei einer teilnehmenden Töpferei vorbeibrachte und dem Töpfer gleich auch noch auf einem Lageplan zeigte, wo wir seinen Stand positionieren wollten, meinte er hingerissen, das Ganze würde den Eindruck vermitteln, das Event sei übermorgen. Dieses Gespräch macht mir inzwischen Hoffnung, denn gefühlt ist der Markt jetzt langsam wirklich übermorgen und es gibt noch viel, viel zu tun. Nicht zuletzt auf dem Gelände, auf dem er stattfindet. Die Startschwierigkeiten der hochmotivierten NGO-Mitarbeiter darzulegen, würde hier viel zu weit führen, daher in aller Kürze: Als im Januar die Entscheidung fiel, den Markt auf ihrem Grundstück zu veranstalten, gab es dort viel Brachland, ein paar leere Gebäude, die zum Teil baufällig waren und jede Menge Pläne.
Noch ist viel zu tun und zumindest bei uns Wallis wächst die Nervosität. Gefühlt gibt es viele Unwägbarkeiten und ich habe noch nie an einer Veranstaltung mitgeplant, bei der ich so viele Faktoren nicht beeinflussen konnte. Vor allem werde ich das blöde Gefühl nicht los, dass wir irgendwelche landestypischen Risiken aus Unwissenheit komplett vernachlässigen. Andererseits sind fünf Stunden Kunsthandwerksmarkt hoffentlich ein so kurzer Zeitraum, dass da gar nicht so viel schiefgehen kann. Oder doch? Ich werde in zwei Wochen berichten ...
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